DAX+0,19 % EUR/USD-0,15 % Gold+0,21 % Öl (Brent)-0,97 %

Was muss ich bei der Zeichnung einer Anleihe berücksichtigen? - Unterschied zu Zeichnung Aktie?



Beitrag schreiben

Begriffe und/oder Benutzer

 

Kürzlich wurde mich von der Sparkasse eine Anleihe zur Zeichnung angeboten. Zeichnungen kenne ich bisher nur aus dem Aktienbereich. Wenn man eine Aktie zeichnet, dann erfolgt die Abrechnung zur Bookbuilding Spanne. Außerdem wird bei Überzeichnung die Zuteilung limitiert.

Mal abgesehen davon, dass die Anleihe von der Sparkasse ist. - Wie muss ich mir die Zeichnung bei einer Anleihe vorstellen? - Ist das Verfahren entsprechend gleich oder gibt es da Unterschiede?
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.739.153 von Der_gute_Riecher am 11.05.18 10:39:27Hallo,
ist es wirklich eine Anleihe der Sparkasse als Emittent?

Oder hat Dir die Sparkasse die Anleihe eines Dritten (Landesbank oder DekaBank) angeboten?

Zumeist haben die Anleihen eine Zeichnungsfrist, in der Du sie zu den festgelegten Konditionen kaufen kannst und am Ende der Zeichnungsfrist zahlen musst. Ist das Volumen erschöpft, wird die Zeichungsfrist für neue Zeichner beendet/geschlossen.

Rene
Ist es nicht meist einfach so, dass die Sparkassen ein gewisses Kontingent haben, ob nun eigener Anleihen oder ihrer Partnerbanken, und das dann einfach ihren Retailkunden verkaufen? Eine Zuteilung, oder die Nachricht, nicht zum Zug zu kommen, muss man dabei nicht einkalkulieren. Für den Emissionsprozess werden doch meist keine Endkunden als Zeichner eingeladen, da deren kleinteilige Aufträge ohnehin, jedenfalls bei der Preisfindung, nicht relevant sind.

Aktienanleihen oder Zertifikate werden natürlich auch gelegentlich angeboten, aber auch hier steht doch der Emissionspreis meist von vornherein fest.

Bei den niedrigen Zinsen ist außerdem allenfalls ein minimaler Zeichnungsgewinn zu erwarten. Die Sparkassen emittieren ja keine Risikopapiere, also wird die Verzinsung vorhersehbar sein und man kann schauen, wie vergleichbare Produkte der Landesbanken an der Börse gehandelt werden. Allenfalls könnte da noch eine Gebührenersparnis eine Rolle spielen, was belasten da die Filialbanken?
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.739.153 von Der_gute_Riecher am 11.05.18 10:39:27
Zitat von Der_gute_Riecher: Kürzlich wurde mich von der Sparkasse eine Anleihe zur Zeichnung angeboten. Zeichnungen kenne ich bisher nur aus dem Aktienbereich. Wenn man eine Aktie zeichnet, dann erfolgt die Abrechnung zur Bookbuilding Spanne. Außerdem wird bei Überzeichnung die Zuteilung limitiert.

Mal abgesehen davon, dass die Anleihe von der Sparkasse ist. - Wie muss ich mir die Zeichnung bei einer Anleihe vorstellen? - Ist das Verfahren entsprechend gleich oder gibt es da Unterschiede?


Ist schwierig, Dir darauf zu antworten, wenn Du nicht Ross und Reiter nennst. Bei Zeichnungen von Anleihen musst Du 2 Fälle unterscheiden.

-Neuemissionen von börsennotierten, großvolumigen Anleihen. Diese sind meistens überzeichnet und man bekommt nur eine Zuteilung, wenn die Bank zum Emissionskonsortium gehört. Da machen die Sparkassen in aller Regel nicht mit und die werden nie aktiv zur Zeichnung angeboten, weil die Bücher nur wenige Stunden geöffnet sind.

- Eigenemissionen der Sparkasse. Das ist in aller Regel illiquider und überteuerter Müll, den Du während der Laufzeit so gut wie nicht verkaufen kannst. So etwas muss der "Berater" natürlich aktiv verkaufen, weil das freiwillig keiner kaufen würde.
Das angebotene Papier ist eine Stufenzinsanleihe von der DEKA:
DekaBank Stufenzins-Anleihe 05/2023 – DE000DK0P0R4
In der letzten Woche lief die Zeichnungsfrist ab und heute soll sie erstmals notiert werden. Die Gesamtrendite ist indiskutabel, daher habe ich auch nichts gezeichnet. Mir ist jedoch das Thema "Zeichnung von Anleihen" komplett unbekannt, insbesondere ob man bei der Zuteilung alle gezeichneten Anteile bekommt oder nur einen Teil davon. Was die Gebühren angeht, so dürften vermutlich dieselben Gebühren anfallen wie beim Kauf einer Aktie?
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.751.405 von Der_gute_Riecher am 14.05.18 08:02:39Hallo,
wie erwartet - die Sparkasse vermittelt eine Anleihe der DekaBank:

Die DekaBank emittiert einen bestimmten Betrag zu dieser Anleihe und legt eine Zeichnungsfrist und einen Zeichnungskurs fest.
Während der Zeichnungsfrist kannst Du diese Anleihe zeichnen (zum festgelegten Kurs) und am Ende der Zeichnungsfrist wird dann belastet (einfach ausgedrückt).
Sollte die Nachfrage so gross sein, dass der Emissionsbetrag erreicht wird, dann wird die Zeichnungsfrist geschlossen - alle Zeichner bis zu diesem Zeitpunkt erhalten ihren Auftrag voll zugeteilt. Neue Zeichner müssen auf die nächste Anleihe warten.
Es fallen keine Kosten an (da es ein Zeichnungsgeschäft ist) - anders als bei Aktien-Neuemissionen.
Die ersten Kurse der Anleihe werden immer unter dem Ausgabepreis liegen, da ja die Emissionskosten (bspw. die Vertriebsprovision für die Sparkasse) dann rausgerechnet sind (aber Achtung: da in der Regel kein Volumen mehr übrig ist und die Anleihen idR nicht an einer Börse gehandelt werden, kannst Du selten über diesen Weg günstiger an die Anleihe kommen).

Rene
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.758.464 von ReneBanker am 14.05.18 22:17:45
Zitat von ReneBanker: ....
Rene


@Rene : vielen Dank für die detaillierte Antwort. Echt super!
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.751.405 von Der_gute_Riecher am 14.05.18 08:02:39
Zitat von Der_gute_Riecher: Das angebotene Papier ist eine Stufenzinsanleihe von der DEKA:
DekaBank Stufenzins-Anleihe 05/2023 – DE000DK0P0R4
In der letzten Woche lief die Zeichnungsfrist ab und heute soll sie erstmals notiert werden. Die Gesamtrendite ist indiskutabel, daher habe ich auch nichts gezeichnet. Mir ist jedoch das Thema "Zeichnung von Anleihen" komplett unbekannt, insbesondere ob man bei der Zuteilung alle gezeichneten Anteile bekommt oder nur einen Teil davon. Was die Gebühren angeht, so dürften vermutlich dieselben Gebühren anfallen wie beim Kauf einer Aktie?


Soviel zum Thema MIFID II :mad::mad::mad::mad::mad:

Der Kunde weiß nach dem Beratungsgespräch nicht, was er kaufen soll und was es kostet. Dafür kann er aber problemlos diesen illiquiden und renditeschwachen Müll kaufen.

Der normale Anleger, der weiß was er tut, muss aber Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um risikoarme und hochrentierliche Anleihen kaufen zu können, wenn da ein Informationsblatt fehlt oder die Struktur zu komplex ist. 5 Jahre Festzins und anschließend floatend ist z.B. laut MIFID zu komplex. 🤢😭😤
Antwort auf Beitrag Nr.: 57.779.425 von noch-n-zocker am 17.05.18 10:55:47
Zitat von noch-n-zocker: Der Kunde weiß nach dem Beratungsgespräch nicht, was er kaufen soll und was es kostet. Dafür kann er aber problemlos diesen illiquiden und renditeschwachen Müll kaufen.


Dank Mifid 2 hätte der Kunde lesen können,
dass die zur Zeichnung angebotene Anleihe eigentlich nur 992,50 EUR Wert ist und der Rest eine versteckte Gebühr.

Statt das Produktinformationsblatt in Ruhe zu lesen und mit seinem bestens qualifizierten und geschulten Kundenberater eventuelle Fragen zu diskutieren, geht der Kunde ins Internetforum.

Dass die Zinsen kaum die Depotkosten decken, steht auch im Informationsblatt. Hier muss man Mifid mal wirklich loben!

https://www.sparkasse-niederbayern-mitte.de/content/dam/myif…


Beitrag zu dieser Diskussion schreiben