NORDLB belässt Wirecard auf 'Kaufen' (Seite 112) | Diskussion im Forum

eröffnet am 05.02.19 14:12:23 von
neuester Beitrag 16.01.21 16:26:24 von


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26.11.20 22:10:16
Beitrag Nr. 1.111 ()
Schon ein Erscheinungsdatum des Films bekannt?
Wirecard | 0,491 €
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27.11.20 20:28:02
Beitrag Nr. 1.112 ()
...
Die neuen Fehlbeträge verteilen sich auf sechs verschiedene Treuhandguthaben. Inhaber sind neben den bekannten Adressen wie Al Alam, Senjo und PayEasy drei neue Namen: OCAP, Kalixa und Ruprecht.

Was Freis nun hören muss, vergällt ihm seinen undankbaren Job noch mehr. Alle drei Kontoinhaber stehen mit einem inzwischen berüchtigten Drittpartner in Verbindung: Senjo aus Singapur. Dort soll laut Insidern ein Mann regieren, der zwar keine offizielle Funktion hat, aber trotzdem alles Wesentliche entscheidet: Henry O’Sullivan.

Der Brite war einer der wichtigsten Strippenzieher bei verschiedenen Wirecard-Akquisitionen. Der Münchener Konzern befand sich zehn Jahre lang auf Einkaufstour, gesteuert von Jan Marsalek. O’Sullivan gilt als Vertrauter von Marsalek, kassiert bei den Übernahmen im Wert von insgesamt 1,2 Milliarden Euro häufig Provisionen und tritt mal als Berater auf, mal als Partner.
...


Die letzten 18 Monate des Konzerns wirken wie ein Windhundrennen. Selbst die Wirtschaftsprüfer von EY, die jahrelang alles testierten, was Wirecard ihnen vorlegte, waren misstrauisch geworden. Testüberweisungen von Treuhandkonten wurden angefordert. 2018 flossen tatsächlich 50 Millionen Euro aus Singapur nach Aschheim. Das Geld war echt, notierten die Wirtschafsprüfer. Freilich: Heute kann niemand mehr nachvollziehen, was denn anschließend mit dem Geld geschah.

Die Ermittler in München hegen zudem einen schweren Verdacht: Möglich ist, dass selbst die 50 Millionen Euro nicht direkt vom Treuhänder stammten, sondern nur zeitgleich von einem anderen Unternehmen eingingen – und flugs als Treuhand-Testüberweisung deklariert wurden.
...

Verdächtige Kreditliste

Es war offenbar Sicherheit für schönen Schein. Dem Handelsblatt liegt eine interne Wirecard-Liste von 24 Firmen vor, die mutmaßlich alle mit Marsalek verbunden waren oder sind. Viele tragen Kunstnamen, die sich keinem Geschäftszweck zuordnen lassen. Sie heißen Bijlipay, Goomo und MPS Munich PS, Istratos, Getnow und IMS. Manche erhielten eine Million Euro Kredit von Wirecard, andere zwanzig Millionen. Insgesamt wurden mehr als 125 Millionen Euro ausgereicht.
...

Beschwerden der Revision wischte Marsalek als Vorstand eigenhändig beiseite. Welche Unterlagen seine Mitarbeiter auch immer anfordern mochten – Marsalek vertröstete sie und drohte mit „Konsequenzen“, wenn das Geld nicht nach seinen Anweisungen floss. Die versprochenen Unterlagen lieferte er laut Mitarbeitern nie nach.
...

Drei Minuten entfernt von seiner Villa war Marsaleks Stammrestaurant „Käfer“, schräg gegenüber das russische Generalkonsulat, in dem der Wirecard-Vorstand laut Augenzeugen ein- und ausging.
...

Es ist unwahrscheinlich, dass Jan Marsalek sich in der Prinzregentenstraße 61 je wieder blicken lässt. Insider vermuten ihn in Russland. Aus dem innersten Kreis dringt eine beunruhigende Nachricht.

Die Bargeldverstecke, die Marsalek in jahrelanger Arbeit rund um den Erdball angelegt haben soll, könnten erheblich geschrumpft sein, manche gar geplündert. „Ich habe gehört, dass sich die Leute bedienen“, sagt ein Vertrauter. Irgendwie sei das zu erwarten gewesen. „Niemand weiß, ob Jan je wiederkommt. Und wenn … er kann das Geld ja schlecht einklagen.“



27.11.
Jan Marsalek und der Coup des Jahrhunderts
In den fünf Jahren vor dem Zusammenbruch von Wirecard flossen ungeheure Summen aus dem Konzern. Ex-Vorstand Jan Marsalek dirigierte dabei eine Gruppe von Geschäftsleuten rund um den Globus. Eine Rekonstruktion.
https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/…
Wirecard | 0,501 €
1 Antwort
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27.11.20 20:39:41
Beitrag Nr. 1.113 ()
Antwort auf Beitrag Nr.: 65.870.577 von faultcode am 27.11.20 20:28:02Dr. Markus Braun alias Dr. Heinrich Faust und Jan Maršálek alias Mephisto

Also der Markus Braun will mindestens diese 5 Jahre lang davon nichts mitbekommen haben. Dann gibt es mMn aber nur zwei logische Erklärungen dafür:

a/ Markus Braun ist tatsächlich eine Mischung aus doof und naiv

oder

b/ Markus Braun hat Jan Maršálek bewusst gewähren lassen


a/ will ich nicht glauben und bei b/ stellt sich sofort die Frage nach dem Warum?

So wie ich es schon mal machte:

10.07.
Zitat von faultcode: ...
Warum hat Markus Braun 2010 Jan Maršálek zum COO gemacht?
...

..und ich hatte und habe da immer noch eine Theorie dazu:

03.09.
Zitat von faultcode: Meine Vermutung:
Jan Maršálek ist bereits ab 2010 als frischer COO (1.2.2010) offiziell und quasi "hauptamtlich" für die "Spionage-Abwehr" bei Wirecard zuständig gemacht worden

Von zwar von Dr. Markus Braun und niemandem sonst.
...


Wie Dr. Heinrich Faust, der eben den Pakt mit dem Teufel einging:

Im sogenannten Teufelspakt verpflichtet sich Mephistopheles, Faust im Diesseits zu dienen und hier alle Wünsche zu erfüllen. Im Gegenzug ist Faust bereit, dem Teufel seine Seele zu überantworten, falls es diesem gelinge, ihm Erfüllung und Lebensglück zu verschaffen
https://de.wikipedia.org/wiki/Faust._Eine_Trag%C3%B6die.#Stu…
Wirecard | 0,496 €
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01.12.20 14:04:26
Beitrag Nr. 1.114 ()
1.12.
Watchdog suspects EY knew it issued ‘factually inaccurate’ Wirecard audit
Big Four auditor under increasing pressure over its role in German accounting fraud
https://www.ft.com/content/2e7de2c1-46f5-49fd-b3da-e2065e93e…
...
However, in 2017 EY was just days away from denying Wirecard the crucial all-clear, according to documents reviewed by Apas. On March 29 of that year EY warned Wirecard that a qualified audit was imminent and shared a draft version of a qualified opinion with its client, people familiar with the documents told the FT.

One of the sticking points raised by EY were protracted delays to a forensic audit by EY’s anti-fraud team into alleged accounting manipulations at a Wirecard subsidiary in India, which was being stonewalled by Wirecard executives.

Just days later, the auditors changed their minds. On April 5, they signed an audit opinion that stated: “Our audit has not led to any reservations.”

Apas found that it was unreasonable to believe that the issues could have been resolved within a few days, according to people familiar with the matter. The watchdog told prosecutors that therefore EY’s unqualified audit was “factually inaccurate”.

...


=> Just days later, the auditors changed their minds. :rolleyes:
Wirecard | 0,501 €
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02.12.20 14:34:25
Beitrag Nr. 1.115 ()
<sehr lang>

...
Der stern und das Wirtschaftsmagazin "Capital" konnten dazu jetzt bisher unbekannte interne Unterlagen aus dem Finanzministerium und der Finanzaufsicht Bafin auswerten. Die Unterlagen werfen neue Fragen auf und sie untermauern einen Verdacht: Dass deutsche Aufseher das deutsche Unternehmen Wirecard mit Samthandschuhen anfassten – und zugleich mit beträchtlicher Härte gegen vermeintlich böswillige Kritiker im Ausland vorgingen.

Sicher ist: Als Kukies am 5. November 2019 Braun zu einem einstündigen Gespräch traf, schien die Beweislage gegen den Wirecard-Konzern eigentlich bereits erdrückend. Braun weist zwar bis heute alle Vorwürfe gegen sich zurück. Aber bereits am 15. Oktober 2019 hatte die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" (FT) über konkrete, auf interne Unterlagen gestützte Indizien berichtet, dass die Hälfte des Umsatzes und ein Großteil des Gewinns von Wirecard erschwindelt sein könnten.

Dennoch will Kukies – so stellt es das Finanzministerium dar – im November 2019 mit Braun über eine Vielzahl eher harmloser Themen diskutiert haben – über die Geschäftsmodelle verschiedener Zahlungsdienstleister, von Wirecard bis Paypal, über Kryptowährungen und über Fremdkapital für Start-up-Firmen. Und ja, auch die Betrugsvorwürfe gegen Wirecard seien ein Thema gewesen, sowie die Sonderuntersuchung, die die Prüfgesellschaft KPMG gerade begonnen hatte. So stellt es das Finanzministerium dar.

Am 31. Oktober 2019 – einem Donnerstag – informierte jedenfalls ein Bediensteter des Ministeriums das zuständige Referat für "Börsen- und Wertpapierwesen", dass der Staatssekretär für sein Gespräch mit dem Wirecard-Chef eine schriftliche Vorbereitung bis Dienstschluss am 4. November brauche. Es solle dabei "ausschließlich um die Ermittlungen und die Sonderprüfung der Bafin wegen der bekannten Vorwürfe im Hinblick auf eine mögliche Marktmanipulation gehen". Auffällig auch: Kukies‘ Büroleiter hatte die Bitte ausdrücklich nur mündlich weitergegeben. Die "vorbereitenden Unterlagen" seien "äußerst vertraulich behandelt" worden, hielt eine Ministeriale im August diesen Jahres fest.
...

In der Tat muss damals bereits eigentlich auch den zuständigen Mitarbeitern in der Scholz unterstellten Bafin gedämmert haben, dass die Lage bei Wirecard ernster sein könnte, als bisher gedacht. Das zeigen auch die Akten. Am 25. Oktober – immer noch geschlagene zehn Tage nach McCrums Enthüllung – bestellte das Börsen-Referat des Finanzministeriums bei der Bafin eine Einschätzung der Zeitungsrecherche – angestoßen durch die Anfrage eines Bürgers, der sich Sorgen um sein Investment bei Wirecard machte.

...


Bei der Münchner Staatsanwaltschaft und bei der Bafin glaubte man damals weiter den Einflüsterungen der Wirecard-Manager. Eine Referentin hielt am 15. Februar 2019 handschriftlich fest, was die Münchner Staatsanwaltschaft gerade per Fax nach Frankfurt übermittelt habe – eine Räuberstory, die offenkundig ebenfalls von Wirecard stammte: "Dass die Wirecard AG zur Zahlung einer hohen Geldsumme aufgefordert worden sei, ansonsten würden sich weitere Personen und Medien der negativen Berichterstattung, die seit dem 31.01.2019 erfolgte anschließen." Die Staatsanwaltschaft schätze diese Information "als glaubhaft ein".
...

Aus den Unterlagen geht hervor, dass sich die zuständige Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele persönlich im Detail um das Leerverkaufsverbot kümmerte; sie korrigierte im Entwurf von zwei Mitarbeiterinnen sogar zwei Rechtschreibfehler. Und sie ging über Bedenken der Bundesbank hinweg. Der FDP-Finanzexperte Florian Toncar argwöhnt darum, dass das Verbot damals mit Minister Scholz oder zumindest dessen Staatssekretär Kukies abgesprochen war. Es erscheine ihm, so Toncar, "nahezu unvorstellbar, dass die Leitungsebene des Bundesfinanzministerium diese sehr ungewöhnliche Maßnahme nicht vorher abgesegnet hat".
...


:eek: :laugh:
Die Enthüllungen in den Monaten März, April und Mai hatten die Mitarbeiter in den Bafin-Referaten für Bilanzkontrolle und Marktmanipulation allerdings gar nicht gelesen. Das stellten jüngst Prüfer für eine EU-Aufsichtsbehörde erstaunt fest. Die Bafin-Pressestelle fertige zwar zweimal täglich einen Pressespiegel mit Zeitungsausschnitten, konzentriere sich dabei aber auf nationale deutsche Zeitungen, erfuhren die Prüfer von der Bafin: "Internationale Medien werden nur in Ausnahmefällen berücksichtigt." (+)

2.12.
"Moskau am Main" – interne Akten zeigen im Wirecard-Skandal die bizarre Vorstellungswelt der Bafin
https://www.stern.de/politik/deutschland/bei-der-bafin-fuerc…


___
(+) zur Erinnerung für diese Leute: das war der Zeitpunkt, an dem ein intelligenter Mensch hätte stutzig werden müssen, denn diese Vorgang passte überhaupt nicht zu dem, was Markus Braun später öffentlich dazu sagte.

Und was mMn ein Hinweis ist, daß Markus Braun spätestens zu diesem Zeitpunkt über Betrug bei der Rechnungslegung mindestens in Singapur, dem Zentrum des wichtigen Asiengeschäftes, nachweislich Wissen gehabt haben könnte:

Zitat von faultcode: 26. März 2019, 16:51 Uhr
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirecard-financial-ti…
=>
...Mit der jetzt zusammengefassten Untersuchung hatte Rajah & Tann offenbar nicht mehr zu tun. Man habe die Daten, die im vergangenen Jahr der Kanzlei vorlagen, einer unabhängigen Beratungsfirma zur Verfügung gestellt. Die Feststellung der Kanzlei, dass einzelne Zahlungen zwischen Wirecard-Töchtern und Geschäftspartnern nicht zu Verträgen zwischen diesen passten, konnten die Berater nicht widerlegen...

=> der Autor selber dazu:
https://twitter.com/Willmroth/status/1110620775323758593...


Wenn man schon nicht der Financial Times Glauben schenken will, was bis zu einem gewissen Grad ja auch verständlich ist (weil eben Massenmedium, was von Verkäufen lebt), warum nicht mal selber diskret bei Rajah & Tann nachfragen?

Die sind ja nicht im Geschäft Klicks zu verkaufen.
Wirecard | 0,500 €
1 Antwort
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02.12.20 14:51:41
Beitrag Nr. 1.116 ()
Antwort auf Beitrag Nr.: 65.921.178 von faultcode am 02.12.20 14:34:25Warum bringst Du diese wichtigen Berichte nicht auch in dem anderen Thread zu Wirecard ?
Wirecard | 0,506 €
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03.12.20 20:46:10
Beitrag Nr. 1.117 ()
Antwort auf Beitrag Nr.: 64.976.520 von faultcode am 03.09.20 12:52:03
https://twitter.com/FD/status/1334205102748471304

Tag:
• Dan McCrum
Wirecard | 0,516 €
3 Antworten
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04.12.20 13:36:18
Beitrag Nr. 1.118 ()
Antwort auf Beitrag Nr.: 65.941.044 von faultcode am 03.12.20 20:46:104.12.
Wirecard-Bank soll binnen einem Jahr abgewickelt werden
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wirecard-bank-…
...
Die Zerlegung des Wirecard-Konzerns schreitet voran. Anfang der Woche wurden Vorstand und Aufsichtsrat der Wirecard Bank nach SPIEGEL-Informationen neu besetzt. Chef der Konzerntochter ist seit dem 1. Dezember Frank Hellwig, der gerade erst in den Aufsichtsrat gerückt war.

Hellwig arbeitete fast zehn Jahre lang bei der Bad Bank FMS Wertmanagement, in der die Altlasten der in der Finanzkrise kollabierten Hypo Real Estate abgewickelt werden. Wesentlich schneller, nämlich bis Ende nächsten Jahres, soll Hellwig, 60, nun die Wirecard Bank herunterfahren. Neben ihm bleibt Jörg Brand im Vorstand. Ein dreiköpfiger Aufsichtsrat ergänzt das Personaltableau.

Der Insolvenzverwalter der Wirecard AG, Michael Jaffé, hatte vor Kurzem das Kerngeschäft des Konzerns an die spanische Bank Santander verkauft. Sie übernimmt auch die für die Zahlungsabwicklung notwendige Technologie der Banktochter sowie viele Mitarbeiter, nicht aber das Institut selbst.

Die Wirecard Bank ist nicht insolvent, hat aber keine Zukunft. Sie ist bereits stark geschrumpft und hatte laut Insolvenzbericht der Muttergesellschaft zuletzt noch Verbindlichkeiten gegenüber Kunden von 387 Millionen Euro. Die Bank hatte andere Wirecard-Töchter und dubiose externe Partnerfirmen mit Hunderten Millionen Euro an Krediten versorgt. Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass dieses Geld veruntreut wurde, sie ermittelt außerdem wegen Geldwäsche gegen Verantwortliche des Instituts.
Wirecard | 0,529 €
2 Antworten
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04.12.20 19:55:37
Beitrag Nr. 1.119 ()
Antwort auf Beitrag Nr.: 65.948.370 von faultcode am 04.12.20 13:36:184.12.
Neue Spur nach Russland im Wirecard-Skandal
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/neue-spur-nach-rus…
...

Jetzt zeigt sich, dass bei all den positiven Testate womöglich viel nur Fassade waren. Bereits im März 2017 drohte EY laut APAS-Schreiben an die Staatsanwaltschaft sogar damit, das Geschäftsverhältnis mit Wirecard zu beenden. Am 29.3.2017 beklagten die beiden Prüfer Andreas Dahmen und Martin Loetscher in einem Brief an Wirecard-Chef Markus Braun, Marsalek und den damaligen Finanzvorstand Burkhard Ley die mangelnde Kooperation des Vorstands bei der Aufklärung von Vorwürfen. Punkte seien noch nicht „geklärt“, forensische Untersuchungen nicht gemacht worden.

Die beiden Prüfer drohten daher, ihr uneingeschränktes Testat für das Jahr 2016 zu verweigern. Und sie teilten mit, „dass wir auf Basis Ihrer Reaktion auf dieses Schreiben überdenken werden, ob und wie wir die weitere Zusammenarbeit gestalten können“.

Bereits zuvor hatten sie geklagt, dass „auf der Basis der vorliegenden Informationen“ die „in 2015 und 2016 gebuchten Umsätze gegenwärtig nicht in angemessener Weise bezüglich Betrag, Sachverhalt und Zeitpunkt nachgewiesen“ seien.

Ob der Wirecard-Vorstand die Forderungen erfüllt hat, erscheint fraglich. EY habe dann jedenfalls einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt. Ebenso bei der Prüfung für das Jahr 2016. Ebenso bei der Prüfung für das Jahr 2016. Damals ging es um den sogenannten Zatarra-Bericht von zwei Londoner Aktienhändlern. Hier habe EY „keine Prüfungshandlungen durchgeführt“, um mit „absoluter Sicherheit“ die Vorwürfe „abschließend zu beurteilen“, hieß es demnach in einem Arbeitspapier.

Firmenchef Braun, der auch bis heute alle Vorwürfe bestreitet, erklärte im März 2016 öffentlich man habe „alle Vorwürfe untersucht“. Kein einziger davon sei zutreffend. Finanzvorstand Ley soll aber – so der APAS-Bericht – gegenüber EY eingeräumt haben, dass man in Sachen Zatarra „nicht in die tiefsten Löcher“ gestiegen sei. Im offiziellen Prüfungsbericht resümierte EY hingegen, dass man sich „davon überzeugt“ habe, dass die Vorwürfe durch Wirecard „verfolgt und beurteilt wurden“.

...

Im April 2018 zog schließlich Marsalek, der auf Vorstandsseite für das Projekt zuständig war, einen Schlussstrich, ausweislich einer Mail vom 3. April 2018. In der beurteilte er „die Anschuldigungen als haltlos“. Man werde daher „keine weiteren Investigationen durchführen“. Für die Prüfer von EY hatte Marsalek auch ein paar freundliche Worte: „Wir danken ihnen für ihre jederzeit transparente und hoch professionelle Analyse und das entsprechende Reporting.“

Die APAS meint heute, angesichts des „Nichtaufklärungswillens“ bei Wirecard sei von EY „der falsche Eindruck erweckt“ worden, die Vorwürfe seien abschließend untersucht worden.
...

Bestätigt fühlen können sich dagegen die Autoren des Zatarra-Berichts aus dem Frühjahr 2016. „Wir waren verblüfft, dass EY dem Management von Wirecard geglaubt hat“, sagte Fraser Perring, einer der beiden Autoren des Reports, auf Anfrage von „Stern“ und Capital. „Die EY-Prüfer hätten Falschinformationen von Wirecard leicht beweisen können, wenn sie sich etwa die Jahresabschlüsse von Konzerntöchtern und die Bestellungen von Führungspersonal in Asien angeschaut hätten. Die nötigen Auszüge aus offiziellen Registern haben uns damals 15 Dollar gekostet“, sagte Perring. Demnach sei ein wichtiger Wirecard-Vertriebsmanager in Asien ein verurteilter Heroindealer gewesen. Die damalige Finanzchefin von Wirecard Asia Pacific habe zuvor bei Schmuggelgeschäften mit Öl auf den Philippinen mitgemischt.

Perring erhob aber auch schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden. „Niemand hat unsere Erkenntnisse zu Betrug bei Wirecard damals überprüft“, sagte er. „Alle beteiligten Behörden haben versagt, inklusive der Bafin, dem Finanzministerium und der APAS.“ Daher könne man es für einen „schlechten Witz“ halten, dass die APAS nun EY bei der Staatsanwaltschaft angezeigt habe. Tatsächlich hätten sämtliche deutschen Behörden jahrelang lieber die Kritiker des Konzerns verfolgt, als den Vorwürfen gegen Wirecard selbst nachzugehen. „Hätten die Behörden offizielle Dokumente überprüft, wären sie schnell auf Belege für weit verbreitete Falschangaben des Konzerns gestoßen.“



___
Andreas Dahmen und Martin Loetscher hatten Chefs bei EY Deutschland:
• wer also bei EY hat veranlasst bei Wirecard weiterzumachen und warum?

Zu "ausweislich einer Mail vom 3. April 2018": hat diese Email zum Beispiel auch Dr. Markus Braun bekommen? :rolleyes:


Wirecard | 0,513 €
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06.12.20 23:16:18
Beitrag Nr. 1.120 ()
Die Story im Ersten 07.12.2020, 22:50 - 23:35 Uhr (45 min)

Der Fall Wirecard – Von Sehern, Blendern und Verblendeten

Der Film rollt den wohl größten Wirtschaftsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte aus der Perspektive der Shortseller auf – jener Bad Boys und Girls der Börse, die auf fallende Kurse wetten und so gewinnen. Sie gingen schon seit Jahren davon aus, dass bei Wirecard betrogen und der Schwindel irgendwann auffliegen wird. Stellt sich die Frage, warum die Behörden, Wirtschaftsprüfer und Politik das Wirecard-Management dann über Jahre gewähren ließen?

https://www.tvtv.de/sendung/10940646/der-fall-wirecard-von-s…
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