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Geldanlage: Die Dividenden-Zahler am Neuen Markt

Von Torsten Engelbrecht und Christopher Nachtweh

Kaum bekannt, aber wahr: Es gibt 33 Unternehmen am Neuen
Markt, die ihren Aktionären eine Dividende zahlen.


"Wir gehören zu den wenigen Firmen am Neuen Markt, die eine
Dividende zahlen, und wollen uns damit bewusst vom Rest abheben",
sagt Peter Brosemann, Investor-Relations-Manager von Mühl Product.
"Auf der Hauptversammlung am 15. Juni werden wir den Vorschlag
machen, wie im Jahr zuvor 0,51 Euro pro Aktie an die Aktionäre
auszuschütten."

Wie Brosemann sind viele seiner Kollegen von anderen
Wachstumsfirmen und zahlreiche Analysten fest überzeugt, dass kaum
ein Unternehmen am Neuen Markt Teile des Gewinns an die
Anteilseigner auszahlt. "Für Wachstumsfirmen lohnt die Zahlung einer
Dividende prinzipiell nicht, weil die Unternehmen mit ihren
Investitionen in der Regel eine weitaus höhere Rendite erzielen
können als die Anleger mit dem Geld aus der Dividende", so Stefanie
Schusser, Unternehmenssprecherin bei EM.TV. "Vergangenes Jahr
haben wir noch gezahlt, wurden deswegen aber gescholten."

Zwölf Firmen zahlen nicht mehr

Tatsächlich gönnen 33 am deutschen Wachstumssegment gelistete
Firmen ihren Aktionären eine Dividende für das Geschäftsjahr 2000.
Das ergibt eine aktuelle Untersuchung der Financial Times
Deutschland. Das sind immerhin rund zehn Prozent aller Nemax-Werte.
Elf der 33 Firmen, darunter Pfeiffer Vacuum, Gericom, Cybio, Pandatel
und Balda schütten zum ersten Mal Gelder an ihre Aktionäre aus. In
einigen Fällen muss die Hauptversammlung den Entschluss noch
absegnen, was in der Regel auch geschieht.

Zwölf Firmen, die ihren Aktionären im Jahr 2000 noch eine
Ausschüttung bescherten, haben sich nun gegen eine Auszahlung
entschieden. Etwa EM.TV. Hauptgrund: Beim Münchener Filmhändler
fiel im Jahr 2000 ein Fehlbetrag von 166 Mio. Euro an. 1999 wurde
noch ein Gewinn von 42 Mio. Euro erwirtschaftet. Auch bei Mobilcom
und Maxdata zum Beispiel hat eine stark eingetrübte Finanzlage für
den Willenswandel gesorgt. Daher gibt es 2001 nicht mehr
Dividenden-Zahler als 2000.

Das klingt auf Anhieb nicht toll, doch in Anbetracht der stark
eingebrochenen Gewinne vieler Firmen am Neuen Markt mehr als
beachtlich. "Wenn nicht so viele Unternehmen so deutlich in die
Verlustzone gerutscht wären, hätte es mit Sicherheit noch viel mehr
Dividenden-Zahler gegeben", erläutert Stefan Schießer,
Chef-Aktienanalyst bei der GZ-Bank. "Ein Trend hin zur Dividende an
der Wachstumsbörse ist unübersehbar, insbesondere bei den Firmen,
die Gewinne machen."

Dividende trotz roter Zahlen

Cybio will sogar trotz roter 2000er-Konzern-Zahlen 0,34 Euro pro Aktie
ausschütten. Nach Aussagen der Biotech-Firma stammt das Geld für
die Ausschüttung aus dem positiven Abschluss der Kerngesellschaft.
Consors hat 2000 einen Gewinn von 17 Mio. Euro erzielt, ist aber im
ersten Quartal 2001 mit minus 15 Mio. Euro tief in die Miesen
gerutscht. Eine wesentliche Besserung ist nicht in Sicht. Dennoch
beschloss der Web-Broker gerade, eine Dividende von 0,18 Euro
auszuzahlen.

Wesentlicher Grund für den Drang, Gelder auszuschütten, ist die
Pflege der Anleger. Bei ihnen soll der Eindruck erweckt werden, hier
handele es sich um eine solide, vertrauenswürdige und finanzkräftige
Unternehmung. Zum anderen sind die Börsen, insbesondere
Wachtumssegmente wie der Neue Markt, zuletzt stark eingebrochen.
Mit der Dividende wollen die Wachstumsfirmen ein Signal der
Risikobegrenzung setzen. Und auch die deutsche Anlagekultur mit
ihrem nach wie vor bestehenden Hang zu Wertpapieren, die Anlegern
feste Renditen bescheren, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Höherer Betrag pro Aktie

Daher wird auch im Durchschnitt mehr pro Aktie ausgeschüttet. Der
von den Top Ten der Dividenden-Zahler ausgegebene Betrag pro Aktie
hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 60 Cent erhöht.
Nur der Einzelhandels-Dienstleister Medion zahlt jetzt weniger als
zuvor. Der Rest zahlt mehr, gleich viel oder zum ersten Mal.

Besonders spendierfreudig zeigte sich Elmos. Der Dortmunder
Hersteller von mikroelektronischen Bauteilen vor allem für die
Autoindustrie blätterte seinen Aktionären am 10. April 0,91 Cent pro
Papier hin und damit fast doppelt so viel wie noch im Jahr zuvor. Und
nicht nur das: Elmos schüttet schon zum zweiten Mal hintereinander
den Gewinn zu 100 Prozent aus. In diesem Jahr kommt damit die
stolze Summe von rund 20 Mio. Euro. zusammen.

Zu dieser Großzügigkeit hat das so genannte
Schütt-aus-hol-zurück-Prinzip geführt", sagt Karsten Iltgen, Analyst bei
WestLB Panmure. "Rund ein Drittel der Aktien befindet sich im Besitz
des Vorstands, ein weiteres Drittel gehört dem Autobauer BMW. Elmos
kann ziemlich sicher sein, dass diese Anteilseigner die
Dividenden-Zuflüsse in Elmos-Aktien reinvestieren."

Auch steuerliche Gründe

Eine Rolle spielen auch steuerliche Gründe. Denn für das Geschäftsjahr
2000 gilt noch der gespaltene Körperschaftsteuersatz von 30 Prozent
auf ausgeschüttete und 40 Prozent auf einbehaltene Gewinne. Ab dem
Geschäftsjahr 2001 gilt ein einheitlicher Satz von 25 Prozent. "Daher
ist davon auszugehen, dass Elmos in Zukunft den Gewinn nicht mehr
komplett weitergeben wird", sagt Iltgen.

Mit einer Dividende ist aber zu rechnen. Denn sie gilt als Zeichen der
Reife für eine Firma. Befindet sich eine Wachstumsfirma in der
Anfangsphase, verzichten die Anteilseigner meist bewusst auf eine
Dividende, um den Wachstumsprozess nicht zu behindern. In späteren
Stadien verlangen die Aktionäre aber oft eine Ausschüttung.
Rechtmäßig steht sie ihnen auch zu.

Stellt sich die Frage: Was hilft dem Aktionär mehr, die Ausschüttung
oder die Re-Investition der Gewinne durch das Unternehmen?
Letztendlich hängt es von der Marktstellung, vom Wachstums und von
der Finanzkraft jeder einzelnen Firma ab. Auf lange Sicht, da sind sich
die Analysten einig, werden Dividenden auch für Neuer-Markt-Firmen
Pflicht. Jedenfalls für die, die Gewinne machen. "Seit die Phase der
totalen Euphorie am Wachstumssegment auf absehbare Zeit vorüber
ist, gewinnen für Anleger und Fondsmanager plötzlich Kriterien wie
Kurs-Gewinn-Verhältnis und Dividendenzahlungen an Bedeutung", so
Götz Albert, Leiter des Aktien-Research bei Independent Research.

So erzielt die Elmos-Aktie aktuell eine Dividenden-Rendite von 3,5
Prozent. Der Aktienkurs ist aber seit Anfang Januar 2000 um 44
Prozent gefallen. Wer also 100 Papiere besaß, dem wurden eventuell
angefallene Kursverluste mit fast 1800 DM versüßt.

Am meisten zahlt Technotrans

Die höchste Dividende am Neuen Markt zahlt mit 1,25 Euro
Technotrans. Damit hat der Systemanbieter für Druckereibetriebe
seine Ausschüttung zum dritten Mal in Folge erhöht. Auch hier heißt es,
man wolle sich als seriöses, profitables Unternehmen präsentieren und
damit bewusst vom Gesamtmarkt abheben. Analysten vertreten zwar
die Meinung, dass Technotrans eine geringere Ausschüttungsquote,
also ein niedrigerer Dividenden-Anteil am Gewinn, gut täte. Doch ist
die Quote trotz steigender Dividende gesunken und soll weiter sinken.
Das spricht für die hohe Profitabilität und Dynamik der Sassenberger.
Nicht zuletzt deswegen lauten acht der zehn aktuellsten
Empfehlungen, die der Börsen-Info-Dienst Bloomberg für die Aktie
ausweist, "Kaufen".

Fortec will dieses Jahr, genau wie 2000, 0,51 Euro pro Aktie
lockermachen. "Damit kann Fortec das Interesse für die Aktie bei den
Kleinanlegern, die einen Großteil der Aktionäre ausmachen, erhöhen",
sagt Roland Pitz, Analyst bei der HypoVereinsbank, der den Wert als
"Outperformer" einstuft. "Als spezialisierter Systemzulieferer und
Technologieführer wird Fortec auch künftig vom Boom in
unterschiedlichen Abnehmerbranchen profitieren." Doch nur wenige
Analysten interessieren sich für den Titel. Und die Marktkapitalisierung
ist vergleichsweise gering. Das mindert die Kursfantasie beträchtlich.

Eine hohe Dividende allein sollte also niemanden dazu verleiten, eine
Aktie zu kaufen. In vielen Fällen ist sie aber ein süßes Zubrot.


© 2001 Financial Times Deutschland
Ist doch egal, ob die Dividende bezahlen oder nicht. Schon mal was von Dividendenabzug gehört? Ist ein Nullsummenspiel.

mfg
Ein Nullsummenspiel ist das höchstens für den, der meint er könnte clever einen Tag vor der Dividendenzahlung kaufen und am nächsten gleich wieder verkaufen, seine Dividende dürfte ungefähr dem Kursverlust durch den Dividendenabschlag entsprechen. Der Zeitpunkt direkt vor der Dividende ist i.d.R sogar der schlechteste Einstiegspunkt, da die Kurse meist vor der Ausschüttung etwas anziehen.

Bei guten Werten, die die Dividende aus einem angemessenen Teil des Gewinns / des laufenden Casflow finanzieren (etwas anderes ist es, wenn z.B. eine Dividende nur einmalig aus AO Einnahmen finanziert werden kann) hohlen den Dividendenabschlag aber i.d.R innerhalb von kurzer Zeit wieder rein.

Als Beispiel hier mal der Chart der Norddeutschen Affinerie (kein NM Titel, aber ein typischer Dividendentitel):


Die Dividendenabschläge sind hier nur noch als kurzes Zucken im Chart bemerkbar und wurden immer recht schnell wieder aufgeholt (die etwas größeren Abschläge in 2001 hängen damit zusammen, dass fast Zeitgleich zur Dividendenzahlung die MDAX-Aufnahme war und die NA im Vorfeld etwas zu heiß lief.


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