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Fußball-Fanszene in der ehem. DDR - 500 Beiträge pro Seite



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Die Fußball-Fanszene in der ehem. DDR

Das Auftreten und die Kleidung der Fans
Das Kurvenverhalten der Fans und die Reise zu Auswärtsspielen
"Berühmte" Fanclubs
Die Stellung der einzelnen Fangruppen
Fussball und Politik

Die Fussballstadien in der DDR boten in zweierlei Hinsicht Abwechslung vom grauen Alltag, zum einen konnte man seinen Verein unterstützen, zum anderen dienten diese als Podium um Frust gegen den ungeliebten Staat abzulassen.
Als jugendlicher Fussballfan mit Schal und Kutte galt man als Aussenseiter, jenseits des zwanghaften und "uniformierten" FDJ-Alltags. Und krampfhaft wurde versucht diesem westlich geprägtem Phänomen Herr zu werden, allerdings mit nicht allzugrossem Erfolg.
Erst Mitte der 80-ziger Jahre fand man sich mit dem Problem so langsam ab und versuchte die Geschichte in staatliche Bahnen zu lenken. Fanclubs wurden aufgefordert sich registrieren zu lassen, damit man diese Gruppierungen besser kontrollieren und "Störer" und "Rowdies" (offizieller Sprachjargon damals) besser isolieren konnte. Erreicht wurde damit aber nur das Gegenteil.
Angespornt durch ihre Vorbilder aus England und dem anderen Teil Deutschlands entwickelte sich eine Szene die schwer kontrollierbar wurde und sich jenseits aller sozialistischen Normen bewegte.
Erst in den letzten Vorwendejahren liess man etwas von den Versuchen ab, diese Szene kontrollieren zu können, da sich jetzt ganz andere Feindbilder dem Staat entgegenstellten, die oppositionellen Kräfte.
So liess man der Fussballszene weitgehend ihren Lauf. Grosse Polizeiaufgebote sollten zwar verhindern das Auseinanderstzungen zwischen den einzelnen Fangruppen in der Öffentlichkeit ausgetragen wurden, aber es fanden sich immer wieder Freiräume und die wurden genutzt.

Die Trennlinien zwischen normalen und gewaltbereiten Fussball Fans gab es damals nicht. Wer sich als Fan einer gegnerischen Manschaft in einer fremden Stadt zu erkennen gab, musste immer damit rechnen verprügelt und seiner Fanutensilien beraubt zu werden. Erst kurz vor der Wende, so ab 1987 begann eine Trennung innerhalb der Fanszene. Die gewaltbereiten Fans begannen ähnlich wie ein paar Jahre zuvor ihre Kollegen in den alten Ländern sich "zivil" zu Fussballspielen zu begeben. Dieses begann vor allen in Berlin und Leipzig und schwappte so langsam über das ganze Land.
Vor dieser Zeit beherschte das Sprichwort "fressen oder gefressen werden" die ostdeutschen Stadien. Massenschlägereien mit vielen hundert Beteiligten waren durchaus keine Seltenheit. Gerade bei Spielen von Lokalrivalen wie z.B. Union-BFC, Lok-Chemie, RW Erfurt-Jena und auch FCM-HFC ging es mächtig zur Sache.
Und die Staatsmacht stand meist ohnmächtig daneben.
Gerade bei Auswärtsspielen war der normale Fan darauf angewiesen sich in der Masse zu bewegen, weil man wenn man einzeln erkannt wurde, mit mächtig Ärger rechnen konnte. So passierte es durchaus das auch der friedfertigste Fan zum Schläger wurde um sich seiner Haut zu wehren und um seine Farben zu verteidigen.
Wurde ein gegnerischer Fan erkannt und gestellt, war es das geringste was ihm blühte, das man ihm seine Fanklamotten abnahm. Schals "ruppen" entwickelte sich zu einer Art Volkssport in den Stadien. Vor allen die jüngeren Generationen sahen darin eine Mutprobe und die Gelegenheit sich vor den "älteren" zu beweisen.


Das Auftreten und die Kleidung der Fans

Die Ausstattung des DDR-Fans unterschied sich nur wenig von ihren Kollegen im Westen. Waren in den siebziger Jahren noch grosse Fahnen und selbstgestrickte Schals modern, sah man ab Anfang der 80-ziger immer mehr Leute mit Fankutten und Minischals aus Stoff, den sogenannten Scherpen. Und aus den Fahnen die man in den Kurven schwenkte wurden die Zaunfahnen, jeder "Fanclub" der was auf sich hielt hatte natürlich so eine.
Es entstanden teilweise richtige Riesendinger, denn man wollte ja auch bekannt werden.
Richtig lustig war teilweise die Herstellung der Scherpen. Diese waren aus Stoff in den vereinsbezogenen Farben und der entsprechende Schriftzug wurde mit Textilfarbe aufgetragen. An den Seiten hingen farblich dazu passende Fransen. Es war teilweise sehr abenteuerlich sich alle dazu benötigten Utensilien zu besorgen, vor allem wenn man aus der "Provinz" kam. Mal gab es nur roten Stoff, oder nur schwarze Textilfarbe oder die passenden Fransen waren erst wieder im nächsten Jahr zu haben. Doch der junge DDR-Bürger der von Kindesbeinen in Kindergarten und Schule auf Solidarität getrimmt wurde, verwirklichte diesen Gedanken in dem derjenige der was ergattert hatte es auch grosszügig anderen weitergab.
Einen grossen Vorteil hatten die relativ handlichen Scherpen ausserdem, man konnte sie bei Gefahr schnell verschwinden lassen.
Die Fankutte war damals der ganze Stolz des Fans und daher wurde diese bei "heissen" Auswärtsfahrten auch meist zu Hause gelassen. Nicht auszudenken wenn diese einem geraubt wurde, für viele wäre das damals gleichbedeutend mit ihrem Tod gewesen.
Wer was auf sich hielt trug meist noch einen selbstgemachten Anti-BFC Aufnäher auf seiner Kutte, "I HATE BFC" oder ähnliches.
Ansonsten unterschied sie sich wenig von den heutigen Fankutten, ausser das sie meist sehr DDR-Aufnäher lastig war.

Die Fussballszene bestand zum grossen Teil aus den jeweiligen Trendrichtungen . So waren in den 70`er Jahren die langhaarigen sogenannten Blueser (offizieller Sprachjargon der Staatsmacht "Gammler") tonangebend. Anfang der 80-ziger Jahre gab es dann auch Punks und Metaller (Fussballrocker). Die sogenannten Popper blieben ausser in Berlin und Leipzig der Szene aussen vor. So ab 1986, ausgehend auch von Berlin begann dann ein weiteres unbegreifliches Phänomäen (für die Staatsmacht) die Szene zu bereichern, die Skinheads.

In der Regel war ein Fussball Fan mit Jeanshose und -jacke bekleidet. Die Westmarke steigerte die Anerkennung. Sehr beliebt waren auch die sogenannten Parka, wobei hier das selbe wie für die Jeanssachen galt.
Beim Schuhwerk waren die sogenannten "Klettis" (halbhohe Wildlederschuhe mit sehr dünner Sohle) sehr beliebt. Im Sommer trug man einfache Sandaletten, die sogenannten Jesuslatschen. Turnschuhe wurden natürlich auch sehr gern getragen, wobei sich diese zum Ende der 80-ziger Jahre immer mehr durchsetzten.


Das Kurvenverhalten der Fans und die Reise zu Auswärtsspielen

Insgesamt unterschied sich das Kurvenverhalten der Fans nicht allzugross von dem in der heutigen Zeit, mal abgesehen von Bengalos und geplanten Choreographien.
Das Werfen von Papierschnipseln, Kassenrollen, Klopapier u.ä. begann sich auch hier nach der WM 1978 in Argentinien zu etablieren. Feuerwerkskörper wurden auch desöfteren gezündet, auch mal die eine oder andere Rauchbombe. Es kam auch mal vor wie z.B. in Dresden durch die Nähe der rivalisierenden Blöcke, das von Raketen der Stiel entfernt wurde und die Kapsel direkt in den gegnerischen Block gewurfen wurde, aber das war blödsinnig und ziemlich gefährlich. Aber gerade nach Dresden Spielen sah man immer wieder einige Leute mit Platzwunden am Kopf was von geworfenen Steinen und Flaschen herrührte.
Die Gesänge in der Kurve waren teilweise sehr kreativ, wobei sich vor allen Magdeburger und BFC-er in der Erfindung neuer Lieder hervortaten.
Auch sehr lustige Sachen hatten die Fans damals drauf. So wurde z.B. der Leuchtturm in Warnemünde von Magdeburgern angepinselt, Tore gestrichen und es lief auch das eine oder andere gefärbte Huhn mal über den Platz.

Die Anreise zu den Auswärtsspielen erfolgte fast ausschliesslich mit den Zügen der Deutschen Reichsbahn. Da diese erheblich an Verspätungen litt, zog man es meistens vor dieses Missmanagment nicht auch noch finanziell zu fördern und verzichtete grosszügig auf das Lösen einer Fahrkarte. Dem Schaffner und der Trapo (DDR-Bahnpolizei) zu entkommen war auch ein beliebtes Hobby. Da waren dem Erfindungsreichtum auch kaum Grenzen gesetzt.
So wurden z.B. von einigen FCM-Fans aus dem Berliner Umland,Automatenfahrkarten für die Fahrt von Berlin nach Magdeburg von Bekannten in Berlin/W. im Copy-Shop vervielfältigt und bei den "Blanko-Fahrkarten" dann später nur noch das jeweilige Datum mit einem Bleistift "raufgedruckt".
Richtig unangenehm wurde es allerdings wenn man sich in Interzonenzügen (aus dem Sachsenland fuhr man sehr oft mit dem D-Zug Zwickau-Köln zurück) unter den Sitzen versteckte und dann einschlief und an der Grenze geweckt wurde. Wenn man dann Pech hatte wurde dies als versuchte Republikflucht ausgelegt und man war erstmal für `ne Weile weg vom Fenster. Diese Sachen sind wirklich vorgekommen.
Wir hatten uns für eine weniger gefährliche Variante entschieden und liessen uns Ordnerbinden besorgen. Mit diesen wurden dann manchmal 30-40 Leute an Schaffner und Trapo vorbeigeschleust. So eine Binde war sehr praktisch!!!
Die Hauptzüge der Fans wurden immer von der Trapo und manchmal auch noch zusätzlich von der Bereitschaftspolizei begleitet. Man versuchte auch desöfteren mal ein Alkoholverbot bei der Anreise durchzusetzen, was aber meistens nicht sehr erfolgreich war.
Gerade wir Magdeburger wurden bei Ankunft in der Stadt des Gegners meistens von einem grossen Polizeiaufgebot empfangen, welches auch stets versuchte uns einigermassen in Schach zu halten und verhindern wollte das "marodierende" Horden in die Innenstädte einfielen. Dies gelang allerdings auch sehr selten.
Allerdings war man auch nicht gerade zimperlich mit Festnahmen. In der Regel war das aber auch kein Problem, man bekam ein Ordnungsgeld aufgebrummt (wenn man clever war und seine Einkünfte etwas nach unten korrigierte so zwischen 50 und 150 DDR Mark), doch es war ja eh nur Ostgeld !!!
Schmerzhafter war da schon ein Stadionverbot, was auch sehr oft ausgesprochen wurde.


Berühmte Fanclubs

Einer der wohl legendärsten "Fanclubs" in der DDR waren die "Domspatzen" aus Magdeburg. Diese hatten den gefürchtesten Ruf im ganzen Land. Schon alleine deren blosse Anwesenheit reichte manchmal aus um für Panik unter den gegnerischen Fans und den Sicherheitskräften zu sorgen. Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte Mitte der 80-ziger Jahre auch die "Ankerfront".Ebenfalls ein Magdeburger "Fanclub"...
Für einen fast annähernd gefürchteten Ruf wie die Domspatzen sorgte die "Ostkurve" und später der Fanclubzusammenschluss "Rot-Weiss Power in Thüringen" aus Erfurt.
Diesen Jungs gelang es auf beeindruckende Weise eine Liveübertragung des DDR-Fernsehens zu einer Gewaltorgie verkommen zu lassen (1984 in Jena). Daraufhin entwickelte sich die grösste Polizei- und Justizaktion gegen einen Fussball Fanclub in der DDR. Sehr viele Haftstrafen und ein landesweites Stadionverbot für die gesamte Gruppierung standen dann am Ende zu Buche.
Weitere berühmt-berüchtigte Fanclubs waren der "Club der Raben" und "Teutonia" von Lok Leipzig, "Die Sorglosen" von Chemie Leipzig und "Die Treuen" aus Rostock, desweiteren die "Sächsischen Eisbären","Die Ratten" und "Norbert Trieloff" vom BFC sowie die Fangruppierung "Halle-Ost" aus der gleichnamigen Stadt.
Diese Fanclubs waren republikweit bekannt und gefürchtet.


Die Stellung der einzelnen Fangruppen

An der Spitze der DDR-Fanszene standen die "Grossen Drei", die Fangruppen von Union Berlin, Chemie Leipzig und dem 1.FC Magdeburg. Diese Gruppen zeichneten sich durch eine grosse Masse und ein hohes Gewaltpotential aus. Ausserdem bezog man im Gegensatz zu den anderen Vereinen sein Fanpotential aus der gesamten Republik. Besucherzahlen von 500-1000 bei Auswärtsspielen waren bei diesen Vereinen Normalität. Dahinter folgten die Fans aus Dresden, von Lok Leipzig, Hansa Rostock und dem HFC. Dresden hatte immer den höchsten Zuschauerschnitt bei Heimspielen, was wohl auch damit zusammenhing das viele ihre "Anhänger" aus dem sogenannten "Tal der Ahnungslosen" stammte (Westfernsehnfreie Zone) und daher auch keine Bundesliga kannten. Die Dresdener waren bei Spielen im heimischen Sachsen zu tausenden vertreten, allerdings um so weiter die Reise ging und umso gefährlicher der Gegner wurde, schwand auch die Zahl der Begleiter.
In diese zweite Gruppe gehören sicherlich auch Erfurt und Jena, allerdings schwand deren Szene zum Ende der 80-ziger hin bedenklich.
Erfurt gehörte allerdings bis weit in die Mitte der 80-ziger Jahre zu den gefährlichsten Reisezielen neben Union und Chemie Leipzig.
Dann kamen die Vereine die zu Heimspielen und Auswärtsfahrten in der Nähe auch durchaus so einiges an Fans hatten, wie Brandenburg, FCK, Aue, Zwickau, Cottbus und mit leichten Abstrichen Riesa.
So gut wie keine eigene Fanszene gab es allerdings in Frankfurt und bei den Exoten wie Bischofswerda, Suhl, Böhlen, Schkopau usw.

So jetzt fehlt natürlich noch wer in der Auflistung, die Fans unseres 10-fachen Serienmeisters, die überall "beliebten" Befis.
Diese waren auch innerhalb der Szene ein Stück Geschichte für sich. Angestachelt durch den grenzenlosen Hass der ihnen über all entgegenschlug, entwickelte sich dort ein Potential deren Homogenität und deren Zusammengehörigkeitsverhalten nicht zu toppen waren. Auch wenn dort nicht die Massen an "Fans" wie beim Lokalrivalen Union, oder in Leipzig, Magdeburg, Rostock oder Dresden zu finden waren, glänzten die BFC-er vor allen durch enormen Einfallsreichtum. Die meisten Trends gingen so vom Jahn Stadion aus. Vom Gewaltpotential her war "Mielkes" Jungvolk schon immer an der Spitze der Szene angesiedelt. Vor allen bei Heimspielen und den Pokalendspielen gelang es ihnen immer wieder ihren Gegnern Angst und Schrecken einzujagen. Es war ein sehr homogener Haufen der sich dort ständig einem entgegenstellte. Wir Magdeburger bekamen die Lage dort erst ab 1987 in den Griff, seit dieser Zeit bis zum März 1990 sah man auch keine BFC-Fans mehr in Magdeburg, aber es herschte dort immer noch gute Qualität. Diese explodierte dann nach der Wende zu der wohl gefürchtetsten Hooliganszene in ganz Deutschland.

auszugsweise von: Brummi (ehem. "Ankerfront") - hier der Originalartikel -


Fussball und Politik

"... In den siebziger Jahren waren die Fußballfans und Jugendclubs bunt gemischt. Fußballspiele waren die einzigen Orte, wo eigene Fahnen, Symbole und Sprechchöre ohne Repressionen viele Leute erreichten. Es gab regelmäßig Prügeleien mit der Polizei und dem gegnerischen Fanblock. Anfang der achtziger Jahre wurde der Fanblock des 1. FC Union Berlin vom Ministerium für Staatssicherheit mehrheitlich als von "Assozialen und Chaoten" unterwandert eingeschätzt. Ab 1981/1982 verstärkte sich der Einfluß faschistischer Ideologie in den Fußballstadien der DDR. Das nötige Propagandamaterial und die jeweiligen Kleidungsstücke kamen aus dem Westen von ausgereisten DDR`lern oder Naziorganisationen. Die Nationalistische Front (NF) unterstützte so den Fanblock des Stasi-Fußballclubs BFC Dynamo, die Jungen Nationalen (JN) unterstützten den Fanclub des 1. FC Union Berlin. In den Fußballstadien kam es zu Sprechchören, wie "Wir machen Judenverbrennung", "Hängt ihn auf, das schwarze Schwein", ,,Gib Gas, gib Gas wenn der... durch die Gaskammer rast", ,,Fußball in der Mauerstadt, Union spielt jetzt hinter Stacheldraht- was Neues in der DDR der BFC ist jetzt der Herr- Zyklon B für Scheiß Union - in jedem Stadion ein Spion- selbst Ordner sind in der Partei - Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei" (gesungen nach der Melodie des bekannten Fehlfarben-Songs).
Am 28. 2. 1982 kam es nach dem Fußballspiel Motor Hennigsdorf gegen FC-Union Berlin zu antisowjetischen Ausschreitungen, als auf dem Bahnhofsgelände ein sowjetischer Militärtransport einen Aufenthalt hatte. Nach Buh-Rufen kam es zu Beschimpfungen und Gesängen wie ,,Ras, dwa, tri, - Russkis werden wir nie". Es hagelte Steinwürfe auf sowjetische Soldaten und ein Militärfahrzeug wurde zerstört. Solche Aktionen brachten Symphatie bei vielen Jugendlichen, aber auch älteren Menschen ..."

(auszugsweise von: Dirk Teschner)
Stella hast Du denn nicht "Sonnenallee" gesehen?
Da wird doch alles erklärt!

Der sprichwörtliche Einfallsreichtum der DDRler kommt zum Tragen, als anstelle von "ordentlichen" Drogen auf eine Mischung aus Stechapfel und Tollkirsche zurückgegriffen wird.


http://www.retrospec.de/filme/1999_08_05_sonnenallee.shtml
Hab mir mal "Deutsche wie wir" o. ä. reinge-
zogen, das reicht an "Literatur" dieser Art.

Als damaliger Gegner der Wiedervereinigung
nervt mich dieses DDR-Getue!
Tut mir wirklich Leid für Dich!

Aber als damaliger Gegner der Wiedervereinigung kannst Du Dir mit vielen DDR-Bonzen noch heute die Hand reichen!
Denn diese Leute wollten die Wiedervereinigung auch nicht! Sie treffen sich auch des öfteren zu dubiosen Jammertreffen!
Vielleicht solltest Du da mal hingehen zum mitjammern!


Wünsche Dir viel Spaß dabei!
MitteMitte
ich zähle mich nicht zu den DDR-Bonzen und ich heule auch nicht nach.
Für mich war dieses Land ein fremdes Land. Seit meiner frühsten Kindheit hörte ich dieses verlogene "unsere Brüder und Schwestern von drüben", dabei hat die westdeutsche Politik alles unternommen um das DDR-Regime am Leben zu erhalten. Und dann fällt die Mauer, o.k., und dann hört man "vorher war alles besser" - Ostalgie :mad:
Überall war`s vorher besser, nicht nur in der DDR :mad:

PS: Ich werde demnächst in der Karl-Marx-Allee wohnen :rolleyes: sofern die dort in der Lage sind, alles in die Reihe zu kriegen :mad:
Stella, ich hatte Dich nicht als DDR-Bonzin bezeichnet!

in #1 geht es um DDR-Subkulter und glaub mir, keiner von denen will die Zone wieder (Betreff:" vorher war alles besser" - Ostalgie)!

Wünsche dir viel Spaß im Friedrichshain!

Und immer hübsch aufpassen wo du hin läufst!
Alles voller Tretminen (Hundekacke)!
Wie in Mitte übrigens auch!
Da werde ich morgen eine schlechte Stimmung in Köpenick erleben! Sollte besser zu Hause bleiben!





PS: schön das Du mir mitteilst, nicht mehr mit Kohlen heizen zu müssen!




Das Ihr aber auch immer den Protzer raushängen lassen müsst!?



"... Richtig interessant wurde es ab Mitte der 70er, als sich ein gewisses Rebellenpotential bei fast jedem Klub bildete. Als es während des Spiels Lok - Magdeburg zu Ausschreitungen kam (die Fanblöcke standen damals ohne jedwede Abgrenzung nebeneinander), sich Fans untereinander eine wüste Prügelei lieferten und mit Flaschen/Steinen geworfen wurde, so dass es Dutzende Schwerverletzte gab, griff man hart durch. Das gesamte Stadion wurde bezäunt, eine strikte Blocktrennung eingeführt und Lok mit zwei Spielen Platzsperre belegt. Anfang der 80er Jahre bildeten sich dann bei Lok innerhalb der Fanszene Strukturen heraus. Nach westlichem Vorbild wurden Fanclubs gegründet und auch die Zaunfahnenkultur nahm in dieser Zeit ihren Anfang. Legendäre FCL-Fanclubs waren der „Club der Raben", die „Black Angels", der „Schönefelder Fanclub" (SFC) oder „Teutonia". Alle um die 20 - 40 Mann stark. So hatte Lok in den 80ern immer einen Mob von vielleicht etwa 150 Leuten zusammen, dem in der DDR zu Hoch-Zeiten kaum jemand das Wasser reichen konnte. Groß in Mode war in den 80ern z. B. das Schal- oder Fahnenzocken („ruppen"). Für allergrößtes Aufsehen sorgten FCL-Fans beim Spiel 1. FC Lok Leipzig vs. BFC Dynamo, als durch die Eroberung der absoluten Lieblingsfahne des BFC-Anhangs („Berliner Fußball Club") einiges an Staub aufgewirbelt wurde. Vor Spielbeginn stürmten vielleicht vierzig Leute von Lok den Gästeblock, in dem sich etwa die gleiche Anzahl Berliner befand. Nachdem sich diese völlig überrascht erst mal zurückziehen mussten, ging in der Zwischenzeit die noch relativ neue Fahne, jedoch größtes Gästetranspi, in Lok-Hand über. Ehe den BFCern so richtig bewusst wurde, was da vor sich ging, war die Aktion schon beendet. Das Nachspiel ist mindestens genauso interessant wie der Fahnenklau selbst. Noch während des Spiels wurden von der Staatssicherheit Leipziger aus dem Block gezogen, die Woche darauf kam es zu Hausdurchsuchungen und weiteren vorläufigen Festnahmen. Die Berliner selbst fuhren immer wieder zu Lok-Spielen, in der Hoffnung herauszubekommen, wer das Transpi hat und was aus der Fahne wurde - aber die Szene schwieg. Und die Drohung aus Berlin: „Für jeden Buchstaben der Fahne hängt ein Leipziger!" wurde nicht als Spaß aufgefasst. Übrigens ist die legendäre, heute noch existierende, „Berliner Fußballclub"-Zaunfahne der Nachfolger des damals gezogenen Transpis. Das Original indes wurde nach dem Spiel in der Vereinsgaststätte auf eilends zusammengestellten Tischen als Decke verwendet und zusammen (!) mit der Oberliga-Mannschaft wurde der Erfolg gefeiert. Da das Aufheben der Fahne zu heikel war, landete sie gleich nach der Aktion im Heizhaus.

Fanartikel wurden damals noch in mühsamer Heimarbeit hergestellt, was in der Mangelwirtschaft der DDR nicht gerade eine Leichtigkeit war. So wurden analog der heutigen Spuckis oder Aufkleber damals Stempel verwendet. Die „Raben" organisierten beispielsweise mehrere solcher Stempel, um republikweit an den unmöglichsten Stellen ihre Visitenkarte zu hinterlassen. Kofferweise horteten Fans Utensilien gegnerischer Oberligisten. Selbst eine Fahne des AC Mailand musste im Europacup dran glauben. Wochen später wurde sie dann in Aue nochmals gesichtet, doch dann verliert sich ihre Spur. Europacup war sowieso ein Kapitel für sich. So wurden unbedarfte Bremer, die mit dem Leipziger Lokalrivalen die Vereinsfarben gemein haben, wieder in ihre Busse zurückgeprügelt, nachdem sich Chemie Leipzig-Fans unter die Bremer mischten und wohl den Ost-West-Kontakt pflegen wollten. Sturm Graz-Fans ereilte ein ähnliches Schicksal, als sie den „armen" DDR-Bürgern Schokolode und Kaffee zum Kauf oder Tausch anbieten wollten. So mussten auch beim Spiel von Spartak Moskau im Leipziger Bruno-Plache-Stadion einige Rotarmisten (in Uniform und Zivil) ihren Platz verlassen, als diese im Fanblock der Leipziger Stimmung machen wollten. Eine handfeste Schlägerei mit dem Klassenbruder war die Folge, Armeemützen flogen durch den Block und mehrere Sowjetfahnen fielen den Flammen zum Opfer. Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Stadions stimmte noch ein „Wer nicht hüpft, ist ein Russe!" an und brachte somit seine Gesinnung zu gesellschaftlichen Verhältnissen und der Anwesenheit mehrerer tausend Besatzungssoldaten zum Ausdruck.

Auswärtsspiele in der Zone waren damals ein eher heißes Pflaster. Zumindest wenn es nach Magdeburg (hier landete öfters ein Lok-Fan ungewollt in der Elbe), Jena oder Erfurt ging. Gefahren wurde damals sowieso ausnahmslos mit dem Zug. Union und der BFC Dynamo galten als die gefährlichsten Touren. Waren im Schnitt immer mehrere hundert bis tausend Fans mit auf Reisen, so standen bei Union öfters nur 50 - 70 Fans im Gästeblock. Dort waren die Vorsichtsmaßnahmen so groß, dass auf Leipziger deutende Fanutensilien lieber versteckt und nur im Stadion herausgeholt wurden. Selbst Spiele beim Halleschen FC waren bis 1991 nicht ohne ein mulmiges Gefühl in der Magengegend zu besuchen. Zu diesem Derby (die Städte liegen 30 km voneinander entfernt) fuhren immer mehrere tausend Lokisten. Damals jedoch noch ohne freundschaftliche Gedanken. Der Gang zum Stadion war teilweise nicht ganz ungefährlich, da im Bahnhof und in der darauffolgenden Fußgängerzone immer Hallenser lauerten. In einer Saison fand das Spiel sogar ohne anwesenden Gästeblock statt, da dieser vor Anpfiff von Hallensern gestürmt und die anwesenden FCL-Fans allesamt auseinandergetrieben wurden. Berühmt-berüchtigt auch die damaligen Ankünfte im Leipziger Hauptbahnhof, wo oftmals im Gleichschritt marschierend die erbeuteten Fanutensilien präsentiert wurden und mit vollster Lautstärke ein imposantes Schauspiel geboten wurde. Wenn aus mehreren hundert Kehlen in diesem überdimensionierten Bahnhof Schlachtrufe erschallten, konnte dies schon Eindruck erzeugen.

Von besonderer Güte waren auch die Leipziger Ortsderbys. Da der Lokalrivale Chemie Leipzig noch lange Jahre vom Mythos des Meistertitels von 1964 lebte, hatte Lok in der Stadt lange Zeit nichts zu lachen und war zahlenmäßig bis in die 80er Jahre unterlegen. Bis zum Ortsderby 1983, als vom Zentralstadion, welches durch das Turn- und Sportfest nicht benutzbar war, ins kleinere „Stadion des Friedens" nach Gohlis ausgewichen wurde. Nach dem Spiel warteten auf der angrenzenden Hauptstraße tausende von Chemikern auf die erwartungsgemäß unterlegenen Lokisten. Doch diesmal stürmte eine „atmungsaktive Meute" von mehreren hundert FCLern auf den grün-weißen Mob und ließ ihn tatsächlich in sich zerfallen. Jetzt brachen alle Dämme und alles was nicht blau-gelb war, wurde erbarmungslos gejagt. Chemiker wurden aus Hauseingängen gezogen, durch Hinterhöfe gehetzt und vorbeifahrende Straßenbahnen auf gegnerische Fans gefilzt. Ab diesem Zeitpunkt waren die Machtverhältnisse in Leipzig eindeutig geregelt. Fantechnisch und auch sportlich. Denn Chemie verließ kurz danach die Oberliga auf lange Zeit. In der göttlichen Saison 1986/87 gelang der Lok-Elf der Einzug in das damalige Europapokalfinale der Pokalsieger, sie wurde zudem noch Landespokalsieger und erreichte einen dritten Platz in der Meisterschaft. Vor weit über 100.000 Zuschauern wurde im EC-Halbfinale Girondins Bordeaux aus dem Weg gefegt. Zum damaligen Zeitpunkt erreichte die Sympathiewelle des 1. FC Lok seinen Zenit.

Bis zur Wendezeit setzte im gesamten DDR-Fußball dann ein Zuschauerschwund ein, von dem nur Dynamo Dresden verschont blieb. Nach und nach schlief die Bewegung ein, auch weil die Oberliga selbst stark an Anziehungskraft verlor. Um die Auflösung des Lok-Fanclubs „Teutonia" z. B. ranken sich so einige Erzählungen. Manche meinen, nach dem Verlust der Fanclubfahne in Dresden wurde der FC aufgelöst, weil es die Statuten so vorgaben. Andererseits wurden auch nachweislich viele Mitglieder vorläufig aus dem Verkehr gezogen. Andere Stimmen besagen, „Teutonia" wurde offiziell verboten. Die Staatsicherheit war im Stadion ja immer präsent und versuchte, ihre Leute in die ihr suspekte Fanszene einzuschleusen, was ihr zumindest bei Lok kaum gelang. Bei anderen Vereinen wurden jedoch teilweise komplette Strukturen lahmgelegt. Mit der Maueröffnung ist dem dahinsiechenden Fußball noch mal ein Stoß versetzt worden und die Fans wendeten sich vom unattraktiven Oberliga-Fußball ab, zumal seit Ende der 80er der Hoolnachwuchs bei Lok sprunghaft anstieg und der normale Zuschauer vor allem auch wegen der im gesamten Osten einsetzenden Gewaltwelle fernblieb. Zeitweise war das Verhältnis zwischen aktiven Fans und Hools ausgeglichen. Der Übergang zwischen dem Zusammenbruch der DDR und der Anfangszeit im neuen „System" war nicht nur für den Lok-Anhang eine Blütezeit, wo die Staatsmacht eigentlich nur als Sparringspartner angesehen wurde. Die neuen Freiheiten wurden damals ausgiebig genutzt.

In der letzten DDR-Oberliga Saison schaffte Lok gerade noch so den Absprung für den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Sachsen Leipzig (Nachfolger von Chemie) wurde damals von Lok in der Relegation in die Amateur-Oberliga abgeschossen. Auch auf den Rängen war man naturgemäß die Nr. 1. Man durfte sogar mit 150 Leuten unbehelligt auf dem heiligen Stehplatzbereich (Norddamm) der Sachsen-Fans im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zeigen. Beim darauffolgenden Heimspiel wurde während der Halbzeit der Gästeblock erstürmt und die wohl tausend anwesenden Sachsen-Fans ohne große Gegenwehr unsanft nach Hause geschickt. Die Chemie-Fanszene war zu diesem Zeitpunkt praktisch tot ..."


Die Fan-Historie
von Jens Meyer (1998)

Natürlich gab es schon immer einige eingefleischte Fußballanhänger bei Stahl, die mehr für Stimmung sorgten als die normalen Zuschauer. Anfangs der 80er Jahre war der Trend zu sehen, daß sich immer mehr Leute blau-weiße Schals anschafften und zusammen die Stahl-Elf anfeuerten. Es bildete sich schon eine größere Fangruppe bei Heimspielen. Einige fuhren auch zu Auswärtsspielen. Aber das war eher die Ausnahme.
Viele fuhren zu Oberligaspielen verschiedener Fußballclubs, besonders Magdeburg war gefragt.
In der Saison 81/82 war es dann aber soweit. Einige nahmen das Heft in die Hand und organisierten die Auswärtsfahrt zu EAB 47 Berlin (Lichtenberg) mit dem Zug. Es wurde ein voller Erfolg. Ich erinnere mich an ca. 30 - 40 Leute, die mitfuhren. Aber keiner von uns fuhr einfach nur mit. Die Stimmung war allererste Sahne. Im Bahnhofstunnel vom Bahnhof Lichtenberg klang es, als ob es einige Hundert waren. Man raufte sich damals zusammen und gründete den ersten offiziellen Fanclub. Jeder war eingetragenes Mitglied bei der BSG Stahl Brandenburg, Sektion Fußball. Es wurden Fan-Treffs organisiert mit Trainer "Karli" Schäffner und Spielern der 1. Mannschaft, die z.B. im damaligen Jugendfilmcafé "Meteor" (Hauptstr.) stattfanden. Und es fanden Fußballspiele statt, z.B. gegen den 1.FCM-Fanclub "Halbe Liter", die anfangs aufgrund unserer Unerfahrenheit meist hoch verloren gingen. Natürlich wurden auch Auswärtsfahrten organisiert. Besonders in Erinnerung blieben mir die Fahrten nach Premnitz und Babelsberg, wo immer einige hundert Fans und Zuschauer mitfuhren, mit dem Zug wohlgemerkt. Wer konnte sich schon neben Fußball noch ein Auto leisten (wenn man überhaupt eins bekam) ?!? - Zu besonderen DDR-Ligaspielen und den Oberligaaufstiegsrunden organisierte auch das Stahlwerk Auswärtsfahrten mit dem Bus, und zwar den legendären "Stahlexpress". Allerdings bekamen dort, besonders in der DDR-Oberliga, vorrangig Stahlwerker die begehrten Plätze. Aber die normalen Fans fuhren eh lieber mit dem Zug. Im Laufe der Zeit und Zunahme des Erfolgs stieg die Zahl der Fans schnell an. Als direkter Nachfolger des ersten Fanclubs gründete sich recht bald der bekannteste und auch größte Fanclub von Stahl, der Fanclub "Altstadt". Diesen Fanclub gab es praktisch nicht nur am Wochenende zum Spiel, sondern die ganze Woche. Mit dem Aufstieg in die DDR- Oberliga kannte man "Altstadt" auch in Rostock oder Dresden. Und das nicht deshalb, weil die "Altstädter" etwa als besonders friedlich galten. Es wurde deshalb manchmal regelrecht Jagd auf sie gemacht. Aber der Zusammenhalt im Fanclub war echt super. Es wurde viel gemeinsam gemacht, so z.B. Dampferfahrten, Fußballspiele und natürlich viele Feiern. - Aber durch die Größe des Fanclubs gab es natürlich auch viele Reibereien. Und so kam es dazu, daß sich etliche Fans abspalteten und eigene Fanclubs gründeten, wie z.B. "Alf" und "Hohenstücken". Hinzu kamen durch die Oberligazugehörigkeit auch etliche Fanclubs von außerhalb, wie z.B. der Fanclub "Werder". Natürlich gab es noch viele andere, die ich hier nicht alle nennen kann. Es war aber schon erstaunlich, woher die Fans alle kamen. Ich weiß z.B. von einem Fanclub in Dresden und einem aus Erfurt. Das ist heute gar nicht mehr vorstellbar. Damals war es normal, heute ist einer wie Ingolf aus Cottbus schon ein Exot.
Die meisten Fanclubs kamen und gingen mit Erfolg und Mißerfolg. Aber das mußte wohl so sein. Nach der Wende lösten sich dann nach und nach die letzten Fanclubs auf, spätestens nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga. - 1993/94 wurde wieder der Versuch gestartet, einen Fanclub aufzubauen, der aber letztendlich scheiterte. Daraus gründete sich eine Fußballmannschaft, die bis heute unter dem Namen Borussia Brandenburg in der Stadtliga spielt. - Erst am 05.10.1994 gründete sich der neue Fanclub "Brandenburger Jungen". Gründungsmitglieder waren damals Jörg und Marcel Pochert, Christian Paul, Dirk Linnicke, Ralf Masuhr, Dennies Lewandowitz und Maik Kailuweit. Zum Fanclub gehörten dann natürlich auch noch andere (ca. 40 in besten Zeiten - d.T.). Die Mitgliederzahl wuchs schnell an. Da die meisten Jugendliche aus Hohenstücken waren, hätte man den Fanclub auch "Jugendclub Hohenstücken" nennen können - kleiner Scherz von mir. Scherz beiseite - es war jedenfalls wieder richtig was los im Stadion, und auch auswärts zeigten die BSV-Fans große Präsenz und Flagge. Auch beim Handball wäre ohne den Fanclub nur halb soviel los gewesen.
Leider hat es nicht sollen sein. Der Fanclub ist aus persönlichen und vielleicht auch sportlichen Gründen gescheitert, was ich sehr bedauert habe. Aber einige waren wohl an Fußball gar nicht so sehr interessiert und wollten sich wohl nur austoben. Aber das können andere sicher besser beurteilen.
Wie auch immer, ich bin überzeugt, Ihr die jetzt noch da seid, Ihr seid die Treuesten !
Auch wenn die Südler uns schon zigmal für tot erklärt haben oder es sich immer wieder wünschen, ich kann nur feststellen : Wir sind immer noch da - Das Stahl-Feuer lebt !!!
Übrigens : Ich war bis heute Mitglied in 5 verschiedenen Fanclubs von Stahl und war eigentlich rückblickend gesehen ganz zufrieden. Ich habe nichts bereut. Hätte ich mich damals womöglich für Süd entschieden, hätte es wohl ein großes Loch in meinem Leben gegeben.

Aus dem Gästeblock:

"Stahl - Asche !" (Als Antwort auf den Schlachtruf der Brandenburger "Stahl - Feuer")

"Nieder mit dem Eisen, Nieder mit dem Stahl !
Nieder mit Stahl Brandenburg - Das singen wir nochmal !"

"Stahl wird heut` zu Schrott gemacht !"
Im Westen?

In der Mitte!

Das ist deutsche Geschichte! Fußballgeschichte!
Ach hör doch uff :rolleyes:

Und die Mitte is auch im Osten :laugh:

Ich sach nur: Potsdamer Platz - grauenvoll :cry:
Also, das ist Gotteslästerung!

Laß Dich nicht von Deinen Parteifreunden erwischen!
Asexualität :confused:

Wie kommste denn auf das schmale Brett :confused:

Auh als Pastor schwitz ich mir nix durch die Rippen :D Hab doch ne Haushälterin :)
Der Zock schafft`s auch jeden Sräd zuzuspammen!

Ich würde jetzt lieber über den DDR-Fußball reden... :D
Was wollt ihr denn über den DDR-Fußball schreiben?

Vielleicht über Jürgen Sparwasser?
Über sein Tor in Hamburg habe ich persönlich abgekotzt!

Andere haben Ihren Fernseher aus dem Fenster geworfen!






Ich wollte hier nur etwas über DDR-Subkultur berichten!
Ach hör doch auf :mad:

Die Mauer willste wieder aufbauen - und das noch höher :cry:

Willst wohl wieder Schlange stehen - im Konsum :D


Die Leipziger Fanszene aus Sicht eines Chemie-Fans:

"... ÜBER LEUTZSCH LACHT DIE SONNE - ÜBER LOK DIE GANZE WELT..."
von Ray Schneider

"Alles zum Wohle des Volkes" hat unter DDR-sozialistischen Bedingungen natürlich auch bedeutet, dass der Sport ganz im Dienste des politischen Kurses zu funktionieren hatte. Der Leistungssport diente als Propagandamittel, das der Bevölkerung zeigen sollte, wie effizient die realsozialistische Maschinerie arbeitet, aber vor allem, wie überlegen das System des Ostens gegenüber dem des "Klassenfeindes" in Wirklichkeit war.

Während jeder Bezirk der DDR die Talente der Region in sportlichen Elitezentren ermittelte, zu "Leistungskadern" aufbaute und diese den Sportfunktionären für die Umsetzung ihrer Pläne jederzeit zur Verfügung stellte, wurde der Massensport über die Betriebssportgemeinschaften (BSGs) oder andere gesellschaftliche Organisationen organisiert. Sportliche Erfolge wurden durch "Delegierungen" (Zwangs-Beförderungen) von Leistungsträgern künstlich erzeugt, und dass vom Kinderbereich über die Kinder und Jugendsportschulen bis hin zu den Profis. Der gesamte sportliche Wettkampfbetrieb wurde von obersten Stellen manipuliert und vereinnahmt. Sportliche Karrieren waren somit immer mit Unterwerfung und somit Zusammenarbeit mit den politischen Organen verbunden. Die Spitzensportklubs der DDR waren natürlich die der Polizei und der Armee, und sportliche Erfolge ( die mit militärischen Auszeichnungen entlohnt wurden) verbanden sich jeweils mit Erhöhung des Dienstgrades.

Mit Honecker verflachte in den Siebzigern Ulbrichts Ausrichtung der DDR auf eine gleichgeschaltete sozialistische Volksgemeinschaft, gewannen bürgerliche und individuelle Freiheiten westlicher Prägung neue Bedeutung. Der Lebensstandard der Leute stieg, Familie und Freizeitgestaltung machten wieder den Sinn des Lebens aus. Wer sich in die kleinbürgerlichen Verhältnisse einpasste, fand seine politikfreien Nischen und wurde mit pseudowestlichen "Errungenschaften des Sozialismus" belohnt. Der Leistungs- und Wettkampfsport diente immer mehr als Propagandainstrument.

Im Fußball gab es die Oberliga, in der die Klubs der Leistungszentren der DDR-Bezirke um die Teilnahme an internationalen Vergleichen spielten. Nur ganz wenigen BSGen (ausschließlich die von Großbetrieben wie der WISMUT, der Autoindustrie oder der Chemiekomplexe im Süden) gelang es, in der Liga der Klubs mitzuspielen, meist nur um den Klassenerhalt, denn die "guten" Spieler wurden sofort zu den Spitzenklubs delegiert. Die Kaderschmiede und die Nachschubbasis der Oberliga bildeten die fünf DDR Ligen der zweithöchsten Spielklasse, die untereinander jeweils die zwei Aufsteiger in die Oberliga ermittelten.

In der Bevölkerung galten die BSGen (meist alte Arbeiter- oder Traditionsvereine) als underdogs und Antipoden der SED-gesteuerten Fußballklubs. Durch diese hineininterpretierte "politische Komponente" gestalteten sich Vergleiche zwischen BSGen und Polizei-, Stasi- oder Armeeklubs oft zu politischen Veranstaltungen, bei denen unter dem Deckmantel des Sports und aus der sicheren Masse heraus politische Meinungsäußerungen möglich waren, ein symbolischer Machtkampf zwischen "unten" und "oben" stattfand.

Folgerichtig sammelte sich um solche Vereine dann auch ein spezielles Protestpotential, bei dem das Interesse am Verein weit über den sportlichen Aspekt hinausging. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Vereine Union Berlin und Chemie Leipzig, die sich als einzige höherklassige Teams der DDR in der eigenen Stadt mit Konkurrenzklubs wie dem BFC und dem 1. Lokomotive Leipzig konfrontiert sahen. Anhänger aus der ganzen Republik sympathisierten mit beiden Vereinen. Bei Auswärtsspielen begleiteten hunderte bis tausende Jugendliche die Teams, was folgerichtig oder gezielt zu Konfrontationen mit den staatlichen Organen und spektakulären Skandalen führte. Die Medien verschwiegen diese Vorkommnisse bewußt und sorgten somit dafür, daß es zum Kult oder zum Ausdruck der eigenen Oppositionshaltung wurde, sich zum Anhänger von Union oder Chemie zu bekennen.

"Schlagt dem Erich Mielke die Schädeldecke ein!
Blut soll fließen, Blut soll fließen.
Hoch lebe die Chemie-Republik!"

Leipzig, mit 600 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der DDR, hatte eine ganz spezielle Fußballtradition. In den 50ern und 60ern hatte man mehrmals versucht, den beliebten Arbeiterverein aus Leutzsch zugunsten eines künstlich geschaffenen Elitevereins (das Leistungszentrum des Bezirkes 1. FC Lokomotive Leipzig) aufzulösen. Die Trotzreaktion von Sportlern und Fußballanhängern führte dazu, dass der Todgeglaubte wie Phönix aus der Asche aufstieg und sowohl vor, wie hinter dem Spielfeldrand den Polit- und Sportfunktionären peinliche Auftritte lieferte.

Die Zugehörigkeit der Anhänger zum jeweiligen Verein machte sich aber auch am Wohnort und der Beeinflussung durch Familie, Freundeskreis und Arbeitsumfeld fest. In den Metallbetrieben des Westens hatten Arbeiter ganze "Chemiealtäre" aus Mannschaftsfotos der Meistermannschaft und alten Fahnen über ihren Maschinen errichtet. Die Mehrzahl der Chemieanhänger kam aus den Arbeitervierteln des Nordens und Westens, die von Lok aus dem Osten und Süden. Schaffte Chemie mal wieder den Aufstieg in die Oberliga, schlugen ihr die Sympathien der Mehrzahl der Leipziger entgegen, übertraf man die Zuschauerzahlen des Ortsrivalen um das Mehrfache.



Die traumatischen Erfahrungen der Leipziger Jugendlichen aus den Beatkrawallen 1965 auf dem Leuschner Platz (Polizei prügelte auf tausende Jugendliche ein und deportierte sie in die Braunkohle zur Zwangsarbeit), das Verbot der Leipziger Band Renft Mitte der Siebziger und die Krawalle mit der Polizei bei der 1000-Jahrfeier 1974 in Altenburg hatten in und um Leipzig eine Jugendszene hervorgebracht, die sich von der staatlichen Jugendpolitik nichts mehr vormachen ließ und Konfrontationen mit der Staatsgewalt nicht auswich. Bei Auswärtsfahrten der Chemieanhänger in den Siebzigern kam es ständig zu Krawallen. In Eisleben und Wolfen kam es zu Massenschlägereien mit Polizeieinheiten, bei Fahrten in Regionen des Harz zu Einsätzen der Grenztruppen der DDR. Dabei handelte es sich aber um keinen gezielten Protest gegen Staat und Partei, sondern vielmehr um ein sich Auflehnen gegen die Zustände allgemein - gegen die zahlreichen Verbote, gegen Willkür und Polizeigewalt, gegen das Eingesperrtsein in der DDR und die beschnittenen Freiheiten. Da es eine politische Opposition in der DDR nicht gab, hinter deren Forderungen man sich stellen konnte, kippten Protestausbrüche schnell in platt-antikommunistisch/antisowjetische und großdeutsche Ausbrüche. (Rassistische, neofaschistische und antisemitische Äußerungen gab es in den Siebzigern jedoch kaum.) Gegenüber der DDR-Propaganda, die sich in den Anfangsjahren der Honecker-Ära staatlich, geschichtlich und völkisch immer mehr als eigenständig und losgelöst von der BRD darstellte und Verbindungen mit den Ländern des Ostens konstruierte, bezogen sich die Fußballfans ständig auf den Westen. Jeder hatte neben seinem hiesigem Verein einen Favoriten im Westen. Auf wilden Schwarzmärkten vor den Kassenhäuschen in Leutzsch und Probstheida wurden Poster, Wimpel und Anstecknadeln von Westvereinen angeboten. Übertragungen der Bundesligaspiele oder von Länderspielen waren Straßenfeger. Ende der Siebziger explodierte der Tourismus von DDR-Jugendlichen zu Fußballspielen westlicher Teams in die CSSR, nach Polen und Ungarn. Bis zu mehreren Hundert Jugendliche (meist Berliner, Chemiefans und Jugendliche aus den Großstädten des Südens) bildeten bei Spielen in Prag und Bratislava ganze Fanblöcke und konfrontierten die örtliche Bevölkerung mit pseudowestlicher Lebenskultur, die man auf Saufen, Provozieren und Randalieren reduzierte. In den Achtzigern fingen tschechische Polizisten DDR-Jugendliche bei Razzien dann einfach von der Straße oder aus Kneipen weg, sperrten sie unter Tränengas in zugesperrte Sonderwaggons und schickten sie zurück über die Grenze.

"Trinkfest und arbeitsscheu
und Chemie Leipzig treu
meine BSG Chemie
verlaß ich nie!"

Eine pseudowestliche Fankultur aus Rebellen-, Landstreicher-, Abenteurertum entwickelte sich in der DDR zuerst bei den zwei Vereinen Chemie und Union und setzte sich bei den anderen Vereinen erst Ende der 70er Jahre durch. Eine eigene Fankultur entwickelte sich in Leipzig unter den Chemiefans aber erst Anfang der Achtziger. Dabei machte sich diese Kultur mehr an Strukturen und Formen der Selbstorganisation fest, als an Äußerlichkeiten. Die Mode der Fußballfans unterschied sich gegenüber der der anderen Jugendlichen nicht wesentlich. Schals und Fußballwesten trug man überall auf den Fußballplätzen. Die erste Punk- und Skinheadgeneration (ca. ab 1981/82), die ja öffentliche Auftritte suchte, etablierte sich in Leipzig jedoch nicht wie in Berlin beim Fußball. Dazu war die Stadt dann doch zu klein und die Szene zu mitgliederschwach. Die ersten Punks sah man etwa ab 1984 bei Chemie. Sie nahmen jedoch jahrelang nur eine Gastrolle ein, bestimmten bis nach der Wende nie wirklich das Geschehen.

Auch die Erfindung eigener Sprechchöre und Schmählieder gegen Politiker und gesellschaftliche Organisationen war keine ausschließlich Leipziger Eigenart. Dass das ganze Stadion aber "Scheiß NVA" oder "Stasischweine" rief, war dagegen sicher nicht typisch für alle DDR-Stadien. Chemiefans, die bei Länderspielen oder EC-Vergleichen von Lok im Zentralstadion fast immer den Gegnerblock unterstützten, gaben sich fortan auch immer Mühe, die Sprechchöre so zu puschen, dass bald das ganze Stadion (live übertragen) "Nieder mit der DDR" skandierte und in Jubel ausbrach, wenn der Gegenangriff lief. Die Reaktion war dann meist, dass bei Übertragungen aus Leutzsch, der Wuhlheide oder dem Zentralstadion der Ton völlig heruntergefahren wurde.

Nach der WM 1974 und 78, bekam der Fußball immer mehr eine "Show"-Komponente, wurde er von den Medien und der Werbeindustrie zunehmend als Konsumprodukt für alle Bevölkerungsgruppen ausgeschlachtet. Die ungebändigte Rebellenjugend mutierte weitgehend zur Konfetti- und Papierschlangen-werfenden Hintergrundkulisse. Zäune trennten die Zuschauer nun fast überall vom Spielfeld, Sicherheitsbeamte sorgten dafür, daß es im Stadion nicht zu größeren Exzessen kam. Die "Action" fand daraufhin meist ums Stadion und unter den Fans statt. Halle, Jena, Erfurt, überall gab es die gefürchteten Parks oder Fußgängerzonen, in denen sich die Fans gegenseitig auflauerten und prügelten. Wer zum Fußball ging, der wusste, dass es nach Fußballspielen zu Massenschlägereien unter den Fans kam, dass in Zügen und Bahnhöfen randaliert wurde, dass es für die eigene Sicherheit gefährlich werden konnte. Man wusste aber auch, dass die Masse der Fußballfans unheimlich viele Freiheiten bot, dass beim Fußball Dinge möglich waren, für die man als Einzelperson im Alltag sofort "abgehen" würde. Die Aggressivität der Fans beschränkten sich auf das Symbolisieren der eigenen Überlegenheit im eigenen Terrain oder in der fremden Stadt, auf das "Ruppen" (das Erobern gegnerischer Symbole wie Schals, Fahnen und Abzeichen) oder waffenlose Prügeleien. Es gab aber nicht nur die Rivalität unter den verschiedenen Städten und Mannschaften, sondern auch die Rivalität unter den (in der DDR offiziell nicht mehr existierenden) Ländern Sachsen, Preußen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg. Gerade die Rivalität zwischen Sachsen und Preußen spitzte sich in den Achtzigern (in denen die Hauptstadt besonders bevorzugt wurde und der Hauptstadtclub BFC zur DDR-Vorzeigemannschaft zurechtgebastelt wurde) immer mehr zu. Da es ein Problem "Fußballrandale" offiziell nicht geben durfte, wurde von Seiten der Behörden im Vorfeld nie konsequent genug geplant und eingegriffen. Ende der Siebziger kam es bei Fußballspielen dann vermehrt zu Toten, meist außerhalb des Stadions. Die Todesfälle wurden durchgängig verschwiegen und lebten nur unter den Fans als Mythen fort.

Wo es sich aus der ungünstigen Ligaposition einer Mannschaft jedoch ergab, dass keine gegnerischen Fangruppen existierten (wie bei Chemie in der Liga), kam es vorrangig zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Schließlich wurden Polizeihunde umgebracht, Tonis umgekippt, Volkseigentum beschädigt oder Parteisymbole bewusst geschändet. Gummiknüppel, Teleskopschlagstöcke, Knebelketten und Polizeimützen waren begehrte Trophäen. Traten Chemiefans auswärts in Massen auf, wie beim Gang vom Bahnhof zum Fußballstadion, dann schlugen diese Menschenzüge oft in Demonstrationszüge mit politischen Parolen gegen Staat und Partei um. Anfang der Achtziger zogen Fans regelmäßig vom Leipziger Hauptbahnhof als Demonstrationszug in die Innenstadt und mussten von der Polizei dort mühsam und vor der erschreckten Bevölkerung gewaltsam aufgelöst werden. Dem massenhaften Auftreten von Unionern und Chemiefans traten die Einsatzskräfte (gerade in der Provinz) oder die Zugbegleitungen völlig hilflos entgegen. Zu Fußballspielen bewegte man sich fast ausschließlich mit dem Zug. Schwarzfahren wurde zum Sport und mancher Transportpolizist oder Schaffner, der sich mit den Fans anlegte, wurde gedemütigt oder sogar aus dem Zug geworfen. Schließlich kam es dazu, dass die Union- und Chemiefans mit Sitzblockaden auf Kreuzungen u.ä. die Einsetzung von Sonderzügen oder Sonderwaggons erzwangen.

Zu einer einzigartigen Fanfreundschaft kam es über fast zwei Jahrzehnte zwischen den Fans von Aue und Chemie. Man begleitete sich gegenseitig zu Heim und Auswärtsspielen im gesamten Gebiet der DDR, organisierte untereinander Fahrten, Treffen und Wettkämpfe. Ausgangspunkt dafür waren die Kontakte des Chemiefanclubs "Grüne Engel" (gegr. 1975) mit Fans aus Aue, die in den beginnenden Achtzigern mit dem Fanclub Connewitz (gegr. 1979) und Cottbuser Fans und dem Fanclub West (gegr. 1981) mit der VSG Wuhlheide Nachahmung fanden. Fanfreundschaften bestanden bei Chemie außerdem nach Magdeburg und Riesa.

1981/82 kam es zum Aufblühen einer neuen Fanclubkultur bei Chemie. Da die Fanclubs bei Chemie eigenständige Organisationen darstellten, also völlig losgelöst vom Verein und jeder staatlichen Kontrolle, wurden sie von den staatlichen Organen nicht geduldet und verfolgt, sobald sie sich öffentlich zu erkennen gaben. Einzelne Fanclubs nannten sich daraufhin VSG (Volkssportgemeinschaft) oder gaben sich Phantasienamen wie "Ortsgruppe Plagwitz". 1983 war die Anzahl der Fanclubs bei Chemie auf ca. 80 angestiegen. Den Behörden fiel es immer schwerer Argumente für das Verbot zu finden oder die Strukturen aufzulösen. Wo man von offizieller Seite keine Unterstützung fand wie es bei Union möglich war, wo man die Fanaktivitäten unter dem Deckmantel "Union-Jugendclub" laufen lassen konnte, agierte man völlig eigenständig selbst und an allen Organen und Vorschriften vorbei. Man trug unter den Chemiefanclubs jährliche Fanclubmeisterschaften mit Hin- und Rückspielen aus, organisierte überregionale Fanpokale von Freizeit- und Volkssportteams und machte in der Freizeit viel miteinander. Die einzelnen Fanclubs organisierten eine Art Vereinsleben, teilweise mit klaren Regeln und Programmen außerhalb des Fußballs, man führte Chroniken, Fanzines entstanden. Fast wöchentlich gab es bei den unorganisierten Fanteams Freundschaftsspiele mit Volkssportmannschaften und Freizeitteams, wurde man schließlich sogar zu offiziellen Turnieren von Sportgemeinschaften und Betrieben geladen. Die Kontakte der Fans gingen bald über die Stadtgrenzen hinaus. Nachdem Chemiefanclubs 1984 zum jährlich stattfindenden Union Fanpokal eingeladen wurden, nahmen zwölf Mannschaften an der 1. DDR-Fanclub-Meisterschaft in Berlin teil. Ausrichter war wie beim Union-Fanpokal der Union-Jugendklub. Zwei Chemiefanclubs teilten sich den dritten Platz. Im Folgejahr organisierten Chemiefans die 2. Meisterschaft in Leipzig. Fortan kam es regelmäßig zu Vergleichen und Turnieren verschiedener Fanteams, teilweise sogar vor jedem Auswärtsspiel.

"50 Meter im Quadrat
Rundherum nur Stacheldraht
Weiß Du wo ich wohne?
Ich wohne in der Zone!
Doch einmal wird es anders sein,
Dann sperren wir die Bullen ein
und Chemie Leipzig wird dann
Deutscher Meister sein..."

Die Sicherheit beim Fußball gewährleistete die Volkspolizei, Wehrpflichtige der Bepo (Bereitschaftspolizei), freiwillige Helfer der Volkspolizei sowie die Leipziger Gruppe der Sportordner, die sowohl bei Lok als auch bei Chemie eingesetzt wurden. Die Ordnungs- und Sicherheitsdienste besaßen wenig Durchsetzungskraft und Motivation. Zu diesen Organisationen verpflichteten sich (wie zur Volkspolizei) bis in die Achtziger hinein meist nur Deppen oder gescheiterte Existenzen. Hundehalter, die ihre Zöglinge abrichten ließen, fanden sich schnell als "Helfer der Volkspolizei" beim Fußball wieder. Zudem verfügten die Sicherheitsorgane kaum über funktionierende Kamera- und Überwachungstechnik. Außer Hunden und Gummiknüppeln kamen keine Schutzmittel oder Waffen zum Einsatz. Mit schwierigen Situationen vor oder nach Fußballspielen war man deshalb immer überfordert und konnte die Hauptakteure bei Randalen meist nicht dingfest machen.

Immer wieder versuchte man über IMs und Kontaktpersonen der Fußballvereine gegen die "feindlich negativen Kräfte bei Chemie" vorzugehen. Dabei wurden gezielt Jugendliche unter 18 Jahren über die Berufsschulen geworben, die in Kontakt mit Fanclubs standen. Eine andere Methode war es, Jugendliche, die nach den Gesetzen der DDR straffällig geworden waren, mit der Androhung von Verurteilungen und Gefängnisstrafen zur Zusammenarbeit zu zwingen. Andere Beispiele sind von Armeeangehörigen bekannt, deren Post kontrolliert wurde und die man innerhalb der verschärften NVA-Bedingungen zur Preisgabe von Informationen zwang. Nachdem die Zersetzung der Chemiefans nicht gelang, 1983 sogar ein regelrechter Boom einsetzte, lockerte man das Verbot von Fanclubs und versuchte die Jugendlichen durch Zusammenarbeitsangebote an den Verein zu binden und somit zu kontrollieren. Fans, die 1984 mit Zusammenarbeitswünschen an Chemie herangetreten waren, wurden als eigenständige Sektion "Sportwerbegruppe" im Verein integriert und zu Ordnungsdiensten und Informantentätigkeit überredet. Die Zusammenarbeit scheiterte schnell, da sich die Fans nicht vereinnahmen ließen. Als 1984 Chemiefans zu Fanclubs aus dem Westen Kontakte geknüpft hatten, man in Leipzig regelmäßig Besuch bekam und gemeinsame Fußballspiele organisierte, ging man härter gegen die Fans vor, versuchte man es mit Repression. Unter Androhung von Haft- und Geldstrafen wurden Treffen verboten. Einzelpersonen wurden zu Rädelsführern ernannt, man zerstörte berufliche Karrieren und der Personalausweisersatz - PM 12 - kam zur Anwendung. Zur Ausschaltung besonders aktiver Personen wurden ab 1985 gezielt 10-Punkte-Pläne erarbeitet, um diese zu kriminalisieren, deren Ruf zu schädigen, Karrieren zu zerstören, sie zur Armee einzuberufen oder letztlich in den Westen abzuschieben. Personen-, Post- und Telefonüberwachung setzte ein, Privatbereiche wurden verwanzt, IMs eingeschleust und Einreiseverbote für Westler ausgesprochen. Der Arm der Stasi reichte bis nach Prag, wo man bei Treffen Wanzen aus Steckdosen und Radios fischte. Da eine durchschlagende Kriminalisierung dieser Aktivitäten nicht gelang und auch Einberufungen und Schikanen keine Erfolge zeigten, verstärkte man den polizeilichen Druck und die Gängelung setzte sich in Schule, Arbeitsbereich u.ä. fort. Die Reaktion waren Ausreiseanträge und eine völlige Abkehr vom DDR-System. Ab 1984 begann man medienwirksam mit Schauprozessen gegen Chemiefans (meist wegen Bagatelldelikten und gegen wahllos herausgegriffene Personen) Druck auf die Jugendlichen auszuüben. Die Kontrolle und Begleitung der Fans bei Auswärtsfahrten wurde besser organisiert, Bahnhöfe wurden mit Polizeiketten abgesperrt, Sonderzüge und Waggons wurden eingesetzt, Chemiefans in fremden Städten eingekesselt. Stasileute in Zivil begleiteten die Fangruppen. In den Stadien wurden speziell präparierte "Gästefanblöcke" eingerichtet, in denen die Fans während des Spieles gefangen gehalten werden konnten. Bei den Polizeikontingenten fanden Polizisten Gefallen an Fußballeinsätzen und die Möglichkeit willkürlich Macht auszuüben oder straffrei zu prügeln. An Spieltagen von Chemie wurde der Verkauf von Alkohol in den jeweiligen Städten verboten und die Öffnung von Kneipen und Diskotheken untersagt. Wegen eines Pressefestes in Rostock wurde ein Aufstiegsspiel von Chemie 1984 nach Stralsund verlegt, gab es wegen alljährlicher Randale in Dessau Innenstadtverbote, kesselte man Chemiefans über Stunden ein.

Am Tag des Schmidt-Besuches in der DDR, an dem auch das Kriegsrecht in Polen ausgerufen wurde, duldete man "Helmut Schmidt - nimm uns mit - in die Bundesrepublik"- Sprechchöre von Chemiefans in Dessau. Nach chaotischen Episoden zwischen Fans und übereifrigen Polizisten mit gezogener Dienstwaffe (wie eben in Dessau), setzte ab Mitte der Achtziger ein Deeskalationskurs der Polizei ein. In den großen Städten des Landes ließen sich die Sicherheitsorgane nicht mehr provozieren, duldeten Provokationen oder resignierten vor der Masse. Nur in Kleinstädten versuchten sich übereifrige und realitätsferne Glaubenshüter, provozierten damit meist noch ärgere Ausbrüche. Man ließ die Fans größtenteils gewähren und kümmerte sich nur noch um den schnellen An- und Abtransport, sowie die zügige Abarbeitung der Strafverfahren. Dadurch entstand ein neuer Freiraum für Fußballfans, der Neueinsteiger anzog und zu immer neuen Ideen motivierte, um die Toleranzgrenze der Behörden auszureizen. Diese Entwicklung führte dahin, dass man sich in der Masse alles erlauben konnte, solange man die Ordnungsmacht nicht tätlich angriff. Fasziniert von diesen Möglichkeiten provozierten Fußballfans fortan zunehmend mit antikommunistischen, antisowjetischen und rassistischen Äußerungen, die Ende der Achtziger direkt in Angriffe auf Sowjetsoldaten, ausländische Gastarbeiter, sowjetische Soldatenfriedhöfe und antifaschistische Gedenkstätten übergingen. Obwohl die Stasi nun vermehrt fotografierte und ermittelte, kam sie diesen Entwicklungen nicht mehr nach, hatte durch die vermehrte Abschiebung von Gefangenen in den Westen auch kein wirksames Druckmittel gegen die Jugendlichen mehr in der Hand.







Beim 1. FC Lokomotive, der national und international Erfolge errang, versuchte man das Geschehen auf den Rängen unter Kontrolle und auf Parteilinie zu halten, indem man Tickets für begehrte Spiele nur über die Betriebe und gesellschaftliche Organisationen verteilte, somit über die Leipzig- und DDR-Jubel-Propaganda verstärkt linientreues bzw. gefügiges Publikum aus dem Landkreis, aus Schulen und gesellschaftlichen Organisationen installierte. Der FCL war und wurde immer mehr zum Vorzeigeklub der Stadt, zum Spielzeug von Funktionären, zur Brot- und Spiele-Maschine. Das Rebellenpotential beim FCL wurde vom Massenzulauf der Sportspektakelzuschauer in den Achtzigern ersäuft und zog sich als Eliterandgruppe von der dumpfen Masse zurück, hob sich fortan durch immer besser inszenierte Gewaltaktionen ab.

"Wenn das der Führer wüßt,
was Chemie Leipzig ist,
dann wär er nur in Leutzsch,
denn Leutzsch ist deutsch!"

Während die Hippie- Gammler- und Anarchojugend der Siebziger gegen alles rebellierte, was spießig-bürgerlich und diktatorisch-brutal das Leben im Sozialismus der DDR ad absurdum führte, setzte sich mit den Ausreisewellen der Achtziger die Deutschlandmacke bei der Mehrzahl der Fans durch. Man bezog sich zwar noch nicht auf ein wiedervereinigtes Großdeutschland, dafür aber um so mehr auf die BRD, auf die Bundesliga, die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft usw. In der DDR war man gezwungenermaßen nur Gast, hatte gemeinsam mit seinem Freundeskreis und den Arbeitskollegen den DDR-Alltag zu ertragen, und durch Cleverness und Frechheit das Beste für sich daraus zu machen. Aus der überwältigenden Fanmasse heraus, die ab 1984 Chemie begleitete, richteten sich die verbalen Attacken immer mehr gegen die "Roten" (personifiziert von den Fußballspielern der Stasi- Polizei- und Armeemannschaften), gegen Sowjetsoldaten, denen man (entgegen der DDR-Propaganda) die Nachkriegsvorurteile vom unzivilisierten Vergewaltiger anhängte, sowie gegen Ausländer in der DDR, die als Gastarbeiter oder Auszubildende verstärkt ins Land geholt wurden. Da diese Menschen nicht in den DDR- Alltag integriert wurden, sondern auf Betriebsgeländen zusammengepfercht in Wohnheimen untergebracht waren, wurden sie als "Fremde" und kulturlose Störenfriede, als Konkurrenten im Konsumentenwettstreit und als Blutschänder deutscher Frauen diffamiert und immer öfter auch tätlich angegriffen. Im Zusammenhang mit Fußballspielen von Chemie kam es Mitte der Achtziger zu Hetzjagden auf Farbige und zu Angriffen auf Wohnheime. Die Politik ignorierte diesen aufkommenden Rassismus, da es diesen in der sozialistischen DDR nicht geben durfte. Die Behörden traten größtenteils selbst rassistisch auf, die Medien schwiegen oder verklärten das Bild vom Ausländer in der DDR völlig realitätsfern und lächerlich.

Die Zuspitzung der Gewalt durch den Hooliganismus der Achtziger versuchte die Führung in eigene Bahnen wie Militär oder in den Leistungssport zu lenken. Ursachenforschung oder Aufklärung fiel aus. Dagegen buhlte man um die gewaltbereiten Jugendlichen, machte den Armeedienst, FDJ-Ordnungsgruppen, Körperkult-Jugendklubs und Leistungssporteinrichtungen für sie attraktiv. Um diese Jugendlichen nicht zu verschrecken, verzichtete man auf die sonst übliche politische Dauergängelung, versetzte sie durch Zuwendungen sogar in eine gehobene Sonderrolle. Das Gewaltpotential wurde damit zwar umgeleitet, war auf der Straße aber weiterhin präsent. Mit dem Boom der Skinkultur, die nach den Propaganda-Hetzattacken 1987 in der DDR fast ausschließlich Neonazis produzierte, die in den Skinheads eine neue SA sahen, gerieten den Behörden die militanten Subkulturen völlig aus der Kontrolle. Man verstand die Entwicklungen überhaupt nicht, konnte die verschiedenen Subkulturen weder identifizieren noch deren Kultur und Ideologie verstehen und einordnen. In staatlichen Jugend- und Kultureinrichtungen setzte teilweise eine Unterwanderung durch rechte Skins und Hooligans ein. Kam es zu Konfrontationen mit der Staatsgewalt setzte man nur noch mehr Polizei ein. Politische, rassistische und neofaschistische Straftaten verurteilte man unter Rowdytum u.ä.

Mit der Glorifizierung des Preußentums ab Ende der Siebziger, und dem Schmusekurs der SED zur BRD Ende der Achtziger (Westkredite, SED-SPD-Erklärungen, Zusammenarbeit mit Westunternehmen) wurden die Grundlagen für einen hausgemachten Nationalismus geebnet. Zudem distanzierte man sich nach Glasnost und Perestroika 1986 offiziell immer deutlicher von den anderen sozialistischen Staaten, beschwor eigene "deutsch-nationale" Werte, hinter die sich fortan auch Sozialismusgegner stellen konnten. "Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher", "Leutzsch ist Deutsch" sind Fan-Sprechchöre bei Chemie, die in dieser Zeit entstanden sind und sich auf eine nationale Identität außerhalb von DDR und BRD beziehen.
Dass die DDR am wirksamsten beim Begriff Faschismus zu treffen war, den sie durch den DDR-Sozialismus für ausgerottet erklärte, merkten auch die Fußballfans. Während sich Ostberliner (durch die Nähe zum Westen mit den neuesten Trends und Entwicklungen vertraut) schon Anfang der Achtziger nationalistisch und neofaschistisch artikulierten, war die Provinz auf die Informationen der DDR-Hetzpropaganda angewiesen, die sie für sich in ihr Gegenteil verkehrte. Abschreckungsberichte über die "Wehrsportgruppe Hoffmann", den Hertha-Fanclub "Zyklon B." oder die Dortmunder "Borussenfront" wurden rein aus Provokation aufgegriffen und nachgeahmt. Mit der Zeit wurden die aufgesetzten Allüren dann für viele zum Programm, wurden Schocksymboliken zu Leitbildern. Durch die Militarisierung des DDR-Alltags (GST, Armee, Zivilverteidigung...) hatten es zudem Nationalisten und Militariafans leicht, deutsche Uniformteile, Literatur und Waffen zu sammeln, Wehrsportlager zu spielen oder in der Clique militärische Macht zu demonstrieren. Spielte Chemie z.B. ab 1987 in Kleinstädten der DDR, knallten die Schuhe der Chemiefans zu Hunderten martialisch im Gleichschritt auf dem Pflaster zwischen Bahnhof und Stadion, hallte ein markerschütterndes "Sieg" (als Ersatz für Sieg-Heil!) durch die Stadt, und das alles trotz Polizeiketten und Stasikameras. SA-Lieder wurden gesungen und abgewandelte Nazi-Symboliken verwandt. Auch der in Mode kommenden HJ-Tracht mit Seitenscheitel und Hitlerbart war behördlich kaum etwas entgegenzusetzen. Nachdem sich das Schwarz-Rot-Gold der BRD auf Chemiefahnen gegen die Verbote der Behörden in der zweiten Hälfte der Achtziger durchgesetzt hatte, tauchte nun vermehrt Schwarz-Weiß-Rot auf, das bis weit nach der Wende nicht als nationalsozialistisches Symbol erkannt wurde. Parallel zum Erwachen eines neuen Neofaschismus in der DDR und auf den Fußballplätzen, hielten auch rassistische und antisemitische Äußerungen Einzug, obwohl es in der DDR kaum Berührungspunkte mit Juden oder "Türken" gab, auf die sich viele Diffamierungen bezogen. Die Vereine, Behörden und Medien gingen darauf nicht ein, teils aus Unverständnis, teils weil sie selbst rassistisch und national-völkisch agierten. Berliner Hools provozierten schließlich hauptsächlich mit neofaschistischen Allüren, vor allem bei öffentlichkeitswirksamen Hooliganauftritten in Leipzig und fanden landesweit Nachahmer. Ende der Achtziger und vor allem nach der Maueröffnung wurde das Neonazioutfit zur Jugendmode. Wie oberflächlich in der Fanmasse bei Chemie mit Symboliken umgegangen wurde, bewiesen gerade die Entwicklungen im Spätsommer/Herbst 1989. Noch bevor man es auf den Straßen um die Nikolaikirche tausendfach hörte, skandierte der Dammsitz in Leutzsch im September "Neues Forum", wenige Wochen später "Deutschland einig Vaterland" und kurz darauf riefen die gleichen Leute nach "Schönhuber", der sich zu einer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz angekündigt hatte. Dass die Liebe zu den westdeutschen Brüdern und Schwestern nicht so groß gewesen sein kann, wie sie zur Wende auf der Straße beschworen wurde, beweist, mit welcher Verzückung die ostdeutschen Fußballfans und Hooligans nach der Maueröffnung über die Westvereine herfielen. Zum ersten Spiel im Westen reisten im Mai 1990 über 1000 Chemiefans nach Hannover und disziplinierten gewalttätig und arrogant sofort die völlig verdutzten Westler im Stadion. Bei Länderspielen der BRD traten ab 1990 auch randalesüchtige Ostberliner und Lok-Hools auf, die bei Oberligaspielen nun schon Polizisten samt Schutzausrüstung im Stadioninneren der Oberligaarenen angriffen. Während alles auf Kurzbesuch im Westen war, um die 100 DM Begrüßungsgeld abzufassen oder sich mit Videorecorder, Pornoheften und Billigwagen einzudecken, füllten zunehmend nur noch "erlebnisorientierte" Fans die Stadien der großen Vereine der Oberliga.
Die ersten rechten Skins in Leipzig sammelten sich übrigens ab ca. 1987 beim 1. FCL und integrierten sich in die dortige Hooliganszene. Junge Cliquen, vor allem aus den Neubauvierteln Grünau, Schönefeld und Mockau stießen nach.

"Wir sind Sachsenjungen
und bilden uns was ein
es kann nicht jeder Deutsche
ein Sachsenjunge sein"

Mit dem Einsetzen der Hooliganwelle 1979/80 und aus der Situation der Bonzen-Klubs BFC und Lok heraus, nicht auf "Masse" bauen zu können, rückten die harten Fans dort als eine Art Elite zusammen. Ein Beispiel dafür ist die erste Generation der BFCer, die durch aberwitzige Aktionen und absolut DDR-untypisches Verhalten auffielen und den Keim der gewalttätigen DDR-Hooligans der 80er bildeten. Bei Lok setzte die Elitebildung Mitte der 80er ein, die sich (genau wie beim BFC) nicht gegen das System oder seine Vertreter richtete, sondern vorrangig immer gegen andere Fußballfans. In Leipzig ging es vor allem darum, in den Leipziger Ortsderbys klarzustellen, wer die wirkliche Macht auf der Straße darstellte. Während Chemieanhänger aus der Dynamik der Masse heraus agierten, organisierten und planten die Lokanhänger gezielt Aktionen und errangen dadurch zunehmend Erfolge, zum einen, um Angriffe erfolgreich abzuwehren, zum anderen schließlich auch um gegen andere vorzugehen. Die Vereinsleitung und die politischen Funktionäre der Stadt ignorierten diese Entwicklungen und spielten sie als "Fußballbegeisterung" herunter, um ihren Vorzeigeklub kein schlechtes Image aufzudrücken. 1983/84 bildeten sich mit den Fanclubs "Teutonia" und "Die Raben" die ersten Fanclubs beim FCL, die durch eigene Aktionen oder durch Mythenbildung gewaltbereite Jugendliche aus Leipzig in Massen anzogen. In der Masse der aktiven Chemiefanclubs gab es nur "Die Sorglosen" und die "Sächsische Volksfront", die gewaltbereit auftraten, das Geschehen im großen Fanlager jedoch nie wie beim Ortsnachbarn dominieren konnten.

Parallel zu den gewaltbereiten Fanclubs beim FCL verfügte die Szene in Probstheida noch über andere gewaltbereite Kleingruppen, meist ehemalige Stadtteilcliquen oder Kneipenbünde. Schon Anfang der Achtziger hatte sich der Fanblock bei Lok durch ständige Angriffsversuche hunderter Jugendlicher direkt neben den Gästeblock verlagert. Dieser zweite Block zog fortan hauptsächlich gewaltbereite Klientel an. Schließlich war man so stark geworden, 1983 das Markenzeichen der Ostberliner Hools (ein BFC Spruchband) aus dem von Polizei stark beschützten Gästeblock zu erobern. Mitte der Achtziger begab sich der FCL mit dem BFC, Union, Halle und Erfurt immer deutlicher in den Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft in der DDR-Hoolszene. Bei Heimspielen und Auswärtsfahrten mauserte man sich zur ernstzunehmenden Fangemeinde. Diese Stärke bewußt ausnutzend, lauerte man ab 1983 nach Heimspielen gezielt Gästefans im angrenzenden Volksparkgelände auf und als später Polizei eingriff, auf dem An- und Abfahrtsweg zwischen Hauptbahnhof und Stadion. Die Prager Straße wurde zum Hooligansportplatz, auf der aus Seitenstraßen heraus Überfälle stattfanden oder Straßenbahnen aufgelauert wurde. Die Brutalisierung der Fußballgewalt, vor allem in Berlin, wo auf dem Alex ständig Fußballfans zusammengeschlagen und niedergestochen wurden, machte es notwendig, daß sich Fußballfans immer besser organisieren mußten. Wer den Angriffen etwas entgegensetzen wollte, mußte Aktionen gezielt und paramilitärisch organisieren. Diese Neustrukturierung der Lokhools brachte ihnen in der Saison 83/84 die Vorherrschaft in der Stadt, als sie zu den Ortsderbys in Unterzahl erstmals die Chemiemassen vor dem Stadion des Friedens angriffen und auseinander jagten.

Nach dem Abstieg von Chemie 1985 begleitete ein geringer Teil der gewaltbereiten Chemiefans nun den 1. FC Lok, der in der Oberliga weiterhin Topspiele bestritt und wechselte mit der Zeit die Fronten. Beim FCL hatte sich ein Hooligankern aus Schlägern der "alten Schule" und jungen Modehools gebildet. Neben den Massenspektakeln Rostock-Berlin und Dresden-Berlin wurden die Spiele Leipziger und Berliner Teams unter Hooligans zu einer Frage der Ehre. Berliner mobilisierten alles, wenn es nach Leipzig ging, denn es war klar, dass es bei Lok in Leipzig richtig abging. Die Leipziger planten ihre Aktionen vom Eintreffen des Berliner Zuges auf den Hauptbahnhof an, wo die Schlacht trotz Polizei mit Biergläsern und Fäusten losging, sobald sich die Waggontüren öffneten. Ab dem Skandalspiel 1986 mussten die Berliner in Sonderbussen und extremsten Polizeischutz zum Stadion und zurück befördert werden. Den Bussen wurde überall aufgelauert, und sie lagen unter ständigem Pflastersteinbeschuss. Die Lokfans waren 1987/88 so stark geworden, dass es nicht mehr nur darum ging, die arroganten und zynischen Berliner Fans durch die eigene Stärke zu demütigen, der Ehrgeiz ging dahin, die Polizeikräfte an den Rand ihrer Möglichkeiten zu bringen. Am Ende der 80er waren sie dann wirklich nicht mehr in der Lage, Gästefans zu schützen und die Kontrolle auf der Prager Straße zu behalten, und das trotz Schutzschilden und Überwachungstechnik.

Hool des FCL zu sein gehörte immer mehr zum guten Ton in Leipziger Schlägerkreisen (Einlassdienste in Discos, Bodybuilder- oder Kampfsportcliquen, Faschoskins und Modemachos). Nicht zuletzt durch den anhaltenden Zuschauerzulauf des auf ständigem Erfolgskurs wandelnden Vorzeigeklubs verfügte der FCL am Ende der DDR über eine selbstbewußte, hochnäsige aber auch relativ moderne Anhängerschaft. Neben dem Kern der "alten" Leute hatte sich ein breites, relativ homogenes Teenagerumfeld herausgebildet, das ausschließlich auf Action und Krawallmachen aus war. Und dafür gab es bei jedem Spiel in Probstheida eine Garantie. 1989/90 zählten die Lokhools neben den Berlinern zu den gefährlichsten und gewalttätigsten in der DDR. Fast die gesamte Jung-Neonaziszene Leipzigs traf sich 1990 bei Lokspielen im ansonsten fast leeren Stadion. Polizei und Sicherheitsdienste stellten keine Autorität mehr dar, galten nur noch als willkommene Sparringspartner. Schließlich kam es in Leipzig regelmäßig zum Schusswaffengebrauch durch Polizisten mit Toten und Verletzten.

Die Kluft zwischen Chemiefans und Lokfans hatte sich durch die Entwicklungen noch mehr verstärkt. Während nach den Jahren der Benachteiligung die alte Fanmasse nun auf ein Erblühen ihres Vereins hoffte, der neue FC Sachsen fast ausschließlich von laienhaften Fans getragen wurde, die vor Jahren noch außerhalb der offiziellen Strukturen in ihren Fanclubs aktiv waren, sammelte sich beim 1. FC Lokomotive das durch die Wendewirren explosionsartig anwachsende Gewaltpotential der Stadt. Geführt von den Alten versuchten Lokhools den Chemiefans Schaden zuzufügen, wo es sich ergab. Chemieanhänger verachteten den FCL als Bonzen- und SED-Verein. Nationalisten und Neonazis, die 1990/91 durch gemeinsame Aktionen gegen Ausländer in der Innenstadt Leipzigs Chemiefans und Lokhools in einer Sachsenfront vereinigen wollten, hatten wenig Erfolg. Zu tief saßen die Wunden der DDR-Vergangenheit und der Hass gegeneinander. Da man in unterschiedlichen Klassen spielte, ging man sich aus dem Weg, bis man notgedrungen bei Derbys aufeinander traf und nur extremste Sicherheitsmaßnahmen das Schlimmste verhinderten. Da Lok, später der VfB, alles Neonazi/Hool/Schläger-Potential der Stadt anzog, blieb Chemie, später der FC Sachsen, vom Neonazi-Hooliganproblem vorerst verschont. Rechte, rassistische und antisemitische Einstellungen und Äußerungen von Zuschauern dominierten jedoch genauso wie in Probstheida das Fußballgeschehen. Nach stetigen Misserfolgen und durch die gesellschaftlichen Umbrüche der Wende dünnte das Fanpotential bei Chemie immer mehr aus. Einen Aufschwung und ein völliger Neuanfang der Fankultur erlebte der Verein erst wieder mit den Erfolgen Mitte und Ende der 90er, dann auch mit einer eigenen Skinheadsszene und Hooligans.
" 50 Meter im Quadrat
Rundherum nur Stacheldraht
Weiß Du wo ich wohne?
Ich wohne in der Zone!
Doch einmal wird es anders sein,
Dann sperren wir die Bullen ein
und Chemie Leipzig wird dann
Deutscher Meister sein..."



:laugh: :laugh: :laugh: :laugh: :laugh:

Träum weiter :D
In Westgermanien wurden die Besatzer gehätschelt!
In WB wurde ihm der Hintern gewischt und poliert!

In Mitteldeutschland hatte man eine ganz eigene Art, sich um den Besatzer zu kümmern!

So mussten auch beim Spiel von Spartak Moskau im Leipziger Bruno-Plache-Stadion einige Rotarmisten (in Uniform und Zivil) ihren Platz verlassen, als diese im Fanblock der Leipziger Stimmung machen wollten. Eine handfeste Schlägerei mit dem Klassenbruder war die Folge, Armeemützen flogen durch den Block und mehrere Sowjetfahnen fielen den Flammen zum Opfer. Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Stadions stimmte noch ein „Wer nicht hüpft, ist ein Russe!" an und brachte somit seine Gesinnung zu gesellschaftlichen Verhältnissen und der Anwesenheit mehrerer tausend Besatzungssoldaten zum Ausdruck.
Am 28. 2. 1982 kam es nach dem Fußballspiel Motor Hennigsdorf gegen FC-Union Berlin zu antisowjetischen Ausschreitungen, als auf dem Bahnhofsgelände ein sowjetischer Militärtransport einen Aufenthalt hatte. Nach Buh-Rufen kam es zu Beschimpfungen und Gesängen wie ,,Ras, dwa, tri, - Russkis werden wir nie" . Es hagelte Steinwürfe auf sowjetische Soldaten und ein Militärfahrzeug wurde zerstört. Solche Aktionen brachten Symphatie bei vielen Jugendlichen, aber auch älteren Menschen ..."
Donnerlittchen :D

Motor Hennigsdorf gegen Union :rolleyes:

Im Osten hat ja auch Not gegen Elend gespielt :laugh:

Übrigens sind das zwei (Ost)Harz-Orte :laugh:
Nochmal zur Info!

Hier geht es nicht um sogenannten Zonenfußball!

Warum auch! Der wäre auch nicht der Rede wert!

Hier geht es um DDR-Subkultur! Und die ist einzigartig!







Gutsnächtle Zocki! Muss früh raus und darf nicht suffig-übermüdet durch Vera-Börlins-Str. brausen!
Schlaf gut, MM ;)

Und sei froh, dass de die DDR-Subkultur-Kacke hinter Dir hast :D

Dafür gibt`s ja jetzt jeden Monat pünktlich den Soli :laugh:
Jau, und Bananen! ;)

Mitte, ich hoffe, das war keine Anspielung (Vera - Börlins - Straße)! :mad:
"... Ein Schuss - ein Tor - DYNAMO !..."
von Horst Wyschek

Am 16. Januar 1966 wurde aus dem SC Dynamo der BFC Dynamo. Erich Mielke überreichte im Sportforum vor 1.600 Gästen dem ersten Vorsitzenden, Manfred Kirste, feierlich die Clubfahne und erklärte damit den Berliner Fußballclub Dynamo für gegründet. Am 28.05.1990 erfolgt die Umbenennung in FC Berlin, und am Anfang des Jahres 1999 vertraute man auf alte Tugenden, um am 08.05.1999 die Rückbenennung in BFC Dynamo der Öffentlichkeit mitzuteilen.
Wenn man in Berlin-Mitte wohnte war man eher Fan des BFC (es war alles in allem stadtbezirksabhängig für welchen Verein das Herz schlug), da das Stadion (Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark) nur einen Katzensprung entfernt in der Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg seine Heimstätte hatte.
Ab Mitte der 80iger wurde der BFC Dynamo immer mehr zum Verein von Skinheads/Hooligans, da diese sich vom Verein der Langhaarigen (Union) nicht angezogen fühlten, bzw. sich radikal unterscheiden wollten (obwohl es auch bei Union eine SkinheadSzene gab, die wiederum zum Teil auch Kontakte zu BFC-Skins/Fans hatten.) Auswärts kam der BFC auf höchstens 200-300 Fans/Hools, die überall gehasst wurden. Aber dieses Gefühl, gehasst zu werden, machte den Reiz aus! Nicht umsonst gab es den Spruch: "Wir sind wenig, aber geil!" Und dazu noch ein vermeintlicher Stasi-Klub! Unter diesem Vorzeichen kann man immer auf eine geile Prügelei hoffen! Bei so wenig Fans, gerade auswärts, wo man einfach zusammen halten musste, um nicht völlig unter die Räder zu geraten, entwickelte sich ein einmaliges Zusammengehörigkeitsgefühl! Da jeder jeden kannte, konnte man sehr oft mit 100 Leuten einen Mob von mehreren hundert gegnerischen Fans in die Flucht schlagen. Die BFC-Fans waren einer der schlagkräftigsten Mob neben Union!
(Mitte der 80er Jahre bildete sich die erste Hooligan-Szene der DDR heraus. Der harte Kern bestand aus 50 bis maximal 200 Leuten, die sich in anderen Städten handfeste Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans und der VP lieferten. Im Regelfall waren sie stets zahlenmäßig unterlegen, gewannen aber, weil sie durchtrainierter, entschlossener und taktisch gewiefter waren.)

Die Stimmung bis Mitte der 80er Jahre im Stadion des BFC war alles in allem ziemlich harmlos, um nicht zu sagen beschaulich, da der BFC selbst zu seinen größten Zeiten nur über das zahlenmäßig gleiche Zuschauerpotenzial verfügte wie Union während all seiner Auf und Abstiegszeiten. Zumal viele Stasi-Leute und Erfolgsfans die sportlichen Ränge auffüllten. Die Massen pilgerten zum, oftmals im hinteren Mittelfeld platzierten, 1. FC Union. Die Köpenicker galten als Mannschaft des Volkes. Dagegen wurde die BFC-Szene recht schnell mit Sprüchen abgetan, wie z.B.:"Beim Bullen-Verein ist doch nichts los! Da gehen nur Kinder hin!" Es war tatsächlich so, dass die Derbys für den BFC den Charakter normaler Auswärtsspiele besaßen.

Jedenfalls gab es bis Ende der 70er Jahre für die wenigen BFCer nur Prügel, zumal sie, besonders im Vorfeld der Derbys im Stadion der Weltjugend, zum größten Teil unkoordiniert anrückten. Doch dafür revanchierte man sich ab 1980/81 nach dem jeweiligen Spiel. Während der Meisterjahre gab es oft Resultate die sich zwischen einem 2:0 und 8:1 bewegten, sodass sich oft folgender, skurriler Ablauf vollzog: Während ein Großteil der Unioner keinen Bock auf das bittere Ende verspürte und abwanderte, verblieb der immer noch zahlenmäßig gleich starke Rest bis zum Abpfiff im Stadion, um schließlich von der VP den Weg Richtung S-Bahnhof Friedrichstraße geebnet zu bekommen. Nachdem die BFCer noch ein Weilchen festgehalten wurden, rannten sie, immerhin einige hundert, die mehr als zwei Kilometer vom Stadion über die Chausee und Friedrichstraße zum S-Bahnhof, um vor den zwei nadelöhrähnlichen Bahnhofseingängen die UnionFans noch zu erwischen.
Dass Union mit schöner Regelmäßigkeit einging, lag daran, dass sie weder die Leitwölfe hatten, noch wollten sie wahrhaben, dass ihnen ausgerechnet in Berlin eine Minderheit den Rang ablief, während sie sonst sogar der Polizei Paroli boten und andere Fans gänzlich in die Schranken wiesen! Zur damaligen Zeit war normalerweise die Größe des Mobs entscheidend, sodass die Fans von Union und Chemie Leipzig die erste Geige spielten, während sich die BFCer allenfalls im breiten Mittelfeld tummelten.
Sehr beliebt war das sogenannte "Rupfen" gegnerischer Fans, woran sich mindestens zwei Drittel der jugendlichen Stadionbesucher beteiligt haben! Der Kurs war relativ fair. Für einen Schal gab es eine vors Maul. Doch rannten zwischen 1978 und 1984 noch viele BFCer mit, um dementsprechend mitzumachen, so war das Aufkommen der Hooligans auch nicht gerade das, weshalb die meisten gekommen waren. Bisher disziplinierte sich der Mob oftmals untereinander, wenn einige wenige nicht von einem Unglücklichen ablassen wollten. Was über das Rupfen und ein, zwei Schlägen hinaus ging, war den meisten Fans doch eher suspekt. Zwar musste immer ein bisschen Action sein, um für den Nachwuchs interessant zu bleiben, damit nicht alle zu Union rannten und einem wenig später an den Hals wollten, doch eigentlich ging es den meisten BFCern nur darum, das letzte Wort zu haben! Sie waren großkotzige Berliner. Andererseits war ausgerechnet der Vorzeigeverein immer ein Sammelbecken für subversive Gestalten! Vielleicht spielte ein Hauch Palastrevolte mit hinein? Es lag wohl daran, dass in Prenzlauer Berg und den angrenzenden Bezirken seit jeher mehr urbane Charaktere wohnten als anderswo und diese mangels eigener subkultureller Infrastruktur ganz gerne mit den Fußballrowdies den realexistierenden sozialistischen Alltag lockerer gestalteten! Immerhin galten die BFCer als einer der lustigeren Mobs in der hiesigen Fan-Landschaft.
Diese allseits gelobte kreative Subkultur beruhte jedoch auf dem Engagement einiger weniger !

Die panische Furcht vor Gegendemonstrationen der sich formierenden politischen Opposition vor fremden Augen, Ohren und Kameras sorgte immer öfter für ein handverlesenes Publikum. Vor allem für die EC-Gastspiele des Hamburger SV und von Werder Bremen kam keine Karte an die öffentlichen Kassen. Die Tickets gingen in die Dienststellen des MfS, des Innenministeriums, der SED und der Gewerkschaft. Die Fußballfans blieben ausgeschlossen und dann auch in der Oberliga weg. 1988 waren es nur noch 7.000, die mit dem BFC den zehnten Titel feiern wollten.

Herbst `89 und die Vopo
Über Nacht verloren sie jegliche Autorität. Desillusioniert und schlecht ausgerüstet sahen sie sich einem Mob gegenüber, der darauf brannte, für alles zurückzuzahlen. Denn nur allzu oft übertrugen die Provinzler ihren Unmut, den sie auf den Staat hatten, auf den BFC und seine Fans!
Wie Aussätzige wurden sie Spieltag für Spieltag mit "Schieboar-Meistoar BähäfZäh"-Chören bedacht. Es lag auf der Hand, dass viele, die mal zum BFC gingen, nun wieder vorbeischauten, um für unschöne Szenen zu sorgen. November `89 in Jena: 500 Berliner plünderten Geschäfte, überfielen Tankstellen und schlugen die VP in die Flucht! Im Stadion kam der Mob nie zur Ruhe. Es folgte der Spielabbruch. Zu Mauerzeiten standen selbst nach wüsten Randalen mit mehreren hundert Beteiligten am Montag nur umnebelte Infos wie "Ein Teil des Publikums war etwas unsportlich!" in der Zeitung, doch nun krachte es! Für den Mob war diese von den Boulevard-Blättern zur Schau getragene Entrüstung die beste Publicity. Zum ersten Mal war es angesagt, sich als BFCer zu bezeichnen! Nun verfügte die Szene über eine Substanz, welche nahezu jede Woche für Schlagzeilen sorgte. In Berlin ging es, nicht nur an Spieltagen, gegen besetzte Häuser und auswärts gegen die VP. Wie es um das Kräfteverhältnis bestellt war, verdeutlicht die Tatsache, dass das im Osten erste besetzte Haus, am Senefelder Platz, mit der zwei Nummern weiter stationierten Polizei eine Sicherheitskoalition einging, weil es den Mob nach jedem Heimspiel dorthin zog.

Bei Union war es die Masse, bei BFC die geniale Organisation einzelner Leute. Gerade als Skinhead/Hooligan zu einem StasiVerein zu halten, ist faszinierend bzw. etwas Widersprüchlicheres konnte es nicht geben ein geiles Gefühl!

Auch was die Kleidung betraf, die sehr westlich war, unterschied man sich gewaltig von den anderen OberligaKlubs. Union konnte da auch schon ein wenig mithalten. Die sogenannten Kutten-Fans waren beherrschendes Erscheinungsbild in den DDR-Fußballstadien. Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre entwickelte sich dann zunehmend der Mythos BFC, wo es dann Mode war, zum BFC zu gehen, und man so ohne Probleme einen gewaltbereiten Mob bis zu 2000 Leuten zusammentrommelte (Hools, Skins und andere...). Der BFC Dynamo ist deutschlandweit wohl der einzige Verein, der fast nur aus jugendlichen und der Gewalt nicht abgeneigten Fans besteht!
Auch dieses macht ihn so anziehend.

Mythos BFC ?
Der legendäre Ruf entstand erst nach der Wende. Der BFC Dynamo rannte gegen eine Wand des Zornes und der Ablehnung, was das Auseinanderfallen des BFC nach der Wende 1989 und damit auch den Absturz in die Drittklassigkeit beschleunigte. Um den Stallgeruch des allseits umsorgten Ziehvaters, Erich Mielke loszuwerden, erfolgte am 28.05.1990 die Umbennung in FC Berlin. Den ehemaligen BFCVerantwortlichen ist mit dieser hektischen Namensänderung jedoch nicht gelungen, die verlorene Gunst beim Berliner zurückzugewinnen. Und von Imagegewinn konnte schon gar keine Rede sein, eher das Gegenteil ist eingetreten. Die Fans sind weggeblieben oder gar nicht mehr gekommen. Von den Übriggebliebenen, Nachgerückten (meistens junge Fans) wurde der Name hartnäckig ignoriert bzw. nicht anerkannt. Nach wie vor wurde die Mannschaft mit "BFC" und "Dynamo"Rufen angefeuert.

Trauriger Höhepunkt !
Bei stundenlangen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hooligans und der Leipziger Polizei am Rande des Fußballspiels zwischen dem FC Berlin und Sachsen Leipzig am 03. November 1990 in Leipzig wurde der 18jährige Mike Polley (aus dem Umfeld der Berliner HoolSzene) von fünf Schüssen getroffen und getötet. Fünf andere wurden durch Schüsse aus Polizeipistolen schwer verletzt. Traurige Besonderheit: Die Leipziger Polizei, machte von der Schusswaffe Gebrauch, ohne jemals ernsthaft in arge Bedrängnis geraten zu sein. Am 10. November 1990 fand ein Trauermarsch von ca. 1000 BFCer für Mike Polley statt!

Trotz keinerlei Organisationsstruktur ist es eine relativ homogene Szene mit ausgeprägtem Zusammengehörigkeitsgefühl. Neben Stadionbesuchen und Auswärtsfahrten finden mehrmals im Jahr in verschiedenen Lokalitäten große BFCPartys statt. Des weiteren verteilen sich über den Nordosten Berlins einschlägige Kneipen, in denen man Gleichgesinnte treffen kann...
Cottbus ist "A..A", Cottbus is Dreck, eine kleine Bombe und Cottbus is weg! :eek:

MfG
tusfan :D
Sorry, das kam so spontan hoch... :rolleyes:

Gruß
tusfan, der allzeit b(e)reit ist! :D
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mit besten Empfehlungen.........

MM
Du scheinst dich ja bestens auszukennen! :laugh:

Ich fahre lieber mal nach Mitte, die Anwesenheit von V. wirkt auf mich auch sehr beruhigend! :kiss:
Die BFC-Fanszene in den 70`ern und den frühen 80`ern aus der Sicht eines BFC`ers.


"... Mitte/Ende der 70er hatte auch ich Freunde und Bekannte die zu Union standen....so ist das nun mal in einer Stadt .Wir waren so um die 12-15 Jahre und Fußballgeil , bolzen auf dem Hof und stundenlanges Spielauswerten ,wir hatten Spass . Das Spiel stand im Vordergrund und beide ! Vereine erfreuten sich zu dieser Zeit einer guten Zuschauerresonanz mehr wie Cottbus o. Rostock in ihrer BL Zeit !Der BFC spielte oben mit aber an Meisterschaften in Serie war überhaupt nicht zu denken und bei Union gings gegen den Abstieg was bekanntlich auch die Massen zieht oder sie stiegen gerade auf und freuten sich wie der Deibel.Spiele gegeneinander fanden damals auf " neutralen" Platz statt , hier dann 77/78 auch meine erste Begegnung mit dem Unioner als Feind .Zu tausenden standen sie in den Seitenstraßen und vor dem Stadion der Weltjugend und ruppten alles was sie kriegen konnten , eine Schelle gab es als Zugabe ! Da wir bekanntlich zu dieser Zeit fast nur aus unserem "Kinderblock" bestanden waren wir dem tobenden Mob der uns in allen Belangen wie Alter ,Zahl und Aggressivität überlegen war , vollkommen ausgeliefert . Man versteckte den Schal und tat gelangweilt und versuchte so unbekümmert wie nur möglich auszusehen um ins Stadion zu gelangen , erst hier fand eine Trennung der Fans statt .Im Stadion ein Verhältniss von 1:10 für die Unioner bei den Fans. Etliche BFCer kamen nur mit blauem Auge und ohne Fanzeug bis zum Block , der frust steckte tief und viele sprachen von Rache wenn sie mal Groß sind. Auch so war das BFCer sein außerhalb von Spieltagen nicht ungefährlich , man musste aufpassen in welcher Gegend und welcher Kneipe man sich befand. Es wurde immer Jagt auf Kinder und Jugendliche gemacht denn wir hatten damals keine/kaum echte Alte an denen man sich halten hätte können . Ende der 70er gab es die ersten Truppen (16-20 Jahre , keine Namen) die sich organisierten und stehen blieben , es gab viel Haue aber man wehrte sich , so dann auch der erste Sieg 79 !! Bis 82 hatte sich die Szene dann recht gut organisiert und war zumindest erstmal ein Gegenpol zu den anderen Vereinen , klein nur aber fein !Der BFC spielte jetzt um die 3. Meisterschaft und der Hass wurde immer größer , das ganze hatte sich auch auf die politische Bühne begeben...BFC=DDR=Partei=Stasi=Schiebung auf diese Kürzel wurde man reduziert und bekam den ganzen Frust der "Ossis" zu spüren . Der Kinderblock war nun ein Ausgewachsener Haufen bunt zusammen gewürfelt , viele hatte sich in unterschiedlichen Richtungen entwickelt , es gab Punks , Skins , Rocker , Linke , Rechte und auch echte Kutten aber alle blieben dem BFC teu .Die eigene Tribüne wurde gehasst und verarscht....das Dynamo Zeichen wurde von vielen aus dem Logo entfernt und man legte sich gewaltig mit den Bullen im eigenen Stadion an , was auswärst gang und gebe war .Der zahlenmäßigen Unterlegenheit in Berlin und bei Auswärtsspielen stellte man Geschlossenheit egal wie man politisch eingestellt war , wir hätten sonst immer auf die Fresse bekommen , so hielt es sich in Grenzen und wir wurden immer besser , siegten öfter und nur wenige trauten sich noch an uns ran(Union, Leipzig, MD ) Wir waren eigentlich immer unterlegen in der Zahl und hatten dann auch noch die Bullen der jeweiligen Stadt gegen uns , sie beteiligten sich gern am BFC jagen und wir hatten immer zwei Fronten.Das verhindern von Ausschreitungen war in der DDR fast unmöglich da sich immer gewaltige Massen beteiligten , nicht so wie später o. heute wo es sich um ein paar hundert o. dutzend handelt. Hier stand sich Leipzig mit Berlin(und dann noch der BFC=DDRusw.) gegenüber oder Berlin und Magdeburg , Preussen gegen Sachsen usw....
In Berlin hatte man am Führungsanspruch von Union gerüttelt und ihn so ca 83/84 inne , bis dahin war jedes Spiel mit Beteiligung auch nur einer der beiden Mannschaften mit Schlägereien verbunden , Unioner warteten auf BFCer und umgekehrt . Der ganze Hass im Osten entlud sich beim Fußball , viele nutzten die BFC Spiele um sich ihren Frust zu entledigen...dem Staat war dies aus heutiger sicht wohl ganz recht , sie glaubten dem Normalo ein Ventil zu geben und dieser nahm es an ,so blieben die Straßen frei von Demo´s und es war in der Woche Ruhe.Es wurde Mode und jeder Hansel in Berlin der mal nen bissel aufmüpfig sein wollte rannte zu Union doch dort fand sich immer mehr der allgemeine Pöbel ein, Assis , Penner und allerlei Gesocks waren nun die Massen ,wer anders sein wollte und dies auf besondere Weise der versuchte sich beim BFC .(nur so nebenbei , bei der Fahne wurde ich von nem Magdeburg u. einem Union Fan bespitzelt und angeschissen....möchte ich jetzt aber nicht auf alle MDer und Unioner beziehen ) Der BFC zog immer mehr Leute an die das Besondere suchten und nicht wie jeder 0815 Bürger rebellierten . Rebellion bei Union war schon normal aber beim BFC o. als BFCér das war die Härte . Es passte doch nichts zusammen und das machte den Kick aus , ein Haufen von durchgeknallten aus allen Richtungen der fest zusammen stand und auf alles und jeden pfiff, nur die Mannschaft des BFC und das Gefühl nicht wie alle zu sein und genau das Gegenteil von dem zu machen was man erwarten würde, prägte diese Leute und diese Zeit . Zu Union rannte doch jeder o. besser zu viele und dann noch der ,Verzeihung liebe Unioner, der Abschaum der Stadt und des Umfeldes. Klar gab es gute Unioner und eine gewisse Szene aber das Restliche , die große Masse nee nix für uns/mich.
1975 zum Fußball und dem BFC gekommen und geblieben , treu seit fast 28 Jahren ..."
Augenzeugenbericht zu den Vorfällen am 03.11.1990 in Leipzig

Wir trafen uns um ca. 9.00 Uhr, um mit etwa 100 anderen Fans in PKWs nach Leipzig zu fahren. Als Treffpunkt wurde die Raststätte Michendorf ausgemacht. Dort wurde vereinbart, die Autos in Dehlitzsch stehen zu lassen, um mit dem Nahverkehrszug weiterzufahren. Das klappte dann aber nicht, weil aufgrund von Gleisbauarbeiten der Zug sich verspätete und wir wahrscheinlich zu spät zum Spiel gekommen wären. Wir haben dann eine Nachricht für Nachzügler hinterlassen, daß wir direkt nach Leipzig fahren würden. In Leipzig haben wir die Autos am Stadtrand abgestellt und sind mit Straßen- und S-Bahn zum Stadion gefahren. Inzwischen waren wir etwa 200 Personen.

Auf dem Weg zum Stadion erfuhren wir, daß man ca. 100 Leute, die mit dem Zug aus Berlin angereist waren, verhaftet hätte. Die Fans hatten gute Laune und freuten sich auf die "Sachsen"-Fans. Abgesprochen war, friedlich zu bleiben und keine Randale zu provozieren. Auf dem Weg zum Stadion wurden von Umstehenden Eintrittskarten verkauft. Vor dem Stadion waren ca. 50 Polizisten aufgezogen - mit Helmen, Schildern und Hunden. 3-4 Leuchtkugeln wurden in die Luft gefeuert. Und es gab die üblichen Sprechchöre und Gesänge. Die Stimmung war gut. Die übergroße Mehrheit verhielt sich friedlich. Nur einige wenige liebäugelten mit einem Konflikt mit der Polizei. Eine verbale Auseinandersetzung unter den Fans schloß sich an. Tenor: Was solle man weiter tun?

Plötzlich und völlig überraschend warfen Polizisten 6 Gasgranaten in Richtung Fans. 2 Leuchtraketen waren die Antwort. Eine davon traf ein Polizeiauto. Den davonrennenden Fans schoß die Polizei weitere Gasgranaten hinterher. Aus einem vorbeifahrenden Polizeifahrzeug flogen - ohne daß es von Fans attackiert worden wäre - 2 weitere Gasgranaten. Fortan wurde die Stimmung aggressiver und ein wachsender Teil der Scene wollte gegen die Polizei vorgehen. Währenddessen kamen einzelne Fans aus dem Stadion und berichteten, daß die Berliner im Stadion von der Polizei attackiert und von Sachsen- wie Lok-Fans eingekreist worden wären.

Nach kurzer Diskussion gab es den Versuch, friedlich, mit erhobenen Händen und dem Sprechgesang "Keine Gewalt" ins Stadion zu gelangen. Der Zugang blieb jedoch verwehrt. Auf die an Polizisten gerichtete Frage, weshalb man sie nicht ins Stadion lassen würde, erscholl über Megaphon die Antwort: "Berliner haben heute keinen Zutritt". Daraufhin machte sich lauter Protest bemerkbar. Und die Fans wiesen darauf bin, daß sie Eintrittskarten besäßen und aus Berlin angereist wären, um Fußball zu sehen. Die Polizei ging darauf mit Knüppeln und Hunden gegen die Fans vor. Mehr als 10 Gasgranaten flogen den flüchtenden Fans in Kopfhöhe hinterher. Einige der Anhänger schossen mit Leuchtkugeln zurück.

Auf der Hauptstraße griffen Fans zu Holzlatten und Steinen. Die Polizei blieb derweil am Stadion zurück. Plötzlich tauchte jedoch ein vollbesetzter Mannschaftswagen auf, der den Fans direkt entgegenfuhr. Er wurde angegriffen, mit Steinen beworfen und mit Leuchtspurmunition beschossen. Der Fahrer legte fluchtartig den Rückwärtsgang ein und fuhr ca. 250 Meter zurück. Die Fans hinterher. Einige warfen dabei die Scheiben umstehender PKWs ein. In einer Kurve blieb der Transporter stecken. Die Polizisten sprangen ab und rannten davon. Der größte Teil der etwa 200 Mann starken Gruppe wandte sich dem Bahnhof Leutzsch zu. Der andere Teil wollte den Wagen starten und zum Stadion fahren.

Das gelang aber nicht. Ebenso scheiterte der Versuch, ihn umzuwerfen. Dann kam die Idee, ihn anzuzünden. Auch das klappte zunächst nicht. Ein Trabbi wurde schließlich zu Hilfe genommen. Währenddessen kam noch ein russischer Militärlaster die Straße entlang. Es saßen zwei Personen und ein Kind im Führerhaus. Einige Fans stoppten ihn, zwei sprangen auf die Trittbretter, um eine Attacke auf den Wagen zu verhindern. Weiterfahren war unmöglich. Der Fahrer mußte wenden. Unbehelligt fuhr das Fahrzeug nach kurzem Stopp wieder davon. Die Fans setzten ihren Weg Richtung S-Bahnhof fort, um von dort in die Innenstadt zu fahren. Zur gleichen Zeit kamen ein Lada-Funkwagen mit zwei Insassen, ein Kleinbus mit vier Personen und ein vollbesetzter Mannschaftsbus die Straße entlang.

Einige Polizisten stiegen aus und beschossen die Fans mit Gasgranaten. Steine flogen zurück. Der Funkwagen, in dem noch jemand saß, wurde mit Holzlatten angegriffen. Seitwarts näherten sich weitere Fans. Man hatte sie kurz vorher aus dem Stadion getrieben und nun wollten sie zur Gruppe dazustoßen. Aus ihren Reihen wurde mit Leuchtspurmunition auf die Polizisten geschossen. Plötzlich hielt ein Polizist eine Pistole in der Hand. Ein Fan rief ihm entgegen: "Schieß doch, Bulle". Wenig später wurde geschossen. Dem ersten Schuß konnte der Fan ausweichen, der zweite traf ihn aus etwa 5 Metern Entfernung in den Bauch. Viele der zumeist noch weiter zurück stehenden Fans bekamen das gar nicht so richtig mit.

Ca. 15 Minuten lang wurde der Verletzte aufgrund fehlender medizinischer Versorgung ziellos herumgetragen. Als dann kurz darauf ein weiterer Polizist gut sichtbar eine Pistole in die Luft streckte, wichen die Fans auf die Gleisanlagen des S-Bahnhofs aus. Sie suchten dort einerseits Schutz, andererseits Schottersteine, die sie als Wurfgeschosse verwandten. Nunmehr zog die Polizei sich im Schutz des zurückrollenden Transporters zurück, feuerte aber weiterhin Gaskartuschen ab. Einzelne Gasgranaten wurden von den Fans zurückgeworfen. Der Abstand zwischen Fans und Polizei wurde immer größer; zudies trennte ein ca. eineinhalb Meter hoher Zaun die Straße vom Gleisgelände.

Das Fahrzeug der Polizei setzte bis zu einem weiteren inzwischen eingetroffenen Transporter zurück. Polizisten sprangen heraus und es sammelten sich. Plötzlich wurde von ihnen gezielt auf die Fans, die sich alle auf dem Bahnkörper befanden, geschossen. Der Abstand zwischen den zuvorderst stehenden Fans betrug im Moment der Schußabgabe ca. 40 bis 50 Meter. Die Schüsse erfolgten in schneller Abfolge. Man sah Bodeneinschläge, hörte Kugeln um die Ohren pfeifen und Querschläger von den Masten der Oberleitung. Leute schrien, Getroffene knickten zusammen. Trotzdem glaubten die meisten immer noch an Gummigeschosse. und es flogen auch (deshalb) weiter Steine in Richtung der Polizisten.

Mike P. hatte zum Zeitpunkt, als ihn die Schüsse trafen, einen Abstand von etwa 100 Metern zu den Schützen. Erst nachdem aufgehört wurde zu schießen, kam den Fans richtig zu Bewußtsein, daß scharf geschossen worden war. Es lagen mehrere Verletzte am Boden. Eine unbeteiligte Frau auf dem Bahnsteig hatte aus etwa 150 bis 200 Metern Entfernung einen Beindurchschuß erlitten. Mehrere Personen gingen unbewaffnet und mit erhobenen Händen auf die Polizisten zu und riefen: "Wir haben einen Toten und mehrere Verletzte, wir brauchen einen Notarzt und einen Krankenwagen". Zur Antwort erhielten sie von einem Polizisten mit gezückter Waffe: "Noch einen Schritt und ich schieße!" (Zeugenaussage).

Es herrschte ein heilloses Durcheinander. Über den Lokführer eines haltenden Zuges und im Bahnhof selber wurde versucht, einen Notarzt herbeizurufen. Im Zug wurde nach einem Arzt gefragt. Eine Frau leistete Erste Hilfe. Der Fahrer eines Feuerwehrfahrzeuges konnte nur unter schweren Androungen dazu bewegt werden, einen Schwerverletzten ins Krankenhaus zu fahren. Die meisten Fans, auch Verletzte mit Bein- und Streifschüssen fuhren mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Nur wenige blieben bei den Verletzten zurück. Etliche hatten Angst vor Festnahmen und weiteren Schüssen. In der Leipziger Innenstadt kam es dann zu schweren Zerstörungen. Steine flogen in Schaufenster, Autos und Imbißwagen wurde umgekippt - Randale total. Auch Plünderungen fanden statt. Beteiligt daran waren Fans, aber ebenso normale Passanten. Polizei war während dieser Geschehnisse keine zu sehen.
ZEUGNISSE RAUS

von Andreas Gläser

Welche meiner Zeugnisse soll ich den Arbeitgebern denn nun zeigen, wenn ich mich irgendwo bewerbe? Die mit den PA-Zensuren, also die benotete Produktive Arbeit während der Polytechnischen Oberschule? Viele Arbeitgeber würden hinter dieser Therapiebeschäftigung Handarbeit wie Schraubensortieren vermuten. Und so war es im siebten und achten Schuljahr auch. Ich mußte in einer Werkhalle hinter dem Gefängnis mit einem unbrauchbaren Zauberstab feilen. Der Ausschuß kam zurück in die Materialkiste, für die Schüler am nächsten Tag. Und die gelungenen Messe-Erzeugnisse kamen in die Schrottkiste. Wir arbeiteten alle zwei Wochen einen halben Tag lang. Mit der Jugendweihe wurde die Kinderarbeit legalisiert. Unser PA-Leiter war ein verknöcherter Blau-Mann aus diesem Betrieb. Billiger Fusel schien sein alltäglicher Trost. Klarer Juwel, blauer Würger, Blindpesenbeschleuniger. Als Schüler war ich mir zumindest darüber im klaren, daß ich später nicht in einer Werkhalle arbeiten wollte. In der neunten oder zehnten Klasse bastelten wir in einem Betrieb Schalldämpferkulissen für die Klubgaststätten der Republik. Es hieß immer: Isoliermaterial in die Blechkästen, Deckel rüber, Schraubbohrer ansetzen und flott-flott. An der Produktionsfront war Pazifismus völlig verpönt. Inzwischen war ich von meinen Mitschülern isoliert. Ich stand mit einer ausgewachsenen Produktionskraft am Band. Was sollten wir uns den ganzen langen Arbeitstag über erzählen? Als 15-jähriger spielte ich ja noch mit drei Groschen Tischfußball. Ich fragte das Mütterchen nach ihrem Dienstgrad: »Und wie heißt Ihr Beruf?« Sie antwortete: »Ick bin nüscht, wir sind hier alle nüscht.« Ich fragte die Trümmertochter nach dem Feierabend. Zehn Schalldämpferkulissen waren das Soll. Aus Langeweile rechtfertigte ich das mir entgegengebrachte Vertrauen. Gegen Mittag hörte ich ganz deutlich die Werkssirene. Feierabend!

Arbeit während der Schulzeit war nur die halbe bittere Pille. Vor den Ferien kam mein Vater nicht nur auf die Idee, daß ich mir in den Ferien etwas dazuverdienen könnte, er bestand sogar darauf, daß ich arbeiten gehen sollte. In den dreiwöchigen Winterferien war eine Woche Arbeit erlaubt, in den achtwöchigen Sommerferien drei. Zum Auftakt war ich eine Woche im schweinekalten Februar als Fensterputzer beschäftigt. Täglich von 8 bis 16 Uhr im Sportforum Hohenschönhausen. Ich glaube, es war die Zeit, in der die Olympioniken der Republik im Sportforum eingekleidet wurden. Alle bekamen einen blau-grauen Einheitslook. Wie in den Betrieben. »Moskau 80« hieß die Devise. Ich war immer mit einer alten Fensterputzerseele zwischen Handballhalle und Wellblechpalast unterwegs. Total langweilig. Wenn es zu kalt war, ließ er mich auch mal alleine draußen arbeiten. »Hier haste den Schlüssel von der Baracke da drüben, aber nich verlieren, hörste!« Warum sollte ich den Schlüssel verlieren? Es war wie in einem tschechischen Kinderfilm. Der Direktor gab schulfrei. »Liebe Schüler, die Heizung ist ausgefallen, geht nach Hause! Wenn ihr das Gebäude verlaßt, so leckt bitte nicht das Treppengeländer mit der Zunge an! Sonst bleibt ihr kleben!« Alleine wären die Kinder wohl nicht darauf gekommen, aber nun leckten und klebten eben drei Kinder am Treppengeländer. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe den Schlüssel verloren. Der Alte regte sich auf: »Warum haste den Schlüssel verloren?«

»Weil ick keen Band um den Hals hatte, Mann, wat weeß ick!«

»Bengel, fängste jetze an zu heulen oder wat?«

»Mach ich doch jar nich!«

»Mensch, die Baracke wird sowieso bald abjerissen, und nu is der Schlüssel eben als erstet weg.«

»Und wofür sollt ick überhaupt die Fenster putzen?«

»Wegen der Planerfüllung! Komm, wir jehn ma wat trinken!«

Nach dem Mittagessen war ein Nickerchen angesagt, bis zum Feierabend gegen drei Uhr. Unser Aufenthaltsraum befand sich in einem Flachbau, in dem sich die Maurer ebenfalls einquartiert hatten. Viele Kollegen hatten sich auf den Bänken langgemacht oder die Köpfe auf die Tische gelegt. Ich war überhaupt nicht müde und wollte nur nach Hause. Also fragte ich den alten Fensterputzer im Vertrauen: »Wollen wir durcharbeiten, dann könn wir eher gehen?«

Er hatte nur mit einem Ohr zugehört. »Wieso durcharbeiten? Habt ihr dit jehört, der Bengel will einfach keene Pause machen?!«

Die schlummernden Maurer erhoben ihre Köpfe: »Spinnst du? Da warn wir früher aber anders drauf.«

Wenige Tage später wässerte ich mit dem Scheibenwischer die großen Fenster vom Restaurant ein. Ölspuren machten sich bemerkbar, sie sahen wie olympische Ringe aus. Die Kugelstoßerinnen mit den Fußballerstimmen mäkelten im Vorübergehen an mir herum. Der alte Fensterputzer mußte für mich nacharbeiten. Am Freitag gab es 120 Mark. Schon damals reichte mir eine Woche im Jahr.

Aus meiner ersten Erfahrung war ich klüger geworden. Vor den letzten Schulferien besorgte ich mir im Sportforum eine Arbeit in der Schwimmhalle. Dort war eine Frau für mich und zwei andere pubertierende Bengel zuständig. Wir hatten Ruhe vor ihr und sie vor uns. Am ersten Tag sagte sie nur: »Ja, rennt mal hier ’n bißchen mit’m Besen rum, dann macht ma Mittach, dann jeht ma baden, und dann haut ab!« Wir bekamen das Schwimmen bezahlt. Leider habe ich trotzdem meinen Einstieg in die sportliche Karriere verträumt. Mir blieb nur das Berufsleben. Erst die hohen Zensuren, und dann das niedrige Geld. Und welche Zeugnisse soll ich bei Bewerbungen vorlegen?


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