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Ruhestand Die vier Phasen des Sparens

Gastautor: Markus Richert
03.09.2018, 06:12  |  472   |   |   

Jedes Jahr im Sommerloch bestimmt das gleiche Thema die öffentliche Diskussion. In diesem Jahr kam es spät, aber gerade noch rechtzeitig um in der nachrichtenarmen Ferienzeit genügend Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Rentenstreit ist wieder voll entbrannt.

Spätestens seitdem der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm in den 80er Jahren seine „Die Rente ist sicher“ Sprüche plakatierte, sollte jedem in Deutschland klar sein, das eine zusätzliche private Vorsorge notwendig ist. Zumindest wenn man seinen gewohnten Lebensstandard auch in der Ruhestandsphase beibehalten will. Nachdem die in Deutschland so beliebte Kapitallebens- und Rentenversicherung aufgrund der Niedrigzinsphase der EZB in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, suchen viele nach dem idealen Weg der Vorsorge.

Das traditionelle Sparkonzepte sind überholt

Dabei ist das traditionelle Konzept des Sparens für den Ruhestand auf den ersten Blick einfach: früh anzufangen, konstant zu sparen und dem Zinseszins die meiste Arbeit im Zeitablauf zu überlassen. Man muss ab dem Alter von 25 Jahren nur monatlich 300 Euro zurücklegen und man ist mit 65 Jahren Millionär - bei einem jährlichen Zins von acht Prozent und ohne Berücksichtigung von Steuern. Wenn es wirklich so einfach wäre, sollte ein entspannter Ruhestand für die meisten Bundesbürger kein Problem sein.

Leider sieht die Realität aber völlig anders aus. Sparen ist abhängig von einer wichtigen Komponente - genügend Einkommen - um sich einen langfristigen, zielgerichteten Vermögensaufbau leisten zu können. Leider ist das Einkommen jedoch im Laufe eines Lebens nicht gleichmäßig verteilt, sondern ist abhängig von unterschiedlichen Lebensabschnitten. Vier Phasen lassen sich unterscheiden: 1: Ausbildung und Familiengründung (18 bis 35), 2: Karriere (35 bis 50), 3: Wachstum (50 bis 65) und 4: Ruhestands- und Verbrauchsphase (Alter ab 65).

Sparen muss man sich leisten können

In der ersten Phase des Sparens ist die entscheidende Frage, kann ich es mir überhaupt leisten zu sparen. Vor allem während Ausbildung und Studium ist das Einkommen begrenzt. Oft reicht es gerade für das nötigste. Ein Sparplan muss in dieser Phase vor allem eines erfüllen. Er muss flexibel sein, was die Höhe des Sparbeitrages und die Spardauer angeht. In einem ersten Schritt ist zu überprüfen, ob das Einkommen überhaupt die Ausgaben übersteigt. Das Ziel muss sein, die Grundlage zu schaffen. Wichtig ist ein ausreichender Risikoschutz. Das Kapital ist die Ausbildung und die Gesundheit. Nur wenn die richtig abgesichert sind, kann das Thema Vermögensbildung erfolgreich angegangen werden.

Risikoschutz ist in dieser Phase preiswert zu bekommen, allerding ist auf eine strikte Trennung zwischen Risikoschutz und Sparen zu achten. Nichts ist teurer, als wenn man sich zu früh in der falschen Sparform langfristig bindet. Oft fällt die Gründung einer Familie in diese Lebensphase. Hohe regelmäßige Sparleistungen bedienen zu können, überfordert dann viele finanziell. In dieser Phase hängt die Bildung vom Vermögen im Wesentlichen von den eigenen Sparbeiträgen ab. Der Zinseszins-Effekt hat noch keinen wirklichen Einfluss auf das Vermögenswachstum.

Optimaler Risikomix ist wichtig

In der 2. Phase erreicht man plötzlich den Punkt, an dem man genug verdient und sich ernsthaft mit der Vermögensbildung auseinandersetzen kann. Die ersten Karriereschritte sind gemacht, man ist im Job gefestigt und die Familienbildung ist oft abgeschlossen. Auf einmal steht wesentlich mehr freie Liquidität zur Verfügung. Der Sparvorgang kann jetzt professionalisiert und auf ein regelmäßiges Fundament gehoben werden.

In dieser Lebensphase stellt sich erstmalig die Frage nach dem optimalen Risikomix. Wieviel Risiko bin ich bereit bei der Vermögensbildung einzugehen? Welche Beträge kann ich wirklich langfristig zurücklegen? Für viele gehört die eigene Immobilie zwingend zum Vermögensaufbau dazu. Einen gewissen Teil der freien Liquidität sollte man dafür berücksichtigen. Darüber hinaus bietet der Finanzmarkt eine Vielzahl von Spar- und Anlagemöglichkeiten. Sofern ein Fundament aus der 1. Phase besteht, gilt es darauf aufzubauen und eine erste Strategie für die Vermögensbildung zu erstellen. Fehler, die in diesem Lebensabschnitt gemacht werden, lassen sich in den folgenden Jahren nicht mehr so einfach korrigieren. Die Rendite gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wer in dieser Phase zu konservativ spart, verschenkt Vermögensbildungspotential.

Rendite wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Ab dem 50. Lebensjahr beginnt für viele ein neuer Lebensabschnitt. Der Vermögesaufbau kommt in die entscheidende Phase. In vielen Fällen verkleinert sich die Familie wieder, die Kinder gehen aus dem Haus, die Immobilie ist oft abbezahlt und eröffnet einen zusätzlichen Liquiditätsspielraum. Die Karriere erreicht den Höhepunkt. Die Einnahmen überschreiten in vielen Fällen in ausreichendem Maße die Ausgaben.

Das Vermögen der vorherigen Phasen ist mittlerweile der bestimmende Faktor für das Vermögenswachstum. Fast 80 Prozent des Vermögenswachstums hängt von der Rendite bzw. Zins ab. Die monatlichen Sparbeiträge treten mehr und mehr in den Hintergrund. Auch das Spektrum der Investitionsmöglichkeiten ist breit. Neben rein liquiden Anlagen nutzen viele Anleger auch eine fremdgenutzte Immobile oder andere Formen der unternehmerischen Beteiligung für den Vermögensaufbau.

Spätestens jetzt ist ein Finanzplan unerlässlich. Nur damit behält man den Überblick über seine unterschiedlichen Anlageformen. Fehlentscheidungen können fatale Auswirkungen haben. In dieser Phase haben viele schon etwas zu verlieren. Sorgsame Planung und ein gesundes Risikobewusstsein sind für den Erfolg entscheidend. Das Risikomanagement wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

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