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Ausgerechnet im Rekordjahr 1999 macht Amerikas Börsenguru Verlust
Eigentlich müsste US-Aktien-Guru Warren Buffett sich freuen. «Ich fühle mich gut, wenn der Kurs meiner Aktien nach unten geht, weil ich dann noch mehr kaufen kann», sagt er gern. Das ist jetzt der Fall. Ausgerechnet im Rekordjahr an der Wall Street verzeichnet Amerikas Vorzeige-Investor Verluste. Während die Technologiewerte am Nasdaq-Markt seit Jahresbeginn um fast 100 Prozent stiegen und der Dow Jones rund 25 Prozent zulegte, verloren die Aktien von Buffetts Holding Berkshire Hathaway seit ihrem Höchststand im März mehr als 30 Prozent an Wert.
Zum ersten Mal schlägt Buffett nicht den Markt, und schon gerät das Bild des erfolgreichsten amerikanischen Aktieninvestors ins Wanken. «Hat das Orakel von Omaha sein goldenes Händchen verloren?», fragen Kommentatoren. Doch die Kassandra-Rufe dürften verfrüht sein. Berkshire Hathaway ist noch immer die teuerste Aktie der Welt, sie wird zur Zeit mit rund 53 000 Dollar pro Stück gehandelt. Ende 1998 war sie aber noch 70 000 Dollar wert.
Bisher schien alles, was er anfasste, zu Gold zu werden. Der 69-Jährige kaufte stets größere Pakete von Unternehmen, die er für unterbewertet hielt, und wartete ab. «Du machst mehr Geld, wenn Du schläfst», lautet sein Motto. Zum weit verzweigten Portfolio der Holding gehören maßgebliche Anteile bei Coca Cola, Gillette und der «Washington Post». Außerdem ist er bei mehreren Unternehmen in der Versicherungsbranche engagiert. Bislang war Buffett mit dieser Taktik hervorragend gefahren. Das Wirtschaftsmagazin «Business Week» hatte kürzlich errechnet, dass Anleger, die 1956 10 000 Dollar in Berkshire-Aktien investierten, jetzt über ein Vermögen von 360 Millionen Dollar verfügen könnten. Zum Vergleich: Nach dem Standard & Poor`s-500-Index wäre das Anfangskapital in der gleichen Zeit nur auf 500 000 Dollar angewachsen. Buffetts Heimatstadt Omaha (Nebraska) verfügt seinetwegen über die größte Millionärsdichte in den USA.
Längst heißt es, Buffett steuere die Börsen und nicht umgekehrt. Seine Worte können Kursstürze verursachen oder einen Kaufboom auslösen, wie Mitte 1997. Damals hatte Buffett entschieden, dass der Silberpreis unterbewertet ist, und systematisch das Edelmetall aufgekauft, bis ihm 20 Prozent der weltweiten Jahresproduktion gehörten. Innerhalb von wenigen Monaten hatte er den Preis um 60 Prozent in die Höhe getrieben.
Hat Buffett, der zweitreichste Mann Amerikas, nun sein Gespür für den Markt verloren? Die Wertverluste von Berkshire Hathaway sind in erster Linie Unternehmen wie Coca Cola und Gillette zuzuschreiben, an denen er acht beziehungsweise neun Prozent hält. Coke hat in diesem Jahr durch die Krise in Europa und den Wachwechsel an der Spitze des Unternehmens zwölf Prozent an Wert verloren, die Gillette-Aktie rutschte um fast 13 Prozent ab. Das Hypotheken-Unternehmen Freddie Mac - ebenfalls Bestandteil der Holding - verlor gar 38 Prozent.
Technologie-Aktien, die Renner an der Wall Street, gehören nicht zu Buffetts Portfolio, da ihm diese Branche unheimlich ist. «Andere Leute kapieren vielleicht, was da gerade passiert. Aber ich weiss einfach nicht, wie das Internet-Geschäft in zehn Jahren aussehen wird», sagt Buffett. Und sein Motto heißt nun einmal: «Kaufe nur, was Du verstehst.»
Während immer mehr Investoren und Fondsmanager Anteile von Technologieunternehmen erwerben, setzt Buffett weiterhin auf klassische Werte, die nicht nur auf dem Papier bestehen. Auch wenn die Aktienmärkte zeitweilig anders reagierten, «früher oder später zählt der Wert», so seine Maxime. Deshalb lässt er sich auch nicht von vorübergehenden Einbrüchen ablenken. Einige Analysten geben ihm Recht und gehen davon aus, dass Berkshire Hathaway gegenwärtig unterbewertet ist. Das klingt nach einer Kaufempfehlung für Warren Buffett.

zur Person: Warren Buffett

Der Mann ist das lebendige Gegenbild zum geschniegelten Wall-Street-Yuppie: Zerzauste Haare, schlabbrige Anzüge und eine Brille, die an Kassengestelle aus der Zeit vor Fielmann erinnert.
«Meine Anzüge sind teuer, aber sobald ich sie anziehe, sehen sie billig aus», scherzt Warren Buffett (69). Er ist einer der erfolgreichsten Finanzmanager der Welt und nach seinem Freund Bill Gates der reichste Mann Amerikas. Dieses Understatement und sein goldenes Händchen bei Aktien haben Buffett den Status eines Börsen-Gurus eingebracht, der von seinen Anhängern in den USA kultisch verehrt wird.
Wer 1956 für 10 000 Dollar Papiere seines Unternehmen Berkshire Hathaway gekauft hat, besitzt heute ein Vermögen von 360 Millionen Dollar. Tausende hat Buffett so zu Aktienmillionären gemacht.
Und doch präsentiert er sich gern als einfacher Mann aus dem Mittleren Westen. Der amerikanische Mythos «Vom Tellerwäscher zum Millionär» trifft auf ihn allerdings überhaupt nicht zu: Zwar wurde er in Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska geboren, aber nicht in ärmlichen Verhältnissen: Sein Vater war immerhin Kongressabgeordneter in Washington.
Der Filius, der schon im zarten Alter von elf Jahren seine ersten Aktien kaufte, studierte später an der renommierten Business School der New Yorker Columbia University.
Bescheiden ist Warren Buffet dennoch geblieben. Noch heute wohnt er in seinem ersten Haus, das er vor 40 Jahren für 31 000 Dollar gekauft hat, und ernährt er sich am liebsten von Big Macs und Cherry Coke (fünf Dosen täglich).
Nicht zuletzt deshalb wurde er Großaktionär bei Coca Cola und McDonald`s. Seine einfache Anlagestrategie: «Kauf nur, was Du verstehst.» Auf Internet-Werte, die in den vergangenen Jahren viele Spekulanten reich gemacht haben, hat Buffett deshalb konsequent verzichtet.

Gruß Riddick
Orakel und Debakel

Aktiengurus: Sie künden vom Boom oder vom Crash. Manchmal haben sie sogar Recht. manager magazin porträtiert die Aufsteiger und Absteiger der 90er Jahre. (© DPA)

"Leser, glaubt dem Guru nicht,
ganz egal, was er verspricht."
Ein merkwürdiger Rat, den André Kostolany seinen Anhängern mit auf den Weg gab. Wurde doch der im September verstorbene Ungar selbst als Börsenguru geschätzt und verehrt.
Der Widerspruch ist in Wahrheit keiner. Der Altmeister der Börse inszenierte sich Zeit seines Lebens niemals als Prophet. Prognosen über Kursrekorde oder Börsencrashs waren von ihm nicht zu hören. Einzelne Papiere empfahl er so gut wie nie. Seine Warnung gilt Leuten, die, gutgläubig und ohne nachzudenken, jeder Prognose und jedem heißen Aktientipp folgen. Wenn es ums schnelle Geldverdienen geht, schlagen viele Anleger solche Warnung jedoch gern in den Wind. Sie suchen den Rat von Experten. Aus gutem Grund.
Kompetente Fachleute liefern wichtige Informationen, die sich der Großteil der Anleger gar nicht selbst beschaffen kann. "Zum anderen", so Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, "suchen Anleger immer wieder nach Orientierung und wollen ihre Kaufentscheidungen an der Meinung von Leitfiguren ausrichten."
Wo steht der Dow Jones Ende nächsten Jahres? Schafft der Dax die 6500-Punkte-Marke, oder gibt es einen Crash? Welche Aktien soll ich jetzt kaufen? Fragen, die Anleger gern beantwortet hätten. Wenn Finanz-experten in Zeitungen, im Hörfunk oder im Fernsehen ihre neuesten Prognosen verkünden, können sie daher der ungeteilten Aufmerksamkeit einer wachsenden Schar von Privatanlegern sicher sein.
Nur, wem sollen sie glauben?
manager magazin hat sich die prominenten Propheten der 90er Jahre angesehen, drei Gewinner und drei Verlierer ausgemacht. Kurzporträts beschreiben die Erfolgsgeheimnisse der Aufsteiger und die Gründe für das Versagen der Absteiger.
+ Abby Cohen
"Prophetin der Wall Street" nennen Börsianer ehrfurchtsvoll die 47jährige Mutter zweier Kinder. Nach Stationen bei der US-Notenbank Fed und dem Broker Drexel Burnham Lambert kam Cohen 1990 zu Goldman Sachs. Seit die Chefanlagestrategin im Herbst vorigen Jahres Partnerin des Investmenthauses wurde, ist sie vermutlich die ranghöchste Frau an der Wall Street. Im aktuellen Ranking der 50 mächtigsten Amerikanerinnen des US-Magazins "Fortune" landete sie auf Platz 12.
Cohen sagte der US-Börse bereits 1991 eine Jahre andauernde Hausse voraus und traf damit genau ins Schwarze. Der Dow-Jones-Index hat sich seitdem mehr als vervierfacht.
Die Analystin bildet sich ihr Urteil aus der intensiven Beobachtung fundamentaler Daten wie Preisentwicklung oder Gewinnwachstum der Unternehmen. Ihr Erfolgsgeheimnis: Bevor sie eine Prognose abgibt, prüft sie akribisch jedes Szenario, das ihre Einschätzung bestätigen oder gefährden könnte.
Kultstatus erwarb Cohen nicht zuletzt dadurch, dass sie auch während einiger Kurseinbrüche ­ verursacht zum Beispiel durch die Krisen in Asien 1997 oder in Brasilien 1998 ­ bei ihrer optimistischen Haltung blieb und damit Recht behielt.
- Elaine Garzarelli
Im Sommer 1987 hatte die heute 52jährige ihren großen Auftritt. Live verkündete die damalige Anlagestrategin des Investmenthauses Lehman Brothers über den US-Nachrichtensender CNN, dass im Herbst ein Börsencrash bevorstehe. Ein Volltreffer, lobten ihre Fans: Weltweit brachen die Kurse um 25 bis 30 Prozent ein. Garzarelli wurde auf einen Schlag zum Popstar der Wall Street. Die attraktive Aktienexpertin machte sogar Werbung für Strumpfhosen.
Ein Zufallstreffer, unkten später Garzarellis Kritiker. Denn in den folgenden Jahren lag die Analystin meist daneben. Entweder hinkten ihre Prognosen der Entwicklung an den Börsen hinterher, oder sie warnte erneut vor Kurseinbrüchen, zu denen es allerdings nicht kam.
Im Sommer 1996, zwei Jahre nachdem Garzarelli Lehman verlassen hatte und sich mit einem Börsenbrief und einer Vermögensverwaltung selbstständig gemacht hatte, verspielte sie ihren letzten Kredit. Wieder warnte sie werbewirksam auf CNN vor einem Crash; Anleger sollten alle US-Aktien sofort verkaufen.
Der Dow Jones allerdings hielt sich nicht an die Prophezeiung und stieg innerhalb von sechs Monaten um 1000 Punkte. Einige Börsianer verhöhnen die ehemalige "Queen der Wall Street" seitdem als Kontra-Indikator und machen das Gegenteil von dem, was Garzarelli empfiehlt.
+ Ralph Acampora
Der 58-jährige Leiter der technischen Analyse des New Yorker Wertpapierhauses Prudential Securities ist ähnlich treffsicher wie Abby Cohen. Als 1995 der Dow-Jones-Index bei 4500 Punkten stand, prophezeite er 7000 Punkte bis spätestens Juni 1998. Als dieser Wert bereits 1997 erreicht war, zog Acampora mit seiner von Kritikern heftig attackierten "Dow-10 000-Prognose" nach. Erneut behielt der Analyst Recht. Heute steht der Index sogar bei etwa 11 000.
Als "Techniker" (Branchenjargon) schert sich Acampora wenig um fundamentale Daten. Mit Hilfe der Chartanalyse identifiziert er Trends und vergleicht sie mit historischen Vorbildern. Die Treffsicherheit seiner Prognosen ist beeindruckend. Den Vorwurf, als Berufsoptimist während der Hausse der 90er Jahre nur Glück gehabt zu haben, entkräftet Acampora leicht. So sagte er die Kurskorrekturen im Herbst 1997 und im Herbst 1998 voraus, ohne dabei von seiner Langfristprognose abzuweichen.
- Roland Leuschel
Der ehemalige Chefstratege der Banque Bruxelles Lambert ist Europas Antwort auf Elaine Garzarelli. Auch Leuschel sagte den Crash von 1987 voraus. Ein weiteres Mal lag der Pessimist 1989 richtig. Wieder prophezeite er zutreffend einen Kurssturz, auch wenn dieser Einbruch an der Börse im Rückblick nicht viel mehr als eine kleine Korrektur war. Danach folgte eine lange Reihe von Fehlprognosen.
Im Oktober 1995 warnte Leuschel, der gern witzelt, dass es nur schlechte Börsengurus gebe, vor fallenden Kursen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg. Im März 1996 kündigte der Guru einen Crash an. Die Kurse kletterten weiter. Auch 1997 und 1998 schwante dem Börsianer Übles. Doch es gab nur kleinere Einbrüche, anschließend ging es mit den Aktienkursen immer wieder steil bergauf.
Leuschels Problem: Er machte sei- ne Untergangsszenarien zur Ideologie, galt in der Branche als chronischer Schwarzseher. Wann immer Journalisten im Herbst eines Jahres über einen drohenden Oktobercrash berichten wollten, lieferte Leuschel die passende Prophezeiung.
Verantwortungslosigkeit wird dem 61-jährigen Anlagefachmann sicherlich niemand vorwerfen. Eines jedenfalls sollte aber auch seine treuesten Anhänger nachdenklich stimmen. Anfang 1996 kündigte der Guru ein Buch an, das er vor dem großen Crash fertig stellen wolle.
Das Werk ist bis heute nicht erschienen.
+ Mark Mobius
Seine zahllosen Reisen in abgelegene Regionen und die Besuche bis dahin unbekannter Unternehmen haben Mobius, der eher an den Schauspieler Yul Brynner erinnert, den Beinamen "Indiana Jones der Emerging Markets" eingebracht. Der 64-jährige lebt seit 30 Jahren in Asien und verwaltet als Chef des Emerging-Markets-Teams von Templeton rund 13 Milliarden Dollar.
Auch wenn er sich auf hoch spekulativem Terrain bewegt, ist Mobius` Seriosität unbestritten. Trotz seiner Popularität ist er eher harter Arbeiter als glamouröser Star. Über 200 Tage im Jahr recherchiert Mobius vor Ort bei interessanten Unternehmen.
Sein Erfolg liegt im optimalen Timing an den stark schwankenden asiatischen Börsen. Mobius steigt ein, wenn die Märkte am Boden sind, er rennt nicht der Masse der Investoren hinterher.
Der von Mobius gemanagte Templeton Emerging Markets Fund läuft seit Jahren besser als das Benchmark, der Schwellenbörsenindex MSCI Emerging Markets. Eine für Fondsmanager beeindruckende Konstanz.
Gleichwohl macht Mobius Fehler: Während der Asien-Krise im Herbst 1997 blieb er nicht ungeschoren. Doch der Erfolg kam zurück. Vor einem Jahr prophezeite Mobius einen Börsenboom in Südkorea und lag richtig. Sein Korea-Fonds legte in den vergangenen zwölf Monaten, in Euro gerechnet, um über 120 Prozent zu.
- Egbert Prior
Wie werde ich Börsenguru? mag sich der Wirtschaftsjournalist vor gut zwei Jahren gedacht haben. Die Antwort war einfach: Ich gehe ins Fernsehen. Zunächst als Mitarbeiter des Börsendienstes "Platow-Brief", seit Februar 1998 als Herausgeber des Blättchens "Prior Börse", trat der unscheinbare Betriebswirt (Prior: "Ich bin ein Spießer") in der "3sat-Börse" mit seinen Aktientipps auf.
Meist empfahl er marktenge Neu-Emissionen wie Mobilcom oder SCM. Da offenbar viele der bis zu 600 000 Zuschauer seinen Empfehlungen gläubig folgten und die Aktien kauften, schossen die Kurse zumindest unmittelbar nach den Sendungen in die Höhe. Offenbar ohne jedes Verständnis für die Börse nannten seine Anhänger ihn daraufhin Meister. Ein Börsenpapst war geboren.
So hell Priors Stern glänzte, so schnell verblasste er wieder. Im November 1998 erhob die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen den Börsenguru Anklage wegen verbotener Insidergeschäfte. Der Vorwurf: Prior soll sich vor seinen TV-Auftritten mit den Aktien, die er im Fernsehen empfahl, eingedeckt haben.
Ob das strafrechtlich tatsächlich ein Vergehen ist, scheint mittlerweile unerheblich. Seit der heute 35 Jahre alte Prior seine spekulativen Tipps nicht mehr über das Fernsehen verbreiten kann, hat ihn der Erfolg verlassen. Im Januar 1999 warf er die Internet-Firma Intershop aus seinem Musterdepot und verpasste, bis er wieder einstieg, einen Kurszuwachs von knapp 100 Prozent. Im April empfahl er den Neuen-Markt-Wert Infomatec. Die Aktie verlor bis heute rund 30 Prozent.
Diese Art Guru muss Altmeister André Kostolany bei seiner Warnung vor Augen gehabt haben.
Oh Ja. Sommer 96.
Elaine Garzarelli warnt vor dem Crash und ich als blutiger Anfänger hab doch glatt S&P 500 puts gekauft. War natürlich ein Totalverlust. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre.

Auf Guru`s höre ich jedenfalls nicht mehr. Jedenfalls nicht ohne mir eine eigene Meinung aufgrund der Fakten gebildet zu haben.

Gruß
Gintu

P.S.: Ein kleiner A. Cohen-Fan bin ich allerdings schon. Die hat wenigstens häufiger Recht als Unrecht.
Börsenfieber erfasst Kleinanleger - viele spielen Roulette

Dax-Höhenflug verwandelt Sparer in Spekulanten - Aktionäre folgen blind den Empfehlungen der Gurus
Frankfurt/Main - Deutschlands Kleinanleger sind im Börsenfieber. Der Höhenflug der Aktienkurse hat aus manch vorsichtigem Sparer inzwischen einen gierigen Börsenzocker gemacht. Daran wird auch die Schwächephase an den Aktienmärkten zu Beginn des Jahres nichts ändern. Oft riskieren diese Glücksritter ihre letzten Geldreserven, haben aber nicht das Wissen über die Risiken auf dem Börsenparkett. Ohne das nötige Rüstzeug wird die Aktienanlage jedoch zum Roulette.
Sie kaufen Aktien von Unternehmen, die sie gar nicht kennen. Sie verfolgen gebannt die Börsensendungen im Fernsehen und rennen dann blind den Aktienempfehlungen der Börsen-Gurus nach. Aktien, Optionen, Futures - wie das Papier heißt und was dahinter steckt, spielt kaum eine Rolle. Hauptsache es fließt Bares, und das schnell. Selbst die Hypothek auf das eigene Haus wird dann schon mal leichtsinnigerweise gesetzt.
"Das ist wie mit Turnschuhen im Hochgebirge umher zu kraxeln", warnt daher Aktionärsschützer Dieter Kauffmann. Der Vorsitzende der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK) beklagt, dass manche Nachwuchsaktionäre "zu blauäugig" ihr finanzielles Heil suchen. "Die Leute kaufen einen Staubsauger für 200 Mark und besorgen sich vorher Testhefte. Wenn aber einer für mehrere tausend Mark Aktien zeichnet, macht er das oft blind", rügt auch Uwe Wulf von der DG Bank.

Spekulieren ist schick wie nie zuvor. Während Börsenprofis noch vor Jahren mit Argwohn bedacht wurden, sind sie heute gefragte Gäste in Fernsehsendungen. Sie empfehlen Aktien von Firmen, deren Namen kaum einer je gehört hat. Und sie finden dankbare Zuhörer: Die Kurse der angepriesenen Papiere schießen am nächsten Handelstag mit schöner Regelmäßigkeit durch die Decke.
Börsentipps gibt es in Hülle und Fülle aber auch per Internet und Telefon. Der Fernsehsender n-tv räumt auf seinen Videotext-Seiten reichlich Werberaum für 0190-Hotlines ein. Mit Einblendungen wie "Achtung: Neuer 15 000-Prozent-Kracher", "Kurs-Rakete gezündet" oder "Panik am Neuen Markt, was tun?" sollen Anleger geködert werden. Für meist 3,63 DM pro Minute gibt es dann nicht das sonst unter 0190-Nummern bekannte Sex-Gestöhne, sondern den angeblich ultimativen Tipp selbst ernannter Börsenexperten.
"Das ist der reinste Wahnsinn, was momentan passiert", sagt Wulf. Direkt-Banken preisen verstärkt den Aktienkauf per Internet an, am besten gleich vom Arbeitsplatz oder dem heimischen Wohnzimmer aus. Die Werbung einer Direkt-Bank beschreibt das neue Credo deutlich: "Du musst gnadenlos sein. Friss oder stirb. Kaufen, verkaufen, Bingo. Handeln bis das Adrenalin auf der höchsten Stufe ..."
Diese Maxime scheinen auch zahlreiche Aktionäre des finanziell schwer angeschlagenen Frankfurter Bauriesen Philipp Holzmann schon verinnerlicht zu haben. Während die Holzmänner nämlich noch immer um ihren Job und den Fortbestand des Unternehmens zittern, ist die Holzmann-Aktie an der Börse zu einem begehrten Zocker-Papier verkommen. dpa
Hallo,
betr. Abbey Cohen: Könnte es nicht sein, daß Abbey Cohem bislang einfach nur glück hatte?
Meine persönliche meinung dazu ist, daß die Kursentwicklung der meisten Aktien an den meisten Börsen der Welt die meiste Zeit schlicht und ergreifend unvorhersagbar ist. Wenn das stimmt (und es gibt ziemlich deutliche hinweise darauf), dann wären alle eingetroffenen prognosen von Börsengurus, Analysten usw. lediglich Glückstreffer.
Wie ist Eure meinung?

MfG
Kroeterich
Hallo ,
ich selbst ziehe die Definition vor, dass die richtigen Profis die sind, die vom Selbstanlegen ihres eigenen Geldes leben können,
während die anderen "Profis" ja eigentlich nur vom Anlegen
fremden Geldes leben, was man als Beweis dafür sehen könnte, dass sie eigentlich nur zweitklassig sind .

Bei Kostolany wissen wir nicht viel über Erfolge oder Misserfolge an der Börse .

Bei Buffett wissen wir, dass er es geschafft hat.
Gruß Riddick
Nach jedem Rutsch steuerte der Markt neue
Hochs an. Am 19. April 1999 zum Beispiel war der Internet-Index des
Dow Jones um 18,7 Prozent eingebrochen. Die hochfliegenden
Internetwerte erholten sich jedoch schnell wieder. Bestraft wurden die
so genannten "smarten Investoren", die sich von hochbezahlten
Analysten einreden ließen, die Gruppe sei völlig überteuert, da ihre
Kurse in keinem Verhältnis zum erwarteten Gewinn stünden.

Bischoff
Hendrik Leber (42)
ist Investmentfondsspezialist und Geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis. Mit seinem Acatis Aktien Global Fonds UI (WKN: 978174) verdoppelte er seit Mai 1997 das Vermögen der Anleger. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler begann seine berufliche Laufbahn 1984 als McKinsey-Berater für Banken. Von 1989 bis 1994 war Leber Partner der Privatbank Metzler.

G E L D A N L A G E - I N T E R V I E W
Irrwitzige Preise

Die Kurse vieler Aktien haben mit ihrem fundamentalen Wert nichts mehr zu tun. Wie sich Anleger auf dem verrückten Kapitalmarkt zurechtfinden. mm*: An der US-Hightech-Börse Nasdaq und am Neuen Markt in Frankfurt erreichen Aktien immer neue Kursrekorde, obwohl die Unternehmen keine Gewinne machen. Spielen die Kapitalmärkte verrückt?

Leber: Teilweise ja. Es hat allerdings immer spekulative Phasen gegeben, in denen die Hoffnung auf künftige Gewinne wichtiger war als die Substanz eines Unternehmens. Das passiert häufig dann, wenn eine neue Technologie vor dem Durchbruch steht. Eisenbahnaktien waren vor 100 Jahren genauso irrwitzig bewertet wie heute irgendwelche Internet-Buden. Das Spiel wiederholte sich in den 20er Jahren mit den Papieren der US-Radiostationen und in den 50er Jahren mit den Elektronikaktien.

mm: Und immer kam es zu schweren Kurseinbrüchen.

Leber: Richtig. Und genau so werden auch diesmal die drastischen Übertreibungen korrigiert. Manche Titel können dann auf ein Drittel oder sogar ein Viertel ihres heutigen Wertes fallen. Die Kurse sacken zusammen wie ein Soufflé.

mm: Viele Internet-Papiere sind im Sommer eingebrochen, haben sich dann aber schnell wieder erholt. War das die Korrektur?

Leber: Das war noch längst nicht alles. Schauen Sie sich nur den Kurs des virtuellen Kunsthändlers Artnet an. Zunächst haben sich Anleger von der Story blenden lassen. Der Aktienkurs wurde hochgepusht. Als klar wurde, dass Artnet gar kein solides Grundgeschäft hat, sondern
nur immer neue Verluste produziert, fiel der Kurs in sich zusammen.

mm: Die Geschäfte vieler US-Internet-Unternehmen dagegen boomen. Sind dort die Gewinner zu suchen?

Leber: Auch jenseits des Atlantiks ist Vorsicht geboten. Nehmen Sie Amazon.com. Als der Internet-Buchhändler in den Vertrieb mit Compact Discs einstieg, hat man noch über das Wachstum gejubelt. Wenig später begann Amazon mit Online-Auktionen. Da hielt sich der Jubel in Grenzen, weil andere es besser machen. Sie können nicht in jedem Segment Marktführer sein.

mm: Explosives Umsatzwachstum ist genau das, was Anleger an Amazon schätzen. Was ist falsch daran?

Leber: Die Gewinne fehlen. Wenn ein Unternehmen dominanter Marktführer ist, muss es irgendwann einmal Geld verdienen. Jahr für Jahr den Umsatz verdreifachen und die Verluste vervierfachen, das kann jeder. Da stelle ich mich an die nächste Straßenecke und verkaufe Hundertmarkscheine für 90 Mark, das kommt auf dasselbe raus. Mittlerweile bewertet die Börse Amazon aber wieder etwas realistischer.

mm: Nicht nur Internet-Aktien, auch die Kurse vieler Fusions- und Übernahmekandidaten schießen in den Himmel. Mannesmann hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 275. Ist die Aktie tatsächlich das 275fache ihres Gewinns von 1999 wert?

Leber: Das sind in der Tat Fantasiepreise, die ökonomisch momentan nicht mehr gerechtfertigt sind. Was bringt denn so ein Mobilfunkkunde ein? Der bleibt dem Unternehmen durchschnittlich drei Jahre treu und sorgt in dieser Zeit vielleicht für 3000 bis 4000 Mark Umsatz. Bei rund drei Millionen Kunden komme ich so auf einen Wert von zehn Milliarden Mark. Vodafone-Chef Gent hat aber über 240 Milliarden geboten, wenn auch für den ganzen Konzern, also mit den Geschäftsbereichen Autoteile und Metall. Ich würde zu Kursen um 200 Euro auf keinen Fall Mannesmann-Aktien kaufen.

mm: Wie lange haben derartige Übertreibungen Bestand?
Leber: Das geht nur gut, bis die Spekulanten keinen Dummkopf mehr finden, der ihnen die Aktien zu den Irrsinnspreisen abkauft. Dann bricht Panik aus, und die Kurse sausen nach unten.
mm: Wann ist es soweit?
Leber: Wenn die Masse der Privatanleger merkt, dass in vielen Aktienkursen nur heiße Luft steckt. Die Investmentfonds, die das Geld der Privaten anlegen, werden sich dann ebenfalls von vielen Modethemen verabschieden und den Trend zu fallenden Kursen massiv verstärken. Ob das in einem halben Jahr oder in einem Jahr der Fall sein wird, kann ich allerdings nicht sagen.

mm: Welchen Wert haben die klassischen Orientierungsmarken wie Konjunkturindikatoren oder Inflationsentwicklung in dieser spekulativen Börsenphase?

Leber: Volkswirtschaftliche Rahmendaten wie zum Beispiel Zinsentwicklung, Arbeitslosenzahlen oder der Preisanstieg werden künftig immer unwichtiger. Sie lösen nur noch kurzfristige Bewegungen aus, die am Tag danach bereits wieder vergessen sind.

mm: Woran kann sich der Anleger dann halten?

Leber: Ich achte bei der Aktienauswahl immer auf einen optimalen Mix zwischen dem Wachstum des Kerngeschäfts eines Unternehmens und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie. Gehen wir mal ein Jahr zurück: Da wiesen Coca-Cola und McDonald`s in etwa die gleichen Wachstumsraten auf. McDonald`s hatte aber ein deutlich niedrigeres KGV. Da habe ich natürlich die Aktien der Hamburger-Kette gekauft. Man macht grundsätzlich nichts verkehrt, wenn man Aktien billig kauft.

mm: Sie betreuen selbst einen Fonds. Dort finden sich allerdings längst nicht nur bekannte Blue Chips (siehe Kasten links). Wie wählen Sie die Aktien aus?

Leber: Meine Strategie ist zweigeteilt. Bei den klassischen Standardwerten verfahre ich konventionell und wähle ­ wie bei McDonald`s ­ Werte mit Wachstumsraten zwischen 7 und 20 Prozent und moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Meine Hightech-Titel sind an der Börse über ihr KGV nicht mit den Blue Chips vergleichbar. Dafür wachsen diese Unternehmen aber mit jährlich 50 bis 150 Prozent. Ich achte allerdings darauf, Unternehmen zu erwischen, die auf Dauer zu den Marktführern in ihren Branchen gehören werden und dann auch Gewinne machen.

mm: Woher wollen Sie das wissen?

Leber: Meist durch empirische Beobachtung. Nehmen wir das Beispiel Colt Telecom. Wenn Sie durch Frankfurt gehen, sehen Sie auf vielen Kanaldeckeln den Namen dieses britischen Unternehmens. Colt Telecom hat in Frankfurt Glasfaserkabel verlegt. Dann lese ich, dass Colt bereits viele europäische Metropolen verkabelt hat, beziehungsweise noch dabei ist. Anschließend kassiert Colt für die Datenübertragungen auf seinem Netz. Das Unternehmen wächst jährlich mit 150 Prozent. Hier entsteht im Stillen ein künftiger Marktführer.
Warum Börsen-Optimismus gefährlich ist
Von WIELAND STAUD


FRANKFURT/M. Die spannendste Frage der Technischen Analyse überhaupt lautet: Was denkt gerade die Mehrheit der Börsianer? Ist sie kurzfristig optimistisch? Oder mittelfristig pessimistisch? Haben die Bullen gerade die Oberhand? Oder sind die Bären am Zug?

Die Frage steht im Zentrum dieses dritten Beitrages zur Technischen Analyse und ist deswegen so spannend, weil es eine der unverrückbarsten Börsenweisheiten überhaupt ist, daß die Mehrheit immer schiefliegt. Für diese Einschätzung gibt es eine ganze Reihe von ganz exzellenten Gründen. Sie reichen bis hin zur „normalen“ Organisationsstruktur und Unternehmenskultur eines Research-Hauses.

Am naheliegendsten ist es, anzunehmen, daß in der Regel Optimisten und Pessimisten immer schon entsprechend ihrer jeweiligen Markteinschätzung positioniert sein werden. Die Optimisten haben bereits ge- und die Pessimisten verkauft. Und beide Parteien haben dies bereits in einem Umfang getan, der so ziemlich genau ihrem aktuellen Grad an Optimismus bzw. Pessimismus entspricht.

Wenn aber die bullische Mehrheit der Marktteilnehmer schon all das, was sie zu den entsprechenden Preisen kaufen wollte, gekauft hat, dann wird es um die Kaufbereitschaft auf dem aktuellen Kursniveau nicht mehr allzu gut bestellt sein. Wenn alle Mehrheits-Bären bereits verkauft haben, woher soll dann noch weiterer Verkaufsdruck kommen? Die Aktien sind zu diesem Zeitpunkt in festen Händen, die akzeptieren, daß auf den Markt Ungemach zukommt und die auf dem aktuellen Preisniveau dennoch kaufen.

Änderungen in diesem Marktgleichgewicht treten erst dann ein, wenn die Qualität neuer Nachrichten ein höheres Eskalationsniveau erreicht. Wenn beispielsweise aus einem Scharmützel ein Krieg oder aus einer einmaligen Abwertung der Landeswährung die generelle Zahlungsunfähigkeit des gesamten Landes wird. Oder sie treten zum Beispiel auch dann ein, wenn die optimistischsten Flüsterschätzungen noch übertroffen werden. Tritt ein solcher Fall ein, dann werden fast alle Marktteilnehmer gezwungen sein, ihre Sicht der Dinge grundlegend zu reformieren. Und dann werden sich abrupt die Mehrheitsverhältnisse zwischen Bullen und Bären wieder ändern.

Drei Beispiele

Bliebe noch die Frage zu klären, wie man feststellt, welcher Meinung die Mehrheit gerade ist. Drei Beispiele für zu großen Optimismus:

1. Der n-tv-Indikator: Nach zehn Sendungen der „Telebörse“ kennt man viele gute Gründe dafür, warum man Aktien jetzt kaufen soll. Aber kaum einen einzigen dafür, warum jetzt Verkäufe angezeigt sein könnten.

2. Die Put/Call-Ratios: Der Quotient aus gehandelten Verkaufsoptionen (Puts; die Bären) und gehandelten Kaufoptionen (Calls; die Bullen) sinkt für die Put/Call-Ratios der Dax-Optionen an der Eurex unter 0,7.

3. Börsenbrief-Stimmungsindikator: Wenn von zehn Börsenbriefen acht erklären, daß die Kurse nur noch einen Weg kennen können, nämlich den nach oben, dann ist das Maß an vertretbarem Optimismus weitestgehend voll, und Käufe sind nicht mehr angezeigt (Analoges gilt für 8 : 2-Pessimisten).

Der Chart zeigt einen selbstkonstruierten und auf geglätteten Put/Call-Ratios basierenden Stimmungsindikator gemeinsam mit dem Dax im Sommer 1996. Die Mehrheit der Anleger hatte damals eine derart schlechte Meinung von der Zukunft des Dax, daß jede noch so kleine positive Überraschung etwa in der Art: „Die Welt wird nicht untergehen!“ ein Kursfeuerwerk auslösen mußte. Der Dax war damals übrigens bei rund 2 400 Punkten.

Eine der meistgestellten Fragen an den Verfasser lautet etwa so: Warum um alles in der Welt sind die Kurse so stark gestiegen, wo sich doch alle Experten einig darüber waren, daß sie angesichts des katastrophalen Umfelds nur fallen können? Vielleicht hat diese Frage für die Leser fortan eine etwas andere Bedeutung.

Wieland Staud ist Vorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands VTAD, Veranstalter von Seminaren zur Technischen Analyse und Herausgeber des „Daily Market Fax“.
Von Börsenspielern und Spekulanten

André Kostolany war der Altmeister der Börse. Die WELT druckt vorab Auszüge aus seinem letzten Buch "Die Kunst, über Geld nachzudenken": die Erfahrungen aus 80 Jahren als Investor an der Börse
Von André Kostolany
Nicht jeder verdient nach meiner Definition den Titel Spekulant, und längst nicht alle Börsenteilnehmer sind Spekulanten.(...)
Eine Gruppe, die bestimmt nie ausstirbt, sondern zu meinem Leidwesen immer größer wird, sind die so genannten Börsenspieler. Ich habe sie so getauft, weil sie nach meiner Definition die Bezeichnung Spekulant nicht verdienen, auch wenn sie im allgemeinen Sprachgebrauch und von den Journalisten so bezeichnet werden. Der Börsenspieler versucht, bereits kleinste Kursbewegungen zu nutzen. Er kauft ein Papier bei 101, um es bei 103 bereits wieder zu verkaufen. Dann kauft er das nächste Papier zu 90, um es bei 91,50 zu verkaufen etc.
Der Börsianer, der auf kurze Zeit spielt, wird akrobatische Kunststücke vollführen, um jedes Mal zwischen Kauf und Verkauf einen Gewinn einzustreichen. Er kann kurzfristig Erfolg haben. Wenn er nur auf steigende Kurse spekuliert und der Aktienmarkt sich in einer allgemeinen Hausse befindet, ist die Chance entsprechend größer, steigende Kurse zu erwischen. Aber es kommt sehr selten vor, dass man die Schwankungen zwischen Kauf und Verkauf im richtigen Moment abpasst. A la longue wird der Spieler spätestens dann, wenn es mit den Kursen seitwärts oder abwärts geht, Pleite machen. Er ist ein Hasardeur und hat keinerlei Überlegung und Strategie. Er benimmt sich wie ein Roulettespieler, der von Tisch zu Tisch läuft. Ich weiß, dass mir jeder Börsenspieler hier widersprechen wird. Sie haben natürlich Charts und Computerprogramme, die ihnen sagen, wann sie kaufen und verkaufen müssen. Doch jeder Computer ist so schlau wie sein Programmierer. Ich habe in meinen fast 80 Jahren Börsenerfahrung jedenfalls keinen Börsenspieler kennen gelernt, der langfristig Erfolg gehabt hätte.
Die Banken und Broker haben alles daran gesetzt, aus ihren Kunden Börsenspieler zu machen. Unverfroren und ohne Scham werben ihre Discount-Brokerage-Ableger für das so genannte Daytrading. Über das Internet hat nun auch jeder Privatspekulant die Möglichkeit, in "Echtzeit" und "Intraday" zu handeln. Viele unerfahrene Privatanleger, die durch die Telekom-Emission für die Aktienanlage gewonnen wurden, werden nun zum Börsenspiel verleitet. Das halte ich für unverantwortlich und moralisch fragwürdig. Ich konnte lesen, dass es hier zu Lande mittlerweile wie in den USA Händlerräume gibt, wo sich diese Daytrader einen Arbeitsplatz mieten können. Eine Friseurin, die dort zitiert wurde, hatte ihren Job aufgegeben, weil sie hier viel mehr verdienen könne als in ihrem Beruf. Wie der kleine Moritz sich das vorstellt, hätten die Wiener gesagt.
Diese naiven Anleger glauben, sie hätten nun die gleichen Chancen im schnellen Geschäft des ständigen Kaufens und Verkaufens wie die großen Institutionen, die aus den Börsen längst ein Spielkasino gemacht haben - nicht nur aus dem Aktienmarkt, sondern auch aus den Devisen-, Rohstoff- und Anleihemärkten. Mit monströsen Gehältern kaufen sie Absolventen von Havard, St. Gallen oder der London School of Economics ein, damit sie anschließend mit Hunderten Millionen Dollar in Anleihen, Aktien oder Devisen herumzocken. Speziell am Devisenmarkt herrscht ein perverses Spiel. Über eine Billion Dollar werden in 24 Stunden um den Globus bewegt. Maximal drei Prozent dieses Umsatzes dient der Abwicklung oder Absicherung von Im- und Exportgeschäften. Der Rest ist Spiel.(...)
Am Ende muss ich jedoch auch eine Lanze für die Börsenspieler brechen. So sehr ich sie verabscheue, so sehr brauche ich sie auch. Sie sind lebensnotwendig für eine funktionierende Börse. Und wenn sie nicht existieren würden, so müsste man sie erfinden. je mehr Spieler, desto größer und liquider der Markt, und desto besser werden Erschütterungen, sowohl bei Hausse- als auch bei Baissebewegungen, abgefangen und gedämpft. Bei jedem Kursrückgang von einer Fraktion melden sich neue Käufer, und dadurch schützen sie den Markt vor einem brutalen Rückgang. Bei jeder Kurssteigerung von einer Fraktion melden sich neue Verkäufer und wirken dadurch auch bei Haussebewegungen bremsend. Sie sind wie die Zylinder in einem Motor. Je mehr es gibt, desto runder läuft der Motor. Nur durch die Börsenspieler ist es garantiert, dass man an jedem Börsentag seine Positionen auflösen kann, ohne dabei die Kurse bereits nach unten zu drücken. Die Millionen Spieler haben also ihre Berechtigung, denn gäbe es nur Anleger, die Aktien kaufen, um sie über Jahrzehnte zu halten, wäre der Markt völlig illiquide.
Der Anleger ist das Gegenteil des Spielers. Er kauft Aktien und hält sie über Jahrzehnte als Altersvorsorge oder Aussteuer für die Kinder oder Enkel. Die Kurse schaut er sich nicht einmal an. Sie interessieren ihn nicht. Selbst stärkere Einbrüche sitzt er aus. Das Kapital, das er langfristig in Aktien angelegt wissen will, bleibt in Aktien investiert. Er unternimmt überhaupt keinen Versuch, in Schwächephasen den Aktienanteil seiner Anlagen zu reduzieren.
Der Anleger setzt auf eine breite Palette erstklassiger Aktien, verteilt über alle Branchen und über mehrere Länder. Er unternimmt keinen Versuch, spezielle Zukunftsbranchen zu erwischen und überzugewichten. Viele Anleger orientieren sich bei der Auswahl ihrer Papiere am Aktienindex ihres Landes oder mehrerer Länder. Aus diesem Grund sind die Indexfonds immer beliebter geworden und haben in den letzten Jahren Milliarden Dollar gesammelt. Für den Anleger ist es die bequemste Methode, in eine breite Palette von Standardaktien, die so genannten Blue Chips zu investieren.
Die größten Anleger sind heute die amerikanischen und englischen Pensionskassen. Die Geldmengen, die sie verwalten, sind so immens, dass sie gezwungen sind, die Papiere lange zu halten, da sie ihre Positionen nicht auflösen könnten, ohne dabei die Kurse unter Druck zu setzen. Das ist das große Glück für die Pensionäre. Würden die Verwalter die Gelder umschichten können, wäre ihre Performance sicher nicht so gut.
Und in noch einem anderen Punkt ist der Anleger das genaue Gegenteil des Börsenspielers. Während der Spieler auf lange Sicht immer verliert, gehört der Anleger, egal wann er in die Börse einsteigt, langfristig zu den Gewinnern. Zumindest war dies in der Vergangenheit immer so, denn Aktien haben in ihrer Gesamtheit nach einem Krach immer wieder neue Rekordkurse erreicht.
Ich gebe zu, der Anleger kann mit einem kleinen Betrag nicht in kurzer Zeit zum Millionär werden. Langfristig aber kann er zu einem großen Vermögen kommen. Warren Buffet, der wohl berühmteste Anleger der Welt, wurde durch Anlage zum zweitreichsten Mann Amerikas. Trotzdem glauben die meisten Börsianer, das große Geld sei nur zu machen, wenn man ständig kauft und verkauft.
Ich selbst gehöre seit einigen Jahren auch in das Lager der Anleger. Zum Spekulieren fühle ich mich heute zu alt. Außerdem war ich ständig von einem Vortrag und Interview zum nächsten unterwegs und mit meiner Kolumne und meinen Büchern so beschäftigt, dass mir keine Zeit mehr blieb, mich ständig um meine Engagements zu kümmern. Ich besitze heute über 500 verschiedene Aktien, von denen ich seit Jahren keine einzige verkauft habe. Ich kaufe nur noch dazu.
Wenn ich ehrlich bin, würde ich jedem Leser raten, sich in das Lager der Anleger zu schlagen. Sie erzielen im Durchschnitt die beste Performance aller Börsenteilnehmer, denn auch von den Spekulanten gehört nur eine Minderheit zu den Gewinnern.(...)
Man könnte sagen, der Spekulant befindet sich irgendwo zwischen dem Spieler und dem Anleger.(...)
Der Spekulant auf weite Sicht verfolgt verschiedene Grundelemente: Geld- und Kreditpolitik, Zinssatz, wirtschaftliche Expansion, internationale Lage, Handelsbilanzen, Geschäftsberichte und so weiter und lässt sich von den sekundären Tagesnachrichten nicht beeinflussen. Er baut eine intellektuelle Konstruktion und Strategie auf, die er mit den täglichen Ereignissen abgleicht. Mit einem Wort, er hat Ideen, richtige oder falsche, aber Ideen. Das ist der entscheidende Unterschied zum Spieler.
Im Gegensatz zum Finanzier, der zweifellos auch seine Strategie verfolgt und Ideen hat, bleibt der Spekulant passiver Teilnehmer. Er verursacht keine Kursbewegungen, sondern versucht nur, von solchen zu profitieren.(...)
Dennoch lebt er gefährlich und muss sich daran gewöhnen, wie ein Krokodil mit offenen Augen zu schlafen. Die Spekulation ist eine gefährliche Seefahrt zwischen Vermögen und Pleite. Man braucht ein seetüchtiges Boot und einen geschickten Steuermann. Was verstehe ich unter einem seetüchtigen Boot? - Geld und Geduld sowie Nerven. Und wer ist der geschickte Steuermann? - Derjenige, der die Erfahrung hat und souverän denkt. Balzac schrieb in seinem Traktat über das "Elegante Leben", es gäbe drei Arten von Menschen; Menschen, die arbeiten, Menschen, die denken, und Menschen, die nichts tun. Der richtige Spekulant ist derjenige, der denkt. Viele glauben allerdings, es sei jener, der nicht arbeitet.(...)
Der Beruf des Spekulanten lässt sich auf keiner Schule erlernen. Sein Handwerkszeug ist Erfahrung, Erfahrung, und nochmals Erfahrung. Ich würde meine 80-jährige Erfahrung nicht gegen mein Körpergewicht in Gold eintauschen, was bei mir ohnehin nicht mehr besonders viel wäre.
Dabei habe ich die größte Erfahrung mit verlustreichen Geschäften gewonnen. Deshalb sage ich auch, ein Börsenspekulant, der in seinem Leben nicht wenigstens zwei Mal pleite war, ist dieser Bezeichnung nicht würdig. Die Börsen sind wie ein dunkler Raum, aber gewiss wird sich jener, der sich seit Jahrzehnten in diesem Zimmer aufhält, besser zurechtfinden als einer, der erst vor kurzem eingetreten ist.
Verlust und Gewinn sind ein unzertrennliches Paar und begleiten einen Börsianer sein Leben lang. Ein erfolgreicher Spekulant gewinnt in 100 Fällen 51 Mal und in 49 Fällen verliert er. Von der Differenz muss er leben.
Morgen die Fortsetzung des Vorabdrucks im Finanzteil: Von Aktien und Anleihen
Vom Börsenbroker zum Medienstar
Hätte jemals jemand in Deutschland den Titel "Mr. Aktie" verdient, dann André Kostolany, der im vergangenen September im Alter von 93 Jahren starb: Der Finanzberater, Journalist, Schriftsteller und Spekulant kämpfte Zeit seines Lebens für die Geldanlage in Unternehmenspapieren.
Dabei wollte der Ungar, der am 9. Februar 1906 in Budapest geboren wurde, eigentlich Pianist werden. Doch sein Vater schickte ihn 1924 nach Paris, um bei einem Börsenmakler in die Lehre zu gehen. Dieser Beruf ließ André Kostolany nicht mehr los. 1941 musste der Kosmopolit vor den Nazis in die USA fliehen, kehrte aber 1948 nach Europa zurück. Hier wurde der charmante Börsenplauderer berühmt, war Gast in unzähligen Talk-Shows, umjubelter Referent, tausendfacher Kolumnist und 1998 sogar Hauptfigur in einer Autowerbung.
Mit seinem 13. Buch "Die Kunst über Geld nachzudenken" wendet sich André Kostolany noch einmal an ein Millionenpublikum von Kleinanlegern, gibt Einblicke in sein bewegtes Leben und die große Schule der Spekulation.
Der ewige Wettstreit zwischen Aktien und Dummköpfen

André Kostolanys Leitsatz aus seinen frühen Pariser Tagen ist denkbar einfach: Die Entwicklung an der Börse hängt allein davon ab, ob es mehr Papiere gibt - oder mehr Käufer. Aus diesem Blickwinkel ist es vollkommen egal, ob die Gewinne der Unternehmen gut oder schlecht sind
Von André Kostolany
Böse Zungen behaupten, der Teufel habe die Börse erschaffen, um den Menschen zu zeigen, dass auch sie, Gott ähnlich, aus dem Nichts etwas schaffen können. Falsch! Nicht der Teufel hat die Börse erfunden. Sie ist spontan entstanden, unter einem Baum, so wie die Wall Street, an der Straßenecke oder in einem Caféhaus, um anschließend in ein Palais einzuziehen. (. . .)
Wenn der Teufel die Börsen auch nicht geschaffen hat, mitgemischt hat er dennoch, als er aus dem "Homo sapiens" den "Homo ludens" gemacht hat, der die Börse oft in einen Spielsaal verwandelt. Für viele ist die Börse deshalb auch Monte Carlo ohne Musik, ein Casino, wo man sich während eines Abends eine runde Summe erspielen kann, in einer anregenden, Nerven kitzelnden Atmosphäre. Für mich ist sie Monte Carlo mit viel Musik. Man muss nur die Antennen haben, um diese Musik aufzufangen und dann die Melodie zu erkennen.

Doch die Börse ist noch mehr, sie ist das Nervenzentrum, ja sogar der Motor des kapitalistischen Wirtschaftssystems. (. . .) Ohne Spekulationen wären die großen revolutionären Industrien (Eisenbahn, Automobil, Öl, Elektronik, Computer und jetzt das Internet) nie zu Stande gekommen. Nur die Hoffnung auf einen spekulativen Kursgewinn und nicht auf einen Zinsertrag kann den großen und kleinen Sparern die zur Expansion nötigen Gelder aus der Tasche kitzeln. Diese Spargelder werden dann mittels der Börse durch die verschiedensten Investitionsmöglichkeiten in der Wirtschaft verteilt. Mit einem Wort, die Börse ist ein Instrument, Investitionen einzufrieren und jederzeit wieder aufzutauen, wenn der Anleger sein Kapital wieder benötigt. (. . .)
Lebhaft erinnere ich mich noch heute an meinen allerersten Tag an der Pariser Börse. Ein alter Herr kam auf mich zu: "Junger Mann, ich habe Sie hier noch nicht gesehen. Wer sind Sie?" - "Jawohl", antwortete ich, "ich bin heute zum ersten Mal an der Börse und bin Volontär bei der Firma X." - "Da Ihr Chef mein Freund ist, werde ich Sie jetzt etwas überaus Wichtiges lehren. Sehen Sie sich um, hier hängt alles von einer einzigen Sache ab, ob es mehr Dummköpfe als Papiere oder mehr Papiere als Dummköpfe gibt."
Diesen Leitspruch, der auch zu meinem Credo wurde, kann man so interpretieren: Die Tendenz hängt davon ab, ob es für die Verkäufer wichtiger und dringender ist, ihre Papiere loszuwerden, als für die Käufer, mit ihrem Geld Werte zu erwerben. Wenn die Wertpapierbesitzer unter einem psychologischen oder materiellen Druck gezwungen sind, ihre Papiere zu veräußern, die Geldbesitzer dagegen zwar kaufen wollen, jedoch nicht unter Kaufzwang stehen, fallen die Kurse. Suchen die Geldbesitzer hingegen dringend nach Aktien, und die Aktienbesitzer sind auf Grund fehlenden materiellen oder psychologischen Drucks nicht gezwungen, ihre Papiere zu verkaufen, steigen die Kurse. Diese Lehre habe ich nie vergessen: Alles hängt von Angebot und Nachfrage ab. Und meine ganze Börsentheorie ist darauf aufgebaut.
Aus diesem Blickwinkel ist es vollkommen egal, ob die Gewinne der Unternehmen gut oder schlecht sind, ob Krieg oder Frieden herrscht, Rote oder Schwarze die Macht ergreifen. Natürlich haben auch diese Ereignisse einen Einfluss auf die Kurse. Doch ihr Einfluss ist nur mittelbar. Erst wenn die Geld- und Wertpapierbesitzer diesen Ereignissen Bedeutung beimessen und ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen daran orientieren, wirken sie sich auf die Kurse aus. (. . .)
Wie es in einer Oper oder einer Symphonie ein Thema gibt, das immer wiederkehrt und im Hintergrund immer mitklingt, so existiert auch für den Aktienmarkt eine Hintergrundmusik, die auf lange Sicht, und damit meine ich Jahrzehnte, den Trend bestimmt. Bevor der Spekulant versucht, innerhalb dieses Trends die Phasen der Auf- und Abwärtsbewegungen zu erkennen und davon zu profitieren, muss er heraushören, ob diese Hintergrundmusik in Dur oder in Moll gespielt wird.
Diese Hintergrundmusik besteht aus zwei Komponenten. Krieg oder Friede und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung. Der Friede ist das Wichtigste. Die Begründung für meinen Optimismus ist sehr kurz: Der Weltfriede, trotz Kosovo-, Golf- oder Kurdenkrieg, mögen sie menschlich auch noch so tragisch sein, ist so sicher, wie er es seit 1912 nicht mehr war. Das neue Zeitalter ist eine Pax Americana, denn die einzig verbleibende Großmacht sind, ob es den Leuten in Europa nun gefällt oder nicht, die USA. Der Friede ist dadurch auf lange Zeit gesichert. Das gibt den Aktienmärkten weltweit grünes Licht und ist ein Grund für die fantastische Entwicklung in den letzten Jahren. (. . .)
Zurückkommen möchte ich nochmals auf mein Beispiel mit dem Hund und dem Mann. Es sollte erläutern, dass Wirtschaft und Börse nicht parallel gehen. Doch so wie das Herrchen mit seinem Hund, so gehen auch Wirtschaft und Börse langfristig in die gleiche Richtung. Die Aktienkurse können nicht ständig steigen, wenn nicht auch die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne wachsen. Eine Aktie von General Motors, IBM oder Microsoft wäre nicht das geworden, was sie heute ist, stünden nicht auch fundamentale Gründe dahinter. Ansonsten würde, um bei dem bildlichen Beispiel zu bleiben, der Hund so weit vorlaufen, dass er seinen Meister irgendwann nicht mehr sieht. Und wer Hunde kennt, weiß, dass der vierbeinige Freund spätestens dann zurückkommt.
Genau so geschieht es mit der Börse. Ein gutes Beispiel ist Japan. Über zwei Jahrzehnte waren die Kurse den wirtschaftlichen Fundamentaldaten und den Unternehmensgewinnen davongelaufen. Zwar waren auch Letztere kontinuierlich gestiegen, doch mit dem Tempo der Aktienkurse konnten sie nicht Schritt halten. 1990 bemerkte der Hund, dass er viel zu weit vorausgelaufen war, und zu einem Zeitpunkt, als niemand damit rechnete, kam die große Baisse. Noch heute steht der Nikkei-Index mehr als 50 Prozent unter seinen All-Time-Highs.
Die Börse kann sich also langfristig nicht von der Wirtschaft abkoppeln. Deshalb muss der Spekulant die wirtschaftliche Situation eines Landes und heute, im Zeitalter der Globalisierung, natürlich auch die Weltwirtschaft genau beobachten und analysieren. Doch Vorsicht, nicht die Entwicklung der Vergangenheit, sondern der Zukunft ist entscheidend. Ist die Wirtschaft frei von Hemmnissen, sodass sie wachsen kann, wird die Börse trotz aller Schwankungen à la longue nach oben gehen. Das Resultat sind deutlich häufiger steigende als fallende Kurse, was die Chancen des Spekulanten auf ausgeprägte Gewinne enorm erhöht. Aus diesem Grund haben in den letzten Jahren auch viele Börsenspieler Gewinne machen können. Wenn die Kurse fast ständig steigen, erwischt man auch mit kurzfristigen Transaktionen mehr Auf- als Abwärtsphasen. Protzen dürfen sie trotzdem nicht. Ganz sicher ist die Performance der meisten Zocker schlechter, als sie es gewesen wäre, hätten sie die zuerst gekauften Papiere über Jahre gehalten.
eld + Psychologie = Tendenz

Kapital ist für die Börse wie das Benzin für einen Motor, heißt ein Glaubenssatz von André Kostolany. Droht den Märkten durch Zinserhöhungen das Geld auszugehen, sollte jeder Vollblutspekulant aussteigen - und auf fallende Kurse setzen
Von André Kostolany
Innerhalb eines langen Wirtschaftsaufschwungs rast die Börse wie ein Hund hin und her, steigt mehrmals stark und fällt wieder. (. . .) Diese Schwankungen werden durch die mittelfristigen Einflussfaktoren bestimmt, die sich aus zwei Komponenten zusammensetzten.
Der erste Faktor ist das Geld. Geld ist für die Börse wie der Sauerstoff zum Atmen oder das Benzin für einen Motor. Ohne Geld kann die Börse nicht steigen, auch wenn die Zukunft noch so gut aussieht, Friede herrscht und die Konjunktur gut läuft. Niemand kann Aktien kaufen, wenn er kein Geld dafür übrig hat. Man könnte auch sagen, das Geld ist das Lebenselixier des Aktienmarktes.

Aber mit Geld allein kann der Markt sich auch nicht bewegen. Die zweite Komponente ist die Psychologie. Ist die Psychologie des Anlagepublikums durchweg negativ, so dass niemand Aktien kaufen will, kann die Börse auch nicht steigen. Wenn beide Faktoren, Geld und Psychologie, positiv sind, dann steigen die Kurse. Sind beide negativ, fallen sie. Ist ein Faktor positiv, der andere negativ, neutralisieren sich die Tendenzen, das heißt, es entwickelt sich eine farblose, uninteressante Börse ohne große Schwankungen. Daraus ergibt sich meine Gleichung, die zugleich mein Glaubenssatz wurde: Geld + Psychologie = Tendenz.
Überwiegt ein Faktor geringfügig, wird sich dies durch leicht steigende oder leicht gleitende Kurse manifestieren, je nachdem, welcher Faktor der stärkere ist. Wenn dann einer der Faktoren umschlägt und beide entweder positiv oder negativ werden, dann kommt die große Hausse oder die große Baisse. (. . .)
Dass die Börse kein Thermometer für die wirtschaftliche Situation ist, hatte ich bereits erklärt. Sehr oft verläuft die Kursentwicklung sogar entgegengesetzt zur konjunkturellen Entwicklung. In einer Wirtschaftseuphorie werden die Unternehmen alle zur Verfügung stehenden Gelder für direkte Investitionen verwenden, um die hohe Nachfrage befriedigen zu können. Aktienrückkäufe, wie wir sie in den letzen beiden Jahrzehnten vor allem in den Vereinigten Staaten gesehen haben, gibt es in dieser Phase nicht. Im Gegenteil, die Unternehmen benötigen sogar frisches Kapital für ihre Investitionen. Um sich dieses zu beschaffen, werden sie den Aktienmarkt anzapfen und Kapitalerhöhungen vornehmen. So wird die Zahl ihrer Aktien vermehrt, und das Angebot damit größer. Manche Firmen werden auch aus ihrem Portfolio Aktien anderer Gesellschaften verkaufen. Die Folge davon ist, dass Riesenmengen neuer Aktien auf den Markt kommen.
Es ist an der Börse ähnlich wie auf dem Markt für gebrauchte Autos. Wenn die großen Autofirmen immer neue und attraktivere Modelle herausbringen, die Autoverkäufer besonders aktiv sind und ihren Kunden sogar Preiskonzessionen machen oder Sonderausstattungen gratis mitliefern, dann sinkt der Preis für Gebrauchtwagen. Wenn dagegen die Lieferzeit für neue Autos mehrere Wochen oder Monate beträgt, wenn außerdem die neuen Modelle wenig attraktiv erscheinen und auch von Preiskonzessionen keine Rede sein kann, dann wird der Markt der gebrauchten Autos aktiv, und die Preise gehen in die Höhe. An der Börse notierte Aktien sind die Gebrauchtwagen des Kapitalmarktes. Wenn der Markt mit neuen interessanten Wertpapieren überschwemmt wird, ist ein Kurssturz der schon an der Börse notierten Aktien unvermeidlich. Wenn aber die neuen Anlageemissionen immer seltener werden, fließen die überflüssigen Gelder an die Börse, das heißt zum Markt der "gebrauchten Autos" zurück. (. . .)
Börsianer scheuen die Inflation wie der Teufel das Weihwasser. Mit Argusaugen beobachten sie jede Statistik, ob Konsumentenpreise, Erzeugerpreise, Stundenlöhne oder Lohnkostenindex. Bewegt sich eine Zahl nach oben, ist die Stimmung schlecht, und die Kurse fallen. Viele behaupten deshalb, Inflation sei schlecht für die Börse. Doch das stimmt nur indirekt. Die Inflation selbst hat überhaupt keinen negativen Einfluss auf die Aktien. Im Gegenteil, Aktien sind im Grunde Sachwerte und müssten eigentlich wie andere Sachwerte auch von der Inflation angetrieben werden. Negativ für die Börse sind allein die Maßnahmen, die die Notenbanken ergreifen, um die Inflation zu bekämpfen. Wie es im zuvor geschilderten Beispiel im Nachkriegsdeutschland passierte. Der Wirtschaftsboom war damals so groß, dass die Bundesbank diesen durch höhere Zinsen bremste, um keine Inflation entstehen zu lassen.
Man kann sich fragen, warum die Notenbanken die Inflation bekämpfen, wenn sie doch, wie ich im Kapitel zuvor gesagt habe, eine Stimulanz ist. Es ist wie mit Alkohol und Nikotin. Ein wenig von beidem ist Stimulanz, man darf aber kein Kettenraucher oder Alkoholiker werden. Oder, um in der bildhaften Sprache zu bleiben, die Inflation ist wie ein warmes Bad. Es ist angenehm, darin zu sitzen, doch man muss aufpassen, dass das Wasser nicht zu heiß wird. (. . .)
Der Spekulant muss die Inflation im Auge behalten, so viel ist klar. Er muss aber auch einschätzen können, wie die Notenbanken in den verschiedenen Ländern auf diese reagieren werden. Alan Greenspan, der Chef der amerikanischen Notenbank, ist in den letzten Jahren zum wichtigsten Menschen der Weltfinanzmärkte geworden. Seit er bei einem Dow Jones von 6000 Punkten von einer überschwänglichen Stimmung an der Wall Street sprach, wird jedes Wort, das er fallen lässt, mit größter Aufmerksamkeit beobachtet und analysiert. (. . .)
Um eine unkontrollierte Inflation zu verhindern, muss die Notenbank die Zinsen stark anheben. Steigende Zinsen haben früher oder später eine dramatische Wirkung, nicht nur auf die Psychologie, sondern auch auf die Wirtschaft und die Börse. Auch hier trifft es als Erstes wieder den Aktienmarkt, diesmal jedoch in negativer Weise. Durch die gestiegenen Zinsen wird das Geldmengenwachstum stark reduziert, und der Liquiditätsstrom zur Börse versiegt. Anleger, die Aktien auf Kredit gekauft haben, müssen diese auf Grund der gestiegenen Kreditkosten verkaufen. Außerdem machen die festverzinslichen Anlagen mit ihrer höheren Verzinsung den Aktien Konkurrenz. Die Kurse beginnen zu fallen, meistens bereits zu einem Zeitpunkt, wo die Nachrichten aus der Geschäftswelt noch immer günstig sind. Deshalb messe ich bei meinen Börsenentscheidungen den Bilanzziffern der Gesellschaften keine große Bedeutung bei. Erstens werden Bilanzen manipuliert oder zumindest frisiert, so wie es den Direktionen passt. Selbst wenn die Zahlen richtig sind, gehören sie bei ihrer Veröffentlichung bereits der Vergangenheit an. (. . .)
Wie schnell die Börse auf Zinserhöhungen oder -senkungen reagiert, hängt von der Einstellung des Publikums ab. Sind die Marktteilnehmer wie in den letzten Jahren sehr zinssensibel, werden sie bereits auf die kleinsten Andeutungen einer Inflationsbeschleunigung reagieren und Aktien verkaufen oder sich zumindest mit neuen Käufen zurückhalten. So wird eine mögliche Zinsanhebung durch die Notenbank bereits vorweggenommen und die Reaktion auf eine tatsächliche Zinsanhebung gering ausfallen.
Achten die Börsianer hingegen mehr auf die positiven Unternehmensgewinne und auf die allgemeinen Wirtschaftsdaten, kann es passieren, dass die Notenbank die Zinsen mehrmals anhebt und die Börse trotzdem weiter steigt. In diesem Fall ergibt sich eine Diskrepanz, die zugleich die große Chance für den Spekulanten bietet. Denn wie ich bereits schrieb, spätestens nach zwölf Monaten folgen die Kurse dem Faktor Geld. Es ist nach einer markanten Zinsanhebungen durch die Notenbank deshalb nur eine Frage der Zeit, bis die Kurse zurückgehen. Je euphorischer die Stimmung zuvor war, desto heftiger wird der Krach. Wer diese Diskrepanz erkennt, steigt rechtzeitig aus. Der Vollblutspekulant, der sich à la baisse engagiert, kann ein Vermögen machen.
Spekulanten brauchen Handwerkszeug

Investoren leben von Information - Wie und wo Anleger an die entscheidenden Nachrichten kommen, beschreibt André Kostolany im heutigen WELT-Vorabdruck
Von André Kostolany
Oft werde ich gefragt, woher ich meine Informationen und meine Ideen nehme. Ich suche sie nicht, ich finde sie. Meine Antwort ist einfach, und ich fürchte, der Leser wird sogar darüber lächeln. Ich finde meine Informationen überall, ich erhalte sie von allen Arten von Menschen, von Taschendieben, Vorstandsvorsitzenden, sogar Ministern oder Callgirls, das heißt von jedermann - außer von Bankiers, Brokern, Analysten und Volkswirten. Letztere sehen nicht über ihre Nasenspitze hinaus, oder wie man auch sagt, sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oft hatte ich große Erfolge, wenn ich das Gegenteil von dem tat, was sie empfahlen. . . .
Die Tagesnachrichten entnehme ich diversen Zeitungen. . . . Beim Zeitungslesen muss der Spekulant die Routine entwickeln, die für ihn wichtigsten Nachrichten sofort zu bemerken. Und vor allem muss er die versteckten Nachrichten finden, die zwischen den Zeilen stehen. Die Schlagzeilen, Unternehmensberichte, Gewinnzahlen, Gewinnschätzungen und Statistiken, die jeder liest und die jedem zugänglich sind, nehme ich zur Kenntnis, doch sie interessieren mich nicht besonders. Sie sind bereits in den Kursen enthalten und damit - wie die Kurse selbst - Vergangenheit. Mein Motto lautet: Was an der Börse jeder weiß, macht mich nicht mehr heiß. Zwischen den Zeilen aber kann man die Nachrichten finden, die die Kurse von morgen sind. Manchmal verrät ein kurzer Nebensatz in einem langen Artikel viel mehr als der Artikel selbst. . . .
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Nachrichten sind das Handwerkszeug des Spekulanten. Doch er muss die Nachrichten nicht nur kennen, er muss sie vorausahnen und auch wissen, welche Nachrichten für die Börse wichtig und welche unwichtig sind. Bei den wichtigen muss er wiederum wissen, ob sie gut oder schlecht sind, und vor allem, wie das Publikum, sprich die Börse, auf die Nachrichten reagieren wird.
Börsenneulingen kommt die Reaktion der Kurse auf gewisse Nachrichten und Ereignisse vollkommen irrational und unlogisch vor. Die Börse reagiert oft wie ein Betrunkener. Auf gute Nachrichten hin weint sie und wegen schlechter Nachrichten lacht sie. Ich nenne es das Phänomen des Fait accompli - der vollendeten Tatsache. Die Börsenlogik ist eben nicht mit der Alltagslogik vergleichbar.
Spekulation bezieht sich stets auf ein ungewisses, in der Zukunft liegendes Ereignis, das impliziert bereits das Wort. Trifft das Ereignis ein, wird es zur Tatsache, und auf Tatsachen braucht man nicht mehr zu spekulieren. Das bedeutet: Die Börse antizipiert die zukünftigen Ereignisse. Wird bei einem Unternehmen für das erste Quartal eine Gewinnsteigerung erwartet, dann wird der Kurs der Aktie langsam nach oben klettern. Je stärker das Publikum mit der Gewinnsteigerung rechnet, desto schneller steigt der Kurs. Alle wollen so klug sein und schon vor der Bekanntgabe einsteigen. Wird der Gewinn am Stichtag X dann gemeldet und liegt er so hoch, wie allgemein erwartet, geht der Kurs im gleichen Moment zurück. Das erwartete Ereignis ist eingetroffen und zum Fait accompli geworden. Da bereits alle vor der Veröffentlichung gekauft haben, mangelt es an weiteren Käufern. Einige nehmen ihre Gewinne mit, was auf den Kurs drückt. Erst wenn eine erneute Spekulation, zum Beispiel auf eine weitere Gewinnsteigerung im zweiten Quartal, aufflammt, kann der Kurs wieder steigen. Fällt der Gewinn für das erste Quartal aber niedriger aus als erwartet, dann wird der Kurs eine Sekunde nach der Bekanntgabe abstürzen. Es ist in diesem Fall vollkommen egal, ob der Gewinn gegenüber dem Vorquartal stark gestiegen ist und vielleicht sogar ein Rekordergebnis darstellt. Es zählt allein die vorherige Erwartung, die nicht erfüllt wurde.
Umgekehrt funktioniert es natürlich genauso. Erwarten die Börsianer bei einem Unternehmen einen Gewinneinbruch, werden sie bereits zuvor verkaufen, und der Kurs wird bis zu dessen Veröffentlichung fallen. Am Tag der Bekanntgabe haben dann bereits alle verkauft, und so beginnt der Kurs durch einzelne Käufe wieder langsam zu steigen. Fällt der Gewinneinbruch nicht so stark aus, wie vorhergesehen, wird die Tendenz sich im Moment der Bekanntgabe drehen und der Aktienkurs explodiert. . . .
Natürlich kann es auch nach einer Zinserhöhung durch die Notenbank zu einer typischen Reaktion im Sinne des Fait accompli kommen. Es passiert sogar sehr oft. Wurde eine Zinserhöhung auf Grund der Wirtschaftsdaten allgemein erwartet, wird die Börse nach erfolgtem Zinsschritt zunächst steigen, vor allem dann, wenn das Publikum davon ausgeht, dass zunächst kein weiterer Zinsschritt ansteht. Doch die Zinsanhebung wirkt sich zukünftig auf das Geldmengenwachstum, also auf den so wichtigen Faktor Geld aus. Viele Börsenspieler lassen sich mit der Bemerkung täuschen, die Zinserhöhung sei schon in den Kursen eskomptiert. Das stimmt aber überhaupt nicht. Ein hoher Zinssatz und die folgende Geldknappheit sind ein hartes Faktum, unabhängig davon, ob die Börse darauf zunächst positiv oder negativ reagiert. . . .
Wenn ich in ein Restaurant gehe, bestelle ich justament nicht das, was mir der Wirt empfiehlt, denn das will er loswerden. So verhält es sich auch mit 90 Prozent der Börsentipps und Empfehlungen. Nur selten sind sie der gut gemeinte Rat. In den meisten Fällen handelt es sich um Promotion und Werbung einer Bank oder eines Syndikates für ein bestimmtes Papier, das sie beim Publikum abladen wollen. Es werden rosige Analysen geschrieben und über die Medien und durch Mundpropaganda verbreitet. Geschickt werden Nachrichten gestreut. Dann wird der Kurs in die Höhe manipuliert, denn nichts ist einfacher, als dem Publikum Aktien zu verkaufen, die bereits gestiegen sind. Die Käufe treiben den Kurs weiter und weiter nach oben. Haben alle Zittrigen das Papier gekauft, wird irgendwann auffallen, dass die rosigen Analysen doch nichts als heiße Luft waren, und der Zusammenbruch ist unausweichlich.
Dieses Schmierenschauspiel ist am Neuen Markt in Deutschland an der Tagesordnung. Er ist kein Spielkasino, das sind die anderen Börsen, er ist eine Spielhölle mit gezinkten Karten. Selbst ernannte Börsengurus drängen dem Fernsehpublikum und den Lesern ihres Börsenbriefes marktenge Werte geradezu auf, die sie zuvor selbst gekauft haben. Das ist nichts anderes als moderne Wegelagerei. Diese Manipulationen sind für einen, der die Börse gut kennt, leicht zu durchschauen, aber nicht für einen Laien. Jeder kann manipulieren, auch Herr Egbert Prior, dessen Laufbahn ich schon seit Jahren beobachte. Er ist ein netter und kluger Bursche, was mich aber nicht daran hindern kann, die Wahrheit über sein Handeln zu enthüllen. Es liegt mir fern, Kritik an den Unternehmen zu üben, deren Aktien auf dem Neuen Markt gehandelt werden. Institutionelle Neugründungen für Wagniskapital können für die Wirtschaft durchaus günstig sein. Aber was hier vorgeht, zeigt, wie die Dinge aus dem Ruder laufen können. Doch noch mal: Meine Strafpredigt gilt nur dem Handel mit diesen Aktien - er ist genauso kriminell, wie es kriminell wäre, zum Beispiel Daimler-Chrysler - oder IBM-Aktien durch Manipulationen auf das Zehnfache zu treiben. Leider schweigt das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Frankfurt zu all dem. Entweder schlafen die Herren, oder sie haben keine Ahnung, was Börsenmanipulationen sind. In Amerika, England oder Frankreich wäre so etwas nicht möglich Da hätten längst Watch-Dogs die Bö(r)sewichter gestellt. . . .
Wie muss sich der Spekulant in einem Börsenzyklus verhalten, um erfolgreich zu sein? Die Beantwortung dieser Frage fällt nach der Schilderung der großen Booms und anschließenden Crashs nicht schwer. Er muss natürlich zu den Hartgesottenen gehören und antizyklisch handeln.
In der dritten, das heißt in der Übertreibungsphase der Abwärtsbewegung sollte er kaufen und auch nicht erschrecken, wenn die Preise weiter zurückgehen. Denn wie die alten Börsianer schon an der Budapester Getreidebörse sagten: "Wer den Weizen nicht hat, wenn er zurückgeht, hat ihn auch nicht, wenn er steigt." In der ersten Phase der Aufwärtsbewegung sollte er weiter kaufen, denn der Tiefpunkt ist überwunden. In der zweiten Phase sollte er eigentlich nur Zuschauer sein, nur passiv mit der Bewegung gehen und sich seelisch darauf vorbereiten, in der dritten Phase, bei der allgemeinen Euphorie, aus dem Markt auszusteigen. . . .
Crashguru war ich weiß Gott nie. Doch der Titel Börsenguru wurde mir von den Journalisten auch oft zugedacht, obwohl ich nie Tipps gab. Ich akzeptiere den Titel auch nicht, da ein Guru unfehlbar ist, was ich ganz sicher nicht bin. Unfehlbar war nur der Börsentipp des weltberühmten Wunderrabbiners von Fürth: Auf die Frage einer kleinen Gruppe von Frankfurter Börsianern, was man jetzt an der Börse tun solle, antwortete er: "Kaufet nicht verkaufet!" Die Börsianer mussten nur noch das Komma setzten. Entweder hieß es: "Kaufet nicht, verkaufet!", oder es hieß: "Kaufet, nicht verkaufet!"
Nur die Hartgesottenen gehören zu den Gewinnern

André Kostolany teilte die Börsianer in zwei Gruppen ein: Die Hartgesottenen und die Zittrigen. Doch zum Erfolg gehören seiner Ansicht nach auch die vier großen Gs: Geld, Gedanken, Geduld, Glück
Von André Kostolany
Die Intensität, mit der die Börse auf gute oder schlechte Nachrichten reagiert, nenne ich die technische Verfassung des Marktes. Unter Markttechnik verstehe ich im Gegensatz zur Mehrheit keine Charts, Oszillatoren, Stochastiken oder sonstigen Unsinn, den die Börsenmathematiker erfunden haben. Für mich hängt die technische Verfassung nur von einer Frage ab: In welchen Händen befindet sich die Mehrheit der Papiere?
Ich habe die Börsianer deshalb in zwei Kategorien eingeteilt: Die Hartgesottenen und die Zittrigen. Die Hartgesottenen sind Anleger und Spekulanten in dem Sinne, wie ich die Worte verstehe. Sie gehören langfristig zu den Gewinnern an der Börse. Ihr Gewinne bezahlen die Zittrigen, zu denen ich vor allem die Börsenspieler zähle.


Was unterscheidet die Hartgesottenen von den Zittrigen? Der Hartgesottene verfügt über die vier G, die der preußische Generalfeldmarschall von Moltke auch für eine erfolgreiche Kriegsführung als unerlässlich betrachtete: Geld, Gedanken, Geduld - und natürlich auch Glück.(...)
Die technische Verfassung, das heißt also, wie intensiv der Markt auf gute oder schlechte Nachrichten reagiert, hängt nur von einer Frage ab: Liegen die Papiere in den Händen der Hartgesottenen oder der Zittrigen? Sind die Papiere in zitterigen Händen, so hat eine besonders gute Nachricht keine große Wirkung mehr. Dagegen wird eine schlechte Nachricht im Debakel enden. Haben die Hartgesottenen dagegen den großen Teil der Aktien, so wirken gute Nachrichten euphorisch, schlechte verursachen keine Reaktionen. Den ersten Fall nenne ich einen »übergekauften«, den zweiten einen »überverkauften« Markt.
Um beurteilen zu können, ob ein Markt übergekauft oder überverkauft ist, muss man zunächst die Anatomie einer Auf- und Abwärtsbewegung verstehen. Dabei müssen beide zusammen betrachtet werden. Sie sind an der Börse ein unzertrennliches Gespann. Erkennt man nicht das Ende einer Abwärtsbewegung, kann man auch den Anfang einer Aufwärtsbewegung nicht erkennen, und erkennt man nicht das Ende einer Aufwärtsbewegung, kann man nicht den Anfang einer Abwärtsbewegung voraussehen.
Meiner Erfahrung nach besteht jede Hausse und jede Baisse an der Börse (sei es bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder Edelmetallen, also all jenen Märkten, auf denen spekuliert wird) aus jeweils drei Phasen:
- der Phase der Korrektur;
- der Phase der Anpassung oder Begleitung;
- der Phase der Übertreibung.
Weil die verschiedenen Phasen der Aufwärts- und Abwärtsbewegung einander ablösen, stelle ich sie in einem Kreisel dar, den ich das Ei des Kostolany genannt habe. Am Beispiel der Hausse von 1982 bis August 1987 und der anschließenden Baisse von August bis zum 19. Oktober 1987 möchte ich die Anatomie eines kompletten Börsenzyklus erklären.
Wir beginnen 1982 am tiefsten Punkt des Kreisels am Ende der Übertreibung nach unten. Die Kurse waren bereits über Jahre auf Talfahrt gewesen. Auf dem Tiefpunkt der Krise erschien in der Business Week eine Titelgeschichte mit der Überschrift » Der Tod der Aktie«. Niemand wolle mehr Aktien haben, die Leute würden sich nur noch für Gold, Immobilien und Sachwerte aller Art interessieren, war der Tenor der Geschichte. Die Situationsbeschreibung war nicht ganz falsch - die Inflationsraten waren aufgrund der Ölpreiskrise zweistellig und jeder versuchte sein Vermögen vor der Geldentwertung zu schützen -, doch sie war auch nicht ganz richtig. Und an der Börse ist eine halbe Wahrheit bereits eine ganze Lüge. Denn obwohl angeblich niemand mehr Aktien haben wollte, wurden an der Wall Street 50 Millionen Aktien pro Tag gehandelt. Das bedeutet, dass 50 Millionen Aktien verkauft, aber eben auch 50 Millionen Aktien gekauft wurden. An der Börse steht jedem Verkauf ein Kauf gegenüber, sonst würde es keinen Umsatz und auch keinen Kurs geben. "Niemand wollte kaufen" oder "niemand wollte verkaufen", diese Sätze gehören zu den dümmsten Formulierungen in den Börsenkommentaren.
Doch wer waren diese Käufer, die an den trüben Tagen 1982 die 50 Millionen Aktien gekauft haben? Ganz klar: die Hartgesottenen. Sie decken sich zu Ausverkaufspreisen mit Aktien ein, zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachrichten aus der Wirtschaft noch extrem schlecht sind. Dann beginnt die erste Phase der Aufwärtsbewegung, die Korrektur.
Während dieser werden die Kurse, die zu tief gefallen sind, bei geringen Umsätzen auf ein Niveau korrigiert, das gewissermaßen realistisch und berechtigt ist. Die Käufer sind immer noch die Hartgesottenen. Begünstigt wurde die Korrektur Ende 1982 vom Faktor Geld, der mittlerweile positiv war. Der US-Notenbank war es durch die vorherige Hochzinspolitik gelungen, die Inflation abzuwürgen, und sie hatte die Zinsschraube bereits gelockert, woraufhin auch die langfristigen Zinsen zurückgegangen waren.
Dann wurden die Nachrichten aus der Wirtschaft und der Politik zunehmend besser. Amerika befreite sich aus seiner Psychose, in der es seit dem Vietnamkrieg und der Geiselnahme in ihrer Theraner Botschaft gesteckt hatte. Der Riese erwachte wieder.(...)
Mitte der 80er-Jahre waren die Ereignisse äußerst positiv. Die Ölpreise brachen zusammen. Die OPEC, die die westliche Welt in die größte Energiekrise gestürzt hatte, war besiegt. Die Inflationsraten fielen auf fast Null. Paul Volcker, der damalige Präsident der Federal Reserve Bank, konnte die Zinsen weiter senken. Die Wirtschaft wies kräftige Wachstumsraten aus und die Unternehmensgewinne explodierten, nicht zuletzt aufgrund einer wirklichen Steuerreform, die den Spitzensteuersatz auf 28 und den Körperschaftsteuersatz auf 32 Prozent senkte. Millionen neue Jobs wurden geschaffen.
Diese überaus positiven Nachrichten wurden von steigenden Kursen begleitet, die wiederum weitere Käufer anzogen. Die Käufer in der zweiten Phase, der Phase Begleitung, nenne ich Mischlinge. Sie sind halb hartgesotten und halb zittrig. Es sind Anleger, die sich traditionell für Aktien interessieren und bereits eine gewisse Erfahrung haben. Sie erkennen noch rechtzeitig die wieder haussierenden Kurse und steigen ein. Diese Käufe lassen die Kurse weiter steigen.(...)
Zu Beginn des Jahres 1987 trat der Markt in die dritte, die Phase der Übertreibung. Die fünfjährige Hausse mit einem Kursanstieg von rund 200 Prozent übte eine enorme Anziehungskraft auf das breite Publikum aus. Die Zittrigen, die zwischen 1980 und 1982 der Aktie abgeschworen, ihre Papiere frustriert zu Tiefstpreisen verkauft und ihr Geld in Sachwerte investiert hatten, wollten jetzt schnell wieder einsteigen. Sie kaufen immer dann, wenn in den Massenmedien von der großen Aktienhausse berichtet wird und auf jeder Party Aktien das Thema Nummer eins sind. Ihre Freunde prahlen mit großen Aktiengewinnen, und da wollen sie unbedingt dabei sein. Fast panisch kaufen sie alles, was bereits stark gestiegen ist. Sie suchen nicht nach unentdeckten, unterbewerteten Aktien, sondern steigen dort ein, wo ihre Freunde angeblich bereits das große Geld gemacht haben. Kurzum, sie kauften die Aktien, die gerade in Mode sind. Und wer verkauft den Zittrigen die Aktien zu Rekordpreisen? Natürlich die Hartgesottenen, die unten gekauft haben.
Die Phase der Übertreibung kann eine Zeit lang andauern, und die Hausse kann noch weitergehen, vor allem solange der Faktor Geld noch positiv ist. Sie findet erst ihr Ende, wenn alle Papiere aus den starken Händen der Hartgesottenen in die schwachen Hände der Zittrigen gewandert sind. Dann haben die Zittrigen kein Bargeld mehr, sondern die Hände voll mit Papieren, die sie sogar auf Kredit gekauft haben, und die Hartgesottenen haben das Bargeld. Jetzt warten die Zittrigen auf noch Zittrigere, die ihnen die Papiere zu noch höheren Preisen abkaufen. Aber die gibt es nicht.
Und die Hartgesottenen, die auf Bargeld sitzen, kaufen zu diesen Kursen nicht. Wenn dann der Faktor Geld noch negativ wird, ist der Zusammenbruch vorprogrammiert. (...)
Alle wollten dann nur noch durch eine Tür. So wie in einem Kino, in dem einer Feuer schreit und alle durch die kleine Tür hinaus wollen. Am Ende gibt es sogar Tote und Verletzte, obwohl kein Zündholz gebrannt hat. Ich war am 19. Oktober zufällig bei einem Broker. Ich saß da und hörte wie ununterbrochen das Telefon klingelte. Die Kunden riefen aufgeregt an. Doch sie gaben nicht wie üblich den Auftrag: »Verkaufen Sie die Papiere X und halbieren sie die Position Y! « Die Zittrigen, die zuvor bei den hohen Kursen eingestiegen waren, gaben nur noch einen Auftrag: Alles verkaufen! Zum Börsenschluss um 16.00 Uhr hatte der Dow-Jones-Index 508 Punkte verloren. Der Krach war da.
Und wer kaufte die Papiere zu den Schleuderpreisen am 19. Oktober 1987? Ganz klar! Die Hartgesottenen. Sie hatten das Geld und auch die Nerven. Die Zittrigen hingegen hatten ausverkauft und leckten ihre Wunden. Man suchte einen Schuldigen. denn gewinnt der Börsianer, schreibt er sich den Erfolg selber zu. Verliert er jedoch, ist immer ein anderer schuld. Der Schuldige war schnell ausgemacht: die Computer, die den Programmhandel betrieben. Eine Täterrolle, die der arme Computer natürlich nicht ausfüllen konnte. Genauso wenig wie das Besteck, mit dem man einen schlechten Fisch gegessen hat, an der Magenverstimmung schuld ist. (...)
Viele unserer Freunde erkundigten sich nach dem 19. Oktober 1987 bei meiner Frau nach meinem Wohlbefinden. Sie fragten: "Wie geht es André. Ist er nervös?" - "Nervös? Ich kann nichts feststellen. Er sitzt in seinem Sessel und hört Musik, so wie immer", antwortete meine Frau. Wenn ich voll bezahlte Papiere habe, was mir bereits seit vielen Jahren Gesetz ist, bin und war ich bei Kursstürzen eigentlich immer ruhig. Wenn ich merke, dass sich dennoch ein wenig Unruhe in mir breit machen will, denke ich immer an meinen guten alten Freund Eugène Weinreb, einen routinierten Börsenfuchs, der bereits im Alter von zehn Jahren mit dem Spekulieren begonnen hatte. Eines Tages kam sein Sekretär voller Aufregung zu ihm. "Die Papiere gehen dramatisch zurück, was sollen wir tun?" Er antwortete völlig gelassen: "Die Papiere gehen zurück? Soll ich mich aufregen? Ich war drei Jahre in Auschwitz..."
Exklusiv
Vorabdruck
Auszüge aus dem Buch von André Kostolany
US-Aktienmarkt steht am Scheideweg

Pessimisten erwarten bei Sturz unter magische Marke weitere Kursverluste bei Standardwerten -Technologietitel in besserer Verfassung
Berlin - Knapp ein Jahr, nachdem der Dow-Jones-Index die psychologisch wichtige 10 000-Punkte-Marke nach oben durchbrochen hat, gerät die magische Schwelle erneut ins Blickfeld der Wall Street. Nun könnte das Kursbarometer die Marke nach unten durchbrechen. Erstmals seit dem 18. Oktober fiel der Leitindex am Donnerstag sogar kurzzeitig unter die Marke, konnte jedoch zum Handelsschluss wieder darüber schließen. Am Freitag lag der Dow im frühen Handel aber wieder im Minus. "Wir stehen auch jetzt am Scheideweg, wo sich die Entwicklung für die kommenden Monate herauskristalisiert", sagt Charles Payne, Chef-Analyst bei Wall Street Strategies.
Analysten zeigen sich aber uneins über die fundamentale Bedeutung der 10 000er Marke. Das Spektrum reicht dabei von Crash-Gefahr bis "Nicht-Ereignis". "Bei 10 000 Punkten geht es beim Dow um Leben oder Tod", warnt Payne. Er verweist auf den Oktober des vergangenen Jahres. Als die magische Marke hielt, interpretierten Anleger dies als Kaufsignal und starteten eine dreimonatige Kursrallye.
Auch Todd Gold von Gruntal misst den 10 000 Punkten eine große Bedeutung zu. "Wenn der Dow unter die Marke fällt, ist ein Sturz bis auf 9650 nicht mehr auszuschließen." Darunter sei die nächste Unterstützung erst bei 9200 Zählern. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Wieland Staud von Staud Research. Wichtig sei, dass die kritische Zone bei 9700 Zählern nicht nach unten durchbrochen werde. "Dann könnte es noch richtig in den Keller gehen", so Staud.


Andere Experten halten die Marke für weit weniger wichtig. "Auch wenn der Dow Jones unter die 10 000 fällt, ist dies kein kritisches Ereignis", sagt Roger Hirst von Dresdner Kleinwort Benson. Zwar könnte der Index dann auf Grund von Stopp-Loss-Programmen noch etwas weiter fallen. Ein Ausverkauf werde jedoch unmittelbar nicht einsetzen. Tatsächlich haben Anleger bei runden Zahlen oftmals Stoppmarken gesetzt, deren Unterschreiten automatische Verkaufsprogramme auslöst. Gianni Hirschmüller von der Deutschen Bank hält zwar ebenfalls die 10 000er Dow-Marke für wenig relevant, erwartet aber dennoch kräftige Kursverluste. "Die aktuelle Positionierung der Anleger spricht für eine längere Korrektur beim Dow Jones." Viele Anleger seien sukzessive nach dem Einbruch vom Höchststand bei über 11 700 Punkten in den Markt eingestiegen und gerieten immer stärker ins Minus. "Sollten die Kurse weiter fallen, werden diese Investoren panisch verkaufen", so Hirschmüller. Aber selbst für den Fall steigender Kurse würden Anleger diese dann zum Ausstieg nutzen und damit den Index wieder drücken. Nach einem Zwischenstopp bei 9350 Zählern erwartet Hirschmüller einen Einruch bis auf 8850 Zähler.
Im Mittelpunkt der Überlegungen steht für viele Experten auch die Frage nach der Reaktion der Technologiewerte, falls der Dow unter 10 000 Punkte fallen sollte. Bisher konnte der High-Tech-Index Nasdaq beinahe täglich neue Rekorde aufstellen, während das Standardbarometer mittlerweile um 14 Prozent vom Höchstkurs abgab. "Der Nasdaq-Index als Abbild der New Economy ist mittlerweile der Leitindex für viele Anleger", sagt ein Fondsmanager. "Es ist schwer, Anleger von einem Engagement in Coca Cola für zwei Jahre zu überzeugen, wenn Aktien von Verticalnet die gleiche Performance in zwei Tagen zurücklegen."
"Technologiewerte bewegen sich unabhängig vom Zyklus, während Standardwerte des Dow damit verbunden sind", sagt Hirst. Das Schicksal des Dow werde sich erst im Frühjahr entscheiden, wenn klar werde, ob sich die Konjunktur abkühle und weitere Zinsanhebungen überflüssig würden. "Sollte die Konjunktur überhitzen, könnte der Dow über 20 Prozent einbrechen. Dann dürfte auch das Bollwerk Technologie nicht mehr halten", so Hirst.
Staud gibt sich optimistisch. Er sieht kurz wie im Oktober des vergangenen Jahres bei knapp 10 000 Zählern die Wendemarke. "Von da marschieren wir bis zum Jahresende auf 13 500 Punkte." hz.
Ahnungslose greifen zu den besten Aktien
Hamburg - Wer keine Ahnung von Aktien hat, kann damit mehr Geld verdienen als Experten. Zu diesem Schluss kommt das Max-Planck-Institut, so der "Spiegel". Demnach haben die von ahnungslosen Passanten ausgewählten Aktien eine bessere Rendite gezeigt als die von Experten genannten. Bei einer Untersuchung befragten die Forscher auf dem Münchner Marienplatz und im Zentrum von Chicago mehrere hundert Passanten, von welchen von 800 deutschen und US-Firmen sie schon einmal gehört haben. Nach ihrem Wiedererkennungsgrad gruppierten sie die Unternehmen in acht Portfolios. Ergebnis: Die Passanten mit dem geringsten Wirtschaftswissen wählten die besten Aktien. Denn die Portfolios der zehn am häufigsten wieder erkannten Werte schlugen nicht nur den Dax und den Dow, sondern auch die Vergleichs-Portfolios zweier Expertengruppen sowie die deutschen und US-Aktienfonds mit der höchsten Rendite. Projektleiter Gerd Gigerenzer: "In der Ignoranz kann Weisheit liegen."AP
Das bestätigt wohl eindeutig die SAC-These (von Buffett.Lynch etc. abgekupfert)
"Wer die Marken hat, hat die Märkte."
Was werden die Leute wohl gesagt haben Microsoft,INtel,GE, Coca-Cola, McDonalds etc.

Ich weiß nicht was das mit Ignoranz zu tun hat
Aktien-Manie!

Ein Sprichwort an der Börse heißt:

"Die Hausse nährt
die Hausse!"

Ein anderes heißt:
"Die Hausse stirbt in der Euphorie!"

Die
Gretchenfrage nun lautet, wann wird das aktuell gültige Marktverhalten
(1. Sprichwort) beendet; wann also wird diese Hausse beendet?

Meine
Projektionen deuten noch nicht das unmittelbare Ende dieser Hausse
an, wie ich in einigen Ausführungen bereits dargestellt habe.
Doch in den nächsten Wochen möchte ich Ihnen an
dieser Stelle einige Exzesse der laufenden Hausse präsentieren. Mein
Analysemodell signalisiert für das 2. Halbjahr einen dramatischen Kurssturz
an den Aktienmärkten. Bis dahin bleibt scheinbar noch einige
Zeit, doch die Trendwende sollte schneller kommen, als vielfach
erwartet.

Welch manische Züge die laufende Kursentwicklung bereits entwickelt hat,
möchte ich Ihnen anhand der Börsenkapitalisierung der 7 "größten"
US-Unternehmen aufzeigen. Diese "glorreichen Sieben" haben eine größere Marktkapitalisierung,
als alle börsennotierten deutschen Aktienunternehmen. Die Rede ist von:

1.
Microsoft (Börsenwert: 581 Mrd. $ - Umsatz 21,9 Mrd.
$)

2. Cisco Systems (550 Mrd. $ - 15 Mrd.
$)

3. General Electric (524 Mrd. $ - 111,6 Mrd.
$)

4. Intel (464 Mrd. $ - 29,4 Mrd. $)

5.
Exxon (269 Mrd. $ - 185,5 Mrd. $)

6. Wall-Mart
(247 Mrd. $ - 166,8 Mrd. $)

7. Oracle (245
Mrd. $ - 9,7 Mrd. $)



Alle 7 vereinen eine
Marktkapitalisierung von 2.880 Mrd. $. Der Umsatz aller 7
liegt bei 540 Mrd. $, wobei die drei klassischen
oder "old economy" Unternehmen (General Electric, Exxon, Wall-Mart) 464
Mrd. $ Umsatz auf sich vereinen. Damit verbleiben für
die vier Technologiefirmen immerhin 76 Mrd. $ Umsatz bei
einer Marktkapitalisierung von 1.840 Mrd. $!

Diese Tatsache an sich
wird nicht trendumkehrend wirken, denn die Erwartungen, gerade im
Hinblick auf die Technologieunternehmen sind hoch. Einige Analysten unterstellen
für diese Werte ein durchschnittliches Wachstum in den kommenden
5 Jahren von 40%; einige Analysten liegen mit ihren
Schätzungen sogar darüber, nur wenige darunter. In fünf Jahren
dürften diese vier Unternehmen danach einen Umsatz von 408
Mrd. $ generieren. Dies errechnet sich aus dem Faktor
1,4 hoch 5 multipliziert mit dem aktuellen Umsatz. Unterstellt
(von den Analysten) wird ein mindestens so hoher Gewinnzuwachs
und natürlich auch ein ebenso hoher Aktienkurszuwachs. Dies ergäbe
dann eine Marktkapitalisierung im Jahre 2005 von rund 10.000
Mrd. $.

Ich habe hier bewußt die drei Standardwerte
herausgenommen, denn ein 40%-iges Umsatzwachstum für diese Werte zu
unterstellen, übertrifft meine Erwartungen. Für Wall-Mart würde dies einem
Umsatz von knapp 900 Mrd. $ entsprechen - trotz
Internet eine Größe, die ad absurdum erscheint.

Doch 10.000 Mrd.
$ Börsenkapitalisierung für diese 4 Unternehmen erscheint mir sehr
optimistisch. Und bedenken Sie, es gibt tausende Technologiefirmen, wobei
gerade die mittleren und kleinen Unternehmen in Relation noch
sehr viel höher bewertet sind.

Ich habe meine Bedenken, das
aktuelle Marktverhalten über einen längeren Zeitraum als einige Wochen
oder Monate fortschreiben zu können. Alleine die Marktkapitalisierung zeigt
an, daß die kritische Masse bald erreicht scheint.

Dipl.-Kfm.
Volker Arndt
Markttiming im Internet - seit 28.10.1999
"Hausse 2000"
Leitender Redakteur beim Hanseatischen Wirtschaftsdienst für die Publikationen:
Aktie des Monats und Berlin Stock-News
Ein Technologie-Guru
(Marvin van Bolt, Instock NY)
In der sich rasant entwickelnden Technologiewelt - ganz besonders im Internet - könnte man meinen, dass traditionelle Methoden, Aktien auszuwählen, unnütz seien. Wie bestimmt man eine gute Investition? Niedriger Kurs-Gewinn-Vergleich, Kurs-Umsatz-Vergleich oder Kurs-was-auch-immer-Vergleich??
Als erfolgreiche Methode hat sich erwiesen, neue Trends herauszufinden, Firmen zu finden, die diese Trends ausschöpfen und dann kaufen, kaufen, kaufen, egal zu welchem Preis. Während das bis jetzt ganz gut funktioniert hat, widerspricht die "zu-jedem-Preis-kaufen-Mentalität" dem gesunden Menschenverstand. Dennoch ist bei der Auswahl einer gewinnversprechenden Technologie-Aktie wichtig, herauszufinden, was trendy ist, oder noch besser, wohin der Trend geht. Wichtige Internet-Trends herauszufinden ist seit über 20 Jahren Stephen Andrioles Job. Schon in den 70er Jahren beschäftigte sich Andriole mit dem Internet. Es nannte sich damals noch ARPA Net, innerhalb eines Programms des amerikanischen Verteidigungsministeriums, bei dem Dr. Andriole als Director arbeitete. Heute ist er Chief Technology Officer bei Safeguard Scientists (NYSE:SFE), einem Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, neue Internet-Firmen aufzubauen. Bei einer Internet-Konferenz in New York hat Dr. Andriole seine Top Ten der neusten Trends im Netz präsentiert:
1. Breitband - Der Hochgeschwindigkeitszugang ins Netz ist endlich da. Es gibt ihn in drei Varianten: Als Kabel-Modem für Kunden, die von Zuhause aus surfen, als DSL für Unternehmen und, in wachsender Konkurrenz, als drahtlosen Hochgeschwindigkeitszugang.
2. Geräte für den Netzzugang - PCs und Laptops sind out. Was boomt sind die Geräte, die speziell für den Internetzugang entwickelt wurden. Genauer gesagt verliert Microsofts Windows CE Betriebssystem gegenüber dem Palm Pilot und seinem zugehörigen Betriebssystem, das der Palm Incorporation (NASDAQ:PALM $66 7/8) gehört.
3. Online-Offline-Fusionen - Die Time Warner/AOL-Kooperation zeigt, in welche Richtung der Trend geht. Internet-Firmen werden zunehmend mit traditionellen Unternehmen fusionieren.
4. Der Erlebniswert zählt - Zu Hause Sushi essen lässt sich nicht damit vergleichen, die trendy Fischhappen in einer Bar zu verspeisen. Auf ähnliche Weise werden Internet-User hohe Summen dafür zahlen, Rundum-Service aufgetischt zu bekommen. Ein virtuelles Schachspiel mit George Clooney wäre seinen Preis wert... dagegen ist ein Buch online zu bestellen uninteressant und kann nur den Buchpreis selbst kosten. Unternehmen, die das verstanden haben, werden groß herauskommen.
5. Neue Webseiten-Berechnung - Ansteigende Zugriffszahlen - das war alles, was bisher wichtig war. Heute fragen die Investoren zunehmend nach steigenden Kundenzahlen. Vertriebszahlen, Stammkundenzahlen, Käufer-Besucher-Vergleich - das sind die neuen Einheiten, die wichtig werden.
6. Ausgelagerter Web-Service - Das Internet verändert sich zu schnell für die unternehmenseigenen EDV-Abteilungen. Große Unternehmen werden dieses Geschäft zunehmend in Firmen wie US Internetworking (NASDAQ:USIX $99 1/8) auslagern.
7. Das Netz wird persönlicher - Die Webmaster haben immer detailliertere persönliche Daten von uns Usern: Alter, Geschlecht, Wohnort, Vorlieben, die sich aus unserem Nutzerverhalten ableiten, was wir kaufen etc. Mittels dieser Daten werden sich die aufgerufenen Webseiten bald vor unseren Augen verändern, um uns letztendlich anzubieten, was wir persönlich wollen.
8. Spracherkennung - Endlich werden wir auch mit dem Internet sprechen können und es wird uns verstehen... nicht nur die Syntax, sondern auch inhaltlich. Wenn wir beispielsweise einen Flug buchen, der um sechs Uhr morgens nach Frankfurt starten und 300 Mark kosten soll, mag sich herausstellen, dass es genau zu diesen Konditionen - und rein auf der Satzsyntax basierend - keinen passenden Flug gibt. Intelligente Websites dagegen werden verstehen, was wir meinen, nicht nur, was wir sagen. Ein Flug um 6:10 Uhr für 320 Mark wird unsere Anfrage befriedigen.
9. B2B - Online-Handel ist die Zukunft. Genau wie an der Börse werden Anbieter und Kunden wechselnd Güter und Waren kaufen und verkaufen.
10. Automatisierung - Intelligente Agenten - eine Art elektronische Butler - werden uns eine Menge unserer Alltagstätigkeiten online abnehmen. Der Kühlschrank wird Milch nachbestellen, bevor der Vorrat zur Neige geht. Unser Internetbutler wird automatisch den neusten Grisham-Roman bestellen, sobald er herauskommt. Er wird den besten Preis herausfinden, die Bestellung aufgeben und mit unserer Kreditkarte bestellen...alles automatisch.
Goldman´s Super 7 Techtitel
Das Analystenhaus Goldman Sachs hat heute eine Liste mit den „Super Seven“ High-Tech Firmen veröffentlicht, welche sie in diesem volatilen Umfeld besonders schätzt.
First Data Corp.(FDC, $45,8125 +$3,0625) ein E-Commerce und Geldtransfer Serviceunternehmen
Oracle(ORCL, $82,25 +$4), der weltweit zweitgrößte Softwarehersteller
Teradyne(TER, $95,5 +$8,5), welche elektronische Systeme herstellt
PMC Sierra Inc(PMCS, $188,1875 +$17,375), ein kanadischer Telekommunikations
-Chiphersteller
EMC (EMC, $131,8125 +$5,3125), der Speichersystem-Weltmarktführer
Cisco(CSCO, $73,125 +$1), der Internetrouterspezialist
Dell Computer(DELL, $55,125 +$1,203125), der US -weit größte und weltweit zweitgrößte PC-Hersteller
Goldman Sachs empfiehlt in Zeiten solch enormer Volatilität Technologietitel, von deren fundamentaler Stärke das Analystenhaus überzeugt ist.
Von der alten Sehnsucht nach einer «New Economy»

Die Behauptung, dass die Wirtschaft in eine neue Ära eingetreten und nun alles anders sei, ist selber alles andere als neu. Die Sehnsucht nach einer «New Economy» prägte die meisten Spekulationsblasen des 20. Jahrhunderts.
Tz. New York, 19. April
Am letzten Wochenende, nach dem haarsträubenden Einbruch des Nasdaq-Composite-Indexes machte das grosse New Yorker Brokerhaus Paine Webber in einem grossen Zeitungsinserat geltend, dass es bereits Mitte März in einem Bericht an die Kundschaft unter dem Titel «New Economy: yes. New Metrics: no.» vor der Manie im Bereich der «neuen» «New Economy»-Aktien gewarnt habe. Bei der Bewertung dieser «new new industrials», die noch überhaupt keine Gewinne erzielen, seien sträflicherweise alle herkömmlichen Kriterien über Bord geworfen worden. Als weiterhin sehr vorteilhafte Aktienanlage identifizierte Paine Webber demgegenüber «alte neue Industriewerte» und betonte dabei, dass die neuste Korrektur weder das Ende der Börsenhausse noch der digitalen Revolution angekündigt habe.
«Ein Durcheinander menschlicher Reaktionen»
Dieses Inserat ist ein typisches Beispiel dafür, wie die Analytiker und Auguren an der Wall Street jeweils mit magisch klingenden Worten das Interesse der Kundschaft zu wecken versuchen und immer wieder behaupten, dass sie nicht nur die allgemeine Kursentwicklung voraussagen, sondern gar den Markt schlagen können. Die von Paine Webber wie auch noch von einer Reihe anderer Wertpapierhäuser am Wochenende angeschlagene Rhetorik schien ihre Wirkung in den ersten zwei Handelstagen dieser Woche vorerst nicht zu verfehlen. Der Nasdaq Composite schnellte bereits wieder um atemberaubende 14,2% in die Höhe, angeführt von Titeln der «old new industrials» wie Cisco Systems oder Oracle, obwohl diese Unternehmen schwindelerregende Kurs-Gewinn-Verhältnisse von über 150:1 aufweisen.
Benjamin Graham (1894-1976), der als Vater der modernen Wertschriftenanalyse gilt und oft als der «Dean of Wall Street» verehrt wird, warnte oft davor, dass Aktienpreise «nicht vorsichtig berechnete Werte, sondern die Ergebnisse eines Durcheinanders menschlicher Reaktionen» seien. Kurzum: Der Bewertungsprozess bietet einigen Raum für Psychologie, Hoffnungen, Ängste und Moden der Marktteilnehmer. Bemerkenswert ist dabei, wie sich die Anleger immer wieder von einer Sehnsucht nach einer «New Economy» leiten liessen und unter diesem Vorzeichen Anlagetyps folgten, die sich letztlich als reine Luftschlösser entpuppten. In seinem neuen Buch, «Irrational Exuberance», dokumentiert der Finance-Professor Robert J. Shiller (Yale University), dass bereits an der Schwelle zum 20. Jahrhundert Hoffnungen auf eine neue Ära zu grossen Spekulationsblasen an der Börse führten und die Menschen in diesem sogenannten «Age of Optimism» bzw. in der «Cocksure Era» von einer glorreichen technischen Zukunft träumten.
Vom «Tronics»-Boom zur Biotech-Manie
Nach dem Börsenkrach von 1907 folgte dann in den zwanziger Jahren ein Börsenboom, der von einem Glauben an eine «new world of industry» und an eine «new world of distribution» getragen wurde. John Moody, der Gründer der nach ihm benannten Rating-Agentur, identifizierte 1928 ein «neues Zeitalter, . . . in dem sich die mechanistische Zivilisation . . . perfektionieren kann». Und nur zwei Wochen vor dem Börsenkrach von 1929 hielt dann der Ökonom Irving Fisher in New York seine berühmte Rede, in der er feststellte, dass «die Aktienpreise ein Niveau erreicht haben, das wie ein permanent hohes Plateau aussieht». Auch das Spekulationsfieber der fünfziger Jahre und der sechziger Jahre wurde erneut von Hoffnungen auf eine neue Ära geprägt. Bereits 1955 glaubte der damalige Schatzsekretär George Humphrey auch noch verkünden zu können, dass die Inflation vollständig besiegt worden sei. In der Kennedy-Ära wurde die «New Economy» gefeiert, in welcher «Geschäftsleute vernünftig die unbegrenzt fortlaufende Prosperität geniessen» können.
Zu den Börsenlieblingen der frühen sechziger Jahre gehörte alles, was nach Elektronik roch. Gemäss dem von Finance-Professor Burton G. Malkiel (Princeton University) verfassten Buch «A Random Walk Down Wall Street» herrschte der sogenannte «tronics boom»; die damaligen (und heute natürlich längst wieder vergessenen) Highflyer hiessen unter anderem Astron, Transitron oder Supronics. Nach dem Platzen der «Tronics»- Blase liessen sich die Anleger scharenweise für Konglomerate begeistern, denen grosse Synergien zugemessen wurden. Und nach dem Einbruch dieses Luftschlosses stürzten sich die Anleger auf Aktien von Firmen, die ein «gutes Konzept» vorweisen oder eine «gute Geschichte» erzählen konnten. Danach kamen Anfang der siebziger Jahre die sogenannten «Nifty Fifty» (die feschen Fünfzig) gross in Mode. Diese Gruppe umfasste Publikumsgesellschaften, die schon eine hohe Kapitalisierung aufwiesen, doch eine Geschichte mit einem hohen und stetigen Gewinn- und Dividendenwachstum vorweisen konnten. Und in den Achtzigern und Neunzigern gingen dann die Fieberschübe wieder verstärkt vom Technologiesektor (nicht zuletzt auch vom Bereich der Biotechnologie) aus.
Überschätzte Technologie?
Der an der Wharton School lehrende Finance- Professor Jeremy Siegel, der schon oft als Vater der heutigen Hausse gefeiert worden ist, hat nun aber in seinem Bestseller «Stocks for the Long Run» aufgezeigt, dass Aktien während der letzten 200 Jahre selbst unter Berücksichtigung der grosse Börsenkräche eine bessere Anlage als Staatsanleihen darstellten. Von dieser überlegenen Performance können indessen nur Anleger profitieren, die ein möglichst breit diversifiziertes Portefeuille mindestens 15 Jahre halten. Zudem warnt Siegel, dass «der Versuch der meisten von uns, (mit einer geschickten Aktienpickerei) den Markt zu schlagen, in einem Desaster ende». Wie schwierig und riskant selbst die Auswahl «erprobter» Wachstumstitel ist, demonstriert die Entwicklung der bereits zitierten «Nifty Fifty». Diese Gruppe brachte es zwischen 1972 und 1997 (bei einer vorübergehend starken Kurserosion bis 1980) gerade noch knapp auf eine mit dem S&P-500-Index vergleichbare Performance; und das war erst noch nicht etwa den Technologiewerten unter den «Nifty Fifty» zu danken, die auf dem Höhepunkt von 1972 weit überdurchschnittlich hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 90:1 (Polaroid), 56:1 (Digital Equipment), 46:1 (Xerox) oder von 36:1 (IBM) aufwiesen. Diese Titel waren vielmehr starke «Underperformer». Die effektiven Gewinner waren Konsumgüterkonzerne wie Philip Morris, Gillette oder Coca-Cola; zur Erzielung eines immer noch mit dem S&P 500 vergleichbaren Ertrags hätten diese Titel 1972 zwei- bis dreimal höher bewertet werden sollen und damit die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Technologiewerte aufweisen sollen . . .
Neue Zürcher Zeitung, 20. April 2000
Wer ist «schuld» an der Kursvolatilität?
Bisher reagieren Kleinanleger gelassen
Die Volatilität an den US-Börsen hat in den letzten Wochen Rekordhöhen erreicht. Die Erklärungsansätze dafür sind vielfältig. Die Theorie, dass kurzfristig agierende Kleinanleger die Berg-und-Tal-Fahrt beschleunigt hätten, hält einer genaueren Betrachtung jedoch nicht stand. Es waren vor allem die Grossinvestoren, die Aktien auf den Markt warfen.

An den amerikanischen Aktienmärkten hat die Kursvolatilität bereits seit längerem stark zugenommen - und nicht erst seit der vergangenen Woche, als der technologielastige Nasdaq-Composite-Index einen rekordhohen Verlust von 25,3% erlitt, um dann in den vier Handelstagen vor Karfreitag bereits wieder um 9,7% zuzulegen. Im bisherigen Jahresverlauf schwankte der Nasdaq Composite an mehr als der Hälfte aller Handelstage um mehr als 2%; im letzten Jahr hatte diese Quote 25% der Handelstage betragen. Nicht nur die Technologie-Aktien schwanken stark. Auch im Blue-chip-Sektor ist seit längerem eine Erhöhung der Volatilitäten feststellbar. Der Anteil der Handelswochen mit einer Schwankung des S&P 500 um mehr als 3% hat sich von einem Tief von zwei, drei Prozent Mitte der neunziger Jahre bereits auf rund 30% erhöht, das höchste Niveau seit den siebziger Jahren. Welches sind die Ursachen dieser verschärften Volatilität?
Verunsicherung bezüglich Tech-Aktien
Ein Grund könnte sein, dass sich die Anleger auf eine gewisse Verschlechterung der Wirtschaftslage einstellen. Viele Wall-Street-Ökonomen bezweifeln indessen, ob der Aktienmarkt ein zuverlässiger vorauseilender Konjunkturindikator sei. Das gilt besonders mit Blick auf den Börsenkrach von 1987, dem keine Rezession folgte. Die US-Wirtschaft ist in Glanzform. Der Teuerungsschub im März wird von vielen Analytikern bloss als Ausrutscher qualifiziert. Die hohen Kursschwankungen könnten sodann schlicht mit den ungewöhnlich hohen Aktienpreisen zusammenhängen und eine grosse Unsicherheit der Anleger bei der Bewertung der einzelnen Titel reflektieren. Besonders im Technologiesektor, der einem rasanten Wandel unterworfen ist, ist es schwierig, den Wert von Gesellschaften festzustellen.
In letzter Zeit ist die wilde Berg-und-Tal-Fahrt auch oft der Hektik der Day trader und anderen privaten wie auch institutionellen Investoren angelastet worden, die einen höchst kurzfristigen Anlagehorizont aufweisen, auf Pump Aktien kaufen und sich nicht in erster Linie an den Fundamentaldaten orientieren, sondern dem «Momentum-Investing», dem extrem kurzfristigen Ausnutzen von Kursbewegungen, huldigen. Das Internet hat zu einer starken Senkung der Transaktionskosten geführt und damit solche Strategien preisgünstiger gemacht. Daneben werden aber auch über die elektronischen Medien Informationen rasch verbreitet. Diese Nachrichten können nicht immer sofort eingeordnet werden. Das könnte ein Grund dafür sein, dass Aktienkurse auf die Bekanntmachung gewisser Informationen hin oft zunächst überschiessen und dann zumindest einen Teil der Bewegung wieder korrigieren.
Ron Chernow, ein Wirtschaftshistoriker, monierte dieser Tage in einem Kommentar in der «New York Times», dass die letzten Wochen «die dunkle Seite der Demokratisierung an der Wall Street» offengelegt hätten. Dabei suggerierte er, dass der Markt zunehmend von Amateuren statt wie in früheren Zeiten von Profis dominiert werde. Das ist eine zu einseitige Darstellung. Bemerkenswert ist, dass sich die meisten Kleinanleger von den jüngsten Turbulenzen kaum aus der Ruhe bringen liessen und vorab institutionelle Investoren hinter den massiven Verkaufswelle standen. Die Kleinanleger schienen sich teilweise an den Krach von 1987 zu erinnern, der sich als die grösste Kaufgelegenheit des Jahrzehnts entpuppt hatte. Schon damals hatten vorab die «Profis» das Geschehen bestimmt (u. a. mit dem Programmhandel usw.). Aktienanlagefonds haben bisher verblüffenderweise kaum erhebliche Abzüge von Kapital registriert. Und pikanterweise wurde der Verkaufsdruck letzte Woche noch durch Fondsmanager verstärkt, die aus Furcht vor Kapitalabflüssen Titel verkauften.
Rolle der Day trader überschätzt
Auch die Rolle der Day trader wird oft übertrieben dargestellt. Institutionelle Anleger dominieren den amerikanischen Aktienhandel weiterhin zu 90%, wie Burton G. Malkiel von der Princeton University betont. Und Fondsmanger übten sich in letzter Zeit selber zunehmend im «Momentum»-Handel, während die Investmentbanken mit ihrem «Research» den Heisshunger des Publikums auf «New economy»-Titel während der letzten Jahre oft selber stark angeregt hatten. Der Anteil der ungefähr 7000 Day trader am Handel wurde von der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC zuletzt auf rund 5% geschätzt. Umstritten ist auch, ob die Effektenkredite (Margin debt) die allgemeine Volatilität wesentlich erhöht haben. Diese Verschuldung nahm zwar während der letzten Monate massiv zu und war ein guter Indikator für das Spekulationsfieber; doch selbst auf ihrem unlängst registrierten Rekordstand entsprach die Margin debt erst 1,5% der Kapitalisierung aller US-Gesellschaften. Schuldner, die am letzten Freitag ihre Nachschusspflichten erfüllen mussten, waren, wie ein Analytiker von Salomon Smith Barney feststellte, kaum die Auslöser, sondern nur noch einer der Faktoren, welche die Baisse am Freitag nachmittag verschärften.
Neue Zürcher Zeitung, 22. April 2000
Alt + neu = Kursgewinne
Nach den Börsenturbulenzen: Anleger sollten nicht nur in die New Economy investieren Von Gerhard Landert
Die Roulettestrategie, an der Börse wie im Casino auf Rot oder Schwarz, sprich High-Tech oder Low-Tech zu setzen, trieb während der vergangenen Wochen bunte Blüten. Unternehmen, die noch bis Mitte der neunziger Jahre hoch in der Gunst der Anleger standen, sind nicht mehr gefragt. Die Börsenkapitalisierung des virtuellen Wunders Yahoo mit einem Jahresgewinn von bescheidenen 60 Millionen Dollar war zeitweise fast doppelt so hoch wie die des langweiligen Weltkonzerns General Motors, der ein Ergebnis von 6 Milliarden Dollar ausweisen konnte. Die zwölf größten Telekommunikationsgesellschaften der Welt sind an der Börse insgesamt 2600 Milliarden Euro wert - fast das Dreifache der 30 Dax-Werte. Werte aus dem Technologie-, Telekommunikations- und Softwaresektor bringen insgesamt 40 Prozent der Kapitalisierung des breiten C-Dax mit gut 700 Unternehmen auf die Waage.
Die im Nasdaq zusammengefassten US-Technologiewerte hatten 1989 einen Wert von 390 Milliarden Dollar, im vergangenen Monat waren es kurzzeitig 6000 Milliarden Dollar. Das
Gerhard Landert, Inhaber einer Research-Firma in Zollikon bei Zürich, ist als Finanzberater und Vermögensverwalter tätig
Kurs-Gewinn-Verhältnis nahm in derselben Zeit von 20 auf 210 zu. Blühende Fantasien von High-Tech-Unternehmen ließen sich an der Börse besser verkaufen als müde Fakten ebenso rentabler wie langweiliger Multis aus traditionellen Branchen. Hätte man Anfang 1999 sein Aktienvermögen gleichmäßig auf sieben Blue Chips der alten Garde wie Coca-Cola, Merck und Xerox verteilt, hätte man bis heute einen Kursverlust von 20 Prozent hinzunehmen. Ein Depot von sieben Unternehmen der neuen Welt wie Microsoft, Intel, Cisco hätte dagegen einen Gewinn von 100 Prozent eingefahren (Grafik). In Deutschland gilt ein ähnliches Muster: Finanz- und Chemietitel notieren nicht höher als im Sommer 1998, die Autowerte gar deutlich im Minus, während sich der Technologiebranchenindex mehr als verdreifacht hat. Die Shootingstars von gestern sind zu Ladenhütern verkommen, der positive Trend bei Weltmarken wie Gillette, McDonald`s und Philipp Morris hat sein Ende gefunden. Mit den Lieblingen von gestern wurden auch Anlagelegenden wie Julian Robertson und Warren Buffet den Bach der Old Economy hinuntergespült. Erstklassige Value-Fondsmanager der alten Garde wurden entlassen. Offenbar glaubt die Anlegergemeinde, dass die Welt nur noch digital und völlig neu erfunden wird.
Mit den jüngsten Börsenturbulenzen dürfte es kaum jemandem entgangen sein, dass auch im Wunderland der Technolo- gie-, Software- und Telekommunikationsaktien die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Eine Umorientierung zurück zu Qualitätsaktien, zu traditionsreichen Blue Chips hat schon vor ein paar Wochen eingesetzt, und die Kurse der neuen Börsenlieblinge sind unter die Räder gekommen. Eine Prognose lässt sich allein aus diesen Beobachtungen natürlich nicht basteln. Hilfreich scheint mir aber die Erkenntnis kritischer Anlageexperten, dass 90 Prozent aller Unternehmen der Old Economy auch in zehn Jahren noch Gewinne machen werden, während 90 Prozent der heutigen Gassenhauer bis dahin durch Fusion oder durch Firmenpleiten verschwunden sein dürften. Mit der Zeit wird sich die Spreu vom Weizen trennen.
Die Titel der neuen Ära gehören dennoch in ein vernünftig zusammengesetztes Depot. Der Kleinanleger ist aber gut beraten, eher auf Technologiefonds oder Branchenzertifikate zu setzen als auf hochgejubelte Einzeltitel. Denn trotz der jüngsten Korrekturen werden noch immer viele Titel zum Hundertfachen ihres Jahresumsatzes gehandelt, obgleich sie noch nie einen Pfennig Gewinn abwarfen. Jede Fantasie findet dort ein Ende, wo sich relativ einfach ausrechnen lässt, dass einem Unternehmen bald das Geld ausgehen wird. Firmen von dieser Sorte gibt es mittlerweile recht viele. Die Gratismahlzeit dank Internet-Aktien gehört langsam der Vergangenheit an. Aber dass mit den neuen Technologien eine Welt geschaffen wird, in welcher sich noch viel Geld verdienen lässt, ist ebenso unbestritten. Eines sollte jedoch niemand vergessen: der wichtigste Kunde der New Economy ist die traditionelle Wirtschaft. Das Wohlergehen beider Welten ist miteinander verknüpft - wer das nicht berücksichtigt, wird beim Börsenroulette schnell zu den Verlierern gehören.

Gerhard Landert, Inhaber einer Research-Firma in Zollikon bei Zürich, ist als Finanzberater und Vermögensverwalter tätig.
Analysten: Das Glas ist halb voll des Bären-Honigs ...

Ist das Glas halb leer oder halb voll? Wenn es nach den Heerscharen von Anlegern geht, die vom Neuen Markt angelockt wurden, scheint das Börsen-Glas zur Zeit ein Honigglas für die Bären zu sein. Und das ist randvoll.

Der verebbende Handel am Neuen Markt gibt Zeit, sich mit den realen Daten auseinander zu setzen – und die sind doch gar nicht so schlecht, oder? Zurückgehende Arbeitslosigkeit, geringe Inflation, ein schwacher Euro, der den Export stützt, ... .

Das hat die Börsen beflügelt; der Neue Markt stieg seit Anfang diesen Jahres um immerhin 26,51 Prozent, während die meisten Börsen konsolidierten: Nasdaq –16,69 Prozent, Dow Jones – 7,57 Prozent, Thailand „korrigierte“ um 28,74 Prozent und auch der Nikkei-Index verlor 10,97 Prozent.
Warum ist es so schwer, das Glas als halbvoll zu betrachten? Nach der vorhersehbaren Pleite der ersten Dot.Com-Companie werden die Technologiewerte gemieden wie die Pest. Mit Auftauchen eines Internet-Virus ist das Netz der Netze plötzlich keine neue Kulturtechnik mehr, sondern wird als gefährlich wahrgenommen.
Alles Börsenpsychologie und zu dieser haben wir einige Analysten befragt, so zum Beispiel Heiko Bieneck (Independent Research), Dr. Gertrud R. Traud (Bankgesellschaft Berlin) und
Karsten Jansing (Hornblower Fischer).
Im Oktober waren kurzfristig Fundamentaldaten gefragt
Die ganze psychologische Entwicklung hat Heiko Bieneck, Chefanalyst der unabhängigen Independent Research aus Frankfurt, im Blick. Er sah schon beim Tiefpunkt des letzten Jahres im Oktober den Trend zu mehr Fundamentalität im Neuen Markt. „Unternehmenszahlen wurden wieder wahrgenommen, nicht jede Neu-Emission gezeichnet und es wurde nach den wirklich guten Storys gesucht,“ beschreibt der Profi.
Auslöser für die imposante Kurs-Rallye war dann die plötzlich verschwundene Zinsunsicherheit, nach dem die FED die Zinsen erhöht hatte – die Hausse nährte die Hausse. „Es war eine richtige Goldgräberstimmung,“ erinnert sich Heiko Bieneck.
„Wenn ein Unternehmen mit einem Umsatz von 6 Mio. Euro vorbörslich mit über 2 Mrd. Euro bewertet wird, dann kann etwas nicht stimmen – das war nicht gesund,“ so der Analyst weiter.

T-Online war kein Wendepunkt ...
„Im Vorfeld der T-Online Emission schienen für mich schon alle negativen Vorzeichen in den Markt eingepreist zu sein. Die Emission wurde gut angenommen und auch die Entwicklung der Aktie war gut,“ so Bieneck weiter. „Jetzt stehen wir kurz vor einem Sell Out,“ schätzt der Neue Markt Experte ein. Der Markt würde wieder nach den Fundamentaldaten schauen und zum Beispiel Aktien wie Mühlbauer, Singulus und Technotrans näher betrachten. „Diese haben auch der Konsolidierung widerstanden,“ sieht Bieneck Qualität in diesen Titeln.

Es werden keine Nachrichten mehr wahrgenommen ...
„Nur die Marktunsicherheit ist sicher,“ beschreibt Dr. Gertrud R. Traud, leitende Analystin und Neue Markt Expertin bei der Bankgesellschaft Berlin, die jetzige Marktpsychologie.
Meldungen würden nicht mehr wahrgenommen, Infos spielen ihrer Beobachtung nach keine Rolle mehr. „Es ist wie bei einer Speisekarte, bei der man auch überlegt und seine Favoriten ständig neu gewichtet. Man entscheidet sich also um, obwohl keine neuen Informationen dazu gekommen sind,“ fasst Dr. Traud zusammen.
„Es müsste sich nur ein „Börsenguru“ wieder euphorisch äußern,“ vermutet Gertrud Traud.

Die schlechte Stimmung führt Sie auch auf die überzogene Erwartungshaltung so mancher Privatanleger zurück: „Die Vorstellung, dass nach einer Woche weniger als 15 Prozent Plus gemacht wurde, frustriert so manchen Anleger!“
Die Chance sieht Sie in einer konsequenten Analyse der Storys. „Singulus und STEAG Hamatech kann man fast schon als traditionelle Maschinenbauer betrachten – nur eben für die modernen Medien,“ hat Sie ebenfalls konkrete Empfehlungen parat.
Woher kommt die Initialzündung?
Karsten Jansing vom Bankhaus Hornblower Fischer sieht als Voraussetzung für einen Anstieg eine „Initialzündung in Form von überraschenden Daten“. Doch aus den USA ist in nächster Zeit nicht viel zu erwarten: Die weiteren Sitzungen der Federal Reserve Bank sind für den 27. und 28. Juni angesetzt – und damit noch in weiter Ferne. Ob dies die am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturzahlen rausreißen können?
I N T E R N E T – A K T I E N

Vom Traum zur Realität



Winzige Internet-Unternehmen waren an der Börse schon genauso viel wert wie gestandene Dax-Größen. Doch wie der jüngste Kursrutsch zeigt, gelten für „New -“ und „Old-Economy“ die gleichen Gesetze.



Nach dem zu Beginn des Jahres nahezu alle Internet-Aktien nach oben schossen, geraten sie nun zunehmend unter Druck. Prominentes Opfer: Boo.com, eines der ehrgeizigsten europäischen E-Commerce-Gründungen der jüngsten Zeit. Die Kurse der Internet-Unternehmen befinden sich seitdem im freien Fall. Einige Analysten befürchten nun, dass Europa den Beginn einer Pleitewelle der Internet-Branche sehen wird.

Dabei hatte das britische Unternehmen nur die gleichen Probleme wie viele in der Branche: die Deckung der hohen Anlaufkosten. Doch der lange Atem fehlte diesmal – potenzielle Investoren, darunter Adidas-Salomon, zogen sich zurück. Zudem fließt das Geld aus dem Kapitalmarkt nicht mehr so zu wie bisher. Grund: Viele Anleger fürchten weitere Leitzinserhöhungen, die sich besonders auf die Kurse der Wachstumswerte auswirken. Zudem sinkt nach und nach das Vertrauen in die Internetwerte. Es mehren sich Stimmen, dass nur jede vierte oder fünfte am Markt vertretene Internet-Gesellschaft überleben wird.

Erfahrene Analysten gehen schon seit längerem selektiver vor. „Institutionelle Anleger kaufen längst nicht mehr alles“, stellt der Börsen-Stratege Volker Borghoff von der DG-Bank fest, „sondern sie streuen in die guten Werte.“ Kritisch sind vor allem Unternehmen aus dem E-Commerce-Bereich zu bewerten: „Hier wird es beispielsweise bei den Unternehmen ganz eng werden, die sich nur mit Werbung finanzieren.“ Bessere Aussichten haben laut Borghoff dagegen Unternehmen aus den Segmenten Software, Internet-Infra-Struktur oder Internet-Sicherheit.

Dass das Internet in den kommenden Jahren die Volkswirtschaften nachhaltig verändern wird, bezweifelt niemand mehr. Wer dann die richtige Plattform anbieten kann, ist fein raus. Und wer die richtige Übernahme plant und vornimmt, hat einen weiteren Trumpf im Ärmel. Die Großen der Branche wie Sun, Intel, Microsoft, Yahoo oder Cisco gelten daher weiter als langfristig gutes Investment.
Der Ball bleibt rund
Die New Economy ist wie ein neues Spielsystem im Fußball - die Spielregeln aber ändern sich einstweilen nicht Von Wolfgang Uchatius
Wirtschaft funktioniert manchmal wie Fußball. Vor etwas mehr als zehn Jahren erfand der Trainer des AC Mailand ein neues Abwehrsystem mit Raumdeckung und stürmenden Verteidigern. Indem er dieselben Spieler neu gruppierte, brachte er sie dazu, mehr Tore zu schießen. Ein Ökonom würde sagen: der AC Mailand hat seine Produktivität erhöht - mit demselben Input erzielte er einen höheren Output. Und was für einen! Die Mannschaft wurde zur besten in Europa. Niemand sprach damals von New Soccer, aber die Experten waren sich einig: der AC Mailand hatte das Fußballspielen neu erfunden.
Heute, scheint es, erleben wir Ähnliches in der Ökonomie. Das Internet ist so etwas wie ein neues Spielsystem. Zulieferer, Produzenten und Konsumenten vernetzen sich. Obwohl dieselben Leute in denselben Firmen dieselben Produkte für dieselben Kunden produzieren, läuft plötzlich alles effizienter. Schon behaupten Experten, die Wirtschaft würde neu erfunden so wie Ende des 19. Jahrhunderts, als elektrisches Licht und Verbrennungsmotor den Kapitalismus beschleunigten. Bisher galt der Satz "Kein Wachstumsschub ohne Inflation" als ökonomisches Gesetz. Nun aber geht in den USA, wo schon fast jeder zweite Haushalt am Internet hängt, der Aufschwung ins zehnte Jahr - ohne dass die Preise in gewohnter Weise steigen. Offenbar können die Unternehmen dank Computer und Internet bei unverändertem Aufwand immer mehr Waren produzieren und müssen so auf gewachsene Nachfrage nicht mit Preiserhöhungen reagieren. Die New Economy hat begonnen.
Bis vor ein paar Tagen. Da erhöhte die amerikanische Notenbank die Leitzinsen und sprach von wachsender Inflationsgefahr. Offenbar traut man der New Economy doch nicht allzu viel zu. Wenig später ging die Online-Boutique Boo.com Konkurs, worauf die Aktienkurse der Internet-Unternehmen einbrachen. Der Glaube an das neue Spielsystem ist erschüttert. Haben sich die Propheten der New Economy geirrt? Sind Computer und Internet gar keine Produktivitätsmotoren?
Die Frage sollte sich leicht beantwor- ten lassen. In den USA stieg die Produktivität seit 1995 um durchschnittlich 2,25 Prozent pro Jahr (ohne Landwirtschaft). Ist das viel? Durchaus. Zwischen 1972 und 1995 lagen die Steigerungsraten bei 1,71 Prozent. Ist damit die These von der Neuen Ökonomie belegt? Keineswegs. Sieht man sich die Zahlen genauer an, entdeckt man, dass die Produktivität nicht in allen Branchen wuchs, auch nicht in solchen, die Computer nutzen, sondern vor allem in jenen Firmen, die Computer produzieren. Dort allerdings so stark, dass dies auf die gesamtwirtschaftlichen Zahlen durchschlug. Das ist ungefähr so, als würde nicht eine ganze Fußballmannschaft plötzlich besser spielen, sondern lediglich ein Spieler, zum Beispiel der rechte Mittelfeldmann. Könnte man dann sagen, das Team habe den Fußball neu erfunden? Kaum.
Eine Frage aber bleibt: Jedes Jahr geben amerikanische Unternehmen Hunderte Milliarden Dollar für Computer und Software aus. Warum machen sie das, weshalb vernetzen sich Firmen, wenn sie dadurch nicht produktiver werden? Wer das merkwürdig findet, hat Recht. Wirtschaftswissenschaftler nennen es das Solow-Paradoxon nach dem amerikanischen Ökonomen Robert Solow, der schon vor Jahren sagte: "Man kann das Computerzeitalter heutzutage überall sehen - nur nicht in der Produktivitätsstatistik."
Es gibt drei mögliche Lösungen für diesen Widerspruch. Erstens: Die Zahlen sind unzuverlässig. Tatsächlich hat das amerikanische Bureau of Economic Analysis kürzlich seine Messmethode revidiert. Nur, nach dem alten Maßstab waren die Produktivitätssteigerungen noch geringer.
Die zweite mögliche Antwort ist etwas komplizierter. Vereinfacht lautet sie: Die wenigsten Leute kaufen mehr Bücher, nur weil man die jetzt bei Amazon.com im Internet bestellen kann. Sie gehen nur seltener in Buchhandlungen. Diese wiederum werden dadurch gezwungen, ebenfalls ins Internet zu investieren, um ihre Marktanteile zu halten. Um denselben Output zu erzielen, haben sie also einen höheren Aufwand als zuvor. Die Produktivität steigt nicht, sie sinkt.
Natürlich gehen auch Unternehmen ins Internet, die nicht von Online-Konkurrenten getrieben werden. Aber sie benutzen das Netz meist als Zusatzmedium. Traditionelle Kommunikationswege bleiben bestehen. Auch diesen Firmen entsteht also zunächst nur höherer Aufwand, ohne dass sie mehr Produkte verkaufen. In ein paar Jahren mag sich das ändern. Dann mag das Internet tatsächlich Faxgeräte, Kataloge, Zwischenhändler nicht nur ergänzt, sondern ersetzt und die Effizienz erhöht haben. Das führt zur dritten möglichen Lösung des Solow-Paradoxons: der "Verzögerungshypothese" des amerikanischen Wirtschaftshistorikers Paul David. Auch Elektrizität und Verbrennungsmotor haben sich mit Verspätung auf die Produktivität ausgewirkt. Genauso könnte es sich mit dem Internet verhalten. Könnte. Muss es aber nicht. Autos und elektrische Maschinen waren anfangs sehr teuer und anfällig, deshalb verbreiteten sie sich viel langsamer als das World Wide Web. Die New Economy bleibt also ein Konjunktiv. Noch ist die Ökonomie die alte.
Analysten sehen schwarz für Online-Marktplätze
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Mehrheit der Internet-Marktplätze im Bereich Business-to-Business (B2B) wird innerhalb der nächsten zwei Jahre scheitern und von der Bildfläche verschwinden. Zu dieser finsteren Prognose kamen Analysten und E-Commerce-Manager auf der Konferenz der Association of Strategic Alliance Professionals Summit (ASAP), die derzeit von Andersen Consulting, Lucent Technologies und Unisys in San Franzisko ausgerichtet wird. Die wesentlichen Gründe für den Misserfolg der Online-Marktplätze liegen nach Ansicht der Analysten zum einen darin, dass Kartelluntersuchungen die Inbetriebnahme behindern und verzögern werden. Zum anderen bestehe die Gefahr, dass E-Commerce-Firmen und deren Kunden sich gegenseitig die IT-Spezialisten abjagten.
Zwar werde derzeit viel Wind um immer neue Handelsplattformen gemacht, von allen in den vergangenen zwölf Monaten angekündigten Online-Marktplätzen sind jedoch 85 Prozent noch nicht ans Netz gegangen. Barbara Babcock, President of E-Business-Services bei Unisys, bezweifelt, dass die meisten Unternehmen die 18- bis 24-monatige Planungsphase überhaupt überstehen. Dieser rund zweijährige Prozess sei so chaotisch, dass Mitarbeiter in Scharen abspringen würden. Eine weitere Analysten-Prognose untermalt die Kassandrarufe der E-Commerce-Experten: Von rund 400 öffentlich gehandelten Internet-Firmen werden in diesem Jahr nur zwölf Profit abwerfen.
Letztendlich werden sich die Unternehmen der Old Economy ins Fäustchen lachen, so die Meinung einer Analystin von Goldman Sachs. Sie hätten gute Chancen, IT-Experten in ihre eigenen B2B-Einheiten zu locken, weil sie statt mit dem vagen Versprechen auf Aktienoptionen sofort mit hohen Gehältern aufwarten könnten. Im Extremfall wäre es sogar möglich, dass die alten Industriegrößen die B2B-Provider schlichtweg aufkaufen. "Das Imperium hat zurückgeschlagen", lautet das Urteil der E-Commerce-Analystin.
Hallo Defense
Falls es dich interessiert. Ich habe dazu einen Kurzkommentar im Thread von Rodriguez "Commerce one:langfristig der beste B2B-Wert überhaupt" 00:03:05 abgegeben.
Da siehst du auch den Link auf den amerik. Originaltext. Ich möchte die Diskussion über Marktplätze hier nicht aufrollen, da das Thema bereits im Internet-Thread ausführlich diskutiert wurde/wird.
Diese angeführten Argumente sind uralt und schon x-fach widerlegt bzw. relativiert.
Wenn sich viele "schlaue" Analysten treffen, kommen sie noch lange nicht zu schlauen Schlußfolgerungen.
Grüße
Andy
Hallo Riddick,

Deine Definition des Profis, der vom Selbstanlegen lebt, gefällt mir.

Ab einem gewissen Anlagebetrag dürfte es allerdings kein Problem sein,
vom Selbstanlegen zu leben. Dann nämlich, wenn der jährliche Zuwachs
des Buchwertes auch bei börsenwidrigen Märkten höher ist, als das was
man bei seinem individuellen Lebensstil ausgeben kann.

Es gilt also, diesen Anlagebetrag abzuschätzen, und wenn man ihn nicht hat,
Strategien zu entwickeln, wie man mit "Kleingeld" diesen Zielbetrag erreicht.

Derjenige, der auf dem Weg zum Zielbetrag ist, ist kein Profi, da er ja noch nicht davon leben kann.
Derjenige aber, der den Zielbetrag erreicht hat, wird schlagartig zum Rentner...

Wo also ist der Profi?
Das kann demnach nur einer sein, der den Zielbetrag nochnicht erreicht hat,
aber trotzdem vom Anlegen leben kann. Das wären dann wohl die Trader,
die im Sinne eines Selbständigen vom Tagesgeschäft leben.
Aber auch dazu braucht man erstmal "Eigenkapital".

Nun geht`s von vorne los: Der Eigenkapital muß entsprechend des Lebenstiles
und der börsenwidrigkeiten bemessen werden.

Gruß
Forticus
Hallo,
im Spiegel ist ein Lehrbuch-Beispiel, warum man
den Angaben von Analysten, Boersenbriefen und Redakteuren von Zeitungen immer und ohne Ausnahme mißtrauen sollte- siehe Seite 98 Thema Aktien
Der ehemalige Chefredakteur für die Rubrik "Geldanlage", Marian
von Korff vom Focus, hat parallel mehrere Fonds betrieben und massiv seine eigenen Aktien gepusht .

Gruss Defense
Investors Who Trade Too Much

By Laurel Kenner and Victor Niederhoffer, Columnists

Musings on daytraders and some readers` views on the subject, too.

``The experience of years as a stock operator has convinced me that no man can consistently and continuously beat the stock market though he may make money in individual stocks on certain occasions.``
`200`` Reminiscences of a Stock Operator, Edwin LeFevre (the memoirs of trader Jesse Livermore).

``My life has been a failure,`` wrote Jesse Livermore in an eight-page suicide letter before blowing his brains out in the men`s room of the Sherry-Netherland Hotel in 1940.

Well-meaning people often tell Vic by telling him that his Education of a Speculator was the most helpful book they`ve ever read, aside from Livermore`s Reminscences of a Stock Operator. Nothing could be more horrifying. Livermore, the hero of modern day traders, had gone bust four times and committed suicide after finding himself at the wolf`s point once more. His method of trading in and out often during the day made it guaranteed to happen.

After rewarding investors last week with the greatest Nasdaq rally in history, the mistress of the markets is toying with her devotees this week, subjecting them to small torments of dread. Rather than indulge the moment-to-moment whims of the market mistress or pay more than our fair share of the vigorish that keeps the wheels of the securities industry turning, investors should take this relatively windless stretch in the market to reflect on the temptation to overtrade.

We`re not necessarily talking about daytrading, although that certainly fits into this class of temptation. While technological advances and regulatory change over the past four years have made daytrading a booming industry, and we all probably know somebody who does it for a living, relatively few people have joined the long-time practitioners -- the ``locals,`` market makers and exchange specialists -- as pure daytraders.

But we suspect that many people trade too much. Certainly we`re doing it more than we used to. Even a staid auto stock like Ford (NYSE:F - news) traded more than half its float last year, and if the present rate holds, that will rise to 75% this year.

This is a controversial subject, and we welcome comments. Our own belief, based on probability, is that the best bet is to buy and hold. The market has inexorably risen over the past two centuries, and investors can expect a reward of 10% to 12% a year simply for holding a broad-based group of stocks.

The more one trades, the greater the bite from commissions, spreads and state, federal and city taxes `200`` not to mention overhead for data feeds, software, computers `200`` and the closer one gets to a zero sum game. In the long run, the house holds the edge over short-term traders just surely as it does with the slot machine and craps players in Las Vegas.

Reader Views
We asked our readers for their views and as always, found them well worth sharing. We begin with a tale from a psychologist who is a student of the markets.

A client sought help when his relationship with his wife suffered after he adopted daytrading as a career and found himself going through the highs and lows of taking profits and losses on volatile stocks. Last Friday, he came early to an appointment and noticed that the psychologist`s computer was on, with four windows following the markets. When he saw the computer, he ran over to it and pronounced in a manner of absolute certainty: ``The market will close strong.`` Then, in an unusually animated tone, he exclaimed, ``I`ve got to get home and place some trades!``

The client ``had missed the four-day upturn in the market,`` the psychologist wrote. ``He wasn`t trading a tested strategy or pattern. And he wasn`t trading to make money. He was wanting to trade so that he wouldn`t feel like he had been on the sidelines the entire time.``

Hypertrading reminds reader Leonard Kreicas of the old Walt Disney cartoon where mild-mannered Goofy becomes a homicidal maniac in a car. ``We all see the front-page headlines on lottery winners,`` writes Kreicas, a retired chemist who learned years ago to profit from the power of compounding in his long-term investments. ``That`s not by chance. The lotteries, tracks and brokerage houses all spend a fortune encouraging people to risk their money. Given enough time, the house wins.``

Even successful traders are subject to a peculiar psychology that renders them in far more need of constant validation than the buy-and-hold investor, observes reader Mark McNabb, a professor at Virginia Tech University: ``If you win on a trade, it boosts confidence and swagger; the day seems more sunny, people are funnier. If you lose, either you disassociate or sulk or ignore, and optimistically wait for the next trade to resolve itself.``

Reader James Goldcamp points out: ``The need to watch the market tick by tick may crowd out other useful activities like research, planning, and reflection. However, if these activities are moved to after hours, then family and friends could be crowded out.``

Or as one of the smartest traders we know, who happens to work for a major Nasdaq market maker, says: ``Anyone who spends all day watching NASD-Level II display deserves what he gets. Bad karma. Should be outside hiking in the fresh spring air instead.``

Good for the Market, Bad for Themselves
Omid Malekan, a Columbia University student, gave us an excellent analysis based on his own experiences as an active trader:

``My view of day traders is this: They are good for the markets and bad for themselves. Day traders add liquidity to everything, cut spreads, limit the house`s take on the spread and make it easier for the rest of us to get a half-decent price. They have brought lots of competition into the brokerage industry. As more brokers cut prices and compete to gain the hypertraders` business, everyone else who trades or invests benefits.

``Here are the negatives: If you think you are going to make thousands on every trade you don`t care about 50 bucks in commissions. But most people don`t make thousands. Point being you rarely get paid, the house always gets paid, and when you have a couple of thousand day traders doing couple of thousand shares a day, that`s a lot of money made in $7.99 commissions and eighth-point spreads. Like the old Iranian proverb says, `Drop by drop an ocean can be made.`

``The smaller your time frame, the more random things become. If you are trying to get in for a point in the next 10 minutes, a huge sell order by some big fund makes a difference, but if you expand your time horizon to a month, that sell order becomes a blip.

``Sometimes things are too confusing and you are better to stay out. This is much easier to do if you are a side speculator who actually has a day job to keep you busy. But if you make your living off trading and are staring at the screen all day every day, it`s a lot harder to prevent yourself from trading for the sake of trading.

``These are my thoughts on the matter, and I can honestly say that they are for the most part based on what I and friends of mine have experienced about daytrading, unlike the media which has a tendency to find some obscure report by someone and blow it up.``

Escape in a Pine Box
It`s not a coincidence that Jesse Livermore ended his life by blowing his brains out. Writing in 1870, William Worthington Fowler noted that all the speculators he knew had met a similar fate. ``When they have entered the Street, they never leave it except in a pine box or a rosewood case, according to circumstances.``

There`s another approach to trading that some of our readers believe is guaranteed to lead to success rather than failure. It depends on buying leading stocks such as Cisco Systems (nasdaq:CSCO - news), EMC (NYSE:EMC - news), Sun Microsystems (Nasdaq:SUNW - news), Intel (Nasdaq:INTC - news), Oracle (Nasdaq:ORCL - news) and Hewlett-Packard (NYSE:HWP - news). More in tomorrow`s column.

Laurel Kenner is a financial writer in New York City. During her 16-year career, she has reported on police, politics and aerospace, and most recently headed U.S. stock market coverage at Bloomberg News.

Victor Niederhoffer is a private speculator specializing in futures and options trading. He formerly managed money and hedge funds, and had one of the best records until turmoil in Asian markets in 1997 caused financial disaster. He is the author of best-selling The Education of a Speculator. His hobbies include music, electricity, sports and ecology, all of which form a foundation for his scientific speculation.
hallo joe rocket,

danke für den artikel zu day trading!
hast du einen link zum original?

schnauff
Abby Cohen ist optimistisch
Abby Cohen, die Staranalystin bei Goldman Sachs war gestern in einer Rede äußerst optimistisch für die Kursentwicklung des restlichen Jahres gesimmt. Ihrer Ansicht nach habe die FED die Zinsen im Griff und man müsse sich keine Sorgen machen.
Für Jahresende sieht sie den Dow Jones bei 12.600 Punkten, den S&P bei 1.575 Punkten. Cohen ist vor allem auch sehr optimistisch was die weitere Entwicklung der Small und Mid Caps angeht. Ihrer Meinung nach sind gerade diese Aktien besonders wertvoll.
21.06.00 08:57 -jo-
S T A R T - U P - S T E R B E N
Stunde der Wahrheit

Gewinne? Fehlanzeige! Zukunftsaussichten? Ungewiss! Jetzt rächt sich, dass die jungen Internet-Firmen die Regeln der Alten Wirtschaft ignorierten.


Carlos Santana im Sonderangebot. 30 Prozent unter Ladenpreis verscherbelt Jason Olim "Supernatural" ­ die Hit-Scheibe ­ im Internet. Mit sensationell günstigen Preisen baute der Vorstandschef von CD Now seine virtuelle Musikalienhandlung zum führenden Plattenladen im World Wide Web auf. Millionen von Dollar steckte er in üppige Werbekampagnen, ohne zu überlegen, ob sich der Aufwand je lohnen würde.
Eine zunächst höchst erfolgreiche Strategie. Zu erfolgreich. Binnen kürzester Zeit imitierten Konkurrenten das verführerisch simple Konzept ­ mit den im Handel üblichen Folgen: Die ohnehin geringen Margen verkehrten sich bei CD Now ins Minus.
Ende 1999 summierten sich die seit der Gründung im Februar 1994 angefallenen Verluste des hoch gelobten Online-Pioniers aus Pennsylvania auf knapp 175 Millionen Dollar. Nun verhandelt Vorstandschef Olim über den Verkauf seines Unternehmens an einen finanzkräftigen Investor. Bislang ohne Ergebnis. CD Now hat schon zu viel Boden verloren. Findet Olim nicht bald einen neuen Geldgeber, droht der Konkursrichter.
In den USA sind Geschichten wie die von CD Now längst kein Einzelfall mehr. Junge Hightech-Firmen, die in der ersten Zeit nach ihrer Gründung gedankenlos Kapital verbraten haben ­ immer nach dem Motto: je höher die Verluste, desto attraktiver das Unternehmen ­, geraten plötzlich in Liquiditätsengpässe.



Kompakt
Die meisten Dot-com-Firmen werden dieses Jahr nicht überleben. Warum sie scheitern: Ihr Geschäftsmodell ist zu leicht zu kopieren. Ihre Ideen sind fragwürdig. Die Einnahmen werden überschätzt, und es fehlt an professioneller Umsetzung. Zudem drängen etablierte Unternehmen ins E-Business ­ mit deutlich besseren Chancen.
Bis vor kurzem noch profitierten die Firmen der New Economy von einem beispiellosen Run auf ihre Aktien. Mit dem schier endlosen Strom an Kapital finanzierten sie riesige Marketingkampagnen, kauften Unternehmen und machten ihre Mitarbeiter zu virtuellen Millionären.
Gewinne? Fehlanzeige. Zukunftsaussichten? Ungewiss. Die Anleger störte das nicht ­ bis Ende März.
So leidenschaftlich, wie sich die Investoren auf die Web-Werte gestürzt hatten, so hektisch traten sie den Rückzug an.
Die Massenflucht aus dem Cyberspace warf den Nasdaq-Index zwischen März und April zeitweise um 40 Prozentpunkte zurück. Im gleichen Zeitraum verlor der Nemax-All-Share mehr als 60 Prozentpunkte.
Eine verhängnisvolle Situation für die Start-ups. Viele von ihnen wissen nicht mehr, wie sie Lieferanten und Mitarbeiter bezahlen sollen. Banken kürzen Kreditlinien, potenzielle Anleger schießen kein Kapital nach. Ganz schnell ist Schluss. Ende. Aus.
Einem Viertel der börsennotierten Klick-Firmen könnte noch in diesem Jahr das Geld ausgehen, warnt Greg Kyle, Gründer des Marktforschungsinstituts Pegasus in New York. 75 Prozent aller Internet-Unternehmen werden niemals Gewinne erwirtschaften, schätzt Henry Blodget, Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch.
Beide Prognosen beziehen sich auf den amerikanischen Markt. Doch die Experten sind sich einig, dass die Phase der Ernüchterung bald auch in Europa einsetzen wird.
Nach Zeiten blinder Web-Euphorie hält weltweit die Erkenntnis Einzug, dass das Internet eben doch nicht alles verändert. Unter Anlegern und Geldgebern breitet sich wieder mehr Realitätssinn aus: Die Grundregeln des Wirtschaftens, so der Tenor, bleiben auch in der Neuen Ökonomie erhalten.
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Sind also die traditionellen Unternehmen, die ihre alten Stärken mit den Vorzügen der New Economy zu verbinden wissen, besser gerüstet als die jungen Wilden? Ist die viel gerühmte Neue Wirtschaft schon am Ende, bevor sie sich richtig entfaltet hat? Wer sind die Gewinner, und wer steht künftig auf der Verliererseite?
Eines steht fest: Es ist jetzt an den Net-Companys zu zeigen, dass sie mehr als Internet-Illusionen sind. "Die Dot-com-Unternehmen müssen bezifferbare Ergebnisse vorweisen, um ihre hohe Marktkapitalisierung zu rechtfertigen", fordert Professor Bernd Wirtz von der Universität Witten-Herdecke.
Leicht gesagt. Viele der virtuellen Unternehmen machen mehr Verluste als Umsatz; nach den herkömmlichen Regeln der Marktwirtschaft kämpfen sie alle ums Überleben ­ aus den unterschiedlichsten Gründen:
Zu viele Internet-Start-ups verfolgen dieselben Geschäftsmodelle und liefern sich untereinander einen ruinösen Wettbewerb. In ihrem E-Eifer finanzierten Risikokapitalgeber auch fragwürdige Ideen, die jetzt die Bewährungsprobe nicht bestehen. Businesspläne scheitern, weil die Gründer keine klaren Vorstellungen davon haben, woher eigentlich die Einnahmen kommen sollen. In zahlreichen Projekten mangelt es an professioneller Umsetzung, vor allem in der Logistik.
Damit nicht genug. Nun drängen die etablierten Konzerne mit aller Macht ins Internet-Geschäft. Sie sind bei E-Projekten nicht auf das Wohlwollen der Aktionäre angewiesen, sondern können Investitionen aus laufenden Einnahmen finanzieren.
Ein gnadenloser Ausleseprozess steht bevor. "Reine Dot-com-Firmen haben nur in Ausnahmefällen eine Überlebenschance", prognostiziert Alexander Drobik, E-Commerce-Experte des Beratungsunternehmens Gartner Group.
Dabei hatte die wunderbare Geldvermehrung der unheiligen Allianz aus Risikokapitalisten und Dot-com-Unternehmern zunächst so schön funktioniert: Man nehme ein halbwegs glaubhaftes Web-Konzept, addiere eine Prise Kapital, hebe eine kräftige Portion Marketing darunter und bringe die Mixtur so schnell wie möglich an die Börse.


Missglückte Intensivpflege: Dr. Koop wollte Kranke via Netz behandeln. Nur wenige Kunden ließen sich auf die kuriose Idee ein. In ihrer blinden Gier nach dem schnellen Geld zeichneten Hobbyspekulanten wahllos jedes Papier, das mit einem "E", "Link" oder "Com" garniert war. Selbst Unternehmen, deren Businessmodell bei nüchterner Betrachtung zumindest fragwürdig gewirkt hätte, verbuchten beim Börsengang spektakuläre Kursgewinne.
So das Papier von DrKoop.com, einem Online-Dienst unter dem Namen und der Regie des ehemaligen obersten Gesundheitswächters der US-Regierung, C. Everett Koop (83). Kurz nach der Erstnotiz im Juni 1999 schoss der Preis des Gesundheitsservice von 16,50 auf 36,90 Dollar. Zehn Monate später war DrKoop.com ein Fall für die Intensivstation. Die Aktie kostete im April zeitweise nur noch zwei Dollar. Selbst dem letzten Aktionär war aufgegangen, dass der medizinische Check-up im Netz niemals Profit abwerfen würde.
Kaum ein Web-Surfer war bereit, sensible persönliche Daten wie Blutdruck oder Übergewicht ins anonyme Datennetz zu schicken. Mithin war auch die Vorstellung perdu, das Publikum mit regelmäßigen Gesundheitstipps an die Site zu binden.
DrKoop.com konnte nur geringe Einnahmen verbuchen. Gleichzeitig kletterten die Kosten für immer neue Variationen der untauglichen Grundidee ins Unermessliche.
Im vierten Quartal 1999 stand einem Umsatz von 5,1 Millionen Dollar ein Verlust von 19,9 Millionen gegenüber. Wann der sieche Patient das Zeitliche segnet, scheint nur noch eine Frage von Monaten.
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Wie kann es sein, dass sich Gründer mit solchen verqueren Ideen auf den Markt wagen? Eigentlich sagt doch schon der gesunde Menschenverstand, dass jedes Unternehmen ein durchdachtes Konzept braucht, wenn es langfristig gedeihen will.
Aber womöglich ist dies genau der Punkt: Vielen der unlängst noch hoch gelobten Cyberhelden geht es gar nicht darum, ein lebensfähiges Unternehmen aufzubauen. Sie wollen nur schnell Millionen einstreichen. Wie sonst ließe sich erklären, dass heute Start-ups an die Börse drängen, die weder über ein ausgereiftes Produkt noch über ein fähiges Management verfügen?
Als Microsoft im März 1986 an die Börse ging, war der Softwareproduzent schon mehr als zehn Jahre im Geschäft. Altmodisch.
Moderne Net-Firmen lassen sich maximal zwei Jahre Zeit zwischen erstem Gedankenblitz und Notierung an Nasdaq oder Neuem Markt.
Unter ihnen sind viele, die sich über die Exit-Strategie ­ die Frage, wann sie ihre Anteile versilbern können ­ mehr Gedanken machen als über ihre Kunden und Konkurrenten.
Aber es wäre falsch, alle Gründer als Zocker abzustempeln. Manche sind einfach nur unprofessionell. Typen, die vor lauter Euphorie die Spielregeln der realen Welt ignorieren und dann die an der Börse generierten Millionen verspielen. Wie die Manager von Peapod, dem größten US-Lebensmittelhändler im Internet. Als virtuelle Tante Emma verkaufen sie ihre Waren ausschließlich via Netz und liefern sie den Kunden nach Hause.


Das schlüssige Konzept geht nicht auf ­ es klappt nicht mit der zuverlässigen Auslieferung.
Pleiten, Pech und Pannen prägen die Peapod-Geschichte. Ausfahrer treffen Kunden nicht zu Hause an. Bis der Lachs in der Pfanne liegt, fischelt er heftig. Frische Himbeeren landen nach einer Irrfahrt zu drei Adressen vergammelt in der Mülltonne.
Die einem Cyber-Supermarkt gemäße Vorstellung, in den Garagen der Kunden Kühlschränke aufzustellen und die Garagentore via Satellit zu steuern, ist bislang technisch nicht machbar.
Noch schwieriger als die Lieferung gestaltet sich die Warenbeschaffung. Plan A ­ der Einkauf von Brot und Bier im gewöhnlichen Supermarkt ­ ließ die Handelsspanne von Peapod bis zur Unsichtbarkeit schrumpfen. Plan B ­ der Aufbau eigener Lagerhäuser ­ verschlang das letzte Kapital.
Im März wurde Peapod-Chef William Malloy (48) mit einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Zermürbt quittierte der ehemalige AT&T-Manager seinen Job und riss Peapod damit in die tiefste Krise seiner elfjährigen Geschichte. Potenzielle Geldgeber zogen Kreditzusagen in Höhe von 120 Millionen Dollar zurück. Jetzt hat der "Erbsenkeimling" vielleicht einen Retter gefunden. Der niederländische Handelskonzern Ahold will für 73 Millionen Dollar 51 Prozent an Peapod erwerben.
Virtuelle Geschäftsmodelle, die auf echte Profite hoffen lassen, sind selten wie grüne Diamanten. Der Web-Wahn weicht der nüchternen Feststellung: Ohne Kombination von Cyberspace und Alter Welt funktioniert auf Dauer kein Geschäft.
Den Trick mit "Brick und Click" üben mittlerweile etliche Web-Spieler. So kaufte der Online-Basar E-Bay das traditionelle US-Auktionshaus Butterfield & Butterfield. Der Online-Supermarkt Webvan investierte eine Milliarde Dollar in den Aufbau von 25 Logistikzentren in den USA.
Mit Erleichterung registrieren die Unternehmen der Alten Wirtschaft, dass sie für E-Commerce gar nicht so schlecht ausgestattet sind: Sie verfügen über die erforderliche Infrastruktur und einen breiten Kundenstamm, sie kennen die Märkte und können sich auf erprobte Abläufe verlassen.
Konzerne wie General Electric, Siemens oder Carrefour starten zur Aufholjagd gegen die E-Konkurrenz ­ vor allem im attraktiven Geschäft zwischen den Unternehmen.


Im so genannten Business-to-Business (B2B) sind deutlich größere Umsatzvolumina zu erwarten als beim Verkauf von Waren und Diensten an die Endverbraucher. Allerdings ist auch der Wettbewerb um ein Vielfaches härter.
Unternehmen lassen sich nicht so leicht wie Konsumenten durch ein schickes neues Medium verleiten, mehr einzukaufen. Sie erwarten vom Einsatz des Internets rechenbare Vorteile: sinkende Beschaffungskosten, höhere Produktivität oder die Ausweitung des Marktanteils.
Geschickt adaptieren die Etablierten die Ideen ihrer Web-Rivalen: Sie gründen ihre eigenen Online-Handelsplattformen. Im Chemiebereich haben BASF, Bayer, DuPont und Hoechst Celanese einen gemeinsamen elektronischen Marktplatz für thermoplastische Kunststoffe gestartet. Ähnliche Konzepte verfolgen führende Autohersteller, Flugzeugbauer oder große Handelskonzerne. Im gerade erst erblühten B2B-Bereich droht den E-Pionieren der Kahlschlag. "Ein dritter oder gar vierter Marktplatz für Chemikalien oder Gebrauchtmaschinen hat nicht die geringste Chance", prophezeit Steffen Binder, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forit.
Wohl dem Web-Start-up, der sich an einen starken Partner in der realen Welt anlehnen kann. Wie GoIndustry.com aus München. Der Online-Handelsplatz für überschüssige Fertigungsmaschinen und Bürogeräte verbündete sich Ende April mit der Logistikgruppe Kühne & Nagel.
Ein Deal, der beiden Seiten Vorteile bringt: GoIndustry.com ist das leidige Versandproblem los und kann die Palette seiner Dienstleistungen ausweiten. Im Gegenzug sichern sich die Transportprofis aus der Schweiz europaweit neue Kunden: Sie bieten auf dem Online-Marktplatz ihren Lieferservice per Luft-, See- und Landfracht an und offerieren gleichzeitig Versicherungsangebote.
Golndustry.com hatte Glück. Das Unternehmenskonzept stimmt. Mit Kühne & Nagel fand sich ein verlässlicher Partner. Das Überleben der jungen Firma scheint gesichert.
Doch Golndustry wird eine Ausnahme in Europa bleiben. "Im nächsten halben Jahr kommt der große Shake-out auf den Alten Kontinent zu", warnt Ralf Strauß von der Frankfurter Unternehmensberatung Consulting Partner.


Allerdings wird sich die Wandlung von Dot-com zu Dead-com in Europa nicht so stark an den Finanzmärkten niederschlagen wie in den USA. Der Grund: Die meisten europäischen Internet-Start-ups notieren noch nicht an der Börse. Die Entzauberung des Web-Hype müssen vor allem die Venture-Capital-Firmen verkraften.
Aber auch die europäischen Aktionäre spüren, dass die Vernichtung ihres Kapitals auf vollen Touren läuft. So fiel die Aktie des Kunst-Auktionshauses Artnet.com 1999 zeitweise von 62 auf 8 Euro. Nur weil Übernahmegerüchte kursierten, konnte sich die Aktie des Frankfurter Galeristen Hans Neuendorf, Gründer und CEO des Unternehmens, zu Anfang 2000 etwas erholen.
Nach wie vor rechtfertigen die Online-Offerten von Artnet.com keinerlei Optimismus. Im Angebot sind Grafiken und Drucke, deren Preise selten die 4000 Mark überschreiten ­ bei lediglich 5 Prozent Provision ist die Überlebenschance für den Auktionator minimal.
Die forschen Internet-Pioniere sind zu Gejagten geworden. Die Aussichten auf einen erfolgreichen Börsengang schwinden. Ohne die Hoffnung auf frisches Kapital schlittern die jungen Firmen noch viel schneller an den Rand des Abgrunds.

Misslungenes Kunststück: Artnet-Chef Hans Neuendorf verramscht online Billiggrafiken.
Die Neue Wirtschaft ist zwar längst nicht am Ende. Aber sie steht vor einer überfälligen Bereinigung. Die Trittbrettfahrer und Glücksritter im WWW müssen den Unternehmen weichen, die Vernetzung nicht als Spielwiese für unausgegorene Ideen betrachten.
Sieger im E-Business werden Unternehmen sein, die geschickt die Vorteile der virtuellen und realen Welt kombinieren ­ wie Cisco oder Oracle.
Traditionelle Unternehmen, die das Potenzial des Webs für sich nutzen, haben die beste Ausgangsposition. "Groß und schnell ist unschlagbar", prophezeit Intel-Gründer Andy Grove.
Zu den wenigen Internet-Playern, die sich den Giganten entgegenstemmen können, werden vor allem Anbieter wie Yahoo oder Intershop gehören ­ Firmen, die frühzeitig am Markt waren und deren Name heute eine Marke ist.
Beide Kriterien hat Amazon erfüllt. Dennoch bleibt offen, ob Firmengründer Jeff Bezos (36) das Unternehmen erhalten kann. "Wir werden das Coca-Cola des Internets", prahlte er unlängst. Unverdrossen verkündet der Ex-Investmentbanker seine Visionen vom virtuellen Warenhaus.


Der Cyberpionier braucht eine gehörige Portion Optimismus, um an die Zukunft seines Unternehmens zu glauben: In den fünf Jahren seines Bestehens vergrößerte der ehemalige Online-Buchladen die Anlaufverluste bis auf die Rekordsumme von 390 Millionen Dollar im Jahr 1999. Die Amazon-Aktie fiel von 106 Dollar im Dezember auf 47 Dollar im April.
Bezos bleibt cool. Er hat eine besondere Verbindung von Click und Brick ausgetüftelt: Partnerfirmen sollen die Drecksarbeit ­ das lästige Lagern und Liefern ­ in der "Dirtworld" übernehmen. Amazon will sich auf die Pflege seines Images kaprizieren.
Als Vorbild für seinen Plan vom virtuellen Verbund dient Bezos der Limonadenkonzern Coca-Cola. Die Zentrale in Atlanta konzentriert sich auf saubere Jobs wie Marketing und Werbung. Die Partner in aller Welt müssen das Kultgetränk mischen, abfüllen und ausfahren.
Welche geheime Formel Amazon seinen Partnern als Erfolgsrezept anbieten will, bleibt schleierhaft. Braune Brause ist es jedenfalls nicht.
Ein schöner Artikel Defense.
Leider hat man oft den Eindruck,
dass viele einfach nicht mehr so weit rechnen und denken können
oder wollen. Wird dann immer alles mit "neuen Zeiten" begründet,
aber irgendwann werden auch die neuesten Zeiten zu alten Zeiten.
(vorher können einige natürlich gut gewinnen).

Bei Yahoo muss man noch bedenken, dass solche Firmen relativ
wenig Kapital und echten Know-How-Vorsprung brauchen. Und
die Kunden können sich jederzeit woandershin klicken.
Kurz: So schnell, wie die selbst gross geworden sind kann auch ein
neuer Konkurrent gross werden und sie an die Wand drücken.
Was, wenn morgen ein Multi mit 1 Milliarde Kapitaleinsatz was
ähnliches aufzieht? Oder gar 10 gleichzeitig?
General Motors , Exxon oder Boeing nachzumachen ist realtiv teuer und
schwer, Yahoo nachzumachen dürfte für jeden Multi ein Klacks
sein. Sie machen es vermutlich nur deshalb nicht, weil sie die
Branche noch nicht ernst nehmen. Aber wenn Yahoo erst wirklich
regelmässig Milliarden verdiente, dann würden sich die
grossen Geier auf den Markt stürzen. Yahoo ist für die doch
nur ein "Markttester", so wie es Commodore und die anderen
frühen PC-Firmen für z.B. IBM war.

Bischoff
Einen Hauch von Finsternis verbreitet die wöchentliche
Analyse von Merrill Lynch über die
US-Aktienmärkte. Der Grund dafür ist im
Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu finden. So
deute die Stimmung der Investoren an der Wall
Street auf exzessiven Optimismus hin, was ein
deutliches Warnsignal sei. Gleichzeitig drehe
der Indikator, der bislang als Hauptargument für
die langanhaltende US-Hausse diente, ins
Negative: Das starke Gewinnmomentum. Zum ersten
Mal in diesem Jahr übersteige nämlich die Anzahl
der gesenkten Gewinnschätzungen die der
erhöhten. Noch schwärzer stuft Merrill Lynch die
Auswirkungen der Fed-Politik ein.
"Unter Greenspan hat es noch nie ein Soft
Landing der Finanzmärkte gegeben", so die
Analysten. Bislang sei jeder Verschärfung der
US-amerikanischen Zinspolitik auch ein
Zusammenbruch internationaler Finanzmärkte
gefolgt. Als Beispiele führen sie den Crash
1987, die Rezession 1989, die Mexiko-Krise 1994
und die Asien-Krise 1997 an, denen jeweils
Fed-Entscheidungen vorausgingen. Die Analysten
von Merrill Lynch können deswegen den
Marktkonsens eines Soft Landing nicht teilen:
"Das Soft-Landing-Szenario ist unter Greenspan
mehr die Ausnahme als die Regel".
Die pessimistische Grundhaltung der Analysten
spiegelt sich in der empfohlenen Asset
Allocation wider: Nur 40 Prozent in Aktien und
jeweils 30 Prozent in Bonds und Cash.


mfg Defense
Ein weiteres Analysten-Team stellt sich auf die Seite der Skeptiker (FTD vom 2.8.):

Europäische Tech-Aktien heruntergestuft
Lehman erwartet weitere Kurskorrekturen
Die Investmentbank Lehman Brothers in London hat europäische Technologie-Werte von "übergewichten" auf "untergewichten" herabgestuft. Die Investmentbank erwartet, daß Analysten im Laufe dieses Jahres die Gewinnprognosen der Branche nach unten korrigieren werden, weil das Vertrauen in die Konjunktur sinkt. "In einem Umfeld, das eine immer stärkere Abneigung gegen Risiken zeigt, könnte die Technologiebranche leicht eine ähnliche Korrektur durchmachen", wie sie Medien und Telefonaktien durchgemacht hätten, schrieb Lan Scott von Lehman Brothers in einer Mitteilung an Investoren.
Ericsson, weltgrößter Hersteller von Geräten für Mobilfunknetze, und Philips Electronics, Europas zweitgrößter Hersteller von Halbleitern, wurden von Lehmans Liste der 39 empfohlenen europäischen Aktien gestrichen. Während europäische Pharmafirmen, deren Gewinne kaum auf Konjunkturschwankungen reagierten, durchschnittlich zum 29fachen des Gewinns gehandelt würden, liege der Kurs der Computerfirmen im Schnitt beim 57fachen des für das nächste Jahr projektierten Gewinns, erklärt Scott. "UnsererAuffassung nach bieten diese Bewertungen keinen ausreichenden Schutz für Investoren in der IT-Branche gegen einen möglichen Konjunkturrückgang", fügt er hinzu.
Scott hat Philips und Ericsson in der Empfehlungsliste durch Swiss Re, die zweitgrößte Rückversicherung der Welt, und Metro, die größte deutsche Einzelhandelskette ersetzt. Der Anteil der Computer-Hardware-Titel sei in der Liste nun von 13 auf neun Prozent gefallen, während Konsumwerte von 18 auf 20 Prozent gestiegen seien. Versicherungen kämen jetzt auf neun statt vorher auf sieben Prozent.

Gruß
Beutlin
Wer in den letzten Wochen die Kurse an den Börsen weltweit verfolgt hat, dürfte sich wohl an die Anlagestrategie von Börsenguru Kostolany erinnert haben. Wer zu den längerfristigen Investoren an den Börsen gehört, hätte wahrscheinlich auch gerne ein paar Valium eingeschmissen, um diese durch Lethargie und Pessimismus geprägten Wochen einfach zu verschlafen. Besserung ist derzeit auch nicht in Sicht. Eine dünne Nachrichtenlage, Zinsangst und die Furcht vor sinkenden Unternehmensgewinnen in den nächsten Quartalen, belasten die Anlegerpsyche und damit die Kurse. Ein richtiger „sell-out“, mit hohen Umsätzen, nach dem man sagen könnte, jetzt ist das schlimmste vorüber, hat ebenfalls noch nicht stattgefunden. Im Gegenteil, die Börsenumsätze sind derzeit eher dürftig und wenn sich der DAX einmal nach oben stemmen möchte, setzten sofort Gewinnmitnahmen ein, die dies vereiteln. Selbst die Bekanntgabe von Unternehmenszahlen, die über den Erwartungen liegen, führen zu Gewinnmitnahmen und das erfolgreiche Unternehmen findet sich als Indexschlusslicht wieder. Die „Logik“ dahinter lautet: Wie soll das Unternehmen diese guten Zahlen in den nächsten Quartalen noch übertreffen können? Also: „buy on rumors, sell on news”.

3.8.00, 15:07 Uhr
Christian Wienands © GIS Wirtschaftsdaten GmbH
Hier ein Artikel von Fred Hager vom 15.07.00 aus BILANZ online zum Thema KGV

Bischoff



Die Illusion des Kurs-Gewinn-Verhältnisses

Ein weit verbreitetes Hilfsmittel für Anlageentscheide ist der Vergleich der
Wachstumsrate eines Unternehmens mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis ihrer Aktien,
bekannt unter dem Kürzel KGV. Über das KGV wurde schon viel geschrieben, doch
nur weniges davon ist tatsächlich auch hilfreich.

Die Theorie: Weist ein Unternehmen beim Gewinn eine beständige Wachstumsquote
von 20 Prozent auf, wären die Aktien mit einem KGV von 20 oder weniger fair
bewertet. Demzufolge liesse sich bei einer Gesellschaft mit einem Wachstum von
30 Prozent ein KGV von 30 durchaus rechtfertigen.

Für den Anleger ist es unumgänglich, auf Titel von Unternehmen mit einem
gewissen Wachstum zu setzen. Damit sich bei einem Investment nur schon die
Kaufkraft erhalten lässt, muss der Firmengewinn mindestens im Ausmass der
jährlichen Inflationsrate wachsen. In den letzten 25 Jahren betrug die jährliche
Inflationsrate rund sechs Prozent, und daran dürfte sich auch in den nächsten 25
Jahren kaum etwas ändern. Damit der Investor bei seinen Anlagen also nur schon
die Kaufkraft erhalten kann, ist ein Wachstum von sechs Prozent nötig.

Über die letzten zehn Jahre war mit Fonds eine jährliche Gesamtrendite von 10,25
Prozent zu holen; nach Steuern und Inflation bleibt von dieser Rendite jedoch
kaum noch etwas übrig. In den USA werden die meisten Investoren mit einem
Steuerfuss von über 30 Prozent eingestuft. Bei einer Bruttorendite von 10,25
Prozent verbleibt Ihnen damit, Fiskus und Geldentwertung eingerechnet, ein
Nettogewinn von etwa einem Prozent.

Erzielen Sie eine Bruttorendite von 15 Prozent, schmilzt Ihr effektiver Gewinn
wegen Steuern und Kaufkraftverlust auf noch 4,5 Prozent. Mit anderen Worten:
Diese 15 Prozent entsprechen gegenüber dem oben erwähnten Beispiel von 10,25
Prozent einer um rund ein Drittel höheren Bruttorendite. Unter dem Strich
allerdings verbleibt Ihnen, an der realen Kaufkraft gemessen, eine
viereinhalbmal höhere Nettorendite.

Die Lektion ist klar: Auch wenn eine Aktie ein KGV von zehn aufweist und der
Aktienkurs jährlich um zehn Prozent steigt, muss es sich noch lange nicht um
eine attraktive Anlage handeln. Wer sein Depot primär mit solchen Titeln
bestückt, läuft Gefahr, dass sein Anlagevermögen langsam, aber sicher entwertet
wird.

Nun, was passiert, wenn ein Unternehmen mit 30 Prozent wächst? Nach Abzug der
Steuern bleiben 21 Prozent. Ihr effektiver Gewinn nach Einrechnung der
Inflationsrate beträgt noch 15 Prozent. Damit verbleibt Ihnen exakt 15-mal mehr
gegenüber einer Investition mit einer Bruttorendite von 10 Prozent. Auf lange
Sicht erwirtschaften Sie mit Titeln von Unternehmen mit einer
überdurchschnittlichen Wachstumsrate einen anständigen Gewinn trotz zeitweiligem
Rückschlag.

Summa summarum: Mit einer Wachstumsrate von 30 Prozent wird Ihr Gewinn 15-mal
schneller wachsen als bei einer Rate von 10 Prozent. Aus diesem Grund sollten
Sie auf einen hohen Unternehmensgewinn und auf ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis
achten.

Die Annahme, dass ein tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis eine günstige
Kaufgelegenheit bedeutet, ist fast immer falsch. Gemäss einer Studie, die am 12.
April 1999 in der Zeitschrift «Business Week» veröffentlicht wurde, lag die
Rendite eines diversifizierten Aktienfonds 1998 bei 1,15 Prozent. Auf Grund
dieser Zahlen haben viele Investoren mit ihren Wertpapierdepots ein Vermögen
verloren.

1986 kaufte ich keine Microsoft-Aktien, die damals ein KGV von 25 aufwiesen.
1990 bezahlte ich fünfmal mehr für dieselben Aktien, aber zu einem höheren KGV.
Wäre das KGV die einzige Überlegung für den Kauf eines Wertpapiers gewesen,
besässe ich keine Aktien von Firmen wie EMC, JDS, Uniphase, Cree oder Qualcomm.
Das grösste Problem beim KGV ist, dass tiefe KGV sich meist auf die Gewinnzahlen
der letzten zwölf Monaten beziehen. Sehr oft bestehen solche tiefen KGV, weil
erfahrene Investoren wissen, dass sich die Gewinne eines Unternehmens auf dem
Abwärtstrend befinden.

Andererseits haben Firmen sehr oft hohe KGV, weil Investoren einem Unternehmen
ein hohes Gewinnpotenzial attestieren. Es macht deshalb Sinn, den Kauf einer
Aktie in Erwägung zu ziehen, trotz gegenwärtiger Verluste und einem relativ
hohen KGV.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma JDS Uniphase (JDSU), die
Glasfaserkomponenten herstellt. Das Unternehmen wies trotz einem explosiven
Wachstum zeitweise Verluste aus. JDS investierte durch Expansion und
Akquisitionen anderer Firmen in ihr Wachstum. Und obwohl das Unternehmen
anscheinend ein überaus hohes KGV aufweist, wird die Firma mit Blick auf den
wachsenden Markt für Glasfaserkabel zu einem ausgezeichneten Investitionsobjekt.

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Fred Hager ist in der Schweiz aufgewachsen und begann eine typisch amerikanische
Karriere als Koch und Staubsaugervertreter. 1976 übernahm er die Firma Telecomp,
die er bis 1998 leitete. Seit 1986 verfasst der Selfmade-Mann den Anlagebrief
«Hager Computer Technology Research» Vor rund zwei Jahren ging Fred Hager mit
seinen auf Hightech-Werte spezialisierten Börsenbrief aufs Internet
Aufstieg und Fall der Börsengurus
Aus der Webkolumne von Fred Hager

Fred Hager
Ich habe immer gesagt, kein Analyst könne Marktentwicklungen über einen langen Zeitraum richtig voraussagen. Trotzdem treten immer wieder so genannte Gurus auf, die mit ausserordentlicher Genauigkeit Marktveränderungen vorhersagen.
Die Erklärung ist einfach: Diese Gurus sind das Produkt des mathematischen Wahrscheinlichkeitgesetzes.
Und so gehts: 1024 Analysten machen eine Prognose über die kurzfristige Marktentwicklung. Jeder trifft eine klare Annahme, es herrsche entweder Bullen- oder Bärenmarkt.
Die Wahrscheinlichkeit, ob ein Bullen- oder ein Bärenmarkt eintrifft, ist wie beim Wurf einer Münze gleich gross. 50 Prozent, also 512 Analysten, werden Recht behalten, egal wie sich der Markt entwickelt. Für ihre Kunden sind sie Helden.
Die Entwicklung schreitet folgendermassen voran:
512: 50 Prozent der Analysten werden Helden, indem sie die mathematische Wahrscheinlichkeit richtig getippt haben. Sie haben nun die Chance, ein zweites Mal richtig zu raten.
256: Wiederum haben 50 Prozent Recht behalten. Nun bekommen 256 Analysten erneut die Chance, richtig zu liegen. Diese Analysten werden Marktkenner genannt. Die falschen Tipps sind vergessen.
128: Wir sind nun bei 128 Analysten, die den Markt dreimal hintereinander richtig eingeschätzt haben. Diese Personen werden Fachleute genannt. Die PR-Abteilung der Firma, welche die Fachleute angestellt hat, wird deren Erfolg mit allen Mitteln an die Öffentlichkeit bringen.
64: Jetzt haben wir noch 64 Gewinner. Viermal in Folge Recht zu behalten, hat automatisch eine Lohnerhöhung zur Folge. Wenn nicht von der gegenwärtigen Firma, so von der nächsten, denn Jobangebote werden kommen. Diese Analysten haben nun den Status des Börsengurus erreicht.
Einmal Guru geworden, verlieren diese Analysten ihren Status kaum, auch wenn sie mal danebenhauen. Die Leute haben ein kurzfristiges Gedächnis. Und ein Guru wird – wie auch die Presse – immer auf seine richtigen Einschätzungen verweisen.
Es ist deshalb nicht überraschend, dass beispielsweise Joe Granville immer noch viel Geld mit Anlagetipps verdient, obwohl ihm während der letzten zehn Jahre kaum eine richtige Markteinschätzung gelang. Anleger hätten 90 Prozent ihres Vermögens verloren, wären sie den Ratschlägen gefolgt. Onkel Joe ist natürlich nur einer von vielen.
Einer der jüngsten Sterne am Guru-Himmel ist Elaine Garzarelli, Analystin bei Shearon. Sie hatte das Glück, vorauszusagen, dass der Markt im Spätsommer 1987 in den Keller sause. Sie hatte es in dem Moment geschafft, als an der Börse nichts mehr lief.
Jetzt spricht jeder von ihrer Vorhersage eines Bullenmarktes im Dezember 1991.
Natürlich erinnerte sich niemand daran, dass Garzarelli 1988 einen Bärenmarkt voraussagte, während der Markt seine Verluste von 1987 wieder einfuhr.
Die Einzigen, die Garzarellis Fähigkeiten genau kennen, sind die Anleger, die in das von ihr verwaltete Portfolio investierten.
Gemäss Lipper Analytical Services erbrachte ihr Fonds mit 6,8 Prozent eine deutlich schlechtere Performance zwischen 1987 und 1992 als der Standard & Poors-Aktienindex mit 9,3 Prozent im selben Zeitraum.
Das nächste Mal, wenn Sie versucht sind, den Ratschlägen eines Börsengurus zu folgen, denken Sie an das Gesetz des Mittels. Die Chancen eines Gurus, Recht zu haben, liegen bei 50 Prozent, genau wie bei Ihnen.
Die Illusion der Gewinn bringenden Dividenden


Fred Hager
Dass ein Unternehmen in der Lage ist, regelmässige Dividenden auszuschütten, war über Jahre hinweg ein wichtiges Kriterium für die Anlagestrategie vieler Portfolio-Mangager. Es gab Zeiten, da haben Pensionskassen ihren Fondsmanagern explizit verboten, Aktien von Firmen zu halten, die keine Dividenden abwerfen.
Aus diesem Grund glaubten Firmen wie Xerox oder IBM in ihren Wachstumsphasen, trotz mageren Gewinnen Dividenden ausschütten zu müssen. Die Erträge blieben allerdings gering: Von Mitte der Fünfziger- bis Mitte der Sechzigerjahre betrugen sie bei beiden Firmen kaum mehr als ein Prozent des Gesamtgewinns.
Die Titel wurden trotz mageren Dividenden gekauft. Das bedeutet: Der geringe Dividendenertrag war für die Anleger offensichtlich kein Investitionshindernis.
So haben sich die Halter von Cisco- oder von Dell-Aktien kaum darüber beschwert, dass diese Firmen in den letzten zehn Jahren praktisch keine Dividenden ausbezahlt haben.
Diese beiden Firmen investierten ihre Gewinne lieber in das Wachstum des Unternehmens. Die Folge: Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Marktwert von Cisco und Dell verhundertfacht.
Regel Nummer eins: Eine Firma, die jährlich nicht mindestens um 30 Prozent wächst, ist kaum in der Lage grosszügige Dividenden auszuschütten, es sei denn durch eigene Aktienverkäufe oder durch Abstossen von Unternehmenszweigen. Doch eine solche Firmenstrategie kann längerfrisig nicht im Interesse des Anlegers sein.
Ein Unternehmen, das grosszügige Dividenden auszahlt, begründet dies vielfach damit, dass dank einem starken Unternehmenswachstum nicht mehr Kapital benötigt werde.
Doch Tatsache bleibt, dass nur Firmen wie Nokia, die durch ihre Produkte hohe Gewinnmargen erwirtschaften, in der Lage sind, hohe Dividenden auszuzahlen und trotzdem schnell zu wachsen. Solche Firmen sind seltene Ausnahmen.
IBM beispielsweise hat ihre Dividendenausschüttung erhöht, obwohl der Unternehmensgewinn in den letzten fünf Jahren stagnierte. Und das trotz dem massiven Wachstum in der IT-Branche.
Regel Nummer zwei: Zahlt ein Unternehmen hohe Dividenden aus, ist die Chance gross, dass die Firma längerfristig kaum wachsen wird.
Wenn also eine hohe Dividendenausschüttung geringes Wachstumspotenzial bedeutet und viele Hightechfirmen durch eine gewaltige Aktienperformance fehlende Dividenden mehr als wettmachen, heisst das Folgendes:
Dass gute Investitionsobjekte üppige Dividenden ausschütten, ist nichts weiter als eine Illusion.
Die «Kaufe tief, verkaufe hoch»-Illusion


Von Fred Hager
Der Tipp, Aktien zu einem tiefen Preis zu kaufen und zu einem hohen Preis zu verkaufen, klingt so elementar, dass eine andere Meinung kaum Chancen hat, Gehör zu finden. Doch ob Sie mit dieser Anlagestrategie auch wirklich immer Erfolg haben werden, ist fraglich. Wahrscheinlich nicht.
Denn wenn Sie diesem Ratschlag folgen, werden Sie sich möglicherweise andauernd mit den unrentablen Wertpapieren abgeben. Der Grund ist ganz einfach: Aktien mit hohem Gewinnpotenzial haben im Vergleich zu den übrigen Wertschriften selten einen wirklich tiefen Kaufwert.
Sicher, in Zeiten eines Bärenmarkts haben die meisten Aktien Gewinnpotenzial. Wertschriften mit einem sehr hohen Gewinnpotenzial sind dann aber vergleichsweise teuer. Haben Sie nur den Preis im Blick, verlieren Sie automatisch das Gespür für die Qualität für einer Aktie. Diese Regel kann man meines Erachtens auf fast alle Titel anwenden.
Erfahrene Investoren verdienen mehr Geld, indem sie Wertpapiere, deren Kurs im Steigen ist, zu einem relativ hohen Preis kaufen und drei Monate später wieder verkaufen, als wenn Sie fallende Aktien kaufen und drei Monate später wieder verkaufen.
Die Grund ist klar: Der Glaube vieler Investoren in das Potenzial eines Unternehmens lässt dessen Aktien in die Höhe schnellen. Andererseits werden Titel, die für chancenlos gehalten werden, sinken. Trotzdem gibt es immer wieder viele Anleger, die sich auf Aktien mit tiefen Kursen stürzen, weil sie glauben, der Kurs werde sich erholen.
Ein Wall-Street-Sprichwort sagt: Kaufe hoch, verkaufe noch höher. Nach meiner Meinung ist eine solche Strategie grundsätzlich sinnvoller: Sind Sie auf der Suche nach neuen Investitionsobjekten unter hoch dotierten Titeln, finden Sie immer wieder Unternehmen mit spannenden Strukturen, einem neuen Management, neuen Produkten oder neuen Absatzmärkten. Titel solcher Firmen haben oft ein sehr hohes Gewinnpotenzial.
Technisch gesehen bedeutet der Kursaufschwung eines Titels nur, dass mehr kaufen als verkaufen wollen. Der mögliche Profit, der ein hoch bewerteter Titel abwerfen kann, ist noch gross genug, um die Aktie zu halten. Es lastet kein Druck auf dem Titel, der einen Verkauf ratsam erscheinen liesse.
Denken Sie nur an das Gegenteil: Wenn eine Aktie stark fällt, denken viele Investoren – mit Ausnahme der kurzfristig agierenden Anleger – ans Verkaufen. Vor allem langfristig denkende Anleger, deren Aktien trotz Kurszerfall vielleicht noch einen mageren Gewinn erzielen, wollen diesen Gewinn lieber behalten. Sie befolgen den Rat, der in einer solchen Situation jeder geben würde: «Verkaufe sinkende Aktien, bevor die Verluste zu gross werden.» Alle wollen noch rechtzeitig aussteigen.
1960 untersuchte William O’Neil, Gründer der Zeitung «Investor’s Business Daily» und Autor von zahlreichen Publikationen übers Investieren, die Wertschöpfung der drei besten Investmentfonds der vergangenen zwei Jahre. Der Dreyfus-Fonds lag mit Abstand an der Spitze, schlug seine Konkurrenten in manchen Fällen mit einem Gewinnvorsprung von mehr als 100 Prozent. Nach der Prüfung von über 100 neuen Aktien im damals kleinen Portfolio machte O’Neil eine erstaunliche Entdeckung:
«Jede einzelne neue Aktie wurde zum höchsten Preis gekauft, zu dem die Aktie im vergangenen Jahr verkauft worden war. Mit anderen Worten, wenn eine Aktie während mehreren Monaten zwischen 40 und 50 Dollar schwankte, kaufte Dreyfus diesen Titel, sobald er die 50-Dollar-Marke überschritt. Die Aktie folgte über die Monate einem bestimmten Chart-Muster, bevor sie neue Höchstwerte erzielte.»
So unglaublich es klingt: Sie können Ihre Gewinne verbessern, indem Sie nicht einfach tief kaufen und hoch verkaufen, sondern der Strategie «kaufe hoch, verkaufe höher» folgen. Das grösste Hindernis, dass Sie bei diesem Strategiewechsel überwinden müssen, liegt in Ihrem Kopf.
Wie Investoren die Volatilität von Technologiewerten meistern


Von Fred Hager
Wenn ich in letzter Zeit die Analysen und Berichte über den Kurszerfall von Technologieaktien lese, bin ich immer wieder erstaunt, wie oft behauptet wird, Hightech-Aktien seien instabiler als andere. Solche Ausführungen zeigen immer das gleiche Argumentationsmuster. Technologie-Aktien hätten in letzter Zeit so stark angezogen, dass sie einmal zusammenbrechen müssten. Es sei deshalb grundsätzlich besser, in andere Werte zu investieren.
Diese Argumentation ist falsch. Sie verunsichert Investoren, die langfristig in solche Titel investieren wollen.
Tipp: Verallgemeinern Sie nichts. Nur weil es sehr viele schlechte Hightech-Werte gibt, bedeutet dies noch lange nicht, dass keine ausgezeichneten Technologiewerte auf dem Markt erhältlich sind, mit denen Sie bei einer langfristigen Anlagestrategie ausgezeichnete Ergebnisse erzielen können.
Tatsache ist, dass in den letzten zehn Jahren mehr Geld mit führenden Technologie-Aktien verdient wurde als mit anderen Werten. Und wissen Sie was? Die nächste Dekade ist zweifellos das Jahrzehnt von führenden Hightech-Werten.
Die Technologie-Aktie einer soliden Firma zu verkaufen, wenn sie am Boden liegt, ist das Dümmste, was Sie machen können. Doch solche Panikverkäufe erstaunen nicht. Die Kurse solcher Titel sind einem grösseren Wellengang ausgesetzt als andere. Die Volatilität ist teils massiv. Und Volatilität macht Angst. Viele Händler giessen noch Öl ins Feuer, indem sie Indikatoren in ihren Analysen einbeziehen, die den unvermeidlichen Aktienzerfall dokumentieren sollen. Fazit: Es werden mehr Technologie-Werte veräussert als sonst. Der Kurs sinkt.
Oft wird Volatilität durch den technischen Stand der Produkte beeinflusst. Doch für Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont ist dies irrelevant. Eine Analyse mit Konzentration auf rein technische Aspekte vernachlässigt die Substanz eines Unternehmens. Das Handeln mit Technologie-Aktien bedeutet Handel unter Ausnutzung des gegenwärtigen Trends. Das heisst: Die Papiere werden gekauft, wenn die Kurse steigen. Verkauft werden sie, wenn die Kurse fallen. Ein Spiel von Angebot und Nachfrage.
Weshalb schlagen dennoch erstklassige Technologie-Aktien so stark auf beide Seiten aus? Kaum werden solide Firmen in den Medien kritisiert, fallen die Wertpapiere. Kaum einer der Anleger hat indes die Firma, in die er investiert, einer soliden Prüfung unterzogen.
Kaufen Sie deshalb als erfolgreicher Technologie-Anleger nie Aktien auf einen Tipp hin, ohne vorher die Substanz der Firma genau geprüft zu haben. So selbstverständlich dies auch ist, fällt dennoch eine grosse Mehrheit der Investoren auf solche «heissen Tipps» hinein, nur um im Nachhinein festzustellen, dass der todsichere Tipp ein Blindgänger war.
Beschränken Sie sich auf wenige Aktien. Studieren Sie aber sorgfältig deren Potenzial, die Konkurrenten des Unternehmens und den Stand der Urheberrechte. Die besten Technologiefirmen haben einen Kernbereich, der durch Patente geschützt ist. Ein Beispiel, das ich gern anführe, ist der Halbleiterhersteller Rambus. Die Firma baut an der Speicherarchitektur für die nächste Generation von Halbleiterprozessoren. Das Businessmodell von Rambus lässt die Lizenzverarbeitung ihrer Produkte zu. Ferner verfügt die Firma über ein ausgezeichnetes Patentportfolio. Rambus ist eine meiner wichtigsten langfristigen Investitionsobjekte. Das Kursverhalten der Rambus-Aktie ist im höchsten Masse volatil. Doch mit Blick auf die firmenspezifische Substanz sind die Anleger durchaus in der Lage, die Kursschwankungen hinzunehmen.
Die grösste Herausforderung bei langfristigen Anlagehorizonten besteht also darin, das richtige Unternehmen auszuwählen. Ist Ihnen das gelungen, bringen Ihnen die Investitionen nicht nur bessere Erträge, Sie können ausserdem Kursschwankungen kühl und gelassen hinnehmen.
Ich mache was, was du nicht machst
Antizyklisch zu investieren klingt vielversprechend, bringt aber wenig ein Von Marcus Rohwetter
Das einfache Rezept für jeden, der mit Aktien Geld verdienen will: Kursraketen schneller erkennen als andere Anleger. Kaufen, bevor sie zünden. Und verkaufen, bevor die Konkurrenz bemerkt, dass der Höhenflug endet. Finanzdienstleister wie die Fiduka Vermögensverwaltung haben dieses Ideal zum Konzept für ihre Investmentfonds gemacht: Antizyklisches Investieren nennt man das. Bei der Fiduka hat Gottfried Heller das Sagen, ein prominenter Geldverwalter. Heller gründete die Gesellschaft in den siebziger Jahren zusammen mit dem 1999 verstorbenen Börsenguru André Kostolany. In seinen Zehn Prinzipien für eine erfolgreiche Geldanlage rät Heller: "Laufen Sie keinen Modetrends hinterher. Wenn alle an der gleichen Stelle nach Gold suchen, sind die Chancen, dass Sie etwas finden, sehr gering. Kaufen Sie, wenn die Mehrheit verkauft und umgekehrt."
So etwas ist "nur ein Marketinggimmick", sagt Thomas Meyer zu Drewer. Er leitet das Fondsmanagement der Anlagegesellschaft Activest. Sie gehört zur HypoVereinsbank und ist eine der vier großen Fondsgesellschaften in Deutschland. "Auch eine Fondsgesellschaft unterliegt dem Markttrend und muss das tun, was das Publikum will", sagt Meyer zu Drewer. Und das Publikum wolle eben, dass sein Investmentfonds bei den großen Trends mitverdient. Im allgemeinen Markttrend werden Aktien vor allem dann gekauft, wenn ihre Kurse steigen - und verkauft, wenn sie fallen. Der Neue Markt hat in seiner Boomphase vorgemacht, warum das so ist: Befindet sich die Aktie eines Unternehmens in einer Aufwärtsbewegung, finden sich sehr schnell Menschen, die daran verdienen möchten. Also kaufen sie. Die Zahl der nachgefragten Wertpapiere wird irgendwann größer als das am Markt vorhandene Angebot - der Kurs steigt. Große Investoren, die viele Aktien auf einmal kaufen, können auf diese Weise Aktienkurse regelrecht treiben. Besonders anfällig für solche Reaktionen sind die Papiere von Unternehmen, die verhältnismäßig wenige Aktien an der Börse platziert haben. Typisch waren die Fälle vieler Internet-Unternehmen. Ende des vergangenen und Anfang dieses Jahres waren ihre Aktien trendy. Analysten empfahlen, Wirtschaftsjournalisten bejubelten und jedermann wollte sie. Folge: Es ging steil und stetig aufwärts.
Dieser Kreislauf findet regelmäßig dann sein Ende, wenn die ersten Anleger ihre Kursgewinne zu Bargeld machen wollen und ihre Aktienpakete verkaufen. Dann verkehrt sich der Trend in sein Gegenteil: Um möglichst wenig zu verlieren, werden immer schneller immer mehr Aktien verkauft. Das Angebot an Wertpapieren wird größer, und der Kurs rauscht weiter in den Keller.
Laut Börsenlexikon nutzt ein antizyklischer Investor einen solchen allgemeinen Abwärtstrend zum Kauf. Erst wenn die Kurse wieder steigen, wird verkauft. Der Grund: "Bei Titeln, die in Mode sind, gibt es zu viel Luft nach unten." Das sagt Felix Schleicher, bei der Fiduka zuständig für Aktienanalyse und Fondsmanagement. Noch vor kurzem seien Nokia oder Deutsche Telekom für jeden zyklischen Fonds Pflicht gewesen. Als die Werte dann abstürzten, haben viele den Ausstieg verpasst. Eine sinnvollere Strategie sei es, bei fallenden Kursen stetig Aktien nachzukaufen, sagt Schleicher, "wenn es sein muss, auch zwei- oder dreimal". Wenn der Kurs irgendwann wieder nach oben dreht, sei man auf jeden Fall mit dabei.
Ein striktes Verhalten gegen den Trend ist nicht erfolgreich
Idealerweise müsste das meiste Geld genau dann in Aktien fließen, "wenn die Kurse am Boden sind", führt Michael Wolf-Arndt den Gedanken weiter. Er arbeitet bei der Anlagegesellschaft Universal Investment. Mit dem hauseigenen Fonds DAC Kontrast Universal investiere man zwar gelegentlich auch antizyklisch, aber auch dann nur mit sehr wenig Geld. Ob ein reiner antizyklischer Ansatz eine Marketingmasche sei? "Da ist durchaus etwas dran", sagt Wolf-Arndt. Grundsätzlich habe jede Investitionsstrategie das gleiche Problem, ob sie nun zyklisch oder antizyklisch sei: Es ist fast unmöglich, den optimalen Zeitpunkt für Aktienkäufe oder -verkäufe zu finden. Deswegen ähneln sich zyklisch und antizyklisch ausgerichtete Fonds auch in ihren Wertzuwächsen.
Für Thomas Meyer zu Drewer ist damit bewiesen, dass "die Unterschiede zwischen beiden Anlageformen letztlich minimal sind". Außerdem sei die ganze Diskussion im Ausland schon einmal dagewesen. In den Vereinigten Staaten habe es vor Jahren eine Welle von Fonds gegeben, die ähnlich strukturiert waren wie heute die hiesigen Gegen-den-Strom-Produkte. Bärenfonds wurden sie genannt - nach dem Bären als Symbol für sinkende Kurse. Sie sollten bei Abwärtstrends kaufen und bei steigenden Kursen verkaufen. "Aber auch diese Fonds haben gemerkt, dass es in den USA einen langfristigen Aufwärtstrend gegeben hat", sagt Meyer zu Drewer. Wären sie ihrem Konzept treu geblieben, hätten sie immer mehr Aktien verkaufen müssen. Irgendwann wäre nichts mehr da gewesen, was man hätte verkaufen können. Hierzulande sei das genauso: Es gibt "langfristig mehr Aufschwung als Abschwung", behauptet der Fondsmanager. Deswegen sei eine konsequent antizyklische Strategie "nicht erfolgreich".
Die Profis können`s auch nicht besser

Aktienfonds, die sich auf Neuemissionen spezialisieren, sind selten attraktiv

Von Markus Balser

Als Ende Juli das Freiburger Biotechnologieunternehmen Genescan an die Börse ging, hielt es den Vorstand nicht auf dem Parkett. Beseelt vom Kurssprung am ersten Handelstag, kletterte die Führungsriege zum Ritt auf die Bullen-Plastik vor der Frankfurter Wertpapierbörse. Um mehr als 100 Prozent hatte die erste Notiz am Neuen Markt den Ausgabepreis der Genescan-Aktie übertroffen. Viele Kleinanleger machten dagegen lange Gesichter: Weil es pro Aktie 13 Interessenten gegeben hatte, waren sie gar nicht erst zum Zug gekommen.
Bei der Jagd nach erfolgreichen Neuemissionen gehen Kleinanleger regelmäßig leer aus. Institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften werden in der Regel bevorzugt. Den Frust der Hobbyaktionäre versuchen Investmentgesellschaften mittlerweile für sich zu nutzen - mit Fonds, die sich auf Neuemissionen, so genannte Initial Public Offerings (IPOs), konzentrieren. Auf den ersten Blick ein attraktives Angebot: Private sollen von den Vorteilen der institutionellen Anleger beim Poker um junge Aktien profitieren. Außerdem könnten sie sich bei der Aktienauswahl auf das Urteil erfahrener Investoren verlassen, versprechen die Fonds.
"In Neuemissionen steckt viel Fantasie", weiß Kerstan von Schlotheim, Fondsmanager der Commerzbank-Tochter Adig Investment. Nachdem spätestens der Börsengang der Siemens-Tochter Infineon im März aus einem Volk braver Sparer mutige Investoren machte, wollte Adig auf der Neuemissionswelle oben mitschwimmen und gründete den Fonds Global New Stocks. "Da lockt die Aussicht auf Zeichnungsgewinne und attraktive Wertsteigerung", sagt Schlotheim.
Häufig müssen die Fonds auch alte Aktien kaufen
Experten halten die markigen Versprechen allerdings für wenig mehr als eine gute Marketingstrategie. "Das Risiko eines Fonds, der viele Neuemissionen zeichnet, ist derzeit hoch", warnt Anlagestrategin Solvig Hopf, Leiterin der Gruppe "Neuer Markt" im Privatkunden-Bereich der Deutschen Bank. Hohe Zeichnungsgewinne sind längst nicht mehr garantiert. Zu häufig mischen sich unter die Gewinner auch Flops mit hohen Verlusten. "Zwar bringen Banken heute nicht mehr jedes Unternehmen an die Börse", weiß Hopf. Trotzdem schafften derzeit noch zu viele schwache Titel den Sprung aufs Parkett.
Entsprechend schwer tun sich Fondsmanager, mit jungen Aktien systematisch hohe Gewinne einzufahren. Die Wertentwicklung fällt oft ernüchternd aus. Zu den bekanntesten Jägern von Neuemissionen zählt der Gontard & Metallbank-IPO-Fonds UI, den die Fondsgesellschaft Universal Investment verwaltet. Seit März 1998 legte der Fonds zwar um gut 150 Prozent zu, blieb damit aber hinter dem Nemax-All-Share zurück - dem Index aller am Neuen Markt vertretenen Titel: Dieser stieg im gleichen Zeitraum um 250 Prozent, der IPO-Index der Deutschen Bank gar um 650 Prozent. "Ein Plus von nur 150 Prozent - ein miserables Ergebnis für den Fonds", findet Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).
Ein Grund für die magere Performance: Selbst die Profis gehen bei der Jagd nach Neuemissionen oft leer aus. "Fondsmanager bekommen natürlich nicht alle Börsenneulinge, die sie haben wollen", sagt Stefan Kopf von der Gontard & Metallbank. Weil fast jeder Manager vielversprechende Neuemissionen in sein Kalkül einbezieht, ist die Konkurrenz groß. Deshalb müssen Fonds einen Großteil ihres Portfolios in Aktien investieren, die schon auf dem Markt gehandelt werden.
Bei der DG-Bank, einer der führenden Konsortialbanken für den Börsengang von Unternehmen in Deutschland, bestehen Vorbehalte gegen Absahner unter den Fonds. "Wir versuchen die Anteilsscheine der Emittenten zwar über möglichst viele Anbieter zu streuen", erklärt Kay Steffen, Leiter der Abteilung Equity Capital Markets. Dabei bekämen aber vor allem Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont den Zuschlag.
Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sieht eine weitere Gefahr: "Die Versuchung für Banken ist groß, erfolglose Börsengänge aus dem eigenen Haus in dem Fonds zu parken", vermutet SdK-Sprecher Straub. So brachte die Gontard & Metallbank im Februar das Softwareunternehmen Com Telco federführend an die Börse. Der IPO-Fonds der Bank zeichnete die jungen Aktien. Nach der Neuemission zu 18 Euro und einem Kurshoch von 22 Euro setzte der Aktienkurs zum freien Fall an. Jedoch: Statt die Zeichnungsgewinne zu realisieren und alle Aktien zu verkaufen, sahen die Fondsmanager dem Kursverfall zu.
Um trotz der schlechten Zuteilungschancen künftig von Neuemissionen profitieren zu können, denken Fondsgesellschaften nun um. Adig-Manager Kerstan von Schlotheim bastelt an einem neuen Konzept. Sein Fonds soll häufiger vor dem Börsengang in junge Firmen investieren. Begleitet man Unternehmen selbst an die Börse, umgeht man damit lästige Probleme mit den Zuteilungsquoten, so die neue Strategie. Einziger Haken: Mehr als zehn Prozent ihres Anlagevolumens dürfen Fonds nicht in Unternehmen investieren, die noch keine Börsenzulassung haben. So will es der Gesetzgeber.
(c) DIE ZEIT 38/2000
Börse: Experten erwarten Aufschwung

In den vergangenen Monaten konnte man mit deutschen Aktien kaum Geld verdienen. Das soll sich bald ändern. Zum Ende des Jahres dürften die Kurse vieler Papiere kräftig anziehen. Kommt es zur Börsenrallye? Die Meinung der Analysten.

Hamburg - Welche Aktien sollte man kaufen, von welchen die Finger lassen? Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg? Kann man an der Börse in diesem Jahr noch die schnelle Mark machen? Das Abendblatt fragte bei neun Analysten nach:
Matthias Radden, Norddeutsche Landesbank: Ich erwarte einen eher schwächeren September und Oktober. Der DAX könnte auf 6500 Punkte absacken. In der letzten Oktoberwoche sollte der Anleger zukaufen. Denn zum Jahresende wird der DAX noch mal kräftig zulegen. In den kommenden sechs Monaten sind Werte zwischen 7500 und 7600 möglich. Mittelfristig ist Linde ein interessanter Wert. Denn der Maschinenbauer ist derzeit klar unterbewertet. Auch Bayer halte ich für interessant. Ansonsten kann ich kein Zugpferd im DAX erkennen. Wer die risikoreiche, spekulative Anlage sucht, sollte es mit dem Internetwert CMGI an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq versuchen. Der Kurs liegt derzeit bei 40 Dollar. Im Februar war das Papier schon 170 Dollar wert. Die Aktie besitzt großes Potenzial nach oben.
Horst Hartung, Dresdner Bank:In den kommenden Wochen wird der DAX wohl eher seitwärts tendieren - zwischen 6800 und 7400 Punkten. Saisonal bedingt fließt dann zum Ende eines Jahres immer viel Geld in Aktienfonds. Das treibt die Kurse nach oben. Eine Börsenrallye von November an ist möglich. Allerdings muss man abwarten, ob die Europäische Zentralbank wegen des schwachen Euro tatsächlich die Zinsen ein weiteres Mal anhebt. Ein solcher Schritt würde der Börse Geld entziehen und könnte auf die Kurse drücken. Meine Anlagetipps: Siemens und SAP. Auch die Banktitel empfehle ich zum Kauf. Mit Papieren aus dem Konsumbereich wäre ich vorsichtig.
Wolfgang Pflüger, Berenberg Bank: Ich würde den Markt als Anleger in den kommenden Monaten genau beobachten. Fällt der DAX bis Ende Oktober unter 6800 Punkte, wäre dies eine gute Marke für den Einstieg. Dann dürften die Kurse steigen. Klettert der DAX in den kommenden Wochen über 7400 Zähler, könnte dies ein Signal für einen dauerhaften Aufschwung sein. Auch dann sollte man Aktien kaufen. Dem konservativen Anleger empfehle ich Siemens, Alcatel und Cisco. Wer es risikoreicher mag, ist derzeit bei Biotechnologie-Werten gut aufgehoben.
Jochen Intelmann, Hamburger Sparkasse: Der DAX wird sich in den kommenden Monaten wohl zwischen 7000 und 7500 Punkten bewegen. Am Ende des Jahres sind 7600 Zähler möglich. Ich bin aber nur vorsichtig optimistisch. Denn die deutschen Aktien sind derzeit nicht gerade billig. Als Einzelwert empfehle ich Allianz. Der Versicherungskonzern wird von der Steuerreform profitieren. Denn sie ermöglicht den steuerfreien Verkauf von Beteiligungen - und die Allianz hat viele Beteiligungen. Auch Preussag, Singulus und Unilever empfehle ich zum Kauf. Die Deutsche Telekom sollte man halten, nicht kaufen. Ericsson als Handy-Hersteller und UMTS-Infrastruktur-Ausrichter ist ein sehr interessanter Wert. Der Kurs des schwedischen Konzerns dürfte zulegen.
Werner Bader, Landesbank Baden-Württemberg: In den vergangenen Monaten ist der DAX vor sich hingedümpelt. Hauptgrund war der stetig fallende Eurokurs. Ich gehe davon aus, dass sich der Euro erholt. Davon wird auch der Aktienmarkt profitieren. Bis Ende des Jahres sehe ich den DAX zwischen 7500 und 8000 Punkten. Der Anleger sollte möglichst schnell kaufen. Ich empfehle Finanztitel - also Banken und Versicherungen. Zudem sind SAP, Siemens und Nokia interessante Werte. Bei Aktien aus dem Konsumbereich - wie Metro und Karstadt - wäre ich eher vorsichtig. Denn die hohen Benzin- und Heizölkosten belasten die Geldbörse der Verbraucher.
Volker Borghoff, DG Bank: Nach dem relativ guten August ist die derzeitige Entwicklung nicht dramatisch. In den kommenden Wochen dürfte sich der DAX bei etwa 7000 Punkten stabilisieren. Weil wir eine leichte Verbesserung des Umfeldes erwarten, sehen wir den DAX am Jahresende bei rund 8000 Zählern. Kaufen würde ich jetzt Technologie- und Softwareaktien, aber auch ausgewählte Pharmawerte wie Schering. Von Telekommunikationspapieren würde ich dagegen eher die Finger lassen, ebenso wie von Chemie- und Automobilaktien sowie von der Grundstoffindustrie und vom Maschinenbau.
Martin Gilles, WestLB: Abgesehen davon, dass der Spätsommer traditionell eine schwache Phase für die Börse ist, wird der Markt im Moment durch den hohen Ölpreis belastet. Nach unserer Einschätzung stehen wir beim Ölpreis aber kurz vor dem Gipfelpunkt. Sollte sich in den USA eine deutliche Wachstumsabschwächung abzeichnen, dann könnte der DAX bis auf etwa 6500 Zähler sacken. Wahrscheinlicher ist aber, dass er in den kommenden Wochen um die Marke von 7000 pendelt. Auf diesem Niveau sind eindeutig Kaufkurse erreicht. Empfehlenswert sind derzeit europäische Banken und Versicherungen, aber auch Technologieaktien wie Nokia und Ericsson. Wenig aussichtsreich sind Versorger, die Nahrungs- und Getränkebranche und der Gesundheitssektor. Ich rechne mit einem starken Schlussquartal und erwarte einen DAX-Jahresendstand von rund 7800 Punkten.
Karsten Müller, Vereins- und Westbank: Weil die Belastungsfaktoren - schwacher Euro und hoher Ölpreis - zumindest noch bis Oktober bestehen bleiben dürften, ist ein zwischenzeitlicher Rückgang des DAX bis auf etwa 6800 Punkte durchaus möglich. Im November/Dezember dürfte er dann aber bis auf rund 7600 Zähler anziehen. Im Moment könnte es sich lohnen, bei Technologietiteln wieder zuzugreifen. Nokia, Ericsson und Alcatel sind immer ein Kauf. Durchaus empfehlenswert sind auch Telekommunikationsaktien - wer sie bis jetzt nicht verkauft hat, tut das auch nicht mehr. Allgemein gilt: überall die Marktführer auswählen. Als kleine Beimischung könnte man jetzt Öltitel nehmen, zum Beispiel Royal Dutch/Shell oder TotalFina. Mittelfristig bieten auch Maschinenbauwerte aus dem MDAX gute Perspektiven.
Rolf Elgeti, Commerzbank: Die exzessiven Ausschläge nach oben, die wir um den Jahreswechsel 1999/2000 herum gesehen haben, sind vorbei. Das ist auch gut so. Die deutschen Anleger werden erfahrener und laufen nicht mehr Trends wie dem Telekommunikationsboom hinterher. In Zukunft wird das Stock-Picking, also der Kauf ausgewählter Einzeltitel, der Schlüssel zum Erfolg sein. Bei einigen Technologiewerten sind die Wachstumsaussichten ungebrochen. Deutsche Titel, die wir schätzen, sind SAP und Siemens. Bei günstigen Kursen wäre auch die Lufthansa-Aktie interessant. Abraten würde ich von konjunkturabhängigen Branchen wie Chemie, Automobile und der Konsumgüterindustrie. Die haben schon zu viel Vorschusslorbeeren erhalten. Auch bei Telekommunikations- und Medienaktien wäre ich vorsichtig. Ganz allgemein finde ich, dass der typische deutsche Anleger zu wenig Aktien aus dem übrigen Europa im Portfolio hat. Die Aussichten für den DAX bis zum Jahresende schätze ich gemäßigt positiv ein. (ode/v.m.)
Greenspan: Kein Ende des technologischen Fortschritts in Sicht
Der US-Notenbank-Chef Alan Greenspan erklärte
in einer Ansprache bei der Vereinigung der US-Bankiere,
dass er kein Ende der explosiven
Innovationsphase sieht, welche in den letzten
Jahren auch den Finanzsektor entscheidend
mitverändert hat. "Das beschleunigte Wachstum
der Technologie, das auf breiter Front so
großartig unsere Wirtschaft stimuliert hat, hat
auch die Reichweite und Funktionalität von finanziellen Produkten in
den letzten 15 Jahren gesteigert."
Besonders eindrucksvoll ist für ihn, dass es keine Anzeichen dafür
gäbe, dass sich die Innovation im Finanzsektor verlangsamen wird.
Vor allem die Fortschritte in der Computer- und
Telekommunikationstechnologie haben ganz neue
Informationsquellen aufgestoßen. Z.B. wissen die Banken heute fiel
mehr über die Bonität ihrer Schuldner. Außerdem eröffnet der
Fortschritt hohe Einsparungspotentiale. Die Explosion der Quantität
und Qualität der Information reduziert Unsicherheit, vor allem
deshalb, weil das Repertoire von Bänkern nun mal aus
Informationen besteht. Dennoch profitieren die US-Finanzunternehmen
nicht allzu sehr von diesen neuen
Möglichkeiten. Der Konkurrenzdruck in dieser Branche ist einfach zu
groß. Sie müssten die höheren Margen durch günstigere
Konditionen an die Kunden weitergeben.
Allerdings erklärte er auch, dass die ständige Neuerungen auf dem
Finanzsektor ein ständiges Fortentwickeln der FED erforderlich
machen und es nicht ein fixes Konzept oder eine fixe Sichtweise
gibt. Mit Aussichten über kommende Entscheidungen der FED hielt
er sich allerdings zurück. Dennoch zeigt diese Rede, warum zur Zeit
eine solche Konsolidierungswelle über den US-Finanzmarkt rollt.
Ähnlich wie hier in Deutschland haben auch dort Direktbanken und
Direktbroker viele Kunden an sich gezogen und zu einem
Umdenken in der Großbankenlandschaft geführt. Diese
konzentrieren sich vermehrt auf die besonders zahlungskräftige
Klientel, welche dann ein Mehr an Service bekommt. Die
Bankenwelt wächst durch die Informationstechnologie immer enger
zusammen und das Resultat sind Übernahmen wie die
Investmentbank Wasserstein durch die Dresdner Bank oder Bankers
Trust durch die Deutsche Bank. Ob allerdings das vermehrte
Engagement der Europäer vor allem in US-Investmentbanken bei
einer sich in den USA mittelfristig abschwächenden Konjunktur
erfolgreich oder nur strategisch unumgänglich war, wird sich erst
zeigen müssen.
- Stefan Harpaintner -
Warum die IT-Aktien so aggressiv bewertet sind
Der Währungsfonds warnt vor massiven Kurskorrekturen
Hm. Prag, 19. September
Die Tatsache, dass Technologietitel an den Börsen der USA (und anderswo) im Verlauf der letzten 12 Monate mit geradezu abenteuerlich hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen bewertet wurden, während die Valoren der «alten Wirtschaft» eher stiefmütterlich abschnitten, ist auch im Internationalen Währungsfonds (IMF) registriert worden. Im neuesten «World Economic Outlook» geht der IMF dieser Zweiteilung nach, und er stellt die Frage, weshalb die Titel der «alten Wirtschaft» so schlecht abschnitten, zumal die Unternehmen in diesen Sektoren ebenfalls stark in die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IT) investiert hatten und demzufolge auch vom IT-Boom hätten profitieren sollen. Zweitens fragen die IMF-Ökonomen, warum IT-Titel grösseren Schwankungen unterworfen waren als hergebrachte Aktienwerte, und schliesslich prüfen sie, warum die Kurse der IT-Titel an den internationalen Börsenplätzen viel stärker miteinander korreliert waren als andere Valoren.
Alle Antworten haben mit der Einsicht zu tun, dass die Einführung und die Verbreitung von neuen Technologien generell mit hohen Risiken behaftet sind. Diese hohen Risiken schlagen sich in unsteten Gewinnerwartungen nieder, und da Aktienkurse in der Regel heftig und überproportional auf neue Informationen (wie veränderte Gewinnprognosen) zu reagieren pflegen, schlagen sich diese unsteten Erwartungen auch in kräftigen Kursschwankungen nieder. Dazu kommt der enorme Wettbewerbsdruck im IT-Sektor, der für eine geringe Überlebensquote von kleineren und vor allem jüngeren Unternehmen sorgt. Da die Finanzierung der Jungunternehmen in hohem Masse vom Kapitalmarkt abhängt, widerspiegelt sich deren unsicheres Schicksal auch im Auf und Ab der Börse. Den stärkeren internationalen Zusammenhang der IT-Kurse erklärt sich der IMF schliesslich mit der Beobachtung, dass dieser Sektor entscheidend durch die Entwicklungen in Amerika bestimmt wird und dass Investoren und Unternehmen in anderen Ländern wesentlich von den amerikanischen Impulsen zehren.
Im Urteil des IMF zeigt diese hier nur skizzenhaft zusammengefasste Analyse, dass der IT-Sektor wesentlich hinter dem neuerdings engeren Zusammenhang der internationalen Börsen und den heftigeren Kursausschlägen steht. Darüber hinaus gebe es Zeichen, dass sogar die internationalen Kapitalströme auf diese Kursausschläge reagierten, weshalb die kommende Kurskorrektur unter den IT-Titeln - angesichts der nach wie vor überhöhten Kurs-Gewinn-Relationen offenbar nur noch eine Frage der Zeit - das Risiko einer grossen und den ganzen Globus umfassenden Marktkorrektur in sich berge. Die wirtschaftlichen Folgen einer solchen Korrektur - die vielfach beschworene «harte Landung» - dürften in den USA, wo die Börsenkapitalisierung und die Vermögenseffekte in letzter Zeit besonders hoch gewesen seien, am schwersten sein. Aber der IMF befürchtet, dass sie auch andere Länder zu spüren bekommen werden.
Zürcher Zeitung, 20. September 2000
Keine Angst vor hohen PEG`s

Ich denke der Artikel passt zum vorigen, den bischoff reingepastet hat.
Wie bewertet man eigentlich JNPR, NTAP, JDSU, EMC & Co?
Sind die konventionellen Metriken auf diese Unternehmen anwendbar?
Einen Versuch unternimmt z.B. Fred Hager in dem von bischoff am 8.8. geposteten Artikel.
Der folgende geht m.E. noch etwas tiefer:

Der letzte Teil:
http://www.redherring.com/investor/2000/0921/inv-pc092100.ht…
-------------------------------------------------------------------
Baruch Lev, a professor at New York University`s Stern School of Management, has studied this theory extensively, and he has come up with a term for it that Trilogy has borrowed in creating a methodology to value its investments: "knowledge capital." Using the knowledge capital concept, Trilogy analysts such as Mr. Desautels actually cook up numbers and assign a value to knowledge capital, which includes items such as the management team, the quality and number of patents and technology, and the skill of the engineering team.
For example, Trilogy has pegged Microsoft (Nasdaq: MSFT)`s knowledge capital value as $210.9 billion. That`s $210.9 billion in value that would be largely ignored by traditional accounting. Cisco`s knowledge capital is valued at $105.4 billion, and Intel (Nasdaq: INTC)`s knowledge capital is valued at $170.5 billion.

The valuation curmudgeons have constantly missed the boat on emerging market leaders that were considered overvalued by conventional means. Some examples in just the past two years include Juniper Networks (Nasdaq: JNPR) and Brocade Communications Systems (Nasdaq: BRCD). These companies were often cited as being overvalued, with this column being one of the offenders. The people who dug down deep into the market, got to know how powerful each of these players was in its emerging market, and understood the knowledge capital embedded in the organization could have identified this value. Was there ever a time to get them at the right price? That`s always hard to nail down -- but buying such companies on the dips over time has been a golden strategy.

So, under this premise, what is Trilogy holding? Mr. Desautels still believes storage and networking technologies hold promise for the long term. Some of the long-term core holdings of his fund, identified through these valuation methods, include Brocade, EMC (NYSE: EMC), Network Appliance (Nasdaq: NTAP), Nortel Networks (NYSE: NT), Juniper, and JDS Uniphase (Nasdaq: JDSU).
-------------------------------------------------------------------
M.E. der entscheidende Satz:

Trilogy analysts such as Mr. Desautels actually cook up numbers and assign a value to knowledge capital, which includes items such as the management team, the quality and number of patents and technology, and the skill of the engineering team.
Die entscheidenden Faktoren sind also:
Management, Qualität und Anzahl der Patente, Technologie und der skill der Ingenieure.

Und die Empfehlung:
but buying such companies on the dips over time has been a golden strategy.
Kann ich nur unterstreichen. Nicht blind kaufen.

Die Auswahl der Aktien unten gefällt mir übrigens ganz gut ;)

grüße Andy
Von den "Narren":

A Rule Maker offers 10 basic rules that will lead you to investing success. Hint: avoid get rich quick schemes.

Kurzzusammenfassung:
1. versuche nicht den Markt zu timen
2. investiere in Unternehmen, nicht in Aktienkurse
3. Korrekturen passieren. Aussitzen. Nicht nervös werden.
4. big is beautiful
5. vergiß Investmentfonds. Nicht zu breit diversivizieren.
6. kaufe Aktien, die Leute kaufen wollen, wenn der Kurs nur billiger wäre :D
7. kaufe in Korrekturphasen
8. im Alter, sollte man defensiver anlegen. Also nicht 100 % Aktien.
9. versuche regelmäßig zu investieren
10. vermeide riskante "Schnell-Reich"-Strategien

Gute Grundsätze:
Problem habe ich mit
4. Ist mir zu defensiv. Vgl. Jahrescharts von CSCO/JNPR oder EMC/NTAP, oder ORCL/ARBA, oder ...
6. volle Zustimmung: Vgl. z.B. die beabsichtigten Zukäufe von ica:
Analog Devices, Brocade Comm., Bombardier, Juniper Networks, Network Appliance, Siebel Systems und Tyco International).
Die in bold habe ich bereits oder sind auf meiner persönlichen watchlist. M.E. eine gute Auswahl von ica. Bombadier, Tyco kenne ich zu wenig.

Die anderen Punkte sind sog. no-brainer.

Es ist m.E. kein Zufall, dass wir in letzter Zeit immer über die gleichen Aktien-Empfehlungen stolpern. Siehe auch den vorhergehenden Beitrag.

Der ganze Artikel:
http://www.fool.com/portfolios/rulemaker/2000/rulemaker00091…

grüße Andy
Hallo Andy ,
zu Punkt 3 habe ich Bedenken . Aber vieleicht gibt es deswegen Punkt 8
Ein Boardmitglied schrieb einmal: " Es wird immer, wenn die Kurse fallen, Nachkäufe geben, die die Börse stützen werden. Insofern ist ein Kursrutsch zwar wahrscheinlich, er wird aber begrenzt bleiben."

"Begrenzt" ist ein sehr relatives Wort. Und in diesem Zusammenhang
auch sehr unklug. 20% Verlust mögen zwar begrenzt sein, aber wenn
ich sie vermeiden kann, hab ich in ein paar Tagen mehr "verdient" als
der, der diese 20% Kursrutsch mitmacht. Wenn ich es gar schaffe,
beim Wiederaufstieg mit meinem vollen Kapital wieder dabei zu sein,
dann hab ich 125% während der andere immer noch auf seinen 100%
sitzt. Und wenn ich das nur 2-3 mal in meinem Leben schaffe, dann
bin ich um Längen besser als der andere.
OK, das schafft man gar nicht so oft. Aber viele denken halt so und
versuchen es. Und damit verstärken sie die Effekte.
Viele haben noch keine richtige Baisse mitgemacht, um zu verstehen,
wie das abläuft und was die Leute nach ein paar Jahren dann machen.
Oft machen müssen.
Stell dir vor, du sparst für deine Altersversorgung in 15 Jahren.
Börse geht runter, runter, runter. Nach 10 Jahren hast du nur
noch die Hälfte. Da hilft es dir gar nichts, dass es langfristig
wieder rauf gehen wird. In 5 Jahren brauchst du das Geld zur
Altersversorgung. Also wirst du irgendwann entnerved rausgehen
um zu retten was zu retten ist. Und das wissen alle und verhalten
sich entsprechend.

Gruss Bischoff
@bischoff
Im Prinzip hast du Recht. Ganz ohne timing wirds nicht gehen. Da in einer Baisse gute und schlechte Aktien runtergeprügelt werden, die guten manchmal sogar überproportional, kann man einen Ausstieg m.E. auch an Indizes festmachen. Da ich auschließlich im Technologie-Bereich investiert bin orientiere ich mich am Nasdaq.
Ganz konkret: Wenn 5500-6000 Punkte erreicht werden, werde ich unruhig/zittrig ;)

Das ist übrigens der ganze 3. Punkt aus dem zitierten Posting der "Narren".

3. Corrections happen! You can`t live in fear of stock market crashes, because if you don`t play, you don`t win. The market has a "must be present to win" criterion. There will always be artificial reasons that someone will tell you why you should sell stocks and go to cash. Ignore it! The most money that has ever been lost in the stock market is that which sat on the sidelines because of fear

Es gibt aber noch einen anderen Punkt: Wenn Aktien nach unten durchsacken, muss man sich ganz genau den Grund anschauen.
Wieder ganz konkret:
Bei H&M hätte man m.E. bei der Bekanntgabe der Zahlen im Frühjahr rausgehen müssen.
Von GAP sollte man sich m.E (bzw. MF-Erachtens) verabschieden.
Ebenso von DELL, MSFT letztes Jahr und auch von ... sog i net. :(

Einen netten screen habe ich übrigens vor kurzem im MF gelesen:
http://boards.fool.com/Message.asp?mid=13321999

Here is the list of all stocks that averaged over 100% sales gain, and other selected stocks of interest:

Commerce One Inc 727.7%
Ariba inc 654.3%
Juniper Networks 446.0%**
Brocade Comm Sys 345.1%**
Broadvision Inc 287.8%
C M G I Inc 279.9%
Credence Systems Cp 260.0%**
Redback Networks 251.9%
Asyst Technologies 237.0%
Copper Mountain Netwks 215.4%
Exodus Comm. 210.7%
Elantec Semiconductor 202.0%
J D S Uniphase 194.7%**
Inktomi Corp 178.0%
Extreme Networks 166.2%**
SanDisk Corp 157.9%
Applied Micro Circuits 148.7%**
P M C-Sierra 148.0%
Varian Semic Equp Assoc 133.2%**
Novellus Systems 131.9%**
Broadcom Corp Cl `A` 130.2%**
Network Appliance 126.2%**
Nvidia Corp 112.2%**
Rambus Inc 109.0%
Sapient Corp 106.6%
CNET Network 103.5%
Siebel Systems 100.6%
Yahoo 99.3%
i2 Tech 96.7%**
Palm 95.7%
AMD 78.1%**
Emulex 68.1%**
Amazon 67.7%
Cisco 62.5% hat mich überrascht
Sun Microsystems 45.4%
EMC 40.8%
America Online 40.1%
Nokia 31.2%
Adobe Sys 24.2%
Dell 23.1%
GE 18.3%
Oracle (Big surprise) 17.7%
Intel 17.5%
Waters Corp 17.0%
Gateway 12.3%
Microsoft (Another Big surprise) 11.7%
IBM 8.0%
Lucent 3.1%
Qualcomm -17.5%
VISX -22.2%

Ich stimme nicht ganz mit den Schlussfolgerungen von Larry01Gott überein. Aber dieser Screnn erklärt vielleicht einige Kursbewegungen der letzten Zeit.
Ist übrigens fast eine Obermenge meines Depots.

grüße Andy

p.s. eigentlich hatte ich vor nicht erst in 15, sondern in 1-5 Jahren in "Rente" zu gehen ;)
Anhaltende Unsicherheit an der Wall Street
Hartnäckige Flaute oder Wende zu Jahresendrally?
Die amerikanischen Aktienmärkte scheinen unentwegt von Gewinnwarnungen, erhöhten Erdölpreisen und dem schwachen Euro in Schach gehalten zu werden. Viele Analytiker glauben jedoch, dass diese Faktoren bald an Bedeutung verlieren werden, so dass ein Jahresendrally doch noch Realität werden könnte.
Tz. New York, 27. September
In sarkastischer Anlehnung an die Hexenszene in Shakespeares Drama «Macbeth» hat der Chefökonom von Merrill Lynch, Bruce Steinberg, seinen letzten wöchentlichen Wirtschafts- und Finanzkommentar mit «Double, Double, Oil, and Trouble» überschrieben. Tatsächlich schienen die amerikanischen Aktienmärkte während der letzten Handelstage weiterhin von neuen Gewinnwarnungen, den erhöhten Erdölpreisen und vom schwachen Euro verhext zu werden. Der Handel blieb von hoher Unsicherheit geprägt. Kalte Füsse bekamen in letzter Zeit offenbar auch viele Firmen-Insider. Gemäss der Fachpublikation «Vickers Weekly Insider» erhöhte sich das Verhältnis von Aktienveräusserungen zu Titelkäufen in der letzten Woche massiv, nämlich von 1,74:1 im Durchschnitt der letzten acht Wochen auf 2,65:1.
Einige führende Wall-Street-Auguren versuchen nun aber dieser negativen Grundstimmung doch die Stirn zu bieten und wagen die Prognose eines substanziellen Jahresendrallys. Auf ein rosiges Szenario setzt nicht nur die geradezu legendäre, bei Goldman Sachs aktive Börsenoptimistin Abbey Cohen, sondern auch etwa Peter Camelo, der US-Anlagestratege von Morgan Stanley. Und ein mittelfristig bemerkenswert günstiges Umfeld für Aktienanlagen skizziert ebenso der eingangs zitierte Steinberg. Im Wesentlichen vertreten die zuversichtlich gestimmten Auguren den Standpunkt, dass die Bedeutung von Gewinnwarnungen und der Einfluss der Erdölpreiserhöhungen sowie der Euro-Schwäche stark überschätzt würden. Canello macht einmal geltend, dass die «Beichtsaison» kein ausgewogenes Urteil über die effektive Gewinnentwicklung erlaube und in der Regel zu starke Ängste wecke. Zu bedenken sei, dass seit Ende 1995 regelmässig rund drei Viertel aller Gewinnerwartungsrevisionen, welche die Unternehmen in den Wochen vor der Publikation der effektiven Quartalsdaten bekanntgaben, eine negative Korrektur betrafen. Camelo nimmt an, dass die Gewinne der vom S&P 500 erfassten Konzerne im zweiten Semester zwar weniger als noch im zweiten Quartal (gut 20%) zulegen werden, doch unentwegt stattliche Zuwachsraten von mindestens 17% im dritten und von 15% im Schlussquartal aufweisen werden.
Als eher kurzfristiges Phänomen werden von etlichen Wall-Street-Ökonomen sodann die starken Erdölpreiserhöhungen der letzten Wochen interpretiert. Steinberg führt ins Feld, dass die globale Erdölproduktion gegenwärtig 4% über dem Vorjahresniveau liege, während die Nachfrage bloss um 1% zugenommen habe; so erwartet man bei Merrill Lynch, dass sich der Preis des «schwarzen Goldes» im Schlussquartal wieder stark abschwächen und im kommenden Jahr bloss noch im Durchschnitt bei 25 $ pro Fass notieren wird. Im Weiteren vermutet Steinberg, dass der Euro seine Talsohle (mit oder ohne Interventionen) nun doch erreicht hat. Allerdings erwartet er trotz einer gewissen Konvergenz des Wirtschaftswachstums dies- und jenseits des Atlantiks höchstens eine moderate Erholung des Euro, da Amerika weiterhin als bessere Anlagedestination gelten dürfte und die Europäer an den US-Aktienmärkten noch immer relativ bescheiden engagiert seien.
Am Markt für Aktienerstemissionen (IPO) konnte CoSine Communications Inc. am Dienstag einen bemerkenswerten Erfolg feiern. Trotz dem Schatten, den der Halbleiterkonzern Intel am letzten Freitag mit einer herben Gewinnwarnung auf den Technologiesektor geworfen hatte, stieg der Aktienkurs von CoSine bis zum Schluss des ersten Handelstags auf $ 63.06 und damit um 174% über den Ausgabepreis von 23 $. Damit wies die Gesellschaft bereits eine Kapitalisierung von 6,3 Mrd. $ auf. Das war eine bemerkenswerte Performance für ein Unternehmen, das erst gerade im ersten Quartal mit der Auslieferung seiner Produkte begonnen hatte und für das Semester per Ende Juni bei einem Umsatz von 7,6 Mio. $ noch einen Verlust von fast 60 Mio. $ ausweisen musste. Die Emission von 10 Mio. CoSine-Titeln (10% des Aktienkapitals) erbrachte zum Emissionspreis 230 Mio. $. Damit erreichte das im bisherigen Jahresverlauf von Thomson Financial registrierte Volumen von Aktienerstemissionen 68,77 Mrd. $ und übertraf so bereits den 68,66 Mrd. $ betragenden Ganzjahresrekord von 1999.
Der Erfolg von CoSine und der neue Emissionsrekord sollten jedoch laut IPO-Experten nicht über die empfindliche Abkühlung am Primärmarkt für Aktien hinwegtäuschen. Seit dem Kurseinbruch an der Nasdaq im letzten April mussten viele Emissionen abgeblasen werden. Dies betraf vorab Deals kleiner Startup-Gesellschaften, und Analytiker etikettierten den Grosserfolg von CoSine eher als Ausnahme; die Gesellschaft operiere nämlich im überdurchschnittlich heissen Geschäft mit optoelektronischen Kommunikationsnetzen. Die Dynamik in diesem Sektor wurde am Mittwoch auch von der Nachricht unterstrichen, dass Corning für den Erwerb der 90%igen Pirelli-Tochter Optical Technologies 3,6 Mrd. $ zahlen will (vgl. Bericht im Wirtschaftsteil). Gemäss Thomson Financial fiel die Zahl der Aktienerstemissionen von 543 im letzten Jahr auf 369 im bisherigen Jahresverlauf. Entsprechend stieg die durchschnittliche Grösse der Emissionen um fast 50% auf 186,4 Mio. $. Dabei wurde aber erst noch eine ungewöhnlich grosse Zahl von Deals über 1 Mrd. $ registriert. Stark erhöht wurde das Emissionstotal insbesondere durch den rekordhohe 9 Mrd. $ eintragenden IPO von Tracking-Aktien der AT&T Wireless Group. In einem volatileren Umfeld wurden offenkundig grosse und liquide Deals bevorzugt.
Intel, Kodak & Co. - Die Top Line macht Kopfweh
Von Luzian Caspar, Washington
An der Wall Street misstrauen die Anleger neuerdings den Gewinnprognosen. Was jetzt zählt, ist der Umsatz. Und der hat bei einigen Grosskonzernen zu Enttäuschungen geführt. Entsprechend sind deren Aktienkurse in den letzten Tagen massiv gesunken.
Zuerst - am letzten Freitag - fällt Intel um 20 Prozent. Fast 90 Milliarden Dollar an Börsenwert werden in wenigen Stunden vernichtet. Seither ist der Kurs noch weiter abgebröckelt. Und dann, am Dienstag, sackt Estman Kodak um 25 Prozent ab. Die Aktien des Fotogiganten sind jetzt auf dem tiefsten Punkt seit mehr als fünf Jahren angelangt. Die Börsenkapitalisierung beträgt noch lächerliche 12 Milliarden Dollar, weniger als eBay, eine Firma, die 70-mal weniger Umsatz erzielt.
Was ist los? Das Problem sei die Obsession mit der Top Line, sagen die Experten. Die Börse achte nicht mehr auf die Gewinne (Bottom Line), sondern auf die Umsätze. Bei Intel war es nicht eine so genannte Gewinn-Warnung, die das Gemetzel auslöste (anders als beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, der im März an einem einzigen Tag 31 Prozent seines Werts verlor), sondern eine Umsatz-warnung: Die Umsätze im dritten Quartal würden unter die Erwartungen zu liegen kommen, warnte der Chip-Gigant. Von den Erträgen war im Communiqué gar nicht die Rede; der Gewinn des führenden Halbleiterkonzerns der Welt ist nach wie vor solide. (Neben General Electric und Exxon gehört Intel regelmässig zu den drei gewinnstärksten Konzernen.)
Umsatz vor Gewinn
Konzerne, die lediglich ihren Gewinn steigern, werden von der Börse gar nicht mehr belohnt. Laut einer Studie der Brokerfirma Donaldson Lufkin & Jenrette gaben die Aktien der 100 US-Konzerne mit dem stärksten Gewinnwachstum in diesem Jahr durchschnittlich um fünf Prozent nach. Die Aktien der 100 Gesellschaften mit dem stärksten Umsatzwachstum dagegen legten durchschnittlich 14 Prozent zu. Sogar Software-Star Oracle kam Anfang September an der Börse unter Druck, weil die Umsatzentwicklung im jüngsten Quartal die Erwartungen leicht verfehlt hatte. Dies, obwohl Oracle nach wie vor höchstes Ansehen geniesst und die Gewinne des Softwarekonzerns die Prognosen einmal mehr übertrafen.
Gewinne frisiert
Weshalb diese Konzentration auf die Top Line? Weil man den Gewinnzahlen nicht mehr trauen könne, sagen die Experten. Es sei mehr und mehr Mode geworden, die Gewinnzahlen zu frisieren. Aktienrückkäufe, «einmalige» Abschreibungen und Anlage-Erträge verzerren den Gewinnausweis. Microsoft und Intel sind nur zwei der Konzerne, die mit Börsengeschäften bald mehr Geld verdienen als mit dem Verkauf von Produkten. Aber wichtiger sei, dass die Börse sich von der Gewinnentwicklung nicht mehr viel verspreche, fügen die Experten hinzu. Die Gewinnsteigerungen, die die meisten Konzerne in den letzten Jahren vorgelegt hätten, könnten sich bald verlangsamen, befürchteten die Investoren.
Die Produktivität wurde - unter anderem dank dem Einsatz von Computern - laufend gesteigert, und die Kosten wurden drastisch gesenkt. Die Gewinnmargen konnten dadurch eindrucksvoll erhöht werden. Aber jetzt könnte dieser Trend bald an seine Grenzen stossen, befürchtet die Börse. Die Computer-Revolution muss sich irgendwann erschöpfen, und die bisher erstaunliche Lohndisziplin der Angestellten kommt ins Wanken. Auch amerikanische Arbeiter können nur bis zu einem gewissen Punkt ausgebeutet werden. «Die tiefhängenden Früchte sind alle bereits geerntet worden», meinte ein Wallstreet-Banker gegenüber dem «Wall Street Journal». «Von nun an wird es schwieriger werden, die Profitabilität zu steigern.»
Deshalb die Konzentration auf die Top Line. Nur wer den Umsatz steigert, kann auch mehr Gewinn erzielen. Aber ob die Umsätze stark genug wachsen können, um die Ansprüche der Investoren zu befriedigen, ist fraglich - zumindest, was die amerikanische Wirtschaft betrifft. Die Euro-Schwäche, die die in Dollars ausgedrückten Gewinne der amerikanischen Multis empfindlich gedrückt hat (deshalb wohl das Mitmachen des amerikanischen Schatzamts bei den kürzlichen Interventionen), könnte sich zwar unter Umständen bald korrigieren, aber die Konjunktur in den USA zeigt deutliche Zeichen der Abkühlung - oder, wo dies nicht der Fall ist, Zeichen der Überhitzung, die über kurz oder lang zu einem Einbruch führen müssen. Nach zehn Jahren Hochkonjunktur liegt in den USA nicht mehr allzuviel Wachstum drin. Die Aktien, die gute Aussichten haben, sind deshalb rar. Dies, obwohl die meisten US-Blue Chips bereits seit zwei oder drei Jahren fast nur noch gesunken sind.
Mit der Abhängigkeit von Börsengurus wächst die Gefahr!



Kritische Anmerkungen über GURUS

Die modernen Börsengurus sind in meinen Augen eine gefährliche Gauklertruppe die ein hundsgemeines Spiel mit dem Geld der Anleger betreiben. Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die reibungslos und in großer Zahl zusammenarbeiten, die mehr und mehr konsumieren wollen, deren Geschmack jedoch standardisiert, leicht zu beeinflussen und vorauszusagen ist. Bestimmte Börsengurus wissen ganz genau wie sie die Massen zu ihren Gunsten beeinflussen können. Besonders unmoralisch wird dieses Ausnutzen des Anlegeverhaltens gutgläubiger bzw. naiver Anleger, wenn sich die selbsternannten Börsengurus auf Nebenwerte stürzen, denn hier bewirken bereits geringfügige Veränderungen der Auftragsstruktur hohe Kursausschläge.

Auch das schamlose Ausnutzen gewisse Modetrends kann für den Anleger gefährlich werden, denn viele der leichtgläubigen Anleger kaufen dann diese Mode-Aktien zu vollkommen überhöhten Preisen. Durch die allgemeine Euphorie werden vernünftige Bewertungskriterien außer acht gesetzt und die Kurse steigen dann in schwindelnden Höhen. Wer von uns kann schon mit Sicherheit sagen, wie lange noch die Biotech-Hausse geht? Tatsache ist, keiner von uns kann die Kursentwicklung voraussagen. Wer das Gegenteil behauptet, der betreibt Kaffeesatzleserei. Wenn dann noch solche Herren in Fernsehen, Internet, Telefon-Hotlines und diversen Zeitschriften ihre Aktien hochpushen können, so muß man diese Machenschaften als eindeutig kriminell bezeichnen. Gerade unerfahrene Anleger werden häufig Opfer dieser unseriösen Finanzstrategen.

Deshalb mein eindringlicher Rat: Macht Euch selber eigene Gedanken und recherchiert selber über die Aktien die Ihr demnächst kaufen wollt. Es ist immer gefährlich, anderen selbsternannten Börsengurus nachzuäffen.

Nicht blindlings den Inhalt der verschieden bundesdeutschen Finanz-Zeitschriften Glauben schenken, denn die Artikelschreiber wissen oft nicht mehr als unsereins. Warnen muß ich vor Leuten, die fortwährend irgendwelche heiße Aktientips herausposaunen.

Wer ernsthaft meint, mit OS kann man schnell Geldverdienen, vernachlässigt die Gefahren dieser spekulativen Geldanlage und das endet häufig zum finanziellen Desaster.

Capoon
Goldman gibt einen positiven Ausblick auf den Technologie-Sektor:

Goldman renews tech sector bullishness
http://biz.yahoo.com/rf/001003/n03587604.html
Ein paar Ausschnitte:
-------------------------------------------------------------
Goldman`s technology research team said during the call that it favoured three segments of the high-tech industry: storage systems providers, network equipment and Internet infrastructure software suppliers.

Conigliaro said Goldman`s top picks were storage providers EMC Corp. (NYSE:EMC - news) and Network Appliance Corp. (NasdaqNM:NTAP - news), network gear suppliers Juniper Networks (NasdaqNM:JNPR - news) and Cisco Systems Inc. (NasdaqNM:CSCO - news), and Internet business software makers Oracle Corp. (ORCL) and BEA Systems Inc. (NasdaqNM:BEAS - news).

Amid a deceleration in U.S. economic growth, Cohen reiterated her view that the best stock performance does not come in periods of strong corporate profits but rather when investors see the potential for sustained profit growth.

``Stocks do best not necessarily when profits are at their best, but when investors are confident about their growth visibility,`` she said.

Cohen said today, ``We are, from the portfolio standpoint, much more comfortable with the technology stocks.``
-------------------------------------------------------------------
Abby Cohen ist eine sehr einflußreiche Analystin an der Wall Street, genießt schon fast so etwas wie Kultstatus. Durch Äußerungen im Frühjahr hat sie auch mit den Techologie-Crash einge-leitet/-läutet, wenn natürlich auch nicht verursacht.

Bei den erwähnten Sektoren sind die meisten von uns mit von der Partie.

grüße Andy
p.s. BEAS? hat die wer von euch? aktuelles YHOO-Rating 1.32, bei 14 Analysten ;)einer zu wenig. Werden heute allerdings auch etwas in den e-business Strudel aufgrund eines dümmlichen down-bashings von Jefferies mit hineigerissen. Ist manchmal schon unglaublich welchen Einfluß Analysten auch aus der 2. Reihe sehr kurzfristig auf die Kursentwicklung haben.
@Andy

Ich arbeite schon seit einiger Zeit nach den von ica vorgestellten Bewertungsmetode und ich erinnere mich, daß er BEA Systems auch auf seiner Watch-List hat.

However, ich habe derzeit 3 Aktien, welche alle Ende letzten Jahres gekauft wurden:

BEA Systems im Gewinn 158,74 %

JDS Uniphase im Gewinn 26,22 %

EMC im Gewinn 107,27 %


Nachzulesen im Milleniumdepot, was seit 03.01.2000 ohne Depotveränderung läuft, ich belege dort per heute Rang 22 von 714 Mitspielern.

http://www.wallstreet-online.de/community/musterdepots/ws/ud…

Macht von Euch auch jemand mit?

CU gl

P.S. Jeden Tag hierumzuposten ist mir übrigens zu anstrengend, daher meinen Dank an die Aktiven hier im Board von einem Faulen...
Wenn Ihr im Milleniumdepot zu Rang 22 weiterblättern wollt, dann müsst Ihr unten auf

1-20 | 21-40 | 41-60 | 61-80 | 81-100 | 101-120 >>

klicken. Nächste Woche stehe ich dann vielleicht weiter vorn. ;)

Wo wir gerade dabei sind, hat jemand von Euch schon was von Avaja gehört, soll ein ganz neuer Spin-Off von Lucent sein (neuer Beitrag hierzu ?).

CU gl
Fallobst in Kalifornien

Ein Apple macht noch keine Krise

Von Ludwig Siegele

So schnell ist bisher kaum ein Unternehmen vom Himmel zur Hölle gefahren. Vor ein paar Wochen standen Apple-Fans noch Schlange in New York, um eine Rede des Firmenchefs Steve Jobs zu hören, unbestritten die größte Attraktion der Techno-Branche. Jetzt, nachdem er vergangene Woche überraschend vor Absatzproblemen warnte, liefen ihm an der Wall Street die Investoren davon. Innerhalb weniger Stunden stürzte der Kurs der Apple-Aktie um über fünfzig Prozent ab, fast neun Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf.
Die Stampede auf der Wall Street, eine der größten in der Finanzgeschichte, wirft Fragen auf: Hat die Kultfirma aus dem Silicon Valley sich ihr Comeback verdorben, bevor es begonnen hat? Oder wurde Apple das erste prominente Opfer einer Krise in der Computerbranche? Und was hieße dies für die viel gepriesene New Economy?
Ohne Steve Jobs wäre Apple keine unabhängige Firma mehr. Der Gründer, der erst vor drei Jahren als Retter zu Apple zurückgekehrt war, hat in dem chronisch chaotischen Unternehmen aufgeräumt, wenn auch um den Preis einer Schreckensherrschaft. Aber die Absatzprobleme deuten auf eine Schwäche in seiner Strategie: Der Erfolg in den vergangenen beiden Jahren hatte vor allem einen Grund - Apple verkaufte seine teuren neuen Computer vornehmlich an die alte Fangemeinde.
Jetzt ist die treue Altkundschaft "abgemolken", wie Börsenanalysten schadenfroh feststellen. Und es ist unklar, woher das Wachstum kommen soll. Die Konkurrenten Compaq, Dell und Hewlett Packard bieten außer PCs auch andere Produkte an: kleine Handcomputer, leistungsfähige Netzrechner, Dienste im Internet. Apple dagegen baut nur immer schönere und schnellere Maschinen.
Die legendäre Firma könnte Gelassenheit demonstrieren, lägen ihre Absatzprobleme einfach nur im Trend der gesamten Computerindustrie, erschwerte nur der hohe Dollar den Export und störte allein der hohe Ölpreis die Konsumfreude. Immerhin haben kürzlich auch SCI Systems, der größte Auftragshersteller für PCs, und der Chiphersteller Intel die Gewinnerwartungen gedämpft, weil die Kunden in Europa nicht mehr wie gewohnt zugriffen. Der Rest der Branche aber wundert sich: Flaute - welche Flaute? Marktforscher können bisher kaum eine Nachfrageschwäche ausmachen. Der PC-Markt soll in diesem Jahr sogar um ein Sechstel wachsen - und wer davon nicht profitiert, hat wohl etwas falsch gemacht.
Dennoch haben die schlechten Zahlen bei Apple, Intel und anderen eine neue Debatte um die New Economy und die Zukunft der Computerbranche ausgelöst. Business Week, das Zentralorgan der neuen Ökonomie, sieht bereits eine "Internet-Depression" heraufziehen.
Depression? Das ist übertrieben - schon wieder so ein Hype, nur dieses Mal mit umgekehrten Vorzeichen. Die Wahrheit ist schlichter - und weitreichender. Internet und andere Technik haben die Wirtschaft flüssiger und flüchtiger gemacht. Was hoch schwappt, wird auch tief stürzen - easy.com, easy.go, so heißt das im Technodeutsch. Wer über die explodierenden Kurse jubelte, darf sich jetzt über den Absturz aus geringem Anlass nicht grämen. In der New Economy kann auch eine große und verehrte Firma tief fallen.
Genauer denn je müssen die Anleger unterscheiden: zwischen kurzer Mode und langer Welle. Welches Unternehmen nutzt die Chancen des Internet tatsächlich, und wer vermag nur für eine kurze Zeit zu blenden? Die Frage stellt sich nicht bloß bei Apple.
Ein Artikel, der Einsicht gewährt in die Arbeit von Analysten am Bespiel von Heny Blodget, Star-Analyst von Merrill Lynch, dessen UP- oder Downgrades die Kurse steigen und fallen lassen. Hier wird anhand eines Arbeitstages u.a. auch geschildert, dass Blodget seinen Kunden seine Pläne mitteilt, bevor er damit an die Öffentlichkeit geht. Natürlich kauft dann keiner dieser Kunden schon mal ein paar Stück der Aktien vor dem Upgrade...

Gut geschrieben. Würde guten Stoff für einen Krimi abgeben. Wahrscheinlich gibt es diesen Krimi schon und ich kenne ihn nur nicht.

Analyst With A Knack for Shaking Up Net Stocks

By David Streitfeld
Washington Post Staff Writer
Sunday, April 2, 2000; Page H01

NEW YORK –– "Clown."
"Pimp."
"Never misses an opportunity to grandstand."
People are always talking about Henry Blodget ...

http://www.washingtonpost.com/wp-srv/business/feed/a59866-20…
Grosser Katzenjammer nach dem Sturz von Intel, Apple und Co.
Von Luzian Caspar, Washington
Wehklagen auf den Chat-Seiten im Internet: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Denkmal der High- tech-Szene an der Börse einstürzt. Die US-Hightech-Aktien insgesamt geben ein uneinheitliches Bild.
«Die Börse hat mich noch nie traurig gestimmt bis heute», klagt ein Anleger auf der Investoren-Chat-Seite «Motley Fool». «Wenn das im gleichen Tempo weitergeht, landet Intel bis zum Thanksgiving-Wochenende noch bei null.» Und ein anderer «Fool», der Intel-Aktien gekauft hatte, als sie bei 59 Dollar angelangt waren (heute sind sie bei 42), schrieb auf dem Bulletin Board: «Hört dieser Aderlass irgendwann auf? Diese Börse hat mir Religion beigebracht.» «Die Welt da draussen ist kalt und brutal», meinte ein Dritter. «Die Börse kümmert sich um deine Hoffnungen und Ängste nicht im Geringsten.»
Der Katzenjammer ist gross auf den Chat-Seiten im Internet. Seit Intel an einem einzigen Tag um 20 Prozent abgesackt ist, haben viele US-Privatanleger, die bisher ganz zufrieden mit ihren Hightech-Aktien spekuliert haben, an der Welt zu zweifeln begonnen. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Denkmal der Hightech-Szene an der Börse einstürzt - die jüngsten Beispiele sind Apple und Xerox.
Xerox hat freilich die Aktionäre bereits seit mehr als einem Jahr enttäuscht. Die Lehre aus dem Apple-Kurssturz (minus 52 Prozent an einem einzigen Tag) bestehe darin, dass auch der bekannteste Konzern mit der treuesten Kundschaft von der Börse in ein paar Augenblicken flachgewalzt werden könne, meinte ein Chatter. «Dies ist ja so staunenswert und dynamisch an unserer Welt, dass du nie weisst, was als Nächstes passiert.»
«i-Cube» als Papierkörbe
Als Apple an einem einzigen Tag die Hälfte seines Werts verlor, tauchten auf dem Internet Tipps auf, was Apple jetzt mit den «i-Cube»-Computern machen solle, die keine Käufer gefunden hatten. «Nach Dänemark schicken, um Legos daraus zu machen» oder «die Elektronik rausnehmen und sie als Papierkörbe verkaufen» waren einige der Vorschläge.
Ein «Fool» komponierte eine «Hymne» mit dem Titel «Ich werde überleben»: Er habe jetzt eingesehen, dass das kurzfristige Spekulieren nur den Brokern nütze; in Zukunft werde er sich an die altbekannten Anlegerregeln halten und seine Aktien auf Jahre hinaus behalten.
Der Galgenhumor hält sich jedoch in Grenzen, denn bis jetzt hat das Gemetzel noch keine katastrophalen Dimensionen angenommen. Der grosse Kurssturz der Hightech-Aktien (angeführt von den Internet-Aktien oder «internuts») erfolgte im März und April; seither haben sich die meisten Hightech-Aktien seitwärts bewegt. Viele Aktien haben sich im Sommer wieder ein wenig erholt. Bedenklich ist nur, dass diese Gewinne inzwischen wieder verloren gegangen sind und dass jetzt auch grosse und grösste Konzerne in den Strudel der «Volatilität» geraten. (Intel ist immerhin der gewinnstärkste Industriekonzern der Welt.) Die Frage ist jetzt, ob die Deflation der Hightech-Börse die «Talsohle» markiert oder die Vorbereitung für einen neuen Absturz.
«Wenn die Börse beginnt, ihre Generäle zu köpfen - Intel, Cisco, Yahoo, Hewlett-Packard und Apple -, dann weiss man, dass die Talsohle erreicht ist», meinte ein hoffnungsvoller Anleger auf dem Internet. Tatsache ist, dass man in jüngster Zeit eine hektische «Rotations»-Bewegung gesehen hat: Die Spekulanten flüchten aus einer Kategorie von Hightech-Titeln, zum Beispiel Internet-Aktien, in andere, zum Beispiel «fiberoptics». Und bedenklich ist vielleicht, dass ein Grossteil der Gelder sich auf wenige, bestbekannte «Blue Chips» konzentrieren - zum Beispiel Sun Microsystems oder Cisco.
Nicht mehr so unverwundbar
Bei Cisco hat das Kurs/Gewinn-Verhältnis inzwischen 150 erreicht (mehr als je), und die Börsenkapitalisierung liegt bei 400 Milliarden Dollar (mehr als Microsoft), obwohl der Kurs seit März leicht gefallen ist. (Als kritische Grenze wird oft ein Kurs von 60 Dollar genannt). Und auch Sun Microsystems, der führende Hersteller von Internet-«Servern», hat mit rund 100 ein höheres Kurs/Gewinn-Verhältnis als je. Vielleicht sind somit auch diese «blausten aller Blue Chips» nicht mehr so unverwundbar wie vor kurzem.
Halbleitermarkt bricht in drei Jahren ein

Nach einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Dataquest kann sich die Halbleiterindustrie noch auf zwei Jahre Wachstum freuen, bevor der Markt einbricht.
In diesem Jahr rechnet Dataquest mit einem weltweiten Umsatz von 231,6 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 36,9 Prozent im Vergleich zu 1999 entspricht. Dataquest korrigiert damit die letzte Prognose von diesem Jahr um 5,6 Prozentpunkte nach oben. 2001 soll der globale Umsatz um weitere 27,5 Prozent auf rund 300 Milliarden US-Dollar wachsen. 2002 wird die Wachstumskurve flacher und erreicht nur noch 13,9 Prozent. Im darauffolgenden Jahr 2003 erwarten die Experten dann den Einbruch im Halbleitermarkt, der dann um 5,3 Prozent schrumpfen soll. Die Dataquest-Zahlen beziehen sich auf den mit Halbleitern erzielten Umsatz, nicht auf die verkauften Stückzahlen von Chips.
Der Halbleitermarkt verhält sich zyklisch: In Zeiten mit knappem Angebot und hohen Preisen bauen die Chiphersteller ihre Produktionskapazitäten aus. Anschließend steigt die Produktion stark an, was zu einem großen Umsatzwachstum führt. Wenn die hohen Fertigungskapazitäten nicht mehr ausreichend ausgelastet sind, müssen die Hersteller die Preise senken, um weiter ausreichende Stückzahlen verkaufen zu können. Anschließend erfolgt ein Kapazitätsabbau der Produktion, der Kreis schließt sich.
Angesichts des explosiven Wachstums der Branche grübeln alle Beobachter schon lange, wann die Sättigung des Marktes eintritt. Im nächsten Jahr werden weltweit zahlreiche neue Chipfabriken ihren Betrieb aufnehmen, nachdem es in diesem Jahr bei vielen Komponenten zu Lieferengpässen kam.
Dataquest sieht vor allem einen Einbruch der Umsätze bei DRAM-Chips auf uns zu kommen. Der derzeitige Ausbau der Fertigungskapazität für Speicherchips ist enorm; größere Wafer und feinere Strukturen sorgen für einen massiven Schub bei der DRAM-Produktion.
In 2002 erwartet das Marktforschungsunternehmen 76 Milliarden US-Dollar Umsatz bei den Speicherchips. Der Abschwung in 2003 wird laut Dataquest durch den Preiseinbruch beim DRAM eingeläutet, doch sieht man auch einen weiterhin hoch bleibenden Bedarf an anderen Halbleiterprodukten. Diese große Nachfrage soll den Umsatzeinruch insgesamt abfedern.
Auf das Jahr genau scheinen die Dataquest-Voraussagen nicht einzutreffen: Vor ziemlich genau einem Jahr war man der Ansicht, dass weltweit erst 2003 250 Milliarden Dollar Umsatz erzielt werden. Die neue Studie erwartet dieses Ziel nun schon im ersten Halbjahr 2001, also rund 1,5 Jahre früher. (ciw/c`t)
Neues US-Gesetz für
Gewinnwarnungen
mitverantwortlich

In den vergangenen Wochen haben Un-
ternehmen wie Dell, Intel oder Eastman
Kodak die Märkte mit Gewinnwarnungen
erschüttert. Das Schema war immer das
Gleiche. Zuerst lief die Gewinnwarnung
über die News-Ticker, dann kam es zu ei-
ner Reihe von Analystenabstufungen. Die
meisten Unternehmen führten ihre schlech-
ter als erwartet laufenden Geschäfte auf
einen schwachen Euro zurück. Die mei-
sten Marktbeobachter erkannten darin
weitere Indizien, dass sich die US-Wirt-
schaft deutlich abkühlt und vor allem der
PC-Sektor zur Zeit nicht auf die Beine
kommt. Das Ende der boomenden 90er
Jahre, wo Aktienmärkte und Weltwirtschaft
global gesehen florierten? Droht uns ähn-
lich bald eine jahrelange Durststrecke wie
in den 70er Jahren mit Nebeneffekten wie
steigenden Rohölkosten und steigender
Inflation?
Wie gefährdet die Weltwirtschaft und die
Aktienmärkte wirklich sind, wage ich nicht
zu prognostizieren. Doch die sich in den
USA häufenden und global die Märkte
negativ beeinflussenden Gewinn-
warnungen sind teilweise auf ein hausge-
machtes Phänomen zurückzuführen: ein
neues Gesetz zur Gleichstellung aller
Marktteilnehmern bei der Informations-
weitergabe von Unternehmen in den USA.
In den vergangenen Jahren war es Gang
und Gäbe, dass Unternehmen Gewinn-
prognosen und Eindrücke aus dem lau-
fenden Quartal vorzugsweise und zualler-
erst den Analysten zukommen ließen. Sie
fungierten als Mittler ließen dem Markt
dann peu à peu ihr Wissen zukommen.
Dies sorgte unter anderem dafür, dass
Analysten im vergangenen Jahr mit ihren
Prognosen um 65 Prozent näher an den
tatsächlichen Ergebnissen lagen als 1990,
wo diese Vorgehensweise noch nicht Pra-
xis war. Damit war der Markt vor allzu großen Überraschungen von der Quartals-
ergebnisseite durch den Puffer Analysten
abgeschottet. Dies hat sich mit dem am
23. Oktober in Kraft tretenden Gesetz
schon im Vorfeld geändert. Denn wie vie-
le großen Ereignisse wirft auch dieses sei-
ne Schatten voraus.
So erfüllen viele Unternehmen schon jetzt
die Anforderungen dieses Gesetzes. Bei-
spielsweise wurde auf der halbjährlich statt-
findenden Analystenkonferenz bei Dell vor
Problemen beim Absatz in Europa und der
Euro-Schwäche gewarnt. Jedoch lief die-
se Meldung, während die Analysten sie
vernahmen, ebenfalls über die News-Tik-
ker.
Aufgrund der allgemeinen Unsicherheit,
die dieses Gesetz mit sich bringt, raten
schon jetzt die Rechtsberater den großen
Unternehmen, ihre Karten einheitlich für
alle auf den Tisch zu legen. So haben bei
einer am vergangenen Freitag veröffent-
lichten Studie 90 Prozent der 60 befrag-
ten Unternehmen Änderungen beim Um-
gang mit Börsen-Sensitiven Daten geplant.
Im laufenden Quartal soll es allein des-
halb noch mehr Gewinn-/ Umsatz-
warnungen als die 135 aus dem vergan-
genen Quartal geben.
Zudem werden die Unternehmen wieder
Quartalszahlen veröffentlichen, die teils
meilenweit von den Prognosen im Positi-
ven wie im Negativen entfernt sind. Da jetzt
die Marktteilnehmer wieder mehr auf sich
selbst gestellt sind, wird dies sicherlich nicht
zur Beruhigung der Märkte im vierten
Quartal beitragen.

von Harpaintner
Jeden Tag ein Crash

Die Börse hat viele Deutsche reich gemacht. Jetzt macht sie einige arm. Denn in der neuen Aktienwelt schwanken die Kurse wie nie zuvor. Der Wirtschaft schadet das nicht

Von Marc Brost, Mark Schieritz, Wolfgang Uchatius

Vor zehn Jahren war Deutschland eine Bananenrepublik. So sehen es zumindest erfahrene Börsianer: Damals investierten die Deutschen mehr Geld in gelbe Südfrüchte als in Aktien. Inzwischen ist das Land eine Börsenrepublik geworden - fast jeder hat große Gewinne gemacht, fast jeder hat ein paar Geheimtipps parat, fast jeder ist ein heimlicher Experte. Jetzt hat es die ersten Experten erwischt.
"Mein Depot hat in den letzten drei Wochen so viel verloren, dass ich lieber nicht mehr nachrechne", sagt Peter Trechnow aus Köln. Der 35-Jährige hat sich noch im April am Neuen Markt eingedeckt, als schon die ersten Kassandrarufe durch Internet-Foren und Börsenblätter hallten. Dann bröckelten die Kurse, doch Trechnow behielt seine Aktien. "Das ist diese verdammte Gier", sagt er. "Man sitzt am Computer, sieht, wie das Geld dahinschmilzt, und wartet ab, anstatt auszusteigen, wenn die Verluste noch gering sind." Irgendwann hat Trechnow doch verkauft. Aber da war es schon zu spät.
Mehr als elf Millionen Deutsche besitzen inzwischen Aktien oder Fondsanteile, so viele wie nie zuvor. Allein im ersten Halbjahr 2000 sind eine Million neue Aktionäre dazugekommen. Jetzt lernen sie, dass die Börse auch arm machen kann. Der Neue Markt? Seit Anfang September um 31 Prozent gefallen. Die amerikanische Wachstumsbörse Nasdaq? Um 27 Prozent geschrumpft. Es herrsche eine Stimmung wie beim Ausverkauf, sagen Börsenhändler. Schon macht das Wort vom "Crash auf Raten" die Runde. Am Neuen Markt, weiß die Süddeutsche Zeitung, werde nichts mehr so sein, wie es einmal war.
In Zukunft wird es immer mehr Abstürze geben
Falsch. Alles ist so, wie es immer war. Abstürze gehören zum Aktienmarkt wie überraschende Tore zum Fußball. Dennoch ist der Kursverfall der vergangenen Woche das erste Indiz einer neuen Börsenwelt. Vieles deutet darauf hin, dass es derartige Einbrüche künftig öfter gibt. Dass gleichzeitig aber die Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze, die reale Ökonomie also, gering bleiben. Kurz: Es wird in Zukunft mehr Crashs geben - aber es werden keine Crashs mehr sein.
Die neuere Börsengeschichte verläuft im Zickzack, und wer die Gier der Anleger weckt, muss mit einem tiefen Fall rechnen. Zum Beispiel Infineon: Mit einer gigantischen Werbekampagne lockte die Siemens-Tochter im Frühjahr die Kleinanleger an die Bankschalter. Alle wollten die neue Volksaktie, die I-Aktie, kaufen. Was das Unternehmen herstellt? War vielen egal. Wie das Unternehmen genau heißt? Wussten einige nicht. Hauptsache Infineon-Aktien besitzen. Was alle kauften, konnte so schlecht ja nicht sein. Am ersten Börsentag schoss die Aktie prompt von 35 auf über 70 Euro hoch. Heute notiert das Papier rund 33 Prozent tiefer.
Mehr denn je funktioniert die Börse wie ein Schönheitswettbewerb. Will man erraten, wer zur Schönsten gewählt wird, darf man nicht auf die persönliche Favoritin tippen. Man muss die Kandidatin suchen, die vermutlich dem Gros der anderen am besten gefällt.
Wer dem Trend folgt, gewinnt. Trotz ihrer Prognosemodelle verhalten sich die Finanzprofis nicht anders als die Kleinanleger. Sie rennen mit der großen Herde. "Es gibt eine enorme psychische Barriere, gegen den Markt zu handeln, weil das im Fall von Verlusten nur schwer zu rechtfertigen ist", sagt Thorsten Poddig, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Bremen. Trends werden daher schnell zu Megatrends und einzelne Aktien plötzlich zu Stars auf dem Parkett. Der Markt habe übertrieben, als er noch im Frühjahr die Werte der New Economy in irrsinnige Höhen jagte, sagen heute die meisten Börsianer. Trotzdem kauften sie damals kräftig mit. Bis der Trend plötzlich brach und die Anleger umdachten. Die Kurse schlugen in die andere Richtung aus.
Das Herdenverhalten sei heute eben stärker als früher, meint Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank. Hinzu kommt eine wachsende Klasse von Spekulanten, die den Markt treibt: die Hedge Fonds. Sie nutzen jede Chance, schnelles Geld zu machen - zum Beispiel durch den Verkauf von Aktien, die sie noch gar nicht besitzen. Je tiefer die Aktie sinkt, desto größer ist der Gewinn, weil der Fonds günstiger kaufen kann, wenn er die Aktie dann wirklich braucht. Typisch für diese Spekulation sind spätere Panikkäufe - so wie am vergangenen Freitag, als die Nasdaq um mehr als sieben Prozent nach oben schoss. Der Grund: Wenn eine Aktie, auf die eine Verkaufswette läuft, doch zu steigen beginnt, bekommen die Spekulanten kalte Füße - und decken sich mit der Aktie ein, um ihre Verluste zu begrenzen.
Der Börsenkurs fährt Achterbahn. Weil Aktiengeschäfte außerdem heute viel schneller und rund um die Uhr abgewickelt werden können, erwartet der amerikanische Ökonom Robert Shiller, dass starke Kursausschläge zum Normalzustand werden (siehe Interview).
Folgt auf jeden Absturz also ein neuer Höhenflüg? Und auf jede Hausse ein neuer Crash? Gottfried Heller von der Fiduka Vermögensverwaltung, ein Weggefährte des verstorbenen Börsengurus André Kostolany, stört schon das Wort. Von einem Crash könne man nur sprechen, wenn dauerhafter Schaden entstehe. So wie vor 71 Jahren, als nach der Börse die Weltwirtschaft abstürzte. Die Unternehmen gingen massenweise Pleite. Die Volkseinkommen fielen in manchen Ländern um 30Prozent. Die Arbeitslosenquoten stiegen auf bis zu 40 Prozent. Schuld an der Krise, heißt es meist, sei der 24. Oktober 1929 gewesen, der Tag, an dem die Börse krachte.
Was dabei übersehen wird: Entscheidender als ein Kursabsturz ist das, was danach passiert. "Der Börsenkrach von 1929 war ein wichtiges Ereignis, aber er hat die Krise nicht hervorgerufen und war auch kein wesentlicher Faktor für die Härte der Depression", so der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman. Die starken Kursausschläge mögen einzelne Börsianer ruinieren. Damit aus einer Kurskorrektur aber eine gesamtwirtschaftliche Katastrophe wird, muss mehr zusammenkommen.
Zum Beispiel die kollektive Flucht vom Kapitalmarkt. Ein richtiger Crash bedeutet abstürzende Aktien quer durch alle Branchen und panisch verkaufende Anleger. Von Panik aber kann derzeit keine Rede sein. "Die Leute verhalten sich viel ruhiger, viel weiser als bei früheren Einbrüchen", sagt Jörg de Vries-Hippen, Senior Fonds Manager bei der Investmentgesellschaft DIT. Statt sich aus dem Markt zu verabschieden, haben die Anleger ihr Geld aus kriselnden Werten abgezogen und in andere Aktien gesteckt. Beim Kurssturz am vergangenen Donnerstag habe es eine regelrechte "Flucht in die Qualitätswerte" gegeben, sagt Klaus Friedrich, Chefvolkswirt der Dresdner Bank. "Einige Werte der Old Economy haben sogar Höchstkurse erreicht", so Commerzbanker Ramm. Auch Kleinanleger Trechnow wittert schon wieder Schnäppchen: "Ich bleibe dem Neuen Markt treu", sagt der 35-Jährige, "das Geld fließt zurück."
Wenn die Aktionäre umschichten, statt auszusteigen, können zwar einzelne Werte und Branchen abstürzen, nicht aber der gesamte Markt. Solange es ausreichend Käufer gibt, bleibt die Börse am Leben. Und in Zukunft dürften die Kurse noch Auftrieb erhalten. Allein durch die geplante Rentenreform und die damit verbundene Förderung der privaten Altersvorsorge würden dem Kapitalmarkt im kommenden Jahr rund acht Milliarden Mark zufließen, heißt es in einer Studie der HypoVereinsbank. Für das Jahr 2008 rechnen die Banker bereits mit zusätzlichen 52 Milliarden Mark, 40 Prozent davon in Aktien.
Die private Altersvorsorge schaufelt Geld an die Börse
Selbst wenn es wider Erwarten doch zu einer panikartigen Flucht aus allen Aktien kommen sollte - es bliebe zunächst ein Problem der Börse und der Börsianer. Die Wirtschaft könnte unbeschädigt bleiben, so wie meistens in der Vergangenheit. Am 9. Mai 1901 etwa halbierten sich die Kurse an der New Yorker Börse nahezu - doch draußen brummten die Fabriken weiter. Dem Einbruch vom 28. Mai 1962 folgte keine Krise, sondern ein Aufschwung. Gleiches geschah nach dem 19. Oktober 1987: "Als Folge des Absturzes erwarteten damals alle eine Rezession", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs. "Tatsächlich begann ein Boom."
Und heute? Über zwei Kanäle könnte ein Kursverfall die gesamte Wirtschaft treffen. Erstens: der Kapitalkanal. Unternehmen gehen an die Börse, um sich Geld für Investitionen zu verschaffen. Fällt die Aktie in der Gunst der Anleger, verschieben die Unternehmen ihren Börsengang, Investitionen bleiben aus. Zweitens: der Konsumkanal. Wie viel die Verbraucher kaufen, hängt weniger davon ab, wie reich sie tatsächlich sind, sondern wie reich sie sich fühlen. Der amerikanische Boom rührt nicht zuletzt daher, dass die Konsumenten, berauscht von den Wertsteigerungen ihrer Aktien, kräftig einkaufen. Fallen die Kurse, bleibt der Geldbeutel zu.
All das muss aber kein Grund zur Sorge sein. Die Politik kann gegensteuern. Die Zentralbank könnte die Zinsen senken, damit die Investitionen billiger machen und so den Nachfrageausfall ausgleichen. Genau dies hatte die amerikanische Notenbank 1929 versäumt - für viele der eigentliche Auslöser der Krise. Und genau das hat Zentralbankchef Alan Greenspan 1987 getan - für viele der entscheidende Grund dafür, dass die Krise damals ausblieb. Die Notenbanker haben dazugelernt. Börsenexperte Gottfried Heller: "Einen großen Crash, der die ganze Wirtschaft mit nach unten reißt, wird es nie mehr geben." Jedenfalls ist er unwahrscheinlicher denn je.
Hallo zusammen!

Neues von der Kulmbach-Mafia

Unsere Vermutungen über Förtsch & Co bestätigen sich – skandalöse Enthüllungen



Der Oberabzocker


Börsen-Guru Bernd Förtsch

Blitz aus blauem Himmel!

Der Aktienexperte [/b]Sascha Opel,[/b] stellvertretender Chefredakteur der Anlegerzeitschrift „Der Aktionär“, wurde festgenommen, ein Stuttgarter Finanzdienstleister ebenfalls.
Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Beide hätten gemeinsam „gezielt Anleger geworben“, denen sie versprochen hätten, „sie könnten mit ihrer Kapitalanlage sehr hohe sichere Gewinne erwirtschaften“.

So soll der Deal gelaufen sein: Die Anleger kauften Aktien. Anschließend wollte Opel die Papiere auch „durch Einschaltung des Chefredakteurs der Anlegerzeitschrift (Förtsch, Red.) ... gezielt empfehlen“.

Fachwort: „puschen“.


Förtsch-Zeitschrift „Der Aktionär“

Förtsch trat auch in TV-Sendungen auf, in denen er abenteuerliche Kursziele für Aktien nannte (BILD berichtete). Außerdem laufen in seinem Verlag „Hotlines“ auf, in denen die Empfehlungen wiederholt und vertieft wurden.
Die Geschäfte wären angeblich auch bei „nicht nachhaltig“ steigenden Kursen aufgegangen. Dann hätte die Aktien ein Fonds aufgekauft.
Förtsch „berät“ nach eigenen Angaben sieben Aktienfonds Förtsch trat auch in TV-Sendungen auf, in denen er abenteuerliche Kursziele für Aktien nannte (BILD berichtete). Außerdem laufen in seinem Verlag „Hotlines“ auf, in denen die Empfehlungen wiederholt und vertieft wurden.
Die Geschäfte wären angeblich auch bei „nicht nachhaltig“ steigenden Kursen aufgegangen. Dann hätte die Aktien ein Fonds aufgekauft.
Förtsch „berät“ nach eigenen Angaben sieben Aktienfonds mit einem Anlagevolumen von insgesamt 2,3 Milliarden Mark. mit einem Anlagevolumen von insgesamt 2,3 Milliarden Mark.


Der Abzocker


Förtsch-Vize Sascha Opel

Vom Gewinn des Deals, so die Staatsanwaltschaft, sollten die Hälfte der Redakteur und der Finanzdienstleister erhalten.
Beide Beschuldigten hätten die Tatvorwürfe „im Wesentlichen eingeräumt“. Allerdings sagen sie, die Geschäfte „nur in geringem Umfang“ ausgeführt zu haben.
Der Haftbefehl gegen Opel wurde zwischenzeitlich „gegen Auflagen“ außer Vollzug gesetzt. Auch gegen einen dritten Beschuldigten wird ermittelt.
Förtsch wird heute in seinem Büro erwartet. Er hatte nach Angaben von Freunden Urlaub auf den Seychellen gemacht.

Ab in den Knast, mit den Totengräber der deutschen Aktienkultur!!!

Bild.de

Capoon
Millionär per Zufall

Mit Aktien kann man ein Vermögen machen, sagen die Experten. Warum sind wir dann nicht alle reich? Weil wir uns selbst im Wege stehen

Von Marc Brost und Hartmut Kiehling

Wer wenig Ahnung hat, wird schneller reich. Und weil Forscher des Max-Plack-Instituts bei einer Untersuchung zu genau diesem Ergebnis kamen, fragte das Branchenblatt Die Bank unlängst irritiert: "Erfolg ohne Fachwissen?" Die Wissenschaftler hatten in Fußgängerzonen und bei Studenten in München und Chicago nach den Namen bekannter Unternehmen gefragt und die meistgenannten Aktien dann auf acht Wertpapierdepots aufgeteilt. Das Ergebnis: Sechs der acht Depots schnitten nach sechs Monaten nicht nur besser ab als die Aktienindizes Dax und Dow Jones - die ganz ohne Strategie eingetopften Aktien der Laien schlugen selbst erfolgreiche Investmentfonds.
So einfach ist die Börse gestrickt. Man muss sein Geld anscheinend nur irgendwie anlegen, um irgendwann reich zu werden. Ein Beispiel: Hätten die Vorfahren eines Anlegers im Jahr 1802 am amerikanischen Markt nur 100 Dollar in Aktien gesteckt und alle Dividenden dann wieder investiert, hätte ihr Nachkomme heute nicht weniger als 747 Millionen Dollar im Depot. So aber macht dieser sich Sorgen um die Rente und fragt sich, ob er das karge Auskommen nicht mit Aktien aufbessern müsste. Schließlich sollen sich Aktien ja weit besser rentieren als festverzinsliche Wertpapiere - wenn man sie nur lange genug hält. Statt 8,4 Prozent jährlicher Rendite wie mit amerikanischen Aktien wären mit Rentenpapieren jährlich nur 4,8 Prozent zu holen gewesen.
Nur eines macht stutzig: Die Zahlen kennt man seit langem. Warum sind wir dann nicht alle vielfache Millionäre? Selbst das Vermögen der notorischen Aktienspekulanten hält sich in Grenzen. Es ist eben doch alles komplizierter.
Vor allem stehen sich die Anleger gern selbst im Weg. Wer eine Aktie zum Preis von 100 Euro kauft, verkauft das Papier nicht, wenn es unter den Kaufpreis sinkt. Man hält die Aktie einfach weiter im Depot - wenn sie unter 90 Euro sinkt genauso, wie wenn sie nur noch knapp 70 Euro wert ist oder gar bei 60 Euro notiert. Wer jetzt verkauft, würde "Verluste realisieren", wie das die Profis nennen. Doch die meisten Kleinanleger verhalten sich anders. Sie warten einfach ab - auch wenn das lange dauert und andere Aktien in der Zwischenzeit viel bessere Kurschancen gehabt haben.
Dispositionseffekt nennen Kapitalmarktforscher dieses Phänomen. Und es gibt gleich eine Vielzahl solcher Effekte, die der optimalen Strategie in Sachen Geldanlage entgegenstehen. "Der Investor ist sich selbst wahrscheinlich der schlimmste Feind", nannte das einst der amerikanische Wissenschaftler Benjamin Graham.
Dabei betonen Experten immer wieder, dass es keine wirkliche Alternative zur Geldanlage in Aktien gebe. Die Mitarbeiter des Deutsche Aktieninstituts zum Beispiel bildeten vor zwei Jahren per Computer 1500 Zufallsdepots und rechneten dann zehn Jahre zurück. Das Resultat: Über den Zeitraum der Dekade erzielten die Zufallsdepots im Durchschnitt eine jährliche Rendite von mehr als elf Prozent - s oviel wie keine andere Geldanlage.
Richard Stehle hat sogar noch weiter zurückgerechnet. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität in Berlin ist einer der bekanntesten Kapitalmarktforscher in Deutschland - bekannt vor allem deshalb, weil sein "Stehle-Dax" unter Börsianern als der beste Maßstab für das Abschneiden von Aktien in der Vergangenheit gilt. Wer hierzulande vergleichen will, wie sich Aktien in den letzten Jahrzehnten rentierten, stößt nämlich gleich auf mehrere Probleme: Der Deutsche Aktienindex Dax, der die Wertentwicklung der 30 größten Aktiengesellschaften widerspiegelt, wird erst seit Ende 1987 ermittelt und offiziell bis 1980 zurückgerechnet. Was über den Zeitraum von zwanzig Jahren hinausgeht, muss also geschätzt werden. Zudem ist der Dax zwar eine populäre Messlatte für den Anlageerfolg, leider aber auch eine recht ungenaue.
Der Grund: Jeder Kleinaktionär kassiert neben der Bardividende die so genannte Körperschaftsteuergutschrift. Beide sind - neben den Kursgewinnen der Aktie - wichtige Größen bei der Frage, wie viel Rendite eine Aktie jährlich erbringt. Bei der Berechnung des Dax, wie ihn die Deutsche Börse ermittelt, bleibt die Steuergutschrift aber außen vor. Das Kursbarometer zeigt den Wertzuwachs der deutschen Aktien, den ein normaler Anleger wahrnimmt, also gar nicht exakt an. Der Stehle-Dax, bei dem sein Erfinder die Steuer berücksichtigt, tut dies.
Wer Mitte der fünfziger Jahre deutsche Aktien kaufte und sie bis heute hielt, erzielte laut Stehle eine jährliche reale Rendite von sechs bis sieben Prozent. Wer sich 1980 mit heimischen Anteilsscheinen eindeckte und sie noch heute im Depot hat, kassierte sogar eine jährliche reale Rendite von mehr als 13 Prozent. "Für steuerehrliche Anleger hat sich eine Anlage in festverzinslichen Wertpapieren dagegen nicht gerechnet", sagt Richard Stehle. Eine unglaubliche Rendite von minus 0,4 Prozent nach Inflation und Steuern ermittelte der Wissenschaftler für jene Anleger, die sich Mitte der fünfziger Jahre Bundesanleihen kauften, den Spitzensteuersatz zahlten und ihre Wertpapiere bis heute hielten.
"Real gesehen waren Aktien langfristig weniger riskant, als man denkt", sagt Stehle. Die Frage ist nur: Denken die Anleger tatsächlich langfristig?
In der 165-jährigen Geschichte des deutschen Wertpapiermarktes kam es nur in 68 Jahren zu lang anhaltenden Aufwärtsbewegungen. Dagegen gab es immer mal wieder brutale Crashs, die die Aktiengewinne vieler Jahrzehnte zerstörten. Die Verluste konnten oft lange Zeit nicht mehr aufgeholt werden. Was aber passiert, wenn man zum falschen Zeitpunkt eingestiegen ist, etwa kurz vor einem Kursrutsch? Oder wenn man zum falschen Zeitpunkt verkaufen muss, zum Beispiel kurz nach einem Schwächeanfall der Börse?
Drei Beispiele: Wer im Crashjahr 1987 Aktien kaufte und sie ein Jahr später verkaufen musste, verlor mehr als ein Drittel seines Kapitals. Wer die Papiere nach insgesamt fünf Jahren losschlagen musste, hatte immer noch mehr als ein Prozent Verlust gemacht - jährlich. Und wer sich 1970 Aktien zulegte und sie nach der Ölkrise fünf Jahre später wieder verkaufte, hatte sogar jedes Jahr fast zehn Prozent verloren.
Wenn es hagelt, dann hagelt es richtig, sagen Börsianer gern. Leider merkt man das oft zu spät. "Everybody Ought to be Rich!" titelte die amerikanische Zeitschrift Ladies` Home Journal noch im August 1929. Wenige Wochen später war der Traum vom großen Geld zum Albtraum geworden.
"Wer sein Geld in den nächsten zwei, drei Jahren braucht, sollte von Aktien besser die Finger lassen", sagt auch Wissenschaftler Stehle. Wer dagegen 1987 kaufte und es sich leisten konnte, die Papiere zehn Jahre liegen zu lassen, hatte am Ende der Dekade - trotz des Crashs zu Beginn - immerhin eine jährliche Rendite von 4,7 Prozent erzielt.
Ganz klar: Aktien sind Risikopapiere. Und als Aktionär muss man weniger danach schauen, ob vielleicht an der Börse gerade der richtige Zeitpunkt ist, Aktien zu kaufen. Man muss danach schauen, ob der ganz persönliche Zeitpunkt stimmt. Wer kurz vor der Rente steht, steckt sein Vermögen wohl besser nicht in Aktien - zumindest nicht das gesamte. Nicht umsonst besagt eine Faustregel, dass sich die sinnvolle Aktienquote eines Anlegers aus der Formel "100 minus Alter" errechnet. "Ich warne davor, sich allein auf die Aktienmärkte zu verlassen", sagt der amerikanische Ökonom Robert Shiller, Professor an der Yale University. "Der Staat sollte seine Bürger deshalb vor ihnen schützen - so wie es eine Promillegrenze für den Straßenverkehr gibt."
"Wunder gibt es nur im Märchen"
Umstritten bleibt, welche Schlüsse für die Zukunft man aus dem langfristig guten Abschneiden der Aktie in der Vergangenheit ziehen kann. "Niemand war je in der Lage, die Börse vorherzusagen", hat Peter Lynch, der amerikanische Börsenguru, einmal erklärt. "Es ist eine totale Zeitverschwendung." Auch Ökonom Shiller warnt vor der Annahme, dass sich Aktien langfristig immer besser rentieren würden als Anleihen. "Selbst wenn die Geschichte diese Ansicht unterstüzt", schreibt Shiller in seinem Buch Irrational Exuberrance, "sollten wir erkennen, dass die Zukunft nicht notwendigerweise wie die Vergangenheit sein wird."
Kapitalmarktforscher Stehle sieht das anders. Gerade weil die Börse in der Vergangenheit schon Kriege, Hyperinflation und Währungsreformen erlebte - und Aktien langfristig dennoch besser abschnitten als Anleihen -, könne man daraus auch auf die Zukunft schließen, meint der Wissenschaftler.
Was man allerdings nicht vergessen darf: Die Rendite des Gesamtvermögens von Kleinaktionären entwickelt sich in der Regel doch schlechter als der Index. Termingelder, Rentenpapiere und Immobilien, die jeder Anleger braucht, um das Risiko zu streuen, lassen den Wertzuwachs schrumpfen.
Wunder darf man auch von Aktien nicht erwarten. "Schnellen Reichtum", sagt Gottfried Heller, Chef der Fiduka-Vermögensverwaltung und Weggefährte des verstorbenen Börsengurus André Kostolany, "gibt es nur im Märchen." Es hat eben Gründe, warum wir nicht alle Millionäre sind.
Millionär per Zufall

Mit Aktien kann man ein Vermögen machen, sagen die Experten. Warum sind wir dann nicht alle reich? Weil wir uns selbst im Wege stehen

Von Marc Brost und Hartmut Kiehling

Wer wenig Ahnung hat, wird schneller reich. Und weil Forscher des Max-Plack-Instituts bei einer Untersuchung zu genau diesem Ergebnis kamen, fragte das Branchenblatt Die Bank unlängst irritiert: "Erfolg ohne Fachwissen?" Die Wissenschaftler hatten in Fußgängerzonen und bei Studenten in München und Chicago nach den Namen bekannter Unternehmen gefragt und die meistgenannten Aktien dann auf acht Wertpapierdepots aufgeteilt. Das Ergebnis: Sechs der acht Depots schnitten nach sechs Monaten nicht nur besser ab als die Aktienindizes Dax und Dow Jones - die ganz ohne Strategie eingetopften Aktien der Laien schlugen selbst erfolgreiche Investmentfonds.
So einfach ist die Börse gestrickt. Man muss sein Geld anscheinend nur irgendwie anlegen, um irgendwann reich zu werden. Ein Beispiel: Hätten die Vorfahren eines Anlegers im Jahr 1802 am amerikanischen Markt nur 100 Dollar in Aktien gesteckt und alle Dividenden dann wieder investiert, hätte ihr Nachkomme heute nicht weniger als 747 Millionen Dollar im Depot. So aber macht dieser sich Sorgen um die Rente und fragt sich, ob er das karge Auskommen nicht mit Aktien aufbessern müsste. Schließlich sollen sich Aktien ja weit besser rentieren als festverzinsliche Wertpapiere - wenn man sie nur lange genug hält. Statt 8,4 Prozent jährlicher Rendite wie mit amerikanischen Aktien wären mit Rentenpapieren jährlich nur 4,8 Prozent zu holen gewesen.
Nur eines macht stutzig: Die Zahlen kennt man seit langem. Warum sind wir dann nicht alle vielfache Millionäre? Selbst das Vermögen der notorischen Aktienspekulanten hält sich in Grenzen. Es ist eben doch alles komplizierter.
Vor allem stehen sich die Anleger gern selbst im Weg. Wer eine Aktie zum Preis von 100 Euro kauft, verkauft das Papier nicht, wenn es unter den Kaufpreis sinkt. Man hält die Aktie einfach weiter im Depot - wenn sie unter 90 Euro sinkt genauso, wie wenn sie nur noch knapp 70 Euro wert ist oder gar bei 60 Euro notiert. Wer jetzt verkauft, würde "Verluste realisieren", wie das die Profis nennen. Doch die meisten Kleinanleger verhalten sich anders. Sie warten einfach ab - auch wenn das lange dauert und andere Aktien in der Zwischenzeit viel bessere Kurschancen gehabt haben.
Dispositionseffekt nennen Kapitalmarktforscher dieses Phänomen. Und es gibt gleich eine Vielzahl solcher Effekte, die der optimalen Strategie in Sachen Geldanlage entgegenstehen. "Der Investor ist sich selbst wahrscheinlich der schlimmste Feind", nannte das einst der amerikanische Wissenschaftler Benjamin Graham.
Dabei betonen Experten immer wieder, dass es keine wirkliche Alternative zur Geldanlage in Aktien gebe. Die Mitarbeiter des Deutsche Aktieninstituts zum Beispiel bildeten vor zwei Jahren per Computer 1500 Zufallsdepots und rechneten dann zehn Jahre zurück. Das Resultat: Über den Zeitraum der Dekade erzielten die Zufallsdepots im Durchschnitt eine jährliche Rendite von mehr als elf Prozent - s oviel wie keine andere Geldanlage.
Richard Stehle hat sogar noch weiter zurückgerechnet. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität in Berlin ist einer der bekanntesten Kapitalmarktforscher in Deutschland - bekannt vor allem deshalb, weil sein "Stehle-Dax" unter Börsianern als der beste Maßstab für das Abschneiden von Aktien in der Vergangenheit gilt. Wer hierzulande vergleichen will, wie sich Aktien in den letzten Jahrzehnten rentierten, stößt nämlich gleich auf mehrere Probleme: Der Deutsche Aktienindex Dax, der die Wertentwicklung der 30 größten Aktiengesellschaften widerspiegelt, wird erst seit Ende 1987 ermittelt und offiziell bis 1980 zurückgerechnet. Was über den Zeitraum von zwanzig Jahren hinausgeht, muss also geschätzt werden. Zudem ist der Dax zwar eine populäre Messlatte für den Anlageerfolg, leider aber auch eine recht ungenaue.
Der Grund: Jeder Kleinaktionär kassiert neben der Bardividende die so genannte Körperschaftsteuergutschrift. Beide sind - neben den Kursgewinnen der Aktie - wichtige Größen bei der Frage, wie viel Rendite eine Aktie jährlich erbringt. Bei der Berechnung des Dax, wie ihn die Deutsche Börse ermittelt, bleibt die Steuergutschrift aber außen vor. Das Kursbarometer zeigt den Wertzuwachs der deutschen Aktien, den ein normaler Anleger wahrnimmt, also gar nicht exakt an. Der Stehle-Dax, bei dem sein Erfinder die Steuer berücksichtigt, tut dies.
Wer Mitte der fünfziger Jahre deutsche Aktien kaufte und sie bis heute hielt, erzielte laut Stehle eine jährliche reale Rendite von sechs bis sieben Prozent. Wer sich 1980 mit heimischen Anteilsscheinen eindeckte und sie noch heute im Depot hat, kassierte sogar eine jährliche reale Rendite von mehr als 13 Prozent. "Für steuerehrliche Anleger hat sich eine Anlage in festverzinslichen Wertpapieren dagegen nicht gerechnet", sagt Richard Stehle. Eine unglaubliche Rendite von minus 0,4 Prozent nach Inflation und Steuern ermittelte der Wissenschaftler für jene Anleger, die sich Mitte der fünfziger Jahre Bundesanleihen kauften, den Spitzensteuersatz zahlten und ihre Wertpapiere bis heute hielten.
"Real gesehen waren Aktien langfristig weniger riskant, als man denkt", sagt Stehle. Die Frage ist nur: Denken die Anleger tatsächlich langfristig?
In der 165-jährigen Geschichte des deutschen Wertpapiermarktes kam es nur in 68 Jahren zu lang anhaltenden Aufwärtsbewegungen. Dagegen gab es immer mal wieder brutale Crashs, die die Aktiengewinne vieler Jahrzehnte zerstörten. Die Verluste konnten oft lange Zeit nicht mehr aufgeholt werden. Was aber passiert, wenn man zum falschen Zeitpunkt eingestiegen ist, etwa kurz vor einem Kursrutsch? Oder wenn man zum falschen Zeitpunkt verkaufen muss, zum Beispiel kurz nach einem Schwächeanfall der Börse?
Drei Beispiele: Wer im Crashjahr 1987 Aktien kaufte und sie ein Jahr später verkaufen musste, verlor mehr als ein Drittel seines Kapitals. Wer die Papiere nach insgesamt fünf Jahren losschlagen musste, hatte immer noch mehr als ein Prozent Verlust gemacht - jährlich. Und wer sich 1970 Aktien zulegte und sie nach der Ölkrise fünf Jahre später wieder verkaufte, hatte sogar jedes Jahr fast zehn Prozent verloren.
Wenn es hagelt, dann hagelt es richtig, sagen Börsianer gern. Leider merkt man das oft zu spät. "Everybody Ought to be Rich!" titelte die amerikanische Zeitschrift Ladies` Home Journal noch im August 1929. Wenige Wochen später war der Traum vom großen Geld zum Albtraum geworden.
"Wer sein Geld in den nächsten zwei, drei Jahren braucht, sollte von Aktien besser die Finger lassen", sagt auch Wissenschaftler Stehle. Wer dagegen 1987 kaufte und es sich leisten konnte, die Papiere zehn Jahre liegen zu lassen, hatte am Ende der Dekade - trotz des Crashs zu Beginn - immerhin eine jährliche Rendite von 4,7 Prozent erzielt.
Ganz klar: Aktien sind Risikopapiere. Und als Aktionär muss man weniger danach schauen, ob vielleicht an der Börse gerade der richtige Zeitpunkt ist, Aktien zu kaufen. Man muss danach schauen, ob der ganz persönliche Zeitpunkt stimmt. Wer kurz vor der Rente steht, steckt sein Vermögen wohl besser nicht in Aktien - zumindest nicht das gesamte. Nicht umsonst besagt eine Faustregel, dass sich die sinnvolle Aktienquote eines Anlegers aus der Formel "100 minus Alter" errechnet. "Ich warne davor, sich allein auf die Aktienmärkte zu verlassen", sagt der amerikanische Ökonom Robert Shiller, Professor an der Yale University. "Der Staat sollte seine Bürger deshalb vor ihnen schützen - so wie es eine Promillegrenze für den Straßenverkehr gibt."
"Wunder gibt es nur im Märchen"
Umstritten bleibt, welche Schlüsse für die Zukunft man aus dem langfristig guten Abschneiden der Aktie in der Vergangenheit ziehen kann. "Niemand war je in der Lage, die Börse vorherzusagen", hat Peter Lynch, der amerikanische Börsenguru, einmal erklärt. "Es ist eine totale Zeitverschwendung." Auch Ökonom Shiller warnt vor der Annahme, dass sich Aktien langfristig immer besser rentieren würden als Anleihen. "Selbst wenn die Geschichte diese Ansicht unterstüzt", schreibt Shiller in seinem Buch Irrational Exuberrance, "sollten wir erkennen, dass die Zukunft nicht notwendigerweise wie die Vergangenheit sein wird."
Kapitalmarktforscher Stehle sieht das anders. Gerade weil die Börse in der Vergangenheit schon Kriege, Hyperinflation und Währungsreformen erlebte - und Aktien langfristig dennoch besser abschnitten als Anleihen -, könne man daraus auch auf die Zukunft schließen, meint der Wissenschaftler.
Was man allerdings nicht vergessen darf: Die Rendite des Gesamtvermögens von Kleinaktionären entwickelt sich in der Regel doch schlechter als der Index. Termingelder, Rentenpapiere und Immobilien, die jeder Anleger braucht, um das Risiko zu streuen, lassen den Wertzuwachs schrumpfen.
Wunder darf man auch von Aktien nicht erwarten. "Schnellen Reichtum", sagt Gottfried Heller, Chef der Fiduka-Vermögensverwaltung und Weggefährte des verstorbenen Börsengurus André Kostolany, "gibt es nur im Märchen." Es hat eben Gründe, warum wir nicht alle Millionäre sind.
High-Tech-Nation zieht den Konkurrenten davon
Von Luzian Caspar, Silicon Valley*
Die Wirtschaftsmacht USA hat ihre Vormachtstellung massiv ausgebaut. Vor allem die privaten Vermögen haben zugenommen und die Amerikaner werden dank dem Schlaraffenland «New Economy» bald einmal die Europäer und Japaner an Reichtum überholt haben.
Der Wahlkampf zwischen Al Gore und George «Dubbya» Bush mag an ein Clown-Spiel erinnert haben, aber der Schein trügt: Wirtschaftlich gesehen sind die USA eine Supermacht, die man höchst ernst nehmen muss. Die Stärke des Dollars reflektiert nur die Tatsache, dass die USA ihre Vormachtstellung in den letzten fünf bis zehn Jahren massiv ausgebaut haben. Man kann sogar argumentieren, dass der Vorsprung inzwischen so gross geworden sei, dass er kaum mehr aufzuholen ist.
Die US-Staatsfinanzen sind nicht nur im Gleichgewicht, sondern im Überschuss. Jede neue Prognose zeigt neue und grössere Überschüsse. Sogar die Staatsschuld wird jetzt abgebaut. Bereits in wenigen Jahren wird sie spürbar vermindert sein. An Wallstreet macht man sich bereits Sorgen über die Zukunft der «T-Bonds» (Schatzpapiere).
Aber dies sind nur die Staatsfinanzen. Wichtiger ist das private Vermögen. Hier dürften sich in den letzten fünf bis zehn Jahren ebenfalls dramatische Verschiebungen abgespielt haben. Die Zahlen sind zwar noch nicht bekannt, aber es gibt kaum einen Zweifel, dass die Amerikanerinnen und Amerikaner die Europäer und Japaner bezüglich Reichtum eingeholt und vielleicht sogar überholt haben. High-Tech-Stars wie Larry Ellison oder Jeff Bezos haben Europas Altreiche wie die Thyssens oder Krupps auf die Plätze verwiesen.
Der Wohlstand ist auch am Durchschnittsbürger nicht spurlos vorübergegangen. Auch der einfache Amerikaner geht heute öfter aus oder leistet sich zum Dinner mal ein Glas Wein; für vier bis sechs Dollar pro Glas. «Senden Sie eine Flasche Champagner aufs Zimmer nebenan», orderte ein junges Ehepaar vor kurzem an einem Samstagabend im Hotel «De Anza» in San Jose (Kalifornien). Die Rechnung betrug 200 Dollar.
Ein signifikanter Teil der Bevölkerung hat es ins Schlaraffenland der «New Economy» geschafft. Und die Zahl der Yankee-Unternehmer, Banker und Anwälte, die in die internationale Liga der Superreichen aufgestiegen sind, ist Legion. Die Japaner und Europäer dagegen sind abgehängt. Die Japaner kommen immer noch an die «Fifth Avenue», aber bei Tiffany`s kaufen sie kaum mehr ein, und auch europäische Touristen hört man immer häufiger über die hohen US-Preise klagen.
Der Motor der US-Hegemonialmaschine ist natürlich die «High Tech»-Economy; finanziert zu einem nicht geringen Teil mit europäischem Geld. Die Schnelllebigkeit des digitalen Zeitalters kommt der amerikanischen Mentalität entgegen - ganz abgesehen von den günstigeren «strukturellen» Voraussetzungen der USA. Der Amerikaner ist geboren dazu, ein neues Medium in Rekordschnelle zu kommerzialisieren. Im Flugzeug über dem Atlantik trifft man immer mehr Amerikaner an, die in der ganzen Welt herumfliegen, um ihre «dot-coms» zu vermarkten.
«Ich werde den Einheimischen beibringen, wie man vom Internet profitiert», sagt Larry, ein junger Amerikaner, den die Navy vor ein paar Monaten nach Mazedonien geschickt hatte, um dort Spielplätze zu bauen. Während seines einmonatigen Aufenthalts lachte er sich gleich eine mazedonische Braut an.
Diese Unbekümmertheit ist ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. Im Internet-Zeitalter muss man rasch reagieren und instinktmässig handeln - etwa so wie ein Spieler in einem Video-Game. Der Amerikaner hat wenig Respekt vor Tradition, und dies kommt ihm in einer Umbruchzeit wie der heutigen zustatten. In Amerika verschicken sogar Grossmütter ihre Familienfotos übers Internet.
Von Vorteil ist die Respektlosigkeit auch an der Börse. Die amerikanischen Privatanleger pfeifen auf die Experten und holen sich ihre Anlage-«research» meist selber - natürlich im Internet. Und damit haben sie nicht schlecht Erfolg, wie die Nasdaq-Hausse gezeigt hat. Jetzt, wo die ganze Welt in US-High-Tech-Aktien investiert, beackern viele US-Cybernauten bereits neue «Frontiers». «What`s next?», lautet die ständige Frage.
20. November 2000

Stil-Anlegen als Portefeuille-Ergänzung
Anlagestile profitieren von Markt-Anomalien
In jüngerer Vergangenheit ist das in den USA bekannte Thema der Anlagestile auch
in Europa aktuell geworden. Anlegen mit einem bestimmten Stil dient dazu, an der
Börse Markt-Anomalien auszunützen. Es kann zwar sehr risikoreich sein, stur auf
einen Stil zu setzen. Doch können die Anlagestile durchaus Hinweise auf gute
Ergänzungsmöglichkeiten für breit diversifizierte Portefeuilles geben.
gab. Value-, Growth- oder Momentum-Investing, Dow-Dog-Theorie,
Kapitalisierungseffekteund Stilrotation - solche Begriffe haben in jüngerer Zeit an
den Finanzmärkten für Gesprächsstoff gesorgt. Sie stehen für Arten von
Stil-Anlegen. Anlagestile kümmern sich höchstens in zweiter Linie um
fundamentale Faktoren wie Unternehmensanalysen oder volkswirtschaftliche
Parameter. In erster Linie versuchen die Anleger, auf Markttrends zu reiten. Unter
anderem wollen sie Situationen ausnutzen, in denen sich der Markt «abnormal»
verhält. Das erklärt auch, warum die Diskussion in Europa ausgerechnet in jüngerer
Zeit entfacht wurde: 1998, 1999 und bis zum März dieses Jahres sorgte der Boom
der Technologie-Aktien, der letztlich irrationale Züge trug,dafür, dass sich viele
traditionelle Anlagegrundsätze nicht mehr bewährten.
Value-Investing ist der Langzeit-Favorit
Value-Investing kommt dabei traditionellem Anlage-Verständnis am nächsten.
Dieser Stil nutzt die Tatsache aus, dass nicht alle Marktteilnehmer vollständig
informiert sind. Er sucht sich Gesellschaften, die gemäss Kriterien wie Kurs/
Gewinn-Verhältnis oder Kurs/Buchwert-Verhältnis vom Markt zu tief bewertet
werden. Allerdings kann dieser Stil nur zu guten Resultaten führen, wenn
vermieden wird, dass man in Unternehmen investiert, die mit gutem Grund billig zu
haben sind, weil sie beispielsweise ein schlechtes Management aufweisen oder in
einer unprofitablen Branche tätig sind. Langfristige Untersuchungen zeigen, dass
dieser Stil im Durchschnitt zu guten Resultaten führt (vgl. Grafik). Grossinvestoren
wie Warren Buffett, der lange Jahre zu den erfolgreichsten Anlegern überhaupt
zählte, verbinden Value-Investing mit Fundamentalanalysen der Unternehmen. Sie
investieren in Gesellschaften, die vom Markt verkannt werden - in der Hoffnung,
dass sich ihr «wahrer» Wert über kurz oder lang im Kurs spiegeln werde.
Diese Strategie ist in den vergangenen beiden Jahren jedoch nicht mehr
aufgegangen. Wer als Anleger in niedrig bewertete Titel investierte, erzielte häufig
kaum Kursgewinne, da das Gewinnpotenzial fast nur in den hoch bewerteten Aktien
der Technologie-, Telekom- und Medienbranchen (TMT) lag. Institutionelle
Anleger, die den Boom verpassten, sahen sich harter Kritik ausgesetzt.
Growth-Investing war «in». Beim Growth-Investing werden Titel von Unternehmen
gekauft, die vom Markt hoch bewertet werden - oft in der Meinung, dass diese auch
ein hohes Gewinnwachstum aufweisen sollten, was jedoch nicht immer der Fall ist.
Der Anleger setzt bewusst auf die gleichen Titel wie die meisten seiner
Mitinvestoren und erzielt so Kursgewinne.
Ähnlich gelagert sind Kurs-Momentum-Strategien oder die Dow-Dog-Theorie,
gemäss denen in Titel investiert wird, die innert einer bestimmten Zeitperiode eine
gute Kursentwicklung aufwiesen. In regelmässigen Abständen werden die Aktien
mit der schlechtesten Kursentwicklung im Portefeuille mit den besten
aussenstehenden Titeln imAnlage-Universum ausgetauscht. Diese Stile setzen
darauf, dass die meisten Anleger dazu neigen,Anlagen zu kaufen, die sich in der
jüngsten Vergangenheit bewährt haben. Diese Strategie kannjedoch hoch riskant
sein, wenn das Anlage-Universum nicht aus einer diversifizierten Menge von
Standardwerten (wie bei der Dow-Dog-Theorie), sondern aus Titeln nur einer
Branche oder aus risikoreichen Werten besteht.
Neben dem Preis-Momentum-Anlegen gibt es auch das Investieren gemäss
Gewinn-Momentum - hier wird auf diejenigen Unternehmen mit dem grössten
erwarteten Gewinnwachstum gesetzt oder auf diejenigen mit den meisten positiven
Revisionen von Broker-Empfehlungen. Wiederum andere Investoren nutzen
Kapitalisierungseffekte - das heisst, sie kaufen entweder gross- oder
kleinkapitalisierte Werte, je nachdem, welche Kategorie an den Märkten gerade
beliebter ist.
Timing schwierig
Bei den Markt-Ineffizienzen, auf welche die Stile setzen, handelt es sich meist um
vergängliche Phänomene. Ein gut dokumentiertes Phänomen ist beispielsweise,
dass sich der Value-Stil vor allem dann bewährt, wenn die Konjunktur gut läuft und
viele Gesellschaften ein gutes Gewinnwachstum erzielen. Die meisten Investoren
nehmen sich dann die Mühe, aus all den guten Anlagevarianten die günstigsten
herauszusuchen.Der Growth-Stil dagegen bringt die besten Resultate, wenn wenige
Gesellschaften ein viel besseresGewinnwachstum erwirtschaften als der
Marktdurchschnitt. Die Anleger neigen dann eher dazu, blind in diese Titeln
anzulegen. Leider ist es nahezu unmöglich, immer den richtigen Zeitpunkt für einen
Stilwechsel zu ermitteln.
Wie bereits angedeutet, kann das Anlegen in Stilen auch je nach Definition der
entscheidenden Kennzahlen unterschiedlich gute Resultate hervorbringen. So ist
zum Beispiel das Kriterium Preis/Buchwert für sich allein zur Ermittlung von
Growth- und Value-Aktien nur beschränkt geeignet. Dennoch wird es vom
Index-Anbieter Morgan Stanley (MSCI) zur Bestimmung ihrer Value- und
Growth-Indizes benutzt. Auf Stile allein zu setzen, kann sehr risikoreich sein. Eine
gute Verwendung für Stil-Anlegen kann sein, grundsätzlich ein breit diversifiziertes
Portefeuille zu haltenund Stil-Produkte beizumischen, um die Wertentwicklung des
Portefeuilles aufzubessern. Dafür eignen sich Stil-Fonds und Stil-Zertifikate.



HANDELSBLATT

Wirtschaftsprofessoren: Übertriebene Hoffnungen stecken hinter Aufstieg und Fall der "New Economy"

Der irrationale Absturz der Dotcoms

Überzogene Erwartungen, die der Überprüfungen von Realität kaum standhalten haben nach Ansicht der Börsenforscher Aktien wie Cisco, Infineon und Ebay in irrationale Höhen getrieben. Nun falle der Absturz um so härter aus.

HANDELSBLATT, 22.11.2000 DÜSSELDORF. Sind die Finanzmärkte verrückt geworden? Das mag sich mancher Anleger fragen, der den Absturz der einst umjubelten High-Tech-Branche miterlebt. Auch führende Wissenschaftler glauben inzwischen, dass die Börse nicht immer ganz richtig tickt.
Ein herausragender Vertreter dieser Ansicht ist der Wirtschaftsprofessor Richard Thaler von der Graduate School of Business der University of Chicago. Er wertet die Kurskapriolen der US-Technologiebörse Nasdaq als Hinweis, dass an der Börse zuweilen irrationale Spekulationsblasen entstehen (siehe Interview). Früher oder später musste die Nasdaq Luft ablassen, meint Thaler.

Seiner Ansicht nach beruht die Talfahrt der einstigen Stars aus den High-Tech-Branchen auf verzerrten Erwartungen der Investoren. Zusammen mit seinem Kollegen Werner De Bondt entwarf Thaler das Konzept der so genannten Überreaktion ("Overreaction"). Danach berücksichtigen Investoren manche Informationen zu stark im Vergleich zur tatsächlichen Aussagekraft. Der "Overreaction"-Effekt lässt dem Konzept zufolge Aktien zunächst überstark steigen, wenn die Unternehmen wiederholt mit positiven Meldungen überraschen. Die Erwartungen der Anleger steigen aber noch schneller als die Kurse. Und wenn die überhöhten Hoffnungen irgendwann enttäuscht werden, wendet sich das Blatt. Es folgt eine schwache Kursentwicklung, die oft Jahre anhält.

Inflation der Ansprüche "Bei vielen Aktionären der Technologiefirmen haben sich völlig abgehobene Erwartungen aufgebaut", sagt Ekkehard Stephan von der Universität Kassel. Er untersucht die Finanzmärkte seit Jahren aus psychologischer Sicht. "Inzwischen müssen die Firmen die Erwartungen laufend übertreffen, um den Optimismus zu rechtfertigen", sagt Stephan. Er beobachte eine "Inflation des Anspruchsniveaus".

Beispiel Cisco: Der amerikanische Netzwerk-Spezialist lieferte vor kurzem Quartalszahlen, die sogar über den Analystenschätzungen lagen. Daran hatten sich die Cisco-Aktionäre aber schon gewöhnt - weshalb sie die Aktie abstraften. Nicht anders erging es dem deutschen Computerchip-Hersteller Infineon.

Die einstigen Börsenstars ziehen nach Ansicht des Wirtschaftsprofessors Dirk Schiereck von der Uni Witten-Herdecke ihre ganze Branche mit nach unten. Denn: "Viele Anleger übertragen fälschlicherweise ihr Urteil von den führenden Unternehmen auf andere Werte", sagt Schiereck. Das verstärke die Kurstrends - nach oben wie nach unten.

Die Annahme, dass die Aktienkurse zeitweise irrationale Erwartungen widerspiegeln, ist wissenschaftlich umstritten. Sie gewinnt aber immer mehr Anhänger. "Inzwischen hat sich die psychologisch orientierte Kapitalmarktforschung weitgehend etabliert", beobachtet Vorreiter Thaler.

Der US-Börsenforscher Josef Lakonishok hat den "Overreaction"-Effekt für solche Aktien untersucht, die in den vergangenen Jahren ein starkes Gewinnwachstum aufwiesen. Das Resultat: Die Titel mit den höchsten Ertragszuwächsen in der Vergangenheit entwickelten sich in den folgenden Jahren im Schnitt schlechter als der Gesamtmarkt. Auch Aktien mit besonders hohem Umsatzwachstum und Werte mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in den vergangenen Jahren erzielten in den Folgejahren nur unterdurchschnittliche Renditen.

Starke Zuwächse bei Umsatz und Gewinn und extrem hohe KGVs sind typisch für die High-Tech-Aktien der so genannten "New Economy" - wie zum Beispiel das Internetportal Yahoo, das Nasdaq-Schwergewicht Intel und den Internet-Auktionator Ebay.

Allerdings gilt dieser Trend nicht für jede Aktie. Das zeigt etwa der seit vielen Jahren andauernde Höhenflug von General Electric, dem Unternehmen mit dem weltweit höchsten Börsenwert. Der "Overreaction"-Effekt ist kein Naturgesetz, sondern nur eine Wahrscheinlichkeits-Aussage: Bei hohen Gewinnsteigerungen oder einem hohen KGV in der Vergangenheit ist auf Sicht mehrerer Jahre tendenziell ein Rückfall zum langfristigen Durchschnitt zu erwarten. Der "Overreaction"-Effekt wird daher auch als "Mean Reversion" (Rückkehr zum Mittelwert) bezeichnet.

Die reine Kursentwicklung der Vergangenheit erlaubt ebenfalls Rückschlüsse auf die künftige Performance. Das zeigte der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Martin Weber in einer Untersuchung des deutschen Aktienmarktes über mehrere Jahrzehnte. Weber wies nach, dass auf lange Sicht hohe Kursgewinne in der Vergangenheit ein schlechtes Omen für die künftige Performance sind: Die Aktien mit den höchsten Kursgewinnen in den vergangenen fünf Jahre entwickelten sich in den folgenden fünf Jahren meist schlechter als der Gesamtmarkt.

US-Finanzminister belegt "Overreaction"-Effekt Anders ausgedrückt: Die Gewinner von gestern sind die Verlierer von morgen - und zwar nicht nur in Deutschland. Der US-Finanzminister und frühere Börsenforscher Lawrence Summers konnte den Effekt für die meisten Börsenplätze der Welt nachweisen. Die Kurse neigen global dazu, langfristig von einem Extrem ins andere zu fallen.

Zur Erklärung solcher Kurstrends wenden sich immer mehr Börsenforscher an die Psychologie. So erklärt Richard Thaler den "Overreaction"-Effekt mit dem Kalkül der Investoren. Wie der Harvard-Psychologe Paul Andreassen in Experimenten nachwies, schreiben Anleger bisherige Trends häufig einfach in die Zukunft fort. Wenn ein Unternehmen mehrfach positiv überraschte, rechnen die meisten Marktteilnehmer auch beim nächsten Mal mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis.

Diese schlichte Strategie funktioniert häufig, und sie erleichtert bei komplexen Problemen die Entscheidungsfindung. Doch weil an der Börse kaum eine Firma die Erwartungen ständig übertrifft, werden die Investoren irgendwann unweigerlich enttäuscht.

Die Liste der einstigen Börsenstars, auf die dieses Konzept passt, ist lang. Sie reicht von Cisco über Worldcom, Dell und Ebay bis hin zu Infineon. Und ein Ende ist nach Ansicht des Börsenforschers Thaler noch lange nicht in Sicht.

Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 22. November 2000



Kommentar

Nachher ist man immer klüger, das sieht man auch wieder bei diesen Experten. Ja, ja die Euphorie im Markt hat viele von uns geblendet, Die wenigsten haben in der Boomphase noch einen kühlen Kopf bewahren können. Wer von uns gehörte denn zu den ganz Gewieften und hat im März verkauft oder mit Puts richtig Kohle gemacht? Kaum einer, denn jeder von uns wollte bei den Wachstumsperlen dabei sein. Gier frißt Gehirn! Oder überlegt mal selber, ob wir Aktienjunkys die Börse im Griff haben, oder die Börse uns? „Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf“, sagte mal Theodor Fontane. Das kann man auch auf weite Teile der Gesellschaft beziehen.

Cpoon
Fortgesetzter Aderlass im Technologiesektor
Tiefer Sturz der Nasdaq nach Gewinnwarnungen
Aus dem Jahresend-Rally an den Börsen scheint nichts zu werden. Im Gegenteil: Die US-Technologiebörse Nasdaq hat diese Woche schon um mehr als 10% nachgegeben. Unter den Analytikern gibt es optimistische und pessimistische Stimmen.

Tz. New York, 30. November

An den US-Börsen scheint der schwere Aderlass im Technologiesektor vorerst kein Ende nehmen zu wollen. Neue Gewinnwarnungen, diesmalvom PC-Konzern Gateway und vom Halbleiterunternehmen Altera, lösten am Donnerstag ander technologielastigen Nasdaq-Börse einen weiteren heftigen Kursrutsch aus. Der Nasdaq-Composite stürzte bis anderthalb Stunden vor dem Gongschlag um über 6% in die Tiefe, nachdem er bereits seit Montag starke Einbussen erlitten hatte. Der Index hat damit im bisherigen Wochenverlauf mehr als 12% verloren. Am Donnerstagmittag lag er um fast 40% unter dem Stand per Ende 1999 und knapp 50% südlich des Hochs vom vergangenen März.

Deutlich geringere Kursverluste von rund 2 bis 3% erlitten - jedenfalls bis am früheren Donnerstagvormittag - der Dow Jones Industrials und der S & P 500; diese Indizes, die vorab Titel der «Old Economy» spiegeln, haben auch im bisherigen Jahresverlauf deutlich weniger drastische Verluste erlitten. Sie liegen in der Grössenordnung von 10%. Der Kurs der schon während der letzten Monate arg gepeinigten Gateway-Aktien sackte bis am frühen Nachmittag um zusätzliche 38% ab, so dass der Marktwert des Unternehmens gerade noch knapp einem Viertel der im Dezember 1999 registrierten Spitzenkapitalisierung von 25 Mrd.$ entsprach. Der Kurs von Altera fiel um 13% auf $ 22.50 - einen Drittel des Anfang September registrierten Höchstkurses.

Optimismus von Abbey Cohen
John Manley, der Aktienstratege des Wertschriftenhauses Salomon Smith Barney, meinte mit Blick auf das Blutbad im Technologiesektor, dass die Investoren «nicht mehr den Boden, sondern den Ausgang suchen». Tatsächlich wurde die bei Goldman Sachs aktive, berühmte Optimistin Abbey Joseph Cohen am Donnerstag erneut vom Brüllen der «Bären» übertönt. Offenkundig fand Cohen vorab wenig Resonanz mit ihrer Einschätzung, dass der Markt nun doch zunehmend Kaufgelegenheiten biete - und dies nicht zuletzt imTechnologiesektor. Dabei prognostizierte die prominente Augurin für die nächsten 12 Monate eine 25%-ige Avance des S & P 500, wobei sie dem Technologiesektor in ihrem Modellportfolio wieder einen leicht überdurchschnittlichen Anteil von 35% zuordnete.

Abgesehen von den aus ihrer Warte wieder attraktiven Bewertungen begründete Cohen ihre Zuversicht mit substanziellen Beträgen von Bargeld, die sich bei den Anlagefonds aufgestaut haben. Die Cash-Positionen der amerikanischen Aktienanlagefonds stiegen gemäss dem Company Investment Institute per Ende Oktober auf 213 Mrd. $, gegenüber 193,1 Mrd. $ im Vormonat. Das war das höchste Niveau in den vergangenen zwei Jahren, wobei bemerkenswerterweise immer noch Neugeld im Betrag von 19,1 Mrd. $ zufloss. Und Fondspezialisten gehen davon aus, dass den Aktienfonds im November netto nochmals gut 10 Mrd. $ zugeleitet wurden.

Panik nach der Manie?
Dass die Investoren in letzter Zeit überempfindlich auf negative Gewinnnachrichten reagierten, glaubt auch Christine A. Callies, die Marktanalytikerin von Merrill Lynch. In ihrem neusten Strategiebericht vertritt sie die Ansicht, dass die Ängste vor einer «harten Landung» der US-Konjunktur und vor einem Kreditengpass völlig übertrieben seien. Eine nüchterne Einschätzung der Konjunkturlage lasse eine solide Kurserholung an den Börsen innert sechs Monaten erwarten. Das Ausbleiben des typischen Jahresendrallys versuchte Callies nicht zuletzt dem Gezerre um die amerikanische Präsidentschaft anzulasten. Im Hause Merrill Lynch gibt es allerdings auch einige Pessimisten. Der Technologie-Analytiker Steven Milunovich etwa befürchtet, dass der von ihm beobachtete Sektor noch einige Zeit zumindest unter negativer Marktpsychologie leidenwerde. Die Beweislast liege derzeit bei den Optimisten. Phasen der «Manie», wie sie von 1995 bis 2000 geherrscht habe, würden regelmässig von Panik-Perioden abgelöst.
"2001 wird gut für Aktien"


Die Deutsche Bank erwartet einen Anstieg des DAX um bis zu 30 Prozent


Hamburg - Die Deutsche Bank rechnet im kommenden Jahr mit einem freundlichen Börsenklima. "Aktien werden nach einem unerfreulichen Jahr 2000 im Jahr 2001 wieder positiv im Zentrum des Interesses stehen", sagt der Chefanlagestratege für Privatkunden, Alfred Roelli. "Europa bleibt ein Aktienmarkt mit guten Renditechancen."
   Für Europa spreche, dass im kommenden Jahr mehrere Steuersenkungen wirksam würden. Neben den Einkommensteuerreduzierungen - die die Konsumstimmung stützen dürften - fielen auch die Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung stark ins Gewicht, meint Roelli. Daher rechne er für Europa mit einem Anstieg der Unternehmensgewinne um zwölf bis 14 Prozent, während die Erträge von US-Firmen voraussichtlich nur um acht bis zwölf Prozent klettern würden. Die Situation in Asien sei "schwierig".
   Für das wichtigste deutsche Börsenbarometer, den Deutschen Aktienindex (DAX), rechnet der Anlage-Experte binnen Jahresfrist mit einem Niveau von 8200 bis 8700 Punkten. Verglichen mit dem aktuellen Niveau wäre das ein Plus von bis zu 30 Prozent. Die Prognose für den Euro-Stoxx liegt bei 5600 bis 6000 Zählern.
   Unter den europäischen Aktien hält Roelli einzelne Technologietitel wie Alcatel, Epcos und Nokia sowie Werte des Finanzsektors für besonders interessant. Für die Finanzpapiere spreche unter anderem ein verstärktes Wachstum bei der privaten Altersvorsorge und der Vermögensverwaltung. Davon könnten zum Beispiel die Allianz sowie der französische Versicherer Axa, die niederländischen Banken ING und ABN Amro, das spanische Geldhaus Banco Bilbao Vizcaya Argentaria oder die schweizerische UBS besonders profitieren.
   Deutlich skeptischer sieht Roelli die Zukunft des Neuen Marktes. Die Vertrauenskrise nach den Kurseinbrüchen sei einfach zu groß. Eine Erholung in diesem Segment sei nur möglich, wenn die Unternehmen "durch die Qualität der Ergebnisse und eine Bestätigung der prognostizierten Wachstumspotenziale" das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen könnten, glaubt der Anlageexperte. Auf Grund der "teilweise übertriebenen Korrektur" am Neuen Markt könne es bei einzelnen Unternehmen wie Aixtron, ConSors, Qiagen und Singulus durchaus Chancen auf Kursgewinne geben. Allerdings empfiehlt Roelli ein solches Engagement ausdrücklich nur risikobewussten Anlegern.
   Mit der erwarteten Erholung am Aktienmarkt dürfte sich das in den vergangenen Wochen gefallene Renditeniveau von Dollar- und Euro-Staatsanleihen mittlerer und langer Laufzeiten nach Einschätzung von Roelli im Jahr 2001 wieder normalisieren. Bei kurzen Laufzeiten sei nur wenig Veränderung zu erwarten.
   Eine schnelle Erholung des Euro sei nicht in Sicht, meint der Anlagestratege. Belastend wirke auch weiterhin der hohe Kapitalabfluss aus den Euro-Ländern in die USA, zum Beispiel durch Direktinvestitionen europäischer Unternehmen und durch Firmenzusammenschlüsse. Im kommenden Jahr werde sich der Euro voraussichtlich in einem Korridor zwischen 0,85 Dollar und 0,95 Dollar bewegen.   (v.m./ddp)
"Kaufen" bis zum bitteren Ende


Im Dickicht von Interessenskonflikten und Bankprofiten - Warum das Image vieler Analysten beschädigt worden ist


Von MATHIAS EBERENZ und VOLKER MESTER



Glaubt man den Aktienempfehlungen der Banken, dann kennt die Börse praktisch nur eine Richtung - nach oben. Mehr als drei Viertel aller Urteile sind Kaufempfehlungen. Kaum ein Experte rät zum "Halten" einer Aktie, Verkaufsempfehlungen sind so selten wie Perlen in Miesmuscheln. Dabei haben selbst notorische Optimisten inzwischen mitbekommen, dass sich die Aktienmärkte schon seit neun Monaten im Sinkflug befinden. Und viele Anleger sind stinksauer. Schließlich haben sie sich fast blind auf den Rat der hoch bezahlten Analysten, Bankberater und selbst ernannten Finanzgurus verlassen.Die aber haben vor allem auch die Eigeninteressen der Bankhäuser zu berücksichtigen, kritisieren Aktionärsschützer gegenüber dem Abendblatt. Schließlich richte sich eine Kaufempfehlung an alle, der Rat zum Verkauf aber nur an diejenigen, die das Papier besitzen. Und natürlich hätten Banken Interesse an möglichst hohen Provisionen im Wertpapierhandel. Doch das sei nur ein Teil der Verstrickung, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: "Immerhin sind die Banken ja in vielen Fällen auch Kreditgeber der Unternehmen, haben den Börsengang begleitet oder Fonds aufgelegt, in denen die Werte enthalten sind."
   Beispiel Fluxx.com. Das Onlineportal für Glücksspiele wurde im September 1999 vom Bankhaus Sal. Oppenheim an die Börse gebracht. Der erste Kurs war 19 Euro. Bis Anfang März schoss die Aktie auf 120 Euro hoch. Jetzt hat sie nur noch ein Zehntel ihres Wertes. Doch während fast alle Analysten spätestens im Sommer nicht mehr an eine Erholung der Aktie glaubten, setzte Konsortialführer Sal. Oppenheim das Papier weiter auf "Kaufen". Erst als es offensichtlich war, dass alle anderen Analysten vom Sommer an das Thema Fluxx.com wohlweislich ganz mieden, reagierte schließlich auch die Analystin bei Sal. Oppenheim, Michelle Lang: "Die Neunmonatszahlen waren schlecht, das Umsatzwachstum verlief nicht wie geplant, deshalb habe ich den Wert von Akkumulieren auf Halten zurückgestuft."
   Peinlich auch die Bilanz der Experten im Fall der Volksaktie Telekom. Fast unisono jubelten sie das Papier Anfang des Jahres bis auf über 100 Euro hoch. Danach wurden die Kursziele Monat für Monat heruntergesteckt. Immer parallel zur Entwicklung des Kurses.
    Das sei typisch, sagt Aktionärsschützer Kurz. Denn auch dahinter stecken nach Meinung von Thorsten Poddig, Professor für Betriebswirtschaft an der Uni Bremen, Sachzwänge der Banken: "Bekommt ein Portfoliomanager Bedenken und beginnt zu verkaufen, der Markt steigt aber weiter, gibt es Ärger mit den Vorgesetzten. Also verkauft er lieber nicht. Bricht der Markt aber schließlich um 20 Prozent ein und das Portfolio verliert entsprechend an Wert, war er zumindest nicht schlechter als andere. Alle unsere Untersuchungen zeigen: Es ist eine nahezu unüberwindliche psychologische Hürde, gegen den Trend zu handeln."
   "Börsenpsychologie, nicht Betrug" stecke dahinter, sagt Joachim Goldberg, Geschäftsführer von Cognitrend, die sich mit "verhaltensorientierten Kapitalmarktanlagen" befasst. "Analysten sind in der gleichen Situation wie die Anleger. Sie verdrängen ihre Fehleinschätzung. Nur mit dem Unterschied, dass der Anleger materielle Kosten hat. Denn der Analyst hat sich ja nur psychologisch an den Wert gebunden. Ein Anleger dagegen bewertet Verluste etwa doppelt so schwer wie Gewinne. Voller Hoffnung glaubt er an die Durchhalteparolen der Bankexperten."
   Christoph Vogt, Analyst beim Bankhaus Lehman Brothers, erklärt seine Fehleinschätzung der Telekom-Aktie mit unvorhersehbaren Umständen. Etwa die Milliardenkosten für die UMTS-Lizenzen, die die Telekom-Tochter T-Mobil aufbringen muss. Auch dass T-Mobil nicht wie geplant an die Börse gebracht wurde, sei zu berücksichtigen. Denn damit wären Milliarden in die Kassen der Telekom geflossen. Andererseits würden die erst später im Jahr bekannt gewordenen Pläne, Firmen in den USA teuer zuzukaufen, das Unternehmensergebnis beeinträchtigen. Im Übrigen sei der Kurs der T-Online-Aktie mittlerweile um 50 Prozent gefallen. "Da gibt es die Faustregel, dass je gafallenem Euro bei T-Online die Telekom-Aktie um 0,3 Euro fällt."
   Auch das Bankhaus Merck Finck hat die Aktie im Juli herruntergestuft. Aus den gleichen Gründen. "Schief gelegen" habe er, gesteht der Analyst, aber schließlich seien auch Analysten nur Außenstehende. "Wir haben ja keinen Einblick in die Bücher von Telekom-Chef Ron Sommer. Und was von dort an Aussagen kommt, ist in der Regel positiv gefärbt." Die negative Stimmung ärgere ihn, schließlich habe sein Haus bei der Siemens-Aktie seit Jahren richtig gelegen. Aber das wolle jetzt niemand wissen.
   Jürgen Kurz von der DWS sieht viele der Fehleinschätzungen in der Überforderung der Analysten begründet. "Da gibt es offensichtlich ein Kapazitätsproblem. Im Bereich der Old Economy ist es ja noch möglich, den Überblick zu behalten. Aber am Neuen Markt sind mittlerweile 324 Unternehmen gelistet." Robert Suckel, Geschäftsführender Gesellschafter und Analyst beim bankenunabhängigen SES Research in Hamburg, sieht das ähnlich. "Bei uns gilt die Regel, dass ein Analyst maximal zehn Unternehmen betreut. Deshalb beobachten wir auch nur den Nemax 50. Es gibt aber Banken, die bearbeiten mit zehn Leuten ganz Europa."
   Doch schwerer wiegt der Verdacht, dass die Anleger nicht fair behandelt werden, dass die angebliche "Chinesische Mauer" zwischen Analysten und dem Gewinn-Interesse der Banken im Kredit- und Wertpapiergeschäft nur eine Farce ist, dass die Eigeninteressen überwiegen. Zumindest für Aktionärsschützer Kurz hat diese Mauer "längst das Schicksal des Eisernen Vorhangs erlitten". Es gibt ihn nicht meh
kopiert vom Spiegel

mfg Defense

I N V E S T M E N T B A N K I N G
Kaufen, kaufen, kaufen
Analysten kennen vor allem ein Ziel: Sie wollen Aktien unters Volk bringen. Das ist ihr Job, denn davon leben die Banken, denen sie dienen. Und deshalb empfehlen sie selbst in der tiefsten Flaute angebliche Hoffnungswerte. Die Anleger kommt der Rat oft teuer zu stehen.
Es ist ganz leicht, aus einem großen ein kleines Vermögen zu machen: Man muss nur dem Rat der so genannten Analysten vertrauen, die im Auftrag der Banken Aktien analysieren.

So erging es auch jenen Anlegern, die auf die Expertise der DG Bank vertrauten: Die brachte, als Mitglied des Bankenkonsortiums, im August 1999 den Internet-Dienstleister Gigabell an die Börse. Die DG Bank hatte einen Emissionskurs zwischen 47,85 und 53,20 Euro errechnet. Der Konsortialführer Trinkaus & Burkhardt war vorsichtiger und setzte schließlich eine Spanne zwischen 38 und 42 Euro fest.

Nur sechs Wochen nach dem Börsengang gab Gigabell eine Verlustwarnung heraus. Trotzdem stieg die Akte zu Beginn des Jahres im Sog der großen Internet-Euphorie auf 120 Euro.
© DER SPIEGEL

Obwohl Gigabell nie die angepeilten Ergebnisse erreichte und die Umsätze parallel zu den Verlusten stiegen, hielt die DG Bank unverdrossen zu ihrem Kunden. Am 19. April kam noch eine Kaufempfehlung. Zwar seien die Planzahlen für 1999 nicht erreicht worden, aber mittelfristig verfolge Gigabell eine zweistellige Umsatzrendite.

Naivität, Hoffen auf Wunder - oder sogar Täuschung der Anleger? Bereits im Mai hatte die Firma das gesamte Geld aus dem Börsengang verspielt, im September war Gigabell endgültig pleite.

So weit sind viele andere Wachstumswerte - noch - nicht, aber auch die übrigen gefallenen Engel an der Wachstumsbörse können ihren Abstieg noch immer mit Kaufempfehlungen schmücken: Ein Kurs kann noch so tief stürzen, es findet sich stets ein Experte, der dem verunsicherten Anleger zum Einstieg rät - denn jetzt, so die gängige Begründung, sei die Aktie wirklich unterbewertet.

Die Erfahrung lehrt etwas anderes: Kein Kurs ist so tief, als dass er nicht noch weiter fallen könnte. Die Grenze liegt bei null.

Für unerfahrene Börsianer ist das eine neue Erkenntnis: Jahrelang gab es an der Börse nur eine Richtung, die Kaufempfehlungen machten fast alle Anleger glücklich, und selbst hoch gesteckte Kursziele erfüllten sich wie von selbst.

Brummt die Börse, haben fast alle Analysten Recht. Aber dann gewinnt auch, wer zur Auswahl seiner Aktien mit dem Dartpfeil auf den Kursteil einer Zeitung wirft.

Die Bewährungsprobe kommt, wenn die Kurse ins schier Bodenlose fallen - so wie jetzt. Dabei haben sich die Analysten der Banken bis auf die Knochen blamiert. Ob EM.TV, Mobilcom oder T-Online: Der Niedergang der einstigen Hoffnungswerte wird begleitet von wohlwollenden Kommentaren und Kaufempfehlungen.
© DER SPIEGEL

Kaufen, kaufen, kaufen: Als ob die Börse ein immer währender Schnäppchenmarkt und jeder Tiefstkurs eine Kaufgelegenheit wäre, preisen die Banken Aktien an. Das ist kein Wunder: Sie verdienen an diesem Geschäft - und das nicht schlecht.

Und die Analysten verdienen mit. "Seit zwei Jahren ist die Branche derart hochgehypt, dass es mittlerweile an qualifiziertem Nachwuchs fehlt", sagt Michael Klein, Leiter des Aktienresearch bei Sal. Oppenheim. "Gute und erfahrene Leute sind wirklich schwer zu finden."

Ähnliche Erfahrungen hat auch die Research-Chefin eines Frankfurter Brokerhauses gemacht. "Selbst einem Junior, der wenig Ahnung hat und schlecht motiviert ist, muss ich inzwischen 200 000 Mark im Jahr bezahlen."

Doch das sind Peanuts im Vergleich zu den Größen des Gewerbes, die mehrere Millionen verdienen. Die europäischen Großbanken haben - wie die Deutsche Bank mit Edson Mitchell an der Spitze - ihr Investmentbanking mit den meisten Analystenteams in London konzentriert. Beide Geschäfte ergänzen sich, denn das viele Geld bekommen die Top-Analysten nicht, weil sie die Anleger akkurat beraten. Es sind die Kontakte zu den Unternehmensführern, die den Banken so viel wert sind.

"Gute Analysten sind Regenmacher", erläutert ein Insider. Auf ihre Vorschläge, hier eine Firma zu kaufen oder dort einen Bereich abzustoßen, hören die Chefs. Oft bekommt die Investmentbank, für die der Analyst arbeitet, anschließend den Auftrag. Bei einigen Fusionen oder Unternehmenskäufen gehört der Analyst sogar mit zu dem Team, das den Deal vorbereitet.

Wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Konzernlenkern und Analysten ist, demonstriert Chris Gent. Der Chef von Vodafone konnte sein Unternehmen mit zahllosen Übernahmen zur größten Mobilfunkfirma Europas ausbauen, auch weil er das Vertrauen der Aktienexperten besitzt. "Er kennt 20 Analysten mit Namen", sagt Andrew Beale, der Telekom-Spezialist der Deutschen Bank in London.

Geradezu Kultstatus genießen die Topanalysten in den USA - jedenfalls solange ihre Prophezeiungen eintreffen. Henry Blodgets Worte waren einst Milliarden wert. Denn der wie ein Hollywood-Star gefeierte - und bezahlte - Börsenprophet sagte die Kurse von Internet-Firmen bisweilen nicht nur voraus. Er machte sie.

Im Dezember 1998 empfahl Blodget die bereits wahnwitzig gestiegene Aktie des Online-Buchhändlers Amazon - Kursziel: 400 Dollar. Die Aktie stand damals bei 240 Dollar. Wenige Wochen später war das Kursziel fast erreicht - und Blodget der Staranalyst der Internet-Werte.

Auch die Empfehlungen von Abby Cohen oder Ralph Acampora waren für Anleger regelrechte Kaufbefehle. Cohen, Chefstrategin der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs, gilt als die mächtigste Frau der Wall Street. Der Daueroptimist Acampora vom Wertpapierhaus Prudential Securities, genannt "Mr. Bullmarket", hat eine gläubige Schar von Jüngern, seit er 1995 eine lang anhaltende Hausse vorhersagte. Er behielt Recht.

Acampora schaffte es sogar, den gesamten amerikanischen Aktienmarkt in den Keller zu schicken. Als er im August 1998 eine Kurskorrektur im Dow Jones ankündigte, sackte der Index um 300 Punkte ab. Das hat bisher nur Alan Greenspan, der mächtige Chef der US-Notenbank, geschafft.

Neuerdings aber bewegen die Börsenpropheten die Kurse nur noch kurzzeitig, den Trend bestimmen sie nicht. Die Gurus sind entzaubert: Den Crash der Technologiewerte haben die allermeisten falsch eingeschätzt. Wacker empfahl beispielsweise Blodget die von seinem Arbeitgeber an die Börse gebrachte Firma Pets.com. Doch das Papier rutschte trotz ständig wiederholter Kaufempfehlungen von über sieben Dollar auf unter einen Dollar ab.

"Der wichtigste Job eines Aktienanalysten ist es, eine Aktie zu verkaufen", erklärt der Londoner Analyst einer deutschen Großbank. Deshalb gibt es kaum kritische Studien. Schon Arthur Levitt, Chef der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, klagte, dass in den USA nur ein Prozent der Analysen negativ ausfällt.

Auch vor der Blase, der spekulativen Überhitzung der Aktienkurse, warnten die meisten Analysten nicht. Denn dann hätte es nur einen Rat gegeben: Finger weg von Aktien, bis sich der Markt beruhigt hat.

Beispiel T-Online: Das im April emittierte Internet-Portal der Telekom war von Anfang an der Favorit von Lehman Brothers, einem amerikanischen Investmenthaus. Am 22. Mai prognostizierten die Analysten Tarek Robbiati und Rufus Grantham umfangreiche Geschäftsabschlüsse, die den E-Commerce- und Werbe-Einnahmen zusätzliche Wachstumsimpulse verleihen und den Kurs auf 64 bis 68 Euro puschen sollten. Wer den Experten glaubte und das Papier am ersten Handelstag kaufte, hat sein Kapital bislang halbiert.

Beispiel Mobilcom: Die Analysten der Dresdner Kleinwort Benson empfahlen den Mobilfunkbetreiber nahe am Allzeithoch von 199 Euro. Am 21. März hielten sie einen Einstieg der France Télécom für plausibel. Das würde ausreichen, um das UMTS-Netz zu finanzieren. Ein eklatantes Fehlurteil.

Denn einerseits waren die UMTS-Lizenzen in England bereits zu Mondpreisen versteigert worden, und andererseits war der für die Unternehmen nachteilige Versteigerungsmodus in Deutschland in den Grundzügen bekannt. Jedem echten Experten war klar, dass die Lizenzgebühren nur ein Teil der UMTS-Investitionen sind. Und ob sich mit UMTS je Geld verdienen lässt, hängt bis heute davon ab, ob es technisch gelingt, die Telefonfirmen an elektronischen Verkäufen via Handy zu beteiligen. Bislang ist das nicht möglich.

Selbst der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, sagte noch im Sommer: "Einige Unternehmen werden das UMTS-Abenteuer nicht überleben." Jeder ernsthafte Beobachter der Szene wusste, dass Mobilcom mit das schwächste Unternehmen in dem Milliardenmarkt ist - und mit seinem UMTS-Engagement an finanzielle Grenzen stoßen musste.

Doch am 18. August schrieben die Analysten der Dresdner Bank, Mobilcom verfüge über weiteres Kurspotenzial, obwohl die Aktie seit März nur gefallen war. Sie sahen den Wert auf 158 Euro steigen. Gerüchte, dass die von vier Banken geleitete UMTS-Finanzierung geplatzt sei, ließ den Kurs am vergangenen Donnerstag um über 30 Prozent abstürzen. Bis Freitag erholten sich die Papiere wieder auf 36 Euro. Von 158 Euro aber sind sie weit entfernt.
"Nur knapp die Hälfte der Prognosen erfüllen sich", sagt Mark Wahrenburg, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Frankfurt. Die Urteile der hoch bezahlten Banker liegen im Zufallsbereich.

"Analysten sind Berufsoptimisten", erklärt der Professor für Betriebswirtschaft in Aachen, Hans-Peter Möller. Er hat die Gewinnschätzungen der Aktienexperten analysiert - und Verblüffendes herausgefunden: Rund 90 Prozent der Prognosen fallen zu hoch aus. "Außerdem schreibt einer vom anderen ab", sagt Möller, "der Herdentrieb ist ganz massiv."

Viele der Fehlanalysen haben auch System: Oft werden Analysten von ihren Arbeitgebern missbraucht. Von Unabhängigkeit kann keine Rede sein, auch wenn die Banken unbeirrt das Gegenteil behaupten.

Beispiel EM.TV: Die WestLB brachte die Firma des Medienunternehmers Thomas Haffa (siehe SPIEGEL-Gespräch Seite 86) im Oktober 1997 an die Börse und hält ihr seitdem die Treue.

Selbst Ende März, als das Unternehmen an der Börse mit 22 Milliarden Mark mehr als die Lufthansa kostete, gab die WestLB eine Kaufempfehlung. Die 3,6 Milliarden Mark, die EM.TV für die Übernahme von 50 Prozent an der Formel-1-Trägergesellschaft bezahlen müsse, sei günstig. Die Großanleger wussten es besser. Der Aktienkurs des einstigen Börsenstars stürzte um über 90 Prozent nach unten.

Nicht nur die WestLB gab solche Empfehlungen. Den ganzen Sommer hinweg übertrumpften sich die Analysten mit positiven Studien. Während der Aktienkurs des Unternehmens immer steiler nach unten ging, gab es, laut EM.TV, Empfehlungen von der Deutschen Bank (31. März: Kaufen), der Commerzbank (19. Juni: Kursziel: 119 Euro), der Credit Suisse First Boston (27. Juli: Kursziel 90 Euro) und Merrill Lynch (28. Juli: Kursziel 95 Euro).

Die Probleme bei EM.TV, über die der SPIEGEL erstmals vor einem Jahr berichtet hatte (49/1999), wurden immer mehr Anlegern offenbar.

Auch die Kreditinstitute, deren Analysten den Medienkonzern unverdrossen zum Kauf empfahlen, hätten es eigentlich besser wissen müssen. Doch einige von ihnen haben im November 1999 eine Kapitalerhöhung für den Stammkunden EM.TV platziert - das verpflichtet.

Geschäftsinteressen trüben den Blick. Während gute Analysen kaum Geld bringen, brachte die Wandelanleihe, mit der EM.TV im Februar dieses Jahres 782 Millionen Mark bei den Anlegern einsammelte, der beteiligten Bank rund 20 Millionen Mark an Provisionen.

Auffällig viele positive Analystenreports in diesem Jahr stammen von Banken, die bei diesen provisionsträchtigen Geschäften zum Zug gekommen sind. Andere Kreditinstitute hielten sich mit kritischen Analysen vornehm zurück, um vielleicht später mitzuverdienen.

Wie groß die Probleme bei den Haffas waren, wussten zumindest sechs Banken. Credit Suisse First Boston, WestLB, Deutsche Bank, DG Bank, Bayerische Landesbank und BHF-Bank waren im Konsortium, das den beiden Brüdern im Frühjahr etwa 700 Millionen Dollar vorgestreckt hat, damit die einen Teil des Kaufpreises für die Formel-1-Beteiligung in bar zahlen konnten.

Ursprünglich sollten diese zwei Jahre laufenden Kredite möglichst schnell in länger laufende Verbindlichkeiten umgewandelt werden. Doch im Laufe des Sommers mussten die Banken einsehen, dass dem Markt die Risiken zu hoch waren.

Trotzdem empfahlen Analysten aller beteiligten Häuser die Aktie zum Kauf. Wer das tat, verlor bis zu 91 Prozent.

Als letzte Konsortialmitglieder zogen die DG Bank und die BHF-Bank im November bei schon deutlich reduzierten Kursen mit Kaufempfehlungen nach. Wer ihnen vertraute, hat "nur" 60 Prozent verloren.

Natürlich werden alle Kreditinstitute sagen, dass es Kontakte zwischen ihren Kredit- und Analyseabteilungen gar nicht geben darf. Immer wieder wird auf diese "Chinese Wall", die angeblich undurchdringlich ist, verwiesen. Aber immer wieder gibt es Fälle wie EM.TV: Sie legen den Verdacht nahe, dass die Banken die Analysten ganz gezielt für ihre Geschäfte einsetzen.

Gelegentlich protzen die Banken sogar mit der Macht ihrer Aktienexperten. So hat zum Beispiel die Investmentbank J. P. Morgan im Auftrag der Alten Leipziger 6,4 Prozent der Aktienanteile der BHF-Bank verkauft. In einer Pressemitteilung rühmen die Banker die "Platzierung der Anteile auf hohem Niveau durch eine Kaufempfehlung von J. P. Morgan". In der Tat hatten die Analysten das Papier nur vier Wochen vor Bekanntgabe des Deals in den höchsten Tönen gelobt. So etwas ist in den USA strengstens verboten, hier zu Lande sind die Gesetze großzügiger, die Sitten lockerer.

Was eigentlich ein Betrug am Kunden ist, gilt allenfalls als anrüchig. "Es kommt immer wieder vor, dass unsere Aktienverkäufer ein bestimmtes Kursziel fordern", berichtet die Frankfurter Analystin einer großen französischen Bank. Letztlich sind die Experten nichts weiter als die Marktschreier im Finanzzirkus, der verlängerte Arm der Marketingabteilung.

"Das weiß auch jeder", sagt ein erfahrener Frankfurter Analyst, "vor allem die institutionellen Investoren. Wenn die vom Konsortialführer eines Börsengangs eine Analyse über die neu am Parkett gehandelte Firma sehen, wandert sie sofort in den Papierkorb."

Nur die Kleinanleger glaubten oft den schönen, wenn auch falschen Worten der Analysten. Jetzt sind sie die Dummen - und können sich noch nicht einmal beschweren.

Denn kein Analyst hat je einen Kleinanleger beraten "Unsere Kunden sind institutionelle Anleger", sagt der Merrill-Lynch-Analyst Bernard Tubeileh, "und dass Kleinanleger unsere Analysen lesen - dafür kann ich nun wirklich nichts."
Hallo,

heute benötige ich mal Eure Hilfe, und zwar suche ich Infos über einen gewissen Alwin Toral.

Toral empfiehlt z.B. Comverse Technologies, eine Aktie, die ich auch besitze.

Zu den Ergebnissen von Toral:

"Since 1994, Alvin Toral averaged a whopping +79.3% yearly. His secret? "Fundamentals always prevail" - booming revenues and earnings, reasonable P/Es and strong cash flow."

Daher interessieren mich die anderen Tips von Toral.

Grüße, ica
gefunden in der Zeitschrift Telebörse:

"Dass Kleinanleger unsere Analysen lesen, dafür kann ich nichts."
Bernard Tubeilen, Medienanalyst bei Merrill Lynch, über Fehleinschätzungen bei den Medienaktien
20. Dezember 2000
  
U S - A N A L Y S T E N
Pessimismus überall
Noch vor kurzem hatten die Analysten in den USA eine Kursrallye zum Jahresschluss herbeigeredet. Jetzt erwarten sie nichts Gutes mehr.
New York - Die Stimmung an den
amerikanischen Aktienmärkten ist am Boden. Händlern und Analysten zufolge werden die Anleger dabei weniger von der Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve verunsichert als von der Angst vor einer kommenden Rezession. "Es ist die Mischung aus negativen Unternehmensnachrichten und der Sorge um die Konjunktur, die zum jetzigen Ausverkauf an den Börsen führt", sagte Barry Hyman, Anlagespezialist bei Wheatherly Securities. "Der Hintergrund ist, dass die Investoren jetzt wirklich Sorge um die Einnahmen der Unternehmen haben."

Neue Herabstufungen und Gewinnwarnungen sorgen unterdessen für weitere Verunsicherung. So stufte das Investmenthaus Merill Lynch gleich drei Schwergewichte herab: Cisco, Hewlett Packard und IBM. Belastend wirkten auch die Meldungen der Hightech-Firmen Jabil Circuits und Foundry Networks, dass die bisherigen Gewinn- und Umsatzziele nicht erreicht werden können.

Die schlechten Signale vom Markt werden durch immer schlechtere Konjunkturaussichten verstärkt: Der Chefökonom von Merril Lynch, Bruce Steinberg, hat seine Prognose für das Wachstum der US-Wirtschaft beispielsweise von 3,3 Prozent auf 3 Prozent gesenkt. Bei den Gewinnen der S&P-500-Unternehmen erwartet er statt acht nur noch fünf Prozent Zuwachs. "Wir glauben immer noch, dass keine wirkliche Rezession kommt, aber dass es zumindest eine rauhe Landung geben wird", schrieb er in einem Kommentar.

Besonders stark ist die Flucht der Investoren aus den Technologieaktien. Bret Gallegher, Anlagespezialist von Julius Bär, hat dafür eine einfache Erklärung: "Viele Investoren haben Technologieaktien übergewichtet, weil sie auf die übliche Jahresendrallye setzten. Jetzt schauen sie auf das nächste Jahr, und ich glaube, viele machen lieber jetzt gleich ihren Hausputz."
@Ica
zu den neueren Empfehlungen von Toral gehört LLTC.
December 15, 2000 -- Alvin Toral says well-run, growing companies with strong fundamentals will prosper despite the recent market downturn. One of his newest recommendations is Linear Technology (LLTC); the company makes and markets linear ICs for telecom applications in networking, cell phones, satellite systems, computers, video and space systems.
"Fundamentally the company is very strong," Toral says. Revenues grew more than 20% yearly over the last four years and reached $705 million in 2000. He also likes Linear`s profit margins, which were 41% in 2000 and averaged 38% previously. Also, earnings are keeping pace with revenues. Earnings rose an average 27% per year since 1997.

What`s more, Linear has no long-term debt and a current ratio (current assets to current liabilities) of 8:1. "This is another good indication of a well-managed company," Toral says. Shareholders enjoyed four 2-1 stock splits over the past nine years. Toral recommends Linear Technology to aggressive investors.
Hallo Biz,

vielen dank für Deine Mühe, das hilft mir schon mal weiter. Kannst Du mir eine Adresse nennen, wo es weitere Info über Toral gibt?

Grüße, ica
Dear Investor:
I`m Alvin Toral; Editor of The Pure Fundamentalist.


Alvin unterhält 3 Musterportfolios.Der Schwerpunkt liegt auf Technologiewerten:
Aggressive Lion Portfolio
Adam and Eve Portfolio
Conservative Lamb Portfolio.

Das Aggressive und das Conservative Potfolio starten jedes Jahr mit neuen Werten. Das Adam an Eve sind auf 3 Monate angelegt. In seinem monatlichen Newsletter bespricht er diese Portfolios sowie andere Themen. Auf seiner Webseite kann man auch die älteren Ausgaben lesen. Das Abbo kostet monatlich 19,95 Dollar. Vorher kann man das ganze 30 Tage lang kostenlos ausprobieren.
In der Dezemberaugabe 2000 stellt er in der Rubrik Special Supplement: Building A Stock Portfolio seine Favoriten für 2001 vor.The Stocks of Our 2001 Model Portfolios . Deine CMVT ist auch wieder dabei.
http://www.investools.com./cgi-bin/server.pl/Newsletters/PFU…
.
Die größten Analystenverfehlungen in
diesem Jahr

von Hardpainter



Qualcomm, Kursziel 1000 Dollar. Vor ziemlich
genau einem Jahr am Freitag eröffnete
der junge Paine Webber Analyst Walter
Piecyk die Rally, welche weit in 2000 hineinreichte
mit diesem Kursziel für den
Telekommunikationsspezialisten. Die Aktien
von Qualcomm zogen am selben Tag
um 31 Prozent an und mit ihnen der gesamte
High-Tech-Sektor. Die 2000er Rally
am Jahresanfang war genauso spektakulär
wie der Kursverfall am Jahresende,
auch wenn die Medien und die meisten
Zuschauer am Jahresanfang bei weitem
aktiver waren. Heute notieren die Aktien
von Qualcomm nach einem 4 zu 1 Aktiensplit
unter 100 Dollar und werden die 250
Dollar je Aktie voraussichtlich so schnell
nicht mehr sehen. Dabei spiegeln die
Qualcomm Aktien den 38 Prozent Kursverfall
der Nasdaq in diesem Jahr gut wieder.
Ein Auflistung bekannter Fehlgriffe und
Analysteneinschätzungen aus den USA in
diesem Jahr:
Vor dem Jahr 2000 erklärte die Deutsche
Bank Alex Brown, dass der Y2K-Bug weltweit
Rezessionstendenzen auslösen würde.
Da der Jahr 2000 Fehler nur in sehr
kleinem Maße auftrat, kam es keineswegs
zu den erwähnten Folgen.
Am 18. Februar brachte Goldman Sachs
als Konsortialführer Gigamedia auf den
Markt, deren Aktienkurs sich am ersten
Tag verdreifachte auf 88 Dollar und jetzt
bei 4 Dollar notiert.
Im März empfiehlt Robertson Stephens
Intel und Dell. Die Aktien von Dell konnten
das ganze Jahr über keine gute Performance
zeigen. Bei Intel lagen sie aber richtig.
Sie schätzten, dass die Aktien schon
früher, nämlich zur Jahresmitte das Kursziel
von 75 Dollar erreichen können, was
die Intel Aktien auch schafften. Letztlich
sind sie dann im Herbst mit der US-PC-Flaute
und der Börsenbaisse dann weit
unter den Empfehlungskurs bei momentan
33 Dollar gefallen.
Im Mai, schon während des Internet-Kurs-verfalls,
bestätigt die Analysten Jamie
Kiggen von Donaldson Lufkin ihr Kursziel
für Priceline von 190 Dollar. die Aktie notiert
momentan bei 1,30 Dollar. Im Juli
beginnen die ersten Warnungen von re-nommierten
High-Tech Unternehmen. Die
Softwarespezialisten Computer
Associates, BMC Software sowie
Compuware warnen vor schlechter als
erwarteten Zahlen und läuten eine beinahe
beispiellose Gewinnwarnungsserie
ein, welche durch das boomende zweite
Quartal in den USA und die nachfolgende
Abkühlung eingeläutet wird.
Im August warnt SG Cowen´s Bock und
stuft QXL.com auf Halten herab.
Im September warnt Intel vor niedrigeren
Gewinnen. Im Oktober gesteht der
Internet-Fonds Manager Ryan Jacob seinen
Fehler im April ein. Er reagierte damals
wie viele andere auf einen Sell-Off
bei Internetaktien und nicht auf einen
Crash. Im Dezember erklärt Credit Suisse
First Boston Analyst Kiggen, dass
Doubleclick statt eines Gewinns einen
Verlust machen werde, behält aber angesichts
des hohen Cash zu Aktienpreis Verhältnisses
die Kaufempfehlung bei .
Letztlich sind in diesem Jahr Renten und
Immobilienfonds, sowie Konservative Energie-
und Pharmatitel in den USA die
großen Renner, welche ein Jahr zuvor nur
milde belächelt wurden.
A U S B L I C K E  2 0 0 1

"Mr. Dausend" und andere Gurus

Am Ende eines enttäuschenden Börsenjahres fragen sich viele Anleger, wessen Rat sie noch trauen dürfen. Was bringt 2001?

Von Marc Brost, Götz Hamann, Marcus Rohwetter, Wolfgang Uchatius


Jeder große Guru braucht eine kleine Marotte. Also verzichtet Hans Achim Bernecker auf vier Buchstaben des zweiten Vornamens - und nennt sich kurz Hans A. Ein richtiger Guru hat erfahren zu sein, und weise. Also wirbt der 62-Jährige Bernecker mit "40 Jahren Börsenerfahrung" und posiert dazu in ganzseitigen Anzeigen: die Arme verschränkt, die hohe Stirn vom Denken zerfurcht, die Augen fest in die Kamera gerichtet. Ein glaubwürdiger Guru muss selbst Erfolg haben, daher besitzt Bernecker die Symbole des Erfolgreichen: die goldene Uhr am Handgelenk, den Bentley in der Garage, die Millionen auf der Bank. Vor allem aber braucht ein Guru eine Botschaft - und eine Bühne, von der er sie verkündet. Also meldet sich Bernecker einmal die Woche. Per Post. "Wer etwas zu sagen hat", so sein Motto, "schreibt einen Börsenbrief."
In der jungen Börsenrepublik Deutschland haben offensichtlich viele sehr viel zu sagen. Immer neue Magazine drängen auf den Zeitschriftenmarkt und erklären, wie man "300 Prozent Gewinn mit der nächsten Technik-Revolution" macht oder besser noch "1000 Prozent mit Optionsscheinen". Der Fernsehsender n-tv lässt Experten vor die Kamera, die beim Blick auf Kursgrafiken von "abschreckenden Double-Tops" orakeln und mit fester Stimme behaupten, dass der Dax wieder steige, wenn nur die "maßgebliche Unterstützungslinie" halte. Wer gern telefoniert, kann bei Börsen-Hotlines anrufen, um sich für 2,42 Mark pro Minute einflüstern zu lassen, wo die nächste "Geld-Dusche" wartet und welche Aktie demnächst zur "Bio-Tech-Rakete" wird. Ob im Sportverein, am Stammtisch oder am Arbeitsplatz: Fast jeder kennt jemanden, der einen Tipp parat hat.
Die Gier nach Geld hat die Kurse im Frühjahr 2000 in ungeahnte Höhen getrieben: Von Januar bis März stieg der Deutsche Aktienindex um ein Viertel, der Neue Markt verdoppelte sich in dieser Zeit sogar. Jetzt liegt die Börse am Boden. Viele Aktien sind nur noch einen Bruchteil ihrer einstigen Höchstkurse wert. Die Anleger fragen sich, ob sie nun aussteigen sollen oder ob gerade jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um wieder einzusteigen. Wird 2001 ein besseres Börsenjahr als 2000? Darf man den Prophezeiungen der Aktiengurus noch glauben? Wem darf man überhaupt trauen, wenn es um die Börse geht?
Von wegen "Aktienkultur": Viele Anleger haben keine Ahnung
Zunächst einmal: Es sind die ahnungslosen Aktionäre selbst, die das Heer der Möchtegernexperten zu Propheten machten. "Weil die Anleger die verschiedenen Einflussfaktoren des Kapitalmarktes nur teilweise durchschauen, folgen sie Vorbildern", sagt der Nürnberger Börsenprofessor Wolfgang Gerke. "Vorbilder, von denen sie annehmen, sie besäßen intimere Kenntnisse über die von ihnen empfohlenen Unternehmen." Dass dem nicht so ist, hat Reinhart Schmidt ermittelt. "Da ist viel Zufall dabei", sagt der Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Halle-Wittenberge. "Es werden einfach Vermutungen in die Welt gesetzt, die fundamental überhaupt nicht begründet sind."
Das Perfide daran: Je mehr Leute die empfohlenen Aktien kaufen, desto höher treiben sie die Kurse - und damit treten auch die Weissagungen der Propheten ein. Entziehen die Anleger dem Börsenguru jedoch die Gunst, ist es mit der Herrlichkeit schnell vorbei (siehe Grafik). Das heißt aber auch: Die These von der Aktienkultur in Deutschland ist bloß ein Schlagwort. Viele, die sich aufs Parkett trauen, haben keine Ahnung, auf was sie sich einlassen. Das Ergebnis: Die Börse fährt Achterbahn.
Guru ist freilich nicht gleich Guru, auch das mussten die Anleger im Jahr 2000 lernen. Die einen bewegen Kurse, die anderen vor allem die Gemüter. Egbert Prior war der Erste, der beides konnte. Der Düsseldorfer Exjournalist - Werbespruch: "Setzen Sie Prioritäten" - gilt als einer, der die Mobilcom-Aktie nach oben gebracht hat. Und wieder nach unten. Als Prior die Aktie propagierte, stieg der Wert binnen weniger Monate um über 100 Prozent. Am Nikolaustag 2000 packt Prior dann die Rute aus: Als er in seinem Börsenbrief schreibt, dass dem Unternehmen "ohnehin das Geld an allen Ecken und Enden" fehle, stürzt der Kurs um knapp 20 Prozent. Der Guru mit dem Bubengesicht strotzt vor Selbstbewusstsein, seitdem er sich nicht mehr vom Staatsanwalt verfolgt fühlt. Jetzt greift er am liebsten die Kollegen an - und am allerliebsten Bernd Förtsch.
Der Außenseiter aus dem kleinen Kulmbach hat freilich schon Ärger genug. Kaum ein anderer Börsenguru spaltet die Anlegerschaft so sehr wie der Franke Förtsch. Er hat all jene reich gemacht, die frühzeitig auf Kleinstwerte wie Infomatec und Gigabell setzten - und dann rechtzeitig ausstiegen. Wer zu spät kam oder den Absprung verpasste, sitzt heute dagegen auf einem Haufen fast wertloser Papiere. "Mister Dausend", verspotten ihn seine Gegner, weil Förtsch im Fernsehen mit breitem Akzent das Kursziel der Morphosys-Aktie auf 1000 Euro hochschraubte - und das Papier mittlerweile auf rund 140 Euro abgerutscht ist. Im Internet nennen sie ihn "0190-Förtsch", weil er nebenbei eine teure Hotline betreibt. Vor allem aber wird immer wieder moniert, dass Förtsch auch noch Investmentfonds berät, die pikanterweise in jene Aktien investieren, die der Guru in seiner Zeitschrift empfiehlt. Der Vorwurf seiner Kritiker: Bestimmte Aktien würden nur empfohlen, um die Performance der Fonds zu verbessern.
Für das kommende Jahr hängt alles von der US-Konjunktur ab
Der Boden, auf dem diese Saat aufgeht, wird seit 1997 bestellt: der Neue Markt in Frankfurt, die Wachstumsbörse für junge Unternehmen. Die dort gehandelten Aktien sind allesamt marktenge Werte - also Aktien mit relativ geringer Stückzahl, deren Kurse leicht um zweistellige Prozentzahlen nach oben springen, wenn eine Schar Kleinanleger kauft. Während ein alter Börsenprofi wie Bernecker den Neuen Markt skeptisch sieht, spezialisiert sich manch neuer Prophet gerade auf dieses Risikosegment.
Der Zulauf der Gurus hat aber noch einen anderen Grund: das Fernsehen. Bei Prior war es die 3satBörse, in der er als Gast auftrat und Mobilcom-Aktien empfahl. "Die Leute haben dem charmanten Prior geglaubt und dann gekauft", sagt Peter Nemec, der Leiter der Sendung. Ein Dilemma: Ohne Gäste mit einem gewissen Günther-Jauch-Appeal lässt sich keine gute Fernsehsendung machen. "Lieber einen Charismatiker als einen professoralen Langweiler, der die Leute nicht für das Thema Aktie begeistern kann", sagt Nemec. Dass Prior freilich die empfohlenen Mobilcom-Aktien zuvor selbst gekauft hatte, spaltete die Investorenschaft. Insidergeschäfte, schimpften die einen, andere wiederum fanden das in Ordnung: Nur wer selbst die Papiere besitze, zu denen er rät, dem könne man trauen. Hauptsache, selbst reich werden. Wenn andere dabei noch reicher werden - was soll`s.
Irgendwann waren alle ärmer. Ein Schuldiger musste her. Viele Zuschauer, sagt Nemec, haben der 3sat-Redaktion dann Briefe geschrieben wie: "Sehr geehrte Damen und Herren. Sie haben in Ihrer Sendung eine Aktie empfohlen, mit der ich 4000 Mark verloren habe. Bitte überweisen Sie den Betrag auf mein Konto." So denken die Menschen eben, seufzt Nemec.
Von neuem steigende Kurse würden sie vermutlich trösten. Tatsächlich sagen die Marktauguren schon den nächsten Boom vorher. "Bis Februar" erwarte er den-Neuen Markt-Index Nemax All Share bei 7000 Punkten, jubelte Prior Mitte November. Hat er diesmal Recht?
Bevor den Anlegern der Rausch der New Economy zu Kopf stieg, hatten Aktien vor allem mit Unternehmensgewinnen zu tun. Jetzt ist das Delirium vorüber, der Blick nüchtern und wieder frei für Zahlen. Und die sind tatsächlich ganz gut, eigentlich. "Wir erwarten ein Wachstum der Unternehmensgewinne von zehn Prozent und darüber", sagt Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank.
Zwar gehen die Wirtschaftsforscher davon aus, dass sich das Wachstum in Deutschland leicht abschwächt - von 3,0 auf irgendwo zwischen 2,4 und 2,8 Prozent (siehe ZEIT Nr. 52/00 sowie Forum Seite 25). Doch für die Börse sind auch das keine schlechten Zahlen, im Gegenteil. Ein milderes Wachstum bedeutet geringere Inflationsgefahr. Und wenn keine Inflation droht, wird die Europäische Zentralbank wohl auch die Zinsen nicht erhöhen. Ein Vorteil für die Aktionäre, denn steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität von Rentenpapieren, die Investoren schichten um, und die Aktienkurse fallen.
Am Ende solcher Gedankengänge angekommen, könnten Privatanleger zuversichtlich Aktien kaufen, egal, was die Gurus sagen. Wenn, ja wenn da nicht Amerika wäre und diese Flugzeug-Metapher, die Analysten wie Ökonomen in diesen Wochen ständig zitieren. Demnach befindet sich die US-Ökonomie im schnellen Sinkflug wie eine Boeing 747 vor der Landung. Im ersten Quartal lag die Wachstumsrate bei 5,6 Prozent. Vergangene Woche wurde der Wert für das dritte Quartal bekannt: nur noch 2,2 Prozent. Die Frage, die alle beschäftigt, ist nun: Wie wird die Landung - hart oder weich? Aufprall oder Ausrollen? Lange Rezession oder schnelles Durchstarten in den nächsten Aufschwung?
"Wenn die USA in die Rezession geraten, kann man sich leicht Horrorszenarien ausmalen", sagt Thomas Meyer, Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Auf einen Schlag wären auch die positiven Prognosen für Deutschland Makulatur. Die Nachfrage aus Amerika bliebe aus, der Euro stiege schlagartig an, die Exportraten fielen, die Unternehmensgewinne auch. Aus einem guten Aktienjahr würde ein katastrophales.
Auf 20 bis 30 Prozent schätzen Ökonomen die Wahrscheinlichkeit einer harten Landung der amerikanischen Wirtschaft. Wer optimistischer ist, begründet das meist mit einem Namen: Alan Greenspan. Der 73-Jährige ist Präsident der amerikanischen Zentralbank. Er kann der Wirtschaft Geld zuführen oder entziehen, je nachdem, was sie nötiger hat. Er sei der Pilot, sagen die Experten, er steuere das Flugzeug, er wisse am besten, wie es in der Luft liegt. Als er am Dienstag vor Weihnachten die Sorge äußerte, eine Rezession sei womöglich nicht zu vermeiden, stürzten die Aktienkurse in die Tiefe. Obwohl er das Wort Rezession selbst gar nicht in den Mund nahm. Die Fachleute hatten es aus seiner Rede nur herausgelesen. Dieser Einfluss macht Greenspan zum Guru der Gurus. Seine Worte interpretieren die Börsenexperten wie Gläubige die Heilige Schrift. Natürlich interpretiert sie jeder anders. Und jeder hat dabei seine eigenen Interessen. Das gilt für die meisten Börsengurus genauso wie für die Unternehmen, die sich selbst und ihre Aktien mit rosigen Wachstumsversprechen anpreisen. "In diesem Jahr haben am Ende alle, wirklich alle Meinungsbildner falsch gelegen", sagt ein hochrangiger Banker aus Frankfurt. "Und was die Zukunft angeht, fischen wir derzeit alle im Trüben."
Gurus wollen selbst reich werden, Unternehmen ihre eigenen Kurse nach oben treiben. Wem also kann der Privatanleger trauen? Den Analysten? Auch deren Untersuchungen - zu Hunderten im Internet oder in den Medien zu finden - sind durchaus nicht immer unabhängig. Erst recht nicht, wenn die Analysten bei der Bank arbeiten, die das untersuchte Unternehmen an die Börse gebracht hat. Die Banken beraten die Aktiengesellschaft regelmäßig noch ein Jahr nach dem Börsengang. In dieser Zeit ist eine ehrliche Aussage nicht immer zu erwarten.
Statt Beratung wollen die Leute den Tipp fürs schnelle Geld
Aber auch eine noch so objektive Studie birgt Gefahren für Privatleute, sagt Volker Hergert. Er war zehn Jahre lang selbst Analyst, jetzt leitet er die Research-Abteilung der Bankgesellschaft Berlin. "Analysten wenden sich in erster Linie an institutionelle Anleger", sagt er. "Privatanleger als Nichtprofis verstehen nur selten die komplexen Zusammenhänge, die dort beschrieben werden." Das Übersetzen ist Aufgabe der Medien. Aber auch die tun sich schwer damit, sagt Hergert. "Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und inhaltlich falsch wiedergegebene Aussagen führen oft zu Fehlinformationen."
Die Folge ist häufig eine falsche Anlage-Entscheidung. Oder sogar die Pleite. Bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz melden sich inzwischen immer mehr Menschen, die Aktien auf Kredit gekauft haben. Ihr Depot diente als Sicherheit. Jetzt, da die Kurse sinken, liquidieren die Banken die Aktien für kleines Geld. "Viele gehen jetzt mit einem ordentlichen Soll-Betrag auf dem Konto nach Hause", sagt Geschäftsführer Carsten Heise. Und geben womöglich allein den Börsengurus die Schuld, auf deren Empfehlung sie hörten. Unbedingt hören wollten.
Selbst einen alten Börsenfuchs wie Hans A. Bernecker lässt die Gier vieler Privatanleger inzwischen zweifeln. "Heute wollen die Leute keine ernsthafte Beratung mehr", klagt er. "Sie wollen nur noch wissen, wo man die nächsten 100 Prozent holt."
(c) DIE ZEIT   01/2001 
Saisonalität an den Aktienmärkten «Buy in December - a rule to remember» An den Aktienmärkten spielen sich in den meisten Jahren ähnliche Kursmuster ab: Im Winterhalbjahr zeigen sich die Kurse stärker als im Sommerhalbjahr. Das Phänomen lässt sich empirisch gut belegen, ist aber rational nicht ausreichend begründbar. Investoren nutzen es am besten aus, indem sie gegen Jahresende Aktien kaufen, die ohnehin gemessen am Gewinnwachstum günstig bewertet sind. (Red.)

Von Hans-Peter Huber* In Anbetracht der Börsenturbulenzen vom vergangenen Herbst mögen sich manche Investoren gesagt haben «alle Jahre wieder». Einmal mehr haben die Märkte deutliche Einbussen von den Niveaus im Frühsommer erlitten. Die Frage stellt sich, ob der Eindruck eines jährlich wiederkehrenden Musters in den Börsenbewegungen lediglichdas Resultat selektiver Wahrnehmung der Investoren ist oder ob über einen längeren Zeitraumbetrachtet tatsächlich solche regelmässigen saisonalen Effekte beobachtet werden können. Saisonale Effekte sollten gemäss der aus der Finanzmarkttheorie bekannten Hypothese effizienter Märkte nicht auftreten. Doch haben verschiedene Untersuchungen die Effizienzhypothese generell ins Wanken gebracht. Phänomene wie der «Weekend-Effekt», der «Januar-Effekt» oder der «Grössen-Effekt» sind belegbar, aber es gibt dafür keine stichhaltigen theoretischen Erklärungen.Sie werden deshalb kurzerhand als «Marktanomalien» bezeichnet. Ähnlich belegbar sind auch die Saisoneffekte. Die Analytiker als Schuldige? Warum sollten sich die Aktienmärkte im Frühling und Frühsommer signifikant besser entwickeln als im Spätsommer und Herbst? Überzeugende Erklärungen sind nur schwer zu finden.Eine oft gehörte Begründung erklärt den negativen Börsenverlauf in der zweiten Jahreshälfte mitGewinnrevisionen durch die Analytiker. Sie neigen dazu, zu Beginn des Jahres das Wachstum der Unternehmensgewinne über die nächsten zwölf Monate zu überschätzen. Allerdings ist auch diese Erklärung unbefriedigend, weil nicht einzusehen ist, warum solche regelmässigen Muster vom Markt nicht antizipiert und folglich im Kurs vorweggenommen werden sollen. Die Frage stellt sich, welche Anlagestrategien die Saisonanomalien profitabel ausnützen. Zum Zweck einer Untersuchung wurden Saison-Strategien explizit formuliert. Dafür wurde das Jahr inzwei Teile aufgeteilt. Die eine Hälfte umfasst dabei diejenige Periode, die als überdurchschnittlich rentabel vermutet wird. Dieser Zeitraum ist auf die Periode von Anfang Dezember bis Ende Mai festgelegt worden; gemäss der «Marktregel», dass in den meisten Jahren ein Jahresendrally und der Januar-Effekt mit einer positiven Kurswirkung auftreten. Die entsprechende Börsenhandlungsregel lautet «Sell in May and go away» (verkaufe im Mai und bleibe der Börse fern). Die andere Periode umfasst den Zeitraum von Anfang Juni bis Ende November und deckt damit die für die Aktienmärkte als schwierig betrachteten Herbstmonate ab. Im Folgenden wird die auf den ersten Zeitraum bezogene Strategie («Sell in May») zwei anderen Strategien gegenübergestellt, nämlich der genau gegenteiligen Strategie («Buy in May»; kaufe im Mai) sowie einer passiven «Buy and Hold»-Strategie. Bei «Sell in May» wird über den Zeitraumvon Ende November bis Ende Mai in Aktien investiert. Von Ende Mai bis Ende November werden Geldmarktanlagen gehalten. Im Rahmen der Strategie «Buy in May» wird zwischen Ende November und Ende Mai eine Geldmarktanlage gehalten. Von Ende Mai bis Ende November wird in Aktien investiert. Die «Buy and Hold»- Strategie bedingt Investitionen in Aktien über das ganze Jahr hinweg. Die drei Strategien sind über den Zeitraum der letzten 30 Jahre für ein internationales Aktienportfolio aus der Sicht eines Schweizer Investors getestet worden. Grundlage für die Berechnungen bildete dabei der MSCI- Aktienweltindex mit Basiswährung Franken. Zusätzlich durchgeführte Tests haben gezeigt, dassdie Währungseinflüsse im MSCI im Zusammenhang mit der Fragestellung vernachlässigbar sind. Für die Geldmarktanlagen wurden 6-Monats- Depositzinsen in Franken verwendet. Die Ergebnisse dieser Simulation sind in der Tabelle zusammengefasst, die kumulierten Renditen der drei Strategien in der Grafik dargestellt. Die Ergebnisse lassen tatsächlich eine deutliche Überlegenheit der «Sell in May»-Strategie erkennen. So liegt die durchschnittliche Jahresrenditefür die Strategie «Sell in May» bei 10,2%, während die «Buy and Hold»-Strategie (MSCI-Index) lediglich 5,7% und die «Buy in May»-Strategie gar nur magere 0,3% per annum erzielte.Aus dem Vergleich der beiden Komplementärstrategien («Sell in May» und «Buy in May») kann gefolgert werden, dass die Aktienhausse der letzten zwanzig Jahre per saldo fast ausschliesslich in der Halbjahresperiode Dezember bis Mai stattgefunden hat. In Anbetracht der Einfachheit der aufgezeigten Strategie (im «richtigen» Halbjahresrhythmus investiert sein) sind die Ergebnisse zweifellos erstaunlich. Führt man dieselbe Untersuchung für einzelne lokale Aktienmärkte durch, ergeben sich qualitativ dieselben Schlussfolgerungen. Am ausgeprägtesten sind sie aberauf der Ebene des hier verwendeten Aktienweltindexes zu erkennen. Dies könnte darauf hinweisen,dass die beobachtete Saisonalität letztlich ein globaler Einflussfaktor ist, der durch internationale Diversifikation über die Märkte hinweg deutlicher erkennbar wird. Dilemma für die Anleger Die Ergebnisse stellen den seriösen Analytiker vor ein Dilemma: Soll man der Theorie glauben, die den empirischen Fakten widerspricht, oder soll man den Daten glauben, welche jeder rationalen Begründung entbehren? In Situationen, wo der Kopf und der Bauch im Widerspruch stehen, hilft oft die Erfahrung. Eine optimale Strategie muss sowohl mit den Fakten als auch mit der Ratio im Einklang stehen. Gemäss diesem Rezept empfiehlt sich, im Dezember Aktien zu kaufen, wenn diese auch aus rationalen Gründen (Bewertung, Gewinnerwartungen usw.) als interessant erscheinen. Zurzeit erscheinen uns beispielsweise ausgewählte New-Economy-Aktien (Branchen Technologie, Telekom, Medien und Biotech), speziell in den USA, dank dem gesunkenen Kursniveau und den ansprechenden Gewinnerwartungen wieder als attraktiv. Zudem ergeben unsereAnalysen, dass diverse europäische Old-Economy-Aktien (Titel aus traditionellen Branchen) als günstig einzustufen sind. Das Weihnachts- bzw. Jahresendrally an den Börsen ist dieses Jahr ausgeblieben. Es ist deshalb noch nicht zu spät, in solche Werte, die man als rational attraktiv betrachtet, zu investieren und zusätzlich auf den Saisoneffekt zu setzen. Eine derartige Strategie steht im Einklang mit den Fakten und ist gleichzeitig rational gut begründbar. * Dr. Hans-Peter Huber ist Chief Investment Officer der Partner-Bank.





Artikel Börsen und Märkte
Am Ende eines enttäuschenden Börsenjahres fragen sich viele Anleger, wessen Rat sie noch trauen dürfen

Barrons gehört wohl zu den ganz wenigen Quellen, die auch mal abweichende Meinugen haben und damit häufig richtig liegen, vor allem wenn es um die grundlegende Richtung geht. Außerdem würde ich mir gelegentlich die Fünfglühbirnenleute angucken, also die Analysten, die nachgewiesenermaßen vernünftige Resultate geliefert haben.

http://www.validea.com/SourcesJump.asp?section=analysts
W E L T W I R T S C H A F T

Das amerikanische Comeback

Die Wirtschaft der USA fängt sich wieder, Alan Greenspan handelt richtig, und Europa steht vor einer langen Phase inflationsarmen Wachstums. Der deutsch-amerikanische Ökonom Rudi Dornbusch erklärt, warum wir optimistisch sein sollen

DIE ZEIT: Alle Welt starrt auf die amerikanische Konjunktur. Schmiert sie ab?
RUDI DORNBUSCH: Die schlimmsten Nachrichten sind jetzt schon durch. In einigen Wochen werden wir darüber reden, wie tief die Delle war und wie schnell wir da wieder herausgekommen sind.
ZEIT: Das Wort Rezession macht die Runde - und Sie geben locker Entwarnung?
DORNBUSCH: Um die jetzige Situation einmal einzuordnen: Wir alle wollten, dass die amerikanische Wirtschaft abbremst. Jetzt haben wir die Bremsung. Eine solche Phase ist immer schwierig, weil die Risiken größer werden als gewünscht. Aber deswegen erleben wir noch keine Rezession.
ZEIT: Was heißt das in Zahlen?
DORNBUSCH: Bis Dezember erwarte ich wieder ein Wachstum von drei bis dreieinhalb Prozent. Geld- und fiskalpolitische Mittel sind vorhanden, um die Wirtschaft nach oben zu ziehen. Die Geldpolitik hat schon Flagge gezeigt. Das war wichtig.
ZEIT: Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, hat vergangene Woche mit Recht die Leitzinsen gesenkt?
DORNBUSCH: Oh, das war wunderbar. Er hat nicht gegen die Börse gekämpft, hat nicht gewartet, bis der Patient tot ist, und nicht eine Situation wie in Japan riskiert!
ZEIT: Und das Gegenargument, Greenspan lasse sich nur mehr von der Aussicht auf kurzfristige Effekte leiten?
DORNBUSCH: Es ist schon eine ernste Frage, ob er nicht länger hätte warten sollen. Aber es gibt wirklich keinen Grund, eine Rezession zuzulassen. Amerika hat nichts falsch gemacht. Erstens sollte die Wirtschaft um etwa 2,5 Prozent wachsen und bewegte sich unter diesem Pfad. Zweitens wollten die Verbraucher deutlich weniger ausgeben, und die Börsianer bekamen kalte Füße. An dem Punkt entscheidet sich, ob Sie ein Abbremsen abfedern und zurück zum Wachstum finden oder die Kontrolle verlieren. Greenspan musste handeln, als er noch Einfluss nehmen konnte.
ZEIT: Der neue Präsident und der alteingesessene Chef der Federal Reserve konkurrieren darum, wer die US-Wirtschaft wieder flottmacht. Greenspan setzt auf Zins-, Bush auf Steuersenkungen. Geht das gut?
DORNBUSCH: Da gab es immer eine gewisse Spannung. Tatsächlich liegen dahinter zwei Probleme. Zum einen die Frage, ob monetäre oder fiskalische Politik die Ökonomie flottmacht. Da geht die Präferenz in Richtung Notenbank und niedriger Zinsen ...
ZEIT: ... das ist Ihre Präferenz.
DORNBUSCH: So sieht das heute über die Parteigrenzen hinweg jeder, gerade im Hinblick auf die weitere Finanzierung der Neuen Wirtschaft. Zum anderen haben wir es mit der Agenda der Republikaner zu tun, die prinzipiell Steuern senken wollen. Dafür hat Bush geworben. Viele seiner Wähler wollen nun ihre Steuersenkung, und konjunkturell scheint auch die richtige Zeit zu sein. Aber die "Fed" hat gehandelt und klargemacht, dass sie künftig die Zinsen noch weiter herunterfahren will. Damit nimmt sie Bush großteils die Gelegenheit, von einem Notfall zu reden.
ZEIT: Die Fed bindet dem neuen Präsidenten die Hände, bevor der überhaupt im Amt ist?
DORNBUSCH: Vielleicht hat Bush das ja herausgefordert. Eine solche Situation haben auch Greenspan und Clinton erlebt. Clintons Wähler wollten öffentliche Investitionen. Dann redete er mit Greenspan, der ihm gesagt haben muss: Sie haben die Wahl zwischen niedrigen Zinsen und hohen Staatsausgaben. Die zusätzlichen Staatsinvestitionen gab es nicht, dafür aber Niedrigzinsen.
ZEIT: Ob Politiker, Investoren oder Anleger: Alle blicken gebannt auf Greenspan. Halten Sie es für gesund, dass der führende Notenbanker zu einem gottähnlichen Star wird?
DORNBUSCH: Sie müssen schauen, welche Optionen Sie haben. Fragen Sie mal die Amerikaner, ob sie lieber Alan Greenspan oder Wim Duisenberg hätten. Es ist wichtig, dass die Fed hart am Wind liegt und aktuell reagiert. Im Gegensatz zu Duisenbergs Europäischer Zentralbank legt sie sich nicht auf Obergrenzen für die Inflation fest. Greenspan will das so wenig wie sein Vorgänger.
ZEIT: Sind feste Zielgrößen nicht verlässlicher?
DORNBUSCH: Ich bin für Inflationsziele, weil wir nicht sicher sein können, immer einen Greenspan an der Spitze der Notenbank zu haben. Der versteht die reale Wirtschaft und die Risiken, die auftreten, wenn die Finanzmärkte nach unten gehen.
ZEIT: Vollkommen erfolgreich war Greenspan ja nicht. Kurz nach den Zinssenkungen brach die Neue Wirtschaft an der Börse ein.
DORNBUSCH: Dabei handelt es sich nur um einen kleinen Teil der Börse. Gut, dass Greenspan die Kurse insgesamt nicht oben halten konnte. Das hätte den falschen Eindruck vermittelt. Panikverkäufe sind zwar gefährlich, nicht aber Kurse, die langsam nachgeben. Meiner Meinung nach hätte Greenspan kein Problem damit, wenn die Kurse während des Jahres um 10 Prozent nachgeben würden - oder auch um 15 Prozent. Dann sinken die Zinsen weiter.
ZEIT: Ihr Optimismus ist beeindruckend. Immerhin verschulden sich die USA derzeit im Ausland jährlich um fast eine Billion Mark.
DORNBUSCH: Vor drei Monaten hieß es: Der Dollar fällt, dann kommt die Inflation, die Fed muss die Zinsen erhöhen, die Börse bricht zusammen. Und nun? Keine Inflation; der Dollar kann fallen. Das Argument ist keines. Europa muss sich vielmehr sorgen, dass die Amerikaner in Ruhe den Dollar fallen lassen und sich auf diese Weise Schub von außen holen. Vor einem Jahr, im Boom, hätte ein fallender Dollar eine Inflationsgefahr bedeutet. Jetzt nicht.
ZEIT: Wird der Dollar tatsächlich kollabieren?
DORNBUSCH: Ich glaube nicht. Europas Konjunktur bremst, Japans Wirtschaft ist tot. In diesem Umfeld kollabiert der Dollar nicht.
ZEIT: Und wenn die ausländischen Gläubiger und Investoren doch aufhören, ihr Geld den Amerikanern anzuvertrauen ...
DORNBUSCH: ... wo sollen sie denn hin damit, nach Japan? Oder steht Europa unmittelbar vor einem außerordentlichen Boom?
ZEIT: Japan kommt bei Ihnen extrem schlecht weg. Besteht dort wirklich keine Chance auf eine Wende?
DORNBUSCH: Japan war bis vor kurzem mitten in einem Aufschwung. Jetzt ist das Wachstum weg. Getragen wurde es vor allem vom High-Tech-Boom. Aber der ist nun vorüber. Zudem belasten die Konjunkturprobleme in den USA die Japaner. Und die Frage ist, woher der nächste Aufschwung kommen soll. Von der Geldpolitik? Die Zinsen sind ja schon extrem niedrig. Von der Fiskalpolitik? Die Defizite sind schon riesig. Da ist nichts mehr im Werkzeugkasten, die Weltwirtschaft wird langsamer, und die Verbraucher in Japan haben kein Vertrauen. Vorbei die Erwartung, dass die Wirtschaft um zwei Prozent wächst. Die einzig übrige Idee ist, dass die Zentralbank den Yen nach unten bringen soll.
ZEIT: Was bedeutet das für den Westen?
DORNBUSCH: Dadurch schrumpfen die Exportmärkte für Europa. Und langfristig bedeutet es ein großes finanzielles Risiko. Wenn die Verbraucher in Japan aufgeben, bricht die japanische Börse ein, ohne dass die Zentralbank dort viel unternehmen kann. Der Verfall des Yen könnte 30 Prozent betragen, und dann ist ganz Asien wieder in der Bredouille, auch China. Da gibt es keine Kontrolle mehr - ein großes Risiko für Japan und für die Welt.
ZEIT: Ein anderes Risiko ist der Ölpreis.
DORNBUSCH: Öl wird in der zweiten Jahreshälfte in den USA billiger. Auch von daher ist Inflation kein Thema. Sie können daher getrost erwarten, dass Greenspan die Zinsen dieses Jahr um einen weiteren Prozentpunkt senken wird.
ZEIT: Angenommen, Ihr Optimismus ist begründet ...
DORNBUSCH: ... Moment, Moment. Vor drei Monaten galt als Optimismus, dass die Fed sofort erfolgreich handeln würde, wenn etwas schief läuft. Das ist schon geschehen!
ZEIT: Angenommen also, die Optimisten behalten weiter Recht. Wie sollten sich Notenbank und Politiker in Europa verhalten?
DORNBUSCH: Dort ist das Bild komplizierter. Tatsächlich gibt es Inflationsgefahren, gemessen am Ziel der Europäischen Zentralbank. Zum Jahreswechsel kommt die neue Währung, dann sollte der Euro hoch im Kurs stehen. Und die Konjunktur verlangsamt sich. Die Zentralbank sollte nicht versuchen, den Euro über den Kurs von einem Dollar zu heben. Dazu wird die US-Ökonomie zu stark sein. Sie sollte vielmehr Greenspan in einiger Entfernung folgen und die Zinsen senken.
ZEIT: Und was wird aus dem gerade wieder wachsenden Selbstbewusstsein der Europäer gegenüber Amerika?
DORNBUSCH: Die Europäer müssen verstehen, dass das Wachstum in Europa zurückgeht und eine Zinssenkung die richtige Antwort ist. Und ein Euro in den Neunzigern ist doch auch sehr schön.
ZEIT: Bei Ihnen klingt das, als müsse man in Amerika und Europa nur an ein paar Hebeln ziehen, und schon geht es in die gewünschte Richtung. Im Falle Amerikas ein Wachstum von drei bis dreieinhalb Prozent.
DORNBUSCH: Es gibt viele Unsicherheiten. Aber die Fed und die Finanzpolitik können das durchschnittliche Jahreswachstum schon mitbestimmen - und über das Verhältnis von Wachstum und Beschäftigung auch die Arbeitslosenrate. Man sollte die genauen Zahlen nicht zu ernst nehmen. Aber sagen zu können: Wir haben die Abschwächung, und anders als erwartet ist Inflation kein Problem; in einigen Monaten wird das Wachstum daher wieder zunehmen - das ist nicht zu viel verlangt.
ZEIT: Was müsste passieren, damit Amerikas Wirtschaft doch "hart landet", wie das heißt - doch in die Rezession fällt?
DORNBUSCH: Das geht in dieser Phase nicht mehr. Na ja, angenommen, eine ideologische Fed erklärt der Börse den Krieg, angenommen, die Regierung erweist sich als vollkommen inkompetent und lässt den Dollar krachen, sodass die Weltwirtschaft abschmiert, weil Asien keine Chance mehr hat - dann vielleicht. Aber realistisch: In allen Szenarien einer harten Landung war die Inflation schuld.
ZEIT: Noch einmal: Die amerikanische Wirtschaft geht gegenüber dem Rest der Welt jedes Jahr ein Defizit von einer halben bis einer Billion Mark ein. Kann das noch ein halbes Jahrzehnt oder länger so weitergehen?
DORNBUSCH: Klar. Man kann dieses Defizit zwar nicht ewig aufrechterhalten, aber derzeit fehlt den internationalen Anlegern die große Alternative. Und wenn sie doch abwandern, sinkt der Dollar, die Steuersenkung wird geringer ausfallen, die Leistungsbilanz wird ausgeglichener - und der Rest der Welt wird ungehalten sein, weil das einfache Wachstum durch Exporte nach Amerika dahin ist.
ZEIT: Sie sagen, die USA blieben vorerst die Lokomotive der Weltwirtschaft. Können Sie sich vorstellen, dass Europa diese Rolle in naher Zukunft einnimmt?
DORNBUSCH: Anders als Japan, das wirklich gezogen wird, entwickelt sich Europa derzeit parallel zu Amerika. Ein Wettrennen, wenn Sie so wollen. Derzeit sehen die USA schlechter aus, im Fernsehen werden bange Fragen gestellt. Aber ich glaube, das ändert sich.
ZEIT: Bleibt Europa daher mehr Zeit für Reformen?
DORNBUSCH: Der Druck wird steigen. Das Wachstum geht dieses Jahr zurück, und die allgemeine Aussage, dass vieles in die richtige Richtung geht, wird nicht mehr reichen. Derzeit sagt alle Welt: Amerika wird bestraft für all seine Defizite. Bald wird man aber sehen, dass der niedrigere Dollar den Amerikanern bekommt und sie lächeln lässt.
ZEIT: Angenommen, Sie behalten wieder Recht. Wieso kann eine Volkswirtschaft entgegen allen Konjunkturweisheiten mehr als zehn Jahre wachsen, ohne in den Strudel der Inflation zu geraten?
DORNBUSCH: Früher war die Geldentwertung immer der fatale Faktor. Heute nicht mehr. Die Konkurrenz auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt ist heftig - sogar jetzt noch bei vollster Vollbeschäftigung. Weil das High-Tech-Geschäft zurückgeht, suchen auch gute Leute Jobs. Der intensive Wettbewerb auf den Weltmärkten verhindert zudem ein Hochschnellen der Güterpreise. Und die Unternehmen senken weiterhin ihre Kosten. Wenn sich jemand beklagt, er finde keine Sekretärin, dann wird ihm gesagt, er müsse eben ohne auskommen. Und die Produktivität wächst.
ZEIT: Harte Zeiten für Manager.
DORNBUSCH: Auf einer Tagung des amerikanischen Ökonomenverbandes vergangene Woche fragten alle, wie sie an eine gute Sekretärin kämen. Die Antwort ist: Gar nicht, lebe damit! Und das Personal im Hotel sprach nicht unbedingt englisch, sondern spanisch. So ist das eben. Sehen Sie, viele wollen die gute alte Zeit wieder, als eine große Zahl qualifizierter Arbeitskräfte um Jobs bettelte.
ZEIT: Irgendwann sind aber alle Sparpotenziale ausgeschöpft.
DORNBUSCH: Schon, nur sind wir noch lange nicht so weit. Die Entwicklung dürfte noch drei bis fünf Jahre anhalten. Es dauert, bis die Wirtschaft den intensivierten Wettbewerb und die neue Technologie ganz verarbeitet hat.
ZEIT: Durch den Einbruch am Neuen Markt haben die Deutschen den Eindruck, diese Chancen gingen an ihnen vorbei.
DORNBUSCH: Nein. Die kostensenkenden Mittel werden global eingesetzt. Vielleicht sind sie in Europa schwerer durchsetzbar. Aber sie kommen auch bei Siemens oder Daimler an.
ZEIT: Die Europäer dürfen auf eine lange Phase inflationsarmen Wachstums hoffen?
DORNBUSCH: Ja. Europa hat noch eine wundervolle Menge Ineffizienz abzuarbeiten. Darin liegt der zusätzliche Prozentpunkt Wachstum und der ausbleibende Prozentpunkt Inflation, die man New Economy nennt. Die Menschen sehen auch ein, dass die Wirtschaft flexibler werden muss.
ZEIT: Und der Crash am Neuen Markt?
DORNBUSCH: Die High-Tech-Börse in Amerika ist auch gefallen. Und der Nasdaq könnte durchaus noch weiter sinken. Gegenwärtig hält der Realismus wieder Einzug. Aber deswegen geben die Menschen die New Economy nicht auf. Sie ist allemal interessanter als Tellerwaschen.
ZEIT: Das klingt, als hätten Kritiker des schnellen Kapitalismus keine Chance.
DORNBUSCH: Ihre beste Zeit geht schon wieder vorbei. Die US-Wirtschaft wird nicht einbrechen und ihnen damit Argumente liefern.
Der Weltökonom
Rudi Dornbusch gehört zu den bekanntesten Wirtschaftswissenschaftlern auf dem Globus. Nicht nur, weil er überall auftaucht, wo es interessant wird - in Südamerika genauso wie in Asien. Nicht nur, weil seine Publikationsliste besondere Ausmaße hat und sich darauf auch ein viel genutztes Lehrbuch findet. Sondern vor allem, weil sich Dornbusch immer verständlich ausdrückt - in seinen Beiträgen für "Business Week" oder das "Wall Street Journal" genauso wie auf Podien. Seine Pointen haben schon so manchen Politiker verletzt.
Der 58-jährige Professor vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde in Krefeld geboren. Als Student wechselte er nach einem Kurzversuch in Jura zur Ökonomie, die ihn nach Amerika brachte - heute spricht er in Wirtschaftsdingen lieber Englich als Deutsch. Er promovierte in Chicago an der Fakultät des Nobelpreisträgers Milton Friedman. Das liberale Denken der Chicago-School hat er beibehalten. Der europäische Sozialstaat findet bei ihm so wenig Gnade wie einst der Plan einer gemeinsamen europäischen Währung.
Mit Rudi Dornbusch sprach Uwe Jean Heuser
A K T I E N F O N D S


Auf die Mischung kommt es an


Vor allem europäische, aber auch international anlegende Fonds werden 2001 profitieren.
Man muss kein unverbesserlicher Optimist sein, um trotz des schwarzen Börsenjahres 2000 weiter Aktien zu kaufen. Keine andere Anlageform verspricht, über lange Zeiträume betrachtet, eine ähnlich hohe Rendite, dazu noch steuerfrei.

Gewiss, derzeit ist offen, ob die Kurse stetig wieder steigen. Doch nach Meinung vieler Experten scheint der Jahresbeginn eine gute Zeit zu sein, um an den Aktienmärkten wieder einzusteigen.

Hier soll nicht den Zockern das Wort geredet werden, die
jetzt vermeintlich billige Titel aus spekulativen Erwägungen in ihr Depot legen. Das Risiko, mit einer solchen Strategie auf die falschen Papiere zu setzen, ist
hoch.

Wer Aktien als Instrument der Altersvorsorge begreift, zumindest aber einen Anlagehorizont von bis zu zehn Jahren mitbringt, ist mit Investmentfonds in der Regel besser bedient. Deren Manager beobachten täglich die Börsen und investieren das ihnen anvertraute Kapital in attraktive Branchen und Unternehmen.

Angesichts von rund 4000 in Deutschland zugelassenen Fonds scheint die Auswahl des richtigen auf den ersten Blick genauso schwer wie die einer einzelnen Aktie. Viele Angebote scheiden für den langfristig engagierten Anleger allerdings von vornherein aus.



Zusammen sind wir stark: Die Fondsmanager nehmen den einzelnen Investoren viel Arbeit ab und bündeln die Kräfte Länder-, Branchen- oder Themenfonds, die aus einer stark eingeschränkten Menge einzelner Aktien auswählen, müssten vom Anleger eigenständig zu einem ausgewogenen Portfolio kombiniert werden. Für sich allein genommen, ist das Risiko bei diesen so genannten Spezialitätenfonds sonst zu hoch.

Nach Ansicht erfahrener Vermögensverwalter eignen sich zwei
Arten von Aktienfonds besonders für Anleger, die Investitionsentscheidungen lieber den Profis überlassen
wollen: international anlegende und europäische Fonds.

Internationale Fonds, auch "Aktien Welt" genannt, haben
ihren Anlageschwerpunkt in den USA, ohne sich allerdings
völlig vom Geschehen an der Wall Street abhängig zu machen.
In Kombination mit in Europa investierenden Fonds erhalten
Anleger so ein viel versprechendes Aktiendepot.

 A B E L L E   I


Europäische Fonds


manager magazin hat zusammen mit der Vermögensverwaltung Feri Trust die zehn besten europäischen Aktienfonds zusammengestellt.
Die Sortierung nach der Wertentwicklung der Fonds innerhalb eines Jahres zeigt, wie die Fondsmanager die Einbrüche an den Börsen bewältigt haben:
Eurostars
Die besten in Europa investierenden Aktienfonds
Rang
Fonds/WKN1
Rating2
Performance3
1 Jahr
1
Henderson Horizon, (989 226)
(A)
67,16
2
Invesco GT Continental, (986 660)
(B)
56,33
3
Sun Life Growth, (971 795)
(A)
50,16
4
HSBC GIF Equity, (973 763)
(A)
49,62
5
EUFINVEST/A, (971 622)
(A)
40,35
6
ABN Amro Equity, (973 925)
(A)
40,07
7
Performa Equity, (971 669)
(A)
37,42
8
Swissca Continental, (971 315)
(A)
32,18
9
Lion Interaction, (971 424)
(A)
29,88
10
Newton Continental, (930 431)
(A)
24,95 Index: MSCI Europa 25,71

T A B E L L E   I I


Die Weltmeister



Die besten international anlegenden Aktienfonds
Rang
Fonds/WKN1
Rating2
Performance3
1 Jahr
1
Metzler Wachstum, (975 225)
(B)
87,48
2
ACM Growth Trends, (974 264)
(B)
57,90
3
DWS (CH)-Aktien, (974 087)
(A)
48,86
4
DWS Vermögensbild. I, (847 652)
(A)
48,18
5
DekaSpezial, (847 466)
(A)
43,92
6
Postbank Dynamik, (974 183)
(A)
39,21
7
SMH-Internat.-UBS, (848 821)
(A)
37,80
8
Robeco N.V., (970 259)
(A)
36,25
9
UniGlobal, (849 105)
(A)
35,25
10
Anglo Irish Equity, (987 927)
(A)
21,64 Index: MSCI Welt 25,94
1Wertpapier-Kennnummer; 2das
Feri-Trust-Fonds-Rating bewertet die Performance und das
Risiko eines Fonds über einen fünfjährigen Zeitraum. Die
Einstufung reicht von (A) = sehr gut bis (E) = schwach;
3in Prozent.
Stand: 31. 10. 2000; Fondsnamen abgekürzt. Quelle: Feri Trust
Haben Sie eine Strategie? Montag, 22.01.2001 von Horst Fugger


Falls nicht, sollten Sie Ihre Vorgehensweise überdenken

Die meisten Aktienkäufer halten es für sinnvoll, eine bewährte und durchdachte Strategie zu verfolgen. Aber nur wenige haben eine, und in kritischen Situationen hält sich kaum jemand an die Regeln der Vernunft.
Unerfahrene Börsianer hatten im letzten Jahr oft das Gefühl, sie seien dem Auf und Ab der Kurse hilflos ausgeliefert. Da stiegen manche Aktien zunächst um mehr als 100 Prozent, um dann innerhalb weniger Monate ins Bodenlose zu fallen. Wie kann es sein, dass ein Papier, das man im März für 100 Euro gekauft hat, im Dezember nur noch zehn Euro wert ist? War nun der Kurs im Frühjahr der "richtige", also dem realen Wert der Aktie angemessene, oder der vom Jahresende?
Wahrscheinlich keiner von beiden. Bei einigen solchen Aktien war vielleicht auch der Preis im Dezember noch viel zu hoch. Jeder Börsianer muss allerdings wissen, dass Börsenkurse nicht das Resultat vernunftbestimmter Prozesse sind. Emotionen, Hoffnungen und mit 1000 Fehlerquellen behaftete Zukunftsprognosen spielen dabei eine weit größere Rolle. Es handelt sich also um einen durchwegs chaotischen Vorgang. Den "richtigen" Kurs gibt es nicht. Viele Aktienkäufer machen den Fehler, dass sie auf das Chaos der Kursentwicklung mit einer noch weit chaotischeren Kauf- und Verkaufspolitik reagieren. Wenn sie damit anfangs ein paar Gewinne einstreichen, halten sie solchen Dilettantismus vielleicht sogar für eine Strategie. Das böse Erwachen kommt früher oder später, aber es kommt bestimmt.
Mit der Unberechenbarkeit der Börse wird man nur fertig, wenn man einen ausgearbeiteten Plan verfolgt. Eine Strategie eben, die diesen Namen verdient, die ein Ziel und ein Konzept umfasst. Wer eine Strategie hat, weiss ganz genau, was er in jeder erdenklichen Börsensituation tun wird. Daher verliert er nie die Nerven und braucht sich weder auf Gefühle noch auf die Meinung anderer zu verlassen. Anschauliche Beispiele liefert das Day Trading, sozusagen die Formel 1 der Börsenspekulation. Ein Patentrezept gibt es hier nicht. Jeder erfolgreiche Day Trader hat sein ganz individuelles Handelssystem, das zum Beispiel eine Kombination technischer Indikatoren, fundamentaler Bedingungen oder anderer Faktoren umfasst. Wenn ein Kauf- oder Verkaufssignal kommt, geht er den Trade ohne zu zögern ein, und er weiß auch schon vorher ganz genau, wie hoch sein Einsatz sein wird. Wenn die Sache schief zu gehen droht, stellt er sofort glatt und nimmt den Verlust in Kauf. So geht er selbst dann vor, wenn er zuvor zehn Fehlsignale in Folge hatte. Er darf es sich auch gar nicht leisten, das elfte Signal zu missachten, denn es könnte den ganz großen Gewinn bringen, den "Home Run", der vielleicht fünfmal so hoch ist wie die Summe der zehn kleinen Verluste.
Der Erfolg beruht letztendlich darauf, dass der Trader alle Emotionen ausschaltet und fast wie eine Maschine agiert. Das muss er auch, denn eine Emotion wie die Hoffnung, ein krasser Verlusttrade werde schon noch in die gewünschte Richtung drehen, kann in diesem Geschäft Kopf und Kragen kosten. Es gibt Day Trader, die an einem einzigen Tag mehr Geld verloren haben, als sie zuvor in zehn harten und erfolgreichen Jahren gewonnen hatten.
Denken Sie jetzt nicht, das alles gehe Sie nichts an, weil Sie mit Futures und Optionen nichts am Hut haben, sondern nur am Aktienmarkt aktiv sind. Das Prinzip gilt für jede Form der Geldanlage. Ich kenne viele Börsianer, die kein Konzept haben. Ihre Depots sind ein Sammelsurium von Aktien, die sie irgendwann aus irgendwelchen Gründen gekauft haben, an die sie sich teilweise gar nicht mehr erinnern können. Womöglich war ein Tipp von einem Freund dabei, eine Empfehlung der Hausbank und ein völlig abgesoffener "zukünftiger Marktführer", den ein Analystenlehrling im Börsenfernsehen verbraten hatte. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sich in solchen Depots regelmäßig 80 Prozent "Leichen" finden. Aktien also, die der Inhaber nur deshalb nicht verkauft, weil er dafür so gut wie nichts mehr bekommen würde, die er aber vor Jahren oder auch erst vor Monaten teuer eingekauft hat. Gekauft hat er sie allerdings nur, weil er eben kein Konzept, keine Strategie hatte. Es zahlt sich an der Börse nicht aus, Aktien mal aus diesen, mal aus jenen Gründen zu kaufen. Jeder Anleger muss ganz genau wissen, welches Ziel er an der Börse verfolgt und wie er es erreichen will. Und sagen Sie jetzt nicht "Ich will reich werden". Das wollen wir alle. Sagen Sie lieber: "Ich akzeptiere ein maximales Kursrisiko von x um eine Rendite von y zu erzielen". Wenn Sie so weit sind, können Sie sich überlegen, welche Aktien für diese Strategie in Frage kommen und Kriterien festlegen, die solche Aktien erfüllen müssen. Das können charttechnische Bedingungen sein, fundamentale Kennzahlen wie ein maximales KGV, KBV, KUV oder KCV, eine Mindestanforderung an die Dividendenrendite, das prozentuale Gewinn- oder Umsatzwachstum per annum oder eine beliebige, ganz auf Ihr Ziel zugeschnittene Kombination aus allen diesen Kriterien. Wenn Sie so weit sind, haben Sie schon ein recht durchdachtes Konzept und sind der Mehrheit der Börsenlemminge deutlich überlegen. Drücken wir es mal bildlich aus: Sie haben ein Sieb, durch das alle Aktien fallen, die Ihre Bedingungen nicht erfüllen. In der Regel bleiben noch mehr als genug andere Aktien übrig, und nun können Sie an die Feinabstimmung gehen, Erkundigungen über die einzelnen Unternehmen einholen und schließlich die Auswahl treffen.
Auch dann müssen Sie leider noch mit einer gewissen Fehlerquote leben, denn die Börse hält nun mal jeden Tag ihre Überraschungen für uns bereit. Aber Sie werden besser abschneiden als 95 Prozent aller anderen Börsianer, die sich auf Tipps, Emotionen und ähnlichen an der Börse hinderlichen Krempel verlassen
G R E E N S P A N


Das Denkmal wackelt


Ist der US-Notenbankchef noch der überparteiliche Experte? Kritiker werfen Greenspan zuviel Nähe zur konservativen Bush-Regierung vor.




Die Kritik an dem US-Notenbankchef aus Politik und Finanzwelt wächst. Zeigt er nun wieder sein wahres Gesicht als Erzkonservativer? wie das kaninchen die Schlange starrte
die Finanzwelt am Mittwoch Anbend vor der neuen Zinssenkung wieder auf Alan Greenspan. Bei jeder Bewegung des US-Notenbankchefs zucken Fondsmanager, Aktionäre und Politiker zusammen. Viele würden ein Vermögen dafür geben, einige Sekunden vor den anderen einen Blick in
seine Gehirnwindungen zu werfen. Um den wichtigsten finanzpolitischen Steuermann der Welt ist ein Personenkult entstanden, der den schmächtigen Alten fast zur unberührbaren Ikone gemacht hat.
Doch Greenspans Image als überparteilicher Fachmann hat in den vergangenen Wochen Kratzer bekommen. Kritiker werfen ihm vor, sich zu eng an die konservative Regierung von George W. Bush zu schmiegen.

Folgt Greenspan zu sehr der politischen Lobby?
Mit zwei deutlichen Zinssenkungen im Januar und seinen
wohlwollenden Äußerungen über Steuersenkungen ist der 74-Jährige dem Präsidenten entgegen gekommen. Bush möchte die Steuerzahler innerhalb der nächsten zehn Jahre um 1,6 Billionen US-Dollar (fast 3,4 Billionen Mark) entlasten.

Greenspan muss sich daher einen ungewöhnlichen Vorwurf gefallen lassen: Sein Schwenk sei eher politisch als finanzpolitisch motiviert. Denn bisher hatte der Notenbank-Chef den strikten Kurs von Ex-Präsident Bill Clinton zum Schuldenabbau und zur Sanierung der Sozialversicherung mitgetragen.

Der Experte verstrickt sich in Widersprüche
Greenspans Prognose, die öffentlichen Schulden könnten bis 2010 abgebaut werden, halten einige liberale Politiker wegen der jüngsten wirtschaftlichen Abschwächung für zu optimistisch. Er habe das Tor für die Wiederkehr des fiskalischen Leichtsinns geöffnet, griff der demokratische Senator Paul Sarbanes den Notenbank-Chef an. Damit spielte er auf die drastischen Steuerkürzungen von Ex-Präsident
Ronald Reagan an, in dessen Amtszeit von 1981 bis 1989 das Haushaltsdefizit der USA explodierte.

Kritik ist auch außerhalb der Parteipolitik zu hören. Experten weisen auf einen Widerspruch in Greenspans Rede vor dem US-Senat vergangene Woche hin: Steuersenkungen sollen nach Meinung der Republikaner die kränkelnde US-Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

Obwohl Greenspan dieser Logik nicht direkt folgt, hat er
das Ziel unterstützt und dies mit den zu erwartenden "null
Schulden" und Haushaltsüberschüssen gerechtfertigt. Doch wenn die Staatskasse überlaufen sollte, heißt das, dass es der Wirtschaft ohnehin gut geht. Falls nicht, würden Steuersenkungen wieder ein Loch ins Budget reißen. Davor hatte Greenspan selbst gewarnt.

Greifen jetzt wieder alte Seilschaften?
Enttäuschte Demokraten behaupten, Greenspan zeige nun wieder sein wahres Gesicht als Erzkonservativer. Schließlich hatte Reagan Greenspan 1987 auf den Posten des Zentralbank-Chefs gehoben. Die persönlichen Bindungen zur neuen Bush-Regierung sind eng. Der neue Finanzminister Paul O`Neill und Bushs Wirtschaftsberater Larry
Lindsey haben mit Greenspan jahrelang eng zusammen gearbeitet und sich zum Teil gegenseitig Jobs beschafft. Greenspan und der Aluminium-Manager O`Neill dienten gemeinsam in der Regierung von Präsident Richard Nixon (1968-74). Lindsey lernte Greenspans Philosophie eine Zeit lang selbst in der Zentralbank kennen.

Politik selbst stellte Greenspan auf den Sockel
"Wir haben ihn auf dieses hohe Podest gestellt und uns selbst zu Narren gemacht", sagte ein Mitarbeiter der Demokraten. "Dies ist kein objektives Orakel." Doch Partei-Kritik hat der Alte schon oft durchgestanden, mal von der einen, mal von der anderen Seite. Darüber, wie auch über seinen Personenkult, hat der eher schüchterne
Greenspan bisher nur geschmunzelt.
G E L D A N L A G E

Immer die Kurve kriegen

Indexaktien sind eine preiswerte Alternative zu herkömmlichen Aktienfonds

Von Tobias Kaiser

Kritische Anlageexperten predigen es seit Jahren: Die meisten der hoch bezahlten Fondsmanager sind ihr Gehalt nicht wert. Weit über die Hälfte aller Fonds schneiden nämlich schlechter ab als der Index, den sie eigentlich schlagen wollen. So hat der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) ausgerechnet, dass nur 17 Prozent aller am Dax orientierten Fonds sich in den vergangenen fünf Jahren besser entwickelt haben als der Index selbst.
Wer angesichts solcher Ergebnisse als Anleger lieber unmittelbar auf einen Index setzen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Er kann bei seiner Bank oder einer Fondsgesellschaft zum Beispiel Anteile an Indexfonds erwerben, die den Index nachbilden. Oder aber an der Börse Indexzertifikate kaufen. Bisher kaum bekannt ist allerdings eine dritte, besonders preiswerte Möglichkeit: der Kauf von Indexaktien. Diese Papiere sind Finanzzwitter, nämlich an der Börse gehandelte Indexfonds.
Wer Anteile eines gewöhnlichen Indexfonds kauft, zahlt dafür in der Regel zwischen drei und fünf Prozent Ausgabeaufschlag und eine jährliche Verwaltungsgebühr zwischen 0,4 und 1,5 Prozent. Die börsengehandelten Indexfonds hingegen haben keinen Ausgabeaufschlag. Und bei allen zurzeit gehandelten Indexaktien liegt die jährliche Verwaltungsgebühr bei 0,5 Prozent. Beim Kauf des Fonds zahlt der Anleger nur den so genannten Spread, die Differenz zwischen Verkaufs- und Rücknahmepreis des Fonds. Der Spread richtet sich, wie bei Devisen, nach Angebot und Nachfrage auf dem Markt und liegt bei den zurzeit gehandelten Indexaktien zwischen 0,06 und 0,5 Prozent. Zusätzlich fallen die banküblichen Spesen für den Aktienkauf und -verkauf an, die durchschnittlich 0,5 Prozent betragen. Damit sind die Indexaktien meist noch günstiger als die im Vergleich zu Fonds ebenfalls preiswerten Indexzertifikate.
Wie kann das sein: börsengehandelte Indexfonds, die ähnlich gemanagt werden wie herkömmliche Fonds und trotzdem billiger sind? Der Grund für die guten Konditionen: Indexaktien wurden primär für institutionelle Anleger, zum Beispiel Vermögensverwalter, geschaffen. Und diese sind offensichtlich nicht bereit, für einen Indexfonds die bisher üblichen hohen Verwaltungsgebühren zu zahlen. So wie Joachim Willnow, der die Indexaktien von Merril Lynch betreut: "Passives Management ist mit einem Prozent zu teuer bezahlt."
Der Anlageexperte geht sogar davon aus, dass die Verwaltungsgebühren für Indexaktien noch weiter sinken. Willnow: "Bei 0,5 Prozent bleibt es nicht." Denn in den USA konkurrieren traditionelle Indexfonds und Indexaktien, Exchange Traded Funds (EFT) genannt, mittlerweile heftig um Kunden - vor allem über die Preise. So verlangt etwa der größte Indexfonds des Landes, der Vanguard 500, nur noch 0,18 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr. Bei den ETFs haben die Gebühren ebenfalls einen Tiefstand erreicht: 0,09 Prozent.
Anleger, die den Sparerfreibetrag von 3100 Mark pro Person bereits ausgeschöpft haben, sollten allerdings berücksichtigen, dass Indexaktien die anfallenden Dividenden ausschütten. Möglicherweise sind Indexzertifikate, die meist die Dividende einbehalten oder reinvestieren, für diese Anleger dann die bessere Wahl. Für das immer beliebter werdende Fondssparen eignen sich die börsennotierten Fonds nicht. Weil sie wie Aktien gehandelt werden, macht bei kleinen Beträgen die Mindestprovision, die selbst bei Discountbrokern bei circa 20 Mark liegt, den Preisvorteil der Indexfonds wieder zunichte.
Außer den niedrigeren Verwaltungsgebühren und dem fehlenden Ausgabeaufschlag haben Indexaktien im Vergleich zu herkömmlichen Indexfonds aber noch einen weiteren Vorteil: Sie werden an der Börse fortlaufend gehandelt. Für übliche Publikumsfonds hingegen wird einmal am Tag der Preis bestimmt, gewöhnlich um 13 Uhr. Wer nach 13 Uhr eine Kauf- oder Verkaufsorder abgibt, muss bis zum nächsten Tag um 13 Uhr warten, bis sie ausgeführt wird, und erfährt auch erst dann, zu welchem Preis.
Anders als in den USA, wo inzwischen rund 80 EFTs gehandelt wer den, ist das Angebot an Indexaktien in Deutschland jedoch noch gering. In dem Segment XTF, das die Deutsche Börse mit Blick auf die Entwicklung in den USA eigens für Indexaktien gegründet hat, sind erst fünf Indexpapiere gelistet. Eines auf den Dax und je zwei auf den Stoxx 50 und den Euro Stoxx 50, die Indizes für Standardwerte aus 16 europäischen Ländern und aus der Eurozone. Demnächst kommen weitere hinzu: Indexchange, die ETF-Tochter der HypoVereinsbank, will noch im ersten Quartal 2001 weitere Fonds auf den Nemax All Share, den MDax und verschiedene Nemax- und Stoxx-Branchenindizes auflegen. Auch ausländische Emittenten haben bereits Interesse signalisiert.
Aber nicht nur Indexfonds können Anleger inzwischen in Frankfurt handeln. Im November überraschte die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, die DWS, die Finanzbranche damit, dass sie elf ihrer aktiv gemanagten Fonds an die Börse brachte. Seitdem werden diese Fonds neben den Indexaktien im XTF-Segment gelistet (siehe Interview). Damit ist Frankfurt sogar der amerikanischen Konkurrenz voraus: In den USA versuchen Fondsgesellschaften seit Monaten, eine Börsenzulassung auch für ihre aktiv gemanagten Fonds zu bekommen - bislang ohne Erfolg.
(c) DIE ZEIT   06/2001  
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Die Experten schlagen zurück


Die angegriffene Zunft wehrt sich: Der Privatanleger sei zu gierig und zu ungebildet.
Die im Zuge des anhaltenden Kursrutsches am Neuen Markt in die Kritik geratene Berufsgruppe der Analysten wehrt sich. Börsenexperten zahlreicher Brokerhäuser warfen beim so genannten "Frankfurter Gespräch" des "Handelsblatt" (Montagsausgabe) den Fedehandschuh an die Anleger zurück.

"Will man den Endkunden schützen, müsste man bei seiner Bildung ansetzen und seine Gier bremsen", sagte Christoph Bruns, Leiter des Aktienfondsmanagements beim Fondshaus Union Investment.

Allerdings sei das, was den Privatanlegern vermittelt werde, oft zu plakativ, habe Bernd Meyer, Aktienstratege Europa bei Deutsche Bank Research, Kleinanleger in Schutz genommen. Aber auch, wenn sie alles lesen würden, verstünden sie nicht alles, schränkte er ein: "Wir arbeiten für institutionelle Investoren".

Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für den Wertpapierbesitz sagte: "Die Analysten sind nicht mehr nur Dienstleister für Profis." Mittlerweile transportierten die Medien die Analysen der so genannten Experten genauso schnell an Privatanleger, deshalb könnten sich die Profis nicht mehr auf eine
solche Position zurückziehen.
A N A L Y S T E N


Die Experten schlagen zurück


Die angegriffene Zunft wehrt sich: Der Privatanleger sei zu gierig und zu ungebildet.
Die im Zuge des anhaltenden Kursrutsches am Neuen Markt in die Kritik geratene Berufsgruppe der Analysten wehrt sich. Börsenexperten zahlreicher Brokerhäuser warfen beim so genannten "Frankfurter Gespräch" des "Handelsblatt" (Montagsausgabe) den Fedehandschuh an die Anleger zurück.

"Will man den Endkunden schützen, müsste man bei seiner Bildung ansetzen und seine Gier bremsen", sagte Christoph Bruns, Leiter des Aktienfondsmanagements beim Fondshaus Union Investment.

Allerdings sei das, was den Privatanlegern vermittelt werde, oft zu plakativ, habe Bernd Meyer, Aktienstratege Europa bei Deutsche Bank Research, Kleinanleger in Schutz genommen. Aber auch, wenn sie alles lesen würden, verstünden sie nicht alles, schränkte er ein: "Wir arbeiten für institutionelle Investoren".

Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für den Wertpapierbesitz sagte: "Die Analysten sind nicht mehr nur Dienstleister für Profis." Mittlerweile transportierten die Medien die Analysen der so genannten Experten genauso schnell an Privatanleger, deshalb könnten sich die Profis nicht mehr auf eine
solche Position zurückziehen.
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Die Experten schlagen zurück


Die angegriffene Zunft wehrt sich: Der Privatanleger sei zu gierig und zu ungebildet.
Die im Zuge des anhaltenden Kursrutsches am Neuen Markt in die Kritik geratene Berufsgruppe der Analysten wehrt sich. Börsenexperten zahlreicher Brokerhäuser warfen beim so genannten "Frankfurter Gespräch" des "Handelsblatt" (Montagsausgabe) den Fedehandschuh an die Anleger zurück.

"Will man den Endkunden schützen, müsste man bei seiner Bildung ansetzen und seine Gier bremsen", sagte Christoph Bruns, Leiter des Aktienfondsmanagements beim Fondshaus Union Investment.

Allerdings sei das, was den Privatanlegern vermittelt werde, oft zu plakativ, habe Bernd Meyer, Aktienstratege Europa bei Deutsche Bank Research, Kleinanleger in Schutz genommen. Aber auch, wenn sie alles lesen würden, verstünden sie nicht alles, schränkte er ein: "Wir arbeiten für institutionelle Investoren".

Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für den Wertpapierbesitz sagte: "Die Analysten sind nicht mehr nur Dienstleister für Profis." Mittlerweile transportierten die Medien die Analysen der so genannten Experten genauso schnell an Privatanleger, deshalb könnten sich die Profis nicht mehr auf eine
solche Position zurückziehen.
Abby Cohen sieht keine Rezession
Die bekannte Internet Analystin Abby Cohen sprach in einer heutigen Rede davon, daß die Abschwächung der Wirtschaft in den vergangenen Monaten stärker war, als sie erwartet hatte. Allerdings geht sie dennoch nicht davon aus, daß sich Amerika auf dem Weg in eine Rezession befindet.
Ihrer Meinung nach sei die negative Wirtschaftsentwicklung noch von den drei Faktoren: kaltes Wetter, hohe Energiepreise und die Probleme bei der Präsidentenwahl, verstärkt worden.
Die größte Gefahr sieht Cohen jetzt darin, daß die Lage von den Medien schlimmer geredet wird, als sie überhaupt ist. Ihrer Meinung nach sollte man sich keine Sorgen über eine Rezession machen. Sorgen hätte man sich in den vergangenen Jahren über das zu schnelle Wachstum der US-Wirtschaft machen müssen. Wichtig sei jetzt vor allem, daß die Unternehmen wieder das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen.
08.02.01 20:57 -jo-
Bewertet die Börse die Unternehmen richtig?

Von Heik Afheldt

Milliarden an Werten sind seit dem Hoch im März 2000 an den Börsen "vernichtet" worden. Manche Highflyer am Neuen Markt sind aus schwindelerregender Höhe inzwischen auf ein Zehntel ihrer Spitzenbewertung abgestürzt. Aber auch Dax-Werte wie DaimlerChrysler haben kräftig an Wert verloren. Die Deutsche Telekom ist gar von einer steilen Spitze von 314 Milliarden Euro auf 82 Milliarden zurückgefallen. Nortel, der führende nordamerikanische Netzausrüster, hat kürzlich an nur einem Tag 30 Prozent seines Wertes verloren.
Der erschreckte Anleger fragt sich, wie so etwas möglich ist. Kein Erdbeben hat die Fabriken zerstört, kein Produkt erwies sich als schlimmer Flop, die Konjunktur läuft in Euroland gut, und in den USA erwartet man nur eine kleinere Wachstumsdelle. Es regieren dieselben Herren ihre Unternehmen mit allen Fehlern, die dabei vorkommen. Was also erklärt, dass die Bewertung der Unternehmen sich in so kurzer Zeit so drastisch verändert?
Ist nicht die Börse das Modell des perfekten Marktes, der extrem effizient ist, hellhörig und weitsichtig, in dem sich alle verfügbaren Informationen sofort und vollständig in den Preisen niederschlagen? Warum waren dann in den hohen Kursen von gestern und vorgestern die Folgen einer absehbaren kleineren Wachstumsrate bei Handys, einer ungünstigen Modellpalette bei Chrysler oder einer angespannten Liquidität bei den Telekomgesellschaften nach ihrem großen Schluck aus der UMTS-Flasche nicht schon "eingepreist"? Die Gewinnwarnungen erklären die darauf folgenden Kurskorrekturen nicht.
Wenn es nach der Schulökonomie und ihren Lehren ginge, dann müsste der Börsenwert immer nahe am "inneren Wert" der Aktien liegen. Und der leitet sich aus den Substanzwerten und den Ertragswerten ab. Mit der Substanz ist das in einer sich schnell wandelnden Wirtschaft allerdings so eine Sache. Gebäude und Maschinen sind oft nach kurzer Zeit veraltet. Wissen ist kaum erfassbar und schwierig zu bewerten, ebenso schwierig wie Marken und Kunden. Entscheidender ist der Ertragswert, die in Zukunft erwarteten und abgezinsten Gewinne. Sie schlagen sich in bewährten Kennziffern wie dem Verhältnis von Kurs zu Gewinn oder der Dividendenrendite nieder. Eine Zeit lang schienen diese traditionellen Orientierungsmarken für die Kursbildung im Höhenrausch vergessen. Statt auf fundamentale Fakten hat man mehr auf die Kurven der technischen Analysten geschaut, die Aufwärtstrends verlängerten - ohne auf die tatsächlichen Gegebenheiten in den Unternehmen zu achten. So hat der Run auf die angeblichen Stars zu Marktengen und unsinnigen Preisen geführt. Die Grenznachfrage der wenigen, die auch noch auf den Zug springen wollten, hat die Kurse explodieren lassen. Die hohen Börsenkapitalisierungen hatten mit der "Performance" der Unternehmen auf ihren Märkten und ihrem inneren Wert nichts mehr zu tun. So gab es kräftige Übertreibungen nach oben. Für einen Teil der Börsenkurse kaufte der Anleger heiße Luft.
Daher sind jetzt auch nicht reale Vermögen in Milliardenhöhe vernichtet, sondern nur zwei Illusionen zerstört worden: die Illusion plötzlichen Reichtums angesichts stetig steigender, tatsächlich kräftig überhöhter Kurse und die Illusion, die Börsenbewertung liege immer nahe an den inneren Werten. Aber, wie weit auch immer sich die aktuellen Notierungen von diesen Werten entfernen, eines Tages kehren sie doch zu ihnen zurück. Für die Zeit bis dahin bietet die Ökonomie die "Random-Walk-Theorie" an. Sie besagt, dass die Kursverläufe einem Zufallspfad folgen, der nicht vorhersehbar ist. Also doch besser zurück zu den Fundamentals und Fakten - und zum langen Atem.
(c) DIE ZEIT   09/2001  
Daher sind jetzt auch nicht reale Vermögen in Milliardenhöhe vernichtet, sondern nur zwei Illusionen zerstört worden: die Illusion plötzlichen Reichtums angesichts stetig steigender, tatsächlich kräftig überhöhter Kurse und die Illusion, die Börsenbewertung liege immer nahe an den inneren Werten. Aber, wie weit auch immer sich die aktuellen Notierungen von diesen Werten entfernen, eines Tages kehren sie doch zu ihnen zurück. Für die Zeit bis dahin bietet die Ökonomie die "Random-Walk-Theorie" an. Sie besagt, dass die Kursverläufe einem Zufallspfad folgen, der nicht vorhersehbar ist. Also doch besser zurück zu den Fundamentals und Fakten - und zum langen Atem.
(c) DIE ZEIT   09/2001 
I N T E R V I E W


Boden erreicht


Nach der monatelangen Talfahrt hoffen die Anleger nun auf weitere Zinssenkungen. Im Gespräch mit mm.de analysiert Fondsmanager Heiko Thieme die aktuelle Situation.

mm.de: Wie schätzen
Fondsmanager Heiko Thieme Sie die momentane Lage ein? Ist die Abwärtsbewegung beendet?

Heiko Thieme: Die Stimmung ist am Boden, aber das ist nicht schlecht. Diese schlechte Stimmung braucht man, um zu einer klaren antizyklischen Kaufempfehlung zu kommen. Ich glaube, wir sind fast am Boden angekommen, maximal zehn Prozent von Tiefststand entfernt. Sehr viel tiefer kann es nicht gehen.


mm.de: Sie sind also der Ansicht, man könnte nun schon wieder kaufen?


Heiko Thieme: Absolut. Was wir jetzt haben, ist die Kaufchance des Jahrzehnts, ähnlich wie zu Beginn der 90er Jahre. Wer jetzt zu lange darauf wartet, dass er den absoluten Tiefpunkt erwischt, der hat am Ende nach das Nachsehen.


mm.de: Gilt das auch für die vom Kursverlust besonders stark betroffenen Technik-Werte?

Heiko Thieme: Das muss man differenziert betrachten. Sicher gibt es an der Nasdaq einige Titel, die hoch interessant sind. AOL zum Beispiel halte ich für ein gutes Investment, weil es hier echte Substanz in Form von hohen Abonnentenzahlen gibt.

Bei anderen Online-Werten bin ich da weniger optimistisch. Die Situation, in der heute drei Viertel aller Internetwerte sind, ist vergleichbar mit der Spekulationsblase am japanischen Markt Ende der 80er Jahre. Den könnten sie heute Geld schenken, und sie würden trotzdem nicht überleben. Die Parallelen sind deutlich: In beiden Fällen hatten wir eine absurde Übertreibung in der Bewertung.


mm.de: Das klingt, als würden Sie noch einige Zusammenbrüche in diesem Bereich erwarten....

Heiko Thieme: Das ist richtig. Ich glaube, zwei Drittel der Nasdaq-Werte werden dieses Jahrzehnt nicht überleben.


mm.de: Gilt diese Einschätzung auch für die Werte des Neuen Marktes?


Heiko Thieme: Ich fürchte ja. Am Neuen Markt hatte sich eine Illusion aufgebaut, die mit der Realität nichts mehr zu tun hatte. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im dreistelligen Bereich waren völlig absurd, aber das wollte niemand sehen. Die Situation erinnerte an einen Menschen, der erst einem Liter Whisky trinkt und dann noch einen LSD-Trip mit einer Flasche Doppelkorn herunterspült. Die Leute waren nicht nur high, sondern super-high. Die standen doch schon kurz vor der Leber-Zirrhose.


mm.de: Eine Erholung halten Sie für unwahrscheinlich?

Heiko Thieme: Es wird eine Erholung geben, aber die alten Höchststände des Neuen Marktes werden wir in diesem Jahrzehnt nicht mehr sehen.


mm.de: Was veranlasst Sie trotz dieser negativen Einschätzung der Werte an der Nasdaq und am Neuen Markt, an eine Erholung der Märkte zu glauben?

Heiko Thieme: Mehrere Dinge. Erstens: Wir haben schon zwei Zinssenkungen gesehen, zwei weitere könnten kommen. Die nächste möglicherweise schon sehr bald, eventuell am 20. März, die vierte dann im Mai. Zweitens: Wir haben keine echte Rezession, sondern nur eine Stimmung, wie sie üblicherweise in Rezessionsphasen herrscht. Im zweiten Halbjahr werden wir steigende Gewinnzahlen sehen, davon bin ich überzeugt.


mm.de: Welche Strategie raten Sie den Anlegern in dieser Situation?


Heiko Thieme: Ich empfehle das, was ich immer empfehle: Nicht alles auf einen Wert setzen, sondern diversifizieren. Man sollte mindestens vier Sektoren abdecken, und zwar Sektoren, die nicht miteinander verwandt sind. Wer die Bereiche Konsum, Finanzen, Technik, Biotech und Pharmazie, Telekommunikation, Basisindustrie im Depot hat, kann wenig falsch machen. Zu Energie-Titeln würde ich derzeit nicht unbedingt raten, weil ich fallende Ölpreise erwarte.

mm.de: Gibt es Bereiche, die Sie aktuell bevorzugen?

Heiko Thieme: Ja. Ich glaube, die nächste Boombranche wird die Biotechnik-Sparte sein. Allerdings nicht die Werte, die sich mit Genomforschung befassen, sondern diejenigen, die Proteinforschung betreiben. Hier gibt es sehr interessante Werte. Dazu gehören Amgen, Chiron und Biogen. Sehr gut gefällt mir allerdings auch Bayer. Der Wert vereinigt den zyklischen Chemiebereich, die Pharmabranche und die Biotechnologie. Hier kauft man praktisch eine Gesellschaft, die an dem Boom beteiligt sein wird, ohne alles auf eine Karte zu setzen.


mm.de: Welchen Rat haben Sie für Anleger, denen der Kauf von Einzel-Aktien zu riskant ist?


Heiko Thieme: Sie werden lachen: Ich empfehle Index-Fonds. Damit ist man langfristig immer auf der sicheren Seite. Wer vor zehn Jahren in den Dow oder in den S+P investiert hätte, der wäre jetzt schwer reich.
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Nach der monatelangen Talfahrt hoffen die Anleger nun auf weitere Zinssenkungen. Im Gespräch mit mm.de analysiert Fondsmanager Heiko Thieme die aktuelle Situation.

mm.de: Wie schätzen
Fondsmanager Heiko Thieme Sie die momentane Lage ein? Ist die Abwärtsbewegung beendet?

Heiko Thieme: Die Stimmung ist am Boden, aber das ist nicht schlecht. Diese schlechte Stimmung braucht man, um zu einer klaren antizyklischen Kaufempfehlung zu kommen. Ich glaube, wir sind fast am Boden angekommen, maximal zehn Prozent von Tiefststand entfernt. Sehr viel tiefer kann es nicht gehen.


mm.de: Sie sind also der Ansicht, man könnte nun schon wieder kaufen?


Heiko Thieme: Absolut. Was wir jetzt haben, ist die Kaufchance des Jahrzehnts, ähnlich wie zu Beginn der 90er Jahre. Wer jetzt zu lange darauf wartet, dass er den absoluten Tiefpunkt erwischt, der hat am Ende nach das Nachsehen.


mm.de: Gilt das auch für die vom Kursverlust besonders stark betroffenen Technik-Werte?

Heiko Thieme: Das muss man differenziert betrachten. Sicher gibt es an der Nasdaq einige Titel, die hoch interessant sind. AOL zum Beispiel halte ich für ein gutes Investment, weil es hier echte Substanz in Form von hohen Abonnentenzahlen gibt.

Bei anderen Online-Werten bin ich da weniger optimistisch. Die Situation, in der heute drei Viertel aller Internetwerte sind, ist vergleichbar mit der Spekulationsblase am japanischen Markt Ende der 80er Jahre. Den könnten sie heute Geld schenken, und sie würden trotzdem nicht überleben. Die Parallelen sind deutlich: In beiden Fällen hatten wir eine absurde Übertreibung in der Bewertung.


mm.de: Das klingt, als würden Sie noch einige Zusammenbrüche in diesem Bereich erwarten....

Heiko Thieme: Das ist richtig. Ich glaube, zwei Drittel der Nasdaq-Werte werden dieses Jahrzehnt nicht überleben.


mm.de: Gilt diese Einschätzung auch für die Werte des Neuen Marktes?


Heiko Thieme: Ich fürchte ja. Am Neuen Markt hatte sich eine Illusion aufgebaut, die mit der Realität nichts mehr zu tun hatte. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im dreistelligen Bereich waren völlig absurd, aber das wollte niemand sehen. Die Situation erinnerte an einen Menschen, der erst einem Liter Whisky trinkt und dann noch einen LSD-Trip mit einer Flasche Doppelkorn herunterspült. Die Leute waren nicht nur high, sondern super-high. Die standen doch schon kurz vor der Leber-Zirrhose.


mm.de: Eine Erholung halten Sie für unwahrscheinlich?

Heiko Thieme: Es wird eine Erholung geben, aber die alten Höchststände des Neuen Marktes werden wir in diesem Jahrzehnt nicht mehr sehen.


mm.de: Was veranlasst Sie trotz dieser negativen Einschätzung der Werte an der Nasdaq und am Neuen Markt, an eine Erholung der Märkte zu glauben?

Heiko Thieme: Mehrere Dinge. Erstens: Wir haben schon zwei Zinssenkungen gesehen, zwei weitere könnten kommen. Die nächste möglicherweise schon sehr bald, eventuell am 20. März, die vierte dann im Mai. Zweitens: Wir haben keine echte Rezession, sondern nur eine Stimmung, wie sie üblicherweise in Rezessionsphasen herrscht
Das macht Hoffnung.
Heiko Thieme, der weltbeste Fondmanager(mit umgekehrten Vorzeichen) bläst zum Einstieg.
Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.
Mal im Ernst, sind diese Leute nicht alle längst zur Lachnummer mutiert?
So viel dummes Zeug, wie im vergangenen Jahr von allen ohne
Ausnahme fabriziert worden ist, kann der Kleinanleger mit
Sicherheit nur schwer nachvollziehen.
Im nachhinein hat es jeder von diesen Clowns wieder einmal gewußt.