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Kleine Texte, große Gewinne

Der WAZ-Konzern hat keine publizistische, aber eine unternehmerische Vision: den Einstieg bei Springer

Von Götz Hamann


Mal links, mal rechts und meistens in der Mitte. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung ist in ihren politischen Kommentaren "eine Mehrheitszeitung", urteilt der Dortmunder Medienforscher Horst Röper. Demnach hat die WAZ ihren Platz, wo Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor vier Jahren die Bundestagswahl gewonnen hat. Oder umgekehrt: Schröder fand seine Wähler, wo die Regionalzeitung aus Essen vor 54 Jahren angefangen und noch immer ihre Leser hat.
Zufall? Vor einigen Monaten trat Schröders früherer Kanzleramtschef Bodo Hombach (SPD) als einer von vier Geschäftsführern bei der Zeitungsgruppe an. Und dann diskutierte auch noch der langjährige WAZ-Verleger Erich Schumann (im Herzen ein Sozialdemokrat) in trauter Runde mit dem Kanzler. Es ging um die Zukunft des Medienimperiums von Leo Kirch und dessen 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag. Schumann hat seither mehrfach zu verstehen gegeben: Er möchte bei Springer einsteigen, wenn Kirch verkaufen muss. Aus dem Kanzleramt kritisierte niemand diesen Plan, obwohl das Geschäft die deutsche Zeitungslandschaft erschüttern würde. Oder sagt der Kanzler nichts, gerade weil es das täte?

Die WAZ-Gruppe, deren wirtschaftliche Macht nur wenige kennen, als Großaktionär bei Springer - die Folge wäre ein nie dagewesener Konzentrationsschub für die Branche. Entschieden ist zwar nichts, aber Mehrheitsaktionärin Friede Springer und WAZ-Manager Erich Schumann reden seit einem Treffen in Berlin häufiger miteinander, wie es aus dem Umfeld der beiden heißt: "Es sieht so aus, als ob sie sich einander annähern." Einigen sie sich, würde der zweitgrößte Zeitungsverlag beim Marktführer einsteigen, und beide Häuser wären zusammen fünfmal so groß wie der nächst größere Konkurrent (siehe Graphik). Das ist einzigartig, und dennoch verblasst die Wettbewerbsfrage vor der möglichen politischen Dimension, die sich aus der Personalie ergibt: Rücken SPD und WAZ-Verlag durch den ehemaligen Parteimanager Hombach zusammen? Würden die politisch mittigen Essener den konservativen Springer Verlag und damit die Grundfesten der deutschen Presselandschaft verändern? Frei nach dem Motto: "Schröder-Hombach, Hombach-WAZ, WAZ-Springer, Springer-Schröder".

Jenseits aller rot-schwarzen Fantasien böte der Einstieg für beide Seiten Vorteile. Für die WAZ-Gruppe wäre es der Aufbruch aus der Provinz. Publizistisch wären sie auf einmal wer. Springer wiederum könnte von den Essenern lernen, wie man einen Verlag wirtschaftlich führt. In den vergangenen Jahren ist das bei Springer derart misslungen, dass zum ersten Mal überhaupt ein Verlust ausgewiesen wurde. Demgegenüber ist die WAZ-Gruppe vielleicht das profitabelste Zeitungshaus in Deutschland und weiß trotz der andauernden Anzeigenflaute nicht, wohin mit den Gewinnen. Über Jahre bereisten die Verleger Südosteuropa und kauften hier, erwarben dort. Inzwischen beherrschen sie die Märkte in Österreich, Ungarn, Bulgarien und Rumänien.

Im Westen dagegen gibt es nichts Neues. Möglich schien vieles, faktisch war nichts. Seit zehn Jahren hat die der Verlag hierzulande keine größere Tageszeitung übernommen. Lutz Glandt, auch er Geschäftsführer des Verlags, ließ vor einiger Zeit wieder einmal fallen, "im Sparstrumpf" sei noch immer das Geld, "um die Süddeutsche Zeitung zu kaufen" - falls sich die Besitzer zum Verkauf entschließen. Außerdem mehren sich die Hinweise, dass Gespräche über den Kauf des SPD-Anteils an der Bielefelder Zeitung Neue Westfälische laufen. Dem widerspricht Gerd Walter, Geschäftsführer der SPD-Medienbeteiligungsgesellschaft DDVG derzeit energisch: "Reinen Herzens sage ich: Da ist nichts dran." Noch muss die WAZ-Gruppe also warten - und Geld anlegen.

Als Familienbetrieb ist der Essener Verlag nicht verpflichtet, genaue Zahlen zu veröffentlichen, und Aussagen zur wirtschaftlichen Lage bleiben denn auch im Ungefähren. Fast zwei Milliarden Euro Umsatz macht das Haus. Nicht eingerechnet sind darin die 25-Prozent-Beteiligung am Otto-Versand (23,5 Milliarden Euro Umsatz) sowie die rund sieben Prozent am Fernsehkonzern RTL Group (4 Milliarden Euro Umsatz). Im deutschen Zeitungsgeschäft sollen die Renditen seit Jahren zwischen 15 und 20 Prozent liegen. Mit einem Wort: Der Verlag ist potent, was man von Springer derzeit nicht behaupten kann. Zu seinem Antritt hat der neue Vorstandschef Mathias Döpfner einen rechten Kehraus verordnet und fürs vergangene Jahr 191 Millionen Euro Verlust gemeldet.

Derweil zeigt die WAZ-Gruppe, wie streng sie mit sich selbst, beziehungsweise ihren Angestellten sein kann. Obwohl sie auch in der Anzeigenkrise einen Gewinn erwirtschaftet, übernimmt sie derzeit ihre Volontäre nicht mehr, verlängert befristete Verträge nur im Ausnahmefall, und zwischenzeitlich sollte es keine Vertretungen mehr geben, wenn eine Sekretärin krank wird. Die Redakteure liefen Sturm, die Stimmung sei so schlecht wie nie, urteilt der langjährige Betriebsrat Harry Schulz. "Das alles ist auch als Schaulaufen für Friede Springer zu verstehen", glaubt ein leitender Redakteur, "sehen Sie her, wir haben das Können, um Ihren Verlag zu sanieren."

Der Unterschied zwischen WAZ und Springer, zwischen Kraft und Schwund, publizistischer Provinz und nationaler Prominenz, er wird für die WAZ-Gruppe durch die beiden alten Verlagsgeschäftsführer verkörpert: Erich Schumann (71) und Günter Grotkamp. Mehr als 20 Jahre bestimmten sie gemeinsam die Geschicke und machten aus einer einzigen Zeitung den größten Regionalverlag des Landes. Bis sich der 75-jährige Grotkamp auf die Insel Juist zurückzog.

Zwei Kaufleute. Zwei Juristen. Entsandt von zwei Familienstämmen, der eine links, der andere rechts der politischen Mitte. Grotkamp heiratete in die konservative Funke-Familie ein, während Schumann vom linken Erich Brost adoptiert wurde, da war er schon über 50 Jahre alt. Die beiden Stämme kontrollieren je die Hälfte des Verlags.

Parteifern sind die WAZ und ihre Schwesterblätter immer geblieben, unbeeinflusst auch die Redaktionen. Als Erich Schumann - SPD-Mitglied und früher Anwalt von Bundeskanzler Willy Brandt - dem politischen Gegner Helmut Kohl 800 000 Mark spendete, rief er zwar in den Chefredaktionen an, um sein Tun zu erklären. Mehr aber nicht. "Wie Sie das kommentieren, ist Ihre Sache", soll er gesagt haben. Das ist die positive Seite eines Verlages, dem Kritiker vorwerfen, er habe keine publizistische Vision. "Kaufen, auf Erfolg trimmen, wieder kaufen", sei ihre Devise, hat auch Lutz Glandt dem Berliner Tagesspiegel erklärt.

Den publizistischen Ruf einer Zeitung bestimmen aber nicht allein die Verleger, sondern auch die Texte, ihre Länge und ihr Sujet. Medienforscher Horst Röper beschreibt den Charakter der WAZ nüchtern: "Es ist eine aufs Lokale konzentrierte Zeitung, die hilft, das Alltagsleben des Lesers zu organisieren. Der überregionale Teil ist eher dürftig, und man findet wenig Hintergründe. Kurzum: Die WAZ ist der Prototyp einer Regionalzeitung." Wer hineinschaut, sieht: Sie bietet tatsächlich weniger intellektuelle Nahrung als etwa der Kölner Stadtanzeiger; andererseits vermissen es die Leser auch nicht sonderlich, was Umfragen belegen. Darin geben 98 Prozent an, mit ihrer Zeitung vollkommen, sehr oder einfach zufrieden zu sein.

Die Macher treffen demnach die Bedürfnisse eines Publikums, das zu rund 48 Prozent einen Volks- und Hauptschulabschluss hat. Gleichzeitig verkaufen überregionale Blätter wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder die Süddeutsche Zeitung in ganz Nordrhein-Westfalen nur wenige zehntausend Exemplare. "Die WAZ verändert sich gemeinsam mit dem Ruhrgebiet", stellt ein Redakteur fest. Mit dem sozialen Wandel seien in den vergangenen Jahren die Texte länger geworden, man habe mehr Korrespondenten im Ausland eingestellt und auf der Seite drei den Platz für lange Geschichten geschaffen, "aber wir wollen nicht geschwätzig werden". So bleibt die Erkenntnis, dass sich der Verlag eine inhaltlich noch bessere Regionalzeitung leisten könnte, es aber nicht will und auch nicht muss.

Was würde es vor diesem Hintergrund für den Axel Springer Verlag bedeuten, wenn die WAZ-Gruppe einstiege und kaufmännischen Einfluss nähme, wie Erich Schumann andeutet? Kurzfristig ginge es wohl um das WAZ-Modell: Im Druck, im Vertrieb und in der Anzeigenabteilung würden möglichst viele Zeitungen zusammenarbeiten, sofern es das Bundeskartellamt zulässt. Es muss prüfen, ob die Konzentration auf den Leser- und Anzeigenmärkten zunähme. Eine berechtigte Sorge: Im Ruhrgebiet ist neben den WAZ-Blättern oftmals nur noch die Bild-Zeitung mit einer eigenen Lokalausgabe vertreten - und die gehört bekanntlich Springer. Doch für die Kartellwächter stellen Abonnement- und Boulevardzeitungen auf der Leserseite unterschiedliche Märkte dar, "sofern sie sich ausreichend in Breite und Tiefe der Berichterstattung unterscheiden", wie ein Sprecher erläutert.

Das trifft den Wettbewerb, liefert aber keinen Anhaltspunkt dafür, dass Springers Welt morgen anders aussähe, wenn die Verlage zusammengingen. "Vielleicht später, wenn Bodo Hombach kein Lehrling mehr ist", spekuliert Medienforscher Horst Röper. Stimmen aus der WAZ-Gruppe meinen demgegenüber, dass sie bereits einen Hauch von Wandel wahrnähmen. Neben dem politischen Menschen Hombach seien mit Lutz Glandt und Detlef Haaks zwei Geschäftsführer berufen worden, die das Zeitungsgeschäft von der Pike auf gelernt haben.



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JU-Chefin Müller: "Hombachs leiser Abgang: Schröders Mann für den Balkan gescheitert ­ Wechsel zum WAZ-Konzern stärkt Medienmogul SPD¨
Pressemitteilung der JU Deutschland vom 25.09.2001:

JU zum Abgang des EU-Balkankoordiantor und zu den Entwicklungen in Mazedonien

JU-Chefin Müller: "Hombachs leiser Abgang: Schröders Mann für den Balkan gescheitert ­ Wechsel zum WAZ-Konzern stärkt Medienmogul SPD¨

Zum Abgang des EU-Balkankoordinators Bodo Hombach und den undurchsichtigen Medienbeteiligungen der SPD erklärt die Bundesvorsitzende der Jungen Union, Hildegard Müller:

¨Der leise Abgang des EU-Balkankoordinator ist symptomatisch für seine Arbeit auf dem Balkan: Niemand weiß so recht, was Hombach in den letzten beiden Jahren getan hat. Der von Hombach zu koordinierende Stabilitätspakt steht kurz vor dem völligen Scheitern. Nach zwei erfolglosen Jahren ist Schröders Mann für den Balkan gescheitert und wirft das Handtuch. Hombachs Balkan-Intermezzo bedeutet außerdem einen schweren außenpolitischen Schaden für Deutschland und unterstreicht den völlig unzureichenden Stellenwert den der Bundeskanzler der Krisenregion zuschreibt. Der Bundesregierung fehlt jegliche konzeptionelle Strategie für die Stabilität der gesamten Region wie es auch die fehlenden Aktivitäten zur Stärkung des Friedensprozesses in Mazedonien zeigen.

Hombach war von Beginn an eine Fehlbesetzung. Schröders Personalvorschlag des außenpolitisch völlig unerfahrenen Hombach für den Posten des EU-Balkankoordinators war ein schwerwiegender Missgriff. Nach Kritik innerhalb der Regierungskoalition an seiner Arbeit in Berlin sowie Vorwürfen der Vetterwirtschaft beim Bau seines Hauses war der Wahlkampfmanager von Kanzler Schröder im Juni 1999 nach nur wenigen Monaten als Kanzleramtsminister zurückgetreten. Auch in Brüssel sorgte Hombach nach seinem Amtsantritt für Negativschlagzeilen. Sein von der Rot-Grünen Regierung durchgesetztes üppiges Jahresgehalt von 446.000 DM stieß auch in der EU-Zentrale auf Widerstand.

Jetzt kehrt Hombach als Geschäftsführer beim Medienriesen WAZ nach Deutschland zurück. Hier dürfte der Schröder-Vertraute dem Kanzler überaus nützlich sein. Der WAZ-Konzern besitzt allein 22 Zeitungen, 50 Zeitschriften und gehört mit mehr als 3 Milliarden DM jährlichem Umsatz zu den größten deutschen Medienkonzernen. Mit Hombach an der Spitze dürfte sich das Verhältnis zwischen dem ohnehin SPD-nahestehende Medienkonzern und der SPD noch verbessern. Hombachs Wechsel zum WAZ-Konzern stärkt den Medienmogul SPD weiter.

Unter dem Deckmantel der Kleine-Leute-Partei beherrscht die SPD ein milliardenschweres Imperium im Medienbereich. Die SPD muss endlich ihre undurchsichtigen Beteiligungen an Druck- und Verlagsgesellschaften offenlegen.¨
Dahinter steckt immer derselbe Verlag

Erneute Medienkonzentration. Gruner + Jahr verkauft Berliner Verlag: "Berliner Zeitung"
und "Tagesspiegel" erscheinen jetzt beide im Holtzbrinck Verlag. Ver.di fürchtet um Arbeitsplätze
BERLIN taz Die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernimmt die Berliner Regionalzeitungen des Hamburger Großverlages Gruner + Jahr (G+J). Damit gehören Tagesspiegel und Berliner Zeitung künftig demselben Unternehmen.

Die Bertelsmann-Tochter G+J will sich künftig wieder ganz auf Zeitschriften und das Druckereigeschäft konzentrieren. Auch von der Sächsischen Zeitung und den Morgenpost-Boulevardtiteln in Dresden und Chemnitz will sich G+J trennen. Hier hält die SPD 40 Prozent der Anteile, was einen raschen Verkauf offenbar erschwert.

Die Berliner Zeitung soll neben dem Tagesspiegel als selbstständige Zeitung erhalten bleiben, sagte der für Zeitungen zuständige Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner. Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte die Transaktion als "Besorgnis erregenden Konzentrationsschub". Es gebe Grund für Sorge um die Arbeitsplätze, teilte der Ver.di-Bundesvorstand mit. Daher sei es notwendig, "schon bald über eine gesetzliche Flankierung der Konzentrationsbewegung im Pressewesen nachzudenken, um journalistische Unabhängigkeit und publizistische Vielfalt zu sichern". Bei den betroffenene Titeln sind nach G+J-Angaben rund 800 Beschäftigte tätig. Mit der Übernahme des Berliner Verlags gehen neben der Berliner Zeitung auch das Boulevardblatt Berliner Kurier, die Anzeigenblattkette Berliner Abendblatt, die Programmzeitschrift Tip und der Internetdienst BerlinOnline an Holtzbrinck. Den Verkauf müssen die Kartellbehörden genehmigen. Experten sprechen wegen der künftigen Stellung des Holtzbrinck-Konzerns auf dem Markt für Abonnementszeitungen in der Hauptstadt von einer problematischen Situation. Holtzbrinck hatte 1992 den bislang unabhängigen Tagesspiegel übernommen. STEFFEN GRIMBERG

http://www.taz.de/pt/2002/06/27/a0062.nf/text

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Kartellamt blockiert geplante Fusion auf Berliner Zeitungsmarkt

Bonn (dpa) - Das Bundeskartellamt will die vom Holtzbrinck-Verlag geplante Übernahme der «Berliner Zeitung» nicht genehmigen. Das machte der Präsident der Behörde, Ulf Böge, in Bonn klar. Der Stuttgarter Verlagsgruppe gehört bereits der «Tagesspiegel» in Berlin. Damit gebe es eine marktbeherrschenden Stellung auf dem Berliner Lesermarkt für Abonnement-Zeitungen, erläuterte Böge. Vor einer endgültigen Entscheidung des Kartellamts hat der Verlag noch eine Frist bis 15. Dezember für eine Reaktion.


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