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Die Angstweltmeister? Von der Psychologie unserer Nation - 500 Beiträge pro Seite



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Ja ich weiß, es gibt schon einen Politikthread im 50-er Forum. Aber hier soll es nicht nur um Politik gehen, sondern auch um die Stimmung in unserem Land, die auch unser privates handeln mitbestimmt. Nach der Wahl vom Sonntag schwanken viele Menschen von Resignation, z.B. Gedanken über das Auswandern, bis hin zu Ratlosigkeit.

Ich habe in den letzten 2 Tagen viel gelesen um mir ein Stimmungsbild zu verschaffen und bin dabei auf den folgenden Artikel bei Spiegel online gestoßen, der mir sehr treffend erscheint, auch weil es ein emotionsloser Blick von außen auf unser Land ist:

WAHLREAKTION AUS GROSSBRITANNIEN

Vom Exportweltmeister zum Angstweltmeister

Von Thomas Hüetlin, London

Die britischen Reaktionen auf die Wahl schwanken zwischen ungläubigem Staunen und tiefer Sorge. Die Briten können es nicht fassen, dass das ehemalige Wirtschaftswunderland aus Angst die notwendigen Reformen nicht anpackt - und ein Wahlergebnis produziert, das die Malaise noch verschlimmert.

Der "kranke Mann Europas" scheint unfähig, sich selbst zu heilen, und die Diagnose von Ärzten und Gutachten scheinen lediglich zu bewirken, dass der Patient die Bettdecke über den Kopf zieht und hofft, dass alles nicht so schlimm kommen werde, wenn er sich nur überhaupt nicht mehr bewege.

Das Wahlergebnis in Deutschland interpretieren die Briten als Zeugnis für die große Angst der Bundesbürger vor der Zukunft einer globalisierten Welt, bei der gleichzeitigen Weigerung in dieser noch wirklich mithalten zu können.

Sogar linksliberale Blätter wie der "Guardian" sind entsetzt über die Unfähigkeit der Deutschen, ihre seit Jahren kriselnde Marktwirtschaft zu reformieren. "Diese Wahlen wurden gekennzeichnet durch tiefen Pessimismus, fundamentale Desillusionierung über die großen Parteien und Wählern, die vielleicht den Bedarf für Reformen gespürt haben mögen, aber deren Auswirkungen fürchteten", schreibt das Blatt. Vom Exportweltmeister zum Angstweltmeister.

Die Deutschen, so der "Guardian weiter", hätten im Endeffekt die trostlose ökonomische Bilanz der Regierung Schröder ignoriert: "Ein Erbe von Nullwachstum und einer Arbeitslosenquote von 11 Prozent - die höchste seit den dreißiger Jahren. Dies bedeute eine riesige Staatsverschuldung, welche die EU-Kriterien sprengte, die europäische Wirtschaft behinderte anstatt die Anstrengung zu steigen, um im globalen Wettbewerb dabeibleiben zu können".

Außer Deutschland wird vor allem Angela Merkel als die große Verliererin dieser Wahl gesehen. Sie, die wie britische Zeitungen genüsslich notieren, die Chance gehabt hätte zum Mächtigsten weiblichen Wesen Deutschlands aufzusteigen, seit der Häuptlingsfrau Brunhilde im 7. Jahrhundert, versagte, weil sie es nicht verstand, der Mehrzahl der Deutschen die Not-Wendigkeit harter Reformen heute zu vermitteln, an deren Ende eine deutliche Verbesserung der Verhältnisse für die meisten morgen stehen würde.

Angela Merkel ist keine Maggie Thatcher. Sie verschreckte die Wähler mit der angekündigten Erhöhung der Mehrwertssteuer und der Person Paul Kirchhofs. Außerdem schaffte sie es zu keinem Zeitpunkt ihre peinliche Schüchternheit im Scheinwerferlicht zu überwinden. "Eine Überwältigende Mehrheit der Deutschen glaubte, dass Schröder im Fernsehduell besser abschnitt als Merkel", schreibt die "Times". "Sie war unfähig ihr Image als naive Ost-Deutsche im Westen zu korrigieren und habe gleichzeitig Wähler im Osten verloren. Sie war gefangen Zwischen Ost und West, zuhause war sie nirgends".

Fazit: "Ihr Timing war schlecht, aber ihre Intentionen waren korrekt. Es war ihr Versuch sich den Thatcherismus anzueignen, und`es ging schief".

So unerbittlich die britischen Medien die Fehler Merkels aufzählen, so wenig beeindruckt sind sie von der Selbstherrlichkeit Schröders, der sich gestern Nacht als der ewige Kanzler feierte. Zwar wird seiner Fähigkeit auf Marktplätzen und Bierzelten den Niedergang des Sozialstaates in den düstersten Farben zu malen, die Anerkennung nicht völlig versagt. Aber insgesamt stehen die Briten Schröder eher kühl gegenüber. Zu rückwärtsgewandt und zu mutlos scheint seine Politik, zu wenig zukunftsträchtig, um in einer globalisierten Moderne bestehen zu können, in welcher Großbritannien seit elf Jahren boomt.

Schröder Auftreten ist einfach ganz und gar unbritisch. "Man muss nur Angst haben vor der Angst", sagte der Gralshüter aller Britishness, Winston Churchill einmal. Und genau als dies präsentierte sich Schröder in seinem Wahlkampf: als Großmeister der Angst. Die pragmatische Natur der Briten legt es ihnen nahe, sich in Zeiten der Krise an Zahlen und Fakten zu halten und sich nicht von Stimmungen hinunterziehen zu lassen.

So war es denn auch kein Wunder, dass auch von der politischen Elite Englands die Wahl nicht als Comeback Schröders gewertet wurde, sondern vor allem als Niederlage Merkels. "Angela Merkels Unfähigkeit, eine Mehrheit zu gewinnen, wurde von britischen Ministern mit Entäuschung registriert", schreibt die "Times", "denn damit schwanden auch die Hoffnungen, dass Europas größte, aber auch stagnierendste Wirtschaft mit radikalen Reformen wieder zum Laufen gebracht werden könnte. Privat hatte auch Tony Blair gehofft, dass die christliche Demokratin an die Macht kommen würde."

Eine große Koalition halten in Großbritannien nach dem Ton und der Atmosphäre in der gestrigen Elefantenrunde, wo zwei Spitzenkandidaten aufeinander prallten, die sich offensichtlich nicht ausstehen können, für eine schlechte Lösung. Einige hoffen, dass sich Deutschland mit Hilfe der Grünen doch noch einen Ruck gibt und einen Aufschwung wagt, symbolisiert durch die undogmatische Zusammensetzung einer Schwarz-Gelb-Grünen Koalition. Es liegt keine Sicherheit im Verharren, während die Welt sich dramatisch ändert, jeden Tag.

"Gestern spielte Europas größte Wirtschaft auf Nummer Sicher", schreibt der "Daily Telegraph", "und verschob damit bloß den Tag der Abrechnung: Was für ein Schlamassel."

Wenn man so etwas liest beschleicht einen das Gefühl, die Briten hätten die Hoffnung Aufgegeben, dass dem "kranken Mann Europas" ein normaler Arzt noch helfen kann. Bestellt werden, so scheint es, muss ein Psychiater. So etwas schmerzt, very unpleasant.
[posting]17.963.752 von Freudenspender am 20.09.05 12:27:47[/posting]Was soll das Gerede, Deutschland würde aus Angst die nötigen Reformen nicht anpacken? Ein Teil der Reformen wurden schließlich in den letztn Jahren auf den Weg gebracht. Warum jetzt hektisch werden und das Kind mit dem Badewasser ausschütten?

Dem "kranken Mann Europas" wurde übrigens kürzlich von zwei wichtigen angelsächsischen Wirtschaftszeitschriften bescheinigt, dass er keineswegs so krank ist, wie er sich fühlt.

Dieser Artikel ist gerade KEIN emotionsloser Blick auf die BRD, sondern im Gegenteil Teil der Stimmen, die hier im Moment alles düster sehen möchten.

Und...ich kenne niemand, der auswandern möchte. Warum gerade jetzt?
Ich finde den Artikel treffend. Warum hat Deutschland denn nicht schwarz-gelb gewählt, obwohl die Bilanz von rot-grün auf dem Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft katastrophal ist? Bloss weil die Leute Angst haben, dass ihnen noch etwas mehr abverlangt werden könnte. Dass ist einfach nur traurig. :cry:
hareck,

welches Interesse sollte die versammelte britische Medienlandschaft daran haben, in Deutschland alles "düster sehen" zu wollen?

Das Gegenteil ist der Fall: die Briten haben ein großes Interesse daran, dass Deutschland mit seiner Wirtschaftkraft die europäische Binnenkonjunktur wieder ankurbelt, auch für die Briten ist die EU der wichtigste Exportmarkt.
Freudenspender,

ist die Lage wirklich derartig schlecht bei euch ?
Das alles klingt ja nach WELTUNTERGANG :eek:
klinsmann wird alle retten. ich bin sicher. schumacher kann es nicht mehr, er ist zu langsam.

dann erst wird ein schub durch das land gehen. dann istg man eher bereit für schmerzhafte einschnitte, dann erst werden auch neuwahlen den gewünschten erfolg bringen.

bitte also um geduld.
Manfred, :)

die Lage vielleicht nicht, aber die Stimmung!

Die Wirtschaftsliberalen sind extrem ernüchtert, weil die Wahlen gezeigt haben, dass sie mit ihren Reformvorschlägen keine Mehrheit im Volk haben.

Die anderen, bis auf die Linken wissen, dass wir Reformen brauchen, haben aber Angst vor den Konsequenzen.

Alle ahnen, dass die Globalisierung und Produktivitätsteigerungen z.B. durch Automatisierung weiterhin einen Arbeitsplatzabbau bedeuten wird, doch die unbequemen Konsequenzen will keiner ziehen.

Am deutlichsten wurde dies an dem extremen Popularitätseinbruch der SPD deutlich, als die bis dahin angeschobenen Reformen sich zuerst auf den Lebensstandard vieler "kleiner" Leute negativ bemerkbar machten, während die versprochenen positiven Effekte (z.B. Gesundheitsreform) sich erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung bemerkbar machten.
Keine Ahnung, was für ein Interesse die britische Medienlandschaft hat. Hier findet m. E. gerade ein Meinungstrend statt, auf den alle aufspringen, weiter nichts.

Man muss auch mal den Gesamtzusammenhang sehen. Unter Kohl ist jahrelang überhaupt nichts reformiert worden, während Großbritannien richtig aufgeräumt hat. Es gab hierzulande zugegebenermaßen andere wichtige Aufgaben. Rot/Grün hat diese Altlasten und Versäumnisse übernommen und keinen schlechten Job gemacht. Ob Frau Merkel das besser gemacht hätte, davon bin ich nicht überzeugt.

Auch darf man nicht erwarten, dass das alles so superschnell geht, wie sich das gewisse Leute vorstellen. Ich bin z.B. durchaus für eine radikale Vereinfachung des Steuersystems, aber das kann man, um bei dem Beispiel zu bleiben, nicht mal eben so ratzfatz übers Knie brechen, wie der Wahlkampf gezeigt hat.

Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das gilt für die Börse, und das gilt auch für die Politik. In vier Wochen haben wir eine Große Koalition, eine Ampel oder eine Schwampel, dann wird wieder zum Tagesgeschäft übergegangen, die bereits erfolgten Reformen werden nachgebessert und erzielen erste Erfolge, weitere Reformen werden auf den Weg gebracht. Und alle fragen sich, was die ganze Panik eigentlich sollte.
hareck,

genau das war der Grund warum ich ausländische Quellen zitiert habe. Ich wollte eben nicht auf innerdeutsche "Meinungstrends" aufspringen um möglichst viel Neutralität zu wahren. Das z.B. auch der Guardian, bei uns vielleicht vergleichbar mit der bürgerlich-sozialdemokratischen Süddeutschen Zeitung, die Dinge so sieht wie zitiert, sollte dir zu denken geben.

Ich will jetzt nicht über die politischen Leistungen bestimmter politischer Lage in der Vergangenheit urteilen, das ist nicht das Thema des threads.

Die Frage ist: sind wir wegen unserer Zukunftsangst reformunfähig?

Dein Beispiel mit der Steuervereinfachung ist sehr treffend. Eigentlich müßte daran jeder ein Interesse haben. Aber seit Jahrzehnten klappt das nicht. Auch unter Rot-Grün nahm die Komplexität des deutschen Steuerrechts noch einmal zu. Warum?
[posting]17.964.865 von Freudenspender am 20.09.05 13:53:07[/posting]@Freudenspender ;)

ich sehe einfach das Problem nicht. Dass die Bevölkerung unterschiedliche Ansichten über die zukünftige Richtung der Politik hat, ist doch normal.

Alle reden von Handlungsunfähigkeit, Blockade, Patt. Warum? Es gab immer Koalitionen, und bald haben wir wieder eine. Und man wird sich arrangieren und regieren. Wo ist denn der schwarze Mann, vor dem alle Angst haben? Natürlich gibt es Probleme, aber die hat es immer gegeben.

Und nebenbei: alle reden von Wirtschaftswachstum, und dass wir alles tun müssten, um es zu fördern, weil es uns sonst so schlecht ginge. Aber stattdessen sollten wir anfangen, uns an Nullwachstum zu gewöhnen. Seit über 50 Jahren ist es uns wirtschaftlich immer besser und besser gegangen, und das wird aufgrund der Rohstoffverknappung wahrscheinlich nicht so weitergehen. Letztlich leben wir auf der Grundlage natürlicher Ressourcen. Und irgendwann wird sich die Nation daran gewöhnt haben und diese dämliche Depression geht vorbei. Das BSP ist eh ein ziemlich bescheidener Indikator für Lebensqualität, sonst müssten sich heute alle dreimal besser fühlen als z.B. in den 50ern.

Das nur als kleiner Exkurs, der aber m.E. ziemlich gut zu dieser Diskussion passt.
[posting]17.964.865 von Freudenspender am 20.09.05 13:53:07[/posting]Zur Steuervereinfachung: ich bin sicher, dass sie irgendwann kommt. Das Thema wird ja eigentlich erst seit recht kurzer Zeit intensiv auf der politischen Ebene diskutiert. Solche Ideen brauchen Zeit, um sich durchzusetzen und spruchreif zu werden.

Kirchhof (und mit ihm Merkel) ist ja letztlich nicht an seinem Vereinfachungsmodell gescheitert, sondern an seinem idiotischen Spitzensteuersatz von 25% (Stichwort "flat tax"). Diese Steilvorlage konnte sich die SPD natürlich nicht entgehen lassen. Hätte er 32% gesagt, hätten wir vermutlich jetzt schwarz/gelb mit ihm als Finanzminister.
[posting]17.964.865 von Freudenspender am 20.09.05 13:53:07[/posting]Zur Steuervereinfachung: ich bin sicher, dass sie irgendwann kommt. Das Thema wird ja eigentlich erst seit recht kurzer Zeit intensiv auf der politischen Ebene diskutiert. Solche Ideen brauchen Zeit, um sich durchzusetzen und spruchreif zu werden.

Kirchhof (und mit ihm Merkel) ist ja letztlich nicht an seinem Vereinfachungsmodell gescheitert, sondern an seinem idiotischen Spitzensteuersatz von 25% (Stichwort "flat tax"). Diese Steilvorlage konnte sich die SPD natürlich nicht entgehen lassen. Hätte er 32% gesagt, hätten wir vermutlich jetzt schwarz/gelb mit ihm als Finanzminister.
[posting]17.965.547 von hareck am 20.09.05 14:50:08[/posting]:O Ups, sorry, WO hängt mal wieder.

Muss jetzt arbeiten, viel Spaß noch.
hareck,

hm, die Kernaussagen deiner letzten vier postings scheint mir zu sein:

"Ich sehe das Problem nicht" -
"Natürlich gibt es Probleme, aber die hat es immer gegeben" -
"Wir sollten anfangen uns an Nullwachstum zu gewöhnen"

:confused::confused::confused:

Ich stelle dagegen:

- Ein Rentensystem das in der schlechtesten Verfassung seines Bestehens ist
- Ein öffentlicher Haushalt der in der schlechtesten Verfassung seit Bestehens der Bundesrepublik ist
- Rekordarbeitslosigkeit
- das komplizierteste Steuersystem der Welt
- eine überfällige, aber politisch bisher nicht gewollte Förderalismusreform
- ein überbordender Bürokratismus

Ist es da ein Wunder, dass die Menschen in unserem Land Zukunftsängste haben? - Wo sind die Konzepte um diese Probleme zukünftig zu beseitigen? Ich sehe sie nicht und ich glaube die Mehrzahl der Menschen in unserem Land auch nicht.

Und du "siehst das Problem nicht"..........

Ich finde diese Presseschau aus England zeigt eines sehr genau: auch diese Wahl lieferte keine Weichenstellung zu einer neuen Politik die notwendig wäre um dieses Land zukunftsfähiger zu machen....

Auch das Fazit stimmt: die Deutschen haben wirklich Angst, nämlich vor der fehlenden Qualität unserer politischen Klasse.
@ Freudenspender

Danke für den Artikel :)
Ich suche immer Ideen, weil ich die hier und da für kleine Glossen (kommt Glosse von Gosse? :D :laugh: ) verwurste.

Dieses hier habe ich aus deinem Eröffnungsposting gemacht.
http://www.stock-channel.net/stock-board/article.php3?a=1166

Beste Grüße
Rainer :)
@Rainer:)

bzgl. Artikel über "die Mutigen und die Ängstlichen".

Die Eigenschaft "mutig" wird nun auch neu definiert! So wie Vieles zunehmend über das Portemonaie definiert wird.
YES, Rainer! Es ist immer leichter mutig zu sein, wenn man es sich (finanziell) auch leisten kann, d.h. entsprechend abgesichert ist.

...super und mutiger Artikel;)

Gruß:)
Kosmos
[posting]17.966.381 von Freudenspender am 20.09.05 15:39:22[/posting]Du hast Recht, das waren meine Kernaussagen. Wie siehts mit deinen aus?

Deine Kernthese ist, soweit aus dem ersten Posting ersichtlich: "Nach der Wahl vom Sonntag schwanken viele Menschen von Resignation, z.B. Gedanken über das Auswandern, bis hin zu Ratlosigkeit." Auch nicht viel gehaltvoller.

Also haben wir zwei Positionen: a) es sieht schlecht aus für Deutschland, und b) es sieht doch gar nicht so schlecht aus für Deutschland :laugh:

Zur zweiten Position kommt man, wennn man mal etwas über den Tellerrand schaut. D.h. zum Beispiel, wenn man sich von seinen sogenannten Problemen erdrückt fühlt, mal nach Afrika zu schauen, da findet man wirkliche Probleme. Oder zu realisieren, dass es uns wirtschaftlich noch nie so gut gegangen ist wie im letzten Jahrzehnt. Das hilft gegen Mutlosigkeit und Selbstmitleid.

Ich glaube nämlich, dass die durchaus vorhandene Depression und Zukunftsangst eher die Ursache für die Probleme ist, und weniger die Folge. Deshalb ist es wichtig, sich mal zu vergegenwärtigen, was relativ gut läuft und nicht nur auf die Probleme zu schauen.
[posting]17.966.597 von RainerH am 20.09.05 15:53:52[/posting]@Rainer,

guter Artikel.

Diese im Moment vorherrschende Unsicherheit nützt nämlich jemandem. Nämlich denjenigen, die erzählen, dass der einzige Weg, der Globalisierung zu begegnen, eine weitere Deregulierung der Märkte ist, und die davon profitieren.
Hi, Freudenspender ! :)

Ich wollte ja nicht mehr über den Schwachsinn deutscher Politik diskutieren.
Und ich muss heftig an mich halten, nichts über deutsche Wähler zu sagen, das mach ich zu Hause.

Also halt ich mich an Fakten. :)

Hunderttausende Jugendliche noch ohne Lehrstelle
Unternehmen bieten deutlich weniger Ausbildungsplätze an


BERLIN, 28. Juli. Wenige Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres stehen hunderttausende Jugendliche in Ost und West noch immer ohne Lehrstelle da. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, ist die Lage auf dem Lehrstellenmarkt deutlich angespannter als vor einem Jahr. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze ging seit dem vergangenen Herbst um gut zehn Prozent auf rund 405 600 zurück. Demgegenüber sei die Zahl der Bewerber mit 673 000 nahezu unverändert. Laut der Statistik haben bisher 246 400 junge Menschen noch keine Lehrstelle. Gleichzeitig gibt es aber nur 76 500 freie gemeldete Plätze. "Die Wirtschaft hat damit ihr Versprechen gebrochen, allen Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu machen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock.

Allerdings gibt es auf dem Lehrstellenmarkt erhebliche regionale Unterschiede. So kommen etwa in München auf 100 Bewerber 150 Ausbildungsplätze. Im Osten hingegen ist das Verhältnis negativ: Allein in Berlin suchten Ende Juli noch 9 240 Jugendliche eine Lehrstelle. Dagegen gab es nur 3 430 unbesetzte Plätze. Rechnerisch kämpfen also 100 Bewerber in der Hauptstadt um 37 freie Stellen.

berlin-online vom 29.07.
Rede des Ministers
Demografischer Wandel fordert Stetigkeit der Entwicklung

Minister bei britischen Verbindungsoffizieren in Parow

26.05.04



Marinetechnikschule Parow, 26. Mai 2004. Auf der Jahrestagung des Verbindungsstabes der Britischen Streitkräfte in Deutschland spricht Helmut Holter, Minister für Arbeit, Bau und Landesentwicklung, heute zum Thema „Demografischer Wandel und Arbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern“. Hier Auszüge aus dem Redemanuskript.

In Mecklenburg-Vorpommern leben so viele Menschen wie in Nordirland, das Land hat die Größe der Region South West und seine Bevölkerungsdichte ist vergleichbar mit der Schottlands. Neben diesen und anderen äußerlichen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch solche, die direkt mit unserem heutigen Thema zu tun haben. Zum Beispiel: Die Briten wie die Mecklenburger und Vorpommern sind seit jeher ein Volk von Auswanderern gewesen.

Viele sind in der Vergangenheit weggezogen, weil sie in der Fremde auf bessere Lebensbedingungen hofften, weil sie Arbeit suchten. Zum Auswandern gehört jedoch auch Mut, sich auf ein neues Leben einzulassen. Gehört der Mut, Brücken hinter sich abzubrechen. Diesen Mut hat nicht jeder, weil immer auch das Risiko des Scheiterns besteht. Deshalb gehen damals wie heute die Jungen, die Flexiblen, die mit guter Ausbildung, die Ambitionierten.

Dieser Aderlass an Humankapital macht Mecklenburg-Vorpommern schwer zu schaffen. Jedes Jahr verlassen mehr als 5.000 junge Menschen das Land. Dies ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal des Nordostens. Viele europäische Länder sind von Abwanderung betroffen und alle von zurückgehender Bevölkerung. Alle heutigen EU-Staaten zusammen werden bis 2050 rund 35 bis 40 Millionen Einwohner verlieren. Schon den Entdeckern der frühen Neuzeit galt Europa als Alte Welt. In den nächsten Jahrzehnten wird Europa auch in wirtschaftlicher und demografischer Hinsicht zu einer alten Welt.

Zunächst hat das mit der stetig sinkenden Geburtenrate zu tun. Die Zusammengefasste Geburtenziffer (englisch Total Fertillity Rate), fasst die Zahl der Lebendgeburten aller Frauen im gebärfähigen Alter zu einer Zahl zusammen. Die Bevölkerung eines Landes stabilisiert sich langfristig bei einer Rate von 2,1 Kindern pro Frau. Dieser Wert wird seit Jahrzehnten in keinem Land Europas mehr erreicht. Dies hat einerseits damit zu tun, dass absolut weniger Kinder geboren werden und andererseits damit, dass viele Mütter ihre Kinder nicht mehr mit Anfang zwanzig bekommen, sondern wenn es - bedingt durch Ausbildung und Beruf - besser in die Biografien der Mütter passt.

Hinzu kommt, dass seit den 70er Jahren der Anteil der Frauen, die ein Leben lang kinderlos sind, extrem angestiegen ist. Über 30 Prozent der Frauen in Deutschland bekommen gar keine Kinder mehr - Tendenz steigend. Mecklenburg-Vorpommern hat aber nicht nur ein Problem mit der sinkenden Anzahl der Geburten. Insbesondere in den Altersklassen der 18- bis 29-Jährigen fehlen bereits jetzt vielerorts die Frauen. Ursache dafür ist die Abwanderung und die Verschlankung dieser Jahrgänge infolge des Geburteneinbruchs Anfang der 90er Jahre. Und Frauen, die nicht geboren werden, können auch keine Kinder kriegen. Deshalb wird sich die Zahl der jungen Frauen bis zum Jahr 2020 halbieren.

Dem gegenüber steht die Tatsache, dass sich die Lebenserwartung der Menschen stetig erhöht. Die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener steigt in Mecklenburg-Vorpommern bei Jungen bis 2020 um fast 5 Jahre und bei Mädchen um mehr als 3 Jahre. Jedes zweite Mädchen, das heute geboren wird, könnte 100 Jahre alt werden. Diese an sich erfreuliche Tatsache hat jedoch große Auswirkungen auf die Sozialsysteme.

Das Alter spielt auch bei den Wanderungsbestrebungen eine große Rolle. Die meisten kommen oder gehen zwischen 20 und 30, das ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht anders als anderswo. Lediglich die Altersgruppe der etwa 60-Jährigen zieht es offenbar verstärkt nach Mecklenburg-Vorpommern, hier ist eine leichte Zunahme bei den Zuzügen feststellbar.

Insgesamt wird das Land seit der Wende bis zum Jahr 2020 eine halbe Million Menschen verloren haben. So viele, wie in Edinburgh beheimatet sind. Dann werden nur noch eineinhalb Millionen Mecklenburger und Vorpommern im Nordosten wohnen. Wegen der weiterhin niedrigen Geburtenraten und der fehlenden Eltern in spe wird sich der Bevölkerungsrückgang weiter fortsetzen. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung spricht für 2050 von rund 1,25 Millionen Einwohnern für Mecklenburg-Vorpommern.

Die Zahlen werden also kleiner - sowohl die der Einwohner und die der neu geborenen Mecklenburger und Vorpommern. Leider auch die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In Mecklenburg-Vorpommern hatten Ende 2003 noch 700.000 Erwerbstätige einen Arbeitsplatz. Tendenz abnehmend. 180.000 Menschen sind als arbeitslos registriert. Hinzu kommen weitere 50.000 Menschen, die in der Statistik als Arbeitslose auftauchen. Dem gegenüber standen Ende April landesweit weniger als 7.000 offene Stellen, Tendenz ebenfalls abnehmend. Das sind die Fakten.

Fortsetzung: http://www.am.mv-regierung.de/pages/rede_20_04.htm
[posting]17.969.054 von die_Igelin am 20.09.05 18:19:15[/posting]@Igelin,

ich ärgere mich auch immer über die deutschen Wähler.

Hauptsächlich über die, die was anderes gewählt haben als ich ;)

Gruß

H.
01. September 2005
13:36

Schüssel: Deutsche Hartz-Reform Mitschuld an heimischen Arbeitslosen
Deutsche Gewerkschaften sollten wie österreichische stärker mit Unternehmern zusammenarbeiten

Berlin/Wien - Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) gibt der deutschen Arbeitsmarktreform Hartz IV eine Mitschuld an den stetig steigenden Arbeitslosenzahlen in Österreich. "Es ist jetzt plötzlich sehr viel attraktiver geworden, bei uns Arbeitslosenunterstützung zu bekommen", sagte Schüssel in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe).

Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland

Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (ÖVP) hatte bereits in den vergangenen Monaten immer wieder den starken Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland für die angespannte Arbeitsmarktsituation in Österreich mitverantwortlich gemacht. Vor allem im österreichischen Tourismus hatten deutsche Gastarbeiter Jobs als Saisonniers gefunden. Aber auch auf Grund der hohen Exportabhängigkeit der österreichischen Wirtschaft verwies Bartenstein zuletzt immer wieder auf Deutschland. "Eine Trendwende am Arbeitsmarkt ist nur über mehr Wachstum erreichbar. Da sind wir zu 80 Prozent auf das Ausland angewiesen", so Bartenstein zuletzt.

.................................................

Die Leute wollen nicht nur auswandern. Sie tun es.
deutschland armes vaterland.

der von igel aufgezeigte demografische wandel wird kommen. dies hat konsequenzen u.a. für renten-, kranken- und pflegeversicherung.
ich bin sehr froh, der bfa "lebe wohl" gesagt zu haben ;)

wenn es für mich als ingenieur in deutschland nichts mehr zu erledigen geben sollte, es ist in den letzten zehn jahren auch dank der "politik der ruhigen hand" bereits deutlich weniger geworden, werde ich nach australien, neuseeland oder kanada gehen, dort werden wir benötigt. ich werde mich in guter gesellschaft befinden, viele der fähigsten (z.b. ärzte in skandinavien usw.) sind bereits weg und werden samt kind und kegel so schnell nicht zurückkehren.

ich finde es sehr weise von igel seinen lieben auch die andere seite des tellerrandes zu zeigen.

gruss penny - flexibel :cool:
wie schon mal angedeutet, haben drei Leute einen ziemlich großen Fundus an Fakten zusammengetragen.

Ingenieure

Abstieg in die 4. Liga - Arbeitslosigkeit
« Antworten #247 am: 13.04.2005 um 19:54:38 »

Die große Stellenlüge?
Ingenieure 65 000 Arbeitslose - aber angeblich sind 15 000 Positionen frei

Von Mark Hübner-Weinhold

Es ist fast schon ein Ritual: Pünktlich zur Hannover Messe (11. bis 15. April) stimmen die Industrie- und Berufsverbände alljährlich die Litanei an, daß der deutschen Wirtschaft mehrere Tausend Ingenieure fehlen, derzeit angeblich 15 000.

Auf der anderen Seite hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) aktuell etwa 65 000 arbeitslose Ingenieure registriert, die höchste Zahl unter den jobsuchenden Akademikern in Deutschland. Wie ist dieses krasse Mißverhältnis zu erklären?

"Viele der arbeitslosen Ingenieure sind leider nicht qualifiziert genug für die speziellen Anforderungen der Unternehmen", sagt Birgit Madsen, Geschäftsführerin der Hamburger Zeitarbeitsfirma Hanseteam. Sie hat sich auf die Vermittlung von Fachpersonal für die Branchen Luftfahrt, Schiffbau, Metall- und Elektroindustrie sowie Logistik spezialisiert. "Selbst ein erfahrener Maschinenbauer läßt sich nicht einfach in allen Branchen einsetzen", erklärt Madsen. Allerdings, so räumt sie ein, seien die im Stellenprofil genannten Anforderungen "manchmal extrem hoch, aber in der Position gar nicht erforderlich."

Daß manche Unternehmen die Meßlatte überzogen hoch legen, habe auch mit Imagepflege zu tun, argwöhnt Ben Krischausky, Hamburger Unternehmensberater mit langjähriger Personalerfahrung im Maschinenbau: "Und auch angeblich dringender Personalbedarf macht im Markt natürlich einen guten Eindruck." Die Verbände würden zudem die Zahlen hochdrücken, um mehr junge Menschen für ein Ingenieursstudium zu motivieren, sagt Krischausky.

Mit anderen Worten: Der angebliche Bedarf von 15 000 Ingenieuren ist offenbar gar nicht vorhanden. Kay Tangermann, Chef der Werbeagentur Tangermann mit Sitz in Hamburg und München, spricht sogar von einer "Ingenieurs-Lüge: Es gibt nicht soviele freie Stellen, wie die Industrie uns weismachen will. Zu behaupten, man fände keine Ingenieure, ist eine Ohrfeige für die 65 000 Ingenieure ohne Arbeit. Da ist ein gigantisches Kapital an Erfahrung und Wissen, das in Deutschland brachliegt."

Tatsache ist: Selbst 25jährige Informationstechniker mit gutem Abschluß und Auslandserfahrung wie Sascha L. aus Ahrensburg erhalten auf 70 Bewerbungen nur Absagen - wenn die Firmen überhaupt auf seine Bewerbung reagieren. Ein anderes Beispiel: Der Hamburger Jochen L. (38), Fahrzeugbauingenieur mit guten bis sehr guten Zeugnissen und 13 Jahren Erfahrung als Projektmanager in der Automobilindustrie, im Anlagenbau und in der Produktion, bemühte sich mehr als ein halbes Jahr vergeblich um eine neue Stelle - auch bei Unternehmen, die in der Presse dringenden Personalbedarf verlauten ließen.

"Das sind keine Einzelfälle", sagt Ben Krischausky. Das Problem sei, daß die Arbeitgeber hochspezialisierte Fachkräfte suchten, die haargenau ihrem Profil entsprächen. Die Unternehmen seien aber nicht bereit, selbst Ingenieure weiterzubilden, denen vielleicht nur ganz aktuelle Software-oder IT-Kenntnisse fehlten. "Die Firmen wollen Leute haben, deren Wissen up-to-date ist", bestätigt VDI-Pressesprecher Michael Schwartz. Beim VDI hat man das Dilemma offenbar erkannt. "Es muß mehr in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert werden. Das gilt auch für Neueinstellungen. Da passiert einfach zuwenig", mahnt Schwartz die Unternehmen an.

Ein weiterer Grund, warum angeblich soviele Stellen unbesetzt bleiben, ist die oft beklagte Immobilität von Ingenieuren. "Die Bereitschaft, sich örtlich zu verändern, ist schwach ausgeprägt", sagt Karsten Wolff von der MR Personalberatung in Hamburg. Auch Zeitarbeitsvermittlerin Madsen berichtet: "Ich erlebe ständig, daß selbst arbeitslose Kandidaten nicht ausreichend flexibel sind."

Bei Ingenieuren, die in fester Anstellung beschäftigt sind, ist die Immobilität naturgemäß noch stärker ausgeprägt. "Die Flexibilität des Standortwechsels ist oft nicht gegeben; der Wille, einen Seitenschritt mit realistischer Aufstiegsperspektive zu wagen, gleichfalls nicht", wie Kienbaum-Beraterin Sabine Rutkowski bestätigt. Hinzu komme, daß Projektingenieure oft zu technisch ausgerichtet seien und eine kanalisierte Ausbildung absolviert hätten. "Sie bringen zu wenig Kreativität und interdisziplinäres Agieren mit", beschreibt Rutkowski die Situation.

Kein Wunder also, daß die Suche nach hochqualifizierten Spezialisten sehr aufwendig ist. MR-Berater Wolff bestätigt das: "Konstrukteure zum Beispiel sind eine sehr gesuchte Spezies und schwer zu finden." Werbeexperte Kay Tangermann ist da anderer Ansicht: "Mit einer professionell gestalteten Stellenanzeige im richtigen Umfeld kann jedes Unternehmen auch die schwierigsten Stellen besetzen."

http://www.abendblatt.de/daten/2005/04/09/419248.html

..........................................................

Danke, penny01 :)

Nichts desto trotz wird tatsächlich gejammert.
Meist von denen, denen es noch garnicht so schlecht geht.
Es geht dem deutschen Wahltrottel tatsächlich noch nicht schlecht genug.
zu Posting `1:
===============

Einseitige Darstellung der Wahlreaktion aus Grossbritannien

Einer unserer Leser, Peter Hammels, macht uns auf die selektive Wahrnehmung der Reaktionen Großbritannien auf die Wahl in Deutschland, hier bei SpiegelOnline, aufmerksam. Ein Beispiel für die tägliche Manipulation. Das große Bild der Manipulation setzt sich aus solchen kleinen Mosaiksteinchen zusammen. Zu Ihrer Information übernehmen wir Hammels Leserbrief an SpiegelOnline. (AM)
„Im Spiegel.de-Artikel: "WAHLREAKTION AUS GROSSBRITANNIEN: Vom Exportweltmeister zum Angstweltmeister" muss man folgendes lesen:

"Sogar linksliberale Blätter wie der "Guardian" sind entsetzt über die Unfähigkeit der Deutschen, ihre seit Jahren kriselnde Marktwirtschaft zu reformieren. "Diese Wahlen wurden gekennzeichnet durch tiefen Pessimismus, fundamentale Desillusionierung über die großen Parteien und Wählern, die vielleicht den Bedarf für Reformen gespürt haben mögen, aber deren Auswirkungen fürchteten", schreibt das Blatt. Vom Exportweltmeister zum Angstweltmeister."

Dazu habe ich folgenden Leserbrief geschrieben:

Sehr geehrter Herr Hüetlin,

meinen Sie denselben Guardian wie ich? Dann sollten sie das gesamte Meinungsbild dieser Zeitung abbilden und auf folgende Beiträge in diesem Blatt hinweisen:

Jonathan Steele: "Above all, this was a vote against neoliberalism"

Auszug: "But Sunday`s central message was a protest against neoliberalism. It had much in common with this summer`s votes in France and the Netherlands against the EU constitution. Germany`s paradox is that a country which is the world`s second-largest exporter and can compete globally has an internal market where employers decline to invest, small business stagnates and joblessness is high."

Larry Elliott (Guardian`s economics editor): "Germany says no to neo-liberal economics"

Auszug: "Lafontaine has always said that Germany needs a more reflationary economic policy: yesterday`s results suggest that people are now starting to listen."

William Keegan (Observer`s senior economics commentator): "All is not lost"

Auszug: "Despite all the hand wringing this week, all may not be lost. The classic route to a recovery of domestic demand in Germany is via higher exports, greater investment, and then higher consumer spending. Despite all the propaganda suggesting German investment is going to China and eastern Europe, investment has recently shown signs of recovering within Germany itself, as the Bundesbank has noted."

MfG, Peter Hammels

=============

Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/cms/front_content.php?client=1&…

@ Freudenspender, Du sagtest, aus Deiner Sicht verständlich:
"der mir sehr treffend erscheint, auch weil es ein emotionsloser Blick von außen auf unser Land ist:"
aber Spiegel online hat selektiert, und damit
korrigiert? manipuliert?

beste Grüße
Rainer :)
Rainer, :)

sicherlich, wenn man die vielfältige Presselandschaft eines so großen Landes wie GBR in einen 100-Zeilen-Artikel pressen will, musst du Ausschnitte selektieren.

Mir war wichtig wegzukommen von den deutschen, ideologisch eingefärbten Kommentaren, hin zu einem Blick von außen, der nicht Sklave des deutschen Parteiengezänks ist. Da kann ich sicher sein, dass der Redakteur nicht ein Parteibuch irgend einer deutschen Partei in der Hosentasche stecken hat.

Wenn spiegel-online dann Zitate in einem Artikel zusammenfasst ist das zwar Selektion, aber dennoch aus Presseorganen über das gesamte britische politische Spektrum hinweg. Damit ist jedoch keineswegs widerlegt, dass dies der (Angst) Tenor der britischen Kommentare zur deutschen Wahl war. Alles andere wäre eine Unterstellung gegen den Spiegel in Richtung einer bewussten Manipulation. Bist du sicher, dass du so weit gehen willst :confused:

Ich selbst habe letztlich diesen Artikel selektiert, weil seine Kernaussage auch mein persönliches Empfinden widerspiegelt und ich ihn als eine gute Diskussionsgrundlage empfunden habe um herauszubekommen, wie die Teilnehmer am 50-er Forum über diese Frage denken.

Ich habe darauf gehofft eine Diskussion zu entfachen über die Frage: haben die Deutschen so gewählt weil sie Angst haben vor den Konsequenzen von in meinen Augen notwendigen Reformen? Diese Frage wirft der Artikel sehr genau auf, deshalb habe ich ihn ausgesucht.

Stattdessen stürzte sich hareck mit Vehemenz in eine Diskussion über die Schuld oder Unschuld von Rot-Grün am Problemstau. Das war genau die parteipolitisch-ideologische Diskussion die ich eigentlich vermeiden wollte. Und nun kommst du und stellst die Qualität der Zitatselektion des Spiegels in Frage........

Offensichtlich ist es mir nicht gelungen mit diesem Artikel die Diskussion in die gewünschte Bahn, bzw. auf die gewünschte Frage zu lenken. Übrigens habe ich die Thread-Überschrift im Gegensatz zum Spiegel mit einem Fragezeichen versehen. Nicht ohne Grund.
@ Freudenspender

Das Fragezeichen in der Überschrift habe ich wohl bemerkt :)
und ich sage ja auch, daß Du diesen Artikel zu Recht als "zutreffende Beschreibung" benennst.
Insofern ist mein Einwurf "off topic" - sorry.
Vielleicht liegt es daran, daß ich seit der NRW-Wahl im Spiegel schon glaube, eine Trendwende zu erkennen.
Fein sichtbar (z.B.) an den Fotos.
War BIS DAHIN Frau Merkel immer mit den herabhängenden (mürrischen) Mundwinkeln dargestellt, war AB NRW-Wahl so ein Foto kaum zu finden.
Man neigte sich der (sicher scheinenden) kommenden Kanzlerin zu. Also Manipulation? Aber zumindest Meinungsmache, ja das meine ich.
Und dahin ging halt meine Ergänzung Deiner Postings Nr 1 mit dem Leserbrief.
.
Zur Grundsatzfrage, da habe ich im Prinzip mit meiner Glosse (siehe Link) geantwortet aus meiner Sicht.
Angst haben IMMER die anderen ;) (wobei ich deswegen nicht automatisch die einen bin ;) )
Ich glaube, diese Frage ist kaum (kaum? garnicht!) beantwortbar.

Viele Grüße
Rainer :)
seid ihr noch nicht müde über politik zu reden? ;)
sicher manipuliert der spiegel, das ist nichts neues, aber ich habe in der französischen presse ähnliches gelesen, so muss also doch was dran sein...

dennoch, ich finde die argumente von "hareck" durchaus nachvollziehbar, so denken viele.


überhaupt, was kann der deutsche wähler dafür, dass spitzenleute heutzutage lieber in die wirtschaft gehen als in die politik, ausnahmen bestätigen natürlich die regel. eine breite politische klasse gibt es in deutschland nicht.

im eingangsposting hiess es u.a.

Die britischen Reaktionen auf die Wahl schwanken zwischen ungläubigem Staunen und tiefer Sorge. Die Briten können es nicht fassen, dass das ehemalige Wirtschaftswunderland aus Angst die notwendigen Reformen nicht anpackt - und ein Wahlergebnis produziert, das die Malaise noch verschlimmert.

es gibt ja nicht den wähler als solchen, der für das wahlergebnis verantwortlich ist, niemand weiss schliesslich, was die anderen 50 millionen wählen :rolleyes: ausserdem, notwendige reformen, mir hat das bisher noch niemand plausibel erklären können...ich komme noch darauf....

dass bei rekordarbeitslosigkeit angst vorherrscht und jedem das eigene hemd am nächsten ist, wen soll man dafür bestrafen?
krank feiern geht heute nicht mehr, 35 std. woche ist vorbei, samstagsarbeit bald schon wieder die regel, kostenlose überstunden sind gern gesehen. wer ist vor dem hintergrund der eigenen unsicheren zukunft bei gleichzeitig immer weiter steigenden (energie)kosten usw. bereit, von seinem gehalt noch mehr kürzungen hinzunehmen?
natürlich geht es den deutschen viel zu gut, aber das sagt sich alles so leicht!

nein, die deutschen sind kein angstweltmeister, sind sind eine nation, der bisher noch niemand einen lösungsweg aufgezeigt hat, um aus dem tal der tränen herauszukommen.

wenn jemand in der lage wäre, dem gemeinen volk die probleme und die dafür notwenigen reformen so zu erklären, ohne polemik, ohne vorspielung falscher tatsachen, was wo getan und wie finanziert werden müsste, dann könnte sich eine mehrheit bilden, die so einen dringend notwendigen reformkurs unterstützen würde.

ausser einen "kirchhof" flop habe ich im letzten wahlkampf nichts mitbekommen.

vermutlich fehlt auch die eingangs erwähnte politische klasse .....ausserdem, ausser einem seehofer fällt mir niemand ein, der 100%ig glaubwürdig rüber kommt, auch ein manko, das ich weiss nicht wie behoben werden kann.

das rad dreht sich weiter....

fazit:

schau mer mal!
[posting]17.982.325 von Freudenspender am 21.09.05 17:10:45[/posting]haben die Deutschen so gewählt weil sie Angst haben vor den Konsequenzen von in meinen Augen notwendigen Reformen?

Hi, Freudenspender ! :)

SO habe ich Deinen Beitrag in #1 nicht verstanden.
Damit sind meine Beiträge kontraproduktiv und zu streichen.
Tut mir leid.

Um auf die Frage zu antworten:

Nein, sie haben keine Angst vor den Konsequenzen von Reformen.

Gruß :)
Noch keinem von euch aufgefallen, dass der Kapitalismus sich jetzt so entwickelt, wie Karl Marx es prognostiziert hat?

Dass die Briten, die teils mit hüpfenden Brüsten ihre danach im Rollstuhl, Sarg oder als psychische Wracks aus Falkland oder Irak - um nur die Neuzeit zu nehmen - Zurückgekehrten angefeuert haben, spricht natürlich für ihre Urteilskraft...

:cry:
[posting]17.982.325 von Freudenspender am 21.09.05 17:10:45[/posting]Freudenspender,

haben die Deutschen so gewählt weil sie Angst haben vor den Konsequenzen von in meinen Augen notwendigen Reformen?

also von aussen betrachtet sieht die deutsche Stimmung so aus:
Ihr werdet demnächst aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen. Da kann dann nix mehr schiefgehen.
Mut zum Risiko ? :eek: Das könnte ja gefährlich sein !
Es könnten ein paar Käfer draufgehen.
oder die Türken beleidigt sein.
oder die Ossis.
oder die Grünen.
oder es könnte sonst politisch nicht korrekt sein.
oder es könnte einer REICH werden damit (letzteres ist zwar mehr die österreichische Angst, könnte aber ansteckend sein)

Es müssen also vor jeder Tat ein paar Dutzend Gutachten her, die über alle möglichen und unmöglichen Folgen bis ins dritte Glied Auskunft geben.

Ja, ihr seid ängstlich geworden - nicht nur ihr, aber ihr mit eurer deutschen Gründlichkeit eben ein bißchen mehr als andere.:(
Irgendwie ist der Pioniergeist weg - bei euch etwas mehr als anderswo :(

Ich hoffe, im Inneren sieht es bei euch anders aus, und mit überschäumendem Optimismus bastelt ihr gerade an ein paar neuen Produkten, die den Weltmarkt erobern werden :)

Ich habe euren Wahlkampf nicht detailliert verfolgt, aber irgendwie hat es die ganze Zeit so ausgesehen, als ob die CDU VIEL zu siegessicher und zu überheblich war - und dafür die Rechnung präsentiert bekommen hat.
Auf die Gefahren der jetzigen Situation -nämlich die Möglichkeit einer Rotfront-Regierung- ist im Wahlkampf niemand eingegangen ?
Übrigens:
Nur jemand, dem jegliches Gerechtigskeitempfinden fehlt, kann es akzeptieren,
dass Manager, durch deren Fehler viele Menschen arbeitslos wurden (und Aktionäre viel Geld verloren haben),
auch noch mit fürstlichen millionenschweren "Abfindungen" zur nächsten Firma geschickt werden, die dann ähnliche Erfahrungen machen muss.

Aber über das dagegen lächerliche Gehalt von Politikern wird von den schlichten BILD- und Stammtischstrategen wohlfeil dummbarzig hergezogen.

Kotz!
. . . nochmals zur Angst vor Reformen.
Es gibt Leute, die denken, solche haben stattgefunden:
=========================================================
ZEIT: Aber Münteferings Kapitalismuskritik hat die SPD auch nicht retten können.

Rühmkorf: Dennoch fand ich sie mehr als berechtigt. Ein wahrhaftes Bibelwort, das endlich mal in die Diskussion hereinplatzt. Die alten Vokabeln reichen nicht mehr. Raubtierkapitalismus – daran hatte man sich schon gewöhnt. Das ging einem leicht über die Lippen. »Heuschreckenplage« – das war mir aus der Seele gesprochen. Neue Metaphern für diesen neuen kapitalistischen Arbeitsplatzvernichtungsfeldzug. Mit einer bestimmten Sorte Kapital ist kein Frieden zu schließen. Es ist ja nicht mehr der alte Kapitalismus, mit dem man sich auseinander setzt. Es ist ja ein Tsunami, mit dem man zu tun hat. Und wenn diese gar nicht mehr fassbaren Mächte gewirkt haben, dann ist die SPD dran schuld. Da würd ich den anderen schon mal wünschen, die Verantwortung zu übernehmen. Die wird ja ausgehöhlt werden. Die Verantwortung von Arbeitgebern gegenüber ihren Schutzbefohlenen ist schon völlig aufgelöst. Da herrscht nur noch die asoziale Selbstbereicherung.

Quelle: http://zeus.zeit.de/text/2005/22/R_9fhmkorf

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Es ist eben die Sichtweise.
Für den, der von Arbeit auf Hartz4 abgestürzt ist, da waren / sind die Reformen existenziell,
um im o.a. Interview zu bleiben, tsunami-mäßige Reformen.
Und das gilt für viele andere auch.

Viele Grüße
Rainer :)
Hallo Freundenspender, :)

Nicht gleich enttäuscht sein.

Es ist ganz normal, dass bei solchen Diskussionen 2 total entgegengesetzte Meinungen sich bilden- und sie entsprechend vertreten werden.

Normal, aber genau das ist das schreckliche , denn es beweißt das die Spaltung zwischen arm und reich in einem fortgeschrittenen Stadium Realität geworden ist und der blanke Egoismus bei den Letzteren, die Hilferufe der Ersten überhört.

Das was wir jetzt bitter nötig haben, nämlich Verständnis und Solidarität für die wirklich Notleitenden – und es gibt davon mittlerweile reichlich in Deutschland – wird abgetan mit dem Argument erst alles für die Unternehmer zu tun, dass diese Arbeitsplätze schaffen.

Und das ist die größte Lüge , sie werden nämlich keine schaffen und wenn sie doppelt soviel Gewinn am Ende des Jahres ausweisen. Das haben uns doch die letzten Jahren schmerzlich bewiesen. Ich denke jeder hat viele Beispiele in Erinnerung und ich brauche keine extra zu benennen. Nicht zu letzt, der Gewinn bei den Krankenkasse, der zu Beitragsermäßigung dienen sollte, von wegen, er füllt jetzt zusätzlich die Direktoren- und Vorstandstaschen.

Kein Wunder, dass es dann ein Rutsch in die Linke Partei gibt die zumindest Linderung verspricht. Auch wenn sie erst mal zuviel verspricht und das Paket schwer zu finanzieren ist.
Wenn viele unnötige Verschwendungen verhindert werden, die Parlamentarier beispielhaft vorangehen und das Wort SOLIDARITÄT wieder größer geschrieben wird, lässt sich die Finanzierung schon verwirklichen.

Was Deutschland jetzt braucht ist:

1) keine schwarze Partei die noch alles schlimmer macht.
2) Keine rote Partei die ihre, teilweise gute Ansätze, nicht realisiert oder wieder verwässert oder blockiert wird vom den CDU/CSU Länder
3) Schon gar keine Gelben, die der Untergang wären

Deutschland braucht Führer, ( dass mir jetzt keiner „ Heil“ sagt;) )

- Die das geteilte Volk wieder hinter sich einigt und derer Arbeitkräfte sinnvoll einsetzt.
- Die dem Volk wieder das Sicherheitsgefühl zurück bringt und die Lust am Wohlstand neu erweckt.
- Die die jungen Familien wieder motiviert Kinder zu zeugen. - Reformen OHNE Angst aber mit viel GERECHTIGKEIT in Gange setzt
- Und so weiter

Ich bin kein Roter, kein Schwarzer, ein bissl Grüner, aber an Monarchie hätte ich gefallen.
Vielleicht sollte ich anstatt Führer, König schreiben.

Mit gutem Willen wirst es nicht so schlimm wie es aussieht.

Gérard
[posting]17.984.261 von AdHick am 21.09.05 18:54:27[/posting]EINSPRUCH, euer Ehren !

Der Bezahlung dieser Managergehälter kann man sich durch Verkauf der Aktie entziehen. Beim Politikergehalt ist dies wesentlich schwerer, da ist der Versuch strafbar :mad:
[posting]17.963.752 von Freudenspender am 20.09.05 12:27:47[/posting]Hallo Freudenspender,

jetzt wird`s schon wieder sehr politisch dogmatisch in diesem Thread. Ich komme zu Deiner Frage zurück und antworte:

Ja, "die Deutschen" sind Angstweltmeister!

Die Grundstimmung einer gewissen "Übervorsicht" vermischt sich immer mehr mit der "Beunruhigung" durch so schlimme Sachen wie Globalisierung, Zuzahlung, Abschlag, Freisetzung usw. Das erzeugt klarerweise Angst, sogar viel Angst. Vor allen bei denen, die noch nicht erkannt haben (=denen man es noch nicht ruhig und sachlich erklärt hat) in welchem Zustand sich der Staat befindet. Andere haben den Zustand erkannt und die Konsequenzen gezogen: Sie wandern aus, mehr als 100.000 pro Jahr. Und das sind, wie in jedem Unternehmen, meist Leistungsträger.

Ich bin sehr skeptisch gestimmt über die Zukunft der Gesellschaft dieses Landes.

cormons,
ein Ausländer der seit vielen Jahren bei Euch lebt, arbeitet und etwas unternimmt.
`Die Deutschen starren in den Abgrund und stecken trotzdem den Kopf in den Sand.`

John Hulsman, US-amerikanischer Deutschland-Experte


Aus meiner Sicht trifft das den Nagel auf den Kopf.
Vorhin war ich etwas kurz angebunden, ich ergänze:

eine kurze Analyse des Wählerklientels bringt da weiter.

62 Mio Wahlberechtigte.

Die Masse davon dürfte noch in Lohn und Brot stehen.
DIE wollen keine Veränderung.

Eine weitere, große Gruppe:

die Rentner.

Auch die kriegen regelmäßig was auf`s Konto. Mit dem sie bis jetzt gut auskommen.
Auch sie wollen keine Veränderung.

Die Nicht-Eltern

Eine sehr große Gruppe, denen das Hemd näher sitzt als die Hose.
Verständlich.
Auch sie wollen keine Veränderung.

...................................................

Allen zusammen ist etwas gemeinsam:

sie haben Angst.
Die Nachrichten gehen nicht so ganz spurlos an ihnen vorbei.

Aber diese Angst ist eher undefinierbar, NOCH geht es ihnen ja gut.

Und langfristig sind wir eh alle tot.

Dass langfristig schon morgen sein kann, wird verdrängt.
Nur mit der SPD geht es ein bisschen schneller.

Gruß
[posting]17.987.946 von die_Igelin am 22.09.05 01:45:41[/posting]Hallo Igelin,

von den 62 Mio. Wahlberechtigten stehen lediglich ca. 24 Mio. vollzeit in Lohn und Brot (!!!), ca. 2 Mio. stehen nicht sozialversicherungspflichtig in Lohn und Brot, und dann gibts da noch ein paar (viel zu wenige) Selbständige.

Das ist nicht gut!
Moin,

ich empfehle jedem, "Die Zeit"von heute zu studieren. Irgendwie finde ich für mich persönlich die Sache dort viel besser und treffender beschrieben, als die Reaktionen hier. Die Kommentare zeigen für mich deutlich, dass jene, die Angst und Untergang anprangern, genau daran selber glauben.
Dort wird unter anderem auch mit dem ach so tollen auswandern und der rückständigen deutschen Wirtschaft aufgeräumt.
Sicher, es ist noch ein weiter, steiniger Weg,aber- es geht in die richtige Richtung und ist bei weitem nicht so dunkel, wie es manche hier gerne hätten.

Nochmal zur Wahl: Was hat das Volk denn Böses entschieden? Es hat deutlich gemacht, dass es weder der einen noch der anderen "grossen" Partei vertraut, dass nicht alles gut oder schlecht ist, was in den Parteiprogrammen steht.
Das Volk hat entschieden, dass beide Grossen zusammen arbeiten sollen und müssen, dass keiner aus der Verantwortung genommen wird,noch einer die alleinige Verantwortung übertragen bekommt.
Nun können die Verantwortlichen zeigen, ob es Ihnen um das Wohl des Volkes und der Republk geht, oder doch eher um ureigene Interessen und Pfründe.

Genau daran werden sie sich messen lassen müssen
Gnomi,

ja, das ist auch eine Sichtweise von der ich glaube das sie weit verbreitet ist: die eigenen Ängste bei anderen zu negieren.

Ich gebe zu, ich habe mich selbst auch schon bei dieser Selbsttäuschung ertappt, indem ich andere Menschen Ängstlichkeit vorgeworfen habe und aber mit etwas Abstand feststellen musste, dass ich auch nicht frei von diesen Ängsten war.

Das Meinungsbild hier ist ja ziemlich gemischt. Cormons („Ja, die Deutschen sind Angstweltmeister“)und Big Mac („Ja, ihr seit ängstlich geworden.....ein bisschen mehr als andere“) bejahen die Frage des threads eher, während Rainer die Frage für nicht beantwortbar hält und tropezon mit seinem Optimismus eine etwas andere Sichtweise hat, während Starkbier („nein, die Deutschen sind keine Angstweltmeister“) die genaue Gegenposition vertritt.

Igelin, bei dir blicke ich nicht durch :confused: In #29 schreibst du „Nein, sie haben keine Angst vor den Konsequenzen der Reformen“ , in #38 zählst du alle großen Wählergruppen auf, die Angst haben. Was ist dein Fazit?

Wenn ich für mich versuche ein Fazit zu ziehen, dann beschleicht mich das Gefühl, dass gnomis letzte Feststellung schon die Mehrzahl der Bürger für sich entschieden hat: die Ängste rühren daher, dass die Mehrzahl der Bürger unserer politischen Klasse nicht zutraut die anstehenden Probleme zu lösen.
ich denke, die Deutschen haben klug gewählt, Himmelangst wäre mir, sie hätten keine Angst gezeigt vor einer politischen und wirtschaftlichen "Elite", die die Probleme erst herbeigeführt hat, vor denen wir jetzt stehen. Mit ihrer Kompetenz zur Problemlösung hat sich diese "Elite" in der Geschichte selbst ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Danach hat man den Deutschen vorgeworfen, sie hätten fanatische Begeisterung gezeigt und dabei geflissentlich übersehen, dass die Strippenzieher der "Eliten" die Ernennung des Reichskanzlers herbeigeführt haben. Wenn man die Kontinuitäten der deutschen Geschichte und ihrer "Eliten" und deren internationale Gesellschaft ansieht, dann kann einem Angst und Bange werden.
[posting]17.997.074 von Freudenspender am 22.09.05 17:18:44[/posting]guten abend :)

Zugegeben, das liest sich etwas widersprüchlich.

`Sie haben Angst, unbestimmte Angst.`

heißt:

eher davor, vielleicht arbeitslos zu werden, vielleicht arm im Alter, vielleicht den Arzt selbst zahlen zu müssen.

Aber:

bis jetzt ist es ja noch nicht soweit, der überwiegenden Mehrheit geht es noch ausgesprochen gut.
Und vielleicht geht der Kelch (der o.g. Vielleichtigkeiten) ja an ihnen vorbei.

Deshalb haben sie keine Angst vor Reformen, sie halten sie einfach nicht für notwendig.
Denn es geht ihnen gut.
Zu gut.

Gruß :)
Hallo Igelin,

ich habe das Gefühl, dass Du ständig versuchst, den Leuten einzureden, dass sie so denken, wie es Dir gerade in den Kram passt.

Reformen hat sich so gut wie jede Partei auf die Fahnen geschrieben:Manche vielleicht besser als andere, wobei das zu beweisen gar nicht einfach ist. Siemens ist ein absolut Klasse-Beispiel.
Was, wenn die Entscheidung tausende von Arbeitsplätzen zu streichen, vor der Wahl öffentlich gemacht worden wäre?

Wenn die Bürger wirklich so denken würden,wie Du es hier verbreitest,hätten wir Sonntag eine absolute Mehrheit bekommen: Die Linkspartei hätte die Wahl gewinnen müssen,sie versprechen nämlich, dass es allen viel besser gehen wird.
So einfach sind wir scheinbar doch nicht gestrickt
[posting]18.001.874 von gnomi am 22.09.05 22:36:36[/posting]Wenn die Bürger wirklich so denken würden,wie Du es hier verbreitest,hätten wir Sonntag eine absolute Mehrheit bekommen

wer ist `wir` ?

Mag sein, ich `verbreite`.
Auf Grund meiner eigenen Analyse.
Und der vertraue ich mehr als sämtlichen `außerbundlichen`.
Aber das is nu wurscht.

Vernunft
ist ein rares Gut.
Püschologie kommt dazu.

in diesem Sinne

happy invests :)
Hier noch ein ganz interessanter Kommentar aus der TAZ zu unserem Thema:

Das Panoptikum der Eitelkeiten

KOMMENTAR VON BETTINA GAUS
Nach all den Klagen über chaotische Verhältnisse und den drohenden Abgrund, an dem Deutschland jetzt angeblich steht, ist es höchste Zeit, eine Lanze für die Wähler zu brechen. Die haben nämlich ein ungewöhnlich vernünftiges Ergebnis zustande gebracht. Natürlich nicht einzeln, weil ja niemand hundert Prozent nach gusto verteilen darf. Deshalb gibt es auch den gerne zitierten "Wählerwillen" nicht, sondern lediglich eine Summe unterschiedlicher Meinungen. Von denen können viele ganz idiotisch sein. Aber das Gesamtbild ist ein schöner Anblick.

Ohne das Panoptikum der Eitelkeiten, das ein zu Recht politikerverdrossenes - nicht: politikverdrossenes - Publikum seit Tagen zu besichtigen gezwungen wird, gäbe es kein großes Problem, sondern lediglich die Verpflichtung, das Ergebnis der Bundestagswahl ernst zu nehmen. Das ist nämlich sehr viel klarer, als die seltsamen Rangeleien von Spitzenpolitikern derzeit nahe legen: Eine große Mehrheit der Bevölkerung steht Veränderungen nicht prinzipiell ablehnend gegenüber, will aber den Sozialstaat nicht wegreformiert sehen. Eine relevante Minderheit wünscht, dass Positionen, die grundsätzlich vom Konsens der Altparteien abweichen, im Parlament gehört und berücksichtigt werden müssen. Diese Minderheit hat links gewählt.

Auf dieser Grundlage ließen sich gleich mehrere sinnvolle Koalitionen bilden. Wenn nicht persönliche Rachegelüste, Ambitionen, Verletztheiten, Vorurteile und ein bemerkenswertes Maß an Sturheit dies verhinderten. Mit Politik hat all das nichts zu tun. Das politische Führungspersonal verschanzt sich im Bunker. Die Union dementiert heftig, dass sich in ihren Reihen überhaupt jemand darüber Gedanken macht, weshalb der Wahlausgang für sie so enttäuschend war. Die SPD muss da nichts dementieren - die findet ihr Ergebnis ja ganz toll. Und beschäftigt sich im Übrigen mit Taschenspielertricks.

Die staunende Öffentlichkeit erlebt ein Ende aller Gewissheiten. Das könnte produktiv sein, wirkt aber bislang nur zerstörerisch. Die Mehrheit der politischen Klasse legt derzeit sehr viel mehr Unvernunft an den Tag als die Bevölkerung.
Wir steht für die wahlberechtigte und nicht wahlberechtigte deutsche Bevölkerung. Wobei letztere mit dem leben muss.
[posting]18.006.476 von gnomi am 23.09.05 11:29:59[/posting]:confused:
die wahlberechtigte Bevölkerung dürfte doch wohl eine absolute Mehrheit erreicht haben


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