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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Wackelpartie geht weiter. Auch die bemerkenswerte Grossfusion Hewlett Packard/Compaq vermochte die Gemüter nicht aus der Reserve zu locken, die Kommentierung des ganzen Vorganges erscheint mir fast symptomatisch. Zunächst jedoch die ganz aktuellen Daten:

Wie erwartet legte der Einkäuferindex zu, während der Vertrauensindex der Konsumenten verloren hatte. Gestern kamen die Zahlen heraus und ich hatte in der letzten Woche das Thema schon berührt. Da der Einkäuferindex ein sogenannter vorlaufender Index ist, ist sein Aussagewert höher. Deshalb muß an der Einschätzung der Konjunktur nichts geändert werden.

Die Art und Weise, wie die Börse die Grossfusion HP/Compaq aufgenommen hat, ist typisch. Natürlich macht dies industriepolitisch Sinn. Das Ergebnis ist aber in frühestens zwei bis drei Jahren sichtbar. So weit denkt natürlich kein Analyst. Sämtliche Kommentare hängen sich an drei Dingen auf: Die Schwäche des PC-Marktes, die möglichen Entlassungen und die Frage, läßt sich das Ganze vom Management so gestalten, daß die nächste Gewinnschätzung für das erste Quartal 2002 deutlich positiv ausfällt. Kleinkarierter kann man kaum denken. Aber es zeigt Ihnen, in welchen Dimensionen die aktuelle Analystenszene zu denken gewohnt ist.

Sind beide Aktien ein Kauf? Die gestrige Reaktion war negativ. Das ist gut so. HP fiel auf 20 Dollar zurück, während sich Compaq auf knapp über 12 Dollar hielt. Warten Sie ab, bis die Kurzatmigen das Feld verlassen und die Langatmigen zu rechnen beginnen. Im worst case sind für HP auch 15 - 16 Dollar möglich und für Compaq um 9 - 10. Durch das Kaufangebot sind beide Kurse miteinander verkoppelt. Ich komme darauf noch zurück.

Technisch sieht es deutlich besser aus. Die bekannten Relationen befinden sich für den Big Board eindeutig im positiven Bereich. Dieser reflektiert die so häufig beschriebene Bodenbildung, die sich nun schon länger hinzieht, als ich erwartet hatte. Aber ändern tut sich daran dennoch nichts. Die Schwachstelle bleibt der Nasdaq, obwohl auch hier sehr mühsam aber verträglich ein Gleichgewicht entsteht, wobei ich zum x-ten Mal darauf hinweise: 10 - 15 hochkapitalisierte Titel, die fast in jedem deutschen Depot enthalten sind, enthalten noch immer ein Risiko von 20 - 25 %. Davon gehe ich nicht ab.

Ein ganz heikles Thema, worauf seltsamerweise niemand schaut: Das ist die Rolle der Hedge Fonds. Vielleicht erinnern Sie sich: Im Sommer 1998 hatte ich deren kritische Rolle erwähnt. Acht Wochen später stand LTCM an der Wand. Dieser Tip kam aus New York. Es war wirklich ein Tip. Die Londoner Hedge Fonds-Szene boomt. Hier wird ein Riesenrad gedreht, und zwar zu 90 % auf der Short-Seite. Was das bedeutet, weiß jeder erfahrene Börsianer. Ich werde Ende der Woche in London sein, um mich näher zu informieren. Demnächst mehr.

In Frankfurt bleibt der Markt auf den Knien, aber er ist noch nicht umgefallen. Solange Dt. Telekom unter Druck stehen läuft nichts. Die Short-Positionen der Hedge Fonds haben sich sogar erweitert, aber es liegt dazu keine brauchbare Zahl vor. Auch hier wird ein großes Rad gedreht. Die erneute Schwäche der zwei großen Versicherer sind ein Menetekel. Bleiben Sie konsequent. Allianz darf 286 E. nicht unterschreiten, Münchener Rück darf 296 E. nicht unterbieten. An den Zahlen, die ich kürzlich in der AB nannte, ändert das alles nichts. Wirklich erfreulich andererseits: Adidas kurz vor neuem Topkurs und weiterhin ein mittelfristiger Kauf. Puma
erreichte bereits diesen Topkurs und benötigt eine Verschnaufpause. Doch insgesamt gilt:

Zuschauen und keine neue Liquidität binden. Aber ich erwähne aus gutem Grund, weil ich täglich danach gefragt werde: Wer in den Titeln der Hochtechnologie noch immer überlastig engagiert ist, lebt gefährlich.

Auf dem Terminkalender gibt es heute nichts Besonderes. Allerdings ist ein Pressegespräch mit dem BMW-Chef Milberg angesagt. Ferner wird France Télécom die Halbjahreszahlen vorlegen. Den Vergleich ziehe ich morgen zu Dt. Telekom.

Bleiben Sie gleichwohl zuversichtlich, aber für Euphorie ist zur Zeit kein Anlass.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker


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