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Frau lebt 13 Jahre ohne Geld in Deutschland - so geht's - 500 Beiträge pro Seite


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Manche halten sie für eine Heilige, andere für eine Heuchlerin – Heidemarie Schwermer lebt seit 13 Jahren ohne Geld.

WELT ONLINE sagt die 67 Jahre alte Psychotherapeutin und Buchautorin aus Dortmund, wie sie es schafft, doch die Haare geschnitten zu bekommen. Und dem Tod ins Auge zu blicken.

WELT ONLINE: Frau Schwermer, wie oft sind Sie all die Jahre hungrig ins Bett gegangen?
Heidemarie Schwermer: Zwei, drei Mal höchstens, aber da sollte ich wahrscheinlich nur lernen, keine Angst vor dem Hunger zu haben. Sonst habe ich immer zu essen. Ich lebe in der totalen Fülle.

WELT ONLINE: Das müssen Sie erklären.
Schwermer: Ich bekomme alles, was ich brauche. Am Anfang vor allem durch den Tauschring, den ich gegründet hatte.

WELT ONLINE: Haare schneiden gegen babysitten, Auto reparieren gegen Fenster putzen…
Schwermer: Genau. Damit wollte ich eigentlich den Obdachlosen in Dortmund helfen. Aber es kamen Rentner und Arbeitslose. Ich merkte, man braucht gar nicht so viel Geld. So kam ich auf die Idee, ein Jahr ganz darauf zu verzichten. Dann merkte ich, das Leben wird viel spannender so. Schöner. Das können Sie sich vielleicht nicht vorstellen, weil Sie denken, ich bin immer abhängig.

WELT ONLINE: Wie machen Sie das, so ganz ohne Geld?
Schwermer: Erst habe ich vor allem beraten. Ich war ja mal Psychotherapeutin – statt Geld bekam ich Brot oder einen Pulli. Dann hütete ich Häuser. Aber so konnte ich ja nicht die Welt verändern. Deshalb schrieb ich mein zweites Buch. Jetzt bin ich dabei, die „Gib und Nimm“-Häuser mit Leben zu füllen.

WELT ONLINE: „Gib und nimm“?
Schwermer: Häuser von Menschen, die offen und bereit sind, Fremde aufzunehmen. So wie die Leute, bei denen ich gerade bin. Sie sagen, die kann bei uns wohnen, ein bisschen mithelfen und etwas anderes kennenlernen. So können Menschen reisen, ohne zu bezahlen.

WELT ONLINE: Was machen Sie den Tag über?
Schwermer: Zuletzt habe ich viele Walnüsse geknackt. Morgen laden meine Gastgeber Leute ein, da erzähle ich dann was. Meistens bleibe ich eine Woche.

WELT ONLINE: Haben Sie auch ein Zuhause?
Schwermer: Nein.

WELT ONLINE: Fehlt Ihnen das nicht?
Schwermer: Überhaupt nicht. Ich komm hierher, und dann find ich die so süß alle. Es ist so, als würde ich in meine Familie kommen.

WELT ONLINE: Haben Sie mit all den Fremden nie schlechte Erfahrungen gemacht?
Schwermer: Wenn ich mal meine Ruhe brauche, laufe ich halt in den Wald.

WELT ONLINE: Was haben Sie immer bei sich?
Schwermer: Ich hab einen Koffer mit Kleidung. Jetzt war ich ja öfter im Fernsehen, da hab ich mal einen Rock gekriegt. Drei Paar Schuhe habe ich auch noch. Aber das ist mir eigentlich schon zu viel.

WELT ONLINE: Keine Fotos, Erinnerungen?
Schwermer: Brauch ich nicht.

WELT ONLINE: Was ist, wenn Sie krank werden?
Schwermer: Ach! Beim Arzt war ich seit 20 Jahren nicht.

WELT ONLINE: Wie kommen Sie ohne Arzt aus?
Schwermer: Ich glaube an die Selbstheilungskräfte des Menschen.

WELT ONLINE: Klingt sehr naiv.
Schwermer: Ich weiß, aber wenn mir was wehtut, leg ich einfach nur meine Hand drauf und sage: Ich habe Selbstheilungskräfte – und die Schmerzen gehen weg.

WELT ONLINE: Was wäre, wenn Sie ein Geschwür bei sich ertasteten?
Schwermer: Krebs? Dann sterbe ich halt. Zwei, drei Mal habe ich mich schon zum Sterben bereit gemacht, weil ich dachte, jetzt geht's mir an den Kragen. Aber dann bin ich ja doch wieder aufgestanden.

WELT ONLINE: Gibt es materielle Dinge, die Ihnen wertvoll sind?
Schwermer: Meine Brille und mein Handy, die brauch ich beide.

WELT ONLINE: Von wem haben Sie die?
Schwermer: Die Brille hat mir eine Optikerin aus dem Tauschring geschenkt. Dafür habe ich ihre Katze drei Wochen gehütet. Das Handy ist schon mein viertes. Da hab ich mal gesagt: Ich brauch, glaube ich, ein neues. Da sprang jemand auf und kam damit an.

IWELT ONLINE: hr Leben ohne Geld funktioniert nur, weil andere Ihnen etwas geben.
Schwermer: Ja, aber nur, weil es das Geldsystem ja noch gibt. In Sibirien gibt es schon Menschen, die ohne Geld leben. In Afrika überleben viele Menschen nur, weil sie sich gegenseitig unterstützen.

WELT ONLINE: Was haben Sie gegen Geld? Das vereinfacht doch Tauschgeschäfte.
Schwermer: Aber ich will das Tauschen. Dann geht es ums Teilen.

WELT ONLINE: Kommunismus.
Schwermer: Ja, jetzt sagen Sie, das hat noch nicht geklappt. Stimmt schon. Der Mensch muss schon noch ein bisschen anders werden.

WELT ONLINE: Heiliger.
Schwermer: Kindern erkläre ich das so: Geld ist wie Noten, und es gibt ja auch Schulen ohne Noten. Und die Kinder lernen trotzdem, weil es ihnen Freude macht. So stelle ich mir das auch ohne Geld vor.

WELT ONLINE: Die Faulen würden von den Fleißigen profitieren.
Schwermer: Ich habe ein ganz anderes Weltbild. Da hat jeder seinen Platz.

WELT ONLINE: Klingt utopisch.
Schwermer: Das glaube ich nicht. Denken Sie an die Frauen. Die haben jahrtausendelang einfach alles gemacht. Kinder großgezogen, rund um die Uhr gewacht.

WELT ONLINE: Sie nehmen die Frauen vor der Emanzipation zum Vorbild?
Schwermer: Nein, ich sage nur: Wertschätzung muss nicht immer Geld sein. Ich will den Leuten beibringen zu sagen: Ich habe nichts, aber ich bin viel.

WELT ONLINE: Wie wollen Sie denn erreichen, dass sich die Menschen verändern?
Schwermer: Eine Revolution hab ich jedenfalls nicht im Sinn. Ich will zum Beispiel die „Gib und Nimm“-Häuser, verteile diese Aufkleber, die signalisieren, ich habe etwas zu geben.

WELT ONLINE: Wenn man sich Ihr Leben anguckt – laufen Sie vor etwas weg?
Schwermer: Nein, da, wo ich bin, bin ich ganz. Jesus ist auch gewandert. Oder die Bettelmönche. Das ist ein Lebensstil, den ich toll finde.

WELT ONLINE: Wann waren Sie eigentlich zum letzten Mal einkaufen?
Schwermer: Heute. Ich habe mir ein Bahnticket geholt. Seit einem Jahr bekomme ich nämlich Rente. Und deshalb zahle ich inzwischen manchmal selbst.

WELT ONLINE: Wie bitte? Sie schreiben ein Buch, „Mein Leben ohne Geld“, und beziehen Rente?
Schwermer: Ich wollte eigentlich gar keine beantragen, aber es ging alles so einfach. Da habe ich gedacht, na gut, dann machst du das halt. Das meiste verschenke ich sowieso gleich wieder, mit dem Rest versuche ich, Neues anzustoßen.

WELT ONLINE: Wie viel behalten Sie für sich?
Schwermer: So 200 Euro. Aber wenn nach den Reisen was übrig bleibt, verschenke ich auch das.
WELT ONLINE: Gibt es materielle Dinge, die Ihnen wertvoll sind?
Schwermer: Meine Brille und mein Handy, die brauch ich beide.


Verstehe.
Dem Optiker hat sie im Tausch einen geblasen und den Handyprovider bezahlt sie in Walnüssen!
:laugh:
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.280.001 von DJSchnack am 30.12.08 11:22:25Ich glaube, beim Finanzamt gibt es den Begriff `` Geldwerter Vorteil ``.
Wenn sie Pech hat, werden ihre erbrachten Leistungen in € umgerechnet und sie muß es dann versteuern.
Eigentlich lokisch, sonst könnte ja jeder seine Leistng an einer Tauschbörse anbieten und der Staat schaut in die Röhre.
So manche Gemeinde könnte da ja gleich ihr eigenes Geld drucken.

Ansonsten denke ich, für jemanden der denn Kontakt zu anderen Menschen sucht, ist das was----für mich wärs nix :D
WELT ONLINE: Wie bitte? Sie schreiben ein Buch, „Mein Leben ohne Geld“, und beziehen Rente?
Schwermer: Ich wollte eigentlich gar keine beantragen, aber es ging alles so einfach. Da habe ich gedacht, na gut, dann machst du das halt.


Der war echt gut...!! Ja ja, das denken scheint's sehr viele, "es geht alles so einfach... dann machst du das halt." Zum Amt, Formular ausfüllen und das Geld fließt... so isses hier im Schlaraffenland Deutschland halt immer noch!
:kiss:
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.280.001 von DJSchnack am 30.12.08 11:22:25Aus der Quelle:

Goldschmied Fabian sagt:
Es ist sicher eine Kunst, ohne Geld zu leben. Eine noch größere Kunst ist es aber, Geld aus dem Nichts zu schöpfen und es als Fiat-Papiergeld gegen Zins und Zinseszins an Staaten und Bevölkerungen zu "verleihen" und sie mit diesem System zu knechten.

“Gebt mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es kümmert mich nicht länger, wer die Gesetze macht.” - Mayer Amschel Rothschild


http://www.welt.de/vermischtes/article2947591/Wie-eine-Frau-…
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.280.634 von knuspelhuber am 30.12.08 12:36:02wenn wir das alle machen würden, wovon sollten dann unsere spitzen-politiker und gewerkchaftsfunktionäre leben.

denen würde schon was eifallen
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.280.110 von Datteljongleur am 30.12.08 11:33:47Zitat:\" Dem Optiker hat sie im Tausch einen geblasen ...\"

Pfui Deibel. die Alte ist doch schon eine Oma und bezieht Rente, aber wer drauf steht .... :laugh::laugh:

Kann mir schon vorstellen, dass es auch unter Euch soleche Experten gibt, die gerne mal an so einem Tauschhandel teilnehmen wollen :laugh::laugh:
Die Frau wird die nächste FED :D

DieTaler heissen dann

Gibundnimms :D
Das wichtigste fehlt an diesem Beitrag: die Parteimitgliedschaft dieser Frau!

Wetten, daß es eine Grüne ist, die den größten Teil ihrer Freizeit auf Demos verbringt, vor Gorleben randaliert und Zeitungen mit Leserbriefen bombardiert, in denen sie sich über die angebliche (eingebildetet) Diskriminierung von Schwulen beschwert?

Bin ich mir ziemlich sicher, alles andere an dem Lebensstil der "Dame" passt ziemlich gut zur Weltanschauung der Grünen!
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.282.926 von Kattschinski-Bruder am 30.12.08 17:00:27Wetten, daß es eine Grüne ist,


wetten, dass du ein A******** bist....:rolleyes:
...hmmm...solange es nur um Brötchen gegen Haareschneiden geht kann das funktionieren. Aber spätestens bei komplexeren Wirtschaftsprodukten wird es schwierig. Auto reparieren ?
Wie kommt man im Tauschring eigentlich zu einem Auto (200.- Eur Schrottlaube mal ausgenommen). Wie würde im "Tauschring"-System ein Airbus A380 entwickelt werden können oder große Infrastrukturprojekte wie Autobahnen, Brücken, Tunnel ?

Das alles erscheint mir arg weit hergeholt und nicht "nennenswert".
Klar ...im kleinen für Dinge des täglichen Bedarfes von Mensch zu Mensch mag das funktionieren...bei allen anderen Dingen geht es in die Hose. Da ist mir ein Währungssystem doch lieber.

"Tauschring" ist was für Sozialromantiker...aber interessantes Lehrfeld für Marktwirtschaft. Wenn ich jemandem das Auto repariere -wofür i.d.R. speziellere Kenntnisse vonnöten sind als auf eine Katze aufzupassen- würde ich verlangen, das für meine 4 stündige Autoreperatur min. 2 Tage lang auf meine Katze aufgepasst werden muß. Die Person mit dem defekten Auto würde evtl. meckern...warum sie nun 2 Tage opfern soll ...ich aber nur 4h.
Würde mir dann im Tauschring einen suchen, der den Deal so akzeptiert...wenn ich niemanden finde, werde ich vielleicht auf 1 Tag Katzenbetreuung runtergehen ...vor allem, wenn der Tag näher rückt, an dem ich meine Katze beaufsichtigt wissen möchte, da ich einen Termin habe, den ich nicht verschieben kann. Somit würde "mein Preis" für die Katzenbetreuung vermutlich steigen, da ich ...im letzten Moment...eben auch das Auto dafür reparieren müßte nur um die Katze für die Zeit meiner Abwesenheit (sagen wir ebenfalls 4h) betreut zu wissen (Angebot gering ...Nachfrage dann notgedrungen auf meiner Seite groß).

Mag jetzt etwas weit hergeholt sein...aber so funktionieren eigentlich die "basics" der Marktwirtschaft -)).


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