Nerven liegen blank
Goldpreis schmiert ab. Ist das erst der Anfang?
Der Freitag hielt für die Edelmetalle eine böse Überraschung bereit. Der ohnehin mit einer gewissen Anspannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht öffnete für Gold, Silber und andere Edelmetalle die Falltür.

Gold, Silber & Co. schmieren ab
Tiefrote Vorzeichen gab es am Freitag im Edelmetallbereich. Gold verlor über 3 Prozent und durchschlug die wichtige Marke von 2.300 US-Dollar. Silber erwischte es noch schlimmer. Das Minus von über 6 Prozent und der damit einhergehende Rutsch unter die 30 US-Dollar sorgen im Hinblick auf die kommenden Handelstage für Unbehagen. Platin und Palladium konnten sich der Gemengelage ebenfalls nicht entziehen und gaben nach.
US-Arbeitsmarktbericht stark, Zinshoffnungen schwinden
Um es kurz zu machen. Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai fiel stark aus; zu stark, um die Hoffnungen auf kurzfristige Zinssenkungen in den USA weiter zu stützen. Die wichtige Zahl der neugeschaffenen Stellen exLandwirtschaft fiel deutlich höher aus, als im Vorfeld vom Markt erwartet wurde. Doch nicht nur die Anzahl der neugeschaffenen Stellen fiel höher aus. Auch die Stundenlöhne stiegen im Mai stärker als im Vorfeld prognostiziert wurde. Die Entwicklung der Stundenlöhne gilt als wichtiger Inflationsindikator. Kurzum. Die Hoffnungen auf eine schnelle Zinssenkung in den USA haben einen kräftigen Dämpfer bekommen. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen legten daraufhin deutlich zu. Der US-Dollar-Index sprang nach oben.
Fed-Termin wirft Schatten voraus
Die Dynamik des Abverkaufs mag überraschen, doch sie lässt sich mit den anstehenden Terminen erklären. Am kommenden Mittwoch (12. Juni) werden die aktuellen US-Verbraucherpreisdaten veröffentlicht. Zudem wird die US-Notenbank am Mittwoch ihre Leitzinsentscheidung bekanntgeben. Ein Zinsschritt jetzt im Juni käme überraschend. Die begleitenden Kommentare und Kommuniqués könnten allerdings die eine oder andere unliebsame Überraschung bereithalten. Zudem veröffentlicht die Fed turnusmäßig ihre quartalsweise erscheinenden Projektionen zu Zinsen, Inflation etc. Hier werden die Marktteilnehmer ganz genau hinsehen, ob es irgendwelche Veränderungen zu den März-Daten gibt.
Fazit - Nerven liegen blank
Der massive Abverkauf vom Freitag verdeutlicht, wie nervös die Marktteilnehmer sind. Salopp könnte man formulieren: Die Nerven liegen blank. Der Blick auf den oberen Gold-Chart zeigt, dass sich die Situation in den kommenden Tagen durchaus noch weiter verschärfen könnte. Mit dem Rücksetzer vom Freitag ist die zentrale Unterstützungszone 2.300 US-Dollar / 2.280 US-Dollar in Bedrängnis geraten. Gold könnte damit vor einer wichtigen Weichenstellung stehen. Zwei Szenarien sind denkbar. (I) Die Zone hält. Der Rücksetzer entpuppt sich als Marktbereinigung. Gold dreht wieder nach oben ab. (II) Die Zone hält nicht. Gold taucht unter die 2.280 US-Dollar ab. Das daraus resultierende Verkaufssignal könnte Gold bis auf 2.070 US-Dollar führen.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
