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    Am Sterbebett eines Systems - 500 Beiträge pro Seite (Seite 6)

    eröffnet am 21.01.09 17:19:56 von
    neuester Beitrag 21.01.14 17:41:49 von
    Beiträge: 43.781
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      Avatar
      schrieb am 25.03.09 21:04:52
      Beitrag Nr. 2.501 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.847.724 von Maraho am 25.03.09 20:13:36Noch was zur HRE ...

      Geheimes Gutachten: HRE-Risiken größer als gedacht

      Der Immobilienfianzierer Hypo Real Estate wird immer mehr zu einem Fass ohne Boden. Dem Finanzministerium liegt nach stern-Recherchen ein geheimes Gutachten vor, wonach die Ausfallrisiken auf bis zu 60 Prozent der Bilanzsumme der HRE ansteigen könnten. Das wären 235 Milliarden Euro.


      Die Rettung der Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) kann für die Steuerzahler deutlich teurer werden als bisher bekannt. Wie das Hamburger Magazin stern in seiner aktuellen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, liegt dem Finanzministerium ein geheimes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers vor, wonach die Ausfallrisiken auf bis zu 60 Prozent der Bilanzsumme des Immobilienfinanzierers steigen könnten. Das wären im schlimmsten Fall 235 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt beträgt in diesem Jahr rund 290 Milliarden Euro.

      Bisher haben der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin, die Bundesbank und die deutsche Kreditwirtschaft die HRE mit Krediten und Garantien über insgesamt 102 Milliarden Euro gestützt. Regierungsvertreter räumten nach stern-Informationen auch in dem geheim tagenden parlamentarischen Kontrollgremium des Soffin ein, dass die Garantiesumme für die HRE noch deutlich ansteigen könne.

      Das Bundesfinanzministerium wollte auf Anfrage des stern die Aussagen des Geheimgutachtens nicht kommentieren und verwies auf die HRE. Ein Sprecher der Hypo Real Estate sagte dem stern: "Wir kennen das Gutachten nicht und können die Zahlen nicht nachvollziehen."

      Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/finanzen-versicherung/finanze…
      Avatar
      schrieb am 25.03.09 21:39:44
      Beitrag Nr. 2.502 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.819.112 von Groupier am 22.03.09 01:13:52Zum Abschluß noch etwas böses ...

      Was Herr Steinbrück nicht bedenkt:
      Wo sollen die Schmiergelder denn hin, wenn es keine Steueroasen mehr gibt?


      http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/090325_Suedkurier_St…


      Wie immer an dieser Stelle: Vielen Dank euch allen für euer Interesse. Und natürlich für die Beiträge!

      Einen schönen Abend bzw. eine gute Nacht wünscht euch
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 25.03.09 22:25:55
      Beitrag Nr. 2.503 ()
      @ Maraho und andere Interessierte,

      leider eine weitere Hiobsbotschaft zum Abschluss des Tages

      Dossier Welthandel stürzt ins Bodenlose
      von Martin Kaelble und Stefanie Marie Scholz (Berlin)

      Der Welthandel ist in den vergangenen Monaten zusammengebrochen. Im Zeitraum von August 2008 bis Januar sank der globale Warenaustausch um fast 20 Prozent. Das berechneten Ökonomen des niederländischen Forschungsinstituts CPB.


      Das trifft vor allem Japan hart. Wie das Finanzministerium in Tokio am Mittwoch bekannt gab, brachen die Ausfuhren im Februar gegenüber dem Vorjahr um 49,4 Prozent ein - so stark wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

      In den Monaten von November bis Januar betrug der durchschnittliche Rückgang des Welthandels dem CPB-Institut zufolge sogar 40,7 Prozent im Vergleich zu den drei Monaten zuvor - wenn der Wert auf das gesamte Jahr hochgerechnet wird. Damit stellen die CPB-Forscher die Vorhersage der Welthandelsorganisation (WTO) noch in den Schatten. Diese geht von einem Rückgang des Welthandels um neun Prozent in diesem Jahr aus. Das wäre bereits der stärkste Rückgang der Nachkriegszeit.

      CPB-Welthandelsindex

      "Der momentane Einbruch könnte sogar heftiger ausfallen als zu Beginn der Großen Depression in den 30er-Jahren", sagte CPB-Konjunkturchef Wim Suyker. Allerdings sei ein sauberer Vergleich aufgrund der Datenlage schwierig. Zudem dürfte der Sinkflug, zumindest nach den aktuellen Prognosen, nicht so lang wie damals dauern.

      "Japan ist stärker betroffen als der Rest der Welt", sagte Suyker. Die ostasiatische Wirtschaft hat mit 4,9 Prozent den zweithöchsten Anteil am Welthandel. Die Ausfuhren sanken den fünften Monat in Folge. Bereits im Januar hatten sich die Exporte zum Vorjahr fast halbiert.

      Bewahrheitet sich die CPB-Prognose, hätte das schwere Folgen für die exportabhängige deutsche Wirtschaft. In diesem Jahr könnten die deutschen Ausfuhren um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr sinken, sagte Unicredit-Volkswirt Alexander Koch. Der Außenhandelsverband rechnet mit bis zu minus 15 Prozent.

      http://www.ftd.de/unternehmen/handel_dienstleister/:Folgen-d…

      Trotzdem: allen eine gute Nacht

      Windei
      Avatar
      schrieb am 25.03.09 22:30:34
      Beitrag Nr. 2.504 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.848.786 von windei am 25.03.09 22:25:55leider eine weitere Hiobsbotschaft zum Abschluss des Tages

      Das ist die Realität. Jahrelang hatten wir doch genug Spass. Jetzt kommt halt der Kater vom vielen feiern! ;)

      Dir auch eine gute Nacht und danke!

      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 00:05:19
      Beitrag Nr. 2.505 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.848.231 von Maraho am 25.03.09 21:04:52

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      Avatar
      schrieb am 26.03.09 00:05:50
      Beitrag Nr. 2.506 ()
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 00:06:52
      Beitrag Nr. 2.507 ()
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 00:28:42
      Beitrag Nr. 2.508 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.847.724 von Maraho am 25.03.09 20:13:36HRE hat das Problem, dass die zugekaufte irische Tochter langfristige Ausleihungen durch kurzfristige Einlagen finanziert hat, und nun aufgrund fehlender Liquidität durch Rückzahlung der Einlagen in Schieflage geraten ist. Nun, genau betrachtet ist dies aber nur ein rein bilanzmäßiges Problem und kein operatives. Diese Problem ließe sich leicht dadurch lösen, in dem jemand diese Ausleihungen der HRE abkauft oder die Einlagen durch EK ersetzt werden. Wenn nun der Großaktionär nicht mitzieht, kann man die HRE in Insolvenz gehen lassen, der Insolvenzverwalter würde einziehen und die Aktionäre wären weitgehend entmachtet. Mit der Insolvenz ist die Bank mitnichten handlungsunfähig und die Zukunft durchaus offen.
      Allerdings würden Internas bekannt werden, vor allem würde man erfahren, wer Geld von der HRE bekommen hat.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 05:07:04
      Beitrag Nr. 2.509 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.312 von Azotobacter am 26.03.09 00:28:42Guten Morgen Azotobacter,

      Allerdings würden Internas bekannt werden, vor allem würde man erfahren, wer Geld von der HRE bekommen hat.

      ich denke, darum geht es ...

      Dir einen schönen Tag. Maraho
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 05:27:36
      Beitrag Nr. 2.510 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.451 von Maraho am 26.03.09 05:07:04Guten Morgen zusammen,
      einen angenehmen Tag wünsche ich euch!

      Etwas zu dem geplanten ...

      Untersuchungsausschuss
      Dossier Thriller um die HRE-Milliarden

      Die Positionierung der Oppositionsparteien könnte unterschiedlicher kaum sein, doch in Bezug auf die Hypo Real Estate sind sie sich einig: FDP, Grüne und Linkspartei wollen einen Untersuchungsausschuss. FTD.de sagt, worum es dabei geht.

      Weiterführend: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Untersuchungsausschus…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 05:35:36
      Beitrag Nr. 2.511 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.842.776 von Maraho am 25.03.09 12:40:53Etwas hierzu ...

      Dossier Die Wut erreicht die Straße
      von Lutz Meier (Paris), Sebastian Bräuer (Washington), Titus Kroder (London) und Lukas Heiny (Hamburg)

      Manager werden als Geiseln genommen, Banker bedroht, Villen attackiert. Der Unmut über die Verantwortlichen der Wirtschaftskrise erreicht eine neue Dimension: Die allgemeine Wut richtet sich zunehmend gegen Einzelpersonen.


      Luc Rousselet kennt seinen Geiselnehmer. Seit Jahren gehen er und Laurent Joly jeden Morgen durch das gleiche Werkstor. Als am Dienstagabend die Belegschaft das Werksgelände verlässt, sind die beiden nicht dabei. Joly, der seit elf Jahren in der Fabrik in Pithiviers nördlich von Paris arbeitet, hat zusammen mit Kollegen den Frankreich-Chef der US-Büromaterialfirma 3M in seinem Büro als Geisel genommen. "Wir haben keine andere Munition als die Festsetzung der Verantwortlichen", rechtfertigt sich Joly.

      Die Ratlosigkeit ist in Radikalität umgeschlagen. Es geht um Arbeitsplätze. Hunderte Existenzen stehen auf dem Spiel. Allein in der Niederlassung Pithiviers soll jeder Zweite gehen. Es ist bereits die zweite Geiselnahme eines Managers in Frankreich binnen zwei Wochen. Am 13. März hatten wütende Arbeiter einer Sony-Fabrik bei Bordeaux den Frankreich-Chef des Konzerns für eine Nacht als Geisel genommen. Nach neuen Verhandlungen über die geplanten Werksschließungen wurde er wieder freigelassen. Für Luc Rousselet brach am Mittwoch die zweite Nacht in Geiselhaft an.

      Seit Wochen treiben die Wut und die Verunsicherung über die Krise die Menschen weltweit auf die Straßen. In den vergangenen Tagen haben die Ereignisse allerdings eine neue, aggressivere Dimension erreicht: Es wird persönlich. In Frankreich, Großbritannien und den USA werden Manager und Banker zur Zielscheibe des Zorns: Geiselnahmen, Morddrohungen, Angriffe auf das Eigentum. Es ist keine abstrakte Wut mehr auf "gierige Banker" - die Drohungen und Bedrohungen sind ganz konkret.

      In Deutschland scheint es dabei noch friedlich zuzugehen. Doch für Experten ist es nur eine Frage der Zeit - Angst, Unzufriedenheit und Empörung nehmen mit jeder Schreckensmeldung zu. "Solche Proteste sind ein internationales Phänomen: Die sozialen Verwerfungen nehmen in allen Ländern erheblich zu", sagt Martin Diewald, Lehrstuhlinhaber für Soziologie an der Universität Bielefeld. "Auch in Deutschland wird es zu größeren Ausbrüchen kommen."

      Vor "sozialen Konflikten in diesem Land, dass es knallt", warnt auch Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Selbst Bundespräsident Horst Köhler mahnt: "Wir werden Ohnmacht empfinden und Hilflosigkeit und Zorn."

      In Großbritannien hat sich dieser Zorn bereits entladen. In der Nacht zu Mittwoch zertrümmerten in der Nähe von Edinburgh Unbekannte mit Steinen die Scheiben der Sandsteinvilla von Fred Goodwin, Ex-Chef der Royal Bank of Scotland. Auch die schwarze Mercedes-Limousine in der Hofauffahrt wurde demoliert. Der Schaden ist überschaubar, das Symbol jedoch übermächtig. "Das ist erst der Anfang", schrieben die Aktivisten unter dem Absender bankbossesarecriminals@mail.com in ihrem Bekennerschreiben. Selten zuvor - zuletzt vielleicht zu Zeiten der Maschinenstürmer im 19. Jahrhundert - hat sich der Volkszorn so gegen Wirtschaftseliten entzündet wie gegen Goodwin.

      Seit Wochen ist er verschwunden. Je rarer er sich macht, desto mehr steigt sein Marktwert. Paparazzi-Fotografen bekommen inzwischen über 30.000 Euro für ein Bild, auf dem es Sir Fred sich gut gehen lässt. Goodwins legendärer Spitzname "Fred, the Shred" - für seine Erfolge als knallharter Sanierer - haben sich ins Gegenteil verkehrt: Er selbst gehöre in den Schredder, schimpfen die Briten, zusammen mit allen gierigen Bankern dieser Welt. Sie sind empört, dass Goodwin nach seinem Rücktritt im vergangenen Jahr jährlich 755.000 Euro Pension bekommt - die RBS machte 2008 einen Verlust von mehr als 26 Mrd. Euro und wurde mit über 21 Mrd. Euro Steuergeldern unterstützt. Das Magazin "Newsweek" hat Goodwin zum "schlimmsten Banker der Welt" erklärt.

      Ähnlich aufgewühlt sind die Menschen in den USA. Der Grund hat drei Buchstaben: AIG. Seit bekannt ist, dass der staatsgestützte Versicherungskonzern 218 Mio. $ an Prämien an seine Manager ausgezahlt hat, haben sich Dinge zugetragen, die vor Jahren in dem Land unvorstellbar waren: Der scharfzüngige Senator Chuck Grassley hat die Manager zum Selbstmord aufgefordert - niemand mahnte ihn öffentlich zur Mäßigung. Vorstandschef Edward Liddy berichtete vergangene Woche vor dem Kongress von Todesdrohungen gegen seine Mitarbeiter. Sie sollten mit Klaviersaiten hingerichtet werden, heißt es in einem der Schreiben. Und weiter: "Falls die Regierung das nicht regelt, werden wir, das Volk, das in unsere eigenen Hände nehmen."

      Seit Tagen lassen die AIG-Manager ihre Häuser bewachen. Auch vor der Zentrale in New York patrouillieren Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen. Noch sind es kleine Gruppen, die in der Wall Street Plakate schwenken. "Bail out people, not banks", steht darauf. Aber die Protestbewegungen formieren sich, während TV-Comedian Stephen Colbert in seiner Sendung Mistgabeln schwenkt und sein Kollege Jon Stewart einen Mob durchs Studio rennen lässt.

      Am 3. April wird die "Bail Out the People Movement" Demonstranten aus allen Teilen des Landes in Bussen nach New York bringen. Die Veranstalter kündigen düster an: "Wir werden uns Gehör verschaffen."

      Die liberale Kleinpartei "Connecticut Working Families" hatte zuvor eine Bustour zu den Privatvillen einiger AIG-Manager organisiert - ein Tabubruch. "Die Manager genehmigen sich Gehaltsexzesse, während Millionen Bürger leiden müssen", schäumte Parteidirektor John Green vor Beginn der Fahrt. "Wenn sie nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu ihnen."

      In Frankreich ist die Geiselnahme bei 3M nur ein weiterer Höhepunkt des Aufruhrs - seit Tagen wächst die Wut auf die Unternehmen, auf den Straßen, in den Betrieben, den Bars und in den Internetforen. Am Mittwoch loderten in Paris Barrikaden aus Autoreifen, als Mitarbeiter von einer französischen Continental-Niederlassung auf den Präsidentschaftspalast zumarschierten. Manager aus dem Werk Reims wurden mit Schuhen und Eiern beworfen, als sie Stellenstreichungen verkündeten. Lebensgroße Stoffpuppen, die den Vorstand symbolisieren sollten, gingen in Flammen auf.

      Als in der vergangenen Woche die Gewerkschaften zu einem Streik- und Protesttag aufriefen, konnten sie erstmals seit Amtsantritt von Präsident Nicolas Sarkozy landesweit weit über eine Million Menschen versammeln - die Veranstalter sprachen sogar von drei Millionen. Der Unmut geht über die traditionelle Gewerkschaftsklientel weit hinaus. Zuletzt wurde der Groll durch drei Fälle befeuert: Die Chefs der Großbank 'Société Générale genehmigten sich ein Aktienoptionsprogramm, nachdem die Bank Milliarden an Staatshilfen kassiert hat. Beim Autozulieferer Valeo - bei dem der Staat Anteile übernommen hat - wurde der Chef Thierry Morin mit einer Abfindung von 3,3 Mio. Euro bedacht. Am Mittwoch wurden Millionenboni für die Manager einer Filiale der Großbank Crédit Agricole bekannt, die gerade massiv Stellen abbaut.

      Einen "offenen Brief an meine Freunde aus der herrschenden Klasse" schrieb deshalb diese Woche Alain Minc in der Zeitung "Le Figaro": "Habt Ihr übersehen, dass das Land die Nerven zum Zerreißen gespannt hat, dass die Bürger das Gefühl haben - und sei es unberechtigt -, dass sie Opfer einer Krise sind, an der wir die Schuldigen sind?", fragte Minc. Der Sarkozy-Vertraute scheute sich nicht, an die Stimmung vor der französischen Revolution zu erinnern. Das Schicksal von 1789 habe sich 1788 entschieden. "Spürt Ihr nicht den Groll des Volkes, die Wut der Verbitterten, aber auch das Gefühl von Unruhe, das wie ein tragender Deckenbalken das ganze Land durchzieht?"

      "Die Lage birgt enormes Sprengpotenzial", sagt Henrik Uterwedde, Sozialexperte vom Deutsch-Französischen Institut (DFI). Er schließt eine soziale Revolte nicht aus. "Auch den Mai '68 hat niemand kommen sehen." In Deutschland sei die Lage aber nicht ganz so explosiv wie in Großbritannien oder Frankreich.

      Ähnlich sieht es Hans-Ulrich Wehler, Deutschlands bekanntester Wirtschafts- und Sozialhistoriker. In jedem Land sei die Situation eine andere: "In Amerika ist die Wut ein spontaner Ausbruch. In Frankreich dagegen entlädt sich ein über Jahre aufgestauter Frust über den Abbau des Sozialstaats durch die Regierung. Die Krise gibt den Gewerkschaften dort nur ein Argument mehr, endlich loszuschlagen", sagt Wehler. Eine Unruhewelle, die alle westlichen Länder erfasst, sieht er nicht: Der Sozialstaat sei so stark wie nie zuvor und könne auch gewaltige Spannungen abfedern. "Trotzdem stellt sich die Frage", sagt der Historiker, "wann die Schwelle überschritten wird und wir die rote Zone erreichen."

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:Agenda-Die-Wut-erre…
      145 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 05:42:03
      Beitrag Nr. 2.512 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.697.535 von Maraho am 04.03.09 13:28:28In Bezug.

      US-Regierung besorgt über Modernisierung der chinesischen Waffen

      Washington (dpa) - Die US-Regierung ist besorgt über die Modernisierung der chinesischen Waffensysteme. China habe vor allem seine Anstrengungen bei der Entwicklung neuer atomarer Waffen und Raketensysteme vorangetrieben, heißt es in einem Bericht des US- Verteidigungsministeriums. Das Pentagon forderte China auf, seine Absichten offen zu legen. Es gebe manche Unklarheiten über den künftigen Kurs Chinas, heißt es in dem Bericht.

      © Die Welt
      erschienen am 26.03.2009 um 02:29 Uhr
      127 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 05:44:43
      Beitrag Nr. 2.513 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.828.402 von Maraho am 23.03.09 18:54:39Weiterführend.

      GM und Chrysler können mit weiteren Staatskrediten rechnen

      New York (dpa) - Sie kämpfen ums Überleben: Anscheinend können die US-Autobauer General Motors und Chrysler aber mit weiteren Staatshilfen in Milliardenhöhe rechnen. Aussagen der von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Auto-Kommission deuteten darauf hin, dass die Regierung die Konzerne nicht in die Pleite fahren lassen wolle. Das berichtet das «Wall Street Journal». Die Opel-Mutter GM und Chrysler müssten jedoch bis nächsten Dienstag ihr endgültiges Sanierungskonzept vorlegen.

      © Die Welt
      erschienen am 26.03.2009 um 02:13 Uhr
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 05:55:30
      Beitrag Nr. 2.514 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.845.761 von Maraho am 25.03.09 17:15:34Ein Kommentar aus der "SZ" zur Verlängerung der Abwrackprämie...

      Der Sündenfall Abwrackprämie

      Entscheidung in Berlin
      Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

      Staat fatal: Es ist nicht die Aufgabe der Regierung, den Neuwagenverkauf mit Geschenken aus Steuermitteln anzukurbeln. Die Autohersteller müssen schon selbst dafür sorgen, dass ihre Fahrzeuge genügend Anklang bei den Kunden finden - mit attraktiven Fahrzeugen und günstigen Preisen.

      Endlich sind sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mal wieder einig. Die beiden Oberwahlkämpfer der großen Koalition, die in vielen politischen Fragen mittlerweile streiten, haben sich darauf geeinigt, die sogenannte Abwrackprämie zu verlängern. Die Zahlung von 2500 Euro für Neuwagen-Käufer, die dafür ein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten, soll nicht im Mai enden, wenn die dafür vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro voraussichtlich verbraucht sind. Sie soll stattdessen aufgestockt werden und für das gesamte Jahr 2009 gelten. Diese staatliche Hilfe werde aber auf keinen Fall bis ins nächste Jahr hinein verlängert, heißt es beschwichtigend in Berlin.

      Das ist ein Sieg für die Autoindustrie. Mancher Konzernchef, wie der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, hatte schon die Verlängerung des angenehmen Förderprogramms angemahnt. Vor allem die Kunden können sich freuen.

      Für die Bundesregierung bedeutet die Verlängerung der Abwrackprämie jedoch nichts Gutes. Merkel und Steinmeier räumen damit schon jetzt ein, dass sie sich selbst eine Falle gestellt haben, als sie im Januar die "Umweltprämie" einführten. Sie zeigen damit, dass sie nicht mehr zurück können. Der Bundesregierung sei aber bereits jetzt vorhergesagt, dass die Streichung der Prämie umso schwieriger wird, je länger es sie gibt. Italien, das schon in den neunziger Jahren als Hilfe für Fiat eine solche Zahlung einführte, musste sie seitdem immer wieder verlängern.

      Der erste Berliner Sündenfall war noch verständlich. Die Abwrackprämie war von der ratlosen Bundesregierung auf Druck der mächtigen Autolobby Ende 2008 beschlossen worden. Damals war der Pkw-Markt praktisch tot. In den Autohäusern herrschte gespenstische Leere. Der Zuschuss wurde für 600.000 Neuwagen eingerichtet, und er brachte sogar einen gewissen Erfolg. Vor allem für kleinere Fahrzeuge ist die Nachfrage inzwischen wieder so groß, dass sogar Sonderschichten gefahren werden müssen und in manchem Autowerk die Kurzarbeit beendet werden konnte.

      Dennoch hätte die Bundesregierung der Verlockung widerstehen sollen, diese Fördermaßnahme zu verlängern. Das einfachste Argument ist prinzipieller Natur: Es ist nicht die Aufgabe des Staates, den Verkauf von Neuwagen durch Geschenke aus Steuermitteln anzukurbeln. Die Autohersteller müssen schon mit attraktiven Fahrzeugen und günstigen Preisen selbst dafür sorgen, dass ihre Fahrzeuge genügend Anklang bei den Kunden finden.

      Der Staat könnte genauso gut eine Recycling-Prämie für Waschmaschinen erfinden, um Arbeitsplätze bei Miele zu sichern oder einen Wegwerfbonus für Handys, um die Mobilfunk-Industrie zu stützen. Kaum jemand käme auf solche absurd anmutenden Ideen. Nur bei der Autoindustrie ist das offenbar anders.

      Diese Branche kann leicht den Eindruck erzeugen, dass von ihr die gesamte Volkswirtschaft abhängt. Dabei gibt es sogar berechtigte Kritik aus der Autoindustrie selbst an dem vermeintlichen Segen aus Berlin. Die Verschrottungsprämie verzerre den Wettbewerb, weil sie Herstellern wie Opel oder VW mehr helfe als den Lieferanten von Autos der Oberklasse.

      Der Abwrackzuschuss hat zudem zwei Webfehler: Er kreiert keine neue Nachfrage nach Autos, er sorgt allenfalls dafür, dass mancher Käufer die ohnehin fällige Anschaffung eines neuen Autos vorzieht, um noch in den Genuss der staatlichen Prämie zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist daher groß, dass die Nachfrage nach Autos gleich wieder einbricht, sobald die Maßnahme Ende 2009 ausläuft. Kein Arbeitsplatz wird durch diese Zahlung sicherer. Das Tückische an der Abwrackprämie ist, dass sie selbst den politischen Druck erzeugt, sie zu verlängern. Doch selbst den naivsten Politikern muss klar sein, dass sie die Autoindustrie nicht ewig sponsern können.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/wirtschaft/358/462970/text…
      25 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 06:07:28
      Beitrag Nr. 2.515 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.842.925 von Maraho am 25.03.09 12:59:57In Anlehnung.

      Ein Interview aus der Schweiz mit recht interessanten Aussagen ...

      «Die grossen Länder tun, was sie wollen»
      Von Luciano Ferrari und Sascha Buchbinder, Berlin.

      In einer Woche treffen sich die Mächtigen der Welt an zwei Gipfeln. Der Historiker Michael Stürmer erklärt, was das für die Weltordnung heisst – und was es für die Schweiz bedeutet.


      Am 2. April treffen sich in London zuerst die Staats- und Regierungschefs der G-20. Am Tag danach gehts dann zum Jubiläumsgipfel der Nato – welches Treffen ist wichtiger?

      Eindeutig der G-20-Gipfel. Denn davon erwarten wir fundamentale Entscheidungen über Vertrauensbildung. Nicht nur zwischen Banken und Banken, sondern zwischen Bürger und Staat sowie zwischen Staaten und Staaten. Alles das ist in Verfall geraten.

      Vom Nato-Gipfel erwarten Sie nicht viel?

      Es gibt das Wort von US-Vizepräsident Joe Biden – und auch von Präsident Barack Obama – vom «Reset» in Bezug auf Russland. Ich denke, dieser Neuanfang, dieses «Reset», ist auch für die Nato als Ganzes nötig. Aber für mehr als den Startschuss zur Neukonzipierung wird es am Nato-Gipfel kaum reichen.

      Wie sollte dieses «Reset» aussehen?

      Die Nato muss wieder auf einen Kurs gebracht werden, der überzeugend ist nach innen und nach aussen. Es braucht einen Strategiewechsel, wie 1967 mit dem Harmel-Bericht.

      Damals anerkannte der Westen die Parität der sowjetischen Supermacht. Das war der Beginn der bipolaren Weltordnung.
      Ja, eine Ordnung, die auch klare Verkehrsregeln kannte. Dazu gehörte etwa der Grundsatz: Wir treten einander nicht zu nah – Kennedy hat klar gesagt: «Wir dürfen den Gegner nicht in die Ecke drängen, bis er blindwütig zurückschlägt.» Diese Regeln gibt es nicht mehr: Was in den letzten Jahren gelaufen ist, speziell mit der Nato-Ausdehnung, hat gegen diese Prinzipien verstossen. Nun kann man sagen, wir leben in einer anderen Zeit, aber gewisse Prinzipien zwischen Gross- und Weltmächten haben immer gegolten, ob zwischen Athen und Sparta, Karthago und Rom oder Russen und Amerikanern. Wenn man diese durch Übermut, historische Ignoranz oder einen Mangel an psychologischer Einfühlungskraft beiseite schiebt, zahlt man einen hohen Preis.

      Wie ist die Nato vom Kurs abgekommen?

      Weil die einzig verbindende Strategie der Nato nach 1990 die Erweiterung des Bündnisses war. Schon bei der Aufnahme Polens war man in Berlin und anderen Hauptstädten gewahr, dass das die Russen überforderte. Deshalb hat man den Nato-Russland-Rat eingerichtet, die Grundakte unterzeichnet und andere vertrauensbildende Massnahmen ergriffen. Das waren notwendige Gegengewichte. Man hat dann aber die Russen in diesen Gremien ziemlich links liegen lassen und schlecht behandelt. Dazu kamen die Zusicherungen: «No nukes, no troops, no installations» in den neuen Gebieten. Waren diese Garantien bei den Truppen mit der Aufnahme Bulgariens und Rumäniens zumindest angekratzt, wurden sie mit dem geplanten Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien verletzt. Die Russen hatten also Grund, sich zu fragen, wo das alles enden sollte.

      Die Quittung war der Georgien-Krieg.

      Ja, so kann man es sehen, wenngleich die Russen den georgischen Angriff kommen liessen. Sie hatten zuvor mehrfach gewarnt: Bis hierhin und auf keinen Fall weiter. Sowohl Putin als auch Medwedew haben klargemacht: Wenn Ihr auch noch Georgien und die Ukraine aufnehmt, ist das für uns eine existenzielle Bedrohung, «und das bedeutet Krieg».

      Nun wird auch ein neuer Nato-Generalsekretär gesucht.

      Gott sei Dank.

      War Jaap de Hoop Scheffer so schwach?

      Er begriff nicht, dass die Nato dringenden Bedarf an Strategie-Reform hatte und der Ersatz einer Strategie nicht in ständiger Erweiterung liegen konnte.

      Das war nicht sein persönliches Projekt.

      Nein, er hat umgesetzt, was die Bush-Regierung wollte. Aber das kann ja nicht die Aufgabe des Generalsekretärs sein.

      Wäre der dänische Ministerpräsident Rasmussen ein starker Generalsekretär?

      Gegen ihn spricht der Zorn der amtlichen Muslime wegen dieser albernen Mohammed-Karikaturen. Wahrscheinlich ist er für die Europäer aber der beste Kandidat.

      In Ihren Büchern schreiben Sie von einer «Welt ohne Weltordnung». Bedeutet die Tatsache, dass die G-20 dem Nato-Gipfel die Show stehlen werden, dass die Institutionen der alten Weltordnung abgedankt haben?

      (Lacht) Es ist Ausdruck dessen, dass die internationale Politik heute nicht mehr in der einen Dimension von Waffen und Militär bestimmt wird, sondern in vielen Dimensionen: namentlich Klimawandel, Energie, Handel, Seuchen, Völkerwanderung. Alles das sind normenbedürftige, konfliktträchtige Bereiche, über die man sich verständigen muss. Trotzdem darf man die Bedeutung der G-20 nicht überschätzen. Entscheidungen fallen da keine. Wer denkt, da würde gesprochen wie zwischen Weltherrschern, macht sich Illusionen. Es geht darum, den anderen im persönlichen Gespräch besser einschätzen zu lernen. Dieser grosse Rahmen wird deshalb nicht zu einer neuen abgestimmten Weltordnung führen, aber man kann sich darauf einigen, dass die bestehenden Probleme und Konflikte mehr gemeinsame als trennende Konflikte sind.

      Nun führt die Krise dazu, dass die Staatsausgaben zunehmen, die Einnahmen sinken und die Staatsdefizite explodieren. Wie gefährlich ist die Krise für die Weltordnung?

      Finanz- und Wirtschaftskrisen führen immer zu mehr Konflikten, sie verschärfen bestehende und schaffen neue.

      Im Moment aber gehen vor allem die USA auf die anderen zu: Man bietet Russland Verhandlungen über den Raketenschild an, streckt Iran die offene Hand aus, vergisst in China die Menschenrechte anzusprechen.

      Das hat nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun, sondern mit der neuen US-Regierung und dem Wechsel der Eliten. Ich bleibe bei der Aussage, dass Finanz- und Wirtschaftskrisen die Gegensätze eher verschärfen und verstärken. Dass Russland liberaler wird im Moment der Krise, das kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Die Politiker haben derzeit weltweit keinen Rückenwind, sondern starken Sturm ins Gesicht. Deshalb kommen sie auch zu dieser G-20 zusammen. Sie wollen sich aneinander festhalten.

      In London kommen die grossen Länder zusammen, um sich «aneinander festzuhalten», wie Sie sagen. Was bedeutet das für die kleinen Länder?

      Die Grossen tun, was sie wollen, die Kleinen, was sie müssen: Das haben die Athener im Melierdialog gesagt, um anschliessend die Bevölkerung von Melos zu massakrieren. So schlimm wirds nicht kommen. Aber die Kleinen werden schon unter Druck geraten: Schauen Sie sich doch den Umgang mit der Schweiz und dem Bankgeheimnis an.

      Hier hat sich vor allem Berlin hervorgetan. Weshalb?

      Erst einmal, weil man glaubt, sich den hässlichen Deutschen wieder leisten zu können. Zweitens aber geht es vor allem darum, Österreich und Luxemburg zu kippen – und vielleicht auch Belgien, das ein nur mässig ordentliches Steuersystem hat. Deutschland und die anderen EU-Länder wollen, dass Österreich und Luxemburg bei der Zinsbesteuerung einbrechen und zum automatischen Informationsaustausch übergehen.

      Und dafür setzt man die G-20 ein?

      Ja, das ist das Unbegreifliche. Ich möchte von den G-20 nicht sehen, wie viele Massnahmen sie gegen Liechtenstein oder die Schweiz erfinden können. Ich möchte die ganz grossen Fragen beantwortet sehen, die mich, meine Kinder, meine Freunde und das ganze Land umtreiben: Wie stiften wir wieder Vertrauen zwischen Staaten und Staaten, Banken und Banken, Bürgern, Banken und Staaten. Daran werden die G-20 gemessen.

      Woher kommt dieser Mangel an Respekt gegenüber dem Nachbarland Schweiz?

      Ach, lassen wir das. Ich will hier nicht gegen den deutschen Finanzminister polemisieren.

      Ist es ein Steckenpferd des Finanzministers?

      Ja, ganz persönlich.

      Wieso schreitet die Kanzlerin nicht ein?

      Weil sie keinen Streit will. Sie versteht die Linke fast zu gut. Kapitalismus liegt ihr wohl nicht. Sie versteht nicht, dass, wenn das Geld aus der Schweiz getrieben wird, es nicht nach Deutschland zurückfliesst, sondern abwandert an ferne Küsten.

      Wäre die Schweiz in der EU besser dran?

      Ich kenne die Schweiz, seit ich ein kleiner Junge war, mag die Schweizer Lebensart und halte das Land, so wie es ist, für dringend notwendig in Europa. Irgendwo muss es noch ein Land geben, wo bürgerliches Eigentum, Privatheit und auch das Bankgeheimnis eine Rolle spielen. Hier in Deutschland betrachtet sich ja die Regierung nicht als Sachwalter des Bürgers, sondern im Grunde – jedenfalls unser Finanzministerium – als Gegner des Bürgers. Das Gesetz zur Abschaffung des Steuergeheimnisses wurde mit dem Antiterror-Kampf begründet, wie wenn man einen Steuerhinterzieher einem Terroristen gleichstellen könnte. Es hiess dann, wie zur Verspottung der Steuerpflichtigen, «Gesetz zur Förderung der Steuer-Ehrlichkeit». Ich halte das für abträglich und wundere mich, dass der Deutsche Bundestag dies gebilligt hat. Das würde in der Schweiz nicht passieren. In der Schweiz sehen sich die Behörden als Diener des Bürgers, und umgekehrt macht sich der Bürger eben nicht total abhängig vom Staat. Deshalb erachte ich das Modell Schweiz als dringend erhaltenswert.

      Was würden Sie der Schweiz empfehlen?

      Erst einmal würde ich eine bessere Öffentlichkeitsarbeit machen. Das kann man nicht alles der «Neuen Zürcher Zeitung» überlassen. Kommunikation nach aussen und nach innen ist entscheidend.

      Unsere Aussenministerin hat zweimal den deutschen Botschafter einbestellt.

      (Grinst) Ohh, das wird Herrn Steinbrück im Wahlkampf sehr beeindrucken. Der wird vielleicht wochenlang nicht schlafen können. Nein, das ist unzureichende Kommunikation. Das Modell Schweiz müsste man propagieren als ein Modell, das in sich erfolgreich und stimmig ist. Es kann ja nicht Schuld der Schweizer sein, dass sie sich über die letzten hundert Jahre vernünftiger regiert haben als der Rest Europas.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Die-grossen-Laend…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 06:19:28
      Beitrag Nr. 2.516 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.768.121 von Maraho am 14.03.09 19:46:37In Anlehnung.

      Hier eine Abhandlung zur Situation in Lateinamerika ...

      Arbeit am Schutzschild
      Harald Neuber

      Lateinamerika bereitet sich auf die Folgen der Weltwirtschaftskrise vor. Neue Regionalbanken sollen dabei helfen, doch ihr Aufbau ist ein Wettlauf gegen die Zeit

      Bislang hat die eskalierende Weltwirtschaftskrise Lateinamerika weitgehend verschont. Die Folgen sind bis dato vor allem in den Industriestaaten des Nordens zu spüren. Doch das könnte sich bald ändern. Das Parlament des südamerikanischen Handelsbündnisses Mercosur hat deswegen Mitte März eine außerordentliche Sitzung der Wirtschaftsminister für Ende April einberufen. Die Ressortchefs der Mitgliedsstaaten Argentinien, Paraguay, Uruguay und Venezuela sollen dann über vermeintliche Krisenanzeichen beraten: Der Handel innerhalb des Mercosur-Bündnisses sei doppelt so stark eingebrochen wie der Warenaustausch mit Staaten außerhalb der Region, konstatierten die Mitglieder des Mercosur-Parlaments. Stehen nun auch die Länder südlich der USA vor einem wirtschaftlichen Wendepunkt?


      Auf den zweiten Blick werden die Krisenfolgen auch in den Staaten Lateinamerikas und der Karibik sichtbar - wenn auch weitaus geringer als in den Industriestaaten. Nach Einschätzungen der Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) wird die durchschnittliche Zunahme der Wirtschaftskraft in der Region bis zum Ende dieses Jahres noch 1,9 Prozent betragen. Die Länder Südamerikas kommen für sich genommen sogar auf 2,4 Prozent. Das wäre zwar das schwächste Wachstum - aber es wäre ein Wachstum. In den globalen Industriezentren - USA, Japan und Europa -, wo der andauernde Zusammenbruch der Finanz- und Wirtschaftssysteme noch mit Euphemismen wie "Negativwachstum" verschleiert wird, kann man von solchen Zahlen nur träumen. Selbst die konservative Neue Zürcher Zeitung musste am Montag dieser Woche nach der Dokumentation der CEPAL-Prognosen eingestehen:

      Im Vergleich mit der Rezession in den USA und in Europa zeigt Lateinamerika jedoch eine gewisse Widerstandskraft. Das ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass die Banken in der Region nicht oder nur geringfügig in Papieren des US-Hypothekenmarktes investiert waren.
      NZZ


      Dabei sind die Folgen des globalen Wirtschaftseinbruchs in Lateinamerika in unterschiedlicher Stärke zu spüren. Vor allem jene Staaten, die sich selbst oder auf externen Druck hin in die Abhängigkeit der internationalen Finanzinstitutionen begeben haben, schneiden nun deutlich schlechter ab als etwa die südamerikanischen Ökonomien. Das betrifft die Karibik (mit ihrem Armenhaus Haiti, das zu Beginn der Krise im vergangenen Jahr von Hungerrevolten erschüttert wurde), Mexiko und andere zentralamerikanische Staaten.

      Mercosur-Mitgliedstaaten

      Durch den massiven Rückgang des Erdölpreises mussten aber auch Regierungen in Südamerika ihre Haushalte neu kalkulieren. Ecuador etwa wird bis zum Ende des laufenden Jahres voraussichtlich ein Defizit von umgerechnet 1,5 Milliarden US-Dollar verzeichnen. Auch Venezuela musste die Haushaltsplanungen korrigieren. Die Methoden unterscheiden sich noch von denen der Industriestaaten. In Caracas erklärte Chávez vor wenigen Tagen erst, seine Regierung werde bei anstehenden Sparmaßnahmen die Fonds für sozialpolitische Programme nicht berühren. Stattdessen verordnete der streitbare Staatschef den Politikern und staatlichen Funktionären einen strikten Sparkurs. Luxusausgaben gehörten der Vergangenheit an, so Chávez, der fragte: "Was macht eigentlich jemand mit 15.000 Bolívares (rund 7.500 US-Dollar) monatlich?"

      Finanzielle und politische Autonomie zahlt sich aus

      Dass sich die Folgen der Weltwirtschaftskrise in Südamerika trotzdem noch in Grenzen halten, führen Experten auf die Loslösung von neoliberalen Strukturen und Praktiken zurück. Der Wirtschaftswissenschaftler Antonio Minzoni von der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (UNAM) etwa verweist auf die regionalen Integrationsprozesse. Die Gründung der Südamerikanischen Staatengemeinschaft (CSN) Ende 2004 etwa habe zur Autonomie beigetragen. "Die CSN hat von den riskanten Suprime-Geschäften Abstand genommen", schrieb Minzoni unlängst. Deswegen seien die zwölf Mitgliedsstaaten bislang auch von den negativen Folgen verschont geblieben.

      Dieses Prinzip wollen linksgerichtete Staatsführungen nun stärker verankern. Gleich zwei multinationale Entwicklungsbanken sollen helfen, den zu erwartenden Konsequenzen der Weltwirtschaftskrise entgegenzuwirken. Schon Ende 2007 war auf Initiative des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez die Bank des Südens ins Leben gerufen worden. Später gründete auch das anti-neoliberale Staatenbündnis Bolivarische Alternative für Amerika (ALBA) ein eigenes Kreditinstitut. Beide Regionalbanken lehnen Spekulationsgeschäfte ab, um stattdessen entwicklungspolitische Ziele und den sozialen Wandel in der Region zu unterstützen.

      Das Dilemma nun ist, dass eben die Krise, die beide Geldinstitute zu bekämpfen suchen, ihre Gründung behindert. Während die politischen Ziele immer wieder bekräftigt werden, hat die Regierung Argentiniens unlängst als erste Staatsführung der Region wieder Kontakt zum Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen. Der IWF soll nun Haushalt und Wirtschaft dieser zweitgrößten Binnenökonomie Südamerikas prüfen - ein möglicher erster Schritt zur Wiederaufnahme von IWF-Krediten. Ecuador hingegen setzt zur Überbrückung von Engpässen zunächst auf kleinere Darlehen regionaler Fonds und Institute.

      Der steinige Weg zur Bank des Südens

      Die Gründungsmitglieder der Bank des Südens verstärken daher ihre Bemühungen, dieses Kreditinstitut zum Laufen zu bringen. Ein schwieriges Unterfangen: Zwar wurde bereits Ende 2007 die Gründungsakte der Südbank unterzeichnet, doch die Verhandlungen über die Charta dauern an.

      Anfang dieses Monats nun startete Ecuadors Wirtschaftsminister Pedro Páez einen neuen Versuch, die offensichtlich bestehenden Differenzen zwischen den sieben Mitgliedsstaaten (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, Paraguay, Uruguay, Venezuela) zu überwinden. Páez steht zugleich der technischen Kommission der Bank des Südens vor, die im Mai 2007 gegründet worden war. Nach wie vor sind die Mitgliedsstaaten bereit, umgerechnet insgesamt bis zu zehn Milliarden US-Dollar für die Entwicklungsbank zur Verfügung zu stellen. Politisch aber besteht noch erheblicher Klärungsbedarf. Ursache der Differenzen sind auch unterschiedliche Ansichten über die demokratische Struktur der Kreditanstalt. Während Venezuela, Bolivien und andere auf das Prinzip "Ein Staat, eine Stimme" setzen, drängt vor allem Brasilien darauf, das Stimmgewicht in dem neuen Kreditinstitut gemäß der Investitionshöhe zu bestimmen.

      In dieser Woche nun kamen Finanzminister und technische Experten zu einer neuen Beratungsrunde in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zusammen. Nach einem ersten Tag mit "harten Diskussionen", so hieß es in einer Pressemitteilung des venezolanischen Außenministeriums, sei man in technischen Aspekten vorangekommen. Man stimme darin überein, dass Lateinamerika "eine stärkere Stimme im internationalen Konzert spielen wird", sagte Venezuelas Wirtschafts- und Finanzminister Ali Rodríguez Araque. Im Mai werde die technische Kommission der Bank des Südens daher erneut zusammenkommen. "Ein folgender Präsidentengipfel in Caracas, Venezuela, soll die endgültige Aufnahme der Geschäfte der Bank des Südens besiegeln", heißt es in dem Kommuniqué des venezolanischen Kommunikations- und Informationsministeriums.

      Regionalbündnis ALBA mit den deutlichsten Fortschritten

      Bedeutend schneller lief die Gründung der ALBA-Bank (Bolivien, Kuba, Nicaragua, Venezuela) ab. Im Juni 2007 wurde die Idee vorgebracht, Anfang 2008 nahm das Kreditinstitut seine Arbeit auf. Inzwischen unterstützt die ALBA-Bank, die über ein Kapital von umgerechnet bis zu zwei Milliarden US-Dollar verfügt, Entwicklungsprojekte in den vier Staaten.

      Der Fokus liegt dabei auf der Förderung der regionalen Wirtschaft und der Ernährungssicherheit. In großen Maßstab wird in Venezuela und Nicaragua Soja-Anbau gefördert, um die regionalen Märkte zu bedienen. Ein Sonderfonds soll den Mitgliedsstaaten helfen, die Folgen der in der Region immer wiederkehrenden Naturkatastrophen zu überwinden. Allein in Kuba hatten zwei große Wirbelstürme im vergangenen Jahr volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von umgerechnet zehn Milliarden US-Dollar angerichtet.

      Jorge Valero, der Präsident der ALBA-Bank, bekräftigte unlängst auf einem alternativen Wirtschaftstreffen in der kubanischen Hauptstadt Havanna die politischen Ziele der Kreditanstalt. Es ginge darum, so der venezolanische Diplomat, "die kriminelle Abhängigkeit von Produktion und Handel Südamerikas vom internationalen Finanzsystem" zu brechen.

      Die etablierten Finanzinstitutionen hingegen sind in Lateinamerika diskreditiert. Die Staaten der Region setzen deswegen in zunehmendem Maße auf die Entwicklung einer eigenen Finanzinfrastruktur. Die 1959 gegründete "Interamerikanische Entwicklungsbank" habe heute 48 Mitglieder, von denen sich lediglich 26 in Lateinamerika befinden, merkte die Wirtschaftsanalytikerin Mariela Buonomo vom uruguayischen Think-Tank Zentrum für soziale Ökologie mit Sitz in Montevideo unlängst an. Neben den regionalen Mitgliedern seien 16 EU-Staaten, Israel, Südkorea und China Teil dieses Kreditinstituts, so Buonomo in einem Aufsatz.

      Die Industrie- und Schwellenstaaten nutzten das Engagement offenbar, um Aufträge in Lateinamerika zu akquirieren. Über die interamerikanische Bank sorgten sie so für eine Stimulierung der eigenen Wirtschaft. Zudem hielten die 26 Mitgliedsstaaten Lateinamerikas nur 50,02 Prozent der Anteile. Die USA alleine kontrollierten jedoch 30,007 Prozent, gefolgt von Brasilien und Argentinien mit je 10,752 Prozent. Um Washington in der "Interamerikanischen Entwicklungsbank" zu überstimmen, so Buonomo, müssten sich Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, die Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Nicaragua, Paraguay, Uruguay und Venezuela zusammenschließen. Zusammen kämen all diese Staaten in der BID auf gut 35 Prozent der Stimmen. Erst dann bestünde eine Chance, die Politik dieser neben dem IWF wichtigsten Entwicklungsbank in der Region mitzubestimmen. Die Gründung eigener Institutionen scheint da fast einfacher, um einen effektiven Schutzschild gegen die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu entwickeln.

      Quelle mit vielen Links: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30003/1.html
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      Avatar
      schrieb am 26.03.09 07:03:26
      Beitrag Nr. 2.517 ()
      Aus der "Bild" ...

      Was würde Ludwig Erhard dazu sagen?
      Gegen Rezession hilft kein soziales Wundermittel
      VON HANS D. BARBIER*

      Die Wirtschaftsleistung Deutschlands könnte in den kommenden Monaten um vier bis 4,5 Prozent sinken, haben Konjunkturbeobachter ausgemacht. Das wäre eine Schrumpfung, viermal so stark wie während der Ölkrise in den 70er-Jahren.

      Was ist zu tun? Was ist zu lassen?

      Auf Nichtstun würde Ludwig Erhard nicht setzen. Aber er würde davor warnen, das Gespenst der Krise mit einem Sperrfeuer an Staatsausgaben und höheren Arbeitskosten vertreiben zu wollen. Über 3 Punkte würde er mit sich reden lassen:

      1. Der Staat darf sich verschulden, um einem sich selbst verstärkenden Niedergang entgegenzuwirken. Aber er soll das Geld nicht quer durch die Wunschlisten der Parlamentsfraktionen für dies und das ausgeben. Deshalb würde Ludwig Erhard einer Steuersenkung den Vorzug vor allem anderen geben! Sein Argument: „Die Leute sollen sehen, dass sie in einer Rezession nicht ins Bodenlose fallen. Das gibt ihnen die Zuversicht: Sie können es sich leisten, ohne Sparzwang auszugeben, was sie einnehmen. Das stützt die Konjunktur. Und es ermöglicht dem Staat, morgen die Defizite zu tilgen, die er heute mit der Steuersenkung hinnimmt.“

      2. Falsch wäre es, den Konjunktureinbruch mit steigenden Löhnen aufhalten zu wollen.
      Das macht es Firmen noch schwerer, sich in der härter werdenden Konkurrenz zu behaupten. Löhne sind Kosten. In der Rezession wirken kräftige Lohnerhöhungen daher als Jobkiller.

      3. Die Arbeitnehmer sind nicht in die Irre zu führen.
      Sie wissen, dass höhere Staatsausgaben zu höheren Schulden und damit zu noch mehr Zinszahlungen führen. Sie wissen auch, dass Lohnerhöhungen die Betriebe zusätzlich belasten. Und sie wissen: Wer jetzt die Kosten in die Höhe treibt, der macht alles nur schlimmer.

      Ludwig Erhard würde es wohl so sagen: „Die Menschen wissen, dass es keine Wundermittel gibt, die aus einer Rezession herausführen. Die Politiker sollten ihnen daher auch nichts anderes erzählen.“

      Quelle: http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/03/26/ludwig…

      Bis später denn ....
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 08:35:00
      Beitrag Nr. 2.518 ()
      Arbeitslosigkeit reißt Loch in Etat der Bundesagentur für Arbeit

      Berlin (ddp). Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wird nach Ansicht
      von Arbeitsmarktexperten die finanziellen Reserven der Bundesagentur für Arbeit (BA) voraussichtlich schneller aufzehren als geplant. Das dürfte einem Medienbericht zufolge schon im kommenden Jahr ein weiteres Milliardenloch in den Bundeshaushalt reißen. «Wenn die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose weiter senkt und sich die negativen Wirtschaftsprognosen erfüllen, geraten auch die Sozialkassen unter Druck. Wir stehen dann vor milliardenschweren Zusatzbelastungen», sagte der haushaltspo-litische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Steffen Kampeter, der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstagausgabe). Die derzeitige Finanzplanung werde sich dann «endgültig nicht mehr halten lassen».

      Die Bundesagentur für Arbeit verfügt dem Bericht zufolge über ein
      Finanzpolster von knapp 17 Milliarden Euro. Im Nachtragshaushalt für 2009 werde auf Grund der steigenden Arbeitslosenzahlen ein Defizit von 11 Milliarden Euro veranschlagt. Um dieses Minus auszugleichen, müsse die BA auf ihre Rücklagen zurückgreifen. Ende des Jahres hätte die BA demnach fast sechs Milliarden Euro übrig. Der im Februar 2009 verabschiedete Nachtragshaushalt beruhe aber auf den inzwischen veralteten Wachstumsprognosen im Jahreswirt-schaftsbericht vom Januar 2009. Darin war mit einem Minus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,25 Prozent gerechnet worden. Die neue Konjunkturprognose der Bundesregierung im April werde deutlich schlechter ausfallen. :laugh:

      Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI)
      prognostiziert zum Beispiel, dass die Zahl der Arbeitslosen im
      Jahresdurchschnitt 2009 auf 3,7 und im Jahr 2010 auf mehr als 4,6
      Millionen steigen wird. Die BA kalkuliert mit durchschnittlich 3,6 Millionen Arbeitslosen in diesem Jahr. Schon 100 000 Erwerbslose mehr kosten nach Berechnungen der Bundesagentur im Jahresdurch-schnitt 500 Millionen Euro.

      (ddp)


      Das sind alles Rechenkünstler. Bei 100000 Arbeitslosen wird mit mehrkosten von 500 Mio gerechnet. Das sind 5000 € pro Jahr oder € 416 im Monat.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 11:20:41
      Beitrag Nr. 2.519 ()
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 12:49:06
      Beitrag Nr. 2.520 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.851.637 von Triakel am 26.03.09 11:20:41Alles unter der Voraussetzung, dass keine Bürgschaften ausfallen.
      Aber nächstes Jahr wollten wir doch einen ausgeglichenen Haushalt haben. Oder war das 2011?

      Jetzt erstmal ne Schuldenbremse und Steuersenkung a la FDP.;)
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:00:29
      Beitrag Nr. 2.521 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.869 von kiska am 26.03.09 08:35:00Guten Tag kiska,
      guten Tag Triakel,
      guten Tag zusammen,

      hier etwas zur Ergänzung ...

      Wirtschaftskrise
      Etatfalle Jobabbau
      von Dietrich Creutzburg

      Die Wirtschaftskrise gerät zum Sprengsatz für Bundesetat und Bundesagentur für Arbeit: Rücklagen schwinden, Schulden steigen. Nach internen Berechnungen der Jobvermittler dürfte sich ihr Bedarf an zusätzlichen Steuermitteln für 2010 auf bis zu sieben Mrd. Euro summieren.


      BERLIN. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) wandelt sich immer schneller von einer Spardose zur Milliarden-Falle für den Bundeshaushalt: Angesichts eines rasant wegschmelzenden Finanzpolsters könnte sie 2010 und 2011 zusammen bis zu 20 Mrd. Euro aus dem Steuertopf benötigen - es sei denn, der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung würde spätestens 2011 drastisch erhöht. Das lässt sich aus Eckdaten der BA-Finanzentwicklung für die zurückliegenden Jahre hochrechnen. Und mit jeder weiteren Absenkung der Konjunkturprognosen wird sich das Problem verschärfen.

      Zwar geht die Bundesregierung bereits bisher davon aus, dass sie der Arbeitslosenkasse im nächsten Jahr mit Steuermitteln aushelfen muss. Nach internen Berechnungen der BA von Anfang Februar dürfte sich dieser Bedarf allein für 2010 auf bis zu sieben Mrd. Euro summieren. Während das Geld nach aktueller Rechtslage aber nur als Darlehen fließen soll, scheint eine Rückzahlung ab 2011 mittlerweile völlig unrealistisch zu sein. Im Gegenteil: Beim derzeitigen Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 2,8 Prozent des Bruttolohns steuert die BA dann auf ein neuerliches Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe zu.

      Die Behörde wollte die Hochrechnungen auf Anfrage des Handelsblatts nicht im Einzelnen kommentieren. Allerdings sei zu erwarten, dass sich eine neuerliche Abwärtsrevision der Konjunkturdaten auf den BA-Haushalt auswirken werde, sagte ein Sprecher. Damit steige die Gefahr, dass auch die aktuell kalkulierten Defizite übertroffen würden. Umso rascher wäre folglich auch das noch bestehende Finanzpolster aus BA-Überschüssen früherer Jahre aufgezehrt - Anfang dieses Jahres waren es noch 18 Mrd. Euro.

      Bisher rechnet die Bundesagentur mit einem operativen Defizit von 10,9 Mrd. Euro für 2009 und von zwölf Mrd. Euro für 2010. Basis ist die aktuelle Prognose der Regierung, wonach die Wirtschaft 2009 um 2,25 Prozent schrumpft. Für 2010 ist eine stagnierende Wirtschaftsleistung unterstellt. Tatsächlich bereitet sich die Regierung intern aber schon darauf vor, ihre Prognose für 2009 in Richtung minus 4,5 Prozent zu senken.

      Je mehr das Finanzpolster der BA bereits im laufenden Jahr zusammenschmilzt, desto stärker wird die Regierung jedoch 2010 mit Bundesmitteln einspringen müssen. Selbst die genannten sieben Mrd. Euro Bundeshilfe könnten damit noch zu knapp kalkuliert sein. Und umso tiefer würde die BA damit schon am Jahresanfang 2011 beim Bundesfinanzminister in der Kreide stehen.

      Die Gewerkschaftsseite im BA-Verwaltungsrat tritt daher offen dafür ein, dass die Regierung ihre Bundeshilfe von vornherein als Zuschuss zahlt und eben nicht als rückzahlbares Darlehen - eine Regelung, wie sie bis 2006 gesetzlich vorgesehen war, dann von der Großen Koalition aber geändert wurde. "Die Defizithaftung des Bundes für die Arbeitslosenversicherung muss dringend wieder eingeführt werden", sagte Wilhelm Adamy, Leiter der Arbeitsmarktabteilung beim Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Handelsblatt. Ein solches Signal müsse schon deshalb möglichst früh gegeben werden, "um keine Leistungskürzungen wegen Finanzengpässen zu riskieren". Alles andere sei im Übrigen auch gesellschaftlich nicht vermittelbar: "Es passt nicht zusammen, wenn der Staat zwar eine Haftung für Banken übernimmt, dies aber der Arbeitslosenversicherung verweigert", so Adamy. "Denn das hieße, ausgerechnet die Beitragszahler mit den Folgen der Krise alleinzulassen."

      Wie die Arbeitslosenkasse 2011 dastehen wird, lässt sich bislang zwar nur grob abschätzen, offizielle Berechnungen gibt es nicht. Alle Anhaltspunkte deuten aber darauf hin, dass die Bundesagentur fast zwangsläufig erneut ein gewaltiges Minus einfahren wird - außer der Beitragssatz würde stark erhöht.

      Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet aktuell mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf etwa 4,6 Millionen bis Ende 2010. Das ermöglicht folgenden Vergleich: 2006, das erste Jahr des jüngsten Konjunkturaufschwungs, begann ebenfalls mit 4,6 Millionen Arbeitslosen. Um einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen, hätte die BA damals einen Beitragssatz von etwa fünf Prozent erheben müssen. Demnach stünde die nächste Bundesregierung Ende 2010 etwa vor dieser Alternative: Entweder sie erhöht den Beitragssatz von bisher 2,8 Prozent um gut zwei Prozentpunkte - oder sie schießt der Arbeitslosenkasse für 2011 den Gegenwert davon aus dem Bundeshaushalt zu. Dies wären rechnerisch rund 14 Mrd. Euro.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/etatfalle-jo…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:02:58
      Beitrag Nr. 2.522 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.851.637 von Triakel am 26.03.09 11:20:41In Bezug.

      Wirtschaftskrise
      Ökonomen zweifeln an schnellem Schuldenabbau
      von Donata Riedel

      Die immer trüberen Wirtschaftsaussichten und wachsende Etatrisiken wie die steigende Arbeitslosigkeit wecken Zweifel am schnellen Abbau der neuen Schuldenberge.


      BERLIN. "Die Schulden einer so tiefen Rezession lassen sich wahrscheinlich nicht über einen einzigen Konjunkturzyklus hinweg wieder abbauen", sagte der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard dem Handelsblatt. "Ich erwarte aber dennoch, dass die neuen Schuldenregeln erheblich zur Konsolidierung beitragen werden."

      Die Bundesregierung hat gestern die Grundgesetzreform im Kabinett beschlossen, mit der es für den Bund künftig in Aufschwungphasen erheblich schwerer wird, neue Kredite aufzunehmen. Ab kommenden Freitag berät der Bundestag über die seit zwei Jahren geplante Föderalismusreform. Ab 2011 soll der Bund danach beginnen, seinen Etat wieder zu sanieren. Ab 2016 soll er in normaler Konjunkturlage - also bei etwa 1,5 Prozent Wachstum - maximal noch jährliche Kredite in Höhe von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufnehmen dürfen. Derzeit entspricht dies acht Mrd. Euro. Höhere Schulden sind in Abschwüngen sowie in Notlagen erlaubt. Sie müssen aber im Aufschwung wieder abgebaut werden. Darüber soll ein neuer Stabilitätsrat wachen, dem ab 2011 alle Finanzminister und der Bundeswirtschaftsminister angehören. Die Länder sollen 2020 ganz ohne Neuschulden auskommen.

      "Gerade wegen der krisenbedingt steigenden Neuverschuldung brauchen wir im nächsten Aufschwung die Schuldenbremse", sagte Unionshaushälter Steffen Kampeter (CDU). Der gestrige Beschluss sei ein Signal, dass es der Koalition ernst sei, nach der Krise zu soliden Staatsfinanzen zurückzukehren. SPD-Haushälter Carsten Schneider sagte, dass der Schuldenabbau bis 2016 nur funktionieren könne, wenn es Wachstum gebe: "Die Schuldenbremse sieht nicht vor, im Abschwung zu sparen", sagte er. Der FDP sind die neuen Regeln nicht hart genug: "Es gibt weiterhin 1 000 Möglichkeiten für die nächste Bundesregierung, von der Ausnahmeregel für Notsituationen Gebrauch zu machen", sagte Haushälter Otto Fricke. Außerdem erschwere jeder Prozentpunkt weniger Wachstum den Einstieg. Falls in diesem Jahr die Wirtschaft tatsächlich um sieben Prozent schrumpfen sollte, wie von der Commerzbank prognostiziert, würden zusätzlich 21 Mrd. Euro Einnahmen aus Steuern und Abgaben fehlen.

      Ökonomen halten das Gesetzespaket allerdings grundsätzlich für gelungen. "Ich finde das Konzept recht vernünftig", sagte Stefan Bach vom DIW. Er fürchte allerdings, dass es bei der Bestimmung der Kreditgrenzen, die mit der Konjunktur atmen sollen, Probleme geben werde. Gerade im Abschwung seien Prognosen zu ungenau, wie sich gerade jetzt zeige.

      Wiegard hält die Erwartung, dass der Schuldenberg der derzeitigen Rezession in einem Aufschwung abgetragen werden könnte, für einen Irrtum: "Das Konzept sieht vor, dass sich die höheren Mehrausgaben des Abschwungs im Aufschwung ausgleichen werden", sagte er. Bei tiefen Rezessionen müsse die Ausnahmeregel greifen. Es werde darauf ankommen, ab 2011 die regelmäßigen Ausgaben wieder an die Steuereinnahmen anzugleichen: Die dauerhaften Kosten für die letzten Steuer- und Abgabensenkungen - jährlich über 15 Mrd. Euro - müssten erst noch eingearbeitet werden. "Das kann schwierig sein", räumte er ein.

      Schwieriger als für den Bund sieht Wiegard allerdings langfristig die Lage der Länder. "Ab 2020 müssen sie definitiv völlig ohne Schulden auskommen. Das halte ich für zu hart." Für Steuersenkungen könne dann kaum ein Land noch eintreten.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oekonomen-zw…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:06:08
      Beitrag Nr. 2.523 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.847.803 von Maraho am 25.03.09 20:21:49In Bezug hierauf ...

      Konsumklima
      Verbraucher trotzen der Wirtschaftskrise

      Allen düsteren Krisenmeldungen zum Trotz: Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt sich in der Wirtschaftskrise weiterhin erstaunlich robust. Das Konsumklima sei im März nahezu stabil geblieben, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg mit.


      HB NÜRNBERG. Vor allem die Kauflust der Verbraucher halte sich auf einem guten Niveau. Gründe dafür seien die niedrige Inflationsrate sowie die finanziellen Anreize des zweiten staatlichen Konjunkturpakets. Allerdings werde der Pessimismus der Bürger über die Entwicklung der Konjunktur größer. Die Angst um den Arbeitsplatz dürfte mehr und mehr in den Vordergrund treten, hieß es in der GfK-Studie.

      "Wie lange die verhältnismäßig positive Verbraucherstimmung der Wirtschaftskrise noch trotzen kann, hängt maßgeblich vom Arbeitsmarkt ab", sagte GfK - Experte Rolf Bürkl in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Nürnberg. Sollte sich die Arbeitslosigkeit deutlich ungünstiger als erwartet entwickeln, "so wird dies das Konsumklima schwer belasten".

      "Dann würde die Binnennachfrage ihre bisher stabile Position verlieren und könnte die Rezession nicht mehr abmildern", sagte Bürkl. Immerhin mache der private Konsum knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Er habe deshalb eine wichtige Rolle inne, wenn es darum gehe, die Einbrüche beim Export abzufedern.

      Die GfK halte an ihrer Prognose fest, dass der private Verbrauch in diesem Jahr um 0,5 Prozent wachsen werde. "Wir haben keinen Grund, davon abzugehen", kommentierte Bürkl die relativ stabile Entwicklung des Konsumklimas auch im März. "Die Konsumenten haben bisher auf die ständigen Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft erstaunlich gelassen reagiert." 2008 habe es geheißen, der Aufschwung sei nicht bei den Bürgern angekommen. "Vielleicht passiert jetzt das Gegenteil, und die Krise kommt nicht so schnell bei den Menschen an."

      Dies liege auch daran, dass die Unternehmen bisher über Instrumente wie Kurzarbeit versuchten, Entlassungen in großem Stil zu vermeiden. Die Konjunkturpakete des Staates zeigten ebenfalls Wirkung. Wenn aber die Rezession länger anhalte und die Angst vor Arbeitslosigkeit stark wachse, dann würden die Verbraucher zurückhaltender mit ihren Ausgaben, sagte der Konsumforscher.

      Bürkl begrüßte die geplante Aufstockung der Abwrackprämie. "Der Erfolg der Abwrackprämie zeigt, dass die Konsumenten solche "Geschenke" gerne annehmen." In vielen Haushalten seien noch genügend finanzielle Mittel vorhanden, die man durch weitere Kaufanreize "mobilisieren" könne. Skeptisch zeigte sich der GfK-Experte dagegen bezüglich einer Senkung der Mehrwertsteuer. Es sei nicht gewährleistet, dass diese Maßnahme über Preissenkungen auch wirklich beim Verbraucher ankommen würde.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/v…
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      schrieb am 26.03.09 13:11:49
      Beitrag Nr. 2.524 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.463 von Maraho am 26.03.09 05:35:36Passend ....
      Der Geithner ist bald weg! Wetten?


      Gastkommentar
      Melvyn Krauss - Fatale Wut auf Banker
      Die Wut der Amerikaner gegen Banker und Reiche hat ein Ausmaß erreicht, das den Erfolg des Geithner-Plans zur Bankenrettung gefährdet. Verantwortlich dafür ist auch der Finanzminister selbst.


      Die größte Überraschung der bisherigen Amtszeit der neuen US-Regierung ist, wie wackelig sie aus den Startblöcken kam. Und das, obwohl der neue Präsident in den Umfragen gut dasteht und schon einige beeindruckende Erfolge zu verzeichnen hat - etwa die Verabschiedung eines glaubhaften Konjunkturpakets.

      Warum es immer noch holpert, lässt sich mit einem Namen begründen: Timothy Geithner. Mit Vorschusslorbeeren gestartet, konnte der Finanzminister nicht rechtzeitig einen detaillierten und überzeugenden Plan für die Rettung der US-Banken und andere Finanzdienstleister vorlegen und belastete so Obamas Hoffnungen und Ambitionen für Gesundheitsversorgung, Energiepolitik und Bildungswesen. Letztlich steht nicht weniger als Obamas gesamte Präsidentschaft auf dem Spiel.

      Selbst Geithners Kollegen bei der Notenbank sind enttäuscht. Ein Mitglied des Offenmarktausschusses sagte: "Ich bin ein großer Fan von Geithner, aber er hat noch keinen Plan. Ich begreife nicht, was da so lange dauert. Wir sollten mittlerweile wissen, was das Finanzministerium vorhat, aber noch ist alles offen. Wir benötigen Klarheit, und zwar bald."Nun ist Geithners Plan für eine öffentlich-private Partnerschaft, die faule Wertpapiere der Banken aufkaufen soll, endlich da. Die Frage bleibt: Was hat das Wirtschaftsteam von Obama all die Monate bloß getrieben?

      Gestritten, scheint es. Gerüchte kursieren, dass Geithner und Larry Summers, der oberste Wirtschaftsberater, vor allem um eine mögliche Verstaatlichung von Banken zanken. Summers tendiert eher zu einer Verstaatlichung, Geithner lehnt dies kategorisch ab.

      Dass der Plan so spät kam, hat aber auch damit zu tun, dass in den USA die öffentliche Meinung zu Bankenrettungen gekippt ist. Das erschwert es deutlich, einen Plan zu erarbeiten, der sowohl das Problem löst als auch politisch vertretbar ist. Wenn AIG trotz massiver Finanzhilfe 100 Mio. $ an Bonussen ausbezahlt, macht das die Leute wütend - und zwar zu Recht. Finanzhilfen und Bonuszahlungen passen nicht zusammen. Wie schnell sich doch die Stimmung gedreht hat - vom beflügelnden "Yes, we can" hin zum nörgelnden "Keine weiteren Bailouts".

      Auf Reiche wird eine wahre Hexenjagd gemacht. Jeder, der besser dasteht, bekommt den Volkszorn zu spüren, egal ob er Boni kassiert hat oder überhaupt in der Finanzbranche arbeitet. In Connecticut tauchten Demonstranten vor den Häusern von AIG-Managern auf und verlangten die Rückzahlung der Boni.

      Indem sie auf die Wut der Öffentlichkeit eingegangen ist und sie zunächst noch anfachte, hat sich die Regierung echte Probleme eingehandelt. Sie ermutigte so das Repräsentantenhaus, "den Wall-Street-Typen eine Lektion zu erteilen": Die Abgeordneten verabschiedeten ein Gesetz, das alle Bonusempfänger mit einer rückwirkend gültigen Strafsteuer in Höhe von 90 Prozent belegt.

      Da ging dem Obama-Team auf, was das bedeutet: Warum sollte sich ein Investor am Programm zum Kauf fauler Wertpapiere beteiligen oder Geld von einer unberechenbar und rachsüchtig auftretenden Regierung annehmen, wenn ihn das später vor beträchtliche steuerliche und rechtliche Risiken stellen könnte?

      Zum kritischen Zeitpunkt hatte der junge Präsident den Ball verstolpert. Indem er den Volkszorn über die Boni anfachte, trug Obama zu einem Klima bei, das genau das Programm scheitern lassen könnte, dessen Gelingen er für eine erfolgreiche Präsidentschaft braucht.

      Mittlerweile mahnt der Präsident die Bevölkerung in der Bonusfrage zu Besonnenheit - womöglich zu spät. Der Geist des Neides ist aus der Flasche und wird sich nicht so leicht wieder einfangen lassen. Die Stimmung ist nun so aufgeladen, dass selbst ganz gewöhnliche Leute, die dummerweise Häuser kauften, die sie sich nicht leisten konnten, zur Zielscheibe des öffentlichen Ärgers werden.

      Sinneswandel

      Dass Obama diesen Menschen zu helfen beabsichtigt, hat zu einer starken Gegenreaktion auf politischer Ebene geführt. Kritiker halten es nicht für gerecht, dass diejenigen, die vorsichtig waren und die die Regeln befolgten, nun diejenigen subventionieren sollen, die unverantwortlich und gierig waren.

      Was ist nur aus Amerikas berühmter großzügiger Gesinnung geworden? Ist sie genauso verschwunden wie der Wohlstand in den USA?

      In diesem bitteren neuen Umfeld benötigt Präsident Obama im Finanzministerium nicht nur jemanden, der in der Politik heikle Strömungen durchschiffen und einen funktionierenden Plan zur Bankenrettung vorlegen kann. Er benötigt auch jemanden, der das Vorhaben einer skeptischen bis ablehnenden Öffentlichkeit verkaufen kann. Obama kann die Schwerarbeit nicht allein leisten.

      Und auch hier scheint Timothy Geithner nicht der richtige Mann für die Aufgabe. Seine erste öffentliche Ansprache, in welcher der Finanzminister seinen Plan skizzierte, galt allgemein als Flop, und nicht nur, weil er keine Details lieferte.

      Im Fernsehen sah Geithner damals so furchterfüllt aus - und klang auch so -, wie wir uns fühlten. Ich erinnere mich lebhaft daran, denn es war das erste Mal, dass sich bei mir Zweifel an Barack Obamas politischer Urteilskraft regten. Es war schon erschreckend, wie wenig Charisma der Finanzminister ausstrahlte.

      Das heißt nicht, dass man Geithner hinauswerfen sollte. Obama ist wie ein Trainer, der mit Summers und Geithner zwei talentierte Spieler hat, sie jedoch auf den falschen Positionen einsetzt. Geithner sollte im Hintergrund wirken, wo seine mangelnde Ausstrahlungskraft nicht ins Gewicht fällt. Summers dagegen ist erstklassig, wenn es ums Reden, Denken und Verkaufen geht. Er sollte derjenige sein, der an die Öffentlichkeit tritt.

      Seien Sie also nicht überrascht, wenn der neue Präsident diese Lage bald korrigiert. Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass man an einer Aufstellung festhalten sollte, die nicht funktioniert.

      Quelle: http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Gastkommentar-Melvyn-K…
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      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:17:35
      Beitrag Nr. 2.525 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.846.158 von Maraho am 25.03.09 17:50:17Und dies in Bezug hierauf ...

      Zu viele Papiere auf dem Markt
      Anleihen schwer verkäuflich
      von Tobias Bayer und André Kühnlenz (Frankfurt)

      Regierungen weltweit verschulden sich - und die Finanzierung über Anleihen gestaltet sich schwierig. Nachdem Großbritannien auf Papieren sitzenblieb, fetzen sich Notenbank und Regierung. Nun gerät die USA mit einer neuen Großemission in den Fokus.


      Angesichts Rekordemissionen an Staatsanleihen dieses Jahr wächst die Sorge, dass die Investoren in den Käuferstreik treten, und Regierungen auf ihren Papieren sitzen bleiben. Erste Anzeichen für mangelnde Nachfrage gibt es bereits in den USA und Großbritannien.

      In den Vereinigten Staaten sind die Staatsanleihenkurse bereits seit sechs Tagen rückläufig. Das ist die längste Verlustperiode innerhalb der vergangenen fünf Monate. Am Donnerstag kletterte die Rendite auf zehnjährige Treasuries auf 2,82 Prozent. Im Dezember hatte sie noch bei 2,04 Prozent gelegen. Rendite und Kurse bewegen sich gegenläufig.

      Nachdem Washington am Mittwoch bei der Emission von fünfjährigen Anleihen im Volumen von 34 Mrd. $ eine deutlich höhere Rendite gewähren musste, als ursprünglich erwartet worden war, wird auch für die am Donnerstag anstehende Ausgabe von 24 Mrd. $ an siebenjährigen Papieren mit höheren Aufschlägen gerechnet. "Das Angebot überschwemmt regelrecht den Markt", sagte Satoshi Okumoto, General Manager beim japanischen Lebensversicherer Fukoku Mutual Life Insurance. "Die Renditen müssen deutlich klettern." Fukoku sieht die US-Renditen am Jahresende bei 3,5 Prozent.

      Großbritannien scheitert mit Gilt-Auktion

      Großbritannien steht vor ähnlichen Herausforderungen. Am Mittwoch fand die britische Regierung erstmals seit sieben Jahren nicht genügend Interessenten für ihre Staatsanleihen. Offensichtlich war die Nachfrage für eine Auktion von 1,75 Mrd. Pfund (1,9 Mrd. Euro) eines 30-jährigen Bonds (Gilt) nicht ausreichend. Investoren zeigten nur Interesse für Anleihen im Wert von 1,63 Mrd. Pfund.

      Die Kurse der Gilts fielen daraufhin drastisch, und die Rendite sprang kräftig nach oben - doch nur vorübergehend. Am Ende rentierten zehnjährige Gilts gut fünf Basispunkte niedriger als am Vortag bei 3,28 Prozent. Das Pfund verlor bis zum Abend fast 1,5 Prozent zum Euro. "Am Bondmarkt steigt die Furcht über die hohe Schuldenaufnahme des Königreichs", sagte Steven Major, Chefrentenanalyst bei HSBC.

      Die Entwicklungen sind ein weltweites Phänomen: Für Konjunkturpakete und Bankenrettungspläne nehmen Regierungen über den Anleihemarkt Schulden auf. Doch das Rekordangebot muss erst einmal verdaut werden. Darunter leidet auch Deutschland, bei dem dieses Jahr zwei Auktionen nicht gedeckt waren. Die Bundesrepublik will allein im Frühjahr 96 Mrd. Euro an neuen Papieren auf den Markt bringen. Das sind 23 Mrd. Euro mehr als noch Ende 2008 avisiert.

      Die Vereinigten Staaten hängen dabei am Tropf der Chinesen und Japaner, um das angepeilte Defizit von 1750 Mrd. $ im Jahr 2009 finanzieren zu können. Die beiden asiatischen Länder halten 740 Mrd. $ beziehungsweise 634 Mrd. $ an US-Staatsanleihen und haben beide mit einbrechenden Exporten zu kämpfen.

      Nicht zuletzt blicken sie besorgt auf die rasche Geldmengenausweitung in den USA, die den Wert des Dollar - und damit auch ihrer Anleihenbestände - senken könnte. Die kritischen Stimmen aus der Volksrepublik häufen sich bereits. Ein Notenbankvertreter forderte eine neue Reservewährung, Premierminister Wen Jiabao mahnte die USA zur Haushaltsdiziplin. Mit anderen Worten: Die Kombination aus Rekordangebot, wirtschaftlicher Krise und großer Geldmengenausweitung könnte dazu führen, dass die Schuldenaufnahme der Amerikaner nicht gelingt beziehungsweise teurer ausfällt als gedacht.

      Auch zwischen den Regierungen und den Notenbanken knirscht es ab und an. Die Stimmung in Großbritannien ist aufgeheizt. Robert Stheeman, Leiter des britischen Debt Management Office, das für die Schuldenaufnahme des Landes zuständig ist, kritisierte öffentlich die Notenbank und ihren Gouverneur Mervyn King: Stheeman zufolge verringert der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Bank of England (BoE) die Rendite - und damit auch die Attraktvität der Gilts als Anlageklasse. Die BoE hatte angekündigt, 75 Mrd. Pfund an Staatsanleihen aufzukaufen. Ihr folgte die US-Notenbank Fed, die 300 Mrd. $ an Treasuries erwerben möchte.

      Eigentlich arbeiten beide Hand in Hand. Beispiel Vereinigte Staaten: Mit ihrem Kaufprogramm will die Fed Investoren besänftigen, die fürchten, dass die US-Regierung in diesem Jahr weniger Abnehmer für Staatsanleihen finden könnte.

      Nach Schätzungen mehrerer Ökonomen bringt Washington dieses Jahr gut 2500 Mrd. $ an neuen Papieren auf den Markt. Mit dem Erwerb von 300 Mrd. $ an Staatsanleihen würde die Fed gut ein Drittel des erwarteten Emissionsvolumens in den kommenden sechs Monaten übernehmen. Allein in dieser Woche plant die Regierung, 98 Mrd. $ an Anleihen auf den Markt zu bringen. Am Mittwoch teilte die Fed mit, für 7,5 Mrd. $ Staatsanleihen gekauft zu haben, die eine Laufzeit von sieben bis zehn Jahren haben. Insgesamt seien ihr aber Papiere für 21,9 Mrd. $ angeboten worden - gut dreimal so viel, wie sie gekauft hat.

      Das Aufkaufprogramm der Notenbanken könnte jedoch auch einen Haken haben: Wegen künstlich niedriger Renditen halten sich private Investoren womöglich bei Auktionen zurück - werden also von öffentlicher Seite aus dem Markt gedrängt. Das ist die Sorge von Großbritanniens Schuldenmanager Stheeman: "Die Renditen gingen zuletzt zurück. Und warum? Das liegt teilweise daran, dass die BoE ihre Aufkäufe ankündigte." Das Emissionsvolumen Großbritanniens beträgt dieses Jahr 146,4 Mrd. Pfund.

      Marktteilnehmer sehen den Konflikt ähnlich: "Für Gilts gibt es momentan nur einen Käufer. Und der heißt Mervyn King", sagt John Anderson, Vermögensverwalter bei Rendsburg Fund Management. "Die Regierung sollte sich überlegen: Will sie Anleihen kaufen oder Anleihen verkaufen? Beides ist ein wenig schwierig."

      Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/anleihen_devisen…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:26:39
      Beitrag Nr. 2.526 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.852.877 von Maraho am 26.03.09 13:02:58Ich fasse es nicht!
      Gerade in 10 Jahren, wenn der demographische Tsunami die Sozialsysteme (Rente, Krankenkassen, Pflege) nahezu wegspült, wenn die grundsätzliche industrielle Wertschöpfungskrise beginnt (Stichwort Peak billige Energie, Peak Exportöl), wenn die Zinslast der öffentlichen Hände durch die jetzt beschleunigte Verschuldungsorgie ganz neue Größenordnungen erreicht hat, wenn die Anzahl der sich im Erwerbsalter befindlichen Bürger, die die Wertschöpfung erzeugen müssen, die für die Erwirtschaftung des Steueraufkommensnotwendig ist, um mehrere Millionen gesunken ist - genau dann will man die Schuldenbremse anziehen.

      Wenn diese fehlende Analysefähigkeit nicht so traurig wäre und ich so am Leben hängen würde, dann würde ich mich jetzt totlachen.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:33:02
      Beitrag Nr. 2.527 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.853.163 von Triakel am 26.03.09 13:26:39Sind doch alles nur noch "Sprechblasen". Das Volk bekommt dadurch vorgegaukelt, das alles im Lot ist. Nur noch für den Moment, das ganze Programm. In der Zwischenzeit packen die schon die Koffer ...
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:36:04
      Beitrag Nr. 2.528 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.674.390 von Maraho am 28.02.09 19:14:13Etwas zu Gold ...

      Rohstoff-Experte Weinberg im Interview
      "Gold ist eine gute Versicherung"
      Frank Doll

      Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoffresearchs bei der Commerzbank in Frankfurt, rechnet mit wieder steigenden Rohstoffpreisen und prophezeit einen Abwertungswettlauf unter den Papierwährungen.


      WirtschaftsWoche: Herr Weinberg, die Internationale Energieagentur (IEA) warnt schon vor der nächsten Weltwirtschaftskrise – einer, die von 2013 an durch Ölknappheit ausgelöst werden könnte. Ist das realistisch?

      Weinberg: Die Argumente der IEA sind zumindest schlüssig. Aktuell ist Öl zwar reichlich vorhanden, aber wenn jetzt zu wenig in Förderkapazitäten und die Erschließung neuer Vorkommen investiert wird, fehlt das Öl in ein paar Jahren, wenn die Nachfrage wieder anzieht. Wie Sie wissen, stehen die Banken heute nicht unbedingt Schlange bei den Ölproduzenten, um neue Projekte zu finanzieren.

      Die großen integrierten Ölmultis haben ihre Investitionsbudgets kaum gekürzt.

      Richtig, auf sie entfällt aber nur ein geringer Teil des weltweiten Angebots. Zudem ist Big Oil weniger auf Fremdkapital angewiesen. Die Konzerne arbeiten auch bei aktuellen Ölpreisen profitabel. Dass sie ihre Investitionen hochhalten, bestätigt eher das IEA-Szenario. Denn Investitionen etwa in unkonventionelle Vorkommen wie die Ölsande in Kanada, Tiefseefelder vor der Küste Brasiliens oder in der Arktis, rechnen sich erst bei deutlich höheren Ölpreisen. Damit kalkulieren die Konzerne auf lange Sicht.

      Die Opec, allen voran Saudi-Arabien, könnte den Ölhahn wieder aufdrehen. Zuletzt hat das Kartell die Förderquoten nicht mehr gesenkt.

      Die bisher beschlossene Kürzung ist ja auch noch nicht komplett umgesetzt. Die Opec wartet zunächst ab, wie der Preis reagiert. Das ist klug. Insgesamt wird sich das Kartell zurückhalten, die Menge auszuweiten. Ehe das passiert, wird man alles daransetzen, den Preis nachhaltig nach oben zu bringen, in Richtung 80 Dollar pro Fass. In der aktuellen Marktlage können die Förderländer mehr Einnahmen über einen höheren Preis erzielen als über eine höhere Menge. Darüber herrscht Konsens innerhalb der Opec. Außerdem gibt es nur ein Saudi-Arabien auf dieser Welt mit hohen ungenutzten Produktionsreserven.

      Sollten Regierungen die Steuergelder dann nicht besser in Energieprojekte stecken, statt gigantische Überkapazitäten in überschuldeten und unproduktiven Branchen zu alimentieren, etwa im Bankensektor?

      Es gibt ja Regierungen, die das machen. China etwa nutzt die tiefen Preise und investiert – nicht nur im Energiebereich, sondern in nahezu allen Rohstoffsektoren. Peking kauft Lagerbestände, beteiligt sich an Rohstoffunternehmen und an einzelnen Projekten. Das ergibt Sinn. Der Boden bei den meisten Rohstoffpreisen ist inzwischen erreicht, weil das Angebot noch schneller gefallen ist als die Nachfrage. Über kurz oder lang müssen die Preise deshalb wieder steigen. Erholt sich die Nachfrage, kann es sogar wieder steil nach oben gehen, weil das Angebot dann der Nachfrage hinterherhinkt. Zu den Banken: Die muss man leider auch retten.

      Wer rettet die Bürger vor Regierungen, die Staaten in den Bankrott steuern oder damit beginnen, ihre Schulden mithilfe der Notenpresse zu begleichen?

      Der Besitz von Gold bietet einen gewissen Schutz, sollten diese Worst-Case-Szenarien tatsächlich eintreten.

      Auch Großinvestoren schließen diese nicht mehr aus und kaufen Gold. So auch große Hedgefonds, die nach den Banken jetzt gegen die Zentralbanken antreten, weil sie mit einer Abwertung von Papierwährungen zum Gold rechnen. Sind das die neuen Warren Buffetts?

      Das wird sich zeigen. Am Ende einer Krise wie der aktuellen wird es unter dem Strich nur wenige geben, die nichts verloren haben. In den Dreißigerjahren hat es auch das ganz große Kapital erwischt. Einen Teil des Vermögens in Gold anzulegen, halte ich trotzdem für sinnvoll – aber weniger zur Spekulation, sondern als Versicherung gegen einen Finanzunfall.

      Wird die Investorennachfrage anhalten?

      Eine gute Frage. Für den jüngsten Goldpreisanstieg sorgte nahezu ausschließlich die Investmentnachfrage, abzulesen an den hohen Zuflüssen in die mit physischen Goldbeständen besicherten ETFs. Die Zuflüsse lagen an manchen Tagen sogar über der Tagesproduktion der Goldminen. Dagegen schrumpft der Bedarf der Industrie und der Juweliere in der Rezession, während das Altgoldangebot stark steigt. Sollte die Investorennachfrage nachlassen, könnte der Goldpreis stärker korrigieren. Andererseits ist der Goldanteil in den Depots der Investoren immer noch sehr gering. Die ETFs halten zusammen aktuell 1600 Tonnen, was etwa 50 Milliarden Dollar entspricht. Die weltweite Aktienmarktkapitalisierung dagegen liegt bei gut 30.000 Milliarden Dollar, in Rentenpapieren stecken rund 90.000 Milliarden Dollar. So gesehen besteht beim Gold noch reichlich Luft nach oben.

      China ist besorgt um die Sicherheit seiner in US-Staatsanleihen gebunkerten Dollar-Reserven, das Ausland verkaufte zuletzt per saldo langlaufende US-Staatstitel. Wer finanziert die USA, wenn das Ausland ausfällt?

      Das übernimmt dann die US-Notenbank Fed. Notenbankchef Ben Bernanke hatte dies oft genug in Aussicht gestellt, seit vergangenen Mittwoch ist es offiziell.

      Also Staatsfinanzierung über die Notenpresse?

      So kann man das bezeichnen.

      Droht ein Abwertungswettlauf unter den Papierwährungen?

      Ich denke, dieser hat längst begonnen. Schauen Sie auf die Schweizer Nationalbank, die gegen den Franken interveniert. Andere Notenbanken werden folgen.

      Wird Gold im Fall einer neuen Weltwährungsordnung eine bedeutende Rolle zukommen?

      Davon gehe ich aus. Allerdings glaube ich nicht, dass eine Rückkehr zu einem Währungssystem, das in irgendeiner Form an Gold gekoppelt ist, unmittelbar bevorsteht.

      Quelle: http://www.wiwo.de/finanzen/gold-ist-eine-gute-versicherung-…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 13:48:39
      Beitrag Nr. 2.529 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.839.853 von Maraho am 25.03.09 05:41:58Die trauen sich wenigstens ...

      Schuldenmacherei
      China greift Obama wegen Dollar-Verfall an
      26. März 2009, 12:56 Uhr

      Die Chinesen gehen hart mit der Währungspolitik Amerikas ins Gericht. Die USA müssten mehr tun, um das Vertrauen in den Dollar wiederherzustellen als schöne Reden zu schwingen. Sie sollten "die Verantwortung übernehmen, um den Schlamassel aufzuräumen, den sie angerichtet haben", wetterte ein hochrangiger Banker.


      Die Kritik Chinas an der amerikanischen Währungspolitik wird schärfer. Die USA müssten mehr tun, um das Vertrauen in den Dollar wiederherzustellen, reagierten Experten auf US-Präsident Barack Obama, der am Vortag noch von großer Zuversicht in die amerikanische Währung und Wirtschaft gesprochen hatte.

      Die USA sollten „die Verantwortung übernehmen, um den Schlamassel aufzuräumen, den sie angerichtet haben“, sagte Erh-Cheng Hwa, Chefökonom der chinesischen Bank of Communications und früherer Fachmann beim Währungsfonds (IWF), der "China Daily“.

      Der Vorschlag von Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan und Russlands, eine neue Leitwährung anstelle des Dollar zu schaffen, könnten den Druck auf die USA erhöhen. "Trotz des ganzen Geredes über 'Vertrauen' sind Investoren nicht nur in China, sondern rund um die Welt unverändert tief besorgt über ihre Anlagen in US-Dollar und US-Schatzanleihen“, sagte Ökonom Hwa.

      Zuvor hatten chinesische Experten schon deutliche Kritik daran geäußert, dass jetzt die US-Notenbank selbst 300 Milliarden Dollar in Schatzanleihen kaufen und neues Geld drucken will. Das sei "kein Zeichen für Vertrauen“. Das wachsende Defizit schwäche den Dollar und treibe die Inflation an.

      "Das bestehende Währungssystem ist veraltet“, sagte auch Wang Jianye, Chefökonom der Export-Import-Bank und ebenfalls ein ehemaliger IWF-Experte. Es spiegele nicht die Veränderungen in der Weltwirtschaft wider und sei "nicht mehr funktionsfähig“. Es müssten Mechanismen geschaffen werden, damit die USA die weltweiten Auswirkungen ihrer Geldpolitik besser berücksichtigten. Darauf laufe die Forderung nach einer neuen Leitwährung hinaus, sagte Wang Jianye der "China Daily“. China ist mit 740 Milliarden US-Dollar in Schatzanleihen der größte Kreditgeber der USA und fürchtet um den Wert seiner Anlage.

      Die Forderung nach Schaffung einer neuen "Super-Währung“ auf der Grundlage der Sonderziehungsrechte (SDR) des Währungsfonds wird nach chinesischer Darstellung außer von Russland auch von Brasilien, Indien, Südkorea und Südafrika unterstützt.

      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3448205/China-greift-…

      Bis später ...
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 14:13:49
      Beitrag Nr. 2.530 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.853.251 von Maraho am 26.03.09 13:33:02In der Zwischenzeit packen die schon die Koffer ... :laugh:


      Hallo Maraho

      Da bin ich mir ganz sicher, daß die Eliten schon auf gepackten Koffern sitzen. Würde ich auch tun ! Wer nämlich zu spät "packt", den bestraft das Leben. Ham wir ja gelernt.

      Die Forderung nach Schaffung einer neuen "Super-Währung“ auf der Grundlage der Sonderziehungsrechte (SDR) des Währungsfonds wird nach chinesischer Darstellung außer von Russland auch von Brasilien, Indien, Südkorea und Südafrika unterstützt.

      Das sind knapp 3 Milliarden Menschen, die diese Forderung (völlig zu Recht)erheben, plus einiger anderer , wie z.B. Deutschland,Japan, Golfstaaten, die dies nicht offiziell fordern dürfen, da sie vermutlich mal wieder "auf der falschen Seite" mitspielen müssen. Dürfte für die Anglo-USrael Koalition der ehemaligen Nutznießer eng werden, das zu verhindern. Mit sachlichen Argumenten kaum zu schaffen, denn die gibt es nicht, nur mit Drohungen.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 17:29:00
      Beitrag Nr. 2.531 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.853.735 von Looe am 26.03.09 14:13:49Erinnert mich an `45. Der Endsieg ist uns sicher! Und die Russen standen schon vor der Reichskanzlei. :laugh:
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 17:38:34
      Beitrag Nr. 2.532 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.852.995 von Maraho am 26.03.09 13:11:49Guten Abend zusammen,
      beginnen wir damit ...

      Wie heißt es: Die Revolution frisst ihre Kinder ...


      Finanzkrise
      Geithner plant Revolution an der Wall Street

      Die USA legen den Finanzmärkten Fesseln an, um Auswüchse künftig rechtzeitig zu unterbinden. Finanzminister Timothy Geithner stellte am Donnerstag im Kongress ein umfassendes Reformpaket vor: Derivate wie Credit Default Swaps (CDS) sollen erstmals einer Regulierung unterworfen werden. Hedgefonds und Finanzinvestoren werden der Börsenaufsicht SEC unterstellt.


      HB WASHINGTON. Der Kongress muss dem Programm noch zustimmen, das Präsident Barack Obama in einer Woche auch beim G-20-Finanzgipfel in London vorstellen will.

      Das bisherige System der Finanzmärkte habe grundlegende Fehler und sei verantwortlich für die schwerste globale Finanzkrise seit Generationen, sagte Geithner im Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses. „Eine umfassende Reform ist erforderlich, um darauf zu reagieren - keine bescheidenen Reparaturen an den Rändern, sondern neue Spielregeln.“ (zur Pressemitteilung )

      Hedgefonds, Private-Equity-Fonds und Risikokapitalfonds müssen den Vorschlägen zufolge künftig bei der Börsenaufsicht angemeldet werden, wenn ihr Anlagevolumen eine bestimmte, noch festzulegende Größe übersteigt. Das würde bedeuten, dass sie ihre Bücher den Regulierern offenlegen müssen. Das in Hedgefonds weltweit gesammelte Kapital wird auf 1,5 Billionen Dollar geschätzt.

      Die Fonds arbeiten bisher meist ohne jegliche Regierungsaufsicht. Der massive Verkauf von Aktien und anderen Papieren durch Hedgefonds wurde im Herbst vergangenen Jahres als eine Ursache für die starken Ausschläge an den Börsen genannt.

      Der Markt der Credit Default Swaps, eigentlich vorgesehen als Kreditversicherungen, wird weltweit mit etwa 60 Billionen Dollar angegeben. Ihr Wertverlust spielt eine prominente Rolle in der Finanzmarktkrise. Der Handel mit CDS und anderen Derivaten soll den US-Plänen zufolge erstmals staatlichen Regeln unterworfen werden.

      Die internationale Regulierung der Finanzmärkte ist eines der wichtigsten Themen des G-20-Gipfels am Mittwoch und Donnerstag kommender Woche in London. Die USA waren bislang zurückhaltend gegenüber Forderungen aus Europa, der Krise mit schärferen Regulierungen und Kontrollen zu begegnen. Der französische Premierminister Fillon erklärte aber am Dienstag, Obama habe sich nach langem Zögern nun doch der europäischen Position genähert.

      Der frühere US-Finanzminister Henry Paulson will seine Erinnerungen an die Bankenkrise unterdessen in einem Buch aufschreiben. Das Werk soll im Oktober erscheinen, wie Paulson der Nachrichtenagentur Associated Press mitteilte. „Ich hoffe, dass einige Lektionen, die ich gelernt habe, anderen helfen werden.“

      In Paulsons Amtszeit fiel der Beginn der Finanzkrise, die noch immer nicht ausgestanden ist. Als Minister wirkte er an der Entscheidung mit, für Banken einen Rettungsschirm über 700 Mrd. Dollar aufzuspannen, die Hypothekenversicherer Fannie Mae und Freddie Mac zu verstaatlichen und den Versicherungsgiganten AIG vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

      Doch Paulson, der früher Chef der Investmentbank Goldman Sachs war, entschied auch mit, das Bankhaus Lehman Brothers und damit einen früheren Konkurrenten am 15. September 2008 in die Pleite zu schicken. Der Tag ging in die Finanzgeschichte ein, weil sich seitdem Banken misstrauen und kein Geld mehr leihen wollen. Paulson sagte in dem Interview, er sei fest überzeugt, dass seine wesentlichen Entscheidungen richtig gewesen seien. Zugleich gebe es „keine Zweifel, dass manche Dinge hätten besser gemacht werden können“.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/geithner-p…
      116 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
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      schrieb am 26.03.09 17:45:01
      Beitrag Nr. 2.533 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.856.566 von Maraho am 26.03.09 17:38:34Neue Zahlen aus den USA ...

      Viertes Quartal 2008
      US-Wirtschaft schrumpft noch stärker

      Die Wirtschaft der USA ist im Schlussquartal noch stärker eingebrochen als zunächst gefürchtet. Die Wirtschaftsleistung ging laut Handelsministerium sogar um 6,3 Prozent zurück. Der Ausblick bleibt pessimistisch.


      Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal 2008 noch etwas stärker geschrumpft als zunächst angenommen. Auf das Jahr hochgerechnet brach die Wirtschaftsleistung um 6,3 Prozent ein. Das teilte das US-Handelsministerium am Donnerstag mit. Zuvor war noch von einem Minus von 6,2 Prozent die Rede gewesen.

      Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft der Welt mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,5 Prozent zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote erreichte im Februar mit 8,1 Prozent den höchsten Stand seit 25 Jahren. Seit Beginn der Rezession gingen 4,4 Millionen Jobs verloren.

      Die meisten Experten geben einen pessimistischen Ausblick - und schreiben das Jahr 2009 bereits ab. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) beispielsweise geht im Mittel ihrer Erwartungsspanne davon aus, dass die Wirtschaft im gesamten Jahr um 0,9 Prozent schrumpft. Für 2010 setzt sie aber wieder auf eine Erholung. 2011 erwartet sie wieder einen Zuwachs um bis zu fünf Prozent. Die Arbeitslosenquote sieht die Fed 2009 auf bis zu 8,8 Prozent klettern und erst 2011 wieder deutlich sinken.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:Viertes-Quartal-2…
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      schrieb am 26.03.09 18:02:43
      Beitrag Nr. 2.534 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.838.171 von Maraho am 24.03.09 19:49:46Etwas aus der "FTD". Ein Kommentar zum derzeitigen Börsengeschehen.


      Die Kehrseite der Schuldenentwertung

      Die Fed inflationiert nicht nur die Schulden weg, sondern natürlich auch die Vermögen. Darunter werden auch Realwerte wie Aktien leiden.

      Was goutieren die Aktienanleger derzeit eigentlich? Ist es die Stabilisierung einiger Wirtschaftsindikatoren wie der Einzelhandelsumsätze, der Hausverkäufe und der Gebrauchsgüteraufträge in den USA oder des Ifo in Deutschland? Wohl kaum, denn von einem stabilen Gleichgewicht - einem, bei dem die Arbeitslosenquote nicht weiter steigt - kann angesichts des erbärmlichen Niveaus dieser Indikatoren keine Rede sein.

      Ist es die Bankenrettung Timothy Geithners? Mitnichten, denn von der aus Sicht der Steuerzahler dämlichen Konstruktion seines Planes und unzähligen Umsetzungsproblemen abgesehen, wird die Ursache der Krise ja nicht mal ansatzweise angegangen: dass die Kunden der Banken pleite sind und daher auch von kerngesunden Instituten nicht mit dem Lebenselixier der US-Wirtschaft versorgt werden würden - neuem Kredit.

      Bleibt der Paukenschlag der Fed: die Ankündigung, ihre ohnehin schon verdoppelte Bilanzsumme mindestens noch mal zu verdoppeln. Bingo. Denn das verspricht nicht nur die ersehnte Stabilisierung von Konjunktur und Gewinnen, sondern auch die erforderliche Entwertung der US-Schulden.

      Das Dumme ist, dass eine Entwertung der Schulden auch eine Entwertung der Vermögen der Kreditgeber bedingt, weshalb sich etwa US-Staatsanleihen (auch inflationsgekoppelte, da die Inflationsraten noch stärker getürkt werden dürften) oder US-Hypotheken (auf 30 Jahre gibt's rund fünf Prozent) als fürchterliches Verlustgeschäft erweisen dürfen. Realwerte wie Aktien werden vorübergehend nette Gewinne bringen, und wer ein Gespür für die Märkte hat, soll darauf wetten. Aber wann der Konjunkturaufschwung gelingt und wie viele Schreckensnachrichten bis dahin noch auf uns zukommen, vermag keiner zu sagen. Gemessen daran scheint die Risikoprämie nach wie vor deutlich zu gering. Wer das Anfang der inflationären 1970er ignorierte, wurde bis 1982 in Deutschland und Amerika mit realen Kursverlusten von mehr als 50 Prozent bestraft. Schon vergessen?

      Quelle: Aus der FTD vom 26.03.2009
      © 2009 Financial Times Deutschland
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      schrieb am 26.03.09 18:13:10
      Beitrag Nr. 2.535 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.697.866 von Maraho am 04.03.09 14:06:54Mal wieder etwas zu den Versicherern ...

      Versicherer
      "Das ist ein fatales Zeichen"
      Von Lutz Reiche, Berlin

      Rezession und Finanzkrise machen der Assekuranz das Leben schwer. Das Beitragsaufkommen der Lebensversicherer wird um 3 Prozent fallen. Dennoch gibt sich die Branche selbstbewusst, sieht sich als "Anker im tosenden Sturm". Die stark auf Banken konzentrierten Anlagen seien "absolut sicher", die Garantieverzinsung ebenso. Also alles bestens? Wohl kaum.


      Berlin - Im Zuge der Rezession und Finanzmarktkrise muss auch die deutsche Versicherungswirtschaft Federn lassen. Die Assekuranz rechnet im laufenden Jahr mit fallenden Beitragseinnahmen. Im Schnitt wird das Prämienaufkommen in 2009 um ein Prozent sinken. Für die größte Sparte, die Lebensversicherer, erwartet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein Minus von bis zu 3 Prozent. Vor allem dank der letzten Riester-Stufe hatten die Lebensversicherer in 2008 ihre Prämieneinnahmen noch um 0,8 Prozent auf 79,6 Milliarden Euro steigern können.

      Trotz der eingetrübten Perspektiven bleibt der Lobbyverband bei seiner Einschätzung, dass die Versicherungswirtschaft "nach wie vor ein stabiles Element in der Krise ist" und "auch bleiben wird", erklärte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth am Mittwoch in Berlin.

      "Die Finanzkrise ist keine Krise der Versicherer", sagte Fürstenwerth und bekräftigte damit eine Haltung, die die deutsche Assekuranz trotz zahlreicher Negativnachrichten aus dem Ausland und skeptischerer Analystenstimmen seit Monaten offensiv vertritt.

      "Wir investieren ja nicht auf einem anderen Planeten"

      Gerade für die Lebensversicherer, die bei der Neuanlage mit dauerhaft niedrigen Zinsen und stark gefallenen Aktienkursen zu ringen haben, sah sich Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer berufen, eine Lanze zu brechen. Selbstverständlich spüre man die Auswirkungen der Rezession im Neugeschäft und habe mit den starken Schwankungen der Kapitalmärkte zu kämpfen. "Wir investieren ja nicht auf einem anderen Planeten", sagte Zimmerer mit durchaus gereiztem Unterton. "Doch die Lebensversicherer sind auch jetzt noch der Stabilitätsanker in einem tosenden Sturm", zeigte er sich überzeugt.

      In der Börsenkrise 2002/2003 hatten die Lebensversicherer in einer konzertierten Aktion die von der Pleite bedrohte Mannheimer Leben aufgefangen, um Schaden von der ganzen Branche abzuwenden. "So einen Fall wird es nicht so schnell wieder geben", versicherte Zimmerer in Berlin. Die Lebensversicherer hätten ihre Lektion aus der letzten Krise gelernt und ihre Risikotragfähigkeit nachhaltig verbessert.

      Aktienquote bei 4,8 Prozent, es geht an die Rücklagen

      Im Schnitt sei die Aktienquote aktuell auf 4,8 Prozent gesunken. Eingedenk der Absicherungsinstrumente betrüge die Quote lediglich 2,7 Prozent. Zugleich hätten die Unternehmen durch die guten Ertragsjahre 2005 bis 2007 ihre Sicherheitsmittel aufgestockt und verfügten jetzt über ausreichend Puffer. Im abgelaufenen Jahr verzinste die Branche den Sparbeitrag ihrer Kunden im Schnitt mit 4,26 Prozent und hält ihn in 2009 stabil. Das kann sie allerdings nur, weil sie Rücklagen auflöst - denn ihre Kapitalanlagen in Höhe von 689 Milliarden Euro warfen im Jahr 2008 lediglich eine durchschnittliche Nettoverzinsung von 3,6 Prozent ab.

      Das aktuelle Zinsniveau stelle die Versicherer zweifelsohne vor Herausforderungen, räumte Fürstenwerth ein. Dennoch sehe der GDV aktuell kein Problem, dass die Lebensversicherer den durchschnittlichen Garantiezins ihres Vertragsbestands von 3,40 Prozent auch künftig darstellen könnten.

      Zimmerer erklärte, ein dauerhaft niedriges Zinsniveau werde "natürlich Folgen" für die Überschussbeteiligung haben. Der Experte geht aber davon aus, dass die Branche Anlagezinsen von knapp 3 Prozent über einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren aushalten und dennoch die garantierte Durchschnittsverzinsung von besagten 3,4 Prozent bedienen könne. Entscheidend dafür sei neben den Reserven der Versicherer vor allem der langfristige Anlagehorizont in der Branche.

      Die zehnjährige Bundesanleihe, die derzeit gerade noch 3 Prozent Rendite abwirft und die Mahner immer wieder ins Feld führen, verstelle den Blick auf die Anlagemöglichkeiten der Branche, gab Zimmerer zu verstehen. Bei anderen Anleihen, seien es nun Pfandbriefe oder Euro-Anleihen anderer EU-Staaten, lägen die Zinsen auch jetzt noch deutlich über 4 Prozent. Noch deutlich höhere Erträge würfen Unternehmensanleihen ab. Gerade für die Lebensversicherer, die regelmäßig Liquidität generierten und Kapital langfristig anlegen, böten sich in diesem Umfeld besondere Chancen.

      Branche hält ihre Investments bei Banken für "absolut sicher"

      Laut GDV hatte die Branche das Geld der Versicherten zum Jahresende zu gut 85 Prozent in festverzinsliche Papiere investiert.

      Das Gros des Kapitals ist in Anleihen und Darlehen von Banken investiert, wobei hier wiederum der größere Teil auf Pfandbriefe entfällt, bei denen als Sicherheit Hypothkendarlehen und öffentlich-rechtliche Forderungen hinterlegt sind.

      Wegen der international aufgespannten Rettungsschirme für Kreditinstitute und der Zusage der Bundesregierung, keine größere Bank fallen zu lassen, geht der GDV davon aus, dass diese Papiere, aber auch andere Bankschuldverschreibungen "absolut sicher" sind.

      Einzelne Analysten hatten in der Vergangenheit dagegen diese Konzentration auf Bankschuldverschreibungen als problematisch kritisiert und der Assekuranz eine größere Streuung bei der Anlage empfohlen. Dass hier Risken bestehen, zeigt nicht nur der prekäre Fall der Hypo Real Estate, die nicht nur vom Staat, sondern auch der Versicherungswirtschaft gestützt wird.

      Risiken könnten für die Versicherer auch aus den jüngsten Regulierungsanstrengungen der Bundesregierung erwachsen. So räumt der Gesetzgeber der Finanzaufsicht BaFin künftig das Anordnungsrecht ein, dass Kreditinstitute Zinszahlungen auf Genussscheine und andere nachrangig zu bedienende Wertpapiere auch außerhalb einer Insolvenz unter Umständen auszusetzen haben. Deutsche Lebensversicherer sind mit 3,5 Prozent ihrer Kapitalanlagen in sogenannte Nachränge und Genussrechte investiert. Im Ernstfall müssten sie also damit rechnen, dass die Verzinsung ihres Investments entfällt.

      Streit um Ausschüttungsverbot bahnt sich an

      Die Ausschüttungen auf solche Papiere durch Banken, die staatlich gestützt werden, ist umstritten. Jenseits dieses neuen Ordnungsrahmens können Institute allerdings auch schon jetzt die Zinszahlungen aussetzen, wenn das die Emissionsbedingungen vorsehen. Die Entscheidung liegt dann im Ermessen des Vorstands.

      Was Gläubigern blüht, hat zuletzt der Fall der schwer angeschlagenen HSH Nordbank gezeigt. Das Institut verzichtete auf Druck der EU-Kommission auf die Ausschüttung von insgesamt 264 Millionen Euro an stille Einleger und Inhaber von Genussscheinen. Zuvor hatten bereits die Dresdner Bank und die Hypo-Real-Estate-Tochter Depfa Zinsen für eine Nachranganleihe gestrichen.

      Die Versicherungswirtschaft verfolgt diese Entwicklung mit Sorge und Unverständnis. So bezeichnet es Zimmerer als "absolut nicht hinnehmbar", dass die BaFin sich über die Emissionsbedingungen und womöglich auch die Entscheidung der Bankvorstände künftig hinwegsetzen können soll. "Das halten wir für ein fatales Zeichen und für völlig falsch", sagte Zimmerer.

      Anstatt den Bankensektor zu stabilisieren würden sich damit die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken verschlechtern, kritisierte der GDV. Unter diesen Umständen müssten sich die Versicherer aus diesen Investments zurückziehen. Die Assekuranz sei jedenfalls nicht bereit, das Risiko eines einseitigen Eingriffs der BaFin in klare vertragliche Regelungen und dem damit drohenden Zinsausfall mitzugehen, gab Fürstenwerth klar zu verstehen.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,615652,00.…
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      schrieb am 26.03.09 18:18:10
      Beitrag Nr. 2.536 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.847.724 von Maraho am 25.03.09 20:13:36Wer hätte das gedacht ...

      16.45 Uhr: Der Untersuchungsausschuss zum Desaster der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) startet voraussichtlich später als von der Opposition erhofft. Die SPD lehnt eine Fristverkürzung ab. Die Union werde sich dem wohl anschließen, wie am Donnerstag aus Koalitionskreisen verlautete. Der Ausschuss wird damit höchstwahrscheinlich erst nach Ostern eingesetzt. FDP, Grüne und Linkspartei wollten das Gremium, das ein mögliches Versagen der Regierung und Fehler der HRE-Aufsicht beleuchten soll, eigentlich schon an diesem Freitag beschließen.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,615…
      6 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 18:26:07
      Beitrag Nr. 2.537 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.748.352 von Maraho am 11.03.09 19:33:55In Bezug.

      Von der Finanzkrise zum Staatsbankrott
      Welches EU-Land muss als nächstes gerettet werden?
      Silke Wettach (Brüssel)

      Ungarn, Lettland und nun also Rumänien. Die drei Beispiele aus der Europäischen Union zeigen, wie schnell die Wirtschaftskrise Staaten an den Rande des Abgrunds treiben kann. In allen Fällen hat nur eine Nothilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Staatsbankrott verhindert.


      Wie Ungarn wird auch Rumänien ein Hilfspaket über 20 Milliarden Euro bekommen, 13 Milliarden davon kommen vom IWF. Das Geld wird in einem Zeitraum von drei Jahren fließen. Dass die internationalen Devisenmärkte positiv auf das Paket reagierten, wurde in Brüssel mit Erleichterung aufgenommen.

      Richtig durchatmen mag in Brüssel allerdings niemand, denn die Gefahr ist nicht gebannt. „Wir müssen mit noch mehr Krisen und Bedarf an Finanzhilfen bei Mitgliedern rechnen, die nicht zur Eurozone gehören“, hatte EU-Wirtschafts- und Finanzkommissar Joaquín Almunia am Wochenende gewarnt. Kurz zuvor beim EU-Gipfel in Brüssel hatten die versammelten Staats- und Regierungschefs den Topf für Leistungsbilanzfazilitäten für Nicht-Euro-Staaten von 25 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro verdoppelt.

      Offiziell versucht man die Gefahr herunterzuspielen. Der Notfonds wurde auf lange Sicht verdoppelt, weil das Europaparlament bald in den Wahlkampf geht und gar nicht mehr in der Lage gewesen wäre zuzustimmen. Der Beschluss sollte auf keinen Fall als Beleg dafür dienen, dass EU-Mitgliedsstaaten als unmittelbar gefährdet gelten.

      Aber es ist gut möglich, dass zu den drei Empfängerländern Lettland, Ungarn und Rumänien noch weitere hinzukommen. Sogar Bundespräsident Horst Köhler, früher IWF-Chef und als solcher mit prekären Staatsfinanzen bestens vertraut, soll kürzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Vieraugengespräch vor drohenden Gefahren gewarnt haben.

      An den Märkten kursieren vor allem drei Namen, wenn es um weitere drohende Staatspleiten geht: Bulgarien, Estland und Litauen gelten als gefährdet. Mit Sorge beobachten die Volkswirte der EU-Kommission vor allem die Leistungsbilanzdefizite der drei Staaten.

      Estlands Leistungsbilanzdefizit wird sich in diesem Jahr – wegen der nachgebenden Importe - den Kommissionsprognosen zufolge von 10,1 Prozent relativ zum Bruttoinlandsprodukt auf fast 5,7 Prozent halbieren. Aber im internationalen Vergleich ist das immer noch ein hoher Wert. Auch bei Litauen verringert sich das Leistungsbilanzdefizit von 12,6 Prozent im vergangenen Jahr auf voraussichtlich 7,0 Prozent in diesem Jahr. Keine wirklich gute Nachricht.

      Absolut verheerende Zahlen weist Bulgarien auf. Das Leistungsbilanzdefizit verringert sich von 24,7 Prozent 2008 voraussichtlich auf 20,8 Prozent. Das deutet darauf hin, dass der kürzlich vergrößerte Nothilfentopf bald wieder angezapft werden muss.

      Quelle: http://www.wiwo.de/politik/welches-eu-land-muss-als-naec…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 18:42:36
      Beitrag Nr. 2.538 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.869 von kiska am 26.03.09 08:35:00Ist das der Dammbruch?

      Heidelberger Druck entlässt Tausende Beschäftigte

      Stuttgart (Reuters) - Als erstes deutsches Großunternehmen will Heidelberger Druck wegen der Wirtschaftskrise Tausende Beschäftigte entlassen.

      Bis Jahresende sollen 5000 der zuletzt 20.000 Stellen gestrichen werden, kündigte der weltgrößte Druckmaschinenbauer am Donnerstag überraschend an. Damit beschwört das Unternehmen einen Konflikt mit der Gewerkschaft IG Metall herauf, da der bis 2012 geltende Kündigungsschutz für die überwiegend deutsche Belegschaft nicht eingehalten wird. Die Gewerkschaft fordert, die Absatzkrise statt mit betriebsbedingten Kündigungen mit Kurzarbeit bis weit ins nächste Jahr hinein durchzustehen.

      Konkurrent Koenig & Bauer teilte mit, seine Belegschaft in diesem Jahr um mehr als 800 auf 7000 Mitarbeiter zusammenzustreichen. Nach einem Verlust 2008 tauscht das Würzburger Unternehmen zudem den Vorstandschef aus.

      "Heidelberger Druck hat schon eine schwierige Zeit hinter sich, die kommenden Monaten werden aber noch schwieriger", begründete Vorstandschef Bernhard Schreier den Kahlschlag. Heidelberger Druck hatte bislang den Abbau von nur 2500 Arbeitsplätzen angekündigt und wollte auf Kündigungen möglichst verzichten. Die Nachfrage - zuletzt bereits auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren - schrumpft allerdings beständig weiter. Da sich keine Belebung abzeichne, müsse der Weltmarktführer "entschieden handeln", um die Kosten und die Kapazitäten zu senken, betonte Schreier. Kurzarbeit und Abfindungen reichten nicht mehr aus, um das rote Zahlen schreibende Unternehmen durch die Krise zu bringen. Die Auftragslage zeige, dass in dem im April beginnenden neuen Geschäftsjahr 2009/10 der Umsatz abermals schrumpfen werde.

      Wegen des Konjunktureinbruchs in Folge der Finanz- und Bankenkrise haben zahlreiche Unternehmen bereits Zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Betroffen sind neben der kriselnden Autoindustrie insbesondere die Stahlkocher, der Maschinenbau sowie die Luftfahrt- und Tourismusindustrie. Jobgarantien verhindern bislang betriebsbedingte Kündigungen. Dennoch sind in den vergangenen Monaten Tausende Jobs verloren gegangen. BMW und ThyssenKrupp etwa zahlten Abfindungen, entließen Leiharbeiter oder besetzten freie Stellen nicht wieder.

      "EINE ABWRACKPRÄMIE FÜR DRUCKMASCHINEN WÄRE SCHÖN"

      Außerdem sieht sich Heidelberger Druck dazu gezwungen, die Investitionen von zuletzt rund 200 Millionen Euro zu halbieren. Durch die Kürzungen sollen bis zum Jahr 2011 rund 400 Millionen Euro eingespart werden. Bisher hatte der Vorstand Einsparungen von 200 Millionen Euro für ausreichend erachtet, um die Durststrecke durchzustehen, die nach Analysteneinschätzungen noch lange dauern kann.

      Wegen der Konjunkturflaute kaufen die nur schwach ausgelasteten Druckereien bei Heidelberger und den Konkurrenten Manroland, Koenig & Bauer sowie Ryobi und Komori kaum noch neue Maschinen. Zudem zögern die Banken, für den Maschinenkauf neue Kredite an die zumeist mittelständischen Druckereien zu vergeben. "Eine Abwrackprämie für Druckmaschinen wäre schön", sagte HeidelDruck-Chef Schreier.

      Koenig & Bauer schrieb im vergangenen Jahr unterm Strich rund 80 Millionen Euro Verlust. Der Umsatz sank um gut zehn Prozent auf 1,532 Milliarden, für 2009 wird ein weiterer Rückgang von um die 20 Prozent erwartet. Gegensteuern soll der Sanierungsexperte und bisherige Finanzvorstand Helge Hansen, der Konzernchef Albrecht Bolza-Schünemann ab sofort ablöst.

      Heidelberger Druck will den 2007 verlängerten Vertrag zur Beschäftigungssicherung einseitig per Ende Juni kündigen, um überhaupt Kündigungen aussprechen zu können. Die IG Metall kündigte Proteste an. "Notwehr ist angesagt", hieß es in einer Erklärung der Gewerkschaft.

      Die einseitige Kündigung des Tarifvertrags könnte nach Einschätzung von Gewerkschaftern ein Dammbruch sein. Viele Großunternehmen haben Kündigungen für die nächsten Jahren ausgeschlossen und ihren Beschäftigten damit Sicherheit gegeben.

      Quelle: http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE52P0H520090326?…
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      schrieb am 26.03.09 18:47:27
      Beitrag Nr. 2.539 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.856.636 von Maraho am 26.03.09 17:45:01Nachtrag.

      Gewinne der US-Firmen sinken wegen Rezession dramatisch

      Washington (Reuters) - Die schärfste Rezession seit über 26 Jahren hat die Gewinne der amerikanischen Unternehmen in Rekordtempo schmelzen lassen.

      Sie brachen im vierten Quartal um 120 Milliarden Dollar ein, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Die Nachsteuergewinne fielen damit um 10,7 Prozent geringer aus als im Herbst. Grund dafür waren die Einbrüche bei Konsum und Exporten.

      Dadurch schrumpfte auch die Wirtschaftsleistung so stark wie seit Anfang 1982 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 6,3 Prozent. Das Ministerium korrigierte damit den Ende Februar ermittelten Wert von 6,2 Prozent leicht nach unten.

      ARBEITSLOSIGKEIT STEIGT WEITER

      Experten sehen die größte Volkswirtschaft auch zu Beginn des neuen Jahres tief in der Rezession. "Die Wirtschaft ist am Jahresende abgestürzt, das wird sich im ersten Quartal fortsetzen", sagte der Analyst Doug Bender von McQueen, Ball & Associates. Die US-Wirtschaft leidet vor allem unter der steigenden Arbeitslosigkeit. Allein in den vergangenen vier Wochen beantragten 649.000 Amerikaner Arbeitslosenhilfe. Das dämpft den privaten Konsum, der mehr als zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht.

      Die Verbraucher schränkten bereits im Schlussquartal 2008 ihre Ausgaben wegen der steigenden Arbeitslosigkeit um 4,3 Prozent ein. Das ist das größte Minus seit Frühjahr 1980. Die Ausfuhren sanken wegen der weltweiten Wirtschaftskrise um 23,6 Prozent. Die Unternehmen investierten angesichts der unsicheren Aussichten 21,7 Prozent weniger - das ist der stärkste Rückgang seit 1975.

      Verglichen mit den anderen beiden großen Industriestaaten Japan und Deutschland stehen die USA noch vergleichsweise gut da. In Japan schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt Ende 2008 aufs Jahr hochgerechnet um rund zwölf Prozent, in Deutschland annualisiert um rund acht Prozent.

      Quelle: http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE52P0F320090326
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      schrieb am 26.03.09 18:59:45
      Beitrag Nr. 2.540 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.857.107 von Maraho am 26.03.09 18:18:10In Bezug.
      Kein Wunder, daß der Untersuchungsauschuß verzögert werden soll, bei den Fragen ...

      Opposition verlangt Auskunft über Zukunft der Hypo Real Estate

      Berlin (Reuters) - Die Opposition will im geplanten Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate Auskunft über die Pläne der Bundesregierung nach der Verstaatlichung der Krisenbank verlangen.

      Den Steuerzahlern müsse offengelegt werden, wofür ihre Milliardenbeträge zur Rettung des Geldinstituts verwendet würden, forderte der FDP-Finanzexperte Volker Wissing am Donnerstag in Berlin. In ihrem gemeinsam formulierten Untersuchungsauftrag nehmen FDP, Linke und Grüne auch Finanzminister Peer Steinbrück persönlich ins Visier.

      Die Opposition will den Ausschuss am Freitag im Bundestag einsetzen. Dazu reichen die Stimmen der drei kleinen Fraktionen, allerdings müsste die Koalition Fristverkürzungen zustimmen. Die finanzpolitischen Sprecher von FDP, Linken und Grünen wollen das Gremium mit nur sieben Mitgliedern bestücken, um in den fünf bis sechs Sitzungen, die in dieser Wahlperiode noch möglich sind, eine konzentrierte Arbeit zu ermöglichen. CDU/CSU und SPD sollen je zwei Abgeordnete benennen, die Oppositionsfraktionen je einen.

      Dem Einsetzungsantrag zufolge soll der Ausschuss klären, ob das Finanzministerium und seine nachgeordneten Behörden zu den Missständen bei der HRE beigetragen oder diese verschärft haben. Insbesondere geht es darum, wann das Ministerium von den Schwierigkeiten des Instituts erfahren hat. Zudem soll geklärt werden, ob es im Zusammenspiel zwischen der Bankenaufsicht und dem Ministerium Versäumnisse gegeben hat.

      Untersucht werden soll aber auch, ob Steinbrück selbst zu einer Verschärfung der Krise beigetragen hat. Der Minister hatte Ende September 2008 in Fraktionssitzungen gesagt, die Bank werde abgewickelt. Die Opposition wirft ihm vor, damit habe er die Refinanzierungsbedingungen des Instituts verschlechtert. Wegen der Finanzkrise war die HRE in Liquiditätsprobleme geraten. Sie wird derzeit mit Bürgschaften von Staat und Banken in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro gestützt. Die Bundesregierung will das Institut so schnell wie möglich verstaatlichen, notfalls auch durch eine Enteignung der jetzigen Aktionäre.

      Wissing sagte, die Abgeordneten, die ständig über neue Milliarden zur Rettung der Bank entscheiden müssten, wollten auch die weiteren Pläne für das Institut kennenlernen: "Wir können die Verantwortung für die Steuergelder nur mit übernehmen, wenn wir die Fakten kennen." Die bisherige Informationspolitik des Ministeriums lasse keine andere Wahl als einen Untersuchungsausschuss. "Nach der Rettung ist vor der Rettung" sagte der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick.

      Neben Steinbrück will die Opposition auch die Präsidenten der Börsenaufsicht Bafin und der Bundesbank, Jochen Sanio und Axel Weber, vorladen. Die Aufsichtsbehörden hätten nicht rechtzeitig gewarnt, sagte Wissing: "Die HRE stand in Flammen, und der Brandmelder hat nicht Alarm gegeben." Linken-Experte Axel Troost fagte: "Wann ist eigentlich das Gesamtausmaß des Desasters bekannt gewesen?" Die Koalition wirft der Opposition vor, sie veranstalte mit dem Ausschuss Wahlkampfgetöse.

      Quelle: http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE52P0CJ2009…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 19:11:46
      Beitrag Nr. 2.541 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.853.446 von Maraho am 26.03.09 13:48:39Eine Meldung aus Russland ...

      Britischer Außenminister: USA geben Status als Supermacht auf

      ROM, 26. März (RIA Novosti). Der britische Außenminister David Miliband betrachtet den G20-Gipfel am 2. April als Ausgangspunkt für eine multipolare Welt, weil die USA nach seiner Ansicht keine Supermachtideen mehr aufdrängen wollen.

      „Die Epoche der Monopolarität wird am 2. April enden, wir bekommen dann eine wichtige Möglichkeit, internationale Fragen von großer Bedeutung zu erörtern und zu analysieren, indem wir alle auf einer Ebene stehen werden. Die Zeit der Multipolarität beginnt“, sagte Miliband in einem Interview für die Donnerstagausgabe der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.

      US-Präsident Barack Obama wolle beim Londoner Gipfeltreffen keine Ideen der amerikanischen Supermacht aufdrängen. Er wolle mit Europa und den Schwellenländern sprechen und effiziente Strategien im internationalen Wirtschaftsbereich diskutieren, so Miliband.

      Quelle: http://de.rian.ru/world/20090326/120744544.html
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 19:24:41
      Beitrag Nr. 2.542 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.846.871 von Maraho am 25.03.09 18:54:00Das Thema ist salonfähig geworden ...

      Vor dem Finanzgipfel
      Der Dollar ist noch nicht tot
      Von Alexandra Endres

      China fordert eine neue Leitwährung - das hat wenig Chancen. Doch im globalen Währungsregime steckt ein Kern der Krise. Der G20-Gipfel sollte sich damit beschäftigen


      Der Dollar ist angeschlagen, ein Spiegelbild der Finanzkrise. Seit Monaten schwankt sein Kurs stark. Jetzt sorgt China mit seiner Forderung für Aufsehen, den Greenback durch eine neue Leitwährung zu ersetzen. Sie bestünde aus einem Währungskorb: Einer künstlich geschaffenen Verrechnungseinheit, deren Wert nur noch zu einem bestimmten Teil am Dollar hängt. Maßgeblich wären daneben der Euro, das britische Pfund, der japanische Yen – und vielleicht, so lässt Peking Medienberichten zufolge durchklingen, auch der chinesische Yuan.

      Das ist nicht nur Ausdruck der zunehmenden politischen Macht Pekings. Es ist auch eine ökonomische Zäsur. Lange Zeit gehörte ein starker Dollar zum weltwirtschaftlichen Arrangement, das vielen Ländern Wachstum erlaubte. Weil ihre Währung so hoch im Kurs lag, konnten die Amerikaner im Ausland auf Einkaufstour gehen. Zugleich war es vielen asiatischen Ländern möglich, ihre Güter in den USA günstig anzubieten. Ihre Handelsüberschüsse legten sie in Dollar an. Das hielt den Kurs der US-Währung oben, zugleich blieben asiatische Waren billig. Beide Seiten profitierten.

      Spätestens seit die Wirtschaftskrise im vergangenen Herbst durch die Lehman-Pleite so richtig losbrach, ist jedoch klar: Die alte Arbeitsteilung funktioniert nicht mehr, die Welt braucht eine neue Balance. So gesehen ist die chinesische Forderung plausibel. "Die Währungsfrage gehört zum Kern der internationalen Finanzarchitektur", sagt Rolf Langhammer, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). "Sie muss vor dem G20-Gipfel aufs Tapet."

      Doch es gibt da ein Problem: Keine Währung wäre derzeit in der Lage, den Dollar als Leitwährung zu ersetzen. Nicht der Euro, nicht der Yen, nicht das Pfund. Das gilt auch für die von China vorgeschlagenen Sonderziehungsrechte des IWF, eine buchhalterische Einheit, in der vier Währungen stecken. "Warum sollten die USA oder Europäer sich freiwillig in Sonderziehungsrechten verschulden?" fragt Matthias Busse, Leiter des Kompetenzbereichs Weltwirtschaft am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hinsichtlich der Währungsschwankungen. "Sie gingen dadurch ein zusätzliches Risiko ein, das sie bislang nicht haben." IfW-Ökonom Langhammer hält ebenfalls wenig von dem Vorschlag: "Über die Sonderziehungsrechte zu debattieren ist, als ob man ein totes Pferd reitet."

      Schon eine ganze Weile wird darüber spekuliert, ob vielleicht der Euro irgendwann an die Stelle des Dollars treten könne. Doch der Greenback verfügt als Leitwährung immer noch über eine stabile Basis. Er kommt von einem großen, gut integrierten Heimatmarkt, auf dem er als sehr liquides Zahlungsmittel fungiert. Seine Stärke nach außen gewinnt er durch die politische, wirtschaftliche und militärische Macht seines Heimatlandes – und die USA sind trotz ihrer schweren Krise immer noch das mächtigste Land der Erde.

      "Die Frage, ob der Dollar durch eine neue Leitwährung abgelöst werden sollte, stellt sich so nicht. Das wird nicht per Gesetz oder Dekret festgelegt, sondern entwickelt sich in einem jahrelangen Prozess", sagt deshalb Busse. "Entscheidend ist: Sind wir vorbereitet, falls der Dollar richtig abstürzt?"

      Davor haben alle Angst: Die Amerikaner fürchten den Verlust ihrer wirtschaftlichen und politischen Stellung und die damit einhergehenden ökonomischen Auswirkungen. Ihre Sorge ist, die Chinesen könnten ihre enormen Devisenreserven in Höhe von mehr als einer Billion Dollar auf den Markt werfen und dadurch den endgültigen Zusammenbruch ihrer Währung provozieren. Doch dadurch würde China sich selbst seines Reichtums berauben. "Daran haben die Chinesen überhaupt kein Interesse", sagt Busse.

      Auch andere Länder, die ihre Reserven in Dollar angelegt haben, zum Beispiel aus dem asiatischen oder arabischen Raum, würden hohe Verluste erleiden, bräche der Dollarkurs zusammen. Exportnationen wie Deutschland oder Japan hätten in der Krise noch mehr Probleme als ohnehin, ihre Waren im Ausland zu verkaufen.

      Viel wichtiger als die Frage, ob und wann die Welt eine neue Leitwährung haben wird, könnte deshalb die Frage sein: Wie stabilisieren wir unsere Wechselkurse? Denn über sie regelt sich die komplette internationale Wirtschaft – der Handel ebenso wie die Finanzmärkte. Schwanken die Kurse zu stark, gerät die Balance der Waren- und Finanzmärkte noch mehr in Gefahr, als sie es in der Krise ohnehin schon ist. "Die USA können keine Stabilität mehr garantieren", sagt IfW-Ökonom Langhammer. "Instabile Währungen sind eine Gefahr für die internationalen Finanzströme." Deshalb müsse man gerade in der Krise alles tun, um die Wechselkurse zu stabilisieren, fordert er, wie etwa durch Bretton-Woods-Regime nach dem Zweiten Weltkrieg.

      Das Problem: Fixe Wechselkurse können auch von Übel sein. Das ist derzeit in der Eurozone zu besichtigen. Trotz ihrer einheitlichen Währung verfolgten die Euroländer nie eine gemeinsame wirtschafts- oder finanzpolitische Strategie. Die in der Krise daraus resultierenden Spannungen sind mittlerweile so groß, dass Pessimisten ein Auseinanderbrechen der Währungsunion fürchten.

      Ein noch eindrucksvolleres Beispiel für die Probleme fester Wechselkurse gibt Argentinien ab. Es hatte seine Währung, den Peso, fest an den Dollar gekoppelt. Viele Ökonomen priesen das als ultimative Lösung der Inflationsprobleme, die das Land zuvor plagten. Doch seine Wirtschaft entwickelte sich völlig unabhängig von der US-Konjunktur. Während Argentinien in eine tiefe Rezession rutschte, florierten die USA. Die starke Währung bremste die argentinischen Exporte, die hohen Dollar-Leitzinsen erdrückten die wirtschaftliche Aktivität. Das Land geriet in eine negative Spirale, die in den Staatsbankrott mündete.

      Eine Zwischenlösung muss also her: Man muss die Wechselkurse beruhigen, ohne sie zu sehr einzuengen. Eine delikate Balance. Um sie zu erreichen, ist eine enge Abstimmung der beteiligten Regierungen und Notenbanken nötig. Wie man sie erreichen könnte, wäre ein würdiges Thema für den G20-Gipfel.

      Der Dollar aber könnte dennoch mittelfristig weiter an Bedeutung verlieren. "Es ist vorstellbar, dass China langsam und stillschweigend beginnt, seine Reserven auch in anderen Währungen anzulegen. Auch andere Länder könnten das tun", sagt HWWI-Ökonom Busse. Es wäre der Idealfall: Der Dollarkurs fiele weiter, aber langsam und kontrolliert, ohne größeren Schaden anzurichten. In einer Welt, die von einer Krise zur nächsten taumelt, wäre das ein Traum.

      Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/14/china-dollar?page=1
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      schrieb am 26.03.09 19:47:10
      Beitrag Nr. 2.543 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.857.707 von Maraho am 26.03.09 19:11:46Eine Abhandlung unseres ehemaligen Außenministers ...

      Joschka Fischer über EU
      Keine Führung, nirgends

      Auf dem Trittbrett durch die Krise: Nächste Woche treffen die Europäer beim G-20-Gipfel in London erstmals Barack Obama und zeigen ein Verhalten, das ebenso legitim wie fatal ist. Mehr als ein "Formelkompromiss" zur Bewältigung der Finanzkrise ist nicht zu erwarten.


      Am Rhein und in Prag werden Nato und EU dem neuen amerikanischen Präsidenten huldigen, schöne Bilder, hehre Reden über die Zukunft des Transatlantismus - alles wie gehabt. Doch vor Straßburg und Prag findet, am 2. April, auf dem G-20-Treffen in London der transatlantische Ernstfall statt. Mit der Wahl Barack Obamas zum amerikanischen Präsidenten sollte alles besser werden - eigentlich. Die transatlantische Kontinentaldrift, die Europa und Amerika in den acht Jahren unter George W. Bush immer weiter auseinander gebracht hat, sollte gestoppt und sogar umgekehrt werden. Diese Hoffnung geht dahin.

      Denn die Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise lässt die Differenzen zwischen Amerika und Europa voll ausbrechen. Europa weigert sich, sehr viel stärker als bisher finanziell bei der Bewältigung der beiden Krisen zu helfen. Gewiss, am Ende des Londoner Treffens werden sich die Staats- und Regierungschefs auf eine gemeinsame Erklärung einigen; ein Scheitern kann sich niemand erlauben. Aber die Unterschiede werden bestehen bleiben. Die einen wollen die Krise wegfinanzieren, die anderen wollen sie wegregulieren, und am Ende wird beides in der Erklärung stehen. So etwas nennt man dann "Formelkompromiss."

      Die nationalen Medien der beteiligten Staaten werden anschließend ihre jeweiligen Regierungen für ihre "Tapferkeit" und "Durchsetzungskraft" preisen, werden von "Punktsiegen" schwadronieren, aber eine kraftvolle globale Antwort auf die schwerste Krise seit 1929 wird es trotzdem nicht gegeben haben. Keine Führung, nirgends.

      Die Ursache der neuen transatlantischen Drift liegt vor allem darin, dass beide Seiten in unterschiedlichen Krisenwelten leben. Amerika fürchtet die Deflation, Europa hingegen, getrieben von seiner größten Volkswirtschaft Deutschland, Staatsverschuldung und Inflation.

      Zögern und die Folgen

      Die USA haben unter der Wucht der Krise bereits eine ideologische und praktische Kehrtwende um 180 Grad vorgenommen und setzen voll auf Keynes und eine massive, schuldenfinanzierte öffentliche Nachfrage, um den weiteren Absturz der Wirtschaft aufzufangen. Die Europäer haben zwar auch nationale Konjunkturprogramme aufgelegt, aber sie sind nach wie vor nicht bereit, ein ähnliches Verschuldensrisiko einzugehen, wie die USA. Das europäische Sozialstaatsmodell dämpft zudem, anders als in den USA, zumindest für eine gewisse Zeit den ökonomischen Absturz.

      Es spielt aber auch die politische Taktik eine zentrale Rolle. Präsident Obama ist gerade für vier Jahre ins Amt gewählt worden, und sein politisches Schicksal wird davon abhängen, ob er den Absturz der US-Wirtschaft zuerst abbremsen und dann umdrehen kann oder nicht. Jegliches Zögern kann für ihn nicht wieder gutzumachende Folgen haben. In Europa stehen Merkel, Brown und Sarkozy aber vor ganz anderen Alternativen.

      Gordon Brown ist in einer hoffnungslosen Lage. Der Absturz der Wirtschaft in Großbritannien war mindestens so hart wie in den USA, und deshalb musste die britische Regierung massiv auf Deficit Spending setzen, um den Totalkollaps des Finanzsystems zu verhindern. Gordon Brown sind kaum noch Optionen geblieben, ohne dass Großbritannien bereits die Talsohle der Krise erreicht hätte. Bei Neuwahlen kann ihn nur noch ein Wunder retten.

      Das Schicksal Browns hat aber eine nachhaltige Wirkung in Berlin und Paris, denn es wird dort als Menetekel angesehen. Merkel und Sarkozy wollen auf keinen Fall ebenfalls ihre politische Zukunft verspielen. Für die europäische Positionierung spielt dabei die Bundeskanzlerin die zentrale Rolle, und zwar nicht nur, weil sie die größte Volkswirtschaft der EU führt, sondern auch, weil sie am 28. September wieder gewählt werden will. Der Ausgang dieser Wahl ist heute unsicherer denn je, und Angela Merkel ist in eine äußerst ungemütliche Lage geraten, die sich hin zu einer Zwickmühle entwickeln kann.

      Arbeitslosigkeit oder Staatsverschuldung

      Denn entscheidet die Kanzlerin sich jetzt für ein massives Deficit Spending, verliert sie in der Wählergruppe, die ihr bereits heute in Scharen von der Fahne geht - wegen Staatsverschuldung, Verstaatlichung, Konjunkturprogrammen etc. Sollte die Arbeitslosigkeit in Deutschland allerdings von Frühsommer an explodieren und einige namhafte Großunternehmen im Konkurs enden, dann könnte sie zu lange auf das falsche Pferd gesetzt haben - und die Sozialdemokraten die Wahlen für sich entscheiden.

      Auf jeden Fall sieht es so aus, als ob die deutschen Wahlen an der Frage Arbeitslosigkeit oder Staatsverschuldung - Monetaristen gegen Keynesianer - entschieden werden. Das Rennen wird zunehmend ungewisser und damit offener. Deswegen wird die Kanzlerin alles tun, um eine vorzeitige Festlegung für sich zu vermeiden, und London kommt auf jeden Fall viel zu früh.

      Pazifischer und weniger transatlantisch

      Allerdings hat ein solch legitimes, gleichwohl bizarr kleinkariertes nationales Denken angesichts einer Krise von bisher nicht gekanntem globalem Ausmaß sehr ernste Konsequenzen: Erstens blockiert der Streit zwischen Europa und Amerika ein gemeinsames, also wirksames Handeln der wichtigsten westlichen Volkswirtschaften und schwächt so den Westen insgesamt; zweitens treibt dies die USA weg von Europa und weiter Richtung China; und drittens wird dies die transatlantischen Beziehungen weiter schwächen, die chinesische Rolle bei der globalen Bewältigung der Krise und darüber hinaus weiter aufwerten und China aller Voraussicht nach zum großen Gewinner dieser Weltwirtschaftskrise machen.

      Die Welt wird danach eine andere sein, und die Europäer werden sich darüber nicht beschweren dürfen. Sie wird pazifischer und weniger transatlantisch sein, und die neue Achse der Weltpolitik wird von dem sino-amerikanischen Tandem gebildet werden. Insgeheim setzt man in Berlin, Paris und anderen europäischen Hauptstädten wohl darauf, dass es Präsident Obama schon richten wird.

      Hat er Erfolg als Super-Keynes, dann ist man mit dabei, ohne unkalkulierbare Risiken für die eigene politische Zukunft eingegangen zu sein. Scheitert er, dann war man Gott sei Dank nicht dabei. Beides aber ist im Interesse Europas gleichermaßen falsch. Denn wenn Europa seine Rolle in dieser schweren Krise, die sich durchaus zu einer Depression entwickeln kann, auf dem Trittbrett des Krisenmanagements sieht, dann wird es zukünftig auch so behandelt werden.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/325/462937/text/
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      schrieb am 26.03.09 19:59:49
      Beitrag Nr. 2.544 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.465 von Maraho am 26.03.09 05:42:03Die Antwort China`s auf die Meldung von heute morgen ...

      Peking erzürnt über Pentagonbericht
      Modernisierung der chinesischen Waffensystem verändere das militärische Gleichgewicht in der Region - Peking: "Verzerrung der Fakten"

      Washington - Die US-Regierung hat sich in einem Bericht des Pentagon besorgt über die Modernisierung der chinesischen Waffensysteme geäußert. In den vergangenen Jahren habe China insbesondere seine Anstrengungen bei der Entwicklung neuer atomarer Waffen und Raketensysteme vorangetrieben, heißt es am Mittwoch in einem Bericht des US- Verteidigungsministeriums an den Kongress in Washington.

      Das Pentagon forderte China auf, die Hintergründe und Absichten dieser Entwicklung offen zu legen, da es sonst zu "Missverständnissen" kommen könne. "Es gibt manche Unklarheiten über den künftigen Kurs Chinas." Die Modernisierung der chinesischen Waffensystem verändere das militärische Gleichgewicht in der Region. China habe zudem in bedrohlicher Weise weitere Kurzstreckenraketen an der Küste gegenüber Taiwan in Stellung gebracht. Taiwan ist aus Sicht Pekings eine abtrünnige Provinz.

      Peking zornig

      Chinas Außenministerium wies den Bericht als "Einmischung in innere Angelegenheiten" in scharfer Form zurück. Die USA stellten China darin unverändert als Bedrohung dar und "verzerren die Fakten". Chinas Verteidigungspolitik sei defensiv. Die USA sollten ihre "Mentalität des Kalten Krieges" aufgeben und aufhören, "grundlose Beschuldigungen zu erheben", sagte der Sprecher Qin Gang vor Journalisten. (APA/dpa)

      Quelle: http://derstandard.at/
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      schrieb am 26.03.09 20:11:44
      Beitrag Nr. 2.545 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.847.659 von Maraho am 25.03.09 20:07:01Noch ein Nachtrag zum gestrigen Text über die "IKB" ...

      Folgenlose Misswirtschaft
      Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

      Aufklärung unerwünscht: Der ehemalige IKB-Chef Stefan Ortseifen muss wohl nicht mit einer Schadenersatzklage rechnen. Warum die Bank ihren Ex-Vorstand verschont.


      20 Monate ist es nun schon her, dass die in Düsseldorf ansässige Mittelstandsbank IKB wegen fragwürdiger Engagements im US-Hypothekenmarkt beinahe pleite gegangen wäre und ihren damaligen Vorstandsvorsitzenden Stefan Ortseifen deshalb gefeuert hat. Aber von Schadenersatzforderungen für das Missmanagement, das früher geherrscht haben soll, und für die finanziellen Folgen des Desasters ist der Ex-Chef bis heute verschont geblieben.

      Vermutlich wird sich daran so schnell nichts ändern. Ortseifen hat das Glück, so paradox es klingen mag, dass die IKB für die vermeintlichen Mängel und Fehler während seiner Amtszeit mit 1,8 Milliarden Euro haften soll. So viel Geld verlangt der US-Versicherer Financial Guarantee Insurance Company (FGIC) von der IKB. Bei der FGIC hat sich die Düsseldorfer Bank vor einigen Jahren gegen mögliche Ausfälle bei Geschäften mit US-Immobilienkrediten abgesichert. Die FGIC sieht sich im Nachhinein getäuscht, weil die IKB damals bereits von Risiken gewusst, dies aber verschwiegen habe. Die Bank bestreitet das.

      Kühle Rechner

      In der IKB wird nach Angaben aus Finanzkreisen nun ganz kühl gerechnet. Was nütze es, wenn man Ortseifen verklage und einige Millionen Euro heraushole, dadurch aber mögliche Missstände nachträglich bei Gericht bekannt würden und die FGIC mit diesen Erkenntnissen anschließend ihre Milliarden-Forderung durchsetzen könne. Das könne die Bank ruinieren. Und das erkläre, warum die IKB trotz der vielen in einem Untersuchungsbericht der Wirtschaftsprüfgesellschaft PwC aufgelisteten Mängel während Ortseifens Amtszeit nicht gegen den Ex-Chef vorgehe, mit einer Ausnahme: Die Bank fordert Tantiemen in Höhe von 805.000 zurück. Die IKB teilt dazu mit, sie habe Schadenersatzansprüche gegen ehemalige Verantwortliche zunächst zurückgestellt, "im Interesse des Unternehmens".

      Ein IKB-Manager sagt, Ortseifen und dessen ehemalige Vorstandkollegen könnten froh sein. Würde man die früheren Manager verklagen, dann wären sie, "wenn sie Pech haben, bis ans Ende ihres Lebens nicht mehr froh". Schließlich habe das Desaster die Bank und deren Hauptgesellschafter mehrere Milliarden Euro gekostet. Die IKB hat zwar für ihre Vorstände eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abgeschlossen, im Fachjargon D&O genannt. Die Deckungssumme liegt jedoch lediglich im zweistelligen Millionenbereich, also irgendwo zwischen zehn und 90 Millionen Euro. Auch kann der Versicherungsschutz abgelehnt werden, wenn grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz in Rede stehen.

      Kontrolleure in der Klemme

      Der Aufsichtsrat, der für Schadenersatzklagen gegen Ex-Vorstände zuständig wäre, steckt in der Zwickmühle. Sollten die Kontrolleure berechtigte Forderungen verzögern oder verfallen lassen, riskieren sie, selbst zu haften. Das lässt sich aus der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) ableiten.

      Andererseits soll der Milliardenklage aus den USA nicht Vorschub geleistet werden. Zu den Kontrolleuren der IKB gehörte in jener Zeit, als die Bank fast pleite ging und die PwC anschließend im Auftrag des neuen Vorstands und in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat die Gründe für das Desaster erforschte, einer der wichtigsten Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an: Jörg Asmussen, damals Abteilungsleiter Finanzmarktpolitik und heute Staatssekretär.

      Der frühere IKB-Chef Ortseifen äußert sich dazu nicht, aber er beharrt darauf, keine Fehler gemacht zu haben. Er klagt beim Landgericht Düsseldorf gegen seine fristlose Kündigung.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/338/462950/text/ …
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      Avatar
      schrieb am 26.03.09 20:33:34
      Beitrag Nr. 2.546 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.463 von Maraho am 26.03.09 05:35:36In Bezug.

      40.000 Menschen zu Demos erwartet
      Gemeinsam gegen das Kapital

      Berlin und Frankfurt erwarten am Samstag die bislang größten Demonstrationen gegen den Finanzkapitalismus. Ein breites Bündnis ruft dazu auf. Die Banker fürchten sich vor Übergriffen.

      VON BENJAMIN LAUFER


      Insgesamt 40.000 Menschen werden am Samstag zu Demonstrationen in Frankfurt am Main und Berlin erwartet. Unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise!" wollen sie gegen die Auswirkungen der Finanzkrise und den Kapitalismus demonstrieren. "Die Krise ist noch nicht unmittelbar bei den Menschen angekommen, die eine Beschäftigung haben", sagte Ulla Pingel von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Sie geht davon aus, dass nach den Bundestagswahlen im Herbst massive Kürzungen bei Sozialleistungen geplant sind. "Dagegen müssen wir uns wehren", ergänzte Roland Klautke von Attac.

      Hunderte von Initiativen und Organisationen mobilisieren zu den Demos, darunter Gewerkschaftsgliederungen, Attac, Grüne, Linkspartei, antifaschistische Gruppen, Teile der Friedensbewegung sowie entwicklungs- und umweltpolitische Organisationen. "Die Breite des Bündnisses kündigt von einer neuen Zusammenarbeit und gemeinsamer Kämpfe für sozialen Wandel", sagte Christina Kaindl als Sprecherin des Demobündnisses in Berlin. "Das Problem sind nicht irgendwelche Banker oder Finanzmärkte", sagte Kaindl. Es sei das System.

      Diese Meinung werden auf den Demos wahrscheinlich nicht alle im Bündnis teilen - zumindest befürchten das die Banker. In der Branche wird vor einer aggressiven Demo am Frankfurter Bahnhof gewarnt. Mehreren Beschäftigten zufolge kursiere in der örtlichen Finanzbranche ein Rundruf. Sofern man sich am Samstag in der Innenstadt aufhalten möchte, solle man bitte nicht im Anzug auf die Straße gehen. Sonst könne man etwas abbekommen. "Dass sich die Neuigkeit verbreitet, zeigt, dass hier alle Angst vor einer Konfrontation haben", sagte eine Beschäftigte. Sie selbst werde am Samstag die Innenstadt nicht betreten. "Wir erwarten Demonstrationen mit einem starken politischen Ausdruck", antwortete Werner Rätz von Attac auf taz-Anfrage. "Aber wir erwarten keine gewalttätigen Übergriffe auf Personen, gleich welcher Profession."

      Die bisherige Krisenpolitik der Bundesregierung bewertet das Bündnis als "katastrophal". "Eine Antwort auf die Krise des neoliberalen Kapitalismus kann nicht die Verstaatlichung der Verluste und der damit verbundene Abwälzung der Kosten auf die Bevölkerung sein", sagte Rätz. Sie müsse "auf Zurückdrängung von sozialer Ungleichheit weltweit und die Demokratisierung der Wirtschaft setzen". Bernd Riexinger von Ver.di Stuttgart forderte einen "Schutzschirm für Beschäftigte", keine Rettung der Reichen und Superreichen.

      In Frankfurt und Berlin werden Busse aus mehr als 100 Städten aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Wie viele genau, ist unklar. "Das hat eine gewisse Eigendynamik entwickelt", sagte Klautke. "Wir arbeiten an französischen Verhältnissen", sagte Michael Prütz vom Berliner Demobündnis. Dort ist man allerdings weiter: An einem Generalstreik gegen die Krise beteiligten sich am 16. März mehr als zwei Millionen Menschen.

      Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/gemeinsam-g…
      29 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 21:03:54
      Beitrag Nr. 2.547 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.745.035 von Maraho am 11.03.09 13:27:31In Bezug.
      Zum Abschluß noch dies ...

      (Wenn ihr die Seite (Link unten) anklickt, könnt ihr auch ein kurzes Filmchen über die Zeltstadt anschauen)

      Obdachlosen-Zeltstadt in Kalifornien wird geräumt

      Das Feld bei Sacramento, auf das nach der Hypothekenkrise offenbar ganze Familien gezogen sind, wird geräumt. 150 Menschen müssen eine Notunterkunft finden.

      Gouverneur Arnold Schwarzenegger sagte der Stadtverwaltung von Sacramento Unterstützung dabei zu, die rund 150 Bewohner der Zeltstadt in Notquartieren oder Übergangsheimen unterzubringen. Er wolle versuchen, Mittel dafür freizumachen.

      Journalisten aus aller Welt hatten die Ansammlung von Zelten und Planen am Ufer des American River am Stadtrand von Sacramento besucht, nachdem die «Oprah Winfrey Show» vorigen Monat darüber berichtet hatte. In manchen Meldungen hiess es, dort lebten tausend oder noch mehr Opfer der Rezession, die Arbeit, Ersparnisse und Wohnung verloren hätten. Obdachlosenhelfer erklärten dagegen, das Lager existiere schon seit Jahren und habe rund 150 Bewohner. Die meisten von ihnen zählten zu der ständig obdachlosen Einwohnerschaft von Sacramento.

      Die 476'000 Bürger zählende Stadt schätzte die Zahl ihrer Obdachlosen voriges Jahr auf rund 2700. In ganz Kalifornien sollen rund 160'000 Menschen ohne feste Bleibe sein. Schwarzenegger räumte ein, Obdachlosigkeit sei landesweit ein chronisches Problem, für das noch niemand die richtige Lösung gefunden habe. Er habe Präsident Barack Obama schriftlich um beschleunigte Auszahlung von 180 Millionen Dollar aus dem Konjunkturpaket gebeten, um damit unter anderem die Obdachlosigkeit zu bekämpfen.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/ObdachlosenZ…
      Avatar
      schrieb am 26.03.09 21:08:26
      Beitrag Nr. 2.548 ()
      So, für heute reicht es mir.
      Ich danke euch allen wieder einmal für das Interesse und wünsche einen noch schönen und entspannenden Abend!

      Bis morgen! Maraho
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 05:41:11
      Beitrag Nr. 2.549 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.858.452 von Maraho am 26.03.09 20:11:44Guten Morgen,
      ich hoffe, ihr habt gut geschlafen.

      Einen erfolgreichen Tag wünsche ich euch!


      Jahresfehlbetrag
      Exklusiv KfW macht Millardenverlust
      von Monika Dunkel (Berlin) und Elisabeth Atzler (Frankfurt)

      Auch 2008 hat die Staatsbank KfW einen empfindlichen Verlust erlitten. Insgesamt verbuchte das Geldinstitut einen Fehlbetrag von 2,7 Mrd. Euro - besonders schlecht war das vierte Quartal. Das erfuhr die FTD von Insidern.

      Das vierte Quartal fiel mit einem Minus von 900 Mio. Euro besonders schlecht aus. Bereits 2007 hatte die Staatsbank einen Verlust von 6,2 Mrd. Euro eingefahren. Damals wurde sie vor allem durch die Rettungsmaßnahmen zugunsten der Mittelstandsbank IKB belastet. Die KfW hatte bis zur Beinahepleite ihrer Tochter IKB im Sommer 2007 jahrelang Gewinne erzielt. Die Misere der IKB traf die Staatsbank tief und zwang auch die damalige KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier zum Rücktritt.

      Neben den IKB-Hilfen wurde die KfW 2008 auch direkt durch die Finanzkrise belastet. Im vierten Quartal schlugen vor allem Abschreibungen zu Buche. Insgesamt habe die KfW 2008 rund 2 Mrd. Euro auf Wertpapiere sowie Derivate abschreiben müssen, hieß es. Die Fehlüberweisung an die Pleitebank Lehman Brothers, die der KfW viel Spott eingetragen hatte, sowie Engagements in Island kosteten die Staatsbank 700 Mio. Euro. Die KfW kommentierte das nicht.

      1,2 Mrd. Euro des Verlusts im Jahr 2008 entstanden indes durch die Hilfen für die inzwischen verkaufte IKB. Die KfW hielt jahrelang rund 40 Prozent an der IKB und stockte den Anteil im Zuge der Rettung stark auf. Die IKB hatte sich dramatisch mit US-Hypothekenpapieren verspekuliert und musste mit 10 Mrd. Euro gerettet werden. Vor allem die KfW pumpte Geld in die angeschlagene Mittelstandsbank.

      Ende August 2008 verkaufte sie ihren IKB-Anteil an die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star - für nur rund 130 Mio. Euro. Den hohen Belastungen 2008 stand ein Betriebsergebnis von rund 1,6 Mrd. Euro gegenüber.

      Bestätigt wurde am Donnerstag der neue KfW-Risikovorstand. Bernd Loewen, bisher Investmentbankingchef der Warschauer BRE Bank, habe im Verwaltungsrat eine breite Mehrheit gefunden, hieß es. Der 43-Jährige soll am 1. Juli bei der KfW einsteigen.

      Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Jahresfeh…
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      Avatar
      schrieb am 27.03.09 05:43:36
      Beitrag Nr. 2.550 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.860.321 von Maraho am 27.03.09 05:41:11Dazu noch dies ...

      Ex-Vorstände von KfW und IKB klagen gegen Kündigung

      Berlin (dpa) - Sie waren wegen schwerer Fehler und Missmanagements entlassen worden - Jetzt klagen drei Manager der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Mittelstandsbank IKB laut «Bild» gegen ihre Kündigungenr. Die Ex-KfW-Vorstände Detlef Leinberger und Peter Fleischer wollen feststellen lassen, dass ihre Vorstandsverträge weiter gelten. Die beiden Manager waren wegen der 320-Millionen-Euro- Überweisungspanne an Lehman Brothers fristlos entlassen worden. Auch der frühere IKB-Vorstandschef Stefan Ortseifen klagt laut «Bild».

      © Die Welt
      erschienen am 27.03.2009 um 04:54 Uhr
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      Avatar
      schrieb am 27.03.09 05:53:53
      Beitrag Nr. 2.551 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.860.321 von Maraho am 27.03.09 05:41:11Moin mein Guter,

      noch ein wenig müde, aber gut gerüstet für den Tag.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:00:03
      Beitrag Nr. 2.552 ()
      Fonnerstag, 26. März 2009
      "Keine Entspannung am US-Arbeitsmarkt“

      http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/03/keine-entsp…
      Auch die heutigen wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung des US-Arbeitsministeriums, bestätigen die miserable Lage am US-Arbeitsmarkt! Die anhaltende Rezession manifestiert sich in einer weiter hohen Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Billionen von Dollar an Krediten und Liquiditätshilfen verpuffen gemessen an dem real stattfindenden Arbeitsplatzabbau.

      Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen in der Woche bis zum 21. März 2009 um 8‘000 auf saisonbereinigte 652‘000. Zur Vorjahreswoche stiegen die Erstanträge um satte +78% bzw. um 285'000! Dies sind weiterhin extrem miese Daten welche sich Woche für Woche knapp an den bisherigen Hochs aus dem Jahr 1982 bewegen!

      > Die wöchentlichen Erstanträge (blau) mit 652'000. Die wöchentlich ermittelte Anzahl der Arbeitslosen die dauerhaft Arbeitslosenunterstützung erhält (rot), diese stieg in der Woche zum 21. März auf 5,56 Millionen bzw. auf eine Rate von 4,2% an, nach 2,835 Millionen Langzeitarbeitslosen in der Vorjahreswoche und dies markiert zugleich den höchsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1967! Quelle Chart: Calculatedriskblog.com <

      Auch der geglättete Vier-Wochen Durchschnitt der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung verharrt mit 649‘000 gestellten Erstanträge, ebenfalls auf extrem hohen Niveaus. Die erfassten Erstanträge bestätigen weiter die Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt. Die US-Wirtschaft hat in den letzten 14 Monaten bereits -4,4 Millionen Jobs abgebaut.

      Nur im Februar 2009 wurden -651'000 Stellen abgebaut, dies war das dritte Mal in Folge ein Stellenabbau von über -600‘000! So eine drastische Negativserie hat es seit Beginn der Datenerhebung durch das Bureau of Labor Statistics (BLS) im Jahre 1939 bisher nicht gegeben!

      Die Arbeitslosigkeit in den USA markierte im Februar mit 8,1% bzw. 12,467 Millionen registrierten Arbeitslosen den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebungen! Mit den marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmern, den Arbeitnehmern in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchen und den sogenannten entmutigten Arbeitnehmern (discouraged workers), welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten, addierte sich die Arbeitslosenzahl auf gewaltige 14,8% bzw. 22,82 Millionen Arbeitslose. Reloaded: "Desaströser US-Arbeitsmarkt"

      Der kommende Arbeitsmarktbericht des Bureau of Labor Statistics (BLS) für März wird angesichts der wöchentlichen Erstanträge-Daten wieder schlecht ausfallen und die Arbeitslosenrate wird wohl weiter steigen. Auch wenn die Aktienmärkte eine Erholung suggerieren und eine Entwarnung beim Bankensystem spielen, befeuert von einzigartigen Liquiditätsprogrammen, Nothilfen und Kreditgarantien durch den Staat und die Notenbank - die Abwärtsspirale der Realwirtschaft ist noch ungebrochen.

      Quellen: Doleta.gov
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:00:48
      Beitrag Nr. 2.553 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.475 von Maraho am 26.03.09 05:55:30Ein Hintergrundbericht ...

      Albtraum Abwrackprämie
      "Wir wissen nicht mehr, wohin damit"

      Für die einen ist die Abwrackprämie eine Goldgrube - für die anderen ein Schildbürgerstreich: Auf den Schrottplätzen herrscht Chaos.


      Sie sind rot, blau und schwarz: Ratlos steht Jörg Pabst inmitten eines Berges von Corsas und Twingos. "Wir wissen teilweise nicht mehr, wohin damit.“ Die Kapazitätsgrenze auf seinem Schrottplatz in Dortmund ist trotz Sonderschichten erreicht.

      Selbst auf dem ehemaligen Kundenparkplatz und dort, wo Pabst bis vor sechs Wochen Unfallautos abgestellt hat, stapeln sich nun die Stiefkinder der Abwrackprämie.

      Täglich 30 neue Verwertungsnachweise

      Auch das Ersatzteillager quillt über. Jahrelang hat Pabst von einer solchen Blechlawine nur träumen können. Jetzt, wo sie da ist, stellt der 45-Jährige fest: "Das ist ein Albtraum.“

      Drüben im Büro auf der anderen Straßenseite sitzt Ehefrau Beate Pabst-Berg. Über ihr hängt das Schild "Reparatur und Annahme".

      Treffender wäre momentan die Aufschrift "Verwertungsnachweise“. "Wir sind jetzt bei 478 und es hört nicht auf“, stöhnt sie. Normalerweise verschrotten die Pabsts jährlich höchstens 150 Autos. Nun füllen sie täglich bis zu 30 neue Verwertungsnachweise aus. Man könne kaum noch Luft holen.

      Noch enger dürfte es werden, nachdem die Bundesregierung am Mittwoch vereinbart hat, die Fördersumme für die Prämie aufzustocken.

      "Das ist meiner Meinung nach ein Fehler", sagt Pabst. "Die sollten sich mal informieren, was das für Folgen hat, die Abwrackprämie." Der Markt könne sich gar nicht mehr richtig beruhigen.

      Und seine Frau weiß: "Manche Kollegen haben schon angekündigt, dass sie keine Autos mehr annehmen." Wer noch annimmt, der verlange von den Händlern mittlerweile sogar Geld dafür. "Das hat sich eigentlich komplett umgekehrt", sagt Pabst.

      Doch anders lohne es sich bei den stark gesunkenen Schrottpreisen nicht mehr. Pro Auto fallen rund 900 Kilo Schrott an. Eine Tonne davon bringe höchstens noch 20 bis 40 Euro ein, bestätigt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen in Düsseldorf, Ulrich Leuning. Vor einem Jahr waren es noch 100 Euro mehr.

      Rausschlagen kann Pabst den niedrigen Schrottpreis derzeit auch dadurch nicht, dass er mehr Ersatzteile verkauft. Wegen des Überangebots seien auch da die Preise im Keller. "Die können sie anbieten wie sauer Bier", sagt er und zeigt auf seine Regale voller Katalysatoren, Anlasser und Lichtmaschinen.

      Manchen Scheinwerfer zerstöre er bereits absichtlich, um das Angebot nicht weiter in die Höhe zu treiben. "Wenn ich 40, 50 Twingos habe und niemand will was aus einem Twingo haben, schmeiße ich das Auto eben weg." Er müsse radikal Platz schaffen für neue alte Autos. So kommt sein Recyclinghändler statt dreimal im Jahr nun alle drei Wochen.

      Rund 570.000 Neuwagen wurden laut des Zentralverbandes Deutsches Kfz-Gewerbe durch die Abwrackprämie bereits verkauft, allein 114.000 in Nordrhein-Westfalen. "Das ist ein guter Impuls für das Kfz-Gewerbe in NRW", sagt Udo Stocks vom Landesverband in Düsseldorf. Als "Schildbürgerstreich" und "Flop des Jahres" bezeichnet hingegen der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Altauto in Regensburg, Gottfried A. Höll, die Bonuszahlung.

      "Die gesamte Infrastruktur, die dahinter steht, bleibt auf der Strecke. Nur die Händler verdienen sich eine goldene Nase." 3,2 Millionen Autos werden laut Höll normalerweise jährlich abgemeldet. Zwei Millionen davon wanderten ins Ausland, 1,2 Millionen landeten tatsächlich bei den Verwertern.

      In diesem Jahr seien bereits weit über 800.000 Fahrzeuge auf Schrottplätzen abgegeben worden. Mancherorts seien sogar die Verwertungsnachweise ausgegangenen. "Die Höfe sind voll", sagt Höll.

      Mindestens die Hälfte verkaufbar

      Pabst hat deshalb zwei seiner Werkstattmitarbeiter zusätzlich für das Trockenlegen der Fahrzeuge abgestellt. "Die kommen zur Zeit gar nicht nach." Neben der Einfahrt türmen sich Reifen, Felgen und Batterien.
      Und bei vielen Modellen, die ihm die Prämie auf den Platz bringt, schüttelt Pabst nur verständnislos den Kopf. "Mindestens 50 Prozent könnte man als Gebrauchtwagen weiterverkaufen."

      Zwar gibt es nach Angaben des Kfz-Verbandes in Deutschland über acht Millionen Fahrzeuge, die älter als neun Jahre und weniger als 2500 Euro wert sind. Doch tatsächlich fehlen die Modelle, die den Schrottplätzen momentan zu viel sind, auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

      "Die Händler, die wir haben, haben ganz schön zu kämpfen", sagt Sven Michalczak. Er ist Geschäftsführer des Privaten Automarkts im Autokino Essen, dem nach eigenen Angaben größten in Europa. "Das ist für viele wirklich ein Todesstoß."

      Die Umsätze auf dem samstäglichen Markt seien um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Statt 2500 Fahrzeugen stünden nur noch 1200 auf dem Platz. Es werde lange dauern, bis das Angebot an entsprechenden Autos wieder da sei. Für manche zu lange, meint Michalczak. "Die kleineren Gebrauchtwagenhändler werden das alles nicht überleben."

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra3l1/wirtschaft/394/463006/text…
      25 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:02:16
      Beitrag Nr. 2.554 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.860.338 von kiska am 27.03.09 06:00:03Guten Morgen, kiska. ;)
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:03:44
      Beitrag Nr. 2.555 ()
      Leerverkäufe sind im März auf ein Rekordniveau gestiegen. Die neue Hausse beruht daher nicht in erster Linie auf Eindeckungen von existierenden Leerpositionen sondern spiegelt tatsächliches Kaufinteresse wider. Die Wenigsten hatten mit einer so explosiven Rallye gerechnet. Skeptiker haben in diesen Börsenaufschwung Aktien verkauft, die sie nicht hatten (sogenannte Leerverkäufe). Je größer die Leerverkäufe, umso höher ist das Kurspotential. Bei Citigroup macht die Leerposition beispielsweise 20% aller ausstehenden Aktien aus. Die Druck auf diese Leerverkäufer steigt mit jedem Tag.

      Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal noch etwas mehr geschrumpft, als die revidierte Schätzung vor einem Monat annahm. Auch in diesem Quartal hat sich die Schwäche fortgesetzt; jedoch war der Abwärtstrend etwas geringer als zu Jahresende. Die erste Hochrechnung wird Ende April veröffentlicht.

      Heute hat auch der Dow Jones Index mit dreitägiger Verzögerung diese Börsenhausse bestätigt. Seit dem 9. März betragt der Anstieg beim Dow Jones nunmehr 21%, was die Definition einer Hausse von einem Mindestanstieg von 20% erfüllt. Auch international ging der globale Börsenaufschwung weiter. Jetzt muss nur noch der Dax beweisen, daß auch er sich in einer Hausse befindet. Ein Anstieg von 141 Punkten ist hier noch notwendig, um die 20%-Marke zu erreichen. Der März verspricht einer der besten Börsenmonate in 35 Jahren zu werden. Mutige Anleger wurden damit königlich belohnt.

      http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2009-03/13476573…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:06:07
      Beitrag Nr. 2.556 ()
      27.03.2009 05:53
      Japan April-June steel demand seen -26.6 pct-METI

      TOKYO, March 27 (Reuters) - Demand for steel from Japanese industry in the April-June quarter is expected to fall 26.6 percent from a year earlier to 15.76 million tonnes, the Ministry of Economy and International Trade said on Friday.

      Crude steel output during the three months is seen declining 42.6 percent to 17.83 million tonnes, the ministry said.

      (Reporting by Yuko Inoue)

      ((yuko.inoue@thomsonreuters.com; +81-3-6411-1815; Reuters Messaging; yuko.inoue.reuters.com@reuters.net)) Keywords: STEEL/JAPAN
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:15:39
      Beitrag Nr. 2.557 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.755.032 von Maraho am 12.03.09 18:37:05In Bezug.
      Irgendwie unverständlich ....
      Aber so ist es.


      Verschobene Relationen
      Peter Riedlberger

      Zum Jahrestag des Beschlusses, den Transrapid nicht zu bauen
      Am 27. März 2008 beschlossen der Bund, Bayern und die Industriepartner, den Transrapid nicht zu bauen. Erst wenige Tage zuvor hatte die Industrie angekündigt, den geplanten Preis von 1 850 Mio. Euro nicht halten zu können; vielmehr würden Kosten von über 3 000 Mio. Euro entstehen.


      Die Süddeutsche rechnete damals vor, mit dem bayerischen Anteil an den prognostizierten Kosten, d.h. 463 Mio. Euro, könnte man 18.500 Polizeiautos, 6.600 Lehrerjahre, 2.300 Mal die Grundausstattung für den Ganztagsbetrieb an einer Schule oder 2.650 km sanierte Straße finanzieren. Die Liste enthält auch die interessante Informationen, dass die Bayerische Staatsbibliothek ein Jahresbudget von ca. 10 Mio. Euro für den Büchererwerb hat, während die Staatstheater mit jährlich 100 Mio. Euro subventioniert werden, wozu noch 54 Mio. für die privaten Theater kommen (Süddeutsche: "Zusammen ist das ein Drittel der geplanten Transrapid-Ausgaben. Angesichts dessen ist klar: Gerade kleine Spielstätten könnten mit ein wenig mehr Geld kulturell viel bewegen.")

      Der Transrapid ist nun ein Jahr passé. Heutige Nachrichten sehen anders aus. Opel will Staatsbürgschaften von 3,3 Mrd. Euro, zum größten Teil vom Bund, und die zu Transrapidzeiten so knauserige SPD will sie dem Unternehmen auch geben. Dabei handelt es sich, betrachtet man die Größenordnungen des "Rettungspakets", um eine eher mäßige Summe.

      Das "Rettungspaket" von letzten Oktober ist angeblich kein verschenktes Geld, die Banken sollen die Hilfen zurückzahlen. Hoffen wir mal das Beste, denn immerhin wurden 500 000 Mio. Euro bereitgestellt; die Liste der bisher profitierenden Banken lässt sich hier abrufen.

      Das "Konjunkturpaket I" brachte ein neues Programm für die KfW zur Kreditversorgung der Wirtschaft mit maximal 15 000 Mio. Euro, 3 000 Mio. Euro für Infrastrukturprogramme strukturschwacher Kommunen und 2 000 Mio. Euro für Verkehrsprojekte. Das "Konjunkturpaket II" enthält neben Steuer- und Beitragssenkungen auch Mittel für direkte Investionen: 17 300 Mio. Euro sollen für Schulen, Universitäten, Verkehrswege und Breitbandtechnologie ausgegeben werden. Zudem wurde ein breiterer Schutzschirm für Unternehmen aufgespannt, sprich, die Mittel für Inlandsdarlehen wurden von 25 000 Mio. auf 100 000 Mio. Euro erhöht.

      Zurück zum Transrapid. Der hauptsächliche Grund für die Kostenexplosion des Transrapids, den man Anfang 2008 angab, waren die stark erhöhten Preise für Stahl, Aluminium und Kupfer. Doch Kupfer brach seitdem von 9.000 $/t auf heute 4.000 $/t ein, Aluminium fiel von ca. 3.000 $/t auf die Hälfte, Stahl verbilligte sich um ca. 40%. Würde man heute die Kosten des Transrapids erneut einer Überprüfung unterziehen, dürfte dabei wohl eher ein Wert herauskommen, der näher bei der ursprünglichen Schätzung liegt.

      Anstelle des Transrapids sollte eine "Express-S-Bahn" die Verbindung zum Flughafen herstellen, die, so kündigten die Transrapid-Gegner an, noch 2009 fahren würde. Verwundert es wirklich jemand, dass dies nur ein Scheinargument war? Diese "Express"-S-Bahn hätte die Fahrzeit von 40 auf 30 Minuten verringert und sollte dafür eine bereits vorhandene Trasse nutzen. Nun stellte die Stadt München fest, dass der Lärmschutz nicht gewährleistet und zudem die Bahnübergänge bereits jetzt überlastet seien; Unterstützung erhielt sie dabei vom CSU-Bundestagsabgeordneten Singhammer, durch dessen Wahlkreis die Trasse führt.

      Kurzum: Es bleibt alles beim alten. Es ist keinerlei Lösung in Sicht, wie jemals eine vernünftige Anbindung des Flughafen Münchens an die öffentlichen Verkehrsmittel gewährleistet werden soll. Schon als der Transrapid in der Kritik stand, war klar, dass es vor allem um Anwohnerbelange ging, und nicht etwa um die Kosten; dass S-Bahnen genauso viel oder mehr Krach machen würden, wurde damals argumentatorisch ignoriert.

      Als die Münchner U-Bahn vor ein paar Jahrzehnten gebaut wurde, gab es erheblichen Widerstand, und es wurden Horrorszenarien von pausenlos wackelnden Einrichtungsgegenständen an die Wand gemalt. Doch die U-Bahn wurde trotzdem gebaut, und ihr Erfolg gibt ihr Recht. Ob sich heute noch Politiker finden lassen würden, die so weitschauend planen, anstatt den neuesten Entwicklungen hinterherzuhecheln?

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29983/1.html
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:24:17
      Beitrag Nr. 2.558 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.857.107 von Maraho am 26.03.09 18:18:10Das schreibt "Bild" ...

      HRE-Desaster
      Was wollte die Regierung vertuschen?

      Untersuchungsausschuss will Pannen bei der Hypo Real Estate aufklären
      Von Paul Ronzheimer

      Die marode Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) – wollte die Regierung da bewusst Hintergründe vertuschen? Die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag verlangen einen Untersuchungsausschuss, so schnell wie möglich!

      Es bestehe der Verdacht, dass da „einiges vertuscht" werden sollte, sagte der finanzpolitische Sprecher der Liberalen, Hermann Otto-Solms (68).

      Der Vorwurf: Wenn die Regierung früher eingegriffen hätte, wäre die große HRE-Katatstrophe möglicherweise zu verhindern gewesen.

      Die HRE ist stark von der Finanzkrise betroffen, hatte als erste deutsche Bank staatliche Garantiezusagen in dreistelliger Milliardenhöhe erhalten.

      Die FDP hatte sich lange gegen einen von Grünen und Linken geforderten Untersuchungsausschuss gesträubt. Weil die Liberalen aber keine ausreichenden Antworten auf ihre Fragen an die Regierung bekamen, stimmten sie diese Woche dennoch zu.

      BILD.de liegt der Antrag der FDP zur Einsetzung des Untersuchungsausschusses vor. Die Fragen an die Regierung haben es in sich!

      Die FDP will wissen, seit wann die Bundesregierung und insbesondere Finanzminister Peer Steinbrück (62) über die Liquiditätsprobleme der HRE informiert waren. Die FDP glaubt daran, dass die Regierung schon vorher hätte etwas gegen die „systematischen Risiken“ der HRE tun können. Bereits im Frühjahr 2007 sei über die Banken-Aufsichtsbehörde bekannt geworden, dass es eine Aufsichtslücke gebe.

      Für Hermann Otto Solms ist klar: „Das ist dem Finanzminister mitgeteilt worden. Wäre diese Aufsichtslücke damals schon geschlossen worden, hätte es nie zu einer Beteiligung der HRE an der irischen Bank Depfa kommen müssen.“

      Außerdem will die FDP wissen, ob es im Vorfeld der Abspaltung der HRE von der Hypo Vereinsbank bereits Beanstandungen der betroffenen Geschäftsbereiche durch die staatliche Finanzaufsicht gegeben hat.

      Der Beschluss über den Untersuchungsausschuss solle noch am Donnerstag in den Bundestag eingebracht werden, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick.

      Quelle: http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/03/26/hr…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 06:29:08
      Beitrag Nr. 2.559 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.860.322 von Maraho am 27.03.09 05:43:36Und auch dies ...

      Haben die denn gar keinen Anstand?
      Diese 3 Gier-Banker klagen Millionen ein!

      Jetzt klagen auch geschasste Ex-Vorstände der Staatsbank KfW („Dumm-Bank“) und der Fast-Pleitebank IKB auf Weiterzahlung ihrer Chefgehälter und Pensionen – es geht um Millionen!

      Haben die keinen Anstand?

      Vor dem Landgericht Frankfurt/Main klagen die beiden Ex-KfW-Vorstände Detlef Leinberger (59) und Peter Fleischer (53). Sie waren Ende September 2008 wegen der Überweisung von 320 Millionen Euro an die schon insolvente US-Bank Lehman Brothers fristlos gefeuert worden.

      Dagegen gehen die beiden „Dumm-Banker“ jetzt vor. Sie wollen feststellen lassen, dass die Kündigung unwirksam ist und ihre Verträge weiter gelten. Beide verdienten zuletzt rd. 466 000 Euro im Jahr, hätten Anspruch auf üppige Pensionen.

      Noch teurer könnte die finanziell angeschlagene IKB (kassierte 10 Milliarden Euro Hilfsgelder von Staat und Banken!) der Rauswurf ihres früheren Chefs Stefan Ortseifen (58) kommen. Laut Landgericht Düsseldorf hat er eine Feststellungsklage (Az: 32 O 90/08) eingereicht, mit der er die Fortgeltung seines Chefvertrages durchsetzen will.

      Er kassierte zuletzt 1,6 Millionen Euro/Jahr, hatte einen Pensionsanspruch von 378 000 Euro/Jahr. Laut Vertrag stehen ihm bis zu 3 Millionen Euro Abfindung, danach die Pension bis zum Lebensende zu. Kassiert er die nur 15 Jahre, wären das mehr als 5,5 Millionen Euro ...

      Quelle: http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/03/27/kfw-un…
      6 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 07:05:31
      Beitrag Nr. 2.560 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.857.707 von Maraho am 26.03.09 19:11:46In Anlehnung.

      27.03.2009 06:21:29
      G20/Britischer Handelsminister Mandelson: 'Ära der G8 ist vorbei'

      SÃO PAULO (dpa-AFX) - Der G20-Gipfel in der kommenden Woche in London wird nach Worten des britischen Handelsministers Peter Mandelson ein Markstein sein für die Neubestimmung der globalen Machtverhältnisse. "Der Gipfel in London ist der Auftakt für eine neue Weise, Dinge auf der Welt zu entscheiden", sagte er am Donnerstagabend (Ortszeit) in einem Vortrag vor Unternehmern in São Paulo in Brasilien. Die Reformen, die bei dem Treffen in London auf den Weg gebracht würden, seien Signal dafür, dass die "Ära der G8 (der acht wichtigsten Industriestaaten der Welt) vorbei ist", sagte Mandelson, der den britischen Premier Gordon Brown auf seiner Brasilien-Reise begleitet.

      Zwar räumte Mandelson ein, dass noch nicht klar sei, wie das neue Entscheidungssystem aussehen werde. Aber er prognostizierte, dass die Schwellenländer mehr Entscheidungsgewalt und auch mehr Verantwortung bei der Suche nach Auswegen aus der internationalen Finanzkrise haben würden. Der G20-Gipfel werde nächste Woche keine sofortigen Lösungen, aber doch Hinweise für zukünftige Wege bringen. Es gehe dabei vor allem um Vertrauen, betonte der Minister. "Das Vertrauen, dass wir den Kurs kennen für ein Ende der Marktprobleme, das Vertrauen, dass wir aus vergangenen Fehlern gelernt haben, und das Vertrauen in die Zukunft."/hr/Dp/zb

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?l=5&ansicht=meldunge…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 07:09:59
      Beitrag Nr. 2.561 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.853.446 von Maraho am 26.03.09 13:48:39Und noch dies ...

      27.03.2009 06:06:40
      UN-Experten für neues System der Währungsreserven

      NEW YORK (dpa-AFX) - Eine UN-Kommission unter Leitung des amerikanischen Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz hat ein neues System der internationalen Währungsreserven gefordert. Es gebe einen wachsenden Konsens, dass es mit dem Dollar als Reservewährung Probleme gebe, sagte der Wirtschaftswissenschaftler am Donnerstag vor Journalisten in New York.

      In einem Bericht schlägt die Kommission stattdessen ein neues System vor, das auf stark ausgeweiteten sogenannten Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds beruhen könnte. Dies würde zu mehr wirtschaftlicher Stabilität und globalem Ausgleich beitragen, heißt es einer Mitteilung zufolge in dem Report.

      Die Sonderziehungsrechte sind eine Kunstwährung, die durch einen Währungskorb aus Dollar, Euro, Pfund und Yen definiert werden. Damit ließe sich die Gefahr bannen, dass der rapide Wertverfall einer einzelnen Leitwährung die hart verdienten Währungsreserven aushöhle, so die Experten.

      Die Kommission wurde vom Präsidenten der UN-Vollversammlung einberufen. Ihre Vorschläge sollen Grundlage für eine internationale Konferenz zur Weltwirtschaftskrise sein, die vom 1. bis 3. Juni bei den Vereinten Nationen in New York geplant ist./nw/DP/zb

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?l=5&ansicht=meldunge…


      Bis später ...
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 07:11:32
      Beitrag Nr. 2.562 ()
      27.03.2009 , 06:43 Uhr
      Ankauf von Unternehmensanleihen an
      EZB schwenkt auf Fed-Linie ein
      von Marietta Kurm-Engels

      Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet offenbar den Boden für den Ankauf von Unternehmensanleihen vor. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos sagte in Brüssel: "Potenzielle Maßnahmen schließen den Ankauf von Unternehmensanleihen ein."
      EZB-Vizepräsident Lucas Papademos fordert neue Maßnahmen. Quelle: ReutersLupe

      EZB-Vizepräsident Lucas Papademos fordert neue Maßnahmen. Quelle: Reuters

      FRANKFURT. Zudem könnten sich Banken künftig längerfristiger als bisher Geld bei der EZB leihen. Ziel sei es, "die Liquidität zu erhöhen und die Kredite für die reale Wirtschaft zu verbilligen".

      Die Europäische Zentralbank nähert sich damit der Strategie der britischen und der amerikanischen Notenbank Fed an, die längst Unternehmensanleihen aufkaufen. Einige Mitglieder des EZB-Rats standen diesem sogenannten "credit easing" bisher skeptisch gegenüber. Die Begründung: Die Zentralbank setze sich politischem Druck aus, bestimmte Unternehmensanleihen in den Blick zu nehmen. Das verzerre den Wettbewerb.

      Kommentar: Der Mut zur Wahrheit

      An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB am 2. April die Zinsen von 1,5 Prozent auf entweder 1,25 Prozent oder gar ein Prozent senken wird. Damit hat die Notenbank ihre zinspolitischen Möglichkeiten weitgehend ausgereizt. Der Gouverneur der niederländischen Zentralbank, Nout Wellink, schrieb in dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht seiner Bank, die EZB könnte unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen vornehmen, wenn sich der Leitzins der Null-Grenze nähere und nicht mehr greife.

      Mit Blick auf die Laufzeiten der Refinanzierungsgeschäfte der EZB für die Banken hat der Rat der Zentralbank Varianten von einem, zwei und drei Jahren kontrovers diskutiert. Nach den Äußerungen mehrerer Ratsmitglieder scheint man sich offenbar auf die Laufzeit von einem Jahr verständigt zu haben. Bis 2008 konnten sich Banken bei der EZB Geld nur für drei Monate leihen. Als Antwort auf die Finanzkrise bot die EZB dann zusätzlich Geschäfte mit ein- und sechsmonatiger Laufzeit zusätzlich an.

      Die EZB will mit den nun angedeuteten Maßnahmen die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln. Das Wachstum der Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen im Februar ist weiter zurückgegangen, teilte die Notenbank gestern mit. Es fiel bei Unternehmen gegenüber Januar von 8,8 auf 7,6 Prozent, bei Haushalten von 1,2 auf 0,7 Prozent.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 10:05:46
      Beitrag Nr. 2.563 ()
      Die Immobilienpreise fallen.
      Freitag, 27. März 2009
      Finanzzentrum droht Pleite
      Preisverfall in London

      Der Werteverfall britischer Immobilien bringt den Besitzer des Londoner Finanz- und Einkaufszentrums Canary Wharf in Turbulenzen. Der Komplex mit dem höchsten Gebäude in Großbritannien sei in den vergangenen zwei Jahren um ein Viertel auf 688,4 Mio. Pfund (736,6 Mio. Euro) abgewertet worden, teilte der Besitzer Songbird Estates mit. Falls die Preise weiter fallen, könne das Konsortium seinen Kredit der Citibank nicht zurückzahlen. Dann drohe die Insolvenz.

      Im vergangenen Jahr hätten sich Verluste von 1,83 Mrd. Pfund (1,96 Mrd. Euro) aufgetürmt. Der ursprüngliche Besitzer ging 1992 im Zuge der damaligen Immobilienmarkt-Krise bankrott.

      In dem riesigen Bürogebäude-Komplex haben sich die großen US-Finanzhäuser eingemietet. Lehman Brothers ist im Zuge ihrer Insolvenz bereits ausgezogen. Die Mietvereinbarung ist durch den US-Versicherer AIG abgesichert, der massive Staatshilfen erhalten hat, um eine Insolvenz zu vermeiden. Morgan Stanley hat ein Bürogebäude bereits verlassen. Die Bank of America erwägt entsprechende Pläne. Nach Besitzer-Angaben stehen derzeit weniger als fünf Prozent der Büroflächen leer.



      Quelle: www.n-tv.de
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 12:28:31
      Beitrag Nr. 2.564 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.658.222 von Maraho am 26.02.09 13:28:40Guten Tag zusammen,
      servus Schwabinho,

      hier etwas über die "Entspannung" an den Geldmärkten ...

      Ifo-Studie
      Unternehmen kommen etwas leichter an Kredite

      Die deutschen Unternehmen kommen wieder etwas leichter an Kredite. 42 Prozent der befragten 4000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Bauwirtschaft berichteten im März von einer restriktiven Kreditvergabe der Banken, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Im Februar waren es noch 42,5 Prozent.


      HB BERLIN. "Insgesamt bleibt insbesondere die Kreditsituation für die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes kritisch", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Wegen eigener hoher Verluste und der im Zuge der Rezession befürchteten Pleitewelle halten sich viele Geldhäuser seit Monaten mit der Vergabe neuer Darlehen zurück.

      Mehr als jedes zweite große Industrieunternehmen beklagt, dass die Banken strengere Maßstäbe bei der Kreditvergabe zugrunde legen. Der Anteil ging nur leicht von 51,9 auf 51,1 Prozent zurück. Dieser Wert sei immer noch höher als während der Wirtschaftsflaute 2003, sagte Sinn.

      Bei den mittelgroßen Industrieunternehmen klagten 40,8 (Vormonat 41,9) Prozent und bei den kleinen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbe unverändert 36,6 Prozent über die Politik der Banken.

      Im Bauhauptgewerbe sank die Kredithürde von 49,1 auf 46,5 Prozent. Bei den Handelsunternehmen erhöhte sie sich sogar leicht auf 39,0 Prozent.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/u…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 12:40:44
      Beitrag Nr. 2.565 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.858.152 von Maraho am 26.03.09 19:47:10In Anlehnung.

      Warum die Amerikaner falsch liegen ...
      Von Henrik Müller

      ... und die Europäer auch. Die hitzige Debatte über den richtigen Kurs bei der Krisenbekämpfung ist unsinnig und schädlich. Niemand sollte jetzt so tun, als habe er die absolute Weisheit gepachtet. Worum sollte es beim G20-Gipfel in London wirklich gehen? Diskutieren Sie mit!


      Was ist die richtige Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise? Um diese Frage führen die Regierungen der Welt derzeit eine erbitterte Debatte.

      "Macht es wie wir!", fordern die Amerikaner vor dem G20-Gipfel: Geldausgeben, Gelddrucken, Stimulation, wenn nötig bis jenseits der Schmerzgrenze. Die Welt brauche mehr Nachfrage, lässt Larry Summers, Präsident Obamas Ökonomiebeauftragter, den Rest der Welt wissen. Darüber sollten die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten am 2. April in London zuvörderst reden. Und die meisten angelsächsischen Ökonomen stimmen zu.

      "Unsinn!", entgegnen die Kontinentaleuropäer. Amerika überschulde sich, riskiere eine davongalloppierende Inflation. Das sei ein Kurs, dem man nicht folgen dürfe. Die USA, formulierte der tschechische EU-Ratspräsident Mirek Topolanek drastisch, seien "auf dem Weg in die Hölle". Das war undiplomatisch und deshalb hirnrissig. Aber insgeheim sehen es viele Europäer ähnlich: Regierende, Wissenschaftler, Notenbanker in Europa eint die Sorge um die Zeit nach der Krise. Und die Erwartung, die USA liefen in eine Inflationsfalle.

      Auch die Chinesen zweifeln offenkundig an der Weisheit der amerikanischen Strategie. Bereits Ende vorigen Jahres verkauften sie mehr US-Staatsanleihen als sie erwarben. Jetzt fragt sich die Führung in Peking, ob sie den US-Dollar wirklich noch weiter stützen soll. Lieber würde man auf eine multinationale Währung umsteigen, verkündete Zhou Xiaochuan, der Chef der chinesischen Notenbank diese Woche.

      Globales Meltdown-Szenario

      "Die Krise ruft nach einer kreativen Reform des existierenden internationalen Währungssystems", so Zhou, weil sie zeige, dass das bisherige Dollar-fixierte System "inhärent anfällig" sei. Es klingt, als wollten die Chinesen aufhören, Dollars zu kaufen, als wollten sie womöglich gar ihre geschätzt anderthalb Billionen Dollar Währungsreserven umtauschen.

      Was mich an dieser Debatte beunruhigt, ist der Glaube der Beteiligten, jeweils im Besitz der einzig selig machenden Wahrheit zu sein. Weltbeglückungsideen mit universellem Gültigkeitsanspruch sind gefährlich. Die Krise hat es uns eindrucksvoll gezeigt.

      Schließlich befinden wir uns in einem globalen Meltdown-Szenario, das die allermeisten zuvor für vollkommen unwahrscheinlich gehalten hatten. Ein "long-tail event", ein "Schwarzer Schwan". Und doch ist es eingetreten.

      Wenn alle das Gleiche tun, führt das mit ziemlicher Sicherheit irgendwann ins Desaster. Dann gibt es nämlich keine Diversifizierung mehr, sondern eine Konzentration auf wenige Strategien. Dann steigen die Risiken. Sagt uns die Portfoliotheorie - gerade Finanzmarktprofis sollten deshalb das Diversifizierungsargument verstehen. Mehr Vielfalt wagen - das gilt für unternehmerische Strategien genauso wie für wirtschaftspolitische und regulatorische.

      Mehr Vielfalt wagen

      Im aktuellen manager magazin 04/2009 haben mein Kollege Ulric Papendick und ich uns eingehend mit der kommenden Reregulierung der Finanzmärkte befasst. (Ergebnis übrigens: Banken werden künftig kleiner, nationaler, weniger profitabel sein, weil ihnen viele Geschäfte verboten werden. Aber das an dieser Stelle nur am Rande.)

      Bisher hatte das angelsächsische Modell der Light-Regulierung eine hegemoniale Stellung inne. Amerikaner und Europäer waren auf dem gleichen Trip - die Spielregeln fürs Banking hatten sich so weit angenähert, dass überall das Gleiche gemacht wurde. Entsprechend gleichförmig wurden die Geschäftsmodelle: Gigantische Universalbanken mit starkem Investmentbanking-Arm wie die Citigroup , J. P. Morgan Chase oder die Deutsche Bank galten als vorbildlich, wenn nicht gar notwendig.

      Genau diese Uniformität des Denkens und Handelns ist eine der Ursachen der jetzigen Krise. Eine Einsicht, die ich mehreren ausgedehnten Gesprächen mit dem britisch-karibischen Finanzmarktvordenker Avinash Persaud verdanke. "Wissen Sie", sagte er mir, "Diversität zu haben im Finanzsystem - unterschiedliche Institutionen, die unterschiedliche Dinge tun - das ist eine gute Sache. Wir hatten das eine Zeit lang vergessen. Noch vor Kurzem sollten alle die gleiche Art von Institution sein und die exakt gleichen Risiko-Ertrags-Überlegungen anstellen."

      Es ist gefährlich, wenn alle das Gleiche tun

      Investmentbanken, Sparkassen, Versicherungen, Hedgefonds, Private-Equity-Firmen, sie seien am Schluss kaum noch zu unterscheiden gewesen.

      In Zukunft, sagte Persaud, solle es keine weltweit einheitliche Neuregulierung der Finanzsektoren mehr geben. "Lasst Wettbewerb um die besten Lösungen zu!", sagte er. "Lasst Vielfalt zu!" Umso krisenresistenter wird das System.

      Mehr Vielfalt wagen - das gilt auch für die akute Krisenstrategie. Ob der amerikanische Versuch, mit extrem aggressiver Geld- und Fiskalpolitik, die Nachfrage wieder anzukurbeln, am Ende funktioniert, weiß heute niemand. Auch wenn die Amerikaner jetzt so tun.

      Gut möglich, dass die USA die Dollar-Schwemme nicht in den Griff bekommen. Kenneth Rogoff, der Ex-Chefvolkswirt des IWF, heute Professor in Harvard (und Amerikaner), sagte kürzlich, er halte Inflationsraten von 200 Prozent in den nächsten Jahren für möglich. Ähnlich äußerte sich kürzlich John Taylor - der Erfinder der berühmten "Taylor Rule", nach der Notenbanken den Zins setzen sollten - in der "Financial Times".

      In Heft 3 des manager magazins habe ich mich eingehend mit den Inflationsgefahren befasst, die aus den explodierenden Staatsschulden beiderseits des Atlantiks resultieren; wir haben an dieser Stelle kürzlich darüber diskutiert.

      Die Gefahren des Lemminge-Spektakels

      Würden nun auch die Europäer die Staatsverschuldung dramatisch erhöhen - in den USA wird die Defizitquote dieses Jahr bei 10 Prozent des BIP liegen, die Kreditaufnahme des Staates wird nach Schätzungen sagenhafte 2,5 Billionen Dollar betragen -, wären wiederum alle Weichen in die gleiche Richtung gestellt. Die Risiken einer großen Inflationswelle, von Staatsbankrotten und Währungskrisen sowie rapide emporschnellenden Zinsen würden steigen. Diversifizierung? Fehlanzeige.

      Dies- und jenseits des Atlantiks andere Akzente zu setzen, wie es derzeit geschieht, ist gut. So entsteht eine Heterogenität, die notwendig ist, um sich gegen Rückschläge versichern zu können.

      Mit der Globalisierung ist in den vergangenen Jahren auch eine Globalisierung der Meinungen einhergegangen. Internationale Märkte, internationale Institutionen und internationale Medien sorgen für weltumspannende Herdentriebe und Lemminge-Effekte. Die Folgen: Gleichförmigkeit, angepasstes Verhalten, Opportunismus. Motto: Was muss, muss. (danke, Herbert Grönemeyer!). So entstand ein gigantischer globaler Mainstream.

      Gestern sagte die herrschende Meinung: Märkte liberalisieren, Kosten senken, Steuern runter, Gewinne maximieren um jeden Preis! Die Gefahren dieses Lemminge-Spektakels sind uns jetzt bewusst. Eine neue global herrschende Meinung sollten wir nicht anstreben. Gerade in einem Umfeld gigantischer Unsicherheit sollten die Spieler auf der globalen Bühne die (konstruktiven) Haltungen der anderen achten und akzeptieren.

      Was die Welt jetzt braucht, ist Kooperation und die Vermeidung nationaler Egoismen (Protektionismus, Abwertungswettläufe). Was sie nicht braucht, ist der nächste Herdentrieb.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,6…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 12:47:45
      Beitrag Nr. 2.566 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.467.839 von Maraho am 28.01.09 18:25:53In Bezug.


      27.03.2009 12:03:09

      ROUNDUP: Commerzbank wagt nach wie vor keinen Ausblick

      FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank wagt wegen der anhaltend heftigen Marktverwerfungen nach wie vor keinen Ausblick auf das laufende Jahr. "Es ist momentan nicht möglich, eine seriöse Prognose für das Ergebnis des Geschäftsjahrs 2009 abzugeben", heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht der zweitgrößten deutschen Bank, die Anfang des Jahres von der Allianz die zuletzt tief in die roten Zahlen abgetauchte Dresdner Bank übernommen hat. Die Commerzbank selbst hatte 2008 einen Gewinn von gerade einmal drei Millionen Euro nach 1,9 Milliarden Euro ein Jahr zuvor erwirtschaftet. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte Anfang der Woche gesagt, dass unter bestimmten Voraussetzungen in diesem Jahr wieder ein Gewinn möglich sei.

      Die Commerzbank muss wegen der Übernahme des einstigen Konkurrenten und der Risiken im Immobilien- und Staatsfinanzierungsbereich mit staatlichem Kapital gestützt werden. Der Staat hält deshalb rund ein Viertel der Bank. Zudem musste die Regierung der Bank Garantien zur Sicherung der Refinanzierung geben. Die Commerzbank braucht eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr rund 20 Milliarden Euro - mehr als die Hälfte konnte sich die Bank bereits im ersten Quartal sichern und kam dabei zuletzt auch wieder ohne staatlichen Garantien zurecht.

      COMMERZBANK-AKTIE VERDOPPELTE SICH IN VERGANGENEN WOCHEN

      Die Bank musste die staatliche Garantie nur bei einer Emission einer drei Jahre laufenden Anleihe über fünf Milliarden Euro Anfang des Jahres in Anspruch nehmen. Zuletzt hatten sich die positiven Aussagen aus dem Bankensektor wieder gemehrt und es gibt Anzeichen für eine Entspannung bei Refinanzierung. So deutete zum Beispiel die Bank of Amercia vor kurzem an, dass sie die im vergangenen Jahr angenommenen staatlichen Hilfen eventuell bald wieder zurückzahlen will. Zudem übten sich zahlreiche internationale Großbanken wie die Citigroup , HSBC und Barclays in Optimismus.

      Die Bank-Aktien erholten sich zuletzt deutlich. Das Papier der Commerzbank legte am Freitag weitere zehn Prozent zu und kostete zuletzt mit rund 4,50 Euro und damit doppelt so viel wie noch Anfang März. Auf Jahressicht verlor das Papier allerdings immer noch rund 80 Prozent. Die Bank musste wegen der benötigten Hilfen die Dividende für das vergangene und laufende Jahr streichen. Zudem muss der gesamte Vorstand auf Bonuszahlungen verzichten und keines der Vorstandsmitglieder darf mehr als 500.000 Euro verdienen. Die Vergütung des gesamten Vorstands fiel 2008 um zwei Drittel auf 4,3 Millionen Euro.

      NEUE AUFSICHTSRÄTE AB MAI

      Am Donnerstagabend hatte die Bank zudem bekanntgegeben, wer wegen des Staatseinstiegs und des Dresdner-Bank-Kaufs in den Aufsichtsrat kommt. Dieser Schritt war mit Spannung erwartet worden, da Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) angekündigt hatte, keinen Staatssekretär oder Bürokraten in den Aufsichtsrat entsenden zu wollen. Bei der Hauptversammlung am 15. Mai sollen der Ex-Bundesbankvorstand Edgar Meister, der Münchener-Rück-Chef Helmut Perlet in das Aufsichtsgremium gewählt werden. Perlet soll für die Allianz die Geschäfte der Commerzbank kontrollieren. Die Allianz hält wegen des Verkaufs der Dresdner Bank rund 18 Prozent an der Commerzbank./zb/wiz

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?l=5&ansicht=meldunge…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 13:00:19
      Beitrag Nr. 2.567 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.838.263 von Maraho am 24.03.09 20:01:34Noch etwas zur "Berliner Rede" ...

      Untragbare Verhältnisse

      Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt.
      Dieser Annahme sind solche Menschen, die ein oder zwei Häuser im ländlicher Gegend haben – oder mehrere.
      Solche, die sich dazu noch eine städtische Eigentumswohnung leisten – oder mehrere.
      Solche, die einer Familie angehören, in der jedes Familienmitglied ein eigenes Auto fährt – oder mehrere.
      Solche, die jährlich zwei Kurzurlaube in Europa und einen in weiten Fernen verbringen – oder mehrere.
      Solche, die zweimal in der Woche in mittelmäßigen Tavernen und zweimal in sündteueren Restaurants speisen – oder noch öfter.
      Solche, die Maßanzüge anfertigen lassen, die Abendroben bestellen, die Nobelmarken in den Schrank packen – oder packen lassen.
      Solche, die einkaufen, erziehen, putzen lassen – und noch Weiteres veranlassen.
      Solche, deren Kinder in eine Universität hineingekauft wurden – auch mit weniger: weniger Intelligenz.

      Solche behaupten, wie lebten über unsere Verhältnisse, weil sich ein in Agonie liegendes Land keine Versorgung derer mehr leisten sollte, die so anders sind wie sie.

      Solche Menschen meinen damit die Anderen, die nur eine kleine Wohnung mieten können – oder noch kleiner.
      Solche, die nur ein enges Zimmerchen ihr Heim nennen können – oder den Himmel ihr Dach nennen.
      Solche, die Urlaube bestenfalls aus ihrer Vergangenheit kennen – wenn überhaupt.
      Solche, die einmal im Jahr außer Hauses essen und dabei noch auf jeden Cent schauen müssen – und dann doch lieber daheim bleiben.
      Solche, die seit Jahren die gleiche Kleidung tragen müssen, billig und von der Stange – oder aus einer Kleidersammlung.
      Solche, die für geringes Minijob-Taschengeld einkaufen und putzen geschickt werden – und sich von den Herrschaften herumkommandieren lassen müssen.
      Solche, deren Kinder an der Hauptschule festkleben – auch mit mehr: mehr Intelligenz.

      Oh ja, wir leben über unsere Verhältnisse. Wir können uns die erste Sorte Mensch gar nicht leisten, wenn wir jemals eine lebenswerte Gesellschaft werden wollen. Wir lebten über unsere Verhältnisse, verkündete Deutschlands oberster Herr. Man darf annehmen, für ihn sei die zweite Sorte Mensch hauptsächlich verantwortlich, die notorischen Habenichtse und Leistungsverweigerer. Solange wir so einen obersten Herrn haben, leben wir wahrlich über unsere Verhältnisse. Mäßigung wäre angesagt, Rückführung in Verhältnisse, die wir uns leisten können. Wenn wir schon Herren brauchen, dann sollten es wenigstens solche sein, die wir uns leisten können – und wollen!

      Quelle: http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/03/untragbare-verha…

      Bis später ....
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 14:04:37
      Beitrag Nr. 2.568 ()
      27.03.2009 , 13:47 Uhr
      Konjunktur
      US- Konsumausgaben abermals gestiegen
      In den USA sind die Konsumausgaben im Februar den zweiten Monat in Folge gestiegen. Die persönlichen Ausgaben seien um 0,2 Prozent zum Vormonat geklettert, teilte das US-Handelsministerium in Washington mit. Volkswirte hatten diesen Anstieg erwartet.

      HB WASHINGTON. Im Vormonat waren die Ausgaben um revidiert 1,0 Prozent gestiegen. Der Konsum war in der Vergangenheit die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft.

      Die persönlichen Einnahmen sanken hingegen. Zum Vormonat fielen sie um 0,2 Prozent. Volkswirte hatten zuvor einen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet. Im Vormonat waren sie noch um revidiert 0,2 Prozent gestiegen.

      Der Verbraucherpreisindex PCE ohne Lebensmittel und Energie (Kernindex) erhöhte sich im Februar zum Vorjahr um 1,8 Prozent. Volkswirte hatten einen Anstieg um 1,6 Prozent prognostiziert. Im Vormonat war er noch um 1,7 Prozent geklettert.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 14:27:04
      Beitrag Nr. 2.569 ()
      http://pollingreport.com/obama_job.htm#Graphic

      Obama's Rückhalt in den Staaten schwindet.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 14:34:45
      Beitrag Nr. 2.570 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.863.996 von Maraho am 27.03.09 13:00:19Da kriegt man ja direkt ein schlechtes Gewissen!:eek:
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 16:04:33
      Beitrag Nr. 2.571 ()
      Ich kann Euch von einem WUNDER berichten (gefunden bei mmnews)

      Wieder Statistik-Wunder in den USA
      Von Heinrich Bayer Postbank Research
      Freitag, 27. März 2009
      Amerikaner geben mehr aus, verdienen weniger und sparen. Persönliche Ausgaben sind um 0,2 Prozent gestiegen - persönliche Einkommen um 0,2 Prozent gesunken. Sparrate hoch.

      Die persönlichen Einkommen der US-Verbraucher sind um 0,2 Prozent gefallen. Die persönlichen Ausgaben sind dagegen im Februar nominal um 0,2% gegenüber Januar gestiegen. Dies entsprach exakt unseren Erwartungen und denen des Marktes. Der Januar-Wert wurde zudem deutlich von 0,6% auf 1,0% korrigiert. Aber: schon im Januar sind die persönlichen Einkommen drastisch gefallen.

      Die Aufwärtsrevision bei den Ausgaben der Januar-Zahl führt dazu, dass wir im ersten Quartal doch eine Anstieg des privaten Verbrauchs sehen könnten. Sollten sich die Ausgaben im März auf dem bisherigen Quartalsniveau bewegen, wäre ein Anstieg des privaten Verbrauchs um annualisiert etwa 1% zu verzeichnen.

      Nichtsdestotrotz sind die heute bekannt gewordenen Daten alle Voraussicht nach noch nicht die Trendwende. Wir erwarten eher eine Stabilisierung des Konsums. Denn weiter sinkende Einkommen -diese sind im Februar um nominal 0,2% gegenüber Januar zurückgegangen- lassen wenig Spielraum für Konsumzwecke. Auch die Sparquote ist trotz eines leichten Rückgangs auf 4,2% im Februar für US-Verhältnisse immer noch sehr hoch.

      Angesichts dieses vergleichsweise guten Starts des privaten Verbrauch ins Jahr 2009, stehen die Vorzeichen für einen passablen Verlauf gar nicht so schlecht, wie es das Schlussquartal 2008 hatte vermuten lassen.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 18:24:40
      Beitrag Nr. 2.572 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.865.203 von Dorfrichter am 27.03.09 14:34:45Guten Abend Dorfrichter,
      ein wenig Sozialkritik kommt immer gut! ;)
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 18:25:28
      Beitrag Nr. 2.573 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.866.493 von Dorfrichter am 27.03.09 16:04:33Unsere Freunde waren schon immer sehr kreativ, diesbezüglich!
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 18:42:34
      Beitrag Nr. 2.574 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.764.644 von Maraho am 13.03.09 19:46:09Guten Abend zusammen,
      dann wollen wir mal ...

      Eine schlechte Prognose ...

      Industriestaaten
      OECD senkt Konjunkturprognose

      Drastische Korrektur: Die Wirtschaftsleistung wird laut der Organisation in ihren 30 Mitgliedsländern in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen. Die Krise lasse sich nur durch eine Lösung für die Schrottpapiere der Banken bezwingen.

      "Die Daten werden von Tag zu Tag schlechter. Wir wissen, dass dies ein schreckliches Jahr wird", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Freitag in Paris. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird ihren genauen Ausblick auf die Konjunktur am Dienstag vorlegen. Im November hatte sie nur einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent vorhergesagt.

      Die Krise lässt sich Gurria zufolge nur in den Griff bekommen, wenn die Regierungen eine Lösung für die Schrottpapiere der Banken finden. Die belasten die Bilanzen der Banken, die deshalb ihre Kreditvergabe einschränken, was wiederum Investitionen verhindert und zum weltweiten Abschwung beiträgt.

      Der OECD-Generalsekretär begrüßte zudem die Fortschritte bei der Bekämpfung von Steueroasen. In den vergangenen Tagen sei hier mehr erreicht worden als in vielen Jahren zuvor. Länder wie die Schweiz und Monaco hatten sich bereit erklärt, ihr Bankgeheimnis zu lockern. Die OECD kämpft seit Jahren gegen Steueroasen.

      Weltwirtschaft wird schrumpfen

      Wegen der weltweiten Rezession senkten in den vergangenen Wochen zahlreiche Institute und Organisationen ihre Konjunkturprognosen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet, dass die Weltwirtschaft erstmals seit 60 Jahren schrumpfen wird - bis zu ein Prozent. Die Welthandelsorganisation sagt einen Rückgang des globalen Handelsvolumens bis zu neun Prozent voraus - auch das wäre ein Negativrekord. Deutschland leidet als Exportweltmeister besonders unter der Nachfrageschwäche. Experten sagen deshalb voraus, dass das Bruttoinlandsprodukt bis zu sieben Prozent einbrechen könnte.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:Industriestaaten-…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 18:49:16
      Beitrag Nr. 2.575 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.820.764 von Maraho am 22.03.09 18:01:14Zur Zeit sieht es in China auch nicht so toll aus ...

      Beijing

      Die staatlichen und privaten Unternehmen in China mit einem Jahresumsatz von über fünf Millionen Yuan RMB haben im Januar und Februar einen Gewinn von rund 220 Milliarden Yuan RMB erzielt. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Rückgang um 37,3 Prozent.

      Die staatlichen und mehrheitlich staatlichen Beteiligungsgesellschaften verzeichnen dabei mit bis zu 59 Prozent deutliche Gewinnrückgänge.

      Die Gewinne der verarbeitenden Industrie für Elektronik- und Kommunikationsausrüstungen gingen sogar um 96 Prozent zurück. Auch die Gewinne durch die Öl- und Gasförderung, der Energiewirtschaft und der chemischen Industrie sind in relativ großem Ausmaß gesunken.

      Der Gesamtgewinn der privaten Unternehmen ist hingegen etwas angestiegen.

      Quelle: http://german.cri.cn/1565/2009/03/27/1s111541.htm
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 18:57:24
      Beitrag Nr. 2.576 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.777.550 von Maraho am 16.03.09 19:31:36Die Krise verändert die Einstellung. Auch in Russland.


      Finanzkrise: Junge Russen kehren Privatwirtschaft den Rücken

      MOSKAU, 27. März (RIA Novosti). Die Generation der heutigen 40-jährigen Russen, die einst als erste den Reiz und das Prestige für Jobs in der Privatwirtschaft erkannte, hat ihren Kindern diese Werte nicht vermitteln können, schreibt die Zeitung "Trud" am Freitag.

      Ein Job als Beamter oder in einem halbstaatlichen Unternehmen scheint für angehende Karrieremacher reizvoller als Arbeit in einer weltbekannten Privatfirma. Davon zeugen die Ergebnisse der jüngsten Befragung der Stiftung "Öffentliche Meinung" (russ. Abk.: FOM).

      Behörden und monopolistische Konzerne überwiegen (7 der ersten 10 Positionen) in der Liste der Arbeitgeber, die für den Berufsnachwuchs im Alter bis 26 Jahren am attraktivsten sind. Die Favoriten sind für sie Gazprom, die Präsidialverwaltung, die Sberbank und der Ölkonzern Lukoil.

      Im vergangenen Halbjahr haben sich die Prioritäten bei der Jobwahl der jungen Russen wesentlich verändert. Noch im vorigen September erkannten die jungen Befragten den staatlichen Behörden nur die siebte oder achte Position unter den attraktivsten Arbeitsgebern zu.

      An erster Stelle standen private und hauptsächlich regionale Unternehmen (darunter das Kühllager Woronesch und der Einzelhändler Magnit). Gazprom kam an zweiter Stelle, ihm folgten Banken (vor allem private).

      Die heutige Befragung zeigt, dass sich die Jugend umgestellt hat: Eine Arbeitsstelle im Bürgermeisteramt der Heimatstadt statt in Konzernen wie Apple, Intel oder IBM haben jetzt Konjunktur. In den Behörden des Innenministeriums und der Präsidialverwaltung zu arbeiten ist anziehender als bei Microsoft oder Adidas, während die führenden Banken jetzt im Schatten der Sberbank (Sparbank) stehen.

      Warum sind der Staatsdienst und Staatsunternehmen zu populär? Die Antwort der Soziologen ist simpel: Schuld an allem ist die Wirtschaftskrise, die den Privatsektor am stärksten betroffen hat.

      "Diese Gesetzmäßigkeit musste zutage treten", so Larissa Pautowa, Direktorin des FOM-Projekts "Neue Generation". "Die staatlich finanzierten Unternehmen und Behörden sind für die jungen Menschen heute richtige Inseln der Stabilität."

      Die Hilfsgelder aus dem Haushalt werden in erster Linie den staatlichen Unternehmen zugestanden, deshalb brauche ein junger Fachmann zumindest ein Jahr lang um seine Stelle keine Angst zu haben.

      Quelle: http://de.rian.ru/business/20090327/120767436.html
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 19:02:02
      Beitrag Nr. 2.577 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.837.802 von Maraho am 24.03.09 19:09:19Dies fand ich sehr interessant ...

      Russland bildet bis 2020 eine Arktis-Truppe

      MOSKAU, 27. März (RIA Novosti). Russland stellt bis 2020 eine spezielle Truppe auf, um seine wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen in der Arktis zu schützen.

      Das teilte ein Sprecher des russischen Sicherheitsrats am Freitag RIA Novosti mit.

      Es handle sich nicht um eine Militarisierung der Arktis, sondern um den Aufbau eines effektiven Küstenschutzsystems, eine beschleunigte Entwicklung der arktischen Grenzschutzinfrastruktur sowie um die Bereithaltung einer notwendigen militärischen Gruppierung, betonte er.

      Dem Sprecher zufolge veröffentlichte der Sicherheitsrat auf seiner Webseite die „Grundlagen der Arktis-Politik der Russischen Föderation“. Demnach strebt Russland nach einer wirksamen Zusammenarbeit mit den Grenzschutzbehörden der anderen Arktis-Anrainer bei der Bekämpfung des Terrorismus, des Schmuggels und der illegalen Migration sowie beim Schutz der dortigen Bioressourcen.

      Außerdem wird in dem Dokument die Aufgabe gestellt, die zur Nordost-Passage gehörenden Meeresstraßen, Limane und Flussmündungen unter technische Kontrolle zu stellen.

      Dem Dokument zufolge muss Russland bis 2015 die völkerrechtliche Anerkennung der Grenze seiner arktischen Zone erreichen. Bis 2020 soll diese Zone den Status der wichtigsten strategischen Rohstoff-Schatzkammer Russlands erhalten.

      Die Rivalität um die Arktis hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Um die dortigen Bodenschätze buhlen Russland, die USA, Kanada, Großbritannien und andere Anrainerstaaten. Die USA, Kanada, China, Deutschland und Schweden kündigten die Aufstellung von Schiffsverbänden für die Polfahrten an.

      Russland hat 2007 bei einer Arktis-Expedition Beweise dafür gesammelt, dass der Lomonossow-Rücken geologisch zum russischen Festlandssockel gehört. Falls dies international anerkannt wird, darf Russland Anspruch auf die dort liegenden Bodenschätze erheben.

      Im vergangenen Februar rief der berühmte russische Polarforscher und Duma-Abgeordnete Artur Tschilingarow auf, die Nordostpassage, die entlang der Nordküsten Europas und Asiens im Nordpolarmeer führt, für fremde Schiffe gebührenpflichtig zu machen.

      Quelle: http://de.rian.ru/world/20090327/120768814.html
      76 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 19:20:08
      Beitrag Nr. 2.578 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.677.443 von windei am 01.03.09 20:22:23Etwas zu den "Heuschrecken" ...


      Cerberus
      Geplagte Heuschrecke
      Von Ulric Papendick

      Chrysler, GMAC, Bawag - der Finanzinvestor Cerberus nennt ein stattliches Problemportfolio sein Eigen. Nun kämpfen die Truppen von Cerberus-Gründer Stephen Feinberg nicht nur mit Verlusten, sondern auch mit dem Unmut ihrer Geldgeber.


      Stephen Feinberg (48), Gründer und Primus des Investmenthauses Cerberus, pflegt seine eigene Art von Humor. Sollte er jemals das Bild eines seiner Mitarbeiter in der Zeitung entdecken, verriet Feinberg seinen irritierten Zuhörern unlängst bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte, dann werde er den Betreffenden nicht nur feuern. Er werde ihn töten.

      Sein Sinn für Sarkasmus sollte Feinberg helfen, die berufliche Katastrophe zu verdauen, die der Private-Equity-Mogul gerade durchmacht. Bei Cerberus läuft es alles andere als rund: Das Investmentimperium, das Ende 2007 in verschiedenen Fonds ein Vermögen von rund 26 Milliarden Dollar verwaltete, hat im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 16 Prozent eingefahren.

      Angesichts der verheerenden Finanzkrise eigentlich kein allzu dramatisches Minus. Doch Schnauzbartträger Feinberg ist andere Zahlen gewöhnt: Seit dem Start seines nach dem Wächter des Hades benannten Hedgefonds 1992 hat er noch nie ein Jahr mit Verlust abgeschlossen. Stattdessen schwankte das jährliche Plus der Cerberus-Fonds stets zwischen stattlichen 16 und 27 Prozent. Feinberg musste noch nicht einmal zwei aufeinanderfolgende Monate mit negativer Performance verdauen.

      Umso mehr ist der Fondsmanager alarmiert, dass die diversen Kriseninvestments, die er seinem Fonds in den vergangenen Jahren aufgehalst hat, nun voll auf das Ergebnis durchschlagen. Den maroden Autogiganten Chrysler, den Cerberus Mitte 2007 für 7,2 Milliarden Dollar vom Stuttgarter Daimler-Konzern übernahm, mussten die Zahlenakrobaten mittlerweile weitgehend abschreiben. Die Wiener Bawag-Bank, Ende 2006 für 2,6 Milliarden Euro übernommen, dürfte ebenfalls für einige hundert Millionen Euro Wertverlust gesorgt haben.

      Auch beim gemeinsam mit General Motors betriebenen Autofinanzierer GMAC, Anfang 2006 für 14 Milliarden Dollar erworben, besteht bestenfalls die Aussicht, das Geld zurückzubekommen. Und selbst vermeintliche Schnäppchen wie das 600-Millionen-Dollar schwere Paket an US-Immobiliendarlehen, das Cerberus im Oktober 2008 der kanadischen CIBC-Bank für gerade einmal 10 Prozent des Nominalvolumens abkaufte, haben zwischenzeitlich wohl abermals kräftig an Wert eingebüßt.

      Gut verdient haben die Cerberus-Truppen, die seit Ende 2008 auch den früheren EnBW-Chef Utz Claassen (45) als Berater beschäftigen, im vergangenen Jahr hingegen nur mit wenigen Deals. Der Verkauf der früheren Bayer-Tochter Talecris an den australischen Pharmakonzern CSL brachte unter dem Strich eine Milliarde Dollar Gewinn; auch die Veräußerung des Autozulieferers Peguform an die österreichische Polytec-Gruppe war für Cerberus ein gutes Geschäft.

      Feinbergs Geldgeber, in der Regel institutionelle Großinvestoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Stiftungen, werden angesichts des verbleibenden Problemportfolios offenbar zunehmend nervös. Einige Finanziers, darunter die Stiftung der Eliteuniversität Harvard, fordern bereits Teile ihrer investierten Gelder zurück.

      Feinbergs erfolgsverwöhnte Mannschaft muss mit einem Mal sparen. Ihr weltumspannendes Netz an Repräsentanzen haben die Geldmanager bereits rapide ausgedünnt. Von Chicago und Los Angeles über China, Indien und Dubai bis nach London und Frankfurt wurden Büros entweder verkleinert oder gleich ganz dichtgemacht.

      Das Frankfurter Team erhielt Mitte Januar Besuch von Feinbergs Emissären. Die Ansage der beiden Cerberus-Manager Frank Bruno (43) und Mark Neporent (51), berichten Eingeweihte, sei eindeutig gewesen. Die Truppe, bislang knapp zwei Dutzend Experten, werde zunächst um die Hälfte gestutzt. Sollte sich die Lage an den Finanzmärkten allerdings bis zum Jahresende nicht bessern, dürfte ein zweiter Schnitt folgen.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,608897,…

      Etwas zur Allgemeinbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Cerberus
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 19:34:31
      Beitrag Nr. 2.579 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.795.084 von Maraho am 18.03.09 18:38:52In Anlehnung.
      In diesem Geschäftsfeld gibt es keine Krise ...


      Drogenkrieg
      Mexikos US-Grenze: Wo Tod und Teufel regieren
      Rüdiger Scheidges

      Auf der Grenze zwischen den USA und Mexiko regieren Gewalt und Chaos. Menschenhandel, Drogen- und Waffengeschäfte sind dort längst alltäglich. Nun will US-Präsident Barack Obama das Problem lösen - doch bisher greift auch er nur zu den alten Mitteln.


      PASO/CIUDAD JUAREZ. Die Calle Vincente Guerrero nennen sie hier nur "El Camino del Diablo", Straße des Teufels. Hier, wo sich ein mieser Nachtclub an den nächsten reiht. Der Teufel trägt in Ciudad Juárez nicht Prada, sondern AK-47. In dem staubigen Nest ist der Teufel Massenmörder. Er ist auf Koks oder Amphetaminen und stürmt dann mit einer Handvoll Schergen in den "Club 16" oder ins "Papillon". Dann mäht er Mitglieder einer rivalisierenden Drogenbande nieder. Immer wieder. Zuletzt am 14. März. Ausnahmsweise blieben da nur zwei auf der Strecke.

      Drei Kartelle schießen derzeit um die Alleinherrschaft, hier im amerikanisch-mexikanischen Grenzkaff. Das Juárez-Kartell, das Sinaloa-Kartell und das Golf-Kartell. Fast immer töten sie am "Diablo" oder in einer Querstraße wie der Calle Constitucion 119, wo der "Club 16" liegt.

      "Schade, dass du nicht vor ein paar Tagen gekommen bist. Da hatten wir 20 bis 30 Morde am Tag." Aufrichtig bedauert der vierschrötige Mann unsere verspätete Ankunft. Er steht vor den feuerroten Eisenverschlägen des "Club 16". Er hat sich in Schale geworfen. Ein blütenweißes Ralph-Lauren-Polohemd, blaue Dockers-Jeans, italienische Sandalen. Aus dem Sonntagsstaat durchbohren misstrauische Augen ihr Gegenüber.

      Und dann analysiert er den Kriegsschauplatz. "Unser größtes Problem ist die Polizei selbst", sagt der 28-Jährige. Er soll unser Fremdenführer sein. Das korrupte Zusammenspiel zwischen Milieu und Polizei kennt er. Als Preisboxer wurde er Anfang des Jahrzehnts reich, hatte an jedem Arm drei Mädchen, schniefte Koks, was die Nasenscheidewände hergaben, und durchzechte seine Nächte in den Puffs an der Brücke über den Rio Grande, die Grenze zu Amerika.

      Bis alles futsch war. Nun verdingt er sich eben anderweitig. "Ein Glück, dass die Soldaten nun hier sind! Sofort haben 300 Bullen gekündigt", raunt er.

      Drogenkrieg und Menschenhandel haben Anarchie gesät, hier an Amerikas Südgrenze. Die Regierungen in Washington und Mexiko-Stadt haben die Kontrolle verloren. Jahrelang beschuldigten sie einander gegenseitig, für die Rechtlosigkeit verantwortlich zu sein. Das Pentagon verglich Mexiko kürzlich gar mit Staaten wie Pakistan oder Afghanistan.

      Nun hat US-Außenministerin Hillary Clinton beim Besuch in Mexiko erstmals eine Mitschuld eingeräumt: "Unsere unersättliche Nachfrage nach Drogen nährt den Drogenhandel. Unsere Unfähigkeit, den Waffenschmuggel über die Grenze zu unterbinden, führt zum Tod von Polizisten, Soldaten und Zivilisten."

      Das Symbol amerikanischer Hilflosigkeit ist gerade fertig geworden, ein 1 000 Kilometer langer Hochsicherheits-Zaun - entlang einer 3 000 Kilometer langen Grenze. Der Zaun markiert die Front. Entlang dem Abschottungswall zwischen Erster und Dritter Welt haben vergangenes Jahr 6 290 Menschen ihr Leben im Drogenkrieg verloren, in Ciudad Juárez waren es allein 1 680. 380 kamen in den ersten beiden Monaten dieses Jahres hinzu. Viele von ihnen bis zur Unkenntlichkeit von MG-Feuer zersiebt oder mit abgeschnittenen Köpfen weggeworfen. Jedes Kartell hat so seine Handschrift. Andere werden in Salzsäure aufgelöst oder lebendig in der Wüste verscharrt. Im Kühlhaus von Juárez warten 594 Leichen auf Abholer. Niemand mag sie mehr kennen.

      Die Stadt ist eine Drehscheibe für Drogen- und Menschenhandel. 90 Prozent des Kokains, das aus Lateinamerika in die USA geschleust wird, geht hier über die Grenze. Im Gegenzug schiffen Waffenhändler nach Angaben von Mexikos US-Botschafter jeden Tag 2 000 Waffen aus Arizona oder Texas nach Mexiko.

      Seitdem Mexikos Präsident Felipe Calderón vor zwei Jahren das Militär gegen die Kartelle und die korrupte Polizei einsetzt, ist der Verteilungskrieg explodiert. 8 600 Soldaten patrouillieren allein in Juárez. Entlang der Grenze hat Calderón über 46 000 Mann konzentriert. Als US-Präsident Barack Obama dieser Tage gefragt wurde, ob auch er Soldaten in die Grenzregion schicken werde, antwortete er eindeutig zweideutig: "Wenn die Schritte, die wir jetzt getan haben, den Job nicht erledigen, müssen wir mehr tun." Wie auch immer: Längst herrscht am Rio Grande Krieg.

      Eine Kapitulation des Staates vor den Dealern

      Genährt wird er von Gestrandeten aus ganz Mexiko. 2008 haben US-Grenzer 5 000 Flüchtlinge aus dem Süden geschnappt, die den Zaun überwinden wollten, um im Norden eine bessere Zukunft zu suchen. "Die werden zurückgeschickt, und viele bleiben hier - zum Überleben verdammt", doziert des Teufels Reiseführer. Dankbare Klienten und Killer der Kartelle werden sie. Im Rotlichtviertel an der Ugarte-Straße weist der Ex-Boxer Richtung Straßenecke: "Jeder weiß, dass hier viele dealen." Den mit Amphetaminen und Aspirin gestreckten Stoff gibt?s für acht Dollar je Ein-Gramm-Tüte.

      Die Polizei? Ihr Boss ist Roberto Orduña Cruz. Falsch: Das war er. Bis ihm die Kartelle Anfang März ein Ultimatum stellten. Entweder, so stand es auf in der Stadt verteilten Zetteln, er trete zurück - oder alle 48 Stunden werde ein Staatsdiener hingerichtet. Cruz machte sich davon, nachdem die Gangster erst einen Polizisten killten und dann einen Schließer, genau im prophezeiten 48-Stunden-Rhythmus.

      Diese Kapitulation des Staates vor den Dealern spielt sich 400 Meter Luftlinie von Downtown El Paso, Texas, ab, auf der anderen, der besseren Seite der "Brücke zur Freiheit", die treffender "Brücke zum Dollar" hieße. Von der Avenida Benito Juárez strömen täglich bis zu 200 000 Menschen direkt in die El Paso Street, zur Arbeit, zur Familie, zum Einkaufen. Fast ausschließlich Billigläden voller China-Plagiate von Adidas oder Levy?s reihen sich aneinander und buhlen um die Mexikaner.

      Damals, im "Wilden Westen", da war die El Paso Street ein Wallfahrtsort für Gewalttäter aller Art. Billy the Kid und Wyatt Earp, die Helden amerikanischer Folklore, ballerten hier vor 150 Jahren mit fast ebenso tödlicher Effektivität um sich wie heute die Drogengangster jenseits der Brücke. Wegen der Gesetzlosigkeit nannte man das wüste Nest El Paso "Six Shooter Capital" - wegen der damals gebräuchlichen Sechser-Revolver. Heute noch brüstet sich die Stadt mit dem Tag, an dem in fünf Sekunden vier Mann erledigt wurde. Vier in fünf Sekunden! Wow! Mord und Totschlag stiften hier Identität.

      Doch hinter der Fassade glorifizierter Gewalt und schäbiger Billiggeschäfte blüht das Drogenbusiness. Aber rentabler, effektiver als unten in Mexiko, ohne Blutvergießen. "Die Banken stecken voller Drogengelder", sagt Claudio Morales vom Büro des Sherriffs in El Paso County. "Wir gehören zu den ärmsten Regionen der USA, aber wir verzeichnen die größten Cash-Transaktionen."

      Regelmäßig versuchen sich die Bundesbehörden an Verfahren wegen Geldwäsche. Nach Schätzungen der US-Antidrogenbehörde (DEA) werden Drogen im Wert von 20 bis 40 Milliarden Dollar pro Jahr aus Mexiko und Kolumbien in die USA geschleust. Jahr für Jahr, so die Zahlen des US-Justizministeriums, gehen 700 Tonnen Kokain und 4 000 Tonnen Marihuana in die USA. Für die 20 Millionen Konsumenten in den USA.

      60 Prozent der Erwachsenen sind Kokainkonsumenten

      Das Geld siedelt im Norden, der gewalttätige Teufel wandert die fünf Blocks zurück über die Brücke gen Süden. Wo ihn nun die Soldaten von Mexikos Präsidenten zum Duell erwarten. Die mussten erst mal die Zustände kennenlernen. "Die Soldaten waren bei ihren ersten Razzien in Bars total schockiert: Alle Gäste schnupften Koks und kauerten mit rot unterlaufenen Augen am Tresen", erzählt einer, den unser Fremdenführer kennt. Dessen Bruder habe "60 Exekutionen am Tresen" miterlebt, prahlt er.

      60 Prozent der Erwachsenen sind nach Urteil des Gesundheitsamts von Juárez Kokainkonsumenten. Ein Drittel der bis zu drei Millionen Einwohner hier soll vom Drogengeschäft leben. Dealen ist ihre einzige Überlebenschance. Und es scheint verlockender als Arbeitslosigkeit, als Obdachlosigkeit, als das Leben als Straßenköter, der Gringos um ein paar Münzen anwinselt. Auch die, denen das Geld für den "Kojoten", den Schleuser in die USA, fehlt, verdingen sich als Kuriere über die Brücke.

      So haben sich Menschen- und Drogenhandel verbündet. "Dieselben Wege und Methoden werden mittlerweile zum Transport von Menschen wie von Drogen benutzt", sagt Loretta Sanchez, Abgeordnete der Republikaner aus Orange County, Kalifornien. Terry Goddard, der Generalstaatsanwalt von Arizona, fügt an: "Illegale Migration wird immer häufiger zum lukrativen Geschäft wie beim Drogenhandel - und genauso brutal."

      San Ysidro, Kalifornien, 600 Meilen westlich von Ciudad Juárez. Hier, bei San Diego, läuft die Grenze, die Reich von Arm trennt, ins Meer aus. "Noch vor wenigen Jahren war die Flucht einfach", sagt Rodrigo. Der glatzköpfige Mittvierziger nimmt uns mit durchs Flussbett des Rio Tijuana. Fünfmal ist er hier illegal rüber, einmal nur haben sie ihn geschnappt und dann zurückgeschickt. Wir laufen die Strecke erneut ab.

      Der kleinwüchsige, robuste Rodrigo trägt mit Vorliebe Tarnkleidung in Braungrün, so wie die US-Army, so wie er sie vor ein paar Jahren überstülpte, als er in der Nacht rübermachte. "Damals kostete es einen Hunderter, und es war nicht mehr als ein Wettlauf mit den Grenzern bei Mondschein." Heute verlangen die Kojoten für eine Passage 3 800 Dollar, ein Teil davon gehe oft an die US-Grenzer, damit sie wegschauen, heißt es. Um das Geld zusammenzukriegen, bieten sich die Gestrandeten als dealende Kuriere an. "Der Zaun hat alles teurer und gefährlicher gemacht", sagt Rodrigo, als er durch den Staub stapft. "Alle wollen mehr. Und immer mehr sterben."

      Dort, wo er sich einst von der Baja Tijuana, Mexiko, nach San Ysidro, USA, über die Grenze schlich, versperrt nun ein Bretterzaun den Pfad. Es dämmert schon. Auf gelbem Polizeikrepp steht die Warnung: Keinen Schritt weiter! "Ein Zaun ist sinnlos!" sagt Rodrigo. Zwei Helikopter der US-Grenzpolizei kreisen über dem nahen Hain.

      Flügge sollen bald auch die Mexikaner im gemeinsamen Drogenkrieg werden. Hillary Clinton ließ bei ihrem Besuch in Mexiko 80 Millionen Dollar zurück. Als Geste - und für den Kauf von Blackhawks.

      Auch der Teufel kennt keine Unterschiede

      Das Rotorenrattern über dem Flussbett schwillt an. "Kein Problem, wir haben den Zaun nicht überquert. Und schießen tun die nie." Prompt entfernen sich die Helis. "Die sind hinter Flüchtlingen her, sieh' da hinten die Staubwolken." Wie dem auch sei: Strammen Schrittes kehrt Rodrigo um.

      Im Morgengrauen hat hier, nur ein paar Hundert Schritte weiter, eine Drogengang drei männliche Leichen abgekippt. An einem der Rümpfe hing ein Schild mit der Schmähung: "Balcon!" - Schwätzer! Eine Warnung an alle, die im Milieu nicht die Schnauze halten können. Darauf steht die Todesstrafe. In Tijuana, in Sichtweite der US-Großstadt San Diego, wurde sie vergangenes Jahr 844-mal verhängt. Meist auf ähnliche bestialische Art wie drüben in Ciudad Juárez.

      Nicht nur der liebe Gott, auch der Teufel kennt keine Unterschiede.

      Quelle: http://www.wiwo.de/politik/mexikos-us-grenze-wo-tod-und-teuf…
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      Avatar
      schrieb am 27.03.09 20:01:06
      Beitrag Nr. 2.580 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.720.353 von Groupier am 06.03.09 23:45:56Mal wieder etwas aus der Rubrik "Hinter den Kulissen" ...

      Banken
      Der Kunde soll bezahlen

      Warum wir den Beratern der Banken nicht mehr glauben können – der Erfahrungsbericht eines Insiders


      Es gab eine Zeit, da galten Bankiers als kundige Berater, als grundsolide Wegbegleiter in Geldangelegenheiten, vielleicht ein bisschen langweilig, aber eben vertrauenswürdig und glaubhaft. Dieses Bild war schon immer ein wenig naiv. Seit je geht es ums Geschäft. Aber die gegenwärtige Bankenkrise hat deutlich gemacht, dass sich die Akzente endgültig verschoben haben: Im Vordergrund steht heutzutage nicht mehr das Interesse des Kunden an vernünftiger Beratung. Vornan stehen Vertriebserfolg und Ertragsmaximierung – für die Banken.

      Schon äußerlich ist die untergegangene Bankenkultur offenkundig geworden. Bankfilialen wurden zu Automatenbanken, die Kundenhallen sind leer gefegt. Schalter und Tresen werden seltener, viele Kunden kennen ihren Bankberater nicht mehr persönlich. Kommt es überhaupt noch zum Gespräch, wird es vom Berater anhand standardisierter Gesprächsleitfäden geführt, mit festgelegten Textbausteinen und Fragen. Es geht um Verkauf, nicht um einen Dialog, bei dem die Bedürfnisse des Kunden herausgefunden werden.

      Auch die Anfrage nach Kredit führt nicht mehr zum individuellen Gespräch, zur Einzelfallprüfung und Entscheidung – sondern begegnet dem Scoring. Lebensumstände, persönliche Eigenschaften, Verhalten und Branchen werden in Zahlen bewertet. Eine Blackbox fällt die Entscheidung. Auf erfahrene Kreditfachleute trifft der Kunde in den Filialen ohnehin kaum noch. Im Kreditgeschäft, das eigentlich Kerngeschäft der Banken ist, werden kaum mehr Mitarbeiter geschult. Die Weiterbildung konzentriert sich auf die Vertriebstechnik.

      Im Einzelfall sieht das so aus: Am Montagmorgen hat der Kundenberater sein wöchentliches Zielgespräch. Sein Vorgesetzter hat zuvor mit dem Chef aus der ersten Führungsebene telefoniert; dabei ging es um die Zahlen der vergangenen Woche und die Frage, wie die Planzahlen dieser Woche zu erreichen sind. Der Chef berichtet am Montagnachmittag dem Vorstand, und dieses Gespräch kann unangenehm werden.

      Dem Kundenberater wird gesagt, wie viel Provisionsertrag er durch Neuabschlüsse generieren soll – und zwar in allen Bereichen: Kredite, Anlagen, Versicherungen. Solche Zielvereinbarungen gibt es auch für das ganze Jahr. Wöchentlich, mitunter täglich, werden die elektronisch dokumentierten Vertriebserfolge mit den vorgegebenen Zielen abgeglichen. Erreicht der Kundenberater seinen vorgegebenen Ertrag, freut sich sein Vorgesetzter. Und der Chef des Vorgesetzten. Und der Vorstand.

      Mehrmals jährlich wird der Kundenberater zu Veranstaltungen geschickt, wo neue Produkte und neue Produktkampagnen vorgestellt werden. Am Ende dieser Veranstaltungen werden die Teilnehmer gebeten, sich zu verpflichten, dass sie für guten Absatz sorgen. Bevorzugt werden »strukturierte« Produkte, wo sich Erträge für die Banken an besonders vielen Stellen unterbringen lassen.

      Nur wenige Kunden durchschauen die Bestandteile, die Risiken und die Kosten dieser Produkte. Naturgemäß schwächt der allgegenwärtige Verkaufsdruck beim Berater dessen Bereitschaft, den Kunden darüber aufzuklären. Zwar gibt es Gesprächsprotokolle, meist in standardisierter Form. Aber wirkliche Transparenz über die wirklichen Risiken gibt es nur selten.

      Erfahrene Kundenberater wissen all dies. Oft haben sie ein schlechtes Gefühl. Die Führungskräfte müssen dann ihre Bedenken ausräumen. Subtil oder grob, alle Wege werden probiert. »Wie kann ich Ihnen helfen, erfolgreicher zu werden?«, lautet eine Frage des Vorgesetzten. Dieser betreut selbst kaum Kunden, die Chefs der höheren Führungsebenen haben ebenfalls meist keinen Kundenkontakt. Führen heißt also mehr und mehr: den Beratern Ziele vorgeben, sie motivieren und kontrollieren.

      Natürlich müssen Banken Erträge erzielen. Wäre es ein sauberes Geschäft, würden Kreditinstitut und Kunde profitieren. Doch vertrauen viele Bürger aus gutem Grund den Empfehlungen der Bankberater nicht mehr. Kann dieses Vertrauen zurückgewonnen werden?

      Schon jetzt gibt es Richtlinien, nach denen die Banken ihre Kunden umfassend aufklären und entsprechend ihrer Wünsche beraten müssen. All dies muss auch mithilfe eines Beratungsbogens nachgewiesen werden. Aber im Kern geht es darum, ob Banken sich in erster Linie als Produktvertrieb sehen oder nicht. Gerade in der Krise steigt der Renditedruck. »Bankier des Kunden« zu sein, werden sich deshalb wohl nur wenige Banken erlauben können.


      Der Autor arbeitet seit über 30 Jahren für Banken im In- und Ausland, davon mehr als ein Jahrzehnt in leitender Funktion

      Quelle: http://www.zeit.de/2009/14/Banker?page=1
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 20:12:34
      Beitrag Nr. 2.581 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.449.238 von kiska am 26.01.09 13:53:54In Bezug.

      Finanzkrise
      Kassensturz auf dem Dorf
      Von Arne Storn

      Sie waren die Helden der Krise – jetzt müssen die ersten Sparkassen gestützt werden. Und die großen Verluste durch Kreditausfälle kommen erst noch


      Chiffon, die Taschen fürs Besteck sind aus Chiffon. Grob ist der Stoff, durchsichtig und hellgrün. Wie die Vorhänge, wie die Wände. Rosa ist die zweite Farbe, die das Restaurant in Neumünster prägt, vom T-Shirt der Bedienung bis zur gemalten Lotosblüte an der Wand.

      »Ich bin sauer«, sagt Wang Xue. Der Name ist geändert, aber sie ist wirklich 40 Jahre alt und lebt schon lange in Neumünster, dies ist ihr Restaurant, ihre Idee bis ins Detail. Unter ihrer rosa Jacke trägt sie ein rosa T-Shirt. Dazwischen ein hellgrünes Halstuch. Viele Gäste seien seit der Eröffnung am 13. März da gewesen, erzählt sie, und sie habe Lob bekommen für das schicke Interieur und ihre fernöstlichen Gerichte, keines teurer als 7,80 Euro.

      Die Banken waren nicht begeistert, berichtet Wang Xue. Sie habe die Sparkasse Südholstein nach Kredit gefragt, ihr Konzept eingereicht und gewartet, eine Woche, zwei Wochen. Schließlich sei die Absage gekommen: Mit Gastronomie habe man schlechte Erfahrungen gemacht. »Ich wollte doch nur 20.000 Euro«, klagt Wang Xue, die am Ende ihre Lebensversicherung kündigte, um zu investieren. »Warum muss das so schwer sein?«

      Mario Porten erklärt: »Wir hätten in den vergangenen Monaten besonders im Bereich der Großkredite neue Kunden gewinnen, zusätzliches Geschäft machen können.« Aber der Vorstandschef der Sparkasse Südholstein mit Sitz in Neumünster hat Geschäfte von mehreren Hundert Millionen Euro nicht gemacht. Er blinzelt hinter seiner randlosen Brille, schweigt kurz, fast scheint es, als ob er seinen Worten selbst kaum glauben kann. Die Sparkasse als Bank der kleinen Leute, das rote S als Baustein der Gemeinschaft – diesem Ideal fühlt er sich verpflichtet. 41 Jahre ist Porten alt und schon 23 Jahre dabei. Südholstein ist seine vierte Station, er ist der Chef, ein Mann wie ein großer Junge, Borstenschnitt, sparkassenrote Krawatte. Sein Name steht auf einem Schild am Revers – man merkt, man ist hier nicht bei einer Großbank. Umso schwerer wiegen seine Worte: »Die Sparkasse Südholstein braucht Eigenkapital.«

      Die Verbindung zur HSH Nordbank könnte sich als tödlich erweisen

      In ein paar Wochen schon dürfte sein Haus zu einem Fall für den Stützungsfonds der Sparkassen werden. Zum ersten sichtbaren Krisenfall im bisher so stabil scheinenden Sparkassenland. Wer hätte das gedacht? Seit Monaten lassen sich die 438 Sparkassen als Gewinner der Finanzkrise feiern. Viele Milliarden Euro flossen ihnen nach der Lehman-Pleite zu, ihr Fokus auf die Kreditvergabe am Ort galt plötzlich als Stärke, ihre biedere Arbeit als Stütze der Wirtschaft.

      Südholstein droht dieses Bild zu zerstören, und weitere Häuser dürften folgen: Den Sparkassen gehört erstens ein guter Anteil an den Landesbanken, und deren horrende Verluste belasten die Provinzbanker. Zweitens haben sich Sparkassen eigenhändig verspekuliert, was sie teils mit Bilanzkniffen kaschieren. Und drittens erfasst die Rezession viele Kunden der Sparkassen. Deshalb wird 2009 ihr Krisenjahr.

      Einige Milliarden fließen bereits ab. Viele verdienen an ihren Kunden nur wenig. Die Rendite sinkt. »Ein Drittel aller Sparkassen steht mit dem Rücken zur Wand«, sagt ein Sparkassen-Manager. »Diese Krise hinterlässt Blutspuren. Landauf. Landab.« Man muss also reisen, um Antworten zu finden: nicht nur nach Neumünster. Auch zum Chef des Sparkassenverbands in Berlin etwa, zu einem Schuldeneintreiber in Bad Homburg, einem Golfclub bei Köln.

      Die Krise hat in Neumünster schon 2005 begonnen. Durch zwei Fusionen entstand die mit sechs Milliarden Euro Bilanzsumme zweitgrößte Sparkasse Schleswig-Holsteins, aktiv von Pinneberg bis Bad Segeberg. Kurz darauf stellte sich heraus, »dass Segeberg viele Leichen im Keller hatte«, sagt Arnold Wilken, SPD-Politiker am Ort und Mitglied im Verwaltungsrat der Südholsteiner. Faule Kredite verursachten Riesenverluste. In ihrer Not verkaufte Südholstein Immobilien und an den US-Fonds Lone Star sogar Kredite in Höhe von 123 Millionen Euro.

      Dann kam der 15. September 2008.

      Als Richard Fuld von der Investmentbank Lehman Brothers in New York Gläubigerschutz anmeldete, konnte Mario Porten von der Sparkasse Südholstein in Neumünster sieben Millionen Euro abschreiben. Als zwei Wochen später die Bank Glitnir in Island an den Staat fiel, kamen weitere Millionen hinzu. So entstanden 2008 Abschreibungen, die das Kapital der Sparkasse gefährlich senken.

      Der Todesstoß droht Südholstein nun durch die HSH Nordbank. 2,8 Milliarden Euro Verlust hat die Landesbank 2008 eingefahren, das lässt ihren Wert tief sinken, und weil die 15 Sparkassen des Nordens zu fast 15 Prozent an der HSH beteiligt sind, müssen sie ihre Anteile abschreiben. Mit 700 Millionen Euro stehen Letztere in den Büchern der Sparkassen – nur 200 Millionen Euro könnten sie wert sein, wenn die Wirtschaftsprüfer demnächst ihr Urteil fällen. Der Sparkasse Südholstein drohen weitere Abschreibungen bis zu 70 Millionen Euro. Dann »ist zu befürchten, dass sie auf die Hilfe des Sparkassenverbandes zurückgreifen muss«, sagt Wolfgang Grimme, CDU-Landrat und ebenfalls ein Mitglied im Verwaltungsrat. Sonst droht ihr die Schließung.

      Im Gespräch gestikuliert Mario Porten mal wild, mal guckt er entschlossen. Er braucht eine Lösung, bald. Die Kunden wissen meist von nichts. »Sorgen mache ich mir nicht«, heißt es auf der Straße.

      Dem Vernehmen nach laufen im Stillen bereits Gespräche mit den Sicherungseinrichtungen. Einspringen würde erst der Stützungsfonds des Landesverbands. Reicht dieser nicht, greift der überregionale Ausgleich. »Es wird Hilfen geben«, sagt Porten. Ihm passt das nicht. »Ein Institut über Wasser zu halten ist gut und schön. Unseren öffentlichen Auftrag können wir damit aber nicht in dem Maße wahrnehmen, wie wir es für nötig halten.« Der beinhaltet soziales Engagement, Präsenz, die Finanzierung der Wirtschaft und die Stärke, dabei mehr Mut und Ausdauer zu zeigen als andere: »Selbst wenn uns der Fonds hilft, werden wir in unserer Kreditpolitik einen vorsichtigeren Kurs fahren müssen.« Wang Xues dürfte es mehr geben.

      Ob eine Bank gesund ist, sagt vor allem die sogenannte Kernkapitalquote: das Verhältnis des sichersten Kapitals zum Geschäftsvolumen. Vier Prozent sind Pflicht. Acht Prozent notwendig, um gelassen neue Kredite vergeben zu können. Will die Sparkasse Südholstein dort wieder hin, braucht sie laut Kennern 130 Millionen Euro und mehr. Im Sicherungsfonds des Landesverbands steckten aber nur 85 Millionen Euro, ist in informierten Kreisen zu hören. Die Sparkasse selbst will den Einstieg der finanzstarken Holding der Hamburger Sparkasse, doch dem stehen Gesetz und Landesverband entgegen.

      Südholstein droht sich woanders zu wiederholen. »Sinkt der Wert der Anteile an der HSH Nordbank massiv, hängt mehr als eine Sparkasse am Haken«, heißt es. Viele Sparkassen im Land seien »marode«, ja »praktisch pleite«. Der Landesverband weist das zurück.

      Echte Pleiten oder Einlagenverluste für Kunden hat es bei Sparkassen seit dem Aufbau eines Haftungsverbunds vor mehr als 30 Jahren nicht gegeben. Angeschlagene Sparkassen wurden gestützt oder, weit öfter, durch die Fusion mit stärkeren gerettet, sodass sich die Zahl der Sparkassen im Land seit 1990 fast halbiert hat. Mitte 2008 etwa schlüpfte Meldorf bei der Sparkasse Westholstein unter und Flensburg bei der Nord-Ostsee Sparkasse – »überlebenswichtig« sei dies gewesen, gab Flensburgs Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner zu. Die Not lässt sich auch daran ablesen, dass die Sparkassen den Landesbanken kaum helfen. In Baden-Württemberg ist der Verband nur nach langer Debatte und unter Vorbedingungen bereit, von fünf Milliarden Euro frischen Geldes 1,8 Milliarden zu tragen. In Rheinland-Pfalz zaudern sie, in NRW wollen viele Sparkassen nach einer Garantie keinen Euro mehr in die WestLB stecken. In Bayern lehnten sie eine Kapitalzufuhr offiziell ab. »Ziel war es, die Sparkassen als Partner des Mittelstands vor der Last der BayernLB zu schützen«, sagt Richard Steinbichler, Vorstandschef der Sparkasse Wasserburg am Inn. Sein Institut hätte sie schultern können, aber »einige bayerischen Sparkassen hätten zu kämpfen gehabt«. Dass alle insgesamt gut 500 Millionen Euro Abschreibungen auf die BayernLB verkraften konnten, lag auch an Geheimschatullen, die es noch gibt. »Alle müssen wir auf unsere Reserven zurückgreifen. Das ist in ganz Deutschland so«, sagt ein Vorstand.

      Zum Beispiel bei der Sparkasse KölnBonn. Sie weist für 2008 einen Bilanzgewinn aus, so wie es viele Sparkassen tun. Doch wie kommen die zwei Millionen Euro zustande? Die Antwort weist weit über KölnBonn hinaus. Die Sparkasse hat mehrere Kniffe angewandt: 147 Millionen Euro entnahm sie ihrer Gewinnrücklage. 37 Millionen dem Eigenkapital. Dann nutzte sie 70 Millionen Euro Steuergutschriften. Der Jahresfehlbetrag beträgt 252 Millionen Euro, und das auch erst, nachdem zum Aufhübschen 124 Millionen Euro stille Reserven gehoben wurden. Von diesen habe man nun, nach der Entnahme von 174 Millionen Euro 2007, »so gut wie keine mehr«, sagt Finanzvorstand Ulrich Gröschel.

      Wo die Sparkasse das Geld versenkt hat? »Golf Club Gut Lärchenhof« steht auf zwei Flaggen. Zwischen ihnen wehen weitere Fahnen: EU, USA, Deutschland und das Rot des Eigentümers. Das eiserne Tor öffnet sich lautlos und gibt den Blick frei auf den Parkplatz, wo ein Porsche und andere Nobelautos stehen.

      Vor den Augen des Besuchers erstreckt sich wellig ein Golfkurs, durchsetzt mit Birken, Sträuchern und Teichen, ein paar Krähen spazieren übers Gras. Grau hängt eine Landschaft aus Wolken darüber, nur ab und zu blinzelt die Sonne hervor. In diesen Momenten leuchtet die goldfarbene Bärenplastik in der Nähe des Clubhauses. Selbstbewusst steht das Tier da, das Symbol von Jack »Golden Bear« Nicklaus. Dieser war einst bester Golfspieler der Welt und hat den Golfkurs angelegt. Für 31.900 Euro kann man etwas erwarten. So viel kostet maximal die lebenslange Spielberechtigung, die viele der 700 Mitglieder besitzen.

      Im Innern des Clubhauses: Ruhe, zwei Regale voller Trophäen und ein Restaurant, das ein Degustationsmenü für 135 Euro anbietet. In einem Raum mit Kamin, Bücherreihe und Sessel nimmt Josef Spyth Platz. Enthusiastisch erzählt der Geschäftsführer vom Golf als Kommunikationsbörse und Demutssport. Doch nein, zu Historie und Kosten des Topclubs will er nichts sagen. Da müsse man den Eigentümer fragen – die Sparkasse KölnBonn.

      Ein paar Stunden zuvor in der Zentrale ebendieser Sparkasse am Kölner Rudolfplatz: Pressekonferenz. Nein, man sage nicht, was man vor Jahren für den Golfclub bezahlt und wie viel man darauf abgeschrieben habe. Ebenso wenig, wie viel man sich aus dem geplanten Verkauf erhoffe. Mit einer Bilanzsumme von 31 Milliarden Euro sind die KölnBonner die zweitgrößte Sparkasse in Deutschland – hinter Hamburg. Ihre Zahlen für 2008 sind desaströs, doch wiederholt kommen Fragen zum Golfclub, weil es keiner fassen kann.

      »Müssten sie nach Marktpreisen bilanzieren, stünden viele schlecht da«

      »Das Gut Lärchenhof ist finanziell ein kleiner Aspekt, aber ein sehr symbolischer«, sagt Martin Börschel, Verwaltungsratschef und für die SPD Vorsitzender des Finanzausschusses im Kölner Stadtrat. Ein Symbol für den Größenwahn und die Misswirtschaft der früheren Führung. Die hat die Sparkasse an den Rand des Ruins gebracht mit Bauprojekten wie der Rheinparkmetropole für RTL, mit der Beteiligung an einem Immobilienkonzern und Prestigeobjekten wie dem Golfclub. »Man hat schon die Attitüde gelebt: Wir sind die größte Sparkasse der Region, wir sind eine Bank«, sagt ein Kenner der Verhältnisse. Außerdem musste die Kasse Abschreibungen auf eigene Wertpapiere vornehmen. Weitere Wertkorrekturen von 268 Millionen Euro vermied sie, indem sie Wertpapiere vom Handels- ins Anlagenbuch umwidmete. »Schwebende Marktwertverluste« nennt Gröschel diese Summe, es handle sich, natürlich, um tolle Papiere, man glaube nicht, dass die Verluste eintreten.

      Fast alle Sparkassen bilanzieren nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB), nicht nach den International Financial Reporting Standards (IFRS). »Müssten die Sparkassen nach IFRS bilanzieren, zu Marktpreisen also, würden viele so schlecht dastehen wie KölnBonn«, sagt ein Kenner. Und Kapital benötigen. Das HGB hilft den Sparkassen, Verluste aus bundesweit 247 Milliarden Euro an Wertpapieren niedrig zu halten und so ihr Kapital zu schonen. Zudem erlaubt es, große stille Reserven zu bilden, die bei Bedarf den Gewinn aufhübschen helfen. Wer also die Kernkapitalquote der Sparkassen von 9,5 Prozent und ihren Gewinn 2008 von 2,5 Milliarden Euro an den schlechteren Zahlen privater Großbanken misst, vergleicht Äpfel mit Birnen. So scheint ihre relative Stärke weniger einem überlegenen Geschäftsmodell geschuldet als anderen Bilanzregeln.

      Für KölnBonn steht im Warnsystem der Sparkassen die Ampel längst auf Rot, wie angeblich auch für rund drei Dutzend andere. Der Ernst der Lage verlangt den Abbau von 500 der 5300 Jobs sowie eine große Kapitalspritze von 650 Millionen Euro, um den Hauptgeldgeber des lokalen Kleingewerbes zu stützen und Spielraum für neue Firmenkredite zu eröffnen. 300 Millionen Euro steuert der regionale Sparkassenverband bei, 260 Millionen Euro die Stadt Köln und weitere 90 Millionen Euro die Stadt Bonn. Ob die Sparkasse in den nächsten Jahren Zinsen auf dieses Kapital, Gewerbesteuer oder gar Gewinnausschüttungen leisten kann, ist sehr fraglich.

      Landesbanken, Größenwahn, Fehlspekulationen: Der Plagen und Sünden gibt es auch bei den Sparkassen viele. Da wiegt umso schwerer, dass nun die Rezession den Sparkassen Ausfälle bei Krediten und Kunden beschert.

      »In der Anlage erhalten Sie meine EC-Karte zurück. Die Kreditkarte habe ich bereits vernichtet«, schreibt ein säumiger Schuldner am 23. November 2008. Mit 14.141 Euro und 73 Cent steckt der 61-Jährige in den Miesen, als eine Sparkasse aus dem Westfälischen die Notbremse zieht und das Konto kündigt. In seinem Brief notiert er, eine »Frau RA« habe für ihn einen Insolvenzantrag eingereicht. Die Handschrift ist geschwungen, die Buchstaben sind groß gezogen, die Sätze ziehen sich über die ganze Breite des Blatts. Das ungeübte Auge sieht, dass der Verfasser selten zum Stift greift. Das geübte Auge sieht mehr. »Es tut ihm leid. Wenn Sie 30 Jahre im Geschäft sind, erkennen Sie das«, sagt Karsten Schneider. »Allein dass er überhaupt antwortet.« Seine sonst so kräftige, kratzige Stimme klingt ein wenig leiser.

      Bad Homburger Inkasso (BHI) heißt die von Schneider geführte Firma. Vor dem geistigen Auge tauchen Gestalten auf, die mit drohenden Worten Schulden eintreiben. In der Tat verheißt der erste Eindruck vom Chef Hinterhof-Flair : sehr gelbes Hemd, weiße Streifen, weißer Kragen, die Krawatte voller Gelb und Braun, Ringe an den Händen, das Büro verraucht, ein Ascher auf dem Tisch – kein Banker würde so Besuch empfangen. Doch aus den Worten Schneiders, der selbst einst bei der Sparkasse anfing, spricht Leidenschaft für die Arbeit und, ja, Verständnis.

      Will eine deutsche Sparkasse hoffnungslose Schuldner oder frisch gekündigte Fälle loswerden, dann landen diese bei der BHI. Erst wenige Jahre ist sie alt, kaum bekannt, eine Art Bad Bank der Sparkassengruppe. Aber Kunden werden nicht verkauft. Kredite bleiben in der Bilanz der Institute, die BHI wickelt die Fälle nur ab. Die paar wichtigen Seiten jeder Akte werden gescannt, die Originale bunkert man in einem gut gesicherten Gebäude im nahen Oberursel. In vier Meter hohen Metallregalen, säuberlich nummeriert, voll mit 21.000 Kartonboxen und 13.000 Aktenordnern. 80 Millionen Blatt Papier. Dramen, abgelegt.

      Mehr als 500.000 Fälle sind es bis dato, ein Volumen von 6,4 Milliarden Euro. Sieht man die Bilanzsumme der Sparkassen von 1071 Milliarden Euro, ist das wenig, aber Schneiders Geschäft wächst rasant. An der Wand hängt eine Deutschlandkarte voller Stecknadeln. Fast jede steht für eine Sparkasse, die den Service nutzt. Irgendwann hat Schneider aufgehört, neue hineinzustechen, es wurden zu viele. Für 225 Sparkassen und Finanzdienstleister arbeitet er heute, unter ihnen acht der zehn größten Sparkassen.

      Die Rezession ist da. »Die Zahl der Insolvenzen nimmt zu«, sagt Schneider. »Das merken wir.« Etwa an den über die Sparkassen abgeschlossenen Auto-Leasingverträgen, die plötzlich platzen. Viele wurden von Transportfirmen gezeichnet, die mit dünnen Margen arbeiten und denen nun in der Krise schnell die Luft ausgeht. »Wir spüren eine Zunahme unseres Geschäfts im gewerblichen Bereich«, sagt Schneider. »Bei Privatkunden erwarten wir Richtung Herbst eine Zunahme der Problemfälle. Dann werden viele Unternehmen die Kurzarbeit beenden und Leute entlassen.« Demnächst zieht die BHI um. »Wir müssen uns vergrößern«, sagt Schneider. Die Zahl der Mitarbeiter – aktuell 130 – wird sich um bis zu 30 erhöhen, das Callcenter legt stark zu.

      Private Schuldner ohne Sicherheiten anschreiben, nachhaken, Monatsraten vorschlagen, oft 50 Euro, mitunter nur 20 oder 5 Euro – das ist bei der BHI das Massengeschäft. Ruhig hingegen geht es in den Büros zu, in denen jeweils nur zwei oder drei Menschen sitzen und die schwierigen Fälle bearbeiten, viele davon Firmenpleiten. Da geht es dann um fünf oder zehn Millionen, um Sicherheiten und hakelige Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter.

      Intern erwartet die Sparkassengruppe für 2009 nur Wertberichtigungen auf Kredite von 3,2 Milliarden Euro. Ein Topmann merkt an: »Was jetzt da draußen geschieht, sehen wir erst in zwei Jahren in der Bilanz.« Als Ausgleich hofft man auf sinkende Wertberichtigungen auf Wertpapiere. Ein Sparkässler sagt, dass Sparkassen oft Firmen akzeptieren, die alle anderen zuvor abgelehnt haben. »Diese Unternehmen nimmt uns keiner mehr ab. Wir Sparkassen bleiben immer auf unseren Risiken sitzen und haben immer höhere Wertberichtigungen.« Da komme noch einiges, heißt es in Kreisen der Aufsicht.

      Mitte vergangener Woche tritt der Mann, der das ganz anders sehen muss, aufs Podium. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Netzwerker und Vieltelefonierer, nestelt an seinem Handy, die linke Hand lässig in der Hosentasche. Er öffnet eine Flasche Wasser, setzt sich. Es ist sein Auftritt, die Jahrespressekonferenz, wie in den Jahren vorher im 44. Stockwerk der DekaBank, des Fondsanbieters der Sparkassengruppe. Durchs Fenster kann Haasis die eingerüsteten, skelettierten Silbertürme der Deutschen Bank sehen, und mehr als je dürfte er sich auf Augenhöhe mit dem nationalen Primus wähnen. »Die Sparkassen dürften zu den wenigen Kreditinstituten weltweit gehören, die 2008 einen Milliardengewinn erwirtschaftet haben«, sagt er. Die Commerzbank und andere im Hinterkopf, fügt er an: »Während andere Finanzmittel des Staates benötigen, zahlen die Sparkassen sogar in Milliardenhöhe Steuern. Und darauf sind wir auch stolz.« Haasis, ein knorriger Mann von 63 Jahren, spricht ruhig, mit seiner unverkennbaren schwäbischen Färbung. Die Genugtuung ist zu spüren.

      Lange waren die privaten Banken herablassend, jetzt sind die Sparkassen wieder wer. »Ich bin mir ganz sicher, dass wir das Vertrauen der Menschen und das gute Image behalten«, sagt Haasis im Gespräch. »Die Leute werden nicht so schnell vergessen. Der Wunsch nach Sicherheit wird bleiben.« Wertberichtigungen aus der Realwirtschaft werde es geben, ja. »Die tun weh, sind aber verkraftbar«, sagt er. Seine Institute sieht er nicht gefährdet: »Wir werden keine Zwangsfusionen oder Notheiraten sehen. Höchstens in Einzelfällen.« Einen Stützungsfall fürchtet er, ohne dass er Südholstein erwähnt. Schmerzlich seien die Lasten der Landesbanken, aber viele Verbände hätten den Wert ihrer Anteile immer niedrig angesetzt – »Gott sei Dank!«.

      Es ist das Idealbild von der sauberen, sicheren, einlagenstarken, dem Standort verpflichteten Sparkasse, das Heinrich Haasis pflegt. Das Bild, in dem Südholstein oder KölnBonn nur Ausnahmen darstellen. Was aber ist mit dem Skandal um den Promi Franjo Pooth bei der Sparkasse Düsseldorf? Was mit der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden, der ihr Landesverband ein Wertpapierportfolio von 4,2 Milliarden Euro in Dublin abnehmen musste? Was ist mit der in Turbulenzen geratenen Sparkasse Leipzig? Wie viele Ausnahmen braucht es, um aus Einzelfällen ein Massenphänomen zu machen?

      Sicher sind in jedem Fall die Kundeneinlagen. Doch die Bedeutung einer Sparkasse für ihre Kommune geht übers Girokonto hinaus. Südholstein etwa fördert mit 1,1 Millionen Euro jährlich Gutes. So wie in Neumünster, wenige Hundert Meter von der Zentrale entfernt: Die Tafel bietet kostenloses Essen, täglich Platz zum Spielen oder Hilfe bei den Hausaufgaben. »Mal kommen fünf Kinder am Tag, mal 40 Kinder«, sagt Leiterin Christina Arpe. Die Sparkasse bezahlt im Jahr 1000 Euro, neulich gab es 5000 Euro extra für ein Kühlfahrzeug. Sicher ist davon nichts. »Eine ertragsschwache Sparkasse kann ihre Stiftung nicht aufstocken«, sagt Landrat Grimme. »Stiften und sponsern kann eine Sparkasse erst, wenn sie zuvor Geld verdient hat.« Der Chef sorgt sich: »2009 werden wir unser soziales Engagement nicht einschränken«, sagt Mario Porten. »Was danach geschieht, darüber wage ich keine Prognose.«

      Quelle: http://www.zeit.de/2009/14/Sparkassen?page=1
      1 Antwort?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 20:19:12
      Beitrag Nr. 2.582 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.722.334 von Maraho am 07.03.09 17:20:12Etwas zu ...

      Siemens verliert die Hoffnung
      Jahrelange Krise befürchtet
      Von Markus Balser

      Bislang galt Siemens als Fels in der Brandung der Finanzkrise. Doch nun treffen die Turbulenzen auch Europas größten Technologiekonzern.


      Die Chefetage will Kapazitäten kürzen und noch mehr Beschäftigte in Kurzarbeit schicken. Ein rasches Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Finanzchef Joe Kaeser warnt bereits vor einer jahrelangen Krise.

      Zwar hat Siemens viele Beschäftigte bereits in Kurzarbeit geschickt und damit seine Kosten gesenkt. Doch das reicht offenbar nicht mehr aus, um den Abschwung der Weltwirtschaft abzufedern.

      Die Zahl der bisher 7400 von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten werde sich deutlich erhöhen, kündigte Kaeser in München vor Journalisten an. "Die Weltwirtschaft befindet sich ganz sicher in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Konzern, der erst im vergangenen Jahr etwa 16.000 Stellenstreichungen abgearbeitet hatte, weitet damit sein Sparprogramm erneut aus.

      Starke Stellung in der Energie- und Umwelttechnik

      Lange galt der Konzern mit 77 Milliarden Euro Umsatz und seinen weltweit fast 430.000 Mitarbeitern als Fels in der Brandung. Die starke Stellung in der Energie- und Umwelttechnik bewahrte die Münchener zunächst vor starken Geschäftseinbrüchen.

      Noch Ende Januar legte der Konzern einen Milliardengewinn im ersten Quartal vor. Doch nun hat sich die Flaute offenbar vor allem in der größten Sparte Industrie, die zum Umsatz 50 Prozent beisteuert, zugespitzt.

      Große Schwierigkeiten gebe es in der Industrieautomatisierung und der Lichttochter Osram, räumte Kaeser ein. Wegen des Einbruchs im Maschinenbau habe es in der Automatisierung starke Rückgänge gegeben. Osram leide stark unter der Krise der Autobauer und ihrer Zulieferer.

      Doch die Zahl der Baustellen im Konzern wächst. Kaeser kündigte die Ausweitung der Kurzarbeit auch auf andere Bereiche an. Selbst in der Medizintechnik - über Jahre Garant für Milliardengewinne - stößt der Konzern auf Probleme.

      So laufe das Geschäft mit bildgebenden Verfahren wie der Kernspintomographie nur noch schleppend. Gut sieht es nur noch im Geschäft mit Kraftwerken, Windkraftanlagen und Stromnetzen aus. "Der Energiezyklus ist noch intakt", sagte Kaeser.

      "Eher noch zwei Jahre als zwei Quartale"

      Führende Betriebsräte gehen inzwischen davon aus, dass die Zahl der Kurzarbeiter in wenigen Monaten auf bis zu 15.000 steigen könnte. Personalvorstand Siegfried Russwurm hatte eine Verdoppelung zuletzt nicht mehr ausgeschlossen. "Wir sind der Auffassung, dass die Kurzarbeit ein sehr probates Mittel ist, eine längere Schwächephase zu überbrücken", sagte Finanzchef Kaeser.

      Denn in der Konzernzentrale wächst die Angst vor einer anhaltenden Talfahrt. Die Durststrecke werde "eher noch zwei Jahre als zwei Quartale" andauern, sagt Finanzvorstand Kaeser. "Wir müssen uns auf eine deutliche Anpassung der Nachfrage einstellen."

      In vielen Geschäften ist nach Einschätzung Kaesers das Ende des Abschwungs noch nicht erreicht. Siemens könnte auch über den Umweg der Kunden davon getroffen werden. "Wir werden einen kleineren Markt haben", sagt Kaeser voraus.

      Mit seinen neuen Sparmaßnahmen rückt der Konzern endgültig von seiner optimistischen Linie ab. Bei der Hauptversammlung des Konzerns Ende Januar hatte Siemens-Chef Peter Löscher noch erklärt, der Konzern gehe gestärkt in die Krise.

      "Wir gehen mit Selbstvertrauen, Kraft und Entschlossenheit durch das Jahr 2009", machte sich Löscher Mut und erklärte: "Wir sehen keinen Grund in den Chor derer einzustimmen, die mit düsteren Äußerungen die Stimmung in den Keller ziehen."

      Harte Kritik an den Akteuren der Finanzmärkte

      Kaeser übte am Donnerstag harte Kritik an den Akteuren der Finanzmärkte. Offenbar habe man mit Werten gearbeitet, die nicht vorhanden waren: "Das Geld war gar nicht da."

      Auch das Gewinnziel des Konzerns für das laufende Jahr ist nun offenbar in Gefahr. Siemens wollte in seinen drei Sparten Industrie, Energie und Medizintechnik, bislang im laufenden Jahr 8 bis 8,5 Milliarden Euro verdienen.

      Zwar rückt der Konzern offiziell bislang nicht von seinen Gewinnzielen ab, im Aufsichtsrat verlautete jedoch am Freitag, es werde immer schwerer das Ziel zu erreichen. "Wir werden das neue bewerten", kündigte Finanzchef Kaeser an und räumte ein: "Die Zeiten sind nicht einfacher geworden."

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra3m1/wirtschaft/648/463259/tex…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 20:34:28
      Beitrag Nr. 2.583 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.858.152 von Maraho am 26.03.09 19:47:10Zum Abschluss für heute noch zwei längere Ausführungen ...

      Die Erste ...

      Fünf Vorschläge für die Zukunft
      Larry Elliot, The Guardian

      Die Weltrezession stellt die Weltwirtschaftsordnung in Frage. Der Londoner G 20-Gipfel nächste Woche wird zu entscheiden haben, was davon gerettet werden soll


      Die Polizei wird genauso hart durchgreifen wie immer, und die Pressesprecher werden auf Hochtouren arbeiten und eifrig erklären, ihre jeweilige Regierung habe sich voll durchsetzen können. Ansonsten wird sich der G20-Gipfel Anfang April, zu dem Gordon Brown einlädt, von den Zusammenkünften internationaler Spitzenpolitiker, die es in jüngster Zeit gab, gründlich unterscheiden. Alle Regierungen wissen, dass sich die Welt mit der Finanzkrise unwiederbringlich verändert hat. Was im Sommer 2007 begann und im Herbst 2008 seinen Höhepunkt erreichte, wird 2009 voraussichtlich zum ersten Rückgang der Weltwirtschaftsproduktion seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs führen. Nach Gordon Browns Ansicht ist die Ära des Laissez-faire vorbei. Auch wenn sie über die zu ergreifenden Maßnahmen unterschiedlicher Auffassung sind, stimmen ihm Obama, Sarkozy und Merkel im Grundsatz zu.

      Eine neue Weltordnung wird nicht an einem einzigen Tag in den Docklands entworfen werden, aber das Treffen sollte wenigstens dazu beitragen, den richtigen Weg einzuschlagen, um Reformen auf nationaler Ebene anzugehen. Im Folgenden möchte ich die fünf Punkte ansprechen, auf die sich die G 20 meiner Meinung nach konzentrieren sollten:

      Vorschlag Nr. 1: Akzeptieren Sie, die Zeit ist reif für eine neue Wirtschaftsordnung

      Finanz- und Umweltkrise haben eine gemeinsame Wurzel im Exzess. Es wird keine Erholung von Dauer geben, wenn wir uns nicht eingestehen, dass wir einen Gang zurückschalten müssen. Für die Zentralbanken bedeutet dies, dass sie sich eine breitere Palette an Instrumentarien zulegen müssen, um auch in schwierigen Phasen bestehen zu können. Grundsätzlicher gesprochen bedeutet es ein Bekenntnis zum vorbeugenden Prinzip der Bevorzugung des Lokalen zugunsten des Internationalen. Vor allem müssen sich die G 20 eingestehen, dass sie nicht auf alles eine Antwort haben.

      Vorschlag Nr.2: Nutzen Sie die Chance für einen grünen New Deal

      Wenn Roosevelts große Idee für die Große Depression in der Schaffung öffentlicher Arbeitsplätze bestand, muss die gegenwärtige Krise dafür genutzt werden, mit dem langwierigen Prozess zu beginnen, die Wirtschaft nachhaltiger und weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu machen. Eine Kombination aus niedrigen Zinsen und staatlichen Investitionen wäre hierfür eine ideale Voraussetzung. Die USA zeichnen mit vier Prozent der Weltbevölkerung für 25 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Die Probleme der drei großen Automobilhersteller versetzen Obama in die Lage, die Benzinschleudern auf den Schrottplatz verbannen zu können. Wegen der Notwendigkeit, die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen, werden Länder wie China die Inlandsnachfrage ankurbeln müssen, was unter anderem durch Investitionen in grüne Energie geschehen könnte.

      Vorschlag Nr. 3: Eine Reform des IWF nicht weiter aufschieben

      Jedes Reformprogramm muss eine grundsätzliche Überarbeitung des Währungsfonds beinhalten, es genügt nicht, die Aufsicht ein wenig zu stärken. Vielmehr muss die Dominanz der Industrienationen (allen voran der USA) eingeschränkt und mit dem dogmatischen Glauben gebrochen werden, dass die freie Bewegung des Kapitals immer und überall zu begrüßen sei. Die großen Shareholder des IWF sollten sich auf Keynes ursprüngliches Konzept besinnen und der Einsicht Rechnung tragen, dass in Zeiten der Krise die Lasten auf Gläubiger und Schuldner gleichermaßen verteilt werden sollten.

      Es besteht die Sorge, dass die Reform des IWF beim G20-Gipfel sehr weit unten auf der Prioritätenliste steht, besonders weil die Weltökonomie sich gerade aus dem Griff der USA zu lösen beginnt und Veränderungen somit leichter durchsetzbar erscheinen. Die unipolare Ära, während der alles nach der Pfeife des Washington Consensus tanzte, dauerte gerade einmal die zwei Jahrzehnte – vom Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus bis zum Zusammenbruch von Lehman Brothers.

      Vorschlag Nr. 4: Machen Sie das Weltfinanzsystem zukunftsfähiger

      Wall Street und Londoner City sind gestrauchelt und nun von der Unterstützung der Steuerzahler abhängig. Hieraus erwächst die Möglichkeit zu Reformen. Am dringendsten muss gegen Steueroasen vorgegangen werden, nicht nur, weil die nationalen Finanzministerien das Geld gut gebrauchen könnten, das ihnen durch den Abfluss in die Steueroasen entgeht, sondern auch deshalb, weil derzeit die großen Finanzunternehmen ihren Firmensitz einfach ins Ausland verlegen können, wenn ihnen härtere Bestimmungen drohen. Mit Blick auf die Steueroasen scheint unter den G20-Teilnehmern so viel Einigkeit zu bestehen wie bei keinem anderen Thema. Der Gipfel sollte auf der Forderung beharren, dass alle Steueroasen jeder Regierung auf Nachfrage Auskunft erteilen müssen, nicht nur denjenigen, mit denen bilaterale Vereinbarungen bestehen.

      Vorschlag Nr. 5: Besinnen Sie sich auf stärkere internationale Regulierung

      Premier Gordon Brown sollte mit seinen Plänen für ein internationales Gremium von Aufsichtsräten (supervisors) nach vorn drängen, um für eine grenzübergreifende Beaufsichtigung multinationaler Banken sorgen zu können. Die G20 sollten mit der Ausarbeitung eines Abkommens zur Trennung von Privatkunden- und Investment-Banken beginnen und eine moderne Version der in den dreißiger Jahren in den USA durchgeführten Glass-Steagall-Reform auflegen. Das für Banken geltende System der Kapitalausstattung sollte enger gefasst werden; die für die Beurteilung von Kreditfähigkeit zuständigen Rating-Agenturen sollten von Gesetzes wegen unabhängig von den Unternehmen sein, die sie beraten. Ob die Regierungen es mit den Reformen wirklich ernst meinen, wissen wir spätestens dann, wenn sie die Gehälter der Regulierer an diejenigen der Banker koppeln.

      Quelle: http://www.freitag.de/politik/0912-g20-weltrezession-gipf…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 20:40:22
      Beitrag Nr. 2.584 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.869.275 von Maraho am 27.03.09 20:34:28Und die zweite ...

      Werner Vontobel
      Kein Regime währt ewig

      Wenn die Devisenmärkte nicht endlich reguliert werden, hilft alles nichts. Die Weltwirtschaft braucht ein neues Bretton Woods. Teil 2 der Serie zum G20-Gipfel

      Die Gruppe der Zwanzig, G20, heißt der Club der Industrienationen, der sich am 2. April in London trifft. Groß ist zumindest die Aufgabe, an der die Teilnehmer gemessen werden. Sie müssen die Weltwirtschaft erstens retten und zweitens neu und besser organisieren. Und zwar so, dass es zu einer derart gewaltigen Rezession, wie wir sie zurzeit erleiden, hoffentlich nie mehr kommen wird.

      Fangen wir mit dem Leichteren an, mit der Neuorganisation. Dafür gibt es immerhin schon mal ein Vorbild. Nach der Krise der 30er-Jahre – und dem nachfolgenden Weltkrieg – lag die Weltwirtschaft ebenfalls in Trümmern. Wie heute gab es eine klare Trennung zwischen stark verschuldeten Nationen und Gläubigern, und auch die damalige Krise war von Devisenspekulation und Währungsdumping geprägt.

      Wie wir heute wissen, war das Ende des Zweiten Weltkriegs der Anfang von drei goldenen Jahrzehnten mit steigendem Wohlstand für alle, ausgeglichenen Staatshaushalten und mit sehr geringen Arbeitslosenquoten. Diesen Aufstieg aus der Asche verdanken wir vor allem dem neuen Währungssystem mit festen Wechselkursen, das bei der Konferenz in Bretton Woods im Juni 1944 aus der Taufe gehoben wurde.

      Riesige globale Ungleichgewichte

      Das Problem der Währungsrelationen ist auch heute zentral. Die aktuelle Krise ist nicht zuletzt die logische Folge schlecht regulierter Devisenmärkte. Da ist einerseits die von China herbeigeführte chronische Unterbewertung des Yuan, mit den entsprechenden Handelsüberschüssen. Da wäre die seit bald 15 Jahren betriebene Verbilligung deutscher Exporte im Rahmen einer schlecht konzipierten EU-Währungsunion. Und da ist drittens die von sogenannten Carry Trades dominierte Devisenspekulation.

      Bei den Carry Trades verschieben Spekulanten kurzfristig Geld aus Währungsräumen mit niedrigen in solche mit hohen Zinsen. Zum Beispiel von Yen, Franken oder Euro in Dollar oder Pfund. Weil dies viele tun, werden die Währungen mit tiefen Zinsen geschwächt und umgekehrt. Folge: Der Spekulant erzielt neben dem Zins auch noch einen Währungsgewinn. Das zieht noch mehr Spekulanten an, bis die Blase platzt. Aus zwei Gründen: Erstens ist so viel Geld in die USA geflossen, dass dieses nicht mehr produktiv investiert, sondern nur noch konsumiert werden konnte. Dass die entsprechenden Konsumkredite lange Zeit als Subprime-Hypotheken getarnt wurden, hat das Platzen der Blase nur hinausgezögert und die Folgen verschlimmert.

      Zweiter Grund: Hohe Zinsen sind fast immer die Folge einer hohen Inflation, die auch die Exporte der Hochzinsländer verteuert und erschwert. Unter normalen Umständen, also ohne Devisenspekulation, würde eine Verteuerung der Exporte zu einer Abwertung und damit zu einem Ausgleich der Handelsströme führen. Die Devisenspekulation verhindert dies. Die Folge waren riesige globale Ungleichgewichte, die in einem Handelsbilanzdefizit der USA von rund 800 Milliarden Dollar jährlich kulminierten.

      Die Teuerung muss überall gleich sein

      Doch es ist noch heimtückischer: Die Devisenspekulation bewirkt, dass eine Politik des Preis- und Lohndumpings jahrelang erfolgreich sein oder zumindest erfolgversprechend aussehen kann. Ohne Devisenspekulation würde Lohndruck rasch mit einer Aufwertung bestraft. Dank der Devisenspekulation konnten Länder wie Japan, Deutschland, die Schweiz oder China in den letzten Jahren immer wieder hohe Handelsbilanzüberschüsse erzielen.

      Die Lösung des Problems ist klar: Die Welt braucht wieder ein neues Regime mit festen, aber nicht starren Wechselkursen, die von den Zentralbanken laufend den Inflations- oder Zinsunterschieden angepasst werden. Länder mit hoher Inflation und entsprechend hohen Zinsen werten ab, und umgekehrt. Die UNO-Entwicklungsorganisation UNCTAD in Genf hat in diesen Tagen genau diesen Vorschlag neu lanciert. Der G20-Gipfel sollte die Idee übernehmen.

      Wenn – wie etwa im Euroraum – eine kontrollierte Währungsanpassung nicht möglich ist, bleibt nicht anderes übrig, als dafür zu sorgen, dass sich die Teuerung überall gleich entwickelt – am besten durch eine einheitliche Lohnpolitik nach der Formel gewünschte Inflationsrate plus Produktivitätsfortschritt. Im Euro-Raum hat man dies bisher versäumt.

      Hartz IV verdoppeln

      Doch bevor man die Währungen neu ordnen kann, muss erst einmal die Wirtschaft gerettet werden. Bretton Woods und der Marschall-Plan zeigen auch hier, wie es geht: Das Geld muss – Schuldenberge hin oder her – dorthin fließen, wo es am dringendsten gebraucht wird: In den Aufbau der Infrastruktur und in den Konsum der hungrigen Bevölkerung.

      Wie der Weltkrieg hat auch der Neoliberalismus der letzten 20 Jahre Schäden hinterlassen: Eine zu Tode gesparte Infrastruktur und eine gewaltige Umverteilung von unten nach oben. Die Krisenprogramme haben bisher vor allem bei der Infrastruktur angesetzt. Diese Möglichkeiten sind nun weitgehend ausgeschöpft. Beim Konsum der Hungrigen ist noch viel Potential. Warum nicht Hartz IV so lange verdoppeln, bis die Arbeitslosenquote wieder unter – sagen wir – sechs Prozent sinkt?

      Erst wenn die Armen mit ihrem Konsum entscheiden, ob sie Opel oder lieber Schaeff­ler retten wollen, ist auch die Marktwirtschaft noch zu retten.

      Quelle: http://www.freitag.de/positionen/0913-devisenmaerkte-…
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 20:51:40
      Beitrag Nr. 2.585 ()
      Liebe Leserinnen und Leser,
      liebe Freundinnen und Freunde dieses Threads,

      wieder einmal ganz herzlichen Dank für eure Treue in dieser Woche.

      Und darüber hinaus ein ganz besonderes Dankeschön folgenden usern:

      liebgeld, AHEO, kiska, Dorfrichter, kevine1, Metrik, heuschrecker, marcpeters, Nannsen, clownfisch, raceglider, Bernd_das_Brot, fast4ward, GueldenerG45S, Sexus, Borealis, tortelini, Triakel, Doppelvize, windei, moveson, Groupier, Prof. Dr. B. Scheuert, d.h. 53, paddelbootheizer, Looe, asturien, U_47, Schwabinho und Azotobacter.

      Euch allen wünsche ich nun ein schönes und entspannendes Wochenende.
      Macht etwas daraus! ;)

      Es grüßt euch herzlich Maraho
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 21:09:18
      Beitrag Nr. 2.586 ()
      Dies hat mich doch wieder sehr nachdenklich gemacht. Deshalb möchte ich es euch nicht vorenthalten.


      Härte im Sozialamt
      Stadt kürzt Mann Sozialhilfe, weil er gebettelt hat
      Von Oliver Haustein-Teßmer

      Mal 1,40 Euro, mal 6 Euro am Tag hat sich ein armer Göttinger vor einem Supermarkt zusammengebettelt. Sein Pech: Ein Mitarbeiter des Sozialamts erwischte ihn dabei. Nun streicht die Stadtverwaltung dem Mann die Stütze zusammen. Sozialarbeiter und Politiker sprechen von einem Skandal.


      Er bekommt Sozialhilfe. Er ist Alkoholiker, und er weiß nicht weiter, wie er seinen Hund durchbringen soll, nach eigenen Angaben das einzige Lebewesen, das ihm noch persönlich nahe ist. Da fasst der Göttinger, nennen wir ihn Herrn K., einen folgenschweren Entschluss. Er setzt sich vor einen Supermarkt in der niedersächsischen Universitätsstadt – und bettelt.

      Mal kommt nur ein Euro am Tag dabei zusammen, mal sind es ein paar Euro mehr. Über den Monat gerechnet, reicht das für ein paar Dosen Hundefutter.

      Anfang Januar 2009. Ein Sachbearbeiter der Stadtverwaltung sieht genauer in den Blechnapf vor den Füßen des Herrn K. Der bekommt daraufhin ein Schreiben vom Amt, das WELT ONLINE vorliegt. Präzise listet der Amtsmitarbeiter einen erbettelten Betrag von sechs Euro „in der Mittagszeit“ auf, bei einer weiteren Stichprobe am anderen Tag sind dem pflichtbewussten Göttinger 1,40 Euro aufgefallen. Die Verwaltung erkennt ein zusätzliches Einkommen, das Herr K. melden muss.

      „Ich beabsichtige daher ab dem 01.02.09 einen Betrag von 120 € als Einkommen durch Betteln anzurechnen. Den Betrag habe ich aufgrund der von mir festgestellten Beträge auf den Monat hochgerechnet“, schreibt der gewissenhafte Mann vom Amt.

      „Eine solche Härte ist mir noch nicht untergekommen“, sagt Beate Jakesch-Zinn, Geschäftsführerin der Anlaufstelle Kontakt in Krisen e. V. Die 55-jährige Sozialarbeiterin kümmert sich seit 30 Jahren um Arbeitslose, entlassene Strafgefangene, Suchtkranke und Sozialhilfeempfänger. Das Recht ist formell auf der Seite der Stadtverwaltung. „Aber das ist so bitter, man kann doch nicht allen Ernstes Betteln als Einkommen anrechnen“, sagt Jakesch-Zinn, die sich um den Betroffenen kümmert.

      Einnahmen aus der Bettelei gelten seit alters her als milde Gaben. Man könnte darüber schweigen, es hinnehmen, so wie es bisher im Sozialamt die Regel war. So wurde es auch bei anderen Zusatzeinnahmen von Sozialhilfeempfängern oder arbeitslosen Hartz-IV-Beziehern gehandhabt: wenn zum Beispiel die Mutter und Kind Stiftung mit einem einmaligen Betrag Frauen aushilft, die ihrem Baby neue Strampler kaufen wollen. Gegengerechnet worden seien solche Geldspenden noch nie, sagt Jakesch-Zinn.

      Die Chefin der sozialen Anlaufstelle hat nun Angst – dass das Amt in Göttingen eine Grenze überschritten hat und einreißt. Was dazu aus dem Rathaus dringt, finden Sozialarbeiter in Göttingen nicht gerade ermutigend. „Wenn die Verwaltung Kenntnis von zusätzlichen Einkünften von Leistungsempfängern erhält, muss dieses zusätzliche Einkommen auf die Leistungen angerechnet werden“, sagt der Pressesprecher der Stadt. Er sagt auch, dass der Amtsmitarbeiter der Bettelei „pflichtgemäß nachgegangen“ sei, nachdem er Herrn K. zufällig vor dem Supermarkt angetroffen habe.

      Beate Jakesch-Zinn, Sozialarbeiterin„Ich finde das Vorgehen des Amts menschenunwürdig“, sagt Beate Jakesch-Zinn. Es gehöre schon etwas dazu, sich auf die Straße zu setzen und zu betteln. „Da ist jemandem schon zu viel Würde verloren gegangen.“

      Herr K. lebt so in den Tag hinein. Er hat zwei Kinder, zu denen er noch Kontakt hält. Er war lange weg, im Ausland, sagt seine Betreuerin. Jetzt ist er Mitte 40, lebt allein in seinem vom Amt bezahlten Ein-Zimmer-Appartment, gilt offiziell als nicht erwerbsfähig. Er kommt oft in die Anlaufstelle von Beate Jakesch-Zinn.

      Dort gibt es Tee, im Winter ist gut geheizt gewesen, jeder der mag, bekommt ein warmes Mittagessen. Herr K. hat dort manchmal seine Wäsche gewaschen. Er und die anderen armen Göttinger, rund 520 sind es jährlich, kommen freiwillig vorbei, und sie können jederzeit wieder gehen.

      „Niederschwellige Angebote“ heißen solche Einrichtungen im Fachjargon, die in Niedersachsen wie die Anlaufstelle einst vom Justizministerium eingerichtet worden sind – für Randgruppen der Gesellschaft, Menschen mit wenig Hoffnung und häufig noch weniger Selbstachtung.

      So hat sich Herr K. nach seinem ersten Widerspruch gegen den 120-Euro-Bescheid nach Darstellung der Sozialarbeiterin nicht mehr gewehrt, als er dann zum Amt vorgeladen wurde. Eine freundliche Geste des Amtes sollte es sein: Jetzt werden dem Bettler nur noch 50 Euro von den 351 Euro Grundhilfe monatlich abgezogen – „nachdem der Leistungsempfänger selbst freiwillig unter anwaltlicher Beratung Angaben zu seinen zusätzlichen Einkünften aus Bettelei gemacht hat“, wie der Stadtsprecher sagt.

      „Er hat das einfach nur unterschrieben, wollte nur noch seine Ruhe haben“, sagt dagegen die Geschäftsführerin von Kontakt in Krisen e. V. K. hat wohl nicht recht verstanden, was das Amt von ihm erwartete. Nun bekommt er weniger Stütze, und das Betteln ist von Amts wegen der neue Nebenerwerb des Erwerbsunfähigen.

      Unter Göttinger Sozialarbeitern herrscht Aufregung, einige sprechen von einem Skandal. „Es ist bedauerlich, dass wir in Deutschland solche Gesetze haben, die das Betteln zum Einkommen deklarieren. Aber noch bedauerlicher ist es, wie rabiat diese Gesetze hier ausgelegt werden“, sagt Uwe Friebe, Leiter der Straßensozialarbeit bei der Diakonie Göttingen.

      „Während allenthalben über den Schutzschirm für Banken und Unternehmen diskutiert wird und die Milliardenbeträge nur so sprudeln, wird bei den wirklich bedürftigen Menschen um jeden Cent gefeilscht“, kritisiert Gerd Nier, Bundestagskandidat der Linkspartei in Göttingen.

      Friebe zufolge hätte der Amtsmitarbeiter sehr wohl die Gelegenheit gehabt, ein Auge zuzudrücken. „Man kann ja auch mal wegsehen, da wäre man immer noch gesetzestreu“, meint der Pädagoge. Auch die Kollegen bei der sozialen Anlaufstelle fürchten, dass die Stadt mit ihren 130.000 Einwohnern und knapp 7000 Haushalten, die von Hartz IV oder Sozialhilfe abhängig sind, das Konzept der Nothilfe für Arme zugunsten einer strengen Gesetzesauslegung hintanstellt, um ein paar Euro Transferleistungen zu sparen.

      Die Stadtverwaltung weist solche Vermutungen zurück. „Die Stadtverwaltung fahndet nicht nach Einkünften aus Bettelei“, sagt der Pressesprecher. Er erklärt aber auch, dass die Verwaltung immer dann handeln werde müssen, wenn sie Kenntnis von zusätzlichen Einkünften bekomme.

      Die harte Linie stößt bei der Landesregierung aus CDU und FDP in Hannover auf Skepsis. Sicherlich müssten Bezieher von Sozialhilfe nach dem Sozialgesetzbuch Extraeinkünfte, auch jene aus der Bettelei, angeben. „Aber letztlich ist dies eine Frage des Augenmaßes und der Sensibilität, wie man damit umgeht“, sagt Thomas Spieker, Sprecher der Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU). Das Ministerium hat als Rechtsaufsicht der Träger der Sozialhilfe eine Stellungnahme der Stadt Göttingen angefordert.

      Quelle und Link zu ALG II - Rechner: http://www.welt.de/wirtschaft/article3455661/Stadt-kuerzt-Ma…

      Gute Nacht!
      Avatar
      schrieb am 27.03.09 23:11:45
      Beitrag Nr. 2.587 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.869.382 von Maraho am 27.03.09 20:51:40"Euch allen wünsche ich nun ein schönes und entspannendes Wochenende."

      Das wünsche ich Dir und den anderen ebenfalls. Danke für all Eure Beiträge!!! Ende April wirds spannend, wenn Steinbrück mit einer neuen Schrumpfungsprognose den Niedergang der Europäischen Union auslöst. Bis dahin sollte man sich wohl erholen - so gut es geht.

      ;)
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 00:09:04
      Beitrag Nr. 2.588 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.025 von heuschrecker am 27.03.09 23:11:45Kaeser übte am Donnerstag harte Kritik an den Akteuren der Finanzmärkte. Offenbar habe man mit Werten gearbeitet, die nicht vorhanden waren: "Das Geld war gar nicht da."

      Wieder ein "Blitzmerker" mehr in der Firma Siemens.:laugh:

      Bis dahin sollte man sich wohl erholen - so gut es geht

      Guter Vorschlag,wir werden unsere Nerven noch brauchen.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:03:55
      Beitrag Nr. 2.589 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.858.652 von Maraho am 26.03.09 20:33:34Guten Morgen,
      ich wünsche euch hiermit einen schönen Tag!


      Anlässlich des heutigen Aktionstages ...

      Der Weckruf nach dem Zusammenbruch
      Steffen Vogel

      Folgt auf die Wirtschaftskrise der Krisenprotest?

      "Wir zahlen nicht für eure Krise" heißt es heute in zahlreichen Städten. Unter diesem Motto wollen Globalisierungskritiker und kritische Gewerkschafter, Umweltschützer und Migranten, Sozialverbände und Parteien für eine soziale Antwort auf den ökonomischen Zusammenbruch demonstrieren. Manche Beobachter erwarten bereits antikapitalistische Revolten weltweit (vgl auch Die Wut wächst). Wie ist es um den internationalen Krisenprotest bestellt?


      Die Wirtschaftskrise als Erkenntniskrise: Rasend schnell zerschellen derzeit eherne Gewissheiten und scheinbar gesichertes Wissen an der rauen Wirklichkeit. Das teilen die Neoliberalen mit manchem ihrer Kritiker. Unumwunden erklärt der keynesianisch orientierte UNCTAD-Chefökonom Heiner Flassbeck, er treffe keine Vorhersagen mehr. Sicher sei nur: "Die Aussichten sind düster."

      Schwere Zeiten für die akademische Welt – bemisst sich doch nicht zuletzt an ihrer Prognosefähigkeit die Qualität ihrer Theorien. Nicht minder ratlos geben sich Medienvertreter. Auf die politischen Folgen der ökonomischen Krise werden daher noch Wetten angenommen: Gewinnt die extreme Rechte an Boden? Macht das Beispiel jener US-Gewerkschaften Schule, die offen für protektionistische Maßnahmen eintreten? Oder erstarken die sozialen Bewegungen?

      Naomi Klein riskiert eine erste Deutung. Sie registriert eine Zunahme an "Revolten gegen den deregulierten Kapitalismus". In Island oder Lettland vernimmt sie Echos des argentinischen Aufbegehrens vom Winter 2001/2002. Dort hatten nach einer schweren Wirtschaftskrise spontane Massenproteste in rascher Folge den Rücktritt von gleich vier Präsidenten erzwungen. Für einige Zeit etablierte sich eine lose Allianz aus abstiegsbedrohter Mittelklasse, Arbeitnehmern und Arbeitslosen. Nachbarschaftsräte und Tauschbörsen wurden ins Leben gerufen, Fabriken besetzt und in Eigenregie weitergeführt. Unter dem Slogan "¡Que se vayan todos!" (Sie sollen alle gehen) stritt die Bewegung nicht für Reformen im Detail oder einen Wechsel innerhalb der politischen Klasse – sie wünschte das neoliberale Modell und seine Vertreter in Politik und Wirtschaft komplett zum Teufel.

      Ähnliches beobachtet Naomi Klein in Island: Nach monatelang andauernden Samstagsdemonstrationen strich die Regierung schließlich die Segel. Bei den anstehenden Neuwahlen wird ein überdurchschnittlich gutes Abschneiden der Linksgrünen erwartet. Auch die lettische Regierung demissionierte jüngst aufgrund der größten Proteste seit der Unabhängigkeit von Russland. Klein folgert daher:

      Es hat eine Weile gedauert, aber schließlich erlebt der Rest der Welt – von Island bis Lettland, von Südkorea bis Griechenland – seinen ¡Que se vayan todos!-Moment.
      Naomi Klein


      Italien, Griechenland, Frankreich..

      Tatsächlich flackern immer wieder Proteste auf, die explizit auf die Weltwirtschaftskrise reagieren. Schon Ende 2008 verbreitete sich in der italienischen Onda, einer Bewegung gegen die Bildungsreform der Berlusconi-Regierung, die Parole "Für eure Krise zahlen wir nicht". Unter diesem Motto protestiert die Onda heute noch.

      Auch der unruhige Winter in Griechenland kann als erste Sturmwarnung begriffen werden Große Beteiligung erreichte am 29. Januar ein Generalstreik in Frankreich, nur noch übertroffen von einem zweiten Ausstand am 19. März, als sich rund drei Millionen Menschen landesweit an über 200 Demonstrationen beteiligten. Drei von vier Franzosen befürworteten den Streik, trotz Unannehmlichkeiten wie einem lahm gelegten Nahverkehr. Ein "Klima sozialer Revolte" sei im Land zu spüren, sagen Soziologen.

      Da klingt es symptomatisch, wenn die Financial Times zu den 50 Personen, die die Debatte um die Zukunft des Kapitalismus bestimmen werden, Oliver Besancenot zählt. Der Frontmann des jüngst gegründeten linksradikalen Nouveau Parti Anticapitaliste findet sich damit auf einer Liste mit Angela Merkel, Barack Obama und George Soros.

      ..Island, Irland, Guadeloupe..

      Auffällig ist, dass in den ersten Monaten des Jahres oft in solchen Ländern demonstriert wurde, die nicht für eine ausgeprägte Protestkultur bekannt sind. Island ist so ein Beispiel, aber auch Irland, wo am 21. Februar 100.000 Menschen auf die Straße gingen. Es gebe eine erhebliche Wut unter den einfachen Leuten, berichtet David Begg, Generalsekretär der Gewerkschaft ICTU. Ihnen, die Haus oder Arbeit verloren haben oder mit Lohnkürzungen leben müssen, wolle die Regierung die Folgen der Wirtschaftskrise aufbürden. Die Verursacher würden hingegen nicht belangt. Dublin hatte Finanzspritzen an die Banken mit Mitteln aus dem Pensionsfonds bezahlt. Die Gewerkschaft fordert unter anderem eine 48-Prozent-Steuer für Vermögende, die Entlassung der für die Krise verantwortlichen Bankvorstände und eine Schonfrist für in Not geratene Hausbesitzer.

      Während die Bevölkerung nach Gewerkschaftsangaben zu weiteren Protesten bereit ist, sinkt die Popularität der langjährigen Regierungspartei Fianna Fáil dramatisch. In einer Umfrage der Irish Times plädieren rund 60 Prozent der Befragten für einen Regierungswechsel bei den Wahlen im Juni. Zugewinne verbucht die Labour Party – ein unerwarteter Linksschwenk in der irischen Politik.

      Den bisher heftigsten Unmut in Krisenzeiten zeigten die Bewohner von Guadeloupe. Im französischen Überseedepartement kamen während eines Generalstreiks gleich über zehn Prozent der Bevölkerung zu einer Demonstration zusammen. Neben sozialen Forderungen wie einer Erhöhung des Mindestlohns prägten anti-koloniale Positionen den wochenlangen Ausstand, der noch immer nicht völlig beendet ist. In dieser Hinsicht, schreibt der Historiker Immanuel Wallerstein, könne Guadeloupe als "Schlüssel" zur derzeitigen Krise begriffen werden. Denn wer inmitten eines solchen ökonomischen Desasters wirtschaftliche mit gesellschaftlichen Forderungen verbinde, könne einen mächtigen Sturm entfachen, dem mit der Verstaatlichung von Banken nicht beizukommen sei.

      Mancherorts ging es bereits stürmisch zu. In der Nähe von Bordeaux hielten Arbeiter den französischen Sony-Chef zeitweilig als Geisel fest. Sie wollten damit nicht zuletzt höhere Abfindungen erstreiten.

      ..Die unten stehen wollen nicht die Hauptlast der Krise tragen

      Eine Weigerung verbindet all diese Kämpfe miteinander, sagt Naomi Klein: Die unten stehen wollen nicht die Hauptlast der Krise tragen. Geraten der Kapitalismus und die politische Ordnung also in eine weitere Krise, eine Legitimationskrise, von der sie sich möglicherweise nicht mehr erholen? Mittlerweile fürchten das selbst Wirtschaftsjournalisten.

      Dennoch scheint sozialer Protest derzeit so wenig vorhersagbar wie der weitere Verlauf der Krise. Auffällig ist einerseits, dass viele der gegenwärtigen Bewegungen in Europa nicht zufällig dort entstanden sind, wo die Krise besonders harte Auswirkungen zeigt, etwa in Island, Lettland und Irland. Andererseits blieb eine vergleichbare öffentliche Empörung beispielsweise in Spanien bislang aus, obschon die wirtschaftliche Zukunft des Landes nach dem Platzen der Immobilienblase düster aussieht. Die Krise treibt nicht zwangsläufig Menschen auf die Straße, und Entrüstung führt nicht automatisch zum Handeln. Unter Protestforschern gilt seit langem: Objektive gesellschaftliche Fehlentwicklungen allein führen noch nicht zum Widerstand. Wichtiger ist die subjektive Deutung: Bröckelt die glatte Fassade der dominanten Theorien? Erscheint eine politische Veränderung möglich?

      Das Ausmaß der Krise muss erfahrbar sein, um solche Fragen überhaupt stellen zu können. Noch sind die Folgen des ökonomischen Zusammenbruchs nicht in allen europäischen Ländern im Alltag zu spüren. Verwundert registrierten die Korrespondenten der US-Wochenzeitung The Nation beim Weltsozialforum Ende Januar, dass auf dem alten Kontinent viele noch von einer "Finanzkrise" sprachen, wo anderswo längst Parallelen zum großen ökonomischen Zusammenbruch vor 80 Jahren gezogen wurden.

      Vielleicht dient der heutige Aktionstag mancherorts als Weckruf. Er könnte auch die globale Dimension der Krise stärker in den Fokus rücken. Lanciert wurde der Termin immerhin am Weltsozialforum. Aus Sicht der unterzeichnenden sozialen Bewegungen ist die Krise nicht im Rahmen des Kapitalismus zu bewältigen.

      Alle bisherigen Regierungsmaßnahmen würden bloß zur Sozialisierung der Verluste führen. Dagegen setzen die Bewegungen unter anderem auf eine entschädigungslose Nationalisierung des Bankensektors und Arbeitszeitverkürzungen bei gleich bleibenden Löhnen. Sie wollen öffentliche, kooperative, kommunale und kollektive Eigentumsformen gefördert sehen. Demonstriert wird heute in Berlin und Frankfurt. Auch in Montreal, Madrid, Genf, Wien und London sowie in mehreren französischen Städten wollen Menschen auf die Straße gehen.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30014/1.html
      29 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:12:38
      Beitrag Nr. 2.590 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.858.301 von Maraho am 26.03.09 19:59:49Die "Welt" macht sich Gedanken ...

      Dollar-Streit
      China nutzt die Schwäche der USA gnadenlos aus
      Von Herbert Kremp

      China fordert anstelle des Dollar eine globale Reservewährung. Es geht in dieser Diskussion nicht nur um den Verfall einer ehemals bewunderten Leitwährung. Die Machtverhältnisse drohen sich dramatisch zu verschieben. Während die USA ihren Abstieg verhindern wollen, treiben China und Russland ihren Aufstieg voran.


      Vor genau drei Jahren, im März 2006, präsentierten sich die USA als unbestrittene Macht des demokratischen Universalismus: "Wir wollen die Welt gestalten, nicht von ihr gestaltet werden“, hieß es in der „National Security Strategy of the United States of America“.

      Der Blick galt China im 21. Jahrhundert. Joseph S. Nye, stellvertretender Verteidigungsminister unter Clinton, sprach dem Land eine Ähnlichkeit mit dem kaiserlichen Deutschland zu. Es wolle einen „Platz an der Sonne“ finden, seine politische Rolle dem ökonomischen Aufstieg angleichen. Nye empfahl eine einhegende Umarmung („embrace but hedge“), was etwas ähnlich Hintergründiges bedeuten sollte wie die alte Entente gegenüber dem wilhelminischen Deutschland, die zwar kein Kriegsbündnis, aber eine immer entschiedenere Politik der Stärke war.

      Es ist nichts Neues, dass die Welt innerhalb weniger Jahre ganz anders aussehen kann. Die zweite große Weltwirtschaftskrise inmitten präzedenzloser globalistischer Entwicklung bringt Amerika an den Rand des Abstiegs und beschwört eine staatskapitalistische Ermächtigung herauf, der der Schweizer Sinologe Harro von Senger in dem Buch "Supraplanung“ über "unerkannte Denkhorizonte aus dem Reich der Mitte“ prophetischen Ausdruck verleiht.

      Ist der liberale Kapitalismus am Ende angelangt? Eine staatskulturelle Frage ersten Ranges. Der G-20-Gipfel in London legt für die Finanzmärkte das Folterinstrument der Garotte bereit. Eine Art Selbstjustiz: Großbritannien und Amerika, die als Monstranzhalter die kapitalistische Weltmission anführten, sind von der neuen großen Krise am härtesten gebeutelt und lenken in die Bahn der Buße ein.

      Die Kommentierung der Konkurrenten geht an den Kern: Sie ist währungspolitisch und militärisch – eine durchaus passende Kombination, die man im machtfernen Europa der Union für sündhaft hält. Äußerte der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan einen Konspirationsplan, als er die Ablösung des Dollar durch eine globale Reservewährung forderte? Was hat den Alarm ausgelöst?

      China kauft weiterhin Schuldtitel der USA und will damit auch nicht aufhören. Was also soll der Hinweis auf das Kunstprodukt des IWF-Sonderziehungsrechts, einer Korbwährung aus Dollar, Euro, Pfund und Yen ohne Land und Markt? Sprach Zhou eine Warnung aus oder eine Drohung – oder führte die pure Angst vor der Entwertungsmasse aus der Dollar-Notenpresse das Wort?

      Wenn China weiter wachsen will, braucht es den amerikanischen Markt mit etwa zehn Trillionen Dollar Handelswert pro Jahr. Es gibt kein Land, das dringender an der Gesundung der USA interessiert wäre als das Reich der Mitte mit seinen Billigmassenexporten, seiner sozialen Unausgeglichenheit, wachsenden Arbeitslosigkeit (besonders unter den Wanderarbeitern) und den flackernden Unruhen. Der mit riesigen Konjunkturspritzen traktierte Binnenmarkt kann in der Zeit, die Krisen ihren Opfern lassen, den Exportstrom nicht ersetzen. Verkaufen in erforderlichen Mengen kann aber nur Amerika (solange es kann), niemand sonst auf der Welt.

      In die Erbitterung über die per Papiergelddruck befürchtete Entwertung der chinesischen Tresor-Dollar mischt sich in Peking (und verbal in Moskau) jedoch das andere Moment der „Supraplanung“ und Joseph S. Nyes Vergleich mit dem Deutschen Reich: die Aufrüstung. Chinesen und Russen bringen ihre Waffenschmieden auf Hochtouren, nur teilweise konjunkturpolitisch bedingt, hauptsächlich strategisch-operativ. Im Denken spielen Machtpolitik und Machtprojektion eine selbstverständliche instrumentelle Rolle – zum Zweck der Sicherheit von Handel und Energie.

      Die Weltwirtschaftskrise hat die Eigenart, weder in ihren Ursachen noch in ihrem Ausgang durchschaubar zu sein. Der amerikanische Notenbankchef Bernanke, ausgewiesener Erforscher der Katastrophe in den 30er-Jahren, erklärte: „Die Große Depression zu verstehen ist der Heilige Gral der Makroökonomie.“ Die Konfliktform des Kriegs scheint sich nicht zu wiederholen: Doch drohen sich die Machtverhältnisse erneut dramatisch zu verschieben. Die USA wollen ihren Abstieg verhindern; China und Russland ihren Aufstieg vorantreiben. Der finanzielle Mitteleinsatz ist riskant hoch. Den militärischen darf man nicht übersehen. Beide gehören zum Bild der Krise.

      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3456696/China-nutzt-die…
      127 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:20:00
      Beitrag Nr. 2.591 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.856.566 von Maraho am 26.03.09 17:38:34Etwas hierzu ...

      Finanzkrise
      Obama bringt US-Bank-Chefs auf Linie

      Nach scharfer Kritik an der Finanzbranche hat US-Präsident Barack Obama bei einem Treffen den Schulterschluss mit führenden US-Bankern gesucht. Mit Erfolg: Am Ende des Gesprächs stimmten sie seinen Plänen zur Finanzmarktregulierung vorbehaltlos zu. Und auch in Sachen Manager-Gehälter gaben sich die Banker reumütig.


      HB WASHINGTON. Spitzenvertreter der amerikanischen Finanzbranche und US-Präsident Barack Obama haben nach einem Gespräch Einigkeit demonstriert. Die zentrale Botschaft sei, dass alle in einem Boot säßen, sagte der Chef der Bank Wells Fargo, John Stumpf, am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinen Kollegen. Obama betonte laut Präsidialamt bei dem Treffen, dass das Problem fauler Kredite dringend gelöst und der Kreditverkehr zwischen den Banken wieder in Gang gebracht werden müsse.

      Nach Einschätzung von Citigroup-Chef Vikram Pandit schaffen die Pläne der US-Regierung die Basis für neues Vertrauen in die Finanzbranche. Das Treffen im Weißen Haus sei konstruktiv gewesen, sagte Pandit weiter. Sein Institut werde bei den Rettungsmaßnahmen der Regierung alles in Augenschein nehmen, auch den Plan zum Aufkauf fauler Kredite.

      Der Chef von JPMorgan, Jamie Dimon, sagte auf CNBC, die Banker wüssten, dass im Zusammenhang mit Manager-Gehältern Fehler gemacht worden seien. Obama hatte die Finanzbranche scharf für Boni-Zahlung in Krisenzeiten kritisiert, die im ganzen Land einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatten. Der Chef von Bank of America, Ken Lewis, sagte, alle wüssten, dass die goldene Zeit der Bankgehälter vorbei sei.

      Obamas Sprecher Robert Gibbs sagte, es herrsche mit den Bank-Chefs Einigkeit darüber, dass die Grundstruktur der Finanzmarktregulierung überarbeitet werden müsse. US-Finanzminister Timothy Geithner hatte in dieser Woche ein Hilfspaket zum Aufkauf fauler Wertpapiere und schärfere Regeln für Finanzunternehmen wie Hedgefonds angekündigt. Die bisher ohne durchgreifende Aufsicht agierenden Hedge-Fonds, Private-Equity-Firmen und der Handel mit Derivaten sollen demnach an die kurze Leine genommen werden. „Es geht nicht um Reparaturen am Rande, sondern um neue Spielregeln“, sagte er. Geithner schlug zudem einen „Super-Regulierer“ vor, der künftig Risiken für das gesamte Finanzsystem im Blick haben und im Bedarfsfall eingreifen soll.

      Kurz zuvor hatten Geithner und Notenbankchef Ben Bernanke gemeinsam unterstrichen, dass der Staat künftig nicht nur Geschäftsbanken, sondern im Krisenfall auch Versicherungen, Hedge-Fonds und andere große, bedeutende Finanzinstitutionen übernehmen und abwickeln können muss.

      Obama wird seine Rettungspläne für die rezessionsgeplagte US-Wirtschaft voraussichtlich in der kommenden Woche beim G20-Gipfel in London vorstellen.

      Das Treffen mit Obama stand bei der Bank of America und bei JPMorgan auch im Zeichen von Pessimismus für das März-Geschäft. Dimon sagte, der Monat sei für JPMorgan „ein bisschen hart“ gewesen. Lewis bezeichnete den Handel bei Bank of America als „nicht so gut“ wie in den ersten zwei Monaten des Jahres. Die Äußerungen belasteten Bankwerte und drückten den gesamten Aktienmarkt.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/obama-brin…
      116 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:24:07
      Beitrag Nr. 2.592 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.376 von Maraho am 28.03.09 06:03:55Moin mein Guter,

      sind die Sparkassen wirklich so sicher?

      Sparkasse Südholstein kämpft ums Überleben

      26. März 2009 | 17:26 Uhr | Von ahl
      Durch die Finanzkrise ist die Sparkasse Südholstein in eine gefährliche Schieflage geraten. Das Kreditinstitut muss durch den Sicherungsfonds des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein finanziell gestützt werden.


      Die Sparkasse Südholstein gerät ins Wanken und braucht dringend frisches Geld. Der Sparkassen- und Giroverband hat deshalb am Donnerstag beschlossen, dem zweitgrößten öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut des Landes unter die Arme zu greifen und "die Sparkasse Südholstein durch Leistungen der Gemeinschaft der schleswig-holsteinischen Sparkassen zu unterstützen". Über Art und Umfang der Hilfe aus dem Sicherungsfonds solle noch entschieden werden, sagte Verbandssprecher Alf Gerrit Christiansen.

      Grund für die Rettungsmaßnahme sind offenbar millionenschwere Abschreibungen und Wertberichtigungen. "Es besteht die Gefahr, dass die Belastungen aus der Finanzkrise von der Sparkasse Südholstein nicht bewältigt werden können", erklärte Imke Gernand, Pressesprecherin der Sparkasse Südholstein, gegenüber dem shz. Offenbar droht infolge drastischer Ertragseinbußen aus Beteiligungen und Wertpapiergeschäften die Kernkapitalquote der Sparkasse unter die vorgeschriebene Mindestgrenze von vier Prozent zu fallen. Zudem drohen aus der Beteiligung an der HSH Nordbank hohe Wertberichtigungen.

      Mindestens 130 Millionen Euro fehlen

      Deshalb fehlen der Sparkasse Südholstein nach Informationen unserer Zeitung mindestens 130 Millionen Euro. Weder das Kreditinstitut noch der Verband wollten sich am Donnerstag dazu äußern, wie viel Geld zur Rettung der Sparkasse benötigt wird und wie hoch die Verluste sind. Die Sparkasse Südholstein, die ihr Geschäft in den Kreisen Pinneberg und Segeberg sowie in der kreisfreien Stadt Neumünster betreibt, wies 2007 eine Bilanzsumme von sechs Milliarden Euro aus und beschäftigt 1200 Mitarbeiter.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:27:01
      Beitrag Nr. 2.593 ()
      Hier mal etwas zur Entspannung ...
      ... und für das Auge.


      Eine Bilderserie

      Baselworld 2009 - Glitzern in der Krise
      von Sven Schirmer und Lars Berg

      Auch die Schmuck- und Uhrenindustrie spührt den Sog der Krise. Die weltweit führende Messe für Uhren und Schmuck begegnet dem Abwärtstrend mit Zeitmessern von gut und günstig bis edel und teuer. FTD.de zeigt die Highlights der Baselworld.

      Weiterführend: http://www.ftd.de/lifestyle/luxus/493058.html
      2 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:37:29
      Beitrag Nr. 2.594 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.853.290 von Maraho am 26.03.09 13:36:04Eine weitere Meinung hierzu ...

      Bulthaupt-Kolumne
      Krisengeld ist kein Inflationstreiber
      Von Frank Bulthaupt

      Im Zuge der weltweiten Finanzkrise haben die Notenbanken ihre Gelddruckmaschinen angeworfen. Angesichts der Schwemme an Zentralbankgeld befürchten viele Marktteilnehmer ein kräftiges Anziehen der Inflation. Ein Blick auf die Verwendung des Krisengelds gibt Anlass zur Entwarnung.


      Es ist schon kurios - da steigt die Geldmenge im Euro-Raum jahrelang mit Wachstumsraten zwischen 9 und 12 Prozent, und daraus resultierende Inflationsgefahren haben an den Märkten den Wert eines akademischen Disputs. Jetzt, inmitten der Krise, hat sich das Geldmengenwachstum auf unter 6 Prozent halbiert, aber das Thema Geldentwertung steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Zu Recht? Oder haben Kritiker, Nörgler, Wadenbeißer und andere pessimistische Zeitgenossen gegenwärtig Hochkonjunktur?

      Der theoretische Grundansatz ist eindeutig: Tauscht man Geld gegen Güter, so verdoppeln sich die Güterpreise, wenn man die Zahl der Geldscheine verdoppelt. Mit dem gleichen Argument zieht ein Geldmengenwachstum von 10 Prozent eine ebenso hohe Preissteigerung nach sich; erhöht sich außerdem die Güterproduktion um 2 Prozent, so resultiert aus der Differenz eine Inflationsrate von 8 Prozent.

      Diese Argumentation wird der aktuellen Lage nicht gerecht: Das zusätzliche Geld aus der Notenpresse versickert bei den Geschäftsbanken und kommt daher nur teilweise in der Wirtschaft an; seit vergangenem Oktober wird es in großem Stil gleich wieder als Einlagefazilität oder Überschussreserve bei der EZB gehortet. Schließlich benötigen die Geschäftsbanken in Zeiten unsicher funktionierender Geldmärkte selbst einen Liquiditätspuffer.

      Jeder Euro, den die EZB in Zeiten vor der Krise den Geschäftsbanken gegen notenbankfähige Sicherheiten lieh, hatten diese seinerzeit für die Kreditvergabe an die Realwirtschaft genutzt. Mittlerweile liefert jeder Euro Zentralbankgeld wegen des Eigenbedarfs der Banken nur noch zur Hälfte einen Liquiditätsbeitrag für Unternehmen und Haushalte.

      Liquidität wird aber im privaten Sektor dringend benötigt. Unternehmen haben auf die unsicheren Zeiten reagiert und versuchen ihrerseits, ihre Liquiditätspuffer bestmöglich auszuweiten. Blickt man auf das Finanzvermögen der Privaten, so wurden in ihren Portfolios riskante Engagements zurückgefahren und Umstrukturierungen zugunsten einer höheren Liquiditätshaltung vorgenommen.

      In diesem Umfeld ist die EZB gehalten, dem Bankensektor ausreichend Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen. Dies schafft die Voraussetzung, den merklich gestiegenen Liquiditätsbedarf von Unternehmern und Vermögensbesitzern angemessen zu decken.

      Der Tag danach

      Für eine Überversorgung mit Liquidität als Folge der aktiven Geldpolitik gibt es keine Hinweise. Stattdessen geben insbesondere größere Unternehmen in allen Umfragen an, dass es schwieriger geworden ist, Kredite zu erhalten. Kreditinstitute verlangen höhere Sicherheiten oder höhere Zinsen oder ziehen sich aus einigen Branchen ganz zurück. Ein Blick auf die stotternde Außenhandelsfinanzierung spricht Bände.

      Unter dem Strich resultiert aus der ursprünglichen Schwemme mit Zentralbankgeld keine überschüssige Liquidität, die die Preisstabilität in Gefahr bringen könnte. Kurz: Mehr Geldscheine in der Not führen die Preisstabilität nicht in den Tod.

      Was geschieht am Tag danach, wenn die Krise vorüber ist und die Marktteilnehmer ihren Liquiditätsbedarf nach unten anpassen? Dies ist der Zeitpunkt, an dem die Märkte tatsächlich mit Liquidität überflutet werden.

      In einem Szenario mit einer passiven Zentralbank würden von dieser überschüssigen Liquidität Inflationsgefahren ausgehen. Ein Nachfrageanstieg auf den Gütermärkten, eine anziehende Kapazitätsauslastung, eine Ausweitung der Margen sowie eine Erhöhung der Stückkosten würden die Güterpreise über einen Zeitraum von mehreren Jahren nach und nach aufwärtstreiben.

      Allerdings gibt es keine Anhaltspunkte, dass die EZB jemals eine solche Entwicklung als passiver Beobachter zur Kenntnis nehmen wird. So wie Unternehmer die Produktion drosseln, wenn der Markt überversorgt ist, wird die EZB bei den ersten Frühindikatoren einer anziehenden Inflation ihre stabilitätsorientierte Politik anpassen.

      Die in Pension genommenen Wertpapiere werden den Banken zurückverkauft und so überschüssige Liquidität wieder eingesammelt. Leitzinsen werden merklich erhöht und die Gefahr einer ungewünschten Ausweitung der Kreditvergabe eingedämmt. Und damit hätte sie erst einen Teil ihrer liquiditätsabschöpfenden und kreditbegrenzenden Instrumente genutzt. Krisengeld einer aktiven Zentralbank ist kein Embryo der Inflation.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,615666,00.…
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:42:57
      Beitrag Nr. 2.595 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.376 von Maraho am 28.03.09 06:03:55Es gibt auch Gewinner ...

      Großer Zulauf für Globalisierungskritiker
      Attac gewinnt in der Krise

      In der Krise sind die Attacis gefragte Gesprächspartner auf vielen Podiumsdiskussionen. Ihre Meinung ist jetzt wichtig. Schöner Nebeneffekt: Die Mitgliedszahlen steigen rasant.
      VON FELIX LEE


      BERLIN taz In Zeiten drohender Massenarbeitslosigkeit dürfte es einer Gruppe nicht an Arbeit fehlen: den Globalisierungskritikern von Attac. Nicht nur die beiden heutigen Großdemonstrationen in Frankfurt am Main und Berlin halten die Attacis seit Wochen auf Trab. In der gesamten Republik sind die Aktivisten derzeit bei Podiumsdiskussionen gern gesehen, wo sie ihre Sicht der Krise darstellen können.

      Das erhöhte Interesse macht sich auch am Mitgliederzuwachs bemerkbar. Attac verzeichnet aktuell rund 22.000 Mitglieder und weitere rund 50.000 Sympathisanten. Anfang 2008 lag die Mitgliederzahl noch unter 20.000. Die Eintritte seien vor allem im Herbst 2008 sprunghaft angestiegen, berichtet Attac-Sprecherin Frauke Distelrath.

      Der Kapitalismuskongress vor drei Wochen in Berlin wie auch das Plagiat der Wochenzeitung Die Zeit vor einer Woche hätten "einen Schub an Eintritten gebracht", sagte Distelrath. Attac hatte in einer Auflage von 350.000 Exemplaren die bekannte Wochenzeitung gefälscht. In den Artikeln zeigten die Autoren, wie die Welt in einem Jahr aussehen könnte, wenn zentrale Forderungen der globalisierungskritischen Bewegung umgesetzt werden. Auch die dazugehörige Website mit bis zu 42.000 Zugriffen am Tag sei ein großer Erfolg, so Distelrath. Die Website sei am Wochenende "regelrecht gestürmt" worden.

      Prominentester Neuzugang des globalisierungskritischen Netzwerks war in jüngster Zeit der Theologe und Sozialdemokrat Friedrich Schorlemmer. "Diese Bewegung gibt der Hoffnung - lokal und global - unüberhörbar eine Stimme", begründete der ehemalige DDR-Bürgerrechtler seinen Beitritt.

      Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/attac-gewi…
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:51:49
      Beitrag Nr. 2.596 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.525.251 von kiska am 06.02.09 09:56:23In Anlehnung ...

      Publikumsfonds
      Schließungswelle rollt auf Fondsanleger zu
      Von Christian von Hiller

      Auf die deutschen Fondssparer kommt eine Welle von Schließungen zu. Immer mehr Fondsgesellschaften werden unter dem Eindruck der Finanzkrise gezwungen, Anlageprodukte vom Markt zu nehmen. „Der Hype, den wir in puncto Auflegungen gesehen hatten, ist vorbei“, sagt ein Sprecher von Allianz Global Investors.

      Zwar heißt es in der Fondsbranche, dass harte Schließungen mit einer automatischen Auszahlung des Geldes vermieden werden und stattdessen Fusionen mit anderen Fonds favorisiert werden sollen. Doch die Folgen sind für die betroffenen Anleger so oder so in vielen Fällen unangenehm. Sie stehen dann vor der Entscheidung, sich entweder ihr Kapital ausbezahlen zu lassen oder in einen Fonds zu investieren, für den sie sich ursprünglich nicht entschieden hatten.

      Vor allem droht den Anlegern in manchen Fällen, dass sie Abgeltungsteuer zahlen müssen, wenn ihr Fonds aufgelöst wird oder wenn sie für die Ausbezahlung optieren und ihr Geld dann in einem anderen Finanzprodukt anlegen. Lediglich die Verschmelzung mit einem anderen Fonds ist steuerneutral.

      Neuinvestition ohne Aufschlag möglich

      Sechs Monate vor der Auflösung eines Fonds müssen die Gesellschaften laut Investmentgesetz den Anlegern kündigen. Doch selbst bei einer harten Schließung müssen die Betroffenen nicht auf Bargeld sitzenbleiben. „Bei einer Auflösung wird wie bei der Fusion mit einem anderen Fonds in der Regel angeboten, ohne Ausgabeaufschlag in einen ähnlichen Fonds zu investieren“, sagt ein Sprecher des Fondsbranchenverbands BVI.

      Privatanleger haben im vergangenen Jahr 28 Milliarden Euro netto aus Investmentfonds abgezogen. Nach einer Zwischenerholung im Januar setzte sich der Rückzug der Anleger im Februar fort. 6 Milliarden Euro netto zogen sie im Monatsverlauf ab, geht aus der jüngsten BVI-Statistik hervor. Allein aus Wertpapier-Publikumsfonds flossen 4,4 Milliarden Euro mehr ab, als Anleger einzahlten. Aus Aktienfonds flossen per saldo 2,9 Milliarden Euro ab, aus Rentenfonds 1,9 Milliarden Euro. Besonders stark ist die Deka mit Abflüssen von 971 Millionen Euro netto betroffen.

      Neue Produkte als Lockmittel für die Anleger

      Die Mittelabflüsse setzen die Fondsbranche unter einen erheblichen Ertragsdruck. Viele Fonds sind dadurch für die Anbieter nicht mehr rentabel. Ein Volumen von mindestens 50 Millionen Euro strebt die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, für jeden ihrer Fonds an.

      Im vergangenen Jahr schloss die DWS schon 50 Fonds. Davon wurden 21 mit anderen Fonds fusioniert und 27 aufgelöst. Die beiden übrigen Fonds waren an ihr Laufzeitende gelangt. Vor allem die DWS hatte in den vergangenen Jahren ihren Verkauf stark auf neue Fondsprodukte abgestellt. Diese Strategie passt die Fondsgesellschaft nun der Krise an: „Die Produktpalette muss atmen“, sagt ein DWS-Sprecher, um dann konkret anzukündigen: „Wir werden in diesem Jahr mehr Fonds schließen als neu auflegen.“

      Dennoch schlägt sich der Zwang zu Fondsschließungen in der offiziellen Zählung der Branche bisher nicht nieder (siehe Grafik). Denn die Fondsgesellschaften probieren weiterhin neue Produktideen aus, um Anleger zu locken.

      Lebenszyklusfonds oder Höchststandsicherungsfonds seien derzeit bei den Anbietern beliebt, sagt ein BVI-Sprecher. Zudem werden in der BVI-Statistik auch die börsennotierten Indexfonds (ETF) erfasst, bei denen weiter neue Anbieter mit kompletten Produktfamilien in den Markt drängen. Somit verdeckt der Erfolg der ETF zum Teil die Krise der klassischen Fonds.

      Standardfonds werden weniger geschlossen

      Vor allem Allianz Global Investors (AGI) wird in den nächsten Jahren viele Fonds vom Markt nehmen, wenn die Integration der einstigen Commerzbank-Gesellschaft Cominvest abgeschlossen ist. Durch die Übernahme ist die Fondspalette von AGI von 230 auf etwa 470 Fonds gewachsen. Wie viele davon in den kommenden Jahren verschwinden, lasse sich noch nicht beziffern, heißt es bei AGI. Doch würden es voraussichtlich mehr als 100 Fonds sein.

      Der Blick auf die Branchenstatistik ändert für die Anleger wenig daran, dass ihre Fondsgesellschaft ihnen künftig häufiger eine Kündigung zuschickt. Auch wenn die Fondsgesellschaften gesetzlich gehalten sind, ihre Interessen zu berücksichtigen, drohen den Betroffenen Nachteile.

      Anleger sollten deshalb schon bei der Auswahl darauf achten, dass bei manchen Produkten eher eine Schließung droht als bei Standardfonds. Dies ist besonders dann der Fall, wenn das Anlagethema stark an eine Tagesaktualität gebunden ist oder das Fondsvolumen sehr gering bleiben dürfte. Da die Fondsgesellschaften selbst unter Ertragsdruck kommen, sinkt die Bereitschaft, Fonds mitzuziehen, die ihnen selbst nicht genügend Gewinn bringen.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub645F7F43865344D198A672E313F3D2C3/Doc…
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 06:59:27
      Beitrag Nr. 2.597 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.869.275 von Maraho am 27.03.09 20:34:28Etwas aus der Schweiz ...
      (mit guter Grafik - Link anklicken!)


      Was die G20 anpacken müssen
      Von Robert Mayer.

      Die düstere Wirtschaftslage setzt den G-20-Gipfel unter hohen Erwartungsdruck. Viel wäre gewonnen, wenn er sich auf wenige Prioritäten konzentrierte.


      Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat dieser Tage nochmals vor Augen geführt, wie schlimm es um die Weltwirtschaft steht. Nach seiner jüngsten Schätzung wird die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 0,5 bis 1 Prozent zurückgehen. Die Industriestaaten müssen mit einem schrumpfenden Bruttoinlandprodukt von sogar 3 bis 3,5 Prozent rechnen. Innerhalb dieser Gruppe werden exportabhängige Nationen wie Deutschland und Japan einen überdurchschnittlichen Aderlass verzeichnen, dürfte doch der diesjährige Welthandel um 9 Prozent einbrechen. Trifft diese Prognose der Welthandelsorganisation zu, wäre es der grösste Rückschlag in der Nachkriegsgeschichte. Dies bringt auch etliche Schwellen- und Entwicklungsländer in Nöte, die Rohstoffe und Vorprodukte exportieren.

      Die Wirtschaftskrise – zweifellos die heftigste seit der Grossen Depression der 1930er-Jahre – hat ein wahrhaft globales Ausmass angenommen. Kein Staat, ob gross oder klein, reich oder arm, vermag sich dem Niedergang zu entziehen. Und nirgendwo ist eine Kraft auszumachen, der zuzutrauen wäre, dass sie eine Wende herbeiführen könnte.

      Neue Konjunkturpakete müssen her

      Vor diesem Hintergrund kann eigentlich kein Zweifel über die vordringlichste Priorität für den G-20-Gipfel von kommender Woche in London bestehen. Die Oberhäupter der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer müssen sich auf eine gemeinsame, abgestimmte und kraftvolle Initiative verständigen, um die weltwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln.

      Doch die Chancen dafür stehen schlecht. Zwar drängen insbesondere die USA auf zusätzliche Efforts der öffentlichen Hand, um den Absturz der Weltkonjunktur in die Depression abzuwenden. Die (Kontinental-)Europäer legen sich jedoch quer. Unter deutscher Führung plädieren sie für Abwarten: Erst soll sich zeigen, wie die vielerorts bereits geschnürten Konjunkturpakete wirken.

      Die dafür aufgeworfenen Summen – Hunderte Milliarden Dollar und Euro – sind abenteuerlich. Einige Staaten türmen Schulden auf, die eine Generation kaum abzutragen vermag. Doch es reicht nicht. Die weltwirtschaftliche Talfahrt hat eine solche Dynamik angenommen, dass weitere fiskalische Stimulierungsmassnahmen unumgänglich sind – und dies auf internationaler Ebene, um eine maximale Breiten- und Multiplikatorwirkung zu erzielen.

      In der Pflicht stehen vor allem Japan und Deutschland, die Jahr für Jahr erhebliche Leistungsbilanzüberschüsse anhäufen und gleichzeitig einen relativ bescheidenen Binnenkonsum (gemessen an ihrem Bruttoinlandprodukt) verzeichnen. Sträuben sich diese Länder und die EU insgesamt gegen weitere staatliche Stimulierungsprogramme, kann man ihnen bestenfalls vorhalten, sie seien sich überhaupt nicht bewusst, mit welchem Tempo die Weltwirtschaft auf den Abgrund zusteuert.

      Man kann ihr Zögern und Zaudern aber auch anders auslegen: Insgeheim hoffen sie darauf, dass die Amerikaner auch diesmal die Weltwirtschaft aus dem Sumpf ziehen. Nur, dieses Kalkül wird nicht aufgehen. Die US-Haushalte leiden unter empfindlichen Vermögensverlusten und sind ausserdem derart stark mit Schulden belastet, dass sie jetzt primär ihre Finanzen wieder ins Lot zu bringen versuchen. In einen neuerlichen Konsumrausch wird Amerika daher auf absehbare Zeit nicht verfallen.

      Zweitwichtigstes Traktandum für das eintägige Treffen der G-20 ist die Aufstockung der Finanzmittel für den IWF. Gerade mal etwa 250 Milliarden Dollar betragen die verfügbaren Ressourcen der Washingtoner Organisation – viel zu wenig angesichts der sich verschärfenden Zahlungs- und Währungsprobleme in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern.

      Nachdem sich die Finanzminister der G-20 Mitte März in dieser Frage bereits einigen konnten, dürfte der Londoner Gipfel nun mit konkreten Ergebnissen aufwarten. So werden die Mittel des IWF wohl auf mindestens 500 Milliarden Dollar verdoppelt. 100 Milliarden hat Japan schon seit längerem zugesagt, weitere 75 Milliarden wollen die Europäer beisteuern. Gespannt darf man sein, wie sich die Chinesen verhalten werden. Bislang haben sie eine neuerliche Kapitalzufuhr an den IWF davon abhängig gemacht, dass ihnen eine höhere Stimmkraft innerhalb der Organisation zugestanden wird. Dagegen sperrt sich aber die EU, wohlwissend, dass dies zu ihren Lasten ginge.

      Schärfere Regulierung hat Zeit

      Erst an dritter Stelle sollte sich der Weltfinanzgipfel mit dem Thema beschäftigen, das den Europäern unter den Nägeln brennt: eine stärkere und international besser abgestimmte Reglementierung und Überwachung von Finanzmärkten, Banken, Hedge-Funds und Rating-Agenturen. Dass hier ein Nachholbedarf besteht und manche Lücke in den nationalen Kontrollinstanzen die Spekulationsblase im US-Immobiliengeschäft und auf den Kreditmärkten beförderte, steht ausser Zweifel. Nur geht es jetzt darum, zuerst den Brand zu löschen, bevor das globale Dorf vollends in Schutt und Asche fällt. Für die Einführung neuer Spiel- und Transparenzregeln im internationalen Finanzsystem besteht immer noch ausreichend Zeit.

      Diese Einsicht müsste der EU umso leichter fallen, als Amerikaner und Briten neuerdings Hand bieten, um die Akteure auf den Finanzmärkten an kürzere Leinen zu legen – sei es mit schärferen Kapitalvorschriften für Banken oder mit Publikationspflichten für Hedge-Funds. Selbst für eine Verlagerung von Überwachungsaufgaben auf eine supranationale Ebene zeigen sich die Angelsachsen gesprächsbereit, nachdem dies für sie bisher tabu war.

      Und wie stehts mit den Steueroasen, die im Vorfeld des G-20-Gipfels für so viel Wirbel gesorgt haben? Angesichts der Brisanz der übrigen Traktanden und der knappen Zeit, die sich die Mächtigen dieser Welt für ihr Tête à Tête an der Themse reserviert haben, wäre es geradezu aberwitzig, wenn diesem Thema mehr als eine Fussnote eingeräumt würde. Man kann über Steueroasen denken, wie man will. Sie haben aber den Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise gewiss nicht begünstigt. Noch trägt ihre Trockenlegung in irgendeiner Weise dazu bei, die Weltwirtschaft zu stärken. Darum, und nur darum, muss es in London gehen.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Was-die-G2…
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 07:09:09
      Beitrag Nr. 2.598 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.845.761 von Maraho am 25.03.09 17:15:34Noch etwas hierzu ...

      Abwrackpolitik
      von Wolfram Weimer

      Die Abwrackprämie wird bejubelt wie Freibier. Doch droht auch hier der Kater nach dem Rausch. Die Prämie ist nur auf den ersten Blick ein Erfolg. Es häufen sich vielmehr Probleme, die die Politik damit anrichtet, dass sie Steuergeld verteilt wie der Metzger die Gelbwurst an Kinder.

      Das erste Ärgernis betrifft die Profiteure der Aktion. Es sind zuvorderst ausländische Kleinwagenhersteller, die von den deutschen Steuermilliarden profitieren. Während die Dacias, Fiats, Skodas, Kias, Suzukis, Toyotas und Renaults das schnelle Sondergeld aus Deutschland einstreichen, gehen Mercedes, BMW, Audi und Porsche leer aus. Gerade die Herzstücke der deutschen Autoindustrie sind also relative Verlierer der Aktion. Millionen Beschäftigte und ihre Familien von Zuffenhausen bis Ingolstadt fragen sich, warum ihr Steuergeld ausgerechnet die Konkurrenz stärkt, wo die Krise ohnedies so hart zuschlägt.

      Das zweite Ärgernis bekommen alle die negativ zu spüren, die rund um den Gebrauchtwagenmarkt ihre Leistungen erbringen. Von Reparaturwerkstätten über Ersatzteillieferanten bis zu Händlern fühlen sich Tausende inzwischen gleich mit verschrottet, ohne dass ihnen jemand eine Prämie offeriert. Die Wettbewerbsverzerrung von Subventionen kennt eben immer auch Verlierer – nur redet man über sie nicht so gerne.

      Das dritte Problem liegt im Strohfeuerhaften der Aktion. Denn im kommenden Jahr, wenn die Prämie endlich ausläuft, wird der Autoabsatz im unteren Segment dramatisch einbrechen. Gerade im dann hoffentlich beginnenden Aufschwung werden hunderttausende potentieller Autokäufer ausfallen. Die Prämie provoziert also eine Scheinkonjunktur, die nicht langfristig angelegt ist.

      Womit das vierte Ärgernis umso schwerer wiegt. Der Rausch der Verschrottungs-Orgie verfliegt, die Schulden aber bleiben. Diese Prämie wird den Staat mindestens 1,5 Milliarden, vielleicht sogar das Doppelte kosten. Wenn diese Finanzkrise aber eines lehrt, dann dass Schulden oft bitter bezahlt werden müssen. Die schnelle Art, mit der jetzt Wahlkampfgeschenke wie die Abwrackprämie gemacht werden, zeugt von einer bedenklichen Fortsetzung des öffentlichen Monopolyspiels, das uns gerade erst in diese Krise getrieben hat. Eine seriöse Finanzpolitik sähe jedenfalls anders aus.

      Nun könnte man alles hinnehmen, wenn es denn wenigstens der Umwelt richtig helfen könnte. Tatsächlich aber kommt von Umweltverbänden die größte Kritik an der schönfärberisch "Umweltprämie" genannten Initiative. Für die Käufer besteht nämlich überhaupt kein Anreiz, sich ein besonders klimafreundliches Auto anzuschaffen. Ein Stinker und Spritfresser wird ebenso mit 2500 Euro gefördert wie ein sparsames Innovationsauto, das wenig Kohlendioxid ausstößt. Also kaufen die Abwracker selten moderne, umweltfreundliche Motoren aus deutschen Tüftlerfabriken, sondern Standardgetriebe mit mäßigen Abgasnormen. Obendrein ermuntert die massenhafte Neuwagenflotte zur häufigeren Benutzung der Autos, also zum größeren CO2-Ausstoß.

      Während das politische Berlin sich also fühlt wie der Osterhase, legt es faule Eier ins Nest der Krisenbewältigung. Die Abwrackprämie sollte besser beendet statt verlängert werden. Aber das politische Ostern ist ja erst am 27. September zur Bundestagswahl. Bis dahin wracken wir uns also ab.

      Quelle: http://www.cicero.de/1725.php?ress_id=18&kol_id=10863

      So, jetzt wird erst einmal gefrühstückt.
      Lasst auch ihr es euch schmecken ......
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 09:44:49
      Beitrag Nr. 2.599 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.842.753 von Maraho am 25.03.09 12:37:54In Bezug ...

      Der Bundestag und die Krise
      Ein Parlament entmachtet sich selbst

      Die Regierung vergibt Steuermilliarden an kriselnde Banken – und legt niemandem Rechenschaft über ihr Handeln ab. Ein kleines Parlamentsgremium darf Fragen stellen, doch die Antworten müssen geheim bleiben. Sechs Volksvertreter berichten von der Selbstentmachtung des Bundestages.

      Von Harald Schumann

      Wenn Albert Rupprecht über seine derzeit wichtigste Aufgabe spricht, spart er nicht an dramatischen Worten. Über „schwerste Verwerfungen“ oder „gefährliche Gratwanderungen“ redet er dann und über „die Katastrophe, die wir jeden Tag verhindern müssen“. Das klingt nach Notarzt oder Bergwacht, aber Rupprecht befasst sich nicht mit der Rettung von Menschen, sondern mit der Rettung von Banken. Der studierte Volkswirt vertritt für die CSU im Bundestag den Wahlkreis Weiden und führt den Vorsitz in jenem Gremium des Parlaments, das Finanzminister Peer Steinbrück und dessen „Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung“ (Soffin) kontrollieren soll.

      Da ist ein wenig Dramatik schon nützlich. Denn sie hilft Rupprecht einen Vorgang zu rechtfertigen, der so gar nicht den Grundregeln der parlamentarischen Demokratie entspricht: Mit bis zu 480 Milliarden Euro aus Steuergeldern, mehr als dem Doppelten des jährlichen Bundesetats, soll Deutschlands Bankensektor vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Doch wer dabei zu welchen Konditionen profitiert, darüber entscheiden nicht die gewählten Vertreter der Steuerzahler, sondern nur ein vom Minister eingesetzter „Lenkungsausschuss“ unter Leitung des Finanzstaatssekretärs Jörg Asmussen. Der Bundestag selbst, so beschloss es die Große Koalition im vergangenen Oktober, verzichtet ausgerechnet bei der umstrittenen Bankensanierung mit Staatsgeldern auf sein wichtigstes Recht: die Kontrolle über die Staatsausgaben.

      Ausschuss mit Maulkorb

      Lediglich ein kleines Gremium von neun Abgeordneten aus dem Haushaltsausschuss wurde eingesetzt, dem die Bankenretter einmal pro Sitzungswoche ihre Entscheidungen mitteilen. Immer am Freitagmorgen trifft die Gruppe mit Asmussen oder dem parlamentarischen Staatssekretär Karl Diller sowie Hannes Rehm, dem operativen Chef des Soffin, zusammen und darf Fragen stellen. Ablehnen oder ändern können die Parlamentarier die Beschlüsse jedoch nicht. Und selbst die Unterrichtung ist geheim. Weder ihren Kollegen noch ihren Wählern dürfen die neun Auserwählten die erhaltenen Informationen weitergeben. Wer dagegen verstößt, dem droht eine Anklage wegen Geheimnisverrats und im schlimmsten Fall eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Handelt es sich also nur um eine pseudodemokratische Veranstaltung nach dem Modell Nordkorea? Und wie vereinbaren die Abgeordneten das mit ihrem Selbstverständnis als Volksvertreter?

      Rupprecht, ein smarter Dynamiker mit Oberpfälzer Akzent, kontert mit einer Gegenfrage: „Was wäre die Alternative?“ Würde der Bundestag öffentlich über die Staatshilfe für einzelne Banken debattieren, „würde das doch sofort zu Verwerfungen auf den Märkten führen“, rechtfertigt er das Verfahren. Aktienwerte könnten abstürzen oder Banken ihren Kredit bei anderen Marktteilnehmern verlieren. Das Überleben der Geldkonzerne dürfe aber nicht vom Parteienstreit abhängig sein. Gewiss, die Öffentlichkeit würde mehr erfahren, „aber das Ergebnis wäre nicht Klarheit, sondern noch viel größere Unsicherheit“, behauptet er. Insofern sei das Geheimgremium „der beste Kompromiss“. Und schließlich, so versichert er, werde dort „scharf nachgehakt, gerade auch von mir.“ Auch Carsten Schneider, Sprecher für Haushaltspolitik bei der SPD-Fraktion, hat mit dem Konstrukt kein Problem. Schließlich sei dies „eine bewusste Entscheidung“ gewesen und ohnehin wolle er sich „nicht anmaßen, zu entscheiden, welche Bank Bürgschaften und Kapitalhilfen erhält“. Das liege „bei der Exekutive“ in guten Händen.

      Linkspartei: Das Parlament hat sich entmündigt

      Das sieht Roland Claus, der für die Linksfraktion dabei ist, naturgemäß anders. Das Parlament habe „sich entmündigt“, klagt der Abgeordnete aus Sachsen-Anhalt, und seine Sorgenfaltenmiene zeigt an, wie schwer ihm die Mitarbeit in dem rechtlosen Ausschuss fällt. Indirekt übernehme er schon „die Mitverantwortung für die Täuschung der Öffentlichkeit“, gesteht er. Gleichwohl sei das Gremium „besser als nichts“. Auf diesem Wege könne zumindest im Nachhinein die Verantwortung für die Milliardenzuteilungen geklärt werden. Auch Alexander Bonde, der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, empfindet den Umgang der Bankenretter mit dem Parlament als Zumutung. „Eigentlich“ sagt er, „eigentlich ist all das mit der Ehre eines Haushälters im Bundestag nicht vereinbar.“

      Dabei stört ihn weniger die Geheimhaltung als vielmehr die Impotenz des Gremiums. Um wirklich kontrollieren zu können, „müssten wir selbst die Akten aus den Banken prüfen.“ Auch müssten die Abgeordneten das Recht haben „die verantwortlichen Manager vorzuladen und zu befragen“, fordert Bonde. Weil ihm das verwehrt sei, erfahre der Ausschuss stets nur das, was Steinbrücks Staatssekretäre oder Soffin-Chef Rehm preisgeben wollen. Und das sei bisher noch immer zu wenig gewesen, klagt auch der CDU-Haushälter Jochen-Konrad Fromme. Fortwährend müsse man „um Informationen betteln“, die eigentlich selbstverständlich seien. Und das, obwohl bis Ende Februar schon Bürgschaften für 178 Milliarden Euro übernommen wurden. Weitere 19 Milliarden Euro an Kapitalhilfen sind bereits genehmigt, so viel, wie alle deutschen Universitäten pro Jahr kosten.

      An einem Punkt immerhin wagten Fromme und seine Kollegen schon einmal den Aufstand. Öffentlich bezogen die Kontrolleure aus Union und Opposition gegen die bereits zugesagte Bürgschaft für die Volkswagenbank Stellung. Dabei gehe es „nur um Verkaufsförderung“, ärgert sich Fromme. Halte „die Exekutive“ dennoch an dem Plan fest, müsse sie mit „einer Gegeninitiative im Haushaltsausschuss rechnen“, droht er.

      Verteilung der Bankenrettungsgelder ist nicht diskutiert worden

      Doch angesichts der Dimension der teuren Sanierungsfälle wie Commerzbank und Hypo Real Estate (HRE) mutet der Streit um die Autobanken eher wie eine Ersatzhandlung an. Denn gleichzeitig sind bisher ganz zentrale Fragen bei der Verteilung der Bankenrettungsgelder im Ausschuss nicht einmal diskutiert worden.

      Zum Beispiel jene nach dem eigentlichen Ziel der ganzen Milliardenoperation. Alle Verantwortlichen reklamieren stets, es sei die schiere Größe der in Schieflage geratenen Geldhäuser, die den Staat zur Übernahme des Risikos zwinge. Den Zusammenbruch eines großen Geldhauses könne man nicht riskieren, weil damit viele andere Finanzinstitute in den Abgrund gezogen würden. Aber Steinbrücks Bankenrettung hat nun genau diese Gefahr noch verschärft: Mit 18 Milliarden Euro subventioniert der Soffin die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank und schafft so einen noch größeren Geldriesen. Trotzdem stellten die parlamentarischen Soffin-Wächter den Deal nicht einmal in Frage. Der „enorme Zeitdruck“ habe dafür keinen Raum gelassen, rechtfertigt Vorsitzender Rupprecht das Hauruck-Verfahren. Zudem hätte der Allianz-Konzern, der vormalige Eigentümer der Dresdner Bank, „ein Riesenproblem“ bekommen, wenn die Fusion gescheitert wäre. Diese sei bei der Entscheidung Anfang Januar vertraglich schon fest gebunden gewesen, meint auch Florian Toncar, der die FDP im Gremium vertritt. Doch beide müssen einräumen, dass sie weder den Fusionsvertrag kennen, noch geprüft haben, ob die Allianz, immerhin Europas größter Finanzkonzern mit knapp acht Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2007, die Sanierung der Dresdner nicht aus eigener Kraft hätte stemmen können.

      Genauso undurchsichtig blieben die Kosten der Commerzbank-Operation. Dabei erwarb der Bund zunächst für 1,8 Milliarden Euro 25 Prozent der Aktien. Doch der angesetzte Kurs lag „60 Prozent höher als an der Börse“, erinnert sich Toncar. Genauso gut hätte der Aktienkauf zum Marktkurs auf die laut Soffin-Gesetz erlaubten 33 Prozent Anteil erhöht werden können, meint der jüngste FDP-Abgeordnete, der als Experte für Wettbewerbsrecht nicht verhehlen kann, wie groß seine Bedenken sind. Wie die Commerzbankhelfer ihre „Begünstigung der Altaktionäre“ begründeten, darf er jedoch nicht erzählen. Parlamentarische Kontrolle sieht anders aus.

      Commerzbank wird den Bundeshaushalt für viele Jahre mit Schuldzinsen belasten

      Das gilt auch für den zweiten Teil des Commerzbank- Deals. Für volle 16,4 Milliarden Euro kaufte der Soffin sogenannte stille Anteile, die mit neun Prozent im Jahr verzinst werden sollen. Insofern sei das „ein gutes Geschäft“ für den Staat, erklärte daraufhin Commerzbank-Boss Martin Blessing. Schließlich könne sich der Bund das Geld für nur drei Prozent Zins leihen und die Differenz einstreichen. Doch Blessings Darstellung ist grob irreführend. Denn die jährlich fälligen Zinsen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro fließen nur, wenn es entsprechende Gewinne gibt. Aber selbst in besten Zeiten kam die Bank nur auf 1,8 Milliarden Euro Gewinn. Und auch wenn es erneut dahin käme, müsste sich die Staatskasse den Gewinn mit zahlreichen weiteren Kapitalgebern teilen. Noch für viele Jahre wird die Commerzbank den Bundeshaushalt daher mit Schuldzinsen von bis zu 500 Millionen Euro belasten – fast so viel, wie der Berliner Senat für alle Kitas der Stadt im Jahr benötigt.

      Wäre es also nicht die ureigenste Aufgabe der Soffin-Wächter, Blessings Sprüchen öffentlich entgegenzutreten? SPD-Haushälter Schneider zögert kurz und stimmt dann zu. „Ja, das müsste man eigentlich klarstellen“, sagt er. Dass es dennoch bisher nicht geschehen ist, zeigt an, wie sehr die Abgeordneten mit der Zwitterrolle von Geheimnisträger und Volksvertreter überfordert sind. Er müsse sich eben stets fragen, „darf ich das eigentlich sagen?“, erklärt Schneider.

      Völlig ausgeblendet blieb so bisher auch die vielleicht wichtigste aller Fragen, die in anderen Staaten längst hohe Wellen schlägt: Wer sind die Begünstigten? Wer sind die Gläubiger der Banken, die jetzt mit Steuergeld freigekauft werden? Und könnten jene, die das Spielgeld für die riskanten Investments bereitstellten, nicht auch ihren Anteil zur Sanierung leisten?

      Deutsche Bank kassiert zwölf Milliarden Dollar von den Rettungszahlungen für AIG

      Die Senatoren im US-Kongress etwa halten da nicht länger still. Als Anfang des Monats die Zahlungen für den Geldkonzern AIG auf mehr als 160 Milliarden Dollar anwuchsen, forderten sie ultimativ die Namen aller Geldhäuser, mit denen die AIG-Manager jene riskanten Kreditversicherungen abgeschlossen hatten, für deren Auszahlung die Steuermilliarden fließen. Der zuständige Vizegouverneur der Notenbank verweigerte zunächst die Auskunft. „Die Leute würden keine Geschäfte mehr mit AIG machen, wenn wir die Namen herausgeben würden“, erklärte er. Aber damit kam er nicht durch. Die Regierung brauche weitere Rettungsgelder gar nicht mehr zu beantragen, wenn sie nicht Auskunft gebe, stellten die Senatoren klar. „Sie würden das größte Nein zu hören bekommen, das sie je erlebt haben“, schleuderte einer der erbosten Parlamentarier dem Bankenlobbyist im Amt entgegen. Notgedrungen machte das AIG-Management daraufhin die Namen der Gläubiger öffentlich, und heraus kam so, dass darunter zahlreiche Großbanken aus aller Welt waren, die durchaus einen Anteil an den Ausfällen hätten schultern können. Zum Beispiel die Deutsche Bank, die allein fast zwölf Milliarden Dollar von den Rettungszahlungen für AIG kassierte.

      Von solchem Mut zur Transparenz sind die Soffin-Wächter weit entfernt. Für FDP-Haushälter Toncar ist der mangelnde Wille zur Kontrolle vor allem „Ausdruck einer Schwäche unseres Systems“. Amerika habe eine „echte Gewaltenteilung“, weil Regierung und Parlament getrennt gewählt werden. Hierzulande sei die Parlamentsmehrheit dagegen stets auch Teil der Regierung. Aber „ordnungspolitisch gesehen müssten die Gläubiger natürlich auch herangezogen werden.“

      Washingtons Abgeordnete fordern Antworten, in Berlin hält man still

      Rupprecht, der CSU-Mann und damit auch Regierungsvertreter, kann sich das jedoch nicht vorstellen. Die Hartnäckigkeit der US-Kollegen sei „schon sympathisch“, räumt er ein. Aber mögliche Verhandlungen mit Gläubigern „würden doch Monate dauern“, dazu ließe die Eskalation der Krise aber keine Zeit. Mit Zeitmangel erklärt auch SPD-Haushälter Schneider, warum er über die Begünstigten nichts weiß. Aber „die Debatte muss geführt werden“, stimmt Schneider zu.

      Zumindest im Fall des Milliardengrabs HRE bleibt den Bankenrettern womöglich auch gar nichts anderes übrig. Wenn die jüngsten Gerüchte aus Kreisen der Bankenaufsicht zutreffen, dann könnten die Verluste der HRE auf eine dreistellige Milliardensumme steigen – und damit den erlaubten Kreditrahmen des Soffin in Höhe von 80 Milliarden Euro weit überschreiten. Spätestens dann werden sich auch die Volksvertreter im Bundestag der Frage stellen müssen, ob wirklich nur die Steuerzahler allein für alle Verluste geradestehen sollen. Die große Stunde der geheimen Kontrolleure steht vermutlich erst noch bevor.

      Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Finanzkrise;a…
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 10:01:46
      Beitrag Nr. 2.600 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.378 von Maraho am 28.03.09 06:12:38In Anlehnung.
      Ist der neue Name etwa Programm?

      Ground Zero: Ende für den Freedom Tower
      Florian Rötzer

      Mit dem Vertrag mit einer chinesischen Firma wurde der Freedom Tower schnell in 1 World Trade Center umgetauft

      Die Zeiten ändern sich. Gerade eben wurde bekannt, dass sich die neue US-Regierung zwar nicht vom Kampf gegen den Terrorismus, wohl aber von der unter Bush beliebten Formulierung "Globaler Krieg gegen den Terror" verabschiedet hat. Obgleich Bush-Freund Berlusconi noch seine neue Partei, unter Einschluss der rechtsextremen Alleanza Nationale, zu "Popolo della Libertà", der Partei des "Volks der Freiheit", umtaufte, vollzieht sich in den USA eine weitere symbolische Veränderung.

      Nach der Zerstörung der Twin Towers in New York durch die Terroranschläge vom 11.9.2001 wurde beschlossen, trotzig einen noch höheren Turm zu bauen und den Freedom Tower zu nennen. Majestätische, der Supermacht unter Bush entsprechende Größe war gefragt (Die Angst vor dem Hochhaus). Der Entwurf des Architekten Daniel Libeskind für ein genau 1776 Fuß (541,32 Meter) hohes Gebäude wurde im Februar 2003 erkoren. Die Höhe soll an das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erinnern. Der Turm wies eine waghalsige symmetrische Spiralform auf, am Boden war er wie ein Parallelogramm gestaltet. Ganz oben sollte ein schlanker Arm die Geste der Freiheitsstatue wiederholen und beantworten.

      Ein Jahr nach der Grundsteinlegung wurden Sicherheitsbedenken gegen den trotz Größe fragilen Turm von Libeskind laut. Die Sicherheitsbehörden hatten 2005 Beschwerde eingelegt. Der Turm musste weiter weg von der Straße, sein Fundament und die Glasfronten im unteren Bereich verstärkt werden. Der Freedom Tower auf Ground Zero trotzte nicht mehr, er wurde zur Festung, verinnerte die Angst und Verletzlichkeit (Der "Freedom Tower" knickt ein). Libeskind blieb nicht viel anderes übrig, als den Sicherheistvorgaben zuzustimmen, um seinen Freedom Tower zu erhalten. Bald darauf wurde ein neuer Entwurf vorgelegt, von Libeskinds Turm blieb im Wesentlichen noch die symbolische Höhe. Am Fundament wurden bis in 10 Meter Höhe die Fenster gestrichen. Auf dem 60m hohen, gegen Bomben gesicherten Fundament ragt dann der Turm auf, der seine Höhe nur noch mit einer Antenne erreicht, gleichwohl soll er noch an die Fackel der Freiheitsstatue erinnern.

      Gouverneur Pataki sagte damals zum neuen Entwurf:

      Today we see the result is a better, safer, and prouder symbol of freedom for our skyline. This new design reflects a soaring tribute to freedom and a bedrock commitment to safety and security.

      Statt einem Symbol der Freiheit war nun Sicherheit gefragt (Hochsicherheitsklotz statt Freiheitsturm). Nun aber will man von dem Freiheitssymbol oder –phallus auch nichts mehr wissen. Die zuständige Port Authority gab am Donnerstag bekannt, dass es mit dem Freedom Tower nichts mehr ist. Der Turm, der 2013 fertig gestellt sein soll, heißt nun schlicht: One World Trade Center.

      Symbolisch ist denn auch, dass ausgerechnet der erste Pächter ein chinesischer Konzern ist – und für den man wohl auch gleich den Namen geändert hat. Offenbar fühlte sich Vantone Industrial im Freedom Tower unwohl. Anthony Coscia, der Vorsitzende der Port Authority, meinte lapidar zur Namensänderung, dass man bei der Vermarktung das Gebäude auf die bestmögliche Weise präsentieren wolle: "One World Trade Center ist seine Adresse. Das ist die Adresse, die wir verwenden. Das ist die Adresse, mit der sich die Menschen am leichtesten identifizieren können. Und wir haben dafür, ehrlich gesagt, eine sehr interessierte und gute Rezeption gefunden."

      Zwischen dem 64. und 69. Stock wird also im ehemaligen Freedom Tower von Vantone Industrial ein "China Center" eingerichtet, um dort chinesische Firmen anzusiedeln. Verhandlungen werden gerade mit den Behörden U.S. General Services Administration und dem New York State Office of General Services geführt, die fast die Hälfte des Turms belegen werden. Allerdings könnte es in der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer werden, schnell weitere Interessenten aus der Privatwirtschaft zu finden.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30023/1.html
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 10:22:06
      Beitrag Nr. 2.601 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.381 von Maraho am 28.03.09 06:20:00In Bezug ...

      "Finanzwetten haben weiter Hochkonjunktur"

      Das US-Derivate-Casino ist trotz Finanz- und Wirtschaftskrise weiter in Top-Form, dies zeigen die neuesten Daten des US-Rechnungshofes zum Derivate-Volumen der US-Banken fürs 4. Quartal 2008. Das nominale ausstehende Derivate-Volumen beträgt nun gewaltige 200,4 Billionen Dollar, ein starker Anstieg um +14% zum Vorquartal mit 175,8 Billionen Dollar und um +22,2% zum Vorjahr mit 164,2 Billionen Dollar! Allerdings ist der starke Anstieg durch die Mutation der ehemaligen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley zu regulären Geschäftsbanken zu erklären, denn nur Geschäftsbanken werden im Bericht des Rechnungshofes erfasst. Bisher sind keinerlei derivative Beschränkungen auf einer möglichen Tagesordnung der überfälligen Finanzmarktreform, so das die spekulativen Marktakteure weiterhin ungehindert Derivate emittieren und die Finanzwetten handeln können!

      Weiterführend (mit Grafiken): http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 10:51:26
      Beitrag Nr. 2.602 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.755 von Maraho am 28.03.09 10:22:06Der Derivate-Markt wird sich noch ausweiten, je mehr Geld erschaffen wird.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 10:54:53
      Beitrag Nr. 2.603 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.852.923 von Maraho am 26.03.09 13:06:08Eine Ausführung aus dem "stern" ...

      Deutschland
      Die Krise schlägt zu

      Bislang erlebten die meisten Deutschen die Wirtschaftskrise als Monster, das irgendwo da draußen Milliarden verschlingt, aber nichts mit ihrem Leben zu tun hat. Das ändert sich gerade für viele: Job, Haus, Geld, Firma, Studium - alles scheint nun bedroht.


      Manchmal scheint in diesen Tagen sogar ein wenig die Sonne. Das Gehalt ist bei Millionen Deutschen pünktlich auf dem Konto, der Geldautomat spuckt die gewünschten Scheine aus, und mit der EC-Karte gibt es jederzeit einen vollen Tank. Wer es schafft, keine Zeitung zu lesen, nicht fernzusehen und das Internet zu meiden, könnte meinen, es sei alles ganz normal in Deutschland. Aber Vorsicht. Aus den absurden Meldungen aus der Finanzwelt werden jeden Tag Schreckensnachrichten für Tausende. Im Kleinen passiert genau das, wovor von den Politikern bis zu den Wirtschaftsbossen alle unablässig warnen. Dass nämlich die Verwerfungen bei den Banken plötzlich ganz reale Folgen haben; dass es nicht mehr um Fantastilliarden in irgendwelchen Hedgefonds geht, sondern um das Geld zum Einkaufen im Supermarkt.

      Noch ist es eine kleine Minderheit, die Jobs und Aufträge verliert, die plötzlich kurzarbeiten muss. Für Februar meldet die Bundesagentur für Arbeit einen Anstieg der Arbeitslosenzahl um moderate 63.000 im Vergleich zum Januar. Wohin der Trend geht, zeigt am ehesten die Zahl der Kurzarbeiter, die sich im letzten Quartal 2008 mehr als verdoppelt hat. Wie immer in schwierigen Zeiten, fliegen überall Leiharbeiter raus. Die Autoindustrie sehnt sich nach staatlicher Hilfe - und hängt dabei schon am Tropf der Abwrackprämie. Alles, wie die Kanzlerin sagen würde, keine "systemrelevanten" Ereignisse. Nur muss nicht gleich das ganze System zusammenbrechen, damit Menschen ihre Sicherheit, ihre Existenz, ihre Träume verlieren.

      "Jetzt ist die Krise bei uns"

      Nehmen wir Ilka Heger, 58, verheiratet, zwei große Kinder. Sie fährt seit mehr als einem Vierteljahrhundert als Binnenschifferin die Flüsse rauf und runter. Statt drei Transporte im Monat konnte sie im Januar und Februar nur je zwei ergattern - und das zu Preisen, die um 40 Prozent gesunken sind. "Unsere Kunden sitzen am längeren Hebel", sagt sie. Schiffsraum gibt es eben derzeit weit mehr als Ladung. Sie ist eine von denen, die es schon erwischt hat. Genauso der 24-jährige Leiharbeiter Christian Plewka, der erst aus einem Betrieb, in dem er Armaturen montierte, rausgeflogen ist und jetzt Cola-Flaschen stapelt für sechs Euro die Stunde. "Ich will einfach nur ein ganz normales Leben führen", sagt er. Oder Diana und Thorsten Ettelt, die ihr Haus verkaufen wollen, das in Zeiten wie diesen keiner haben will. Oder die schwäbische Hausfrau Corina Oesterle, Mutter von drei Kindern, deren Mann plötzlich kurzarbeiten muss. "Erst war es eine Krise der Banken, der Autoindustrie. Jetzt ist die Krise bei uns", sagt sie.

      Sie ist auch bei der Studentin Tatjana Zahn, die immer weniger Jobs als Messehostess bekommt, deshalb schnell ihren Bachelor-Abschluss in internationaler Kommunikation machen und dann gleich Geld als Übersetzerin verdienen will - was schwierig werden dürfte. "Vielerorts gibt es bereits einen Einstellungsstopp", sagt die 28-Jährige. Auch wer einen Job hat, lebt unsicherer als zuvor. Bernd Mez, Maschinenbau-Unternehmer aus Reutlingen, musste sich schon vor seine Mitarbeiter stellen und sagen: "Wir haben eine Arbeitskapazität von 2500 Stunden in der Woche, aber nur noch Aufträge für 1000 Stunden." Die Kollegen schluckten, als er Entlassungen verkündete. "Auf der Betriebsversammlung war es totenstill. Keine Wut. Jeder weiß, wie es der Firma geht", berichtet Mez. Alles scheint auf einmal in Gefahr. Der Job und das Geld sowieso. Die Vermögensberaterin Jutta von Bargen von der Hamburger Volksbank fühlt sich in Kundengesprächen manchmal wie eine Seelsorgerin: "Wir müssen Trost spenden."

      Ein Muster ist schwer zu erkennen

      Es ist leicht, Menschen zu finden, die ganz konkrete Einbußen erleiden. Nur ein Muster ist schwer zu erkennen; irgendeine Gesetzmäßigkeit, die dabei helfen könnte, das Dickicht der Nachrichten und Schicksale zu durchdringen. Wen wird es treffen? Wer wird davonkommen? Und wie schlimm ist es wirklich? Genau weiß das niemand. Aber an ganz unterschiedlichen Stellen in Deutschland wird gedacht und gemessen, werden Prognosen erstellt und Strategien entworfen. Der beste Überblick scheint sich aus gehörigem Abstand zu den Aufgeregtheiten in den Ministerien und Banktürmen zu ergeben. Zum Beispiel in Kiel, wo der amerikanische Wirtschaftsprofessor Dennis Snower in einem Büro mit Blick auf die Förde sitzt und Sätze sagt, die so düster sind wie die Wolken über dem Wasser. "Die Menschen haben die Dimension der Krise noch nicht begriffen", glaubt der Präsident des renommierten Instituts für Weltwirtschaft.

      Dann zählt er auf, was passiert und droht und wozu es noch kommen könnte. Alle Finger beider Hände braucht er dazu. Die Energieversorgung sei komplett ungesichert; die Iraner würden sich einen so niedrigen Ölpreis nicht lange gefallen lassen. "Sie haben jeden Anreiz und die Möglichkeit, die Weltwirtschaft zu destabilisieren." Dann die Osteuropäer. Sie stünden vor furchtbaren Belastungen, von denen auch wir im Westen einiges tragen müssten. Das Klima sei ein Riesenproblem, das nicht verschwinde, nur weil es andere Nachrichten gibt. In Russland und China drohten Unruhen wenn die Menschen dort wegen der Krise die Hoffnung auf ein wenig mehr Wohlstand verlören. Schließlich, zuerst und zuletzt: die Banken, das Finanzsystem, samt aller Schatten- und Nebenbanken.

      Kein Plan für den Neuaufbau

      Dort, sagt Snower, kokelt der Schwelbrand, der nicht gelöscht ist und jederzeit wieder aufflackern kann. "Je länger ein Gebäude brennt, desto schwerer ist der Schaden zu beheben. Derzeit pumpen wir unglaubliche Mengen Geld hinein, aber es brennt noch immer." Das macht ihn wütend: "So viel Geld. Fast ohne Bedingungen. Da werden die Historiker fragen, wie das möglich war." 500 Kilometer weiter südwestlich sieht der Psychologe Jens Lönneker solche Prognosen mit einem Schuss kölscher Gelassenheit. Lönnekers Rheingold-Institut hat mehrere Hundert Menschen intensiv zu den Folgen der Krise befragt. In winzigen Zimmerchen hocken die Untersuchungsobjekte ihren Befragern auf blauen Stühlen gegenüber. Eine Kamera ist fest installiert, die Grünpflanzen gucken traurig. "Der Arbeitscharakter ist gewollt", sagt Lönneker zu den Interviewstübchen.

      Mit allen Finessen aus mehr als 20 Jahren Erfahrung kitzelt Rheingold Sorgen und Wünsche aus den Menschen heraus. Vor allem eines hören die Rheingold-Leute immer wieder: Von Professor Snower und seinen Kollegen wollen die Leute nichts mehr wissen. Ihr Bedarf an Horrorszenarien ist gedeckt. "Die Sehnsucht nach Rettung und Sicherheit ist groß", sagt Lönneker. Für Politiker ist das nicht leicht. Wenn sie unangenehme Wahrheiten verkünden, gefährden sie ihre Wiederwahl. Eine Stimmung "zwischen Normalitätsbeschwörung und Schockstarre" hat Lönnekers Kollege Stephan Grünewald in der Bevölkerung ausgemacht. Anders als der 11. September 2001 mit seinen furchtbaren Terroranschlägen sei die jetzige Krise schwer fassbar. Einstürzende Türme liegen irgendwann am Boden. Dann kann man wieder aufbauen. Aber jetzt stürzt offenbar etwas ein, das viel schwerer wieder aufzurichten ist. Und für dessen Neuaufbau es keinen Plan gibt.

      "Das ist eine Zäsur"

      Alte Vorstellungen davon, wie das Leben zu funktionieren habe, stoßen an Grenzen. Seit der Zeit der Studentenbewegung - 40 Jahre ist das her - sind die Freiräume für den Einzelnen gewachsen. "Jetzt merkt man", so Lönneker "dass das auch Kehrseiten hat." Der Ausgang aus dem selbst ausgedünsteten Muff habe eben auch zu Habgier und Egoismus geführt, und zwar nicht nur bei den Bankern, sondern bei uns allen. Die Menschen wollten Individualität und persönliches Wohlergehen, jedoch ohne die Risiken des entfesselten Glücksstrebens zu tragen, die jetzt so offensichtlich werden. "Das ist eine Zäsur." Ganz am Anfang seiner Karriere hat der Rheingold-Geschäftsführer eine Banklehre gemacht. Auch aus vielen Projekten kennt er die Geldmenschen. Wirklich böse spricht er nicht über sie. Sie hätten halt in einer Kultur gelebt, in der beschimpft wurde, wer keine Traumrenditen erzielte, und belohnt, wer das Risiko umarmte. "Das Irre ist, dass, wenn sich das ganze Getriebe in eine Richtung dreht, ich wenig dagegen machen kann, selbst wenn ich der Chef bin."

      Wer nicht mitgemacht habe, sei aussortiert worden. Jetzt seien alle geschockt, dass der Markt eben doch nicht auf sich selbst aufpassen könne. Lönneker erinnert das an die Lage in der DDR in den Wendemonaten. Da hätten die alten Politbürokraten immer gesagt, wie schlimm es im Kapitalismus kommen könne. Keiner habe ihnen geglaubt - und als dann wirklich massenhaft die Arbeitsplätze verschwanden, sei das Staunen groß gewesen. Noch ist es nicht so weit. Noch immer ist die Beschäftigung in der Bundesrepublik höher als in den vergangenen Jahren. Nie wurde in Deutschland so viel gearbeitet wie 2008. Auch der Konsum hat nicht so gelitten, wie es zu erwarten war. Als geradezu trotzigen "Tanz auf dem Vulkan" beschreibt Grünewald die Entschlossenheit, mit der die Deutschen zu Weihnachten ihre Liebsten beschenkt haben.

      GfK-Managerin Claudia Gaspar nennt drei Gruppen von Haushalten: die krisengefährdeten mit immerhin 18,7 Millionen Menschen. Bei ihnen machten sich Ohnmachtsgefühle breit, und beim Einkaufen komme es nur noch auf den Preis an. Dann eine große Gruppe von knapp 30 Millionen Bürgern, die in angespannten finanziellen Verhältnissen leben. "Die werden eher konventionelle statt Bioprodukte kaufen. Sie versuchen, mit ihrem Geld cleverer umzugehen." Und dann gibt es noch 18 Millionen Haushalte in Deutschland mit rund 34 Millionen Menschen, denen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht viel anhaben können. "Denen geht es gut, und das wird wohl auch so bleiben." Erst ab Herbst erwartet die GfK, dass steigende Arbeitslosigkeit den Konsum drückt. Wobei die Angst um den Job ebenso auf der Stimmung lastet wie der tatsächliche Verlust. "Jeder zusätzliche Arbeitslose löst bei drei weiteren Arbeitnehmern Sorgen aus", sagt Gaspar.

      Warnung vor dem großen Knall

      Viel deutet darauf hin, dass das deutsche Sozialsystem die Krise erst mal abgebremst hat. Vor allem die Kurzarbeit schützt vor raschen und massenhaften Kündigungen, wie sie aus den USA gemeldet werden. "Es geht langsamer in die Krise hinein als anderswo", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Snower. "Aber auch langsamer wieder hinaus." Die Zahlen, die die Statistiker fast täglich verkünden, lassen befürchten, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht. Der Export lag im Januar über 20 Prozent unter dem Vorjahr. Kaum ein Land wird vom Austrocknen der Handelsströme so getroffen wie Deutschland, denn bei uns wird fast jeder zweite Euro mit Ausfuhren verdient. Da überrascht es nicht, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar so tief rutschte wie nie zuvor in diesem Jahrzehnt. Bei den deutschen Maschinenbauern wurde zu Jahresbeginn rund 40 Prozent weniger bestellt als noch Anfang 2008. Konjunktur scheinen nur noch Propheten des Untergangs zu haben.

      Selbst von Natur aus optimistische Menschen wie Anton F. Börner, der Präsident des Groß- und Außenhandelverbandes, warnen inzwischen vor dem ganz großen Knall. Börner hockt im Foyer des feinen "Frankfurter Hofes" zwischen den glitzernden Prachtbauten der Banken. Gegenüber liegt der Commerzbank-Tower mit seinen fantastischen Gärten in der Mittagssonne. Börner hat dort gleich einen Termin. Er kämpft darum, dass den Händlern nicht die Kredite aufgekündigt werden. Das würde sie zwingen, Vorkasse von Handwerkern zu verlangen, die aber erst zahlen können, wenn ihre Kunden gezahlt haben. Eigentlich, sagt Börner, seien die Probleme lösbar. Aber die Sache mit dem Kredit dürfe nicht schiefgehen. Dann gehe alles den Bach runter. Im Sommer könne es ganz eng werden. "Wir sitzen in einem Jumbo und wissen nicht, wo er hinfliegt", sagt der Verbandspräsident. Von der Wand schaut eine Nackte aus einem Gemälde des Barockmalers Nicolas Pierre Loir; es ist wie ein Gruß aus einer Zeit, in der schon einmal der Absturz so allgegenwärtig war wie die Gier.

      Klagen auf sehr hohem Niveau

      Vor Börners Earl-Grey-Tee stehen vier Silberdöschen. Je eines für weißen Zucker, braunen Zucker, Kandis und Süßstoff. Mangel sieht anders aus. Verglichen mit dem Desaster in Osteuropa oder den Einbrüchen in den USA könnte man sagen, wir klagen auf sehr hohem Niveau. Aber eines scheint trotzdem klar: Der Einbruch ist weit mehr als nur eine kleine Delle im immerwährenden Aufwärtstrend der Wirtschaft. Die Trendwende, lange für das zweite Halbjahr 2009 erwartet, könnte deutlich länger auf sich warten lassen. Und wie soll es dann weitergehen? Sollen die Banker wieder Höchstrenditen anstreben, weil Risiko doch schließlich Teil ihres Geschäfts ist? Geht das Rennen um die höchsten Aktienkurse, die fettesten Dividenden und die kühnsten Manager dann wieder von vorn los, als wäre nichts gewesen?

      Lange war die Antwort darauf klar: natürlich. Nur so kann Wohlstand geschaffen werden. Unser ganzes System beruht darauf, dass jeder seinen eigenen Vorteil sucht. Das Ganze wurde dann mit viel mathematischem Aufwand untersucht, und heraus kamen Prognosen, die - wie heute erkennbar - nichts mit dieser Welt zu tun hatten. Auch dass die Staaten sich auf Generationen verschulden, um die Folgen der Gier einzudämmen, war in den Modellen nicht vorgesehen. Vielleicht ist es ja falsch, Antworten bei den Wirtschaftswissenschaftlern zu suchen. Vielleicht ist es an der Zeit, bei den Philosophen nachzufragen. Bei einem Männlein mit schütterem Haar und wachem Blick wie dem Münchner Jesuiten Michael Bordt. Er ist der Rektor der Hochschule für Philosophie, vor seinem Büro hängen großformatige Schwarz-Weiß-Bilder der streng dreinblickenden Vorgänger. Er wartet schon darauf, eines Tages auch hier zu hängen. Nicht wegen der Ehre, sondern wegen der Ruhe. Wenn es so weit sein wird, terrorisiert ihn kein Handy mehr, kommen weniger E-Mails, und er hat wieder mehr Zeit zum Nachdenken. Der Verzicht auf Status kann eben auch eine Chance sein, glücklicher zu leben.

      Worauf es in der Krise ankommt

      In einem schmalen Büchlein* hat Bordt aufgeschrieben, worauf es in der Krise ankommt. Vor allem solle man sich klar werden, was wirklich zu einem gelungenen und geglückten Leben zählt. Geld, schnelle Autos, beruflicher Erfolg und permanente Kampfbereitschaft gehören für Bordt nicht unbedingt dazu. Der Jesuit rät zu Gelassenheit, tiefen Freundschaften, sinnvoller Tätigkeit, ausreichend Schlaf und einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper. "Vieles von dem, was wir gemacht haben, war Mist", sagt er. "Das müssen wir uns eingestehen und die Konsequenzen daraus ziehen - als Gesellschaft und für jeden Einzelnen." Klingt wie Kirchentagsmusik, die jeder mitsingen kann. Aber so selbstverständlich ist es nicht: Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, kündigt schon wieder - als sei nichts gewesen - Eigenkapitalrenditen von über 20 Prozent an.

      Quelle: http://www.stern.de/
      2 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 11:00:15
      Beitrag Nr. 2.604 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.383 von kiska am 28.03.09 06:24:07Guten Morgen kiska,
      wie unhöflich von mir! ;)

      Dazu habe ich gestern folgendes reingestellt ...

      Kassensturz auf dem Dorf
      #2579 von Maraho am 27.03.09 um 20:12:34 Beitrag Nr.: 36.869.101 auf Seite 258!

      Euch einen schönen Tag!
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 12:13:35
      Beitrag Nr. 2.605 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.745.841 von kiska am 11.03.09 14:59:09In Anlehnung ...

      Schuldenfalle
      Verbraucherministerin geißelt neue Kreditkarten


      "Wer nicht aufpasst, steckt schnell in der Schuldenfalle." Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner warnt die Bevölkerung eindringlich vor einer neuen Art von Kreditkarten, die mit der so genannten Abstotterfunktion ausgestattet sind. Bankkunden könnten durch das Plastikgeld schnell in die Schuldenfalle tappen.

      „Ich warne alle Verbraucher vor diesen neuen Kreditkarten. Wer nicht aufpasst, landet schnell in der Schuldenfalle“, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) der „Bild am Sonntag“. Bei der sogenannten Revolving-Kreditkarte kann der Kunde die Beträge in Raten zurückzahlen. Nur ein Teil wird sofort beglichen, für den Rest fallen in aller Regel hohe Zinsen an.

      Die Ministerin fürchtet, dass viele Kunden den Überblick über ihre Ausgaben verlieren könnten. „Die Abrechung ist für den Verbraucher nicht transparent und unübersichtlich.“ Auch Verbraucherschützer sind skeptisch.

      „Für die Banken sind die neuen Kreditkarten ein ideales Produkt, um Geld möglichst teuer zu verleihen“, sagte Niels Nauhauser, Bankenexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dem Blatt.

      Einer neuen Studie zufolge wird Einkaufen im Internet immer beliebter. In der Europäischen Union kauften im vergangenen Jahr 32 Prozent der Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren mindestens einmal online Waren oder Dienstleistungen, wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte. Im Vorjahr waren es noch 30 Prozent, 2006 waren es 26 Prozent und 2004 lediglich 20 Prozent.

      Spitzenreiter unter den Online-Shoppern ist die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen: Von ihnen kauften der Statistik zufolge im vergangenen Jahr 47 Prozent etwas im Internet. Bei den 16- bis 24-Jährigen waren es 41 Prozent und bei den 35- bis 44-Jährigen noch 40 Prozent. In den höheren Altersgruppen sei das Einkaufen im Internet weniger verbreitet, hieß es.

      Quelle: http://www.welt.de/finanzen/article3459614/Verbraucherminist…
      333 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 12:54:04
      Beitrag Nr. 2.606 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.871.146 von Maraho am 28.03.09 12:13:35Ein Text hierzu ...

      Deutsche Banken pumpen Kreditkartenblase auf
      Institute ermöglichen "Leben auf Pump" nach US-Vorbild


      Frankfurt/München (pte/10.03.2009/11:55) - Deutsche Banken haben in dem faulen Kreditkartensystem US-amerikanischer wie auch britischer Institute ein gefährliches Vorbild gefunden. So werden Kreditkarten mit Teilzahlungsfunktion, sogenannte "Revolving-Karten", immer häufiger vergeben. Verbrauchern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, monatlich lediglich einen Teilbetrag ihrer Verbindlichkeiten zu begleichen, während sich der Schuldenberg durch die teils hohe Zinslast und neue Belastungen weiter auftürmen kann. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat Bayerns Verbraucherschutzministerin Beate Merk vor dem System eindringlich gewarnt. In den USA und Großbritannien hat sich durch das "Leben auf Pump" bereits eine Schuldenblase aufgebläht, die Experten zufolge zu platzen droht (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/081115011/). Dennoch will die Bundesregierung den weiteren Vorstoß der umstrittenen Kreditkarten per Gesetzentwurf trotz des Aufschreis der Verbraucherschützer ermöglichen.

      "Es besteht akute Gefahr, wenn der Gesetzgeber nicht aufpasst", warnt Frank-Christian Pauli, Referent Banken beim Verbraucherzentrale Bundesverband http://www.vzbv.de, im Gespräch mit pressetext. Dem Fachmann zufolge können die Revolving-Karten eine Kreditkartenblase wie jene in den USA erzeugen. Die bisher weiter verbreiteten "Charge"- oder "Debit"-Karten dienen ausschließlich als Zahlungskarten, deren angefallene Schulden meist gegen Ende eines Monats bzw. einer Frist von rund sechs Wochen über das Giro-Konto vollständig getilgt werden. "Dagegen ist die Revolving-Karte als echte Kreditkarte, über die tatsächlich Darlehen vergeben werden, stark im Kommen. Ihre Teilzahlungsfunktion wird von den Instituten massiv beworben", meint Pauli. Kunden der Postbank können etwa wählen, ob sie monatlich fünf, zehn, 20 oder 50 Prozent des angesammelten Schuldenbetrags begleichen wollen, während sich der Rest plus Zinsen auf dem Revolving-Konto staut.

      Verschiedene Banken wie die Advanzia Bank bieten die Karten ohne jährliche Gebühr an. Allerdings sind Zinsen von bis zu 20 Prozent unter den Anbietern nicht unüblich. Nach den Verbraucherschützern regt die Teilzahlungsfunktion zum Einkauf an. Werden die Verbindlichkeiten nicht beglichen, verdienen die Banken an den anfallenden Zinsen. Den Konsumenten droht hingegen eine Schuldenfalle. "Traditionelle Kreditkarten und Revolving-Karten müssen klar voneinander getrennt werden", fordert Pauli gegenüber pressetext. Erstere würden eine deutlich höhere Transparenz bieten.

      Nach einem aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung im Zuge der Reform des Zahlungsdienstrechts können künftig nicht nur Banken, sondern auch andere Zahlungsdienstleister Revolving-Karten anbieten, ohne eine Banklizenz zu benötigen oder der Bankenaufsicht zu unterstehen. Während die Karten ohnehin bereits "fast alle großen deutschen Geldhäuser im Angebot haben", drohe ihre Anzahl dadurch sprunghaft anzusteigen. Zwar ist Konjunkturexperten zufolge ein mit den USA vergleichbares Szenario hierzulande eher unwahrscheinlich, da Konsumentenkredite insgesamt rückläufig sind (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/081020022/). Angesichts des Gesetzentwurfs seien jedoch Szenarien nach US-Vorbild denkbar, wo Verbraucher in vielen Fällen gleich mehrere Revolving-Karten parallel verwenden und mit Schulden beladen. Bleiben die Zahlungen zum Schuldenabbau aus und nehmen die Ausfälle etwa wegen der steigenden Arbeitslosigkeit überhand, droht die Blase zu platzen.

      Quelle: pressetext.deutschland
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 13:43:42
      Beitrag Nr. 2.607 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.747.223 von Maraho am 11.03.09 17:22:35Hier etwas zu den Rating-Agenturen ...

      Schlechte Noten für Moody's und Co.
      Politiker wollen Ratingagenturen stärker kontrollieren
      Von Christoph Birnbaum

      Sollte ein bankrottes Land wie Island am internationalen Geldmarkt wieder Kredit bekommen? Wie ist es um Lettland, Ungarn, Rumänien oder die Ukraine bestellt? Darüber entscheiden Ratingagenturen in Bonitätsprüfungen. Ratingagenturen waren es aber auch, die mit ihren Unbedenklichkeitssiegeln für faule Kredite und Finanzprodukte eine verhängnisvolle Rolle bei der Entstehung der Finanzkrise gespielt haben. Das soll sich nicht wiederholen.

      Thomas Friedman, der bekannte Buchautor und Kolumnist der "New York Times", hat vor etlicher Zeit einmal die Frage gestellt: Wie viele Supermächte gibt es auf der Welt? Damals war die Sowjetunion bereits auseinandergebrochen, Europa war - wie immer - zerstritten und China mehrheitlich mit sich selbst und vielleicht noch Taiwan beschäftigt. Was bis heute blieb sind - natürlich - die USA. Natürlich? Falsch, meint Friedman: Die USA - und Ratingagenturen wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch Rating.

      "Die USA kann dich mit Bomben zerstören, und Moody's kann dich zerstören, indem es deine Anleihen runterstuft. Und, glaub mir, es ist nicht immer klar, wer mehr Macht besitzt",

      lästerte Friedman damals - lange bevor jemand ahnte, was mit der Finanzkrise heute über die ganze Welt gekommen ist. Lag Friedman aber wirklich so falsch? Auf dem Weltwirtschaftsgipfel der G-20-Länder Anfang April in London sollen mit der Regulierung und Neuordnung der internationalen Finanzmärkte auch die großen, global operierenden Ratingagenturen verstärkt unter staatliche Aufsicht und Kontrolle gestellt werden. Endlich, so scheint es, holt die Politik das nach, was sie jahrzehntelang versäumt hat.

      Dabei entscheiden Bonitätsprüfungen von Ratingagenturen heute wieder darüber, ob ein bankrottes Land wie Island auf absehbare Zukunft am internationalen Geldmarkt Kredit bekommt. Lettland, Ungarn und Rumänien geht es nicht viel besser. Von der Ukraine ganz zu schweigen. In all diesen Fällen haben Ratingagenturen über ganze Staaten und Volkswirtschaften den Daumen gesenkt - die gleichen Ratingagenturen, die den vielen faulen Krediten amerikanischer Hausbesitzer ihr Unbedenklichkeitssiegel aufdrückten, die Hypotheken anschließend bündelten und teilten - im Finanzjargon: "verbrieften" - um daraus sogenannte "strukturierte" Wertpapiere zu machen, die weltweit in Umlauf gebracht wurden.

      Das Urteil von Praktikern und Wissenschaftlern über die fatale Rolle der Ratingagenturen in der Finanzkrise ist deshalb auch vernichtend:

      "Sie haben eine ganz wichtige Rolle gespielt, ihre Einschätzungen zu den strukturierten Produkten waren ausschlaggebend dafür, mit welchen Werten, mit welchen Risikoeinstellungen die in den Bankbilanzen vorkamen - und die waren viel zu optimistisch. Die Ratingagenturen verweisen jetzt darauf, dass sie nur die echten Ausfallrisiken geratet haben und keine Liquiditätsrisiken. Also, sie versuchen sich jetzt ein wenig herauszureden, aber ich glaube, intern wissen sie auch, dass ihre Modelle nicht adäquat waren",

      meint etwa der Finanzmarktexperte des "Instituts der deutschen Wirtschaft" in Köln, Manfred Jäger, Und er bekommt Unterstützung und Zustimmung von einem Praktiker wie Michael Munsch, Vorstand der "Creditreform Rating Agentur" in Neuss:

      "Hier muss man ganz klar sehen, dass die Krise wurde mit ausgelöst durch Finanzierungsportfolios oder Finanzierungsprogramme mit nachrangig besicherten Immobilien-Portfolien, die aus heutiger Sicht ein deutlich zu gutes Rating hatten, und damit wurden den Marktteilnehmern Kaufsignale gegeben, die aus heutiger Sicht dann eben nicht richtig waren, und insofern haben Ratingagenturen mit dazu beigetragen, das die Krise entstanden ist."

      Professor Thomas Hartmann-Wendels, Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität Köln, sieht hingegen noch einen anderen Grund dafür, dass Ratingagenturen eine so verhängnisvolle Rolle spielen konnten:

      "Die Ratingagenturen haben eine enorme Bedeutung bekommen, weil auf organisierten Finanzmärkten kein Handel mehr möglich ist ohne ein Ratingurteil. Und je mehr gehandelt wird an Finanztiteln, desto bedeutsamer sind die Ratingagenturen. Und das hat eben auch in der Finanzkrise jetzt sehr schwerwiegende Konsequenzen gehabt. Insbesondere bei den Ratings der Verbriefungstransaktionen haben wir festgestellt, dass die Ratingurteile nicht vergleichbar sind mit den Ratingurteilen von ganzen Unternehmen oder ganzen Banken."

      Denn der Stoff, aus dem die Träume von Managern sind, hat drei Buchstaben: A-A-A. Dieses "Triple A" ist die Bestnote, mit der Unternehmen oder andere große Schuldner von Ratingagenturen ausgezeichnet werden können. "Triple A" entspricht quasi 15 Punkten in der Abi-Prüfung oder einer "1+" in der Klassenarbeit. Freilich bezieht sich ein Rating nicht auf schulische Leistungen, sondern auf die Fähigkeit eines Schuldners, seine finanziellen Verpflichtungen pünktlich zu erfüllen.

      Ein AAA ("außergewöhnlich gut") - oder auch ein AA ("sehr gut"), ein A ("gut") oder zumindest ein BBB ("angemessen") - ist so am Ende bare Münze wert. Denn wann immer sich Unternehmen Geld am Anleihemarkt leihen wollen, orientieren sich die Investoren an Ratings. Ein Konzern, der ohne Zeugnis um Kredit bittet, kann sich die Anstrengungen im Grunde heute eigentlich sparen, denn die Beurteilung bestimmt, wie gut sich ein Wertpapier an den Finanzmärkten verkaufen lässt.

      Doch gerade auf dem Verbriefungsmarkt für Immobilienkredite basierten die Daten der Agenturen offenkundig auf Schönwettermodellen; sie taugten nicht für die große Immobilienblase, die den Ausgangspunkt für die heutige weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise bildete. Dabei hatte sich gerade das Verbriefungsgeschäft für Ratingagenturen, also das weltweite Handeln von Hypotheken-Schuldverschreibungen, in den letzten Jahren zu einem lukrativen Geschäft entwickelt.

      Weltweit wird es faktisch von einem multinationalen Triumvirat beherrscht: den beiden US-Giganten Moody's sowie Standard & Poor's (S&P). Die britisch-französische Agentur Fitch rangiert deutlich dahinter. Jede der großen drei bewertet ständig die Bonität von Tausenden von Unternehmen, darunter Banken, Versicherungen und Investmentfonds, erteilt laufend Noten für Zehntausende von Wertpapieren wie Anleihen, Aktien, Staatspapiere sowie Derivate und eben "strukturierte Finanzprodukte".

      Bei den drei weltweit tätigen Agenturen handelt es sich allerdings nicht um irgendeinen halbstaatlichen Finanz-TÜV, oder eine "Stiftung Warentest" für Finanzdienstleistungen, sondern um Firmen in Privatbesitz. Wann immer sie urteilten - sie urteilten im Auftrag ihrer Auftraggeber: Investoren und Emittenten.

      Moody's wird an der Börse notiert, S&P gehört zum Medienkonzern McGraw-Hill, bei Fitch hat der französische Dienstleister Fimalac das Sagen. Sie teilen rund 90 Prozent des Markts unter sich auf. Moody's, mit über 40 Prozent Marktanteil, machte 2002 über 33 Prozent ihres Milliardenumsatzes mit Bewertungen von "strukturierten Finanzprodukten". Darunter fielen jene faulen Immobilienkredite, die zu neuen Wertpapieren zusammengefasst, gebündelt, d.h. "verbrieft" wurden. 2006 waren es schon über 44 Prozent. Die Zahlen für Standard & Poor's sind ähnlich eindrucksvoll: Kein Geschäft der Firma ist so rasant gewachsen wie die Bewertung von Hypothekenkrediten. Fitch, mit 15 Prozent Marktanteil die kleinste der drei Großen, machte im letzten Jahr über 50 Prozent ihres Umsatzes mit der Bewertung solcher Papiere.

      Doch seit der Finanzkrise ist der äußerst lukrative Markt für "verbriefte", "strukturierte" Kreditprodukte - besonders auf dem Immobiliensektor - zum Erliegen gekommen - zumindest für die nächsten Jahre. Aber auch auf dem ureigensten Gebiet - der Bewertungen von Unternehmen - haben sich Ratingagenturen in der jüngsten Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert:

      Im Jahr 2000 meldete das im badischen Ettlingen ansässige Unternehmen Flowtex Konkurs an. Es war der bis dahin größte Wirtschaftsbetrug in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Ratingagenturen hatten - genauso wie Banken und Wirtschaftsprüfer - das Schneeballsystem der Flowtex-Manager nicht durchschaut.

      2001 ging der texanische Energiegigant Enron - "The World's Greatest Company" (die beste Firma der Welt) wegen massiver Bilanzfälschungen pleite. 20.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Ratingagenturen wussten bis zuletzt nicht, wie es um Enron wirklich stand. Noch vier Tage, bevor der Konzern seine Insolvenz erklärte, bescheinigten ihm Standard & Poor's und Moody's eine ausgezeichnete Bonität.

      2002 meldete der Telefonriese Worldcom der amerikanischen Börsenaufsicht, dass er zahlungsunfähig ist und löst einen der bis dahin größten Börsenskandale aus. Den Ratingagenturen war bis zuletzt entgangen, wie es um das Unternehmen aus Virginia wirklich stand.

      2003 meldete der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat, der zu den größten Molkereinunternehmen in Europa zählte, Insolvenz an. Auch hier waren Bilanzbetrügereien ausschlaggebend dafür, dass auch die Ratingagenturen bis zum Schluss nichts ahnten.

      Alle diese Fälle stehen für Fehleinschätzungen - nicht ausschließlich und nicht in erster Linie von Ratingagenturen. Aber sie können sich eben auch nicht dadurch freisprechen, dass andere vor ihnen die Fehlentwicklungen in den Unternehmen nicht entdeckt hätten.

      Ratingagenturen haben nun einmal für den Kapitalmarkt eine gewisse Frühwarnfunktion. Und weder haben die Agenturen in diesen Fällen eine überlegene Einsicht in einzelne Unternehmen bewiesen noch in das undurchdringliche Dickicht der Märkte - trotz ihrer vermeintlichen Objektivität, trotz der "mathematischen Methoden" und der analytischen Kompetenz, der sie sich rühmen. Nach wie vor behandeln Ratingagenturen ihre Bewertungsmethoden als Geschäftsgeheimnis. Niemand weiß, welche Rolle bloße Meinungen, Wohlwollen und Bauchgefühl dabei spielen. Für den Ratingexperten Oliver Everling steht deshalb fest:

      "Bei Parmalat, Worldcom auch bei Flowtex in Deutschland, überall wo damals Investmentgrade-Ratings verteilt wurden - also Ratings in Anlagequalität - war die tiefere Ursache das Versagen von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, von Wirtschaftsprüfern, die Testate gegeben hatten, auf deren Basis dann die Ratingagenturen wiederum mit dem Material aus den Jahresabschlüssen arbeiteten, sie also getäuscht wurden von dem Zahlenmaterial, was ihnen an die Hand gegeben worden ist. Dies kann man nun in der Krise seit 2007 nicht mehr behaupten. Hier haben die Ratingagenturen auf Basis testierter richtiger Daten geurteilt - aber eben, sie sind zu den falschen Schlussfolgerungen gekommen."

      Das alles wirft kein gutes Licht auf eine ganze Branche. Und doch sieht ein Experte wie Manfred Jäger vom "Institut der deutschen Wirtschaft" die ursächlichen Fehler nicht so sehr bei den Ratingunternehmen selbst, sondern bei der Politik - den Regulatoren - die Ratingagenturen erst das ermöglicht hätten, was ihnen heute zum Vorwurf gemacht wird:

      "Dadurch, dass man die Ratingagenturen so wichtig gemacht hat und ihnen so viel zugetraut hat, hat man den anonymen Finanzmarkt gestärkt, also den Prozess, dass Forderungen aus den Bankbilanzen auf den Markt gegeben werden, dort den Stempel der Ratingagenturen bekommen und dann handelbar sind."

      Und das weltweit! Denn das zeichnet die derzeitige Finanzkrise ja gerade aus: Die Globalisierung der Finanzmärkte hat in kürzester Zeit eine Bank nach der anderen wie Dominosteine in sich zusammenstürzen lassen und in mehr oder minder große, Existenz bedrohende Schwierigkeiten gebracht. Und die Ratingagenturen - sie haben, wie im Fall von Lehman-Brothers - noch bis kurz vor Schließung der Bank im September letzten Jahres nichts geahnt, nichts gesehen und nichts gewusst - erst recht nicht, was die Folgen und Weiterungen einer Bankpleite für die weltweiten Finanzmärkte bedeuten würde.

      In keiner einzigen Finanzkrise der letzten Jahrzehnte haben die Agenturen je eine zutreffende Prognose gegeben oder ihre Bewertungen rechtzeitig korrigiert. Wenn sie es taten, war die Krise schon da, und ihre verspäteten Aktionen haben nur den Kursverfall beschleunigt und die Panik der Anleger angeheizt. Für Manfred Jäger vom "Institut der deutschen Wirtschaft" in Köln steht deshalb fest:

      "Ich glaube, wir haben die Möglichkeiten der Ratingagenturen überschätzt - und damit meine ich die Gesetzgeber, die Wissenschaftler und die Marktteilnehmer, weil es so bequem war. Wir konnten halt sagen: Da steht "A-A-A" drauf, und das wurde dann auch von dem Regulator akzeptiert, und damit war das sicher. Wir haben nicht mehr durchschauen müssen auf die eigentlichen Sicherheiten, die dahinter stecken."

      Haben wir also mit den Verbriefungen von faulen Immobilienkrediten - mit den kunstvoll aufgeteilten und wieder verschnürten und anschließend noch einmal gebündelten "strukturierten" mehrfach verbrieften Wertpapieren, die von einer Bank zur nächsten quer über den Globus weitergereicht wurden, eine Art finanzmarkttechnischen "Homunkulus" geschaffen, ein Teufelswerk von Faustischen Ausmaßen, das am Ende niemand mehr beherrschen konnte? Haben die Finanzmathematiker und Ratingspezialisten in den Agenturen zu hoch gepokert? Sind sie zu viele Risiken bedenkenlos eingegangen? Professor Thomas Hartmann-Wendels:

      "Wir werden in den nächsten Jahren auch sehen, dass man die Handelbarkeit von bestimmten Risiken eben skeptischer beurteilen wird. Wir haben in den letzten Jahren eine Entwicklung gehabt, dass man glaubte, man könnte jegliche Risiken handeln durch Verbriefungs-Transaktionen. Das geht bei Kreditrisiken nicht so ohne weiteres, weil die Kreditrisiken schwer einschätzbar sind. Und da hat man gedacht, durch die Ratings könnte man dieses Problem auch elegant lösen. Und das hat sich als Trugschluss erwiesen. Und ich glaube, dass man in den nächsten Jahren vorsichtiger sein wird mit dem Handel von Kreditrisiken."

      Also: Ganz ohne Risiken wird es wohl auch nicht gehen. Für den Ratingspezialisten Oliver Everling ist das sogar eine ganz grundsätzliche Frage:

      "Wenn Sie sich vorstellen würden, eine Welt ohne Risiko, eine Welt, wo alles sicher wäre, dann gäbe es den größten Teil unseres Finanzsystems nicht, denn es geht im Finanzsystem vor allen Dingen auch um die Allokation, die Zuordnung von Risiken. Die Ratingagenturen stehen hier ganz im Mittelpunkt dieser Funktion, denn sie sind es, die die Risiken klassifizieren, zuordnen, die mit einem dreifach "A" zum Ausdruck bringen, dass sie der Meinung sind, dass eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Emittenten ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Das heißt, sie haben hier eine ganz zentrale Rolle. Es ist daher mehr als erstaunlich, dass der Gesetzgeber die Ratingagenturen über ein Jahrhundert hinweg ausgeklammert hat, alles andere hoch reguliert hat. Banken sind hoch regulierte Institutionen, aber Ratingagenturen aber eben überhaupt nicht."

      Das soll sich nun ändern. In den USA haben die oberste Börsenaufsicht SEC, die "Securities and Exchange Commission" sowie die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten Ohio und New York offizielle Untersuchungen eingeleitet. Die EU-Kommission ist sehr ungehalten und will zukünftig verhindern, dass Ratingagenturen gleichzeitig beraten und Produkte bewerten dürfen, der EU-Binnenmarktskommissar droht mit "Konsequenzen". Europäische Aufsichtsbehörden arbeiten an einem neuen Regelwerk für den europäischen Finanzmarkt. Sie wollen ein weltweit abgestimmtes Zertifizierungsverfahren, größere Transparenz und eine verstärkte Aufsicht. Etwa durch den Europäischen Ausschuss der Wertpapieraufseher. Bei dem sollen sich, nach dem Willen des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europäischen Parlaments, alle Ratingagenturen in Europa registrieren müssen.

      Kritiker wie Oliver Everling bemängeln, dass ausgerechnet die großen drei - Standard & Poor's, Moody's und Fitch - mit ihrer marktbeherrschenden Stellung sich dem Zertifizierungsverfahren, das z. Zt. zwischen der EU-Kommission und dem EU-Parlament in Brüssel diskutiert wird, nicht zu stellen brauchen. Sie sind bereits "gesetzt". Oliver Everling:

      "Das, was bisher in der Diskussion ist, ist absolut unzureichend, weil das, was die EU-Kommission bisher dazu vorgelegt hat, ist sehr stark von den angelsächsischen Interessen der US-Agenturen geprägt. Die US-Agenturen führen hier die Feder, obwohl es nach außen hin gar nicht so scheint, als ob sie eher reaktiv sind. Die Ratingagenturen beteiligen sich hier sehr geschickt an der Diskussion, indem sie jede Art von Öffentlichkeit vermeiden, sondern eben darauf Wert legen, hinter verschlossenen Türen zu beraten."

      Die Übermacht der "großen drei" färbt demnach auch auf den politischen Beratungs- und Entscheidungsprozess ab. Das wirft kein gutes Licht auf die vollmundigen Versprechen der Politik, die notwendigen Lehren aus der Subprime-Krise zu ziehen. Wird es also, auf der einen Seite, gelingen, den bisher nahezu unregulierten Markt der Ratingagenturen ausreichend zu regulieren, ihn transparenter zu machen und unter eine funktionstüchtige Aufsicht zu stellen? Auf der anderen Seite warnt ein Finanzmarktexperte wie Professor Thomas Hartmann-Wendels davor, alleine im Gedanken an mehr Wettbewerb einen Ausweg aus der Krise der zu sehen:

      "Wir brauchen mehr Alternativen an Ratingagenturen - ja. Aber Wettbewerb alleine wird es nicht richten können. Gerade bei Ratingagenturen kann der Wettbewerb auch verheerende Nebenwirkungen haben, nämlich wenn es zu einem Preiswettbewerb kommt. Beim Rating ist das Problem, dass wir die Qualität der Ratings nicht unmittelbar beobachten können. Nur über sehr lange Zeiträume kann man sich ein Urteil bilden, ob die Ratings zuverlässig sind oder nicht, und da kommt die Gefahr auf, dass bei einem Wettbewerb der Ratingagenturen untereinander es zu einem Preiswettbewerb käme, der dann zu Lasten der Qualität ginge."

      Doch noch mehr als die Politik drängt der Markt selbst darauf, dass Ratingagenturen die notwendigen Konsequenzen aus dem Desaster der vergangenen zwei Jahre ziehen. Michael Munsch von "Creditreform Rating" sieht hier die Bewegung aus einer ganz anderen Richtung auf die Agenturen zukommen - und es ist vielleicht nicht der schlechteste Druck, der sich da gegenüber den Ratingagenturen aufbaut:

      "Wir sehen, dass der Markt - und das sind nicht die Politiker oder Behörden -, sondern es sind die kapitalsuchenden Unternehmen sowie auch Investoren - einen Bedarf haben, dass Ratingagenturen überprüft werden. Das heißt nicht, dass der Ratingprozess überprüft werden soll. Ganz im Gegenteil. Der soll nach Marktkenntnis und bestem Wissen und Gewissen durchgeführt werden, sondern dass die Prozesse einer Ratingagentur intern von einem Dritten überprüft werden, ob diese Ratingagentur wirklich einen guten Stand hat, entsprechend Daten verarbeiten kann, gut ausgebildete Mitarbeiter hat, einen stabilen Ratingprozess hat, eine entsprechende Dokumentation vorweisen kann. Das ist dringend erforderlich."

      Mehr staatliche Regulierung wird also kommen, mehr Transparenz vom Markt gegenüber den Ratingagenturen eingefordert. Das ist gut und richtig und vor allem auch dringend nötig. Aber vielleicht ist eine ganz einfache Lehre aus der Finanzkrise dieser Wochen und Monate das, was das "Finance Stability Forum", der internationale Zusammenschluss der Finanzaufseher, als Quintessenz gefordert hat: Die Ratingagenturen selbst müssten von Investoren und kreditsuchenden Unternehmen in ihrer Bedeutung "heruntergestuft" werden. Man solle als Investor nicht mehr blindlings alles Vertrauen auf sie delegieren, argumentieren die Finanzaufseher wahrscheinlich nicht zu Unrecht. Denn auch für Profis in Banken und Versicherungen gilt: Kaufe nur, was du verstanden hast. Vor allem dann, wenn es um große Summen geht. Und wer spricht in diesen Tagen nicht von großen, milliardenschweren Summen.

      Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/940365…

      So, ich muß jetzt mal raus.
      Bis heute abend ...
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      Avatar
      schrieb am 28.03.09 19:26:47
      Beitrag Nr. 2.608 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.857.107 von Maraho am 26.03.09 18:18:10Guten Abend zusammen,
      etwas neues zur HRE ...


      KRISEN-BANK
      Bund beteiligt sich an Hypo Real Estate

      Es ist der schnellste Weg, dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer Kapital zukommen zu lassen: Der Bund beteiligt sich in einem ersten Schritt mit über acht Prozent an der Hypo Real Estate - plant aber, die "vollständige Kontrolle" der Bank zu übernehmen.


      Frankfurt am Main - Der Bund beteiligt sich am angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Group. Dazu werde der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin zunächst in einer Kapitalerhöhung für 60 Millionen Euro rund 20 Millionen HRE-Aktien zeichnen und danach einen Anteil von 8,7 Prozent halten, teilte die HRE am Samstag mit.

      Die Kapitalmaßnahme soll dabei nur ein erster Schritt für eine Komplettübernahme des durch die Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten geratenen Münchener Unternehmens sein: "Voraussetzung für die beabsichtigte Rekapitalisierung der Hypo Real Estate Group durch den Soffin ist der Erwerb der vollständigen Kontrolle durch den Soffin oder den Bund über die Hypo Real Estate Holding AG." Hierzu sei beabsichtigt, die Handlungsspielräume zu nutzen, die das derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren befindliche Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz eröffne.

      Bund und Banken mussten das Münchner Institut bereits im Herbst nach Fehlspekulationen der Tochter Depfa vor dem Aus bewahren. Mittlerweile hat die HRE 102 Milliarden Euro an Unterstützung erhalten - weitere Hilfen werden aber seit längerem vorbereitet. Die Eigenkapitalspritze wurde nötig, weil bei der HRE weitere Verluste erwartet werden.

      In den nächsten Tagen will das Institut seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr und das besonders harte vierte Quartal veröffentlichen. Analysten rechnen mit einem Verlust von knapp 1,9 Milliarden Euro im Schlussquartal und 4,8 Milliarden im Gesamtjahr. Die roten Zahlen dürften auf Abschreibungen, Verluste im Handel sowie eine hohe Risikovorsorge zurückgehen.

      Der Schritt hatte sich außerdem abgezeichnet, nachdem der US-Großaktionär der HRE, Christopher Flowers, am Freitag bekanntgegeben hatte, dass er seinen Sitz im Aufsichtsrat des Instituts aufgebe. Damit sollten Interessenkonflikte im Zusammenhang mit einer möglichen Verstaatlichung des Baufinanzierers vermieden werden. Der Bundestag hatte am 20. März grundsätzlich den Weg zur Verstaatlichung angeschlagener Banken frei gemacht.

      Flowers hat mehr als eine Milliarde Euro in die einst im Dax gelistete Krisenbank gesteckt und fast alles verloren. Nun will er seine Aktien behalten, an Bord bleiben und hofft auf bessere Zeiten nach dem Staatseinstieg. Er habe sein Engagement immer mittel- bis langfristig verstanden, hieß es einer Mitteilung.

      Das Banken-Enteignungsgesetz ist speziell auf die HRE zugeschnitten, die durch einen akuten Liquiditätsengpass der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa in eine Schieflage gerutscht war. Mittlerweile nimmt die HRE finanzielle Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro in Anspruch. Die Mittel kommen vom Bund und anderen Finanzfirmen.

      Nach der Beinahe-Pleite der Bank ermittelt auch die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz sowie gegen alle Ex-Vorstände der Bank, die zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren. Darunter ist auch Ex-HRE-Chef Georg Funke. Die Ermittler prüfen unter anderem den Verdacht der Marktmanipulation und Untreue.

      Anfang 2008 hatte die HRE unter dem damaligen Vorstandschef Funke nach monatelangen Beschwichtigungen völlig überraschend Abschreibungen über 390 Millionen Euro aufgrund der Finanzmarktkrise bekanntgegeben. In den vergangenen Monaten wurde der Vorstand der Bank komplett neu besetzt.

      Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,616087,00.html
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 19:30:33
      Beitrag Nr. 2.609 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.398 von Maraho am 28.03.09 06:59:27Etwas aus der "Gerüchteküche" ...

      Medienbericht
      Weltfinanzgipfel: 20 Millionen neue Stellen?

      Die führenden Industrie- und Schwellenländer wollen sich nach Angaben des Magazins "Der Spiegel" beim G20-Gipfel in London auf umfangreiche Konjunkturmaßnahmen verständigen. Insgesamt sollten die Konjunkturpakete einen Umfang von zwei Billionen Dollar (1,5 Billionen Euro) haben.


      HB HAMBURG/LONDON. So zitierte der "Spiegel" aus dem Entwurf des Abschlusskommuniqués der britischen Regierung. Der Impuls erhöhe das Wachstum um zwei Prozentpunkte und die Beschäftigung um 19 Mio. Arbeitsplätze.

      Den Entwurf versandte die britische Regierung vergangene Woche nach Angaben des Magazins in die Hauptstädte der Teilnehmerländer. Das Bundespresseamt in Berlin erklärte am Samstag, zu Entwürfen auf Arbeitsebene werde keine Stellung genommen.

      Nach Angaben des "Spiegels" will Großbritannien auch ein konkretes Wachstumsziel für die Weltwirtschaft am Jahresende 2010 in der Abschlusserklärung verankern. Eine Zahl soll bei den Abschlussverhandlungen eingesetzt werden. Mit Blick auf die Finanzmärkte solle die Regulierung ausgedehnt werden auf alle Finanzmärkte, Instrumente und Institutionen, einschließlich Hedgefonds. Auch wollten die G20-Staaten bis Ende des Jahres Richtlinien für die Entlohnung von Finanzmanagern auf den Weg bringen.

      Steueroasen und Länder, die sich bei der Umsetzung der Vorgaben nicht kooperativ zeigen, sollten zudem mit Sanktionen belegt werden. "Wir sind entschlossen, Wachstum wieder herzustellen, Protektionismus zu widerstehen und unsere Märkte und Institutionen für die Zukunft zu reformieren", zitierte das Magazin aus dem Londoner Entwurf. Der G20- Finanzgipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer findet am kommenden Donnerstag in London statt.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachricht…
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 19:34:24
      Beitrag Nr. 2.610 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.376 von Maraho am 28.03.09 06:03:55Etwas zu den heutigen Protesten ...

      G20-Gipfel
      Massendemonstration gegen Wirtschaftskrise

      Im Vorfeld des G-20-Gipfels in London haben am Samstag zehntausende Menschen in Europa gegen die Verursacher der Wirtschaftskrise und das Krisenmanagement der Regierungen protestiert. In Deutschland gingen in Berlin und Frankfurt nach Angaben der Veranstalter 55 000, nach Polizeiangaben 27 000 Menschen auf die Straße.


      HB FRANKFURT/MAIN. Auch in London und anderen Städten demonstrierten Zehntausende. Der DGB forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, auf dem Weltfinanzgipfel am 2. April strengere Regeln für die internationalen Märkte durchzusetzen.

      Die Veranstalter in Deutschland, das kapitalismuskritische Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise" aus Gewerkschaften, Attac, der Linken und den Grünen sowie Umweltverbänden sprachen von 30 000 Teilnehmer in Berlin und 25 000 in Frankfurt. Sie werteten die Proteste als "vollen Erfolg". Die Polizei sprach von etwa 15 000 Teilnehmern in Berlin und rund 12 000 in Frankfurt. Bernd Riexinger von ver.di sagte, der Streit um Zahlen sei müßig - wichtig sei das Ziel der Demonstration, der Auftakt zu einer Protestbewegung zu sein.

      Während die Demonstration in Frankfurt ruhig verlief - lediglich auf Linke-Chef Oskar Lafontaine wurden Eier geworfen - kam es in Berlin zu Randale. Polizeisprecher Michael Gassmann sprach von "kurzfristigen Auseinandersetzungen". Die Polizei habe gezielt Straftäter festgesetzt, die Flaschen und Böller geworfen und Sachbeschädigung begangen hätten. Damit habe man die Randale relativ schnell in den Griff bekommen. Wie viele Freiheitsentziehungen es gab, konnte er zunächst nicht abschließend sagen.

      In London schätzte die Polizei die Zahl der Demonstranten auf 35 000. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Entwicklungsorganisationen und religiösen Gruppierungen rief die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten auf, bei ihrem Gipfel einen demokratischen und transparenten Plan zur wirtschaftlichen Erholung vorzulegen. Für die kommenden Tage sind weitere Veranstaltungen angekündigt. In Paris demonstrierten 400 Menschen.

      In London findet am 2. April ein Nachfolgetreffen des ersten G-20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs im November 2008 in Washington statt, bei dem sich die Teilnehmer auf eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte verständigt hatten. Die EU hat für den Londoner Gipfel einen Forderungskatalog für eine lückenlose Überwachung der Finanzmärkte aufgestellt.

      DGB-Chef Michael Sommer sagte der "Wirtschaftswoche", er befürchte, dass es "bei bloßen Ankündigungen bleibt und viele Manager und Spekulanten glauben, sie könnten nach der Krise weitermachen wie vorher". Die Finanzmärkte müssten verbindlich und verpflichtend so strenge Regeln bekommen, dass jede Form von Casino-Kapitalismus unterbunden werde. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte im "Hamburger Abendblatt" eine strikte Kontrolle der Finanzmärkte.

      Der Direktor den UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, mahnte im Deutschlandradio Kultur einen globalen Ansatz an, der auch den Klimawandel im Auge haben müsse. Der Gipfel sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu den Kopenhagener Klimaschutzverhandlungen Ende des Jahres. Dabei geht es um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft.

      Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, Pascal Lamy, forderte in der "Wirtschaftswoche" ein entscheidendes Signal gegen Protektionismus und einen Durchbruch für die seit Jahren stockende Doha-Runde zur weiteren Liberalisierung des Welthandels.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/massendemo…
      29 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 19:42:38
      Beitrag Nr. 2.611 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.872.502 von Maraho am 28.03.09 19:34:24In Zusammenhang ...

      London vor dem Gipfel
      Nehmt ihnen ihren Porsche weg
      Von Gina Thomas


      Bloß keine Nadelstreifenanzüge, lautet im Vorfeld des mit tiefer Skepsis betrachteten Londoner G-20-Treffens die Weisung der Banken an ihre Angestellten. Da allein schon wegen der logistischen Herausforderung, die Politiker und Beamten von einem Ende der Stadt in die stets schwer erreichbaren Docklands zu befördern, mit erheblichen Störungen im öffentlichen Verkehrsnetz zu rechnen ist, empfehlen die Banken ihren Mitarbeitern, möglichst zu Hause zu arbeiten. Sofern sie in den ersten Apriltagen überhaupt ins Büro gehen müssen, raten Hausmitteilungen dazu, sich lässig und unauffällig zu kleiden und keine Firmenembleme auf Taschen oder anderswo sichtbar zu machen. So weit ist es gekommen, dass Banker um ihre Sicherheit fürchten müssen.

      Mit Parolen wie "Stürmt die Banken" und "Schlagt einen Banker" rufen diverse Aktionsgruppen zu Demonstrationen gegen den Kapitalismus auf. Gewiß finden sich unter den Wortführern die "üblichen Verdächtigen", die jeden Vorwand, von Krieg bis Klima, nutzen, um ihre Aggressionen gegen das System zu lüften. Der Kampfruf "Packt die Gelegenheit beim Schopf" verrät allerdings die Hoffnung, auch die Mittelschicht einspannen zu können, die ihren Zorn auf die Politik und das Finanzwesen sonst eher am Eichentisch in der Wohnküche äußert.

      Die City zurückerobern

      Am Tag des Gipfels wollen Demonstranten "an die Hoteltüren" der Teilnehmer schlagen und zum Messezentrum im ehemaligen Hafengebiet marschieren, wo die Wirtschaftsmächte zusammentreffen - ein derart seelenloser Veranstaltungsort übrigens, dass die internationale Verlagswelt auf die Barrikaden ging, als die Londoner Buchmesse ein einziges Mal dort stattfand. An dem zum "Financial Fool's Day" erklärten 1. April wollen sie die City "zurückerobern". Vier von den biblischen Boten des Weltuntergangs abgewandelte apokalyptische Reiter - ein roter symbolisiert den Krieg, ein grüner das Klimachaos, ein silberner "finanzielle Verbrechen" und ein schwarzer das Ende der gemeinschaftlchen Nutzung von Agrarland im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert - werden Karnevalszüge von verschiedenen Treffpunkten aus zum "Sündenpfuhl" in der City anführen. Dort werden blutige Abbilder von Bankern von den Laternenpfosten hängen, darunter der mit seiner Riesenabfindung zum Buhmann der Kreditkrise stilisierte Fred Goodwin.

      Christ Knight, ein marxistischer Anthropologie-Professor der University of East London, der zu den Köpfen einer der größten Dachorgansationen des Protests gehört, hat in einem Rundfunkgespräch mitgeteilt, er hoffe zwar, es werde bei abschreckenden Trockenübungen bleiben, aber, "um ehrlich zu sein, wenn er (Sir Fred) uns weiter auf die Palme bringt, werden leibhaftige Banker von den Laternenpfählen hängen". Wenn Gordon Brown Lockspitzel einsetze und die Polizei "ihren nuklearen Knopf drückt, werde ich meinen drücken", droht Knight, den seine Hochschule unterdessen von seinen Lehrpflichten entbunden hat, während sie seine Äußerungen prüft. Seine Organisation beruft sich auf die "Diggers", jene vorkommunistische Vereinigung, die im Englischen Bürgerkrieg die Abschaffung von Privateigentum und Knechtschaft forderte.

      Sachschaden einkalkuliert

      Für Knight beginnt die Revolution an diesem Samstag, nach dem Marsch "Put the People First" für "einen fairen, tragbaren Ausweg aus der Rezession", den ein Potpourri von Gewerkschaften, Wohlfahrtsgruppen, Anti-Kriegs-Demonstranten und Umweltorganisationen im Vorfeld des Gipfels koordiniert haben. Knights Gruppe will dafür sorgen, dass die Symbole des Kapitalismus und der Energieverschwendung die vom World Wild Fund für diesen Samstag um 20.30 Uhr Ortszeit weltweit anberaumte "Earth Hour" einhalten. Jedes Londoner Bürohaus, das sich diesem Zeichen für den Klimaschutz nicht anschließe, erklärt Knight zur berechtigten Zielscheibe. Menschen sollten nicht zu Schaden kommen, aber gegen Sachschaden habe er nichts einzuwenden. Man könne sicher sein, "auf die eine oder andere Art werden diese Lichter ausgeschaltet".

      Wenn es dem Riesenaufgebot an Sicherheitskräften nicht gelingt, der Lage Herr zu bleiben, und die hetzerische Rhetorik tatsächlich in Gewalt umschlägt, muss die britische Regierung einen Teil der Verantwortung tragen. Um vom eigenen Versagen abzulenken, hat sie den Hass auf die Banker geschürt und sie mehr oder weniger zu Freiwild erklärt. Gordon Browns Stellvertreterin Harriet Harman beschwor das "Gericht der öffentlichen Meinung" für den Fall, dass sich nicht juristisch gegen Fred Goodwins unmäßige Rente vorgehen lasse. Ihr Vorgänger John Prescott, der wegen seiner zwei Dienstwagen den Beinamen "two jags" erhielt, bloggte, Sir Fred sei zu dieser Rente nicht berechtigt. Es sei "Gier, Gier, Gier".

      Der Reiz der Anarchie

      Gordon Brown schließlich bezichtigte die Banker des schlechten Benehmens, als habe er nichts mit der ganzen Misere zu tun. Max Hastings, ehemaliger Chefredakteur des "Daily Telegraph", wollte sicher nicht beim Wort genommen werden, als er die "schamlosen Banker" mit den großen Eisenbahnräubern verglich und meinte, man müsse ihnen nicht nur die Porsche wegnehmen und sie verprügeln, sondern auch Steine durch die Fenster ihrer Häuser werfen, bis sie Reue zeigten. Genau das tat eine Organisation "Banker sind Kriminelle" wenige Tage später. Das sei nur der Anfang, drohte sie nach dem Anschlag auf Sir Fred Goodwins Haus in Edinburgh. London ist auf Anarchie gefasst.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/…
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      Avatar
      schrieb am 28.03.09 19:49:42
      Beitrag Nr. 2.612 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.861 von Dorfrichter am 28.03.09 10:51:26Guten Abend Dorfrichter,

      entschuldige bitte meine Unhöflichkeit! Ich habe Dich heute morgen übersehen, wie ich erst jetzt bemerkt habe.

      Dir einen schönen Abend!
      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 20:18:45
      Beitrag Nr. 2.613 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.760.650 von Maraho am 13.03.09 13:00:50In Bezug.

      Wirtschaftswachstum
      Die Mängel der Statistik
      Von Fritz Vorholz

      In Wahrheit misst das Bruttoinlandsprodukt gar nicht den Wohlstand. Forscher suchen Alternativen

      Keine andere Ziffer aus dem Universum der Ökonomie elektrisiert Minister und Manager, Verbraucher und Lohnempfänger, Verbandsfunktionäre, Wirtschaftsweise, Investoren und Journalisten mehr als das BIP, das Bruttoinlandsprodukt. Wächst es, so der landläufige Glaube, gibt es mehr Wohlstand, und Probleme lassen sich leichter lösen. Schrumpft das BIP, gibt es Ungemach.

      Wie im Augenblick. Nicht nur in Deutschland schrumpft in diesem Jahr das BIP, erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird es voraussichtlich in der ganzen Weltwirtschaft kleiner. Rund drei Billionen Dollar haben Regierungen bereits mobilisiert, um dieses »negative Wachstum«, den Wirtschafts-GAU, zu bekämpfen – und den Wohlstand der Nationen wieder zu heben.

      Doch der Glaube an diesen Zusammenhang – mehr BIP gleich mehr Wohlstand – wird in diesen Tagen durch eine Reihe neuer Forschungsergebnisse erschüttert. Verantwortlich dafür sind die gleichen Politiker, die gerade mit Konjunkturprogrammen das BIP wieder nach oben zu treiben versuchen. Als die Zeiten noch besser waren, beauftragten sie Fachleute damit, die Aussagekraft des BIP zu erforschen und gegebenenfalls alternative Fortschrittsindikatoren zu entwickeln. In Kürze ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen.

      Mit besonderer Spannung erwartet werden die Erkenntnisse einer Kommission, die Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy vor gut einem Jahr eingesetzt hat. Unter dem Vorsitz des Amerikaners Joseph E. Stiglitz brüten in dem Denkerzirkel zwei Dutzend Spitzenökonomen, darunter fünf Nobelpreisträger, über das richtige Maß für den Wohlstand. Im April, ausgerechnet dann, wenn der Internationale Währungsfonds (IWF) genaue Prognosen über den in diesem Jahr zu erwartenden BIP-Schwund veröffentlicht, wollen Stiglitz & Co ihren Bericht im Élysée-Palast abliefern. Ein Ergebnis ist bereits durchgesickert: Als Wohlfahrtindikator taugt das BIP nur bedingt.

      Tatsächlich verbirgt sich hinter der magischen Ziffer nicht mehr als der summierte Wert aller im Inland hergestellten Güter, also Waren und Dienstleistungen. Die Mängel dieses Konzepts kennt jeder Student der Ökonomie. So schrumpft das BIP, wenn ein Pfarrer seine Haushälterin heiratet, weil er sie anschließend nicht mehr für ihre Dienste entlohnt. Umgekehrt lassen beispielsweise Verkehrsunfälle das BIP wachsen, weil die Reparatur von Autos für Einkommen sorgt. Reicher, geschweige denn glücklicher, wird ein Volk dadurch nicht – ebenso wenig, wie es durch die Heirat des Geistlichen ärmer wird.

      Unter anderem wegen dieser offenkundigen Defizite hat die EU-Kommission bereits vor mehr als einem Jahr zu Protokoll gegeben, das BIP sei »nicht länger eine maßgebliche Messgröße des Wohlergehens«. Auch die OECD, eine Art Thinktank der Industrieländer, bescheinigt der Ziffer viele Mängel. Über Fortschritt und Glück, heißt es sogar in Horst Köhlers Bundespräsidialamt, müsse in Zukunft anders diskutiert werden, nämlich abgekoppelt von Wachstumserwartungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß seit Langem um die Schwächen des Konzepts. In der wirtschaftspolitischen Diskussion werde die »begrenzte Aussagekraft« der hochaggregierten Kennzahl BIP »nicht immer genügend beachtet«, antwortete sie schon vor fast 13 Jahren, damals als Bundesumweltministerin, auf eine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion.

      Bislang ist die weltweite Dominanz des BIP zwar noch ungebrochen – doch gibt es ein paar praktische Ansätze, dies zu ändern. China versucht, seine auf herkömmliche Weise berechnete Wirtschaftsleistung um die monetär bewerteten ökologischen Schäden zu korrigieren. Die Bemühungen um dieses »grüne BIP« haben jedoch Rückschläge erfahren. Nicht nur wegen methodischer Probleme, sondern auch, weil auf diese Weise bekannt wird, mit welchem Raubbau an der Natur das Rekordwachstum des Landes erkauft wurde. In dem Himalaya-Königreich Bhutan ist schon seit 35 Jahren nicht das BIP, sondern das Bruttonationalglück (Gross National Happiness) Zielgröße der Politik. Es lässt sich allerdings kaum objektiv messen.

      Praktischer erscheint der unter anderem auf Ideen des Nobelpreisträgers James Tobin zurückgehende Index für nachhaltigen wirtschaftlichen Wohlstand (ISEW); er berücksichtigt etwa die Kosten der globalen Erwärmung und den Wert unbezahlter Hausarbeit. Berechnungen für diverse Länder zeigen, dass der ISEW stagnierte oder rückläufig war, während das BIP ungebremst wuchs. Auch für Deutschland existieren solche Vergleiche.

      Obwohl die Debatte an den Datenexperten des Statistischen Bundesamtes nicht vorbeigegangen ist, wollen sie das BIP bis heute nicht ersetzen. Ein Ökosozialprodukt sei »wohl per se nicht machbar«, ließ die Wiesbadener Behörde schon vor rund zehn Jahren wissen. Immerhin legen die amtlichen Datensammler seit einiger Zeit einmal pro Jahr eine »Umweltökonomische Gesamtrechnung« vor. Die klärt zum Beispiel darüber auf, wie viel Kohlendioxid (CO₂) in Export- oder Importprodukten steckt. Man kann daran zum Beispiel ablesen, welche Menge der klimaschädlichen Substanz deutschen Verbrauchern ausländischer Produkte zuzurechnen ist.

      Doch so aufschlussreich und anspruchsvoll die Arbeit der Statistiker auch ist: Politiker und Medienleute, stets in Eile, interessieren sich für solche Kürübungen fast gar nicht. Wie eh und je leben sie mit der vom BIP genährten Wohlstandsillusion. Eine nicht ungefährliche Täuschung. Schließlich beeinflusse, »was wir messen, das, was wir tun«, so der Nobelpreisträger Stiglitz.

      Wie die Welt jenseits des BIP zu vermessen wäre, verriet der Chef der von Sarkozy berufenen »Kommission für die Messung der ökonomischen Leistung und des sozialen Fortschritts« bisher allerdings nicht. Immerhin gab Stiglitz bereits preis, mit welchen Faktoren das BIP wohl korrigiert werden sollte: Umweltschäden gehören dazu, unbezahlte Arbeit und ein Faktor, der sich auf die Einkommensverteilung bezieht.

      Das sind exakt jene Größen, die auch zwei deutsche Forscher seit Längerem im Visier haben, allerdings mit deutlich weniger Geheimnistuerei. Der Heidelberger Ökonom Hans Diefenbacher und der Berliner Politologe Roland Zieschank haben im Auftrag des Umweltbundesamtes sogar schon einen detaillierten Bericht über Wohlfahrtsmessung in Deutschland vorgelegt – inklusive Vorschlag für einen neuen »Nationalen Wohlfahrtsindex« (NWI).

      Zur Ermittlung des NWI ziehen die beiden Forscher erst einmal eine ganz konventionelle Komponente des BIP heran: den privaten Verbrauch. Alles Wirtschaften dient schließlich nach einer verbreiteten Ansicht unter Ökonomen der Mehrung dieses Konsums. Diefenbacher und Zieschank gewichten diese Größe aber mit einem Verteilungsindex. Darin steckt ein Werturteil: Wenn alle mehr konsumieren, ist das für den allgemeinen Wohlstand besser, als wenn es nur eine kleine Gruppe tut. Schließlich wird diese Zahl noch ergänzt durch den Wert unbezahlter Hausarbeit und ehrenamtlichen Engagements, während die Kosten von Umweltschäden und der unwiederbringliche Verbrauch von Rohstoffen subtrahiert werden.

      Der NWI fällt stets kleiner aus als das BIP. Und BIP und NWI entwickeln sich interessanterweise unterschiedlich. In den letzten Jahren vor dem Ausbruch der Finanzkrise ist das BIP noch gewachsen, während der NWI bereits zurückging.

      »Wir haben den NWI nicht als Instrument gegen die Wirtschaftskrise entwickelt«, sagt sein Erfinder Diefenbacher. Hätte es ihn aber schon gegeben, wäre die nahende Krise womöglich früher bemerkt worden. »Wir brauchen neue Orientierungsgrößen«, sagt Diefenbacher.

      Einst war das BIP ebenso neu wie heute der NWI. Es entstand während der Großen Depression vor 80 Jahren. Damals wuchs in der Ökonomie das Verständnis für die makroökonomische Steuerung des Wirtschaftsprozesses. Für diese vor allem mit dem Namen John Maynard Keynes verbundene Einsicht lieferte das System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung den nötigen Datenunterbau, einschließlich seines zentralen Bestandteils BIP.

      Obwohl es angesichts von Klimagefahren und Ressourcenverzehr nicht mehr zeitgemäß ist – überflüssig ist es offenbar auch noch nicht. Jedenfalls wollen Zieschank und Diefenbacher mit ihrem NWI das BIP nur ergänzen, nicht abschaffen.

      Es wäre nicht überraschend, sollten Stiglitz & Co demnächst einen ganz ähnlichen Vorschlag machen. Spannend ist nur, was die Politiker damit anfangen werden.

      Quelle: http://www.zeit.de/2009/14/BIP?page=1
      19 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 20:31:49
      Beitrag Nr. 2.614 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.870.876 von Maraho am 28.03.09 10:54:53Noch etwas hierzu ...

      Haushalten in Krisenzeiten
      Kleckern statt klotzen
      Von Hannah Wilhelm

      Lebensmittel, Miete, GEZ-Gebühren: In vielen Haushalten wird das Geld wegen der Wirtschaftskrise knapp. Zeit, die Ausgaben zu prüfen.


      Bei manchen ist es eher noch ein unbestimmtes Gefühl: Wir sollten vielleicht sparen, wer weiß, was in diesen Krisenzeiten noch kommt. Andere merken schon sehr deutlich, dass das Geld am Ende des Monats knapper wird. Sie machen Kurzarbeit, mussten auf Gehalt verzichten oder haben schon ihren Job verloren. In der Krise trifft es fast alle. Auch Menschen, die sich bisher nie Gedanken machen mussten, wie man sparsam heizt oder einkauft.

      "Die Krise, in die wir gerade hineinrutschen, lässt manche sonst üblichen Spartipps leider etwas weltfremd erscheinen", sagt Evelyn Dahme von der Verbraucherzentrale Brandenburg. "Gerade wenn es Menschen trifft, die eh schon wenig haben. Denn wer nicht viel hat, hat häufig auch kaum Möglichkeiten, an etwas zu sparen." Andererseits weiß sie auch: "Fast in jedem Haushalt gibt es ein kleines Einsparpotential."

      Alle Beträge notieren

      Viele Verbraucherzentralen bieten Haushalts-Checks oder Energieberatungen für Sparwillige an. "Wir zeigen den Menschen, wie sie Geld sparen können, ohne dabei auf viel verzichten zu müssen", erklärt Dahmen. Die erste Empfehlung lautet immer: Bilanz ziehen. "Das ist das A und O. Man muss alle Beträge aufschreiben, die reinkommen und rausgehen." Dabei hilft ein Haushaltsbuch, in das alle Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden.

      Genauigkeit ist wichtig - jedes Brötchen am Morgen muss aufgelistet werden, jeder Milchkaffee am Nachmittag, Strom- und Mietkosten genauso wie GEZ-Gebühren. Nur so zeigt sich, wohin das ganze Geld verschwindet. Gerade in Zeiten von Kreditkarten, EC-Karten und Online-Shopping verliert manch einer den Überblick. Und: Das Haushaltsbuch ist das wirksamste Mittel gegen Selbstbetrug. Oft hilft es schon, einen genauen Überblick über die Ausgaben zu bekommen, um sich selbst besser kontrollieren zu können.

      Tipps zum Geldsparen gibt es unendlich viele; zahlreiche Bücher widmen sich diesem Thema, unter anderem der Ratgeber "Besser haushalten" von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch im Internet existieren mittlerweile zahlreiche Seiten mit Tipps rund ums Haushalten. Das größste Einsparpotential sehen Verbraucherschützer bei den Energiekosten und den Kosten für Versicherungen und Altersvorsorgeprodukten (Artikel rechts).

      "Strom- und Heizkosten sind ein wichtiger Punkt, da hier hohe Beträge ausgegeben werden. Und wo man viel ausgibt, kann man auch viel sparen", sagt Dahme. So wissen viele Menschen immer noch nicht, dass eine Energiesparlampe fünfmal länger hält und wesentlich weniger Strom verbraucht als eine herkömmliche Glühbirne; allein das spart rund 70 Prozent der Kosten für die Beleuchtung. Auch das Steckerziehen bei Standby-Geräten spart Geld - "für manche ist das selbstverständlich, aber andere wissen das zum Beispiel leider noch nicht", sagt Dahme. Sie empfiehlt Verbrauchern auch, sich ein Messgerät für den Stromverbrauch zu kaufen oder bei einer Verbraucherzentrale auszuleihen. "So findet man Stromfresser." Ebenso könnten viele Menschen durch richtiges Lüften und Heizen viel sparen. Auch ein Preisvergleich der Stromanbieter kann sich lohnen - das ist mittels Internetportalen wie Check24.de, Verivox.de und Toptarif.de recht einfach.

      Angst vor Finanzthemen

      "Auch bei Altersvorsorgeprodukten könnten viele Menschen besser haushalten", weiß Verbraucherschützerin Dahme. Das Problem: Oft wollen sich Verbraucher mit Finanzthemen nicht auseinandersetzen und nehmen deshalb das erstbeste Produkt. "Dabei spart es bares Geld, wenn man die Kosten der verschiedenen Anbieter zum Beispiel bei Riester-Verträgen vergleicht." Außerdem sind viele Deutsche falsch oder überversichert. "Hier kann man - das zeigt unsere Beratungspraxis - unheimlich viel besser machen", erklärt Dahme. So hätten zum Beispiel viel zu viele Menschen eine Hausratsversicherung, die oft gar nicht nötig sei.

      Wer also kritisch seinen Energieverbrauch und seine Versicherungen überprüfe, könne so schon einiges sparen, "und natürlich auch beim Einkaufen", sagt Dahme. "Wer sich gut organisiert und einen Großeinkauf statt vieler kleiner macht, lebt günstiger", sagt die Verbraucherschützerin, räumt aber ein: "Daran scheitere ich leider selbst regelmäßig." Experten warnen aber vor zu hohen Erwartungen. Dahme: "Spartipps können nicht alle Probleme lösen. Es gibt in Deutschland Menschen, die sich selbst existenziell wichtige Versicherungen nicht leisten können."

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra9m1/finanzen/663/463274/text/
      2 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 28.03.09 20:42:19
      Beitrag Nr. 2.615 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.872.542 von Maraho am 28.03.09 19:42:38Eine weitere Ausführung zum Thema ...

      Dämonisierung der Proteste gegen den G20-Gipfel in London
      Ralf Streck

      Angesichts der Wut vieler Menschen wird so getan, als würde ab heute zur Säuberung Londons von Schlipsträgern aufgerufen

      Mit vielen Schlagzeilen wird derzeit Stimmung gegen die gemacht wird, die ab heute in London gegen den G20-Gipfel protestieren. Am internationalen Aktionstag, an dem auch in Frankfurt und Berlin dagegen demonstriert werden soll, dass die einfachen Menschen für die Krise zur Kasse gebeten werden, beginnen in London die Proteste gegen den gegen Weltfinanzgipfel. Gesprochen wird von einer "Hatz auf Schlipsträger", London sehe mit "Bangen" einer Demonstrationswoche entgegen. Klar ist, dass sich angesichts goldener Handschläge und Millionenbonuszahlungen für Mitverantwortliche der Krise, bei denen Wut angestaut hat, die nun ihre Jobs und Wohnungen verlieren, weil die Börsen zu globalen Kasinos umfunktioniert wurden.

      Derzeit wird in Großbritannien so getan, als hätte die Hauptstadt während des G20-Gipfels mit revolutionsähnlichen Unruhen zu rechnen, wenn der Weltfinanzgipfel auf Einladung des britischen Premierministers Gordon Brown am Donnerstag in London zusammentrifft. Gerüchte kursieren, wonach militante Gruppen "Überfälle im Guerilla-Stil" auf Hotels vorbereiteten, in denen die Regierungschefs untergebracht werden. Verwiesen wird dabei aber vor allem auf radikale Slogans ("Reclaim the Money"). Gerechtfertigt werden sollen damit vor allem die massiven Sicherheitsvorkehrungen, denn Tausende Beamte werden in dieser Demonstrationswoche im Einsatz sein.

      Schon bevor 22 Staats- und Regierungschefs am Donnerstag im Excel-Konferenzzentrum in den Docklands im Osten Londons zusammentreffen, sind etliche Proteste geplant und offiziell angekündigt. Die Tageszeitung Guardian hat sie in einer Animation zusammengestellt. Schon heute wird es im Rahmen eines internationalen Aktionstags große Demonstrationen in der britischen Hauptstadt geben. "Wir zahlen nicht für Eure Krise", lautet das Motto, unter dem an diesem Wochenende allüberall protestiert wird, auch in Frankfurt und Berlin. Die britische Hauptstadt wird sich am Mittag wohl eine der größten Demonstrationen zusammenfinden, die London in ihrer Geschichte gesehen hat.

      Im Vorfeld der Proteste schürt die britische Polizei die Angst. Banken wird geraten, die Fenster zu verbarrikadieren. Einige haben daraufhin sogar beschlossen, die Pforten zum Teil ganz schließen. Banker werden aufgefordert, in den folgenden Tagen statt in Anzug und Krawatte, lieber leger gekleidet, in Jeans und Pullover zur Arbeit kommen oder besser zu Hause bleiben, rät auch die Londoner Handelskammer.

      Doch woher diese Panik? Hat man Angst vor vier Karnevalszügen, die sich am Mittwoch durch den Finanzdistrikt bewegen und vor die Bank von England ziehen werden. Vor der Zentralbank soll dann ein lustiges "Bankett" stattfinden. Bedrohlich ist offenbar auch, dass Umweltaktivisten 24-Stunden mit einem Zeltlager vor der Emissionshandelbörse in der Innenstadt protestieren wollen und vor dem Kongresszentrum einen Eisberg aufstellen wollen. Der wird, wie die Eisberge an den Polen, langsam abschmelzen. Auch der geplante Alternativgipfel, der in der University of East London stattfinden wird, ist bestenfalls wegen der Nähe zum Konferenzzentrum ein logistisches Problem.

      Denn tatsächlich kann trotz der tief greifenden Wirtschaftskrise in Großbritannien niemand von nennenswerten Vorfällen oder Übergriffen sprechen. So ist es schon fast peinlich, wenn allseits angeführt wird, dass eine Gruppe mit dem Namen "Bank Bosses are Criminals" ein paar Scheiben am Haus von Fred Goodwin in Edinburgh - noch dazu im entfernten Schottland - eingeworfen haben will (Die Wut wächst). Der Ex-Chef der Royal Bank of Scotland, die trotz des Rekordverlusts in der britischen Geschichte Bonuszahlungen in der Höhe von einer Milliarde Pfund ausgezahlt hat, der für seine "Leistungen" mit einer Jahrespension von 700.000 Pfund in den Ruhestand ging, zahlt diesen Schaden aus der Portokasse. Ansonsten werden ein paar radikale Blogs zitiert oder die Tatsache, dass eine Gruppe "Government of the Dead" eine Banker-Puppe symbolisch öffentlich aufgehängt hat.

      Dass derlei Vorgänge für eine Angstkampagne genutzt werden, zeigt den verstellten Blick, der die Misere nicht sehen will, in die weltweit zahllose Menschen durch die Krise gestürzt werden. Im Vergleich zur strukturellen Gewalt, die Millionen durch Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit erleiden, weil sie nach dem Job nicht selten auch das Haus verlieren, dass weltweit die Zahl der Hungernden ständig steigt, wie sogar die Weltbank warnt, sind ein paar zerbrochen Scheiben ein schlechter Witz. Doch die Verlierer der Krise, die keine Verantwortung tragen und nicht in das weiche Netz der goldenen Handschläge, satten Pensionen und hohen Bonuszahlungen fallen, werden offenbar nur noch als Bedrohung der Sicherheit gesehen.

      Dieser verstellte Blick soll mit den zahllosen Aktivitäten gerade gerückt werden, wenn sich diese Woche die Verantwortlichen für die Finanz- und Wirtschaftskrise in London zum Stelldichein einfinden, um wieder einmal über Maßnahmen zur Krisenbekämpfung zu debattieren. Dass dabei viel herauskommt, davon geht ohnehin niemand wirklich aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon einmal vorsorglich in einem Interview mit der Financial Times die Erwartungen zurückgeschraubt. Der Gipfel werde die weltweite Wirtschaftskrise nicht lösen, nicht einmal die Gespräche über eine neue internationale Finanzmarktarchitektur könnten abgeschlossen werden: "Wir werden uns bestimmt wieder treffen müssen", kündigte sie weitere Treffen an (Damit pfiff Merkel den Gastgeber Brown zurück, der von einem "neuen globalen New Deal" sprach, der auf dem Gipfel verabschiedet werden solle.

      Die von Put People First und anderen Gruppen organisierten Demonstrationen fordern dagegen reale Veränderungen, in denen das Wohl der Menschen und nicht das Wohl der Finanzmärkte im Mittelpunkt stehen sollen. Die vom breiten PPF-Bündnis organisierte Demonstration dürfte angesichts der massiven Wirtschaftskrise wohl noch größer werden als die, die gegen den Irak-Feldzug 2003 durch die britische Hauptstadt zog. Damals gingen mehr als eine Million Menschen auf die Straße. Die Koalition aus Globalisierungsgegnern, Gewerkschaften und Umweltgruppen, wird für "Arbeitsplätze, Gerechtigkeit und Klimaschutz" demonstrieren.

      PPF macht in ihrem Aufruf deutlich, dass es schon vor dem Kollaps von Banken auf der Welt Elend, Ungleichheit und die Gefahr von einem Klimachaos gab. Und dass die Krise letztlich nur das Ergebnis davon sei, einem Finanzmodell gefolgt zu sein, das von einer "ständig steigenden Verschuldung" angeheizt wurde, was für die Ökonomie, wie die Ökologie gelte. "Es kann kein Zurück zum alten Modell geben, fundamentaler Wandel ist nötig", wird resümiert und nach Devise der UN-Umweltbehörde ein "Green New Deal" gefordert. Geld soll für umweltfreundliche Technologien, für erneuerbare Energien und für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr ausgegeben werden, um Klimawandel und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Mit den Globalisierungskritikern wird eine demokratische Kontrolle über die Finanzmärkte und sowie Hilfe für Entwicklungsländer gefordert.

      Polizei schürt die Angst vor Gewaltausbrüchen, um von der Teilnahme an den Protesten abzuschrecken

      Angesichts der Tatsache, dass es sich bei PPF um eines der breitesten Bündnisse in der britischen Geschichte handelt, wird sehr schnell deutlich, dass die geschürte Angst vor der Randale eigentlich nur dazu dienen soll, viele Menschen von der Beteiligung an den zahllosen Protesten abzuhalten. Die Polizei ist besorgt über eine "noch nie dagewesene Planung" und von "neuen Bündnissen" zwischen Anarchisten, Umweltschützern und Globalisierungsgegnern. Deshalb findet eine "Dämonisierung" der Demonstranten statt, stellt Judith Soal in einem Kommentar fest, wenn sie als "marodierende Anarchisten" beschrieben würden, die versessen darauf seien, die Gesellschaft zu zerstören.

      Die Polizei schürt die Angst vor Gewaltausbrüchen, um die Teilnahme an den Protesten gering, die Lage überschaubar und den Schaden für die Regierung gering zu halten. Denn allen ist klar, dass die Gipfelstürmer noch niemals so große Sympathien in breiten Gesellschaftlichen Kreisen gestoßen sind wie bisher. So haben sich viele Kritikpunkte der Bewegung in den letzten Monaten nur als allzu richtig herausgestellt. Und so dient die Panikmache vor Gewaltausbrüchen schon im Vorfeld dazu, mögliche massive Übergriffe von Seiten der Polizei gegen die Demonstranten zu rechtfertigen. Sie waren eigentlich bisher fast immer bei solchen Zusammenkünften zu beobachten, ob in Genua oder Heiligendamm.

      Vor allem soll ein Spaltungskeil gesetzt und damit verhindert werden, dass sich neben der gipfelfernen Demonstration heute viele auch an den Protesten beteiligen, mit denen während des Gipfels direkt Druck auf die Gipfelteilnehmer ausgeübt werden und Sand in den reibungslosen Ablauf der Gipfelmaschinerie gestreut werden soll. So ist es kein Wunder, dass die Polizeiführung schon im Vorfeld bei Protestgruppen vorsprach und vor einem "sehr gewaltsamen" Vorgehen warnte, wenn es "trouble" gäbe.

      Parlamentsmitglieder zeigen sich erstaunt über die Wortwahl und die Aggressivität der Polizeiführung, die "nicht sehr hilfreich" sei. David Howarth, Parlamentarier der Liberalen erklärte: "I am increasingly worried that what the police are saying about the protests will end up in a self-fulfilling prophecy. By talking up the prospect of violence they will put off peaceful demonstrators and start to attract other sorts." Andrew Dismore von der Labour Party, machte die Polizei darauf aufmerksam, dass sie die Menschenrechte zu wahren und die Demonstrationen zu ermöglichen und nicht zu verhindern habe. "If they act in a confrontational way and use confrontation language, they will start to provoke the kind of behaviour they are seeking to prevent.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30026/1.html