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Kommentar: E-Commerce-Trend ungebrochen - 500 Beiträge pro Seite



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Deutsche Großunternehmen werden auch künftig viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Geschäftsaktivitäten auf das Internet auszurichten. Für die leidgeplagte Software-Industrie ist das eine gute Nachricht. Trotz der drohenden konjunkturellen Abschwächung in den USA und auch in Europa kürzen die Firmen hier zu Lande ihre Budgets für E-Commerce-Projekte nicht. Im Gegenteil: Einige Konzerne legen einen Zahn zu und greifen noch tiefer als ursprünglich geplant in die Taschen.

Auf den ersten Blick überrascht dieses Ergebnis. Schließlich zeichnet sich im weltweit wichtigsten Software-Markt, den USA, ein gegenläufiger Trend ab. Seit Wochen bewegt die Investoren in der Neuen Welt vor allem eine Frage: Halten die US-Konzerne ihre EDV-Budgets aufrecht oder nicht? Je mehr Indizien für eine harte Landung der US-Konjunktur sprechen, desto skeptischer werden die Anleger. Dies dokumentieren die teilweise dramatischen Kursverluste etwa bei Anbietern so genannter B2B-Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen über das Internet.
Doch bei näherem Hinsehen klärt sich der vermeintliche Widerspruch zwischen Deutschland und Nordamerika auf. Zum einen ist die Bereitschaft der deutschen Firmen, nach wie vor viel Geld für E-Commerce auszugeben, verständlich. Gegenüber den USA hat die hiesige Wirtschaft immer noch einen großen Nachholbedarf. Zum Zweiten gibt es zwar auch in Deutschland Anzeichen für ein nachlassendes Wirtschaftswachstum. Aber die Auguren und auch die Konzernlenker sind - zumindest noch - überwiegend davon überzeugt, dass eine wirtschaftliche Delle, so sie denn kommen wird, keineswegs US-Dimensionen erreicht.

Zum Dritten haben die Lieferanten von B2B-Software ein entscheidendes Verkaufsargument. Ihre Programme optimieren zum Beispiel den Einkauf von Vorprodukten. Damit hilft die EDV den Konzernen, Kosten zu senken. E-Commerce-Investitionen sollten also nicht den konjunkturellen Gegebenheiten, sondern ausschließlich strategischen Überlegungen folgen. Trotz zunächst hoher Kosten - gerade mit Blick auf eventuell schlechtere Tage lohnen sich die Ausgaben.

Den Managern deutscher Großkonzerne fällt es offenbar leichter, dieser Maxime zu folgen, als ihren US-Kollegen. In der Neuen Welt dominiert gerade bei börsennotierten Unternehmen eine recht kurzfristige und zudem stark auf den Aktienkurs gerichtete Sichtweise. Deshalb ist es nahe liegend, dass US-Manager angesichts der schlechteren Aussichten bestrebt sind, ihre Bilanz kurzfristig von Belastungen zu befreien. Das trifft auch die Kosten senkende B2B-Software. Wie stark die US-Manager den Rotstift ansetzen werden, ist ungewiss. Doch die Chancen stehen gut, dass das Gesamtbudget eher selten gekürzt wird. US-Firmen werden versuchen, E-Commerce-Projekte zeitlich zu strecken.

Zumindest in den kommenden zwei bis vier Jahren bleibt der B2B-Trend also ungebrochen. Das ist gut für den Kurs der Unternehmen, die die Effizienz steigernde Software einsetzen. Das ist aber auch gut für die Firmen, die die Software verkaufen. Bereits Anfang der 90er-Jahre, zu Zeiten der letzten Konjunkturdelle in den USA, stiegen Unternehmenssoftware-Aktien stärker als der Gesamtmarkt. Alles spricht dafür, dass B2B-Aktien diese Erfolgsgeschichte mittelfristig wiederholen können.

Von JENS KOENEN


Quelle: HANDELSBLATT, Sonntag, 07. Januar 2001
Softwareunternehmen setzen auf B2B

von Melanie Volberg, Handelsblatt.com

Trotz guter Nachrichten von SAP gelang es nicht, die Stimmung am Softwaremarkt zu heben. Die Käufer von Softwaretiteln blieben aus. Regiert der Markt zu langsam oder war SAP nur ein Ausreißer?

DÜSSELDORF. Völlig unerwartet veröffentlichte SAP heute Kennnzahlen für das vierte Quartal. Und überraschend waren nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch die Nachrichten: Mit einer 40%igen Gewinnsteigerung (operatives Geschäft) und einem Anstieg des Geschäftes aus Linzenzerlösen um 27% hatten auch die optimistischsten Analysten nicht gerechnet. Kann der Softwaremarkt nun aufatmen? Was hat SAP besser gemacht als die Wettbewerber? Das hat SAP aber nicht verraten: Keine Angabe über Erlöse in den einzelnen Geschäftsbereichen. Keine Angabe über die regionale Aufteilung. Knappe Antwort des Unternehmenssprechers auf Anfrage: Alles weitere am 23. Januar auf der Pressekonferenz. Unübersehbar ist die Absicht von SAP, dem Kurs in diesen schlechten Börsenzeiten auf die Sprünge zu helfen. Das ist legitim. Mehrten sich nach der Gewinnwarnung von Intershop doch die Unkenrufe, dass SAP nicht viel besser aussehe. Dem war nicht so – meinen zumindest die Analysten und dankten es sogleich mit kräftigen Heraufstufungen Analystenstimmen. Die Analysten gieren nach guten Nachrichten, denn die sind ja selten geworden. Und so reichen schon wenige Fakten, um den Kurs steigen zu lassen.

Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck glaubt, dass mySap nun vom Kunden angenommen wird und so die Ergebnisse hat glänzen lassen. Auch der Absatz in Amerika könnte sich verbessert haben, denn das Unternehmen habe dort seine Marketingaktivitäten verstärkt und die Personalprobleme gelöst. Enttäuscht sind viele Analysten, dass SAP nicht den gesamten Softwaremarkt beflügeln konnte. Oracle verlor heute knapp 6 % und stand bei 30 Euro. Das Hoch lag mit 52, 4. Euro im September, das Tief mit 23,8 Euro im Oktober. Auch i2 Technologies verloren heute 6,7 % mit 41,5 Euro und Commerce One verloren heute sogar 7,39 % und erreichten damit einen neuen Tiefstand. Dabei sind die Umfeldfaktoren mehr als günstig: In konkunkturschwachen Zeiten versuchen Unternehmen ihre Unternehmensabläufe zu verdichten, um Kosten zu sparen. Dabei hilft ihnen kostensparende Software. SAP und Oracle haben das erkannt und setzen auf elektronische Marktplätze.

Anforderungen an elektronische Marktplätze

Die Strategien von SAP und Oracle unterscheiden sich nur gering. Beide setzen auf elektronische Marktplätze und versprechen sich hier große Wachstumspotenziale. SAP ist in der Allianz mit dem Kunden- und Börsenliebling Commerce One gut positioniert. Commerce One bringt Know-how im Bau von Infrastrukturen mit. Das amerikanische Unternehmen zählt neben Ariba zu den ersten Adressen von Marktplatzlösungen. Die Unternehmen adressieren primär Großunternehmen und Konzern wie Daimler-Chrysler und VW. Bei solchen Unternehmen amortisiert sich die Investition in eine Millionen-teure Beschaffungssoftware durch nachhaltige Einsparpotenziale im Einkauf. Dies aber auch nur, wenn es nicht zu Medienbrüchen kommt. Noch leidet der Einkauf beispielsweise darunter, dass er trotzdem E-Mail, Fax oder gar Brief bei der Ausschreibung, Auftragsvergabe und Rechnungsstellung verwenden muß. Im Wettbewerb von Oracle und SAP wird der Schnellere gewinnen, nicht unbedingt der Bessere. Oracle muß sehen, dass es ihm nicht so ergeht wie im Fall Lego. Den Kunden verlor Oracle an SAP, weil das Oracle-Produkt laut Angaben der Lego-Sprecherin einfach noch nicht ausgereift war und „nicht“, wie sie ausdrücklich betont, „besser gewesen sei“. So wurden monatelange Installationen abgebrochen und SAP wurde der Gewinner.

IT-Dienstleister sind konjunkturabhängiger

Beide Unternehmen setzen auf die Strategie, traditionelle Software zur Unternehmenssteuerung mit internetbasierten CRM (Customer Relationsship Mangement-Lösungen) zu kombinieren. Von steigenden E-Business-Aktivitäten ihrer Kunden (Link) werden die Anwendungssoftwarehersteller profitieren, meint Marc Usigus von der Berenberg Bank. Sparen werden die Unternehmen seiner nach Meinung nach allerdings bei Beratungsleistungen. Getroffen werden könnte davon zum Beispiel IT-Dienstleister wie JD Edwards. Bei den deutschen Unternehmen in diesem Bereich wie Pixelpark, Gauss Enterprise und Kabel New Media ist er allerdings optmistischer: „Hier herrscht noch großes Nachholpotenzial.“. Die heute veröffentlichten Zahlen von SAP bewertet der Analyst vorsichtig, denn das 3. Quartal sei schwach gewesen, so daß die hohen Wachstumsraten relativ seien. Der Anleger sollte derzeit abwarten und die Geschäftsmodelle der Wettbewerber prüfen, Gezeigt hat der SAP-Fall heute nur, dass sich die Aktientitel nur beeinflußen, wenn es um schlechte Nachrichten geht. Der Markt konnte heute aufatmen. Von einer allgemeinen Schwäche im Softwaremarkt kann man nicht reden.

(Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 08. Januar 2001)


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