Warum Beteiligungsunternehmen bald billiger werden könnten - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 12.02.00 12:49:10 von
neuester Beitrag 13.02.00 14:59:45 von


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12.02.00 12:49:10
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern:

Die geplante Steuerfreiheit für die Veräußerung von Beteiligungen hat immer geringere Chancen, umgesetzt zu werden.

Zu den Gründen zählt vor allem die Unausgewogenheit (die Steuerfreiheit soll nur für Kapitalgesellschaften gelten, Großteil der Unternehmen in D sind aber Personengesellschaften "Mittelstand" ), aber auch mögliche negative Folgen für die Unternehmen. Zu der Kehrseite der Steuerfreiheit für Gewinne zählt eben auch die steuerliche Nichtberücksichtigung von Verlusten (schwer vorstellbar, aber es soll ja manchmal auch Beteiligungen geben, die den Bach runtergehen ;) ).

Der Schulte-Nöllen von der Allianz hat vor kurzen öffentlich darüber spekuliert, daß man mit einer ermäßigten Besteuerung von ca. 20% leben könnte. Die Allianz wäre eine der Firmen, die am meisten von einer Befreiung profitieren
würde. Eine solche Äußerung ist deshalb nur erklärbar, wenn in seinen Augen die Steuerbefreiung keine Chancen hat.

Alternativ wird möglicherweise ein Konzept mit einer ermäßigten Besteuerung umgesetzt - je nach Konzept wird es aber zu einer spürbaren Steuerbelastung kommen (z.B. 20%).

Die CDU hat jetzt ein Alternativkonzept vorgelegt (F.A.Z. vom 12.2. S. 13), in dem eine Mindestbelastung von 16% angestrebt wird. Die teilweise Befreiung soll allerdings an die Reinvestition der Mittel gebunden sein (60% des Gewinns steuerfreie Reinvestitionsrücklage). Ich kann mir gut vorstellen, daß ein solches Konzept kommt.

Wir könnten hier ja mal diskutieren, was daraus für die einzelnen Unternehmen (Augusta, TFG usw.) folgt:
Kursabschläge, neue Einstiegskurse usw. Meine Beobachtung ist auch, daß Analysten die entsprechenden Unternehmen nur noch mit Zusätzen wie "... vorbehaltlich der Umsetzung der Pläne zur Unternehmenssteuerreform..." beurteilen.

Klar ist, daß ein Unternehmen mit einem guten Portfolio weiter interessant bleibt. Die Gewinnprognosen dürften aber entsprechend zu korrigieren sein und damit auch eine der Grundlagen der Bewertung. Zudem ist die Steuerfreiheit ja auch eine Art Symbol für das Unternehmenssteuerkonzept, eine Besteuerung, auch wenn ermäßigt und sachlich angemessen, könnte eine kurzfristige Verkaufswelle auslösen.

D.
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12.02.00 13:17:44
Hallo Dangerseeker,

Du scheinst wirklich Gefahren zu wittern und zu suchen. Daß über die Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen noch diskutiert werden dürfte, war abzusehen. Trotzdem sehe ich die Chancen für den bisherigen Vorschlag gut. Auch SPD regierte Länder prob(t)en den Widerstand, werden aber von Bonn/Berlin zurückgepfiffen. Das CDU-Argument, Personengesellschaften würden benachteiligt, weil die Befreiung nicht für sie gilt, zieht nicht und die CDU weiß das selbst: Nach dem Entwurf können nämlich alle Personengesellschaften optieren, wie eine Kapitalgesellschaft besteuert zu werden und dann genießen auch sie die Steuerfreiheit bei Veräußerungsgewinnen. Richtig ist allerdings, daß auch Verluste nicht abgezogen werden dürfen. Der Reformvorschlag ist ein "done deal" und alle wissen das. Die jetzigen Gegenvorschläge sind Wahlkampf (Schleswig-Holstein) oder Parteitaktik (CDU). Es gibt für die Bundesregierung kein zurück mehr !! Im übrigen haben gerade die Beteiligungsgesellschaften gar nicht so sehr von den Steuerplänen, sondern vielmehr von der IPO-Fantasie und dem Wertzuwachs ihrer Töchter (Augusta/Pandatel) profitiert. Die Reform ist in den Kursen noch nicht drin, da eben viele noch gar nicht glauben, daß sie kommen wird wie vorgeschlagen. Wird sie aber.
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12.02.00 13:41:59
Spiegel v. 31.01.2000, S. 74:

"Die Bundesregierung stößt bei einem wirtschaftsfreundlichen Element ihrer geplanten Steuerreform auf heftigen Widerstand der Länder...

... Mitarbeiter von Finanzminister Hans Eichel schließen aber nicht mehr aus, dass am Ende des Gesetzgebungsverfahrens eine niedrigere pauschale Besteuerung von Veräußerungsgewinnen stehen könnte. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle sagte bereits, daß gegen einen Steuersatz von 20% nichts einzuwenden sei."

Natürlich ist noch nichts entschieden. Daß jedoch jemand mit erheblichen politischen Einfluß (und entsprechenden Kontakten) und eigentlich massiv gegensätzlichen Interessen wie Schulte-Noelle einen solchen Vorschlag macht, ist für mich ein sicheres Indiz, daß die Sache kaum durchsetzbar erscheint. Die Allianz hat doch riesige unversteuerte Reserven, das machen ...zig Milliarden aus. Die wären doch blöd, wenn sie ohne Grund dem Fiskus 20% davon anbieten würden.

D.
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12.02.00 13:54:22
Nur mal zum Beispiel Augusta/Pandatel:

Da kann man doch immer sehr schön ausrechnen: Ausgusta hat ca. 60% von Pandatel, das ist soundsoviel wert, verglichen mit der Marktkapitalisierung von Augusta...

Nach Steuern ist die Beteiligung aber im Moment nur z.B. 50% des oben ausgerechneten Wertes wert, nach den Plänen der Steuerrefom 100%, nach möglichen Konsensplänen eben ca. 80% (den Kaufpreis, den Augusta bezahlt hat, müßte man natürlich noch abziehen). Zwar gilt dies nur, wenn die Beteiligung veräußert wird, klar ist jedoch, daß eine Besteuerung den Handlungsspielraum der Beteiligungsunternehmen stark einschränkt!!!

D.
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12.02.00 14:02:41
ich sehe die nur teilweise besteuerung immer noch eingepreist bei
gesellschaften wie Augusta und TFG.
der starke kursanstieg war doch nur das verspätete nachvollziehen
der sehr guten entwicklung dieser beteiligungsgesellschaften (oder
das abgehen von fehleinschätzungen und ignoranz bei den bänkern).
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13.02.00 00:59:11
Augusta ist kein Investmentfond. Warum sollten die Pandatel veraeussern? Die versuchen doch, zusammen passende Firmen in ihre Holding einzubinden zwecks gemeinsamer Strategie. Wollten die wirklich veraeussern, wäre es wohl besser, gleich einen Fond zu kaufen aus meiner Sicht.

Insofern sind die Steuerpläne wohl eher bedeutungslos.
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13.02.00 13:54:36
Die Steuerpläne sind nicht bedeutungslos. Augusta hat mit dem IPO von Pandatel doch gezeigt, daß sie Beteiligungen (zumindest teilweise) auch veräußern wollen. Außerdem stehet der nächste IPO (Data Display) in diesem Jahr an (Frage, ob das nicht wegen der Steuerreform besser verschoben wird....wenngleich - Achtung - der letzte Entwurf des Gesetzes, der am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet wurde vorsieht, daß Gewinne idR erst ab 2002 steuerfrei sind, da es auf das Geschäftsjahr der veräußerten Gesellschaft ankommt. Auch für Beteiligungen, die nicht zum Verkauf anstehen ist die Reform wichtig. Anders als Investmentfonds müssen Beteiligungsunternehmen selbst Steuern zahlen. Die latente Steuer auf stille Reserven, die irgendwann halt doch anfallen, wenn veräußert oder das Unternehmen liquidiert wird, haben in der Vergangenheit immer zu einem Bewertungsabschlag bei Holdings geführt. Das entfällt nun und führt zwingend zu einer grundsätzlichen Neubewertung von Holdings.

Dazu kommt, daß Holdings wegen der Steuerreform noch einen weiteren Vorteil genießen werden: Veräußerungsgewinn aus privat gehaltenen wesentlichen Beteiligungen (bisher 10% oder mehr) waren bislang auch außerhalb der Spekulationsfrist steuerpflichtig. Darunter nicht. Diese Beteiligungsgrenze soll auf 1% abgesenkt werden, so daß viele Unternehmer, die z.Z. unter 10% beteiligt sind (häufug auf viele Familienmitglieder aufgeteilt) in diesem Jahr verkaufen werden und damit den Beteiligungsgesellschaften neue Kaufgelegenheiten bieten. Diese profitieren also auf der "Einkaufs-" und auf der "Verkaufsseite" von der geplanten Reform.
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13.02.00 14:59:45
Was speziell Augusta / Pandatel betrifft, so scheinen an der Börse
diese Überlegungen bereits eingepreist zu sein. Oder hat jemand eine
andere vernünftige Erklärung dafür, daß allein der Anteil, den Augusta
an Pandatel hält zurzeit ca. 19 % mehr Wert ist als die gesamte
Augusta-Holding ? Die übrigen Beteiligungen sind im aktuellen Kurs überhaupt nicht
enthalten.

Was das Geschäft von Beteiligungsgesellschaften angeht: Natürlich wollen
Beteiligungsgesellschaften ihre eingegangenen Beteiligungen in Bargeld
"umwandeln" um dieses wiederum in neue Beteiligungen zu stecken. Das ist das Geschäft !
Steuerliche Aspekte haben bislang sicherlich eine größere Rolle gespielt
als sie es nach der Steuerreform (sofern sie tatsächlich durchgesetzt wird)
haben werden. Aber dafür haben wir als "Ergebnis" die sog. starre, unbewegliche
"Deutschland AG" bekommen. Ziel dieses Reformansatzes ist es sicherlich, die
starren Strukturen aufzubrechen.


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