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Aktien Frankfurt: Steigende Anleihezinsen belasten erneut
Foto: Boris Roessler - dpa

Aktien Frankfurt Steigende Anleihezinsen belasten erneut

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
30.01.2018, 15:04  |  963   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die weiter steigenden Anleihezinsen haben die Aktienkurse am Dienstag erneut belastet. Zuletzt stand der Dax 0,50 Prozent im Minus bei 13 257,30 Punkten. Damit folgte der deutsche Leitindex der schwachen Wall Street. Das erst eine Woche alte Rekordhoch von 13 596 Punkten rückte damit auch wieder etwas weiter in die Ferne. In New York hatten die Anleger nach der jüngsten Rekordrally bereits zum Wochenstart Kasse gemacht, und aktuell zeichnen sich weitere Verluste ab.

Der Zinsanstieg an den Anleihemärkten scheine auch die allgemeinen Inflationserwartungen nach oben zu treiben, erklärte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK. Ein höheres Zinsniveau kann ab einem bestimmten Niveau tendenziell zur Belastung für die Aktienmärkte werden, da alternative Anlagen - etwa klassische Sparprodukte - dann an Attraktivität gewinnen können. Vorerst dürfte das aber laut Experten noch kein Thema sein. Vielmehr sei ein vorübergehender Rückschlag an den Börsen nach dem starken Lauf fast schon überfällig.

Dazu warteten die Anleger vor einer Flut von Nachrichten eher ab, ergänzte Marktanalyst Gregor Kuhn von der Bernstein Bank. Er nannte explizit den am Mittwoch anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) und den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Dazu kommen im weiteren Wochenverlauf etliche Unternehmenszahlen, unter anderem von den US-Technologieriesen Facebook , Microsoft , Google -Mutter Alphabet und Apple .

Auch die anderen deutschen Aktienindizes standen am Dienstag unter Druck: Der MDax der mittelgroßen Werte sank um 0,45 Prozent auf 26 842,24 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,61 Prozent auf 2657,32 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,66 Prozent auf 3619,02 Punkte nach unten.

Bei SAP taten sich die Anleger mit der Interpretation von Geschäftszahlen schwer: Die Aktien des Softwareherstellers schwankten hin und her und entwickelten sich zuletzt mit minus 0,87 Prozent schwächer als der Dax. Analysten verwiesen einerseits auf Belastungen durch den starken Eurokurs, äußerten sich aber positiv zum wichtigen Cloud-Geschäft.

Die Aktien der Deutschen Bank büßten nach einem Medienbericht als einer der größten Dax-Verlierer 2,70 Prozent ein. Die HNA Group informierte ihre Gläubiger über eine Finanzierungslücke im ersten Quartal, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf damit vertraute Personen schrieb. Dies wecke abermals Sorgen, HNA könnte sich von Beteiligungen trennen, um sich Geld zu beschaffen, erklärte ein Händler. Nach letztem Stand hält HNA knapp unter 10 Prozent der Anteile an der Deutschen Bank und ist damit größter Anteilseigner.

Beim Energieversorger RWE mussten die Anleger gar einen Kursrutsch von 2,89 Prozent verkraften, nachdem das Analysehaus Jefferies seine Kaufempfehlung gestrichen hatte. Die durch höhere Strompreise getriebene Rally dürfte ihr Ende gefunden haben, während gleichzeitig die politischen Risiken zunehmen, hieß es zur Begründung. Zudem stehe der Gewinnbeitrag der Ökostromtochter Innogy auf tönernen Füßen. Deren Aktien verloren im MDax 1,30 Prozent.

Die Anteilsscheine des MDax-notierten Immobilienkonzerns Alstria Office quittierten eine Kapitalerhöhung mit einem Kursabschlag von knapp 2 Prozent. Beim Stahlkonzern Salzgitter konnten besser als erwartet ausgefallene Zahlen für das vergangene Jahr den vorsichtigen Ausblick nicht kompensieren: Die Aktien büßten 2,76 Prozent ein. Für die Anteilsscheine von Steinhoff ging es gar um über 11 Prozent bergab. Die Untersuchungen über Bilanzunregelmäßigkeiten beim Handelskonzern dauern an und verzögern die Vorlage des Jahresabschlusses 2017 weiter.

Im Nebenwerte-Index SDax hatte Sixt mit plus 1,41 Prozent die Nase vorn. Analysten äußerten sich positiv zum am Vortag verkündeten Ausstieg aus dem Carsharing-Gemeinschaftsunternehmen DriveNow. Der Autovermieter verkauft seinen 50-prozentigen Anteil an den Partner BMW .

Abseits der bekannten Indizes erfreute der Kochboxen-Anbieter HelloFresh die Anleger mit einem starken Wachstum im Schlussquartal 2017. Die Aktien sprangen um 7,30 Prozent auf 12,79 Euro hoch. Gegenüber dem Ausgabepreis von 10,25 Euro zum Börsengang Anfang November steht damit ein sattes Plus von knapp 25 Prozent zu Buche.

Der Eurokurs stieg zuletzt auf 1,2434 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,2379 (Freitag: 1,2436) Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,47 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,01 Prozent auf 139,16 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,01 Prozent auf 159,00 Punkte./gl/she

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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