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Finnlands Energiepolitik - 500 Beiträge pro Seite


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Moin, moin !
Weiß jemand etwas über den Stand der aktuellen Energiepolitik in Finnland. Meines Wissens soll da ein neues Kernkraftwerk gebaut werden, leider ....
Euer
Pling
Hallo Pling, hab schon gedacht, du bist in der Versenkung verschwunden. Freut mich, dass du dich noch bei den Grünen Aktien tummelst. Ich hab dir hier unten mal zwei Artikel reingestellt, die die Situation in Finnland glaub ich ganz gut beschreiben. Die Entscheidung für das Atomkraftwerk ist ja ziemlich knapp ausgefallen. Ich denke, dass viele Finnen noch nicht vergessen haben, dass der Großteil der radioaktiven Tschernobil-Wolke über Finnland und Schweden niederging. Bezeichnend ist auch, dass der Staat die Gelder bereitstellt und nicht die Privatwirtschaft. Dies zeigt wieder einmal deutlich, dass Atomkraft ohne staatliche Subvention nicht möglich ist.

Viele Grüße, deine club_cola



Finnlands Parlament stimmt für Atomkraft

VON HANNES GAMILLSCHEG, 24.05.02, 20:06h, aktualisiert 20:23h

Erstmals seit der Tschernobyl-Katastrophe soll in einem EU-Land ein neuer Meiler gebaut werden.
Das Parlament in Helsinki stimmte am Freitag mit knapper Mehrheit dem Bau eines fünften Atomreaktors in Finnland zu. Mit 107 zu 92 Stimmen für die Nuklearenergie fiel das Votum so knapp aus, wie es die Prognosen erwarten ließen. Es entspricht der Stimmung in der Bevölkerung: 48 Prozent der Finnen sprachen sich zuletzt für mehr Atomkraft aus, 46 Prozent waren dagegen. Ein erster Anlauf der Atomlobby für einen neuen Reaktor war 1993 vom Parlament in einer ähnlich knappen Entscheidung noch abgewiesen worden, damals mit 90 zu 107 Stimmen gegen die Atomkraft.

Die von der sozialdemokratischen Industrieministerin Sinikka Mönkäre angeführten AKW-Befürworter hatten in der dreitägigen Parlamentsdebatte Finnlands steigenden Energiebedarf herausgestrichen, der gedeckt werden müsse, ohne die Abhängigkeit von Importstrom zu vergrößern oder die CO2-Emissionen zu erhöhen. Die grüne Umweltministerin Satu Hassi hielt

dagegen, dass die Atomkraftanhänger die „Probleme von morgen mit der Technik von gestern“ lösen

wollten und bestritt, dass die wirtschaftliche Prosperität von mehr Kernenergie abhänge: seit dem Nein von 1993 sei das finnische Sozialprodukt um 50 Prozent gewachsen. Atomkraftgegner befürchten jetzt, dass das finnische Beispiel auch in

anderen Ländern zu einem Comeback der Nuklearenergie führen werde. Der neue finnische Reaktor soll an einem der beiden Standorte der bisherigen vier Atommeiler errichtet werden. Der Anteil der

Atomenergie am Stromverbrauch soll dadurch von 28 auf 35 Prozent steigen.

Die Grünen wollen am Wochenende über ihr Verbleiben in der Regierung entscheiden. Während der Fundi-Flügel den Austritt als Reaktion auf die Parlamentsentscheidung für unerlässlich hält, warnt Parteichef Osmo Soininvaara davor, den Einfluss als Regierungsmitglied aufzugeben. Unmittelbare Folgen für Lipponen hat der Entscheid der Juniorpartner nicht: Seine Koalition, der außer Sozialdemokraten und Grünen auch Konservative, Linke und Liberale angehören, verfügt auch ohne sie zehn Monate vor den nächsten Parlamentswahlen über eine satte Mehrheit.

Neues AKW in Finnland?
Regierung stimmt knapp für neues Atomkraftwerk. Ob es gebaut wird, ist trotzdem unklar - ob
es gebraucht wird, noch mehr: Finnische Industrie könnte noch viel Strom sparen, meinen Kritiker
von REINHARD WOLFF

Die Regierung in Helsinki sagte am Donnerstag Ja zu einem Antrag der Stromindustrie auf Bau eines neuen Atomreaktors in Finnland. Neben den bereits bestehenden vier wäre es das fünfte AKW im Land. Ob der Meiler gebaut wird, ist aber noch unklar. Die Reaktoren im Land gingen 1977 bis 1980 ans Netz, ihre Genehmigungen stammen noch von Anfang der 70er-Jahre.

Die Zustimmung war ein knappes Mehrheits-Ja, das auf den Stimmen der MinisterInnen aus der konservativen Sammlungspartei und dem Großteil der Sozialdemokraten in der Fünf-Parteien-Koalition gründete - geführt vom sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Paavo Lipponen. Die grünen, linkssozialistischen und liberalen sowie eine Minderheit der sozialdemokratischen MinisterInnen in der "Regenbogenkoalition" sagten Nein zum Bauantrag.

Endgültig entscheiden wird die Frage nun das Parlament, in welchem die Mehrheitsverhältnisse bislang noch nicht eindeutig sind. Hinter dem Bauantrag, der schon vor zwei Jahren gestellt, dessen Entscheidung in der Regierung aber zur Vermeidung einer Koalitionskrise mehrfach verschoben wurde, steht Finnlands zweitgrößter Stromproduzent "Teollisuuden Voima" (TVO), an dem auch die auf dem deutschen Strommarkt aktive "Fortum" mit 26 Prozent beteiligt ist. Es ist der zweite Anlauf für einen neuen Reaktor. Ein früherer Bauantrag war 1993 mit einer 107:90-Mehrheit vom Reichstag abgelehnt worden.

Warum Finnland die große europäische Ausnahme sein soll und in einen neuen Atomreaktor investieren müsse, begründet TVO mit dem hohen Energiebedarf der Papierindustrie. Finnland importiert derzeit zwischen 10 und 15 Prozent seines jährlichen Strombedarfs und stützt sich dabei vor allem auf russische Atomkraft, aber auch in geringerem Maße auf estländischen Ölschiefer und schwedische Wasserkraft als Quelle.

Mit der Verpflichtung des Kiotoabkommens zum Klimaschutz, im Jahr 2010 nicht mehr Klimagase freizusetzen als 1990, steht das Land schon jetzt im Konflikt: Bis 2000 war der tatsächliche Ausstoß um knapp 5 Prozent gestiegen. Auch dies ein Argument der Atomlobby für den Bau eines neuen Reaktors. Nach Berechnungen von Greenpeace sind die Kioto-Auflagen aber auch ohne ein neues AKW locker einzuhalten: Mit Hilfe erneuerbarer Energiequellen und durch effizienteres Stromsparen gerade in der insoweit technisch noch weit zurückhängenden Zellulose- und Papierindustrie.

Selbst wenn das Parlament einen Bau absegnen sollte, ist es fraglich, ob die ökonomischen Kalkulationen aufgehen und das Werk tatsächlich für geschätzte 2,5 Milliarden Euro errichtet wird. Technisch soll der fünfte Reaktor ein Leichtwasserreaktor mit einer Leistung von 1.500 MW werden und neben einem der bisherigen Atomstandorte gebaut werden - Lovisa an der Süd- oder Olkiluoto an der Westküste. Irgendwann zwischen 2008 und 2010 rechnet TVO mit einer Inbetriebnahme. Da im Frühjahr 2003 Parlamentswahlen anstehen, dürfte es für die nunmehr über den Bauantrag entscheidenden ParlamentarierInnen nicht uninteressant sein, was ihre WählerInnen von einem Neubau-Alleingang halten, während andere Länder gerade ihren Atomausstieg vorbereiten.

taz Nr. 6653 vom 18.1.2002, Seite 9, 109 Zeilen (TAZ-Bericht), REINHARD WOLFF


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