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Investmentbanken und Wagnisfinanzierer buhlen um Mittelständler

Es geht Schlag auf Schlag: Am Freitag meldete der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) den überfälligen Vollzug eines Geschäfts mit Siemens.


FRANKFURT/M. KKR kauft Randbereiche des Elektroriesens – darunter Mannesmann Plastics Machinery – für knapp 1,7 Mrd. Kurz zuvor hatten EQT Partners einen Milliardendeal abgeschlossen. Das Private Equity-Haus, hinter dem die schwedische Familie Wallenberg steht, erwarb den Duftstoff- und Aromenhersteller Haarmann & Reimer von Bayer, um ihn mit dem Konkurrenten Dragoco zu fusionieren.

„Die Abschlüsse zeigen: Es ist wieder Bewegung im Markt", meint Jeremy Golding von Golding Capital Partners. Insider sehen eine ganze Reihe mittlerer und auch großer Deals seitens der Finanzinvestoren in der Pipeline, angefangen von Spezialisten für Scanner an Flughäfen bis zu Teilen großer Medienkonzerne, die im Herbst in die Auktionsverfahren kommen sollen.

Die Finanzinvestoren spielen eine immer wichtigere Rolle im Geschäft mit Mergers & Acquisitions (M & A), betont Jan Weidner, Managing Director von Morgan Stanley. „Sie kommen besonders bei Industrien zum Zug, bei denen die Strukturen aufgebrochen werden“, erklärt er und nennt die Chemie- und Pharmabranche als Beispiele. So hat Advent International z.B. das Pharmaunternehmen Viatris für 375 Mill. gekauft und versucht, mit anderen Gesellschaften ein neues Unternehmen zu schaffen.

Auch John Jetter, Chef des Investment-Banking von JP Morgan Chase in Deutschland, spricht von einem „steigenden Gewicht der Private Equity Häuser“ als Ertragsbringer für die Banken im M & A-Geschäft. Die Kassen der Private Equity-Investoren sind gut gefüllt, mittlerweile stehen zahlreiche milliardenschwere Fonds für Akquisitionen bereit. Deutschland gilt dabei als lukrativer, aber hart umkämpfter Markt. Dutzende internationaler Private Equity-Gesellschaften sind hier mit eigenen Unternehmen aktiv, andere agieren von London aus. Auktionen mit 30 Bietern in der ersten Runde sind keine Seltenheit.

Trotzdem wird nicht jeder Deal ein Erfolg – nicht nur bei der früheren Bundesdruckerei und Fairchild Dornier haben die Wagnisfinanzierer Lehrgeld gezahlt. „Die von 1998 bis 2000 eingegangenen Beteiligungen wurden meist zu teuer eingekauft“, sagt ein Branchenbeobachter. In der jetzigen Konjunkturphase sei es fast unmöglich, die Einstandspreise bei einem „Trade sale“ – also der Weiterveräußerung an einen neuen Finanzinvestor oder industriellen Partner – wieder zu erzielen. In dieser Lage trennt sich die Spreu vom Weizen. Eine maßgebliche Rolle wird nur einigen großen Finanzinvestoren in Deutschland zugetraut, die auch einmal einen Fehlschlag verkraften können. Dazu gehören EQT, KKR, Cinven, Allianz Capital Partner, Industri Kapital, CVC und Apax. Für andere Häuser bleibe in vielen Fällen nur ein Co-Investment, urteilen Experten. Außerdem sind die Investmentbanken nicht untätig: „Viele haben ihre eigenen Beteiligungsfonds gegründet, die Banken und die Finanzinvestoren versuchen über ihre jeweils eigenen Netzwerke an die ’Big tickets’ heranzukommen“, erklärt Jonathan Blake von der Londoner Kanzlei SJ Berwin.

Trotzdem geben sich die Finanzinvestoren immer selbstbewusster: „Die traditionellen Private Equity-Häuser werden den Markt in Zukunft beherrschen. Bei den Konglomeraten haben alle Spieler eine Chance – auch die Banken. Im Geschäft mit dem Mittelstand sind dagegen die unternehmerisch denkenden Finanzinvestoren im Vorteil“, sagt Hans J. Moock, Partner bei EQT.

Die Banken hegen gemischte Gefühle beim verstärkten Engagement der Finanzinvestoren. Zwar liegen die Gebühren, die bei einem erfolgreichen Abschluss erzielt werden könen, über denen bei industriellen Kunden. Andererseits sind die Private Equity-Häuser in vielen Fällen aber nicht bereit, eine Gebührenpauschale zu bezahlen, wenn es nicht zu einem Abschluss kommt. Die Institute gehen oft leer aus, obwohl sie viel Zeit investiert haben. Außerdem kristallisiert sich bei den Finanzinvestoren in der Regel erst vergleichsweise spät heraus, wie stark der Wille zum Engagement ist. Grundsätzlich zeigten sie bei allen angebotenen Deals Interesse. Allerdings winken bei gelungenen Transaktionen immer noch hohe Renditen. „Für einen Private Equity-Fonds ist eine Rendite unter 15 % miserabel. Wir gehen bei unseren Investments von einer Rendite auf das eingesetzte Kapital von circa 30 % p.a. aus“, so Moock.

Alle Beteiligten schmerzt jedoch der verschlossene „Exit-Kanal“ Börse. Wenn die Emissionstätigkeit wieder anspringt, funktioniert auch die Arbeitsteilung wieder: Die Finanzinvestoren machen ihre Beteiligungen fit für den Kurszettel, und die Investmentbanken profitieren von der Platzierung.

Quelle: Handelsblatt
Groß- und Außenhandelsverband will kleine Beteiligungen bündeln; Eigenkapital-Fonds für den Mittelstand

Mit einem neuen Finanzierungsmodell über Fonds sollen kleine und mittelständische Firmen ihre chronische Unterfinanzierung mit Eigenkapital beseitigen können.


pk/nw FRANKFURT/M. Die Idee von Anton F. Börner ist bestechend einfach: Tausende kleine Beteiligungen aus allen Regionen und quer durch alle Branchen werden zusammen geführt. Das senkt die Kosten, erhöht dadurch die Renditeaussichten und streut obendrein das Risiko. Das Finanzierungsmodell des Präsidenten des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandelsverbandes verspricht, ein Problem zu lösen: Eigenkapitalbeteiligungen für kleine Unternehmen scheitern oft daran, dass der Aufwand nicht lohnt und die Renditeaussichten in traditionellen Branchen zu niedrig sind, um Kapitalgeber wirklich zu begeistern.

Während es für Kredite solche fondsähnlichen Lösungen bereits gibt – Banken bündeln kleine Kredite in einem Pool, verbriefen diese Forderungen als Wertpapiere und verkaufen sie an Investoren – ist das Modell für Eigenkapital neu. Dabei ist gerade Eigenkapital dringend benötigte Ressource im Mittelstand. Börner sieht die geringe Eigenkapitalbasis – im Schnitt unter 18 Prozent – als Ursache einer hohen Risikobewertung der Unternehmen, die wiederum die Finanzierung von Neuinvestitionen und teilweise auch den laufenden Geschäftsbetrieb gefährden. Höhere Zinskosten seien aufgrund des geringen Eigenkapitalanteils unausweichlich.

Börner, als ehemaliger Devisenhändler mit Finanzmärkten gut vertraut, will nun ein Portfolio bilden, das repräsentativ die Volkswirtschaft branchen- und regionenübergreifend abbildet. Die in dem Portfolio enthaltenen Beteiligungen – in Form atypisch stiller Beteiligungen – starten bei 25 000 Euro. Das Kapital kommt von Fondsgesellschaften und anderen institutionellen Investoren, beispielsweise Versicherungen. Vertrieben wird es über die bisherigen Hausbanken. Die Schnittstelle zwischen Unternehmen und „Börner-Fonds“ ist also der Firmenkundenbetreuer der Bank. „Einige Banken und Sparkassen haben bereits starkes Interesse signalisiert“, sagt Börner.

Die Anteile an dem Portfolio sollen Kapitalgeber mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Wünschen ansprechen. Daher will Börner drei Varianten anbieten: Eine Senior Tranche, die vergleichbar einem erstrangig besicherten Kredit eine regelmäßige Verzinsung von rund 0,4 % über Euribor bietet; außerdem eine Mezzanine-Tranche mit eigenkapitalähnlichen Eigenschaften und einer höheren Verzinsung von etwa 3,25 % über Euribor. Für besonders risikofreudige Investoren werde es eine Equity-Tranche geben mit einer Rendite von 28 % – aber diese Investoren müssen auch die ersten Ausfälle im Portfolio komplett übernehmen. Für die Firmen ergebe sich eine Gesamtbelastung von 13,25 %, hat Börner zusammen mit Investmentbankern von Morgan Stanley ausgerechnet. Dieses Eigenkapital-Modell unterstützen neben Börners Verband auch der Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften (BVI) und der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK).

„Solche Konstruktionen können nur flankierende Maßnahmen sein“, sagt Professor Stephan Paul von der Uni Bochum. Zwar sei der Gedanke der Risikostreuung im Börner-Modell grundsätzlich zu begrüßen. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liege aber eher in der Steuerpolitik. Sie müsse den Mittelstand in die Lage versetzen, mehr Eigenkapital im Unternehmen zu binden. Das Börner-Modell habe einen gewissen Charme, weil es den Gedanken der Risikostreuung aufnimmt und Mechanismen entwickelt, um Unternehmensbeteiligungen an einen größeren Anlegerkreis zu platzieren, sagt Reinhard Kudiß, Finanzierungsexperte des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Allerdings sollten über seine Reichweite keine Illusionen aufkommen. Als flächendeckendes Instrument sei der Ansatz kaum geeignet, wohl aber für im Kern gesunde, erfolgreiche Unternehmen, die sich die geforderten Renditen von 13,25 % und mehr leisten können und wollen. Firmen mit strukturellen Problemen, von denen es in Deutschland nicht wenige gebe, dürften nur wenig Chancen haben, von der Initiative zu profitieren.

Quelle: Handelsblatt


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