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    Am Sterbebett eines Systems - 500 Beiträge pro Seite (Seite 3)

    eröffnet am 21.01.09 17:19:56 von
    neuester Beitrag 21.01.14 17:41:49 von
    Beiträge: 43.781
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      schrieb am 18.02.09 18:28:52
      Beitrag Nr. 1.001 ()
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 18:34:02
      Beitrag Nr. 1.002 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.266 von Dorfrichter am 18.02.09 18:25:05 Halt Maraho, wo willst Du hin?!
      Diese Frage habe ich nicht verstanden. Kannst Du mir weiterhelfen?
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 18:35:21
      Beitrag Nr. 1.003 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.342 von Maraho am 18.02.09 18:34:02Lies mal, was ich da reingestellt haben.
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 18:42:08
      Beitrag Nr. 1.004 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.589.687 von Maraho am 16.02.09 20:12:04In Bezug auf den Beitrag vom 16.02.09 (s.o.):

      Beliebtheit in der Krise
      Sarkozy will Milliardenhilfe für Arme

      In der Wirtschaftskrise leidet die Popularität von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Der hat nun Hilfsmaßnahmen von bis zu 2,6 Milliarden Euro für Arme und Arbeitslose vorgeschlagen.


      HB PARIS. Zum Auftakt eines Treffens mit Gewerkschaftern sprach er unter anderem von Steuererleichterung für Familien mit niedrigerem Einkommen und mehr Hilfe für Arbeitslose.

      In den vergangenen Wochen hat sich die Stimmung in der Bevölkerung massiv verschlechtert. Umfragen zufolge sind mehr als 60 Prozent der Bürger mit den bisherigen Konjunkturmaßnahmen unzufrieden. Im Überseegebiet Guadeloupe ist es gewaltsamen Protesten gekommen. Die Regierung will ein Übergreifen auf das Festland verhindern.

      Ende Januar hatten in ganz Frankreich 2,5 Millionen Menschen mit einem Generalstreik gegen Sarkozys Politik demonstriert. Die französischen Gewerkschaften planen für den 19. März den nächsten Streiktag. Sie fordern unter anderem eine Pauschalerhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes. Der Spielraum des Präsidenten ist durch den Widerstand der Unternehmer und Haushaltsrestriktionen allerdings begrenzt. Die Europäische Kommission leitete am Mittwoch ein Verfahren gegen Frankreich wegen Überziehens der Defizitgrenze ein.

      Die Krise hat sich auch auf Sarkozys Beliebtheit ausgewirkt. Nach einem Fernsehinterview vor zwei Wochen zu seiner Wirtschaftspolitik sanken seinen Werte schlagartig um elf Punkte auf 36 Prozent, der tiefste Wert seit seinem Wahlsieg 2007. Am Mittwochabend sollte er erneut im Fernsehen auftreten, diesmal allerdings in Form einer Ansprache statt eines Interviews.

      In der Nacht zum Mittwoch wurde auf Guadeloupe ein Gewerkschaftsvertreter von Demonstranten erschossen, mehrere Polizisten erlitten Verletzungen. Ein Generalstreik für höhere Löhne lähmt dort das gesellschaftliche Leben seit einem Monat. Auf anderen Überseegebieten ist es zu Protesten gekommen.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/sarkozy-wi…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 18:44:02
      Beitrag Nr. 1.005 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.355 von Dorfrichter am 18.02.09 18:35:21Das werde ich mir ausdrucken und dann in Ruhe zu Gemüte führen.
      Danke Dir dafür!!!

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      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:02:59
      Beitrag Nr. 1.006 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.596.939 von Maraho am 17.02.09 18:48:41Hier noch etwas für Dich, windei.
      Diesmal aus der seriösen FTD.......

      Kolumne

      Erhard reicht nicht
      von Wolfgang Münchau

      Der neue Bundeswirtschaftsminister verbreitet unbegründeten Optimismus. Das ist schädlich.

      Wenn Menschen keine Ahnung von Wirtschaft haben, dann zitieren sie oft Ludwig Erhards berühmten Ausspruch, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. So tat es auch unser neuer Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, denn in seinem Ministerium ist es guter Ton, den Dicken mit der Zigarre zu zitieren.

      Erhards Aussage ist für sich genommen gar nicht mal so falsch, abgesehen von der numerischen Präzision (warum 50 Prozent und nicht 40 oder 60?). Es existiert ein respektables Gebiet der ökonomischen Forschung, das sich mit den psychologischen Aspekten der Wirtschaft beschäftigt und das die in der Ökonomie vorherrschende Annahme der Rationalität infrage stellt. Auch John Maynard Keynes sprach von den berühmten "Animal Spirits", für die es weder eine gute deutsche Übersetzung gibt noch eine rationale Erklärung.

      Nur sollte man Erhards Satz nicht aus dem Zusammenhang reißen. Der Aufschwung kommt nicht dadurch, dass man Erhard zitiert oder von Psychologie redet. Der Aufschwung wird auch nicht deswegen kommen, weil man ihn voraussagt, sondern nur wenn Menschen einen konkreten Anlass dafür sehen. Der Trick besteht darin, die Menschen dazu zu bekommen, ihre Erwartungshaltungen zu verändern. Das ist harte Arbeit.

      Unberechenbarer Export

      Dass das Rettungspaket der Regierung ab dem dritten Quartal anfängt, seine Wirkung zu zeigen, ist wahrscheinlich. Aber warum dieses Paket eine Trendwende einläuten soll, ist den meisten Menschen überhaupt nicht klar. Zum einen ist die Größe des Pakets immer noch klein, gemessen an der Stärke des Abschwungs. Darüber hinaus ist diese Krise keine deutsche, sondern eine globale. Woher weiß unser Wirtschaftsminister, dass die für unsere Konjunktur so wichtigen Exporte dann wieder ansteigen?

      Auf das Jahr hochgerechnet ist Deutschlands Wirtschaft im vierten Quartal 2008 um fast neun Prozent geschrumpft. Das ist eine unglaubliche Zäsur. Man hat nicht so richtig den Eindruck, dass Freiherr zu Guttenberg sich über den Ernst der Lage klar ist. Es ist völlig verständlich, dass sich ein fachfremder Wirtschaftsminister erst einarbeiten muss. Es ist aber überhaupt nicht verständlich, wenn der Minister schon am ersten Arbeitstag seine offensichtliche Inkompetenz zur Schau trägt und vom Aufschwung quasselt.

      Die Menschen im Lande wissen, dass die Bundesregierung diese Krise zu jedem Zeitpunkt unterschätzt hat. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der darauffolgenden globalen Finanzkrise sollte es klar gewesen sein, dass jetzt ein starker Abschwung bevorsteht. Das erste Konjunkturpaket im Oktober war angesichts der schon damals sich abzeichnenden Bedrohung ein Witz.

      Das mit heißer Nadel gestrickte Bankenpaket enthält handwerkliche Fehler. Vor allem vermeidet es die notwendige Umstrukturierung des Sektors. Mit dem zweiten Konjunkturpaket hat sich die Regierung sehr viel Zeit gelassen. Auch wenn die Größenordnung jetzt ein wenig realistischer ist, so ist das Paket zu wenig effektiv, weil es die europäische Koordination auslässt. Wenn jetzt der Wirtschaftsminister gute Laune verbreiten will unter dem Vorwand, man habe schließlich das Problem gelöst, dann wird einem angst und bange. Und wenn die Wirtschaft tatsächlich aus 50 Prozent Psychologie besteht, dann ist es gar nicht gut, wenn einem angst und bange wird.

      Mich erinnert die Situation an einen Dialog im Action-Thriller "Speed". Dort antwortet Keanu Reeves auf die Frage, was einen Personenaufzug beim Absturz aus dem 30. Stock noch aufhalten könnte: "Der Boden."

      Natürlich wird die Konjunktur auch ohne den Staat irgendwann einmal landen. Irgendwann hört jeder ökonomische Teufelskreis auf. Das Problem ist nur, dass die Wirtschaft bis dahin eventuell um 10, 20 oder 30 Prozent geschrumpft ist. Keiner weiß es. Und genau deswegen wäre es gut, auch aus Gründen der Psychologie, wenn uns der Wirtschaftsminister signalisieren würde, dass er auf eine derartige Katastrophe vorbereitet ist.

      Besser wäre es, wenn sich Guttenberg mit dieser sehr komplizierten Materie ein wenig auseinandersetzte. Und das Beste, was er jetzt tun kann, ist, das Gespräch mit Fachleuten im In- und Ausland zu suchen. Er sollte nicht nur mit anderen Wirtschaftsministern, sondern auch mit führenden Ökonomen reden. Er wird dabei sehr unterschiedliche Einschätzungen hören, und er wird nicht alles verstehen, was man ihm sagt. Daher sollte Guttenberg zunächst einen offenen Geist bewahren und sich erst später ein Urteil bilden. Dabei wird er feststellen, dass es jenseits der hierzulande so beliebten ordnungspolitischen Grundsatzstandpunkte auch für einen Marktliberalen Gründe geben könnte, eine Bank zu verstaatlichen.

      Die unverstandene Krise

      Vor allem aber sollte er vermeiden, Erhard überzustrapazieren. Während Erhards Zeit in Wirtschaftsministerium und Kanzleramt gab es keine Rezession und keine Finanzkrise. Es waren nicht nur goldene Zeiten für Deutschland, sondern für die gesamte Weltwirtschaft.

      Wir wissen nicht, wie gut sich Erhard in den instabilen 70er-Jahren geschlagen hätte, als die Wechselkurse freigegeben wurden und als die Ölkrise ausbrach. Als während der 30er-Jahre die Große Depression wütete, glaubte der damals noch junge Wirtschaftswissenschaftler Erhard, die Ursache liege in den Kartellen, nicht etwa in der Geld- oder Fiskalpolitik oder beim Goldstandard. Erhard hätte damals möglicherweise die gleichen Fehler begangen wie Kanzler Brüning oder US-Präsident Hoover.

      Angesichts unserer heutigen Erkenntnisse ist es sehr leicht, die Politiker und Wirtschaftswissenschaftler vergangener Zeiten zu kritisieren. Dabei verstehen auch wir unsere heutige Krise möglicherweise weniger, als wir denken.

      Mit Peer Steinbrück haben wir schon einen Bundesfinanzminister, der sich selbst stets über- und die Krise unterschätzt. Mit Freiherr zu Guttenberg scheint für den Wirtschaftsminister nun genau das Gleiche zu gelten.

      Quelle: http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Wolfgan…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:12:07
      Beitrag Nr. 1.007 ()
      Was man hier bei Wallstreet-Online für interessante Threads findet, ist schon erstaunlich wie man das früher sah...
      Beispiel: Staatsbankrott

      http://www.wallstreet-online.de/diskussion/637696-1-10/auf-d…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:27:00
      Beitrag Nr. 1.008 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.638 von Dorfrichter am 18.02.09 19:12:07Das ist wohl war. Aber auch in der Gegenwart kommt bei solchen Themen leider immer noch das Totschlagargument "Verschwörungstheorie".

      Die Mehrheit der Leute hat große Probleme damit, verstehen zu wollen, daß es halt mal richtig knallen muß .

      Irgendwie aber auch verständlich.

      Ich habe Dich bzw. Deine Frage von vorhin übrigens verstanden.
      Auf dem Weg bleiben...
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:35:08
      Beitrag Nr. 1.009 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.776 von Maraho am 18.02.09 19:27:00Man sollte bei diesem Thema aber dennoch unterscheiden, denn es gibt tatsächlich hier zuhauf "Verschwörungstheorien" und Mißinterpretationen, siehe den alten Threadlink.

      Im Großen und Ganzen könnte man sagen:

      Es ist wie bei einem Monopoly-Spiel. Irgendwann endet es und man muß wieder ganz von vorne anfangen. Und jetzt ist es halt in der nächsten Zukunft so weit.

      Politisch einfärben sollte man das Thema dennoch nicht, denn ich denke, es wäre so oder so gekommen, alleine durch die rasante Verschuldungsquote.

      Wir brauchen jedoch künftig dringendst Banken unter staatlicher Kontrolle, auch wenn wir wider Erwarten da rauskommen sollten.

      Noch besser wäre ein internationales staatliches Bankenwesen und viele verschiedene Währungen.
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:35:20
      Beitrag Nr. 1.010 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.492.016 von Maraho am 02.02.09 05:20:29Betrifft...

      Soziale Proteste
      Bewegungen erwarten heißen Frühling

      Soziale Gruppen erwarten bei Demonstrationen gegen Weltfinanzgipfel mehrere 10.000 TeilnehmerInnen.
      VON ANNA CORVES


      BERLIN taz Gewerkschaften, Initiativen und soziale Gruppen rechnen mit großen Demonstrationen gegen den Weltfinanzgipfel in London. Bei einem Aktionstag am 28. März rechne man mit mehreren 10.000 Protestierenden in Berlin und Frankfurt am Main, sagte Bernd Riexinger, Geschäftsführer des Ver.di-Bezirks Stuttgart, am Mittwoch. "Wir haben recht kurzfristig mobilisiert, aber es gibt eine breite gesellschaftliche Bewegung."

      Zu dem weltweiten Aktionstag ruft das Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise!" am 28. März auf, das Treffen der Regierungschefs der 20 größten Industrienationen findet am 2. April in London statt.

      Zu dem Mobilisierungsbündnis gehören Gewerkschaftsvertreter, Attac, die Partei Die Linke sowie entwicklungspolitische und antikapitalistische Gruppen. Sie haben sich auf einen Aufruf geeinigt, den Alexis Passadakis von Attac als "kleinsten gemeinsamen Nenner" bezeichnet. Darin fordert das Bündnis etwa Investitionen in Bildung, Umwelt- und Klimaschutz, die Regulierung des Finanzsystems und einen "sozialen Schutzschirm" für die Bürger.

      Vom Weltfinanzgipfel seien keine Lösungen der Wirtschaftskrise zu erwarten, begründete Passadakis den Protest. "Die G 20 betreiben ,business as usual'. Es wird mehr Transparenz versprochen, aber tatsächlich werden die Probleme nicht angegangen."

      Damit steht Protestierern ein stressiger Frühling bevor: Die alljährlichen 1.-Mai-Demonstrationen stehen an, am 16. Mai folgen bundesweite Demonstrationen des Europäischen und Deutschen Gewerkschaftsbundes. Mitte Juni sind bundesweite Bildungsstreiks geplant. Vor allem eine Veranstaltung könnte dem Anti-G-20-Protest Energie entziehen: Für den 3. und 4. April sind Aktionen in Baden-Baden und Straßburg geplant, die sich gegen die 60.-Jubiläums-Feierlichkeiten der Nato richten.

      Machen sich beide Protesttermine Anfang April die Teilnehmer streitig? "Wir hoffen, dass wir die Kräfte gegen Krieg und gegen Krise zusammenführen können", sagte Christina Kaindl von der Gruppe Soziale Kämpfe. In der Tat habe es die längste Diskussion im Bündnis über den Termin der Proteste gegeben, bestätigte Riexinger. "Es gibt da eine absolute Nähe zwischen den beiden Protestaktionen Anfang April. Aber es wäre unglaubwürdig gewesen zu sagen: ,Wir fahren alle nach Straßburg und setzen noch die Finanzkrise auf die Antikriegsthematik drauf.'"

      Insgesamt sei bei der Mobilisierung schwierig gewesen, dass es im derzeitigen "freien ökonomischen Fall" so schnell abwärtsgehe, sagte Michael Schlecht vom Bundesvorstand der Partei Die Linke.
      "Viele Auswirkungen der Wirtschaftskrise kommen bei den Menschen unterschiedlich und zeitversetzt an. Manche kriegen noch gar nichts mit, andere hat es schon voll erwischt."


      Letztendlich wird eines über den Erfolg des 28. März entscheiden. Ver.di-Mann Riexinger: "Alles wird davon abhängen, wie viele Menschen auf die Straße gehen. Und in wie vielen Köpfen noch die Illusion herrscht: ,Die Krise wird einfach an mir vorüberziehen.'"

      Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-finanzkrise/a…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:37:04
      Beitrag Nr. 1.011 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.833 von Dorfrichter am 18.02.09 19:35:08Absolut korrekt.
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:47:00
      Beitrag Nr. 1.012 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.554.382 von Maraho am 11.02.09 07:07:08Einfach mal lesen....

      Die Wurzeln der Krise
      Der Kapitalismus ruiniert sich selbst

      Von wegen Sozialismus! Nicht die Vermögen, die Schulden der Banken werden sozialisiert. Der Staat pumpt Steuergelder von morgen in ein kaputtes System. Das ist die eigentliche Krise. VON FRIEDRICH KROTZ


      "Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten. Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurückgeschleudert hätte?"

      So schreiben Friedrich Engels und der neuerdings wieder viel zitierte Karl Marx im Vorwort zum "Kommunistischen Manifest" über das Gespenst ihrer Zeit, den Zusammenschluss der Arbeiter, dessen Erfolg er sich erhoffte. Das Gespenst von heute ist die sogenannte Finanzkrise.

      Im Gegensatz zu Marx Gespenst von damals ängstigt es vor allem die Arbeiter und Angestellten, und erst recht die, die am Rande der Gesellschaft leben, hier oder in der Dritten Welt. Denn ihnen droht, so heißt es, Arbeitslosigkeit, Konsumverzicht und das Ende jeder Gesundheits- und Sozialpolitik. Auch wenn die Medien beharrlich über die Folgen schweigen - den Steuerzahlern dämmert allmählich, dass sie auf Jahrzehnte hinaus die unglaublichen Gelder werden abtragen müssen, die der Staat in das marode Bankensystem pumpt. Längst nicht so sehr ängstigt die Krise die Kapitalisten und Couponschneider, die Heuschrecken und Finanzierungsgenies, obwohl doch sie es waren, die zahlreiche Volkswirtschaften in den Ruin getrieben haben. Die die hart erarbeiteten Überschüsse der Völker der Welt in sinnlosen Spekulationen verbrannt und in irrwitzige Boni für sich selbst verwandelt haben. Das Übernachten unter der Brücke, die Teilnahme an einer Fernsehshow "Wie überlebe ich als Obdachloser in der Großstadt" ist für sie nicht vorgesehen.

      Das Verstörende an dieser Krise ist, dass sie bisher vor allem an den riesigen Geldbeträgen erkennbar wird, über die die Regierungen ganz plötzlich zu verfügen meinen und die die Krise eigentlich eindämmen sollen. Niemand weiß, was genau die Bedrohung ist, und erst recht nicht, welche Dimension und welches Ausmaß sie hat - eine tragfähige Analyse gibt es ebenso wenig wie eine begründete Strategie. Ist die Krise vielleicht vor allem ein Alibi dafür, Leute zu entlassen, Lohnforderungen abzublocken und Fehlspekulationen mit Steuergeldern auszugleichen? Sind vielleicht gar die gigantischen Rettungsmaßnahmen selbst die eigentliche Krise? Die Finanzberater empfehlen jedenfalls bereits wieder, Aktien und insbesondere Bankaktien zu kaufen, und auch das Karussell der Leerverkäufe hat wieder eingesetzt - das ideale Mittel, um aus den Verlusten anderer Kapital zu schlagen.

      Die Krise soll entstanden sein, weil Grundstückskäufer ihre Schulden nicht bezahlen konnten. Warum aber, so eine der Fragen, über die Medien und Regierung hinweggehen, warum werden dann die Banken mit Geld gefüttert und nicht die Familien und Haushalte, die ihre Kreditzinsen nicht mehr bezahlen können? Dann bekäme das Banksystem Geld, und zugleich würden Eltern und Kinder nicht aus ihren Häusern gejagt.

      Vermutlich würde dann allerdings deutlich werden, dass die sogenannten faulen Kredite nicht mehr als ein kleiner Auslöser der Krise waren. Es waren ja auch nicht die Kunden von Ratiopharm, die die Merckle-Gruppe in die Schieflage gebracht haben. Es waren vielmehr die gigantischen Spekulationen mit VW-Aktien, für die Merckle bezahlen musste und an denen vor allem Porsche verdient hat. Die Krise, wenn es denn eine ist, ist das Resultat von Spekulation und Gier, von Gewinnsucht und Maßlosigkeit, von überzogenen Marketingmaßnahmen und Überredung, von Betrug und Kasinokapitalismus. Wenn es eine Krise ist, dann war es vielleicht zunächst eine der Banken, jetzt ist es eine des Kapitalismus.

      Denn wenn die Banken jetzt kein Geld mehr verleihen, obwohl sie könnten, ist das das Ergebnis eines Lernprozesses. Sie haben verstanden: Wenn im Kapitalismus jemand freundlich zu dir ist, pass auf deine Brieftasche auf. Die Ostdeutschen mussten diese bittere Lektion nach der deutsch-deutschen Vereinigung lernen. Wer dir einen Kredit anbietet, will vor allem deine Zinsen, auch wenn du bankrottgehst. Wer dir Wertpapiere verkauft, legt dich rein, selbst wenn das von Bank zu Bank stattfindet. Vertrauenskrise? Nein. Die Angst vor dem andern ist im konsequenten Kapitalismus angelegt, und sie ist jetzt in seinem Zentrum, dem Bankensystem, angekommen. Das Misstrauen der Banken gegen ihre Kunden und das Misstrauen der Kunden gegen die Banken ist ein strukturell begründetes Misstrauen aller gegen alle, auch gegen die gültigen Gesetze und Regeln. Deswegen ist die Krise eine Krise des Kapitalismus.

      Dieses Misstrauen kann der Staat mit noch so vielen Milliarden nicht beseitigen. Dass er es versucht, wirft allerdings weitere Fragen auf. Deutschland hat ein funktionierendes staatliches Bankensystem. Es besteht flächendeckend und auf allen Ebenen aus kommunalen Sparkassen, staatlichen Landesbanken, der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Wenn es darum ginge, die "freie Wirtschaft" mit Krediten zu versorgen, wäre dies darüber gut zu organisieren. Die staatlichen Banken müssten natürlich viel besser kontrolliert werden als bisher - vielleicht nicht von Politikern, sondern von Sparkunden. Warum muss der Staat dann die Privatbanken retten? Warum sollen die, die den Markt immer vergöttert haben, jetzt nicht mit diesem Markt glücklich untergehen dürfen?

      Statt die Steuermittel gezielt und sinnvoll einzusetzen, transferiert die Regierung lieber die Steuern der nächsten Generationen in das marode private Bankensystem von heute. Im Namen der Marktwirtschaft wird so die Marktwirtschaft ruiniert. Statt der Vermögen der Banker werden die Verluste der Banken verstaatlicht und dadurch erst sozialisiert und den Steuerzahlern aufgebürdet. Dafür wird der Staat dann auch noch kritisiert. Nicht weil er kein Geld mehr haben wird für Umwelt, Infrastruktur, soziale Gerechtigkeit oder Bildung, sondern dafür, dass er für sein Geld ein wenig Kontrolle will und die aberwitzigen Gehälter zu begrenzen versucht. Aus Sicht der Wirtschaft: unverschämt und undankbar.

      Das machen uns Tag für Tag die Medien klar. Sie berichten, was Bundeskanzlerin Merkel den Chefredakteuren und Verlagsdirektoren schon bei einem eigens einberufenen Treffen im vergangenen Oktober vorgesagt hat. Sie halten die Bürger bei Laune, auf dass diese stillhalten. Wie viel Geld bereits in die Banken gepumpt wurde, wie viele Milliarden Bürgschaftszusagen vergeben wurden (und wie viele Hartz-IV-Monats"löhne" das sind), das steht auch nicht in der Zeitung. Die Süddeutsche (vom 15. 1.) beispielsweise versteckt die Mitteilung, dass die Hypo Real Estate zum vierten Mal in vier Monaten Milliarden Bargeld und Bürgschaften braucht, unter der Überschrift "Wenn Steinbrück an die Tür klopft". Sorgen macht man sich hier nur um die Frage, ob der Staat nicht zu mächtig wird. Gewiss, eine wichtige Frage, aber wohl kaum die derzeit wichtigste. Während die Banker die Staatsknete abzocken, wird die Diskussion über den Missbrauch wirtschaftlicher Macht zu einer Diskussion darüber, ob der Staat denn nun Schulden machen darf oder nicht - unabhängig davon, wofür er sie macht.

      Was also ist die Krise? Das Bankensystem hat sich selbst ruiniert, aber nicht weil es die Regeln des Kapitalismus verletzt hat, sondern weil es sie konsequent befolgt hat: Ziel war und ist nichts als Gewinn, soziale Verantwortung oder Ethik hin oder her. Ebenso wie der Staatssozialismus an sich selbst erstickt ist, haben sich die Banken damit in einem Meer von Geld selbst ertränkt und sich gegenseitig in die Pleite getrieben. Im Unterschied zum Staatssozialismus haben die Banken aber einen Weg gefunden, das Ende des Kapitalismus noch einmal in ein neues Aufblühen zu verwandeln. Denn zusammen mit den Medien sorgen sie dafür, dass sich die Struktur des Wirtschaftssystems nicht ändert, aber der Staat die Kosten trägt. Wie lange? Bis auch er pleite ist.

      Damit fügt sich die derzeitige Bankenkrise aber in eine ganz andere Entwicklung ein. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil aus Vermögen und Unternehmertätigkeit am Bruttosozialprodukt kontinuierlich gestiegen, in der Bundesrepublik wie im Rest der Welt. Der entfesselte Kapitalismus hat getan, wofür er da ist, nämlich die Kapitalrenditen immer stärker in die Höhe getrieben und so die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet. Der Anteil der Kapitalerträge am Volkseinkommen kann aber rein logisch nicht immer weiter wachsen: Wenn das, was Arbeiter und Angestellte vom Bruttosozialprodukt bekommen, zum Leben immer größerer Teile der Bevölkerung und zur Legitimation nicht mehr ausreicht, dann können die Gewinne nur noch zunehmen, wenn der Staat seine Steuergelder an die Banken und Unternehmen transferiert. Genau das erzwingt und legitimiert die derzeitige "Vertrauenskrise".

      Erhalt der Arbeitsplätze und der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, das waren und sind die Argumente, warum Lohnforderungen nicht erfüllt und Arbeitsschutzregeln abgebaut werden. Jetzt sind es auch Argumente, warum der Staat die Schulden der Banken übernehmen muss. Von der Auto- bis zur Pornoindustrie, von den Herstellern von Armaturen bis hin zu denen von Spielzeugeisenbahnen fordern alle unter heftigen Drohungen Unterstützung. Peinlich, dass die deutschen Banken diese Gelder bevorzugt dazu verwenden, um andere Banken zu kaufen: die Deutsche die Postbank, die Commerzbank die Dresdner. Peinlich, dass die HSH-Nordbank ihren privaten Eigentümern Renditen ausschüttet, nachdem sie Staatshilfen erhalten hat. Peinlich, dass die Boni für Mitarbeiter einklagbar sind, selbst wenn die Bank pleitegeht. Insgesamt wird die Krise so aber zu einer Rettung der Renditen, zur Reparatur der Krise des Kapitalismus.

      Ein Gespenst geht um in Europa und in der Welt - das Gespenst einer Banken- und Finanzkrise ungeheuren Ausmaßes. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd auf dieses Gespenst verbündet - der Papst und die Zaren in Moskau, Merkel und Sarkozy, französische Radikale und deutsche Ordnungshüter, und auch die Herrscher in den asiatischen Ländern äußern Besorgnis darüber, was mit ihren Billionen Dollar wohl geschehen wird. Alle sind sich einig, dass dieses Gespenst unerbittlich bekämpft werden muss und dass alle Bürgerinnen und Bürger, vom reichen Banker bis hin zur letzten Putzfrau, dafür unvorstellbare Opfer zu bringen haben.

      Jene allerdings, die dieses Gespenst erst geschaffen haben, kooperieren jetzt mit ihm, die Aktienbesitzer und Banker, die Spekulanten und Vorstände. Sie verdienen bereits wieder an Spekulationen und billig erworbenen Aktien. Sie wissen, dass ihre Zukunft gesichert ist. Denn sie haben mit ihrer Pleite am Ende einer grandiosen Abzocke das erreicht, was Kapitalisten bei Strafe ihres Untergangs erreichen müssen: Sie haben großartige Renditen erzielt und überlassen jetzt dem Staat ihre Schulden, verlangen dafür aber nach wie vor Zinsen - ein Kapitalismus ohne Kapital, der von den Zinsen vergangener Geschäfte lebt.

      Die normalen Bankkunden, Bürgerinnen und Bürger, also jene, die die Zeche zahlen müssen, sie bleiben - einmal mehr - geduldig. Politiker, Banker und Medien gemeinsam appellieren an ihr Verantwortungsbewusstsein: "Wir haben euer Wirtschaftssystem ruiniert, und jetzt wollen wir noch die zukünftigen Generationen darauf verpflichten, jahrzehntelang Schulden dafür abzubezahlen. So lange haltet bitte noch still, bis wir das gesichert haben."

      Die Banken und Spekulanten wissen, was sie wollen. Die Bundesregierung modifiziert ihr neoliberales Denken nur wenig und zielt auf geringfügige, aber teure Reparaturen, bedient ihre Klientel und verbeugt sich vor der Lobby. Eine umfassende Analyse nimmt sie ebenso wenig vor wie das Entwickeln einer haltbaren Strategie. Auch die Zivilgesellschaft schweigt bisher, um Orientierung bemüht in einer unübersichtlichen Lage. Noch haben auch die Bürger, zumindest in Deutschland, Vertrauen und glauben den Versprechen der Ackermänner, obwohl sich deren Ansagen immer wieder als falsche Zusagen oder Prahlerei entlarven.

      Es wird Zeit, dass wir nicht mehr nur von den Regierungen in anderen Ländern erfahren, sondern auch davon, wie die Völker in diesen anderen Ländern auf die Krise reagieren: dass die irischen Banken anderen Unternehmen im Ausland Geld in der Größenordnung des Zehnfachen des Bruttosozialprodukts schulden - und dass das mit Abzahlen in Jahrzehnten nicht zu reparieren ist; dass Ursache der Unruhen in Griechenland nicht nur eine versteinerte Politik, sondern auch eine unverantwortliche "freie" Wirtschaft sind; dass die Isländer immerhin ihre Bankrotteursregierung davongejagt haben; dass sich in Lettland, Russland und Großbritannien Formen politischen Widerstands regen, die nicht mehr auf die Einsichtsfähigkeit der etablierten Regierungen hoffen.

      Hier sollten die Medien ansetzen, indem sie von Alternativen berichten, statt wie zu Kaisers Zeiten Ruhe als erste Bürgerpflicht zu propagieren. Auch sie müssen sich entscheiden, ob sie ein Korrektiv gegen gierigen Kapitalismus und ängstliche Politik sein wollen oder nicht. Wir brauchen neue, an die Wurzeln gehende Ideen und Debatten, um unser Leben nicht länger durch entfremdete Arbeit bestimmen zu lassen. Nur wenn die Bevölkerung die Sache selbst in die Hand nimmt und der Regierung sagt, wie sie zu handeln hat, wird diese sich gegen die Lobbys durchsetzen und sich das Finanzsystem untertan machen können. Sonst wird das alles enden, wie Marx es vorausgesagt hat: Der Kapitalismus als eine Folge von Krisen, die immer existenzieller werden. Irgendwann dann auch für die Banker.

      Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-finanzkrise…
      4 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:52:51
      Beitrag Nr. 1.013 ()
      Hier mal etwas ohne Bezug, aber dennoch passend....

      Steuerausgaben

      Mangelnde Transparenz: Deutschland nicht besser als Sri Lanka
      Wolfgang Kerler (Washington)

      Schlechte Noten für die deutsche Haushaltspolitik: Wer als Bürger wissen will, was der Staat mit seinen Steuereinnahmen anstellt, wird in Deutschland nicht besser informiert als im Bürgerkriegsland Sri Lanka. Das ergab eine internationale Studie.

      Weiterführend (für alle, die es interessiert): http://www.wiwo.de/politik/mangelnde-transparenz-deutschla…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 19:59:11
      Beitrag Nr. 1.014 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.602.806 von Maraho am 18.02.09 14:10:32So langsam habe ich kein Verständnis mehr....

      18.50 Uhr: Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate erweist sich als Fass ohne Boden. Nach einem Bericht der "FAZ" (Donnerstag), sollen in den kommenden Wochen weitere Garantien von bis zu 20 Milliarden Euro nötig sein. Zudem mangele es an Eigenkapital. Bis Ende März müsse die Bank ihren Jahresabschluss vorlegen. In der Branche kursiere die Befürchtung, dass die HRE die Mindestquoten für das Eigenkapital aus eigener Kraft nicht mehr erfüllen kann und weitere zehn Milliarden Euro erforderlich sind. Seit Oktober wurden der Bank bereits 102 Milliarden Euro an Kapitalhilfen und staatlichen Garantien gewährt. Ohne diese müsste der Konzern Insolvenzantrag stellen.

      Quelle Krisenticker: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,6…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:07:20
      Beitrag Nr. 1.015 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.403 von Maraho am 18.02.09 18:42:08Ergänzend noch hierzu:

      Defizitverfahren
      gegen sechs Staaten


      Die EU-Kommission hat sechs Länder wegen ihrer hohen Haushaltsdefizite abgemahnt. Gegen Frankreich, Spanien, Irland, Griechenland, Lettland und Malta wurden Defizitverfahren eröffnet. Die Neuverschuldung der Länder habe im vergangenen Jahr bereits über der Referenzmarke von 3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt gelegen und werde im laufenden Jahr noch weiter steigen, hieß es zur Begründung.

      Quelle: http://www.cicero.de/index.php
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:25:18
      Beitrag Nr. 1.016 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.589.336 von Maraho am 16.02.09 19:24:00Jetzt schreiben auch schon andere Blätter bzw. Portale darüber....

      18,2 Billionen Euro faule Vermögenswerte?

      Die europäischen Banken sitzen derzeit auf 16,3 Billionen Pfund (18,2(? WL) Billionen Euro) unverkäuflicher Wertpapiere, geht aus einem Papier der EU-Kommission hervor, auf das sich die britische Tageszeitung “Daily Telegraph” beruft. Demnach seien derzeit rund 44 Prozent aller Vermögenswerte der europäischen Banken “faul” oder unverkäuflich und könnten für das EU-weite Bankensystem ein “systemisches” Risiko bedeuteten. Die EU-Finanzminister sollen am Donnerstag bereits über das 17-seitige “streng geheime” Papier beraten haben.

      “Schätzungen über die gesamten zu erwartenden Abschreibungen lassen erwarten, dass die budgetären Kosten für die Finanzhilfen - derzeit und geplant - sehr groß sein könnten - sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum BIP der Mitgliedsstaaten”, heißt es im EU-Dokument laut Zeitung. “Es ist essenziell, dass die Staatshilfen nicht in einer Größenordnung stattfinden, die Sorgen über eine Überschuldung oder Finanzierungsprobleme hervorrufen”, heißt es weiter.

      Das Papier sieht außerdem die Gefahr eines Subventionswettbewerbs unter den EU-Staaten, sollten die Mitgliedstaaten einander untergraben, indem sie die besonders gefährdeten Forderungen in sogenannten “Bad Banks” auslagern. Dies könnte den EU-Binnenmarkt unterminieren, schreibt die Zeitung. Als weitere Folge wird auch eine Explosion der Budgetdefizite befürchtet. So rechnet man etwa in Irland für 2010 mit einem Budgetdefizit von 12 Prozent, während die Haushaltsdefizite fast 10 Prozent betragen dürften. Bisher haben die EU-Staaten mit Garantien und Konjunkturpaketen im Ausmaß von 2,7 Billionen Euro ihren Volkswirtschaften unter die Arme geholfen.
      Quelle 1: Der Standard http://derstandard.at/druck/?id=1234507293204
      Quelle 2: Daily Telegraph http://www.telegraph.co.uk/finance/financetopics/financia…

      Hinweis unseres Lesers P.R.-S.: Der Daily Telgraph berichtete am 11.2.2009 von einem EU-internen Dokument, aus dem hervorgeht, dass europaweit mit etwa 16,2-trillion-bail-outs zu rechnen ist. Es fehlen in dem Artikel (mittlerweile) die Zahlen, offensichtlich durften diese nicht veröffentlicht werden.

      In den ersten Ausgaben stand am 11. Februar 2009 noch:

      The figures, contained in a secret European Commission paper, are startling. The dodgy financial packages are estimated to total £16.3 trillion in banks across the EU. The impaired assets may amount to an astonishing 44 per cent of EU bank balance sheets. It is a deep ditch the bankers, regulators and their friends in government have dug us into.

      In der “redigierten” Ausgabe ist jetzt nur noch folgendes zu lesen:

      Estimates of total expected asset write-downs suggest that the budgetary costs – actual and contingent - of asset relief could be very large both in absolute terms and relative to GDP in member states.

      Wenn man über die seitliche Leiste rechts weitersurft oder googelt “‘Toxic’ EU bank assets total £16.3 trillion” gibt es weitere Infos und Diskussionsbeiträge über die von Zauberhand verschwundene Zahl von 16,2 Trillionen (…)

      Anmerkung WL: Für solche Zahlen fehlt einem ohnehin das Vorstellungsvermögen, wenn sie aber nur näherungsweise zutreffen, dann kann einem nur schwarz vor Augen werden – oder mir kommen die Geldscheine meines Großvaters aus den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Sinn, deren Nullen man kaum noch zählen konnte, für die man sich aber, wie mir meine Großmutter sagte, kaum noch ein Brot kaufen konnte.

      Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=3779#more-3779
      25 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:31:23
      Beitrag Nr. 1.017 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.081 von Maraho am 18.02.09 18:01:52Neuester Stand:

      Obama: 275 Milliarden für Eigenheime

      US-Präsident Obama hat erklärt, seine Regierung wolle neun Millionen Eigenheimbesitzern helfen, die von Zwangsversteigerung bedroht sind.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/video/politik/obama-275-milliar…

      Diesen "Müll" kann man nicht mehr ernst nehmen!
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:38:40
      Beitrag Nr. 1.018 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.597.965 von kiska am 17.02.09 20:38:22Weiterführend in Bezug auf kiska´s Beitrag:

      Anlagebetrug

      Stanford fliegt auf
      von Rolf Benders

      Die USA stehen nach dem Madoff-Skandal offenbar vor einem weiteren Fall von massivem Anlegerbetrug. US-Behörden werfen dem texanischem Milliardär Allen Stanford Anlagebetrug vor und schließen drei seiner Finanzinstitute – um Investoren zu schützen und rasche Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicheru…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:46:18
      Beitrag Nr. 1.019 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.606.350 von Maraho am 18.02.09 20:31:23Jetzt hab´ ich es kapiert: Die amerikanische Regierung hilft Hausbesitzern mit 75 Milliarden Dollar und den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac mit 200 Milliarden.
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:53:29
      Beitrag Nr. 1.020 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.566 von Maraho am 18.02.09 19:02:59@Maraho,

      Ja, Ja Erhard. Hierzu vielleicht eine kleine Anmerkung:
      Der ehemals in Bochum lehrende Historiker Abelshauser beschreibt
      in einem seiner Bücher, dass Erhard eigentlich im Jahr 1950 zur Entlassung wegen Unfähigkeit angestanden habe. Die Situation: Hohe
      Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig hoher Inflation. Also das, was wir heute Stagflation nennen. Der Hohe Kommissar Mc Cloy habe Adenauer auf den Petersberg bei Bonn zitiert und Erhards Entlassung gefordert.
      Gleichzeitig forderte er die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien Bergbau und Stahlindustrie. Adenauer jedoch hat die Entlassung Erhards um viele Monate hinausgzögert. Bis dahin hatte der Korea- Krieg einen solchen Nachfragesog entfaltet, dass das sog. Wirtschaftswunder in Gang kam und Erhard zur Kultfigur dieses Wirtschaftswunders aufstieg!
      Was die Deutschen kollektiv aus ihrem Gedächtnis gestrichen haben, ist dass, die Initialzündung dafür ein mörderischer Krieg war, an dessen Ende die Teilung Koreas stand, die bis heute andauert. So ungerecht ist das Leben.
      Gruß Windei
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:54:29
      Beitrag Nr. 1.021 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.931 von Maraho am 18.02.09 19:47:00So, noch dies, dann reicht es (mir auch!)....

      Währung
      Großbritannien wirft die Notenpresse an

      Die Führung der Bank von England will Staatsanleihen aufkaufen. Dafür wird die Notenpresse angeworfen. Die Briten schlagen damit einen ähnlichen Weg ein wie die US-Notenbank Fed oder die Zentralbank von Japan. Großbritannien pumpt deswegen Geld in den Markt, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen.

      Quelle und weiterführend: http://www.welt.de/finanzen/article3227671/Grossbritannien-…
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 20:58:56
      Beitrag Nr. 1.022 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.606.539 von windei am 18.02.09 20:53:29Danke für diesen kleinen Exkurs.
      Einer muß halt immer zahlen!
      Im übrigen, rückblickend wird vieles glorifiziert.

      Dir einen schönen Abend und eine gute Nacht.
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 21:03:33
      Beitrag Nr. 1.023 ()
      Liebe Freundinnen und Freunde dieses Threads,
      ganz herzlichen Dank meinerseits an Euch für euer Durchhaltevermögen, euer Interesse und euer Engagement.

      Einen schönen (Rest-)Abend bzw. eine gute Nacht wünscht
      Maraho

      P.S.: Schlaft gut!
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 22:49:27
      Beitrag Nr. 1.024 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.606.548 von Maraho am 18.02.09 20:54:29"Bank von England will Staatsanleihen aufkaufen"

      Das ist für alle die beste Lösung: Jedes Land muß den Dreck behalten, den es produziert, auch wenn es daran zugrunde gehen wird. Und je mehr von ihrem Dreck die verantwortlichen Notenbanken selbst aufkaufen, desto zunehmend geringer wird die Nachfrage aus dem Ausland für die kaufkraftbefreiten Papiere ausfallen.

      :)
      Avatar
      schrieb am 18.02.09 22:58:59
      Beitrag Nr. 1.025 ()


      Avatar
      schrieb am 19.02.09 05:13:33
      Beitrag Nr. 1.026 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.602.693 von Maraho am 18.02.09 13:57:25Guten Morgen zusammen,

      ich wünsche euch zuerst einmal einen erfolgreichen Tag.
      Möge euch alles gelingen!

      Hier nun eine Meldung, Opel betreffend.
      Ich für meinen Teil denke, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
      Die Zeit wird es zeigen....

      Opel-Mitarbeiter können Hoffnung schöpfen

      Detroit (dpa) - Die rund 25 000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland können neue Hoffnung schöpfen. General Motors hat bislang keine Pläne, Opel-Standorte in Deutschland dicht zu machen. Das sagte NRW- Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in Detroit nach einem Gespräch mit GM-Chef Rick Wagoner. Opel Europe werde nach dem Willen der GM-Spitze in den kommenden Wochen einen Sanierungsplan ausarbeiten. Zugleich zeigt sich GM-Chef Wagoner auch immer offener für eine schrittweise Herauslösung Opels aus dem ums Überleben kämpfenden GM-Konzern.

      © Die Welt
      erschienen am 19.02.2009 um 04:46 Uhr
      227 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 05:35:33
      Beitrag Nr. 1.027 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.292 von Maraho am 18.02.09 18:27:52Eigentlich sinn-entleert, das ganze....
      Zumal bei der Produktion von Neuwagen wieder eine Menge Resourcen draufgehen und auch die Umwelt dadurch belastet wird....

      Für die Presse viel zu schade?
      Dank Abwrackprämie: Trubel auf dem Autofriedhof

      Auf dem Hof von Stefanie Wolter sind sie alle vereint: Deutsche und Franzosen, Italiener und Japaner, selbst ein Amerikaner und ein Engländer sind dabei - friedlich, still, kaputt. Doch auf Wolters Betrieb, einer der größten Autoverwerter in Nordhessen, geht es derzeit lebhaft zu ...
      Quelle: http://www.handelsblatt.com/technologie/technik/dank-abwra…


      Für alle, die es interessiert, hier ein Link....

      Wie ressourceneffizient ist die Autoproduktion? Hersteller im Vergleich
      .... Im Zentrum der Debatte stehen jedoch nur die Verbrauchswerte und CO2-Emissionen der Autos. Die ebenfalls signifikanten Umweltbelastungen durch die Automobilfabriken bleiben bisher außen vor.
      http://idw-online.de/pages/de/news252578
      26 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 05:39:33
      Beitrag Nr. 1.028 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.498 von Groupier am 18.02.09 22:58:59Danke Dir für die "Nachtschicht"! Eigentlich immer ein guter Abschluß, Deine eingestellten Karikaturen.

      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 05:53:03
      Beitrag Nr. 1.029 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.603.753 von Triakel am 18.02.09 15:44:16Ergänzend zu Triakels Beitrag:


      Strukturbruch

      Dossier: USA als Industriestaat am Ende
      von Ulrike Heike Müller und Stefanie Marie Scholz (Berlin)

      Die aktuelle Krise hat den strukturellen Einbruch der Industrie in den USA dramatisch beschleunigt. Erstmals arbeiten nach jüngsten Statistiken weniger US-Amerikaner in der Industrie als 1950.


      "Die US-Wirtschaft steckt in einer Phase der Deindustrialisierung", sagte David Milleker, Chefvolkswirt von Union Investment. Der US-Experte führt den Rückgang unter anderem darauf zurück, dass viele amerikanische Produkte international nicht mehr wettbewerbsfähig seien.

      Betroffen sind speziell die Autobauer, die nach Einschätzung von Experten jahrelang auf zu große, benzinfressende Fahrzeuge gesetzt haben. Großkonzerne wie General Motors bettelten nun mehrfach um neue Staatshilfen, um die aktuelle Rezession zu überstehen.

      Traditionell hat der Industriesektor in der weltgrößten Volkswirtschaft eine geringere Bedeutung als in den meisten Industriestaaten. Einzige Ausnahme ist Deutschland; hier hat der Sektor in den vergangenen Jahren zugelegt. Dennoch ist der Niedergang der US-Industrie in den vergangenen Jahrzehnten massiv.

      Lag der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftsleistung im Jahr 1947 noch bei mehr als einem Viertel, waren es im Jahr 2007 weniger als zwölf Prozent. "In den USA, wo die Inlandsnachfrage am meisten zur Wertschöpfung beiträgt und relativ wenig über die Exporte läuft, gewinnt der Servicesektor natürlich an Bedeutung", sagte Milleker.

      Die aktuelle Flaute - sie hat die US-Wirtschaft in die tiefste Rezession seit Jahrzehnten gestürzt - verschärft die Talfahrt der Industrie noch. Während der Anteil der Industriejobs an der gesamten Beschäftigung im Jahr 1950 noch bei fast einem Drittel gelegen hatte, sank er im Januar erstmals unter zehn Prozent.

      Und Ökonomen sagen voraus, der Sektor werde weiter Jobs abbauen und an volkswirtschaftlicher Bedeutung verlieren. Wie schlecht es dem Sektor geht, verdeutlichen auch die Zahlen zur Industrieproduktion. Die Firmen stellten im Januar 1,8 Prozent weniger her als im Vormonat. Im Dezember hatte das Minus 2,4 Prozent betragen. Damit schrumpft die Industrie mit Ausnahme eines Monats seit August 2008.

      Angesichts der sinkenden Nachfrage nach Waren "made in USA" setzen die Firmen des verarbeitenden Gewerbes immer mehr Mitarbeiter auf die Straße. Allein von Dezember bis Januar gingen bei ihnen nach Angaben der Regierung fast 320.000 Jobs verloren. Besonders hart traf es die Mitarbeiter in der Industrie. Allein dort strichen die Unternehmen 207.000 Stellen.

      Anders als in Europa zählen die Statistiker in den Vereinigten Staaten den Bausektor nicht zur Industrie. Wäre dies der Fall, würde der Jobabbau des industriellen Sektors noch stärker ins Gewicht fallen. Unterm Strich bauen zwar auch die Dienstleister kräftig Stellen ab. In diesem Bereich gibt es aber trotz Rezession sogar noch Branchen, die neue Mitarbeiter einstellen: Im Bildungs- und Gesundheitswesen waren im Januar 54.000 Mitarbeiter mehr beschäftigt als im Dezember. Auch die Regierung stellte neue Leute ein. Ein Blick auf die Quartalszahlen bestätigt den Trend: Im dritten Quartal beschäftigte der gesamte Sektor 71.300 Mitarbeiter mehr als im dritten Quartal.

      "Ich halte es für übertrieben, von einer völligen Deindustrialisierung der USA zu sprechen", sagte Bernd Weidensteiner, US-Experte bei der Commerzbank. Zwar verlagerten Unternehmen die Herstellung einfacher Waren häufig ins Ausland. "Doch in den Hightechbereichen ist die US-Industrie immer noch wettbewerbsfähig", betonte er. Zudem gliederten Firmen Abteilungen aus. Diese zählen dann oft statistisch nicht mehr zur Industrie. Ökonomen betonen, die Fortschritte in Wissenschaft und Technik führten natürlich dazu, dass die Industrie mit immer weniger Mitarbeitern auskommt. Gleichzeitig sei die Produktivität der US-Industrie wie in jedem anderen Land deutlich stärker gestiegen als bei den Dienstleistern.

      Dies erkläre zumindest einen Teil des Beschäftigungsabbaus. Gleichzeitig sei um einzelne Industriezweige ein großer Servicebereich entstanden, der den Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftsleistung immer stärker nach unten drückt, sagte Weidensteiner. "Trotzdem war der Rückgang des Industriesektors in den letzten 10 bis 15 Jahren zu heftig."

      Ein Fehler sei gewesen, dass Unternehmer sich auf Branchen konzentrierten, die ihnen ertragreicher schienen als ihre herkömmlichen Geschäfte; allen voran der Immobiliensektor.

      Quelle und weiterführend: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:Strukturbruch-USA…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 06:02:42
      Beitrag Nr. 1.030 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.973 von Maraho am 19.02.09 05:53:03Nehmen wir es einfach mal kommentarlos zur Kenntnis....


      Konjunktur
      Fed erwartet 2011 kräftiges Wachstum

      Die US-Notenbank erwartet für 2009 eine schwere Rezession in den USA. Doch bereits 2010 soll es schon wieder aufwärts gehen. Und 2011 könnte es noch besser kommen: Ausblickend erwartet die Fed ein Wachstum der US-Wirtschaft von bis zu 5 Prozent.

      Washington - Nach einem scharfen Konjunktureinbruch 2009 erwartet die US-Notenbank bereits in den nächsten beiden Jahren wieder ein solides Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt. Für 2010 prognostiziert die Zentralbank ein Wachstum von 2,5 bis 3,3 Prozent. Für 2011 rechnen die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Federal Reserve mit einem kräftigen Plus zwischen 3,8 und 5 Prozent, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten jüngsten Sitzungsprotokoll des Gremiums.

      Die Erholung der US-Wirtschaft hänge zuallererst von den staatlichen Maßnahmen ab, sagte Fed-Chef Ben Bernanke. Seien sie "kraftvoll und entschlossen", könnte es bereits in diesem Jahr Anzeichen einer Gesundung geben.

      Dennoch rechnet der Offenmarktausschuss, der den Leitzins festlegt, für 2009 mit einem Schrumpfen der US-Wirtschaft zwischen 0,5 und 1,3 Prozent. Nach dem robusten Plus im kommenden Jahr werde die Konjunktur dann 2011 voraussichtlich an Fahrt gewinnen und vorübergehend "ein Tempo gewinnen, das oberhalb der dauerhaften, langfristigen Wachstumsrate liegt", heißt es in dem Protokoll der Ausschusssitzung von Ende Januar.

      Erstmals veröffentlichte die Fed auch einen längerfristigen Ausblick, der sich auf die nächsten fünf bis sechs Jahre erstreckt. Danach sehen die Währungshüter ein Wachstum im Bereich zwischen 2,5 und 2,7 Prozent.

      Arbeitslosenquote bleibe vorerst hoch

      Trotz des erwarteten Aufschwungs im nächsten Jahr sieht die Notenbank die US-Arbeitslosenquote dann immer noch zwischen 8 und 8,3 Prozent. Erst 2011 werde sie demnach auf zwischen 6,7 und 7,5 sinken und damit leicht unter das derzeitige Niveau.

      Notenbankchef Bernanke zeigte sich derweil zuversichtlich, dass die Maßnahmen von Regierung und Fed im Kampf gegen die Kreditkrise Wirkung zeigen. Die Reaktion der Kreditmärkte auf die bisherigen Schritte der Fed nannte Bernanke am Mittwoch "generell ermutigend".

      Wenn darüber hinaus die von Finanzminister Timothy Geithner angekündigte, massive Ausweitung eines Fed-Programms zur Ankurbelung der Kreditvergabe an Verbraucher wie vorgesehen funktioniere, sei mit niedrigeren Zinsen für Verbraucher, Firmen und Hypothekennehmer zu rechnen, sagte er. Das Programm solle in Kürze anlaufen.

      Bernanke sieht mögliche Inflationsgefahr gelassen

      Bernanke trat Befürchtungen entgegen, die Kreditprogramme der Federal Reserve würden die Inflation anheizen. Angesicht gefallener Rohstoffpreise und des weltweiten Konjunkturabschwung sehe die Notenbank "kurzfristig wenig Risiko einer inakzeptabel hohen Inflation". Der Preisauftrieb werde "einige Zeit" niedrig bleiben.

      Mit dem Schritt, künftig auch längerfristige Wirtschaftsprognosen zu veröffentlichen, will die Fed die Erwartungen der Öffentlichkeit zur Preisentwicklung "stabilisieren", sagte Bernanke. Dies solle dazu beitragen, dass die tatsächliche Inflation nicht zu hoch steige oder zu weit falle, erläuterte der Notenbankchef.

      manager-magazin.de mit Material von dpa
      http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,608563,0…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 06:13:02
      Beitrag Nr. 1.031 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.931 von Maraho am 18.02.09 19:47:00Hier ein Kommentar aus der "wiwo":

      Banken

      Warum die Finanzbranche mit Prognosen für 2009 geizt
      Melanie Bergermann

      MLP und Commerzbank wollen für 2009 keine konkreten Prognosen abgeben. Verständlich. Schlechte Nachrichten verkündet niemand gern. Denn dieses Jahr wird noch einmal besonders bitter für die Finanzindustrie.

      Ganz knapp hat die Commerzbank im vergangenen Jahr noch ein positives Ergebnis erreicht. Drei Millionen beträgt der Gewinn. Im Vorjahr hatte die zweitgrößte deutsche Bank mit 1,9 Milliarden Euro noch so viel verdient wie nie zuvor in ihrer Geschichte.

      Besonders schlecht lief es im vierten Quartal. Allein im Eigenhandel machte das Institut 701 Millionen Verlust. Aber auch den sonst so stabilen Provisionsüberschuss hat es erwischt. Dieser fiel im vierten Quartal von 720 Millionen Euro auf 677 Millionen.

      Nebulöse Worte für dieses Jahr

      Eine Überraschung waren diese Zahlen nicht. Dass 2008 ein dramatisches Jahr für die gesamte Branche war, hat jeder geahnt.

      Spannend ist dagegen was das Jahr 2009 bringt. Hierzu geizen die Unternehmen mit Prognosen. Für die Commerzbank erwartet Finanzvorstand Eric Strutz ein sehr schwieriges Jahr „Wir werden weiter konjunkturelle Belastungen sehen, die aber in 2010 wieder abnehmen sollten.“

      Noch weniger sagt Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandschef des Finanzvertriebs MLP heute zu seinen Erwartungen für dieses Jahr. Er sei „verhalten optimistisch“, sagt Schroeder-Wilberg. „Ziel ist es, dass sich MLP besser entwickelt als das Marktumfeld.“ Das kann nun ein jeder so interpretieren, wie er gerne mag. Wenn sich der Ertrag von AWD und anderen Finanzvertrieben im diesem Jahr halbiert, wäre das dann für MLP wohl auch okay?

      2009 dürfte Katastrophenjahr für Finanzbranche werden

      Strutz und Schroeder-Wildberg wollen nichts zu ihren Erwartungen für dieses Jahr sagen. Natürlich haben sie eine Meinung, aber die dürfte nicht besonders förderlich für den Aktienkurs sein. Denn die Wahrheit ist in diesem Fall schmerzhaft.

      2009 dürfte für beide Unternehmen ein Katastrophenjahr werden. Die Konjunkturprognosen sind miserabel. Die Zahl der Arbeitslosen wird steigen. 2009 wird das Jahr, in dem die Finanzkrise auch beim Endverbraucher, beim Kunden ankommt. Für Finanzdienstleistungsunternehmen hat das zur Folge, dass nun ihr Kerngeschäft von der Krise erfasst wird.

      Die Experten des Frankfurter Investmenthauses Equinet erwarten beispielsweise, dass die Zahl der Unternehmenskredite um drei Prozent zurückgeht - bei einem gleichzeitigen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 15 Prozent auf mehr als 34.000. Banken werden also auf Unternehmenskrediten verhältnismäßig oft sitzen bleiben werden.

      Privatkundengeschäft doppelt betroffen

      Im Privatkundengeschäft werden die Institute in zweierlei Hinsicht getroffen. Zum einen haben in Folge steigender Arbeitslosenzahlen immer weniger Menschen Geld um beispielsweise in die Altersvorsorge oder Vermögensbildung zu investieren. Das trifft die Banken wie die Commerzbank genauso wie Finanzvertriebe wie MLP. Sie können künftig weniger Produkte verkaufen als bislang, damit fallen ihre Provisionseinnahmen.

      Den Banken kommt dabei noch zugute, dass sie ihre Erträge in unterschiedlichen Segmenten erwirtschaften. Vertriebe wie MLP leben dagegen fast ausschließlich von den Provisionen, die sie für verkaufte Produkte erhalten. Ebenfalls ist zu befürchten, dass es auch verstärkt zu Zahlungsausfällen bei Privatkrediten kommt. Wer arbeitslos wird läuft Gefahr seine Konsumentenkredite oder Immobilienkredite nicht mehr bedienen zu können.

      2009 dürfte deshalb noch einmal ein Jahr der schlechten Nachrichten für die Finanzdienstleister werden – auch wenn die Vorstände das noch nicht einräumen wollen.

      Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/warum-die-finanzbr…


      So, das war es erst einmal meinerseits....
      Bis später....
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 06:13:46
      Beitrag Nr. 1.032 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.451 von heuschrecker am 18.02.09 22:49:27;)
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 07:05:30
      Beitrag Nr. 1.033 ()
      Dies geht noch. Wen es interessiert....viel Spaß beim Lesen.
      Bis später...


      Ökonomisches Denken

      Hausfrauen, brecht auf zum Ausverkauf!
      Von Rainer Hank


      „Es liegt eine neue Idee in der Luft.“ Mit diesem Satz beginnt der britische Ökonom John Maynard Keynes am 14. März 1932, mitten in der dramatischen Weltwirtschaftskrise, eine Radioansprache in der BBC: „Staatliche Planung“ heißt diese neue Idee, „etwas, wofür wir vor fünf Jahren im Englischen noch nicht einmal ein gebräuchliches Wort hatten“.

      Listig verschweigt der Ökonom, dass es seine eigenen im Entstehen begriffenen Ideen waren, die er in der Luft liegen sah und die er nun in einer Serie von Radioansprachen einem breiten Publikum zu erläutern suchte. Keynes brachte eine Revolution des ökonomischen Denkens in die Welt und ließ diese so an einem Urknall teilhaben. Das Radio war in den dreißiger Jahren das avancierteste Medium, dessen sich jeder bediente, der die Massen beeinflussen wollte.

      Vom Sparen und Investieren

      Der große Gelehrte war kein Mann des Elfenbeinturms. Der Intellektuelle, dessen Hauptwerk („General Theory“) nicht gerade als Bettlektüre durchgeht, liebte zugleich die einfachen Bilder: „Darum, ihr patriotischen Hausfrauen, brecht gleich morgen früh auf und geht zu den wundervollen Ausverkäufen, die überall angezeigt sind“, rief er in einem Vortrag über den „Zusammenhang von Sparen und Investieren“. Denn Einkaufen mache nicht nur Spaß, es nütze auch der Beschäftigung in Lancashire, Yorkshire und Belfast.

      Schon in seinem großen Essay „The End of Laissez-Faire“, veröffentlicht 1926 und so brillant und sarkastisch geschrieben wie stets, hatte Keynes, der 1883 geboren wurde und seit 1920 als Professor in Cambridge lehrte, eine tiefsitzende Ambivalenz der Menschen gegenüber dem Kapitalismus erkannt. Einerseits wüssten die Leute genau, dass der Wohlstand der Nationen sich ausschließlich dem Geldtrieb verdanke. Andererseits hegten sie eine latente Abscheu gegenüber der Art und Weise, wie sehr das Gewinnstreben alles in seinen Bann ziehe. „Unsere Aufgabe ist es“, schließt Keynes, „eine Sozialordnung zu entwerfen, die so effizient wie möglich ist, um ihre wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, ohne dass wir unsere Vorstellungen von einem guten Leben verraten müssten.“

      Keine schwere These: Die unzureichende Nachfrage

      Zum wohl bedeutendsten Ökonomen des zwanzigsten Jahrhunderts aber machte Keynes seine Deutung der Großen Depression. Die These ist nicht schwer zu verstehen: Dreh- und Angelpunkt sei die unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Wenn das Bedürfnis der Leute nach Gütern und Dienstleistungen zurückgeht, fallen die Einnahmen der Unternehmen. Das führt dazu, dass die Firmen ihre Produktion schrumpfen lassen und Leute entlassen, was abermals auf die Nachfrage drückt und sie zwingt, mit weiteren Kürzungen zu reagieren: eine Dynamik, die in die Katastrophe führt.

      Um diese Spirale zu stoppen, muss der Staat quasi als Ersatznachfrager einspringen und mit viel Geld klotzen. Er darf sich nicht davon abschrecken lassen, dies mit hohen Schulden zu finanzieren. Denn alsbald, so die Hoffnung, führten die Staatsausgaben dazu, dass die Firmen wieder Produkte herstellen, so dass sie und ihre Zulieferer wieder Gewinne machen und Leute einstellen.

      Seine Ansprachen: Aktueller denn je

      „Keynes on Air“, die Radioansprachen des Weltökonomen, muss lesen, wer die erste globale Krise des 21. Jahrhunderts verstehen will. Es ist verblüffend, wie die Themen sich gleichen. Die Ansprache vom 25. November 1932 über das „Für und Wider von Protektionismus“ kommt daher, als sei sie erst gestern über den Äther gegangen. Keynes bekennt sich einerseits zur Standardlehre des Freihandels, wonach der Wohlstand aller Menschen am besten wächst, wenn jedermann sich auf Tätigkeiten konzentriert, die er am besten kann.

      Das hindert ihn nicht, vehement für den Schutz der heimischen Automobilindustrie einzutreten mit dem Argument, die Autobranche sei von nationalem Interesse, „indem sie einer bestimmten, typischen Sorte Engländer überaus ansprechende und reizvolle Aufgaben und Probleme stellt“. Ohne staatlichen Schutz würde die Autoindustrie der Wucht der ausländischen Konkurrenz ausgesetzt und in den Bankrott getrieben. Frankreichs Premier Nicolas Sarkozy, Amerikas Präsident Barack Obama und der westdeutsche Landesfürst Jürgen Rüttgers klingen, als hätten sie Keynes gelesen.

      Die nachfolgenden Generationen waren dem kinderlosen Keynes egal

      Heute wie damals kommt in der westlichen Welt ein „klug gesteuerter Kapitalismus“ in Mode, in der Hoffnung, die staatliche Intervention könne die Instabilitäten der Märkte korrigieren. Allein so zu denken war seit den siebziger Jahren ziemlich verpönt. Jetzt preist der Zeitgeist, den Paul Krugman, der Wirtschaftsnobelpreisträger des vergangenen Jahres, auf den Begriff bringt, den „keynesianischen Moment“. Kaum einer unter Krugmans Kollegen wagt noch zu widersprechen.

      Dass wir den großen Deuter der Depression heute entdecken, ist unser Glück und unsere Tragik. Ob nämlich die Rezepte der dreißiger Jahren auch die angemessene Therapie für heute sind, ist längst nicht ausgemacht. Dass das viele Geld, das der Staat in die Hand nimmt, nachfolgenden Generationen einmal zur unerträglichen Last und den Staaten zum Verderben werden kann, war dem kinderlosen Keynes egal. „Auf lange Sicht sind wir alle tot“, pflegte er zu sagen. Auch ob Keynes sich heute an seine Rezepte von damals halten würde, ist fraglich. „Das ganze modernistische Zeug geht langsam schief und wird albern“, meinte er zu Ende seines Lebens und vertraute seinem Kollegen und Widersacher Friedrich A. von Hayek an, in seinem nächsten Buch gedenke er seine Theorie gründlich zu überprüfen. 1946 ist Keynes gestorben.

      Eine Auswahl von Keynes Radioansprachen finden Sie im Feuilleton der gedruckten Ausgabe der F.A.Z. auf dem Platz des Forsetzungsromans ab Donnerstag, den 19. Februar.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 08:18:26
      Beitrag Nr. 1.034 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.608.008 von Maraho am 19.02.09 07:05:30@Maraho
      Einige kleinere Anmerkungen zu diesem Text:

      "Keynes bekennt sich einerseits zur Standardlehre des Freihandels, wonach der Wohlstand aller Menschen am besten wächst, wenn jedermann sich auf Tätigkeiten konzentriert, die er am besten kann.

      Mit diesem Satz bezieht er sich auf das Ricardo Theorem der Komparativen Kosten. Das ist sozusagen das die theoretische Grundlage
      für das Glaubensbekenntnis all´ derjenigen, die Freihandel und Globalisierung predigen! Die neuere WiWi Forschung hat inzwischen wohl herausgefunden, dass die Aussagen Ricardos nur unter ganz bestimmten, eng begrenzten Annahmen Gültigkeit haben.

      Anmerkung zu Keynes:
      Er war wohl ein sehr erfolgreicher Börsenspekulant. Und außerdem
      Mitglied der englischen Verhandlungsdelegation bei Abschluss des
      Versailler Diktatfriedens 1919. Ich benutze dieses Wort Diktatfrieden ganz bewußt, weil Keynes einer der ganz wenigen
      Wirtschaftsexperten war, der vor den wirtschaftlichen und damit
      einhergehenden politischen Folgen warnte, die mit den Deutschland
      aufoktroyerten Bedingungen verbunden seien. Ganauso ist es dann ja
      auch gekommen. Die verheerende Inflation in Deutschland 1923,
      die schwere Rezession in England Mitte der 20ger Jahre, der die FED und die Bank von England mit einer massiven Geldmengenausweitung zu begegnen suchten und die dann in die Welt-
      wirtschaftskrise 1929 mündete. Aber Keynes konnte sich nicht gegen
      die Gier der Wallstreet-Banken durchsetzen, die England und Frankreich die Kriegskosten vorgestreckt hatten und nun die "Früchte" des Sieges über Deutschland ernten wollten.
      Also mußten die Zahlungsbedingungen für Deutschland immer wieder
      neu ausgehandelt werden. Stichworte: Dawes und Young-Plan.
      Und der Young-Plan 1930, mitten in der Weltwirtschaftskrise, war
      entscheidend für den Aufstieg Hitlers und der NSDAP zur stärksten
      politischen Kraft in Deutschland. Der Volksentscheid über die Annahme des Young-Plan verschaffte Hitler die Möglichkeit, Deutschland weit bekannt zu werden. Da entstand das geflügelte Wort von Hitler über Deutschland. Guido Knoop mit seiner ZDF History läßt dieses entscheidende Detail jedes mal weg, wird trotzdem mit dem Professorentitel belohnt. Denn er hilft dabei,
      zu verschleiern, dass dies der Grund ist, warum dem Deutschen Volk
      das Instrument eines Volksentscheides verwehrt wird.

      So dass soll´s jetzt aber auch gewesen sein.

      Gruß Windei
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 09:08:48
      Beitrag Nr. 1.035 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.608.153 von windei am 19.02.09 08:18:26Guten Morgen windei,

      und am Rande bemerkt: Hitler wurde auch von einflußreichen Amerikanern unterstützt. Der Nationalsozialismus als Bastion gegen den Bolschewismus/Kommunismus sozusagen.

      Und der Knoop, na ja....

      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 09:50:33
      Beitrag Nr. 1.036 ()
      Die Prognose der Fed ist ganz klar eine Aktienkurs-Push-Aktion.
      Die Wirtschaft kollabiert fast, die Industrieproduktion sinkt zum Vormonat um 1,8% (=annualisiert über 20%!), monatlich werden über eine halbe Millionen Menschen entlassen usw...
      Aber klar: minus 1,3% BIP für 2009! Das können die getrost mit dem Faktor 4 oder 5 multiplizieren.
      Aber irgendwie werden die schon statistische Tricks finden, um den Einbruch zu kaschieren.

      Gigantisch die Unterstützung für 9 Mio Häuslebauer in Höhe von 75 Mrd Dollar. Macht für jeden 833,33 Dollar. Nicht mal eine Monatsrate bei einer Verschuldung von hunderttausenden Dollar pro Haushalt.
      Die private Pro-Kopf-Verschuldung in den USA beträgt ca. 47000 Dollar, für eine 4-köpfige Familie also im Durchschnitt fast 190000 Dollar. Die Hilfen sollen ja besonders verschuldeten Haushalten zukommen, die folgerichtig deutlich über dieser durchschnittlichen Verschuldung liegen.
      Bei einer Verschuldung, sagen wir, von 400000 Dollar für eine Familie und einer entsprechenden Zinslast von etwa 24000 Dollar im Jahr und mehr (ohne Tilgung!!!) kann sich jeder ausrechnen, wie sich eine Hilfe von 833 Dollar auswirkt - nahezu Null Auswirkung.
      Und 400000 Dollar Schulden haben für US-Mittelklassehaushalte absolut keinen Seltenheitswert, Millionen Haushalte dürften über dieser Zahl liegen. Die fallen als Konsumenten weitestgehend für etliche Jahre aus, wenn sie nicht den Verlust ihres Hauses riskieren wollen.
      Insofern sind die angekündigten Wachstumszahlen der FED für 2010/11 dem Reich der Elfen und Feen zuzuordnen.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 10:29:00
      Beitrag Nr. 1.037 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.608.831 von Triakel am 19.02.09 09:50:33Stark reduziert auf das Wesentliche und zwingend Logische:

      Was ist Geld überhaupt?-
      Ein akzeptierter Ersatz der erworbenen Ware.

      Ist richtiges Geld vermehrbar? Eigentlich nicht, wenn es unterlegt ist. Gold ist begrenzt und eignet sich bestens zur Unterlegung, zumal eine breite Akzeptanz vorhanden ist beim Volke.

      Ist Papiergeld überhaupt Geld? Nur so lange eine Akzeptanz vorhanden ist.

      Vermehrt man Papiergeld, schwindet die Akzeptanz mit der Vermehrung.

      Was ist, wenn man bunt bedrucktes Geld ausgibt, um Rohstoffe für ein Land zu erwerben, wenn das geldvolumen steigt? Ja, irgendwann wird man mehr bedruckte Scheinchen dafür hinlegen müssen, zumal ja die Rohstoffe auch begrenzt sind!

      Was ist, wenn man soviel Geld geschaffen hat, daß man es überhaupt nicht mehr unterbringen kann? Ja, dann schafft man "künstliche Märkte hierfür und bringt es unter in weiteren ganz neuen Kreationen wie Zertifikaten ohne Unterlegung.

      Marktmanipulationen, wie sind die möglich? Ganz einfach, man wettet mit Optionsscheinen, die eigentlich eine ganz andere Funktionsweise hätten, wie Währungsabsicherungen. Durch Optionsscheine kann man jedoch auch die Aktienmärkte manipulieren, indem man wettet auf Zielkurse. Nun kommen auch noch die Hedge-Fonds ins Spiel.

      Angenommen eine Investmentbank sieht eine neue Technologie heranwachsen, die traumhafte Gewinne verspricht, sie bringt diese Firma an die Boerse. Ausgelagerte Hedge-Fonds kaufen sich ein und ziehen das eingebrachte Kapital über erzwungene Gewinnausschüttungen wieder ab. Der Eigner rettet sich in der Form, daß er seine hohe Beteiligung abbaut und sich so künstlich enteignet. Die Firma wird irgendwann geschluckt, die Technologie übereignet.

      Eich Betrügerspiel, das tagtäglich abläuft vor unseren Augen. Es funktioniert hervorragend, weil wir Alle mitspielen. In Wahrheit aber ist es doch so, daß, je mehr Menschen begreifen, dieses Spiel dann am Ende ist, wenn Niemand mehr bereit ist hier mitzuspielen.

      Was dann folgt ist klar. Die Waren dringendst benötigten verteuern sich enorm, es folgt eine Auslese innerhalb der Wirtschaft. Sie focussiert sich auf das dringendst Benötigte.

      Und da stehen wir gerade an der Schwelle.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 11:19:18
      Beitrag Nr. 1.038 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.609.156 von Dorfrichter am 19.02.09 10:29:00@alle,

      Stanford-Kunden stürmen Banken

      Verzweifelte Sparer kämpfen um ihr Geld: Nach den massiven Vorwürfen gegen US-Milliardär Allen Stanford wollten hunderte Kunden in Caracas und auf Antigua ihre Konten leerräumen - doch die waren schon eingefroren.


      Der Auftakt zu einem Bankenrun?

      Gruß Windei
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 11:44:50
      Beitrag Nr. 1.039 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.609.653 von windei am 19.02.09 11:19:18Nein.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 11:57:49
      Beitrag Nr. 1.040 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.608.831 von Triakel am 19.02.09 09:50:33Gigantisch die Unterstützung für 9 Mio Häuslebauer in Höhe von 75 Mrd Dollar. Macht für jeden 833,33 Dollar


      triakel, rechne doch bitte noch mal nach;)
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 12:47:07
      Beitrag Nr. 1.041 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.006 von Prof.Dr.B.Scheuert am 19.02.09 11:57:49Ei, verbibbsch,
      hast völlig recht, Prof. Dr., da hat sich doch ein Zehnerstellenfehler reingemogelt.
      Man wir ja langsam total meschugge bei den Milliardensummen.

      Also: durchschnittlich 8333 Dollar pro Haushalt werden 9 millionen mal zur Verfügung gestellt.
      Wenn wir eine druchschnittliche Verschuldung von 400000 Dollar pro Haushalt rechnen (könnte realistisch sein, inkl. Konsumentenkredite), dann ergibt sich ein Gesamtschuldendienst von ca 27000 Dollar im Jahr. Da sind 8333 Dollar schon eine spürbare Entlastung auf Sicht von einem Jahr. Könnte also die Zwangsversteigerungen für 1 Jahr tatsächlich nach unten bringen.
      Und dann? Ob der Staat dann für die restliche Kreditlaufzeit auch jedes Jahr einen Scheck von 8333 Dollar rüberreicht?
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 12:58:50
      Beitrag Nr. 1.042 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.950 von Maraho am 19.02.09 05:13:33Guten Tag zusammen,

      hier noch was zu Opel.
      Übrigens: Saab dürfte wohl bald Geschichte sein.

      Finanzkrise

      Ökonomen warnen Staat vor Opel-Rettung
      von Dietmar Neuerer

      In den Bemühungen um die Rettung des Opel-Konzerns lehnen mehrere führende Wirtschaftsforschungsinstitute direkte wie indirekte staatliche Hilfe für den Autobauer strikt ab und warnen andernfalls vor schweren Schäden für die deutsche Volkswirtschaft. Die IG Metall setzt dagegen angesichts des drohenden Verlusts von 25 000 Arbeitsplätzen große Hoffnungen in den Staat – und erklärte sich zu Zugeständnissen bereit.


      DÜSSELDORF. Führende Wirtschaftsforschnungsinstitute haben sich gegen eine Rettung des Autobauers Opel unter Mithilfe des Staates ausgesprochen. "Entweder handelt es sich wie bei Opel um ein gut aufgestelltes Unternehmen, dann wird sich auch ein ausländischer Investor finden, oder das Unternehmen ist nicht mehr wettbewerbsfähig, dann muss es geschlossen werden. Andernfalls wird aus diesen Staatsinterventionen ein Fass ohne Boden", sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Wirtschaftsweise Wolfgang Franz im Gespräch mit Handelsblatt.com. Auch der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sagte Handelsblatt.com: "So schwer es fällt, wir sollten die Spielregel akzeptieren, die besagt, dass in einer Marktwirtschaft manche Unternehmen ausscheiden - speziell während einer Rezession."

      Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, warnte im Gespräch mit Handelsblatt.com vor den "enormen" volkswirtschaftlichen Schäden die Staatshilfen anrichten könnten. Denn solche Hilfen zielten darauf ab, durch Bewahrung vorhandener Strukturen Arbeitsplätze zu retten und den Ausfall von Steuermitteln zu vermeiden. "Beides gelingt in aller Regel jedoch nicht", so Zimmermann. Die Autobranche leide vielmehr unter weltweiten Überkapazitäten, überhöhten Kostenstrukturen und falschen Produktstrategien. "Das süße Gift der Subventionen würde die notwendigen wirtschaftlichen Anpassungen an die Marktentwicklung verhindern", sagte der DIW-Präsident und fügte hinzu: "Im Ergebnis wird sich der Markt die Anpassungen über die Zeit mit Gewalt holen und die volkswirtschaftlichen Kosten wären viel höher als wenn der Staat jetzt nicht einspringt."

      Die letzten Optionen von Opel

      Eine gänzlich andere Auffassung vertritt der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Zwar meinte auch er im Gespräch mit Handelsblatt.com, dass grundsätzlich keine einzelnen Unternehmen subventioniert werden sollten, da dies die Arbeitsplätze in den Konkurrenzfirmen gefährde. Derzeit sei Deutschland aber durch die Finanzkrise in einer "besonderen" Situation. "Daher sind zeitlich begrenzte Bürgschaften zur Überbrückung finanzieller Engpasssituationen durchaus zu empfehlen", sagte Horn.

      Auch der Wirtschaftsweise Franz räumte ein, dass es auch Fälle geben kann, wo der Staat einspringen müsse. So habe man dem Bankensektor "wegen des systemischen Risikos zähneknirschend helfen müssen", sagte er. Direkte und indirekte Staatshilfen für Unternehmen seien allerdings abzulehnen, weil sie ohnehin meistens nicht viel helfen würden, wie Fall Holzmann zeige. Es sei daher "nicht einzusehen, wieso der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden soll", so Franz. Der Ifo-Konjunkturchef Carstensen meinte dazu: "Es ist die Aufgabe des Staates, die Spielregeln für die Wirtschaft festzulegen und zu überwachen, nicht aber, selbst ins Spiel einzugreifen", sagte er. Es sei denn, er müsse in einer systemweiten Bankenkrise als "Retter der letzten Instanz" auftreten, weil es keine andere Möglichkeit gebe, den gesamtwirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern. "Eine Insolvenz von Opel hätte dagegen keine derart schwerwiegenden Folgen, so schlimm dies auch für die Betroffenen sein mag", sagte Carstensen.

      In den Bemühungen um die Rettung von Opel hat sich unterdessen die IG Metall zu Zugeständnissen bereit erklärt. Wenn es um die Sicherung der 25 000 Arbeitsplätze bei der Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) gehe, werde die Gewerkschaft Konzessionen machen, sagte ihr Vorsitzender Berthold Huber im Deutschlandfunk. Bedingung für sei aber, dass alle vier Standorte in Rüsselsheim, Eisenach, Bochum und Kaiserslautern erhalten würden. Aktuell gebe es zwar keinerlei Pläne für Werksschließungen. Allerdings bleibe die Sorge um den Erhalt der Stellen bei Opel bestehen.

      Konkret schlug der Konzernbetriebsratschef Klaus Franz vor, alle Möglichkeiten von Arbeitszeitverkürzungen über Vier-Tage-Woche zu prüfen. Der "Bild"-Zeitung sagte Franz: "Eine Werkschließung kostet 400 bis 500 Mio. Euro. Es ist besser, die Fertigung zu flexibilisieren."

      Bochumer Opel-Standort sind Verhandlungen über eine Vier-Tage-Woche nach Auffassung des Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel allerdings derzeit kein Thema. Solange noch die Möglichkeit von Kurzarbeit in dem Werk bestehe, habe die Vier-Tage-Woche keine Bedeutung, sagte Einenkel. Seit dem 1. Februar sei etwa die Hälfte der rund 5000 Beschäftigten am Standort Bochum von Kurzarbeit betroffen. Kurzarbeit sei innerhalb der gesetzlichen Frist für einen Zeitraum von 18 Monaten möglich. Angesichts der infolge der Abwrackprämie erhöhten Nachfrage nach Kleinwagen wie dem Corsa werde in einzelnen Werksteilen wie der Getriebefertigung im kommenden Monat bereits wieder voll gearbeitet, sagte Einenkel.

      Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte nach Gesprächen mit GM-Chef Rick Wagoner erklärt, bislang habe das Unternehmen nicht vor, Werke in Deutschland zu schließen. Die Wirtschaftsministerin des Bundeslandes, Christa Thoben, vewies im Deutschlandradio Kultur darauf, dass Opel zahlreiche technische Innovationen für General Motors in Detroit entwickelt habe. Diese Bedeutung dürfe man für die Fortentwicklung der deutschen Standorte nicht unterschätzen.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oekonomen…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:08:09
      Beitrag Nr. 1.043 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.559 von Maraho am 19.02.09 12:58:50@ Maraho,

      dann hat der gute Professor aus Mannheim die neueseten Verkaufszahlen des Insignia nicht mitgekriegt. Scheint
      ein richtiger Renner zu sein!
      Na, ja und die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Know how der Mitarbeiter, die mit einer Insolvenz einfach vernichtet werden,
      zählen für diesen Herren ja nicht, weil man so etwas in einer Bilanz
      allenfalls im Goodwill indirekt erfassen könnte.
      Gruß Windei
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:09:04
      Beitrag Nr. 1.044 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.609.653 von windei am 19.02.09 11:19:18Habe ich gerade gefunden....

      Kopf des Tages

      Richard Allen Stanford - Ritter der Kokosnuss
      von Sebastian Bräuer

      Amerika hat einen neuen gigantischen Betrugsfall. Allen Stanford soll Anleger um 8 Mrd. $ erleichtert haben. Der Texaner ist auf der Flucht. Vermutet wird er im Inselstaat Antigua und Barbuda - seiner zweiten Heimat.

      Das selbstgefällige Grinsen macht die Antwort noch unerträglicher. "Ja, es macht Spaß, Milliardär zu sein", bekennt Richard Allen Stanford im vergangenen Mai. Sein Gespräch mit dem Fernsehsender CNBC ist mehr eine Audienz als ein Interview. Stanford macht sich nicht die geringste Mühe, die Arroganz des Superreichen mit Selbstironie zu überspielen.

      In der Tat, sein Job war harte Arbeit. Beträchtlich war etwa der Aufwand, den der Texaner betrieb, um Kongressabgeordnete zu umgarnen. Er ließ sie mit Privatjets, von denen er stolze sechs Exemplare besitzt, in die Karibik fliegen. Unter Palmen diskutierte er mit ihnen über die Wirtschaft.

      Mehrere Politiker werden sich nun kritische Fragen anhören müssen, warum sie diesen Zirkus mitmachten. Oder warum sie fünfstellige Spenden von dem 58-Jährigen akzeptierten. Denn seit Dienstag ist Stanford verschwunden. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft ihm vor, ein Schneeballsystem von gigantischen Dimensionen kreiert zu haben. 8 Mrd. $ hat er über die Ausgabe von Einlagenzertifikaten eingesammelt - eine Anlageform, die als absolut krisenfest gilt. Aber nach Ansicht der Ermittler betrog Stanford seine Kunden systematisch. Er soll Bilanzen gefälscht, unangemessen hohe Erträge versprochen und die Existenz einer ernst zu nehmenden Buchprüfung vorgetäuscht haben. Die Ermittler haben am Dienstag die Firmenzentrale in Houston auf den Kopf gestellt und Dutzende Mitarbeiter vernommen. Doch der Chef fehlte.

      Stanford betonte immer wieder, wie stolz er auf den Familienbetrieb sei. "Mein Großvater hat mich inspiriert, zu träumen", sagt er auf der Firmenwebsite. "Und er hat mir das Ziel vererbt, ein Geschäft aufzubauen, das keinem anderen gleicht." Vermutlich hatte Louis B. Stanford etwas anderes gemeint, als er seinem Enkel diesen Wunsch vermittelte.

      Der Investor, dessen Vermögen auf 2,2 Mrd. $ geschätzt wird, soll sich angeblich im letzten Moment in den Karibikstaat Antigua und Barbuda abgesetzt haben, bevor die Fahnder zuschlugen. Stanford hat eine Schwäche für die Inselgruppe. Dort sitzt seine Stanford International Bank, die im Zentrum der SEC-Ermittlungen steht. Der ehemaligen Regierung des Staates verdankt er auch seinen Adelstitel "Sir". Lange vor der Auszeichnung bekam er die Staatsbürgerschaft des Landes übertragen, dessen Bruttoinlandsprodukt nur halb so groß ist wie sein privates Vermögen.

      Aufsehen erregte Stanford auch mit seiner Leidenschaft fürs Kricket. Zuletzt hoffte der englische Verband auf eine Millionenspritze von Stanford, die "Sunday Times" feierte ihn während der Verhandlungen voreilig als "Retter Englands". Bei einer von ihm mit 20 Mio. $ gesponserten Turnierserie, die seine "Stanford Superstars" gewannen, verhielt er sich allerdings wenig ritterlich: Nachdem er auf der Tribüne allzu heftig mit Frauen und Freundinnen von englischen Spielern geflirtet hatte, musste sich der Sir entschuldigen.

      Antigua drohen derweil noch drastischere Konsequenzen als Beziehungsdramen. Nach der Anklage gegen den berühmtesten Inselbürger setzte Premierminister Baldwin Spencer Neuwahlen an. Er hat Angst, dass Unruhen ausbrechen.

      Quelle: http://www.ftd.de/koepfe/whoiswho/:Kopf-des-Tages-Richa…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:14:17
      Beitrag Nr. 1.045 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.604.968 von Maraho am 18.02.09 17:48:01Hier etwas für Metrik...


      UBS weicht Schweizer Bankgeheimnis gegenüber den USA auf

      WASHINGTON/ZÜRICH/GENF (dpa-AFX) - Die Großbank UBS weicht das Bankgeheimnis der Schweiz auf und will vertrauliche Daten von Kunden an die USA weitergeben. Außerdem hat sie sich in der Affäre um Beihilfe zur Steuerhinterziehung zur Zahlung einer Strafe und Wiedergutmachung von 780 Millionen Dollar (622 Millionen Euro) an die Washingtoner Regierung bereiterklärt. Das bestätigten die US-Behörden sowie die Bank. Wie viele Kundendaten weitergegeben werden, war am Donnerstag zunächst noch nicht bekannt. Die Genfer Zeitung "Le Temps" hatte am Mittwoch berichtet, UBS habe sich zur Herausgabe von 250 Namen aus der Liste der 20 000 Kunden bereiterklärt.

      Der Angriff auf das Schweizer Bankgeheimnis, das unter anderem verhindert, dass in vielen Fällen von Steuerhinterziehung Amtshilfe geleistet wird, wurde am Donnerstag von den Medien und der Politik scharf kritisiert. Die UBS habe mit ihrem Geschäftsverhalten dem Ansehen der Schweiz geschadet, hieß es.


      Die UBS ist nach einer in Zürich veröffentlichten Erklärung entschlossen, die Einigung mit dem US-Justizministerium und der US- Börsenaufsicht SEC rasch umzusetzen. "Offensichtlich haben wir Fehler gemacht", erklärte UBS-Vorstandschef Marcel Rohner, der erst seit dem vergangenen Sommer im Amt ist. Kundendaten blieben vertraulich, erklärte UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer. Doch sei es nie darum gegangen, "betrügerisches Verhalten" zu schützen. Die UBS werde ein wirksames Kontrollsystem einführen, hieß es weiter.

      Aus dem Geschäft mit in den USA wohnhaften Privatkunden muss sich die Bank auf Anordnung der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) verabschieden. Die Behörde zeigte sich aber erleichtert über die Vereinbarung. Durch den Vergleich habe eine Strafanklage gegen die UBS verhindert werden können, die letztlich auch die Existenz der Großbank gefährdet hätte. Die Herausgabe "einer begrenzten Zahl von Kundendaten durch die UBS" hat die Firma nach eigenen Angaben angeordnet, auch die Schweizer Regierung war dabei beteiligt. Das Material wurde den US-Behörden demnach bereits übergeben./ch/sg/hpd/DP/fn

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?l=5&ansicht=meld…
      55 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:21:34
      Beitrag Nr. 1.046 ()
      Hier etwas für Interessierte zum stöbern.

      Ich setze, da zu umfänglich , nur die Einleitung und dann den Link rein.

      Wen es interessiert, bitte sehr...
      Es sind übrigens auch noch weitere Teile zu lesen.

      Harvard-Agenda 2009

      Der Staatskapitalismus ist zurück
      Von Ian Bremmer und Juan Pujadas

      Die Finanzkrise hat eine Unternehmensform wiederbelebt, die schon längst totgesagt war. Staatlich kontrollierte Konzerne sind fürs Erste vor der Pleite geschützt. Doch sie wecken gefährliche Begehrlichkeiten in der Politik - und können ganze Branchen in den Ruin treiben. Lesen Sie Teil neun der Harvard-Agenda.

      Weiterführend: http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-60586…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:26:31
      Beitrag Nr. 1.047 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.624 von windei am 19.02.09 13:08:09windei,

      daß der Insignia gut laufen soll, habe ich auch vernommen.
      Alles andere ist halt so wie es ist. Die einstigen Pleiten von Borgward, Glas und wie sie alle hießen, hat man auch überlebt.
      Allerdings, schlimm für die Leute dort bei Opel!

      Gruß Maraho
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:36:19
      Beitrag Nr. 1.048 ()
      Und hier noch etwas aus "alten Zeiten".
      Einiges davon dürfte auch heute noch helfen....
      Gibt es übrigens wieder zu kaufen, die Büchlein.

      Durchhaltefibeln

      Es geht ans Eingemachte
      Von Tobias Rüther

      Langsam holt uns der Museumsshop ein. Weil es die schlechten alten Dinge plötzlich wieder gibt, wirken die guten alten Dinge, in denen man sich eben noch so komfortabel und nostalgisch-ironisch eingerichtet hatte, wirkt die sparsame, nachhaltige Manufactum-Welt von gestern auf einmal sehr gegenwärtig. Wir wollen die Umwälzungen nicht wünschen, die in Deutschland Werke aus Bakelit und Emaille vorbereiten könnten; aber sie rücken offenbar näher. Jetzt bricht die Zeit der Weckgläser wieder an, anders jedoch, als man sich das in den Altbauküchen der Bundesrepublik vorgestellt hatte. Es geht ans Eingemachte.

      Man nehme nur die vergangenen zwei Wochen mit den zurückgetretenen oder gar nicht erst angetretenen Ministern in Berlin und in Washington, mit einer Bundeskanzlerin, der, wie sie selbst gestand, vor lauter Krise neblig vor Augen wird, mit der Rede von Enteignungen und einer Rezession, die so wenig wegzugehen scheint wie die Grippewelle: Es herrscht Reizklima. „Als Nation verlieren wir immer noch ungefähr zweiundzwanzig Millionen Arbeitswochen an gewöhnliche, aber doch vermeidbare Krankheiten wie Erkältungen oder Influenza.“ Diese Diagnose ist allerdings schon ein paar Wochen älter. Sie wurde 1943 in England gestellt, wie man in einem Ratgeber nachlesen kann, den das Imperial War Museum in London unlängst für seinen Museumsshop wiederaufgelegt hat. „How To Keep Well In Wartime“ heißt das Büchlein, einst herausgegeben vom besorgten Gesundheitsministerium, grob übersetzt: wie man fit bleibt, wenn das Licht ausgeht.

      Für die Mittelschicht haben sich die Zeiten geändert

      Aber weil in England das Licht gerade wieder flackert (siehe Zurück an die Nähmaschinen: Großbritannien und die Krise), schlagen die Leute heute nach, um von den Alten zu lernen – Energiesparen, Fahrradfahren, Kleiderflicken, eine schmale, ewige Winterküche, mit einem Wort: Patentrezepte. Man findet sie auch im neuen Ratgeber „The Thrift Book“, verfasst von der englischen Journalistin India Knight, erschienen im November. Deren Vorschläge, zum Beispiel bei Make-up auf Markenware zu pfeifen, wenn die teuren wie die günstigen Produktlinien letztlich doch zum gleichen Mutterkonzern gehören, paart Globalisierungsskepsis mit gesundem Menschenverstand und dem kleinen Restglück an Glamour, das nun aber anders errungen werden muss: „Für die Mittelschicht und die Leser von Lifestyle-Beilagen“, schreibt India Knight, „haben sich die Zeiten gewandelt.“

      Man kann das auch anders sagen: „Keynes ist zurück“, schreibt Paul Krugman in „The Return of Depression Economics and the Crisis of 2008“, einer überarbeiteten Studie des Nobelpreisträgers, die dieser kurz vor Weihnachten neu aufgelegt hatte und die jetzt als „Die neue Weltwirtschaftskrise“ auch auf Deutsch erschienen ist – nur ein Titel unter vielen, die sich einen Reim auf die Lage zu machen versuchen, Regeln einziehen wollen ins schwankende System. Dass Keynes zurück ist, wiederholt Krugman seit Wochen in seinem Blog. Dass Keynes zurück ist, kann man von heute an auch in dieser Zeitung in Fortsetzungen lesen. Mit Keynes kehrt allerdings auch eine historische Umwelt zurück, in der Durchhaltefibeln wie „How to Keep Well in Wartime“, „Wise Eating in Wartime“ oder „Make Do and Mend“ zu Hause waren.

      Trinkt Milch. Bier tut nicht gut

      Alle drei museumsreif geglaubten Titel sind aktuell lieferbar. Blättert man sie im Krisenjahr 2009 durch, erstaunt erst einmal, wie abwesend auf ihren wenigen Seiten jener Krieg ist, der sie notwendig gemacht hat. Das Wort selbst fällt in den drei Bänden etwa ein gutes Dutzend Mal – vielleicht, weil der Krieg 1943, in seinem fünften Jahr, längst zur Gewohnheit geworden war; vielleicht auch, weil die Briten mit der Zeit gelassener wurden. Vor dem Krieg, behauptet Hugh Clegg, der Autor von „How to Keep Well in Wartime“, seien die Leute viel unruhiger gewesen als jetzt. „Es könnte daran liegen, dass die echte Gefahr, die wir aushalten müssen, größer ist als die eingebildeten Gefahren, die die Leute nervös machen.“

      Und schon ist man wieder im vernebelten Krisenjahr 2009. Die kleinen Bücher lassen sich ständig auf solche Stellen hin lesen. „Ich weiß“, schreibt der „Radio-Doktor“ Charles Hill, der „Wise Eating in Wartime“ verfasst hat und später sogar kurzzeitig Minister unter MacMillan wurde, „dass, als ein Ergebnis des Kriegs, die Leute mehr und mehr essen gehen.“ Was sich deckt mit dem Zulauf an den Kassen von Kettenrestaurants, wie wir ihn im Augenblick erleben. Hill erklärte diesen Trend damals mit dem Einerlei der häuslichen Küche und der Lebensmittelkarten. Da hört die Parallele zu den Kettenrestaurants allerdings schon auf. Seine guten Ratschläge – „Hirn ist reich an Fett und Phosphor und gut für die Knochen“ – hatte der Arzt 1942 zuerst in der Morgensendung „Kitchen Front“ in der BBC erteilt; daraus entstanden dann ein Jahr später die fünfzehn Kapitel dieses Buchs. Man kann sie in ein paar Sätzen zusammenfassen: Trinkt Milch. Bier tut nicht gut. Sonntagsbraten muss nicht sein. Aber Vegetarier sind auch nicht unbedingt friedfertiger, guckt euch nur den Hitler an.

      „Innereien bieten viel für wenig Geld“

      Diese Fibeln sind eben auch komisch, sie kultivieren eine Art Solidaritätswitz: „Kuchenglasur, haha“, spottet Hill einmal, und was er damit meint, sagt er an anderer Stelle: „Oh, shades of the past!“, die schönen Schatten der Vergangenheit. Früher war allerdings gar nichts besser, und auch das lehrt einen der Radio-Doktor: Früher waren wir nämlich Allesesser. „Innereien bieten viel für wenig Geld“, ruft Hill seinen Lesern zu, ergeht sich danach in Rezepten für Herz („Gut zerkaut, können die meisten Menschen es gut vertragen“) und Nieren, schreckt aber vor Lunge zurück: „Sie besteht vor allem aus Wind, und wir wissen nur zu gut, dass heutzutage genug Wind auf unserem Speiseplan steht.“ Vom Bettnässen bis zur Syphilis, vom Stuhlgang bis zu Schweißfüßen, vom Niesen zum Sonnenbaden, vom Lüften der Wohnung bis zum Wenden von Mänteln und Kleidern, vom Säumen zum Kunststicken reicht der Maßnahmenkatalog dieser Bände, ein Konjunkturprogramm ganz anderer Art.

      Aber wo man zuerst lachen will, rührt es einen dann doch mehr und mehr, weil der Staat, in dessen Auftrag die Fibeln geschrieben wurden, hier so persönlich wird und sich dessen nicht schämt. Natürlich ist es kaum möglich, aus dem gar nicht einmal so hohen, eher vertraulich-leisen Ton den Krieg herauszurechnen. Aber plötzlich ist das Kriegsmuseum, aus dem diese Bücher kommen, sehr weit weg: Man hat nämlich die schmalen Worte des neuen Wirtschaftsministers zu Guttenberg und des Bundespräsidenten Köhler im Ohr, die Krise doch mal als Chance zu sehen und nicht in Sack und Asche zu gehen, wenn man Tipps liest wie: Seid freundlich, schlagt eure Kinder nicht, fühlt euch niemals zu alt zum Lernen. Dass der Ernst der Lage die Rhetorik verändert und Sorge nicht in Floskeln kaschiert werden muss, kann man auch aus diesen Fibeln lernen. Der Zynismus sich ständig überbietender Horrormeldungen ist ihnen gleichfalls fremd. „Um in aller Fülle zu leben, zu lieben, zu lachen und zu arbeiten“, so endet „How to Keep Well in Wartime“, „werdet und bleibt gesund.“ Von Finanzen ist in diesen Sparbüchern übrigens nicht die Rede.

      Quelle: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/…

      Bis später......
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      Avatar
      schrieb am 19.02.09 13:47:47
      Beitrag Nr. 1.049 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.751 von Maraho am 19.02.09 13:21:34@ Maraho,
      Die Head-Line des Artikels habe ich für die anderen nochmals
      hier rein kopiert:

      "Die Finanzkrise hat eine Unternehmensform wiederbelebt, die schon längst totgesagt war. Staatlich kontrollierte Konzerne sind fürs Erste vor der Pleite geschützt. Doch sie wecken gefährliche Begehrlichkeiten in der Politik - und können ganze Branchen in den Ruin treiben."

      Also entweder habe ich ein Brett vor dem Kopf oder die in Havard.

      Wie kann man etwas als Staat ruinieren, was schon von den Marktradikalen ruiniert wurde. Der Staat greift doch nur ein,
      um zu retten, was noch zu retten ist. Beipiel HRE:

      Wenn Steinbrück nicht eingegeriffen hätte, wäre nicht nur der komplette Markt für die Pfandbriefe den Bach runter gegangen, sondern auch der Markt für die Staats- Kommunalfinanzierungen.

      Was unsere selbst ernannten Wirtschaftsexperten da von sich geben
      ist nur noch pure Ideologie hat aber kaum noch etwas mit Wissenschaft und gesundem Menschenverstand zu tun!
      Gruß Windei
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 17:03:44
      Beitrag Nr. 1.050 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.977 von windei am 19.02.09 13:47:47servus windei,

      dazu kann man nur sagen: Verwirrte geben Verwirrendes von sich!

      Gruß Maraho
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 17:12:31
      Beitrag Nr. 1.051 ()
      19.02.2009 16:59
      US-Konjunktur: Winter in Philadelphia
      Philadelphia (BoerseGo.de) - In den USA gibt es zwar Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung, wie die soeben veröffentlichten Frühindikatoren signalisieren, im Großraum Philadelphia im hohen Norden der USA ist die Verbesserung aber anscheinend noch nicht angekommen. Der Index der Philadelphia Fed, der durch eine Umfrage ermittelt wird und dort angeblich die Industrieaktivität misst, verschlechterte sich jedenfalls im Februar auf minus 41,3 (Januar: minus 24,3). Die Volkswirte hatten mit einer Verschlechterung auf minus 25,0 gerechnet. Die Komponente für neue Aufträge fiel auf minus 30,3 von minus 22,3. Dennoch äußerten sich die befragten Fabrikbesitzer optimistisch und rechnen mit einer Verbesserung in den kommenden sechs Monaten.



      (© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 17:21:47
      Beitrag Nr. 1.052 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.593.456 von Maraho am 17.02.09 13:16:54Guten Abend werte Leser(innen),
      dann wollen wir einmal....

      Der folgende Text ist in Bezug auf Beitrag 36.593.456 zu sehen.


      Die nächste finanzielle Kernschmelze

      Zeitbombe: Die osteuropäische Kreditkrise und die tiefe Verstrickung der westeuropäischen Banken
      Thomas Pany


      Die zweite Runde einer "finanziellen Götterdämmerung" für das westliche Bankensystem sieht der britische Telegraph aus Österreich und Osteuropa heraufziehen: Wenn Osteuropa nicht gerettet werde, dann gebe es eine weltweite finanzielle Kernschmelze - das Schuldendrama in Russland, in der Ukraine und in östlichen EU-Ländern habe einen akuten Gefahrenpunkt erreicht, alarmiert die Zeitung.

      Österreichische Banken haben in Osteuropa Kredite im Volumen von 230 Mrd. Euro offen. Das entspricht einem beunruhigend hohen Anteil des BIPs - beinahe 70 Prozent, wie der Telegraph vorrechnet: Bereits nicht zurückbezahlte 10 Prozent dieser Kredite würden so zu einem Kollaps im österreichischen Finanzsystem führen. Die europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung den Anteil schätzt den Anteil fauler Kredite auf zwischen 10 und 20 Prozent. In der österreichischen Zeitung Die Presse wird darüber berichtet, dass der Bank Austria und ihrem italienischen Besitzer UniCredit, ein "monetäres Stalingrad" im Osten bevorstehe. (Dazu am Rande: Libyen hat das Kapital der italienischen Bank UniCredit mit einer Milliarden-Finanzspritze gesichert, damit hat der libysche Staatschef Gaddafi Einfluss auf das Kontrollgremium der Bank-Austria-Mutter).

      Zwar würden Politik und Banken laufend beteuern, dass es keine kritische Situation in den osteuropäischen Ländern gebe, schreibt die österreichische Kleine Zeitung, trotzdem aber setze sich die heimische Politik massiv für Stützungsmaßnahmen ein - allerdings "mit wenig internationalem Widerhall". Der Vorschlag des österreichischen Finanzministers Josef Pröll nach einem Hilfspaket für Osteuropa wurde in Brüssel nicht einmal diskutiert. Vor allem der deutsche Kollege Peer Steinbrück hatte Prölls Gesuch aus nationalen Interessen heraus brüsk abgewiesen.

      Eine Haltung, die Experten für einen "glasklaren politischen Fehler" halten und die eine Zeitbombe gezündet haben könnte, da diese Haltung die Schuldenkrise in den osteuropäischen Ländern verschärft hat. Länder wie Polen, Ungarn, die Ukraine, die baltischen Staaten und die Balkanländer können ihre Kredite nicht zurückzahlen, weil sie sie in Fremdwährungen aufgenommen haben, in der Annahme, dass die Kurse stabil bleiben - indessen sind die Landeswährung verfallen.

      Auch Russland steckt in großen Schwierigkeiten, da der Ölpreis niedriger ist als kalkuliert und sich die "russischen Oligarchen" nach Informationen des Telegraphs mit 500 Milliarden Dollar verschuldet haben.

      Laut dem Morgan Stanley-Währungsexperten Stephen Jen beläuft sich die Gesamtsumme, die sich osteuropäische Länder oft mit kurzfristigen Papieren geliehen haben, auf 1,7 Billionen Dollar. Davon werden 400 Milliarden dieses Jahr fällig. Das entspricht einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts der Region. Währungsstrategen warnen vor einer Währungskrise in Osteuropa, wahrscheinlich gepaart mit einer Solvenzkrise, die "erhebliche Auswirkungen" auf Westeuropa haben wird. Hans Redeker, Chef-Währungsstratege von BNP Paribas:

      "23 Prozent unserer Exporte sind in der Vergangenheit Richtung Zentral- und Osteuropa gegangen. Nun sind wir dabei, unseren zentralen Exportmarkt zu verlieren".

      Die europäischen Banken sind in dieses Desaster mehr verstrickt, als man lange Zeit gedacht hat. So hat Österreich seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise bereits Kredite in Höhe von 287 Milliarden Euro nach Mittel- und Osteuropa vergeben. Auf dem zweiten Platz liegt Italien als Kreditgeber mit rund 230 Milliarden Euro, Deutschland folgt mit 210 Milliarden Euro. Aber auch schwedische, griechische, italienische und belgische Banken sind Gläubiger.

      Da in Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien Kredite in Schweizer Franken sehr beliebt waren, stecken Schweizer Banken ebenfalls tief in der osteuropäischen Malaise, wie Arthur P. Schmidt kürzlich beschrieb (siehe Der Alpen-Hedge-Fonds):

      "So wurden nicht nur Hypotheken im Osten in hoher Zahl in CHF aufgenommen, sondern es wurden auch Niedrigzins-Kredite für Autos gewährt. Die Kreditsumme hierfür soll sich auf mehr als 600 Milliarden CHF belaufen, was deutlich mehr wäre als das Bruttosozialprodukt des Alpenstaates."

      Bei weiteren massiven Zahlungsausfällen, die auch zu Staatsbankrotten von osteuropäischen Staaten führen könnten, drohe auch sogar dem schweizerischen Staat durch das immense Gegenparteirisiko der Bankrott.

      Die Summen, die nötig wären, um die Zahlungskrisen in den osteuropäischen Ländern aufzufangen, übersteigen auch die Mittel des ohnehin stark beanspruchten Internationalen Währungsfonds. Für den Telegraph-Kommentator Ambrose Evans-Pritchard kann es die osteuropäische Kreditkrise in Umfang und Wirkung mit der amerikanischen Sub-Prime-Krise aufnehmen. Die Banken Europas hätten somit - im Gegensatz zu amerikanischen Banken - zwei dicke Krisen am Hals.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/133144
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      Avatar
      schrieb am 19.02.09 17:33:33
      Beitrag Nr. 1.053 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.682 von Maraho am 19.02.09 13:14:17Ergänzend hierzu:

      Schweizer Bankgeheimnis mit Löchern
      Thomas Pany

      Großbank UBS gibt 300 Kundendaten an US-Justizbehörden weiter

      Die Schweizer Großbank UBS muss 780 Millionen Dollar Strafe an die USA zahlen und, was vielleicht noch schmerzhafter ist, vertrauliche Bankdaten von "rund 300 des Steuerbetrugs verdächtigten Kunden" weitergeben. Das ist Bestandteil eines Vergleichs zwischen der Bank und US-Justizbehörden. Mit dem Vergleich konnte eine Anklage der Bank vermieden werden, was laut amerikanischen Quellen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit dazu geführt hätte, dass die "Totenglocken" für die Bank geläutet hätten.

      Von dramatischen Folgen einer solchen Anklage, die die Liquiditätsposition der UBS und letztlich ihre Existenz unmittelbar gefährden hätte können, berichtet heute auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, die bei dem Vergleich eine entscheidende Rolle gespielt hat. Letztlich hat sie dem Druck der US-Behörden nicht mehr standhalten können und auf die Herausgabe der vertraulichen Kundendaten gedrängt, obwohl sich Mitglieder der UBS-Führung strikt gegen diesen Schritt gewehrt haben sollen. Das amerikanische Justizministerium hatte, nach Angaben der Finma, einen Vergleich von der sofortigen Übermittlung einer beschränkten Zahl von Kundendaten abhängig gemacht.

      Seit einem Jahr ermittelte das US Departments of Justice (DoJ) gegen die UBS, beteiligt waren aber auch andere US-Behörden, die US Securities and Exchange Commission (SEC) und die US Internal Revenue Service (IRS), die Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten, die auch Ermittlungen in Steuerstrafsachen führt (mit dieser Behörde steht eine vollständige Einigung noch aus. Augenscheinlich war die Geduld der amerikanischen Behörden am Ende, dies erschließt sich aus Medien-Berichten über den Vergleich, der von Experten als "das Ende ihres Bankenwesens ist, wie sie (die Schweizer, Einf. d. A.) es kannten" bezeichnet wird.

      Im Zentrum der Äffäre steht die "aktive Mithilfe" der Schweizer Bank beim Betrug des amerikanischen Fiskus. Die amerikanischen Behörden untersuchten 19.000 Konten, die die Bank für amerikanische Kunden zu diesem Zweck geführt hat – Verantwortliche der UBS bekannten sich dem Betrugsvorwurf gegebenüber als schuldig. Laut Angaben der New York Times schließt die UBS nun ihre Übersee-Konten. Nach Schätzungen der Fahnder soll die UBS ihren amerikanischen Kunden dabei geholfen haben, von 2002 bis 2007 illegal 20 Milliarden Dollar vor dem Fiskus zu verbergen, was einem jährlichen Steuerverlust von c.a. 300 Millionen Dollar entspreche.

      Durch die erzwungene Herausgabe der Kundendaten ist das Schweizer Bankgeheimnis, dessen Ruf weltweit einzigartig war, weiter beschädigt; der Mythos bröckelt, wie die Neue Zürcher Zeitung diagnostiziert. Angesichts der UBS-Affäre befürchtet die Zeitung nicht nur, "dass Kunden der Bank den Rücken kehren werden, weil sie nicht mehr sicher sein können, dass ihre Privatsphäre geschützt wird", sondern vor allem einen Nachahmereffekt: "Hinzu kommt, dass die Kapitulation gegenüber den USA zum Präzedenzfall für weitere dem Bankgeheimnis feindselig gegenüberstehende Länder werden könnte. Deutsche oder französische Steuerbehörden werden ähnliche Lösungen für sich reklamieren."

      Unberechtigt ist die Sorge nicht, denn politische Bemühungen, die in diese Richtung weisen, sind schon im Gange. Wie der Guardian heute meldet, will der britische Premierminister Brown in Kooperation mit anderen westlichen Spitzenpolitikern forciert gegen Steueroasen vorgehen, genannt wird an prominenter Stelle die Schweiz.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29774/1.html …

      Da in dem Text die"nzz" erwähnt wurde, hier der Link:
      http://www.nzz.ch/
      Dort kann man sich ein Bild davon machen, wie die Schweizer selbst es sehen.
      55 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 17:47:56
      Beitrag Nr. 1.054 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.567.403 von Maraho am 12.02.09 17:24:03Der IWF macht sich Sorgen....

      Haushalt
      IWF fürchtet um Wirksamkeit der Konjunkturpakete

      Der Internationale Währungsfonds (IWF) fürchtet angesichts ungenügender Fortschritte bei der Sanierung des internationalen Finanzsystems um die Wirksamkeit der Konjunkturpakete gegen die Wirtschaftskrise.

      dpa PARIS. Der Internationale Währungsfonds (IWF) fürchtet angesichts ungenügender Fortschritte bei der Sanierung des internationalen Finanzsystems um die Wirksamkeit der Konjunkturpakete gegen die Wirtschaftskrise. "Die Dinge gehen zu langsam voran", sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn am Donnerstag bei einer Oecd-Veranstaltung in Paris. "Wenn es kein Großreinemachen bei den Banken gibt, wird der Großteil des Stimulus verloren sein." Die Krise könne sich dann weit in das Jahr 2010 hinein ausdehnen.

      Als beunruhigend bezeichnete Strauss-Kahn zudem die Entwicklung in den Schwellenländern. Der Kapitalfluss dorthin trockne aus. 2009 könne ein "richtig schlechtes Jahr" werden, sagte der frühere französische Finanzminister. Eventuell werde die Lage schlechter sein, als von den meisten prognostiziert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Oecd) hatte am Vortag berichtet, dass die Wirtschaft in den 30 Mitgliedstaaten im vierten Quartal 2008 nach vorläufigen Schätzungen um 1,5 Prozent schrumpfte. Dies wäre das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen 1960.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 17:58:00
      Beitrag Nr. 1.055 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.568.568 von Maraho am 12.02.09 19:51:56Hier mal wieder Kritik an "unserem" Konjunkturpaket (II)....


      Kritik am Konjunkturpaket

      Warum Ökonomen das K2 zerpflücken
      von David Böcking und Ulrike Heike Müller (Berlin)

      Noch bevor das zweite Konjunkturpaket verabschiedet ist, legt das Kieler Institut für Weltwirtschaft eine Fundamentalkritik vor: Die Abwrackprämie sei Unsinn, die Steuerentlastungen halbherzig und die wahre Höhe der Neuverschuldung werde verschleiert. FTD.de dokumentiert.

      Am Freitag beschließt der Bundesrat aller Voraussicht nach das zweite Konjunkturpaket, mittlerweile auch als K2 bekannt. Mit 50 Mrd. Euro Umfang ist es das größte in der Geschichte der Bundesrepublik - trotzdem ist die zu erwartende Wirkung von Elementen wie der Abwrackprämie oder Steuerentlastungen umstritten.

      Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat schon jetzt den Stab über K2 gebrochen. "Mit dem Konjunkturpaket aus der Krise?", fragt eine am Donnerstag veröffentlichte IfW-Studie und gibt eine ziemlich eindeutige Antwort. Von vielen Elementen von K2 seien so geringe Effekte zu erwarten, dass sie "die Merklichkeitsschwelle im Budget der Bürger kaum überwinden und die deshalb weitgehend wirkungslos verpuffen dürften".

      Die deutlichste Kritik üben die Autoren an der Abwrackprämie, die derzeit Autohändler über großen Zulauf jubeln lässt. Aus IfW-Sicht ist sie ein "besonders krasses Beispiel dafür, wie eine fiskalpolitische Konjunkturförderung nicht ausgestaltet sein sollte". Die Prämie bevorzuge eine einzelne Branche und ändere nichts an deren Grundproblem, sie sei ungerecht gegenüber Konsumenten ohne Auto oder mit einem neueren Fahrzeug, sie sei von zweifelhaftem ökologischen Nutzen und vernichte ohne Not Werte.

      Aber auch die Steuersenkungen, nach langem Kampf innerhalb der Koalition beschlossen, können die Kieler Ökonomen nicht überzeugen. Zwar gingen Entlastungen bei der Einkommenssteuer in die richtige Richtung, sie fielen aber "zu halbherzig" aus. Die Wissenschaftler haben die zu erwartenden Entlastungen für drei Arbeitnehmer mit niedrigem, mittleren und hohem Einkommen ausgerechnet. Ihr Fazit: Die Änderungen beim Grundfreibetrag und den Steuersätzen reichten nicht einmal aus, um die "kalte Progession", also die steigende Steuerbelastung durch die Inflation, für länger als zwei Jahre auszugleichen.

      Schließlich kritisiert die IfW-Studie auch die massive Neuverschuldung, die das Konjunkturpaket mit sich bringt. Deren wahre Höhe sei nicht ersichtlich, weil die Investitionen des Bundes in Höhe von fast 19 Mrd. Euro aus einem als "Tilgungsfonds" bezeichneten Sondervermögen bezahlt werden. Dieser könne "nur den Zweck haben, die Finanzlage des Staates zu verschleiern, insbesondere die Situation des Bundes geschönt darzustellen".

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Kritik-am-Konjunktu…
      7 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:00:48
      Beitrag Nr. 1.056 ()
      Mit der deutschen Bank geht es wieder aufwärts!
      Soeben gefunden :
      Angaben zum Mitteilungspflichtigen
      Name: Klee
      Vorname: Martina
      Firma: Deutsche Bank AG

      Funktion: Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan

      Angaben zum mitteilungspflichtigen Geschäft

      Bezeichnung des Finanzinstruments: Deutsche Bank AG Aktien
      ISIN/WKN des Finanzinstruments: DE0005140008
      Geschäftsart: Kauf
      Datum: 17.02.2009
      Kurs/Preis: 20,165
      Währung: EUR
      Stückzahl: 18
      Gesamtvolumen: 362,97
      Ort: Xetra
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:04:03
      Beitrag Nr. 1.057 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.437 von Maraho am 19.02.09 17:58:00....und das sagt die Bundesbank dazu:


      Bericht der Bundesbank
      Konjunkturpakete stoppen Rezession nicht

      Die Bundesbank fordert ein unverzügliches Sparen nach der Krise. Die milliardenschweren Konjunkturmaßnahmen hält sie für vertretbar - aber nicht für ausreichend, um den Abschwung aufzuhalten.

      Die Bundesbank hält die milliardenschweren deutschen Konjunkturpakete angesichts der schweren Rezession für finanzpolitisch vertretbar. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten aktuellen Monatsbericht fordert sie von der Bundesregierung aber einen schnellen Abbau der Schulden nach der Krise.

      Die beschlossene Schuldenbremse für die Haushalte des Bundes und der Länder sei ein Schritt in die richtige Richtung, die langen Übergangszeiten bis zum kompletten Inkrafttreten der neuen Schuldenregeln allerdings problematisch. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es einfacher ist, einen Konsens über die Ausweitung der Kreditfinanzierung zu erreichen als über die später erforderliche Konsolidierung der Staatsfinanzen", schreiben die Bundesbanker. Eine "verlässliche Perspektive mit Blick auf die Rückführung der zu erwartenden hohen Defizite" sei deshalb "zwingend notwendig".

      Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnet damit, dass die Stimulierung der Konjunktur das Haushaltsdefizit 2010 auf vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts hochtreibt. Damit würde Deutschland die Schuldenregel des Maastricht-Vertrages verletzen, der maximal ein Staatsdefizit von drei Prozent erlaubt. Diese Regel wird von der EU-Kommission in Krisenzeiten allerdings flexibel gehandhabt.

      Die Bundesbank betonte die Vorbildrolle der Bundesrepublik als größter Volkswirtschaft Europas beim Abbau der öffentlichen Defizite. Es müssten "verlässliche Verpflichtungen eingegangen werden, um die Defizite bei Verbesserung der wirtschaftlichen Lage rasch abzubauen, bis nahezu ausgeglichene Haushalte erreicht sind. Deutschland kommt hier im europäischen Kontext eine wichtige Rolle zu".

      Die Bank sieht in naher Zukunft kein Ende der konjunkturellen Talfahrt. "Die deutsche Wirtschaft ist im Herbst 2008 in eine schwere Rezession abgeglitten, die in den kommenden Monaten anhalten wird." Export und Industrie dürften wegen der parallelen Rezession in den Industrieländern als Stützen der Konjunktur ausfallen.

      "Nur abfedern, keinesfalls stoppen"

      Die umfangreichen Konjunkturpakete der Bundesregierung könnten diesen Trend bestenfalls abfedern, aber keineswegs stoppen, steht es weiter in dem Bericht. "Die Impulse werden selbst bei günstigen Annahmen die kurzfristig absehbaren Verluste im Auslandsgeschäft bei weitem nicht kompensieren können." Das Ziel staatlicher Nachfragestützung könne es nur sein, eine Verschärfung des vom Außenhandel ausgehenden Abwärtsdrucks durch ein Übergreifen auf die Inlandsnachfrage zu verhindern.

      Dennoch komme den Konjunkturpaketen eine entscheidende Rolle zu, weil die Tiefe der Rezession nach der Einschätzung der Notenbank entscheidend davon abhängen wird, inwieweit der private Konsum die Wirtschaft stabilisieren kann.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Bericht-der-B…
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      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:09:51
      Beitrag Nr. 1.058 ()
      Hypo Real Estate erschreckt Berlin: Eine Billion verliehen

      Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate bedroht den Finanzmarkt weit stärker als bisher vermutet. Mehrere Finanzexperten des Bundestages bestätigten am Mittwoch, dass der Münchener Finanzkonzern Kredit- und Derivatgeschäfte in Höhe von einer Billion Euro abgeschlossen hat.

      http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Hypo-…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:21:16
      Beitrag Nr. 1.059 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.292 von Maraho am 18.02.09 18:27:52Der Herr Minister Scholz. Sein Kollege zu Guttenberg ließ doch am Wochenende verlauten, daß es ab der zweiten Jahreshälfte wieder bergauf gehe.
      Alle zusammen, jeder für sich?

      Aber man trifft Vorbereitungen....

      Kampf gegen Arbeitslosigkeit
      Scholz erwägt zwei Jahre Kurzarbeit


      Kaum ist die Bezugsdauer auf 18 Monate verlängert, denkt Arbeitsminister Scholz bereits über den nächsten Schritt nach. Dauert die Wirtschaftskrise an, will der SPD-Politiker auch das Kurzarbeitergeld sechs Monate länger auszahlen.

      Per Rechtsverordnung will Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) im Bedarfsfall die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes weiter ausdehnen. "Ich kann sie auf 24 Monate verlängern. Das ginge innerhalb einer Woche", sagte er am Donnerstag in Hamburg. Er braucht dazu nicht einmal die Zustimmung des Bundestags. Geplant sei das derzeit aber nicht.

      Die Bundesregierung hatte die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes wegen der Krise von 12 auf 18 Monate verlängert. Scholz forderte die Arbeitgeber noch einmal auf, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen statt über Entlassungen nachzudenken. Laut Scholz werden in diesem Jahr durchschnittlich 250.000 Beschäftigte kurzarbeiten.

      Unser Wunsch ist, dass davon in großem Umfang Gebrauch gemacht wird", appellierte Scholz mit Blick auf die Kurzarbeit an die Arbeitgeber. Sie habe für alle Beteiligten Vorteile, für die Arbeitgeber, weil sie ihre eingearbeiteten Mitarbeiter behalten könnten, für die Arbeitnehmer, weil sie nicht arbeitslos würden, und für den Staat, da die Kosten aller Voraussicht nach unter jenen für das Arbeitslosengeld liegen werden. "Es rechnet sich für fast jeden." Scholz sagte, dass sich die Möglichkeit der Kurzarbeit vor allem auch an die kleinen und mittleren Betriebe richte und die Unternehmer auch für ihre Leiharbeiter Kurzarbeit beantragen könnten.

      Keiner wisse, was komme und wie lange die Krise anhalte, sagte Scholz. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ende 2009 oder Anfang 2010 die Konjunktur wieder anziehe, sei jedoch höher als ein weiteres Abrutschen - sofern die abwartende Haltung bei Konsum und Investitionen durchbrochen werden könne. Scholz wies darauf hin, dass es nach wie vor einen Fachkräftemangel gebe. Und der werde sich massiv verstärken, sollten die Menschen nicht weiter qualifiziert werden.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Kampf-gegen-Arbeit…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:26:21
      Beitrag Nr. 1.060 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.568 von Dorfrichter am 19.02.09 18:09:51Es fehlen einem langsam wirklich die Worte....
      Ich frage mich ernsthaft, wie lange das alles noch gut geht.
      Nur noch Experten mit unterschiedlichen Prognosen, Politiker mit diversen Sprechblasen, Bürger die gelassen bleiben....
      Aber keiner weiß was.

      Wir leben hier im Taka-Tuka-Land!
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:38:24
      Beitrag Nr. 1.061 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.471 von d.h.53 am 19.02.09 18:00:48:laugh:
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:43:45
      Beitrag Nr. 1.062 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.606.111 von Maraho am 18.02.09 20:07:20Ergänzend hierzu:

      Krise der Währungsunion
      Alles besser ohne Euro?


      Sechs Länder der Eurozone müssen sich Defizitverfahren stellen, die Kreditwürdigkeit von Staaten wie Griechenland sinkt rapide. Ist die Währungsunion in Gefahr? VON NICOLA LIEBERT

      Gerade hatte man sich daran gewöhnt, mit dem Euro eine grundsolide Währung zu haben, da stürzt er an den Devisenbörsen schon wieder ab. Noch im vergangenen Sommer ließ es sich dank des starken Euro zum Beispiel in den USA und in vielen anderen Ländern billig Urlaub machen. Mittlerweile bekommt man jedoch statt 1,60 nur mehr 1,25 Dollar für einen Euro. Der Wertverlust des Euro spiegelt den Vertrauensverlust gegenüber der europäischen Einheitswährung wider, der derzeit auf den Finanzmärkten zu beobachten ist.

      "Die Eurozone droht auseinanderzufallen", warnt der Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hankel, ein radikaler Euro-Kritiker der ersten Stunde. "Das Fundament des Maastricht-Vertrags wankt", sagt die Investorenlegende George Soros. Hat der Euro angesichts von so viel Schwarzseherei noch eine Zukunft? Selbst die EU-Kommission bezeichnet die Lage in einigen Euro-Staaten angesichts der Verschlechterung bei den Defiziten und der Wettbewerbsfähigkeit als "nicht nachhaltig".

      Nicht nur die Athener Jugendlichen haben in letzter Zeit ein Problem mit ihrem heruntergewirtschafteten Land. Die wenigen wettbewerbsfähigen Branchen Griechenlands - Fremdenverkehr und Reedereien - leiden besonders stark unter dem globalen Konjunktureinbruch. Überdies ist die Staatsverschuldung fast so hoch wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung des Landes. Die Ratingagentur Standard & Poors bewertet die griechische Kreditwürdigkeit deutlich geringer als die aller anderen Euro-Länder. Für griechische Staatsanleihen wird daher ein hoher Risikoaufschlag fällig. Weil die Regierung nun immer höhere Zinsen zahlen muss, wird das Loch im Haushalt immer größer. Im Zusammenhang mit Griechenland liest man in letzter Zeit häufiger das Wort "Staatsbankrott". Inzwischen wurde auch Spaniens und Portugals Bonität herabgestuft, Irland gilt als Wackelkandidat. Am Mittwoch hat die EU-Kommission gegen Frankreich, Griechenland, Irland, Lettland, Malta und Spanien Defizitverfahren wegen zu hoher Neuverschuldung auf den Weg gebracht. Auf Strafzahlungen will sie aber angesichts der Finanzkrise verzichten.

      Früher, vor der Einführung des Euro, hätte es ein ganz einfaches Mittel gegeben, um die mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit auszugleichen: Abwertung. Die griechische Notenbank hätte die Zinsen gesenkt, die Nachfrage nach griechischen Drachmen wäre wegen der nun geringeren Rendite zurückgegangen und dadurch wäre der Wechselkurs von selbst gefallen. Das hätte Griechenland für Urlauber attraktiver gemacht, die griechischen Reeder hätten ihre Dienstleistungen günstiger anbieten können und alle Exporte von Olivenöl bis Textilien wären preiswerter und damit wettbewerbsfähiger geworden. Diese Möglichkeit fällt aber seit der Einführung des Euro weg.

      Allerdings ist auch nicht sicher, dass sich Griechenland damit aus der Krise manövrieren könnte. Diversen EU-Staaten außerhalb der Eurozone ergeht es auch nicht besser, trotz ihrer geldpolitischen Freiheit. In Osteuropa senkten die Notenbanken eifrig die Zinsen. Der ungarische Wirtschaftsminister signalisierte, er würde eine Abwertung des Forint zwecks Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ungarischer Exportgüter begrüßen. Die Folge: Die Währungen Ungarns, aber auch Polens und Tschechiens stürzen ins Bodenlose. Wer kann, zieht sein Kapital ab. Ungarn musste im vergangenen Herbst bereits vom Internationalen Währungsfonds gerettet werden. Jetzt droht auch den anderen Staaten der Crash.

      Selbst Euro-Skeptiker wie der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel plädieren deshalb nicht für eine Abschaffung des Euro: "Gerade in der jetzigen Krise kämen noch viel mehr Probleme auf die Regierungen zu, wenn sie sich auch noch um die Stabilisierung ihrer individuellen Wechselkurse kümmern müssten." Über einen Austritt einzelner Länder aus der Währungsunion wird dennoch immer öfter gemunkelt. Die Teilnehmer an der Onlineplattform Intrade, auf der man auf das Eintreten der verschiedensten Ereignisse spekulieren kann, setzten die Wahrscheinlichkeit derzeit bei exakt 26 Prozent an.

      Freiwillig werden Länder wie Griechenland oder Portugal den Euro ohnehin nicht aufgeben, sagt Moritz Kraemer, Leiter der Länderanalysen von Standard & Poors: "Die Wiedereinführung einer nationalen Währung würde zu einer Abwertung führen und die Schuldenquote nach oben treiben, weil die ausstehenden Verbindlichkeiten ja nach wie vor auf Euros lauten." Überdies käme den Staat dann die Kreditaufnahme viel teurer. Er müsste den Investoren deutlich höhere Zinsen zahlen, um sie für das Wechselkursrisiko zu entschädigen. Die darauffolgende Wirtschaftskrise wäre vermutlich viel schlimmer als das, was Griechenland jetzt durchmacht.

      Aber was passiert eigentlich, wenn ein Mitgliedstaat zahlungsunfähig wird? Die Wahrscheinlichkeit ist außerordentlich gering, wie Kraemer betont. Das aktuelle Rating griechischer Staatsanleihen entspreche einem Ausfallrisiko von 2 Prozent. Aber die Finanzmärkte schließen die Möglichkeit offenbar nicht ganz aus: Die Prämien für Credit Default Swaps - eine Art Versicherung gegen Zahlungsausfälle - steigen derzeit steil an.

      Und so macht sich auch die EU Gedanken über die Nöte diverser Euro-Mitglieder und spielt gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank entsprechende Szenarien durch. Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Euro-Gruppe, machte den Lösungsvorschlag, dass die Eurozone gemeinsam eine Anleihe aufnimmt, einen sogenannten Euro-Bond. Dann müssten Länder wie Griechenland, Spanien oder Italien nicht länger so ruinös hohe Zinsen zahlen. Die Kehrseite: Länder mit ausgezeichneter Bonität, wie Deutschland, müssten dann höhere Zinsen zahlen als bisher. Drei Milliarden Euro könnten so an jährlichen Mehrkosten auf den Bundeshaushalt zukommen. Die Reaktion von Finanzminister Peer Steinbrück war daher eindeutig: "Ich werde nicht eine Verschlechterung der Konditionen für deutsche Staatsanleihen billigend in Kauf nehmen", verkündete er nach dem EU-Finanzministertreffen Mitte Januar.

      Bliebe für den Notfall noch Plan B: Die EU müsste überschuldeten Staaten mit Überbrückungskrediten beispringen. Auch hier wären heftigste Proteste programmiert: Künftig würden sich dann auch andere Länder nicht länger mit einer Sanierung ihres Haushalts abmühen, so die Befürchtung, sondern sich einfach auf die EU verlassen. Der Maastricht-Vertrag enthält deshalb sogar die Klausel, dass die EU nicht für überschuldete Euro-Länder einsteht. Aber dass die EU auf der Klausel besteht, wenn es hart auf hart kommt, gilt als unwahrscheinlich. Denn was wäre die Alternative? Wäre etwa Griechenland erst einmal zahlungsunfähig, würden alle Investoren sofort ihre verbrannten Finger von Staatsanleihen der anderen Problemstaaten lassen. Die kämen dann auf einmal kaum noch an Geld beziehungsweise müssten horrende Aufschläge dafür zahlen. Eine Massenspekulation auf eine Pleite weiterer Euro-Länder würde einsetzen. Gleich Dominosteinen fiele als Nächstes vielleicht Portugal, dann Spanien. Italien könnte der nächste Kandidat sein. Oder Irland. Und dann hätten die Euro-Skeptiker recht bekommen, dann wäre der Euro Geschichte.

      So weit wird es die EU nicht kommen lassen, und auch der bis vor kurzem noch so hartleibige Finanzminister Steinbrück scheint sich angesichts der Zuspitzung der Probleme in den vergangenen Wochen eines Besseren zu besinnen. Auf ein Auseinanderbrechen der Währungsunion angesprochen, sagte er: "Können Sie sich vorstellen, dass irgendjemand so etwas auch nur in Kauf nehmen könnte?" Das sei "völlig absurd" mit Blick auf die öffentlichen Folgen. "Sollte Deutschland am Ende vor der Wahl stehen, zu helfen oder einem Bankrott zuzusehen, werden wir gemeinsam mit anderen tätig werden müssen", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus Regierungskreisen. Schließlich hat gerade der Exportweltmeister Deutschland ein enormes Interesse daran, seine Handelspartner nicht pleitegehen zu lassen und ein Wechselkurschaos zu verhindern.

      Kurzfristig lassen sich die Probleme der Währungsunion mit Beistandskrediten jedenfalls lösen, ist sich der Ökonom Hickel daher sicher. Aber was muss mittelfristig passieren, um ein Auseinanderdriften der Euro-Staaten zu vermeiden? Die Problemstaaten müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, fordert Rating-Experte Kraemer: "Inflation und Lohnstückkosten müssen über längere Zeit unterhalb des Niveaus der Eurozone insgesamt liegen, so wie dies Deutschland mit einigem Erfolg gemacht hat." Hickel sieht aber nicht nur die Defizitländer in der Pflicht. Die Kehrseite der Defizite seien schließlich die Überschüsse von Ländern wie Deutschland. "Die Währungsunion ist auch bedroht durch die aggressive Exportstrategie der Bundesrepublik, die nicht zuletzt auf immer niedrigeren Lohnkosten basiert", sagt Hickel. "Aber die Lösung ist jetzt nicht die Abwicklung des Euro, sondern seine Weiterentwicklung in Richtung einer Wirtschaftsunion, inklusive einer gemeinschaftlichen Lohn- und Beschäftigungspolitik."

      Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/alle…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:47:24
      Beitrag Nr. 1.063 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.471 von d.h.53 am 19.02.09 18:00:48Guten Abend d.h.53,

      endlich mal was positives! :laugh:
      Und ein fetter Umsatz!

      Gruß Maraho
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:59:44
      Beitrag Nr. 1.064 ()
      18. Februar 2009, 18:57
      Schafft das Banken- und Steuergeheimnis ab!
      Warum es angesichts der Finanzkrise unabdingbar ist, dass sich Österreich von einigen traditionellen "nationalen Eigenheiten" verabschiedet
      - Kurt Bayer



      Sturmtief über den Cayman-Inseln. Die meteorologischen Turbulenzen hat die Steueroase überstanden, die ökonomischen scheinen unabwendbar.
      *

      Schon der alte Adam Smith hat gefordert, dass jeder Bürger nach seinen Möglichkeiten zum Steueraufkommen beitragen sollte - und zwar "im Verhältnis, zu dem er Einkommen als Ergebnis des vom Staat zur Verfügung gestellten Schutzes erzielt".



      Auf heutige Verhältnisse übertragen heißt dies, dass Einkommen- und Körperschaftsteuer dort gezahlt werden sollte, wo das Steuersubjekt beheimatet ist. Unter der Vorausetzung der Mobilität von Arbeitskräften, Unternehmen und Kapital erfordert dies volle Information und Öffentlichkeit darüber, wo wirtschaftliche Aktivitäten stattfinden. Steueroasen, Bankgeheimnis und Steuergeheimnis stehen diesem Prinzip entgegen.

      Dies führt dazu, dass in den Industrieländern ein immer größerer Teil der Steuerlast auf die arbeitende Mittelschicht entfällt, da reiche Bürger/innen und Unternehmen legal (und manchmal auch illegal) die Komplexitäten und länderweisen Unterschiede des modernen Steuerrechts zu ihren Gunsten und zuungunsten des Staates mithilfe einer riesigen Steuervermeidungsindustrie ausnützen können. In armen Ländern fehlt dadurch das Steueraufkommen zur Bewältigung der riesigen Aufgaben bei Armutsbekämpfung, Ausbildung, Gesundheitsvorsorge, Infrastruktur etc.

      Fehlleitung von Kapitalflüssen, Steuervermeidung, Geldwäsche sind die Folge - und damit wichtige Mitverursacher der Finanzkrise, da viele Steueroasen neben niedrigen/keinen Steuern auch geringere/keine Berichtspflichten und Regulierungsauflagen haben. Die Nicht-Regierungsorganisation Tax Justice Network schätzt, dass in Steueroasen mehr als 11,5 Billionen $ angelegt sind. Danach verlieren die USA jährlich durch Steueroasen etwa 100 Mrd. $ an Steuereinnahmen, Frankreich etwa 50 Mrd. $, Deutschland 30 Mrd. $, das Vereinigte Königreich etwa ein Prozent des BIP. Den Entwicklungsländern entgehen dadurch insgesamt 800 Mrd. $ an Kapital, die sonst dort investiert würden.

      Steueroasen austrocknen

      Die britische Zeitung The Guardian hat drei Monate intensiv recherchiert und publiziert seit anfang Februar täglich Informationen, Dokumente, Einschätzungen und Meinungen zum Thema. Barack Obama hat sich für die Austrockung von Steueroasen ausgesprochen, ebenso der Papst. Der britische Premier Gordon Brown hat sich bei einer Anhörung im Unterhaus am 4. Februar ebenfalls in diese Richtung geäußert, Finanzminister Darling hat eine (neuerliche) Untersuchung eingeleitet. Der G-20-Gipfel vom vergangenen Dezember schlägt Ähnliches vor, Deutschland übt zunehmend Druck auf Liechtenstein und einige EU-Länder aus, darunter auch Österreich, sich den Mehrheitsregeln der Europäischen Union zu unterwerfen. In den Internatioanlen Finanzinstitutionen sind Bemühungen in Gang gekommen, Firmen, die in Steueroasen organisiert sind, keine Unterstützung mehr zu gewähren,

      Es ist heute nahezu Konsens, dass die neokonservative Ideologie, nach welcher "der Staat" sich aus der Wirtschaft heraushalten solle, da "der Markt" alles bestens selbst regle - und daher legale (im Einzelfall auch illegale) Steuervermeidung quasi moralisch geboten sei - uns die Finanz- und Wirtschaftskrise beschert hat. Die Eigentümer und Manager der steuervermeidenden - pardon "steuerminimierenden" - Unternehmen, die zuvor zu den lautesten Vertretern dieser Ideologie gehörten, scheinen jetzt plötzlich nichts dagegen zu haben, dass die Steuerzahler/innen ("der Staat") ihre Fehler ausbessern. Sie wollen allerdings auch keine Eingriffe (der neuen Mit-Eigentümer) in ihre Tätigkeit und keine Offenheit und Transparenz akzeptieren. Als Verfechter der Marktlehre müssten sie jedoch wissen, dass Geschäfte meist zweiseitig sind, es also einen Austausch, eine Gegenleistung, geben muss.

      Ein neues - tragfähigeres - System des Wirtschaftens ist derzeit nicht einmal in Ansätzen sichtbar, ist jedoch ein Überlebensgebot der Stunde. Ein solches System muss u. a. Offenheit in Steuerdingen, Offenheit und Transparenz darüber, welche wirtschaftliche Tätigkeiten wo getätigt werden, sowie volle Information der betroffenen Steuerbehörden und der Bürger über wirtschaftliche Vorgänge enthalten. Es ist nicht einzusehen, dass jene, welche den Hauptteil der Steuerlast und des derzeitigen bail-out tragen, nicht darüber informiert werden, wer wo welche oder keine Steuern zahlt. Der Grundsatz "no taxation without open and full information" muss weltweit durchgesetzt werden.

      Der Guardian berichtet, dass im britischen Territorium Cayman Inseln zehn Prozent der Einwohner als Rechtsanwälte, Steuerberater und Buchhalter tätig sind und dass dort 80 Prozent der weltweiten Hedge Funds, sowie 9000 Private Equity Fonds loziert sind. Auch die Namen der anderen Steueroasen sind bekannt. Deren tatsächlicher Beitrag zur weltweiten Wertschöpfung ist nicht nur nicht positiv, sondern da für ein tragfähiges Weltwirtschaftssystem schädlich, sogar negativ anzusetzen (siehe die obgenannten Phänomene Geldwäsche, Steuervermeidung etc.).

      Die tiefe Finanzkrise führt weltweit zu einem Umdenken, zumindest verbal. Wir alle erinnern uns jedoch an die - unter anderem von britischer Seite lancierten Blockaden bei EU-Versuchen zur Steuerharmonisierung, zur Abschaffung des Einstimmigkeitserfordernisses in Steuerfragen im Lissabon-Vertrag. Daher wird man erst in Zukunft sehen, was von den jüngsten Lippenbekenntnissen wirklich umgesetzt wird.

      Dessen ungeachtet wäre es jedoch hoch an der Zeit, etwa im Rahmen der Steuerreform, die in fast allen EU-Ländern (ausgenommen Österreich, Belgien, Luxemburg) geübte Praxis der Information anderer Steuerbehörden über Bankeneinlagen und Investitionen ausländischer EU-Bürgerinnen endlich auch in Österreich einzuführen und das Bankgeheimnis in der derzeitigen Form zu entsorgen.

      Gleichzeitig sollte auch das Steuergeheimnis überprüft und abgeschafft werden. Die österreichischen Steuerzahler verdienen dieselbe Offenheit, die ihre schwedischen Kollegen genießen. Nur wenn wir selbst transparent sind, können wir von anderen Ähnliches verlangen. Um im eigenen und allgemeinen Interesse die Steueroasen auszutrocknen, muss auch Österreich von obsolet gewordenen nationalen Eigenheiten Abschied nehmen. Der Lohn ist ein tragfähigeres, offeneres und gerechteres globales Steuer- und Wirtschaftssystem, bei dem alle nach ihren Möglichkeiten zur Finanzierung der wichtigen Staatsaufgaben beitragen und Fehlleitungen von Kapital allein aufgrund von Steuervermeidung und geringeren Aufsichtsverpflichtungen vermieden wird. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.2.2009)

      Und was sagt der Deutsche dazu? :eek:
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 18:59:49
      Beitrag Nr. 1.065 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.568 von Dorfrichter am 19.02.09 18:09:51Ergänzend:

      Hypo Real Estate

      Flowers wehrt sich gegen Enteignung
      Von Heike Göbel, Henning Peitsmeier und Joachim Jahn

      Der amerikanische Finanzinvestor Christopher Flowers hat der Bundesregierung Gespräche über die Zukunft der überschuldeten Hypo Real Estate (HRE) angeboten. Als deren Großaktionär droht ihm die Regierung mit Enteignung, um die zur Stabilisierung des Immobilienfinanzierers bereitgestellten öffentlichen Gelder zu retten. In einem Schreiben an die Staatssekretäre der beteiligten Ministerien in Berlin und an den Chef des staatlichen Sonderfonds (Soffin), das der F.A.Z. vorliegt, zeigt sich Flowers verwundert darüber, dass die Regierung keine weiteren Gesprächstermine angeboten habe. „Enttäuscht sind wir aber vor allem über den Umstand, dass keine alternativen Szenarien zur Diskussion gestellt und auch keine Termine für weitere Gespräche angeboten wurden“, schreibt Flowers. Er stehe jederzeit bereit.

      In dem Brief beteuert er, auch er verfolge das Ziel, dass der deutsche Staat eine Mehrheit von 75 Prozent plus eine Aktie an der HRE erlange. Der durchschnittliche gewichtete Preis je Aktie in den zwei Wochen vor einer möglichen Enteignung sei aber als Maßstab für die Entschädigung der betroffenen Aktionäre „aus unserer Sicht nicht akzeptabel“. Flowers fordert, dass sich die Entschädigung an dem Kurs orientieren sollte, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe. Daraus errechnet Flowers einen Preis von 2,97 Euro je Anteil, was „de facto dem auf eine Aktie anfallenden anteiligen Betrag des Grundkapitals in Höhe von 3 Euro entspricht“, heißt es in dem Brief weiter. Ein Einstieg des Bundes in die HRE zu diesem Preis würde damit auch den Vorgaben des deutschen Aktienrechts entsprechen. Flowers hatte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktie bezahlt und dürfte bei einem Ausstieg knapp 1 Milliarde Euro verlieren.

      Steinbrück sieht wenig Chancen für eine gütliche Einigung

      Indirekt droht Flowers damit, sich juristisch zu wehren. Er sei fest davon überzeugt, dass sich der Weg zu der angestrebten Mehrheit des Bundes an der HRE „über eine Verstaatlichung bei weitem komplexer und auch kostspieliger darstellen würde als eine gemeinsam ausgearbeitete Lösung, die nicht mit einer Reihe von rechtlichen Unsicherheiten behaftet wäre“, schreibt der Investor. Eine pragmatische Lösung sei auch im Interesse der vielen HRE-Aktionäre, die etwa 10 Prozent des Kapitals an der Bank hielten – umgerechnet rund 21 Millionen Aktien. Sie vertrauten darauf, nach geltenden Regeln behandelt zu werden.

      Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erhöhte derweil den Druck auf Flowers: Er sehe wenig Chancen für eine gütliche Einigung, sagte er dem WDR. „Es gibt die Möglichkeit, auch ein Übernahmeangebot zu machen. Aber Herr Flowers wird Preisvorstellungen haben, die weit über das hinausgehen, was in einem Enteignungsverfahren zu zahlen wäre, gemessen an dem aktuellen Kurs.“ An einem Verbleib von Flowers hat Steinbrück offenbar wenig Interesse. „Das ist sein nachvollziehbares Interesse. Aber ich sehe nicht ein, warum ein Finanzinvestor, der genau weiß, dass er im guten Fall gutes Geld macht, aber im schlechten Fall auch Geld draufgibt, vom Bund quasi kompensiert werden soll“, erklärte der SPD-Politiker. Komme es zu einer Enteignung der HRE-Altaktionäre, müsste der Bund gemessen am derzeitigen Aktienkurs rund 270 Millionen Euro Entschädigung zahlen.

      Wirtschaft spricht von einem Tabubruch

      Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch ein Gesetz beschlossen, das als letzte Möglichkeit für eine Verstaatlichung von angeschlagenen Banken eine Enteignung vorsieht. Es ist auf den Fall HRE ausgerichtet und soll nur kurz gelten. Die Wirtschaft sprach dennoch von einem Tabubruch. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält diese Kritik für abwegig. Der Staat übernehme Anteile „an einem faktisch insolventen Unternehmen“, erklärte die DIW-Finanzmarktexpertin Dorothea Schäfer. In dieser Situation sei der Staatseingriff die einzige Möglichkeit, das systemrelevante Institut zu retten. Das staatliche Engagement entspreche einem Feuerwehreinsatz in höchster Not. Wer sich darüber beschwere, dass dabei die Eingangstür aufgebrochen wird, habe nicht verstanden, worum es gehe.

      Das Bundesverfassungsgericht prüft derweil die Beschwerde eines Aktionärs der Commerzbank gegen das erste Rettungsgesetz für den Finanzsektor vom vergangenen Oktober. Das sagte der Präsident des Gerichts, Hans-Jürgen Papier, am Mittwochabend auf dem Jahrespresseempfang in Karlsruhe, ohne den Namen des Geldinstituts konkret zu nennen. Der in dem Verfahren federführende Richter, Wilhelm Schluckebier, erläuterte auf Nachfrage, der Kläger wende sich gegen die Umgehung der Hauptversammlung beim Beschluss über die staatliche Finanzspritze. Außerdem beklage er den Ausschluss der Aktionäre vom Bezugsrecht für diese neuen Anteile. Nach dem „Finanzmarktstabilisierungsgesetz“ dürfen Vorstand und Aufsichtsrat ohne Zustimmung der Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung durch den Soffin beschließen. Das Bundesverfassungsgericht will versuchen, in diesem Jahr über die Beschwerde zu entscheiden (Az.: 1 BvR 119/09).

      Quelle: http://www.faz.net/s/RubC9401175958F4DE28E143E68888825F6/D…

      Es gibt dazu auch noch ein Interview zu lesen:

      Im Gespräch: HRE-Aktionär Flowers
      „3 Euro je HRE-Aktie wären fair“


      http://www.faz.net/s/RubC9401175958F4DE28E143E68888825F6…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 19:15:06
      Beitrag Nr. 1.066 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.614.045 von kiska am 19.02.09 18:59:44Guten Abend kiska,

      alle sehr löblich, diese Texte. Aber seien wir ehrlich, es gibt immer Wege. Und die Schlauen fangen die sowieso nicht. Geld ist auch wieder schnell woanders.

      Zur Zeit sind halt alle hysterisch. Wenn es denn irgendwann einmal wieder "richtig zu schnappen" gibt und auch das Volk seinen Teil daran hat; Du wirst von solchen Diskussionen dann nichts mehr vernehmen.

      Jetzt sind sie hinter denen her, demnächst heben sie uns dann aus.
      Vielleicht Gebunkertes unter den Dielen, oder gehortete EM....

      Wer weiß?
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 19:27:18
      Beitrag Nr. 1.067 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.047 von Maraho am 19.02.09 17:21:47Ergänzend:

      Wirtschaftskrise

      Alt-Europa lässt den Osten im Stich
      Von Joachim Fritz-Vannahme

      In Budapest und Riga demonstrieren die Unzufriedenen, in Tschechien, Polen und Ungarn rutscht die Währung ab: Die alte EU verliert ihre östlichen Nachbarn aus dem Auge

      Allenfalls aus den Augenwinkeln nehmen Deutsche, Franzosen oder Niederländer den Niedergang Mitteleuropas wahr – was in Zeiten wie diesen verständlich und dennoch ein Fehler ist. Der ungarische Forint, die tschechische Krone, der polnische Zloty rutschten in den vergangenen Tagen gegenüber dem Euro von Tiefstand zu Tiefststand. Die Folge: Ausländische Kredite, in Hartwährung aufgenommen, verteuern sich täglich, Ungarn und die Ukraine etwa hängen bereits am Tropf des Internationalen Währungsfonds.

      Vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer leiden nicht nur die Währungen, sondern auch die arbeitende Bevölkerung unter Kapitalverteuerung und Kapitalabfluss, weil die geschwächten westeuropäischen Banken, wenn überhaupt, lieber erst heimischen Firmen Kredit geben. Die österreichische Regierung knüpft bereits an einem Rettungsnetz für Mittelosteuropa und drängt die Rumänen und Bulgaren, aber auch Kroaten und Ukrainer, einen nationalen Bankenschirm aufzuspannen. Am liebsten hätte die Wiener Regierung hierfür Berlin als Verbündeten gewonnen, dort hält man sich derzeit zurück.

      Mittel- und Osteuropa sind nicht erst jetzt in den Strudel der Krise geraten. Bis zum Herbst 2008 drückten hohe Nahrungs- und Energiepreise aufs Portemonnaie des kleinen Mannes von Riga bis Sofia, von Kiew oder Tiflis gar nicht zu reden. Der Konsum wurde auf Pump finanziert, das trieb die Zinsen. Ungarn oder Lettland melden derzeit über zehn Prozent für ihre Leitzinsen. In Riga und Budapest demonstrieren sie zu Tausenden, nicht allein gegen die internationale Krise, auch gegen hausgemachte Schnitzer der eigenen Regierung. Miserable Weltlage, schlechte Politik, allgegenwärtige Korruption – der Mix ist von Land zu Land verschieden, die Ingredienzien sind vielerorts dieselben.

      Zerschellt die Erweiterung an der Krisenklippe? "Vergisst" die alte Europäische Union ihre neuen Mitglieder und Partner, zum zweiten Mal binnen Kurzem - gestern in der Energiekrise, jetzt in der Finanzkrise? Deren Zwangslage ähnelt der ihrer westlichen Klubmitglieder und doch auch wieder nicht. Die Weltwirtschaftskrise verschont zwar keinen, ihr eiserner Griff aber setzt nicht überall am selben Punkt an.

      Das Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins, ist in den östlichen und neuen EU-Staaten wohl am ehesten mit den Ängsten der Opel-Belegschaft in Bochum, Eisenach, Rüsselsheim vergleichbar, über deren Schicksal ganz weit weg, im fernen Detroit entschieden wird, wie beim antiken Gottesurteil. Die heimische Industrie, die heimischen Banken, der persönliche Kredit kommt in den neuen EU-Mitgliedsländern fast immer aus dem Westen. Was gestern als Segen empfangen wurde, wird nun als Fluch erlitten: Zumindest für die psychologische Seite der mitteleuropäischen Depression sollten die alten und großen EU-Staaten mehr Verständnis aufbringen und Fingerspitzengefühl zeigen.

      Wer sich in solcher Lage nur selbst am nächsten ist, der wird bald erkennen, dass die Europäische Union dafür nicht gebaut ist. Der pure Egoismus zahlt sich unter ihrem Dach nicht aus, sondern kommt teuer zu stehen, weil fürs gemeinsame Wohlergehen, von Gemeinsinn nicht zu reden, selbst der Stärkste auf den Schwachen angewiesen ist.

      Womit wir wieder bei der Frage sind, warum es im Kreis der 27 zwar eine ähnlich hohe Zahl von nationalen Rettungspaketen gibt, aber so gut wie keine europäische Strategie. Ist also mehr Europa nötig, oder ist womöglich weniger Europa denn eine starke nationale Aktion die richtige Antwort?

      Derart prinzipiell konnte in der Vergangenheit gefragt werden. Da konnte mit einem gehörigen Schuss innerer Überzeugung für ein föderales oder lieber für ein Europa der Subsidiarität, für mehr Integration oder nur für mehr Kooperation gestritten werden. Spätestens im Angesicht dieser Krise kann sich die EU solchen Prinzipienstreit nicht länger leisten. Ein besseres Europa muss die Devise lauten. Und dazu gehören zuallererst ein geschärfter Blick und ein sensibler Sinn für die Nöte des Nachbarn.

      Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/08/wirtschaftskrise-oste…
      333 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 19:37:04
      Beitrag Nr. 1.068 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.437 von Maraho am 19.02.09 17:58:00In Bezug auf o.g. Beitrag:

      Rettungsprogramm

      Flucht unter den Fallschirm
      von Sven Afhüppe und Klaus Stratmann

      Deutsche Firmen reißen sich um Hilfen aus dem Rettungsfonds des Bundes. Nach Informationen des Handelsblatts aus dem Bundeswirtschaftsministerium sprengen die Anfragen bereits jetzt das vorgesehene Volumen von 100 Mrd. Euro. Dem Ministerium liegen auch einzelne Anträge in zweistelliger Milliardenhöhe vor.

      BERLIN. Ab sofort können Unternehmen, die unverschuldet durch die Weltwirtschaftskrise in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind, Hilfen aus dem Rettungsprogramm des Bundes für die Realwirtschaft beantragen. Das Programm umfasst neben Krediten ein Bürgschaftsvolumen von 100 Mrd. Euro. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der zuständige Lenkungsausschuss entwickeln in den nächsten Tagen Kriterien, welche Anträge auf Bürgschaften und Kredithilfen genehmigt werden. Bereits vor dem offiziellen Start häufen sich im Wirtschaftsministerium die Anfragen von Unternehmen, die den Fonds in Anspruch nehmen wollen.

      Der Rettungsschirm für die Realwirtschaft ist Bestandteil des zweiten Konjunkturpakets, das die Bundesregierung im Januar auf den Weg gebracht hat. Der Bundesrat entscheidet heute über das Paket. Es enthält neben dem zusätzlichen Bürgschaftsvolumen von 100 Mrd. Euro insbesondere Kreditprogramme der KfW, die sowohl dem Mittelstand als auch größeren Unternehmen zur Verfügung stehen. Die 100 Mrd. Euro des Bürgschaftsrahmens kommen zu dem 15 Mrd. Euro umfassenden Bürgschaftssonderprogramm hinzu, das die Bundesregierung bereits mit dem ersten Konjunkturpaket Ende vergangenen Jahres beschlossen hatte.

      Der Haushaltsausschuss hatte in den Schlussberatungen zum Rettungsschirm für die Realwirtschaft darauf gedrängt, dass nur solche Firmen Staatshilfen erhalten, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Allerdings sind nach Angaben aus Regierungskreisen bei dieser Regel durchaus Ausnahmen denkbar.

      Außerdem müssen Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds ab einem Volumen von 300 Mio. Euro beim Haushaltsausschuss vorgelegt werden. Eine weitere Bedingung: Bürgschaften dürfen nicht eingesetzt werden, um die Emission von Anleihen abzusichern. "Wer bei der Begebung einer Anleihe ein paar Basispunkte bei den Zinsen sparen will, ist beim Wirtschaftsfonds an der falschen Adresse", heißt es in Regierungskreisen.

      Um den Rettungsfonds für die Wirtschaft ans Laufen zu bringen, wird eine Konstruktion gewählt, die in weiten Teilen an den "Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung" (Soffin) anknüpft. Diesen Fonds hatte die Bundesregierung Ende vergangenen Jahres zur Stabilisierung des Finanzsektors eingerichtet.

      In der kommenden Woche will Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg bekannt geben, welche Manager in dem beratenden Ausschuss zum Wirtschaftsfonds sitzen. Nach Informationen des Handelsblatts handelt es sich um "erfahrene und bekannte Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft". Dieses Gremium soll künftig eine Vorentscheidung treffen, ob der Antrag eines Unternehmens genehmigt oder abgelehnt werden soll.

      Die letzte Entscheidung trifft aber der Lenkungsausschuss, in dem Staatssekretäre aus dem Wirtschafts-, Finanz- und Justizministerium sowie dem Kanzleramt vertreten sind. Vorbereitende Arbeiten zur Prüfung von Anträgen sind beim Wirtschaftsministerium angesiedelt, das den Rat von Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern hinzuziehen wird.

      Den Segen der EU-Kommission hat der Fonds bereits. Die Kommission genehmigte gestern staatliche Hilfen bei der Kreditversorgung von Unternehmen. Bund, Länder und Gemeinden sowie öffentliche Förderbanken könnten bis Ende 2010 Beihilfen in Form zinsgünstiger Darlehen vergeben, erklärte die Brüsseler Behörde. Die Kommission knüpft ihre Zustimmung an die Bedingung, das nur solche Unternehmen die Hilfe in Anspruch nehmen können, die nach dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten geraten sind. Zinszahlungen können bis Ende 2012 subventioniert werden, danach müssen wieder marktübliche Zinsen gezahlt werden.

      Durch die Beihilfen würden die Kosten für Kredite erheblich gesenkt, um Investitionen der Unternehmen und die Erholung der Wirtschaft zu fördern, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Der Wettbewerb in der EU werde dadurch nicht verzerrt. Die Kommission hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, sie wolle die Regelungen für die Genehmigungen von Beihilfen an Unternehmen wegen der Wirtschaftskrise lockern.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fluc…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 19:53:46
      Beitrag Nr. 1.069 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.580.378 von Maraho am 14.02.09 17:23:00In Bezug:

      Kartell der Krawalljournalisten
      ALBRECHT VON LUCKE

      Kein führender Journalist hat die ökonomische Großkrise rechtzeitig erkannt. Trotzdem überbieten sich die breitbeinigen Meinungsmacher weiter in analytischer Haltlosigkeit

      Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, analysiert die gegenwärtige Krise der Medien als eine Krise der Verleger und ihrer Profitinteressen (taz vom 7./8.2.2009). So richtig diese Diagnose ist, sie liefert noch keine hinreichende Erklärung dafür, warum von keinem Journalisten in den führenden Printmedien die ökonomische Großkrise rechtzeitig erkannt und analysiert wurde. Offensichtlich haben wir es nämlich auch mit einer Krise der schreibenden Zunft und ihrer Protagonisten zu tun.

      Untersucht man die Bundesrepublik auf ihre Brüche seit dem Umzug von Bonn nach Berlin im Jahr 1999, dann stellt man massive Veränderungen im Bereich der sogenannten Vierten Gewalt fest. Für die Medien ist die aufgekratzte "Berliner Republik" im Vergleich zum beschaulichen Bonn ein erstaunliches Biotop, das vor allem journalistischen Profilneurotikern zur Blüte verhilft. Henryk M. Broder und Matthias Matussek seien hier als die vielleicht auffälligsten Vertreter des neuen Typus des Krawalljournalisten genannt.

      Kennzeichnend für den neuen "Berliner Stil" ist ein eigentümlich machistisches Maulheldentum, dessen Ziel in größtmöglichem "Putz" besteht. Frauen sind auch in den publizistischen Chefetagen nur marginal vertreten. Scharfzüngige und kritisch-analytische Journalisten mit dezidiert linker Haltung kommen in den großen Medien mit Ausnahme von Heribert Prantl kaum vor - selbst wenn sie durchaus populär sind, man denke etwa an Friedrich Küppersbusch.

      Der langjährige Spiegel-Korrespondent Jürgen Leinemann sprach unlängst davon, dass den Politikern zunehmend das "innere Geländer" eigener Überzeugungen fehle. Für die journalistische Zunft gilt das nicht minder. Die erzielte Aufmerksamkeit ist ihr zumeist allemal wichtiger als der transportierte Inhalt.

      Dabei handelt es sich keineswegs um ein Phänomen bloß der journalistischen Beiboote, im Gegenteil. Die Journalistin Franziska Augstein stellte vor geraumer Zeit fest, dass im Fall des Spiegel der "Fisch vom Kopf stinke". Tatsächlich entwickelte sich das einstige selbsternannte "Sturmgeschütz der Demokratie" in der Ära Aust zum reißerischen Aufmacher-Magazin. Entscheidend in den Augen des einstigen Chefredakteurs war ganz primär - und letztlich völlig apolitisch - der Hefttitel, der über den Erfolg am Kiosk entscheidet.

      Dieser Zug zum Marktschreierischen zeigt sich jedoch nicht nur beim Spiegel, sondern gilt bis heute für weite Teile der hiesigen Medienlandschaft. Wenn etwa ein maßgeblicher FAZ-Herausgeber sich als Apokalyptiker in Permanenz erweist, kann das auf die Dauer nur abstumpfen. Zumal dann, wenn Frank Schirrmacher binnen weniger Monate vom radikalen Gegner von Rot-Grün und von staatlicher Regulierung zum führenden Kapitalismuskritiker mutiert - und dafür prompt mit dem renommierten Börne-Preis ausgezeichnet wurde.

      Dieses Chamäleonhafte der Person Schirrmachers ist nur der radikalste Ausdruck der Tatsache, dass heute bei den meisten Journalisten eine klare Unterscheidung nach den politischen Grundkategorien links oder rechts kaum mehr vorzunehmen ist. Das zeigt sich auch an der journalistischen Sprunghaftigkeit bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes. Man möchte gar nicht wissen, wie viele einstige taz-Journalisten heute bei Springers Welt in Lohn und Brot stehen. Von politisch begründeter Blattbindung kann jedenfalls keine Rede mehr sein.

      Zum Ausdruck eines zutiefst verluderten Betriebes wird diese Tendenz jedoch dann, wenn wir uns den zweiten repräsentativen journalistischen Typus anschauen, den des Machtjournalisten. Dafür stehen in erster Linie die Namen Aust, Schirrmacher, Döpfner und Dieckmann. Die weitgehende Auflösung einstiger klarer politischer Unterschiede der Medien - Vorreiter auch hier der Spiegel -, hat dazu geführt, dass an der Spitze heute jeder mit jedem kann. Hier gilt die Devise: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Denn alle verbindet ein primäres Interesse: Macht in den Medien und über die Medien.

      Beim distinguiert sich gebenden Springer-Vorstandsvorsitzenden Döpfner und seinem glatten Bild-Chef Dieckmann gehört die Kumpanei quasi schon von Hause aus zum guten Ton - beide verkörpern auf ihre je eigene Weise den Springer-Verlag. "Pornographie von oben" nennt der Schriftsteller Rainald Goetz deshalb die "simulierte Seriosität" des Springer-Chefs. Und was für die Bild-Zeitung dann doch intellektuell zu anspruchsvoll ist, erledigt Welt-Chefredakteur Thomas Schmid, ehemaliger Intimus von Joschka Fischer und Chefideologe des "Revolutionären Kampfes", als Döpfners Mann fürs Feine.

      Noch problematischer wird die Kumpanei allerdings im konzernübergreifenden Dreiecksgespann Dieckmann, Aust und Schirrmacher. Hier wäscht eine Hand die andere, so etwa wenn Bild-Zeitung und Spiegel weite Teile der Schirrmacher-Bücher "Methusalem-Komplott" und "Minimum" abdrucken - und damit zu den eigentlichen Geburtshelfern für den Bestseller avancieren. Umgekehrt darf sich die Bild-Zeitung dann gerne an einem ebenso reißerischen Schirrmacher-Artikel über die angebliche "Deutschenfeindlichkeit" hier lebender Ausländer gütlich tun, der dem Boulevard-Blatt willkommene Munition in Roland Kochs letztem Antiausländerwahlkampf lieferte.

      Man könnte das neue journalistische Machtkartell getrost vernachlässigen, wenn es dabei nur um Werbung für die neuesten Schirrmacher-Bücher ginge. Doch das Netzwerk zwischen Bild-, FAZ- und Spiegel-Meinungsmachern ist deshalb so problematisch, weil es die gegenseitige Kontrolle innerhalb der Vierten Gewalt ausschaltet. Journalisten werden zu Selbstherrlichkeit und Geltungssucht regelrecht verführt, wenn sie nicht wenigstens intellektuell Rechenschaft für ihre politischen Einschätzungen ablegen müssen. Kontrolliert sich die Vierte Gewalt nicht wechselseitig, durch gegenseitige harsche Kritik und Beurteilung, dann tut es keiner. Das aber fördert erstaunliche Verantwortungslosigkeit - und erstaunliche Radikalurteile.

      Bis heute hat sich noch keiner der nicht ganz wenigen Journalisten und Intellektuellen, die so energisch für den Irakkrieg getrommelt haben und von einem schnellen Sieg überzeugt waren, zu dessen Scheitern verhalten - ob sie nun Henryk M. Broder oder Wolf Biermann heißen. Von keinem hört man heute irgendeine Form der Selbstkritik.

      Wer die Politiker kontrolliert, muss selbst kontrollierbar sein. Ohne kritische Auseinandersetzung gerade unter Journalisten kann es nicht verwundern, wenn vermeintliche Überzeugungen von heute auf morgen aufgegeben werden, der politische Journalismus immer mehr an Kontur verliert und letztlich zur eitlen Selbstbespiegelung verkommt. Kurzum: Kontrollieren wir die Kontrolleure. Andernfalls bekommen wir nur die Journalisten, die die Berliner Republik (noch) nicht verdient.

      Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/dig…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 20:02:06
      Beitrag Nr. 1.070 ()
      Jetzt werden wir mal böse (oder ehrlich) oder beides....


      Wirtschaft

      Wir werden subtil belogen [1]
      Albrecht Müller

      Die Unsicherheit ist groß. Das Grundgefühl: Ohnmacht. Wenn ich höre, 10 Milliarden Steuergelder für die IKB, 18,2 Milliarden für die Commerzbank, 102 Milliarden für die Hypo Real Estate usw., hunderte von Milliarden zur Begleichung der Wettschulden und der fortlaufenden Boni für Investmentbanker, die die Misere angerichtet haben, dann kommt zur Ohnmacht Wut. Aber eine Mehrheit gibt bei Umfragen immer noch an, den politisch Verantwortlichen über den Weg zu trauen. – Vertrauen ist eigentlich schön und ohne dieses geht es auch in der Politik nicht gut zu. Aber im konkreten Fall der Finanzkrise ist Misstrauen angesagt. Andernfalls geht es nämlich einfach so weiter. Die Menschen müssen wieder zweifeln lernen. Es geht um ihr Geld und um ihre Zukunft.
      Es wurde uns erzählt, die Krise sei aus den USA über uns gekommen. – Das ist nicht richtig. So zeigt die wahnsinnig teure Pleite der Hypo Real Estate in München beispielhaft, dass hierzulande selbst arrangierte Zockereien stattgefunden haben.

      Spitzenbanker haben uns erzählt, 25 Prozent Kapitalrendite seien normal. Sie haben damit den Wettlauf um riskante Operationen angeheizt. Und sind immer noch im Amt. Und sie sind immer noch die Berater unserer Bundeskanzlerin.

      Die politisch Verantwortlichen haben uns erzählt, sie seien von der Finanzkrise überrascht worden. Er sei wie von einem „Springinsfeldteufel“ „ohne Vorankündigung” von „Risiken aus neuartigen Finanzprodukten angegriffen” worden, meinte Bundesfinanzminister Steinbrück im April 2008. Tatsächlich waren zu diesem Zeitpunkt die Milliarden-Verluste der Industriekreditbank (IKB) in Düsseldorf schon fast ein ganzes Jahr bekannt. Und fünf Jahre vorher, so berichtete das Handelsblatt am 24. Februar 2003, hatte Steinbrücks Vorgänger Hans Eichel zusammen mit seinem Kollegen Clement und Bundeskanzler Schröder schon mit den Spitzen der Banken und Versicherungen zusammengesessen, um eine Lösung für die Milliarden schlechter Risiken zu suchen, die damals schon unsere ehrenwerten Banken und Versicherungen angehäuft hatten.

      Man tat dann überrascht, als Josef Ackermann von der Deutschen Bank im Dezember 2008 die Gründung einer so genannten Bad Bank vorschlug, auf der die faulen Kredite zulasten der Steuerzahler abgeladen werden sollten. Genau dieser Vorschlag war aber schon beim erwähnten Spitzentreffen Anfang des Jahres 2003 von den Spitzen der Finanzwirtschaft gemacht worden. Damals wurde die Bad Bank offiziell nicht gegründet, weil das Handelsblatt vom Gespräch und der beabsichtigten Auslagerung schlechter Risiken berichtet hatte. Die „Üblen Banken“, wie ich sie nenne, wurden dann höchstwahrscheinlich mit dem Segen der Bundesregierung auf indirekte Weise gegründet. Die HypoVereinsbank lud schlechte Risiken bei ihrer Neugründung HRE ab.

      Auch die IKB hat ihre riskanten Geschäfte in ausgelagerten Zweckgesellschaften versteckt. Und die Dresdner Bank ist offensichtlich so etwas wie die Bad Bank der Allianz AG. Sie wurde aus nicht durchschaubaren Gründen von der Commerzbank übernommen. Und schon komisch! Kaum war dieser Deal in trockenen Tüchern, meldete die Commerzbank Finanzierungsbedarf beim Bund an. Die Übernahme der Allianztochter Dresdner haben wir Steuerzahler daraufhin mit 18,2 Milliarden finanziert.

      Hier ist niemand überrascht worden. Das ist von langer Hand eingefädelt. Übrigens ist unser Bundesfinanzminister auch nicht von den neuen Finanzprodukten angesprungen worden. Er und sein jetziger Staatssekretär haben aktiv an der Entwicklung und Einführung der Schrottpapiere mitgearbeitet. Die Verpackung von schlechten Forderungen in besser klingenden Wertpapieren wurde erleichtert. Hedgefonds wurden in Deutschland im Jahre 2004 zugelassen. Die Plünderung deutscher Unternehmen durch deutsche und ausländische so genannte Investoren wurde ab dem 1. Januar 2002 steuerlich gefördert.

      Die politisch Verantwortlichen tun so, als würden sie sorgfältig mit unserem Geld umgehen. Zu diesem Zweck allein inszenieren sie eine Debatte um die so genannte Schuldenbremse. Sachlich ein verrücktes Projekt. Es dient nur der Verschleierung. Tatsächlich gehen die etablierten Politiker großzügig mit unserem Geld um. Angela Merkel bittet die Banker inständig, endlich unser Geld zu nehmen. Und ihr Finanzminister schreitet zur Rettung der HRE mit staatlichem Geld genau einen Tag, nachdem die Haftung des früheren Eigentümers HypoVereinsbank am 28. September 2008 ausgelaufen ist. Ein Geschenk für diese Bank. Ein Geschenk des Himmels? Nein, ein Geschenk von uns.

      Steinbrück schwärmte vom „Finanzplatz Deutschland“ und den so genannten Investoren. Wenn man jedoch genauer hinschaut, dann sieht man, dass viele dieser „Investoren“ gar keine sind. Eine Welt voller Lügen. Ihre hohen Renditen erzielen sie dadurch, dass sie mit einem minimalen Anteil von circa 20 Prozent Eigenkapital ein Unternehmen übernehmen, Schulden mit hohen Zinsen zulasten des Unternehmens aufnehmen und es mit Beratungsverträgen zusätzlich belasten. So in Variationen bei Märklin, Hugo Boss, Altana alias Nycomed und vielen anderen Unternehmen.

      Die politisch Verantwortlichen quer durch alle etablierten Parteien haben dabei mitgemacht. Heute erzählen sie uns, wir bräuchten mehr Transparenz und mehr Regulierung. Auch das klingt wiederum schön und beeindruckt wohl viele. Wir brauchen aber nicht nur Transparenz und nicht nur Regulierung. Es ist dringend notwendig, das Spielcasino zu schließen. Also Schluss für Hedgefonds in Deutschland, Schluss für die unseriöse Übernahme intakter Unternehmen. Schluss mit der Erfindung neuer Finanzprodukte.

      Quelle: http://www.suedkurier.de/news/wirtschaft/wirtschaft/Wirtsc…
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 20:15:13
      Beitrag Nr. 1.071 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.984 von Maraho am 19.02.09 06:13:02"Mein" letzter Beitrag für heute:


      Finanzkrise: Versicherungspleiten trotz oder wegen Bankenrettung

      Selbst wenn die Banken durch den Staat gerettet werden, müssen es womöglich die Lebensversicherer mit der eigenen Insolvenz bezahlen. Zumindest aber droht die Reduzierung der Überschüsse, und damit eine geringere Altersversorgung für Privatversicherte. In den Portfolios der Versicherer befinden sich nämlich außer den echten Gift-Papieren - reinste Wetten, deren Totalverlust im Raum steht - auch hochriskante Ausleihungen an Banken, die bei den Versicherern bisher noch als “sichere festverzinsliche Papiere” gewertet werden. Dazu ein Beitrag von Johannes Fiala und Peter Schramm. Albrecht Müller


      PM Dr. Johannes Fiala / Diplom-Mathematiker Peter A. Schramm
      München im Februar 2009

      Finanzkrise: Versicherungspleiten trotz oder wegen Bankenrettung! *
      Lebensversicherungen als Wette auf geringere Überschüsse oder Insolvenz

      Selbst wenn die Banken durch den Staat gerettet werden, müssen es womöglich die Lebensversicherer mit der eigenen Insolvenz bezahlen. Zumindest aber droht die Reduzierung der Überschüsse, und damit eine geringere Altersversorgung für Privatversicherte. In den Portfolios der Versicherer befinden sich nämlich außer den echten Gift-Papieren - reinste Wetten, deren Totalverlust im Raum steht – auch hochriskante Ausleihungen an Banken, die bei den Versicherern bisher noch als „sichere festverzinsliche Papiere“ gewertet werden.

      Intransparenz und fehlendes Risikomanagement

      Die Hoffnung des Neoliberalismus, dass der Markt es schon regeln werde, wird am Ende nicht enttäuscht werden: Banken- und Versichererpleiten sind die Quittung für eine naive Gier nach dem Mehr an Rendite – ganz ohne fundamentalen Blick auf Risiken und Bonität. Hellseher und Wahrsager, modern Rating-Agenturen genannt, haben Konjunktur.

      Auch der größte Rückversicherer hat das Problem im Kern erkannt: Fehlendes Risikomanagement, mangelhafte Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Risiko zu Rendite, und neue Bilanzierungsregeln als Einladung zur Intransparenz. Auf Kapitalanlagen am Roulette-Tisch durch Versicherer seit 2000 folgte 2002 die Bilanzregel der „stillen Lasten“ – damit wurden die Verluste fast unsichtbar gemacht - und man konnte Gewinne ausschütten, die man gar nicht hatte. Die politische Antwort 2008 auf neue Verluste aus „strukturierten Papieren“ in den Finanzhäusern war die faktische Abschaffung der Insolvenz bei Überschuldung. Vernebelung untergräbt das Vertrauen der Anleger und Kreditgeber.

      Aber die Finanzaufsicht wird im traditionellen vorauseilenden Gehorsam bestimmt ein wachsames Auge darauf haben, sich am fehlenden Risikomanagement auch weiterhin nicht zu stören? Wenn die Kapitalanlagen zusammen mehr als 25 % über ihrem tatsächlichen Wert in der Bilanz stehen, will man diese Wertansätze dort erst einmal auf Nachhaltigkeit prüfen.

      Totalausfallrisiko: Investments der Versicherer in nachrangige Darlehen

      Im „Special zur Finanzkrise“ weist der „map-Report“ auf die geringe Quote bei amerikanischen Schrotthypotheken und Aktien in den Finanzanlagen der Lebensversicherer hin: „Besorgnis ist unbegründet“.
      Indes befindet sich das Risiko in nachrangigen Darlehen der Versicherer an Banken, welche im Vergleich zum denkbaren Totalausfallrisiko eine minimal höhere Verzinsung bieten: Solche Investments folgen dem Glauben, man könne ein reales Risiko schönreden, und damit jede noch so hohe Rendite am Ende sicher erwirtschaften: Strukturierte Schuldscheindarlehen und Nachranginvestments wurden gerne von Lebensversicherern gekauft, die mit diesen „sicheren festverzinslichen Papieren“ die erforderliche Rendite erwirtschaften wollten, um neben dem Garantiezins auch noch eine Überschussbeteiligung zahlen zu können.

      80% Verlust – keine Bilanzwahrheit

      Nun sind diese Papiere im Mittel nur noch 20 Cent je Euro Nennwert und teilweise weniger wert, was die Versicherer aber nicht so bilanzieren mögen und auch nicht müssen, solange die Zinsen gezahlt werden und die Papiere bis zum Ende gehalten werden können und dann am Ende von den Banken auch „vermutlich“ eingelöst werden. Das ist aber nicht einmal von den vorrangig zu bedienenden ebenfalls ungesicherten sonstigen Bankschuldverschreibungen sicher.

      Diese auf Hoffnung basierende Bilanzierung begründen die Versicherer ganz legal damit, dass es (bisher) keinen Run der Versicherungskunden auf ihr Geld gibt und die Leistungen an Kunden - statt aus dem Verkauf von Papieren - aus der laufenden Beitragseinnahme gezahlt werden können, und dass außerdem die Banken gerettet werden.

      Dies wäre gerade so, also wenn ein Handwerker den Abfluss der neuen Badewanne nicht dicht bekommt, und darauf hinweist, dass man ja beliebig frisches Wasser nachfüllen könne. Ob die Kunden es auf Dauer akzeptieren, dass ihr echtes frisches Beitrags-Geld gleich an andere ausgezahlt wird und sie dafür Anteile an inzwischen nahezu wertlosen Papieren erhalten, ist zwar fraglich, funktioniert aber sogar bei Schneeballsystemen ggf. sogar jahrelang. Man muss ja erst einmal merken, ob das Fass einen Boden hat.

      Zahlungseinstellung bei Nachrangdarlehen der Versicherer

      Nun zeichnet sich aber ab, dass zwar die Banken allgemein gerettet werden, aber die Vorstandsgehälter und Dividenden gekürzt bzw. ausgesetzt werden und - zur Überraschung der Versicherer - auch die Nachranganlagen zunächst einmal nicht mehr mit Zinsen und Tilgungen bedient - und womöglich auch am Ende gar nicht eingelöst werden.

      Der Kursverfall sogenannter Hybridanleihen kann täglich bei Bloomberg verfolgt werden. Bei Nachranganleihen handelt es sich um Risikokapital der Banken – für das Risiko, dass sie notfalls nicht verzinst und getilgt werden, wird etwas mehr Rendite versprochen. Andere, die Banken ebenfalls Eigenkapital in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt haben, werden heute vom Staat vor die Alternative gestellt, ihre Anteile freiwillig zu einem Bruchteil der ursprünglich dafür gezahlten Milliarden abzugeben oder durch rasch noch dafür geschaffene Gesetze enteignet zu werden. Bei trotz solcher Maßnahmen hohen Kosten für den Steuerzahler wäre es schwer vermittelbar, wenn die in riskante Nachranganleihen investierten Versicherer als einzige von den Folgen der bewusst eingegangenen Risiken freigestellt würden.

      Bei der BayernLB z.B. hat sich bereits Brüssel eingemischt und genehmigt zwar die Staatshilfen, aber nur unter der Voraussetzung eines Ausschüttungsverbots für Nachrangdarlehen. Gerade die Rettung der Banken führt mithin dazu, dass die Nachrangdarlehen (die ja fast nur von institutionellen Anlegern wie Versicherern gezeichnet wurden) womöglich nicht nur nahezu unverkäuflich, sondern auch ganz real ziemlich wertlos werden. Wenn aber ihre Tilgung nicht mehr anzunehmen ist, müssen sie auch gleich abgeschrieben werden.

      Versicherungsverband kündigt Leistungskürzungen an

      Die Reaktion der Versicherungswirtschaft ist nicht etwa, dass man inkompetente Finanzmanager entsorgt und ein solides Risikomanagement installiert. Schließlich ist bis heute, auch in Banken, die Innenrevision noch immer nicht aussagefähig über den genauen Umfang der Risiken in den eigenen Kapitalanlagen.
      Ganz im Gegenteil: Die Versicherer drohen den Banken und (mehr oder weniger indirekt) so auch dem Staat, die Refinanzierungsmöglichkeiten einzuschränken, wenn die Zins- und Tilgungszahlungen auf ihre Nachrangdarlehen nicht bedient werden. Außerdem würde die Altersvorsorge der Versicherungsnehmer vermindert werden, die der Staat gerade erst mit Milliarden Steuersubventionen auf eine vermehrte Kapitaldeckung umstellen will. Unwahrscheinlich, das sich der Staat von solchen Drohungen beeindrucken lässt. Vielleicht sollte man sich auf klassische Schuldscheindarlehen oder besser Pfandbriefe konzentrieren, ohne Strukturen und ohne Nachrang – mit wirklich guter Aussicht auf Rückzahlung.

      Finanzvorstände mit dem Rücken zur Wand

      Kurz: Obwohl die Banken gerettet werden, sind speziell die nachrangigen Darlehen der Versicherer an Banken damit keinesfalls sicher oder sogar, genau weil sie gerettet werden, fallen die Zins- und Tilgungszahlungen auf Nachrangdarlehen aus. Und damit ist genau das Gegenteil dessen richtig, was die Versicherer behaupten. Man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass auch die Versicherten sich mit geringerer Altersversorgung an der Bankenrettung beteiligen werden.

      Und weil dies so ist, könnte es außerdem noch einen Run auf Versicherer geben, der letztlich dann doch noch den Verkauf bzw. die Abschreibung der betreffenden Papiere erzwingt - weil es dann ggf. nicht mehr anzunehmen ist, dass sie bis zum Ende gehalten werden können und dann getilgt werden.

      Die Aktuare der DAV erarbeiten derzeit einen konkreten Hinweis, wie in einem solchen Fall z. B. eines Runs auf Versicherer in einer Finanzkrise die Rückkaufswerte zusätzlich gekürzt werden können. Gesetzlich ist dies nach § 169 (6) VVG - und ohnehin auch schon gemäß der für Altverträge geltenden Regelung über den Zeitwert – möglich. Der Wert von Lebensversicherungen als Kreditsicherheit wird dadurch auch fraglich.

      Misstrauen führt zu Vorkasse und verstärktem Einsatz von Kreditsicherheiten

      Die Intransparenz der Bilanzierungsregeln führt zu Misstrauen – Unternehmer verlangen zunehmend Vorkasse. So werden auch institutionelle Anleger dazu übergehen müssen, auf eine werthaltige Besicherung ihrer Kapitalanlagen zu achten.
      Dieser Trend wird zunächst kaum aufzuhalten sein, denn infolge Rating-Verschlechterung wurden auch Staatsanleihen aus Italien und einige andere Papiere abgewertet, die zu “stillen Lasten” oder Abschreibungsbedarf bei Versicherern beitragen.

      Wo mein Geld noch sicher ist?

      Anleger werden sich die Frage stellen, ob sie sich den erheblichen Risiken bei Kapitalanlagen in Lebensversicherungen weiter aussetzen wollen. Niemand hat diesen Kunden vorher gesagt, dass zahlreiche Finanzvorstände der Versicherer das Geld direkt zur Spielbank tragen werden - dies hätten die Versicherungssparer auch selbst erledigen können. Solche Entwicklungen können nach höchstrichterlicher Rechtsprechung selbst zur Kündbarkeit an und für sich vertraglich unkündbarer Verträge führen. Welcher Riester- oder Rürup-Kunde schaut schon gerne zu, wie seine Altersversorgung verbrannt wird - oder akzeptiert, dass er es nur zurückerhält, wenn er als Steuerzahler erst einmal ein Vielfaches zu seiner Rettung bezahlt hat.

      Die Lebensversicherungsbranche hat jedoch ein viel größeres Problem: Das Vertrauen der Kunden hat sie verspielt, und arbeitet daran offenbar weiter. Boni für Verluste statt Personalwechsel, Spielsüchtige als Finanzmanager, Intransparenz statt Abschreibungen und Risiko-Management. Der US-Börsenbrief Heibel-Ticker schreibt: „Mein Rat an Sie – meiden Sie Lebensversicherungen wie der Teufel das Weihwasser“.

      Da alle Versicherer mehr oder weniger ähnlich betroffen sind, erledigt sich auch die Hoffnung, sie könnten in einer allgemeinen Finanzkrise - über „Protektor“ - sich gegenseitig retten.

      Wer bereits in auf kollektiver Risikotragung und kollektiver Kapitalanlage beruhenden Versicherungen investiert ist, wird sein Geld nicht einfach in einem Akt der Unsolidarität zu Lasten der Zurückbleibenden abziehen können. Hier haben die Versicherer ausreichend Mittel und Möglichkeiten, den treu bei seinem Versicherer ausharrenden Kunden vor einer Schädigung durch solche eigennützig gegen das Kollektiv spekulierende Anleger zu schützen. Sie werden diese sicher auch einsetzen, sollten Kündigungen aufgrund geschwundenen Anlegervertrauens überhandnehmen. Daher werden die Versicherer wohl die Krise auch irgendwie überleben.


      * von Dr. Johannes Fiala, Rechtsanwalt (München), MBA Finanzdienstleistungen (U-niv.), MM (Univ.), Geprüfter Finanz- und Anlageberater (A.F.A.), Lehrbeauftragter für Bürgerliches- und Versicherungsrecht (Univ.), Bankkaufmann (www.fiala.de) und Diplom-Mathematiker Peter A. Schramm, Aktuar DAV (Diethardt), Versicherungsma-thematischer Sachverständiger (www.pkv-gutachter.de)

      Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=3782
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 20:20:05
      Beitrag Nr. 1.072 ()
      Liebe Leute.

      Auch heute wieder ein herzliches Dankeschön. Danke für eure Beiträge! Danke für das Interesse! Danke für die Gewogenheit!

      Ich wünsche euch nun einen schönen Abend und einen gesunden Schlaf zu späterer Stunde.

      Bis morgen. In alter Frische!

      Maraho
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 21:12:04
      Beitrag Nr. 1.073 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.171 von Maraho am 19.02.09 17:33:33Wollte ich euch nicht vorenthalten...
      ...jetzt wird aber richtig angesetzt:

      Neue Klage in den USA
      UBS soll 52.000 Kundendaten rausrücken

      Im Streit mit den US-Behörden hat der Schweizer Bankkonzern bereits nachgegeben und das Bankgeheimnis erstmals etwas gelüftet. Das reicht den Steuerermittlern aber längst nicht aus.

      Die US-Regierung will die Schweizer Großbank UBS zur Herausgabe von bis zu 52.000 Kundendaten zwingen. Das Justizministerium in Washington teilte am Donnerstag mit, die Regierung habe UBS vor einem Bezirksgericht dazu verklagt, Daten von US-Kunden mit geheimen Schweizer Konten herauszugeben. Die Klage wirft diesen UBS-Kunden vor, die Konten vor der Regierung geheim zu halten und gegen die Steuergesetze des Landes zu verstoßen.

      Erst am Mittwoch hatte sich das Geldhaus bereit erklärt, das Bankgeheimnis zu lockern und den Ermittlungsbehörden Daten amerikanischer UBS-Kunden zu liefern - von 200 bis 300. In der entsprechenden Klage, die UBS auch durch Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 780 Mio. $ abwendete, ging es um insgesamt rund 17.000 mutmaßliche Steuersünder.

      Der Druck der Regierung in Washington auf die UBS löste in der Schweiz Wut und Unverständnis aus. Politik und Wirtschaft fürchten um das Bankgeheimnis und den Bankenplatz Schweiz: Das in dem Land besonders streng gehütete Bankgeheimnis bekommt durch den Schritt erste Risse.

      Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Neue-Kl…


      Gute Nacht!
      55 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 21:59:35
      Beitrag Nr. 1.074 ()
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 23:47:22
      Beitrag Nr. 1.075 ()
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 23:48:52
      Beitrag Nr. 1.076 ()
      Avatar
      schrieb am 19.02.09 23:51:53
      Beitrag Nr. 1.077 ()
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 00:40:43
      Beitrag Nr. 1.078 ()
      Die Rede des einzigen Volksvertreters in einem Parlament, das zu über 99% aus Volksverrätern besteht:

      Avatar
      schrieb am 20.02.09 05:46:52
      Beitrag Nr. 1.079 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.616.335 von heuschrecker am 20.02.09 00:40:43Guten Morgen heuschrecker,
      guten Morgen euch allen,

      zuerst einmal wünsche ich jedem einen halbwegs erträglichen Freitag!

      Nun dazu....
      Eine Anmerkung von mir: Lest in den (alten) Geschichtsbüchern....


      Tschechischer Präsident

      Klaus' Rede provoziert Tumult im Europa-Parlament

      Von Stefanie Bolzen und Christoph B. Schiltz

      Tschechiens Präsident Vaclav Klaus macht keinen Hehl aus seiner Europa-Skepsis. Den vom tschechischen Parlament abgesegneten Vertrag von Lissabon will er angeblich nicht unterzeichnen. Das i-Tüpfelchen lieferte Klaus jetzt im Europa-Parlament. Mit einer anklagenden Rede brachte er die Abgeordneten gegen sich auf.

      Keine Regung ist dem Staatschef anzusehen. Weder als sich der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, schon bei der Begrüßung Spitzen nicht verkneifen kann. Noch als die Europa-Hymne im Brüssler Plenum erklingt. Vaclav Klaus sitzt stocksteif auf seinem Stuhl, wendet unablässig den Kopf, wie ein Scanner die Reihen absuchend. Staatstragend im wahrsten Sinne gibt er sich, der Präsident Tschechiens, das seit Januar den Ratsvorsitz der EU innehat.

      Dann tritt Klaus ans Mikrophon, um vor den Angeordneten eine Rede zu halten, die so konziliant beginnt, dass Brüssels Europafreunde ihr Prager Schreckgespenst gar nicht wiederzuerkennen meinen. Zunächst. Denn die verbalen Schläge kommen. Und sie sitzen, weil er historische Vergleiche zieht, die in Europas Hauptstadt schmerzen müssen: Jene „Bürger, die einen großen Teil des 20. Jahrhunderts in Unfreiheit leben mussten“, reagierten „verständlicherweise empfindlich“ auf alles, das sich gegen Wohlstand und Freiheit richte, so Klaus.

      Genau dieses aber geschehe im Europäischen Parlament – „hier wird nur eine Alternative durchgesetzt. Wer über andere Alternativen nachdenkt, wird als Feind der europäischen Integration angesehen. Wo es aber keine Opposition gibt, verkommt die Freiheit“. Mit anderen Worten: Das Diktat der Europäischen Union unterscheidet sich nicht viel von der Diktatur der Kommunisten.

      Johlen und Buhrufe im Saal – und endlich erfüllt das Gesicht des tschechischen Präsidenten ein zufriedenes Grinsen. Er wäre nicht Vaclav Klaus, nutzte er diese Gelegenheit nicht, um gegen eine Institution und ihre Vertreter zu wettern, die seiner Meinung nach allein der Selbstzweck treibt.

      Als am Dienstag im tschechischen Parlament die Abstimmung über den Lissabonner Reformvertrag eine knappe Mehrheit bekam, soll Klaus dies dem Vernehmen nach mit den Worten „Das unterzeichne ich sowieso nicht“ kommentiert haben. Dass er am Folgetag Brüssels Demokratiedefizit anprangert, ficht den 67-Jährigen nicht an. Trotzdem weigert er sich vor der Presse hier erneut preiszugeben, ob er den Vertrag unterzeichnen wird: „Ich sage immer: Schachspieler kündigen ihren nächsten Zug auch nicht an.“ Bei den Parlamentariern indes ist Klaus’ Botschaft schon lange angekommen: Lissabon werde die Kluft zwischen den Bürgern und der EU nur noch vergrößern.

      Als Klaus kurz darauf den Banken jede Verantwortung für die Finanz- und Wirtschaftskrise abspricht und sie stattdessen in der „politischen Manipulation des Marktes“ sieht, wird es manchem im Plenum zu bunt. Fraktionsmitglieder der Konservativen, Sozialisten und Liberalen stehen auf, das Geraune schwillt an, Dutzende verlassen den Saal, „Oberlehrer!“, tönt es. Währenddessen applaudieren die Mitglieder der euroskeptischen britischen Partei Ukip – die schon die Europa-Hymne lautstark mit „God save the Queen“ konterten – dem Gast aus Prag frenetisch.

      Klaus ist zufrieden. „Es war eine perfekte Veranstaltung, ich habe sie sehr genossen“, wird er später sagen. „Das Schlimmste ist doch, wenn es ganz ruhig ist und sich niemand interessiert zeigt. Ich war nur überrascht, dass einige irgendwann nicht mehr bereit waren zuzuhören und den Saal verlassen haben.“

      Als der Parlamentspräsident abschließend zum Mikrophon greift, hat seine Gesichtsfarbe ein sattes Rot, die Halsadern sind angeschwollen, seine Stimme überschlägt sich. „Es war Ihr Wunsch, hier zu sprechen“, sagt Pöttering. Die Geschäftsordnung der Ratspräsidentschaft sah eigentlich nur eine Rede von Premier Mirek Topolanek vor. „In einem Parlament der Vergangenheit hätten Sie diese Rede nicht halten können.“ Applaus brandet auf, den Klaus offenbar als Begeisterung für seinen Auftritt versteht. Mit Mühe führt Pöttering den Gast vom Podium.

      Lesen Sie die Rede von Vaclav Klaus im Wortlaut
      auch auf dieser Seite zum Anklicken

      Quelle: http://www.welt.de/politik/article3236264/Klaus-Rede-prov…
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      schrieb am 20.02.09 05:51:54
      Beitrag Nr. 1.080 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.568 von Dorfrichter am 19.02.09 18:09:51Guten Morgen Dorfrichter,

      heute schon vernehmlicher.....

      Milliardengeschäfte laut Zeitung nicht in HRE-Bilanz

      Hannover (dpa) - Beim Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate sind nach einem Zeitungsbericht Milliardengeschäfte getätigt worden, die nicht in der Bilanz auftauchen. Sie seien zum Teil hochspekulativ gewesen, berichtet die «Hannoversche Allgemeine». Zusammen mit der offiziellen Bilanzsumme von etwa 400 Milliarden Euro ergebe sich eine Summe von knapp einer Billion Euro, die die Bank laufend refinanzieren müsse. Solche Dimensionen seien noch vor einem Jahr unvorstellbar gewesen, sagte der CDU-Experte Jochen-Konrad Fromme.

      © Die Welt
      erschienen am 20.02.2009 um 05:13 Uhr
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 06:02:02
      Beitrag Nr. 1.081 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.893 von Maraho am 19.02.09 18:43:45Weiterführend:

      Hilfe aus Deutschland

      Retter aus der Euro-Not
      von Ulrike Heike Müller (Berlin), André Kühnlenz und Simon Schäfer (Frankfurt)

      Deutschland könnte im Krisenfall gezwungen sein, bei einer Rettung der Euro-Zone die Verantwortung zu übernehmen. Weil einige Länder der Euro-Zone vor ernsthaften Zahlungsproblemen stehen, stellt sich die Bundesregierung darauf ein, im Währungsverbund zu helfen.

      "Jährlich könnte dies die Steuerzahler etwa 1,5 Mrd. Euro kosten", sagte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat, der FTD. Dieser Betrag wäre fällig, wenn die Euro-Länder sich künftig über gemeinsame Anleihen finanzierten. In Brüssel und in Deutschland diskutieren Politiker darüber; es wäre ein möglicher Ausweg aus der schwierigen Lage.

      Die Währungsunion rutscht erstmals in ihrer zehnjährigen Geschichte in Turbulenzen. Für Spanien, Portugal, Irland und Griechenland wird es immer schwerer, Kredite an den Kapitalmärkten zu bekommen. Seit Wochen diskutieren deshalb Politiker, wie mögliche Staatspleiten und das Auseinanderbrechen der Euro-Zone verhindert werden können.

      Bislang hatte Steinbrück deutsche Hilfen wegen hoher Kosten ausgeschlossen. Aufgrund der steigenden Angst der Händler vor einem Anleiheausfall machte er jedoch eine Kehrtwende. Die Furcht vieler Ökonomen, die Euro-Zone könnte zerbrechen, nannte er "absurd", ergänzte jedoch: "Wir werden uns handlungsfähig zeigen." Auch Bundeskanzlerin Merkel zeigte Bereitschaft zur Hilfe, wenn nötig.

      Konkrete Details nannte Steinbrück nicht. Im Finanzministerium hieß es am Donnerstag, es lägen keine Pläne in der Schublade. Führende Ökonomen betonten jedoch , schnelles Reagieren sei notwendig. Jakob von Weizsäcker von der renommierten Brüsseler Denkfabrik Bruegel sagte: "Sicher ist, wenn ein Land wie Griechenland in Zahlungsschwierigkeiten gerät, ist es im Interesse aller, zu helfen."

      Bofinger lobte Steinbrück. Er habe den Märkten klargemacht, die Liquidität einzelner Länder und die Währungsunion stehen nicht zur Disposition. "Wenn es an einer Stelle kracht, etwa in Irland, rutscht das ganze Euro-System weg."

      Wenn für die Iren die Staatsausgaben nicht mehr finanzierbar sind, könnten sie versuchen, die Euro-Zone zu verlassen. Dann könnte Irland seine neue Währung abwerten lassen. Irische Exporteure könnten ihre Waren preiswerter verkaufen. Dieser Vorteil im Wettbewerb lindert - zumindest kurzfristig - die Finanzprobleme.

      "Der Bankrott eines Staates würde zu massiven Abschreibungen im Finanzsektor führen", sagte Michael Klawitter, Devisenexperte bei Dresdner Kleinwort. "Die Auswirkungen auf das weltweite Finanzsystem könnten schlimmer sein als bei der Lehman-Pleite."

      Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, um Pleitekandidaten zu retten. Finanzstarke Länder könnten sie mit direkten Zahlungen unterstützen. Dies wäre für die deutschen Steuerzahler besonders teuer; Fachleute halten dies auch für unwahrscheinlich. Andere Möglichkeiten wären eine konzertierte Hilfsaktion der EU-Länder, eventuell gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Ungarn etwa erhält vom Fonds bereits Hilfen. Das brächte jedoch einen hohen Imageschaden für die EU.

      Als weitere Variante wird in Fachkreisen über die gemeinsame Ausgabe von Staatsanleihen diskutiert. "Nach jetzigem Stand würde eine solche Anleihe mit ,A‘ bewertet", sagte Moritz Kraemer, Staatsrating-Experte bei S&P. Das entspricht der Bonität von Griechenland.

      Den Vorschlag hatten Steinbrück und sein niederländischer Amtskollege abgelehnt, weil die Finanzierungskosten für Länder mit soliden Haushalten stiegen.

      Fachleute diskutieren auch die Gründung eines Fonds durch die Europäische Investitionsbank. Citigroup-Ökonom Jürgen Michels sagt: "Dieser Fonds würde die Anleihen von Ländern mit Problemen aufkaufen." Damit dieser Fonds glaubwürdig wäre, müsste er jedoch über ein beträchtliches Volumen verfügen.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/europa/:Hilfe-aus-Deutschland-R…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 06:08:25
      Beitrag Nr. 1.082 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.614.438 von Maraho am 19.02.09 19:37:04Es geht auch anders!

      um den kompletten Text lesen zu können, einfach anklicken.

      Mittelstand
      Mit Innovationen durch die Krise
      Jutta-Maria Nieswand

      Etliche Mittelständler klagen über Auftragsmangel und Kreditklemme. Doch es gibt sie noch: Unternehmen, die der Rezession trotzen. Sie haben in guten Zeiten vorgebaut und schöpfen jetzt Kraft aus innovativen Technologien und hohen Finanzreserven. Gewinner der Wirtschaftskrise in der Nahaufnahme.

      Weiterführend: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/mit-innovationen-dur…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 06:20:11
      Beitrag Nr. 1.083 ()
      Dies hier noch zum "in Ruhe lesen"...


      Joseph von Radowitz
      Der letzte Handkuss

      Kein Volk kommt ohne Adel aus. Deutschland glaubt, es zu können. Gefragt, ob Politiker Vorbilder sein sollten, antwortet ein Kolumnist einer großen deutschen Tageszeitung: „Nein, wir leben schließlich nicht in einer Aristokratie, sondern in einer Demokratie.“

      Die Demokratie verlangt nach der Herrschaft des Volkes. In modernen Massengesellschaften delegiert das Volk die Machtausübung aus vernünftigen Gründen an die von ihm gewählten Repräsentanten. Moralische Vorbilder brauchen die Abgeordneten nicht zu sein.

      Ein aristokratischer Staat erwartet von seiner Macht ausübenden Schicht hingegen einen hohen Grad an Sittlichkeit. Aristoteles beschreibt die Staatsform der Aristokratie als die Herrschaft derer, die am meisten Anteil an der Tugend besitzen.

      Man mag darüber streiten, ob tugendhaftes Verhalten angeboren, Produkt der Erziehung oder eigener Anstrengung ist. Auch ist der Hinweis erlaubt, dass Herkunftsadel nicht immer zugleich Geistesadel bedeutet. Doch auch eine demokratische Gesellschaft wird auf Dauer nicht ganz auf Adel verzichten können, welcher Herkunft auch immer.

      Entmachteter Adel

      Der historische Adel hat seine Macht und Privilegien schon lange verloren. Im öffentlichen Leben ist er unsichtbar geworden. In keinem Berufszweig sind Adelige herausragend vertreten. Schon gar nicht in der Politik, obwohl Aristokraten jahrhundertelang die abendländische Politik verantworteten und sich in ihren Reihen bestimmt auch heutzutage zahlreiche politische Begabungen finden ließen, da sich Talent nun einmal vererbt.

      Sie existieren noch, die Löwen, stolz in ihren Käfigen. Adelige, die weitgehend zurückgezogen in ihren privaten Refugien nach eigener Fasson leben. Sie besitzen Land, Forst und Güter und laden zur Jagd und zu Familienanlässen wie Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen. Auf Bällen und Festen trifft sich die junge Generation und tanzt anders als ihre Altersgenossen. Statt auf Kreuzzüge schicken noble katholische Familien ihre Kinder zur Wallfahrt nach Lourdes.

      Der Adel im Spiegel der Öffentlichkeit

      Ein anderes, karikaturistischeres Bild des Adels zeichnen naturgemäß die Society-Blätter, wenn Sie über Adelige berichten. Die Bühne füllen lustige Vögel, peinliche Tröpfe und böse Erblasser, die, reaktionär, wie sie nun einmal sind, das Familienerbe von einer standesgemäßen Heirat abhängig machen. Hauptrollen spielen die lebenslustige Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der cholerische Prinz Ernst August von Hannover und die koksenden Mitglieder der Familien Fürstenberg und Bismarck.

      Die seriöse Presse behandelt das Thema mit Herablassung. Ein Feuilletonredakteur offenbart seine grollende Sicht auf aristokratische Epochen mit der Bemerkung über „Zeiten, da die meisten Menschen glaubten, erbliche Bevorrechtigung launischer Inzuchtprodukte sei eine tolle Verfahrensweise, den gesellschaftlichen Umgang der Menschen miteinander zu ordnen.“

      Die Herabwürdigung des Adels unterschätzt die Bedeutung von Erziehung, Familiensinn und Traditionsliebe. In generationenlanger Einübung bestimmter Werte bringt der Adel bis heute Menschen hervor, die zumindest Goethes Forderungen an die Nobilität gerecht werden: gute Manieren und eine vornehme Gesinnung zu besitzen.

      Die Diffamierung kann ohnehin nicht die Bewunderung auslöschen, die dem Adel natürlicherweise entgegengebracht wird. Tief in ihrem Inneren spüren die Menschen, dass sie sich nach Edlem sehnen, danach, sich um einen König zu scharen, dessen Banner im Wind weht, um mit ihm für das Gute und Rechte zu kämpfen. Es sind besondere Tugenden, die Achtung hervorrufen: Ritterlichkeit, Mäßigung, Tapferkeit, Großzügigkeit, Beständigkeit, Treue, Aufrichtigkeit, Demut.

      Kein deutscher Fürst hat freiwillig abgedankt. Und auch die meisten Aristokraten haben sich nur widerwillig zurückgezogen. Sie beugten sich dem Zwang der Zeit. Einige verharren bis heute in trotziger Ablehnung. Von außen erscheinen sie als Don Quijotes, die einer rückwärtsgewandten Utopie gegen die bürgerliche Gesellschaft frönen. In Wirklichkeit warten sie auf bessere Zeiten.

      Der Handkuss stirbt aus

      Gehen die Aristokraten, verschwindet das Formvollendete und Elegante aus dem öffentlichen Leben und damit die Umgangsformen, die der abendländischen Kultur ihre Prägung gegeben haben. „Was waren das für Zeiten, als Tausend Degen aus ihren Scheiden schnellten, um einen Blick zu bestrafen, der eine Dame zu beschimpfen drohte“, bemerkt Edmund Burke. Der Adel, niemand sonst, schafft die für eine Kultur gültigen Regeln des schicklichen Umgangs.

      Der Handkuss ist die ehrerbietige Form, mit der ein Herr eine Dame begrüßt und verabschiedet. Er wurde vom Spanischen Hof am Wiener Hof übernommen. Seine Ursprünge gehen wohl auf den Brauch zurück, Königen und Bischöfen den Siegelring zu küssen. Seine ungezwungene Eleganz ergibt sich idealerweise aus jahrelanger Übung seit Kindheitstagen. Korrekterweise nimmt der Herr die Hand der Dame, führt sie ein wenig zu sich empor und gibt, während er sich leicht vorbeugt, einen angedeuteten Kuss auf den Handrücken der Dame, ohne ihn freilich zu berühren.

      Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass der Handkuss bald aussterben wird. Es stirbt allerdings weit mehr, als nur eine graziöse Art, eine Dame galant zu begrüßen. Im Verschwinden vollendeter Umgangsformen kann ein sicheres Indiz für die Endphase einer Kultur gesehen werden. Sitten, wie der Handkuss, sind Ausdruck bestimmter Werte, auf denen eine Hochkultur wie das Abendland fußt. Was noch nicht ausreichend wahrgenommen wird, ist der sich rasant beschleunigende Untergang der abendländischen Kultur.

      Das Ende einer ganzen Kultur

      Mit Kulturpessimismus und dem vermeintlichen Aufwärmen der Thesen Oswald Spenglers erntet man automatisch Widerspruch. Das lässt sich nicht verhindern. Um was der Verfasser den Leser bittet, ist, sich die Zeit zu nehmen, die Argumente der Untergangsthese zunächst zu rezipieren und dann sein Urteil zu fällen. Schließlich haben so unterschiedliche Denker wie Theodor Adorno und Henry Kissinger Spengler gegenüber seinen Kritikern verteidigt.

      Für Spengler gelangt die abendländische Entwicklung im Absolutismus auf ihren Höhepunkt. Ihn interessiert dabei nicht die soziale und politische Ungleichheit, Leibeigenschaft, Ignoranz und Steuerungerechtigkeit. Spengler sieht im Absolutismus schlicht den Hochsommer der abendländischen Kultur. Geistig ist die abendländische Seele aus traumschwerer Weltangst zu philosophisch klarer Bewusstheit gelangt. Künstlerisch bedeutet es die Ausbildung des reifen Künstlertums im Barock und die äußerste Vollendung einer durchgeistigten Formensprache im Rokoko. Politisch schließlich sieht Spengler im Absolutismus die höchste Ausprägung der abendländischen Staatsidee im nationalen Zentralstaat.

      Es ist die Zeit von Ludwig XIV., Friedrich dem Großen, den Medici und Katharina der Großen. Die Epoche von Rubens, Velázquez, Rembrandt, Vermeer, Gainsborough und Watteau. Von Descartes, Leibniz und Voltaire. Von Vivaldi, Bach, Händel, Haydn und Mozart.

      Alles wird zur Form und fügt sich in ein kulturelles Ordnungssystem. Eine Phase der höchsten Gemeinsamkeit in der abendländischen Kultur, ein letzter einheitlicher Stil. Fast alle Nationen des Abendlandes fanden damals ihre Gestalt, die sich aus den dynastischen Ursprüngen ihrer Herrschergeschlechter ergab.

      Das Schicksal jeder Kultur ist es, ihre zentrale Idee mit aller Kraft zu verwirklichen, bevor sie in eine Verfallsphase einmündet, an deren Ende die Kultur untergeht, was nichts anderes heißt, als entweder von anderen Kulturen erobert zu werden oder in eine vorläufige Phase der Anarchie zu fallen, bevor sich eine neue Kultur bildet. Die Siechtumsphase vor dem Untergang einer jeweiligen Kultur nennt Spengler Zivilisation. In dieser befinden wir uns.

      Zivilisatorische Krankheitssymptome

      Die Zivilisation ist gekennzeichnet durch die Herrschaft der Weltstädte, durch Materialismus, Atheismus, Sinnlichkeit und den Zusammenbruch der traditionellen Moral.

      Für die sittliche Erosion, die im Zeitalter der Zivilisation einsetzt, gibt es viele Gründe. Vier davon sind von zentraler Bedeutung: Irreligiosität, Relativismus, Dekadenz und Geldherrschaft.

      Das Wesen jeder Kultur ist Religion. Die ersten Baumeister, die Grundsteinleger für das Riesengebäude einer Hochkultur, entstammen zu allen Zeiten dem Priestertum und dem Adel. So ist es auch in der abendländischen Kultur. Am Anfang war der Glaube an einen neuen Gott. Der Gott der Evangelien, die vom Leben Jesu künden. Von diesem Gott hat sich unsere Zeit in einem stetigen Prozess immer weiter entfernt und sich dem zugewendet, was als Säkularismus bezeichnet wird. Die menschliche Vernunft ist an die Stelle Gottes getreten und akzeptiert keine höhere Instanz mehr als sich selbst.

      Das zweite Merkmal kultureller Zersetzung ist die Vorherrschaft des wissenschaftlichen Relativismus´ im öffentlichen Diskurs. Das Akzeptieren und Tolerieren von sich widersprechenden Weltbildern, Philosophien, politischen Theorien und moralischen Ansichten ohne sie zu bewerten – ja, sie sogar gleichzeitig für wahr zu halten – führt zu Zersplitterung, Verwirrung, Formlosigkeit und einem Zusammenbruch der Moral. Wir fragen wie Pilatus: Was ist Wahrheit? Wir wissen es nicht mehr. Eine Kultur in ihrer Blüte fragt nicht, ob sie sich gegen fremde Kulturen verteidigen soll, sie tut es einfach. Es ist ein deutliches Zeichen kultureller Schwäche, wenn man sich nicht mehr für berechtigt hält, die eigene Kultur zu schützen.

      Das dritte Untergangssymptom ist die Dekadenz, die Genuss- und Prunksucht in Zeiten der Lebensangst. Wir erleben heute ein fast obszönes zur Schau stellen von Reichtum und Luxus. Schon der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga deutete Dekadenz als Merkmal ausgehender Geistesepochen. Statt der Tugend der Mäßigung zu folgen werden Laster wie Völlerei, Verschwendungssucht, Spekulation und Ausschweifungen aller Art gepriesen. „Was sind schon Laster, was sind Tugenden? Wer soll darüber richten?“ gibt der französische Modemacher Hedi Slimane zu bedenken.

      Die Macht des Geldes

      Das vielleicht entscheidende vierte Merkmal ist die Herrschaft des Geldes. Im Hintergrund der abendländischen Demokratien zieht das große Geld seine Fäden. Die Mitglieder der transatlantischen Geldelite verwirklichen den letzten großen Angriff des Abendlandes auf die Welt: die Ausdehnung des westlichen Wirtschaftssystems auf den gesamten Globus. Das Ziel ist eine Wirtschaftsweltordnung, in der die internationalen Finanziers zu ihrem bereits heute unermesslichen Reichtum Trilliarden und Abertrilliarden einer wie auch immer sich nennenden Weltwährung hinzufügen. Von ihren Höhen aus sind menschliche Leiden verschwindend klein. Die Opfer von Kriegen, Umweltkatastrophen, Hunger, Krankheiten, Flüchtlingsbewegungen, Börsencrashs, Arbeitslosigkeit und Inflation kümmern die Verfechter des entfesselten Kapitalismus´ nicht. Alles Große hat seinen Preis.

      Wenn Menschen Geld nicht mehr als Mittel zu Zwecken sehen, sondern „in Geld denken“ (Spengler), ist eine Kultur ihrem Ende nah.

      Das unheilvolle Wirken der Politik

      Statt sich um das Gedeihen der eigenen Kultur zu sorgen, kümmert sich die politische Klasse lieber um die Ziele der abendländischen Wirtschaftselite, wie beispielsweise der Abschaffung des Nationalstaats. Es ist der erklärte Wille der Globalisierer, die Souveränität des Nationalstaats zu ersetzen durch supranationale Organisationen, an deren Spitze einmal eine Weltregierung treten soll. Einzelne Schritte auf diesem Weg sind die Abschaffung nationaler Währungen, der eigenständigen Wirtschaftspolitik und eines Tages auch der nationalen Außenpolitik. Der Nationalstaat habe es nicht geschafft, optimale Bedingungen für einen reibungslosen Handel zu schaffen, argumentieren sie. Er sei für zu viele Kriege und egoistische Interessenpolitik verantwortlich. Eine Weltregierung könne das besser. Nun, bisher haben wir die Europäische Union, die unser Zusammenleben immer effizienter regeln soll. Irgendwann übernimmt dann wohl die UNO oder eine vergleichbare Weltorganisation.

      Zur Blüte der abendländischen Kultur gehörte immer die Vielfalt der Nationen. Der Staat ist nach der Familie die natürliche Ordnungseinheit der Gesellschaft. Schafft man den Nationalstaat ab, verschwindet der Reichtum einer gewachsenen Kultur.

      Eine neue Hochkultur

      Offenbart eine reife Kultur Zeichen der Schwäche, stehen fremde Kulturen jederzeit zur Übernahme bereit.

      Als erstes kommt einem natürlich der Islam in den Sinn. Heiner Müllers düstere Prophezeiung: „Wir werden wie Sklaven die Äcker pflügen im Schatten der Moscheen“, ist allerdings übertrieben. Zwar leben in Deutschland inzwischen über 3 Millionen Muslime. Der Islam wird aber weder die Christen zur Konversion inspirieren noch die Säkularen bekehren. Sein Programm ist nicht attraktiv genug für die abendländische Seele. Der Islam ist eine ganz der arabischen Geisteswelt entsprechende Religion. Alles was er an Kulturangriff auf das Abendland vermag, sind vereinzelte terroristische Anschläge seiner Fanatiker. Ansonsten wird er eine der vielen gleichberechtigten Religionen unserer Zivilisationsepoche werden.

      Für Spengler ist die nächste Hochkultur die russische. Er betont eindringlich, dass Russland bisher vom Abendland eine dem Russentum fremde Kultur aufgezwungen wurde, der sich die Slawen untergeordnet haben. Sowohl die Kulturvorstellungen der Zarenzeit, als auch die Ideologie des Kommunismus´ sind westliche Importe. Die russische Seele ist anders als die abendländische. Sie erwacht erst jetzt. Ob Russland das Abendland in Zukunft mit seiner Kultur erobern wird, bleibt abzuwarten. Eine vom Westen sich emanzipierende und unabhängige Entwicklung des riesigen Reiches ist aber bereits heute zu erkennen.

      Abschied und Zuversicht

      Wollte man das Abendland vor seinem Niedergang bewahren, wäre eine Operation à la Metternich vonnöten, wie er sie als Antwort auf die Französische Revolution und auf Napoleon unternommen hat. Sie erfordert die Rückbesinnung auf die Quellen der europäischen Kultur, ihren christlichen Ursprüngen und der zentralen politischen Idee des souveränen Nationalstaats.

      Ein wirkungsvolles Mittel, den kulturellen Kollaps für Deutschland hinauszuzögern, wäre ein moderner Konservativismus, der aus zwei Grundideen besteht: der Liebe zu den Traditionen, insbesondere dem Christentum, und der Verfolgung deutscher Interessen innerhalb der Grenzen des europäischen Allgemeinwohls. Die Politik müsste sich wieder der eigenen Kultur verpflichtet fühlen, die Wirtschaft in ihren Dienst nehmen und sich der Auflösung des Nationalstaats widersetzen.

      Hierzu ist ein starker, unbeugsamer Wille nötig, der fest an seine Ideale glaubt. Es scheint fraglich, ob momentan ein solcher Wille in den Kreisen der Politik zu finden ist.

      So wird die Rettung wohl ausbleiben. Das mag man bedauern oder nicht. Goethe sagt zu Eckermann: „Die Gottheit ist wirksam im Lebendigen, aber nicht im Toten; sie ist im Werdenden und sich Verwandelnden, aber nicht im Gewordenen und Erstarrten.“ Kulturen und politische Systeme entstehen und vergehen. Gottes Schöpfung bleibt.

      Das System der repräsentativen Demokratie braucht, wenn es überleben will, tugendhafte Abgeordnete. Unabhängig von ihrer Herkunft sollten Politiker aristokratische Ideale besitzen. Ihr Pflichtbewusstsein und ihre moralische Integrität müssen, zumindest in den Führungspositionen, vorbildhaft sein. Ansonsten führt der Weg entweder ins Chaos oder in die Diktatur.

      Selbst wenn die Demokratie es schaffen sollte - für die abendländische Kultur in ihrer Zivilisationsphase wird es fürwahr eng. Der Kampf zwischen Christen und Nichtchristen um die gesellschaftliche Ordnung der Zukunft tritt zweifelsohne in seine entscheidende Phase. Es scheint so, als würde sich das Antichristliche durchsetzen. Vorläufig.

      Der europäische Christ nimmt es gelassen, da er gewohnt ist, in langen Zeitabständen zu denken und optimistisch zu bleiben. Er glaubt an seine alten Werte, wie sehr sich die Zeiten auch ändern mögen.

      Vom Untergang, so hofft er, ist man zumindest noch ein paar Handküsse entfernt.

      Quelle: http://www.politik-poker.de/der-letzte-handkuss.php …


      Gehabt euch wohl! Bis später....
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 07:06:27
      Beitrag Nr. 1.084 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.616.477 von Maraho am 20.02.09 05:51:54Hier noch ein Kommentar aus der "sz":

      Hypo Real Estate
      Eine Pleitebank gefährdet Deutschland

      Mit stetiger Geldzufuhr hält der Bund die Hypo Real Estate im Wachkoma - und hofft auf ein Wunder.
      Ein Kommentar von Kurt Kister


      Alle Experten sagen, man dürfe die Hypo Real Estate nicht pleitegehen lassen. Also bekommt die HRE immer neue Kreditgarantien vom Bund. Es scheint keine Grenze dafür zu geben, wie viele Milliarden die Regierung Steinbrück/Merkel in dieses Fass schüttet, das noch nie einen Boden gehabt hat, weil die HRE vor sechs Jahren schon als Schuldenverteil- und Schuldenmach-Bank entstanden ist.

      Der HRE wurden bisher Garantien in Höhe von 102 Milliarden Euro ausgesprochen. Die Summe wird noch größer werden, denn das Funktionsprinzip der HRE bestand darin, möglichst viel Geld auszuleihen, um wieder viel Geld verleihen zu können. Heute gibt der HRE kaum ein Mensch mehr Geld, sondern nur noch der Staat. Das ist das Problem.

      Nichts ist zu groß, um zu scheitern

      Jene Experten, die jetzt um jeden Preis die HRE mit Staatsknete retten lassen wollen, haben noch vor kurzem gesagt, dass Firmen wie Lehman Brothers oder Goldman Sachs den Finanzkreislauf garantieren und die Vitalität der globalen Wirtschaft sichern.

      Ach ja, diese Experten waren auch davon überzeugt, dass der Staat im Bankensektor nichts verloren habe und, wenn es doch mal im Einzelfall brenzlig werden sollte, das Gesetz gelte: too big to fail, dieser Konzern oder jene Bank sind zu groß, um zu scheitern. Nein, nichts ist zu groß, um zu scheitern - keine Bank, keine Autofirma und vielleicht nicht einmal ein Staat.

      Der Bundeshaushalt beträgt 290 Milliarden Euro, es gibt Steuereinnahmen von knapp 245 Milliarden. Den größten Anteil am Etat hat mit 124 Milliarden Euro das Arbeitsministerium; mit dem zweitgrößten Posten, mehr als 42 Milliarden, werden Schulden bedient. Nun wird in Berlin immer beruhigend darauf hingewiesen, dass die HRE-Milliarden gar kein richtiges Geld seien, sondern nur das Versprechen des Staates, im ernstesten aller Fälle Geld zu bezahlen. Und außerdem werde der Markt jenes Vertrauen, das er in den Staat habe, auf die alsbald verstaatlichte HRE übertragen. Das mag sein. Hoffentlich kommt es so. Wenn aber nicht?

      Causa HRE gefährdet Deutschland

      Wenn der Bund mit richtigem Geld, mit Steuern und Krediten für das systemische Pleiteinstitut HRE aufkommen muss, wird es zappenduster.

      100 Milliarden - das ist fast doppelt so viel wie der Verkehrs- und der Verteidigungsetat zusammen. Müsste diese Summe über Jahre hinweg aufgebracht werden, würde der Bund die Nettokreditaufnahme von heute 36,8 Milliarden drastisch erhöhen müssen. Möglicherweise so drastisch, dass jenes Vertrauen, das der Staat bei Kreditgebern noch genießt, flöten geht. Die Causa HRE gefährdet Deutschland.

      Leider weiß niemand, was gefährlicher ist: die HRE pleitegehen zu lassen oder sie mit dauernder Geldzufuhr im Wachkoma zu halten. Vielleicht passiert ja ein Wunder und ihr Zustand stabilisiert sich wieder als VEB Hypo Real. Allerdings ist es mindestens fahrlässig, Regierungspolitik auf die Annahme von Wundern zu stützen.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/finanzen/388/459034/text…

      Bis dann....
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 12:50:20
      Beitrag Nr. 1.085 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.950 von Maraho am 19.02.09 05:13:33Guten Tag zusammen,
      hier etwas neues von Opel....


      Autobauer

      Opel braucht größere Bürgschaften

      Der Kleinwagen Corsa mag sich gut verkaufen, aber die Autokrise nimmt an Fahrt auf - und reißt Opel immer weiter runter. Folge: Der deutsche Autobauer benötigt deutlich höhere Bürgschaften, wie das Handelsblatt aus Firmenkreisen erfahren hat. Die schwedische GM-Konzernschwester Saab hat unterdessen Gläubigerschutz beantragt.


      hz/HB RÜSSELSHEIM. Der Autobauer Opel braucht angesichts der sich verschärfenden Autokrise eine deutlich höhere Bürgschaft als bisher gedacht. Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen strebt Opel jetzt einen Bürgschaftsrahmen von 2,6 Mrd. Euro an. Das sei auch eine Reaktion auf die sich verschärfende Autokrise, sagte eine mit der Situation vertraute Person dem Handelsblatt. Insgesamt belaufe sich der Finanzierungsbedarf bis 2011/2012 damit nunmehr auf 3,3 Mrd. Euro, bestätigten die Konzernkreise eine Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins Spiegel.

      In dieser Summe sei allerdings auch ein möglicher Sanierungsbetrag der Arbeitnehmerseite enthalten, über den Management und Betriebsrat seit Wochen im Rahmen der laufenden Verhandlungen über ein Sparpaket verhandeln. Offiziell bestätigte die Adam Opel GmbH lediglich einen gestiegenen Bürgschaftsbedarf, nannte aber keine Zahlen. Der Finanzierungsbedarf sei aber höher als die beantragte Bürgschaft.

      "Nach der ersten Vorstellung der besonderen Lage der Adam Opel GmbH als Tochter von General Motors im November hat sich die für Opel so wichtige Absatzsituation auf großen europäischen Märkten dramatisch verändert", begründete die Tochter des schwer angeschlagenen US-Mutterkonzerns GM den erhöhten Bedarf. Die Auto-Verkäufe auf Märkten wie Spanien seien regelrecht zusammengebrochen. Heute Morgen beantragte die schwedische GM-Tochter Saab Gläubigerschutz.

      Mit Opel gerät eine zweite Tochter des ums Überleben kämpfenden US-Konzerns General Motors (GM) in finanzielle Bedrängnis. "Opel will erst in den nächsten zwei Wochen eine Zahl nennen", sagte ein ranghoher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. "Solange sind alle Summen Spekulation." Die Regierung gehe aber davon aus, dass es um Beträge von "mehreren Milliarden Euro" gehe. Es gebe Gespräche zwischen Regierung und Unternehmen. "Es gibt Kontakte auf allen Ebenen, aber noch nichts Konkretes", sagte der Regierungsvertreter.

      Die schwere Krise des US-Autokonzerns General Motors hat nun also auch in Europa ihre ersten drastischen Konsequenzen: Saabs Antrag auf Gläubigerschutz ist nach Ansicht von Analysten auch ein Warnschuss für die deutsche GM-Tochter Opel, die momentan an einem Zukunftskonzept arbeitet und auf eine staatliche Bürgschaft dringt.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/opel-br…
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      schrieb am 20.02.09 12:55:36
      Beitrag Nr. 1.086 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.614.339 von Maraho am 19.02.09 19:27:18Hier eine etwas ausführlichere Abhandlung über das Thema Osteuropa:

      Ende des Booms

      Warum Osteuropa taumelt
      von Christine Mai (Frankfurt)

      Schulden, Kapitalflucht, Währungsverluste: Die Krise hat die Länder Zentral- und Osteuropas voll erwischt. FTD.de zeigt, was Investoren aufschreckt - und was den Staaten noch blühen könnte.

      Weiterführend: http://www.ftd.de/politik/international/:Ende-des-Booms-Wa…
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      schrieb am 20.02.09 13:01:25
      Beitrag Nr. 1.087 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.619.547 von Maraho am 20.02.09 12:55:36Passend hierzu:

      Krise in Osteuropa

      Dossier Österreichs offensive Banken
      von Christian Höller (Wien)

      Nach massivem Druck von Analysten und Ratingagenturen haben österreichische Banken die Veröffentlichung ihrer Vorjahresergebnisse vorgezogen. Sie sind besonders stark in Osteuropa aktiv, das vor dem Abgrund steht.

      Die ausschließlich in Osteuropa tätige Wiener Bank Raiffeisen International teilte am Donnerstag mit, im Vorjahr den Nettogewinn trotz der Finanzkrise von 840 Mio. Euro auf 982 Mio. Euro gesteigert zu haben. "Diese vorläufigen Geschäftszahlen liefern einen eindeutigen Beweis dafür, dass unser Geschäftsmodell auch in einem außerordentlich schwierigen Marktumfeld funktioniert", sagte Raiffeisen-Chef Herbert Stepic. Bereits in der Vorwoche hatte die Erste Bank einen Nettogewinn von 860 Mio. Euro für 2008 bekannt gegeben.

      Mit den vorgezogenen Zahlen versuchen die Banken, den Druck von ihren eigenen Aktienkursen, aber auch von den osteuropäischen Währungen zu nehmen. Ein Schwäche der Währungen osteuropäischer Staaten verteuert deren Kreditrückzahlungen für in Euro gewährte Darlehen.

      In den vergangenen Tagen hatten Ratingagenturen und Bankanalysten vor dem Engagement österreichischer Banken in Osteuropa gewarnt. Sie haben Studien zufolge in Osteuropa Kredite von 230 Mrd. Euro vergeben, deren Rückzahlung aufgrund der Rezession nun gefährdet ist. In einer jüngsten Studie der Ratingagentur Moody's hieß es dazu: "Aus Gläubigersicht ist das österreichische Bankensystem nach Auffassung von Moody's den größten Risiken ausgesetzt."

      Lars Christensen, Analyst der dänischen Danske Bank, befürchtet, dass es Osteuropa ähnlich ergehen wird wie beim Zusammenbruch der asiatischen Volkswirtschaften im Jahr 1997. "Offenbar haben die Märkte entschieden, dass Osteuropa die Subprime-Region in Europa ist, und nun suchen Investoren so schnell wie möglich den Ausgang", sagt Christensen.

      Hans Redeker, Devisenexperte bei BNP Paribas, erwartet, dass in Osteuropa 20 Prozent des Kreditengagements abgeschrieben werden müssen. Gegen diese Sicht wehren sich nun Österreichs Banken. "Diese Meinung teilen wir in diesem Extrem ganz bestimmt nicht", sagte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl.

      Für Österreichs Banken sei die Situation nicht gefährlicher geworden. Treichl ist überzeugt, dass das Vertrauen der Anleger mit der Veröffentlichung weiterer Ergebniszahlen zurückkomt. Nächsten Freitag ist dazu in Wien eine Pressekonferenz geplant.

      Zudem dementierte die Erste- Bank Probleme im Osten: "Auch unsere Töchter machen ein gutes Geschäft", sagte ein Sprecher. Unterstützung kommt von der Österreichischen Nationalbank (OeNB). In einer Aussendung versicherte die OeNB am Donnerstag, dass Österreichs Banken "über eine zufriedenstellende Kapital- und Liquiditätsausstattung verfügen".

      Dem von Analysten und Ratingagenturen veröffentlichten Risikoprofil habe der österreichische Staat schon mit einem 100 Mrd. Euro schweren Bankenhilfspaket Rechnung getragen, schreibt die OeNB.

      Österreichs Banken betonen, für den drohenden Konjunkturabschwung in Osteuropa ausreichend vorgesorgt zu haben. Raiffeisen International verdoppelte im Vorjahr die Vorsorgen für Kreditrisiken auf 780 Mio. Euro. Die Erste Bank hat den Wert ihrer Rumänien-Tochter zu Jahresende um eine auf 2,7 Mrd. Euro gesenkt. Auch die Töchter in der Ukraine und Serbien wurden abgewertet.

      Der Markt beruhigte sich am Donnerstag: Der polnische Zloty, die tschechische Krone und der ungarische Forint kletterten gegenüber dem Euro binnen zwei Tagen zwischen 2,5 und 3,5 Prozent.

      Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/geldanlage/:Krise-in-Os…
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      schrieb am 20.02.09 13:08:39
      Beitrag Nr. 1.088 ()
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 13:09:18
      Beitrag Nr. 1.089 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.437 von Maraho am 19.02.09 17:58:00Müllers Welt

      Wie wir aus der Schuldenfalle kommen
      Von Henrik Müller

      Die Welt erlebt die vermutlich größte Ausweitung der Staatstätigkeit, die es jemals in Friedenszeiten gegeben hat. Gigantische Programme, alles auf Pump finanziert. Aber die Defizite von heute schaffen Fakten für morgen. Wir alle werden uns damit auseinandersetzen müssen. Welche Optionen bleiben uns? Diskutieren Sie mit.

      Machen wir uns nichts vor: Wer auch immer im Wahljahr Steuersenkungen verspricht, ist entweder ein Lügner oder ein Ignorant. In Wahrheit wird derzeit jeglicher künftige Haushaltsspielraum durch die Krise beseitigt. Deutschland geht nicht bankrott - aber für das Finanzdesaster werden wir lange, lange zahlen.

      Im aktuellen manager magazin befasse ich mich mit den Folgen der ausufernden Staatsverschuldung. So beunruhigend die aktuelle Situation ist - ihre Weiterungen haben das Potenzial, die Welt, wie wir sie kennen, aus den Angeln zu heben.

      Was wir derzeit erleben, ist mutmaßlich die größte Ausweitung der Staatstätigkeit in Friedenszeiten. Rekapitalisierung der Banken, Rettung bankrotter Industriebetriebe, Konjunkturprogramme - all das reißt tiefe Löcher in die Haushalte. Die USA allein haben dieses Jahr einen Finanzierungsbedarf (neue Schulden plus Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten) von 2,5 Billionen Dollar. Auch die Europäer sind dabei, den Markt mit neuen Anleihen zu fluten.

      Die Aussichten sind prekär, weil viele Nationen mit enormen Lasten in die Krisen gestartet sind - Amerika mit einem gigantischen Doppeldefizit (außenwirtschaftlich, fiskalisch), Europa mit hohen Schuldenlasten und demographischen Problemen. Nun, in der Krise, geraten viele Staaten an die Grenzen ihres finanziellen Spielraums.

      Wohin das führt, hat Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, mit seinen Kollegen ausgerechnet: Eine Verdoppelung der Schuldenstandsquoten wären danach für die USA und für das Euroland durchaus realistisch. Gegen Ende des nächsten Jahrzehnts lägen die Staatsschulden Amerikas dann bei 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Staatsschulden Euroeuropas sogar noch höher; Details dazu im aktuellen manager magazin.

      Dies sind keine Horrorszenarien, sondern Berechnungen, die auf realistischen Annahmen beruhen. Übrigens entsprechen die Größenordnungen in etwa dem historischen Durchschnitt: Nach einer Studie der US-Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart stiegen die Staatsschulden in Folge von Finanzkrisen in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt um 86 Prozent. Gut möglich, dass es diesmal noch deutlich schlimmer kommt. Schließlich ist die aktuelle Krise kein nationales oder regionales Phänomen (wie die Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte), sondern ein globales. Weltweite Kapitalflüsse und Güternachfrage wirken in der derzeitigen Weltwirtschaftskrise nicht stabilisierend, vielmehr verstärken sich die globalen Absturzbewegungen gegenseitig.

      Die Defizite von heute schaffen Fakten für morgen. Die Politik - wir alle - werden uns damit auseinandersetzen müssen. Welche Optionen bleiben?

      Prinzipiell gibt es vier Wege, die Schuldenberge abzutragen.

      Variante eins: Aus den Schulden herauswachsen. Zweifellos die eleganteste Lösung. Eine dynamische Wirtschaft - und eine wachsende Bevölkerung - tragen den Schuldenberg nicht ab, sondern türmen einfach kaum noch neue Verbindlichkeiten auf. Der bestehende Schuldenberg wird leichter finanzierbar, die Schuldenstandsquote sinkt.

      Variante zwei: Kalte Sanierung. Seriös, aber schmerzhaft. Der Staat erhöht seine Einnahmen, indem er den Bürgern mehr Geld abknöpft. Die Steuerquoten steigen. Zugleich werden die Ausgaben zurückgefahren.

      Variante drei: Überraschungsinflation. Umverteilung zu den Schuldnern auf Kosten der Gläubiger. Ein rapide steigendes Preisniveau mindert den realen Wert der Schulden. Negative Realzinsen schüren kurzfristig das Wachstum und mehren die Steuereinnahmen.

      Variante vier: Staatsbankrott. Räuberische Enteignung der Schuldner. Der Staat hört einfach auf, seine Schulden zu bedienen. Zinszahlungen werden eingestellt. Rückzahlungen von Anleihen werden gestrichen oder auf eigene Weichwährung umgestellt.

      Variante eins gelang vielen Staaten nach den Weltkriegen. So hatte Großbritannien 1937 - nach dem Ersten Weltkrieg und der Großen Depression - eine Schuldenstandsquote von 188 Prozent, konnte sie aber bis 1970 auf 82 Prozent senken. Frankreich verzeichnete 1937 Schulden in Höhe von 137 Prozent, hatte 1970 aber nur noch 53 Prozent. Das war in dieser Zeit relativ einfach, weil die Wirtschaft in den 50er und 60er Jahren überall im Westen stark wuchs und die Kopfzahl der Bevölkerung dynamisch zunahm. Für die Zukunft ist diese Strategie jedoch kaum anwendbar angesichts der demographischen Wende, die das Wachstum in allen westlichen Ländern dämpfen wird und eigene fiskalische Belastungen mit sich bringt.

      Variante zwei - Steuern rauf, staatliche Leistungen runter - ist in vielen Ländern erprobt. Deutschland hat sie in den vergangenen Jahren halbwegs erfolgreich angewandt - Schröders Agenda 2010 plus Mehrwertsteuererhöhung und Rente mit 67 unter Merkel, Müntefering, Steinbrück haben die langfristige Tragfähigkeit des Staatshaushalts nachhaltig verbessert. Für eine solche Strategie bedarf es allerdings eines gesellschaftlichen Stabilitätskonsenses und glaubwürdiger staatlicher Institutionen. Das ist längst nicht überall der Fall, nicht einmal überall im Euroland. Die Südländer - Italien, Griechenland, Spanien, Portugal - haben als ehemalige Weichwährungsvolkswirtschaften ("Club Med") einen zweifelhaften Track Record und werden deshalb prompt mit höheren Risikoaufschlägen auf die Zinsen bestraft.

      Variante drei funktioniert nur bei Staaten, die in der Lage sind, sich in eigener Währung zu verschulden. Nur dann lassen sich die eigenen Schulden weginflationieren. Amerika und Großbritannien sind deshalb Kandidaten für künftige Geldentwertungen. Auch die politische Ökonomie spricht in diesen Ländern für laxere Geldverhältnisse: Nicht nur die staatlichen, auch die privaten Schulden sind so hoch, dass die Entschuldung via Inflation vielen Bürgern durchaus attraktiv erscheinen mag.

      Variante vier ist das letzte Mittel einer verzweifelten Regierung in auswegloser Lage. Dadurch schneidet sich allerdings ein Land vom internationalen Kapitalmarkt ab. Ein hoher Preis, den zu zahlen wohlgeordnete Staatswesen nicht bereit sein werden. Denkbar allerdings, dass einzelne Euroländer in Zukunft mit Bankrott drohen, um die Partnerländer zu Hilfszahlungen zu nötigen (die eigentlich nach dem EU-Vertrag verboten sind).

      Hier ist mein Tipp: In den kommenden Jahren werden wir eine Mischung aus Variante zwei und drei erleben - steigende Steuern in Verbindung mit höheren Inflationsraten. Wobei die Akzente unterschiedlich sein werden: mehr Variante zwei in Kontinentaleuropa, mehr Variante drei bei den Angelsachsen. Die 70er Jahre lassen grüßen.

      Übrigens: Das war das optimistische Szenario.

      Das pessimistische: Hyperinflation, Dollar-Crash, Zerbrechen der Eurozone, Handelskrieg, Dauerkrise ...

      Nein, nein, das optimistische Szenario muss es sein.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,6…
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      Avatar
      schrieb am 20.02.09 13:18:50
      Beitrag Nr. 1.090 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.606.350 von Maraho am 18.02.09 20:31:23Hier etwas über die ....

      US-Immobilienkrise

      Obamas Milliarden werden nicht reichen
      Von Astrid Dörner, New York | © ZEIT ONLINE 20.2.2009 - 11:55 Uhr

      Der amerikanische Rettungsplan für Hausbesitzer kommt bei Marktbeobachtern gut an. Den kranken Immobilienmarkt heilt er nicht. Die Krise wird weitergehen


      "Wir sind Lichtjahre weiter als in jedem Moment der Bush-Regierung", schwärmt Andrew Jakabovics, Immobilienexperte des Centers for American Progress. "Verglichen mit Obamas Konjunkturpaket und dem Rettungsplan für die Finanzmärkte ist das wahrscheinlich der beste Plan, den die neue Regierung vorgelegt hat", sagt Patrick Newport, Ökonom des Research-Hauses IHS Global Insights.

      Präsident Barack Obama war hart kritisiert worden für sein Konjunkturpaket und den vagen Plan zur Rettung der Finanzmärkte, den sein Finanzminister Geithner kürzlich vorgelegt hat. Diesmal wollte er alles richtig machen: Details vorstellen, schnelle Hilfe möglich machen, das Problem an der Wurzel packen. Auf sein Immobilien-Hilfsprogramm reagieren die Marktbeobachter nun positiv.

      "Obamas Plan wird Zwangsversteigerungen verhindern. Die Leute können in ihren Häusern bleiben, und die Immobilienpreise werden nicht so stark fallen", sagt Newport. Einer aktuellen Studie der University of Chicago zufolge sorgt ein zwangsversteigertes Haus dafür, dass die umstehenden Häuser bis zu neun Prozent an Wert verlieren – eine Kettenreaktion, die die Erholung des Häusermarktes weiter verzögert. Das Immobilien-Rettungspaket soll sie bremsen.

      In vielen Fällen von Zwangsversteigerung käme es die Banken zudem billiger, die Hypothekenbedingungen ihrer Schuldner anzupassen. "In diesem Marktumfeld kann man das Haus nur sehr schwer weiterverkaufen und wenn, dann oft nur zu sehr niedrigen Preisen", gibt Jakabovics zu bedenken. Hinzu kämen hohe Kosten für die Verkäufer: Sie müssen Grundstücksteuern begleichen und für die Instandhaltung der Häuser sorgen, bis sie den Besitzer wechseln.

      Viele Experten begrüßen, dass Obamas Plan an verschiedenen Enden ansetzt. Er gibt den im September verstaatlichten Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac eine wichtige Rolle. Sie dürfen weitere 100 Milliarden Dollar in Hypotheken investieren, um die Vergabe neuer Kredite zu fördern. Zudem könnten sie zusätzliche 100 Milliarden Dollar erhalten, um sich gegen Verluste zu schützen, die durch die Ausweitung ihrer Tätigkeit entstehen könnten.

      "Die Stütze für Fannie und Freddie ist sehr wichtig. Sie stabilisiert die Schulden der Institute und ihre mit Hypotheken besicherte Wertpapiere für mindestens ein Jahr", sagt Ellen Seidman vom Thinktank New America Foundation.

      Ohne die beiden ehemals halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer würde Obamas Plan nicht funktionieren. Zwar hat ihr einstiges Geschäftsmodell in der Krise versagt, und Obamas Wirtschaftsberater Paul Volcker plädiert gar dafür, die Institute mittelfristig ganz abzuschaffen. Fannie und Freddie sind derzeit jedoch die einzigen Institute, die den Banken Hypotheken abkaufen und verbriefen.

      Mit der genauen Anweisung für die Hypothekenfinanzierer hat sich Obama klar von seinem Vorgänger abgesetzt. "Die Bush-Regierung hat damals zwar die Führung von Fannie und Freddie übernommen, aber ihnen keine Richtlinien auf den Weg gegeben. Im Grunde blieb alles so wie zuvor", kritisiert Jakabovics. Obama wolle die Institute dagegen einsetzen, um zukünftige Verluste zu vermeiden.

      Doch trotz aller Lorbeeren: Eine Trendwende auf dem Häusermarkt wird das neue Konzept wohl nicht erreichen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Preise für Immobilien weiter fallen werden. Erst gegen Mitte oder Ende des Jahres, so schätzen sie, werden sie sich wieder stabilisieren.

      Global Insight Ökonom Jakabovics hat errechnet, dass ohne staatliche Hilfe die Häuser im Durchschnitt weitere 15 Prozent an Wert verlieren würden. Durch Obamas Plan sollen ihre Preise jetzt nur um zehn Prozent fallen. "Das bedeutet, dass die stark vom Ausfall bedrohnten Wertpapiere in den Bank Bilanzen – wenn überhaupt – nur sehr gering an Wert gewinnen werden", sagt Jakabovics.

      Die Wirtschaftswissenschaftler von Goldman Sachs gehen gar davon aus, dass die vorgesehenen 75 Millarden Dollar nicht ausreichen werden, um den Häusermarkt nachhaltig zu stabilisieren. "Es ist wahrscheinlich, dass das Finanzministerium den Kongress um weitere Millarden bitten muss", schreibt Goldman-Ökonom Alec Phillips in einer aktuellen Studie. Allerdings könne der Kongress milder gestimmt sein, wenn durch seine Unterstützung auch weitere Hilfen bei den Hausbesitzer ankämen.

      Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/09/obama-hilfen-fuer-hausbe…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 13:32:13
      Beitrag Nr. 1.091 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.613.322 von Maraho am 19.02.09 17:47:56Vorerst der letzte Artikel...
      ... für die "Spezialisten" unter euch...


      Deflation am Horizont


      Wegen des weltweit scharfen wirtschaftlichen Einbruchs fürchten viele Experten ein nachhaltiges Absinken der Preise, sprich: Deflation. Nur wenn die Politik konsequent gegensteuert, kann sich die Wirtschaft wieder erholen.


      Der Internationale Währungsfonds (IWF) zeichnet ein düsteres Bild: Die Weltwirtschaft ist in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Für 2009 erwartet der IWF derzeit ein globales Wirtschaftswachstum von lediglich 0,5 Prozent. Wegen der Finanzkrise, fallender Vermögenswerte und des Zusammenbruchs des Unternehmens- und Verbrauchervertrauens drohe eine anhaltende Deflation. Deshalb müssten die Staaten die gesamtwirtschaftliche Nachfrage "noch stärker stützen".

      Wie gefährlich nachhaltig sinkende Preise sind, zeigt die wirtschaftliche Entwicklung Japans seit Mitte der 1990er-Jahre. Hansjörg Herr, Professor an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin, hat diese analysiert: Sinkende Löhne trieben das Land nach dem Ende der Aktien- und Immobilienblase in die Deflation - und sorgten für eine Stagnation, die bis heute nicht überwunden ist.

      Ein fallendes Preisniveau speist sich aus zwei Faktoren: Zunächst sehen sich die Unternehmen gezwungen, wegen zu geringer Güternachfrage die Produktion zu reduzieren und die Preise zu senken. "Eine Nachfragedeflation ist während eines Abschwungs unumgänglich und tritt regelmäßig auf", so Herr. Gefährlich wird die Lage jedoch, wenn nun auch noch die Löhne sinken.

      Deshalb geht der Berliner Wissenschaftler davon aus, dass auch in Deutschland das Risiko einer Deflation gewachsen ist. Denn seit den 1980er-Jahren wurden weltweit nicht nur die Finanzmärkte dereguliert, sondern auch die Arbeitsmärkte.

      In Deutschland beispielsweise arbeitet eine immer größere Zahl von Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen. Ein koordinierter Lohnbildungsmechanismus funktioniert nur noch in einem Teil der Wirtschaft: In Teilen des Dienstleistungssektors, in Ostdeutschland und in Kleinunternehmen "sind Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände so geschwächt, dass das hergebrachte System der Lohnverhandlungen nicht mehr funktioniert", schreibt Herr. "Bei hoher Arbeitslosigkeit sind in der gegenwärtigen Lage Senkungen des Lohnniveaus nicht mehr auszuschließen." Das wäre ein deutlicher Schritt in Richtung Deflation.

      Ob es wirklich so kommt, hängt von der Politik ab, erläutert Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Für die Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion spielt er verschiedene Szenarien durch, wie sich die Wirtschaft entwickeln könnte:

      1. Die Politik tut nichts. Zwar würde die Eurozone ein wenig von den Konjunkturprogrammen in den USA, Großbritannien und Asien profitieren. Dennoch würde die Arbeitslosigkeit stark steigen, die Löhne der Beschäftigten kämen unter Druck. Gehaltskürzungen würden sich ausbreiten, was wiederum die Preise nach unten drücken würde: der Beginn einer Deflation und damit auch einer lang anhaltenden Depression.

      2. Die Reaktion der Politik ist unkoordiniert und kommt zu spät. In diesem Fall wäre für 2009 noch keine wirtschaftliche Erholung zu erwarten, sondern erst Mitte 2010. Doch bis dahin seien die Löhne stark steigendem Druck ausgesetzt. Dementsprechend groß wäre die Deflationsgefahr. Möglich wäre auch eine so genannte Stagdeflation: die Verbindung von wirtschaftlicher Stagnation mit einem nachhaltig sinkenden Preisniveau.

      3. Alle Mitgliedstaaten des Euroraums reagieren gemeinsam und gleich Anfang 2009 auf die Wirtschaftskrise. Dies wäre das ideale Szenario gewesen. Ein deutsches Konjunkturpaket wäre nach Berechnungen des IMK um 30 bis 40 Prozent effektiver geworden, wenn die Bundesregierung es mit denen der anderen Mitgliedstaaten koordiniert hätte. Dafür hat Deutschland allerdings zu lange gezögert.

      Der Ausweg: Die Bundesrepublik stützt die Wirtschaft nun sehr schnell und um einiges stärker als bislang geplant. Nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung beläuft sich der finanzielle Stimulus auf 1,3 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im nächsten Jahr. Horn hält einen Stimulus von etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts allein in diesem Jahr für erforderlich. Damit - und mit weiteren Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) - wäre der wirtschaftliche Tiefpunkt vielleicht schon Ende 2009 erreicht. Die Gefahr einer Deflation könnte gebannt sein.

      Infobox:
      Rettungspläne für die Wirtschaft
      Industrienationen rund um den Globus wollen mit mehr oder weniger großen Konjunkturprogrammen helfen, die Wirtschaftskrise zumindest abzufedern . Die EU-Kommission hat sich mit den Mitgliedstaaten auf ein Rettungspaket von insgesamt 200 Milliarden Euro geeinigt. Das wären 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 30 Milliarden will die Kommission selbst über vermehrte Darlehen der Europäischen Investitionsbank beisteuern. Die restlichen 170 Milliarden sollen die Mitgliedstaaten bereitstellen. Ob das klappt, ist jedoch völlig offen: Nach Schätzungen des Brüsseler Forschungsinstituts Bruegel ist beispielsweise der fiskalische Stimulus des italienischen Rettungspakets negativ. Von ihm geht also sogar eine die Konjunktur dämpfende Wirkung aus. Italien selbst hingegen beziffert das Volumen des Programms auf 4,3 Prozent des BIP.

      Quelle und weiteres (Graphiken, Links etc.): http://www.boeckler.de/32014_94343.html?cis_mode=print" target="_blank" rel="nofollow ugc noopener"> http://www.boeckler.de/32014_94343.html?cis_mode=print

      Bis später...
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 13:34:02
      Beitrag Nr. 1.092 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.619.670 von AHEO am 20.02.09 13:08:39Servus AHEO,
      oh, oh.......

      Danke, klasse von Dir!

      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 17:58:32
      Beitrag Nr. 1.093 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.619.500 von Maraho am 20.02.09 12:50:20Guten Abend zusammen,

      nach einem doch etwas heftigen Tag habe ich endlich wieder Zeit hierfür.

      Dann lasset uns beginnen....

      Autobauer

      Saab entzieht Opel geplante 9.5er-Produktion
      von Helmut Steuer, Carsten Herz und Tino Andresen

      Wohl und Wehe liegen bei den Konzerntöchtern des schwer angeschlagenen US-Autobauers General Motors dicht beieinander: Während Daewoo in Südkorea mit Staatshilfen rechnen darf, hat Saab am Freitag Gläubigerschutz beantragt. Bei Opel geht derweil das Zittern weiter - auch weil zwei neue Hiobsbotschaften publik wurden: das Unternehmen benötigt zum einen eine deutlich höhere Bürgschaft vom Staat. Zum anderen hat der Schritt von Saab direkte Folgen für das Rüsselsheimer Werk der deutschen GM-Tochter.


      RÜSSELSHEIM/TROLLHÄTTAN. Saab-Chef Jan Ake Jonsson kündigte am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com an, das künftige Spitzenmodell 9.5 solle nicht wie ursprünglich geplant im Rüsselsheimer Werk der deutschen General-Motors-Tochter in die Serienfertigung gehen, sondern im schwedischen Trollhättan. Diese Entscheidung sei Teil des Rekonstruktionsplans. Am Vormittag hatten die Schweden ihren Antrag auf Gläubigerschutz bekanntgegeben. Jonsson sagte Handelsblatt.com zudem, das Unternehmen strebe kein Zusammengehen mit Opel an. Diese Möglichkeit hatten schwedische Medien ins Spiel gebracht.

      Bei Opel ging man noch am Freitagmittag davon aus, dass die Serienproduktion des Saab 9.5 ab diesem Sommer gemeinsam mit dem Opel Insignia in Rüsselsheim angesiedelt wird. In dem Werk sei unverändert für April der Start der Vorserienfertigung geplant, hatte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage erklärt. Am Nachmittag sagte er konfrontiert mit Jonssons Ankündigung nur noch: "Darüber wird zu reden sein." Erste Prototypen des Saab-Spitzenmodells sind laut dem Opel-Sprecher bereits in Rüsselsheim gebaut worden. Geplant wurde nach Informationen von Handelsblatt.com mit einem Jahresvolumen von mindestens 20 000, möglicherweise sogar bis zu 30 000 Stück.

      Die deutsche GM-Tochter braucht angesichts der sich verschärfenden Autokrise eine deutlich höhere Bürgschaft als bisher gedacht. Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen strebt Opel jetzt einen Bürgschaftsrahmen von 2,6 Mrd. Euro an. Das sei auch eine Reaktion auf die sich verschärfende Autokrise, sagte eine mit der Situation vertraute Person dem Handelsblatt. Insgesamt belaufe sich der Finanzierungsbedarf bis 2011/2012 damit nunmehr auf 3,3 Mrd. Euro, bestätigten die Konzernkreise eine Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins Spiegel.

      In dieser Summe sei allerdings auch ein möglicher Sanierungsbetrag der Arbeitnehmerseite enthalten, über den Management und Betriebsrat seit Wochen im Rahmen der laufenden Verhandlungen über ein Sparpaket verhandeln. Offiziell bestätigte die Adam Opel GmbH lediglich einen gestiegenen Bürgschaftsbedarf, nannte aber keine Zahlen. Der Finanzierungsbedarf sei aber höher als die beantragte Bürgschaft.

      "Nach der ersten Vorstellung der besonderen Lage der Adam Opel GmbH als Tochter von General Motors im November hat sich die für Opel so wichtige Absatzsituation auf großen europäischen Märkten dramatisch verändert", begründete die Tochter des schwer angeschlagenen US-Mutterkonzerns GM den erhöhten Bedarf. Die Auto-Verkäufe auf Märkten wie Spanien seien regelrecht zusammengebrochen. Heute Morgen beantragte die schwedische GM-Tochter Saab Gläubigerschutz.

      Der schwedische Autohersteller bekommt von der ebenfalls schwer angeschlagenen US-Mutter General Motors (GM) kein Geld zum Ausgleich neuer Verluste. Wie am Freitag in der Saab-Zentrale in Trollhättan und in Detroit mitgeteilt wurde, soll die Produktion mit 4000 Beschäftigten dennoch vorerst weitergeführt werden. Saab ist einer der kleinsten Autohersteller in Europa und hat sich seit 1947 einen Namen mit hochwertigen und als besonders sicher geltenden Autos gemacht.

      Mit Opel gerät nun eine zweite Tochter des ums Überleben kämpfenden US-Konzerns General Motors (GM) in finanzielle Bedrängnis. "Opel will erst in den nächsten zwei Wochen eine Zahl nennen", sagte ein ranghoher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. "Solange sind alle Summen Spekulation." Die Regierung gehe aber davon aus, dass es um Beträge von "mehreren Milliarden Euro" gehe. Es gebe Gespräche zwischen Regierung und Unternehmen. "Es gibt Kontakte auf allen Ebenen, aber noch nichts Konkretes", sagte der Regierungsvertreter.

      Die schwere Krise des US-Autokonzerns General Motors hat nun also auch in Europa ihre ersten drastischen Konsequenzen: Saabs Antrag auf Gläubigerschutz ist nach Ansicht von Analysten auch ein Warnschuss für die deutsche GM-Tochter Opel, die momentan an einem Zukunftskonzept arbeitet und auf eine staatliche Bürgschaft dringt.

      Doch nicht überall im GM-Konzernverbund wird gebangt und gezittert. Die südkoreanische Tochter des angeschlagenen US-Autobauers General Motor (GM) rechnet nämlich mit finanzieller Unterstützung der Regierung. Vertreter des südkoreanischen Wirtschaftsministeriums hätten signalisiert, das GM Daewoo wie andere unter Kreditknappheit leidenden Firmen Mittel erhalten würden, sagte ein Firmensprecher unter Berufung auf GM-Daewoo-Vizepräsident Jay Cooney. Das Wirtschafsministerium plane Hilfen für die Auto-, Stahl- und Schiffsindustrie.

      Durch die Hilfen, zu deren Höhe sich der Sprecher nicht äußerte, solle die Fließbandfertigung modernisiert und neue Modelle entwickelt werden. Der südkoreanische Finanzminister Yoon Jeung Hyun hatte in den vergangenen Tagen angekündigt, dass die Regierung einen Extra-Haushalt plane, um die kriselnde Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/saab…
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      Avatar
      schrieb am 20.02.09 18:03:17
      Beitrag Nr. 1.094 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.958 von Maraho am 19.02.09 05:35:33Ergänzend hierzu:

      Abwrackprämie

      Merkels Blechschaden
      von Carsten Herz und Christoph Neßhöver

      Seit der Staat die Verschrottung alter Autos belohnt, brummt das Geschäft. Immer mehr Kunden fürchten, leer auszugehen. Am Ende könnte die Abwrackprämie die Regierung teurer kommen als gedacht.

      Weiterführend: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/merkels-bl…
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      Avatar
      schrieb am 20.02.09 18:14:30
      Beitrag Nr. 1.095 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.488.377 von Maraho am 31.01.09 19:17:08Passt ganz gut dazu....
      Interessiert "hier bei uns" aber nicht wirklich. Da gibt`s halt nichts zu holen. Irgendwie traurig...


      Schuldenreport 2009

      Armen Ländern droht Insolvenz
      von Marina Zapf (Berlin)

      Auf die ärmsten Staaten der Welt rollt als Folge der globalen Wirtschaftsschwäche eine neue Schuldenkrise zu. Davor warnt in ihrem Schuldenreport 2009 die Nichtregierungsorganisation "Erlassjahr".

      Es sei in sieben Ländern eine kurzfristige Insolvenz wahrscheinlich, bei sechs weiteren Staaten bestehe ein hohes Risiko der Zahlungsunfähigkeit, heißt es in dem Report. Fast alle der Länder befinden sich in Afrika.

      Von dem vor zehn Jahren beim G8-Gipfel in Köln erstrittenen Schuldenerlass profitieren bislang 23 der ärmsten Länder der Welt. Die Entschuldungsinitiative HIPC für insgesamt 41 Länder hat bislang 50 Mrd. $ abgeschrieben. Während viele Länder noch auf eine nachhaltige Entschuldung warten, lockt vor allem China mit neuen Krediten im Austausch für Infrastrukturbauten. Die globale Finanzkrise macht die Sorge einer Schuldenfalle noch akuter - zumal keine internationale Instanz Staatsbankrotte regelt.

      IWF und Weltbank haben unlängst ihre Wachstumsprognosen für Entwicklungsländer drastisch nach unten korrigiert. Bricht das Wachstum wegen sinkender Exporte und abfließenden Kapitals ein, verschlechtert sich das Verhältnis von Schuldenstand zu Bruttoinlandsprodukt oder Exporten - ein Indiz für Zahlungsschwierigkeiten.

      Bei einigen Ländern kumulieren zudem die negativen Faktoren: weiter hoher Schuldenstand und hohes Leistungsbilanzdefizit, große Abhängigkeit von einem oder zwei Ausfuhrprodukten sowie gestiegene Belastungen aufgrund gestiegener Lebensmittelpreise.

      Ohne Notkredite treiben dem Report zufolge die Länder Benin, Burundi, Gambia, Liberia, Mosambik, Niger sowie São Tomé und Príncipe auf den Staatsbankrott zu. Ein hohes Risiko, zahlungsunfähig zu werden, laufen demnach Guinea, Mali, der Sudan, Burkina Faso, Ruanda und Äthiopien. Aber auch in Afghanistan oder im Kongo, der mit China eine Kreditaufnahme im Umfang von 9 Mrd. $ vorbereite, sei eine Verschlechterung absehbar.

      Die klassischen Beistandsfinanzierer IWF und Weltbank stützen vor allem "systemisch wichtige" Länder, die in Osteuropa und Asien, später vielleicht auch in Afrika und Lateinamerika als kritisch für ihr Umfeld betrachtet werden, bemängelt der Report. Die ärmsten Länder "sind nicht Gegenstand internationaler Rettungsbemühungen".

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:Schuldenreport-200…
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      schrieb am 20.02.09 18:28:23
      Beitrag Nr. 1.096 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.619.547 von Maraho am 20.02.09 12:55:36Zum Thema Osteuropa schreibt die "FTD" weiterführend:

      Das Kapital

      Ein Hoch auf Osteuropa

      Osteuropa muss sich vorkommen wie der kleine Dealer, der verknackt wird, während die großen Fische unbehelligt davon kommen.

      Was ist schlimmer, Osteuropa oder Kalifornien? In der Abgrenzung des IWF - ohne Russland und Ukraine, inklusive Türkei - hatte Osteuropa 2007 ein BIP von gut 1800 Mrd. $, ebenso viel wie Kalifornien, das für 13 Prozent der US-Wirtschaftsleistung steht.

      Der bevölkerungsreichste US-Staat ist derart klamm, dass er nur mit Ach und Krach ein Budget zusammenflicken konnte und daher Bauprojekte einstellen und Angestellten mit dem Rausschmiss drohen musste. Doch egal, denn nun ist der Markt auf Osteuropa fixiert, jene Region, die unter der nachlassenden Nachfrage aus Westeuropa, der Verschuldung in Fremdwährung und damit unter den rapide sinkenden Wechselkursen leidet.

      Dem IWF gemäß hat sich die Brutto-Auslandsverschuldung der Region 2008 auf knapp 1200 Mrd. $ oder 50 Prozent des BIP belaufen. Selbst wenn diese Summe komplett ausfiele, würde das die Verluste kaum übersteigen, die europäische Banken bis zum Ende der Krise wohl allein in den USA zu verkraften haben werden. Dass die westeuropäischen Kreditinstitute - und nicht nur jene in Skandinavien oder Österreich - zudem von riesigen Zahlungsausfällen auf dem Heimatkontinent bedroht sind, sollte angesichts der wahnwitzigen konsolidierten Bilanzsumme der Banken von 24.000 Mrd. Euro allein im Euro-Raum ohnehin längst bekannt sein.

      Natürlich kommen Schwellenländer bei einem Leistungsbilanzdefizit von rund sieben Prozent des BIP in eine brenzlige Lage, wenn der Kreditnachschub plötzlich stockt. Aber bei einer Investitionsquote von 26 Prozent des BIP hat Osteuropa wenigstens etwas Sinnvolles mit den Krediten angestellt, die es vom Ausland erhalten hat. Überhaupt ist es normal, dass aufstrebende von entwickelten Volkswirtschaften im Aufholprozess Kredit erhalten.

      Gar nicht normal ist es hingegen, wenn das reichste Land der Welt bei einer Investitionsquote von 17,5 Prozent des BIP ein Außenhandelsdefizit von 4,7 Prozent aufweist - und das während des schlimmsten Einbruchs der Inlandsnachfrage seit Jahrzehnten. Komisch ist auch, wenn am Devisenmarkt völlig ignoriert wird, dass in den USA allein der Bund auf eine jährliche Netto-Neuverschuldung zuläuft, die dem Doppelten der Brutto-Auslandsschulden Osteuropas entspricht.

      Laut IWF steht Osteuropa mit Kaufkraftparitäten gerechnet übrigens für vier Prozent des globalen BIP, Amerika für 21 Prozent. Das nur zur Erinnerung, wo das Problem der Weltwirtschaft herrührt. Die deutschen Warenexporte nach Osteuropa (inklusive Russland und Ukraine) mögen inzwischen zwar größer sein als diejenigen nach Amerika und Großbritannien zusammen. Aber das ist auch gut so, denn erstens lässt das Pro-Kopf-Einkommen in Höhe von einem Drittel des US-Niveaus in Osteuropa dort auf ein erhebliches längerfristiges Potenzial schließen.

      Und zweitens scheinen besonders Länder wie Polen oder Tschechien in einer besseren finanziellen und strukturellen Position als die angelsächsischen Kreditjunkies zu sein. Dazu tragen die im Verhältnis zu den kurzfristigen Auslandsschulden beachtlichen Devisenreserven bei, aber auch der Umstand, dass große Teile des Auslandskapitals auf Direktinvestitionen zurückgehen, die Staatshaushalte relativ solide sind und viel EU-Geld fließen wird.

      Der Unterschied ist, dass die Welt die wertlosen Dollar akzeptiert, die die Fed zur Finanzierung des US-Budgets und zur Glattstellung fauler Privatkredite in Umlauf bringt, während kein Mensch Zloty oder Kronen haben will. Die Notenbanken in Osteuropa, wo die Verschuldung von Privatsektor und Staat im Verhältnis zum BIP insgesamt deutlich niedriger als in den USA ist, bleibt daher nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Die Zinsen mitten im Abschwung anzuheben, um die Währungen zu verteidigen und das Problem der Fremdwährungsschulden zu lindern - oder weitere Abwertungen zu riskieren.

      Dass Tschechen, Ungarn oder Polen inzwischen wieder 60 bis 90 Prozent über Kaufkraftparität für einen Dollar hinblättern müssen, scheint aber gerade mit Blick auf die Reflationierungsanstrengungen im Westen und die Aussicht auf weitere internationale Hilfen für Osteuropa eher sonderlich. Das heißt nicht, dass die Region keine Schwierigkeiten hätte, politische, finanzielle, (aufsichts-)rechtliche oder demografische. Dennoch muss sich Osteuropa vorkommen wie der kleine Dealer, der verknackt wird, während die großen Fische unbehelligt davonkommen.

      Quelle: Aus der FTD vom 20.02.2009
      © 2009 Financial Times Deutschland
      1 Antwort?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 18:43:46
      Beitrag Nr. 1.097 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.292 von Maraho am 18.02.09 18:27:52So kann es gehen. Erst gibt`s Dir, dann nimmt`s Dir!


      Wirtschaftsanwälte

      Boulevard of Broken Deals
      Von Klaus Werle

      Wenig Transaktionen, hohe Fixkosten: Wie ihre Auftraggeber durchlebt auch die Zunft der Wirtschaftsanwälte düstere Zeiten. Von Allen & Overy bis Linklaters - die Kanzleien müssen sparen und sieben bereits kräftig aus.

      Hamburg - Wenn für Freshfields Bruckhaus Deringer am 30. April das Geschäftsjahr endet, kann Seniorpartner Konstantin Mettenheimer (54) buchstäblich mit einem Pfund wuchern: Die Kanzlei macht einen Großteil des Umsatzes in Euroländern (in Deutschland 2007/08 etwa gut 400 Millionen Euro), bilanziert weltweit aber in Pfund. Dessen drastischer Wertverfall hübscht so nebenbei auch die Freshfields-Bilanz auf.

      Ein kosmetischer Lichtblick, doch die Branche der Wirtschaftsanwälte steckt in düsteren Zeiten. Insider prognostizieren Umsatz- und Gewinneinbußen von rund 20 Prozent. Der Immobilienbereich: wie schockgefroren. Private-Equity-Beratung: um fast zwei Drittel eingebrochen. Deals werden im Dutzend abgesagt oder verschoben: Für die eigentlich geplante Veräußerung des Zulieferers Honsel etwa fand sich kein Käufer.

      Auch der Verkauf des Eon-Hochspannungsnetzes (Wert: 1,5 Milliarden Euro) sowie der Stadtwerkeholding Thüga (Wert: rund drei Milliarden Euro) ist ins Stocken geraten. Interessenten gibt es schon, darunter die Allianz und diverse Finanzinvestoren, doch die Erlösaussichten sind eher verhalten, weshalb der Energiekonzern die Sache erst mal verschoben hat. Schlechte Nachrichten für Freshfields und Hengeler Müller, die Eon bei den Transaktionen zur Seite stehen.

      Schlimmer noch als das M&A-Geschäft trifft es die Finanzberatung - und die dort besonders aktiven Kanzleien wie Linklaters, Clifford Chance und Allen & Overy. Linklaters, zu deren Mandanten die IKB zählt, will sich laut dem Fachblatt "The Lawyer" weltweit von 10 Prozent der Partner und Associates trennen; in Deutschland werden wohl vier bis fünf Partner die Kanzlei verlassen. Bei Clifford, deren deutscher Ableger auch die Pleitebank Lehman beriet, stimmen die Partner im März über eine interne Evaluierung ab, mit der ertragsschwache Partner identifiziert und aussortiert werden sollen. Mit zahlreichen deutschen Associates werden derzeit Aufhebungsgespräche geführt.

      Und auch bei Allen & Overy, wo man wochenlang Dementi an Dementi reihte, läuten jetzt die Sparglocken. Um fast zehn Prozent will die Kanzlei ihren Headcount laut einem internen Papier reduzieren; von den 500 Partnern weltweit werden 47 die Kanzlei verlassen müssen, ebenso rund 200 Associates. Zudem werden die Gehälter auf dem Niveau von 2008 eingefroren, berichtet der Branchendienst legalweek.com.

      Jetzt zeigt sich die Kehrseite einer hohen "Leverage", also des Verhältnisses von Partnern und Associates. In guten Zeiten bringen die Junganwälte ordentlich Stunden auf die Abrechnung - doch in schlechten verursachen sie schmerzhafte Fixkosten: hoch bezahlt und unterbeschäftigt. Mit allerlei Tricks versuchen die Law Firms gegenzusteuern. Rabatte werden gewährt, und Anwälte aus auftragsschwachen Feldern sollen dort aushelfen, wo es aktuell brummt: Insolvenz- und Arbeitsrecht, Restrukturierungen.

      Einige Kanzleien, darunter Freshfields, frieren die Associate-Bezüge ein, die sonst mit jedem Berufsjahr kräftig steigen. Flächendeckend werden weniger Jungadvokaten als geplant eingestellt (bei Linklaters etwa nur 60 anstatt der geplanten 80) - und im branchenüblichen "up or out" wird strenger gesiebt.

      Manchem Topleister kommt die härtere Gangart sogar gelegen. "Einige Partner fuhren während des Booms im Windschatten der Großen", sagt ein akquisestarker Rainmaker. Jetzt liefere die Krise den "sozialen Segen", das zu ändern.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,28…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 18:55:46
      Beitrag Nr. 1.098 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.623.054 von Maraho am 20.02.09 18:43:46Passt ja perfekt als "Fortsetzung" des obigen Beitrags....

      MBA

      Business Schools in der Sinnkrise
      Max Haerder

      Ein MBA-Titel galt einst als Turbo für erfolgreiche Manager-Karrieren, doch zu viele Absolventen haben in der Finanzkrise versagt. Kritiker fordern deshalb den Wandel der Ausbildung: mehr Praxis, mehr Bildung – und weniger Fallstudien.


      Manchmal beginnt Birger Priddat so seine Seminare. Dann wartet der Professor einfach, eine Minute, zwei. Viel länger dauert es selten, dann entsteht Unruhe unter seinen BWL- und VWL-Studenten an der Universität Witten/Herdecke. Irritierte Blicke gehen durch die Reihen, nervöses Lachen. Was ist denn nun mit der Einführung in die Politische Ökonomie, fragt endlich einer in die Stille. „Tja, was ist das, Ökonomie?“, fragt Priddat dann in die verdutzten Gesichter zurück. Was er sagen will: Denken Sie selbst, fragen Sie selbst. Die Diskussion hat begonnen.

      Manchmal wird Priddat aber auch einfach nur zornig. Besonders dann, wenn es um das Thema MBA geht. Denn seine Meinung zu Manager-Ausbildung ist eine andere, als sie an vielen Business Schools weltweit bislang stets vertreten wurde. Und das sagt er auch. Ende des vergangenen Jahres wurde Priddat zwar als Präsident der Uni Witten geschasst, den Lehrstuhl für Politische Ökonomie leitet er aber weiterhin. Seine Leidenschaft ist ihm geblieben.

      Gierige Absolventen ohne moralischen Kompass

      Vor Kurzem hat Priddat seine Kritik am MBA in einem Gastbeitrag für das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ veröffentlicht. Dort schrieb er mit Blick auf die Finanzkrise, dass vielen Führungskräften das Verantwortungsgefühl fehle, die richtige Haltung und die richtigen Ziele. Dass unter den Managern Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit herrsche. „Ich habe einige positive Reaktionen darauf bekommen“, sagt Priddat heute, „Banker waren nicht dabei.“

      Kritik am MBA ist keine Sache von wirtschaftsfeindlichen Weltverbesserern mehr – die Schulen selbst stellen ihre Ausbildung infrage. „Gierige Absolventen ohne moralischen Kompass“ hätten sie hervorgebracht, bemängelt etwa Michael Czinkota, Professor an der Graduate School of Business der Georgetown-Universität. Die Finanzkrise ist zu einer Sinnkrise vieler Business Schools geworden.

      Zwar hat sich an der Nachfrage bisher nichts verändert – knapp 60 Prozent der amerikanischen Unternehmen wollen auch in diesem Jahr MBA-Absolventen einstellen, ergab eine Umfrage des Graduate Management Admission Councils, ein Zusammenschluss großer wirtschaftswissenschaftlicher Fakultäten.

      Gleichwohl werden es sich viele Schulen, die ihre klangvollen Namen, ihre vermeintlich erstklassigen Lehrpläne und ihre prominenten Absolventen international vermarkten, in Zukunft nicht mehr leisten können, mit Misserfolg in Verbindung gebracht zu werden.

      Der MBA-Titel ist teuer, die Einnahmen aus Spenden oder den Uni-eigenen Stiftungsfonds fließen immer spärlicher, die weltweite Konkurrenz ist groß. Die Hochschulen haben erkannt, dass sie ihren Ruf nur retten können, wenn sie bei Studenten und Arbeitgebern auch weiterhin für eine sinnvolle Ausbildung stehen. Alfons Sauquet, Dekan der Esade Business School in Barcelona, ist daher überzeugt: „Die Schulen müssen ihre Lehrpläne ändern.“

      Quelle: http://www.wiwo.de/karriere/business-schools-in-der-sinn…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 19:08:34
      Beitrag Nr. 1.099 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.623.181 von Maraho am 20.02.09 18:55:46Ergänzend:

      Manager-Ausbildung

      Der soziale Stillstand Amerikas
      Henry Mintzberg

      Der kanadische Professor Henry Mintzberg ist einer der renommiertesten Kritiker klassischer Manager-Ausbildungen. Er schreibt exklusiv für wiwo.de warum die Finanzkrise im Kern eine Management-Krise ist.

      „Wenn Du immer machst, was Du schon immer gemacht hast, wirst Du auch immer das bekommen, was Du schon immer bekommen hast.“ So lautet ein altes Sprichwort. Und so läuft es auch in der amerikanischen Wirtschaft.

      Wir sprechen von der Finanz- oder der Wirtschaftskrise, aber im Kern ist die jetzige Situation eine Management-Krise. Um das zu verstehen, muss man nur an das Hypotheken-Debakel denken.

      Wie konnten diese Hypotheken überhaupt entstehen und - schlimmer noch - wie konnten sie bei so vielen großen Finanzinstitutionen landen? Die Antworten darauf sind offensichtlich: Die Manager, die den Verkauf der Hypotheken förderten, taten dies mit Blick auf ihre eigenen Boni.

      Aber warum haben so viele seriöse Finanzinstitutionen diesen Müll gekauft – oder genauer: Warum haben sie eine Kultur der Bequemlichkeit oder des Desinteresses toleriert? Es ist ganz einfach: Diese Unternehmen wurden nicht gemanagt, sie wurden geführt, ohne Zweifel kurzfristig mit einer spektakulären Performance, aber eben nicht gemanagt.

      Legale Korrumpierung im Management

      Das Problem hätte schon jahrelang offensichtlich sein müssen. Die Bezahlung von Führungskräften – das offensichtlichste Beispiel für die legale Korrumpierung im Management – bezeichnete das Magazin „Fortune“ bereits vor 15 Jahren als skandalös. Während Amerika sich immer mehr in einer Liebesaffäre mit dem Prinzip der Leadership hineinstürzte, entfernten sich die Konzernlenker mit immer obszöneren Gehaltsmodellen genau davon. Und das, während sie Tugenden wie Teamwork und nachhaltiges Wirtschaften weiterhin in den Himmel hoben.

      Zu diesem Scheitern gehört auch das Prinzip der Planung. Viele Unternehmen sind zu Experten in Sachen Planung geworden: Geschäftspläne für Investoren, Strategie-Pläne für alles andere. Die Umsetzung stand auf einem ganz anderen Blatt. Ein Manager, den ich kenne, lachte einmal über die Debatten in seiner eigenen Firma, wenn es um Powerpoint-Präsentationen für Investoren ging. Es waren Pläne, von denen sie alle wussten, dass sie niemals in die Tat umgesetzt würden. Was sie umsetzten, waren ganze Wellen von Fusionen – mit dem Ziel, größer zu werden als der Mitbewerber, nicht besser.

      Management lernt man nicht im Hörsaal

      Aus diesem Blickwinkel ist die Ausbildung der Manager ein gewichtiger Teil des Problems. Über Jahre hinweg haben die Business Schools einen ausgesprochen analytischen, abgehobenen Management-Stil beworben, der Unternehmen in den Abgrund gezogen hat. Jahrzehnt für Jahrzehnt haben die amerikanischen Business Schools knapp eine Million Absolventen hervorgebracht. Die meisten von ihnen dachten, nach ein paar Jahren des Herumsitzens seien sie vorbereitet auf Management. Im Gegenteil.

      Denn Management ist Praxis, lernen kann man das nur in der richtigen Umgebung – und nicht im Hörsaal. Beispiel Harvard: Dort wird man zum Leader, indem man hunderte von Fallstudien liest. Jeweils am Tag, bevor man im Seminar vorschlagen soll, was die Firma zu tun habe. Gestern also wusste man noch nichts über Firma X, heute tut man so, als würde man über deren Zukunft entscheiden. Was für eine Führungsperson erzeugt das?

      Die Harvard Business School überprüft jetzt ihre Lehrpläne. Ihr Dean hat aber bereits klar gemacht, dass die Fallstudien dabei nicht auf dem Prüfstand stehen. Hier haben wir das ganze Problem: Die totale Verweigerung zur gemeinsamen Selbstprüfung. Oder anders gesagt: Amerika steckt in einen sozialen Stillstand.

      Es besteht das Risiko, dass wir weiterhin bekommen, was wir bereits haben.

      Quelle: http://www.wiwo.de/karriere/der-soziale-stillstand-amerik…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 19:20:20
      Beitrag Nr. 1.100 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.605.931 von Maraho am 18.02.09 19:47:00Die Prognosen. Und die Realität.
      Bis zum Turnaround sind es noch etwas mehr als vier Monate hin.
      Laut zu Guttenberg....

      Rezession im Euroraum vertieft sich weiter

      ks - Erste Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Unternehmensstimmung in der Eurozone sind durch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes wieder zerschlagen worden. Den vorläufigen Angaben von Markit zufolge rutschten der umfassende Composite-Index und seine wichtigsten Sektorindizes im Februar auf neue Rekordtiefs. Vor allem der Dienstleistungssektor gerät nun immer mehr unter Krisendruck. Hier beschleunigte sich der Stimmungsverfall spürbar. Der Umfragewert in der Industrie gab entgegen den Erwartungen der Volkswirte ebenfalls auf einen bislang noch nicht registrierten Niedrigstand nach. Die Indizes entfernten sich damit immer weiter von der 50-Punkte-Schwelle, oberhalb derer erst Wachstum angezeigt wird.

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=300&artid=965 …
      4 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 19:26:59
      Beitrag Nr. 1.101 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.607.984 von Maraho am 19.02.09 06:13:02Und hier etwas "böses"....

      die wahrheit
      Das böse Kreditereignis

      Was passiert, wenn der Kleinsparer am Bankschalter giftfreies Geld anlegen möchte. VON RUDOLF WALTHER

      Wenn man heute von Toxischem und Infiziertem liest oder hört, befindet man sich nicht in einer medizinischen Bibliothek oder in einer Apotheke, sondern bei der Lektüre des Wirtschaftsteils einer Zeitung oder am Bankschalter. In den Tresoren der Banken lagern Berge von "toxischen" und "infizierten" Papieren, wie es heißt.

      Für deren Entsorgung gibt es zwei Vorschläge. Die Banken können ihre "papierenen Duplikate" realer Werte (Marx) verbrennen, aber damit würden sie nicht nur zu Verlierern, sondern obendrein zu Umweltverschmutzern. Die Banken können aber den fast wertlosen Schrott auch dem Staat verkaufen, der sie in seine Bad Bank legt. Dadurch werden die toxischen Papiere zu virtuellem Volksvermögen. Und wenn dieses "Vermögen" zu gegebener Zeit liquidiert wird, bleibt dem Volk die beim Kauf angefallene Staatsschuld. Und Staatsschulden sind das einzige Volksvermögen im wörtlichen Sinne: Nur Staatsschulden, nicht die Bahn und nicht das Gold im Keller der Bundesbank, gehören wirklich allen Bürgern.

      Normalbürger können mit ihren Problemen weder zur Bad Bank gehen noch zu Peer Steinbrück. Bürger sparen, denn es könnte dereinst enger werden. Wer aber spart, muss sich mit Zinsen herumschlagen, ob er will oder nicht.

      Und damit sind wir zurück am Bankschalter. Dort fragt man, was denn am besten zu tun sei mit dem übrig gebliebenen Geld angesichts von lausigen und tendenziell fallenden Zinssätzen für Festgeld. Ganze zweieinhalb Prozent Zinsen bietet die Sparkasse derzeit für garantiert giftfreies, echtes und obendrein versteuertes Geld. Auf den Hinweis, bei den famosen, weltweit agierenden Bigplayern unter den deutschen Großbanken gebe es immerhin zu denselben Konditionen ein ganzes Prozent mehr, reagiert der Sparkassen-Angestellte gereizt: "Zuerst holen sie" - gemeint waren die Dresdner Bank und die Commerzbank - "beim Steinbrück Milliarden an Krediten und Bürgschaften, und dann konkurrenzieren sie uns mit dieser Staatsknete in Grund und Boden."

      Auch dem Kleinsparer ist das Hemd näher als der Rock. Er geht also mit seinem echten Geld zu einem der privaten Giftpapier-Sammler. Da kriegt er zunächst eher alte Lieder zu hören: "HVB Crelino Anleihe auf die Republik Österreich" mit 4,9 Prozent Rendite und der papierenen Garantie "Rückzahlung zu 100 Prozent zum Laufzeitende, sofern kein Kreditereignis beim Referenzschuldner eintritt". Weder energische Nachfragen noch Internet-Anfragen können Klarheit darüber bringen, wie ein "Kreditereignis" definiert wird. Die Dreifaltigkeit dieses Ereignisses hat drei Namen: "Nichtzahlung von definierten Verbindlichkeiten, Nichtanerkennung und Restrukturierung von definierten Verbindlichkeiten". Und wie es sich für dreifach Rückversichertes gehört, kann die Strafe bös ausfallen: "Im Extremfall kann der Barausgleichsbetrag auf null sinken" - also mein giftfreies Geld perdu wegen "Restrukturierung von Verbindlichkeiten". Und wie sieht der "Referenzschuldner" wirklich aus? Das steht im ganz klein Gedruckten: "Im ungünstigsten Fall kann ein Totalverlust entstehen."

      Soll man jetzt auf die Bonität der "Republik Österreich" wetten, obwohl die Skifahrer aus dem Habsburgerland böse ins Abseits fuhren bei der WM?

      Zurück am Bankschalter: "Wie viel Zins zahlen Sie für echtes Geld?" - "Ein Prozent mehr als die Sparkasse." Auf die Frage, wie groß denn das Risiko sei, dass die private Bank pleitegehe, antwortete die Frau nicht mit dem Hinweis auf den "Einlagensicherungsfonds", sondern ganz trocken: "Sie haben doch sicher gehört, dass die Commerzbank bei uns eingestiegen ist, und die wird demnächst verstaatlicht."

      Wenn das so weiterläuft, landen wir alle bei Steinbrück. Und den Kindern und Kindeskindern bis ins letzte Glied vererben wir Staats-"Vermögen" in Form von Schulden.

      Quelle: http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/das-boese-kreditere…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 19:40:30
      Beitrag Nr. 1.102 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.616.477 von Maraho am 20.02.09 05:51:54Eine kurze Abhandlung zum heutigen Börsengeschehen.
      Wie heißt es so schön: Die Börse nimmt die Entwicklung voraus.


      Bankenkrise
      Dax und Dow mit herben Verlusten

      © ZEIT ONLINE, dpa, Reuters 20.2.2009 - 17:02 Uhr

      Neue Sorgen um die Finanzbranche drücken die deutsche und die US-Börse stark ins Minus. In Frankfurt sorgen neue Gerüchte um die HRE für erhebliche Unruhe

      Anhaltendes Misstrauen gegenüber dem krisengeschüttelten Bankensektor, wachsende Sorgen über neue Belastungen und eine Ausweitung der Konjunkturkrise haben den deutschen Aktienmarkt am Freitag tief ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex Dax verlor bis zum Nachmittag 4,2 Prozent auf 4039 Punkte und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit Ende November. Seit Jahresbeginn hat der Leitindex damit 15 Prozent eingebüßt.

      Auch der Dow-Jones-Index verlor nach der Eröffnung des Handels in New York in den ersten Minuten um 1,5 Prozent und rutschte auf 7356 Punkte. Damit setzt die Wall Street ihren Negativrekord fort, bereits am Vortag hatte der Dow den tiefsten Stand seit rund sechs Jahren erreicht. Viele US-Händler befürchten, dass der Rettungsplan der Regierung die Verstaatlichung einer Bank vorsehen könnte. "Es herrscht kein großes Vertrauen, dass die Regierung uns aus der Klemme helfen kann", sagte ein Börsianer. "Deswegen will hier niemand Aktien kaufen." Ein anderer verwies auf die jüngsten Statistiken zum US-Arbeitsmarkt.

      Auf dem Parkett in Frankfurt wurden vor allem viele Bankwerte gemieden. Die Commerzbank-Aktien bildeten mit einem Minus von 8,6 Prozent auf 2,83 Euro das Schlusslicht im Dax. Auch die Deutsche Bank mit minus 6,2 Prozent als auch die Allianz waren betroffen. Der Versicherungskonzern rutschte um 8,4 Prozent ab. Börsianern zufolge ist bei diesen Kursverlusten noch kein Ende der Fahnenstange erreicht: Vor sechs Jahren lag der Dax rund 1500 Punkte unter dem aktuellen Stand. "Ich würde einmal schätzen, dass die Aussichten für die Wirtschaft derzeit deutlich schlechter sind als damals".

      "Die Marktteilnehmer nehmen die katastrophale Lage zunehmend zur Kenntnis", kommentierte wiederum ein Marktstratege das deutsche Börsengeschehen. "Die Wirtschaftsdaten geben keinerlei Anlass, auch nur ein kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen", erklärte ein weiterer Aktienstratege. Die bisher vorgelegten Bilanzen der deutschen Unternehmen zeichneten ein düsteres Bild. "Selbst wenn ein paar Unternehmen besser berichten als befürchtet, entscheidend sind die Zukunftsperspektiven, und da steht jede Prognose derzeit auf sehr wackeligen Beinen."

      Für erhebliche Unruhe sorgte aber weiter die Zukunft der Hypo Real Estate (HRE). Dafür verantwortlich war zum einen ein Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Demnach sind bei dem Immobilienfinanzierer zum Teil hochspekulative Geschäfte in Milliardenhöhe getätigt worden, die nicht in der Bilanz auftauchten. Die Bank wies die Vorwürfe zwar in einer Mitteilung zurück, ihre Aktien allerdings gerieten dadurch am Freitagvormittag erheblich unter Druck, verloren bis zu 21,34 Prozent und rutschten zeitweilig auf 1,29 Euro ab.

      Bei vielen Marktteilnehmern herrschte helle Empörung über diese Nachrichten. Viele Händler sprachen von einem "Fass ohne Boden". "Die HRE ist die deutsche Lehman Brothers und derzeit der Dreh- und Angelpunkt für den deutschen Bankensektor", sagte ein Kapitalmarktanalyst. "Die Bundesregierung kann nicht zulassen, dass der Pfandbriefmarkt zusammenbricht, und hat deshalb keine Alternative: Sie muss das Institut stützen, was es auch kostet. Die Alternative wäre der permanente Aschermittwoch an den Finanzmärkten."

      Für Diskussion sorgten auch die Forderungen des HRE-Großaktionärs und US-Finanzinvestors J. C. Flowers. Er verlangt knapp 3 Euro je Aktie im Falle eines Verkaufs seiner Anteile an die Bundesregierung. Dies stieß einhellig auf Unverständnis. "Es ist mehr als klar, dass das ganze Unternehmen keine drei Euro wert ist - geschweige denn die drei Euro je Aktie, die Flowers verlangt", sagte ein Börsianer. Ein anderer forderte, der Finanzinvestor solle entweder Kapital nachschießen oder sich aus seinem Engagement zurückziehen, statt auf eine Abfindung zu spekulieren, denn immerhin wäre das Institut ohne staatliche Unterstützung längst zusammengebrochen.

      Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/09/dax-boerse-bankenkrise …
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 19:49:59
      Beitrag Nr. 1.103 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.682 von Maraho am 19.02.09 13:14:17Es wird wirklich eng...

      G20-Pläne sehen Aus für Bankgeheimnis vor
      Abweichende Länder sollen als "Schurkenstaaten" geächtet werden

      Nicht nur das Austrocknen von Steueroasen steht auf dem Aktionsplan der G20, auch der volle
      Informationsaustausch zwischen den Behörden. Das Bankgeheimnis kommt damit von einer weiteren Seite unter Druck.

      Wien - Während am Freitag alle Parlamentsparteien mit Ausnahme der Grünen sowie der Kreditapparat ein Bekenntnis zum Bankgeheimnis ablegten, kommt dieses international immer stärker unter Druck. Nach Vorstößen der OECD und EU sehen jetzt auch Pläne für eine neue Weltfinanzarchitektur die Aushebelung der verfassungsmäßig abgesicherten Verschwiegenheitspflicht vor.

      G8-Treffen am Sonntag in Berlin

      Am Sonntag wird das von Italien ausgearbeitete Konzept - Silvio Berlusconi hat heuer den Vorsitz im Gremium der acht wichtigsten Industrienationen (G8) - mit den größten Schwellenländern bei einem G20-Treffen in Berlin diskutiert. Anfang April sollen Grundsatzentscheidungen in London fallen, im Juni will Italien das Unterfangen zum Abschluss bringen.
      Im Papier enthalten sind neben OECD-Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption auch die einschlägigen Bestimmungen zur Kooperation in Steuerangelegenheiten. Das Problem: "Bankinformationen werden nur in Steuerstrafsachen ausgetauscht, weshalb Österreich nicht völlig dem OECD-Standard entspricht" , erklärt Matthias Rumpf, ein Sprecher der in Paris ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

      "Schurkenstaaten"

      Was passiert nun, sollten sich die G20 tatsächlich auf die Reform einigen und Österreich am Bankgeheimnis festhalten? Laut dem italienischen Vorschlag sollten Abweichler durch einen stufenförmigen Prozess unter Druck gesetzt werden. Von "naming and shaming" (in etwa: an den Pranger stellen) bis hin zu "stärkeren Formen der Druckausübung gegen wirtschaftliche Schurkenstaaten" , wie es in dem Papier heißt.
      Diese Initiative könnte gepaart mit dem Druck der EU auf einen automatischen Informationsaustausch für Ausländer zur Brechstange des Bankgeheimnisses werden. Brüssel will ja die nur von Österreich, Belgien und Luxemburg verweigerten Meldungen von Zinserträgen an das Finanzamt am Ort des Anlegers abschaffen. Derzeit haben die drei Staaten eine Sonderregelung, indem die Zinsen zwar (mit derzeit 20 Prozent) besteuert werden, aber keine Informationen an den Fiskus des jeweiligen Heimatlandes des Sparers fließen.
      Die Verbündeten kommen der Alpenrepublik zusehends abhanden. Belgien zeigt sich schon länger gesprächsbereit. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hat sich erst diese Woche in Richtung Öffnung des Bankgeheimnisses ausgesprochen. Nachsatz: Aber erst nach den Wahlen im Großherzogtum im Juni.
      UBS lieferte Kundendaten aus
      Für Bewegung sorgt zudem die Auslieferung von Kundendaten durch die Schweizer Großbank UBS an die US-Behörden. Zudem schwenkt Liechtenstein nach der Steueraffäre immer stärker auf internationale Kooperation ein.
      Wie viel Beachtung dem Finanzplatz Österreichs am internationalen Parkett geschenkt wird, zeigen Äußerungen aus dem deutschen Finanzministerium. Berlin scheute nicht davor zurück, ein von Österreich gefordertes Stabilisierungspaket für Osteuropa mit der Aufgabe des Bankgeheimnisses zu junktimieren. Kein Wunder: Die ausländischen Finanzveranlagungen in Österreich werden auf 40 bis 70 Mrd. Euro geschätzt, ein Großteil davon dürfte aus Deutschland stammen, wie die hohen Einlagen der Banken im Kleinwalsertal, Jungholz und anderen grenznahen Gebieten zeigen.
      Steueroasen sollen trocken gelegt werden
      Die OECD hat ihrerseits die mangelnde Kooperation bei der Amtshilfe ins Visier genommen. Das Bankgeheimnis wird in Steuerangelegenheiten nur durchbrochen, wenn ein gerichtliches Verfahren anhängig ist. Andere Staaten verlangen aber bereits bei Ermittlungen Einschau in die Konten. Das Bankgeheimnis wurde außerdem durch den Verwaltungsgerichtshof verschärft, was SP-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter immerhin als "kleines Problem" bezeichnet.
      Ebenfalls in die Mangel genommen werden von der Staatengemeinschaft die internationalen Steueroasen, die ausgetrocknet werden sollen. Das trifft wiederum die heimischen Banken, die zwischen Jersey und Cayman Islands 14 Mrd. Dollar gebunkert haben.

      Quelle: http://derstandard.at/
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 19:58:39
      Beitrag Nr. 1.104 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.623.767 von Maraho am 20.02.09 19:49:59Zur gegenwärtigen Situation ein Interview:


      "... dann wären die Banken endgültig hin"
      Der deutsche Ökonom Dirk Schumacher von Goldman Sachs sieht Österreichs wirkliches Ostrisiko in der Reaktion der Märkte


      Der deutsche Ökonom Dirk Schumacher von Goldman Sachs sieht Probleme bei der Verstaatlichung der Banken, erwartet keine US-Erholung und sieht Österreichs wirkliches Ostrisiko in der Reaktion der Märkte. Eric Frey sprach mit ihm in Wien.

      STANDARD: Deutschland hat diese Woche die Enteignung von Banken ermöglicht. Ist das aus Ihrer Sicht der richtige Weg?

      Schumacher: In vielen Fällen mag die Verstaatlichung die sauberste Lösung sein, damit nicht dem Steuerzahler am Ende eine große Rechnung bleibt. Aber man muss sich wirklich überlegen, wie sich das Geschäftsmodell von Banken verändert, wenn sie unter staatlicher Kuratel stehen. Wird dann die Risikovorsorge geringer, weil der Staat das Interesse hat, mehr Kredite zu vergeben, obwohl die Bank die Bilanz schrumpfen will? Gerade das deutsche Beispiel zeigt, dass ein Bankensystem unter staatlicher Kontrolle nicht unbedingt besser funktioniert.

      STANDARD: Aber die Banken müssen ja mehr Kredite vergeben, damit die Wirtschaft wieder anspringt.

      Schumacher: Wenn ich das will, dann muss ich die Banken dazu auch in die Lage versetzen. Dann muss der Staat ihnen mit Garantien oder Eigenkapitalzuschüssen helfen. Den Banken einfach zu sagen, ihr müsst mehr Kredite vergeben, das würde zur Katastrophe führen, dann wären die Banken endgültig hin. Denn in einer Rezession müssen sie natürlich ihre Risikosituation überdenken.

      STANDARD: Die Krise ging von den USA aus, aber nun könnten sich die USA schneller erholen als die Eurozone. Ist das wahrscheinlich?

      Schumacher: Es wird in den USA und Europa eine Stabilisierung zu Jahresmitte geben und dann ein Wachstum um die Nulllinie. Aber die fundamentalen Probleme liegen in den USA, und dort wird die Anpassung sehr viel länger dauern. Ich bin für die USA sehr pessimistisch. Europa als Ganzes hat keine Sparquote, die unter null lag, kein riesiges Leistungsbilanzdefizit und nicht so viele Bilanzen zu bereinigen. Wir kriegen die Kollateralschäden von allem ab, aber wir haben keine Ungleichgewichte, die wir abbauen müssen. Aber wenn die Amerikaner mehr sparen, dann müssen andere mehr konsumieren - und das gilt vor allem für die Deutschen.

      STANDARD: Reicht das deutsche Konjunkturpaket dafür aus?

      Schumacher: Von der Größe her schon, aber es wäre schöner gewesen, wenn es schon früher Impulse setzen würde. Das meiste kommt erst in der zweite Jahreshälfte oder 2010 zum Tragen, und das ist ein Problem. Wir brauchen die schnellstmögliche Unterstützung. Deshalb hätte ich mir mehr Steuersenkungen gewünscht. Die wirken sich schneller aus. Denn wie schnell kann der Staat Investitionsvorhaben wirklich umsetzen?

      STANDARD: Wie sehr ist Österreich durch das Ostengagement seiner Banken gefährdet?

      Schumacher: Die Kredite im Osten betragen 68 Prozent von Österreichs BIP. Sollten wie einst in der Asienkrise 30 Prozent der Kredite ausfallen, dann wären das fast zehn Prozent des BIP. Das tut schon weh. Österreichs Schulden würden sprunghaft ansteigen, aber es könnte weiterhin seine Schulden bedienen. Wenn der Markt das allerdings ganz kritisch sieht, dann könnten die Zinsaufschläge auf Staatsanleihen so hoch werden, dass es zum echten Problem wird.

      Quelle: http://derstandard.at/
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      schrieb am 20.02.09 20:05:50
      Beitrag Nr. 1.105 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.682 von Maraho am 19.02.09 13:14:17Aus der Schweiz etwas zum Thema UBS...


      Die Suche nach dem wahren Steuerbetrüger
      Aktualisiert am 20.02.20092

      Haben Tausende Kunden der UBS Steuern hinterzogen? Oder haben sie bloss darauf vertraut, dass die UBS ihre Steuern schon korrekt abrechnet? Aus dem Unterschied dürften neue Probleme für die Grossbank entstehen.

      Die offizielle Version geht in etwa so: Übereifrige Banker der UBS halfen reichen Amerikanern beim Steuerbetrug - unter anderem, weil die Konzernspitze in Zürich sie zu wenig überwachte.

      Dieses Kurzfazit lässt sich aus dem «Agreement» ziehen, welches US-Justizministerium und UBS am Dienstag zum Steuerstreit unterzeichneten. Die Vereinbarung sieht vor, dass die UBS die Daten von rund 250 amerikanischen Kunden an Washington ausliefert - aber diese Kunden präsentieren eine völlig andere Sicht der Dinge.

      Deren Version geht in etwa so: Nicht sie hätten Steuern hinterzogen, sondern die UBS habe ihre Gelder in illegalen Schemen angelegt, Steuerbetrug inklusive. «Die Kunden haben immer nur das gemacht, was die UBS sagte», sagte Andreas Rüd, ein Anwalt der UBS-Kunden, gestern in der Fernsehsendung «10vor10». "Die Bank hat immer versichert, das sei absolut legal." Dabei habe die UBS Rechtsgutachten von «namhaften Kanzleien» vorgelegt, welche zum Schluss kamen, es habe alles seine Richtigkeit.

      Der «sorgfältig ausgedachte Plan»

      Die UBS will die Vorwürfe nicht kommentieren. Das Problem ist: Auf solch einer Argumentation lassen sich Gegenklagen aufbauen, Dutzende der jetzt ausgesetzten Kunden könnten sich bald gegen die UBS wenden. Einen ersten Fall hat die Bank bereits am Hals: Der Immobilien-Tycoon Igor Olenicoff hat die UBS in Kalifornien vor Gericht gezerrt.

      Der Milliardär fordert bis zu 500 Millionen Dollar Schadenersatz. Denn er selber, so Olenicoff, habe einfach konservative, sichere und ganz gewiss saubere Anlagen tätigen wollen. Die Bank jedoch habe in einem «sorgfältig ausgedachten Plan» sowohl ihn als auch den amerikanischen Fiskus hintergangen. Dabei klingt der Unternehmer aus Kalifornien im Kern wie Anwalt Andreas Rüd in Zürich: Seine Ansprechpartner bei der UBS hätten ihm wiederholt versichert, dass seine Investitionen bei der Bank von UBS-Anwälten kontrolliert worden seien. Und vor allem: dass sie im Einklang mit amerikanischen Gesetzen stünden.

      Die UBS - so die Klageschrift - habe Olenicoff informiert, «dass seine Investitionen korrekt waren und für Steuerzwecke korrekt offengelegt worden seien. In Tat und Wahrheit aber hielt die UBS AG Informationen von Olenicoff zurück, und sie versäumte es, ihm die korrekten Steuerdokumente zu senden.»

      Wie gutgläubig darf ein Milliardär sein?

      Nun berichten auch andere Anwälte, dass die UBS (wie viele Banken) grosse Kunden mit Rechtshilfe unterstützte, um im Rahmen von komplexen Offshore-Konstruktionen beispielsweise Firmen in Panama oder Liechtenstein zu gründen und zu leiten. Zu klären ist am Ende, welche Verantwortung hier die Bank trägt - und welche der Kunde.

      Konkret: Ist es glaubwürdig, dass sich ein Immobilienunternehmer und Milliardär wie Igon Olenicoff einfach von einer Bank hinters Licht führen liess? Rechtsgültig ist bis dato nur eine Feststellung: Weil er rund 200 Millionen Dollar am Fiskus vorbeigeschleust hatte, wurde Olenicoff letzten Sommer in Florida zu 52 Millionen Dollar Bussen und Nachsteuern verurteilt.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und…
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 20:27:04
      Beitrag Nr. 1.106 ()
      Gehört zwar nicht direkt zum Thema, indirekt aber doch.

      Was macht eigentlich der Nachwuchs, der den gegenwärtig angerichteten Schlamassel mal (mit)schultern soll?

      Studentenstudie
      Angepasst, gleichgültig, unpolitisch

      WAZ, 20.02.2009, Christopher Onkelbach

      Essen. Angepasst, gleichgültig, konzeptlos, beliebig, unpolitisch, unsolidarisch – so sind die Studenten von heute. Dieses düstere Bild zeichnet die Studie der Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz, die im Auftrag des Bundesforschungsministeriums knapp 9000 Studenten befragte.

      Waren die Studenten der 70 bis 90er-Jahre noch beseelt von politischen und gesellschaftlichen Utopien, bezeichnet die Untersuchung die heutigen Studenten als „die ratlose Generation”. Tino Bargel, Autor der Studie, wertet die Ergebnisse als Aufforderung, die politische Bildung an Schulen und Hochschulen zu stärken.

      Teilnahmslos und verstärkt konservativ

      Seit 16 Jahren befragt die Konstanzer Arbeitsgruppe regelmäßig die Studierenden der Republik. Die neue Überblicksstudie zum Wandel politischer Orientierungen von 1983 bis 2007 belegt eine deutliche Entwicklung. Sie sei gekennzeichnet „durch mehr Teilnahmslosigkeit und den zunehmenden Verzicht auf Alternativen”, so die Studie. Zugleich rücken die Studierenden politisch mehr nach rechts. Die Autoren erkennen in den Antworten „Züge eines verstärkten Konservatismus”.

      Was Merkel und Co in Berlin so treiben, interessiert nur noch eine Minderheit der jungen Bundesbürger. Zeigten 1983 noch 54 Prozent ein „starkes Interesse” am politischen Geschehen, sank dieser Wert über 46 Prozent (1993) auf 37 Prozent (2007). Von den Studentinnen sind nur 29 Prozent stark an Politik interessiert. Der Rückzug ins Private vollzog sich zeitgleich: Für 72 Prozent der Studenten ist die Familie sehr wichtig, in den 80er-Jahren galt dies etwa für die Hälfte.

      Distanz zur Demokratie wächst

      Die Abkehr von den etablierten Parteien ist unter Studenten kein neuer Trend, dafür wurden Umweltschutzgruppen, Menschenrechtsorganisationen oder die Globalisierungsgegner von Attac für die Jugend attraktiver. Aber auch das stimmt offenbar nicht mehr: „Die Beteiligung an Bürgerinitiativen und anderen politischen Gruppierungen hat stark nachgelassen”, stellt die Erhebung fest. Fazit: „Es ist eine gestiegene Teilnahmslosigkeit in allen politischen Feldern zu beobachten.”

      Insgesamt stellt die Studie mehr Entscheidungslosigkeit fest, auch die Haltung zu demokratischen Prinzipien sei von wachsender Distanz geprägt. Die Zahl der „sattelfesten Demokraten” sinke, viele Studierende müssten hingegen als „labile Demokraten” bezeichnet werden. Einer Autokratie, also einer Herrschaft durch eine feste politische Elite, „würden die Studierenden keinen Widerspruch oder Widerstand entgegensetzen”, meinen die Autoren, und zwar, weil die Studenten „selbst Träger solcher Entwicklungen geworden sind”.

      Bereitschaft zum Protest nimmt ab

      Gegenkonzepte oder Alternativen für ein „anderes Leben” oder eine „andere Politik” entwickeln die Studenten kaum noch. Dazu passt: die Protestbereitschaft sinkt, die Anpassungsneigung steigt. Auch der Umweltschutz genießt nicht mehr Priorität, nur noch 51 Prozent sehen das so, 1993 waren es 76 Prozent. Dafür gewinnt die Förderung von technologischen Entwicklungen an Zustimmung.

      Den Autoren ist klar, dass eine solche Etikettierung der Jugend problematisch ist. Natürlich gebe es unter den Studenten „auch die anderen mit hohem politischen Engagement und alternativen Ideen”. Doch insgesamt seien die Trendaussagen zutreffend.

      Die Autoren fordern von der Politik, diese Befunde als Appell zu verstehen, der Entwicklung mit mehr politischer Bildung an Schulen und Hochschulen zu begegnen. Auch die jüngsten Hochschulreformen hätten die Apathie der Studenten befördert: „Für die politische Partizipation erweist sich die Zuschneidung der studentischen Rolle auf die eines Kunden als besonders nachteilig. Sie drängt ihn geradezu aus der Verantwortung hinaus.” Mit dem Hinweis, der Student könne künftig als Kunde auftreten und von seiner Universität mehr Qualität verlangen, wurde die Einführung der Studiengebühren begründet.

      Quelle und weiterführend: http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/2009/2/19/news-111…
      8 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 21:09:13
      Beitrag Nr. 1.107 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.596.845 von Maraho am 17.02.09 18:38:54In Bezug auf Beitrag 36.596.845.
      Sollte man wirklich im Auge behalten! Gerade in diesen Zeiten!
      Auch wenn es unwirklich erscheinen mag. Ist es aber nicht, bei näherem Besehen!


      Der Schutz der kritischen Infrastruktur und Einsatz der Bundeswehr im Inneren
      Christoph Hönow und Silvio Duwe 19.02.2009

      Mit dem Aufbau von Verbindungskommandos auf kommunaler und Landesebene haben sich weitgehend unbemerkt gefährliche Strukturveränderungen ergeben

      Der Aufbau von Verbindungskommandos auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene ist mittlerweile abgeschlossen. Sollten sich die Mehrheitsverhältnisse im so genannten Superwahljahr 2009 zu Gunsten der Befürworter des Bundeswehreinsatzes im Innern verschieben, so sind bereits Strukturen vorhanden, die diesen lokal effektiv koordinieren könnten.

      Was sind die Verbindungskommandos der Bundeswehr, die in jedem Kreis eingerichtet wurden?

      Claudia Haydt: Die Verbindungskommandos der Bundeswehr sitzen in jedem Kreis, in jeder kreisfreien Kommune, in manchen Bezirken. Es gibt insgesamt 426 Kreisverbindungskommandos und dann noch etwa 30 Bezirkskommandos. Sie sind integriert in die kommunalen Strukturen und gehören den kommunalen, zivilen Verwaltungen. Es sind aber Bundeswehrreservisten, die dann in diesen Büros sitzen.

      Diese Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und zivilen Stellen ist nicht grundsätzlich neu. In den 1970er und 1980er Jahren gab es zivil-militärische Übungen (WINTEX-CIMEX-Übungen), um die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und zivilen Stellen in Krisen- oder Katastrophenfällen zu üben. Aber seit den 1990er Jahren hat sich die Bundeswehr umstrukturiert, ist immer weiter aus der Fläche verschwunden, hat Stellen und Standorte abgebaut, mit dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Zusammenarbeit zwischen den zivilen Stellen und der Bundeswehr nicht mehr ohne weiteres möglich war. Dadurch ist auch der Anspruch der Bundeswehr, Experte für Krisenlösung zu sein, Stück für Stück verloren gegangen.
      An dieser Stelle war es eine politische Entscheidung zu sagen, wir wollen die Bundeswehr aber im zivilen Kontext auch als Krisenlösungsfaktor installiert haben. Das war der Auslöser dafür, in Deutschland wie in anderen Ländern eine Art Homeland Security zu installieren. Diese Homeland Security wurde über die Bezirksverbindungskommandos installiert, so dass auch in Kreisen wie in meinem Heimatort in Tübingen, wo es schon längst keine Bundeswehr-Infrastruktur mehr gegeben hat, trotzdem wieder die Bundeswehr in den zivilen Strukturen präsent ist. Faktisch bedeutet das, dass 12 Reservisten pro Kreisverbindungskommando bereit stehen, um dort im Katastrophenfall mit den zivilen Katastrophenschutzbehörden zusammenzuarbeiten, um dann das Problem zu lösen.

      Dadurch erhebt die Bundeswehr auch gleich den Anspruch, ein Teil der Problemlösung zu sein. Durch diese Struktur, in jedem Kreis präsent zu sein, hat die Bundeswehr auch ihren Anspruch wieder zementiert. Wir sind da, wir sind vor Ort und wir sind Teil dieses Katastrophenschutzszenarios. Rein faktisch und praktisch war es für die Bundeswehr notwendig, wenn sie den Anspruch auf Ordnung im Inneren weiter aufrecht erhalten will, dass sie auch weiter präsent ist. Sie hat das nun systematisch gemacht, viel systematischer als das vorher der Fall war. Es gibt eigentlich keine Strukturen der Katastrophenhilfe mehr, die ohne die Bundeswehr funktionieren werden.

      Es handelt sich also in erster Linie um eine politische Entscheidung?

      Claudia Haydt: Die Bundeswehr ist deutlich präsenter, und auch systematischer präsent. Früher musste quasi vom Landratsamt zum jeweiligen Bezirkskommando eine Verbindung hergestellt werden. Entweder man telefonierte oder man tauschte Beamte aus, je nachdem, was notwendig war. Nun sitzt die Bundeswehr in den zivilen Strukturen vor Ort. Es ist also unglaublich schwierig, um sie herum zu kommen, wenn es um die Behebung einer wie auch immer definierten Katastrophe geht. Sie ist auch mit mehr Personal präsent. Wenn man das hochrechnet, kommt man auf ungefähr 5.500 Reservistenposten in der Bundesrepublik, die explizit nur für die Zusammenarbeit im Krisen- oder Katastrophenfall da sind. Das ist eine ganz neue sowohl quantitative als auch qualitative Dimension.


      Aushebelung der kommunalen Entscheidungsmöglichkeiten

      Wer bestimmt die Reservisten, die vor Ort sitzen?

      Claudia Haydt: Die Reservisten sind aufgerufen, sich selber zu melden für diese Arbeit. Die Bundeswehr sagt, wir brauchen zwölf Personen, die ein gewisses Rangspektrum, vom Feldjäger bis zum Offizier, aber auch ein gewisses Fähigkeitsspektrum abdecken müssen, zum Beispiel, dass es Sanitätsoffiziere geben muss und so weiter. Sie fragt dann, wer steht dafür zur Verfügung, und die Reservistenverbände bestehen häufig aus ehemaligen Soldaten, die einen sehr militaristischen Geist in sich tragen und sich auch zum größten Teil, zumindest im Westen der Bundesrepublik, gerne und freiwillig melden. Und dann muss natürlich die Bundeswehr, beziehungsweise die jeweilige Länderstruktur, entscheiden, wer passt. Aber es ist erst einmal die Initiative der Reservisten, und im Westen funktioniert das extrem gut.

      Haben die zivilen Stellen vor Ort die Möglichkeit, auf die Besetzung der Posten Einfluss zu nehmen?

      Claudia Haydt: Nein, es gibt keinerlei Möglichkeiten. Die zivilen Stellen bekommen die Menschen, mit denen sie im gleichen Haus, auf dem gleichen Flur zusammenarbeiten müssen, vorgesetzt. Die zivilen Stellen sind gezwungen und genötigt, für diese Personen die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, aber sie haben keinerlei Möglichkeiten, mit auszuwählen, wer das ist.

      Und es gibt auch keine Möglichkeit, diese Personen abzusetzen?

      Claudia Haydt: Nein. Das läuft dann über die Aufsicht der Bundeswehr. Es müsste dann also ein Landrat sich bei der Bundeswehr melden und sagen, wir haben schlechte Erfahrungen mit dieser Person gemacht, aber das wird wahrscheinlich wenig Erfolg haben, wenn es nicht wirklich ein klar nachweisbares Dienstvergehen ist. Sie stehen also außerhalb der Anweisungs- und Rechenschaftsstrukturen der jeweiligen kommunalen Behörden.


      Der Angriff auf die kritische Infrastruktur wird bewusst weit gefasst

      Eine Aufgabe der Verbindungskommandos ist es, die Kreise beim Schutz kritischer Infrastruktur zu unterstützen. Was versteht man darunter?

      Claudia Haydt: Kritische Infrastruktur ist, mit einfachen Worten gesagt, all das, was notwendig ist, um unsere fortschrittliche Industriegesellschaft am Laufen zu halten. Das sind Datennetze, Eisenbahnnetze, zentrale Brücken, Elektrizitätskraftwerke, im Zweifelsfall aber auch die Müllabfuhr. Das heißt, sobald man das durchdenkt, was alles kritische Infrastruktur ist, merkt man, dass ein Angriff auf kritische Infrastruktur aus allem Möglichen bestehen kann. Das kann ein Streik, eine Besetzung eines Elektrizitätswerks durch seine Mitarbeiter sein, es kann sich um einen Bahnstreik oder einen Castortransportprotest handeln, der Schienen blockiert.

      Der Krisenfall, der Angriff auf kritische Infrastruktur, kann ziemlich weit gefasst werden. Das heißt, eine Bekämpfung dieses Krisenfalls könnte auch bedeuten, dass im Zweifelsfall Soldaten gegen streikende Mitarbeiter oder gegen Menschen, die zum Beispiel Umweltproteste durchführen, eingesetzt werden können . Wenn das als Krise oder Terrorismus definiert ist, ist eben diese Einsatzschwelle gegeben. Ich vermute, dass wir in den nächsten ein, zwei oder drei Jahren noch nicht damit rechnen müssen, aber darauf könnte es längerfristig hinauslaufen. Den Sicherheitsbehörden wäre es dann möglich, neben Polizei auch tausende oder zehntausende Soldaten zur Verfügung zu haben, um dann solche Formen des Widerstandes auch niederschlagen zu können.

      Gibt es eine verbindliche Definition dieser kritischen Infrastruktur?

      Claudia Haydt: Es gibt keine verbindliche Definition dafür. Es gibt auf Ebene der EU eine Reihe von Hinweisen , was unter kritischer Infrastruktur zu verstehen ist. Da ist all das aufgezählt, was ich gerade eben genannt habe. Aber das ist nicht als Gesetz formuliert, es ist nicht einklagbar, sondern in gewisser Weise willkürlich, was jeweils bei einem Einsatz als kritische Infrastruktur definiert wird, deren Störung eine krisenhafte Auswirkung auf die Gesellschaft als Ganze haben kann. Der Protest gegen einen Zubringer für die Autobahn kann also ein Eingriff in kritische Infrastruktur oder auch nicht.


      Noch gibt es Begrenzungen für den Einsatz des Militärs im Inneren, die aber schon aufgeweicht werden

      Und der Schutz der kritischen Infrastruktur sieht dann so aus, dass Soldaten davor aufmarschieren?

      Claudia Haydt: Dazu muss man sagen, dass die Bundeswehr nach jetziger Gesetzeslage im Zuge der Amtshilfe mit dazu gezogen werden kann. Sie darf, zumindest bisher, noch nicht in militärtypischem Kontext auftauchen. Sie darf nach Gesetzeslage nicht mit Panzern auftauchen, nicht mit ihrer Bewaffnung, sondern mit der gleichen Bewaffnung, die auch der Polizei zur Verfügung steht. Ich betone deswegen nach jetziger Gesetzeslage, weil bei den Protesten in Heiligendamm ja deutlich sichtbar war, dass dies sehr locker interpretiert wird. Wenn Fennek-Spähpanzer auf jeder Autobahnbrücke stehen können oder wenn Tornados über Protestcamps fliegen, dann ist es klar, es ist militärtypisch. Das sind keine Polizeimittel, die vom Militär benutzt worden sind. Und nachdem das keine rechtlichen Konsequenzen hat, ist klar, dass politisch kein Interesse daran besteht, diese gesetzliche Lage auch wirklich umzusetzen, sondern dass eher der Versuch unternommen wird, den gesetzlichen Schutz dort noch weiter auszuhöhlen.

      Immer wieder wird gesagt, dass die Bedrohungen der heutigen Zeit wie der Terrorismus eine Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Stellen erforderlich machen würden. Macht dieser Zustand nicht eine entschlossene Sicherheitspolitik notwendig, bei der auch die Bundeswehr zunehmend eingebunden wird?

      Claudia Haydt: Es wird sehr häufig gesagt, wir leben in einer Zeit der grenzenlosen Bedrohung, wo man keine Unterschiede mehr zwischen innerer und äußerer Sicherheit machen kann. Die Terroristen agieren grenzüberschreitend und können in Berlin genauso zuschlagen wie in London oder Islamabad, also müssen wir ja auch grenzüberschreitende Formen der Sicherheitskooperation finden. Das ist etwas, was immer wieder gesagt wird und was durchaus etwas für sich hat.

      Aber es gibt ja auch die Möglichkeit grenzüberschreitender Polizeikooperation, die längst etabliert ist. Es werden Informationen, die die Polizei in einem Land erhoben hat, wenn es inhaltlich sinnvoll ist, in andere Länder weitergegeben. Das man nun noch zusätzlich die Bundeswehr brauchen sollte für eine Aufgabe, die polizeitypisch ist, das will mir nicht einleuchten. Die Bundeswehr ist nicht für polizeiliche Arbeit, für Ermittlungsarbeit, sondern für kriegerische Auseinandersetzung ausgebildet, also für das Bekämpfen von Gegnern. Wenn man die Terroristen als militärische Gegner definiert, dann macht man all die Fehler, die man macht, wenn man militärische Einsätze durchführt. Zivilisten werden gefährdet, es wird keine feine Ermittlungsarbeit, sondern relativ harte Formen des Zugriffs geben. All das, was die Polizei gelernt hat, haben diese Soldaten nicht gelernt, und sie werden deswegen Fehler machen.

      Diese Fehler werden wahrscheinlich mehr Widerstand und mehr Unruhe produzieren, als dass sie zur Entspannung oder Lösung der Situation beitragen werden. Ganz primitiv: Terroristen sind eben nicht mit Uniform versehen, und man kann sie nicht genau orten. Also man kann nicht sagen, der ist ein Terrorist, und dann kann ich ihn mit militärtypischen Mitteln auch nicht bekämpfen. Ich kann keine Panzer auffahren lassen, um jemanden, den ich als Gegner gar nicht erkenne, zu bekämpfen. Terroristenbekämpfung ist klassische Ermittlungsarbeit, bei der ich unter vielen tausenden Zivilisten die Personen herausfinden muss, die wirklich eine Gefährdung für die Zivilbevölkerung darstellen. Wenn ich sie aber militärtypisch bekämpfe, gefährde ich die Zivilbevölkerung, die ich eigentlich schützen will. Wenn man um die Herstellung von Sicherheit und um den Erhalt bürgerlicher Freiheiten besorgt ist, dann müssen wir klar für eine Aufgabenteilung kämpfen. Das Militär, wenn man es überhaupt braucht, hat eine Aufgabe, nämlich Feinde militärisch zu bekämpfen, die Polizei hat eine Ermittlungsaufgabe, und beides muss man fein säuberlich trennen, wenn man nicht zusätzliche Gefährdungslagen entstehen lassen will.

      Vor allem in der Union gibt es ja die Initiative, den Bundeswehreinsatz im Inneren zu ermöglichen. Gibt es da einen Zusammenhang zu den Verbindungskommandos?

      Claudia Haydt: Ja, da gibt es einen massiven Zusammenhang, weil wie ich sagte, momentan gibt es noch bestimmte Grenzen. Die Bundeswehr darf im Inneren nur im Krisen- oder Katastrophenfall eingesetzt werden, was eine Einschränkung ist, weil man dann zumindest einmal Krisen- und Katastrophenfall definieren muss. Eine weitere Einschränkung ist, dass nur polizeitypische Ausrüstung eingesetzt werden darf. All das schränkt die Bundeswehr in ihrer freien Verwendung nach Innen ein. Wenn man dann aber die Bundeswehr wesentlich selbstverständlicher zum Schutz von Atomkraftwerken oder von Brücken benutzen will, dann ist es sinnvoller, wenn man das nicht nur anlassbezogen machen kann, also wenn eine konkrete Gefährdung vorliegt, sondern ständig und dauerhaft, oder zumindest dann machen kann, wenn es politisch für opportun gehalten wird. Und dann ist es sinnvoll, wenn diese gesetzlichen Einschränkungen auch fallen oder zumindest minimiert werden, weil es eine größere Flexibilität der Einsätze der Bundeswehr ermöglicht.

      Außerdem ist der Einsatz momentan auch durch die Anzahl von Soldaten, die ständig zur Verfügung stehen, begrenzt. Die CDU/CSU hatte ja die Idee , nicht nur diese 5.500 oder 10.000 Reservisten zu haben, sondern schlussendlich 250.000 zur Verfügung zu haben, die im Inland im Einsatz sein können. Eine ganz andere Dimension. Und wenn man solche Dimensionen im Kopf hat, ist natürlich jede gesetzliche Einschränkung mindestens eine zu viel. Deswegen gibt es einen massiven Versuch, immer und immer weiter die Trennung von Polizei und Militär aufzuheben, aber auch die Art der Einsätze immer stärker und offensiver möglich zu machen.

      Aus meiner Sicht ist der wichtige Punkt, dass dies gar nicht so sehr gegen Terroristen gerichtet ist, das ist ein Einfalltor, sondern dass es gegen die eigene Bevölkerung gerichtet ist. Dahinter könnte etwa die Angst stecken, dass zum Beispiel Streiks so stark werden könnten, dass sie eine wirtschaftliche Auswirkung haben. Man hat Angst davor, als Staat erpressbar zu sein von streikenden Energiearbeitern zum Beispiel, und will die Möglichkeit haben, ein Gegendrohpotential zu entfalten. Und je mehr wir in einem armen Land leben, je mehr die Not zunimmt, desto mehr wird das auch als Notstand definiert und desto mehr müssen wir dann auch mit Bundeswehreinsätzen im Inneren rechnen.

      Und im Ergebnis stehen dann Flugzeugabwehrbatterien vor Stadien wegen Terrorgefahr und Panzer im Regierungsviertel...

      Claudia Haydt: Sie spielen auf den Einsatz der Bundeswehr bei der Fußball-WM 2006 an, als wirklich die Bundeswehr in den Stadien mit nicht polizeitypischer Ausrüstung präsent war. Und das bedeutet, dass jedes Großereignis auch ein militärisches Großereignis werden wird. Eine fürchterliche Vorstellung. Dann muss nur noch irgendeine Befehlslage unklar sein, man kann sich vorstellen, eine Panik im Stadion, die Soldaten im Stadion bekommen vielleicht eine Anweisung, die nicht passend ist zur Situation, da kann es dann ganz schnell zu Hunderten oder Tausenden von Opfern kommen, wenn die Soldaten entsprechend ausgerüstet, aber in der Situation völlig überfordert sind. Man kann sich vorstellen, dass das vollständig eskalieren und keinesfalls zum Schutz der Bevölkerung dienen wird.


      Wird die Bundeswehr bald auch auf Streikende schießen können?

      Warum glauben Sie, findet das Thema bisher in den Medien so wenig Beachtung?

      Claudia Haydt: Ich glaube, weil es so abstrakt ist. Es sind die Strukturen, die verändert worden sind, sichtbar wurde es eben nur bei der WM oder in Heiligendamm. Weitere Ereignisse, bei denen das zum Tragen kam, waren dann Vogelgrippe, Waldbrand oder Hochwasser. Das klingt erstmal schön, das ist so eine Art Public-Relations-Maßnahme für die Bundeswehr, wenn sie dort auftaucht und den Menschen helfen kann. Für solche Hilfe gibt es in den Medien dann auch häufig Beifall. Sich aber zu überlegen, was das in anderen Situationen bedeutet, das setzt eine Hintergrundrecherche voraus, für die meistens im Alltag von Journalisten wenig Zeit bleibt.

      Deswegen braucht es natürlich kritische Journalisten, die fragen, was das konkret bedeutet. Ist das nur dieser schöne Effekt, dass beim Hochwasser jemand da ist, der Sandsäcke füllt, oder bedeutet das etwas, was schlussendlich das Leben in der Bundesrepublik verändert? Diese Frage zu stellen braucht Zeit und Recherche und Reflexion, und all das findet im Redaktionsalltag viel zu selten statt. Aber es fehlt auch am Geschichtsbewusstsein. Vielen ist nicht klar, was es bedeutet, wenn Sicherheitskräfte, also Polizei, Geheimdienste und Militär, in einem Land so eng zusammenarbeiten. Das zeichnet einen totalitären Staat aus, den wir im Dritten Reich hatten.

      Und der letzte Punkt aus meiner Sicht ist, dass die Bundeswehr insgesamt ein sehr gutes Image hat. Nicht so sehr ihre Kriegseinsätze, der Afghanistaneinsatz hat ja ein schlechtes Image, aber die Bundeswehr als Ganze hat ein gutes Image in der Bevölkerung. Folglich traut man ihr nichts Böses zu, man kann sich nicht vorstellen, dass diese Bürger in Uniform sich tatsächlich auch gegen andere Bürger wenden könnten. Damit müssen wir, wie gesagt, auch nicht sofort rechnen, sondern das sind schleichende Strukturveränderungen, die etwas ermöglichen, wovor ich Angst habe und wovor ich warnen will, bevor wir unkontrollierbare Sicherheitskräfte haben. Wenn man Menschen auf der Straße fragt, dann denken sie beim Thema Afghanistan zuerst an einen Entwicklungshilfeeinsatz, und im Innern denkt man eben auch nur an das Sandsackschaufeln und nicht daran, was es zur Einschränkung von Demonstrationen oder zur Kontrolle der Bevölkerung und Einschränkung von Bürgerrechten beiträgt. Das wird systematisch ausgeblendet, und es ist noch eine harte Arbeit, dafür ein Bewusstsein zu schaffen.

      Aber mittelfristig trauen Sie der Bundeswehr nicht zu, auf Streikende zu schießen?

      Claudia Haydt: Ich sagte, kurzfristig traue ich es ihr nicht zu. Mittelfristig wage ich da wirklich keine Aussage. Es kommt jeweils auf die Eskalation von Situationen an.

      Ich habe ja schon einmal den Vergleich zu Afghanistan gezogen. Seit Juni 2008 sind in Afghanistan diese Quick Reaction Forces, also so eine Art militärische schnelle Eingreiftruppe im Einsatz. Das sind im Einzelnen sicherlich alles nette Jungs, aber sie sind von konkreten Situationen überfordert und reagieren falsch, was man zum Beispiel im August merkte, als Bundeswehrsoldaten an einem Checkpoint waren, es kamen Autos auf sie zu, wendeten, es war Nacht, sie hatten Angst, die Befehlslage war unklar, und einer der Soldaten schoss , als das Auto schon gewendet hat, und traf dann die Frau und die Kinder auf dem Rücksitz. Ich denke, dass ist einfach eine klassische Überforderungssituation. Und eine Checkpointsituation ist eine Polizeisituation, wo man Polizisten braucht, die gelernt haben, wie man nachts bei schlechten Sichtverhältnissen mit Kontrollsituationen umgeht, während die Bundeswehrsoldaten das noch nicht einmal richtig gelernt haben, sondern nur einen Kurzkurs über wenige Tage darüber hatten, wie sie mit so einer Situation umgehen müssen, und sich dann entsprechend falsch verhalten.

      Ich denke, solche Eskalationen werden erstmal nicht mit Absicht passieren, sondern sie werden aus Überforderung entstehen, weil das eben nicht der Ausbildung der Soldaten entspricht. So etwas Ähnliches kann ich mir im Innern auch vorstellen. Ein Beispiel wären Barrikaden, die Streikende aufgebaut haben und von denen die Soldaten nicht wissen, ob hinter diesen Barrikaden ein Kameraobjektiv ist oder vielleicht doch jemand auf sie zielt, und dann schießen sie eben, weil sie sich gefährdet fühlen. So etwas kann sehr schnell passieren, und das kann dann insgesamt ein Klima der Angst und des Hasses entstehen lassen. Ich denke, wir sind von Situationen wie in Griechenland noch weit entfernt, aber das zeigt ja, wenn in der Bevölkerung großer Hass, große Wut da ist, dann kann das sehr schnell eskalieren, und wenn auf der anderen Seite entsprechend ausgerüstete Soldaten sind, die in der Situation verunsichert sind, setzen sie ihre Waffen auch ein, oder zumindest ist zu befürchten, dass sie sie einsetzen, und genau das möchte ich verhindern und rechtzeitig davor warnen.


      Die Bundeswehr lernt bei Auslandseinsätzen auch Fähigkeiten für den Einsatz im Inneren

      Stellen Sie sich das zukünftige Vorgehen der Bundeswehr dann so vor, wie auf diesem Foto aus der Zeitschrift "Europäische Sicherheit" zu sehen ist?

      Claudia Haydt: Das ist nicht ausgeschlossen. All das, was die Soldaten gerade für den Auslandseinsatz üben oder auch im Einsatz mitmachen, sind Fähigkeiten, die sie nach Innen auch mitbringen. Und diese Fähigkeiten der "Crowd and Riot-Control", also der Kontrolle von Massen und der Kontrolle von Aufständen, gehören zum Beispiel für die Einsätze im Kosovo oder in Afghanistan zur Schnellausbildung der Bundeswehr. Das sind Fähigkeiten, bei denen dann durchaus politisch die Entscheidung kommen kann, dass sie jetzt im Inneren gebraucht werden.

      Ich nehme einfach noch einmal das griechische Szenario. Wenn es tausende oder hunderttausende Menschen geben würde, die auf den Straßen sind, weil sie zum Beispiel die weitere Verschärfung der Hartz-IV-Gesetze nicht mehr akzeptieren wollen, und das aus Sicht der Politik unkalkulierbar wird, man gleichzeitig aber auch nicht bereit ist, politische Zugeständnisse zu machen, dann bietet es sich an, Soldaten, die gelernt haben, wie man Massen in Schach halten kann, auch im Innern einzusetzen. Deswegen denke ich, dass wir sehr genau hinsehen müssen, nicht nur auf das, was hier in Deutschland passiert, sondern auch, welche Fähigkeiten sich Bundeswehrsoldaten im Ausland erwerben. Gerade dieses etwas brutalere Vorgehen als das der Polizei in Deutschland macht den Bundeswehreinsatz im Ausland aus. Nun gut, man versucht dann erstmal nur mit Schlagstöcken oder nur mit Wasserwerfern oder nur mit Tränengas, Gruppen in Schach zu halten, hat aber die Panzer im Hintergrund und kann Schusswaffen gebrauchen oder eben mit Panzern auf Menschenmengen zurollen. Das eskaliert eine Situation total und ist eben auch eine Gefährdung der Zivilbevölkerung, macht Zivilbevölkerung zum Gegner, im Ausland wie im Inland.

      Es gibt Konzepte der Bundeswehr, so genannte Konzepte der vernetzten Sicherheit. Zu denen gehört unter anderem zu sagen, dass die Bundeswehr ein ganz breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten hat. Wir können in zivilen Kontakt mit der Bevölkerung kommen, sie überreden, überzeugen, das auf der einen Seite. Und wir haben auf der anderen Seite die Möglichkeit, wirklich tödliche Gewalt anzuwenden. Und wir haben dazwischen ein ganzes Spektrum an Eskalationsmöglichkeiten, eben vom Schlagstock über den Wasserwerfereinsatz bis zum Schusswaffengebrauch, die wir je nachdem, wie wir es für nötig halten, einsetzen können.

      Dieses Kontinuum in der Ausweitung militärischer Gewaltanwendung wird gerade ausgetestet. Es wird nahtlos von einem zum anderen übergegangen, so dass es zuerst einmal freundlich aussieht, nicht militärisch, nicht so sehr nach Krieg, aber wir haben immer im Hinterhalt die Möglichkeit, auch harte Mittel einzusetzen. Situationen werden auch darüber definiert, wer das stärkste Mittel hat. Wenn ich mit jemandem verhandele, mit dem ich nur rede, aber der andere hat ein Maschinengewehr über der Schulter, dann ist es klar, dass er eine andere Verhandlungsposition hat. Das heißt, es geht darum, die Bundeswehr sowohl konkret in Einsatz zu bringen, aber sie auch als politisches Gewicht zur Überzeugung und zur Beeinflussung von Situationen heranzuziehen. Und dieses politische Gewicht der Bundeswehr ist etwas, vor dem ich große Angst habe, weil es Möglichkeiten einschränkt, auch Protest einschränkt.


      Anstatt die Bundeswehr bei Katastrophen heranziehen zu müssen, wäre der Ausbau des zivilen Katastrophenschutzes wichtig

      Die Verbindungskommandos sind in jedem Kreis installiert. Besteht denn die Möglichkeit der Einflussnahme dieser Kommandos auf die Kommunalpolitik?

      Claudia Haydt: Die Einflussnahme der Verbindungskommandos auf die Kommunalpolitik ist erst einmal indirekt, aber dennoch nicht unwichtig. Wenn Bundeswehrsoldaten in den kommunalen Behörden sitzen und das Militär zum Beispiel eine eigene Feuerwehr anbieten kann, die beim Brand einer Chemiefabrik helfen kann, oder auch in der Lage ist, auf Räumgeräte zurückzugreifen, mit dem nach einem Orkan die Straßen geräumt werden können, ist ein Anreiz für die Kommunen gegeben, zu sagen, wir haben ja die Bundeswehr, wir brauchen kein eigenes Gerät mehr, da können wir Geld sparen.

      Allein durch das Angebot dieser militärischen Fähigkeiten entsteht ein Druck, durch den die zivilen Fähigkeiten Stück für Stück abgebaut werden. Damit macht sich Militär immer unabkömmlicher, und da die Kommunen alle sehr arm sind, ist es ein extremer Druck, der da ausgeübt wird. Ich habe zehn Jahre lang Kommunalpolitik gemacht, und man sucht da jeden Punkt, wo man ein Feuerwehrauto, einen Räumbagger oder sonst was sparen kann, einfach um ein bisschen Geld, ein bisschen Luft frei zu haben. Das Militär wird dadurch nach und nach zum einzigen Anbieter, der den zivilen Schutz im Katastrophenfall bieten kann.

      In meinen Augen eine völlige Fehlentwicklung. Es wäre viel besser zu sagen, die Bundeswehr muss das nicht machen können, die zivilen Stellen müssen es können, und sie müssen im Notfall auch entscheiden können, was für sie wichtiger ist. Ist der Weg zum Krankenhaus oder der zur Kaserne der wichtigere? Solche Entscheidungen werden im Notfall vom Militär definiert, mit seinen eigenen Prioritäten. Deshalb halte ich das für einen ganz katastrophalen Einfluss auf die kommunalen Strukturen. Es ist nicht so, dass die zivilen Krisenhilfsstrukturen abgebaut werden, weil die Bundeswehr das sagt. Die Bundeswehr wird sagen, wir haben das niemandem vorgeschrieben, natürlich sollen die Kommunen das weiter behalten. Aber durch die normative Kraft des Faktischen wird es für die Kommunen fast selbstverständlich, ihre eigenen Kapazitäten abzuschaffen.

      Ein weiterer Punkt in diesem Kontext ist übrigens, dass es für die Kommunen dann doch nicht billig wird. Es wird gesagt, wir stellen ja militärisches Personal und militärisches Gerät zur Verfügung. Aber es gibt jetzt schon Kommunen , wo dann das Militär gesagt hat, naja, wir stellen das schon zur Verfügung, aber wir wollen dann ein anständiges Lagezentrum haben. Die Einrichtung eines Lagezentrums bedeutet immer: abhörsichere Kommunikationswege. Das bedeutet, dass es immer gesicherte Datenverbindungen von diesen zivilen Lagezentren zur Bundeswehr geben muss. Es ist also eine Art High-Tech-Lagezentrum erforderlich, und das kostet Geld. Das kostet hunderttausende Euro, die auch investiert werden müssen, und zwar von den Kommunen. Einerseits wird also Geld eingespart, aber andererseits müssen die Bürger dann doch wieder alles zahlen.

      Aber was sie nun bezahlen, kontrollieren sie nur noch begrenzt. In gewisser Weise entstehen dadurch in den zivilen und eigentlich demokratisch kontrollierbaren Strukturen kontrollfreie Räume in denen die Bundeswehr das Sagen hat. Und die Bundeswehr funktioniert nach Befehl und gehorsam, nach ganz eigenen Kriterien. Da kann dann vielleicht noch der einzelne Landrat oder einzelne Beamte etwas mitreden, aber schlussendlich wird die Bundeswehr die Oberhand haben.

      Die Verbindungskommandos sind also nicht mehr demokratisch kontrollierbar?

      Claudia Haydt: Sie sind nur noch begrenzt demokratisch kontrollierbar. Dadurch, dass die Bundeswehr mit bis zu zwölf Personen dort präsent ist, sie fast die gesamte Ausrüstung stellt und auch über Expertise verfügt, die im kommunalen Kontext Stück für Stück verloren geht, kann sie die jeweiligen Situationen mehr und mehr bestimmen. Sie kann definieren, was der Notfall räumlich und inhaltlich ist. Sie definiert die Lage, und sie ist außerhalb dessen, was kommunale Strukturen ausmacht.

      Die Bundeswehr ist also diejenige, die einen demokratiefreien Raum entstehen lässt. Einen Landrat kann man, je nach Bundesland, entweder abwählen oder zumindest bei den neuen Wahlen ist es klar, dass er nicht mehr von seiner Partei aufgestellt wird, wenn er Mist baut. Die einzelnen Beamten kann man vor Ort leichter kontrollieren, durch Dienstaufsichtsbeschwerden und so weiter, die auch einzelne Bürger machen können. Das ist gegenüber der Bundeswehr wesentlich schwieriger, wesentlich intransparenter. Sowohl die einzelnen Bürger als auch die kommunalen Strukturen haben weniger Möglichkeiten der Einflussnahme. All das ist für mich so unkontrollierbar, so intransparent, dass man sich allein aus demokratietheoretischen Gründen dieser Form der zivil-militärischen Kooperation versperren und verschließen sollte.

      Welche Alternative zur zivil-militärischen Zusammenarbeit schlagen Sie vor?

      Claudia Haydt: Wichtig ist, die zivilen Strukturen mit dem Gerät auszustatten, das benötigt wird, um in Krisen- und Katastrophenfällen auch helfen zu können. Gebraucht werden zum Beispiel Räumbagger oder ein gewisses Maß an Kommunikationsstrukturen, die funktionieren, auch wenn die Stromversorgung zusammenbricht. Weiterhin wird entsprechendes Personal mit entsprechender Ausbildung benötigt. All das ist möglich und all das gibt es ja auch schon in Ansätzen, nur eben zu wenig.

      Es ist eine Frage der politischen Prioritäten, wo investiert wird. Aus meiner Sicht ist das Zivile das einzig Sinnvolle, weil man nur so auch zivile Prioritäten setzen und dann entsprechend der Bedürfnisse der Bevölkerung agieren kann. Es ist durchaus möglich, ein gewisses Maß an Reservisten auch auf der Ebene der Bevölkerung mit einzubeziehen, auch Schulklassen mit einzubeziehen in die Ausbildung, was zu tun ist, wenn ein Damm zu brechen droht. Es lassen sich Strukturen finden, in denen man Menschen heranziehen kann, die helfen, die auch sicher bereit sind zu helfen, wenn man sich rechtzeitig entsprechende zivile Strukturen überlegt und ausbaut. Es ist nicht notwendig, auf die Bundeswehr zurückzugreifen, ganz im Gegenteil, ich halte es für sinnvoller, wenn sich eine zivile Bevölkerung von militärischen Strukturen unabhängig macht.

      Deswegen ist es aus meiner Sicht nicht nur so, dass es Alternativen zur Bundeswehr gibt, sondern man kann wesentlich effektiver Katastrophen bekämpfen, wesentlich effektiver helfen, wenn das in ziviler Hand ist. Und diese Hilfe kann man dann auch wesentlich effektiver in andere Länder bringen, wenn es dort notwendig ist, als wenn ich dazu die militärischen Strukturen brauche, weil dann das Humanitäre wesentlich mehr Priorität hat als im militärischen Kontext.

      Die Religionswissenschaftlerin und Soziologin Claudia Haydt war von 1989-1994 Mitglied des Kreistags Tübingen und von 1994 bis 1999 als Stadträtin in Tübingen aktiv. Aus Protest gegen den Krieg im Kosovo erklärte sie ihren Parteiaustritt bei Bündnis90/Die Grünen. Heute ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Bundestagsfraktion der Linkspartei. Außerdem engagiert sie sich in der Informationsstelle Militarisierung (IMI ). Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Europäische Militarisierung sowie allgemeine Friedens- und Konfliktforschung. Telepolis sprach mit ihr über "Homeland Security" in der Bundesrepublik.

      Quelle und weiteres: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29750/1.html
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      Avatar
      schrieb am 20.02.09 21:34:10
      Beitrag Nr. 1.108 ()
      Zum guten Schluß noch dies:

      Dieser Thread existiert nun seit (fast) 4 Wochen.

      Auch wenn hier "nur harter Stoff" dargeboten wird, so ist es doch bemerkenswert, wie viele Interessierte es hierfür zu geben scheint.

      Dafür vielen Dank allen Lesern!

      Und es ist erfreulich, daß in diesem Thread sehr angenehm miteinander umgegangen wird.

      Dafür mein besonderer Dank an folgende user bzw. Mitstreiter: liebgeld, AHEO, kiska, Dorfrichter, kevine1, Metrik, heuschrecker, Wilbi, Nannsen, clownfisch, raceglider, Bernd_das_Brot, fast4ward, GueldenerG45S, Sexus, Borealis, tortelini, Triakel, Doppelvize, windei, moveson, Groupier, Prof. Dr. B. Scheuert und d.h. 53

      Ich wünsche euch allen ein schönes, entspannendes Wochenende.
      Und eine weiterhin anregende und gute Zeit in diesem Thread.

      Maraho
      Avatar
      schrieb am 20.02.09 22:44:52
      Beitrag Nr. 1.109 ()
      Roland Leuschel
      Börsenguru sagt Währungsreform voraus



      Von Daniel Eckert 20. Februar 2009, 14:19 Uhr

      Crash-Prophet Roland Leuschel sieht den Aktienmarkt in einem langjährigen Abwärtstrend und sagt eine Währungsreform voraus. Nur Gold sei in diesen Zeiten sicher. Leuschel behielt mit seinen Prognosen oft genug recht: Er ahnte den Einbruch von 1987 und warnte frühzeitig vor der aktuellen Finanzkrise.

      Für manche ist er ein notorischer Panikmacher, für andere der mutige Verkünder unbequemer Wahrheiten. Fest steht, dass Roland Leuschel mit seinen Crash-Prognosen oft genug recht behielt: Er sagte den Einbruch von 1987 voraus und warnte frühzeitig vor dem Debakel von 2008. WELT ONLINE sprach mit Deutschlands Aktien-Skeptiker Nummer eins.


      WELT ONLINE: Herr Leuschel, vor einem Jahr haben Sie in dieser Zeitung vorausgesagt, dass der Dax sich halbieren würde.
      Damals stand das deutsche Börsenbarometer bei 8000 Punkten, heute bei knapp über 4000 Punkten.
      Sind wir am Tiefpunkt der Baisse angekommen?

      Roland Leuschel: Keineswegs. Damals war ich schlicht zu optimistisch.
      Wir befinden uns mitten in einem langen Bärenmarkt, der mit dem der Dreißigerjahre zu vergleichen ist.
      Der Dax wird sich vom jetzigen Niveau wohl noch mal halbieren.


      WELT ONLINE: Also ungebremst in den Abgrund?

      Leuschel: Ich rechne damit, dass der Index bei 3500 bis 3600 Punkten einen Zwischenstopp einlegt.
      Dort verläuft eine starke technische Unterstützung.
      Das ist dann eine letzte gute Ausstiegsgelegenheit.


      WELT ONLINE: Welche Art von Krise erleben wir?

      Leuschel: Die westlichen Volkswirtschaften kranken an einem Übermaß an Verschuldung.
      Staaten, Firmen, Private – alle haben ihren Wohlstand im großen Maße auf Kredit gebaut.
      Mit dem Platzen der US-Hypothekenblase ist dieses System aufgeflogen.
      Jetzt erleben wir den langwierigen und qualvollen Prozess, dass die Schulden-Ökonomie abgewickelt wird.
      Das ist keine Rezession, sondern eine Depression.


      WELT ONLINE: Die amerikanische Federal Reserve (Fed) und andere Notenbanken versuchen, der Wirtschaftskrise mit billigem Geld beizukommen. Die Regierungen haben milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt.
      Hilft uns das aus der Krise?


      Leuschel: Im Gegenteil. Das verschlimmert die Krise, weil es das Vertrauen der Menschen in die Währungen untergräbt.
      Vor allem dass die Fed und neuerdings auch die Bank of England die hochschnellende Staatsverschuldung mit der Notenpresse finanzieren, ist ein verheerendes Signal. Alle reden jetzt von der Gründung einer Bad Bank. Dabei haben wir schon eine "bad bank“, nämlich die FED
      527 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 06:48:07
      Beitrag Nr. 1.110 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.625.016 von Groupier am 20.02.09 22:44:52Guten Morgen,

      ich hoffe, daß ihr gut geschlafen habt und wünsche euch hiermit einen angenehmen Samstag.

      Zu Beginn dies hier:

      Paul Volcker
      Obama-Berater: Krise womöglich schlimmer als in 30er Jahren

      Die Weltwirtschaft durchläuft nach den Worten des obersten Wirtschaftsberaters des US-Präsidenten womöglich eine noch schlimmere Krise als in den 30er Jahren. Barack Obama selbst beteuerte indes seinen Glauben an ein privates Bankensystem.

      HB NEW YORK. „Ich kann mich keiner Zeit entsinnen - möglicherweise nicht einmal während der Weltwirtschaftskrise -, in der sich die Dinge so schnell abwärts entwickelt haben, und so sehr im Gleichschritt rund um die ganze Welt“, sagte am Freitag Paul Volcker, den der neue Staatschef Barack Obama an die Spitze seines persönlichen Teams aus Wirtschaftsberatern berufen hat. Der Kapitalismus werde die Krise aber in den meisten Aspekten überleben.

      Volcker sprach sich für eine größere internationale Angleichung der Bilanzregeln aus, äußerte sich aber skeptisch über eine zügige Reform des Finanzsystems. Er rate angesichts der anhaltenden Dynamik zur Vorsicht bei der Umsetzung neuer Vorgaben, sagte er. Zur Frage einer möglichen Verstaatlichung von US-Banken hielt er sich zurück. Große Finanzinstitutionen müssten immer vom Staat unterstützt werden, versprach der frühere Notenbankchef. Sie sollten aber gleichzeitig auch strenger beaufsichtigt werden.

      Zuvor hatte ein hochrangiger US-Senator hat eine Verstaatlichung von amerikanischen Banken nicht ausgeschlossen. Die Regierung von Präsident Barack Obama wolle diesen Schritt vermeiden, sagte der Vorsitzende des ankenausschusses, Christopher Dodd, am Freitag der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Verstaatlichung einer Bank „kann jedoch geschehen“.

      Ängste vor einem solchen Schritt bescherten den Aktien der US-Großbanken Citigroup und Bank of America den sechsten Tag in Folge starke Verluste. Beide Institute bemühten sich zwar, die Befürchtungen der Anleger zu zerstreuen. Die Titel der Citigroup gaben bis zum Mittag dennoch über 24 Prozent nach, die der Bank of America um über 21 Prozent. Beide Aktienkurse haben im vergangenen Jahr bereits über 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

      Händler werteten die Talfahrt als Anzeichen dafür, dass die Märkte eine Verstaatlichung der Institute als sehr wahrscheinlich betrachten. Das US-Finanzministerium will in den kommenden Wochen bis zu 25 Großbanken einem „Stresstest“ unterziehen, um zu prüfen, welches der Institute weiteres Kapital braucht.

      Die Bank of America erklärte indes, man sehe keine Gründe für die Verstaatlichung einer Bank, die profitabel sowie gut kapitalisiert sei und aktiv Kredite vergebe. Ein Sprecher der Citigroup teilte mit, die Kapitalbasis des Instituts sei „sehr stark“ und die Kernkapitalquote (Tier 1) gehöre zu den höchsten der Branche. Die Bank konzentriere sich weiter darauf, Vermögenswerte und Ausgaben zu reduzieren.

      Die Kreditkartenfirma Redecard bestätigte indes am Freitag Berichte, wonach sich Citigroup teilweise oder vollständig von ihrem 17-Prozent-Anteil an dem brasilianischen Unternehmen trennen will. Kreisen zufolge könnte die angeschlagene Großbank mit dem Verkauf rund 1,3 Mrd. Dollar erlösen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, es werde erwartet, dass die ebenfalls an Redecard beteiligte brasilianische Bank Itau einen Teil der Citigroup-Anteile übernehmen werde.

      US-Präsident Barack Obama versuchte, die Angst vor Verstaatlichungen zu zerstreuen. „Lassen Sie mich so gut wie ich nur kann versichern: Diese Regierung ist weiterhin fest davon überzeugt, dass ein privates Bankensystem der richtige Weg ist“, sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs am Freitag in Washington. „Das ist unsere Überzeugung seit einiger Zeit und wir bleiben dabei.“

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/obama-b…
      6 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 07:02:53
      Beitrag Nr. 1.111 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.606.300 von Maraho am 18.02.09 20:25:18Um dieses weiterzuverfolgen....

      Über die trickreiche Unterbewertung hoher Wertpapierrisiken und Frau Merkels Blankoscheck (Teil VIII Finanzkrise)
      Verantwortlich: Albrecht Müller

      Die Bundeskanzlerin begründet ihre immer wieder neue Bereitschaft zur Rettung von Banken wie der HRE mit Milliarden von uns Steuerzahlern damit, die Banken seien so genannte systemische Banken und wir hätten uns international dazu verpflichtet, keine Bank mehr eingehen zu lassen, wie das bei Lehman Brothers geschehen ist. In den deutschen Medien werden ihr und der Bundesregierung insgesamt diese Argumente bisher mehrheitlich abgenommen. M.E. sind aber erhebliche Zweifel angesagt. Im Falle der HRE hätte man in Kenntnis des gesamten Risikos den Weg in die Insolvenz beschreiten müssen. Vermutlich ist das immer noch sinnvoller und um vieles billiger als die weitere Bereitschaft, Unsummen zu zahlen. Meine Zweifel sind durch Meldungen über die wahren Risiken im europäischen Bankensystem und durch ein Gespräch mit einem alten Bekannten und Experten der Bankenpraxis bestätigt worden. Albrecht Müller

      Vorweg: Die Meinung, es wäre besser gewesen, eine Bank wie die HRE eingehen zu lassen, ist nicht leichtfertig formuliert. Die dortigen Risiken sind mit über 102 Milliarden staatlicher Hilfe inzwischen quantitativ in einem Bereich, der den Vorgang auch qualitativ anders erscheinen lässt. Mit diesem Geld hätte man die Einlagen schützenswerter Anleger auch bei einer Insolvenz sicherstellen können. Die Öffentlichkeit ist zudem scheibchenweise mit den hohen Risiken bekannt gemacht worden. Bei der HRE wie auch bei anderen Banken haben die Insider und auch die Führung der Banken die Risiken gekannt. Sowohl die alte und wie auch die neue von der Deutschen Bank gestellte Führung der HRE musste sie kennen. Auch die Risiken bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank haben die Fachleute gekannt. Wenn die verantwortlichen Politiker sich etwas haben vormachen lassen, dann ist das ihre Schuld.
      Der Hinweis der Bundeskanzlerin auf die internationalen Verpflichtungen ist nicht sehr tragfähig, weil international vermutlich sowieso alles noch ins Rutschen gerät. Damit bin ich bei der ersten Information. Sie stammt vom Daily Telegraph, siehe Anlage B. Es geht dabei um einen alarmierenden Bericht über ein Papier aus Brüssel.
      Der Bericht im Daily Telegraf wurde leider, vermutlich auf Druck von außerhalb, von einigen wichtigen Daten befreit. Der österreichische Standard hat allerdings auf der Basis der ursprünglichen Meldung einen Bericht verfasst. Auszüge siehe Anlage A.

      Der Standard schreibt:

      18,2 Billionen Euro faule Vermögenswerte
      Laut einem Papier der EU-Kommission sind derzeit rund 44 Prozent aller Vermögenswerte der europäischen Banken “faul” oder unverkäuflich.

      Das sind unglaubliche Meldungen. Die Beträge und die daraus folgenden Gefahren beunruhigen zutiefst.
      Wenn man sich nach den Hintergründen erkundigt, dann erfährt man, wenn man Glück hat, dass die Vermögenswerte im Finanzsektor mit vielerlei Tricks überbewertet wurden. Beim Gespräch mit einem alten Banker mit Bewertungserfahrung habe ich folgendes erfahren, wobei anzumerken ist, dass dieser Bericht mit Sicherheit nicht das gesamte Desaster erklärt sondern einen Teilaspekt, wenn auch einen wichtigen:

      Die Gelder von Versicherern und Rückversicherern und auch die Einlagen von Banken werden von Vermögens-Management-Gesellschaften angelegt. Die Vermögens-Manager, in Englisch: Asset-Manager, bewegen Milliarden und legen diese Milliarden in allen Formen von Wertpapieren an. Sowohl in ganz normalen Aktien, als auch in strukturierten Produkten, also Finanzderivaten.
      Für die Jahresabschlüsse der verschiedenen Gesellschaften, für das Investment Accounting, müssen diese Wertpapiere bewertet werden. Nach deutschen und nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften. Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) gilt das Niederstwertprinzip. Im Anlagevermögen das gemilderte Niederstwertprinzip, im Umlaufvermögen das strenge Niederstwertprinzip.
      Dieses Prinzip hätte eigentlich dazu führen müssen, dass die zum Umlaufvermögen gehörenden Wertpapier-Bestände nach dem strengen Niederstwertprinzip angesetzt werden. Wenn das geschehen wäre, dann hätten die Versicherungsgesellschaften und die Banken vermutlich schon sehr viel früher beachtliche Verluste melden müssen. Da ist es aus Sicht der Versicherungen und Banker gut, Tricks anzuwenden:

      Trick 1:
      Wertpapiere werden umklassifiziert von Umlaufvermögen zu Anlagevermögen. Die baldige Verkaufsabsicht wurde einfach aufgegeben. Somit gehörten die Wertpapiere nicht mehr zum Handelsbestand (Umlaufvermögen). Stattdessen wollte (so die scheinheilige Argumentation) die Versicherung diese Wertpapiere nun dauerhaft halten (zumindest, bis sich vielleicht der Wert wieder etwas erholt hat).
      Im Umlaufvermögen hätten die Wertpapiere auf den Zeitwert zum Stichtag des Jahresabschlusses abgeschrieben werden müssen, die Verluste also realisiert werden müssen.

      Im Anlagevermögen gilt wie schon gesagt das gemilderte Niederstwertprinzip. Auf den Zeitwert ist nur abzuschreiben, wenn davon auszugehen ist, dass die Wertminderung dauerhaft ist. Das sollte sie natürlich nicht sein, denn man hoffte ja, dass die Kurse sich wieder erholen (auch bei Junk-Bonds).

      Trick 2 bezog sich auf den internationalen Abschluss nach IFRS. Dort gibt es die Unterscheidung nach HGB nicht, sondern eine einheitliche Auslegung für Finanzinstrumente jeglicher Art. Diese müssen immer mit dem Zeitwert angesetzt werden. Dort sprang das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) mit einem Positionspapier [PDF - 80 KB] zu Hilfe. Aufgrund der Subprime-Krise liege einfach kein aktiver Markt für die Schrottpapiere vor. Die Kurse lagen zwar am Boden, aber zu diesen Kursen wollte natürlich niemand verkaufen. Also kein aktiver Markt. Somit keine Abschreibung, vereinfacht ausgedrückt.

      Die großen Wertberichtigungen sehen wir jetzt in den Jahresabschlüssen des Jahres 2008. Nach und nach melden die Banken und Versicherungen riesige Verluste für das vierte Quartal 2008. Eigentlich hätte das schon früher erfolgen müssen. Und ob wir nun das ganze Ausmaß bereits zu sehen bekommen, oder ob in Salamitaktik in 2009 und 2010 noch weitere Verluste folgen, wagt mein Konfident momentan nicht abzusehen. Er vermutet aber, es werden immer nur so viele Verluste gezeigt, wie Steinbrück gerade zum Ausgleich locker machen kann.
      Übrigens: Die Bundesregierung hat mit einer Gesetzesänderung für die Banken letzen Sommer noch dafür gesorgt, dass kein Banker den Gang zum Insolvenzgericht gehen muss.

      Die Tricks, die unrealistische Höherbewertung von riskanten Papieren hatte noch den angenehmen Nebeneffekt für die Banker und Versicherungsmanager, dass sie hohe Gewinne ausweisen konnten und sich Boni und sonstige Vergütungen auszahlen konnten. Diese gründeten zwar auf einer trickreichen Fehlbewertung der Vermögensbestände auf der Aktivseite der Bilanz, aber das macht ja nichts, solange man selbst von diesen Tricks profitiert.
      Wenn man das mal verstanden hat, dann begreift man auch, wie unverschämt das Beharren der Investmentbanker auf der Auszahlung solcher Boni in den vergangenen Jahren ist. Sie haben Einkommen aus Gewinnen bezogen, die auf viel zu hohen Bewertungen des Anlagevermögens gründeten.

      Anlage A:

      Auszug aus einem Artikel des österreichischen „Standard“ vom 17. Februar 2009
      18,2 Billionen Euro faule Vermögenswerte
      Laut einem Papier der EU-Kommission sind derzeit rund 44 Prozent aller Vermögenswerte der europäischen Banken “faul” oder unverkäuflich
      Quelle: Der Standard

      London - Die europäischen Banken sitzen derzeit auf 16,3 Billionen Pfund (18,2 Billionen Euro) unverkäuflicher Wertpapiere, geht aus einem Papier der EU-Kommission hervor, auf das sich die britische Tageszeitung “Daily Telegraph” beruft. Demnach seien derzeit rund 44 Prozent aller Vermögenswerte der europäischen Banken “faul” oder unverkäuflich und könnten für das EU-weite Bankensystem ein “systemisches” Risiko bedeuteten . Die EU-Finanzminister sollen am Donnerstag bereits über das 17-seitige “streng geheime” Papier beraten haben.

      “Schätzungen über die gesamten zu erwartenden Abschreibungen lassen erwarten, dass die budgetären Kosten für die Finanzhilfen - derzeit und geplant - sehr groß sein könnten - sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum BIP der Mitgliedsstaaten”, heißt es im EU-Dokument laut Zeitung. “Es ist essenziell, dass die Staatshilfen nicht in einer Größenordnung stattfinden, die Sorgen über eine Überschuldung oder Finanzierungsprobleme hervorrufen”, heißt es weiter.

      Neuerliche Bankenhilfspakete

      Staatschefs und EU-Vertreter würden die Befürchtung teilen, dass neuerliche staatliche Bankenhilfspakete die Staatsverschuldung gerade zu einem Zeitpunkt weiter in die Höhe schrauben, zu dem Kreditgeber sich vermehrt darüber Sorgen machten, ob Länder wie Spanien, Griechenland, Portugal, Irland oder Großbritannien ihre Schulden zurückzahlen können, schreibt die Zeitung.

      “Für einige Mitgliedsstaaten dürften Bankenhilfspakete aufgrund ihrer Budgetprobleme oder auch der hohen Bilanzsumme der Banken im Verhältnis zum BIP keine Option mehr sein”, zitierte die Zeitung aus dem Bericht. Konkreten Staaten oder Banken werden nicht genannt, die Zeitung erwähnt in diese Zusammenhang unter anderem auch Österreich, die Niederlande, Belgien, Großbritannien, Irland, Schweden, Luxemburg aber auch das Nicht-EU-Mitglied Schweiz. Alle diese Länder hätten im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftskraft einen übergroßen Bankensektor.

      Streng geheim

      Die Bilanzsumme der europäischen Banken beziffert das Blatt mit 41,2 Billionen Euro. Die britische Zeitung nahm nach der Veröffentlichung von Auszügen des als “streng geheim” eingestuften Papiers im Internet offenbar auf Druck einige Zahlen aus dem Text wieder heraus.

      Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hätten die internationalen Banken bis Anfang Februar 2009 bereits Abschreibungen in Höhe von 2,2 Billionen Dollar vorgenommen, berichtete die Zeitung. Demgegenüber stehen allein 1,6 Billionen Dollar an Forderungen der europäischen Banken in Osteuropa gegenüber, was zunehmend als das “EU-Subprime-Debakel” gewertet wird. Die Unternehmen in der EU seien gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU-Staaten zu 95 Prozent verschuldet, während in den USA dieser Anteil bei 50 Prozent liegt.

      Zwar würden laut dem IWF das faule Forderungsvolumen der europäischen Banken 75 Prozent jener der US-Banken ausmachen, allerdings würden die Banken die Abschreibungen wesentlich langsamer vornehmen, wird kritisiert. So habe es in den USA bisher 738 Mrd. Dollar an Abschreibungen gegeben, “während es in der EU nur 294 Mrd. Euro waren”.

      Subventionswettbewerb

      Das Papier sieht außerdem die Gefahr eines Subventionswettbewerbs unter den EU-Staaten, sollten die Mitgliedstaaten einander untergraben, indem sie die besonders gefährdeten Forderungen in sogenannten “Bad Banks” auslagern. Dies könnte den EU-Binnenmarkt unterminieren, schreibt die Zeitung. Als weitere Folge wird auch eine Explosion der Budgetdefizite befürchtet. So rechnet man etwa in Irland für 2010 mit einem Budgetdefizit von 12 Prozent, während die Haushaltsdefizite fast 10 Prozent betragen dürften. Bisher haben die EU-Staaten mit Garantien und Konjunkturpaketen im Ausmaß von 2,7 Billionen Euro ihren Volkswirtschaften unter die Arme geholfen. (APA)

      Anlage B

      Das Folgende ist der Artikel aus dem Daily Telegraph, der die Basis des Artikels in österreichischem Standard war:

      European bank bail-out could push EU into crisis
      A bail-out of the toxic assets held by European banks’ could plunge the European Union into crisis, according to a cBy Bruno Waterfield in Brussels
      Last Updated: 3:50PM GMT 11 Feb 2009 confidential Brussels document.
      Quelle: Telegraph.co.uk

      Quelle und die Links: http://www.nachdenkseiten.de/?p=3786#more-3786 …
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      Avatar
      schrieb am 21.02.09 07:14:13
      Beitrag Nr. 1.112 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.610.883 von Maraho am 19.02.09 13:36:19Intereressante Themen, die vermehrt "auftauchen".
      Wie zum Beispiel dieses hier (weiterführend in Bezug)......


      Deutsche legen keine Vorräte an
      Bundesregierung rät zum Hamstern

      Die Vorratshaushaltung ist aus der Mode gekommen. Dennoch empfiehlt die Bundesregierung, stets für zwei Wochen genügend Essen im Haus zu haben. VON HANNA GERSMANN


      "Auf Nummer sicher gehen Sie mit folgendem Vorrat (pro Person für ein Jahr): 170 kg Weizen oder anderes Getreide im ganzen Korn, 45 kg Zucker oder Honig (Zucker hält jahrzehntelang, Honig ist unbegrenzt lagerfähig), 45kg Magermilchpulver (Haltbarkeit wird meist mit 2 Jahren angegeben, in Wirklichkeit kann man es weitaus länger lagern), 6 kg Salz (trocken unbegrenzt haltbar)." … "Wenn Sie keinen Bauernhof besitzen oder keinen pachten können, sollten Sie sich mit einigen Bauern anfreunden und somit stabile Kontakte zu Lebensmittelerzeugern aufbauen." … "Pachten Sie einen Schrebergarten" … "Kaufen Sie sich einen Brotbackautomaten." ( http://www.krisenvorsorge.com/)

      Herbst letzten Jahres: Die Isländer stürmen die Supermärkte. Sie decken sich mit Milch und Obst ein. Soeben sind ihre drei größten Kreditinstitute zusammengebrochen. Winter 2009: Deutsche Banken brauchen Staatshilfe, einst erfolgsverwöhnte Automobilkonzerne schicken ihre Leute in die Kurzarbeit. Die Deutschen hamstern nicht. Sie legen wenig Vorräte an. Zu wenig, meint die Bundesregierung.

      Die Beamten im Hause von CSU-Verbraucherministerin Ilse Aigner klagen: "Über mögliche Versorgungsengpässe macht sich kaum noch jemand Gedanken." Ihr Tipp heißt: immer "gut gewappnet zu sein für den Fall der Fälle".

      Sie empfehlen jedem, stets einen Vorrat für 14 Tage im Haus zu haben.
      Aber wer will schon Dosengemüse horten? Zumal viele gar keinen Keller und keine Speisekammer besitzen. Und die Zeiten, in denen Hausfrauen im Sommer Erbsen, Bohnen, Pflaumen einkochten, damit es auch im Winter etwas zu essen gab, sind lange vorbei. So stößt man auch nur zufällig auf die praktische Lebenshilfe der Regierungsbeamten. In den 1960er-Jahren war das - zumindest in Westdeutschland - noch anders.

      Die Bundesregierung wollte ein Land voller Hamster oder besser gesagt: eine Eichhörnchenrepublik. "Aktion Eichhörnchen: Denke dran, schaffe Vorrat ran" - so rief sie die Haushalte Anfang der 1960er-Jahre auf. Bürger bekamen Broschüren in die Hand gedrückt mit Einkaufslisten für eine 14-Tage-Ration: Mehl, Pumpernickel, Schmalzfleisch. Mehrere Jahre ging das so. Es war Kubakrise, Kalter Krieg. Für die Eichhörnchenwerbung spendierte die Regierung jedes Jahre bis zu 1,5 Millionen D-Mark. Die DDR sparte sich solche Aufrufe.

      Ende der 60er-Jahre galt Hamstern und Horten im Westen dann "als lächerlich", meint der Göttinger Psychologe und Panikforscher Borwin Bandelow. Menschen im Norden neigten allerdings eher zum Vorräteanlegen als jene, die im Süden leben. Bandelow erklärt: "Als die Menschen nach Norden wanderten, mussten sie mit der monatelangen Kälte zurechtkommen." Sie fürchteten zu verhungern.

      Angst? Die hatten viele, als der Atomreaktor in Tschernobyl in die Luft flog. H-Milch verkaufte sich damals gut. Medikamente wurden knapp, als die Vogelgrippe drohte. Zurzeit gibt es keine leeren Regale. "Die Finanzkrise sehen die meisten derzeit nicht als ihr Problem an", meint Bandelow - "noch nicht".

      http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/bundesre…
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      Avatar
      schrieb am 21.02.09 07:25:42
      Beitrag Nr. 1.113 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.623.054 von Maraho am 20.02.09 18:43:46Auch nicht erfreulich....

      Experten befürchten bis zu 700 000 Arbeitslose mehr in 2009

      Berlin (dpa) - Wirtschaftsexperten rechnen wegen der Wirtschaftskrise vom Sommer an mit Entlassungen und einem drastischen Anstieg der Erwerbslosenzahlen. Der Konjunkturchef des Münchner Ifo- Instituts, Kai Carstensen, sagte «Bild.de», derzeit wolle jedes dritte Industrieunternehmen Stellen abbauen. Carstensen erklärte, auch die Kurzarbeit werde für viele Firmen dauerhaft zu teuer. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Wirtschaftsexperte mit einem Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um bis zu 700 000.

      © Die Welt
      erschienen am 21.02.2009 um 04:51 Uhr
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 07:27:55
      Beitrag Nr. 1.114 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.625.466 von Maraho am 21.02.09 07:25:42Auch ein Indikator...

      Kurzarbeit bei der Güterbahn


      Berlin (dpa) - Kurzarbeit bei der Deutschen Bahn: Betroffen sind vom 1. März an Beschäftigte der Güterbahn, wie eine Unternehmenssprecherin in Berlin sagte. Sie bestätigte damit einen Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Danach könnten bis zu 5000 von insgesamt 28 000 Mitarbeitern auf Kurzarbeit gehen. Diese Zahl bestätigte die Bahn aber nicht. Der Aufträge für die Güterbahn gehen seit Oktober verstärkt zurück. Bereits im Dezember hatte die Bahn rund elf Prozent ihrer Güterwaggons stillgelegt.

      © Die Welt
      erschienen am 21.02.2009 um 06:10 Uhr
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 07:33:35
      Beitrag Nr. 1.115 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.625.016 von Groupier am 20.02.09 22:44:52@ Groupier: http://www.welt.de/wirtschaft/article3241460/Boersenguru-s… ;)
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 07:42:19
      Beitrag Nr. 1.116 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.615.309 von Maraho am 19.02.09 21:12:04Betrifft: Bankgeheimnis

      Gericht
      UBS-Konten bleiben vorerst geheim

      Das höchste Schweizer Gericht hat die Herausgabe von Bankunterlagen der UBS an US-Behörden verboten. Mit dieser einstweiligen Verfügung erzielten acht Kontoinhaber einen Teilerfolg. Sie und tausende andere Kunden werden der Steuerhinterziehung verdächtigt.


      Bern - Das Bundesverwaltungsgericht in der Schweiz hat am Freitag die Herausgabe von Bankunterlagen oder Dokumenten der Großbank UBS an die US-Behörden per einstweiliger Verfügung vorerst untersagt. Das geht aus einem Beschluss des Gerichts hervor, der am Abend per Fax an beschwerdeführende Kontoinhaber sowie an die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) zugestellt wurde.

      Die Verfügung des Gerichts bezieht sich sowohl auf die im Rahmen einer Einigung zwischen der Großbank UBS und den US-Steuerbehörden angesprochenen Daten von bis zu 300 US-Kunden als auch die neuen Daten von 52.000 weiteren Konten bei der Schweizer Bank.

      Die acht Beschwerdeführer hatten eine Verfügung der Finma zur Herausgabe der Dokumente beim Bundesverwaltungsgericht angefochten. Sie machten geltend, dass die Verfügung der Finma das Ergebnis des Verfahrens vorwegnehme und gravierendste Auswirkungen für sie habe.

      Außerdem stütze sich die Verfügung der Finma nicht auf eine genügende gesetzliche Grundlage. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun die Finma aufgefordert, bis zum kommenden Dienstag zu den Anträgen der beschwerdeführenden Parteien Stellung zu nehmen.

      Im Steuerstreit mit der amerikanischen Justiz hatte sich die UBS auf Druck der USA am Mittwoch bereiterklärt, das Bankgeheimnis etwas zu lockern und außerdem 780 Millionen Dollar (614 Millionen Euro) Strafe zu zahlen. Die Bank wurde beschuldigt, rund 17.000 Kunden in den USA bei der Steuerhinterziehung im Umfang von 20 Milliarden Dollar geholfen zu haben. Mit dem Vergleich habe eine unmittelbar drohende Anklage der Bank in den USA vermieden werden können, betonte die Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2…
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      Avatar
      schrieb am 21.02.09 08:05:14
      Beitrag Nr. 1.117 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.580.378 von Maraho am 14.02.09 17:23:00Bevor ich mich nun zum Frühstück begebe, noch dies für diejenigen,
      die es interessiert....
      (.... und da wir alle uns hierin bewegen....)


      Im Gespräch: Netzkritiker Andrew Keen
      Was das Internet weiß, ist meist banal

      In seinem Buch „Die Stunde der Stümper“ hat Andrew Keen das Internet als Ort der Amateure kritisiert - und wurde dafür selbst scharf angegangen. Der Brite sieht eine politische Korrektheit am Werk, die einen technischen Fortschritt bejubelt, dem bald die Kultur zum Opfer fallen könnte.

      Herr Keen, vor zwei Jahren ist Ihre Internetkritik „The Cult of the Amateur“ auf Englisch erschienen, jetzt kam es als „Die Stunde der Stümper“ auch in Deutschland heraus. Bei einem Medium, das sich so rasant verändert wie das Internet, ist das eine Ewigkeit.

      Ja, und die Lage ist ernster als je zuvor. Wir könnten bald Zeuge einer dramatischen Entwicklung werden. Etablierte Zeitungen werden verschwinden. Andere wird es nur noch als Online-Ausgabe geben oder auf Lesegeräten, wie sie die britische Firma Plastic Logic demnächst in Dresden produzieren will.Auch die Literaturindustrie steht vor einer riesigen Herausforderung durch die Internetkultur. Für die Ära der Massenunterhaltung, für Hollywood, könnte sie gar das Ende bedeuten.

      Ihr Buch trägt auf Deutsch den Untertitel „Wie wir im Internet unsere Kultur zerstören“. Was meinen Sie damit?

      Der Untertitel hat mir Kopfschmerzen bereitet. Die Gedanken dahinter sind komplexer, weil die Phänomene des Internets natürlich ohne gesellschaftliche Phänomene nicht denkbar wären. Die bedrohte Kultur, von der ich rede, ist jene Kultur, die wir den Schriftstellern, Filmemachern, Musikern und Journalisten verdanken. Natürlich wird es immer kreatives Arbeiten geben. Aber in welcher professionellen Form und in welcher beständigen Qualität, das ist die Frage.

      Für Sie ist das auch eine Frage der Zukunft unserer Demokratie.

      Was der Umgang der Politik mit dem Internet bedeutet, wird sich das erst noch herausstellen – denken Sie nur an Obama, der sich ja während des Wahlkampfs stark der Internet-Technologien bediente. Was mir vorerst Sorgen bereitet, ist die Demokratisierung der Kultur, die Amateurisierung der Kultur. Zum einen hat der von Amateuren ins Netz gestellte Inhalt per Definition nicht die Qualität dessen, was Profis machen. Dafür fehlt ihnen meistens die Ausbildung, die Praxis und die Zeit. Zum anderen entzieht all das – die Gratis-Kultur und die des Raubkopierens inbegriffen – dem Spezialistentum die wirtschaftliche Grundlage, zumal es schwer ist, geistiges Eigentum im Internet zu schützen. Gegen den technischen Fortschritt und neue Verbreitungswege ist auch nichts einzuwenden. Ich kann mir ein Leben ohne die neuen Technologien nicht mehr vorstellen. Nur wird es immer schwieriger, Inhalte zu verkaufen und von diesen Produkten zu leben. Es schlägt eben „Die Stunde der Stümper“ – den deutschen Titel meines Buchs finde ich etwas besser als den englischen.

      Dabei wäre auch Ihr Buch kaum ohne die Recherche im Internet entstanden. Wikipedia hat doch bei aller Kritik sinnvolle Seiten.

      Ja, Wikipedia kann nützlich sein, wenn man sich seinen Artikeln kritisch nähert. Das Problem ist, dass sich viele Nutzer, besonders Jugendliche, blindlings darauf verlassen. Wir müssen ihren kritischen Blick schärfen, ihre Medien-kompetenz.

      Brandneu sind Ihre Thesen schon lange nicht mehr. Sie werden vorgebracht, seit es das Internet gibt.

      Ich behaupte gar nicht, dass ich die Thesen erfunden hätte. Aber ich kann durchaus sagen, mit meinem Buch eine außerordentliche Debatte darüber angestoßen zu haben. Ich war selbst früher als Unternehmer vom Internet begeistert (Keen gründete 1995 im Silicon Valley das Start-up-Unternehmen Audiocafe, das im Jahr 2000 Konkurs anmelden musste, Anm. d. Red.). Mit meinem Buch habe ich es gewagt, mich gegen die „Political Correctness“ jener fortschrittsgläubigen Internetutopisten zu stellen, die jede Art von Diskussion zu unterbinden versucht. Es ist bewusst als Polemik konzipiert. Ich war der Erste, der rief: Der Kaiser ist nackt!

      Was waren die Reaktionen?

      Die Verlage, die Musik- und die Filmindustrie ermutigten mich zu dem Buch. Die Utopisten waren regelrecht erschrocken, dass ich ihre ideologische, ja orthodoxe Haltung kritisierte. Wie kann jemand etwas angreifen, was sie als Ausdruck eines besonders demokratischen, freiheitlichen Aufbruchs erachten? Sie attackierten mich scharf, als wäre ich der Antichrist. Darüber gingen auch Freundschaften zu Bruch.

      Sie selbst stilisieren sich zum einsamen Rufer in der Wüste.

      Es gibt genug Kulturschaffende, die meine Sorgen teilen. Sprechen Sie einmal mit Lehrern über das, was deren Schüler unter geistigem Eigentum verstehen. Oder mit Larry Sanger, einem der Wikipedia-Gründer, der dem „Kult um den Amateur“ ebenfalls längst kritisch gegenübersteht. Oder schauen Sie auf die Bestürzung, die der Aufstieg von Sarah Palin im amerikanischen Wahlkampf auslöste. Der ist ohne einen „Kult um den Amateur“, den es ja nicht nur im Web gibt, undenkbar.

      Die Kritiker, allen voran die Blogger, beeindruckt das wenig.

      Unter meinen Kritikern stechen interessanterweise zwei Gruppen heraus: die Jungen, die mit den Internettechnologien aufwachsen und mir regelrecht feindselig gesinnt sind. Und die Amerikaner, die meine Kritik an der Fortschritts- und Technologiegläubigkeit – die Kritik eines Briten wohlgemerkt – als Angriff auf ihre Kultur verstehen. In Deutschland und Skandinavien hingegen treffe ich eher auf Zustimmung.

      Das dürfte wohl an den unterschiedlichen Idealen liegen, die wir beim Begriff „freier Markt“ im Kopf haben.

      Im Internet können wir beobachten, was wir auch an den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten beobachten konnten: Niemand hat mehr einen Überblick. Aber jeder ist zum Risiko bereit. Und flüchtet sich, wenn es hart auf hart kommt, in die Anonymität, anstatt Verantwortung zu übernehmen.

      In Debatten haben Sie die politische Kultur im Internet mit jener des Kommunismus verglichen und Propaganda-Instrumente ausgemacht, die einem Goebbels gefallen hätten.

      Das Internet ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Wir müssen wieder zu einer Kultur der Verantwortung finden.

      Verantwortungsbewusstsein lässt sich nicht verordnen.

      Nein, aber als Betreiber von Blogs, Foren und Online-Plattformen kann ich von meinen Nutzern die Abkehr von der Anonymität einfordern, bei Zeitungen zum Beispiel, deren Artikel im Netz kommentiert werden können. Lehrer und Eltern können den Sinn für diese Dinge, die Medienkompetenz und den Respekt für Leistungen anderer schärfen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut. Aber für Meinungen muss man auch Verantwortung übernehmen und zur Verantwortung gezogen werden können. Zumindest im Westen.

      Auch wenn man gegen die Anonymisierung angeht, wird das gegen den „Kult um den Amateur“ kaum ankommen.

      Die Kultur, die ich meine, muss endlich einen großen Schritt hin zum Internet wagen. Sie kann nicht länger darauf warten, dass sich ein Geschäftsmodell für die Zukunft von allein entwickelt. Sie sollte den Mut haben, dem „Kult um den Amateur“ zu widerstehen. Sie muss den Leuten klarmachen, was auf dem Spiel steht: eine professionelle, verlässliche und unabhängige Presse beispielsweise. Das wäre, wenn Sie so wollen, der Weg zur konstruktiven Überwindung des Web 2.0, wie wir es heute kennen. Die Musikindustrie beginnt vielleicht schon zu verstehen, gegen die neue Kultur nur ankommen zu können, indem sie sich ihr zuwendet. Und findet zu ihren Wurzeln und Stärken zurück: zum Live-Erlebnis.

      Untätig ist die Kultur- und Medienindustrie in Sachen Internet ja nicht gerade. Und es ist auch nicht so, als gäbe es nicht weiterhin das Bedürfnis nach Qualität. Im Fernsehen lässt sich der „Kult um den Amateur“ ebenfalls verfolgen, bei den Superstar- oder Modelwettbewerben zum Beispiel: Ist nicht das, was Sie beobachten, eher ein Zeit- und Übergangsphänomen?

      Es gibt viele Leute, die eine Wissensgesellschaft prophezeien. Der Großteil des sogenannten „Wissens“ im Internet aber ist banal und wenig verlässlich. Ich hoffe sehr, dass die „knowledge economy“ die Experten sucht – das wäre dann das Web der Generation 3.0. Garantien dafür aber gibt es nicht. In einem Internet, in dem es an jenen mangelt, die Fakten überprüfen und Qualität kontrollieren, gibt es keine Garantie für die Zukunft hochwertiger Bücher und Zeitungen.
      Die Fragen stellte Matthias Hannemann.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60…

      Bis später....
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 10:08:40
      Beitrag Nr. 1.118 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.625.476 von Maraho am 21.02.09 07:42:19Auf die Schnelle...
      ...etwas zur Geschichte des Bankgeheimnisses der Schweiz...


      Der grosse Ba-Ba-Ba-Bankgeheimnisüberfall
      Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert vor 46 Minuten

      Seit Jahrzehnten führen die listigen Schweizer eine Abwehrschlacht gegen die Knacker des Bankgeheimnisses. Denn sie wissen: Das Böse ist immer und überall.


      Alles scheint wie eh und je zum 75. Geburtstag des Bankgeheimnisses. Europa poltert. Vorerst ohne Folgen. Die weitaus gefährlicheren USA machen Druck. Mit Erfolg. Helvetien regt sich auf. Und ein Journalist fragt den obersten Wächter über das Nationalheiligtum: «Der deutsche Finanzminister sagt, in einem Jahr sei das Bankgeheimnis Geschichte. Was sagen Sie dazu?» Der Bundespräsident antwortet: «Dass er ein guter Finanzminister, aber vielleicht ein schlechter Historiker ist.» Als früherer UBS-Angesteller weiss Hans-Rudolf Merz: Die Geschichte des Bankgeheimnisses ist eine Geschichte von Abwehrkämpfen. Hitler, Franco, Bonn, erneut Berlin, Brüssel versuchten die Bestimmung wenigstens in ihrem Machtbereich auszuhebeln. Ihr Ertrag hält sich in Grenzen.

      Geschickter stellen sich seit je die Amerikaner an, von Truman über Nixon bis Obama. Just zum Jubiläum des bekanntesten, umstrittensten und skandalträchtigsten Schweizer Gesetzespassus starteten die USA den bislang erfolgversprechendsten Bankgeheimnisüberfall. Kundennamen oder Leben!, heissen die ultimativen Alternativen der amerikanischen Staatsanwälte und Fiskalbehörden. UBS und Finanzmarktaufsicht ritzen unter Hochdruck und im Popularitätstief das Bankgeheimnis. «Kapitulation im Steuerstreit mit den USA», titelt die «Neue Zürcher Zeitung», die publizistische Hüterin des Bankgeheimnisses. «In der verschwiegenen Welt des Schweizer Banking passiert das Undenkbare», schreibt die «New York Times», «Geheimnisse sprudeln ans Licht.» Das «Wallstreet Journal» spricht von einem «bedeutenden Bruch».

      Achse des Bösen als Kundschaft?

      Es droht das Ende des Bankgeheimnisses, 75 Jahre nach der mit Legenden umrankten Entstehung. Bis heute tischen Bankiers und Politiker gerne die Mär auf, das Bankgeheimnis sei 1934 zum Schutz verfolgter Juden entstanden. Es war ganz anders, es war ähnlich wie heute: Mit dem Börsencrash von 1929 war die Schweizerische Volksbank in Schieflage geraten. Der Bund schoss 1933 in einer Rettungsaktion 100 Millionen Franken ein, ein Viertel seiner jährlichen Mittel.

      Vor diesem Schock hatten sich die Grossbanken mit Zähnen und Klauen gegen staatliche Eingriffe in ihr Geschäft gewehrt. Nach der Finanzspritze gaben sie ihren Widerstand gegen das geplante Bankengesetz auf. Artikel 47 war ein Zückerchen für die Finanzinstitute, denen in der Zwischenkriegszeit französische und deutsche Spione das Geschäften schwer machten. An einem Oktobertag 1932 verhafteten Gendarmen in einem schicken Appartement in der Nähe der Champs-Elysées zwei hohe Vertreter der Basler Handelsbank. Die Fahnder beschlagnahmten ein Verzeichnis von zweitausend französischen Kunden. Unter den Steuerhinterziehern: drei Abgeordnete, zwei Bischöfe, mehrere Generäle, die Industriellenfamilie Peugeot, der Verleger des «Figaro» sowie ein Ex-Minister. Der Direktor und der Vizedirektor aus der Schweiz verbrachten zwei Monate hinter Gittern. Im Jahr nach ihrer Entlassung verabschiedeten National- und Ständerat das Bankengesetz. Ohne Gegenstimme.

      In den Augen der Welt profitierte seither eine historische Achse des Bösen von der darin verlangten Verschwiegenheit der Bankiers. Zuerst die Nazis, dann die Sowjets und Konsorten, immer wieder organisierte Kriminelle, Unterdrücker der Dritten Welt, al-Qaida und nun der neueste globale böse Feind: die Schuldigen an der neuen Weltwirtschaftskrise. Verbürgt sind die wenigsten dieser Kundenbeziehungen.

      «Wir brauchen Freunde in der Welt»

      Von den Exponenten des NS-Regimes waren auf einer nachträglichen Zusammenstellung eines helvetischen Spitzendiplomaten unter anderem Hitlers Vizekanzler Franz von Papen «mit einigen Säcken holländischen Goldes» und ein Vermögen des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht verzeichnet. Angesichts solcher Namen war das Bankgeheimnis nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals nicht mehr sakrosankt. Die Sieger machten Druck. Eine Schweizer Delegation versprach in Washington, eine Übersicht über deutsche Gelder und Firmen zu liefern und 250 Millionen Franken zu überweisen. Nationalratspräsident Robert Grimm, Berner Sozialdemokrat und einstiger Generalstreikführer, analysierte den Deal so: «Roh ausgedrückt, wäre man versucht zu sagen: Macht stand gegen Recht und Recht gegen Macht.» Ein liberaler Parlamentarier ortete einen «Rechtsbruch in mehrfacher Hinsicht», ein anderer sprach von einem «Diktat» und von der «Aushändigung eines Lösegeldes». Rhetorisch war für die nächsten Jahrzehnte vorgespurt. Für den Pragmatismus gegenüber den USA auch. «Wir brauchen Freunde in der Welt», erklärte Bundesrat Petitpierre. «Donquijotismus können wir uns nicht leisten.»

      Apropos Don Quijote: Zum ersten grossen Skandal rund um das Bankgeheimnis kam es 1958 in Spanien. Die Geheimpolizei des Diktators Francisco Franco war in den Besitz einer Liste mit Konten von Landsleuten bei Schweizer Banken gelangt. Zahlreiche Kunden wurden verhaftet, verhört und auch gefoltert.

      Im selben Jahr lancierten die USA den ersten ernsthaften Angriff auf das Bankgeheimnis. Der amerikanische Botschafter in Bern bezichtigte die Schweiz via «New York Times» der Kollaboration mit der UdSSR. «Es gibt Gründe zur Annahme», schrieb er, «dass die Kommunisten aus der Schweiz heraus ihre Provokateure, Spione und Schmuggel-Agenten finanzieren.»

      James Bond hatte keine Chance

      Beweise blieben aus, die schweizerische Empörung nicht. Unter Druck der Weltmacht willigte die Eidgenossenschaft jedoch kurz darauf ein, das Bankgeheimnis für Nazi-Opfer eingeschränkt aufzuheben. 1962 führte sie eine Meldepflicht für herrenlose Vermögen aus dem Zweiten Weltkriegs ein. Bern versprach, es handle sich um ein einmaliges Vorgehen, was sich als voreilig erwies: Mitte der 90er-Jahre publizierte die Bankiervereinigung eine Liste mit 14 700 Namen von Inhabern nachrichtenloser Konten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die NZZ schrieb vom «Emmentaler-Käse-Bankgeheimnis».

      US-Strafverfolgern bereiteten die Löcher bereits zuvor Freude. Ende der 60er-Jahre verkündete der New Yorker Staatsanwalt Robert Morgenthau, die Schweiz sei zu einem Eldorado der amerikanischen Mafia geworden. Erneut unter Druck, schloss die Schweiz 1974 ein Rechtshilfeabkommen mit den USA ab. Bei begründetem Betrugsverdacht galt das Bankgeheimnis nicht mehr. «Nixons Jagd nach schweizerischen Nummernkonten trägt ihre ersten Früchte», bedauerte die rechtsbürgerliche Nachrichtenagentur SPK. Zehn Jahre später flog die Pizza-Connection auf. New Yorker Mafiosi hatten, getarnt als Pizzeria-Betreiber, 1,6 Milliarden Dollar Drogengeld bei Schweizer Banken gewaschen.

      Bundespräsident Roger Bonvin versuchte bereits Ende der 60er-Jahre in einer Rede vor der Auslandspresse den zunehmenden Druck positiv zu sehen: «Die bösartigen und interessierten Angriffe auf unsere Banken werden allerdings erst aufhören, wenn ihre Urheber merken, dass gerade ihre Übertreibungen den Mythos des schweizerischen Bankgeheimnisses schaffen und in weiten Kreisen im Ausland eine unentgeltliche und doch wirksame Propaganda für unsere Banken darstellen.» Das Geschäft der diskreten Finanzinstitute lief prächtig. Diktatoren wie Ferdinand Marcos von den Philippinen, Mobutu Sese-Seko aus Zaire oder Sani Abacha aus Nigeria eröffneten Sparbüchlein in der Alpenrepublik. Heute versichern die Banken, sie nähmen keine Potentatengelder mehr an. Der innere Feind stellte nie eine ernsthafte Gefahr dar. Der stramme Finanzplatzpatriotismus litt erst mit der heutigen Krise. Noch 1984 hatten drei von vier Schweizern eine SP-Initiative zur Lockerung des Bankgeheimnisses abgelehnt.

      «Unantastbar wie eine Klosterfrau»

      Künstlerische Annäherungen festigten den Eindruck von der Solidität der Tresore in Zürich, Basel und Genf. Bewunderung vermischt mit Abneigung gegen das Vermögensverwaltungszentrum der Welt findet sich in unzähligen Bestsellern. Selbst James Bond und andere Filmhelden stossen auf eine unüberwindbare schweizerische Mauer des Schweigens.

      Dieses Schicksal teilte der Agent im Geheimdienst Ihrer Majestät mit anderen Europäern. Gehts ums Bankgeheimnis, taktierten die Schweizer Bankiers und Diplomaten gegenüber den Nachbarn meisterhaft. Bauernschlau spielten sie die uneinigen Staaten Europas gegeneinander aus. Der EU gewährten die listigen Schweizer mittlerweile eine Verrechnungssteuer für Konten ihrer Steuerflüchtigen. Jahr für Jahr überweisen sie einen mickrig anmutenden Betrag. Daheim üben sich Helvetiens Finanzminister gerne in verbaler Kraftmeierei: Willi Ritschard gelang der Vergleich, das Bankgeheimnis sei «unantastbar wie eine Klosterfrau», für Kaspar Villiger war es «nicht verhandelbar», und Hans-Rudolf Merz befand, daran würden sich «die Gegner die Zähne ausbeissen». Zehn Monate sind seither vergangen.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-k…
      55 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 10:34:04
      Beitrag Nr. 1.119 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.590.888 von Maraho am 17.02.09 05:47:41Erst kommt das Fressen, dann die Moral!

      Hat sich auch nicht geändert, daß "Demokratien" im Eigeninteresse mit "Diktaturen" Geschäfte machen.
      Dererlei Geschäftsbeziehungen, wenn auch im Hinblick auf die Wirtschaftskrise für die Beteiligten sicher von Bedeutung, sind zumindest im Hinblick auf die Moral der USA fragwürdig. Und nicht nur auf deren.....


      ERSTER BESUCH IN PEKING
      Clinton klammert Menschenrechte aus

      Klimaschutz und Wirtschaftskrise - das waren die bestimmenden Themen des ersten China-Besuchs von US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Missachtung von Menschenrechten soll in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen hingegen kein großes Thema mehr sein.

      Peking - "Es ist wichtig, dass die Vereinigten Staaten und China ein positives, von Zusammenarbeit geprägtes Verhältnis haben", sagte Clinton am Samstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem Kollegen Yang Jiechi. Beide teilten mit, dass sie vereinbart haben, den regulären Dialog über Wirtschaftsfragen um die Behandlung von Problemen der Sicherheitspolitik zu ergänzen. Beim Klimaschutz habe China, so erklärte Clinton, der Auffassung zugestimmt, dass es wichtig sein, gemeinsam saubere Energietechnologien zu entwickeln und die Emissionen der Kohleverbrennung aufzufangen und sicher zu lagern.

      Ein wichtiges Thema der Unterredung waren die Sorgen der chinesischen Regierung um die Sicherheit ihrer US-Staatsanleihen. Es gebe allen Grund vertrauen in die "Treasuries" der Vereinigten Staaten zu haben, sagte Clinton. "Wir haben allen Grund zur Annahme, dass sich die Vereinigten Staaten und China erholen werden, und zusammen werden wir dabei helfen, die Erholung der Weltwirtschaft anzuführen."

      Yang sagte, seiner Regierung sei sehr daran gelegen, die Devisenreserven sicher zu investieren. Diese sind mit 1,95 Billionen Dollar die größten von allen Staaten.

      Bereits vor ihrer Ankunft in China signalisierte Clinton, dass sie der Zusammenarbeit eine größere Bedeutung einräumen werde als der Menschenrechtspolitik. In dieser Hinsicht seien beiden Seiten die jeweiligen Positionen bekannt, sagte Clinton. Am Freitag erklärte die neue Außenministerin, die fortbestehenden Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Menschenrechte sowie mit Blick auf Taiwan und Tibet sollten die allgemeine bilaterale Zusammenarbeit nicht beeinträchtigen.

      Die Äußerungen Clintons wurden von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. "Amnesty International ist schockiert und tief enttäuscht", erklärte die Organisation. Human Rights Watch sprach von einem "strategischen Fehler".

      Clinton bleibt bis Sonntag in Peking. Auf ihrem Programm stehen noch Gespräche mit Staatspräsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao. Zuvor hatte sie Südkorea, Indonesien und Japan besucht.

      Matthew Lee, AP
      Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,609126,00.…
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      schrieb am 21.02.09 13:02:26
      Beitrag Nr. 1.120 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.580.465 von Maraho am 14.02.09 18:03:04Zur Mittagszeit: Ein erneuter Blick "hinter die Kulissen"...

      Serie Finanzskandale: Jérôme Kerviel

      Die Anonymität des kleinen Soldaten
      Von Christian Schubert

      Vier Bücher und einen Comic hat man über den jungen Mann verfasst. Bei Facebook diskutiert ein Fanklub regelmäßig über ihn. Nur Filmarbeiten mit ihm in der Hauptrolle wurden dementiert. Keines der Bücher über den heute 32 Jahre alten Jérôme Kerviel wurde freilich ein Bestseller.

      „Der Händler, der fünf Milliarden Euro wert war, als der Kapitalismus verrückt spielte“, so der Titel eines der Werke, ist den Franzosen durch die ausführliche Medienberichterstattung jetzt hinlänglich bekannt. Erste Ermüdungserscheinungen treten ein.

      Immer noch offene Fragen

      Für die direkt Beteiligten hat die Affäre dagegen nichts an Brisanz verloren. Ein gutes Jahr nach Bekanntwerden der versteckten Geschäfte und der anschließenden Verluste von 4,9 Milliarden Euro sind die Befragungen durch die Untersuchungsrichter gerade erst abgeschlossen.

      Im Frühjahr wird man wissen, ob es zu einem Strafprozess kommt, was als wahrscheinlich gilt. Die Société Génerale (SG) rechnet als Klägerin nicht vor 2010 mit der Eröffnung der Verhandlung.

      Wie es sein konnte, dass ein einzelner Händler zeitweise 50 Milliarden Euro auf Aktienderivate wettete, ohne dass es Kollegen oder Vorgesetzte merkten - so jedenfalls ihre Aussagen -, ist somit immer noch eine offene Frage, zumindest für die Justiz.

      Wer schweigt, scheint zuzustimmen

      In den vergangenen Wochen hat der ehemalige Händler, der nach 38 Tagen Untersuchungshaft wieder auf freiem Fuß ist und jetzt im Informatikunternehmen eines Freundes arbeitet, eine Interviewoffensive gestartet. Sie soll ihn als robusten Verteidiger seiner Interessen darstellen.

      Nicht dass er abstreitet, seine bankinternen Handelslimits um ein Vielfaches überschritten zu haben. Er verneint auch nicht, seine Transaktionen verdunkelt zu haben, etwa mit gefälschten E-Mails und irreführenden Erklärungen.

      Doch Kerviel meint, dass seine direkten Vorgesetzten als Mitwisser beide Augen zudrückten, denn solange er Gewinne eingefahren habe, sei es seiner Abteilung am Handelstisch Delta One in der siebten Etage der SG-Türme von La Défense recht gewesen. Jean Veil, Anwalt der Bank, antwortet darauf mit einer Frage: „Wenn alle Welt es wusste, wieso musste er es dann verheimlichen?“

      Benachteiligt

      Ein Rückblick: Kerviel hat sich seit dem Jahr 2000 zielstrebig von den Kontroll- und Ausführungsinstanzen des Back- und des Middle-Office zum Händlertisch vorgearbeitet. Das ist seit je das Ziel des jungen Mannes gewesen, der seine durchschnittliche Universitätsausbildung gegenüber den Abgängern der französischen Eliteschulen immer schon als Nachteil empfunden hat.

      Er arbeitet im Arbitragehandel, wo die meist geringen Kursunterschiede gleicher oder ähnlicher Finanzprodukte an verschiedenen Handelsorten in Gewinne umgesetzt werden. Hohe Summen kommen dabei zum Einsatz, indem gegenläufige Transaktionen wie Käufe und Verkäufe in Auftrag gegeben werden.

      Im Rausch der Lawine

      Doch Kerviel unterschlägt immer die eine Seite: Wenn er an einem Ort Terminkontrakte kauft, verkauft er nicht an einem anderen, sondern erfindet Handelsgeschäfte, die solche Verkäufe simulieren. Schon im Sommer 2005 setzt er unerlaubt auf den Kursverlust der Allianz-Aktie und versucht mit Leerverkäufen daran zu verdienen.

      Er hat Glück, denn in London kommt es im Juli 2005 zu den schweren Terroranschlägen. „Die Märkte fallen nach den Attentaten von London. Und ich gewinne den Jackpot - 500.000 Euro“, sagt er später den Ermittlungsbehörden.

      Seinen Chefs fällt auf, dass er zu viel Risiko auf sich genommen hat, und sie verwarnen ihn. Doch Kerviel kümmert das wenig. „Ich bekam Lust, weiterzumachen. Es gibt da einen Schneeballeffekt.“ Der Händler geht mit erstaunlicher Energie eine Transaktion nach der anderen ein und erfindet genauso viele Scheingeschäfte.

      Überforderter Vorgesetzter

      Im November 2007 fragt die Terminbörse Eurex bei der SG nach, wie ein Händler für 1,2 Milliarden Euro in zwei Stunden 6000 Terminkontrakte kaufen könne. Kerviel hat für den Dax beispielsweise nur die Autorisierung für 200 bis 300 Kontrakte.

      Kerviels Vorgesetzter Eric Cordelle erkundigt sich bei seinem Untergebenen, doch gibt sich mit ausweichenden Antworten Kerviels zufrieden. Später wird Cordelle in einem Zeitungsinterview sagen, wie leicht der Weg in seiner Abteilung von einer zur nächsten Null war: „Um 1,19 Milliarden Euro zu kaufen, reicht ein etwas häufigerer Mausklick.“

      Cordelle stellt Kerviel öfter zur Rede - am Kaffeeautomaten. Dort genügen ihm ein paar Worte, und die Sache ist wieder erledigt. Der Vorgesetzte bezeichnet sich selbst als fachfremd und überlastet. Er erhalte täglich zu viele E-Mails, doch nicht die richtigen. Hätte er gewusst, dass die Eurex 6000 Transaktionen in zwei Stunden entdeckt habe, dann hätte er sofort reagiert, sagt er später.

      Kontrollen ohne Konsequenzen

      Die von der Bank eingesetzten internen Ermittler schreiben bald darauf: „Die Prozesse werden eingehalten. Doch niemand ergreift die Initiative, die Richtigkeit von Kerviels Angaben zu überprüfen, obwohl diese unglaubhaft erscheinen. Wenn die Vorgesetzten gewarnt werden, reagieren sie nicht.“ 75 interne Kontrollen verlaufen zwischen Ende 2006 und Januar 2008 im Sande.

      Der junge Händler scheut jedoch auch keine Anstrengung, um seine Geschäfte zu verschleiern. Er kommt morgens als Erster und geht abends als Letzter. Täglich verbringt er mehrere Stunden mit seinen Scheingeschäften. Selbst am Wochenende ist er im Büro und verzichtet mit ausdrücklicher Erlaubnis seiner Chefs auf Urlaub; die Genehmigung dafür ist ein weiterer Fehler der Vorgesetzten.

      Soldat im Hamsterrad

      Kerviel loggt sich auch unter den Passwörtern von Kollegen ein, annulliert viele Transaktionen, bevor sie fällig werden, und erfindet danach gleich neue. So vermeidet er Anzahlungen sowie die Überstellung von Wertpapieren.

      „Ich bin in eine Spirale geraten, die sich selbst am Laufen hielt. Doch meine Vorgesetzten gossen Öl hinein, damit alles rund lief“, sagt er nun. An einem eng besetzten Händlertisch, wo die Kollegen nur 30 bis 40 Zentimeter entfernt säßen, sei nichts verborgen geblieben. Die Abteilung habe seine Risiken gekannt, darauf beharrt Kerviel; abends seien die Vorgesetzten gekommen und hätten ihn für seine Gewinne sogar gelobt. Und er sagt: „Ich wünschte, jemand hätte mir gesagt: ,Hör auf mit diesem Unsinn!'“

      Nach allen verfügbaren Erkenntnissen arbeitete Kerviel allein, machte allenfalls ein paar Andeutungen gegenüber einem Broker oder Freunden. Für sich persönlich zweigte er kein Geld ab. Er sei „ein kleiner Soldat gewesen, der einfach nur viel Geld für seine Bank verdienen wollte“, gibt er zu Protokoll.

      Die Schlösser schnappen zu spät

      Ein gutes Jahr danach hängt der SG die Affäre immer noch nach, auch wenn sich die schlimmsten Befürchtungen eines Aufkaufs oder einer Zerschlagung nicht bewahrheitet haben. Einige Fondsmanager sagen, dass der Skandal so lange auf der Bank laste, wie der Gerichtsstreit andauere. Der Erzrivale BNP Paribas prüfte ein Übernahmeangebot, entschied sich aber dagegen. Was die Finanzkrise alles noch bringen wird, weiß indes niemand.

      SG-Manager dagegen finden, dass der Kerviel-Schock zur rechten Zeit gekommen sei. Noch bevor die ganze Branche wegen der Finanzkrise in die Kritik geriet, habe die SG so schon die Lehren aus ihren Schwächen gezogen, die Kontrollen verstärkt und sich reorganisiert. 100 Millionen Euro hat die Bank in die Umbauten investiert; sie schuf eine „Product Control Group“ mit 600 Mitarbeitern, die seit vergangenem November alle Ergebnisse der Bank zentral analysiert.

      Verschiedene Abläufe wie die Benutzung von unternehmenseigenen Gegenparteien für Transaktionen und überhaupt alle Geschäfte, die kurzfristig storniert oder verändert werden, unterstehen nun strengeren Prüfungen. Handbücher wurden neu geschrieben, Passwörter für den Zugang zum Handelssystem werden öfter geändert, 7800 Personen bildete die Bank mit dem besonderen Verweis auf die Möglichkeit von Betrug durch Kollegen fort. Die Stabsfunktion der Händlerkontrolle erhielt mehr Unabhängigkeit. „Ohne drei Unterschriften kann man hier nichts mehr machen“, stöhnt ein Händler.

      Am liebsten wieder ein Niemand sein

      Die unmittelbaren Vorgesetzten Kerviels verließen die Bank freiwillig oder wurden entlassen. Doch nicht alle fielen auf die Nase. Einer der Geschassten, Pierre-Yves Morlat, der für den Aktienhandel verantwortlich zeichnete und Kerviel zum Händler beförderte, fand kürzlich eine Stelle bei Credit Suisse, wo er den Eigenhandel für Europa und Asien leiten soll.

      Der Chef des Investmentbankings, Jean-Pierre Mustier, ist bei der SG jetzt Leiter der Vermögensverwaltung. Und der 58 Jahre alte Vorsitzende von Vorstand und Verwaltungsrat, Daniel Bouton, dem Präsident Nicolas Sarkozy heftige Vorwürfe machte, zog sich auf den Verwaltungsratsvorsitz zurück, überließ das operative Geschäft dem 44 Jahre alten Frédéric Oudéa - ein Generationswechsel.

      Kerviel unterdessen hofft mehr als alles andere, dass er einer Gefängnisstrafe entgeht. Mit dem Bankgeschäft will der in der Bretagne aufgewachsene Franzose nichts mehr zu tun haben und sehnt sich nach einer Rückkehr zu einem anonymen Leben. „Ich war immer Mister Nobody, und ich hoffe, es so schnell wie möglich wieder zu werden.“

      Quelle (mit weiteren Teilen): http://www.faz.net/s/RubBD6B20C3D01A48D58DA92331B0A80…
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 13:12:56
      Beitrag Nr. 1.121 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.625.457 von Maraho am 21.02.09 07:02:53The never ending story....


      Bankenkrise
      Hypo nach Verstaatlichung kaum kreditwürdiger

      Von J. Dams und S. Jost

      Mit einer Übernahme will der Staat den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate stabilisieren. Doch das wird die Bonität der Bank weit weniger verbessern, als die Regierung hofft. Das Geldinstitut wird weiter auf staatliche Garantien angewiesen sein, wie WELT ONLINE von der Ratingagentur S&P erfahren hat.


      Eine Verstaatlichung wird den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) nicht so sehr stabilisieren, wie von der Bundesregierung erhofft. "Auch nach einer Übernahme durch den Staat wäre die HRE voraussichtlich auf zusätzliche Bundesbürgschaften angewiesen", sagte Stefan Best von der führenden Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) WELT ONLINE.

      In Regierungskreisen wird darauf spekuliert, dass die HRE als ähnlich zahlungskräftig eingestuft wird wie der Bund selbst, wenn der Staat oder der Rettungsfonds Soffin erst mehr als 90 Prozent an der Bank hält. Ausdruck dafür wäre eine Bonitätsnote nahe dem Bestwert von AAA. Ratingagenturen sehen dies jedoch als Illusion an: "Auch wenn der Staat die Hypo Real Estate übernimmt, wird die Bank nicht auf Ratingnoten von AAA oder AA kommen", sagt Best. Michael Dawson-Kropf vom drittgrößten Bonitätsprüfer Fitch sagte WELT ONLINE: "Eine zukünftige Eigentümerrolle des Soffin oder der Bundesrepublik Deutschland ist in der Note 'A-' von Fitch schon berücksichtigt."

      Je besser die Bonitätsnoten einer Bank ausfallen, desto leichter bekommt sie Geld von Investoren und desto weniger Zinsen muss sie zahlen. Derzeit bekommt die HRE am Kapitalmarkt praktisch keinerlei Kredit mehr, weshalb der Bund seine Bürgschaften für die Bank bereits mehrfach auf inzwischen 87 Mrd. Euro erhöhen musste. In Berlin hofft man darauf, diesen Teufelskreis mit einer Übernahme der Bank durchbrechen zu können.

      So einfach wird dies jedoch offensichtlich nicht werden. S&P verweist darauf, dass auch die verstaatlichte Northern Rock nur eine Note von A erreiche, eine Landesbank wie die WestLB sogar nur A minus. Höher wird die HRE, die derzeit zwei Noten darunter bei BBB liegt, auch nicht kommen. Ein Vergleich mit der Förderbank KfW, die tatsächlich direkt vom Bundesrating von AAA profitiert, sei nicht angebracht, sagt Best: "Bei der Förderbank besteht durch den öffentlichen Auftrag eine dauerhafte Verbindung zum Bund - bei der HRE bestünde sie ja ausdrücklich nur auf Zeit." Außerdem gebe es eine explizite Bundesgarantie für alle Verbindlichkeiten der KfW. Auch Fitch-Analyst Dawson-Kropf verweist darauf, dass sich der Staat erklärtermaßen aus der HRE später wieder zurückziehen wolle.

      Mit diesen Noten müsste die Bank auch nach einer Verstaatlichung noch vergleichsweise hohe Zinsen zahlen. Deshalb halten die Ratingexperten weitere Bundesgarantien für notwendig. "Denn wenn diese Bank sich nicht ähnlich günstig refinanzieren kann wie der Staat, wird sie wohl dauerhaft Geld verlieren", sagt Best.

      Die Bundesregierung verhandelt derzeit mit dem HRE-Großinvestor Christopher Flowers über einen Kauf von dessen 24-Prozent-Anteil. Flowers fordert einen Preis von knapp drei Euro pro Aktie. In Regierungskreisen wurde diese Summe als "völlig realitätsfern und nicht vermittelbar" zurückgewiesen. An der Börse waren die Anteile zuletzt nur noch etwa 1,30 Euro wert. "Es ist kein Angebot vorstellbar, das substanziell über dem aktuellen Börsenwert liegt", hieß es dazu aus der Regierung. Der Bund droht Flowers mit Enteignung.

      Am Freitag brach der Kurs erneut um mehr als 20 Prozent ein, weil Gerüchte über einen noch weitaus höheren Finanzbedarf bei der HRE die Runde machten. Grund sind Absicherungsgeschäfte der Bank in einem Volumen von einer Billion Euro. Die HRE wies jedoch daraufhin, dass dies keinesfalls einen Finanzierungsbedarf in dieser Höhe bedeute.

      Mit der Materie vertraute Personen bestätigten, dass die mit diesen Absicherungen verbundenen Risiken allenfalls einen Bruchteil der offiziellen Bilanzsumme von rund 400 Mrd. Euro ausmachen könnten. Solche Sicherungsgeschäfte sind bei allen Großbanken üblich und tauchen nie mit vollem Nominalwert in der Bilanz auf.


      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3246145/Hypo-nach-Ver…
      25 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 13:23:30
      Beitrag Nr. 1.122 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.625.466 von Maraho am 21.02.09 07:25:42...und zum Dritten....

      Da der Artikel zu lang ist, bei Interesse einfach anklicken:

      Arbeitslosigkeit
      Die große Jobschmelze
      Von Kolja Rudzio

      Die Krise zeigt: Auch bei den Arbeitslosen gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die einen fallen sofort in Hartz IV, die anderen sind auf Jahre abgesichert

      http://www.zeit.de/2009/09/Arbeitslosigkeit

      Bis später....
      Avatar
      schrieb am 21.02.09 13:40:57
      Beitrag Nr. 1.123 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.596.210 von Maraho am 17.02.09 17:35:18Dies noch...

      KfW erkennt keine Kreditklemme

      Börsen-Zeitung, 21.2.2009 hip Frankfurt - Für ein durchschnittliches Unternehmen in Deutschland sei die Kreditversorgung noch intakt, lautet das Ergebnis einer Blitzumfrage der KfW Bankengruppe für die Monate November 2008 bis Januar 2009. Eine "umfassende Kreditklemme" liege also derzeit nicht vor. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesverband deutscher Banken gehen davon aus, dass die meisten Unternehmen "kaum Probleme" hätten, insbesondere im kurzfristigen Bereich Kredite zu bekommen.

      "Es kommt jetzt darauf an, dies auch für die Zukunft sicherzustellen und die Möglichkeiten für langfristige und strukturierte Finanzierungen wieder zu verbessern", lassen sich die Präsidenten von BDI und Bankenverband in einer gemeinsamen Erklärung zitieren. Ein Drittel der von der KfW befragten Finanzierungsexperten führender Wirtschaftsverbände klagte allerdings über einen bereits ersch