U P C - Steigt Medien-Mogul Malone ein? - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 21.07.01 22:02:56 von
neuester Beitrag 24.07.01 07:40:17 von


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21.07.01 22:02:56
U P C - Steigt Medien-Mogul Malone ein?
Die Kurse des niederländischen Kabelnetzbetreibers sinken. Übernahmegerüchte machen die Runde.

manager-magazin.de 2001; Berlin - Die sinkenden Aktienkurse des niederländischen Kabelnetzbetreibers UPC (United Pan-Europe Communication NV) haben an der Amsterdamer Börse Gerüchte über eine vollständige Übernahme des Konzerns durch den amerikanischen Medien-Mogul John Malone geschürt. Dies berichtet die Zeitung "Die Welt". Malone, der bereits eine Minderheitsbeteiligung an UPC hält, könne den Tiefstand der Aktien nutzen, den Konzern vollständig zu übernehmen, schreibt die Zeitung.

So sei der Preis je UPC-Papier seit März 2000 von vormals 83 Euro auf etwas mehr als einen Euro gefallen. Die Börsenkapitalisierung des Konzerns sei von 37 Milliarden auf 500 Millionen Euro geschmolzen.

Für Malone ergebe sich durch eine Komplettübernahme die Perspektive, die bestehenden UPC-Netze in sein Imperium zu integrieren. Der US-Unternehmer würde dann über mehr als 20 Millionen Abonnenten in Europa und Israel verfügen. Malone hatte erst vor kurzem angekündigt, sechs der neun Kabelnetze der Deutschen Telekom in Deutschland für 11 Milliarden Mark zu kaufen. Die Verträge hierfür sollen in den nächsten Tagen unterschrieben werden.

___http://www.kabelverband-frk.de/aktuelles/news.htm#UPC1______…

viel tiefer werden die wohl nicht mehr fallen ?

ist jetzt der zeitpunkt für einen einstieg gekommen?

MFG
js
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24.07.01 07:40:17
Aus der FTD vom 24.7.2001 www.ftd.de/kabelbarone
Die Machtspiele der Kabelbarone
Von Thomas Clark, Hamburg, und Ulrike Sosalla, New York

Das Bietergefecht um die Kabelsparte von AT&T ist nur der Anfang einer neuen Übernahmewelle, die auch über Europa hinwegrollen wird.

John Malone ist es gewohnt, dass man ihm mit Demut entgegentritt. Schließlich ist der 60-jährige Kabelbaron aus Denver einer der reichsten Männer der USA, seine Medien-Beteiligungsfirma Liberty Media ist an der Börse fast 100 Mrd. DM wert.

Als die US-Kabelfirma Comcast vor zwei Wochen eine feindliche Übernahme des Fernsehkabels von AT&T startete, wurde Malone, sowohl Großaktionär als auch Vorstand des amerikanischen Telefonriesen, kurzerhand kaltgestellt. AT&T-Chef Michael Amstrong schloss seinen Kollegen und Miteigner einfach aus den internen Beratungen aus.


Begründung: Nervensäge Malone würde AT&T im August ohnehin verlassen, um mit seinem Kabelimperium TCI wieder eigene Wege zu gehen. Vor drei Jahren hatte der Cowboy aus Colorado, der gerne mit seinen sechs preisgekrönten Möpsen in einem überdimensionalen Wohnmobil durchs Land kurvt, sein Unternehmen an AT&T verkauft.



Malone wehrt sich


Beleidigt trat Malone vorzeitig von seinem Vorstandsposten bei AT&T zurück. Doch dabei beließ er es nicht. Einer wie Malone, der hier zu Lande gerade für 10 Mrd. DM sechs TV-Kabelnetzte der Deutschen Telekom aufkauft, ist mächtig genug, um sich zu wehren.


Auf dem alljährlichen Treffen der amerikanischen Medienbosse in Sun Valley, das just an jenem Wochenende stattfand, scharte er Gleichgesinnte um sich: Erfolgsverwöhnte Konzernchefs wie Disneys Michael D. Eisner, der in Comcast einen neuen Rivalen heranwachsen sieht, oder Microsoft-Mitgründer Paul Allen, der selbst gern ein Stück von AT&Ts Kabelgeschäft kaufen würde. Malone ermunterte beide, ein Gegengebot zu machen.



Neues Übernahmegefecht


Als die letzten Teilnehmer den abgelegenen Tagungsort im ländlichen Idaho verlassen hatten, war klar: Drei Jahre nach dem ersten milliardenschweren Bieterkrieg ums amerikanische TV-Kabel steht ein neuer kurz bevor. Und vieles spricht dafür, dass das Übernahmegefecht demnächst auch auf Europa überschwappt.


Was treibt die Kabelbarone? Ist die Internet- und Breitband-Euphorie nicht gerade erst wie ein Seifenbläschen zerplatzt? Selbst im vermeintlichen Zukunftsgeschäft Mobilfunk traut sich inzwischen kein Vorstand mehr, laut über einen Zusammenschluss nachzudenken. Er würde ohnehin nur Schulden kaufen. Welches Potenzial soll denn da das gute alte Fernsehkabel haben?



Attraktivität von Kabelnetzen


"Der große Vorteil des TV-Kabels ist, dass es unterschiedliche Medien zusammenbringen kann - nämlich Fernsehen, Internet und Telefonie. Damit muss man nicht teilen zwischen interaktivem Fernsehen und anderen interaktiven Anwendungen", erklärt der Amerikaner Adam Bird die Attraktivität von Kabelnetzen. Auch in Deutschland, so Bird, der seit einigen Jahren im Münchner Büro der Beratungsfirma Booz, Allen & Hamilton arbeitet, entpuppe sich TV "immer mehr als geeignetes Transaktionsmedium".


Martin Gutberlet, Technologie- und Medienberater bei KPMG in Düsseldorf, sieht das ähnlich: "Mit dem Fernsehkabel erhält der Kunde ein multimediales Komplettangebot mit interaktivem TV, Internet und Sprache. Diesen Triple Service können UMTS und DSL auf absehbare Zeit nicht bieten."


Wenn die Abonnenten mitziehen und sich das nötige Zusatzgerät zum Fernsehapparat beschaffen, könnten sie via TV-Kabel, so die Vision, künftig im Netz surfen und telefonieren, Videofilme bestellen und herunterladen sowie digitale Fernsehprograme empfangen. Und das alles zu einen Pauschalpreis, der sich für die Herren der Verbreitungswege lohnt.



Alles aus einer Hand


In den USA kostet ein Rundum-Paket mit Telefon, schnellem Internetzugang und einem ganzen Bündel von werbefreien Kino-Kanälen bis zu 180 $ pro Monat. In Amsterdam und Wien wird bereits Ähnliches angeboten. Solche Pakete sollen die Milliardeninvestitionen in fünf bis zehn Jahren amortisieren, das TV-Kabel würde dann zur Goldader.


Schon heute bescheren die medialen Transportwege Kabelbaronen wie dem Roberts-Clan, der hinter Comcast steht, Bruttomargen von rund 40 Prozent. Und die lassen sich locker steigern. Je größer ein Kabelbetreiber, desto stärker seine Verhandlungsposition gegenüber den Programmanbietern und Infrastrukturlieferanten.


Kevin Calabrese, Analyst bei Argus Research in New York, erwartet daher "noch eine ganze Reihe von Fusionen sowohl in den USA als auch in Europa, vor allem in Deutschland". Experten auf dem alten Kontinent sehen das genauso. "Wir sind in einer Übergangszeit, kurz vor der nächsten Konzentrationswelle", sagt Berater Bird.



Wenige engmaschige Einheiten


Anders als in den USA ist das Kabelnetz in Europa bis heute sehr fragmentiert. In Deutschland etwa gibt es Tausende Wohnungsbaugenossenschaften, die die letzten Meter zum Hausanschluss in Besitz haben.


Zwar waren Firmen wie UPC, NTL und Callahan hier zu Lande in den vergangenen Jahren auf Einkaufstour. Dabei haben sie schon mal bis zu 3000 Euro pro Kabelkunde bezahlt. Noch gibt es aber nur wenige engmaschige Einheiten, so genannte Clustern, formiert werden.


Paul Moran, Kabelexperte bei Credit Suisse First Boston in London, rechnet mit zahlreichen Tauschgeschäften und Zukäufen, damit solche Cluster gebildet werden können. "Es werden nur drei oder vier Player übrig bleiben", glaubt er.


Nachdem die Kabelgrößen Richard "Dick" Callahan sowie das Gespann Gene und Mark Schneider (United Pan Europe Communications, UPC) bereits in der Hochphase des Kabelbooms in Europa zugeschlagen haben, kauft jetzt Malone, was er in die Finger kriegt. Er hat gewartet, bis die Preise fallen. Nach dem Telekom-Deal machen derzeit Gerüchte die Runde, er wolle den Tiefstand des UPC-Aktienkurses nutzen, um den Konkurrenten, an dem er bereits Anteile besitzt, ganz zu schlucken.



Der Wille der Mächtigen zählt


Angeheizt wird das Übernahmefieber von den Egos der Kabeltycoons. Die könnten größer kaum sein. Die meisten sind Selfmade-Millionäre, die klein begannen und ihre Firmen zu milliardenschweren Investments ausgebaut haben.


Comcast etwa, der drittgrößte Kabelbetreiber der USA, ist bis heute ein Familienunternehmen. Der Gründer Ralph Roberts sitzt dem Aufsichtsrat vor, sein Sohn Brian managt das tägliche Geschäft. Beide halten zwar nur eine Minderheit der Aktien, aber die Mehrheit der Stimmrechte. Vater Roberts kaufte sein Imperium Stück für Stück zusammen. Begonnen hat alles mit einem kleinen Kabelanbieter an der Ostküste.


Ähnlich der Aufstieg der Familie Schneider. Papa Gene verbuddelte in den 50er Jahren im Wettlauf mit Dick Callahan Kabeldrähte in zahlreichen US-Bundesstaaten. Vor einigen Jahren schickte er Sohn Mark zum Akquirieren ins Ausland. Zuerst nach Asien, später nach Europa, wo er die Tochterfirma UPC an die Amsterdamer Börse brachte.



Gigantische Schuldenlast


Mark hat fleißig zugeschlagen. Vielleicht ein bisschen zu fleißig. Die Schuldenlast ist gigantisch, UPC-Aktie tief abgestürzt. Ohne Malones Finanzspritze wäre UPC längst pleite. "John Malone geht derzeit eine große Wette auf Europa ein", sagt Berater Bird. Und ein erfahrener Investor wie er werde seine Milliarden wohl kaum verspielen.


Anders als seine Vorgänger hält sich der Mann aus Denver mit großen Ankündigungen zurück und arbeitet lieber im Stillen. Durch seine Beteiligungen bei Rupert Murdochs News Corp. und anderen Medienunternehmen ist er am ehesten prädestiniert dafür, Leo Kirch & Co auch inhaltlich Paroli zu bieten.


Die ganz dicken Fische schwimmen jedoch nach wie vor in den USA. Auch dort sind die Preise in den vergangenen drei Jahren gesunken, auch dort sind es die Zögerer, die nun über die Gewinner von damals triumphieren. So ist Comcasts Gebot von 58 Mrd. $ bescheiden im Vergleich zu den über 110 Mrd. $, die AT&T-Chef Armstrong locker machte, um das größte Kabelunternehmen der USA zusammenzukaufen. Selbst wenn Comcast auf knapp 70 Mrd. $ aufstockt, was Beobachter für wahrscheinlich halten, käme die Roberts-Familie zum Schnäppchenpreis an den führenden Kabelfernsehanbieter des riesigen Landes.


Gelingt der Coup, wäre es ein später Triumph: 1999 unterlag der Roberts-Clan dem Telefonkonzern AT&T im Bietergefecht um das Kabelunternehmen Media One. AT&T zahlte 56 Mrd. $ und warf Comcast damit aus dem Rennen.



Die Verfolger sammeln sich


Der vermeintliche Erfolg war der Anfang vom Niedergang der AT&T-Aktie - und von Konzernchef Armstrong. Der war 1997 angetreten, um aus dem trägen Ex-Monopolisten ein Zukunftsunternehmen zu machen, das nicht mehr von den stetig sinkenden Einnahmen aus Ferngesprächen abhängig sein sollte.


Kern seiner Strategie war das Kabelgeschäft. Doch es gelang Armstrong nicht, seine teuren Einkäufe zu einem schlagkräftigen Ganzen zu verschmelzen. Die Gewinnmarge von AT&T Broadband dümpelt bei beschämenden 19 Prozent, nicht einmal halb so viel wie bei Comcast.


Nun sammeln sich die Verfolger. Aus der Riege der fünf größten US-Kabelbetreiber gibt es keinen, dem nicht Ambitionen auf ein Gegengebot nachgesagt würden. AOL Time Warner, die Nummer zwei auf dem Markt, überlegt laut "New York Times", ihr Kabelgeschäft auszugliedern und mit dem von AT&T Broadband zu fusionieren. Die Nummer vier im Markt, Cox Communications, soll laut "Business Week" bereits die Investmentbank Salomon Smith Barney angeheuert haben, um ein Angebot auszuarbeiten.


Noch ist völlig offen, wie das Übernahmegefecht um AT&T Broadband ausgeht. Nur eins ist klar: AT&T-Chef Armstrong ist das erste renommierte Opfer im Wettstreit um die Macht im Kabelgeschäft.



© 2001 Financial Times Deutschland


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