aus was für Beamten und Politikern besteht diese Republik noch? Die Abgeltungssteuer ist eine logik - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 27.12.07 13:36:28 von
neuester Beitrag 30.12.07 11:45:21 von


Beitrag schreiben

Begriffe und/oder Benutzer

 

Avatar
27.12.07 13:36:28
Die Abgeltungssteuer ist eine logikfreie Zone

25. Dezember 2007 Der größte Gegner der Aktiensparer wird künftig die Abgeltungssteuer sein. Vom 1. Januar 2009 an sollen Dividenden und Kursgewinne in voller Höhe der Abgeltungssteuer unterliegen. Das mag auf den ersten Blick harmlos aussehen, doch die Reform wird vor allem für Aktiensparer zu erheblichen Einbußen führen. Wer regelmäßig in Aktien investiert, fährt seit Jahr und Tag am besten mit Papieren, deren Kurse von Jahr zu Jahr steigen. Bei diesen Papieren fallen keine Erträge an, die versteuert und wieder angelegt werden müssen.

Mit dieser Herrlichkeit wird es in wenigen Monaten vorbei sein. Die regelmäßigen Sparraten werden vom 1. Januar 2009 an als Kauf „neuer Aktien“ eingestuft, so dass sowohl die Dividenden als auch die Kursgewinne voll der Abgeltungssteuer unterliegen. Die Einbußen treiben viele Privatleute um. Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie der Abgeltungssteuer entkommen können. Eine interessante Möglichkeit scheint im Moment der Kauf von Aktien auf Pump zu sein. Doch auch hier gelten bald neue Spielregeln: Schuldzinsen lassen sich vom 1. Januar 2009 an nicht mehr als Werbungskosten absetzen.

Gravierende Folgen

Die Regelung sorgt für erhebliche Unruhe. Selbst Finanzbeamte, die ihrem Arbeitgeber treu ergeben sind, schütteln den Kopf über dieses Verbot. Im deutschen Steuerrecht gilt seit Jahrzehnten der Grundsatz, dass Aufwendungen abzugsfähig sind, solange bei einem Geschäft steuerliche Überschüsse zu erwarten sind. Zu diesen Aufwendungen zählen auch Schuldzinsen. Wer in der Vergangenheit eine Anleihe oder eine Aktie auf Pump gekauft hat, konnte die Zinsen von der Steuer absetzen. Genauso konnte jeder Anleger, der auf Kredit eine Immobilie erworben hat, die Schuldzinsen absetzen. Diese Einheit wird über Bord geworfen. Der Anleger mit Wertpapieren darf keine Schuldzinsen mehr absetzen, der Investor mit vermieteten Immobilien aber darf die Schuldzinsen weiter abziehen.
Zum Thema

* FAZ.NET-Serie: Die Vermögensfrage

Das Abzugsverbot hat für Anleger, die ein Aktiendepot auf Kreditbasis anlegen wollen, gravierende Folgen. Ausgangspunkt ist zum Beispiel ein Depot, in das 2008 noch 100.000 Euro einbezahlt werden. Die Papiere sollen 20 Jahre im Depot ruhen, um die Kursgewinne steuerfrei einzunehmen. Die Dividenden werden jedes Jahr im selben Topf wieder angelegt, unterliegen aber der Abgeltungssteuer. Wenn die Aktien jährlich 8 Prozent abwerfen und der Gewinn jeweils zur Hälfte aus Dividenden und Kursgewinnen besteht, sinkt die Verzinsung auf 7 Prozent, weil die Ausschüttungen um ein Viertel zu kürzen sind, die Kursgewinne aber steuerfrei bleiben. Das führt nach 20 Jahren zu einem Endwert von 387.000 Euro.

Ein klassischer Sparplan

Dafür ist ein Kredit von 100.000 Euro notwendig. Die Höhe der Sollzinsen hängt von der Laufzeit und der Sicherheit ab. Kredite mit Absicherung im Grundbuch und fünfzehnjähriger Zinsbindung kosten im Augenblick etwa 5,5 Prozent, so dass bei einer Laufzeit von 20 Jahren mindestens 6 Prozent zu bezahlen sind. Das bedeutet bei einem Festdarlehen, für das jeden Monat 500 Euro aufzuwenden sind. Am Ende müssen 100.000 Euro an die Bank zurückgezahlt werden, so dass das Aktiendepot auf einen Schlusswert von 287.000 Euro sinken wird.

Die Struktur der Kombination ist ein klassischer Sparplan. Der Anleger spart insgesamt 240 Raten à 500 Euro und wird in 20 Jahren voraussichtlich 287.000 Euro auf dem Konto haben. Das führt zu einer Verzinsung von 8,08 Prozent pro Jahr. Das Ergebnis ist so hoch, dass sich viele Betrachter fragen werden, wo das Problem liegt. Die Antwort ist einfach: Der Anleger darf die jährlichen Kreditzinsen von 6000 Euro nicht als Werbungskosten absetzen. Das kostet ihn richtig Geld.

Die Kursgewinne bleiben steuerfrei

Momentan gilt bei Aktien das Halbeinkünfteverfahren. Die jährlichen Dividenden unterliegen zur Hälfte dem persönlichen Steuersatz, und die Kursgewinne bleiben steuerfrei. Das heißt bei strenger Auslegung der Gesetze, dass Schuldzinsen bis zur Höhe der halben Dividenden abzugsfähig sind. Wenn im vorliegenden Fall also Dividenden von 4000 Euro anfallen, sind Schuldzinsen bis zu einem Betrag von 2000 Euro absetzbar. Das führt zu einer Verzinsung von 9,11 Prozent des Aktiensparplans, weil die Steuervorteile, die sich aus dem Abzug der Werbungskosten ergeben, die Verzinsung steigen lassen. Das soll aber unterbunden werden.

Katastrophal wirkt sich das Abzugsverbot der Schuldzinsen für Anleger aus, die erst 2009 in Aktien einsteigen, weil von diesem Zeitpunkt an nicht nur die Dividenden, sondern auch die Kursgewinne der Abgeltungssteuer unterliegen. Wer beispielsweise 2009 einmalig 100.000 Euro in Aktien steckt und die Papiere 20 Jahre liegen lässt, kommt bei einem Jahresertrag von 8 Prozent unter dem Strich auf eine Verzinsung von 6 Prozent. Die eingesetzten 100.000 Euro werden also nur auf 321.000 Euro steigen. Davon sind erneut 100.000 Euro für den Kredit abzuziehen, so dass 221.000 Euro übrig bleiben. Sie führen aufgrund der 240 Zinsraten à 500 Euro zu einer Rendite von 5,76 Prozent pro Jahr, so dass sich das Geschäft nicht mehr lohnt.

Die Ausschüttungen unterliegen sofort der Abgeltungssteuer

Aktiensparpläne auf Pump sind nicht jedermanns Sache. Bei einem normalen Sparplan investiert der Privatmann monatlich einen gewissen Betrag und hofft auf ein stattliches Endvermögen. Das gilt auch für das Depot auf Pump, doch hier haben die normalen Anleger das Gefühl, die Raten für Zins und Tilgung des Kredites auszugeben. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Aktien, wenn sie breit gestreut werden, in 20 Jahren nichts wert sein werden, doch das Gefühl, das Geld eigentlich nicht in Aktien, sondern in einen Kredit zu stecken, ist für viele Anleger eine psychologische Hürde.

Das mit Abstand größte Problem des Zinsdifferenzgeschäftes liegt in der Notwendigkeit steuerfreier Kursgewinne. Das Modell ist ein Bombengeschäft, wenn die Erträge in hohem Maße aus Kursgewinnen bestehen, doch es wird desto stärker an Attraktivität verlieren, je mehr die Erträge aus Dividenden bestehen. Die Ausschüttungen unterliegen sofort der Abgeltungssteuer, so dass die Rendite fällt. Die Suche nach Aktien mit reinen Kursgewinnen gleicht aber der Suche nach Stecknadeln im Heuhaufen. Die Erfolgsaussichten sind so gering, dass die Perspektive, mit diesem Zinsdifferenzgeschäft viel zu verdienen, bescheiden ist.

Andere Regeln für Besitzer von Schiffen

Unabhängig von den durchwachsenen Perspektiven bleibt aber die Frage im Raum stehen, was den Gesetzgeber veranlasst hat, bei allen Geldgeschäften, die der Abgeltungssteuer unterliegen werden, den Abzug der Schuldzinsen zu verbieten. Davon sind nicht nur die Anleger, die ihr Geld in Anleihen und Aktien anlegen, sondern auch jene Investoren betroffen, die als Unternehmer in eine Firma einsteigen wollen und den Kauf von Anteilen mit Krediten finanzieren müssen.

Sie dürfen die Zinsen nicht mehr als Werbungskosten absetzen, müssen die Ausschüttungen der Firma aber der Abgeltungssteuer unterwerfen. Bei den Besitzern von Schiffen gelten, um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, wieder andere Regeln. Sie müssen ihre Ausschüttungen nicht versteuern, dürfen aber auch keine Schuldzinsen absetzen. Wo bleibt da die Logik - aus was für Beamten und Politikern besteht diese Republik noch?

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

http://www.faz.net/s/RubD0AD9A6D94EE4658B9DDDAEB8EE726B0/Doc…
Avatar
27.12.07 14:19:35
Manchmal kommt es mir wirklich so vor, als ob der Staat versucht uns jede Möglichkeit der Altersvorsorge zu berauben.
Avatar
27.12.07 15:08:23
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.879.302 von buchi1971 am 27.12.07 14:19:35Unsere Politiker werden auch weiter neue Steuern, Abgaben finden um den Bürger zu schröpfen. Möchte nicht wissen, was uns alleine der Umweltwahn noch kostet. Deutschland rettet die Welt, nur andere Länder scheint dieses nicht zu interessieren. Wären jetzt Wahlen, ich wüsste ehrlich nicht, wen ich noch wählen sollte, so mies ist unsere Politik. Das Schlimmste ist ja, dass es keine Alternative gibt, jetzt sieht man doch, das beide großen Parteien an einem Strang ziehen, wenn es um das melken des Bürgers geht.
Avatar
27.12.07 16:05:33
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.879.675 von Bommel1 am 27.12.07 15:08:23Das Schlimmste ist ja, dass es keine Alternative gibt, jetzt sieht man doch, das beide großen Parteien an einem Strang ziehen, wenn es um das melken des Bürgers geht.

Sind alles nur noch sehr schlimme Strukturen, die sich da abzeichnen.
So etwas ist in der Geschichte unseres Volkes nicht neu. Solche Veränderungen gab immer und zu allen Zeiten, nur halt in unserer Nachkriegsgeschichte sind solche Entwicklungen absolut neu. Immer haben sich diese Entwicklungen mit einhergehender absoluten Kontrolle über das Volkes gekoppelt, sowie massive Veränderung der Gesellschaft.
Der totale Staat läßt grüßen:eek::eek: Gab es in der Vergangenheit nicht auch schon solche Sprüche der Politiker :eek:, nur die Gesichter haben sich verändert:D.

Die Geschichte wiederholt sich:laugh::laugh::laugh:
Avatar
27.12.07 23:25:10
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.880.182 von Sunray01 am 27.12.07 16:05:33Das BFM nimmt mit Lügen, Legendenbildung und euphemistischer Umschreibung "Omas Häuschen ist steuerfrei, Omas Villa nimmer mehr" und der 25% Abgeltungssteuer, die niemand zahlt, sowie mit dilatorischem Verhalten (Meilicke-Urteil), den Ermächtigungsbeschlüssen oder Nichtanwendungsbeschlüssen (Recht biegen wir uns zu recht)einen ganz deutsch-traditionellen Status im Sinne eines Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda ein, dafür ist die Wilhelmstrasse bekannt!
Avatar
27.12.07 23:35:51
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.884.208 von Volkskommissariat am 27.12.07 23:25:10Mein Tipp: Wenn Ihr so auf den Staat meckert, klebt Euch doch einen Aufkleber "Stoppt den Steuertaat!" neben den Aufkleber "Ich hab' die Schnauze voll". Einmal ausgekotzt und stark gefühlt. Peinlich.

Fakt ist, dass die jetzige Regelung für die Besteuerung von Kapitaleinkünften und "Gewinnen" absolut nicht schlüssig ist. Da werden Zinsen mit dem persönlichen Steuersatz versteuert auf der anderen Seite Gewinne aus seltsamen Konstruktionen wie Discount-Zertifikaten nach einem Jahr gar nicht.
Avatar
28.12.07 12:40:41
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.880.182 von Sunray01 am 27.12.07 16:05:33Die Alternative heisst Österreich.
Dort gibt es wieder Nummernkonten...
Avatar
28.12.07 12:42:13
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.884.208 von Volkskommissariat am 27.12.07 23:25:10Omas Häuschen ist steuerfrei...
war ein Ausspruch vom "dicken Gabriel" - dem größten "Propagandaminister aller Zeiten" ...
Avatar
30.12.07 10:56:15
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.884.288 von andjessi am 27.12.07 23:35:51Fakt ist, dass investiv orientierte deutsche Aktienkäufer ab 2009 gegenüber allen anderen Anlageformen und im internationalen Vergleich steuerlich benachteiligt sind.
Vom volkswirtschaftlichen Unsinn in einer mit Eigenkapital unterversorgten und somit weitgehend von Finanzinstitutionen und zunehmend von Auslandskapital abhängigen Wirtschaft mit bekannten Auswirkungen letztendlich auf den Arbeitsdmarkt ganz abgesehen.
Avatar
30.12.07 11:19:50
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.898.873 von investival am 30.12.07 10:56:15deutsche Aktienkäufer ab 2009 gegenüber allen anderen Anlageformen und im internationalen Vergleich steuerlich benachteiligt sind.

Mein Steuerberater hat mich wegen dieser Abgeltungssteuer auf Eröffnung einer GmbH angesprochen ? Was meinst du ?

Gruß S.
Avatar
30.12.07 11:45:21
Antwort auf Beitrag Nr.: 32.898.944 von Sunray01 am 30.12.07 11:19:50Das ist erstmal gut für den Steuerberater, kommt er damit (voraussichtlich) zu Arbeit, ;)

Ich habe dazu (noch) keine Meinung. Abgesehen von etwaigen steuerlichen Fallstricken/Unwägbarkeiten (die hier mW. ja schonmal angrissen wurden) bedeutet das erstmal eigentlich unnötiger Mehraufwand.

Für mich persönlich stellt sich diese Frage aber auch nicht primär, da ich als Berufsbörsianer »einfach« nur meine Anlagestrategie umzustellen habe.

Bekäme ich da Probleme resp. wird dieser Schwachsinn nicht direkt von der nächsten Regierung abgestellt, würde ich tatsächlich wohl eher eine Wohnsitzverlagerung ins Ausland erwägen als mich hier weiter, dazu unter Bemühung von Dritten resp. Schaffung neuer Abhängigkeiten, herum zu schlagen.


Beitrag zu dieser Diskussion schreiben


Zu dieser Diskussion können keine Beiträge mehr verfasst werden, da der letzte Beitrag vor mehr als zwei Jahren verfasst wurde und die Diskussion daraufhin archiviert wurde.
Bitte wenden Sie sich an feedback@wallstreet-online.de und erfragen Sie die Reaktivierung der Diskussion oder starten Sie
hier
eine neue Diskussion.