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27 Jahre Spekulant - Wie ich dreimal ein Vermögen machte und es zweimal verlor !!! Fortsetzung



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Ich hatte zuvor bereits einen Thread mit dem Titel: "27 Jahre Spekulant - Wie ich dreimal ein Vermögen machte und es zweimal verlor !!" mit 955 Beiträgen und über 200.000 Aufrufen. Am 27.3.2008 begann ich in einer sehr schwierigen Zeit, die dem Anleger elementare Entscheidungen abverlangte. Auch heute sind wir wieder in einer Phase, die uns vor völlig neue Probleme stellt. Die 27 Jahre Spekulant bezogen sich damals auf meinen Start mit Aktien im Jahre 1981, inzwischen sind es 38 Jahre Börsenerfahrung.

Hallo, vorab für die Leser, die sich noch erinnern. Es geht mir gut und ich bin auch nicht das 3. Mal vermögenslos. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall. Doch die Riesengewinne waren meist nicht dabei, denn Technologiewerte kaufe ich unverändert nicht.
Wir überwintern zur Zeit in Cha Am, Thailand und nach 2 Jahren "Schreibstille" möchte ich mich mal wieder äußern.
Die Börsen liefen ja recht gut und meine letzten Beiträge trafen meiner Ansicht nach unverändert zu, insbesondere der vom 23.2.15. Wow, lange her.
Doch tauchen zur Zeit immer mehr Chaos-und Crashprofeten auf. Und die Aussichten werden komplizierter und hängen stärker als früher von dem Verhalten der Notenbanken ab.
Ich habe dazu in der letzten Zeit natürlich viel gelesen, gehört und nachgedacht und wollte mit dieser Mail mal sehen, ob es noch Leser bzw. Interessierte gibt.
Nächste Woche folgt dann eine persönliche Lageeinschätzung.
Jörn Düßmann
1981 als Start wäre super gewesen.
Hätte eigentlich nichts schief laufen können.
Hätte.
Antwort auf Beitrag Nr.: 62.088.776 von barbarossa2 am 05.12.19 16:48:30Bin gespannt.
solange es keine Promo für die neuste Auflage des Buches ist, werden wir gespannt warten
Hallo,
vorab, es ist keine neue Auflage von "31 Jahre Spekulant" geplant.

1981 als Start war schon recht gut, mein erster Aktienkauf war Mannesmann für 1.2000,--DM. Die Spekulationidee war die Ausfuhrgenehmigung nach Rußland, die damals im Kalten Krieg ja keineswegs sicher war.
Ich setzte auf Entspannung und bekam Recht und einen kleinen Gewinn. Klein, nach hohen Bank- und Börsengebühren, Porto und Börsenumsatzsteuer, aber einen Gewinn und damit hatte ich auch den Mut weiterzumachen.
Doch verleiteten die nächsten Jahre auch zu recht hohen Risiken. Ich hatte 1982 Optionen (nicht die heute üblichen Optionsscheine mit bankgestellten und berechneten Kursen) .
So war ich 1987 zur Zeit des heftigsten Crashs voll investiert. Starke Kursrückgänge kannte ich nicht, einen richtigen Grund dafür gab es auch nicht und 1929 war Geschichte.
Damals studierte ich in Göttingen, die FAZ war immer einen Tag später am Kiosk. Knappe Börsenberichte gab es per Tonband in der Telefonzelle viermal am Tag oder Nachmittags am Aushang in den Bankschaufenstern oder um 14.05 im Hessischen Rundfunk (20 AG-Kurse, Rentenmarkt, USD, Gold und die Tendenz). Börsenfernsehen oder das Internet kamen erst später.
Wenigstens berichteten 1987 die Nachrichten über den Crash, aber sie verwechselten die Börsenzeiten und Kurse, sprachen mal über den Vortag und und und. Der einzige Lichtblick war mehrfach in den Tagen eine kurze Schaltung zu Heiko Thieme, der damals für die Deutsche Bank New York arbeite und lässig zum Nachkaufen riet. Wenig hilfreich für mich, der kein Geld hatte, aber es machte viel Mut.
Folglich versuchte ich nicht, sofort zu verkaufen. Aber es hätte nichts genützt, da die potentiellen Optionskäufer wie ich auch auf riesigen Verlusten saßen. Meine meisten Optionen verfielen später wertlos.
1981 als Start war schon gut, aber kleinere Kurseinbrüche hätten mich und viele andere vorsichtiger gemacht. Bei der Rückschau muss ich aber auch überlegen, dass ich zwar sehr viel Geld verloren hatte. Aber aus dem Anfangsbetrag ist eine schöne Summe geworden, ich habe zwischenzeitig mehrere Jahre von dem Geld mein Studium bezahlt und vieles gelernt, z.B. vorsichtiger zu sein.
Mehr folgt, v.G. Jörn Düßmann
Einen der Schreibfehler muss ich korrigieren: "für 1.200,--DM", das war damals recht viel Geld.
TUI habe ich seit dem Frühjahr und zwischenzeitlich lag ich sehr stark im Plus. Leider ist in den letzten Tagen der Kurs unerwartet stark zurückgekommen. Nach anfänglich kleineren Käufen hatte ich bei besserer Nachrichtenlage nachgekauft und gestern noch mal aufgestockt. TUI macht zur Zeit ca. 8% meines Depots aus.

Kaufgründe: TUI wurde letztes Jahr immer mit Thomas Cook gleich behandelt. Bei deren schlechten Nachrichten fielen beide AGs. Doch handelt es sich um völlig unterschiedlich aufgestellte Konzerne. TUI verfolge ich seit Jahren genau, da ich damals die Nachranganleihe zu Tiefstpreisen kaufte. TUI hat eigene Hotels, Schiffe, Flugzeuge und diverse Beteiligungen. Die Substanzstärke fiel mir vor Jahren auf, als ich die Bilanzen und Quartalsberichte studierte. Thomas Cook war überwiegend ein Veranstalter, der Leistungen und Hotelzimmer einkaufte und zudem hoch verschuldet war.
Dann kam die nächste Belastung, das Startverbot der Boing 737 MAX-Flugzeuge. Der Kurs brach ein und mir erschien das als ein schlimmes Ereignis, aber zeitlich begrenzt und nicht hausgemacht. Das Flugverbot dauert inzwischen zwar viel länger als erwartet, aber es wird eine Entschädigung geben von Boing bzw. dessen Versicherer, der Allianz. Neben den fehlenden Flugzeugen konnten weitere Auslieferungen nicht stattfinden. Und es musste teurer Ersatz gechartert werden.
Dann kam der Konkurs von Thomas Cook, ich kaufte zu. Inzwischen ist sicher, der insolvente deutsche Konkurrent Thomas Cook wird zerschlagen. Galeria Karstadt Kaufhof übernimmt 106 der 126 Reisebüros von Neckermann, Öger und Co. Es wurde zuvor versucht, Thomas Cook als Ganzes zu veräußern. Das hätte bei einem starken Übernehmer eine neue Konkurenz bedeutet!
Da den Thomas Cook Reisebüros jetzt die Veranstaltermutter fehlt, müssen diese zukünftig auch TUI-Reisen verkaufen, um im Markt bestehen zu können. Ein Superergebnis für TUI.
Ich kenne mich im Reisebereich recht gut aus, da ich ab 1990 für 7 Jahre ein Reisebüro in Bremen besaß. Deshalb auch der Mut zu dieser hohen Beteiligung.

Zukunft: TUI ist hochprofitabel, bietet eine attraktive Dividende, hat eine sehr hohe Substanz und baut den Konzern um. Zukünftig will TUI mehr Geld mit Leistungen am Zielort verdienen und hat dafür hinzugekauft. Gleichzeitig bleibt TUI in den Reisebüros verankert, baut aber den Internetbereich aus.
Der Wegfall des großen Konkurrenten Thomas Cook eröffnet zusätzliche Wachstumschancen wie z.B. der Einstieg in Langstreckenflüge etc. Das profitable Kreuzfahrtgeschäft wird durch neue Schiffe stark ausgebaut. Es kommen neue Hotels und Flugzeuge hinzu.
International verstärkt sich TUI durch Veranstaltergründungen in Ländern wie China, Malaysia und anderen neuen Märkten.


Meine Beteiligung ist recht hoch, weitere Zukäufe sind nicht geplant. Ich werde bei Kursen über 15 € wohl etwas reduzieren.

Jörn Düßmann
Gazprom ist inzwischen meine größte Aktienposition, denn den Hauptteil hatte ich um die 4 € gekauft. Und immer mal wieder mit einem Teil der Position getradet und Gewinne reinvestiert.

Eben lese ich bei Web.de: "Nord Stream 2: US-Repräsentantenhaus stimmt für Sanktionen
Selten sind sich Demokraten und Republikaner so einig mit ihrem Präsidenten: Sowohl Donald Trump als auch der Kongress lehnen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ab. Sie wollen das Projekt mit Sanktionen stoppen - kurz vor seiner Fertigstellung.
… Die Abgeordneten stimmten am Mittwochabend (Ortszeit) mit 377 zu 48 Stimmen für ein Gesetzespaket zum Verteidigungshaushalt (NDAA), in das das Sanktionsgesetz eingefügt worden war. ...
"

Die Sanktionen betreffen Manager der am Bau beteiligten Gesellschaften und deren Hauptaktionäre mit Kontrollmehrheit. Deren bestehende USA-Visa sollen widerrufen und Einreiseverbote verhängt werden. Und deren Besitz oder ihre geschäftlichen Interessen in den USA können blockiert werden.

Ich weiß nicht, wie die Pipeline dadurch noch verhindert werden soll. Denn das weitere Verfahren dauert wohl noch mindestens 2 1/2 Monate und blockiert den Bau nicht tatsächlich.
Aber die Entscheidung ist ein Frontalangriff auf europäische Interessen. Auch im Kalten Krieg hat Rußland immer zuverlässig geliefert. Weiterhin ist das Land auf die hohen Einnahmen durch den Gas- und Ölverkauf nach Europa angewiesen, es ist schwer zu sagen, wer wen mehr braucht.
Die dahinterstehende Motivation der USA ist der Verkauf eigenen Gases. Das ist nicht nur wesentlich teurer, sondern wird auch per Fracking extrem umweltschädigend erzeugt.
Leider ist Europa gepalten und selbst innerhalb Deutschlands besteht keine Einigkeit.

Wünschenswert wäre es, weiterhin den Osten stärker einzubinden, denn die kulturellen Gemeinsamkeiten sind viel stärker und zusammen wäre die Position gegenüber China stärker.

Doch durch dieses US-Verhalten erfolgt eher eine Spaltung. Gazprom hat durch die neue Pipeline (gerade Lieferbeginn) nach China bereits Tatsachen geschaffen, sich stärker nach China und nach Südosteuropa (Türkei mit weiterer Pipeline) zu orientieren.

Die Gespräche mit der Ukraine gehen langsam voran, Nord Stream 2 ist durch die dänische Blockade nicht mehr im Zeitplan, wird aber fertiggestellt.

2. Teil folgt
Gazprom Fortsetzung:
Ich wollte die Kurseröffnung abwarten und Mittagessen (ich bin in Thailand). Der Kurs bewegt sich nur ein wenig nach oben. Angekommen ist die Nachricht, denn selbst Web.de und t-online berichten unter den Schlagzeilen.

Kaufgründe für Gazprom waren der damalige Kurs, der extrem niedrig war. Der Konzern mußte gleichzeitig an 3 Pipelines bauen und benötigte dafür sehr viel Kapital. Dafür mussten immer wieder Anleihen plaziert werden, deren Zinssatz aber nicht zu hoch war, wie ich erfreut feststellte. Ständig tauchten bei Nord Stream 2 und der türkischen Pipeline politische und juristische Probleme auf. Das hielt vermutlich viele Investoren vom Aktienkauf ab.
Die Pipeline nach China wurde relativ unbeeinträchtigt gebaut, ist vom anfänglichen Liefervolumen aber recht unbedeutend. Erst mit einem weiteren Ausbau auch der Gas-Infrastruktur (zusätzliche Quellenerschließungen, ein zweiter Strang, Verzweigungen, Kraftwerke oder Industrieumstellungen auf Gas) wird richtig Geld verdient. China braucht dringend sauberes Gas, um die Luftverschmutzung zu verringern.

Das KGV ist um die 5, zu niedrig bei weiter laufenden Umsätzen.

Die Dividendenrendite ist unverändert hoch. Als ich den Wert kaufte, war sie bereits hoch. Als dann die Erhöhung angekündigt wurde, sprang der Kurs an. Nächstes Jahr wird es wieder eine Erhöhung geben und längerfristig ist mit stark steigenden Ausschüttungen zu rechnen.

Großaktionär ist der russische Staat. Der erwartet normalerweise eine Ausschüttung von 50 % des Gewinns. Bei Gazprom gab es aber von Putin eine Sondererlaubnis, weniger auszuschütten, um die 3 Pipelines zu finanzieren. Das ist jetzt vorbei und damit will der Großaktionär jetzt hohe Ausschüttungen, ich auch.

Immer wieder tauchten auch Schlagzeilen auf, der Umsatz sei im ersten Quartal in Deutschland gesunken. Und das sei der Beginn … Wir haben den milden Winter erlebt.
Auch sinkt der Gaspreis seit einiger Zeit. Das mag den Gewinn schmälern, aber der Gewinn bleibt hoch und ständig werden neue Märkte erschlossen. Da halte ich zeitweise sinkende Gaspreise für unproblematisch.

Auf der "gazprom.com" Seite ist auf deutsch von Projekten zu lesen, sind Skizzen und Fotos zu sehen. Eine lohnende Seite. Dort erfährt man auch von weiteren Projekten, LNG-Terminals, neuen Kraftwerken bis zum Joint Venture für Sattelitenbau (zur Projektüberwachung). Erst dort wird die Größe des Konzern deutlich.

Der Kurs ist inzwischen sogar leicht positiv. Diese ständigen Angriffe gehören bei Gazprom leider dazu. Für mich bleibt es ein Hauptinvestment auf lange Sicht. Gas wird im Energiemix immer bedeutender und ist wohl mit am umweltfreundlichsten, wenn es nicht durch Fracking gewonnen wird. Auch Pipelinelecks sind kein mit Öllecks vergleichbares Umweltproblem. Gazprom bemüht sich verstärkt um Umweltbelange, wie auf der Homepage gezeigt wird. Für Europa wird es zunehmend bedeutender, denn andere Gasquellen haben ihren Zenit zum großen Teil überschritten.

Halten wir durch Jörn Düßmann


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