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    Am Sterbebett eines Systems - 500 Beiträge pro Seite (Seite 7)

    eröffnet am 21.01.09 17:19:56 von
    neuester Beitrag 21.01.14 17:41:49 von
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      schrieb am 06.04.09 18:00:53
      Beitrag Nr. 3.001 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.922.004 von Maraho am 05.04.09 12:42:14Mal wieder was zu China ...

      Asien
      Chinas Westen kennt keine Krise
      von Roland Rohde (gtai)

      Die Boom-Story an Chinas Küsten hat mit dem weltweiten Wirtschaftsabschwung ein vorläufiges Ende gefunden. Ganz anders in Chinas wildem Westen. Dort wächst die Wirtschaft rund um die Metropole Chongqing ungebrochen weiter. Vor allem die Computerbranche expandiert - und zwar kräftig.


      HONGKONG. Während die Küstenregionen Chinas für 2009 einen deutlichen Rückgang ihres langjährigen Wachstums erwarten, sind die weniger stark in die Weltwirtschaft integrierten Provinzen im Landesinneren kaum von der Krise betroffen. Die regierungsunmittelbare Stadt Chongqing ist ein Paradebeispiel. Ihr Bruttoinlandsprodukt legte auch zum Jahresende 2008 noch kräftig zu. Für 2009/10 haben sich zudem zwei Großinvestoren angekündigt, die die Computerindustrie in den Westen des Landes bringen werden.

      Vor allem in den Küstenregionen der VR China ist die internationale Finanzkrise zu spüren. Die Containerumschläge in den Häfen Shanghais und Shenzhens sind seit Anfang 2009 kräftig gesunken. Die Regierung der Exportprovinz Guangdong erwartet, dass die Aus- und Einfuhren 2009 bestenfalls minimal zulegen werden. Im Landesinneren ist die Situation derweil deutlich weniger dramatisch.

      In der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing, die - zusammen mit den im Hinterland Lebenden - knapp 30 Mio. Einwohner zählt, ist im Frühjahr 2009 relativ wenig von der Krise zu spüren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte 2008 real um 14,3% gegenüber dem Vorjahr zu. Damit lag das Wirtschaftswachstum 5,3 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Selbst für Landeskenner ist zudem erstaunlich, dass die BIP-Zunahme im 4. Quartal 2008 genauso kräftig war wie noch in den ersten drei Monaten des Jahres.

      Die Metropole Chongqing liegt tief im Landesinneren am Yangzifluss und ist bisher nur wenig in die Weltwirtschaft integriert. So beliefen sich ihre Exporte 2008 auf lediglich knapp 6 Mrd. US$. Immerhin legten sie damit mitten in der Krise um über ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zu. Gegenüber 2005 haben sie sich sogar - ebenso wie die Importe - mehr als verdoppelt.

      Ein Großteil der Ausfuhren besteht aus motorisierten Zweirädern, die überwiegend für den vietnamesischen Markt bestimmt sind. Chongqing hat sich als die "Motorradstadt Chinas" etabliert. Die Branche trug 2008 zu rund einem Drittel zum gesamten industriellen Output bei. Es folgten mit gehörigem Abstand die Metallindustrie sowie der Textilsektor mit einer Quote von jeweils rund 16%.

      Andere Industriezweige spielten derweil kaum eine Rolle. Doch in Zukunft dürfte es erhebliche Verschiebungen geben. Das Produktionsvolumen der Petrochemiebranche, die 2008 nur gut 6% zum gesamten industriellen Output beitrug, wuchs gegenüber 2007 um nahezu 50%. Die bislang unbedeutende Elektronikbranche erwartete infolge von ausländischen Direktinvestitionen einen regelrechten Boom.

      Der Computerhersteller HP kündigte im Oktober 2008 den Bau einer Fabrik für die Fertigung von PCs und Notebooks an. Damit wäre Chongqing nach Shanghai das zweite Standbein des Konzerns. Zwar will er seine Investitionen wegen der weltweiten Krise verschieben, doch spätestens im Frühjahr 2010 soll die geplante Anlage ihren Betrieb aufnehmen.

      Die Inventec Corp. aus Taiwan, die für den amerikanischen Branchenriesen als Auftragsfertiger arbeitet, will nach Firmenangaben ihrem größten Kunden nach Chongqing folgen. Das Unternehmen plant eine Anlage mit einer jährlichen Kapazität zur Herstellung von mehr als 4 Mio. Notebooks. Sie soll ebenfalls Anfang 2010 ihre Tore öffnen.

      Auch andere, weniger namhafte Firmen, vor allem aus der Sonderverwaltungsregion Hongkong und aus Taiwan, haben sich in den letzten Jahren stärker auf Chongqing konzentriert. Allein zwischen 2007 und 2008 haben sich die ausländischen Direktinvestitionen von 1,4 auf 2,7 Mrd. $ fast verdoppelt. Rund 70% des industriellen Outputs stammten 2008 nach Angaben des Statistikamtes inzwischen aus den Fabriken ausländischer Kapitalgeber.

      Die Stadt bietet neben preiswerten Arbeitskräften vor allem Bauland im Überfluss. Neuinvestoren werden oftmals mit besonders günstigen Konditionen umworben. Die Lokalregierung ist zudem sehr an dem Wohlergehen der ansässigen Firmen interessiert. Wie ein deutscher Unternehmer berichtet, seien die Kontakte zu den Behörden - im Gegensatz zu Shanghai, wo es unzählige ausländische Investoren gebe - gut und eng.

      Die Regierung will den Standort mithilfe umfangreicher Infrastrukturinvestitionen weiter aufwerten. Bereits jetzt ist die Anbindung an Chengdu, die nahe gelegene Hauptstadt der Provinz Sichuan, sehr gut. Auf zwei, zumeist komplett leeren Autobahnen kann ein Lkw in zwei bis drei Stunden zwischen den beiden Metropolen pendeln. Ähnlich lange benötigt die Eisenbahn.

      Zudem ist der Ausbau des Chongqing Jiangbei International Airport geplant, der 2008 mit 11 Mio. Fluggästen der achtgrößte Flughafen Chinas war. Doch die aktuelle Kapazität liegt bei nur 8 Mio. Passagieren jährlich. Eine zweite Landebahn und ein zusätzlicher Terminal sollen diese bis 2012 auf 15 Mio. anheben. In den Jahren 2015 beziehungsweise 2020 soll jeweils eine weitere Startbahn hinzukommen. Mit Hilfe der geplanten Investitionen in Höhe von 3 Mrd. $ soll bis 2020 ein Passagierumschlag von 60 Mio. möglich sein.

      Der Vorstoß Chongqings dürfte in Chengdu alte Ressentiments und Konkurrenzdenken schüren. Die Provinzhauptstadt ist bereits heute - auch wegen der vielen Touristen - die wichtigste Luftverkehrsdrehscheibe Westchinas. Zudem verfolgen auch die dortigen Behörden eine Erweiterung ihres Flughafens.

      Bisher waren die beiden Metropolen auf ökonomischem Gebiet im Prinzip keine direkten Wettbewerber, da sich ihre Wirtschaftsstrukturen ergänzten. Die regierungsunmittelbare Stadt beherbergte vor allem Firmen der Schwerindustrie, während sich in der Provinz Sichuan, vor allem in und um Chengdu herum, Unternehmen der Higtechbranche sowie der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie niederließen.

      Doch mit der Entscheidung von HP und Inventec für Chongqing sind die beiden Metropolen schlagartig Konkurrenten bei der Anwerbung von Hochtechnologieunternehmen geworden. So hatte beispielsweise Intel 2008 angekündigt, eine Fabrik in Shanghai nach Westchina zu verlagern und sich dabei für den Standort Chengdu entschieden.

      Doch unabhängig davon, welche der beiden Städte die Investoren wählen, erfährt der Großraum Chengdu/Chongqing - er genießt seit 2007 den Status einer Sonderwirtschaftszone (SWZ) - durch ihre Ansiedelung und den Infrastrukturausbau eine enorme Aufwertung. Er wird sich damit dauerhaft als das ökonomische Zentrum Westchinas etablieren.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/aussenwirtschaft/chi…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 18:01:00
      Beitrag Nr. 3.002 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.928.361 von Maraho am 06.04.09 17:54:35Ich rechnete ja schon mit einem DOW Stand von etwas über 8.000 Punkten. In einem andern Thread hab ich´s ja schon vor 2 Wochen geschrieben.

      Das wird sich bald schon ändern.

      Übrigens...die Rohstoffpreise steigen seit einer guten Woche stark an.

      Schönen Abend noch.
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 18:02:18
      Beitrag Nr. 3.003 ()
      Aluminium 18:00 1.500,00 +34,00 +2,32 %
      Blei 17:59 1.325,00 +40,00 +3,11 %
      Kupfer 18:01 4.285,00 +98,00 +2,34 %
      Nickel 17:59 10.812,00 +199,00 +1,88 %
      Zink 18:00 1.377,00 +25,00 +1,85 %
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 18:02:28
      Beitrag Nr. 3.004 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.928.404 von Dorfrichter am 06.04.09 18:01:00Schönen Abend noch.
      Dir selbstverständlich auch! ;)
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 18:39:10
      Beitrag Nr. 3.005 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.454.436 von Dorfrichter am 27.01.09 08:48:39In Bezug.

      Finanzkrise & G 20
      Für die Entwicklungsländer zu wenig
      Von Peter Wolff

      Der Londoner G-20-Gipfel hat den armen Staaten insgesamt wenig gebracht. Helfen kann den Entwicklungsländern die Reform des IWF

      Der G-20-Gipfel hat seine Ziele weitgehend erreicht, die Finanzmärkte sollen reguliert und der IWF gestärkt werden. Was jedoch an finanziellen Hilfen für die Entwicklungsländer vereinbart wurde, ist nicht genug.

      Die Aufstockung der Mittel für den IWF, die Weltbank und die Regionalen Entwicklungsbanken um 850 Mrd. US-Dollar, um den Rückgang der privaten Kapitalströme in die Entwicklungsländer wenigstens teilweise zu kompensieren, ist notwendig und richtig. Bislang wollte jedoch kein Schwellenland – außer einigen Osteuropäern – auf die Mittel des IWF zugreifen. Auf dem Gipfel hat sich Mexiko bereit erklärt, den Anfang zu machen. Ein Signal, das andere ermuntern soll, die vorhandenen Mittel auch in Anspruch zu nehmen. Noch ist nicht bekannt, wie sich die argentinische Präsidentin Kirchner und der indonesische Präsident Yudhoyono in der Runde dazu geäußert haben.

      Die zusätzlichen Mittel werden überwiegend aus Krediten der Industrieländer an die internationalen Finanzinstitutionen - auch China ist dem Vernehmen nach mit 40 Milliarden Dollar dabei - und von den internationalen Kapitalmärkten mobilisiert. Hinzu kommt die Ausgabe von 250 Milliarden Dollar an Sonderziehungsrechten durch den IWF. Weitere 250 Milliarden werden von den Exportkreditagenturen der Industrieländer für Handelskredite, wiederum überwiegend für die Schwellenländer, aufgebracht.

      Nur 50 Milliarden US$ sind für die armen Entwicklungsländer vorgesehen. Wieviel davon neue Zusagen sind, bleibt aber unklar. Das Meiste davon soll durch freiwillige Beiträge bilateraler Geber aufgebracht werden, die bereits in der Vergangenheit – vor allem beim G-8-Gipfel in Gleneagles 2005 – zugesagt worden sind. Da diese Zusagen nicht in absoluten Zahlen, sondern als Anteil des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegeben wurden - Beispiel Deutschland: 0,51 Prozent des BIP bis 2010 -, dürfte bei sinkendem BIP in 2009 insgesamt wohl weniger zusammenkommen, als vorgesehen war.

      Die einzige neue Zusage für die ärmsten Länder soll aus Goldverkäufen des IWF aufgebracht werden, sechs Milliarden US-Dollar in den nächsten zwei bis drei Jahren.

      Damit wird klar, dass die G-20-Länder größte Mühe hatten, zusätzliche Haushaltsmittel für Entwicklungsländer zu mobilisieren. Der Vorschlag von Weltbank-Präsident Zoellick, einen kleinen Teil der Konjunkturpakete der OECD-Länder in den armen Entwicklungsländern auszugeben, ging also weitgehend ins Leere. Es wurden lediglich die schon vor der Krise gegebenen Zusagen bekräftigt.

      Wichtig und neu sind dagegen die Vereinbarungen über die Rolle und das Mandat der Internationalen Finanzinstitutionen IWF, Weltbank und Regionale Entwicklungsbanken. Es war ja keineswegs klar, dass die Schwellenländer einer Stärkung dieser Institutionen zustimmen würden. Nun ist es ihnen gelungen, dafür einen Paradigmenwechsel Für die Leitung und das Mandat des IWF auszuhandeln.

      Die OECD-Länder haben zugestimmt, dass auch sie die Aufsicht des IWF über ihre Wirtschaftspolitik und ihre Finanzsektoren und deren Wirkung auf die globale Wirtschaft akzeptieren werden. Dass sie dazu bisher nicht bereit gewesen sind, war eine wesentliche Ursache des Glaubwürdigkeitsdefizits des IWF. Die nächste Quotenrevision des IWF über die Repräsentation er Staaten wird auf Januar 2011 vorgezogen, mit absehbarem größerem Gewicht für die Entwicklungsländer. Zoellick und Strauss-Kahn werden die letzten Leiter der Institutionen sein, die auf Grundlage ihrer Nationalität berufen wurden.

      Die bei IWF und Weltbank eingesetzten Reformkommissionen unter der Leitung des Mexikaners Ernesto Zedillo und des Südafrikaners Trevor Manuel werden beim nächsten G 20-Treffen Ende 2009 weitere Vorschläge machen, wie die Internationalen Finanzinstitutionen an Legitimität und Glaubwürdigkeit gewinnen können.

      Stärker berücksichtigt, müssen beim nächsten G-20-Gipfel zwei Aspekte, die in der Gipfelerklärung von London nur in wenigen dürren Sätzen erwähnt werden. Zum einen ist dies die Frage des globalen Systemrisikos Klimawandel, die ja offenbar sehr eng mit nachhaltigem Wirtschaften verknüpft ist. Zum anderen ist es die Frage nach der zukünftigen "Global Governance": Die G 20 spricht für 20 große Länder und es saßen einige Vertreter der Regionalorganisationen EU, Afrikanische Union und Asean mit am Tisch. 170 Länder waren jedoch nicht vertreten und die UN wird in der Erklärung nur am Rande erwähnt.

      Auf die Frage nach der Legitimität der G 20 ist damit noch keine Antwort gefunden.

      Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/15/g20-entwicklungslaender
      1 Antwort?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.

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      schrieb am 06.04.09 18:54:51
      Beitrag Nr. 3.006 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.921.528 von Maraho am 05.04.09 08:26:40In Bezug.
      Ein Bericht aus New York ...

      Rezession, ganz persönlich
      „Ich habe meinen Job verloren“
      Von Corinna Budras, New York

      Vor einigen Tagen erlebte Naela El-Hinnawy die Auswirkungen der Rezession zum ersten Mal direkt vor ihrer Haustür: Mitten in der Nacht wurde sie von einem lauten Streit im Treppenhaus geweckt. Irgendwo wurde ein Mann aus einer Wohnung geworfen, eine Tür knallte. Danach saß der Mann eine Stunde lang auf der Treppe und weinte. „Ich habe meinen Job verloren“, rief er immer wieder. „Es war sehr beängstigend“, erzählt El-Hinnawy. Doch niemand rief die Polizei: „Ich nehme an, meine Nachbarn taten das Gleiche wie ich: auf der anderen Seite der Tür sitzen und mit ihm weinen.“

      Geschichten aus den Zeiten der Wirtschaftskrise. Während in den Nachrichten vor allem astronomische Zahlen über neue Rettungspakete dominieren, sammelt der New Yorker Radiosender WNYC die Erfahrungen seiner Hörer. Millionen New Yorker sind aufgerufen, von ihren persönlichen Konjunkturindikatoren zu erzählen - und diese Anekdoten sind ebenso individuell wie bezeichnend. So spricht schon die wachsende Anzahl von Tupperdosen im Bürokühlschrank Bände über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft: Während in den Firmenkühlschränken im vergangenen Jahr allenfalls einige Milchtüten lagerten, stapelten sich nun Mikrowellengerichte und Vorgekochtes, berichtet Justin auf der Internetseite des Radiosenders. Und wer in den Zeiten der Rezession nicht ganz auf Wein verzichten will, wird im Discounter bitter enttäuscht: Der billige Fusel für 2,99 Dollar, der sonst das ganze Wandregal einnimmt, ist plötzlich ausverkauft.

      Die Mieten fallen

      Selbst in den beliebten New Yorker Stadtteilen Manhattan und Brooklyn fallen inzwischen die Mieten. So mancher Vermieter, der früher Heerscharen von Interessenten abwimmeln musste, wird nun selbst zum Bittsteller: „Wenn Sie jemanden kennen, der eine Wohnung sucht, melden Sie sich bitte bei meiner Assistentin“, schreibt einer auf einem Zettel, den er seinen Mietern unter der Tür durchschiebt. Läden, die noch vor wenigen Monaten mit großen Hoffnungen eröffnet wurden, müssen gleich wieder schließen: Neben dem Schild „Neueröffnung“ prangt in ebenso großen Lettern der neue Hinweis: „Zu Vermieten“.

      Auch in den Schulen macht sich der Abschwung bemerkbar. Die Grundschullehrerin Mandy Kwan beobachtet einen wahren Ansturm auf die staatliche Schule, in der sie unterrichtet. „Viele Eltern können sich das Schulgeld für die privaten nicht mehr leisten“, sagt sie. Dafür holen nachmittags inzwischen immer mehr arbeitslose Väter ihre Kinder ab. Den Dominoeffekt der Massenentlassungen bekommt auch Amy zu spüren, die sich mit Nachhilfeunterricht den Lebensunterhalt verdient. Innerhalb von zwei Wochen verlor sie all ihre Schüler.

      Die Zähne knirschen

      Doch die Krise zeigt sich auch in weniger offensichtlichen Lebensbereichen: Zahnärzte stellen immer häufiger fest, dass ihre Patienten nachts mit den Zähnen knirschen, um Stress abzubauen. Gleichzeitig berichtet Alaina Lynn, dass sie auf ihrem Weg zur Arbeit inzwischen immer häufiger auf Raucher trifft. „Ich verstehe ja, dass die Menschen gestresst sind“, sagt sie. „Aber ich kann mir kaum einen schnelleren Weg vorstellen, um sein Arbeitslosengeld zu verprassen.“ Die staatliche Unterstützung scheinen dagegen immer mehr Menschen auf ungewöhnlichem Weg aufbessern zu wollen. Erica Reiner, die schon seit Jahren mit ihrem Mann Glückspfennige von der Straße aufsammelt, findet inzwischen kaum mehr welche. „Ich fürchte, man kann den Zustand einer Stadt an dem Willen der Menschen ablesen, sich für einen Penny zu bücken“, sagt sie.

      Auch die Kleinsten der Gesellschaft leiden: Adoptionsagenturen vermelden eine sinkende Nachfrage, die Telefone klingeln kaum mehr. „Wir können im Moment nur ahnen, dass die Menschen nicht mehr willens sind, Adoptivkinder aufzunehmen, wenn sie um ihr Einkommen fürchten müssen“, sagt Rich Buley-Neumar, der für eine gemeinnützige Adoptivagentur arbeitet, die Kinder aus Pflegefamilien zur Adoption vermittelt. „Wegen der Haushaltskürzungen des Staates New York haben wir zudem die Sorge, ob die Kinder überhaupt noch die notwendige Zuwendung erhalten.“ Und noch mehr als das: „Ihnen könnte das Einzige vorenthalten bleiben, das sie am meisten brauchen: eine liebevolle Familie.“ Doch ein echter New Yorker kann der Krise auch etwas Gutes abgewinnen: „Zum ersten Mal seit vier Jahren habe ich an der U-Bahn-Station Wall Street heute einen Sitzplatz bekommen“, jubiliert Andrew.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 19:00:43
      Beitrag Nr. 3.007 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.879.014 von Maraho am 30.03.09 13:11:30Weiterführend ...
      Wieviel denn noch?

      Umgerechnet 75 Milliarden Euro
      Neues Milliarden-Konjunkturpaket in Japan

      Japan verdoppelt seine Anstrengungen im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Mit einem weiteren Konjunkturprogramm über umgerechnet etwa 75 Milliarden Euro solle die Wirtschaft gestützt werden, sagte Finanzminister Kaoru Yosano am Montag.

      Weil die exportabhängige Wirtschaft Japans besonders unter dem weltweiten Einbruch leide und aus Gründen der internationalen Zusammenarbeit, seien zusätzliche Maßnahmen im Umfang von mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geplant. Die Regierung will das Paket am Freitag offiziell vorlegen.

      Soziale Leistungen, bessere Firmenfinanzierung, Solar-Investitionen

      Geplant seien unter anderem, ein Schutznetz für Beschäftige ohne Festanstellung, eine Verbesserung der Firmenfinanzierung und die Investitionen in Solaranlagen voranzutreiben, sagte Yosano, der zugleich auch Wirtschaftsminister ist. Damit dürften sich die Konjunkturprogramme in Japan auf mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts summieren.

      Seit August hat die Regierung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bereits zwei Hilfspakete von insgesamt zwölf Billionen Yen (rund 119 Milliarden Euro) geschnürt, was zwei Prozent des BIP entspricht.

      Neue Schulden?

      Yosano ließ offen, wie das neuerliche Konjunkturpaket finanziert werden solle. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Taro Aso sei nicht über neue Staatsanleihen gesprochen worden. An den Finanzmärkten wird die japanische Staatsverschuldung genau beobachtet. Nach fast zwei Jahrzehnten Stagnation und einer jahrelangen Deflationsphase ist der Schuldenstand inzwischen auf 158 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Damit ist Japan so stark verschuldet wie kein anderes Industrieland. „Bis klar ist, was das neue Konjunkturpaket für die Verschuldung bedeutet, werden sich die Marktteilnehmer beim Kauf von Anleihen zurückhalten“, sagte Takeshi Minami, Chefvolkswirt beim Forschungsinstitut Norinchukin.

      Weil die japanische Wirtschaft wie die deutsche sehr vom Export abhängt, ist sie von der weltweiten Krise besonders stark betroffen. Im vierten Quartal schrumpfte das BIP um 3,2 Prozent - so kräftig wie seit der Ölkrise 1974 nicht mehr und etwa doppelt so stark wie die Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten oder im Euro-Raum. Experten gehen davon aus, dass die japanische Wirtschaft auch in der ersten Jahreshälfte im Minus bleibt - das wären fünf Quartale in Folge. So lange dauerte eine Durststrecke in Japan noch nie.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub050436A85B3A4C64819D7E1B05B60928/Doc…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 19:05:26
      Beitrag Nr. 3.008 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.920.946 von Maraho am 04.04.09 21:02:08Noch etwas hierzu ...

      Vom Ursprung der Krise
      Der Fluch des Anti-Geldes

      Von Alexander Armbruster

      John Maynard Keynes, der große britische Weltökonom, sagte, Zentralbanken machen ineffiziente Märkte erst effizient. Milton Friedman, der große amerikanische Weltökonom, sagte, Zentralbanken machen effiziente Märkte erst ineffizient. George Cooper, der Autor des überaus lesenswerten Buches „The Origin of Financial Crisis“, fragt angesichts dieses logischen Widerspruchs direkt und unverblümt, ob man überhaupt von einer Wissenschaft mit Welterklärungsanspruch sprechen könne, wenn von der Wirtschaftslehre die Rede ist.

      Natürlich ist das zugespitzt. Nichtsdestotrotz lugt genau diese Frage hinter jeder der aktuell unzähligen Finanzkrisennachrichten hervor, genauso wie sich die Theologie nach jedem Krieg, jeder Hungersnot und nach jeder Riesenflutwelle abermals die Frage gefallen lassen muss, ob es Gott wirklich gibt. Können Ökonomen mit ihren Methoden also eine Finanzkrise wie die aktuelle erklären? Ja, antwortet darauf Cooper, sie können es. Aber nicht alle. Und vor allem: nicht alle gleichzeitig. Weder können beide, Friedman und Keynes, recht haben, noch kann als dazu dritte Position der derzeit gültige Ökonomenkonsens gelten, nachdem Märkte zwar eigentlich effizient sind, aber jede wichtige Wirtschaftsregion dieser Erde trotzdem eine eigene mehr oder weniger unabhängige Zentralbank braucht. „Wenn Isaac Newton diesen Standard an sich selbst angelegt hätte“, schreibt Cooper, „dann hätte er uns drei Gravitationsgesetze gegeben: Eines, das erklärt, wie sich ein Apfel verhält, der in die Luft geworfen wird; ein anderes, das beschreibt, wie er wieder zu Boden fällt; und ein drittes, dass uns erklärt, dass sich der Apfel gar nicht bewegt.“

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60A…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 19:22:42
      Beitrag Nr. 3.009 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.922.934 von Maraho am 05.04.09 19:54:07In Bezug.
      Auch die Russen packen noch mal drauf ...

      Putin: 103,8 Milliarden Franken gegen die Wirtschaftskrise

      Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin will Banken stützen, Sozialprogramme ausbauen und Steuern senken.

      Mit einem Konjunkturpaket von insgesamt drei Billionen Rubel (rund 68 Milliarden Euro respektive 103,8 Milliarden Franken) will der russische Ministerpräsident Wladimir Putin sein Land wieder aus der schweren Wirtschaftskrise herausführen. Russland steckt in einer schweren Krise, nachdem die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um sieben Prozent zurückging. Putin erklärte am Montag vor dem Parlament, die Regierung werde mit 1,4 Billionen Rubel an mehreren Fronten, darunter im Bankensektor und bei den Sozialprogrammen, gegen die Krise angehen. Mit weiteren Massnahmen wie Steuererleichterungen kämen drei Billionen Rubel zusammen.

      Bankensystem am Kollaps vorbei

      Das russische Bankensystem habe nun das Schlimmste hinter sich, nachdem es zuvor am Rande des Zusammenbruchs stand. «Die Gefahr, dass das Bankensystem zusammenbricht, ist gewichen», sagte Putin. «Aber es stand auf Messers Schneide.» Mit staatlicher Unterstützung würden jetzt auch wieder mehr Kredite vergeben.

      Die Schuld für die Krise sieht Putin weiter im Ausland. Das Problem sei nicht in Russland entstanden, betonte er. Aber es habe dann alle betroffen. Kritiker haben darauf verwiesen, dass die Krise in Russland deshalb besonders heftig war, weil die Wirtschaft stark von den Energieexporten ins Ausland abhängig ist.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Putin-1038-…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 19:46:44
      Beitrag Nr. 3.010 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.920.161 von Maraho am 04.04.09 14:33:47Weiterführend ...
      Er gibt nicht auf!

      Verantwortungsvolles Handeln - made in Norddeutschland

      Das Verhalten des Managements deutscher Landesbanken erinnert mich an Kinder, die mit Streichhölzern spielen. Sie hatten keine Ahnung, was sie in ihren Händen hielten und als die Lunte brannte, hielten sie sich mit Schuldzuweisungen auf, statt das Feuer zu löschen. Wie sich das im Detail abspielte, wird nun am Beispiel der HSH Nordbank öffentlich, weil der zurückgetretene schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette aus dem Nähkästchen plaudert.

      Landesbanken wurden geschaffen, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Doch irgendwann wurde es dem Management und den Aufsichtsräten zu langweilig. Sie wollten auch am weltweiten Monopoly-Spiel teilnehmen, gründeten Filialen in Steueroasen und verzockten sich in noch unbekannter Milliardenhöhe mit toxischen Immobilienanleihen. Kurzum: Sie taten alles, was sie in Sonntagsreden anprangerten - die Gier machte es möglich.

      Zuerst ein paar Infos zur HSH Nordbank

      Die HSH Nordbank ging im Jahr 2003 rechtswirksam aus der Fusion der Hamburgischen Landesbank mit der Landesbank Schleswig-Holstein (LB Kiel) hervor. Die Hauptaktionäre sind die Hansestadt Hamburg, das Land Schleswig-Holstein, der Sparkassenverband und mit 25,67 Prozent die Private-Equity Firma J.C. Flowers & Co., welche auch Hauptaktionär bei der Hypo Real Estate ist.

      Am 10. März 2008 schrieb die HSH Nordbank in einer Pressemitteilung:

      „Wir schaffen Transparenz für unsere Investoren und zeigen, dass die HSH Nordbank ihre Risiken konsequent bereinigt“, sagte Hans Berger, der Vorstandsvorsitzende der Bank in Hamburg. Berger betonte, dass sich das Geschäftsmodell im vergangenen Jahr erneut bewährt und zudem als robust und krisenfest erwiesen habe. Dadurch sei man in der Lage gewesen, alle aktuell erkennbaren Subprime-Risiken vollständig in der Gewinn- und Verlustrechnung für 2007 zu verarbeiten.

      Die HSH Nordbank hat im vergangenen Jahr neue Kredite in Höhe von rund 40 Mrd. Euro vergeben. Sie hat damit ihre starke Marktposition als weltweite Nr. 1 in der Schiffsfinanzierung und ihre jeweiligen Spitzenpositionen in der Finanzierung von Immobilien, Flugzeugen und Erneuerbaren Energien gefestigt. Das belegt deutlich, dass die HSH Nordbank ein auf profitables Wachstum ausgerichtetes Institut sei, so Berger.
      Es sollte anders kommen. Am 24. Oktober 2008 bestätigte der schleswig-holsteinische Finanzminister Rainer Wiegard dem Norddeutschen Rundfunk, dass die HSH Nordbank den deutschen Finanzmarktstabilisierungsfonds in Anspruch nehmen muss. Am 3. November 2008 teilte die HSH Nordbank in einer Pressemeldung mit, dass sie bei der Finanzmarktstabilisierungsanstalt einen Garantierahmen von bis zu 30 Milliarden Euro beantragen wird. Am 10. November 2008 trat Hans Berger wegen der Finanzmarktkrise von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank zurück. Und jetzt mussten die Landesregierungen der Bank noch eine Finanzspritze über drei Milliarden Euro zur Verfügung stellen sowie Garantien über weitere zehn Milliarden Euro zur Risikoabschirmung.

      Doch das ist noch lange nicht das Ende des Dramas in Norddeutschland. Der wegen der HSH-Krise zurückgetretene Kieler Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) fürchtet, dass bereits Ende dieses Jahres die Kapitalspritze über drei Milliarden Euro „verfrühstückt“ sein wird. Lesen Sie dazu das höchst aufschlussreiche Interview im Spiegel mit Marnette:


      LANDESBANKEN
      "Das ist ein Wahnsystem"

      Der zurückgetretene schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) über die Gründe seines Abgangs, die Grabenkämpfe im Kieler Kabinett und den leichtfertigen Umgang der Politik mit den Milliardenrisiken der teilweise landeseigenen HSH Nordbank.


      SPIEGEL: Herr Marnette, Sie haben mehr als ein Jahrzehnt lang ein großes Unternehmen geführt. Würden Sie einem Ihrer ehemaligen Kabinettskollegen die Leitung eines solchen Unternehmens anvertrauen?

      Marnette: Nein.

      SPIEGEL: Warum nicht?

      Marnette: Weil die Führung eines Unternehmens ganz andere Anforderungen stellt. Da gibt es nachvollziehbare Fakten, an denen Sie gemessen werden. Da haben Sie Ihre Quartalsergebnisse, Ihre Jahresergebnisse. Da gibt es Zahlen, an denen Sie nicht vorbeikommen.

      SPIEGEL: Die gibt es in der Politik auch.

      Marnette: Schon möglich. Aber ich habe das in den vergangenen Wochen und Monaten anders erlebt. Ich hatte es mit Politikern zu tun, die sich scheuten, Zahlen zur Kenntnis zu nehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Frei nach dem Motto: Wer sich gründlich mit Zahlen beschäftigt, wird zum Mitwisser und kann als solcher haftbar gemacht werden.

      SPIEGEL: Wollen Sie damit sagen, dass Ihren Kabinettskollegen im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten der HSH Nordbank Zahlen egal waren?

      Marnette: Ute Erdsiek-Rave, die Bildungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, und Uwe Döring, der Justizminister, haben immer wieder kritisch nachgehakt. Auch die Abgeordneten des Landtags haben viel Gespür für die Tragweite der anstehenden Entscheidungen gezeigt. Doch bei Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Finanzminister Rainer Wiegard hatte ich den Eindruck, dass die gar nicht richtig an die Zahlen ranwollten. Bloß nicht festlegen, nicht angreifbar machen war deren Devise.

      SPIEGEL: Aber Carstensen und Wiegard haben sich doch - wie ihre Hamburger Kollegen Ole von Beust und Michael Freytag - festgelegt und eine Eigenkapitalspritze von drei Milliarden Euro plus weitere zehn Milliarden als Bürgschaft beschlossen.

      Marnette: Aber ohne wirklich aussagekräftige Zahlen der Bank zu kennen. Etwa eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsjahres 2008. Ich habe Vermerke geschrieben, Fragenkataloge ausgearbeitet, um an solche Zahlen zu kommen. All diese Papiere habe ich an die Staatskanzlei und das Finanzministerium geschickt und bin ins Leere gelaufen. Da ist nie eine Antwort gekommen, noch nicht einmal die Standardausrede, dass meine Forderungen politisch nicht durchsetzbar seien. Ich kenne kein Unternehmen, in dem so gearbeitet wird.

      SPIEGEL: Wollen Sie damit sagen, dass in der Politik nur nach der Durchsetzbarkeit und nicht nach sachlichen Notwendigkeiten gefragt wird?

      Marnette: Das habe ich in den vergangenen Monaten so erlebt.

      SPIEGEL: Sachlich gebotene Entscheidungen wurden nicht gefällt, weil sie als nicht vermittelbar angesehen wurden?

      Marnette: Ja, der Fall HSH Nordbank belegt das. Hier geht es doch nicht um Entwicklungen der letzten Wochen und Monate. Schon Anfang 2008 war für jeden interessierten Laien erkennbar, dass da etwas aus dem Ruder lief. Von 2006 auf 2007 war das Jahresergebnis fast atomisiert worden; ein Gewinn von 1,2 Milliarden Euro war binnen eines Jahres auf rund 150 Millionen geschrumpft, weil man bereits damals Schrottpapiere aus dem Kreditersatzgeschäft in einer Größenordnung von 1,3 Milliarden Euro abschreiben musste.

      SPIEGEL: Sie waren damals Vorsitzender des Beirats der Bank, warum haben Sie nicht Alarm geschlagen?

      Marnette: Habe ich doch. Ich war schon im April, es war der 15., bei Carstensen und habe ihm gesagt, dass ich dringend davon abrate, die für Mai 2008 geplante Aufstockung des Eigenkapitals um zwei Milliarden Euro mitzumachen, weil meiner Ansicht nach nicht klar war, welche weiteren Risiken in der Bank noch schlummerten.

      SPIEGEL: Was hat der Ministerpräsident Ihnen geantwortet?

      Marnette: Er wolle sich darum kümmern.

      SPIEGEL: Hat er sich gekümmert?

      Marnette: Ich habe in dieser Sache nichts mehr von ihm gehört, und die Kapitalerhöhung wurde durchgeführt.

      SPIEGEL: Hätten Sie als Vorsitzender des Beirats Ihre Zweifel nicht lauter und nicht nur unter vier Augen äußern müssen?

      Marnette: Von heute aus gesehen schon. Aber das war damals mehr eine Ahnung wegen der gigantischen Abschreibungen in der Bilanz 2007. Konkrete Zahlen für das laufende Geschäftsjahr hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Und im Gegensatz zum Aufsichtsrat haben Sie als Beirat ja keine Kontrollfunktion. Das ist ein Honoratiorenzirkel aus Politik und Wirtschaft, der die Bank beraten soll, mehr nicht.

      SPIEGEL: Dennoch hätte Ihr Wort Gewicht gehabt. Schließlich waren Sie mehr als ein Jahrzehnt der Vorstandsvorsitzende des größten europäischen Kupferproduzenten. So jemand wird nicht ignoriert.

      Marnette: Als ich dem damaligen HSH-Vorstandsvorsitzenden Hans Berger nach einer Beiratssitzung im Juni 2008 vorhielt, dass meiner Ansicht nach mindestens 50 Prozent der Kreditersatzpapiere, die mit rund 30 Milliarden Euro in der Bilanz 2007 standen, faul seien, hat er mir Stein und Bein geschworen, das sei alles werthaltig. Sein Nachfolger Dirk Jens Nonnenmacher hat in seinem Konzept behauptet, dass das Zeug um die 18 Milliarden Euro wert sei.

      SPIEGEL: Warum sind Sie dann, trotz all der bösen Ahnungen, im Juli 2008 Wirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein geworden?

      Marnette: Dass es so ein Desaster werden würde, habe ich nicht für möglich gehalten. Das Ganze war ja noch vor der Lehman-Brothers-Pleite im September, die der Krise erst so richtig Schub gegeben hat. Und: Ich war ja der Wirtschafts- und nicht der Finanzminister.

      SPIEGEL: Wann ist Ihnen klargeworden, dass die HSH Nordbank auch Ihr politisches Dasein beherrschen würde?

      Marnette: Das ist mir erst klargeworden, als HSH-Chef Berger das erste Mal bei uns im Kabinett war.

      SPIEGEL: Wann war das?

      Marnette: Gleich nach der Lehman-Pleite, als sich die Nachrichten überstürzten. Das war eine unglaubliche Vorstellung. Da werden die Weltfinanzmärkte von einem Beben bislang unbekannter Stärke erschüttert, und Berger erzählt dem Kabinett, dass bei ihnen, von kleineren Problemen abgesehen, alles in Ordnung sei. Der hatte noch nicht einmal einen Zettel dabei.

      SPIEGEL: Keine Zahlen, keine Präsentation?

      Marnette: Nichts, null. Noch nicht einmal eine grobe Übersicht, wo die Bank steht. Gar nichts. Das war der Hammer.

      SPIEGEL: Gab es Proteste?

      Marnette: Ich habe natürlich gefragt, nach den Kreditersatzgeschäften und der Gesamtertragslage der Bank, aber ich hatte damals schon den Eindruck, Finanzminister Wiegard ist mehr Vorstand als Berger. Der hat das alles abgewürgt und mir zu verstehen gegeben: Da hast du dich nicht einzumischen.

      SPIEGEL: Hat Carstensen das auch signalisiert?

      Marnette: Man konnte das spüren, aber es war damals noch nicht so verhärtet wie später.

      SPIEGEL: Hat Carstensen in dieser Sitzung Fragen gestellt, oder haben Sie das Thema anschließend diskutiert?

      Marnette: Am 26. September war ich mit dem Ministerpräsidenten zu Besuch auf der Fregatte "Schleswig-Holstein" der Deutschen Marine. Da habe ich ihn abends zur Seite genommen und gesagt, Herr Carstensen, da braut sich was zusammen. Ich höre aus der Hamburger Geschäftswelt - da war und bin ich gut verdrahtet -, dass die Sache mit der Nordbank weitaus dramatischer ist, als sie uns dargestellt wird. Ich glaube, wir werden belogen.

      SPIEGEL: Wie hat er reagiert?

      Marnette: Er hat gesagt, wir setzen uns nächste Woche mit Rainer Wiegard zusammen. Das war's. Danach habe ich nichts mehr gehört. Es ist nie was draus geworden.

      SPIEGEL: Und Sie haben nicht nachgehakt?

      Marnette: Nicht wegen dieses Gesprächs, aber sonst ständig. Ich war da schon hartnäckig. Am 21. November hatte der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) der HSH Nordbank Bürgschaften in Höhe von 30 Milliarden Euro zugesagt. Alle taten so, als seien die Probleme der Bank damit gelöst. Dank meiner Kontakte nach Hamburg wusste ich aber, dass wir erst die Spitze des Eisbergs kannten und der neue Vorstandsvorsitzende Nonnenmacher uns genauso zum Narren hielt wie sein Vorgänger. Das habe ich Carstensen und Wiegard deutlich gesagt.

      SPIEGEL: Wann und wie?

      Marnette: Am 22. November habe ich per SMS und Fax an beide Folgendes geschrieben: "Ich bin nach wie vor bestürzt über unsere gestrige Sitzung und die fortwährende Nicht-Informationspolitik des HSH-Vorstandes gegenüber dem Aufsichtsrat und der Landesregierung. Den dramatischen Liquiditätsverlust, der die Bank bald handlungsunfähig macht, kann ich ohne Bilanz- und Gewinn- und Verlustdaten nicht nachvollziehen. Der Vorstand muss tagesgenau die Ausfallrisiken kennen, sonst wären das im Geschäftsbericht 2007 beschriebene Risikomanagement und das des Aufsichtsrat-Risikoausschusses nicht existent. Ich bleibe bei meiner Schätzung des Verlustrisikos von vor 14 Tagen - da hatte ich das Carstensen schon einmal gesagt - in einer Höhe von bis zu zehn Milliarden Euro, die bislang noch nicht dementiert worden ist. Es droht daher der völlige Verlust des Eigenkapitals. Ich bitte dringend um ein persönliches Gespräch."

      SPIEGEL: Wie haben die beiden reagiert?

      Marnette: Gar nicht. Ich habe keine Antwort bekommen. Sehen Sie, hier ist ein Ausdruck der SMS. Unten rechts habe ich vermerkt: Keine Reaktion.

      SPIEGEL: War damals schon bekannt, dass der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, Hamburgs Ersten Bürgermeister Ole von Beust angerufen und ihm erklärt hatte, dass er die Bank dichtmachen würde, wenn nicht schleunigst Liquidität nachgeschossen werde?

      Marnette: Nicht öffentlich, aber intern schon. Die Situation war dramatisch.

      SPIEGEL: Und dennoch haben Sie keine Antwort bekommen?

      Marnette: So war es, leider. Später hat Carstensen mich im Beisein anderer gedeckelt, "da kriegt man sogar nachts SMS und E-Mails von dem Kerl", und mich barsch gefragt, "muss das denn sein, dass Sie mir immer was schreiben". Aber ich habe weiter geschrieben.

      SPIEGEL: Was und wann?

      Marnette: Etwa um die Jahreswende. Da habe ich Carstensen vorgeschlagen, eine interministerielle Arbeitsgruppe zur Bewältigung der HSH-Krise zu bilden, angereichert mit externen Fachleuten, Wissenschaftlern und Bankern beispielsweise. Das hat er am 28. Dezember kategorisch abgelehnt.

      SPIEGEL: Haben Sie eine Erklärung dafür?

      Marnette: Es mag verrückt klingen, aber ich glaube, Carstensen und Wiegard hofften damals noch auf ein Wunder. Die wollten vielleicht einfach nicht wahrhaben, dass die schönen Zeiten, in denen die Bank jedes Jahr 50 bis 70 Millionen Euro in den Haushalt gebuttert hat, endgültig vorbei sind. Das Geld war ja auch für zukünftige Haushalte fest eingeplant. Womöglich spielte auch ein gewisses Schuldgefühl eine Rolle, weil es die Aktionäre waren, die die Bank dazu getrieben haben, auf einem sich immer schneller drehenden Karussell immer größere Risiken einzugehen. Die wollten Rendite sehen - und die beiden Nordländer sind nun mal die größten Anteilseigner. Das können die Herren Wiegard, Freytag, Carstensen und Beust doch nicht abstreiten. Nicht umsonst schreibt Herr Nonnenmacher in sein Konzept zur Neuausrichtung der Bank, dass er ab 2011 wieder Dividenden ausschütten will.

      SPIEGEL: Sie meinen, es waren nicht die von der EU verlangte Abschaffung der Sonderstellung der Landesbanken und der Druck des Marktes, die die HSH Nordbank Richtung Wall Street und in Steueroasen wie die Cayman-Inseln getrieben haben, sondern die Politiker der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein?

      Marnette: Ja, selbstverständlich. Es war doch nicht das Management allein, das neue Teilhaber wie den Finanzinvestor Christopher Flowers an Bord geholt hat. Da waren doch die Vertreter der Hauptanteilseigner mit von der Partie. Wenn Sie so einen mit im Boot haben, dann haben Sie - ich will das mal mit einem Bild aus dem Rudersport verdeutlichen - natürlich einen anderen Achter am Start als den Ratzeburger Altherren-Achter. Die Tragödie dieser Entwicklung besteht darin, dass man dem gemächlichen Landesbankgeschäft, wo aus strukturpolitischen Gründen auch mal nicht so ertragsstarke Deals gemacht wurden, das extrem renditeorientierte Denken übergestülpt hat. Das musste schiefgehen.

      SPIEGEL: Und jetzt haben dieselben Politiker ein Rettungskonzept beschlossen ...

      Marnette: ... das das Papier nicht wert ist, auf dem es geschrieben ist; eine absolute Katastrophe. Ich erinnere mich noch genau an jenen Freitag, den 13. Februar, als Nonnenmacher beide Kabinette für 15 Uhr in die HSH-Nordbank-Zentrale einbestellte, um sein Machwerk vorzustellen. Um 13.15 Uhr wurde mir das Papier auf den letzten Drücker ins Auto gereicht. Als ich auf der Fahrt nach Hamburg darin blätterte, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt. Da standen nur wolkige Worte drin und nicht eine einzige Zahl.

      SPIEGEL: Wann haben Sie denn erstmals Zahlen bekommen?

      Marnette: Am gleichen Nachmittag in Hamburg, nachdem Nonnenmacher schon eine halbe Stunde lang sein Konzept erläutert hatte. Da kam er dann zur Seite elf der Vorlage und dem entscheidenden Bild. "Vorläufige Gewinn- und Verlustrechnung 2008 in Milliarden Euro. Operatives Ergebnis: Minus 2,8 Milliarden Euro." Das muss man sich mal vorstellen. Und Nonnenmacher behandelte dieses Riesendefizit als eine Art Randnotiz seiner Präsentation. Das ist doch eine Unverschämtheit. Ich habe dann nachher erfahren, dass diese Präsentation schon Wochen vorher fertig war.

      SPIEGEL: Und warum hat man dann so lange gewartet?

      Marnette: Um Druck auszuüben und die Zeit zum Nachdenken zu reduzieren. Am 13. Februar die Präsentation, am 24. Februar die Kabinettsentscheidung. Das ist ganz brutal getaktet worden.

      SPIEGEL: Von wem?

      Marnette: Von Wiegard und Freytag, ganz eiskalt.

      SPIEGEL: Wenn Sie recht haben, wäre das ja eine Art Milliardenbetrug, den die beiden da durchgezogen haben.

      Marnette: Es war zumindest eine Riesenvernebelungsaktion.

      SPIEGEL: Dennoch haben Sie dieses Konzept im Kabinett mitgezeichnet. Am 19. März haben Sie im Finanzausschuss sogar gesagt: "Ich stehe zu der Entscheidung der Landesregierung, die HSH Nordbank durch die Gewährung einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und die Gewährung einer Garantiesumme von zehn Milliarden Euro zu unterstützen. Ich bekenne mich auch dazu."

      Marnette: Da habe ich gelitten. Das ist mir noch nie passiert. Ich bin ein harter Knochen, aber ich bin am Abend zuvor von Carstensen so unter Druck gesetzt worden, wie ich das noch nie zuvor erlebt habe. Er hat gesagt, wenn Sie sich morgen nicht klar hinter die Position der Landesregierung stellen, kann ich nicht länger mit Ihnen zusammenarbeiten. Und lassen Sie sich nicht vom Geschwätz aus dem Kreis der CDU-Fraktion irritieren. Das sind Leute, die ihre Hausaufgaben in ihrer Schlosserei oder ihrem Elektrogeschäft nicht hinkriegen, die aber hier große Finanzwelt spielen wollen. Das hat er fast wörtlich so gesagt. An dem Abend habe ich gedacht, schmeißt du jetzt hin? Ich war so weit.

      SPIEGEL: Warum haben Sie es dann doch nicht gemacht?

      Marnette: Weil ich am Vormittag nach wochenlangem Hinhalten endlich Gelegenheit bekommen hatte, die als Projektstudie zusammengefassten Unterlagen der HSH Nordbank und der von den beiden Landesregierungen beauftragten Beratungsunternehmen einzusehen. Danach war mir klar: Es gibt nur noch eine Lösung - der Soffin muss rein. Aber die Lektüre fand unter Umständen statt, die für einen Minister unangemessen waren.

      SPIEGEL: Mussten Sie den Ministerpräsidenten auf Knien bitten?

      Marnette: Nein, aber ich meine es ernst. Ich bin kein Ehrheini, glauben Sie mir, aber das war schon hammerhart. Ich musste mir die Unterlagen im Büro einer Mitarbeiterin des Finanzministeriums ansehen, die gerade auf Dienstreise war. Mehrere hundert Seiten Kopien in schlechter Qualität. Ein sachkundiger Berater war von Wiegard abgelehnt worden, und eigene Leute aus dem Wirtschaftsministerium durfte ich nicht mitbringen. Auch Kopien machen war verboten. Und so habe ich da von sieben Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags ganz allein gesessen und handschriftlich notiert, was mir wichtig erschien. Sogar Grafiken habe ich da abgemalt. Wollen Sie mal sehen?

      SPIEGEL: Gern.

      Marnette: Herr Nonnenmacher geht in seinem Szenario davon aus, dass die Eigenkapitalquote die von der EU und dem Soffin geforderten sieben Prozent der Bilanzsumme in den nächsten Jahren nicht unterschreitet. Und jetzt sehen Sie mal, was die Berater für den sogenannten Stressfall annehmen: eine Kernkapitalquote von 4,4 Prozent in 2010 und von 4,9 in 2012.

      SPIEGEL: Wie ist der Stressfall definiert?

      Marnette: Nonnenmacher legt seinen Zahlen unter anderem einen nur mäßigen Einbruch der Konjunktur zugrunde. Alles, was deutlich schlechter ist, gilt als Stressfall.

      SPIEGEL: Die OECD geht mittlerweile davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 5,3 Prozent schrumpft. Heißt das, der Stressfall wird mit Sicherheit eintreten?

      Marnette: Na klar. Die Drei-Milliarden-Spritze ist Ende dieses Jahres schon verfrühstückt. "Im Stressszenario ab 2010 weitere Unterstützung durch die Eigentümer und/oder Soffin erforderlich." Das stand da auf der ersten Seite. Da kommen dann die meiner Ansicht nach völlig unterbewerteten Risiken im Bereich Schiffsfinanzierung noch obendrauf.

      SPIEGEL: Wieso unterbewertet?

      Marnette: Die HSH Nordbank hat gut 33 Milliarden Euro Volumen bei der Schiffsfinanzierung. Wollen Sie mir erzählen, dass das Ausfallrisiko da unter einem Prozent liegt? Sehen Sie mal, das musste ich mir alles mühselig per Hand notieren: weniger als ein Prozent dieser Summe - das ist die Risikovorsorge der Bank für die Jahre bis 2012. Und das, obwohl aus den Unterlagen, die ich in der knappen Zeit einsehen konnte, hervorgeht, dass 64 Prozent des finanzierten Schiffsportfolios von den Rating-Agenturen schlechter als A eingestuft wurden. Das sind alles Wackelkandidaten.

      SPIEGEL: Was heißt das für die Zehn-Milliarden-Bürgschaft?

      Marnette: Herr Nonnenmacher hat mir nach der Akteneinsicht, noch am gleichen Tage, in einer - er nennt das - "Edukation" dargelegt, dass die Puffer, die von der Bank vorgesehen sind, völlig ausreichen.

      SPIEGEL: Hat er das wirklich Edukation, Erziehung, genannt?

      Marnette: Ja, so nennt er das. Und es war bereits meine zweite. Die erste habe ich erhalten, als er mir wie einem Schuljungen mathematische Theorien erörterte, die beweisen sollten, dass die Kreditersatzpapiere, die er nach wie vor in der Bilanz stehen hat, werthaltig sind.

      SPIEGEL: Sind die zehn Milliarden Euro nun gefährdet oder nicht?

      Marnette: Ich bin ein positiv denkender Mensch. Sagen wir mal, die werden kräftig angeknabbert - und um noch einmal auf Ihre Frage zurückzukommen, warum ich nicht schon am 18. März zurückgetreten bin: Mir war klar, dass der Soffin unbedingt einsteigen muss, und das ging, so wie verhandelt worden war, nicht ohne das 13-Milliarden-Paket. Aber so weit hätte es nicht kommen müssen, wenn die beiden Landesregierungen rational an die Sache herangegangen wären.

      SPIEGEL: Was meinen Sie mit rational?

      Marnette: Es ist nie ernsthaft versucht worden, die Bank frühzeitig unter die Kontrolle des Soffin zu stellen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner hat in einer Sitzung des Kabinetts am 21. Februar, an der neben den Fraktionschefs auch die Finanzexperten der im Parlament vertretenen Parteien teilgenommen haben, etwas gesagt, an dem ich mich seitdem aufgerieben habe. Ich habe das damals wörtlich mitgeschrieben. Er habe mit dem Bundesfinanzminister gesprochen, und Peer Steinbrück habe ihm gesagt, wenn die Länder das nicht können und wenn die Länder das wollen, dann werden wir auch helfen.

      SPIEGEL: Aber die Verantwortlichen in Kiel und Hamburg wollten nicht?

      Marnette: Wiegard hat immer gesagt, wenn der Bund einsteigt, werden unsere Anteile verwässert. Dann haben wir keinen Einfluss mehr, und uns gehen die Dividenden flöten.

      SPIEGEL: Bis zum Untergang die Konsolidierung verhindern, damit man die Dividende bekommt?

      Marnette: Ganz genau. Das ist ein Wahnsystem.

      SPIEGEL: War das der tiefere Grund Ihres Rücktritts?

      Marnette: Ja und nein. Der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte, war Carstensens Rede anlässlich der ersten Lesung des HSH-Rettungsgesetzes am 25. März. Da hat er allen Ernstes gesagt, die von verschiedenen Seiten vorgetragene Kritik an diesem Konzept sei widersprüchlich und fadenscheinig. Das hat mich getroffen. Da hat etwas zu rumoren begonnen, das nicht mehr aufgehört hat.

      SPIEGEL: Herr Marnette, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

      Entdeckt auf: http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/verwantwortung…
      Dort ist auch der Link zum Interview zu finden!

      Interview: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,617645,00.html
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 20:00:47
      Beitrag Nr. 3.011 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.929.045 von Maraho am 06.04.09 19:46:44Passt perfekt ...
      In diesem Zusammenhang: Wann geht es eigentlich an die Untersuchung zur HRE? Ich bleibe am Ball!

      Krach um HSH-Nordbank
      Kiel schließt die Reihen gegen Marnette
      von Nicolas Schöneich (Hamburg) und David Böcking (Berlin)

      Nachdem der Ex-Wirtschaftsminister in Sachen HSH Nordbank schwere Vorwürfe erhoben hat, stellen sich Vertreter der Koalition in Schleswig-Holstein hinter Ministerpräsident Carstensen. Ihre Botschaft: Den vollen Durchblick bei der Landesbank hatte ohnehin niemand.


      Vertreter der schwarz-roten Koalition in Schleswig-Holstein haben Vorwürfe des früheren Wirtschaftsministers Werner Marnette (CDU) zurückgewiesen, wonach die Landesregierung Hinweise auf die dramatische Lage der HSH Nordbank ignoriert hat. "Es gibt Dinge, die unterliegen einfach der Nicht-Aufsicht. Herr Marnette hätte das in seinem Laden auch nicht gemacht, alles offenzulegen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses, Peter Sönnichsen (CDU), am Montag der FTD.

      Marnette habe noch am 19. März im Finanzausschuss selbst keine Alternative zum Geschäftsmodell der Landesbank gesehen, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Günter Neugebauer (SPD). "Er hat von Risiken gesprochen, aber nicht von unverantwortbaren Risiken".

      Marnette hatte der Landesregierung von Peter-Harry Carstensen (CDU) in einem Interview mit dem "Spiegel" vorgeworfen, Warnhinweise zur HSH lange nicht beachtet zu haben. Carstensen habe mehrfach Bitten um Gespräche ignoriert und ihn vor der Sitzung am 19. März massiv unter Druck gesetzt, einer erneuten Kapitalspritze für die Bank zuzustimmen. Dabei soll Carstensen sich auch abschätzig über seine eigene Fraktion geäußert haben. In dieser gebe es Leute, "die ihre Hausaufgaben in ihrer Schlosserei oder ihrem Elektrogeschäft nicht hinkriegen, die aber hier große Finanzwelt spielen wollen".

      Der "Focus" hatte berichtet, die unionsinterne Auseinandersetzung zwischen Carstensen und seiner Fraktion koste Regierungssprecher Christian Hauck den Job. CDU-Fraktionschef Johann Wadephul habe gefordert, dass entweder Hauck oder Staatskanzleichef Heinz Maurus entlassen werden und anderenfalls mit seinem eigenem Rücktritt gedroht. Eine Bestätigung des Berichts gab es bislang nicht. Wadephul erklärte die Debatte am Montag gegenüber der Deutschen Presseagentur für beendet.

      Fraktionsmitglieder verteidigten gegenüber der FTD die Zustimmung zur Kapitalspritze über 3 Mrd. Euro, die laut Marnette bis "Ende dieses Jahres schon verfrühstückt" sein wird. "Die Entscheidung war ohne Alternative", sagte die SPD-Abgeordnete Birgit Herdejürgen. "Wir müssen uns auf die Prüfgesellschaften verlassen können." Der CDU-Mann Sönnichsen sagte, die Vorlagen zu dem Beschluss hätten "nicht in zwei Leitz-Ordner gepasst. Ich kann nicht behaupten, dass ich alles durchgearbeitet habe."

      HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher, dem Marnette vorwarf, ihn "zum Narren" gehalten zu haben, wies die Äußerungen des Ex-Finanzministers zurück. Sie seien "nicht nachvollziehbar" und schadeteten der Bank, sagte Nonnenmacher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Unterstützung bekam Marnette dagegen von FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Er teile dessen Ansicht, "dass wir Ende des Jahres denselben Bedarf noch mal haben", sagte Kubicki der FTD. Nonnenmacher sei "ein guter Mathematiker, aber kein Banker. Sein Zukunftskonzept ist keins."

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Krach-um-HSH-Nordb…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 20:09:01
      Beitrag Nr. 3.012 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.926.277 von Maraho am 06.04.09 13:35:35In Bezug.

      Krise & Protest
      Wie sieht die Krisenbewältigung in Deutschland aus?

      Gerade haben wir schönes Wetter. Wir sehen aus, wie wir immer aussehen, bei schönem Wetter. Wir tragen Sonnenbrillen. Und doch ist alles anders: Die "Frühjahrsbelebung" ist ausgeblieben. Zum ersten Mal seit 80 Jahren gab es im März nicht mehr, sondern weniger Jobs.

      Ist das schlimm? Ja, das ist es! Und das ist noch nicht alles. Aktienkurse stürzen ab, der Export geht zurück, das Wachstum sinkt. Der Kapitalismus steckt in seiner bisher schwersten Existenzkrise. Es könnte sein, dass er sogar untergeht. Aber was machen wir?

      Thomas Ostermaier, Theaterregisseur, sagt:
      "Wenn die unten nicht mehr wollen und die oben nicht mehr können, dann haben wir revolutionäre Zeiten. Im Moment können die oben noch ein bisschen und haben Ideen, wie sie dieses System aus der Krise herausbringen können. Und die wollen auch noch. Sie wollen nämlich die seligen Zeiten, als der Kapitalismus noch funktionierte, wieder zurückhaben."

      Thomas Ostermaier hat an der Berliner Schaubühne Ibsens "John Gabriel Borkmann" inszeniert. Die Idee dazu kam ihm im vergangenen Sommer. Nun ist es das Stück der Stunde: Ein Bankier, der das Vermögen seiner Kunden verzockt.
      Das Drama des Kapitalismus ist auf der Straße angekommen - Europa geht auf die Barrikaden: Blutige Ausschreitungen in Lettland und Bulgarien, Straßenschlachten in Island und Griechenland, Massenproteste in Spanien, Italien, Frankreich.

      Und so sieht Krisenbewältigung in Deutschland aus: Männer tragen gelbe T-Shirts, Kinder singen für Opel, die Kanzlerin soll helfen...
      Überlebenskampf als bunter Nachmittag, inszenierte Hilflosigkeit. Nur kein Protest.

      Protestforscher Dieter Rucht meint: "Erstens mal sind die Verantwortlichen verstreut über der ganzen Welt, die zum Teil personell gar nicht benennbar sind. Zum zweiten ist es sehr schwierig, was die Lösungen angeht. Man kann nicht einfach sagen: Schafft die Finanzkrise ab!, so wie man sagt: Marschiert nicht in den Irak ein!"

      Gute, alte Protestzeiten! Männer mit Vollbärten wurden zu Popidolen - und die Straße zum Laufsteg für Weltverbesserer. Rebellion und Gesellschaftskritik gehörten zum Kerngeschäft der Jugend. Auflehnung in Zeiten der Vollbeschäftigung.

      Jugend heute ist irgendwie anders. Artig, ängstlich, angepasst. Sie will keinen Ärger haben und auch keinen Ärger machen. Bloß nicht unbequem werden - als wäre das die Lebensversicherung, die vor sozialem Abstieg und Arbeitslosigkeit schützt.

      "Wir haben große Zukunftsängste, an die wir uns schon länger erinnern und die nicht erst jetzt existieren", sagt Thomas Ostermaier. "Wir haben Agenda 2010, Hartz IV gehabt, wir haben Krisen nach dem 11. September oder, als die New Oconomy-Blase platzte, hinter uns. Und die einzige Reaktion auf diese Krisen war, immer zu sagen: Okay, ich weiß zwar, dass das Boot voll ist. Aber vielleicht schaffe ich es noch, hineinzuklettern."

      Demonstrationen in Deutschland vor einer Woche. Sind sie der Beginn einer neuen Protestbewegung oder schon deren Ende? Nach Jahrzehnten seligen Wohlstands wird der Kapitalismus heute vor allem als eine Bedrohung wahrgenommen. Nicht nur von Globalisierungsgegnern, sondern quer durch die Gesellschaft. Doch das Potenzial an Unruhe, Unzufriedenheit und Auflehnung ist bisher eher gering.

      Max Bank, "Noya" (Jugendnetzwerk von Attack), meint: "Jetzt wird es immer spürbarer für viele Leute. Und deshalb gehen viele auf die Straße. Ich denke, der erste Punkt, der die Leute richtig wütend gemacht hat, war eben, dass die Manager jetzt auch noch die Boni eingestrichen haben."

      "Ich spüre eine große Lust darauf, dass die Krise so brisant durchschlägt, dass alle das gesamte System in Frage stellen", so Thomas Ostermaier.

      Noch schauen wir der Krise zu, als hätten wir nichts damit zu tun, als könnte sie uns nicht erwischen. Aber wir stecken schon mittendrin. Noch ist es still in Deutschland. So still wird es nicht bleiben.

      Quelle: http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,i46qld46n60sen…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 20:30:20
      Beitrag Nr. 3.013 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.926.105 von Maraho am 06.04.09 13:12:15Noch etwas zur "Riester" ...
      Wen es interessiert, unten anklicken ...

      Probleme bei der Riester-Rente und beim „Wohn- Riester“
      Verantwortlich: Wolfgang Lieb

      Eberhard Stopp, Fachwirt für Finanzberatung, hat für die NachDenkSeiten nach bestem Wissen und Gewissen Fakten zur Riester-Rente und zum „Wohn-Riester“-Modell zusammengetragen. Als Versicherungsmakler, der – wie andere Vermittler auch – nur an dem Verkauf von solchen Produkten verdient und nicht damit, dass er davon abrät, gerät Stopp wohl kaum in den Verdacht, mit seinen kritischen Einschätzungen eigene Interessen zu verfolgen.
      Sein Fazit: Die Riester-Rente und der sog. „Wohn-Riester“ lösen das Problem der Altersvorsorge nicht, und diese „Produkte“ sind zudem mit vielen Risiken verbunden.
      Die Redaktion der NachDenkSeiten kann nicht garantieren, dass die Darstellung der Probleme in allen Punkten zutrifft; doch wir raten allen, die die Absicht haben, solche Verträge einzugehen, die nachfolgend angesprochenen Fragen mit ihrem Versicherungsagenten zu klären.

      Weiterführend ... http://www.nachdenkseiten.de/?p=3875#more-3875
      1 Antwort?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 20:42:14
      Beitrag Nr. 3.014 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.926.183 von Maraho am 06.04.09 13:21:38Etwas weiteres zu Ost-Europa ...

      Währungsverfall erschwert Exportgeschäft
      Unternehmen mit Niederlassungen im Osten kämpfen gegen die Eurostärke an

      Wien - Nicht nur die Banken, die intensiv in Osteuropa engagiert sind, wurden von dem Währungsverfall in den osteuropäischen Ländern kalt erwischt. Auch die Firmen, die in den letzten Jahren in der Region Werke aufgebaut haben, bekommen durch den Kursverfall der lokalen Währung Probleme. Dies trifft vor allem für Produktionen in der Ukraine zu, aber auch in Ungarn.

      In der Regel wurde Aufbau und Betrieb mit Euro-Krediten, also in Fremdwährung, finanziert, was lange Jahre aufgrund der niedrigeren Euro-Zinsen und der stabilen Währungsverhältnisse günstig war.
      "Die Abwertungen tun uns natürlich weh", erklärt Johann Marihart, Chef des Zucker- und Fruchtverarbeiters Agrana. "Dies wird sich nicht unbeträchtlich in unserem Ergebnis niederschlagen." Agrana besitzt unter anderem in der Ukraine Werke für Fruchtsaftkonzentrat und -zubereitung.

      Umschuldungen hätten jedoch keinen Sinn, erklärt Marihart. "Wir bleiben in Euro finanziert." Da Agrana nicht für den Endkonsumenten produziert, sei es möglich gewesen, mit den Großkunden auch Hartwährungsverträge abzuschließen, sodass beide Seiten den Verfall abfedern. Mildernd sei weiters, dass Grundprodukte, etwa Äpfel, sehr viel billiger geworden sind, sodass die Produkte für die Bevölkerung leistbar blieben.

      Das Problem einer nachlassenden Nachfrage sieht Gabor Hunya, Direktinvestitionsexperte beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), gegeben, was insbesondere Exporte österreichischer Firmen in die Region treffe. Dies war auch bereits an den Jänner-Exportzahlen der Statistik Austria ablesbar, der Standard berichtete.

      Günstige Lohnkosten

      Umgekehrt werden die niedrigen Kurse der Lokalwährungen als Vorteil für den Export in die EU begriffen, ein Vorteil, der in den nächsten Monaten schlagend werden könnte. Gregor Postl, der österreichische Handelsdelegierte in Kiew, erklärt, dass keines der Unternehmen, die in der Ukrainie Produktionsbetriebe haben - etwa Fischer-Ski oder Fronius Schweißgeräte - an einen Rückzug dächten. Überhaupt würde die niedrige Hrywnja, kombiniert mit den günstige Lohnkosten bestenfalls den "Nachteil" wettmachen, der in dem Land dadurch entsteht, dass seit Jahresanfang für die Energie aus Russland 80 Prozent des Weltmarktpreises zu bezahlen ist.

      Erika Teoman-Brenner, die österreichische Handelsdelegierte in Budapest, sieht den niedrigen Forint - die Währung hat seit Anfang des Jahres rund 20 Prozent an Wert verloren - als den Hemmschuh für das heimische Exportgeschäft an. "Die Inlandsnachfrage ist aufgrund der Sparpakete am Boden. Die Einkommen werden weiter zurückgehen", erklärt sie. Dies treffe insbesondere sensible Exportbereiche wie Lebensmittel; im technischen Bereich werde die ungarische Inlandsnachfrage nicht so sehr zurückgehen.

      Betroffen ist auch Bauwirtschaft und Baunebengewerbe - obwohl, wie eine Wienerberger-Sprecherin betont, "dieses Geschäft eher lokal ist". Das heißt, die ausländischen Baufirmen im Osten arbeiteten nicht für den Export; im Gegenzug aber werden Importe, etwa von Baustoffen, durch den teuren Euro erschwert.

      (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2009)
      http://derstandard.at/
      8 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 20:53:44
      Beitrag Nr. 3.015 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.652.403 von Maraho am 25.02.09 18:22:12In Österreich sieht es nicht besser aus ...

      Österreich steuert auf Rekordverschuldung zu
      Staatsschuldenausschuss-Vorsitzender Felderer rechnet für 2010 mit einer Verschuldung von 70 Prozent des BIP

      Wien - Der Chef des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, rechnet für 2010 mit einem Schuldenstand der Republik Österreich von über 70 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ein derartig hoher Wert wurde von der Statistik Austria bisher noch nie gemessen, ÖVP-Chef Josef Pröll dürfte damit als der Finanzminister mit der höchsten Staatsverschuldung der Zweiten Republik in die Geschichte eingehen.

      Derzeit gilt noch das Jahr 1996 als jenes mit der höchsten Verschuldung. Der Schuldenstand lag damals bei 68,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 123 Milliarden Euro - gerechnet freilich noch in Schilling. Danach musste aber streng gespart werden, weil der Euro die Stabilitätskriterien für die Länder der Euro-Zone eine Verschuldung unter 60 Prozent des BIP vorsehen. Dieser Wert wurde nach einem mühsamen Sparkurs 2007 mit 59,4 Prozent erreicht - der Erfolg blieb aber einmalig: Schon 2008 stieg die Verschuldung wieder auf 62,5 Prozent.

      Rascher Abbau

      Schuld an der im Vorjahr gestiegenen Verschuldung war unter anderem das Bankenpaket. Die Kapitalspritzen für die Banken wurden mit acht Mrd. Euro an neuen Schulden finanziert, so Felderer, der für einen raschen Schuldenabbau nach Ende der Wirtschaftskrise plädiert, um künftige Generationen nicht zu belasten.

      Für heuer und kommendes Jahr geht der Wirtschaftsforscher davon aus, dass der Schuldenstand des Staates auch ohne mögliche weitere Belastungen durch das Bankenpaket und durch Staatsgarantien für Unternehmenskredite noch weiter steigen wird - und zwar auf etwa 65 Prozent 2009 und 70 Prozent 2010. Schuld daran sind die steigenden laufenden Defizite von bis zu 3,5 Prozent 2009 und vier Prozent 2010.

      Ministerium: "Deutlich schlechtere Zahlen"

      Im Finanzministerium will man genaue Zahlen vor der Budgetrede von Finanzminister Pröll am 21. April noch nicht kommentieren, nur so viel: "Klar ist, dass die deutlich schlechtere Konjunktur auch zu deutlich schlechteren Verschuldenszahlen im Vergleich zum Regierungsprogramm führen wird." Zudem hätte eine weitere Verschlechterung des internationalen Umfeldes auch Auswirkungen auf Österreich, heißt es. Zumindest die für das Bankenpaket aufgenommenen Kredite sollen allerdings rasch "rückgeführt" werden, weil die Banken das Geld in den nächsten Jahren zurückzahlen müssen.

      Das bisher höchste laufende Defizit hatte übrigens Ferdinand Lacina (SPÖ) als Finanzminister der rot-schwarzen Koalition 1995 zu verantworten. Damals machte das Minus 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. (APA)

      Quelle: http://derstandard.at/
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:19:50
      Beitrag Nr. 3.016 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.887.697 von Maraho am 31.03.09 14:04:23Umweltzonen und Abwrackprämie. Steckt vielleicht mehr dahinter?
      Immerhin verschwinden ja dadurch "ohne Ende" alte Fahrzeuge aus dem Verkehr.
      Und in vier Jahren sind die heute neuen auch schon wieder "alt", bzw. entsprechen nicht mehr den wahrscheinlich dann geltenden Umweltauflagen ...


      Intelligente Verkehrssysteme
      Big Brother im Straßenverkehr

      Essen. Ab 2013 sollen Neuwagen mit Kommunikationsboxen ausgestattet werden. Die können Informationen über Geschwindigkeit und Standort des Fahrzeugs übermitteln. Die EU will damit die Unfallzahlen senken und den Verkehrskollaps verhindern. Datenschützer warnen vor der totalen Überwachung.

      Für großes Aufsehen sorgte es nicht, als im Dezember vergangenen Jahres in Berlin CVIS getestet wurde. Hätte es aber vielleicht sollen. Denn was da erstmals öffentlich vorgestellt wurde, könnte das Leben von Millionen Autofahrern von Grund auf verändern und – das befürchten jedenfalls Kritiker – der Kern einer europaweiten Überwachungsinfrastruktur bislang beispielosen Ausmaßes sein.

      CVIS steht für kooperative Fahrzeug-Infrastruktur Systeme und wird von einem Konsortium namens Ertico entwickelt, an dem etliche europäische Automobilkonzerne, Telekommunikationsfirmen und Ministerien beteiligt sind. Das Projekt ist Teil einer Initiative der Europäischen Kommission zur Einführung sogenannter intelligenter Verkehrssysteme. Mit dieser Initiative will Brüssel den Verkehr auf europäischen Straßen sicherer machen und besser fließen lassen; erst in der vergangenen Woche gab der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments grünes Licht für die Verabschiedung einer entsprechenden europaweit gültigen Rahmenrichtlinie.

      Der Herzschlag des Autos

      Das von Ertico entwickelte System soll 2013 marktreif sein. Die Idee: In Neuwagen werden serienmäßig Kommunikationsboxen eingebaut, die ständig Informationen über Fahrzeugklasse und -typ, Geschwindigkeit, Standort und Fahrtrichtung aussenden. Dieser „Herzschlag” des Autos kann von den Kommunikationsboxen anderer Fahrzeuge, aber auch von ähnlichen Einrichtungen an Ampeln und Autobahnbrücken empfangen werden. Durch Sammlung und Abgleich der Informationen sollen Staus vermindert und Unfälle vermieden werden. Soweit die Theorie.

      Praktisch könnte mit einem solchen System ein Bewegungsprofil von Autofahrern erstellt werden. Der Standort eines Fahrzeugs kann mit der Technik bis auf einen Meter genau lokalisiert werden, schwärmt Ertico. Datenschützern ist diese Vorstellung ein Gräuel: „Ein System, das permanent Aufenthaltsdaten funkt, wäre ein komplettes Überwachungssystem. Das können wir nicht akzeptieren”, so ein Sprecher des Bielefelder Datenschutzvereins FoeBud.

      "Unfehlbares Überwachungssystem"

      Simon Davis, Direktor der britischen Datenschutzorgansiation Privacy International, warnte im „Guardian”, falls Daten aus einem solchen System mit Daten von Mobil-Telefonen abgeglichen würden, könne somit ein nahezu „unfehlbares Überwachungssystem” geschaffen werden.

      Die Brisanz ist den EU-Parlamentariern durchaus bewusst. Allerdings findet sich im Entwurf für die europaweite Rahmenrichtlinie nur der schwammige Hinweis, dass personenbezogene Daten nur dann verarbeitet werden dürften, wenn dies für den Betrieb von intelligenten Verkehrssystem erforderlich sei.

      Ein Milliardengeschäft

      Klar ist jedenfalls: Für die beteiligten Firmen würde die europaweite Einführung des Systems eine Goldgrube. Jede an einer Ampel oder einer Autobahnbrücke installierte Kommunikationsbox würde mit 500 bis 700 Euro zu Buche schlagen, schätzt Peter Christ, Projektmanager bei Ertico: „Das wären Milliarden-Investitionen.” Die Autofahrer sollten laut Christ besser nicht gefragt werden, ob sie eine solche Box in ihrem Auto haben wollen. "Das sollte europaweit verpflichtend eingeführt werden."

      Für die Datenübertragung ist bereits europaweit ein Frequenzband reserviert. Die bisherigen Projektarbeiten haben 41 Millionen Euro gekostet. Die Hälfte davon stammt aus Steuergeldern.

      Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/nrz/2009/4/4/news-116…

      Weitere Informationen: http://www.cvisproject.org/
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:31:19
      Beitrag Nr. 3.017 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.929.045 von Maraho am 06.04.09 19:46:44Noch etwas zur "HSH" ...

      Nordbank
      HSH bringt Carstensen in Bedrängnis
      von Daniel Delhaes und Peter Müller

      Die Milliardenverluste der HSH Nordbank stürzen die Regierung in Schleswig-Holstein immer weiter in die Krise. "Wir wollen so schnell wie möglich Aufklärung haben", sagte der SPD-Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Ralf Stegner. In einem Brief an den Ministerpräsidenten des Landes, Peter Harry Carstensen (CDU), forderte er Klarheit.


      BERLIN. Die Milliardenverluste der HSH Nordbank stürzen die Regierung in Schleswig-Holstein immer weiter in die Krise. "Wir wollen so schnell wie möglich Aufklärung haben", sagte der SPD-Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Ralf Stegner. In einem "Für das Parlament ist es angesichts der schwierigen Entscheidung vom vergangenen Freitag wichtig Klarheit über das Ausmaß der Zukunftsrisiken zu erhalten", heißt es in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. Im nördlichsten Bundesland regieren Union und SPD.

      Gegen Carstensen erheben auch Unions-Politiker schwere Vorwürfe - allen voran der vor gut einer Woche zurückgetretene Wirtschaftsminister Werner Marnette. Er warf dem Regierungschef am Wochenende vor, Milliarden zur Rettung der HSH Nordbank genehmigt zu haben, "ohne wirklich aussagekräftige Zahlen der Bank zu kennen". Er selbst habe Daten angefordert, aber weder aus der Staatskanzlei noch aus dem von der CDU geführten Finanzministerium erhalten, sagte Marnette dem "Spiegel". Carstensen habe sich nicht für Details interessiert.

      In Kiel schlägt das Interview hohe Wellen. "Das ist ein hammerhartes Dokument", sagte Ernst Rossmann, Sprecher der SPD-Landesgruppe im Bundestag. Der Umgang mit der Bank sei "eine Existenzfrage des Landes". Da wünsche man sich einen Ministerpräsidenten, der sich bis ins letzte Detail informieren lasse. Carstensen zeige eine "Überforderung". Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Bürsch sagte, Carstensen gebe ein "schwaches Bild" ab. Ole Schröder, der für die CDU Schleswig-Hosteins im Bundestag sitzt, wies die Vorwürfe zurück. "Herrn Marnette treibt nicht die Sorge um die HSH, sondern seine eigene Eitelkeit."

      Erst am Freitag hatte der Landtag in Kiel dem Rettungspaket für die HSH Nordbank zugestimmt. Die Bank musste das Geschäftsjahr 2008 mit einem Verlust von 2,8 Mrd. Euro beenden. Sie gehört mehrheitlich dem Land und dem Stadtstaat Hamburg. CDU und SPD in Kiel sowie die schwärz-grüne Bürgerschaft in Hamburg gewähren nun eine Kapitalspritze über drei Mrd. sowie Bürgschaften über zehn Mrd. Euro.

      Hinter vorgehaltener Hand vergleichen selbst CDU-Politiker die Lage in Kiel mit der Situation in Dresden vor gut eineinhalb Jahren. Damals geriet die Sachsen LB in die Schieflage. In der Folge musste Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) zurücktreten.

      Nun häufen sich die Vorwürfe gegen Carstensen - auch in der CDU. Da ist das umstrittene Krisenmanagement bei der HSH. Da ist die Große Koalition, in der Carstensen den Landesvater gibt, der CDU aber Profil fehlt. Und da sind der Dämpfer bei der Kommunalwahl vor einem Jahr und die Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl in Kiel vor kurzem. Für Zündstoff sorgt zudem die eigenmächtige Benennung des neuen, parteilosen Wirtschaftsministers Jörn Biel, bis dahin IHK-Hauptgeschäftsführer in Kiel. Fast schon resigniert nehmen es manche CDU-Politiker hin, dass ihr Ministerpräsident derzeit trotz der Regierungskrise ungetrübt im Osterurlaub weilt. "Der Mann gehört jetzt an Bord", sagt einer, der nicht genannt werden möchte.

      CDU-Fraktionschef Johann Wadephul spricht offen über die Lage seiner Partei. "Wir haben das Doppel-Problem der großen Koalition im Land und im Bund. Wir müssen unserer Basis doppelt erklären, dass es noch CDU pur gibt." Gerade für die Städte müsse die Partei verdeutlichen, welche Politik sie vertrete. Mit dem Wechsel des Regierungssprechers - darüber hatten am Wochenende mehrere Zeitungen berichtet - seien die Probleme nicht gelöst, so Wadephul.

      Klarheit wollen CDU und SPD auch über die Lage der Landesbank, zumal Marnette sagte, alle Prognosen seien viel zu optimistisch. Von "aufgeworfenen Fragen", spricht der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Torsten Geerdts. Und SPD-Landeschef Stegner fügt hinzu: "Wir wollen wissen, wer wen falsch informiert hat."

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/hsh-br…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:36:07
      Beitrag Nr. 3.018 ()
      Mit diesem Text aus der "taz" komme ich für heute ...

      Mit Askese durch die Krise
      Verweigere dich durch Disziplin

      Askese könnte zu utopischen Praktiken führen. Mit etwas mehr Sexappeal als Mülltrennung und scheußlichen Energiesparlampen.

      VON ISOLDE CHARIM


      Wenn man dieser Tage die Zeitung aufschlägt, liest man: 1.000 Milliarden Euro bereitgestellt für die Rettung der Welt, 3.500 Milliarden Euro bewilligt für Obamas Haushalt, 100 Millionen Euro Kaution hinterlegt von einem korrupten österreichisch-britischen Banker. Kein Wunder, dass langsam eine neue Sehnsucht nach Moral entsteht. Die Moral hatte ja selbst eine neoliberale Konjunktur.

      Man konnte sie beruhigt externalisieren, der Markt würde das schon an unserer Stelle regeln. Mit dem Versprechen des Marktes, als Maschine zu fungieren, in die man Eigennutz einspeist und aus der allgemeiner Nutzen herauskommt, konnte man sich ungeniert seiner Gier hingeben. Und das betraf nicht nur ein paar korrupte Banker. Slavoj Zizek schrieb schon vor Jahren, der kategorische Imperativ des Kapitalismus laute: Genieße! Dies war keine Möglichkeit mehr, sondern längst eine Forderung.

      Nun erleben wir die Anstrengung, wieder Regulierungen, also Hemmungen, Schwellen, einzubauen. Der Club-of-Rome-Bericht aus dem Jahre 1972 wird hervorgekramt. Seine damalige Mahnung, es gäbe Grenzen des Wachstums, soll heute Programm werden. Allerorten sucht man nach einem neuen Gesellschaftsvertrag, einem New Deal, dessen Konturen noch nicht ganz klar sind, aber dessen Prämisse schon feststeht: Sie lautet Beschränkung. Gleichzeitig ergeht an den Einzelnen die fast flehentliche Botschaft: Bitte, konsumiere weiter!

      Aber die Bekämpfung der skrupellosen Frivolität auf den Finanzmärkten durch einen Exzess an Staatsfinanzen mit unvorstellbaren Summen erzeugt einen gegenteiligen Effekt: Sie produziert eine Sehnsucht nach gesellschaftlicher Moral, nach einer persönlichen Wiederaneignung der Moral. Denn wenn der Neoliberalismus die bis vor kurzem vorherrschende Ideologie war, dann bedeutet dies, dass er in unser aller Köpfe eingedrungen ist. Jetzt ist nicht nur das Vertrauen in die Banken geschwunden, sondern auch das Vertrauen in den Markt als Maschine, der man beruhigt die Moralproduktion überlassen kann. Es ist also an der Zeit, diese wieder selbst zu übernehmen, sie zu internalisieren, sie in den Einzelnen zu verlegen. Und hört man nicht schon da und dort Stimmen, die davon sprechen, dass die Leute in den ehemaligen Ostblockländern viel besser für die Krise gerüstet seien als wir, die wir zu saturiert sind? Da klingt doch durch die Aufforderung zum Konsum eine alte Melodie durch: Gürtel enger schnallen, Opfer bringen.

      In diesen Zeiten, wo man ständig die verstaubtesten Bücher aus seiner Bibliothek hervorkramt, lohnt es sich bei Arnold Gehlen nachzuschlagen: "Wenn man sich einen Ausweg vorstellen könnte", heißt es da, "so wäre es eigentlich nur noch die Askese." Das Erstaunlichste an dem Satz ist vielleicht, dass man plötzlich etwas mit ihm anfangen kann. Ebenso wie mit Gehlens Gedanken, dass nicht Konsum, sondern nur Heroismus ein erstrebenswertes Ideal sei. Aber da Heldentum und Krieg ob ihrer fatalen Folgen unakzeptabel seien, bliebe nur die Askese als heroische Herausforderung. Wenn man bedenkt, wohin die Krise von 1929 geführt hat, liest man gerne weiter. Etwa dass Gehlen drei Arten von Askese unterscheidet: Opfer, Disziplin, Stimulans. Während er vom Opfer absieht, legt er Nachdruck auf die anderen beiden Formen der willentlichen Selbstkontrolle. Durch Foucault, unsere Schulerfahrung und die Kritik am Fordismus sind wir daran gewöhnt, Disziplin negativ zu konnotieren. In Gehlens konservativer Kritik erscheint sie hingegen als Verweigerung, als "Ausschluss vom Wettlauf nach Wohlleben". "Askese", so Gehlen, "muss heute zu heroischen Zielen aufrufen." In der Gegnerschaft zum Exzess der letzten Jahrzehnte könnte ihr so ein heroisches Ziel zuwachsen. Sie könnte zu utopischen Praktiken führen mit etwas mehr Sexappeal als Mülltrennung und scheußlichen Energiesparlampen. Nicht zufällig heißt Peter Sloterdijks neues Buch "Du mußt dein Leben ändern".

      Aber da auch George Batailles "Ökonomie der Verschwendung" sich von einem Einspruch gegen die Kapitalakkumulation und einer existenziellen Grenzerfahrung in die große Party des Marktes verwandelt hat, sei daran erinnert, dass in einer anderen Zeit die "asketische Lebensführung direkt die kapitalistische Lebensform" beeinflusst hat, wie Max Weber schrieb. Was heute noch als Widerstand, als Verweigerung gegenüber dem Markt verstanden wird, kann morgen schon wieder höchste kapitalistische Tugend sein.

      Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/verweigere-d…
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:40:20
      Beitrag Nr. 3.019 ()
      ... zum Schluß.

      Vielen Dank wieder einmal euch allen für das Interesse an diesem heutigen Montag!

      Ich wünsche euch nun einen noch angenehmen Abend bzw. eine gute Nacht!

      Bis morgen ...
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:45:36
      Beitrag Nr. 3.020 ()
      :laugh:
      Chauvis unter sich!

      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:46:45
      Beitrag Nr. 3.021 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.929.828 von Groupier am 06.04.09 21:45:36;)
      Avatar
      schrieb am 06.04.09 21:48:44
      Beitrag Nr. 3.022 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.929.828 von Groupier am 06.04.09 21:45:36Da gibt`s keine Migräne ...

      Dir einen schönen Abend!
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 01:51:07
      Beitrag Nr. 3.023 ()
      Nicht schlecht :

      www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ
      www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ


      _________________________________________________________________


      Soros: US-Banken insolvent


      Montag, 6. April 2009

      Alle US-Banken sind praktisch insolvent- meint George Soros.
      Verstaatlichung keine Frage mehr. Mark-to-Market Regel verlängert Leben von "Zombie"-Banken lediglich. Dollar möglicherweise in Zukunft ersetzt durch Sonderziehungsrechte (SZR).



      Scharf ins Gericht ging Investment-Legende George Soros in einem Reuters-Interview mit den US Banken: "Das Banksystem als Ganzes sei praktisch insolvent", sagte Soros am Montag.

      Die Verstaatlichung der Banken "sei keine Frage". Der Stress-Test durch das US Finanzministerium sei ein Vorbote für eine erfolgreiche Rekapitalisierung durch den Staat.

      Im Hinblick auf die geplanten Änderungen bei den Bilanzierungsregeln sagte Soros, dass dies lediglich das Leben der "Zombie"-Banken verlängern werde. Die US-Wirtschaft sei in einem nachthaltigen Abwärtstrend und werde sich dieses Jahr nicht erholen, was die Lage der Banken noch verschärfe.

      Für den US-Dollar hege er keine große Hoffnung. Der Dollar werde laut Soros unter Druck kommen und möglicherweise durch die Special Drawing Rights (Sonderziehungsrechte) des IWF ersetzt.

      China hatte kürzlich vorgeschlagen, von den Sonderziehungsrechten mehr Gebrauch zu machen. Sollte dies geschehen, werden die SZR eventuell zu einer neuen globalen Weltreservewährung.

      "In Zukunft könnte es von Vorteil sein, ein Konto zu haben, das nicht auf Dollar basiert" - so Soros.

      Eine Erholung der Weltwirschaft könnte 2010 möglich sein. Dies hänge jedoch davon ab, wie tief die Reszession tatsächlich gehe. Das System hätte es den USA erlaubt, über ihre Verhältnisse zu leben und dieses sei nun reformiert, so Soros. Das dürfte sich in Zukunft nicht mehr wiederholen.

      Quelle :
      http://www.mmnews.de/index.php/200904062691/MM-News/Soros-US…
      http://www.mmnews.de/index.php/200904062691/MM-News/Soros-US…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 05:27:31
      Beitrag Nr. 3.024 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.930.601 von Ausgangssperre am 07.04.09 01:51:07Guten Morgen Ausgangssperre,
      herzlich willkommen hier! Einen schönen Tag wünscht Dir Maraho ;)
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 05:29:55
      Beitrag Nr. 3.025 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.786.035 von Maraho am 17.03.09 19:04:51Guten Morgen zusammen,
      ein erträglicher Tag sei euch allen gewünscht!

      Beginnen wir damit ...

      Presse: Seehofer für neues Konjunkturpaket offen

      Hamburg (dpa) - Als erster Spitzenvertreter der großen Koalition zeigt sich CSU-Chef Horst Seehofer offen für weitere kurzfristige Hilfen zugunsten von Unternehmen und Steuerzahlern. Laut «Financial Times Deutschland» hat er dies auf der Klausurtagung der CSU-Spitze am Wochenende deutlich gemacht. Die Regierung dürfe «jetzt nicht den Griffel fallen lassen», hätten Teilnehmer der Sitzung den Parteichef zitiert. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück lehnen die Diskussion über ein drittes Konjunkturprogramm strikt ab.

      © Die Welt
      erschienen am 07.04.2009 um 04:50 Uhr
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 05:36:40
      Beitrag Nr. 3.026 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.930.627 von Maraho am 07.04.09 05:29:55Mit anderen Worten: Die Lage ist schlimmer, als man uns bisher weismachen wollte ...


      Konjunkturpaket III
      Exklusiv Front gegen neues Paket bröckelt
      von Timo Pache (Berlin)

      Die Front gegen ein drittes Milliardenprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft bricht auf. Als erster Spitzenvertreter der Großen Koalition zeigt sich CSU-Chef Horst Seehofer nach FTD-Informationen offen für weitere kurzfristige Hilfen zugunsten von Unternehmen und Steuerzahlern.


      Teilnehmer der Klausurtagung des CSU-Vorstands am Wochenende zitierten Seehofer am Montag mit den Worten: "Wir müssen damit rechnen, dass man noch etwas machen muss." Die Bundesregierung dürfe "jetzt nicht den Griffel fallen lassen".

      Seehofer stellt sich damit gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Beide lehnen schon die Diskussion über ein drittes Konjunkturprogramm zum jetzigen Zeitpunkt strikt ab.

      Dagegen hieß es in der CSU-Spitze, Vorfestlegungen gegen weitere Konjunkturstützen seien "nicht hilfreich". "Wir müssen flexibel sein. Entscheidend ist, das Notwendige zu erkennen und entsprechend zu handeln." Seehofer fordert notfalls noch in dieser Legislaturperiode schnelle Steuerentlastungen, sollte die Konjunktur nicht bald wieder anziehen.

      Die Bundesregierung hat im vergangenen halben Jahr zwei Konjunkturpakete beschlossen, die derzeit umgesetzt werden. Das Volumen der beiden Pakete liegt in diesem und im nächsten Jahr bei insgesamt rund 80 Mrd. Euro. Neben einer niedrigeren Einkommensteuer und geringeren Sozialbeiträgen enthalten die Pakete milliardenschwere zusätzliche Investitionen des Staates, eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds auf bis zu 18 Monate und die Abwrackprämie für Autos.

      In Berliner Koalitionskreisen hieß es dazu, ein weiteres Investitionsprogramm sei "völlig ausgeschlossen". Möglich sei aber, dass man "ohnehin geplante Steuerentlastungen als drittes Konjunkturprogramm ausflaggt".

      Tatsächlich hat Berlin weitere massive Steuersenkungen bereits auf den Weg gebracht. Mit dem "Bürgerentlastungsgesetz", das vom Kabinett schon verabschiedet ist, sollen die Beiträge zur Krankenversicherung ab 2010 komplett steuerlich abziehbar sein.

      Das Finanzministerium rechnet mit einer Entlastung um mindestens 9 Mrd. Euro. Da sich Union und SPD nach FTD-Informationen grundsätzlich auch darauf verständigt haben, die Beiträge zu Haftpflicht- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen absetzbar zu lassen, dürfte die Entlastung noch größer ausfallen.

      Im Grundsatz beschlossen ist zudem, auch Firmen mit dem Gesetz zu entlasten. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte am Montag, Korrekturen an der Unternehmenssteuerreform seien "dringend geboten" - etwa bei der Absetzbarkeit von Zinsausgaben. "Das muss man nicht erst in einer neuen Koalition auf den Weg bringen."

      Auch die SPD-Linke zeigte sich offen für ein drittes Konjunkturpaket. Der Sprecher der Parlamentarischen Linken im Bundestag, Ernst Dieter Rossmann, sagte der FTD: "Eine Schockstarre darf es nicht geben." Sollte die Konjunktur weiter absacken, "bin ich mir sicher, dass sich diese Bundesregierung auf weitere Stabilisatoren für Arbeitsplatzsicherheit und Konjunktur verständigt". Teil eines dritten Pakets müsste etwa eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds auf 24 Monate sein.

      Die Argumentation von CSU und SPD-Linken stützen dürfte die anstehende Konjunkturprognose der Regierung. Guttenberg kündigte für Ende April "eine klare, realistische und andere" Prognose an. Bislang erwartet die Regierung für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent. Inzwischen ist aber von bis zu fünf Prozent Minus die Rede. In den kommenden Jahren werde es ein "harter Prozess, sich wieder zu stabilisieren", sagte Guttenberg.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Konjunkturpaket-III-F…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 05:45:44
      Beitrag Nr. 3.027 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.929.045 von Maraho am 06.04.09 19:46:44In Bezug.

      Land unter im Norden
      von M. Lambrecht, N. Schöneich, T. Steinmann (Hamburg), M. Schreiber (Frankfurt) und A. Delfs (Berlin)

      Der Rücktritt des Kieler Wirtschaftsministers sollte Ruhe in die Debatte um die HSH Nordbank bringen. Doch Werner Marnette legt nach, und es wird immer klarer: Die Haushalte in Hamburg und Schleswig-Holstein drohen abzusaufen.


      Peter Harry Carstensen gilt nicht gerade als passionierter Fußballfan. Doch ausgerechnet an diesem Sonntag zieht es Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten ins Kieler Holstein-Stadion, wo der Viertligist Holstein Kiel gegen die zweite Mannschaft von Hannover 96 antritt. Ein Spiel, das Fußballerherzen nicht unbedingt höher schlagen lässt. Nach den immer neuen Hiobsbotschaften aus der HSH Nordbank und den aktuellen Enthüllungen aus dem Alltag des Kieler Regierungsapparats will der leutselige Nordfriese an diesem sonnigen Frühlingstag wohl ein bisschen Normalität vorspielen.

      Demonstrativ hat sich der CDU-Politiker einen Holstein-Schal um den Hals gehängt, als er in Begleitung seiner Referentin und eines Personenschützers die Tribüne am Kieler Westring betritt. Aber der sonst so volksnahe Landesvater wirkt isoliert und angespannt. Nachdem er einige Hände geschüttelt hat, verschwindet Carstensen in der VIP-Loge und holt sich erst einmal was zu essen.

      Der Paukenschlag, mit dem Wirtschaftsminister Werner Marnette ein Wochenende zuvor das Kieler Kabinett verlassen hat, hallt noch nach: "Absolut unprofessionell" sei das Management der Krise gelaufen, in das die angeschlagene HSH Nordbank geraten sei, polterte der frühere Chef der Norddeutschen Affinerie, den Carstensen erst neun Monate zuvor in die Politik geholt hatte. Und in Interviews legte Marnette noch einmal nach. "Schon Anfang 2008 war für jeden interessierten Laien erkennbar, dass da etwas aus dem Ruder lief", so der zurückgetretene Minister im aktuellen "Spiegel". Doch Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) und Carstensen hätten sich mit den Zahlen offenbar nicht auseinandersetzen wollen: "Bloß nicht festlegen, nicht angreifbar machen war deren Devise."

      Was als Schieflage eines Geldinstituts begann, weitet sich zum politischen Katastrophenszenario für die Große Koalition in Kiel ebenso wie für die schwarz-grüne Landesregierung in Hamburg aus.

      Noch Anfang Dezember feierte sich Carstensen in seiner Rede zum Etatentwurf für die kommenden Jahre als umsichtiger Haushälter: "Wir haben die Neuverschuldung um 900 Mio. Euro gesenkt", referierte der Ministerpräsident vor dem Kieler Landtag. "Ich denke: Das verdient nun wirklich Anerkennung." Die Risiken der schlingernden Landesbank erwähnte er lediglich am Rande: Es gelte, die passenden Instrumente des Stabilitätspakts zu nutzen und die Bank "zukunftsfähig aufzustellen".

      Seit Mitte Februar ist jedoch klar, dass die HSH im vergangenen Jahr 2,8 Mrd. Euro Miese gemacht hat. Abschreibungen auf das Kreditersatzgeschäft, Verluste aus dem Engagement in Island und bei der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers haben die Landesbank tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Zudem muss sie ihre Risikovorsorge auf 1,4 Mrd. Euro erhöhen. Eine Kapitalspritze von 3 Mrd. Euro ist nötig, um das Institut am Leben zu erhalten. Dafür kommen die Anteilseigner Schleswig-Holstein und Hamburg auf - und sie stehen für weitere Risiken gerade: 10 Mrd. Euro umfasst die Ausfallgarantie, die sie übernehmen müssen. Beide Länder haben damit etwa einen halben Jahresetat im Feuer - ein erneuter Einbruch der Bank würde alle Bemühungen der vergangenen Jahre, die Landeshaushalte zu sanieren, Makulatur werden lassen.

      Ole Von Beust hielt sich denn auch lieber zurück, als am vergangenen Mittwoch das größte Rettungspaket in der Geschichte der Hansestadt zur Abstimmung stand. Während der dreistündigen Debatte in der Bürgerschaft blieb der Erste Bürgermeister auf der Regierungsbank sitzen und ließ andere die schwierige Lage erklären. "Es ist eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera", sagte der Fraktionschef der Grünen, Jens Kerstan. Schließlich droht als größter annehmbarer Unfall der Zusammenbruch der Bank. Wegen der nachlaufenden Gewährträgerhaftung kämen auf die Anteilseigner dann Verbindlichkeiten in Höhe von 65 Mrd. Euro zu - die über die vergangenen Jahrzehnte angesammelten Schulden Hamburgs und Schleswig-Holsteins könnten sich glatt verdoppeln.

      Dabei ist die schwarz-grüne Koalition in Hamburg im vergangenen Frühjahr mit dem Versprechen angetreten, nicht weiter Miese zu machen Solide Staatsfinanzen, versicherte CDU-Finanzsenator Michael Freytag damals, seien nicht weniger als "die Grundlagen für alles". Den Hamburger Koalitionären gelang es mit einigen Buchungstricks zwar gerade eben noch, den Doppeletat 2009/10 ohne neue Schulden zusammenzutackern.

      Doch in der Finanzkrise sind die guten Vorsätze nicht mehr zu halten. Schon im Januar, als das Elend der Landesbank noch gar nicht vollständig absehbar war, berichteten Mitarbeiter des Finanzsenators: "Freytag kotzt den Eimer voll, dass er jetzt als Schuldenmacher dasteht."

      Inzwischen steht Freytag nicht nur als Schuldenmacher da - sondern vor allem als einer, der das HSH-Desaster verschlafen hat, obwohl er im Aufsichtsrat des Instituts sitzt. Noch im Oktober tönte der Senator, die Landesbank sei "im Kern gesund". Jetzt ist er zum Abschuss freigegeben: Die Opposition fordert offen Freytags Rücktritt und wird einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einsetzen. Selbst CDU-Abgeordnete kritisieren, Freytag habe "zu lange einen auf heile Welt gemacht". Und Bürgermeister von Beust, dem die Nordbank-Krise bislang erstaunlich wenig anhaben konnte, dreht seinem Finanzsenator bisweilen demonstrativ den Rücken zu, wenn dieser im Parlament spricht.

      Die Abgeordneten, die das Paket in beiden Landesparlamenten durchgewinkt haben, tragen zur Begründung allesamt den gleichen Vers vor: "Die Entscheidung war ohne Alternative." Gerade einmal eine Woche hatten die Parlamentarier Zeit, hunderte Seiten Dokumente zu wälzen. In der Registratur des Landtags lagen weitere 1000 Seiten vertraulicher Unterlagen aus, die nur die Mitglieder des Beteiligungsausschusses einsehen durften - darunter Briefwechsel zwischen dem Soffin und der HSH, Gutachten der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers und KPMG sowie der testierte Jahresabschluss 2008. "Die hätten nicht in zwei Leitz-Ordner gepasst", sagt der Kieler CDU-Finanzpolitiker Peter Sönnichsen.

      Was vom Aussteiger Marnette als katastrophale Informationspolitik empfunden wird, kommentieren die leidgeprüften Politprofis eher gelassen: "Ich kann nicht behaupten, dass ich alles durchgearbeitet habe", sagt Sönnichsen. Mehr Unterlagen hätten nicht weitergeholfen, glaubt die SPD-Abgeordnete Birgit Herdejürgen.

      Noch-Minister-Marnette saß einen Vormittag lang mit der Kladde auf den Knien im Büro einer Mitarbeiterin des Finanzministeriums, um die HSH-Unterlagen einzusehen und sich handschriftliche Notizen zu machen. Sein Fazit teilt er nun nach seinem Rücktritt im "Spiegel" mit: "Die Drei-Milliarden-Spritze ist Ende dieses Jahres schon verfrühstückt." Bräche die Wirtschaftsleistung in Deutschland 2009 um die von der OECD prognostizierten 5,3 Prozent ein, müssten die Anteilseigner oder der Bankenrettungsfonds Soffin schon 2010 nachlegen. Überdies sei ein angenommenes Ausfallrisiko von lediglich einem Prozent der 33 Mrd. Euro, die die HSH in Schiffsfinanzierungen gesteckt habe, viel zu niedrig angesetzt. Doch auf dieser Annahme basiere die Risikovorsorge der Bank bis 2012.

      Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Bank wieder Kapital braucht. Wenn sie in den kommenden Jahren weitere Milliardenverluste schultern und an Kiel und Hamburg jährliche Gebühren von 400 Mio. Euro für die Ausfallgarantie zahlen muss, erscheine die "Kapitalausstattung durch die Länder nicht besonders komfortabel", sagt Bankenexperte Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poor's.

      Offen ist, ob der Soffin erneut einspringen würde, wenn der Bank die Mittel ausgingen. Im vergangenen November hatte der Fonds bereits Garantien in Höhe von 30 Mrd. Euro bereitgestellt.

      Für den Kieler Oppositionspolitiker Wolfgang Kubicki ist schon jetzt klar, dass in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren nur noch wenig geht: "Die HSH Nordbank macht die Rückführung der Schulden komplett zunichte", sagt der FDP-Fraktionschef. Und wenn das Land - wie kürzlich in der Föderalismuskommission II beschlossen - ab 2020 keine neuen Schulden mehr machen darf, drohten deutliche Kürzungen der öffentlichen Ausgaben. "Politisch", so Kubicki, "herrscht dann Stillstand."

      Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Agenda-La…
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      schrieb am 07.04.09 05:53:58
      Beitrag Nr. 3.028 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.684.481 von Maraho am 02.03.09 20:13:43In Bezug.
      Die Schleusen werden noch weiter geöffnet ...

      Unterstützungspakt
      Milliardenhilfe für US-Notenbank

      Die führenden Zentralbanken haben im Kampf gegen die Finanzkrise eine weitere Verteidigungslinie aufgebaut. Die Europäische Zentralbank, die Schweizerische Nationalbank, die Bank of England und die Bank of Japan wollen den US-Zentralbankern notfalls mit einer Devisenspritze in Höhe von bis zu 287 Milliarden Dollar unter die Arme greifen.


      Frankfurt am Main - Mehrere führende Notenbanken stellen der US-Finanzindustrie bei Bedarf zusätzliche Liquidität in ausländischen Währungen zur Verfügung. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt mitteilte, wurden entsprechende Abkommen über so genannte Devisenswaps zwischen ihr, der US-Notenbank, der Bank von Japan (BoJ) und den Notenbanken der Schweiz (SNB) und Großbritanniens (BoE) unterzeichnet.

      Die EZB stellt der US-Notenbank demnach bis zu 80 Milliarden Euro zur Verfügung, die sie notfalls an US-Banken weiterreichen kann. Die Laufzeit des Geschäfts ist begrenzt bis Ende Oktober. Von der Bank von England erhält die US-Notenbank einen Rahmen von bis zu 30 Milliarden Pfund, von der Schweizerischen Nationalbank von bis zu 40 Milliarden Franken und aus Japan bis zu zehn Billionen Yen.

      Unter einem Devisenswap versteht man ein Währungsgeschäft, bei dem eine Währung in eine andere Währung umgetauscht wird, um kurzfristige Engpässe in einer der beiden Währungen zu beheben.

      Im Verlauf der Finanzkrise haben mehrere Zentralbanken bereits solche Geschäfte abgeschlossen. So versorgen beispielsweise die US-Zentralbanker und die EZB kleinere Notenbanken mit Dollar- beziehungsweise Euroliquidität. Die amerikanische Zentralbank stellt außerdem seit Monaten einer ganzen Reihe von Ländern per Devisenswap Dollars zur Verfügung.

      Die Zusammenarbeit der Notenbanken bei der Versorgung mit Liquidität in jeweils fremder Währung begann mit Swapabkommen zwischen der Amerikanischen, der Europäischen und der Schweizer Notenbank im Dezember 2007. Die US-Notenbanker schlossen dann während der heftigen Marktturbulenzen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September weitere Arrangements mit den Notenbanken Kanadas, Japans und Großbritanniens.

      Außerdem bestehen mehrere Swap-Linien zwischen der Europäischen und Amerikanischen Zentralbanken sowie kleineren Notenbanken in aller Welt, im Falle der EZB vor allem in Osteuropa. Wie bereits bei früheren Devisenabkommen ging die Initiative auch dieses Mal von der US-Notenbank aus.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,617…
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      schrieb am 07.04.09 06:08:13
      Beitrag Nr. 3.029 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.786.035 von Maraho am 17.03.09 19:04:51Nochmals etwas dazu ...

      Industrie-Rating
      IG Metall will Rettungsliste für Unternehmen
      Von Sven Astheimer


      Der Frankfurter Bezirksleiter der IG Metall, Armin Schild, hat die Politik angesichts der schweren Folgen der Wirtschaftskrise zu einer aktiven Wirtschafts- und Industriepolitik aufgefordert. Die hessische Landesregierung müsse eine Positivliste aufstellen von Unternehmen, die von herausragender Bedeutung sind, „eine Art Triple-A-Rating für die Industrie“.

      Diese Unternehmen dürften auf keinen Fall untergehen, egal was die Märkte sagten, sagte Schild am Montag in Frankfurt während einer Pressekonferenz. Diesen als relevant definierten Betrieben müsse der Staat in Notsituationen mit Bürgschaften oder direkten Kapitalspritzen helfen, um dort die Beschäftigung zu sichern, forderte der Funktionär, der gleichzeitig im Aufsichtsrat des vor einer ungewissen Zukunft stehenden Autobauers Opel sitzt. Kriterien für eine solche Liste nannte er nicht, forderte aber auch andere Landesregierungen und den Bund zu einem solchen Schritt auf. Andernfalls drohe „die Wüste Gobi in der Industrielandschaft“, warnte Schild.

      Schild sagte „das Ende des bisherigen Geschäftsmodells der deutschen Automobilindustrie“ voraus. Die Branche leide unter Überkapazitäten und sei von Kosteneffizienz getrieben. „Die Luft muss raus.“ Es sei aber auch klar, dass man nicht allen werde helfen können. Um die härtesten Folgen für die Beschäftigten zu vermeiden, müsse eine Art Kurzarbeit für ältere Arbeitnehmer eingeführt werden. Dies soll an die mittlerweile ausgelaufene Förderung der Frührente durch die Bundesagentur für Arbeit anknüpfen. Anders sei die Pleitewelle nicht sozialverträglich zu gestalten, welche Schild erwartet. Die Automobilindustrie werde im kommenden halben Jahr „ein ziemliches Desaster“ erleben. „Wir kennen die Unternehmen doch schon, die in den kommenden Monaten untergehen werden.“

      IG Metall macht gemeinsame Sache mit Zeitarbeitgeberverbänden

      Gleichzeitig stellte die IG Metall eine gemeinsame Initiative mit den Zeitarbeitgeberverbänden BZA und IgZ vor. Ziel ist es, Entlassungen in der Zeitarbeit zu vermeiden durch den Einsatz von Qualifizierung während Kurzarbeitsphasen. Zusammen mit der Arbeitsagentur wird man eine Regiestelle einrichten, die versucht, den Bedarf an Weiterbildung der Entleihfirma in Einklang zu bringen mit den einsatzfreien Zeiten von Leiharbeitern. Dazu müssten die Angebote der Bildungsträger möglichst flexibel sein, sagte Stefan Körzell vom Deutschen Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen. „Ein starrer Kursbeginn montags um 8 Uhr ist für Zeitarbeiter nicht attraktiv.“

      BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen sagte, dieses Projekt habe eine Bedeutung weit über die Grenzen Hessens hinaus. Denn in der Zeitarbeit gingen seit Sommer eine Viertelmillion Stellen verloren. Wenn die Konjunktur wieder anziehe, sei aufgrund der demographischen Entwicklung jedoch abermals mit einem Mangel an Fachkräften zu rechnen. Deshalb gelte es, die Zeit jetzt sinnvoll zu nutzen. IgZ-Vertreter Georg Sommer stellte fest, dass das Interesse an Kurzarbeit in der Branche wachse. Für Zeitarbeitsunternehmen sind die Zugangsbedingungen erst seit dem 1. Februar endgültig geregelt. Seitdem ist die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit deutlich gestiegen.

      Kurzarbeit vor allem bei Auto- und Maschinenbauern

      Im März lagen laut Angaben der Arbeitsagentur solche Anmeldungen für mehr als 44.000 Arbeitnehmer vor. Damit liegt die Zeitarbeit auf Platz sechs aller Branchen. Nach wie vor greift vor allem das Produzierende Gewerbe auf solche Arbeitszeitreduzierungen zurück. Vor allem der Maschinenbau und die Automobilhersteller und -zulieferer machen regen Gebrauch davon. Insgesamt gingen im März 670.400 Anzeigen ein. Das waren zwar 28.500 weniger als im Februar, jedoch fast 660.000 mehr als vor einem Jahr.

      Diese Anzeigen sind verpflichtend, damit die Arbeitslosenversicherung in Form des Kurzarbeitergeldes später für einen Teil des Verdienstausfalls der Betroffenen aufkommt. Allerdings ist die Umsetzung nicht zwingend. Beispielsweise haben einige Automobilhersteller zu Jahresbeginn Kurzarbeit für Mitarbeiter angezeigt, wegen der hohen Nachfrage durch die Abwrackprämie aber nicht umgesetzt. Statistiken über die tatsächliche Umsetzung liegen immer mit einiger Verspätung vor. Im Mai wird die Bilanz für das erste Quartal veröffentlicht. Schätzungen zufolge dürften sich derzeit mehr als eine Million Beschäftigte in Kurzarbeit befinden.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/D…
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      schrieb am 07.04.09 06:19:10
      Beitrag Nr. 3.030 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.490.079 von Maraho am 01.02.09 14:53:43Betrifft: Anleihen ...

      Lanxess fürchtet Flut von Staatsanleihen - Finanzielle Flexibilität steht im Vordergrund

      Finanzvorstand Zachert: Abhängigkeit von Banken verringern - Unkonditionierte Liquidität ein Wert an sich

      Börsen-Zeitung, 7.4.2009 ab Düsseldorf
      Um sich aus der Abhängigkeit vom Bankenmarkt zu lösen, hat Lanxess eine 500 Mill. Euro schwere Anleihe begeben. Zwar verfügt der Chemiekonzern dank einer syndizierten Kreditlinie von 1,4 Mrd. Euro mit einer Laufzeit bis 2014 über einen ansehnlichen Puffer, doch steht für Finanzvorstand Matthias Zachert in der Krise die finanzielle Flexibilität im Vordergrund.

      Zachert fürchtet nicht, dass die Banken ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, doch "makroökonomisch stehen andere Treiber hinter dem Geschehen", sagt Zachert im Interview der Börsen-Zeitung. "Unkonditionierte Liquidität ist in turbulenten Zeiten ein Wert an sich. Das gibt im Entscheidungsprozess den Ausschlag", begründet er das opportunistische Verhalten, denn bis 2011 hat Lanxess keinen nennenswerten Refinanzierungsbedarf.

      Angesichts der weltweiten Konjunkturprogramme macht sich jedoch auch Unsicherheit breit. "Die Anleihemärkte werden in den nächsten Jahren von den Staaten deutlich beansprucht werden. Dann könnte es selbst für sehr gute Unternehmen schwierig werden, sich am Bondmarkt zu finanzieren", fürchtet Zachert. Unternehmen mit Rating im Investment Grade hätten derzeit keine Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. Anders sehe es dagegen bei Großkonzernen mit schlechter Bonität und bei Unternehmen aus dem Mittelstand aus.

      Zwar zeigt Zachert Verständnis für die spürbar gestiegenen Risikoaufschläge, doch warnt er zugleich vor zu hohen Zinsen: "Dann rechnen sich Investitionen nicht mehr. Das ist gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation schwierig, weil die wirtschaftliche Dynamik zum Erliegen kommt."

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=299&artid=2009067…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 06:58:57
      Beitrag Nr. 3.031 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.929.778 von Maraho am 06.04.09 21:36:07In Anlehnung.

      Analyse zur Krise
      Bescheidenheit statt Gier ist kein Ausweg


      Es ist eine in diesen Tagen viel gehörte Meinung: Die menschliche Gier hat uns in die Krise gestürzt – nun sollten wir weniger konsumieren und bescheidener leben. Doch dahinter steckt eine Milchmädchenrechnung. Viele Menschen begreifen einfach nicht, wie Wirtschaft funktioniert.

      Sicher wollte Gesine Schwan ein gutes Beispiel geben, als sie erzählte, dass sie ihre Kleider vorwiegend im Secondhand-Laden kaufe. Aber was ist, wenn das alle machen? Was passiert dann mit dem ersten Markt? Ob eine Moral des Verzichts überzeugen kann, hängt vom Kontext ab. Aus der Sicht des einzelnen Haushalts kann Secondhand-Shopping sinnvoll sein, aber eine Secondhand-Wirtschaft fährt binnen kurzer Zeit an die Wand.

      Das Beispiel führt vor Augen, dass wir es ständig mit zwei grundverschiedenen Sphären zu tun haben: auf der einen Seite die Lebenswelten der Menschen, auf der anderen Seite die Systeme, etwa Produktmärkte und Finanzmarkt. Mit den Begriffen „Lebenswelt“ und „System“ lehne ich mich an Jürgen Habermas an, der damit seinerseits eine lange soziologische Tradition fortsetzt.

      Wir alle sind so an die Verzahnung von Lebenswelt und System gewöhnt, dass wir die Zweidimensionalität unseres Alltags meist völlig vergessen. Man lebt in seiner Wohnung, hat Familie, trifft sich mit Freunden, geht einkaufen, arbeitet und führt den Hund spazieren. Aber wenn man sich dabei für ein, zwei Euro fünfzig eine Currywurst kauft, denkt man nicht daran, dass dies nur möglich ist, weil gleich mehrere große Räderwerke weit jenseits des persönlichen Erfahrungshorizonts zusammenwirken: etwa der Markt für Lebensmittel, das Transportwesen, die Aufsichtsbehörden. Die Abhängigkeit der Currywurst von Systemen würde den Konsumenten schnell klar, wenn auch nur eines davon versagte, etwa die EZB, sollte sie mit ihrer Geldpolitik eine Hyperinflation anheizen.

      In der Lebenswelt kennt jeder jeden, in den Systemen herrscht Anonymität; in der Lebenswelt kann jeder Einfluss nehmen, in den Systemen führen die Experten; die Lebenswelt erfährt man unmittelbar, über die Systeme liest man etwas in der Zeitung; die Lebenswelt betrifft den ganzen Alltag, die Systeme haben sich auf jeweils einen Hauptzweck spezialisiert.

      Mit der Moderne kamen die Systeme. Seitdem leben wir in zwei Welten, doch nur für die Lebenswelt sind wir kognitiv ohne besondere Vorbereitung ausgerüstet. Die geistigen Mittel, die wir brauchen, um uns in ihr zu bewegen, sind uns teils in die Wiege gelegt, teils erwerben wir sie im Alltag. Um dagegen mit den Systemen klarzukommen, müssen wir in jeder Generation von Neuem nachlernen. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, dass Systeme in vieler Hinsicht unserer lebensweltlich geschulten Intuition zuwiderlaufen. Wer sie verstehen will, muss seine alltäglichen Wahrnehmungsmuster gegen den Strich bürsten.

      Von allen Systemen nun, mit denen wir es zu tun haben, ist die Wirtschaft besonders schwer zu durchschauen. Es beginnt mit dem Einkaufen. In der Lebenswelt spart man Geld, wenn man nur gebrauchte Kleider kauft, im System hat dies den Niedergang der Textilbranche zur Folge. Umgekehrt kann Geldausgeben im System zur multiplen Geldvermehrung führen. Die Befremdung unserer Alltagserfahrung setzt sich fort mit dem Teilen und Verteilen: In der Lebenswelt der Familie kommt man am besten mit einer Art friedlichem Kommunismus aus, doch im Wirtschaftssystem haben sich Privateigentum und Markt als weit überlegen erwiesen. Besonders schwer zu verstehen ist die entgegengesetzte Bedeutung von Knappheit: In der Lebenswelt ist Mangel ein Problem und Sättigung ein erstrebenswerter Zustand, im System ist es umgekehrt – ungestillte Bedürfnisse sind aus der Systemperspektive ökonomische Ressourcen, Bedürfnislosigkeit aller wäre der Ruin.

      Von allen Unterschieden zwischen Lebenswelt und Wirtschaftssystem ist der moralische besonders schwer nachzuvollziehen. In der Lebenswelt rangiert Altruismus vor Eigennutz, zu Recht. In der Wirtschaft dagegen (vorausgesetzt, sie ist gut geregelt) geht es allen umso besser, je egoistischer sich jeder einzelne Akteur verhält.

      Wie die Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren gezeigt hat, macht eine scheinbar altruistische Wirtschaftspolitik alles kaputt. Schutzmaßnahmen jeder Art, etwa Zölle, Subventionen, Mindestpreise oder extensiver Kündigungsschutz schaffen, was sie vermeiden sollen: Zerstörung. Wer den Satz akzeptiert, dass die Lebenswelt auf eine prosperierende Wirtschaft angewiesen ist, kann sich kaum der Einsicht entziehen, dass der lebensweltlich beste Wille im System schnell zum schlechtesten Ergebnis führt. Lebensweltliche Moral kann auf der Systemebene in Unmoral umschlagen, und umgekehrt kann im System moralisch geboten sein, was in der Lebenswelt unmoralisch erscheint.

      In diesen wenigen Sätzen ist das Gespräch von Denkern aus mehr als 200 Jahren zusammengefasst. Um nur die wichtigsten zu nennen: Adam Smith als Begründer der Volkswirtschaftslehre; die Tradition des Pragmatismus und Utilitarismus der schottischen Moralphilosophen; John Steward Mills’ Philosophie der Freiheit; nicht zuletzt, um das Reizwort der Ahnungslosen zu zitieren, die Neoliberalen. Walter Eucken etwa, Wilhelm Röpke, Joseph Müller-Armack, Karl Popper, Ludwig Erhard und andere haben gerade nicht für die hirnlose Entfesselung des Raubtiers gekämpft, sie wollten es bändigen.

      Sie alle waren umgetrieben von der potenziell destruktiven Kraft des Egoismus. Moralisch zu rechtfertigen ist Egoismus nur dann, wenn er nicht nur dem Einzelnen nützt, sondern auch allen anderen. Aber es liegt in der Natur des Egoismus, dass der Nutzen für die anderen leicht auf der Strecke bleibt. Systeme laufen manchmal aus dem Ruder und verwandeln sich in menschenfeindliche Monster. Dies zu verhindern ist das Anliegen der zu Unrecht gescholtenen Neoliberalen. Keiner von ihnen wendet sich gegen die Gier, denn Sie halten es für naiv, das System mit den Mitteln der Lebenswelt kurieren zu wollen. Ihre Werkzeuge sind nicht Bußpredigten und Verzichtsappelle, sondern Regeln, Strafrecht, Kontrolle, Anwendung bestehender Vorschriften und gutes Denken.

      Durch die Weltwirtschaftskrise werden die Neoliberalen nicht widerlegt, sie werden bestätigt. Seht ihr, könnten sie sagen, so weit kommt es eben, wenn man den Markt vor die Hunde gehen lässt. Ihr habt euch systemwidrig verhalten. Ihr habt zugelassen, dass die Transparenz des Finanzmarkts unterminiert wurde, und ihr habt Finanzmarkt und Produktmarkt voneinander getrennt. Zu anderen Zeiten lag das Fehlverhalten im Protektionismus und in der Verstaatlichung, aber das kann ja noch kommen. In der Systemebene sind das die wahren Todsünden.

      Vielen Menschen erscheinen Systeme kalt, undurchschaubar, zerstörerisch, unmenschlich und ästhetisch so ansprechend wie ein Autobahnknotenpunkt. Wie schön ist dagegen die Lebenswelt: warm, gemütlich, vertraut und betörend wie der Geruch von selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen. Die Lebenswelt liebt man, die Systeme benutzt man. Man muss sie ja nicht lieben. Aber es ist mit ihnen wie mit den Autobahnknotenpunkten: Wenn man sie abschafft, ist es die Lebenswelt, die den Schaden hat.

      Was ist aber nun mit jener bekannten Szene im entführten, glutheißen Flugzeug von Mogadischu, wo ein Mann seiner Frau blitzschnell den kostbaren Becher Orangensaft wegtrank? Sollen die Hauptverantwortlichen der Finanzkrise etwa von einem Vorwurf entlastet sein, der diesen Mann zu Recht trifft? Keineswegs, nur ist ihnen dieser Vorwurf herzlich egal. In der Lebenswelt fühlt man sich von der Empörung des anderen getroffen, denn man steht ihm gegenüber. Im System sind die anderen zu weit weg. Ihre Interessen lassen sich nur von außen einbringen. Gefragt ist Politik.

      Mit Bußpredigten kommt man Systemen nicht bei. In der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise fungiert der Vorwurf der Gier bloß als eine Art Blitzableiter. Man wird damit Aggressionen los, sieht sich auf der Seite der Guten und hat das schöne Gefühl, die Welt zu verstehen. Ein ähnliches Phänomen gibt es auch in der Medizin; Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang vom Kausalitätsbedürfnis der Laien. Patienten wollen einen Namen für ihre Symptome. Durch Etikettierung mit einem Krankheitsbegriff entsteht ein Gefühl des Begreifens, das heilend wirken kann, so falsch der Begriff vielleicht sein mag. Analog lässt sich die Diagnose „Gier“ als ein entlastender moralischer Pathologisierungsreflex verstehen. Doch anders als in der Psychosomatik gibt es in der Ökonomie keinen Placeboeffekt.

      Der Autor lehrt Soziologie an der Universität Bamberg.
      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3515403/Bescheidenheit-…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 07:13:24
      Beitrag Nr. 3.032 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.909.683 von Maraho am 02.04.09 20:27:11In Bezug.

      Ein unkonventioneller Rücktritt

      Wenn der Boss einer der grössten Hypothekenfinanzierer frustriert den Bettel hinschmeisst, dann müsste es ordentlich rascheln im Blätterwald. Doch dem war nicht so. Charles Bowshers Rücktritt als Chairman der Federal Home Loan Banks fand ausserhalb des Radars der meisten Medien statt. Ein Grund, näher hinzusehen.

      Plötzlich und unerwartet legte der Chef der zwölf Federal Home Loan Banks, welche 8000 US-Banken mit Hypothekenfinanzierungen versorgen, sein Amt nieder. Weshalb?

      Mir war es nicht mehr wohl als Auditor Bilanzen zu unterschreiben, als mir bewusst wurde, wie mit Hypotheken gesicherte Anleihen bewertet werden sollen.

      Das ist eine deftige Aussage, denn Charles Bowsher ist nicht irgendwer. Unter Ronald Reagan wurde er zum Comptroller General nominiert. In dieser Zeit beaufsichtigte er auch das Government Accountability Office, welches unter anderem für die Spar- & Leihkassenkrise zuständig war. 1996 wurde er sogar in die prestigeträchtige Accounting Hall of Fame gewählt.

      Worauf gründete somit das Unwohlsein Bowshers? Ein Beispiel aus Seatlle:

      Die Federal Home Loan Bank in Seatlle hatte per 31. Dezember die Hypothekenwertschriften von 5.6 Milliarden $ auf 3.6 Milliarden $ abgeschrieben. Die zwei Milliarden $ (unrealisierter) Verlust wurden nun aber als vorübergehend klassifiziert, weil sich die Preise erholen werden.

      Seattle ist dabei nur ein Beispiel. Seit die Buchhaltungsregeln geändert wurden, kann jede Bank in den USA ihre Bilanz nach Gutdünken frisieren.

      Wer möchte bei einem solchen höchst zweifelhaften Prozess noch teilnehmen, lautete Bowshers rhetorische Frage...

      Nun, genau genommen, alle Bank-Chefs, denn die haben diesen Prozess via Lobbyisten aktiv gefördert. Ich hatte bereits darüber geschrieben im zweiten Teil des Beitrags Etikettenschwindel bei den Bankbilanzen.

      Da durch diese Massnahmen die US-Banken gegenüber ihren europäischen Konkurrenten im Vorteil sind, hat die EU nun Druck auf die europäische Buchhaltungsbehörde IASB ausgeübt nach dem Motto: Wenn die anderen betrügen, dann müssen wir das auch. Da wirken die "Wir brauchen mehr Transparenz"-Rufe von den Gipfelstürmern in London wie nette Nebelpetarden. Viel Rauch um Nichts.

      Weiterführend mit Links ...http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/ein-unkonventi…

      Bis später ...
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 08:52:02
      Beitrag Nr. 3.033 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.928.651 von Maraho am 06.04.09 18:39:10Noch etwas in Anlehnung.

      Schrottpapiere
      Die Vier-Billionen-Dollar-Last

      Banken und Versicherungen weltweit drücken Schrottpapiere im Wert von etwa vier Billionen Dollar, hat offenbar der Internationale Währungsfonds ermittelt - und damit seine eigene bisherige Schätzung nahezu verdoppelt. Jetzt haben Notenbanken weltweit erneut reagiert und versucht, die Lage auf den Finanzmärkten zu stabilisieren.


      London - Das Volumen an Schrottpapieren in den Bilanzen von Banken und Versicherungen könnte auf vier Billionen Dollar angeschwollen sein. Der Internationale Währungsfonds (IWF) werde die Schätzungen für das Volumen von toxischen Wertpapieren allein aus den USA vermutlich auf 3,1 Billionen Dollar anheben, berichtete die britische Zeitung "The Times" am Dienstag. Die Belastungen aus Europa und Asien schlugen demnach mit 900 Milliarden Dollar zu Buche.

      Der IWF will seinen nächsten Bericht zur Lage der Weltwirtschaft am 21. April vorlegen. Bei der jüngsten Schätzung im Januar war der Fonds davon ausgegangen, dass Schrottpapiere aus den USA die Finanzkonzerne bis Ende 2010 mit 2,2 Billionen Dollar belasten dürften.

      Weltweit haben Notenbanken heute erneut versucht, die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen. Die Währungshüter senkten ihre Leitzinsen oder lockerten die Bedingungen, unter denen sich Geldhäuser bei ihnen Liquidität beschaffen können. So drückte etwa Australiens Zentralbank ihren maßgeblichen Zinssatz um 25 Basispunkte auf 3 Prozent, wie der Geldpolitische Rat im Anschluss des Landes mitgeteilt hat. Damit notiert der Leitzins in Australien auf dem niedrigsten Niveau seit 49 Jahren.

      Australiens Notenbanker hatten ihren wichtigsten Zinssatz bereits zwischen September 2008 und Februar 2009 um insgesamt 4 Prozent zurückgefahren. Australien dürfte derzeit inmitten der ersten Rezession seit den frühen 1990er Jahren stecken.

      Zeitgleich hat die Bank of Japan (BoJ) die Sicherheitsforderungen gelockert, unter denen sich die Banken des Landes Geld bei ihr besorgen können. Als Sicherheit für die Ausleihungen akzeptieren die Währungshüter der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nun auch Wertpapiere, die mit staatlichen oder kommunalen Schuldverschreibungen besichert sind.

      Die Lage der japanischen Wirtschaft habe sich "signifikant verschlechtert", angesichts rückläufiger Unternehmensgewinne und einer schwächeren Inlandsnachfrage, hieß es zur Begründung in Tokio.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 09:42:19
      Beitrag Nr. 3.034 ()
      "8.15 Uhr: Das US-Haushaltsdefizit hat sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Fiskaljahres verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum weit mehr als verdoppelt. Nach Schätzung des Haushaltsbüros des Kongresses ist das Minus von 313 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 803 Milliarden Dollar gestiegen."

      Aus: Krisenticker des Manager-Magazins

      Anmerkung: es handelt sich bei der Zahl nur um das Washingtoner Defizit.
      Das gesamtstaatliche Defizit ist in den ersten 6 Monaten des aktuellen Haushaltsjahres um etwa 1,1 Billionen Dollar gestiegen.
      Und das, obwohl Obamas Konjunkturprogramm praktisch noch nicht ausgabewirksam geworden ist.
      Das Verschuldungstempo dürfte sich in den letzten 6 Monaten des Haushaltsjahres noch einmal erhöhen, da ja zusätzlich zu den Belastungen aus dem Konjunkturprogramm noch weiter einbrechende Steuereinnahmen und deutlich höhere Sozialtransfers durch die explodierende Arbeitslosigkeit dazukommen.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:20:27
      Beitrag Nr. 3.035 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.931.292 von Triakel am 07.04.09 09:42:19Triakel, ich grüße Dich! Dir einen schönen Tag! Gruß Maraho
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:26:18
      Beitrag Nr. 3.036 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.488.377 von Maraho am 31.01.09 19:17:08Guten Tag zusammen,
      einige Dinge zur Mittagszeit ...

      In Bezug.

      ALBA-Staaten treffen sich vor Amerika-Gipfel
      Harald Neuber

      Zusammenkunft in Caracas zu Beginn kommender Woche. Letzte Absprachen vor Zusammenkunft mit US-Präsident Obama
      Die Mitglieder des progressiven Staatenbündnisses Bolivarische Alternative für Amerika (ALBA) werden zu Beginn der kommenden Woche in Caracas zusammenkommen. Das bestätigte Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Montag am Rande eines Staatsbesuches in Japan.


      Am 14 und 15. April werden demnach die Präsidenten der ALBA-Staaten Nicaragua, Honduras, Venezuela, Bolivien und Dominica in der venezolanischen Hauptstadt unter anderem die Schaffung einer neuen regionalen Währung diskutieren. Aus Kuba soll ein noch nicht benannter Repräsentant teilnehmen. Paraguay, das der ALBA nicht angehört, hat ebenfalls seine Teilnahme zugesagt.

      Die ALBA war Ende 2004 auf Initiative von Kuba und Venezuela ins Leben gerufen worden.

      Auch das gemeinsame Vorgehen auf dem Amerika-Gipfel wird in Caracas auf der Agenda stehen. Vom 17. bis zum 19. April kommen in Puerto España in dem Karibikstaat Trinidad und Tobago 34 amerikanische Staaten zusammen.

      Von dem Gipfeltreffen, das 1994 zum ersten Mal auf Initiative des damaligen US-Präsidenten William Clinton in Miami im US-Bundesstaat Florida stattfand, ist nur Kuba ausgeschlossen. Diese Ächtung der sozialistischen Regierung in Havanna stößt bei allen lateinamerikanischen und karibischen Staaten auf Ablehnung.

      Venezuelas Präsident bezeichnete die Zusammenkunft der ALBA-Staaten vor dem Amerika-Gipfel als „sehr zweckmäßig“. So könne ein anderer Weg geebnet werden, „als jener, der uns von Washington aus mit der Gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA aufgezwungen werden sollte“.

      Zu Beginn dieser Woche kamen in Caracas bereits die Mitglieder der vor wenigen Wochen gegründeten Permanenten Kommission der ALBA zusammen. Geleitet wurde das Treffen im Sitz der ALBA-Bank von Venezuelas Vizeaußenminister für Lateinamerika und die Karibik, Fransisco Arias Cárdenas.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/135873
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:31:00
      Beitrag Nr. 3.037 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.928.325 von Dorfrichter am 06.04.09 17:50:55In Bezug.

      Quartalszahlen
      US-Firmen vor desaströser Berichtssaison
      von Ulf Sommer

      Heute Abend legt Alcoa seine Quartalszahlen vor. Das ist traditionell der Start der Berichtssaison. Doch was Börsianer und Anleger in den kommenden Wochen bevorsteht, ist alles andere als alltäglich. Denn alles deutet auf historische Wendemarke hin. Und es wäre falsch zu glauben, dass das nicht auch Deutschland betrifft.


      DÜSSELDORF. Amerikas Unternehmensgewinne und-renditen sind im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig zusammengeschrumpft. Dafür sorgt schon allein das miserable Schlussquartal: Die Konzerne erlitten nicht mehr nur Gewinneinbrüche, wie es in schweren Krisen eigentlich immer üblich war. Die Unternehmen rutschten im vierten Quartal in ihrer Gesamtheit durchschnittlich in die Verlustzone - das erste Mal seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1936. Vor 73 Jahren hatte der Finanzdatenspezialist S&P mit entsprechenden Aufzeichnungen begonnen.

      Doch immerhin: Dank ihrer drei starken Branchen Öl, Pharma und Technologie präsentieren sich die 100 größten US-Konzerne im Gesamtjahr besser als ihre europäischen Wettbewerber. Das belegen die gerade veröffentlichten Bilanzen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008. Demnach sanken die Nettogewinne im Schnitt "nur" um 11,5 Prozent und die Umsatzrenditen von 6,2 auf nunmehr 5,2 Prozent.

      Angesichts des dramatischen Konjunktureinbruchs im zweiten Halbjahr sind das fast noch Spitzenwerte. In Europa und ganz besonders in Deutschland werden die vergleichbaren Bilanzkennzahlen sehr viel stärker einbrechen. Die Einbußen dürften mehr als doppelt so hoch ausfallen und die Renditen deutlich unter die Fünf-Prozent-Marke sinken. Auf dem alten Kontinent haben noch nicht alle Unternehmen ihre Geschäftsberichte präsentiert.

      Doch ganz so viel besser, wie es auf den ersten, oberflächlichen Blick erscheint, stehen Amerikas Großkonzerne nicht da. Vielmehr "erkauften" sie sich die relativ milden Einbußen - die Wirtschaft schrumpfte so stark wie seit den frühen achtziger Jahren nicht mehr - mit außerordentlichen Produktionssprüngen: Die Umsätze legten 2008 um 11,5 Prozent zu. Das ist fast doppelt so viel, wie es dem Durchschnitt in den vergangenen 50 Jahren entspricht.

      Verantwortlich ist ein ruinöser Wettbewerb vor allem in der gebeutelten Autoindustrie. General Motors und Ford fuhren zusammen 45 Mrd. Dollar Nettoverlust ein, behaupteten sich im Umsatzranking aber beide auch weiterhin unter den Top 10. Solche Schieflagen zwischen Umsatz auf der einen und Gewinn und Rendite auf der anderen Seite sind beispiellos. GM verbrannte mit jedem Dollar Umsatz 20,7 Cent. Mehr noch: Das abgelaufene Geschäftsjahr war keineswegs ein böser Ausrutscher. 2007 und 2008 belief sich der Nettoverlust bei GM zusammen auf 69,6 Mrd. Dollar.

      Sondereffekte mildern den Gesamtabschwung bei den Top 100 ab. "Der Ölsektor hat den Markt bislang gerettet", sagt Neil Dwane, Investmentchef von RCM, einer Tochtergesellschaft von Allianz Global Investors. Ohne dessen Erlöse wären die Gewinne der US-Größen doppelt so stark gefallen. Allein Exxon Mobil und Chevron fuhren unter dem Strich fast 70 Mrd. Dollar Gewinn ein. Ursache war ein Rohölpreis von bis zu 150 Dollar pro Fass bis zum Sommer vergangenen Jahres. Nachdem sich die Notierung aber binnen weniger Wochen bis zum Spätherbst gedrittelt hatte, schrumpften sofort die Gewinne. Exxon verdiente im vierten Quartal 33 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bei einem Ölpreis von gegenwärtig 55 Dollar drohen den erfolgsverwöhnten Ölmultis 2009 mindestens ebenso herbe Einbrüche wie den meisten anderen Unternehmen.

      Traumrenditen und-gewinne vieler Pharma-Unternehmen belegen, dass die Krise in zwei Schlüsselbranchen zumindest bislang nicht angekommen ist. Bei Johnson & Johnson, Pfizer, Abbott, Merck und Wyeth, den fünf größten amerikanischen Pharmakonzernen, blieben 2008 pro 100 Dollar Umsatz jeweils mehr als 15 Dollar unter dem Strich hängen. Merck, bis 1917 eine Tochtergesellschaft der Merck KGaA und seitdem unabhängig vom Darmstädter Unternehmen, erlöste mit 32,7 Dollar Nettogewinn pro 100 Dollar Umsatz so viel wie kein anderes amerikanisches Großunternehmen. Zum Vergleich: In Deutschland stehen die Softwareschmiede SAP und der Düngemittelhersteller K+S 2008 mit Umsatzrenditen von 16 beziehungsweise 18 Prozent an der Spitze im Dax. Selbst in vergangenen Boomjahren erreichte kein deutscher Großkonzern solche Spitzenwerte wie Merck im Krisenjahr 2008.

      Angesichts stabiler Einnahmen und dicker Finanzpolster prescht Amerikas Pharmabranche mit Milliardenzukäufen nach vorn. Merck kündigte die Übernahme des Konkurrenten Schering-Plough für 41 Mrd. Dollar an. Weltmarktführer Pfizer kaufte inzwischen für 68 Mrd. Dollar den nationalen Wettbewerber Wyeth. Selbst wenn Merck, Pfizer & Co. im laufenden Jahr ihre Rekordzahlen nicht wiederholen können, so liegen die Ursachen dafür weniger in der Konjunkturkrise. Die Branche ist dagegen nahezu resistent. Verantwortlich sind vielmehr Patentabläufe und fehlende Produktinnovationen.

      Weniger spektakulär, als es auf den ersten Blick erscheint, sind hingegen der Fünf-Mrd.-Dollar-Gewinn und die 25-Prozent-Rendite bei Bristol-Myers Squibb. Der New Yorker Pharmakonzern veräußerte seine Anteile am Biotechnologie-Unternehmen Imclone und darüber hinaus die Medizinsparte. Das spülte zwei Mrd. Dollar in die Kassen. Aus fortgeführten Geschäften fuhr Bristol "nur" gut drei Mrd. Dollar ein.

      Stark verzerrt werden schließlich die Traumgewinne bei Microsoft und Oracle. Beim Softwarehersteller endete das Geschäftsjahr bereits im Juni, beim SAP-Dauerrivalen sogar schon im Mai. Deshalb floss die seit September mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers voll ausgebrochene Weltwirtschaftskrise noch gar nicht in das Ergebnis der beiden High-Tech-Konzerne mit ein.

      Inzwischen sieht sich Microsoft zum ersten Mal in seiner 34-jährigen Geschichte zum Stellenabbau gezwungen. Vorstandschef Steve Ballmer spricht vom "schwierigsten Wirtschaftsklima, dem wir uns je gegenübergesehen haben". Genau so liest sich die überwältigende Mehrheit der 99 übrigen amerikanischen Firmenausblicke auf das laufende Geschäftsjahr 2009.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/us-fir…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:36:42
      Beitrag Nr. 3.038 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.454.436 von Dorfrichter am 27.01.09 08:48:39In Bezug.

      Inflation
      G20 geben „Helikopter-Geld für alle“
      von Klaus C. Engelen und Marietta Kurm-Engels

      Die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels zur Verdreifachung der finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf 750 Milliarden Dollar haben europäische Notenbanker und Experten schockiert: Durch die Maßnahme erhöhe sich die globale Geldmenge. Dies führe zu Inflation, sobald die Krise zu Ende sei, fürchten Wissenschaftler.


      BERLIN/FRANKFURT. Die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels zur Verdreifachung der finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben europäische Notenbanker und Experten schockiert. Die beschlossene multilaterale Unterstützung des Welthandels stößt zwar auf breite Zustimmung. Die Aufstockung der so genannten Sonderziehungsrechte (SZR), einem Mittel zur Schaffung zusätzlicher globaler Liquidität, kommt aber unter heftigen Beschuss. "Das ist reine Geldschöpfung. Das ist Helikopter-Geld für den Globus", sagte Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Handelsblatt. Der Begriff "Helikopter-Geld" geht auf den renommierten Monetaristen Milton Friedman zurück. Er steht für die Vermehrung der Geldmenge am Bankensystem vorbei.

      Die in London beschlossene Aufrüstung des IWF um mehr als 750 Mrd. Dollar ist das Kernstück einer breit angelegten G20-Strategie zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise. Um 500 Mrd. Dollar sollen bestimmte Kreditlinien der Geberländer (NKV) aufgestockt werden. Zusätzliche 250 Mrd. Dollar entstehen durch eine neue Zuteilung von SZR.

      SZR sind eine künstliche Währungseinheit, die nicht an den Devisenmärkten gehandelt wird. Mitgliedsländer können solche SZR bei Notenbanken gegen Hartwährungen eintauschen. Die SZR wurden 1969 vom IWF eingeführt, um die Schaffung zusätzlicher Liquidität zu ermöglichen. Der tagesaktuelle Wert eines SZR wird vom IWF auf der Basis eines Währungskorbs fortlaufend ermittelt. Am Freitag belief sich ein SZR auf 0,894939 Euro. SZR sind kostenlos und nicht an Bedingungen geknüpft. Sie werden an allen IWF-Mitgliedsländer entsprechend ihren Kapitalquoten verteilt. "Es hat keine Prüfung darüber gegeben, ob es einen globalen Bedarf an zusätzlicher Liquidität überhaupt gibt", kritisierte Stark. "Früher hat man sich viel Zeit genommen, so etwas zu prüfen."

      Auch die mit dem IWF befassten Vertreter von Finanzministerien sehen die gefährlichen Implikationen der G20-Beschlüsse. Um Forderungen der Amerikaner und der Briten nach neuen Konjunkturprogrammen nicht nachgeben zu müssen, sei Deutschland gezwungen gewesen, der Verlagerung der angestrebten globalen Nachfragestimulierung auf die multilaterale Schiene zuzustimmen, verlautet aus Berliner Regierungskreisen. Man habe bewusst in Kauf genommen, dass die Zuteilung zusätzlicher SZR mehr globale Liquidität bedeuten würde.

      Wissenschaftler verweisen auf "ernsthafte Gefahren" des neuen IWF-Mandats. Durch die Zuteilung der SZR erhöhe sich die globale Geldmenge; das führe zu höherer Inflation, sobald die Krise zu Ende sei, warnt Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Zudem könnte risikoreiches Verhalten von Staaten belohnt werden und dadurch die Grundlage für künftige Krisen geschaffen werden. "Wenn die internationale Gemeinschaft diese beiden Gefahren nicht im voraus bannt, könnte die zukünftige Rechnung für den jetzigen Stimulus teuer ausfallen", sagte Snower. "Die Maßnahmen können eine Gefahr für die Stabilität des internationalen Währungsdsystems bedeuten", warnte Helmut Siekmann, Experte für Finanzstabilität an der Universität Frankfurt. Der Bonner Wirtschaftsprofessor Manfred J.M. Neumann bezeichnete Sonderziehungsrechte als eine "inflationäre Form der Entwicklungshilfe".

      Wenn die Gouverneure des IWF zu 85 Prozent der Stimmen der SZR-Erhöhung zustimmen, kann sie wirksam werden. In einigen Ländern ist die Ratifizierung durch die Parlamente erforderlich. In den USA ist die letzte Zuteilung noch nicht durch den Kongress gegangen. Sie war 1998 genehmigt worden, damit neue IWF-Mitglieder, vor allem aus den Transformationsländern, mit SZR ausgestattet werden könnten. In den USA soll jetzt beides zusammen ratifiziert werden. Die noch ausstehende "Gerechtigkeitszuteilung" von 1998 beläuft sich auf rund 30 Mrd. Dollar, so dass die SZR insgesamt um 280 Mrd. Dollar erhöht würden.

      Die Notenbanker sind aber nicht nur über die zusätzliche Liquidität besorgt. Sie befürchten überdies, dass die Beschlüsse der G20 den Charakter des IWF irreparabel beschädigen werden. "Was mit dem IWF passiert, ist skandalös", äußerte sich ein Notenbanker der ungenannt bleiben will, "weil in den heutigen Krisenzeiten alle platt gemacht werden, die auf Folgen des politischen Handelns hinweisen". Man könne nur hoffen, "dass die Finanzminister und Notenbankgouverneure die Londoner Beschlüsse zum IWF nach unten korrigieren".

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrich…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:43:52
      Beitrag Nr. 3.039 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.920.548 von Maraho am 04.04.09 18:07:01In Anlehnung.


      Frühjahrsumfrage
      Große Mittelständler streichen Jobs

      Die Wirtschaftskrise hat den Mittelstand fest im Griff. Dabei fallen vor allem in großen Unternehmen viele Stellen weg, während die Lage in Kleinbetrieben vergleichsweise stabil ist. Die Frühjahrsumfrage der Auskunftei Creditreform gibt ein desaströses Bild wieder.


      Berlin - Der Stellenabbau im deutschen Mittelstand trifft vor allem Großunternehmen. Über 41 Prozent der Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern planen, Arbeitsplätze zu streichen, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag zu ihrer Frühjahrsumfrage unter rund 4000 Unternehmen mitteilte.

      Bei Kleinunternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten planten dies nur 7,4 Prozent. Insgesamt gingen gut 17 Prozent aller Mittelständler davon aus, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Über 70 Prozent der befragten Firmen wollten zwar ihre Beschäftigtenzahl halten. "Allerdings dürfte sich der Stellenabbau auch im Mittelstand beschleunigen", hieß es.

      Fast ein Viertel der Firmen habe wegen der Wirtschaftskrise in den vergangenen sechs Monaten bereits Stellen gestrichen. Um dies zu vermeiden, nutzten gut 42 Prozent Überstundenkonten und fast ein Drittel Kurzarbeit. Unter der Rezession leiden auch Umsatz und Erträge der Firmen deutlich. Hier liegen die jeweiligen Indikatoren von Creditreform je auf 15-Jahres-Tiefständen.

      "Die Ertragslage im deutschen Mittelstand ist desaströs", teilten die Experten mit. Hatten im Frühjahr noch fast die Hälfte der Firmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut bewertet, tun dies derzeit nur noch ein Drittel. Den westdeutschen Betrieben mache der Abschwung wegen ihrer Exportorientierung stärker zu schaffen als den ostdeutschen.

      Insgesamt drückt die Rezession auch die Investitionsbereitschaft der Firmen kräftig. Gut 17 Prozent der Betriebe nennen Finanzierungshemmnisse als Grund für unterlassene Ausgaben. Eine Kreditklemme stellt jedes sechste Unternehmen fest und damit doppelt so viele wie vor einem Jahr.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/mittelstand/0,…
      10 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:48:32
      Beitrag Nr. 3.040 ()
      Sogar die "Bild" hat einen "Krisenticker" ...

      Stahlproduktion bricht ein

      TOPMELDUNG – Stahlproduktion halbiert: Die deutsche Stahlproduktion hat sich im März im Vergleich zum Vorjahresmonat halbiert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stellten die Hüttenwerke 1,28 Millionen Tonnen Roheisen und 2,10 Millionen Tonnen Rohstahl her. Das sind 50,3 Prozent weniger Roheisen und 49,8 Prozent weniger Rohstahl als im März 2008. Dies sei der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung.

      Quelle: http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/04/07/kri…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:52:27
      Beitrag Nr. 3.041 ()
      Wer Geld braucht, bitte SOFORT melden! Es gibt genug davon. Jeder bekommt jetzt soviel, wie er benötugt!

      ____________________________________________


      News - 07.04.09 13:22

      G20 geben "Helikopter-Geld für alle"

      Die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels zur Verdreifachung der finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf 750 Milliarden Dollar haben europäische Notenbanker und Experten schockiert: Durch die Maßnahme erhöhe sich die globale Geldmenge. Dies führe zu Inflation, sobald die Krise zu Ende sei, fürchten Wissenschaftler.

      BERLIN/FRANKFURT. Die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels zur Verdreifachung der finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben europäische Notenbanker und Experten schockiert. Die beschlossene multilaterale Unterstützung des Welthandels stößt zwar auf breite Zustimmung. Die Aufstockung der so genannten Sonderziehungsrechte (SZR), einem Mittel zur Schaffung zusätzlicher globaler Liquidität, kommt aber unter heftigen Beschuss. "Das ist reine Geldschöpfung. Das ist Helikopter-Geld für den Globus", sagte Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Handelsblatt. Der Begriff "Helikopter-Geld" geht auf den renommierten Monetaristen Milton Friedman zurück. Er steht für die Vermehrung der Geldmenge am Bankensystem vorbei.

      Die in London beschlossene Aufrüstung des IWF um mehr als 750 Mrd. Dollar ist das Kernstück einer breit angelegten G20-Strategie zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise. Um 500 Mrd. Dollar sollen bestimmte Kreditlinien der Geberländer (NKV) aufgestockt werden. Zusätzliche 250 Mrd. Dollar entstehen durch eine neue Zuteilung von SZR.

      SZR sind eine künstliche Währungseinheit, die nicht an den Devisenmärkten gehandelt wird. Mitgliedsländer können solche SZR bei Notenbanken gegen Hartwährungen eintauschen. Die SZR wurden 1969 vom IWF eingeführt, um die Schaffung zusätzlicher Liquidität zu ermöglichen. Der tagesaktuelle Wert eines SZR wird vom IWF auf der Basis eines Währungskorbs fortlaufend ermittelt. Am Freitag belief sich ein SZR auf 0,894939 Euro. SZR sind kostenlos und nicht an Bedingungen geknüpft. Sie werden an allen IWF-Mitgliedsländer entsprechend ihren Kapitalquoten verteilt. "Es hat keine Prüfung darüber gegeben, ob es einen globalen Bedarf an zusätzlicher Liquidität überhaupt gibt", kritisierte Stark. "Früher hat man sich viel Zeit genommen, so etwas zu prüfen."

      Auch die mit dem IWF befassten Vertreter von Finanzministerien sehen die gefährlichen Implikationen der G20-Beschlüsse. Um Forderungen der Amerikaner und der Briten nach neuen Konjunkturprogrammen nicht nachgeben zu müssen, sei Deutschland gezwungen gewesen, der Verlagerung der angestrebten globalen Nachfragestimulierung auf die multilaterale Schiene zuzustimmen, verlautet aus Berliner Regierungskreisen. Man habe bewusst in Kauf genommen, dass die Zuteilung zusätzlicher SZR mehr globale Liquidität bedeuten würde.

      Wissenschaftler verweisen auf "ernsthafte Gefahren" des neuen IWF-Mandats. Durch die Zuteilung der SZR erhöhe sich die globale Geldmenge; das führe zu höherer Inflation, sobald die Krise zu Ende sei, warnt Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Zudem könnte risikoreiches Verhalten von Staaten belohnt werden und dadurch die Grundlage für künftige Krisen geschaffen werden. "Wenn die internationale Gemeinschaft diese beiden Gefahren nicht im voraus bannt, könnte die zukünftige Rechnung für den jetzigen Stimulus teuer ausfallen", sagte Snower. "Die Maßnahmen können eine Gefahr für die Stabilität des internationalen Währungsdsystems bedeuten", warnte Helmut Siekmann, Experte für Finanzstabilität an der Universität Frankfurt. Der Bonner Wirtschaftsprofessor Manfred J.M. Neumann bezeichnete Sonderziehungsrechte als eine "inflationäre Form der Entwicklungshilfe".

      Wenn die Gouverneure des IWF zu 85 Prozent der Stimmen der SZR-Erhöhung zustimmen, kann sie wirksam werden. In einigen Ländern ist die Ratifizierung durch die Parlamente erforderlich. In den USA ist die letzte Zuteilung noch nicht durch den Kongress gegangen. Sie war 1998 genehmigt worden, damit neue IWF-Mitglieder, vor allem aus den Transformationsländern, mit SZR ausgestattet werden könnten. In den USA soll jetzt beides zusammen ratifiziert werden. Die noch ausstehende "Gerechtigkeitszuteilung" von 1998 beläuft sich auf rund 30 Mrd. Dollar, so dass die SZR insgesamt um 280 Mrd. Dollar erhöht würden.

      Die Notenbanker sind aber nicht nur über die zusätzliche Liquidität besorgt. Sie befürchten überdies, dass die Beschlüsse der G20 den Charakter des IWF irreparabel beschädigen werden. "Was mit dem IWF passiert, ist skandalös", äußerte sich ein Notenbanker der ungenannt bleiben will, "weil in den heutigen Krisenzeiten alle platt gemacht werden, die auf Folgen des politischen Handelns hinweisen". Man könne nur hoffen, "dass die Finanzminister und Notenbankgouverneure die Londoner Beschlüsse zum IWF nach unten korrigieren".

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      Quelle: HANDELSBLATT
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:54:39
      Beitrag Nr. 3.042 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.878.963 von Maraho am 30.03.09 13:06:12In Bezug.

      Daten aus Europa
      Krise trifft Einzelhandel mit voller Wucht
      von Martin Kaelble (Berlin)

      Bisher traf die Rezession vor allem Industrieunternehmen. Jetzt steigt die Arbeitslosigkeit in Europa - und damit vergrößern sich auch die Probleme für den Handel massiv. So schlimm wie in Spanien ist es allerdings nirgends in der Euro-Zone.


      Die Konsumenten der Euro-Zone haben ihre Ausgaben zuletzt weiter zurückgeschraubt. Die Einzelhandelsumsätze in den Ländern der Währungsunion brachen im Februar auf Jahressicht um vier Prozent ein. Das teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Montag mit.

      Gegenüber dem Vormonat sanken sie um 0,6 Prozent, nach einem Anstieg im Januar um 0,5 Prozent. "Die Situation wird sich weiter verschlechtern, da die Arbeitslosigkeit nun überall in die Höhe schießt", sagte Olivier Gasnier, Volkswirt der Société Générale.

      Die Einzelhändler der Euro-Zone bekommen damit immer stärker die Auswirkungen der Krise zu spüren. Bisher waren die Industriefirmen deutlich stärker betroffen als der Handel. Das könnte sich mit wachsender Arbeitslosigkeit und zunehmenden Lohnkürzungen in den kommenden Monaten ändern.

      Besonders dramatisch ist die Situation der Einzelhändler in Spanien: Hier gab es einen Einbruch um neun Prozent auf Jahressicht. Auch französische Einzelhändler mussten mit minus 3,3 Prozent starke Umsatzeinbußen hinnehmen.

      Moderater Rückgang in Deutschland

      Deutsche Einzelhändler kamen hingegen mit einem Rückgang von 0,9 Prozent vergleichsweise glimpflich davon, da der Arbeitsmarkt hierzulande noch nicht so stark eingebrochen ist wie beispielsweise in Spanien.

      Bei den Zahlen sind die Umsätze der Kfz-Händler nicht mit eingerechnet. Dank des Erfolgs der Abwrackprämie stehen letztere in Deutschland noch relativ gut da: Die Umsätze der deutschen Kfz-Händler stagnierten im Februar fast im Vergleich zum Vorjahr.

      Der positive Effekt der Abwrackprämie könnte jedoch bald wegfallen: "Der private Konsum wird in den kommenden Monaten weiter zurückgehen, wenn die staatliche Unterstützung für Autokäufe deutlich verringert wird", sagte Gasnier. Am Mittwoch will die deutsche Regierung über die Zukunft der Abwrackprämie entscheiden.

      Einen düsteren Gesamtausblick für die Euro-Zone zeichnet auch der aktuelle Euro-Indikator, den führende europäische Forschungsinstitute monatlich exklusiv für die FTD berechnen. Dieser sagt ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone um 2,3 Prozent im ersten Quartal und 2,1 Prozent im zweiten Quartal voraus. "Die Rezession setzt sich fort, dürfte sich aber nicht weiter beschleunigen", sagte Hervé Péléraux vom beteiligten französischen Institut OFCE.

      Ein entscheidender Faktor für die Prognose sind die trüben Konsum-aussichten: "Angesichts steigender Arbeitslosigkeit dürfte der Konsum in den kommenden Quartalen schwächeln", sagte Péléraux. Auch der Rückgang der Inflation könne das nicht auffangen.

      Quelle: aten-aus-Europa-Krise-trifft-Einzelhandel-mit-voller-Wucht/497548.html" target="_blank" rel="nofollow ugc noopener"> http://www.ftd.de/politik/europa/:Daten-aus-Europa-Krise-trifft-Einzelhandel-mit-voller-Wucht/497548.html
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 13:56:03
      Beitrag Nr. 3.043 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.394 von Maraho am 07.04.09 13:54:39Entschuldigung ... http://www.ftd.de/index.html ;)
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 14:03:41
      Beitrag Nr. 3.044 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.315 von Maraho am 07.04.09 13:43:52In Bezug.

      Weltmeister auf Jobsuche
      von Christian Schütte

      Als die Weltwirtschaft Party feierte, verdiente Deutschland am Catering. Jetzt braucht es eine neue Rolle: Die bisherige Überschussposition lässt sich nicht erhalten.


      Die amtlichen deutschen Krisendiagnosen sind und bleiben dubios. Wir alle hätten über unsere Verhältnisse gelebt, mahnte Bundespräsident Horst Köhler unlängst. Die Bundeskanzlerin hat das vergangenen Woche erneut bekräftigt: "Wir haben zu viel ausgegeben", so Angela Merkel im Interview mit der Financial Times.

      Nun ist unbestreitbar, dass viele Wirtschaftsakteure in der Welt sich zuletzt viel zu hoch verschuldet haben. Es ist aber schon rein logisch völlig unmöglich, dass sämtliche Akteure gleichzeitig "über ihre Verhältnisse" leben. Mindestens einer muss unter seinen Verhältnissen leben, um jenen Güterüberschuss zu liefern, der es den Prassern erst erlaubt, mehr zu verbrauchen, als sie selbst erwirtschaftet haben.

      Schaut man sich die internationalen Leistungsbilanzen an, dann ist völlig klar, wer diese großen Überschussproduzenten zuletzt waren: China, Japan und die Republik, der Köhler und Merkel vorstehen.

      Es mag ja sein, dass die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren exzessiv Party gefeiert hat. Der Exportweltmeister Deutschland amüsierte sich dann aber nicht zwischen Bar und kaltem Büfett. Sondern er rackerte - per saldo gerechnet - im Catering. Die teuren Autos etwa, die hierzulande gebaut wurden, landeten meist eben nicht in Leipzig. Sondern in London oder Los Angeles.

      Erschöpfte Limits

      Viele Partygäste haben inzwischen entsetzt festgestellt, dass ihr Kreditkartenlimit überschritten ist. Aus Sicht schwäbischer Hausmänner und Hausfrauen ist das sicher ein heilsamer Schock. Für die Geschäfte des Caterers bedeutet es aber ein Desaster: Wenn die Kunden kein Geld mehr haben, dann hat auch der beste Lieferant ein Riesenproblem.

      Wer sich jetzt nur darauf verlässt, dass die Sause im Saal schon irgendwann irgendwie weitergeht, der handelt grob fahrlässig. Unternehmen und Politik müssen sich darauf einstellen, dass es zu einem scharfen internationalen Anpassungsprozess kommen wird.

      Länder, die bislang mit großen Leistungsbilanzdefiziten "über ihre Verhältnisse" lebten - allen voran die USA, Großbritannien und Spanien, aber auch kleine Volkswirtschaften wie Irland oder manche Osteuropäer -, werden ihre Einfuhren bremsen und ihre Ausfuhren ankurbeln müssen. Ressourcen, die dort bisher in Sektoren der Wirtschaft eingesetzt waren, die keine international handelbaren Güter erzeugen, müssen letztlich in jene Branchen hinüberwandern, die Importe ersetzen und Exporte generieren können. Immobilienmakler in die Produktion! lautet die Devise.

      Bei flexiblen Wechselkursen wird dieser Umbau ganz automatisch durch eine Abwertung in Gang gesetzt, die alle Produkte des Landes gegenüber der Auslandskonkurrenz verbilligt.

      Euro-Länder wie Spanien oder Irland können zwar nicht abwerten, weil sie die Währung mit ihren wichtigsten Handelspartnern teilen. Dort wird aber eine extrem harte Rezession das Zurückbleiben der Preise und Löhne erzwingen.

      Nominallohnkürzungen sind in Irland schon jetzt an der Tagesordnung. Die Preissenkung bei irischer Butter, die ein großer deutscher Discounter vergangene Woche verkündete, dürfte also nicht die letzte sein.

      Für die hiesigen Exporteure sind das alles schlechte Aussichten. Wäre die deutsche Volkswirtschaft tatsächlich nur ein einziger großer Cateringbetrieb ("Alles aus einer industriellen Hand für Ihre großen Investitions- oder Konsumfeste!"), dann wäre es jetzt höchste Zeit für das Management, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln.

      Von einer Regierung kann und sollte man Vergleichbares natürlich nicht verlangen. Angela Merkel hat ja recht, wenn sie im FT-Interview darauf verweist, dass es weder möglich noch sinnvoll ist, eine ganze Volkswirtschaft mit ihren gewachsenen Strukturen kurzfristig und von oben her umzubauen. Deutschlands exportorientierte Industrie hat einige herausragende Spezialisierungsvorteile. Der Preis dieser Spezialisierung ist leider eine besondere Abhängigkeit von der Weltkonjunktur.

      Kein Zurück zu alten Zeiten

      Das Problem ist allerdings, dass die deutsche Politik noch immer fatale Illusionen nährt.

      Der Selbstbetrug fängt damit an, dass man die Kreditexzesse der Vergangenheit beklagt - aber dennoch zu erwarten scheint, dass sich etwa die kreditfinanzierten BMW-Käufe kalifornischer Immobilienmakler schon in einigen Monaten wieder "normalisieren" werden.

      Zugleich wird die aussichtslose, ja kontraproduktive Vorstellung gepflegt, dass die bisherige Überschussposition zu verteidigen sei.

      Nach dieser Logik ist es dann demnächst die Aufgabe der Politik, die eigenen Exporteure mit staatlicher Hilfe gezielt für den finalen Preis-und Verdrängungskampf aufzurüsten. Parallel wäre eine patriotische Strategie der Importvermeidung geboten. Motto: Deutsche, kauft in der Krise deutsche Butter und fahrt lieber in den Spessart als nach Spanien.

      Das wird so nicht funktionieren. Denn es schwächt die Defizitländer nur noch weiter. Wenn die globalen Ungleichgewichte bereinigt werden sollen, ohne dass es zu dramatischen Brüchen und Schrumpfungsprozessen kommt, dann darf Deutschland nicht mehr nur als Verkäufer glänzen. Es muss anderen auch verstärkt als Kunde zur Verfügung stehen. Die Schuldner brauchen eine Möglichkeit, sich aus ihrer Schieflage herauszuarbeiten.

      Sie müssen Verzicht bei den Importen leisten, aber sie brauchen auch Expansionschancen im Export. Das geht nur, wenn die bisherigen Überschussländer einen spiegelbildlichen Strukturwandel akzeptieren. Und ihr eigenes Wachstum auch in solchen Branchen suchen, deren Produkte und Dienstleistungen nicht auf dem Weltmarkt gehandelt werden.

      Die deutsche Expansionshilfe für den Rest der Welt muss ja nicht immer gleich so drastisch und so verquer ausfallen wie jetzt bei der Abwrackprämie: Wohl eher aus Versehen haben da Berliner Cateringmanager eine Riesenbestellung bei sämtlichen Kleinwagenproduzenten von Osteuropa bis Südkorea ausgelöst.

      Quelle: http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Sch%FCtte-Wel…
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      Avatar
      schrieb am 07.04.09 14:05:47
      Beitrag Nr. 3.045 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.380 von Dorfrichter am 07.04.09 13:52:27Guten Tag Dorfrichter,

      Brüder im Geiste (siehe oben)!
      Dir einen schönen Tag!
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 14:16:31
      Beitrag Nr. 3.046 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.463 von Maraho am 07.04.09 14:05:47Kannst ein paar Milliönchen brauchen?:rolleyes:
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 14:21:17
      Beitrag Nr. 3.047 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.796.657 von Maraho am 18.03.09 20:52:04Noch etwas dazu und dann ...

      Wirtschaftspresse
      "Sie blökten den falschen Sound"

      Im Mainstream daneben: Medienwissenschaftler Weischenberg über die deutsche Wirtschaftspresse in der Krise.


      "Schreibt doch endlich mal was Positives", lautet eine Aufforderung, die die SZ-Wirtschaftsredaktion immer häufiger erreicht. Heiß umstritten ist die Frage, ob die (meist) negativen Nachrichten dieser Tage die schlechte Lage nur abbilden - oder sie womöglich befördern. Der Journalist und Medien-Professor Siegfried Weischenberg plädiert für korrekte, aber nicht reißerische Informationen.

      SZ: Herr Professor Weischenberg, die Finanzmärkte spielen verrückt, die Weltwirtschaft steckt in einer tiefen Rezession. Wie gut dabei ist die Wirtschaftsberichterstattung?

      Siegfried Weischenberg: Es hat ein ganz erstaunlicher und auch schneller Paradigmenwechsel stattgefunden. Noch vor wenigen Monaten dominierten in der deutschen Wirtschaftsberichterstattung neoliberale Positionen. Alles, was mit Regulierung zu tun hatte, war Teufelszeug. Das hat sich im Zuge der Finanzkrise ins Gegenteil verkehrt: Heute besteht die Gefahr, dass nur noch auf der Linie staatlicher Interventionen argumentiert wird. Früher waren die Manager die Könige, heute ist es Finanzminister Peer Steinbrück. Ich würde mir wünschen, dass wir etwas ausgewogener wären.

      SZ: Das heißt, die Medien gehen gerade von einem Extrem ins andere?

      Weischenberg: Die Gefahr besteht, ja. Ich sehe das Problem, dass der deutsche Wirtschaftsjournalismus alles, was jetzt in der Krise an Ideen aus der Politik kommt, vorschnell absegnet. Nach dem Motto: Der Staat wird es schon richten.

      SZ: Was könnten Wirtschaftsjournalisten besser machen?

      Weischenberg: Insgesamt mehr Distanz und mehr Zurückhaltung wäre nicht schlecht. Bei vielen Wirtschaftsjournalisten gibt es ein Problem, das wir auch aus dem Politik- und Sportjournalismus kennen: Man muss nah dran sein an den Akteuren, um etwas zu erfahren. Aber oft sind wir zu nah dran und verlieren dabei den Überblick. Die Kunst ist, nah dran zu sein - und trotzdem Distanz zu wahren.

      SZ: Zu Beginn der Krise hieß es noch, die Abwärts-Spirale in der Wirtschaft werde von den Redaktionen verharmlost. Jetzt heißt es, viele Medien würden die Menschen mit apokalyptischen Visionen in den Wahnsinn treiben. Haben die Medien die Krise am Anfang verschlafen und übertreiben nun?

      Weischenberg: Es hat in den vergangenen Jahren immer schon mal warnende Hinweise gegeben; es gab Publizisten, die versuchten, der Welt zu erklären, dass da etwas schiefläuft am US-Hypothekenmarkt. Aber der Mainstream hat die Probleme nicht gesehen, überhaupt keine Frage. Bis man gemerkt hat, dass hier eine Systemkrise ins Haus steht, hat es ziemlich lang gedauert. Finanzjournalisten, Banker, Analysten - alle waren viel zu lange als Herde unterwegs und haben den falschen Sound geblökt.

      SZ: Und heute wird versucht, den richtigen Sound zu treffen... Beeinflussen negative Schlagzeilen in den Zeitungen den Gang der Wirtschaft?

      Weischenberg: Natürlich, Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun. Die Leute leben doch in zwei Welten: Ihrer eigenen, kleinen Welt mit ihren eigenen Erfahrungen. Und in einer Medienwelt. Die Welt draußen, die wird ihnen ja in erster Linie von den Medien erklärt. Deswegen haben Medien ja gerade in der Finanzkrise eine sehr große Verantwortung. Aber die Wirkung ist vielfältig - es ist nicht so, dass einige böse Zeitungen das Kaufverhalten der Menschen bestimmen könnten. Die Sache ist weitaus komplexer. Es soll sogar Leute geben, die mehr konsumieren, je negativer die Berichterstattung wird. Nach dem Motto: Jetzt lassen wir es nochmal richtig krachen. Das ist vielleicht unvernünftig, aber menschlich nachvollziehbar.

      SZ: Das heißt aber, man sollte lieber mal auf die eine oder andere negative Schlagzeile verzichten und stattdessen positive Geschichten bringen?

      Weischenberg: Es kann nicht sein, dass die Medien die Wirklichkeit schminken. Was wir wollen, ist kompetent und wirklichkeitsnah informiert zu werden. Was nicht geht, ist aus Rücksicht auf die Konjunktur und das große Ganze die Nachrichten ins Positive zu drehen. Andererseits sollten Nachrichten aber auch nicht unnötig zugespitzt oder positive Meldungen bewusst ausgeblendet werden.

      SZ: Aber es gibt ja fast nur noch negative Schlagzeilen. Als Deutsche-Bank-Chefökonom Norbert Walter prophezeit hatte, dass die Deutsche Wirtschaft um fünf Prozent schrumpfen werde, kritisierten das manche als Alarmismus. Heute können wir fast sicher sein, dass es so kommt - oder schlimmer. Wie kann man diese Nachrichten mit gutem Gewissen bringen, ohne die Menschen zu deprimieren?

      Weischenberg: Man muss sie sogar bringen. Ich sehe die Rolle der sogenannten Experten allerdings kritischer als die vieler Journalisten. Die Experten kommen nicht in die Medien, indem sie langweilige Aussagen machen. Also neigen sie dazu, zuzuspitzen und zu dramatisieren. Wenn Sie drei verschiedene Ökonomen fragen, bekommen sie vier verschiedene Antworten. Journalisten sollten natürlich darüber berichten und einordnen - dabei aber zum Beispiel darauf hinweisen, dass jemand wie Walter für seine spektakulären Prognosen bekannt ist. Das relativiert das Ganze dann wieder. Und man muss einordnen, warum Walter so etwas tut. Er ist nicht nur Chefökonom, sondern in gewisser Weise auch Lobbyist. Das gehört dazu.

      SZ: Ist die Krise für den Einzelnen überhaupt noch fassbar? Wenn wir schreiben, dass die angeschlagene Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate 100 Milliarden Euro braucht, weil das besser ist, als sie pleitegehen zu lassen, ist das doch kaum noch zu vermitteln. Vor allem dann nicht, wenn die Leute immer weniger Geld im eigenen Portemonnaie haben und sehen, wie ihr Spardepot immer weiter in sich zusammenfällt.

      Weischenberg: Natürlich ist das nicht zu vermitteln. Diese immer wieder neu auftauchenden Milliardenbeträge entziehen sich dem Alltag der Menschen vollkommen. Außerdem: Wenn wir erst dann darauf kommen, dass die HRE systemrelevant ist, wenn sie mit 100 Milliarden Euro gerettet werden muss, ist das für die Menschen erst recht nicht mehr nachvollziehbar. Die fragen sich doch: Warum hat man da nicht früher mal nachgeschaut? Warum musste es erst so weit kommen?

      SZ: In den USA trauen sich einzelne Manager aus Angst vor Übergriffen wütender Bürger kaum noch aus dem Haus. Wer hat Schuld - die Medien?

      Weischenberg: Natürlich trifft die Medien hier eine Mitschuld, sie schreiben ja täglich, dass viele Manager versagt haben und gleichzeitig millionenschwere Bonuszahlungen einfordern. Viele Banker - wenn auch längst nicht alle -, das wissen wir heute, haben alles andere als einen tollen Job gemacht. Dass sich hier der Volkszorn entlädt, wundert mich nicht. Dafür würde ich jetzt aber nicht die Medien verhaften.

      SZ: Von Pogromstimmung ist inzwischen die Rede.

      Weischenberg: Ich halte es für völlig überzogen, ja, peinlich, in der öffentlichen Debatte solche historischen Analogien zu konstruieren. Die Manager sind jetzt in der Defensive, aber sie kommen wieder - das werden Sie sehen. Aufgabe der Wirtschaftsredaktionen muss dann sein, die Entwicklung des neuen Selbstbewusstseins kritisch zu begleiten.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/703/464304/text/ …

      Bis später ...
      1 Antwort?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 14:22:49
      Beitrag Nr. 3.048 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.536 von Dorfrichter am 07.04.09 14:16:31Wieso nur ein paar Milliönchen? Da ist doch mehr zu holen! :laugh:
      Bis dann ...
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 18:05:22
      Beitrag Nr. 3.049 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.581 von Maraho am 07.04.09 14:21:17Guten Abend,
      beginnen wir thematisch da, wo wir heute mittag aufgehört haben.
      In Bezug auf obiges Interview ...


      Wie man aus einer Krise eine große Krise macht

      Die Fakten selbst sind schon außergewöhnlich genug, aber die Theorien rauben einem den Atem.

      Die Große Krise in den Vereinigten Staaten", schrieb Milton Friedman"... gibt ein Zeugnis davon ab, wie viel Schaden durch die Fehler von Seiten einiger Männer verursacht werden kann, wenn sie eine sehr große Macht über das monetäre System eines Landes ausüben können."

      Ereignisse, die man bislang nur aus Geschichtsbüchern kannte

      Was ist das für eine wunderbare Zeit, um am Leben zu sein. Wir werden bald Dinge erleben, über die wir bislang nur in den Geschichtsbüchern gelesen haben... z.B. eine große Krise. Eine Krise ist ein natürliches und wiederkehrendes Merkmal des Kapitalismus. Aber eine große Krise erfordert normalerweise Lobbyarbeit.

      Die düsteren Tatsachen stehen nicht zur Diskussion und es ist die Sache kaum wert, sich ihrer zu erinnern. Die Zentralbank hat den Dünger auf Feld gebracht. Die Preise für Anlagewerte sind wie Unkraut nach oben geschossen. Die Anleger haben sich mitreißen lassen. die Verbraucher ließen sich gehen. Die Wall Street und die Londoner City haben beide ihren Kopf verloren.

      Und dann haben die Kapitalisten ihr Geld verloren. Große Sache. So soll es auch laufen. Der Kapitalismus ist von Natur aus dynamisch und unbeständig... er ist voller Sturm und Drang, Boom und Krise, Kreativität und Zerstörung. Er war schon immer anfällig dafür, sich genau zu dem Zeitpunkt selbst in die Luft zu jagen, zu dem sich die Menschen am stärksten auf ihn verlassen.

      Was die gegenwärtige Krise anbelangt, hätte sogar ein Zentralbanker sie kommen sehen müssen. Wenn man Geld an Leute verleiht, die das Geld nicht zurückzahlen können, dann muss man immer mit Schwierigkeiten rechnen. Aber das hält die Kapitalisten nicht davon ab, bei den Behörden zu jammern, wenn die Schwierigkeiten dann wirklich kommen. Halb Idiot und halb Knecht, haben sich die Regierungen in Bewegung gesetzt. 14 Billionen Dollar, oder etwas in der Größenordnung, wurden eingesetzt, um zu verhindern, dass der Kapitalismus sich selbst korrigiert.

      Mehr Protektionismus

      Der Protektionismus nimmt wieder zu - und das in einer Zeit, in der die wichtigsten Köpfe des Landes dagegen wettern. In Europa senken sie die Lebenserwartung von Autos. In Amerika leiten die Regierungsvertreter im Grunde genommen die größte Automobilindustrie... die größten Versicherungsunternehmen... und auch die größten Hypothekenfinanzierer. Schon bald haben sie vielleicht auch die Kontrolle über die Fast-Food-Ketten. Mehr Fehler, mehr Schikanen - sind - mit anderen Worten - das, womit wir zu rechnen haben.

      Selbst die angeblichen Freunde sagen, dass der freie Markt sich als gescheitert und als Scharlatan erwiesen hat. Und das ist der Grund, warum sich die G20 in der vergangenen Woche in London getroffen haben - sie sollten entscheiden, was man in dieser Sache unternehmen kann. Peter Thal Larsen schrieb in der Financial Times:

      Das weltweite Finanzsystem, so wie wir es kennen, war von einer Deregulierung verfälscht, die von einem Glauben an den freien Markt getragen wurde. Dieser Ansatz ist gescheitert. Die Aufgabe besteht heute darin, zu beweisen, dass man ihn mit besseren Bremsen und einer besseren Steuerung wieder auf die Straße bringen kann. Bis zum Ende des Gipfeltreffens wird die Welt eine viel deutlichere Vorstellung davon haben, ob das System überleben kann oder nicht."

      William Pesek äußert sich auf Bloomberg: Es besteht überhaupt keinen Zweifel mehr daran, dass die Welt, so wie Reagan sie sich vorgestellt hat, nicht funktionieren kann. Der Washington Consensus der freien Märkte, des kleinen Staates und der uneingeschränkten Globalisierung, der die Neunziger Jahre charakterisierte, ist vorbei."

      Im Wald verlaufen

      Und gleichzeitig sitzen sie im anderen Lager um die offenen Feuer... und stellen fest, dass sie sich im Wald verlaufen haben. Das Magazin Nation bringt einen Beitrag Den Sozialismus neu denken", in dem Barbara Ehrenreich und Bill Fletcher schreiben: Haben wir einen Plan, Leute? Können wir unseren Weg hier heraus erkennen, in eine gerechte, demokratische, tragbare (hier können Sie Ihre Lieblingsadjektive beliebig frei ergänzen) Zukunft? Wir wollen es offen auf den Tisch legen. Nein, wir sehen den Weg nicht."

      Nachdem die üblichen Gutmenschen keine Ideen mehr haben, wendet die Welt ihr müdes Auge in eine andere Richtung. Wer kann den Kapitalismus jetzt noch retten? Die Kommunisten!

      Wenn die Kräfte des Marktes unkontrolliert bleiben, dann wird das zu einer Investitionsblase führen und letzten Endes zu einer katastrophalen Marktreinigung in Form einer Finanzkrise wie der aktuellen Krise", heißt es in einem Bericht von der chinesischen Zentralbank.

      Alle wollen Chinesen sein. Weil die Chinesen Geld haben. Und weil sie keinen freien Markt haben. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass das Reich der Mitte einen Konjunkturrückgang ohne demokratische, vom Konsens geführte Institutionen, die im Weg stehen, effektiver bekämpfen kann.

      Welche Theorie hat die Zentralplanung zu bieten?

      Aber hier ist der Grund, warum ich nach Luft schnappe. Welche Theorie hat die Zentralplanung zu bieten - egal ob sie von den chinesischen Kommunisten oder den amerikanischen Demokraten kommt - die das Kapital besser verteilen kann, als die Leute, die es verdient haben.

      Es gibt keine solche Theorie. Und das ist der Grund, warum die Weltführung - und auch die meisten Kommunisten - sich selbst eine saftige Lügengeschichte gönnen. Sie sagen, dass sie überhaupt keine Theorie bräuchten. Pragmatismus", war das Wort, das jeder in der vergangenen Woche in London im Munde führte. Frei von den Ketten zu den toten Wirtschaftswissenschaftlern, sagen sie, wollen sie alles was wirkt" ausprobieren.

      Ach, diese liebenswerten Schwachköpfe. So naiv, dass sie alles glauben würden, so aufnahmefähig wie ein Mülleimer. Pragmatismus" ist in der Wirtschaft so trügerisch, wie die Männer, die ihn predigen. Jeder von ihnen hat eine eselsohrige Ausgabe von Keynes Allgemeiner Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" in der Aktentasche und ein Ass im Ärmel. Und jede angeblich neue, pragmatische Idee, die sie entwickeln, ist im Grunde genommen lediglich eine andere Version der gleichen verpfuschten Heilmittel, die die Wirtschaft das letzte Mal schon an das Krankenhaus fesselte.

      Vielleicht kann man eine Brücke pragmatisch zeichnen. Wenn einem die Farbe nicht gefällt, dann kann man sie schnell ändern. Aber wenn man eine Brücke, ein Flugzeug oder ein Wirtschaftssystem baut, dann kann man das nicht ändern, nachdem man einmal damit angefangen hat. Man muss eine Vorstellung haben, wie es funktionieren soll, ehe man anfangen kann. Abgesehen davon, kommt es nicht über Nacht zu den Ergebnisse aus den fiskalischen, den monetären oder den regulatorischen Maßnahmen. Die Rückkopplungschleifen brauchen Jahre.

      Die Bolschewiken haben sieben Jahrzehnte gebraucht, ehe ihnen klar wurde, dass sie über's Ohr gehauen wurden. Friedmans Kritik an der Politik zur Großen Wirtschaftskrise in Amerika ist erst dreißig Jahre nach dem Ereignis erschienen. In Japan wissen sie immer noch nicht, was damals wirklich schief gelaufen ist. Und wenn die Regierungsvertreter diesmal dahinter kommen werden, dann werden sie vermutlich schon längst eine ganz gewöhnlich Krise in eine große Krise verwandelt haben.

      Quelle: http://www.investor-verlag.de/boersenwissen/kapitalschut…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 18:17:24
      Beitrag Nr. 3.050 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.930.684 von Maraho am 07.04.09 07:13:24Ein weiteres Interview ...

      Wall Street ist ein "Ponzi Scheme"

      Ein Ponzi-Scheme ist die englische Bezeichnung für ein Schneeballsystem, benannt nach dem Betrüger Charles Ponzi, der sich durch den seinerzeit (1920´er) größten Betrug einen Namen machte. Aber das, was sich jetzt an den Finanzmärkten abspielt, stellt alles Dagewesene in den Schatten. Da sehen selbst die Bankrotteure hierzulande wie kleine Hütchenspieler aus.

      Einen äußerst interessanten Einblick in das Geschäft der "securitisation", der Verbriefung von Kreditportfolios, gibt dieses Interview von Bill Moyers mit William K. Black, einem ehemaligen US-Bankenaufseher, der bereits während der amerikanischen Sparkassenkrise Ende der 80´er Jahre tätig war und die Weltbank bei der Korruptionsbekämpfung beriet. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften an der Universität Missouri.

      Für ihn ist flächendeckender Betrug an der Wall Street die Hauptursache für die Krise.

      Auszüge aus dem Transskript:


      BILL MOYERS: Is it possible that these complex instruments were deliberately created so swindlers could exploit them?

      Ist es möglich, dass diese komplexen (Finanz-) Instrumente absichtlich geschaffen wurden, damit Betrüger sie ausnutzen konnten?


      WILLIAM K. BLACK: Oh, absolutely. This stuff, the exotic stuff that you're talking about was created out of things like liars' loans, that were known to be extraordinarily bad. And now it was getting triple-A ratings. Now a triple-A rating is supposed to mean there is zero credit risk. So you take something that not only has significant, it has crushing risk. That's why it's toxic. And you create this fiction that it has zero risk. That itself, of course, is a fraudulent exercise. And again, there was nobody looking, during the Bush years. So finally, only a year ago, we started to have a Congressional investigation of some of these rating agencies, and it's scandalous what came out. What we know now is that the rating agencies never looked at a single loan file. When they finally did look, after the markets had completely collapsed, they found, and I'm quoting Fitch, the smallest of the rating agencies, "the results were disconcerting, in that there was the appearance of fraud in nearly every file we examined."

      Oh, absolut. Dieses exotische Zeug, von dem hier die Rede ist, wurde aus sog. Liar Loans (Lügner Kredite) gemacht, die als außerordentlich schlecht galten. Und dann haben sie tripple-A-ratings darauf vergeben. Nun bei einem tripple-A-rating nimmt man an, dass es kein Kreditausfallrisiko gibt. Also nimmt man etwas, das nicht nur ein erhebliches, sondern erdrückendes Risiko aufweist. Dies allein ist, natürlich, bereits ein betrügerisches Vorgehen. Deswegen sind diese (Wertpapiere) giftig. Und gleichzeitig erzeugt man die Vorstellung, dass diese (Wertpapiere) kein Kreditrisiko aufweisen. Und nochmals: Da hat niemand ein Auge drauf gehabt während der Bush-Jahre. Schließlich gab es vor nur einem Jahr eine Untersuchung dieser Ratingagenturen durch den Kongress, die ein skandalöses Ergebnis zu Tage förderte. Nach jetzigem Kenntnisstand haben die Ratingagenturen keine einzige Kreditunterlage geprüft. Als sie schließlich doch die Unterlagen prüften, nachdem die Märkte komplett kollabiert waren, haben sie herausgefunden, und ich zitiere jetzt Fitch, die kleinste von den Ratingagenturen, dass "die Ergebnisse bestürzend waren, da fast in jeder Kreditakte ein Fall von Betrug entdeckt wurde.


      BILL MOYERS: So if your assumption is correct, your evidence is sound, the bank, the lending company, created a fraud. And the ratings agency that is supposed to test the value of these assets knowingly entered into the fraud. Both parties are committing fraud by intention.

      Wenn also ihre Annahme wahr und ihre Beweisführung richtig ist, dann hat die Bank, der Kreditgeber, den Betrug begangen. Und die Ratingagenturen, von denen man erwartet hätte, dass sie den Wert dieser Kreditengagements testen würden, haben sich bewußt an diesem Betrug beteiligt. Beide Parteien haben sich absichtlich an diesem Betrug beteiligt.


      WILLIAM K. BLACK: Right, and the investment banker that — we call it pooling — puts together these bad mortgages, these liars' loans, and creates the toxic waste of these derivatives. All of them do that. And then they sell it to the world and the world just thinks because it has a triple-A rating it must actually be safe. Well, instead, there are 60 and 80 percent losses on these things, because of course they, in reality, are toxic waste.

      Richtig. Und die Investmentbanker haben diese faulen Hypothekenkredite, diese Liar Loans, gebündelt - man nennt es pooling - und diesen Giftmüll an Derivaten produziert. Alle haben das gemacht. Und dann haben sie den (Giftmüll) an die Welt verkauft und die Welt denkt, nur weil der ein AAA-Rating hat, muss er eigentlich sicher sein. In Wirklichkeit sind diese Dinger mit 60 bis 80 Prozent Abschreibungen belastet, weil dieses Zeug in Wirklichkeit Giftmüll ist.


      BILL MOYERS: You're describing what Bernie Madoff did to a limited number of people. But you're saying it's systemic, a systemic Ponzi scheme.

      Sie beschreiben gerade, was Bernie Madoff einer bestimmten Anzahl von Anlegern angetan hat. Aber Sie sagen, dass dies systemisch ist, das dies ein systemisches Ponzi scheme (Schneeballsyystem) ist.


      WILLIAM K. BLACK: Oh, Bernie was a piker. He doesn't even get into the front ranks of a Ponzi scheme...

      Oh, Bernie war eine Memme. Bernie kam nie in die Bestenliste von Schneeballsystemen.


      BILL MOYERS: But you're saying our system became a Ponzi scheme.

      Aber Sie sagen, unser System wurde zu einem Schneeballsystem...


      WILLIAM K. BLACK: Our system...

      Unser System


      BILL MOYERS: Our financial system...

      Unser Finanzsystem...


      WILLIAM K. BLACK: Became a Ponzi scheme. Everybody was buying a pig in the poke. But they were buying a pig in the poke with a pretty pink ribbon, and the pink ribbon said, "Triple-A."

      ... wurde ein Schneeballsystem. Jeder kaufte die Katze im Sack. Aber sie kauften die Katze im Sack mit einem sehr schönen Geschenkband, und das sagte: AAA.

      Quelle und weitere Informationen: http://kuchentester.blogspot.com/
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 18:23:19
      Beitrag Nr. 3.051 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.899.867 von Maraho am 01.04.09 18:32:06Es war kein April-Scherz. Jetzt geht`s voran ...

      Landesbank in Not
      Ermittlungen gegen HSH Nordbank

      Fleißiger Anwalt: Ein Hamburger Jurist hat Fakten zur HSH Nordbank notiert und die Staatsanwaltschaft überzeugt - Verdacht auf Untreue. Der Vorstand der Landesbank, so die Argumentation, habe keine Risiko behafteten Geschäfte eingehen dürfen. Auch dem Abschlussprüfer droht Ärger.


      Die Krise um die schwer angeschlagene HSH Nordbank hat auch juristische Folgen: Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat gegen Verantwortliche der Landesbank ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Behörde prüfe den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise, sagte Sprecher Wilhelm Möllers am Dienstag.

      Das Verfahren gehe auf eine Strafanzeige des Hamburger Rechtsanwalts Gerhard Strate zurück. Gegen welche und wie viele Verantwortliche sich die Ermittlungen konkret richten, sagte Möllers nicht: "Wir haben noch keinen namentlich Verantwortlichen herausgearbeitet."

      Der Vorstand einer Kapitalgesellschaft habe die Pflicht, das Vermögen der Aktionäre "wie ein sorgfältiger und gewissenhafter Kaufmann zu betreuen", heißt es in Strates Anzeige. Außerdem müsse die Führungsspitze bedenken, dass bei einer Insolvenz der Bank die sogenannte Gewährträgerhaftung der Hauptanteilseigner - der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein - greift "und letztlich der Steuerzahler für die Verluste der Bank einzustehen hat". "Vor diesem Hintergrund waren ihm (dem Vorstand) risikobehaftete Geschäfte, die spekulativen Charakter trugen, von vornherein verboten."

      Offenbar habe der Vorstand aber zu keinem Zeitpunkt einen Zusammenbruch des Derivatehandels in seine Risikoüberlegungen einbezogen, schreibt Strate. Auch der Aufsichtsrat habe seine "Vermögensfürsorgepflicht" beim Kreditersatzgeschäft offenkundig nicht wahrgenommen. "Die HSH Nordbank AG hat zur Zeit einen Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 2,8 Mrd. Euro. Bei diesem Wert wird es nicht bleiben", heißt es in der Anzeige.

      Seit November hätten zudem sieben weitere Personen Anzeige gegen Verantwortliche der HSH Nordbank erstattet, so Möllers. Diese Anzeigen wurden in einem Vorermittlungsverfahren geprüft und fließen jetzt in das förmliche Ermittlungsverfahren ein. "Die Anzeige von Herrn Strate war so gehaltvoll, dass wir von einem Anfangsverdacht ausgehen müssen." Die Ermittler werden Möllers zufolge auch die Rolle der Abschlussprüfer unter die Lupe nehmen; gegen sie hat Strate Anzeige wegen Beihilfe zur Untreue erstattet.

      Die HSH Nordbank musste nach Milliardenverlusten im vergangenen Jahr unter den Schirm des Rettungsfonds Soffin flüchten. Die Hamburger Bürgerschaft und der schleswig-holsteinische Landtag hatten in der vergangenen Woche ein Rettungspaket für das Institut abgesegnet. Die Landesbank bekommt damit eine Kapitalspritze in Höhe von 3 Mrd. Euro und Garantien über weitere 10 Mrd. Euro. Eine gemeinsame Länderanstalt öffentlichen Rechts soll der Bank das dringend benötigte Kapital liefern.

      Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Landesban…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 18:30:04
      Beitrag Nr. 3.052 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.811.025 von Maraho am 20.03.09 12:51:49Weiterführend ...

      Hypo Real Estate
      Köhler unterschreibt: HRE kann enteignet werden

      Bundespräsident Horst Köhler hat den Weg frei gemacht für die Verstaatlichung des Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE). Köhler hat das dafür notwendige Enteignungsgesetz unterzeichnet. Jetzt wird es Ernst für die HRE.


      HB BERLIN. Das "Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz" ist da. Bundespräsident Horst Köhler hat das Enteignungsgesetz unterzeichnet, teilte ein Sprecher am Dienstag in Berlin mit. Der Weg für eine Verstaatlichung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) ist damit frei.Das Gesetz kann damit in Kraft treten, wenn es im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden ist. Es erlaubt dem Bund bei der Rettung von Banken die Enteignung der Alt-Aktionäre, sofern vorher alle anderen Instrumente ausgeschöpft worden sind.

      Das auch innerhalb der Koalition umstrittene Gesetz ist auf die HRE zugeschnitten. Der Bund muss die Enteignung des Instituts bis zum 30. Juni einleiten. Am vergangenen Freitag hatte das Vorhaben den Bundesrat passiert.

      Der Bund hat angekündigt, den Immobilienfinanzierer möglichst schnell übernehmen zu wollen, um so Finanzierungsvorteile als bundeseigenes Unternehmen nutzen zu können. Seit Wochen ist von einem weiteren kurzfristigen Kapitalbedarf der HRE in Milliardenhöhe die Rede.

      Wegen der prekären Lage der Bank besteht Zeitdruck, da eine Insolvenz unabsehbare Folgen haben könnte. Köhler hatte bereits in seiner "Berliner Rede" am 24. März die besondere Verantwortung des Staates betont. Auch vorübergehende staatliche Beteiligungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Der Schutz des Privateigentums werde dadurch nicht berührt, hatte Köhler Kritikern entgegengehalten.

      Das Bundesfinanzministerium geht von einem Übernahmeangebot für die Hypo RealEstate (HRE) nicht vor Donnerstag aus. „Nach Bekanntgabe des Gesetzes können wir handeln“, sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das Gesetz werde voraussichtlich nicht vor Donnerstag in Kraft treten. Der Preis an die Aktionäre ist nach seinen Angaben offen.

      Die Finanzbranche wartet seit einem halben Jahr auf eine Rettung der schwer angeschlagenen Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) durch die Politik.

      Und beinahe genauso lange haben sich die Volksvertreter um Art und Ausmaß der Hilfsaktion gestritten. Von einer Insolvenz über eine "geordnete Abwicklung" bis zur Teil- und Vollverstaatlichung wurde seit der Beinah-Pleite der Großbank Ende September alles diskutiert.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/koehler-…
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      schrieb am 07.04.09 18:36:11
      Beitrag Nr. 3.053 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.394 von Maraho am 07.04.09 13:54:39In Bezug.

      Konjunktur
      Europa beschleunigt Talfahrt

      Die Aussichten für die europäische Wirtschaft werden schlechter, urteilt unter anderem das Münchener Ifo-Institut. Vor allem der Privatkonsum werde abnehmen. Immerhin, die Gefahr einer Deflation sehen die Experten nicht.


      München - Die Talfahrt der Wirtschaft in der Eurozone hat sich nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern aus Deutschland, Frankreich und Italien zum Jahresstart beschleunigt. "Die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben trotz der Umsetzung der staatlichen Konjunkturpakete düster", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Konjunkturprognose des Münchener Ifo-Instituts, der französischen Statistikbehörde Insee und des italienischen Wirtschaftsforschungsinstituts ISAE.

      Die Eurozone befinde sich in einer schweren Rezession. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone werde sich im ersten Quartal auf 1,9 Prozent beschleunigen, ehe die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,6 Prozent und im dritten Quartal um 0,2 Prozent sinke. Im vierten Quartal 2008 war es ein Minus von 1,6 Prozent.

      Der private Konsum werde abnehmen, insbesondere da sich die Entwicklung der real verfügbaren Einkommen spürbar verschlechtern dürfte, heißt es in der Studie. Auch die Investitionen dürften nach ihrem Einbruch gegen Ende des Jahres 2008 weiter kräftig fallen. Zum einen bleibe die Lage auf den Finanzmärkten unverändert angespannt; zum anderen dürfte die Unterauslastung der Kapazitäten stark belastend wirken.

      Die Inflationsrate werde unter der Annahme, dass der Ölpreis um 45 Dollar schwanke und sich der Wechselkurs bei 1,35 Dollar je Euro stabilisiere, im Juni und September 2009 bei je minus 0,2 Prozent liegen. Doch die Gefahr einer Deflation bestehe momentan nicht, da die Kerninflationsrate deutlich positiv bleibe.

      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 18:48:39
      Beitrag Nr. 3.054 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.922.526 von Maraho am 05.04.09 17:30:10Noch etwas dazu ...
      Die einzelnen Zitate findet ihr unter unten aufgeführtem Link.


      FEHLPROGNOSEN ZUR FINANZKRISE
      Wird schon gutgehen!
      Von Anselm Waldermann

      Politiker, Ökonomen, Wirtschaftsbosse - fast alle haben die Finanzkrise dramatisch unterschätzt. Ein Blick auf Prognosen vor einem Jahr macht klar: Viele Experten ignorierten Warnsignale. Doch einige waren wahre Propheten. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer falsch lag und wer richtig.


      Hamburg - "Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen." Mit dieser Plattitüde versuchen Experten gerne, unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen. Dabei kann man den Spieß auch umdrehen. Denn wirklich interessant werden Prognosen erst, wenn sie die Vergangenheit betreffen - wenn sie alt sind und sich mit der Wirklichkeit abgleichen lassen. Wer sich die Mühe macht, gewinnt erstaunliche Erkenntnisse.

      SPIEGEL ONLINE hat deshalb Zitate gesammelt, die ziemlich genau ein Jahr alt sind. Politiker, Ökonomen, Unternehmenschefs - sie alle haben sich im Frühjahr 2008 zur Finanzkrise geäußert. Nur wenige sahen das Ausmaß der Verwerfungen richtig voraus. Viele schätzten die Lage katastrophal falsch ein:

      Zugegeben - hinterher ist man immer schlauer. Der Abgleich alter Zitate mit der heutigen Wirklichkeit ist daher ein wenig gemein. Und im Zweifel gilt immer noch der Ausspruch Konrad Adenauers: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?"

      Allerdings: Im Frühjahr 2008 hätte man schon darauf kommen können, dass das Problem größer ist als immer wieder behauptet. Der US-Immobilienmarkt war eingebrochen, die Probleme mit verbrieften Krediten waren bekannt, zahlreiche Banken waren bereits im Abwärtsstrudel - allein in Deutschland kämpften die IKB und die Sachsen LB ums Überleben.

      Im März 2008 kam es dann besonders dicke: Die US-Bank Bear Stearns schrammte knapp an der Insolvenz vorbei, nur durch einen Notverkauf konnte das Institut gerettet werden. Die Aktienmärkte stürzten ab, an der Wall Street machte sich Panik breit. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis das Mega-Desaster von der Finanzbranche auf die Industrie überspringen würde - und damit auf die gesamte Realwirtschaft.

      Einzelne Experten sahen genau das voraus, doch sie wurden nicht gehört. Das Gros der Politiker machte auf Optimismus, der damalige US-Präsident George W. Bush ("Wir haben die Situation im Griff") ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel ("Die Aussichten für den Haushalt 2008 sind hervorragend"). Henry Paulson, damals US-Finanzminister, redete die Krise regelrecht klein: Finanzmarktturbulenzen kämen "alle fünf bis zehn Jahre" vor.

      Auch angesehene Ökonomen wollten nicht wahrhaben, was da auf die Welt zurollte. "Ich rechne in diesem Jahr mit keinen gravierenden Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur", sagte Bert Rürup, der damalige Chef der Wirtschaftsweisen, im März 2008. Wenige Monate später wurde er eines besseren belehrt: Die deutsche Wirtschaft rutschte in die Rezession. Notenbanker wie Jean-Claude Trichet von der Europäischen Zentralbank oder Ben Bernanke von der US-Fed lagen ebenfalls daneben. Trichet erklärte im Frühjahr 2008, die Finanzinstitute im Euro-Raum seien "in robuster Verfassung" - wenig später mussten die Regierungen riesige Milliardenbeträge in die Hand nehmen, um Banken zu retten.

      Bernanke sagte voraus, bei den großen US-Instituten werde es "wohl keine ernsthaften Probleme geben". Tatsächlich konnten selbst Giganten wie die Citigroup oder die Bank of America nur mit Hilfe von Staatsgeld überleben.

      Immerhin: Einige Experten stellen sich im Rückblick als wahre Propheten heraus (siehe Fotostrecke). Sie haben das Ausmaß der Krise rechtzeitig erkannt - und entsprechend deutlich gewarnt. "Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Märkte", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im März 2008 mit Blick auf die USA. Allerdings muss man einschränkend dazu sagen: Sein Institut hatte auch schon das Ende der Finanzkrise ausgerufen - eine krasse Fehleinschätzung.

      Besser lag da schon Spekulanten-Legende George Soros, er sprach vor einem Jahr von der "schlimmsten Finanzkrise der Nachkriegszeit", ebenso der Ex-Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan. Besonders drastisch formulierte es Star-Investor Warren Buffett: "Erst wenn das Wasser zurückgeht, sieht man, wer nackt geschwommen ist. Der Anblick einiger unserer größten Finanzinstitute wird widerlich sein."

      Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,617763,00.html …
      11 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 19:02:59
      Beitrag Nr. 3.055 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.905.389 von Maraho am 02.04.09 13:06:04Der "Spiegel" kocht diesen Text nochmals auf ...


      PREKARIAT-STUDIE
      Wieso die kleinen Leute verbittert sind
      Von Franz Walter

      Wirtschaftskrise, Politikverdruss, Misstrauen gegenüber der Demokratie: Im unteren Drittel der Gesellschaft nistet sich ein tiefer Pessimismus ein, zeigt eine neue Sozialstudie. Die Älteren sind verbittert, Jüngere ergreift Hass und Fatalismus - vor allem Männer sehen sich im Stolz getroffen.


      Als sich vor drei Jahren die wirtschaftliche Lage zu bessern schien, da leistete sich die deutsche Gesellschaft auch den Blick auf die Verlierer der vergangenen drei Jahrzehnte. Selbst einen prätentiös klingenden Gattungsbegriff fand man für diese Gruppe: "Prekariat".

      In dem Moment jedoch, da die ersten dunklen Wolken am Konjunkturhimmel aufzogen, geriet das Prekariat wieder aus dem Visier der nun selbst ängstlich gewordenen Mitte der Republik. Daher haben sich kürzlich Göttinger Politologen und Heidelberger Lebensweltforscher neuerlich in die Prekariatszonen der deutschen Gesellschaft begeben.

      Es existiert im unteren Drittel der Gesellschaft die Vorstellung von einer "an sich richtigen" Politik, von generell unzweifelhaften Lösungen gesellschaftlicher Probleme - und dadurch auch von dem einen unstrittig richtigen Lösungsweg.

      Daher bleibt ihnen unverständlich, warum in der Politik dieser Weg nicht unverzüglich und zielstrebig beschritten wird, warum alles so lange dauert, vor allem: warum die Parteien überhaupt ständig streiten.

      Konflikte sind in dieser Perspektive - die auch und gerade in der gesellschaftlichen Mitte zu finden ist - nicht Ausdruck verschiedener Interessen und legitimer unterschiedlicher Sichtweisen. Sondern Profilgehabe, Deformation einer politischen Klasse, der es gut geht und die sich schon deshalb keine Gedanken darüber machen muss, welche Folgen ihre in die Länge gezogenen Querelen für den Rest des Volkes haben.

      Hauptsächlich bei den älteren Zugehörigen der unteren Schichten herrscht ein (auch in anderen Fragen immer wieder durchschimmerndes) Streben nach Harmonie: "Alle Parteien an einen Tisch" - das trifft die Projektion dieser Menschen wohl am besten.

      Geld ist ein zentrales Thema in den unteren Schichten. Denn in der Regel reicht es nicht oder kaum. Und die Sorge, dass der Lohn oder die Rente, die man derzeit noch bekommt, bald gemindert werden oder gar wegfallen könnte, ist durch die aktuelle ökonomische Krise übermächtig. Das führt zu einer massiven Einigelung in das unmittelbare Lebensumfeld - bei erheblichen Aggressionen gegen "die Ausländer".

      Ältere Frauen aus der Unterschicht mit altbundesdeutscher Biografie äußern sich außerdem denkbar erregt über Rentnerinnen aus der ehemaligen DDR, die eine weit höhere Altersversorgung genießen: "Die konnten ihre Kinder damals bei Honecker ja einfach wegeben." Es ist bemerkenswert, welch immense Aggression hier schwelt.

      Von der Politik erhofft man sich nichts mehr

      In dieser Lebenswelt sind konstruktive Ideen, wie man es politisch oder gesellschaftlich denn anders machen könnte, kaum bis gar nicht vorhanden. Von der Politik erhofft man sich mittlerweile überwiegend nichts mehr.

      Es kann auch kein Ansehenszuwachs der Politik durch die Diskreditierung von Wirtschaftsführern und Bankern während der vergangenen Monate zu verzeichnet werden. Sie alle, Unternehmer, Politiker und Medienmenschen, gelten als ein miteinander verbandelter Haufen, der sich gegen "die da unten", den "kleinen Mann" oder "die kleine Frau", unheilvoll verschworen hat.

      Konspirationsvermutungen solcher Art zirkulieren in der Vorstellungswelt der unteren Schichten in einem opulenten Ausmaß. Dass Deutschland noch eine "wirkliche Demokratie" ist, glauben die meisten dort jedenfalls nicht mehr.

      Immer wieder dokumentieren die "Prekarisierten" ihre Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit. Selbst die wenigen Freuden, die ihnen geblieben waren, insbesondere das Rauchen, wurde ihnen von denen, die überall das Sagen haben, durch Verbote genommen. Bemerkenswert ist, dass sie sich an die Zeit vor zehn oder fünfzehn Jahren als noch "normal" erinnern. Seither aber sind geradezu pausenlos Unsicherheiten, Zumutungen, Bedrohungen über sie hereingebrochen. Es ist signifikant die Zeit sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung, in der sie sich mehr denn je zuvor abgewertet, bedrängt, ja bedroht fühlen.

      "Das darf doch nicht sein"

      Allerdings sind Generationsdifferenzen erkennbar. Diejenigen, die seit den sechziger Jahren geboren wurden, lassen ihrer Wut ungezügelt freien Lauf. Diejenigen hingegen, die zumindest als Kinder noch Krieg, Vertreibung und unmittelbare Nachkriegszeit erlebt haben, treten besonnener auf, wirken dem Staat und der Demokratie nach wie vor positiver zugewandt.

      Doch sind viele Ältere bitter darüber, dass sie trotz eines seinerzeit soliden Schulabschlusses, trotz oft auch ordentlich absolvierter Lehre und dann jahrzehntelanger harter Arbeit nun eine lediglich marginale, fragile Stellung in der Gesellschaft zugewiesen bekommen haben. Dass es zutiefst ungerecht ist, im letzten Fünftel des Lebens nach vielen beschwerlichen Jahren der Kindererziehung und der oft körperlich anstrengenden Erwerbsarbeit nun von "jungen Schnöseln" als überflüssige Vergangenheitslasten verworfen zu werden, das deprimiert sie zutiefst.

      Das oft leise vorgetragene Satzfragment dafür lautet: "Das darf doch nicht sein." Dieser Legitimitätskern von hart erbrachten Erwerbsleistungen fehlt den meisten jüngeren Zugehörigen dieser Schicht. Deshalb kommen bei ihnen Resignation, sarkastischer Fatalismus oder auch ziellos wirkende Hasstiraden weitaus häufiger vor, ebenso eine massive Krise der Männlichkeit. Alles, was einst den "starken Mann" ausgemacht hat, ist in der gesellschaftlichen Bedeutung während der vergangenen Jahre geschrumpft: das Manuelle, die kesse Lippe, Sexprotzereien, die Kraft der Faust, die vitale körperliche Unmittelbarkeit.

      Stattdessen wird nun wertgeschätzt: Wissen, Bildung, Kultur, Sprachfähigkeit, körperlose Interaktivität. Das Gros der politischen und interpretierenden Klasse steht dafür, verkörpert und postuliert also all das, was das Selbstwertgefühl des männlichen Teils der unteren Schichten täglich in Frage stellt.

      Noch herrscht dort die Stimmung vor, es gerade so schaffen zu können. Doch wächst die Furcht, dass bald "gar nichts mehr geht". Und alle ahnen, dass sie dann den oft langen Rest ihres Lebens nicht mehr aus der Aussichtslosigkeit herauskommen.

      Dennoch findet man keine Bereitschaft, auch keine organisatorische oder ideelle Grundlage zur Gegenwehr. Dafür ist der Fatalismus dominant ("es hat keinen Sinn, sich aufzuregen", "man kann eh nichts machen"). Die kleinteilige Binnenperspektive überwiegt: Man grübelt nicht über die Umwelt, erregt sich nicht einmal über die Finanzkrise, hofft erst recht nicht auf Chancen durch Bildung, glaubt auch nicht an die segensreiche Wirkung von Konjunkturprogrammen. Im Gegenteil: Darin sehen sie ein weiteres raffiniertes Manöver von Politikern und Wirtschaftsbossen, sich selbst die Taschen zu füllen.

      Jauch als Wunschfigur für die politische Arena

      Politiker sind für etliche von ihnen schlicht "Drecksäue". Als personelle Alternative kann man sich dafür TV-Moderator Günther Jauch vorstellen; der sei "seriös", "hört zu", "gibt einem immer eine Chance". Jauch als Kandidat in einer plebiszitären Demokratie hätte allerbeste Chancen. Denn auch in der Mitte der Gesellschaft wird er gern als Wunschfigur für die politische Arena genannt.

      Wie ein roter Faden durch all die Frustrationen und Erbostheiten im unteren Segment der Gesellschaft zieht sich das Gefühl, überhaupt nicht mehr zu überblicken, wohin das alles führen mag, ob das, was jetzt noch gilt oder zugesagt wird, auch morgen Bestand hat. Die Vermehrung von Komplexität ist bekanntlich ein Signum der Moderne. Sie macht auch anderen Milieus zu schaffen - die aber durch ihr kulturelles Kapital über Methoden und soziale Verhaltensweisen verfügen, um die Problemvielfalt im Alltag handhabbar zu machen.

      Diese Fähigkeiten fehlen den meisten Zugehörigen der niedriger angesiedelten Milieus. Daher sind für diese Milieus im Prinzip Institutionen oder Personen, die Maßstäbe von längerer Gültigkeitsdauer begründen und Ziele weisen können, elementar wichtig.

      Dass die Politik diese Repräsentanz- und Orientierungsfunktion nicht mehr verlässlich ausfüllt, ist sicher konstitutiv für das Beziehungsdesaster zwischen dem "politischen Oben" und dem "sozialen Unten". Dieses Defizit muss sich nicht zuletzt die politische Linke zurechnen.

      Einst hatte sie Begriffe, Erklärungen und Erzählungen zur analytischen Beschreibung der Gegenwart und zur Skizzierung der Zukunft. Die Linke deutete dadurch den unteren Schichten die Lebensrealität, kollektivierte die sonst vereinzelten Individuen durch einleuchtende Narrative, bindende Organisationen und sinnstiftende Alltagskulturen.

      Die Sozialdemokraten des Franz Müntefering haben von alledem nichts mehr. Und auch die Partei, die sich Die Linke nennt, fällt in der Krise 2009 durch Sprachlosigkeit, Interpretationsunfähigkeit und Mobilisierungsschwäche auf.

      Das Prekariat in Deutschland ist sozial und kulturell verwaist - und in dieser Beziehung buchstäblich obdachlos.

      Quelle und weiteres: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,617625,0…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 19:27:18
      Beitrag Nr. 3.056 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.910.188 von Maraho am 02.04.09 21:23:54In Bezug.
      So schnell kann es gehen ...


      Steueroasen: OECD streicht alle Länder von Schwarzer Liste

      Die Schwarze Liste der OECD mit Steueroasen existiert nicht mehr: Nur fünf Tage nach Veröffentlichung der Liste haben sich die dort aufgeführten Staaten verpflichtet, die internationalen Standards zur Verhinderung von Steuerbetrug umzusetzen. Die OECD spricht von einem "sehr wichtigen Fortschritt".


      Die vier von der OECD als Steueroasen auf ihrer Schwarzen Liste geführten Staaten haben sich verpflichtet, in Zukunft die Standards zum Informationsaustausch zu erfüllen. Damit gibt es keinen Staat mehr auf der Liste der Länder, die nicht international mit den Steuerfahndern kooperieren. "Die Liste existiert nicht mehr", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría in Paris. "Dies ist ein sehr wichtiger Fortschritt." Bei den Staaten handelte es sich um Costa Rica, Malaysia, die Philippinen und Uruguay.

      Die OECD hatte die vier Länder vor fünf Tagen nach Abschluss des G20-Gipfels auf die Schwarze Liste gesetzt. Eine abschließende Liste der "Steuerparadiese" war das allerdings nicht. Die OECD nannte zudem 38 Staaten und Gebiete, die eine Umsetzung der international vereinbarten Regeln zwar zugesagt, aber noch nicht ausreichend vollzogen haben. Auf dieser "Grauen Liste" stehen die Alpenländer, Luxemburg, die Niederländischen Antillen und die Britischen Jungferninseln sowie San Marino.

      40 Staaten und Gebieten wird eine weiße Weste bescheinigt, darunter Deutschland, den USA, Russland und China, aber auch die oft als Steuerparadiese angeprangerten Gebiete wie die Isle of Man, Guernsey oder die amerikanischen Jungferninseln.

      Einige Finanzzentren hatten in den letzten Wochen vor dem G20-Gipfel schnell noch die Einhaltung der Regeln zugesagt. Sie standen daher nicht auf der Schwarzen Liste, obwohl sie noch kein einziges Abkommen mit irgendeinem Land über den Austausch von Finanzdaten für die Steuerfahndung geschlossen hatten. Darunter sind Österreich, die Schweiz, Luxemburg und Andorra. Andere wie Monaco, Liechtenstein und Belgien haben bisher mit nur einem einzigen Staat einen Austausch von steuerrelevanten Informationen vereinbart.

      Die internationalen Standards waren von den Finanzministern der G20 bereits 2004 in Berlin vereinbart und vom UN-Steuerausschuss 2008 übernommen worden. Sie garantieren das Bankgeheimnis weiter gegen willkürliche Anfragen der Steuerbehörden. Bei konkretem Verdacht von Steuervergehen werden die Staaten jedoch verpflichtet, sich gegenseitig Auskunft zu geben.

      Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/maerkte/:Steu…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 19:35:09
      Beitrag Nr. 3.057 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.876.457 von Maraho am 30.03.09 05:56:25In Bezug.

      General Motors
      Letzte Vorbereitungen für die Insolvenz

      "Intensiv und ersthaft" bereitet sich der US-Autobauer GM auf eine Insolvenz vor. Danach soll der Konzern in zwei Teile aufgespalten werden.


      Die angeschlagene Opel-Mutter General Motors trifft Kreisen zufolge Vorbereitungen für eine mögliche Insolvenz. Die Vorbereitungen seien "intensiv und ernsthaft", sagte eine mit der Sache vertraute Person. Eine andere Person mit Kenntnis von den Gesprächen sagte, ein Plan zur Aufspaltung des Konzerns in ein "neues Unternehmen" bestehend aus den erfolgreicheren Sparten und ein "altes Unternehmen" mit den weniger profitablen Geschäftsbereichen gewinne an Fahrt. Die Idee werde als die beste Konzernstruktur für die Zukunft angesehen.

      GM-Aktien gaben mehr als sieben Prozent nach. Nach den Worten von GM-Chef Fritz Henderson bevorzugt der Konzern eine außergerichtliche Restrukturierung, schließt aber im Notfall auch eine Insolvenz nicht aus. GM wollte sich nicht weiter zu der Sache äußern.

      Investor - dringend gesucht

      Die US-Regierung hatte die Restrukturierungspläne von GM und Chrysler mitsamt deren Bitte um weitere etwa 22 Milliarden Dollar Staatshilfen jüngst als unzureichend zurückgewiesen. Sie hatte GM 60 Tage Zeit gegeben, ein neues Sanierungskonzept vorzustellen. Indes sucht Opel dringend einen Investor, um sich von der ums Überleben ringenden US-Mutter teilweise zu lösen.

      Die deutsche Tochter Opel bereitet sich nach Angaben des zuständigen Amtsgerichts in Darmstadt nicht auf eine Insolvenz vor. "Ich habe davon keine Kenntnis", sagte ein Sprecher. Ein Opel-Sprecher sagte, eine Insolvenz der Mutter GM würde nicht automatisch auch eine Insolvenz von Opel nach sich ziehen. Beide Unternehmen seien rechtlich eigenständige Einheiten. "Opel ist liquide", sagte der Sprecher.

      Der Rüsselsheimer Autobauer hatte schon im November milliardenschwere Staatshilfen beantragt, um bei einer möglichen Insolvenz der angeschlagenen Mutter auf eigenen Beinen stehen zu können. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Opel Bürgschaften zugesagt, diese aber an das Engagement eines Investors geknüpft, den Opel derzeit sucht.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra3m1/wirtschaft/840/464440…
      2 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 19:46:13
      Beitrag Nr. 3.058 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.922.490 von Maraho am 05.04.09 17:13:08Weiteres zu/aus Polen.
      Da kann man nur sagen: Dumm gelaufen!


      «Die Opfer des Schweizer Frankens»
      Von Claudio Habicht.

      Jahrelang setzten die Polen auf Kredite in Franken. Seit Ende 2008 hat die polnische Währung jedoch massiv an Wert verloren, was die Darlehen enorm verteuert. Nun fürchten Tausende Wohnungsbesitzer, Pleite zu gehen.


      Der Journalist Igor T. Miecik bringt die Stimmung vieler Polen auf den Punkt: «Seit eineinhalb Jahren habe ich ein neues Morgenritual: Kaffee, Börsenkurse, Kurs des Schweizer Frankens, Wirtschaftkolumnen in der Zeitung.» Miecik ist nicht der Einzige, der sich täglich über die Wirtschaftslage informiert – und den Frankenkurs konsultiert.

      Hunderttausende Frankenkredite

      Über eine halbe Million Polen haben einen Kredit in Schweizer Franken aufgenommen; oft für den Kauf einer Wohnung, wie es in Polen üblich ist. In letzten Jahr gaben die polnischen Banken einen Grossteil der Fremdwährungskredite – immerhin 80 Prozent sämtlicher Darlehen – in Franken aus. Grund: Die Zinsen waren nur halb so hoch wie bei Krediten in polnischer Währung.

      Doch Ende 2008 stürzte die polnische Währung ab, der Franken wurde immer stärker: Musste man Mitte des letzten Jahres knapp 2 Zloty für 1 Franken zahlen, sind es heute 3 Zloty – am 18. Februar waren es sogar rekordhohe 3,3 Zloty. Viele Polen können nun ihre Raten kaum mehr bezahlen und fürchten, Pleite zu gehen. «Wenn der Franken über 3 Zloty bleibt, verlieren wir die Wohnung. Die Kinder sprechen über den Kroatien-Urlaub, den ich ihnen versprochen habe. Sie wissen noch nicht, dass wir nirgendwohin gehen werden», schreibt Miecik in der polnischen Ausgabe von «Newsweek». Titel des Artikels: «Die Opfer des Schweizer Frankens».

      «Uns fehlt das Geld»

      Auch das Magazin «Przeglad» widmete den Franken-Opfern kürzlich die Titelgeschichte. Im Artikel kommen mehrere Kreditnehmer zu Wort – unter anderem Michal Sapiejewski, der in seiner leeren Neubauwohnung in der Hauptstadt Warschau sitzt. «Wir haben die Arbeiten in der Wohnung gestoppt, uns fehlt das Geld». Von seinem Bankberater sei er nicht auf die Gefahren von Fremdwährungskrediten aufmerksam gemacht worden. «Es gab keinerlei Warnungen, dass der Franken so stark werden könnte.» Gleich ergeht es Marek Dmochowski: «Ich habe mich für Franken entschieden, weil der Wohnungskredit in dieser Währung am günstigsten war.»

      Dmochowski hat für seine Wohnung einen Kredit mit einer Laufzeit von 40 Jahren aufgenommen. Eigentlich wollte er sie nach einiger Zeit gewinnbringend verkaufen, den Kredit abzahlen und eine grössere Wohnung kaufen. Lange ging das gut, da die Wohnungspreise in den polnischen Städten wegen der grossen Nachfrage stets stiegen. Jetzt fürchtet er aber, er werde den Kredit nie zurückzahlen können und auf der Wohnung sitzen bleiben.

      «Die Siedlung Schweizer Franken»

      In einigen Gegenden sind ganze Neubau-Siedlungen mit Schweizer Franken finanziert: Die grösste polnische Tageszeitung, die «Gazeta Wyborcza», druckte unlängst einen Artikel mit dem Titel «Die Siedlung Schweizer Franken». Piotr Burgs, der in einer dieser Siedlungen im Warschauer Stadtteil Bialoleka lebt, würde keinen Kredit mehr in Franken aufnehmen. «Ich würde auf ein Zloty-Darlehen setzen.»

      Dass günstige Kredite in Schweizer Franken ein Risiko bergen, war allerdings nicht unbekannt. Jakub Staszewski, der in der westpolnischen Stadt Poznan zusammen mit seiner Frau eine Wohnung gekauft hat und nun jeden Rappen umdrehen muss, bestätigt dies: «Der Berater der Bank hat mir gesagt, es gebe Risiken, dass der Zloty schwächer und der Franken stärker werden könne. Wir haben den Kredit trotzdem genommen», sagt er in «10 vor 10» im Schweizer Fernsehen.

      Es besteht Hoffnung

      Für die Zehntausenden «Opfer des Schweizer Frankens» besteht jedoch ein Funken Hoffnung: Seit einigen Wochen erholt sich der Zloty; zudem senkte die Schweizer Nationalbank ihre Leitzinsen auf 0,25 Prozent, was den Wechselkurs weiter stabilisierte. Ausserdem musste die Nationalbank Milliarden an polnische Finanzhäuser geben, damit sie wegen der Verteuerung ihre Kredite decken können.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Opf…
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 19:54:32
      Beitrag Nr. 3.059 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.748.352 von Maraho am 11.03.09 19:33:55Etwas zu Lettland ...

      Lettland erklärt möglicherweise bereits im Sommer Staatsbankrott

      RIGA, 07. April (RIA Novosti). Lettland kann bereits in diesem Juli den Staatsbankrott anmelden. Das sagte Miroslaw Mitrofanow vom Finanzausschuss des lettischen Parlaments am Dienstag in Riga.

      „Das Geld in unserer Staatskasse reicht bis Juli. Wenn der IWF und die EU-Kommission bis dahin keine neue Finanzhilfe bereitstellen, geht unser Land bankrott“, sagte Mitrowanow. Wenn das passieren würde, könnte Lettland bereits im Herbst von Volksunruhen erschüttert werden. „Sobald die Menschen die ersten Rechnungen für die Heizungskosten bekommen, bricht ein Chaos aus.“

      „Ich schließe nicht aus, dass das Volk die Regierung mit Gewalt dazu zwingen wird, Russland und andere Staaten im Osten um Hilfe zu ersuchen“, sagte der Abgeordnete.

      Zuvor hatte die lettische Zeitung „Telegraph“ berichtet, dass der Internationale Währungsfonds (IWF), der dem baltischen Staat einen Stabilisierungskredit in Höhe von 1,7 Milliarden Euro zugesagt hat, diese Entscheidung annullieren könne. Dem Blatt zufolge ist der IWF äußerst unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der lettischen Regierung. Der lettische Finanzminister Einars Ripse sagte am Dienstag, dass das Geld für die Renten und Unterstützungsgelder in ein paar Monaten zu Ende sei.

      Lettland ist von allen EU-Staaten am schwersten von der Weltfinanzkrise betroffen. Im vierten Quartal vergangenen Jahres war das Bruttoinlandsprodukt des baltischen Staates um 10,5 Prozent gefallen. Zahlreiche Unternehmen meldeten Bankrott an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes wird in diesem Jahr laut Prognose des Finanzministeriums um mindestens 13 Prozent zurückgehen.

      Vor diesem Hintergrund gingen tausende Letten im Januar auf die Straße, um die Entlassung der Regierung und die Auflösung des Parlaments (Sejm) zu fordern. In der Hauptstadt Riga endeten die Demonstrationen mit Straßenschlachten.

      Quelle: http://de.rian.ru/postsowjetischen/20090407/120967259.ht…
      70 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 20:26:34
      Beitrag Nr. 3.060 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.936.594 von Maraho am 07.04.09 19:54:32Wo ziehst Du das Alles nur aus der Tasche....:confused:

      Aber wirklich gut!:)
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 20:33:44
      Beitrag Nr. 3.061 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.936.821 von Dorfrichter am 07.04.09 20:26:34Guten Abend Dorfrichter,

      es ist das weltweite Netz! Und mit ein wenig Interesse sowie Phantasie stößt man dort oft auf erstaunliche Dinge ... ;)

      Dir einen schönen Abend.
      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 20:44:34
      Beitrag Nr. 3.062 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.443.745 von Maraho am 25.01.09 08:17:52Nachschlag.
      Hier etwas zur Ukraine ...
      ... dem neuen Indonesien (Paul Krugman).


      Ukraine druckt Geld zum Bezahlen von Gaslieferungen aus Russland

      KIEW, 07. April (RIA Novosti). Seit dem Machtantritt der "Orangen" gibt es in der Ukraine laut der Parlamentsabgeordneten Inna Bogoslowskaja faktisch keinen Gasmarkt mehr. Zur Bezahlung der Gaslieferungen wird Geld gedruckt.

      Bogoslowskaja, Fraktionsmitglied der oppositionellen Partei der Regionen, hatte früher die Parlamentskommission zur Untersuchung des ukrainisch-russischen Gaskonfliktes geleitet.

      "Besonders nach dem Machtantritt der jetzigen Administration, nach dem Jahr 2004, wurde faktisch das gesamte Gastransportnetz - das Verteilungs- und das Verbrauchssystem - auf willkürliches Management umgestellt. Wir wissen nun genau, dass die Zahlungen für das gelieferte Gas Ende 2008 durch eine Geldemission der Nationalbank, die über eine Erhöhung der Grundfonds der größten ukrainischen Staatsbanken "Ukreximbank" und "Sberbank" erfolgten, geleistet wurden.

      Es handelt sich also nicht um Geld, das von Naftogas als einer Wirtschaftsstruktur und Aktiengesellschaft erwirtschaftet wurde, sondern um Geld, das im Land für die Bezahlung der Gaslieferungen gedruckt wurde", sagte die Abgeordnete am Dienstag auf einer Rundtisch-Konferenz in der ukrainischen Vertretung von RIA Novosti.

      Laut der Abgeordneten hatte sich bereits im März dieses Jahres eine ähnliche Situation herausgebildet.

      Dies zeuge von einer ernsthaften Krankheit des ukrainischen Öl- und Gaskomplexes als System, so Bogoslowskaja.

      Nach ihren Worten das Fehlen des Gasmarktes und die staatlichen Interventionen schaffen immense Wirtschaftsprobleme für das Land, legen ein ernsthaftes Fundament für die Destabilisierung der Beziehungen im ukrainischen Gasbereich und stellen somit die Einhaltung der Gasabkommen in Frage.

      Quelle: http://de.rian.ru/business/20090407/120963502.html …
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      schrieb am 07.04.09 20:53:19
      Beitrag Nr. 3.063 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.670.701 von Maraho am 27.02.09 19:34:58Die RBS ...

      Finanzkrise
      RBS will abermals 9000 Stellen abbauen

      07. April 2009 Die weitgehend verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) will in den kommenden zwei Jahren weitere 9000 Stellen abbauen. Beratungen mit den Gewerkschaften hätten bereits begonnen, teilte die Bank am Dienstag mit. Die Hälfte der Jobs soll in Großbritannien wegfallen. Weltweit beschäftigt RBS knapp 180.000 Menschen. Wegen der Finanzkrise war die RBS in eine extreme Schieflage geraten und hatte im vergangenen Jahr mit 24,1 Milliarden Pfund (26,6 Mrd Euro) den größten Verlust in der britischen Wirtschaftsgeschichte verzeichnet.

      Seit Beginn der Krise hat RBS damit den Wegfall von 15.000 Stellen angekündigt Die RBS will in den kommenden zwei Jahren bis zu 2,5 Milliarden Pfund einsparen. Von den Stellenkürzungen sollen vor allem Sparten ohne Kundenkontakt betroffen sein, wie etwa in der Technik oder der Verwaltung. Gewerkschaften reagierten empört. „Diese Leute trifft keine Schuld an der RBS-Situation, aber nun müssen sie für die Fehler an den Spitze der Bank bezahlen“, sagte Gewerkschafter Rob MacGregor.

      Die Bank steht in den kommenden Jahren vor starken Umwälzungen. Ende Februar hatte Bankchef Stephen Hester angekündigt, RBS mit einer Konzentration auf das Kerngeschäft wieder in die Gewinnzone führen zu wollen. Dazu will er risikoreiche und verlustbringende Geschäftsfelder zunächst bankenintern ausgliedern und später verkaufen.

      Die Bank war im Strudel der Finanzkrise ins Schlingern geraten, auch weil 2007 Teile der niederländischen Bank ABN Amro übernommen worden waren. Der Staat musste mit Finanzspritzen in Höhe von 20 Milliarden Pfund die taumelnde Bank vor den Kollaps retten und hält dadurch nun Anteile von fast 70 Prozent. Zudem beteiligt sich RBS an einem staatlichen Rettungspaket, mit dem faule Wertpapiere im Volumen von 325 Milliarden Pfund mit Steuermitteln gegen Zahlungsausfall versichert werden.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266…
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      schrieb am 07.04.09 20:59:29
      Beitrag Nr. 3.064 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.887.697 von Maraho am 31.03.09 14:04:23Ein Land im Abwrackwahn ...

      Schluss mit Subvention
      Abwrackprämie bis maximal fünf Milliarden Euro


      Die Bundesregierung will die Abwrackprämie von 2500 Euro bis zu einem Gesamtvolumen von maximal fünf Milliarden Euro auszahlen. Spätestens Ende des Jahres soll aber Schluss mit dieser staatlichen Subvention zur Ankurbelung des Auto-Absatzes sein. Damit kann der Kauf von insgesamt zwei Millionen Autos gefördert werden. Darauf verständigte sich eine Ministerrunde unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend in Berlin, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm bestätigte. Das Kabinett will an diesem Mittwoch darüber entscheiden.

      Bisher gingen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) den Angaben zufolge 1,2 Millionen Anträge ein, was einem Gesamtvolumen der staatlichen Prämie von 3 Milliarden Euro entspricht. Fünf Milliarden bedeuten also, dass weiter 800.000 Anträge gestellt werden können.

      Wilhelm sagte, fünf Milliarden seien die „endgültige Obergrenze“. Die Prämie sei das erfolgreichste Instrument des Konjunkturpakets II. Zunächst waren nur 1,5 Milliarden Euro eingeplant gewesen. Ein Teil der staatlichen Subvention fließt über die 19-prozentige Mehrwertsteuer in die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden zurück.

      „Das beste Konjunkturinstrument“

      „Die Abwrackprämie ist weltweit das beste Konjunkturinstrument. Wir haben die Nachfrage nach Autos in einer Zeit belebt, wo praktisch überhaupt nichts los war“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Oppermann, im Deutschlandfunk. Jetzt müsse eine vernünftige Anschlussregelung her, „die verhindert, dass wir ganz plötzlich in ein Nachfrageloch fallen“.

      Saarlands Wirtschaftsminister Rippel (CDU) sprach sich für eine Ausweitung der Abwrackprämie auf Nutzfahrzeuge aus. Bei den Fahrzeugen von Handwerksbetrieben etwa bestehe erheblicher Erneuerungsbedarf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland forderte die Bundesregierung auf, die Zahlung der Abwrackprämie von 2500 Euro sofort einzustellen. Nach dem Motto „Ex und Hopp“ landeten hunderttausende völlig intakte Autos in den Schrottpressen.

      Monatelanges Warten auf Auszahlung

      Autokäufer müssen möglicherweise Monate auf die Auszahlung der Abwrackprämie warten. Ziel sei die Bearbeitung von 5000 bis 6000 Anträgen am Tag, sagte ein Sprecher des dafür zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft in Eschborn. Bis Dienstag lagen dort mehr als 1,2 Millionen Reservierungen für die 2500 Euro vor.

      Damit würde allein die Auszahlung der 475.000 vollständigen Anträge noch mehr als drei Monate dauern. Seit Mitte März hat das Amt gut 70.000 Bescheide verschickt. Die Abwicklung der seit Anfang April online eingegangenen 700.000 Prämien-Reservierungen werde schneller gehen, weil die Daten nicht mehr per Hand in die Computer eingegeben werden müssten. Dabei dürfte es aber eine hohe Fehlerquote geben, weil manche Händler oder Autokäufer mehrere Anträge abschickten, um mit Sicherheit in den Genuss des Geldes zu kommen. Die bisher vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro, die für 600.000 Autos reichten, sind bereits ausgeschöpft.

      Quelle: http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44…
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      schrieb am 07.04.09 21:08:18
      Beitrag Nr. 3.065 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.461.727 von kiska am 28.01.09 07:55:31Wie schaut`s aus in Griechenland?

      Das Glück in der Krise
      Gerd Höhler

      Seine Reise zum informellen Treffen der EU-Finanzminister in Prag Ende vergangener Woche dürfte der griechische Wirtschafts- und Finanzminister Giannis Papathanassiou nicht sehr genossen haben. Denn er kommt unter wachsenden Druck seiner Kollegen, die griechischen Staatsfinanzen endlich zu konsolidieren. Vor allem Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Eurogruppe, verlangt entschlossene Maßnahmen zum Defizit- und Schuldenabbau.

      Die scheinen tatsächlich um so dringlicher, als das griechische Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr deutlich höher war als bisher angenommen: statt 3,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte es nach neuesten Berechnungen 4,4 Prozent betragen haben. Auch 2009 droht der Fehlbetrag deutlich über vier Prozent zu wachsen, wenn die Regierung nicht gegensteuert.

      Die eigentlichen Schwierigkeiten stünden erst noch bevor, orakelt Minister Papathanassiou bereits. Das Osterfest werden die Griechen zwar noch genießen können, auch der Mai könnte noch ein relativer Wonnemonat werden, aber spätestens nach der Europawahl im Juni wird Papathanassiou wohl seine Landsleute zur Kasse bitten müssen: zur Diskussion stehen eine Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuern, höhere Abgaben auf Benzin, Tabak und Alkoholika und eine Verschärfung der Steuerprogression für Besserverdiener.

      Auf der Suche nach neuen Geldquellen scheinen sich die Strategen des Finanzministeriums aber auch auf die Glücksspiel-Leidenschaft ihrer Landsleute zu besinnen. Nur die Chinesen zocken noch mehr als die Griechen, sagen Branchenkenner. In den neun staatlich konzessionierten griechischen Spielcasinos kassiert der Fiskus bereits kräftig. Aber damit ist diese Einnahmequelle keineswegs erschöpft. Die Regierung erwägt deshalb jetzt die Legalisierung der "froutakia" - so nennt man hier die Spielautomaten, die in vielen deutschen Kneipen hängen, in Griechenland aber nicht anzutreffen sind.

      2002 hatte die damalige sozialistische Regierung ein generelles Verbot von Spielautomaten beschlossen - zum Schutz der Jugend, wie es hieß. Tatsächlich dürfte auch die Überlegung eine Rolle gespielt haben, das Monopol des damals staatlich kontrollierten Lotto- und Totokonzerns Opap zu sichern. Wie auch immer, das Spielautomaten-Verbot verstößt jedenfalls gegen EU-Recht, wie der Europäische Gerichtshof in Straßburg bereits 2006 feststellte. Griechenland ignoriert das Urteil bisher. Jetzt droht dem Land deshalb eine Strafe von zwei Millionen Euro sowie ein Bußgeld von 32 000 Euro pro Tag, bis das Verbot der Spielautomaten aufgehoben wird.

      Mit einer Legalisierung der "froutakia" würde die Regierung gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sie käme um die drohenden Strafgelder herum, und Finanzminister Papathanassiou könnte seine Einnahmen aufbessern. Im Finanzministerium am Athener Syntagmaplatz reibt man sich bereits die Hände - was lässt sich da nicht alles kassieren: über eine mehrere tausend Euro teure Prüf- und Zulassungsgebühr für jeden Spielautomaten wird nachgedacht, dazu kommt eine jährlich zu entrichtende Abgabe, und natürlich werden auch die Gewinne besteuert.

      Klar: die griechische Finanzkrise wird dadurch nicht gelöst. Aber dem Finanzminister ist jeder zusätzliche Euro willkommen. Und vielleicht steigt die trübe Stimmung in der Bevölkerung ja auch etwas, wenn demnächst im Kafenion ein Spielautomat mit bunten Lichtern, Gedudel und klingender Münze für Kurzweil sorgt.

      Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/das-glueck-in-der-kri…
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      schrieb am 07.04.09 21:37:14
      Beitrag Nr. 3.066 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.905.336 von Maraho am 02.04.09 12:59:25Berlin intern
      Für Deutschland gilt Alarmstufe Rot
      Christian Ramthun

      In vertraulichen Gesprächen erklären Unternehmer der Kanzlerin, wie dramatisch die Lage ist. Bald droht ein rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Doch die Koalition agiert hilflos.


      Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich aus erster Hand über die wirtschaftliche Lage Deutschlands informieren. Am Montag vergangener Woche um 19.30 Uhr traf sie im Kanzleramt das engere Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Was die Unternehmer und Top-Manager der wichtigsten Branchen berichteten, ließ die Regierungschefin erblassen.

      Frust über die verhaltene Reaktion von Kanzlerin Merkel

      So dramatisch sei der Auftragsrückgang in den Unternehmen, musste die Kanzlerin hören, dass spätestens vom Frühsommer an „mit einer rasanten Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist“. Ein Anstieg um zwei Millionen Arbeitslose auf mehr als fünf Millionen gilt als „realistisch“. Einigkeit herrschte in der Runde, dass durch diesen unvergleichlichen Absturz heftige gesellschaftspolitische Verwerfungen zu befürchten seien und der Wirtschaft die Schuld in die Schuhe geschoben werde.

      Für Deutschland und die soziale Marktwirtschaft gilt nun Alarmstufe Rot. Auch wegen der Politik. Denn die Kanzlerin bleibt seltsam verhalten, stellten die BDI-Präsidialen frustriert fest. Wegen des Koalitionspartners SPD seien ihr die Hände gebunden, sagte Merkel und nahm matt die Vorschläge der Wirtschaftslenker zur Kenntnis. Diese forderten kein Konjunkturprogramm III. Sie warben nur für ein „Belastungsmoratorium“ und für „Reformmaßnahmen ohne Geld“.

      Gemeint sind: keine weiteren Lasten durch den Emissionshandel oder das Antidiskriminierungsgesetz und ein Aussetzen krisenverschärfender Elemente der Reform der Unternehmenssteuer. Letzteres ist inzwischen zur zentralen Forderung aller Wirtschaftsorganisationen in der Hauptstadt geworden.

      Täglich muss sich Merkels Wirtschaftsexperte im Kanzleramt, Jens Weidmann, anhören, wie sehr die eingeschränkte Verrechnung von Fremdkapitalzinsen und Verlusten mit Gewinnen sowie die substanz-angreifende Gewerbesteuer den Unternehmen die dringend benötigte Liquidität entziehen.

      Für die Unternehmen geht es jetzt nicht um Wohltaten, sondern um das blanke Überleben. Das sollte auch Merkels Koalitionspartner SPD wissen.

      Quelle: http://www.wiwo.de/politik/fuer-deutschland-gilt-alarmstufe-…
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      schrieb am 07.04.09 21:42:44
      Beitrag Nr. 3.067 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.920.606 von Maraho am 04.04.09 18:36:13Etwas hierzu ...

      Lkw-Markt
      Käufer für deutsche Lastwagen sind weg

      Die Nachfrage nach Lastwagen ist auf einen Tiefstand abgesackt. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) lagen die Bestellungen im März gleich 80 Prozent unter denen des Vorjahresmonats. Für den VDA wird es Zeit, dass die Politik handelt.

      HB FRANKFURT. Die ausländische Nachfrage nach schweren Lastwagen "Made in Germany" ist kollabiert. Im März lagen die Bestellungen um 80 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Im gesamten ersten Quartal beläuft sich das Minus auf 83 Prozent. Die Nachfrage aus dem Inland sank im März um 43 Prozent.

      Weniger stark ging die Nachfrage nach kleineren Nutzfahrzeugen bis maximal sechs Tonnen zurück. Hier konnte die Inlandsnachfrage sogar zulegen, weil private Halter beim Kauf eines Transporters die Abwrackprämie kassieren können. Der Auftragseingang für alle Nutzfahrzeuge zusammen lag um 29 Prozent unter dem Vorjahreswert.

      Angesichts der schwachen Nachfrage haben die Lastwagenhersteller ihre Produktion mehr als halbiert. Von Januar bis März wurden in den deutschen Werken 59 100 Nutzfahrzeuge hergestellt, das waren 55 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Im März alleine lag das Produktionsvolumen 52 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

      Der VDA-Präsident Matthias Wissmann forderte von der Politik Entlastungen für Hersteller, Zulieferer und Kunden aus dem Transportgewerbe. Die Nutzfahrzeugbranche stehe in diesem Jahr vor ihrer größten Herausforderung seit mehr als 60 Jahren.

      Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/kaeufer-fuer-deuts…
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      Avatar
      schrieb am 07.04.09 21:50:43
      Beitrag Nr. 3.068 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.920.492 von Maraho am 04.04.09 17:39:24Dann werden wir wohl bald noch mehr zahlen dürfen ...
      Übrigens: Der Seehofer. Heute morgen so, heute abend so ...


      Staatsfinanzen
      Steinbrück: Nicht noch ein Nachtragshaushalt

      Mit mir nicht - Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will keinen weiteren Nachtragshaushalt vorlegen, wie das Handelsblatt aus der Spitze des Finanzministeriums erfahren hat. Und damit steht Steinbrück nicht alleine da. Auch die Haushälter der Union wollen nicht wieder ein Fass aufmachen. Erst recht nicht jetzt.


      BERLIN. Trotz milliardenschwerer Zusatzbelastungen will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) dem Parlament keinen weiteren Nachtragshaushalt zur Genehmigung vorlegen. "Ein Nachtragshaushalt ist nicht sinnvoll, weil sonst viele Abgeordnete die Gelegenheit nutzen, zusätzliche Ausgaben für ein drittes Konjunkturprogramm zu fordern", erfuhr das Handelsblatt (Mittwochsausgabe) aus der Spitze des Finanzministeriums. "Dieses Fass machen wir nicht auf", bestätigte der Sprecher von Finanzminister Steinbrück dem Handelsblatt.

      Auch die Haushälter der Unionsfraktion lehnen nach Informationen des Handelsblatts aus diesen Überlegungen einen Nachtragshaushalt ab. Bereits im Januar hatte die Bundesregierung einen Nachtragshaushalt beschlossen, der die Kosten des zweiten Konjunkturpakets und die geringeren Steuereinnahmen abbildete und die Nettokreditaufnahme des Bundes auf 36,8 Milliarden Euro erhöhte.

      Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Otto Fricke (FDP), kritisiert das Vorgehen der Koalition. "Der Bund muss den Bürgern klar sagen, wie schlimm es um die Staatsfinanzen steht", sagte Fricke. Nach einer Prognose Frickes drohen dem Haushalt milliardenschwere Mehrbelastungen. Statt der geplanten 36,8 Milliarden Euro müsse der Bund in diesem Jahr 81,2 Milliarden Euro an neuen Krediten aufnehmen. Zusammen mit den Schulden der Länder steige die gesamtstaatliche Defizitquote damit auf mehr als vier Prozent. Der Europäische Stabilitätspakt erlaubt höchstens drei Prozent

      Zusätzlichen Steuerausfälle sind nach dieser Berechnung mit 12,4 Milliarden Euro das größte Haushaltsrisiko. Daneben müssen für die Eigenkapitalhilfen des Bankenrettungsfonds (15 Milliarden), die Ausgaben im zweiten Konjunkturpaket (10,5 Milliarden), die Verlängerung der Abwrackprämie sowie die steigenden Ausgaben im Hartz-IV-System und im Gesundheitsfonds weitere Milliardenkredite aufgenommen werden.

      Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangt indes ein stärkeres Engagement des Staates, um die Auswirkungen der Rezession abzufedern. "Wir sind noch lange nicht am Ende der Krise. Wir müssen alles tun, um Beschäftigung zu stützen", sagte DGB-Chef Michael Sommer in Berlin hat mit Blick auf die laufende Debatte über der ein drittes Konjunkturpaket. Die bisherigen Schritte reichten in Tiefe und Ausmaß nicht aus.

      CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg betonten, ein drittes Konjunkturpaket stehe nicht zur Debatte.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steinbruec…
      55 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 22:11:02
      Beitrag Nr. 3.069 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.937.478 von Maraho am 07.04.09 21:50:43Und da es ja erst einmal kein Konjunkturpaket III geben soll, weil das Konjunkturpaket II noch nicht gegriffen hat, warten wir nun auf das Ergebnis des letztgenannten doch sehr gespannt.

      Denn wie heißt es auf der Homepage der Bundesregierung doch so griffig: Die Konjunkturpakete. Wir bauen Zukunft.
      http://www.konjunkturpaket.de/Webs/KP/DE/Homepage/home.html
      52 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 07.04.09 22:14:05
      Beitrag Nr. 3.070 ()
      So. ich ziehe mich nun zurück und verabschiede mich daher für heute.
      Vielen Dank wieder einmal euch allen!

      Habt eine gute Nacht! ;)
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 00:11:25
      Beitrag Nr. 3.071 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.935.773 von Maraho am 07.04.09 18:05:22
      Hi Maraho,
      bezugnehmend auf

      "Wie man aus einer Krise eine große Krise macht "

      halte ich mich an die Ratschläge Schopenhauers - da weiß man, was man hat - wenn er sagt:

      "Man muss seine Phantasie in Zügel halten, in allen Dingen, die unser Wohl und Wehe, unser Hoffen und Fürchten betreffen. Malt man sich in der Phantasie mögliche Glücksfälle und ihre Folgen aus, so macht man sich die Wirklichkeit noch ungenießbarer, man baut Luftschlösser und muss sie nachher durch die Enttäuschung, teuer bezahlen Aber noch schlimmere Folgen kann das Ausmalen möglicher Unglücksfälle haben: es kann wie Gracian sagt, die Phantasie zu unseren hässlichen Henker machen
      [...]
      wenn irgend ein Unglück uns wirklich schon bedroht, so ist oft die Phantasie beschäftigt, es auszumalen, wobei sie es stets vergrößert, es näher bringt und noch fürchterlicher macht, als es schon ist.
      [...]
      uns fehlt der Maßstab des Grades der Möglichkeit einer Sache: wir haben sie uns nahe gebracht, sie stehn vor uns, ihre Möglichkeit im allgemeinen ist gewiß, diese wird zur Wahrscheinlichkeit, und wir leiden große Angst. Dinge, die unser Wohl und Wehe betreffen, müssen wir bloß mit der Urteilskraft anfassen, die mit Begriffen und in abstracto operiert, in trockner kalter Überlegung: die Phantasie darf ihnen nicht nahen: denn urteilen kann sie nicht: sie hält uns ein Bild vor: und dieses bewegt unnützer und oft sehr peinlicherweise. – Also: die Phantasie gezügelt!

      :)

      Einen sonnigen Tag für dich...!
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 00:17:31
      Beitrag Nr. 3.072 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.938.325 von Metrik am 08.04.09 00:11:25
      ...und dieses bewegt unser Gemüt unnützer.... - (vergessen beim Abtippen)
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 05:08:16
      Beitrag Nr. 3.073 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.938.325 von Metrik am 08.04.09 00:11:25Guten Morgen Metrik,
      danke Dir für die Passage. "Einige Jahre" später hat Kästner es so formuliert:

      Phantasie ... Eine wunderbare Eigenschaft, aber man muß sie im Zaum halten.

      Erich Kästner (1899-1974)


      In diesem Sinne Dir einen schönen Tag.
      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 05:32:05
      Beitrag Nr. 3.074 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.937.478 von Maraho am 07.04.09 21:50:43Guten Morgen,
      ich hoffe, ihr hattet einen guten Schlaf.

      Ist es Wahlkampf oder Not? Oder eine Mischung aus beidem?

      Kampf gegen Steuersünder
      Exklusiv Steinbrück plant Steuerprüfungen ohne besonderen Anlass
      von Monika Dunkel (Berlin)

      Finanzminister Steinbrück will härter gegen vermögende Steuerhinterzieher im Inland vorgehen. Der Minister plant, den Behörden bei Privatleuten mit Jahreseinkünften über 500.000 Euro Steuerprüfungen künftig auch ohne besonderen Anlass zu gestatten.


      Außerdem will Peer Steinbrück (SPD) diese Gruppe dazu verpflichten, Aufzeichnungen und Unterlagen über ihre Einkünfte sechs Jahre lang aufzuheben. Die SPD hat den Kampf gegen Steuersünder zum Thema für den beginnenden Bundestagswahlkampf erkoren. Bereits im Streit mit Steueroasen im Ausland hatte Steinbrück einen harten Kurs gefahren - worauf sich mehrere Staaten zu mehr internationaler Zusammenarbeit bereit erklärten. "Es reicht nicht aus, auf internationaler Ebene gut zu verhandeln, wenn in Deutschland die Verfolgung unmöglich gemacht wird", sagte der Minister der FTD. Widerstand gegen die Pläne kommt aber von der Union.

      Bislang müssen Privatleute Unterlagen zu ihren Einkünften nicht aufheben; wer seinen Steuerbescheid erhalten hat, kann die Belege wegwerfen. Geschäftsleute müssen dagegen die Unterlagen fürs Finanzamt schon heute bis zu zehn Jahre aufheben. Eine sogenannte Außenprüfung eines Finanzbeamten ist bei Privatleuten derzeit nur unter besonderen Umständen zulässig.

      Beide geplanten Änderungen sind Teil eines Entwurfs des Gesetzes zur "Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und der Steuerhinterziehung". Sollte die Regierung die Pläne umsetzen, hätte das eine abschreckende Wirkung, sagte der Steuerexperte Thomas Elser von der Kanzlei Linklaters in München. Auch Großverdiener müssten dann stärker mit unerwarteten Besuchen von Finanzbeamten bei ihnen oder ihrem Steuerberater rechnen.

      CDU und CSU geht Steinbrücks Vorstoß allerdings zu weit. Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Meister, kritisierte in einem Brief an das Finanzministerium, es gebe "erhebliche Bedenken hinsichtlich der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit" der Pläne. Auch das unionsgeführte Wirtschaftsministerium hat Bedenken. Die Union befürchtet, dass Einkommensmillionäre unter Generalverdacht gestellt werden.

      Laut Statistischem Bundesamt verfügen in Deutschland ungefähr 30.000 Menschen über Gesamteinkünfte von mehr als 500.000 Euro im Jahr - also Gehalt plus Kapitaleinkünfte und Einkommen aus Vermietung.

      Der Rechnungshof hatte bereits in seinem Jahresgutachten 2006 kritisiert, Einkommensmillionäre würden zu wenig überprüft. Dies führe zu erheblichen Steuerausfällen. Dieser Einschätzung hatte sich auch der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags angeschlossen.

      Ein Grund für die Ausfälle sei, dass Steuerpflichtige nicht dazu verpflichtet seien, Unterlagen aufzuheben, so die Rechnungsprüfer. Dies führe dazu, dass die Prüfungen schwierig und langwierig seien und von einigen Finanzämtern nicht mehr durchgeführt würden. Der Rechnungshof hatte den Finanzminister damals auch aufgefordert, die Pflicht zur Begründung von Außenprüfungen zu streichen.

      "Die vorgesehenen Änderungen sind ein Minimum im Kampf gegen Steuerhinterziehung", sagte der Vorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), Dieter Ondracek. Die Union mache sich unglaubwürdig, wenn sie sich den Forderungen nach mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen Steuerflucht anschließe, gleichzeitig aber das Problem der Hinterziehung im Inland außer Acht lasse, sagte Ondracek.

      Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Kampf-gegen-Steuer…
      3 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
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      schrieb am 08.04.09 05:38:55
      Beitrag Nr. 3.075 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.921.610 von Maraho am 05.04.09 09:41:26In Bezug.

      Irland
      Schwarze Zeiten für die grüne Insel

      Der keltische Tiger, wie Irland lange wegen seiner blühenden Finanzindustrie bewundernd genannt wurde, lahmt. Für 2009 erwartet die Regierung ein zweistelliges Defizit. Nun soll ein massives Sparprogramm helfen. Abstriche beim Einkommen und Lebensstandard seien unvermeidlich, so Finanzminister Brian Lenihan.


      Dublin - Das Haushaltsdefizit im von der Finanzkrise schwer getroffene Irland wird 2009 wohl noch deutlicher ausfallen als ohnehin schon befürchtet. Es werde nun von einem Defizit von 10,75 Prozent statt bislang 9,5 Prozent ausgegangen, sagte Finanzminister Brian Lenihan am Dienstag.

      Er hatte in der vergangenen Woche gewarnt, das Haushaltsdefizit könne ohne weitere Maßnahmen auf bis zu 12,75 Prozent steigen. Eigentlich gilt in der Euro-Zone eine Obergrenze von 3 Prozent. Am Dienstag sagte Lenihan, er stimme mit der Einschätzung der EU überein, dass die irische Wirtschaft binnen fünf Jahren wieder in Schwung gebracht werden könne. Die Finanzkrise hat das einstige Boomland in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. So werde die Wirtschaft dieses Jahr um 8 Prozent schrumpfen - so viel wie noch nie, sagte Lenihan. Die Prognose lag eigentlich bei 6,75 Prozent. Die Arbeitslosigkeit werde zudem im laufenden Jahr auf 12,6 Prozent und kommendes Jahr auf 15,5 Prozent steigen.

      Wegen der Krise hat die Regierung ein massives Sparprogramm aufgelegt. Insgesamt sollten 3,25 Milliarden Euro eingespart werden, erklärte Lenihan bei der Vorlage eines Nachtragshaushaltes. 2010 sollten weitere 2,7 Milliarden Euro eingespart werden. In diesem Jahr werde ein Großteil der Defizitreduzierung auf die Steuererhöhungen entfallen. Lenihan will vor allem die Einkommenssteuer erhöhen. "Diejenigen, die am meisten haben, müssen am meisten geben", wird er zitiert.

      Die Ausgabenkürzungen würden im kommenden Jahr greifen. Das Vorhaben sei Teil eines Sechs-Punkte- Plans, mit dessen Hilfe Irland aus der Krise geführt und das Image des Landes wieder hergestellt werden kann. Lenihan zufolge ist außerdem eine "Bad Bank" geplant, um Giftpapiere im Wert von mindestens 80 Milliarden Euro aus den Büchern der Banken zu tilgen.

      Weil Irland das größte Defizit in Europa hat, muss die grüne Insel einen anderen Weg als viele andere europäische Länder gehen. Diese wollen die Konjunktur mit milliardenschweren Ausgabenpaketen und Steuererleichterungen wieder in Gang bringen.

      Irland war in die Krise geschlittert, weil der Immobilienmarkt vollkommen überhitzt war. Als erstes Land der EU stürzte es vergangenes Jahr in eine Rezession.

      manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen
      http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,618…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 05:44:56
      Beitrag Nr. 3.076 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.936.446 von Maraho am 07.04.09 19:35:09In Bezug.

      AUTOKRISE
      Pensionslasten erschweren Opel-Verkauf

      Die Suche nach einem Investor für Opel ist schwierig - nun wird ein weiteres mögliches Hemmnis bekannt: Nach einem Zeitungsbericht drücken den Autokonzern enorme Pensionsverpflichtungen, die ein neuer Eigentümer auszahlen müsste.


      Hamburg - Ein möglicher Einstieg eines Investors beim notleidenden Autohersteller Opel wird offenbar durch eine Zusatzlast erschwert. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" drücken den Konzern Pensionsverpflichtungen in Höhe von knapp vier Milliarden Euro.

      "Das ist eine hohe Zahl und ein potenzielles Problem", sagte ein Teilnehmer der Gespräche um die Zukunft des Unternehmens. Die Investorensuche gestalte sich angesichts zahlreicher offener Rechtsfragen im Verhältnis zur Opel-Mutter General Motors ohnehin schon schwierig.

      Die Arbeitsverträge mit alten und aktuellen Opel-Mitarbeitern verpflichteten jeden Eigentümer zur Auszahlung der Betriebsrenten. Er müsse dafür Rückstellungen bilden, was wiederum die Dividende und damit die Attraktivität eines Investments zusammenschnurren lässt und die finanzielle Belastbarkeit des Unternehmens mindert. Opel hat rund 20.000 aktive Mitarbeiter mit Pensionsansprüchen sowie etwa 40.000 Pensionäre.

      Ein Opel-Sprecher sagte, die Zahl von vier Milliarden Euro sei "völlig spekulativ". Es handele sich um eine Schätzung der Zeitung. Opel habe derzeit 40.000 Rentner. Zudem verwies der Sprecher darauf, dass Opel für Betriebsrenten entsprechende Rückstellungen gebildet habe.

      In dieser Woche hatte sich mit dem Scheichtum Abu Dhabi erstmals ein Interessent zu erkennen gegeben. Nach Informationen der Zeitung sind zudem auch Finanzinvestoren und andere Autohersteller interessiert. Derzeit werde der Verkauf eines Anteils von mehr als 50 Prozent diskutiert, der Mutterkonzern GM solle eine Minderheitsposition behalten.

      Die "Financial Times" hatte am Montag berichtet, dass die Commerzbank derzeit den Versand der Angebotspapiere an eine "Handvoll" potentieller Käufer des Europa-Geschäfts vorbereite, an dem Opel den Löwenanteil ausmacht. Die Commerzbank berät General Motors (GM) beim Verkauf des Opel-Anteils.

      GM will dem Bericht zufolge innerhalb der 60-Tage-Frist der US-Regierung eine sichere Zusage eines Investors für das Europa-Geschäft vorlegen. US-Präsident Barack Obama hatte der Opel-Mutter vor einer Woche diese Zeit gegeben, um einen Sanierungsplan zu präsentieren. Dann könnten weitere Staatshilfen gezahlt werden.

      Sollte GM bis dahin keinen tragfähigen Plan haben, bliebe nur der Weg in die Insolvenz. Der potentielle Investor dürfte wahrscheinlich die Mehrheit an einer neu zu formenden Holding kaufen, die Opel, die britische Vauxhall und weitere europäische Marken von GM umfassen dürfte, schreibt das Blatt.

      Bei den Pensionsverpflichtungen von Opel könnte dem Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) eine Schlüsselrolle zukommen. Die Organisation ist eine Art Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft: Rund 73.000 Unternehmen zahlen jährlich einen Beitrag, damit die Betriebsrente sicher ist. Fällt der Arbeitgeber aus, weil er pleitegegangen ist, springt der PSV ein. Bei einer Opel-Pleite kämen auf den Verein die größten Belastungen seiner Geschichte zu.

      bim/dpa/ddp/Reuters
      Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,618033,00.html
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 05:52:41
      Beitrag Nr. 3.077 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.936.093 von Maraho am 07.04.09 18:48:39In Anlehnung.

      Systemische Korruption
      Peter Mühlbauer

      Interview mit Alexander Dill zu den Verantwortlichen für die Weltwirtschaftskrise

      Der Soziologie Alexander Dill entwickelte mit dem "Global Freeware Index" eine Alternative zum Bruttosozialprodukt, in der auch humane, soziale und natürliche Ressourcen in die Berechnung des Volkseinkommens eingehen. Nun hat er mit "Der große Raubzug" ein Buch über die Finanzkrise veröffentlicht, in dem er einer ganzen akademischen Disziplin kollektives Versagen bescheinigt und darlegt, wie "im Windschatten der Weltfinanzkrise die Staatskassen geplündert werden".


      Herr Dill - in Ihrem Buch stellen Sie eine Liste der Hauptverantwortlichen für die Finanzkrise auf …

      Alexander Dill: Wichtig ist erstmal: Ich sage ja gar nicht, dass es eine Finanzkrise gibt, sondern ich spreche von einer systemischen Korruption in Deutschland. Verantwortlich heißt bei mir, wer für die Milliardenverluste des deutschen Steuerzahlers verantwortlich ist. In meiner Liste tauchen deshalb auch nicht der amerikanische Finanzminister oder der US-Notenbankpräsident auf, sondern ausschließlich deutsche Volkswirtschaftler, Berater der Bundesregierung und deutsche Politiker.

      Wer würde zum Beispiel bei den Volkswirtschaftlern darunter fallen?

      Alexander Dill: Die so genannten fünf Wirtschaftsweisen, sowohl die von 2004 wie auch die heutigen. Da denke ich zum Beispiel an Herrn Rürup und an Herrn Sinn, aber auch an Roland Berger, an Herbert Henzler von McKinsey und an Olaf Henkel. Die alle haben bereits um das Jahr 2000 herum eine völlige Aussetzung der Finanzaufsicht und eine völlige Liberalisierung der deutschen Finanzmärkte gefordert.

      Sie sprechen allgemein von einem Versagen der deutschen Volkswirtschaftler mit einer einzigen Ausnahme. Wie erklären Sie sich das Versagen einer ganzen Disziplin?

      Alexander Dill: Die Volkswirtschaft hat diese fast religiösen Paradigmen vertreten - dass es also im Markt nach Angebot und Nachfrage eine Selbstregelung gibt; dass wir durch die Globalisierung in einem Wettbewerb stehen, dem wir uns anpassen müssen; und dass der Mensch immer nur nach Eigennutz handelt. Solche Paradigmen, die nie in Frage gestellt wurden, sind in der Wachstumsphase nie hinterfragt worden und jetzt, wo das Ganze kaputt geht, muss man sie hinterfragen. Und deshalb ist die Disziplin insgesamt in Frage zu stellen.

      Wie könnte das geschehen, eine Disziplin insgesamt in Frage zu stellen? Und was für Konsequenzen müsste das dann haben?

      Alexander Dill: Natürlich wird das sicherlich von denen zurückgewiesen, und wenn Sie heute in die Talkshows schauen, dann sehen Sie ja auch wieder die gleichen Volkswirtschaftsprofessoren als Ratgeber in der Krise. Sie müssten also eigentlich eine Art Hearing machen, wo diskutiert wird, was die sozialwissenschaftlichen und humanistischen Voraussetzungen für diese Disziplin sind. Das heißt: Was soll denn die Volkswirtschaftslehre überhaupt in einem Staat wie Deutschland leisten? Und diese Grundsatzfrage kann natürlich nicht von den Volkswirten selbst gestellt werden, sondern da müssten natürlich Leute ran, die den Blick von außen darauf werfen können. Ich selbst bin zum Beispiel Soziologe - wobei man ja interessanterweise sagt, dass Betriebs- und Volkswirtschaft auch Sozialwissenschaften seien. Leider waren sie das aber in den letzten Jahrzehnten nicht mehr. Es könnten jedoch auch Menschen aus ganz anderen Disziplinen sein, zum Beispiel aus den Naturwissenschaften, oder auch Leute wie George Soros, der ja ganz extrem die Wirtschaftswissenschaften in Frage stellt.

      Inwieweit hat Soros die Wirtschaftswissenschaften grundsätzlich in Frage gestellt?

      Alexander Dill: Er hat in seinem eigenen Buch zur Finanzkrise - es heißt "Das Ende der Finanzmärkte" - geschrieben, dass die Wirtschaftswissenschaften versucht haben, die Naturwissenschaften zu imitieren. Und er sagte, das sei völliger Unsinn: Angebot und Nachfrage existieren gar nicht als beschreibbare Kurven, die voneinander getrennt sind, sondern in diese Kurven geht die ganze Erwartung ein. Das heißt: Die Trends machen sich selbst. Und wenn sich die Trends selbst machen, dann verstehen wir, warum es riesige Blasen gibt, aber auch, warum das Ganze dann abstürzt. Das sind Grundkenntnisse, die wir in anderen Wissenschaften haben. In den Sozialwissenschaften kennt man so etwas als self-fulfilling prophecy, das ist also keine neue Erkenntnis. Man kennt das auch in den Naturwissenschaften als die Heisenberg'sche Unschärferelation, dass der Beobachter das Experiment beeinflusst.

      In Ihrem Buch sprechen Sie von insgesamt fünf Irrlehren der Volkswirtschaftslehre.

      Alexander Dill: Irrlehre heißt eigentlich, dass man das Ganze von hinten aufzieht. Man schaut sich also nicht das Verhalten der Menschen an, was ja in einer Sozialwissenschaft normal ist - also zum Beispiel: Wie handeln die Menschen innerhalb eines Wirtschaftssystems miteinander? Wie gehen sie miteinander um? Verlässt sich einer auf den anderen? In den Wirtschaftswissenschaften ist das umgekehrt: Ich habe ein Theorem oder ein Paradigma, und sage: "Alle Menschen denken zuerst an sich selbst." Daraus leite ich eine so genannte politische Ökonomie ab. Das bedeutet: Die Politiker müssen sich ein einer Demokratie immer danach richten, dem Wähler Geschenke zu machen, sonst werden sie nicht gewählt. Und da beginnt eigentlich die Irrlehre. Wenn ich von so einem Paradigma ausgehend die Politik berate, wie es unsere Volkswirte ja machen, dann wird das schwierig, weil dieses Postulat des Eigennutzes oder das Postulat des Wettbewerbes gar nicht mehr hinterfragt wird. Deshalb ist das quasi religiös. Das ist so, wie wenn jemand zu Ihnen sagt: Glauben Sie erst einmal an den auferstandenen Christus, dann reden wir weiter. So ist es ja in der Religion.

      Das heißt also, dass die Volkswirtschaft mit Leuten aus anderen Disziplinen neu besetzt werden müsste - zum Beispiel mit Ethnologen, die sich mit der Kulturgebundenheit von wirtschaftlichem Handeln beschäftigt haben?

      Alexander Dill: Richtig. Ich habe Jean Beaudrillard persönlich gekannt, und bin Schüler von Professor Kamper. Leute wie Beaudrillard sind sicherlich eher in der Lage, die Paradigmen und die Dynamik des sogenannten Kapitalismus zu verstehen. Wenn man nicht einen gewissen Blick von außen auf ein soziales System hat - und Wirtschaft ist ein solches soziales System -, dann gerät man in diese Falle, das Ganze umzukehren. Ein ganz einfaches Beispiel ist Vertrauen und Misstrauen: Wenn ich mit jemandem einen Vertrag mache, vertraue ich ihm dann, oder nicht? Je weniger ich ihm vertraue, desto größer wird der Vertrag, und desto mehr Berater werden engagiert, und umso mehr Gerichtsprozesse gibt es. Das ist eine Erkenntnis, die übrigens schon im chinesischen Taoismus von Lao-tse schon formuliert wurde. Wenn ich solche Dynamiken beobachte, dann kann ich ganz anders an sie herangehen: In der Wirtschaft handeln Menschen miteinander - wir sind also eigentlich auf dem Gebiet der Humanwissenschaft - und die Voraussetzungen für dieses Handeln können Misstrauen, Vertrauen oder auch eine Übereinkunft von Zielen sein. Das ist eine offene Frage, und es kann nicht sein, dass Wirtschaft wie jetzt einfach als Schneeballsystem definiert wird.

      Nun werden ja in Medien als Experten weiterhin die Volkswirtschaftler gefragt und eingeladen, die versagt haben - und nicht die anderen. Wie erklären Sie sich diesen Effekt?

      Alexander Dill: Sie haben generell in der Welt der Allgemeinbildung einen großen Respekt vor Experten. Wenn Sie an einen Redakteur in einem Medium denken, dann greift er gerne zu einem Professor, weil er das Gefühl hat, dieser Professor kann ihm ein fundiertes Hintergrundwissen geben und ihm das Gefühl geben, den Richtigen gefragt zu haben. Das ist in vielen Wissenschaften der Fall, das hat man ja auch bei dem Amoklauf in Baden-Württemberg gesehen, zu dem man alle Arten von Experten gehört hat. Das ist kein böser Wille, sondern Journalisten sind es gewöhnt, so zu arbeiten, und sie stehen auch unter dem Druck, dass diese Experten in einer gewissen Art bestätigt sein sollen. Hans-Werner Sinn hat ja das Leibniz-Stipendium erhalten - das ist die höchste Auszeichnung der deutschen Wissenschaft, das ist vor ein oder zwei Monaten geschehen. Daran können Sie sehen, wie die sogenannte scientific community in Deutschland aussieht.

      Sie bezeichnen im Buch den Staatshaushalt als Ponzi-System. Wie kamen Sie zu diesem Urteil?

      Alexander Dill: Das ist zu erforschen an Hand der Entwicklung der Schulden der Bundesrepublik Deutschland seit 1971. Sie können ja sehen, dass die Verschuldung immer weiter angestiegen ist. Die Privatvermögen sind auch immer weiter angestiegen – einerlei, wer an der Regierung war. Das System wird bis heute durchgehalten. Wir haben ein enormes Defizit im Staatshaushalt - nicht nur auf Grund der Zinslast, sondern vor allem auf Grund der Freistellung von Beamten und Selbständigen von der gesetzlichen Sozialversicherung. Das führt dazu, dass wir im Moment 78 Milliarden Euro - das sind 27,6% des Bundeshaushaltes - zuschießen müssen. Es ist klar, dass noch mehr Schulden entstehen, wenn wir das nicht sanieren. Wenn wir das aber sanieren - und das ist der Punkt mit dem Ponzi-System - dann werden die Initiatoren, nämlich die Beamten, die ihre 4000-Euro-Pensionen erwarten, selbst betroffen sein. Das Ziel im Ponzi-Scheme ist ja, dass der Ausgeber des Schneeballsystems selbst nie berührt wird. Und genau das zeigt sich jetzt in der Finanzkrise: Diese 480 Milliarden führen nicht dazu, dass auch nur einem einzigen Beamten die Pension gekürzt wird oder auch nur ein einziger Beiträge zum sozialen Sicherungssystem zahlen muss. Die sind ja befreit, deswegen nenne ich sie "Marktfreie".

      Sie schreiben auch, dass eine einzige Reform den Staatshaushalt sanieren könnte.

      Alexander Dill: Das steht hinten im Buch sehr ausführlich mit allen Zahlen drin. Das ist die Reform der sozialen Sicherungssysteme. Ich bin ja weiter für die umlagenfinanzierte Sozialversicherung, nur ist der Punkt, dass die Selbständigen und die Beamten da auch hinein müssen. Und dann müssen die Pensionen gekürzt werden, weil es nicht sein kann, dass ein Pensionär doppelt, dreimal oder viermal so viel erhält wie ein normaler Rentner. Er kann eben auch nur 1200 Euro erhalten. Dann ist der Staatshaushalt ausgeglichen, denn die Steuern und Abgaben sind weiß Gott hoch genug. Die lassen sich auch nicht mehr erhöhen.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30096/1.html
      11 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 06:09:22
      Beitrag Nr. 3.078 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.922.526 von Maraho am 05.04.09 17:30:10Diese Ausführung der NachDenkSeiten bezieht sich auf den am 5.4.2009 erschienenen Artikel der "FAZ": Die Ökonomen in der Sinnkrise(s.o.) ...

      Die Anlagen und weiteres: Link unten anklicken!


      Zum Versagen der Nationalökonomie. Der Schaden ist groß.
      Nach dem Verursacherprinzip wären Sanktionen angebracht.


      Am 5. April widmete sich FAZNET dem Thema. Siehe Anlage 1. Ein lesenswerter Artikel; immerhin bestätigen die Autoren die Existenz und die Gefahr des Herdentriebs. Einiges fehlt und einiges ist falsch gesehen. Die Autoren analysieren zum Beispiel nicht, dass von einigen Ökonomen schon seit längerem die Unfähigkeit ihrer Kollegen zu einer vernünftigen Makropolitik explizit beschrieben worden ist, dass vor den Gefahren hoher Leistungsbilanzdefizite in den USA und entsprechender Überschüsse hier bei uns gewarnt wurde, und auch vor den Gefahren der Spekulation. Sie sehen nicht, dass das Versagen der in Expertengremien und in der veröffentlichten Meinung präsenten Ökonomen viel mit ihrer Interessenverflechtung mit Wirtschaft und Arbeitgebern zu tun hat. Albrecht Müller


      1. Die Fehleinschätzung der ökonomischen Entwicklung und die Unfähigkeit zur Optimierung der makroökonomischen Instrumente. Das hat etwas mit der Fixierung auf die Interessen der exportorientierten Großindustrie und auf Arbeitgeberinteressen zu tun.
      Die vorherrschenden Ökonomen haben seit Jahren die ökonomische Entwicklung falsch eingeschätzt und vor allem falsch interpretiert. So haben sie fast alle das bisschen wirtschaftliche Belebung der Jahre 2005-2007 zum Boom erklärt, weil sie nicht weitere, die Konjunktur stützende Maßnahmen des Staates wollten. Die Mehrheit von ihnen wollte immer schon vermeiden, dass die Arbeitnehmer wieder in eine ebenbürtige Wettbewerbsposition auf dem Arbeitsmarkt kommen. Die meisten Wissenschaftler vertreten die Interessen der Arbeitgeberseite. Deshalb waren viele unterschwellige Vertreter einer Reservearmee von Arbeitslosen.
      Das war vermutlich zum Beispiel auch der Hintergrund der Einlassung des Sachverständigenrates im Gutachten vom November 2000, die Konjunktur „laufe rund“. Wer genau hinschaute, wusste, dass dies nicht stimmt. Auch im Jahre 2000 gab es eine hohe Arbeitslosenrate von 10,7 %. Wie kann man da zu der Einschätzung kommen, die Konjunktur laufe rund? Die damalige Fehleinschätzung hatte Wirkung. Mit ihrem falschen Spruch hat der Sachverständigenrat den damaligen Bundesfinanzminister Eichel und die Bundesbank in ihrer prozyklischen Bremspolitik unterstützt. Sie sind mitverantwortlich für den Abbruch des kleinen Aufschwungs von 1997 bis 2001 und somit für den Verlust an Volkseinkommen und das Arbeitslosenschicksal vieler Menschen. Dafür sollten sie eigentlich büßen müssen! Weil sie nicht nur irrtümlich, sondern willentlich falsch beraten haben.
      Die Autoren der FAZ gehen nicht darauf ein, dass vermutlich die Mehrzahl der Ökonomen oft auch deshalb falsch gelegen hat, weil sie mit ihrer Prognose eine bestimmte Politik initiieren wollten.
      In den Jahren 2007 und 2008 haben die Forschungsinstitute wohl auch deshalb falsch prognostiziert, weil sie konjunkturpolitische, expansive Maßnahmen vermeiden wollten. Sie wollten mit ihren Prognosen noch bis in den Sommer 2008 hinein die restriktive Politik der Europäischen Zentralbank stützen.
      Außerdem wollten sie mit allen Mitteln die Behauptung unterstützen, die Reformpolitik zeige auf dem Arbeitsmarkt und bei der wirtschaftlichen Entwicklung eine positive Wirkung.
      Hinter den Fehlprognosen stecken also häufig auch politische Motive.
      Der Artikel berichtet leider zu wenig von jenen Ökonomen, die die Unfähigkeit zu einer vernünftigen makroökonomischen Politik schon seit langem gesehen und kritisiert haben. Die eigenen Hinweise darauf in den NachDenkSeiten, in der „Reformlüge“ und in „Machtwahn“ lassen wir mal beiseite.
      Zu erwähnen bleiben aber zum Beispiel der Bundesfinanzminister von 1998 bis 99, Oskar Lafontaine und sein Staatssekretär Heiner Flassbeck. Sie haben damals die Verwerfungen in den internationalen Währungsbeziehungen gesehen und wollten intervenieren. Daraus folgte ja gerade die leidenschaftliche Feindschaft der vielfach mit der Finanzindustrie verwobenen Medien und Politik gegen Lafontaine (siehe britische Sun mit der Schlagzeile: „Der gefährlichste Mann Europas“).
      Mit Respekt zu erwähnen sind bei uns das IMK der Hans-Böckler-Stiftung und die Memorandum-Gruppe z.B.. Zu erwähnen sind weiter der Nobelpreisträger Robert Solow und der Chefökonom von Goldman Sachs, Jim O’Neill, mit Äußerungen vom August und September 2004. In Anlage 2 finden Sie interessante Auszüge aus einem Interview mit Jim O’Neill in der ZEIT vom August 2004. (Nicht allen seinen Äußerungen stimme ich zu, vor allem nicht den Belobigungen für die Agenda 2010 und für Strukturreformen sowie seine von Unkenntnis getrübten Einlassungen zu den Ladenöffnungszeiten).
      O’Neill wunderte sich über die Borniertheit seiner deutschen Kollegen, über ihre dogmatische Feindschaft gegenüber Keynes und ihre damit bewiesene Unfähigkeit, die verschiedenen Instrumente der Ökonomie pragmatisch einzusetzen. Jim O’Neill hat auch auf die absurde Vorstellung seiner deutschen Kollegen hingewiesen, man müsse die Steuern der Spitzenverdiener und Unternehmen senken, statt den Wenigverdienern mehr Kaufkraft zukommen zu lassen.
      Und dann hat er damals – 2004 - deutlich gemacht, welche Gefahren für Deutschland daraus folgen, dass die Leistungsbilanzdefizite in den USA steigen, während in Deutschland versäumt wird, die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Er wies darauf hin, was es für uns bedeuten kann, wenn der Dollar in den Keller geht. Andere haben in ähnlicher Form schon damals auf diese Gefahren aufmerksam gemacht.
      Das ist immerhin schon fast fünf Jahre her.
      Robert Solow hat in einer klassischen Einlassung seinen deutschen Kollegen eine Brücke zu bauen versucht, indem er konzedierte, dass Makroökonomie schwierig sei. Aber er konnte sich dann doch die Anmerkung nicht verkneifen, eines sei sicher, man könne Makropolitik besser machen, als dies in Deutschland geschieht. Recht hat er.
      In Anlage 3 habe ich dazu einige Folien zusammengestellt, die ich in Vorträgen und Lesungen beginnend mit dem September 2004 benutzte.

      2. Kein Sensor für die Gefahren des Casinobetriebs, im Gegenteil Bewunderung
      Die meisten deutschen Ökonomen hatten und haben vermutlich immer noch keinen Sensor für die Gefahren des Casinobetriebs. Sie haben die Blasenbildung eher bewundert; auch hier wieder an vorderer Front der Sachverständigenrat in seinem Gutachten vom November 2000 mit einer euphorischen Begrüßung der boomartigen Aktienentwicklung im IT-Bereich (da hatte übrigens schon der Zusammenbruch des Booms begonnen).

      3. Zur Interessenverflechtung
      Die beiden Autoren der FAZ gehen leider auch nicht auf die Interessenverflechtung vieler Wissenschaftler und die daraus folgenden Fehlprognosen und Fehlberatungen ein. Hierzu nur ein paar Beispiele:
      Klaus Zimmermann (Präsident des DIW und zugleich Direktor des IZA, das der Niedriglohnlobby zuarbeitet), Raffelhüschen, van Suntum, Rürup, Sinn, Miegel, Börsch-Supan und viele mehr vertreten wirtschaftliche Interessen oder sind mit ihnen eng verflochten und geraten damit bei ihrer scheinbar wissenschaftlichen Arbeit in Kollision.

      Konsequenzen:

      Das Mindeste ist: Staatliche Förderung von Wissenschaftlern sollte es nur noch geben, wenn sie keine anderen Interessen vertreten oder von solchen Interessen mitfinanziert werden. Wir sollten die Institute der Wirtschaftswissenschaft zwingen, sich von ihren Chefs zu trennen, wenn diese weiterhin in Aufsichtsräten etwa von Versicherungsgesellschaften tätig sind, nebenher noch ein privates, von wirtschaftlichen Interessenverbänden oder von Firmen finanziertes Institut betreiben - wie Klaus Zimmermann z.B. oder Aufträge von Lobbyorganisationen entgegen nehmen.
      Es sollte auch klar sein, dass sich Wissenschaftler zwischen ihrer Professur und privatwirtschaftlicher Interessenvertretung entscheiden müssen. Heute ist es nämlich so, dass viele ihr Renommee aus der Professur ziehen und dieses Renommee für die privaten Interessen einsetzen, und dass dann umgekehrt wiederum die Wahrnehmung ihrer privaten Interessen ihre Arbeit und ihre Äußerungen als Professor mitbestimmt.
      Das sind alles unerträgliche Entwicklungen; sie sind nicht ganz neu, aber das ist kein Grund, damit fortzufahren.

      Weiterführend: http://www.nachdenkseiten.de/?p=3878#more-3878
      5 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 06:56:00
      Beitrag Nr. 3.079 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.937.697 von Maraho am 07.04.09 22:11:02In Bezug.
      Etwas skurriles aus der "Bild" ...

      Konjunkturpaket Geld wird für Flugtickets, Autos und Möbel verprasst
      Von JAN W. SCHÄFER

      Die Bundesregierung hat ein gigantisches Konjunkturprogramm aufgelegt, um den Wirtschaftsabsturz zu stoppen! Die 50 Milliarden Euro sind vorgesehen für den Straßenbau, Schulen...

      Doch das Geld fließt teilweise ganz woanders hin, wird für banale Dinge verprasst. Laut Vergabestellen von Bund und Ländern werden u.a. Flugreisen, Autos und Möbel finanziert.

      • Die Bundeswehr hat sich Flugtickets in die USA im Rahmen der Militärübung "Consolidated Skills" bestellt, mietet außerdem IT-Geräte (z.B. Notebooks) für die Übung "Force Eval 2009" an.

      Die Unfallkasse Post und Telekom bekommt einen neuen BMW (Mittelklasse).

      • Mit dem Geld aus dem Konjunkturpaket lässt sich das Deutsche Patentamt Gardämpfer und 2 Scanner (Fujitsu-Siemens) liefern.

      • Das Verkehrsministerium hat sich 300 Computer-Monitore bestellt.

      • Aus dem Arbeitsministerium kommt eine Bestellung über 1000 Mehrfach- Steckdosen.

      • Für einen Neubau des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht (Schlesw.-Holst.) gibt es neue Büromöbel.

      In der FDP sorgen diese Aufträge für großen Unmut! Verkehrsexperte Patrick Döring kritisiert, dass die Steuergelder aus dem Konjunkturpaket wie mit Gießkanne verteilt werden.

      Döring zu BILD.de: "Die Behauptung der Bundesregierung, ihre Konjunkturpakete würden schnell und zielgerichtet wirken, erweist sich als Märchen. Als Brandmeister haben Merkel, Steinbrück und Tiefensee komplett versagt. Statt mit der Gießkanne Staatsgelder zu verteilen, sollten gezielt Steuern gesenkt werden." Damit könne eine Flut privater Investitionen ausgelöst werden.

      Quelle: http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/04/08/konj…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 07:08:32
      Beitrag Nr. 3.080 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.928.253 von Maraho am 06.04.09 17:40:56Noch etwas aus der Schweiz ...

      Am Ende der Krise? Von wegen
      Von Robert Mayer.

      Für die Experten von Boston Consulting ist die Wirtschaftskrise längst nicht ausgestanden.
      Dafür sind die Ungleichgewichte – etwa in den USA zu gross.


      Sehen wir das erste Lichtflackern am Ende des Tunnels? Die jüngsten Kurszuwächse an den Aktienbörsen und die abgebremste Talfahrt bei vereinzelten vorauslaufenden Konjunkturindikatoren wecken Hoffnungen, dass die Wirtschaftskrise ihren Tiefpunkt (bald) erreicht hat.

      Die Boston Consulting Group (BCG) ist dezidiert anderer Meinung: «Wir stehen erst am Anfang der Krise», sagte Matthias Naumann, Managing Partner des Schweizer Ablegers der Unternehmensberatungsfirma, am Dienstag vor Journalisten.

      Der gegenwärtige Konjunktureinbruch ist laut BCG in verschiedener Hinsicht einmalig. Besonders augenfällig: In den USA, wo die Krise ihren Anfang nahm, ist die private und öffentliche Verschuldung seit Ende der 80er-Jahre regelrecht explodiert. Bewegte sich die US-Gesamtverschuldung seit dem Ersten Weltkrieg in einem Band zwischen 100 und 150 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung – abgesehen von einem Ausreisser zu Anfang der 1930er-Jahre –, so ist sie im Zuge der Börsenhausse ungebremst auf gegen 400 Prozent geklettert.

      Sparquote: Null

      Zugleich haben die US-Haushalte ihre Spartätigkeit seit 2005 praktisch auf Null reduziert – mit der Folge, so Naumann, «dass die Leute kein Geld für den Konsum haben». Als Lokomotive für die Weltkonjunktur fallen die US-Konsumenten somit aus – in besseren Zeiten hatten sie immerhin 15 bis 17 Prozent des weltweiten Privatkonsums bestritten.

      Seltener «Dreifach-Crash»

      Um von ihrer enormen Verschuldung herunterzukommen, stünden den USA – neben dem Sparen – grundsätzlich noch zwei andere Alternativen offen, wie Naumann ergänzte: Sie können einerseits ihre Währung abwerten, riskieren damit aber einen Abwertungswettlauf mit den Wirtschaftspartnern. Zum andern können sie ihre (reale) Schuldenlast durch eine höhere Inflation vermindern. Wie immer die US-Wirtschaft am Ende zu einer ausbalancierteren Entwicklung zurückfindet – solange sie in diesem schmerzhaften Anpassungsprozess steckt, sind von der weltgrössten Volkswirtschaft keinerlei Konjunkturimpulse zu erwarten.

      Die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat auch deshalb eine ganz besondere Qualität, weil sie laut Elmar Wiederin, geschäftsführender Direktor von BCG Schweiz, von einem «Dreifach-Crash» geprägt wird: Immobilienkrise, Bankenkrise und Börsenabsturz sind weltweit gleichzeitig ausgebrochen – etwas was zuvor erst viermal passierte. Auf der Basis historischer Vergleiche geht Wiederin davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in der entwickelten Welt als Folge des jetzigen dreifachen Crashes über zehn Quartale hinweg und insgesamt um 18 Prozent sinken wird.

      Eine Krisenspirale droht

      Der dritte Grund, weshalb die Krise laut Boston Consulting noch längst nicht ausgestanden ist, lässt sich mit Rückkopplungseffekt umschreiben. «Auf eine Krise der Realwirtschaft folgt immer eine Finanzkrise», betonte Naumann. Dass die Turbulenzen ihren Ursprung auf den Finanzmärkten hatten und dann auf die Realwirtschaft übersprangen, um nun wieder auf den Bankensektor zurückzuschlagen, macht die Sache nur noch schlimmer. Der Einbruch in der Realwirtschaft «infiziert» die Geldhäuser vor allem über zwei Gefahrenherde: einerseits über Ausfälle auf Kreditkartenschulden und anderseits durch Firmenkonkurse, die ebenfalls mit Kreditausfällen verbunden sind.

      Die Banken, so Naumann, würden nicht umhin kommen, ihr Geschäftsmodell zu überprüfen. Dabei liegt der Fokus mehr denn je auf den Kernkompetenzen und einem noch effizienteren Kapitaleinsatz.

      Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Am-Ende-de…

      Bis später ...
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 11:17:46
      Beitrag Nr. 3.081 ()
      Hallo Maraho!

      Abends der Letzte und Früh der Erste.... wann schläfst Du eigentlich?

      Ich staune über Dein enormes Engagement. Im Namen aller, die davon

      partizipieren Danke !!!


      paddel
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 12:08:41
      Beitrag Nr. 3.082 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.940.048 von paddelbootheizer am 08.04.09 11:17:46Kann mich nur dieser Anerkennung anschließen.
      Zwei mal am Tag checke ich die neuesten links von Maraho und drucke mir das Interessanteste aus. So bin ich jeden Tag aktuell informiert.

      Recht herzlichen Dank!!!
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:16:46
      Beitrag Nr. 3.083 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.940.531 von Triakel am 08.04.09 12:08:41Möchte mich auch anschließen !

      Vielen Dank Maraho für Deine Beiträge.

      :kiss:
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:26:28
      Beitrag Nr. 3.084 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.940.048 von paddelbootheizer am 08.04.09 11:17:46Hallo paddelbootheizer,

      wann schläfst Du eigentlich?
      Da ich schon etwas älter bin, benötige ich nicht mehr soviel Schlaf. ;)

      Ich staune über Dein enormes Engagement.
      Ich bin suchtgefährdet. Es macht mir sehr viel Spaß. Und immerhin halte ich mich so auch auf dem neusten Stand.

      Deinen Dank nehme ich gerne an. Dafür auch den meinigen an Dich!

      Dir noch einen schönen Tag! Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:27:31
      Beitrag Nr. 3.085 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.940.531 von Triakel am 08.04.09 12:08:41Hallo Triakel, ist schon o.k.! Dank auch Dir! ;)
      Gruß von Maraho
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:30:12
      Beitrag Nr. 3.086 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.941.057 von moveson am 08.04.09 13:16:46Servus moveson,
      Grüße von mir auch an Dich! Auch Dir einen angenehmen Tag! ;)
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:35:39
      Beitrag Nr. 3.087 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.935.913 von Maraho am 07.04.09 18:23:19Guten Tag zusammen,
      was gibt es neues?

      Dies hier zum Beispiel ...
      Anmerkung: Und dann stellt sich die Politik hin und beklagt den Verdruß des Wählers!


      Strafanzeige wegen Geheiminsverrats statt Selbstmord in der Badewanne?
      Peter Muehlbauer

      Die Kieler Regierung will angeblich ihren ehemaligen Wirtschaftsminister Werner Marnette zum Schweigen bringen
      Werner Marnette, der ehemalige Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, war in den letzten Tagen unerwartet zu so etwas wie einem Held geworden. Nach einem viel zitierten und verlinkten Interview mit dem Spiegel, in dem sich der Zurückgetretene bemerkenswert offen darüber äußerte, wie die "Kontrolle" der HSH-Nordbank tatsächlich ablief, hatte Felix von Leitner in seinem Blog bereits am Montag gemutmaßt: "merkt euch den Namen, den finden wir wahrscheinlich demnächst in einer Badewanne in Genf wieder."

      Nun meldete die Hamburger Morgenpost, dass die Kieler Regierung eine Strafanzeige gegen ihr ehemaliges Mitglied prüft. Vorgeworfen werden soll ihm darin nicht Verleumdung oder Beleidigung, sondern "Geheimnisverrat", ein nicht nur in der Rechtswissenschaft als problematisch angesehenes Delikt.

      Möglicherweise wurden die Pläne wegen ihres Bekanntwerdens aber bereits geändert: Regierungssprecher Christian Hauck ließ mittlerweile verlautbaren, die Meldung "entbehre jeder Grundlage", dafür gibt es nun Gerüchte, dass die Führung der HSH-Nordbank Marnette wegen Geheimnisverrats anzeigen soll.

      Unterstützung bekam der frühere CDU-Wirtschaftsminister von der im Kieler Landtag oppositionellen FDP: Fraktionschef Wolfgang Kubicki meinte, die Information, dass Ministerpräsident Carstensen und sein Team überfordert waren, sei keineswegs ein "Geheimnis", sondern bereits allgemein bekannt gewesen.

      Bereits 2005 hatte der gelernte Ingenieur Marnette durch eine pointierte Kritik am Oligopol der vier großen Stromkonzerne Aufsehen erregt, worauf hin diese per Gerichtsbeschluss erwirkten, dass er einen von vielen Bürgern als sehr treffend angesehenen Vergleich nicht mehr verwenden darf.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/135957
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:40:51
      Beitrag Nr. 3.088 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.847.724 von Maraho am 25.03.09 20:13:36In Bezug.
      Da stinkt es auch zum Himmel ...

      Seit Anfang 2008 Hinweise auf Probleme bei der HRE
      Finanzen/Antwort

      Berlin: (hib/HLE) Die deutsche Bankenaufsicht hat aus dem Mitte Januar 2008 bei der Hypo Real Estate (HRE) angeforderten Finanz- und Risikobericht erste Hinweise auf eine "liquiditätsseitige Anfälligkeit" erhalten. "Um dies eng zu beobachten, erhielten BaFin und Bundesbank von der Holding ab Februar des Jahres 2008 wöchentlich und später täglich Liquiditätsberichte", heißt es in der Antwort der Bundesregierung (16/12486) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (16/11950).

      Das zuständige Fachreferat im Bundesfinanzministerium wurde der Vorlage zufolge Anfang 2008 über die "liquiditätsseitige Anfälligkeit" informiert. Hinweise auf eine Existenz bedrohende Liquiditätssituation seien damit allerdings nicht verbunden gewesen. "Als nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers am 15. September 2008 aufgrund des Austrocknens des Interbankenmarktes Liquiditätsrisiken innerhalb weniger Tage weltweit grundlegend neu zu bewerten waren, ergab sich eine konkrete Bedrohungslage, über die die Leitung des Bundesministeriums der Finanzen am 22. September 2008 unterrichtet wurde", schreibt die Regierung.

      Zu Fragen der FDP-Fraktion, ob Äußerungen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) über eine Abwicklung der HRE hilfreich gewesen seien, erklärt die Regierung, in den Medien veröffentlichte Meldungen über eine Abwicklung des Institutes seien von "untergeordneter Bedeutung". Die Stützungsmaßnahmen seien der HRE-Gruppe gewährt worden, um deren Liquiditätsschwierigkeiten zu beheben und nicht, um die HRE abzuwickeln. Mit den Stützungsmaßnahmen sei das Finanzsystem in Deutschland erfolgreich stabilisiert worden. Eine Insolvenz der Bankengruppe, deren Bilanzvolumen bei 400 Milliarden Euro lag, hätte wahrscheinlich ähnliche Konsequenzen für die Finanzmärkte gehabt wie die Insolvenz von Lehman Brothers. "Die dann erforderlichen Stützungsmaßnahmen der Bundesregierung und der entstandene Schaden wären vermutlich um ein Vielfaches größer als die bislang erfolgten Stützungsmaßnahmen für die HRE-Gruppe", heißt es in der Antwort weiter.

      Wie die Bundesregierung zudem mitteilt, betrug das Umlaufvolumen der öffentlichen Pfandbriefe der zur HRE gehörenden Deutschen Pfandbrief Bank AG (DEPFA) Ende vergangenen Jahres rund 42 Milliarden Euro. Die zur Deckung der Pfandbriefe verwendeten Werte seien ausreichend. Die öffentlichen Pfandbriefe der DEPFA seien mit dem Höchstrating "AAA" versehen.

      Quelle: http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2009/2009_104/04.html
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:47:22
      Beitrag Nr. 3.089 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.941.271 von Maraho am 08.04.09 13:40:51Und dies in Bezug dazu ...
      Da ein sehr langer Text, bitte unten anklicken. Prädikat: wertvoll!

      Systemische Erpressung

      [Von Hauke Fürstenwerth] Gemäß einer Aufstellung in der Zeitschrift Die Welt vom 11. Januar 2009 haften wir deutschen Steuerzahler bereits mit einem Betrag von 1,9 Billionen Euro für die Verbindlichkeiten von Pleitebanken. Mit diesem Betrag sozialisieren Bund und Länder in Form von direkten Beihilfen und Bankgarantien die von den Banken angehäuften Verluste. Die Banken dürfen sich schamlos am reichlich gedeckten Tisch der Staatsfinanzen bedienen.

      Weiterführend: http://www.t-blog.de/blog/systemische-erpressung

      Der guten Ordnung wegen. Gefunden habe ich dies auf den NachDenkSeiten!
      http://www.nachdenkseiten.de/

      Eine Sache des Stils.;)
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 13:52:14
      Beitrag Nr. 3.090 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.937.032 von Maraho am 07.04.09 20:59:29Der Griff in die eigene Tasche ...

      Staatsverschuldung
      Wegen Abwrackprämie droht Steuererhöhung
      von Dietmar Neuerer

      Führende Ökonomen in Deutschland lassen kein gutes Haar an der geplanten Aufstockung des Budgtes der Abwrackprämie für Alt-Autos. Im Gegenteil: Sie kritisieren die wettbewerbsverzerrende Wirkung dieser Subvention und gehen davon aus, dass der Steuerzahler für die Finanzierung aufkommen muss. Auch aus der Wirtschaft und der Politik kommt harsche Kritik.


      DÜSSELDORF/BERLIN. Die Aufstockung der Abwrackprämie für Alt-Autos wird nach Einschätzung des Chefs der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, und des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, Steuererhöhungen nach sich ziehen. "Die Aussichten, dass die Abwrackprämie die Konjunktur stabilisiert, Steuerausfälle verhindert und so zur Selbstfinanzierung beiträgt, sind schlecht", sagte Zimmermann am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt.com. Im Augenblick werde sie zwar durch Schulden finanziert. "Sie muss aber letztlich von uns allen durch höhere Steuern bezahlt werden", betonte der DIW-Chef.

      Franz kritisierte, dass mit der Prämie eine bestimmten Branche subventioniert werde, was nun mal wettbewerbsverzerrend wirke. Andere Branchen und Teile der Autobranche, wie die Kfz-Werkstätten, zahlten die Zeche. Zudem drohten den Bürgern als Folge dieser Aufstockung entweder höhere Schulden des Staates oder höhere Steuern, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Wolle man keine neuen Schulden, wofür er sei, „geht das nur über Steuererhöhungen“.

      Zu einer anderen Einschätzung kommt der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Er glaubt, dass die Gefahr von Steuererhöhungen durch die Verlängerung der Abwrackprämie "nicht größer" werde, wie er Handelsblatt.com sagte. Zunächst müsse die Prämie ohnehin wie das gesamte Konjunkturpaket durch eine höhere Verschuldung finanziert werden, da sie ansonsten jedwede konjunkturelle Wirkung einbüße. "Die Frage nach Steuererhöhung stellt sich erst dann, wenn die Konjunktur sich erholt", sagte Horn. Die Erfahrung zeige, dass mit guter Konjunktur und dann sparsamer Haushaltsführung, die Defizite rasch zurückgeführt werden können. "Voraussetzung ist allerdings, dass die unseriösen Versprechungen über Steuersenkungen kassiert werden".

      Der Wirtschaftsweise Franz unterstrich, „nichts geht an der Tatsache vorbei, dass irgendjemand dafür bezahlen muss“. Insgesamt halte er jedenfalls „relativ wenig“ von den Plänen der Regierung. Die Abwrackprämie, die man nun bis zu einer Gesamtsumme von fünf Mrd. Euro zahlen wolle, löse in erster Linie ein konjunkturelles Strohfeuer aus. Dass sich die Regierungsspitzen unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel darauf verständigt hätten, schrieb Franz dem steigenden Druck auf die Politiker durch die nahende Bundestagswahl zu. Nach dem Auslaufen der Wirkung dieser Maßnahme werde der Katzenjammer aber kommen.

      In der Wirtschaft wurde die Verlängerung der Abwrackprämie ebenfalls scharf kritisiert. Die Extrabehandlung der Autoindustrie sei falsch, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der Nachrichtenagentur Reuters. Gerade bei Mittelständlern in anderen Branchen herrsche Unverständnis. „Selbst für die Autoindustrie ist das nur ein Pyrrhus-Sieg“, warnte Driftmann. Der scheinbare Erfolg von heute müsse morgen teuer bezahlt werden. Bei den deutschen Kleinwagenherstellern drohe 2010 ein Verkaufseinbruch. Mit fünf Mrd. Euro Investitionen in Bildungseinrichtungen und die Verkehrswege hätte man nachhaltig etwas für das Land getan.

      Harsche Kritik kam auch von der Opposition im Bundestag. Zwei Drittel der über die Abwrackprämie verkauften Fahrzeuge würden im Ausland gebaut, sagte der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms im Deutschlandradio Kultur. Um deutschen Herstellern mit ihrem Angebot an Mittelklassewagen zu helfen, hätten die Abschreibungen für Geschäfts- und Dienstwagen erhöht werden müssen. Stattdessen werde der Automarkt nach Auslaufen der Prämie einbrechen.

      Das Kabinett beschloss am Morgen, den Topf für die Abwrackprämie von bisher 1,5 auf fünf Mrd. Euro aufzustocken. Damit können zwei Mio. statt bislang 600 000 Autobesitzer davon profitieren. 1,2 Mio. Anträge liegen bereits vor. Die Prämie von 2500 Euro je Alt-Auto soll längstens bis Jahresende gezahlt werden. Zur Finanzierung soll der entsprechende Posten im Investitions- und Tilgungsfonds erhöht werden. Einen Nachtragshaushalt werde es nicht geben, hieß es in den Regierungskreisen.

      Grünen-Fraktionschefin Renate Künast bemängelte, die Abwrackprämie sei von Anfang an Murks gewesen. Auch sie erwartet einen rapiden Einbruch der Verkaufszahlen. „Wer jetzt einen Neuwagen kauft, wird sich nächstes und übernächstes Jahr - wenn neue, umweltfreundlichere Modelle auf den Markt kommen - nämlich keinen kaufen“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

      Der Bundesverband freier Kfz-Händler kritisierte, dass nur der Verkauf eines sehr schmalen Segments kleiner, billiger Autos stark profitiere. Er hätte sich eine gezieltere Förderung der Umwelt gewünscht, etwa durch eine Subventionierung nachrüstbarer Katalysatoren, sagte Verbands-Geschäftsführer Ansgar Klein dem MDR.

      Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg versicherte indessen, dass die Prämie nach der Aufstockung nicht noch einmal erhöht werde. „Danach ist Schluss“, sagte er. „Mir ist entscheidend wichtig, dass es eine Deckelung gibt, und zwar eine klare Deckelung“, betonte der Minister. Das gleiche gelte für die Begrenzung der Förderung auf maximal den 31. Dezember 2009. „Für eine Dauersubventionierung stehe ich nicht zur Verfügung“, sagte er, auch nicht für eine weitere Aufstockung. Der Minister verteidigte die Erhöhung des Fördertopfes. Damit werde zum Teil ein Ausgleich bei der Inlandsnachfrage für die Rückgänge bei der Auslandsnachfrage geschaffen.

      Tatsächlich bremste die Abwrackprämie den Auftragseinbruch der deutschen Industrie im Februar etwas ab. Die Firmen sammelten zwar preis- und saisonbereinigt 3,5 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Zuletzt war das Neugeschäft aber noch stärker eingebrochen, etwa im Januar um revidiert 6,7 Prozent. Hersteller von Autos und Autoteilen hätten ein sogar leichtes Auftragsplus eingefahren, hieß es. Auch die Produzenten von Investitionsgütern hätten von Geschäftspartnern in der Euro-Zone mehr Orders erhalten. Deshalb habe nicht allein die Abwrackprämie den Rückgang der Bestellungen gedämpft, erklärte das Ministerium.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachricht…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 14:03:58
      Beitrag Nr. 3.091 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.933.450 von Maraho am 07.04.09 14:03:41In Bezug.

      Deutsche Exporte
      Starker Einbruch im Februar

      Die deutschen Exporte sind im Februar wegen der weltweiten Wirtschaftskrise um 23,1 Prozent eingebrochen. Das ist der zweitsstärkste Rückgang seit dem Jahr 1950, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit.


      Berlin - Die Unternehmen in Deutschland verkauften Waren im Wert von 64,8 Milliarden Euro ins Ausland und damit 23,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Erst im Januar hatte es mit revidiert 23,2 Prozent das bislang größte Minus gegeben.

      Die Exporte gingen kalender- und saisonbereinigt um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück. Das war bereits das fünfte Minus in Folge. Von Reuters befragte Experten hatte hier einen Rückgang von 3,7 Prozent vorausgesagt.

      Im Januar war es um 7,4 Prozent nach unten gegangen - das Statistikamt korrigierte damit den ursprünglich ermittelten Wert von minus 4,4 Prozent deutlich nach unten.

      Wegen der weltweiten Nachfrageflaute rechnet der Exportverband BGA für 2009 mit einem Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Gründung der Bundesrepublik 1949.

      Die Einfuhren nahmen im Februar um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat ab. Insgesamt wurden Waren im Wert von 56,2 Milliarden Euro importiert. Das waren 16,4 Prozent weniger als im Februar 2008.

      manager-magazin.de mit Material von reuters
      Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,6…
      10 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 14:23:34
      Beitrag Nr. 3.092 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.936.201 von Maraho am 07.04.09 19:02:59Die Kritik an der Kritik ...


      POLITIK OHNE GEIST
      Freispruch für das Prekariat!

      Bei politischen Themen schalten sie ab, sie verachten die Medien, werden zur Gefahr für die Demokratie - so stellt der Politologe Franz Walter die unteren Einkommensschichten dar. Zu Unrecht, hält Gabor Steingart dagegen und kommentiert: Die Elite hat den Groll des Prekariats vollauf verdient.


      Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 ließ der Schriftstellerverband der DDR in der Stalinallee Flugblätter verteilen. Auf denen war zu lesen, das Volk habe das Vertrauen der Regierung verloren: "Nur durch verdoppelte Arbeit lässt es sich zurückgewinnen." Der Spötter Bertolt Brecht widersprach: "Wäre es da nicht doch einfacher", fragte er augenzwinkernd, "die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"

      An diese Episode erinnert, wenn auch unfreiwillig, der Politikwissenschaftler Franz Walter, der am Dienstag an dieser Stelle über die Verbitterung der kleinen Leute schrieb. Der Unterschied: Brecht nahm das Volk in Schutz, Walter giftet es an. Den "Zugehörigen der niedriger angesiedelten Milieus", so der Professor aus Göttingen, fehle die Fähigkeit unsere heutige Welt zu begreifen. Deshalb sei sie politikverdrossen. Aus der Brechtschen Ironie ist Walterscher Ernst geworden.

      Das einfache Volk sehne sich nach einem Bundeskanzler vom Typus Günther Jauch, schreibt er. Auf die "Vermehrung von Komplexität" in der modernen Welt reagiere es mit Politikerverachtung. Politiker und Medienmenschen gelten ihm "als ein miteinander verbandelter Haufen".

      All dieses hat der Professor sich natürlich nicht ausgedacht, sondern in einer "Prekariatsstudie" herausgefunden. Das Ergebnis dieser Erkundungsreisen soll hier nicht in Abrede gestellt werden. Walter ist ein Ehrenmann und kein Scharlatan. Aber vielleicht hat er die Grammatik des gemeinen Volkes nicht richtig gedeutet. Solche Verständigungsschwierigkeiten zwischen unten und oben soll es ja geben.

      Was wäre davon zu halten, wenn das Prekariat recht hätte und der Professor irrte? Wenn die Abwendung von der Politik nicht vom Nicht-Verstehen, sondern vom Durchschauen verursacht wäre? Wenn das Zuviel an Nähe von Journalist und Politiker nicht in der Einbildung, sondern in der Wirklichkeit existierte? Wenn es der deutschen Demokratie tatsächlich an der Fähigkeit ermangelte, Probleme nicht nur zu benennen, sondern sie auch zu lösen? Das Auseinanderklaffen von Wort und Tat wird im Hartz-IV-Milieu naturgemäß eher bemerkt als in der wohltemperierten Welt des Bundesangestelltentarifs.

      Man schreibt nicht mehr übereinander, sondern miteinander

      Beginnen wir also mit uns selbst, mit den Medien: Man muss nicht im Hartz-IV-Milieu leben, um den neuzeitlichen Flirt von Politikern und Berichterstattern zumindest merkwürdig zu finden. Renommierte Journalisten renommierter Zeitungen, namentlich von "Tagesspiegel", "Zeit" und "Süddeutscher Zeitung" treten zu Beginn des Wahljahres als Co-Autoren der Parteigrößen Frank-Walter Steinmeier, Renate Künast und Franz Müntefering in Erscheinung.

      Man schreibt Bücher nicht mehr übereinander, sondern miteinander. Man begründet finanzielle Zugewinngemeinschaften mit dem Berichtsgegenstand. Das Wort "Unabhängigkeit" verliert dadurch seine ursprüngliche Bedeutung.

      Auch in der Benutzung von Sprache sind Annährungen zu beobachten, die weder der Sprache noch dem Leser guttun. Das Wort Volkspartei beispielsweise wird gebraucht, obwohl jeder weiß, dass SPD und CDU damit nicht mehr gemeint sein können. Dafür fehlen in ihren Reihen die Jungen, die Frauen, die Arbeiter und die Unternehmer.

      Der Parlamentarier wird in unseren Artikeln gemeinhin als Volksvertreter bezeichnet, obwohl jeder zweite sein Mandat der Parteiliste verdankt. Das Volk aber weiß, wen es gerade abgewählt hat (Andrea Ypsilanti zum Beispiel: minus 50 Prozent der Stimmen in ihrem Wahlkreis) und wer dennoch fröhlich im Landtag sitzt (Ypsilanti zum Beispiel in der dritten Reihe).

      Im September ist Wahltag, steht in unseren Zeitungen, obwohl es eher Lotterietag heißen müsste. Der Wähler steckt sein Los in die Trommel und die Parteien ziehen sich eine Koalitionsregierung heraus. Man wäre versucht zu sagen, der Bürger wählt die Katze im Sack. Aber selbst das stimmt nicht. Bei der Katze im Sacke weiß man wenigstens, dass im Sack eine Katze steckt. Nach der Bundestagswahl aber kann aus dem Sack ein Außenminister Westerwelle klettern - oder ein Vizekanzler Lafontaine.

      Jede Belanglosigkeit kommt nun mit der Federboa in den Saal

      Reden wir also über die Parteien, denen das Prekariat nichts zutraut. Die Unterschiede zwischen SPD und CDU sind nicht komplex, wie der Forscher suggeriert, sie sind kaum existent. Was für ein Unterschied zur Politik der fünfziger, sechziger, siebziger Jahre, als Politik noch tatsächlich Richtungsentscheidung bedeutete.

      Westbindung kontra Neutralität, Wiederbewaffnung oder ein Land ohne Armee, Entspannungspolitik oder verschärfter Kalter Krieg? So klang es, als um die richtige Richtung gerungen wurde.

      Nicht dass unsere Zeit nicht genug Fragen von historischer Tragweite aufwerfen würde: Die Weltwirtschaftskrise ist ein einziges Fragezeichen. Über die Zukunft der Marktwirtschaft und die Rolle des Staates ließe sich trefflich streiten. Doch die inhaltlich ermatteten und personell erschöpften Parteien sind zu einer deftigen Auseinandersetzung gar nicht in der Lage. In Berlin hat sich vielmehr eine rhetorische Regierungsform eingeschlichen. Man beklagt seitens der Parteien die Undurchlässigkeit des Bildungssystems - und lässt die Bildungsbarrieren unangetastet. Man stellt fest, dass die Ausländerintegration nicht wie gedacht funktioniert - und veranstaltet eine Islamkonferenz. Man geißelt die Staatsverschuldung - und steigert sie. Man verspricht eine Reform der Gesundheitsversorgung - und setzt die Beiträge herauf.

      Der Professor weiß das, der gemeine Bürger aber spürt es auch noch. Wenn nicht alles täuscht, dann wünscht sich das einfache Volk weder Hitler noch Jauch im Bundeskanzleramt. Es wäre mit einem zweiten Helmut Schmidt vollauf zufrieden. Von 20 Büchern auf der aktuellen SPIEGEL-Sachbücher-Bestsellerliste ist eines dem Glück gewidmet, eines der Liebe, zwei der Kindererziehung und drei befassen sich mit Helmut Schmidt. Das ehrt den 90-Jährigen und muss die Nachgewachsenen vom Scheitel bis zur Sohle beschämen.

      Der heraufziehende Wahlkampf soll die gedankliche Leere auf der Berliner Bühne vergessen machen. Der kleine Unterschied hat in den kommenden Monaten wieder seinen großen Auftritt. Die Kanzlerin schminkt sich grell. Die SPD trägt wieder Rot. Alle Unterschiede werden herausgeputzt, echte und unechte, erledigte und erfundene, jede Belanglosigkeit kommt nun mit Federboa in den Saal stolziert.

      Eine Zappelliese, nicht mal ein zweiter Kohl

      Aber wer ist eigentlich der Naive in diesem Spiel: das Prekariat, das von den PR-Strategen nicht mehr erreicht werden kann? Oder die Intelligenz, die ihre Wünsche und Hoffnungen erneut in dieselben Protagonisten hineinphantasiert, wissend, dass diese auch beim nächsten Mal nicht liefern werden. Angela Merkel ist nun einmal eine politische Zappelliese und kein zweiter Adenauer, nicht einmal ein zweiter Kohl. Steinmeier ist mit Brandt und Schmidt nur entfernt verwandt. Ein Apfelbaum trägt nicht auf einmal Apfelsinen.

      Wer genau hinschaut, der erkennt, dass beide Spitzenkandidaten in Wahrheit die gleiche politische Welt bewohnen. Sie ist, im Vergleich zur Welt ihrer Vorfahren, eine Welt im Kleinstformat.

      Der Philosoph Karl Popper kann am besten erklären, wie diese politische Schrumpfwelt aussieht. Er hat, in der Absicht, uns das Verstehen leichtzumachen, die Wirklichkeit in drei Welten eingeteilt.

      Welt Nummer eins ist die materielle Welt des Seins. Sie wird bewohnt von Autos, Kühlschränken und Computern.

      Welt Nummer zwei ist die Welt unserer Erlebnisse und Gefühle. In dieser Welt wird geweint und gelacht.

      Welt Nummer drei ist die Welt des Geistes, in der Theaterstücke geschrieben, Brücken geplant, Computer erfunden, aber eben auch gesellschaftliche Probleme verstanden und im Geiste gelöst werden. Es ist das Reich des Möglichen.

      Vereinfacht kann man sagen: Das Flugzeug gehört zur Welt eins, das Fliegen findet in Welt zwei statt, aber die Erfindung des Flugzeugs haben wir dem Nachdenken in Welt drei zu verdanken.

      Alle drei Welten sind miteinander verbunden. Poppers Philosophie handelt von der ständigen Rückkopplung zwischen ihnen. Ohne die Erfindung des Flugzeuges könnten wir nicht fliegen. Ohne Flugzeugabsturz gäbe es kein Nachdenken über ein neues, besseres Fluggerät. Erst durch das ständige Hin und Her zwischen den Welten entsteht Fortschritt. Popper spricht von "Erkundungsfahrten auf der Suche nach einer besseren Welt".

      In der politischen Wirklichkeit aber wurden die Verbindungsstücke zwischen den Welten vor einiger Zeit schon gekappt. Vor allem Welt drei wird von der deutschen Politik nicht mehr bewohnt. Man hat sich - wie früher die Menschen in einem zugigen, ausgekühlten Altbau - in die unteren beiden Stockwerke zurückgezogen. Dort kauern Steinmeier und Merkel in einer politischen Zweckgemeinschaft, die sich Große Koalition nennt.

      Man regiert vor sich hin, man erregt sich über dieses und jenes, aber das obere Stockwerk, Welt drei, wirkt wie ausgestorben. Die Suche nach der besseren Welt ist praktisch eingestellt. Das kraftvollste Lebenszeichen der vergangenen vier Jahre verbindet sich mit dem Wort "Abwrackprämie".

      Merkels Programm für die kommenden Monate heißt Dran-Bleiben, Steinmeiers Dran-Kommen. Wer von den beiden mehr erwartet ist selber schuld. Vielleicht macht sich das Prekariat einfach nur weniger Illusionen als der Professor, der es untersucht hat.

      Kurt Tucholsky würde an dieser Stelle heftig nicken: "Das Volk versteht das meiste falsch, aber es fühlt das meiste richtig", hat er einst gesagt. Bei Franz Walter ist es wahrscheinlich umgekehrt.

      Quelle: http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,618088,00.ht…

      Bis nachher ...
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 18:49:08
      Beitrag Nr. 3.093 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.826.927 von Maraho am 23.03.09 16:31:15Guten Abend zusammen,
      jetzt geht es weiter ...
      Frage: Wer rettet die eigentlich vor sich selbst ...


      Gefahr für Anleihemarkt
      Washington rettet auch Versicherer

      Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Zum Beispiel die US-Lebensversicherer, die nach Banken und Autobauern ebenfalls Staatsgeld bekommen sollen. Einige haben sich extra Institute gekauft, um teilnahmeberechtigt zu sein. Die Wall Street reagiert erleichtert.

      Die US-Regierung plant offenbar, ihren Bankenrettungsfonds Tarp auf einige kriselnde Lebensversicherer auszuweiten. Unternehmen wie Prudential Financial und die Hartford Financial Services Group hätten sich bereits um Gelder beworben, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch. Bereits in den nächsten Tagen soll die Ausweitung demnach offiziell bekannt gegeben werden.

      Die Aktien von Lebensversicherern haben in diesem Jahr mehr als 40 Prozent eingebüßt. Zudem haben sie mit Herabstufungen ihrer Bonitätsnoten durch Ratingagenturen zu kämpfen, was die Refinanzierung verteuert hat. Die Stabilität der Lebensversicherer ist entscheidend - sollte eine größere Anzahl von Kunden versuchen, sich ihre Policen auszahlen zu lassen, könnte das die Gesellschaften in arge Bedrängnis bringen.

      Zudem halten Versicherer massenweise Anleihen. Müssten sie diese verkaufen, um sich mit frischem Geld zu versorgen, könnte das die Bondmärkte ins Trudeln bringen. Investoren reagierten daher erfreut auf den Bericht: Die US-Börsen lagen nach Handelsbeginn leicht im Plus.

      Damit kann nach Banken und Autokonzernen eine dritte Branche von Tarp profitieren. Teilnahmeberechtigt sind allerdings nur Versicherer, die eine auf föderaler Ebene zugelassene Bank oder Bausparkasse besitzen. Die Regierung hatte dies bereits im vergangenen Herbst in Aussicht gestellt, als sie das Rettungsprogramm auflegte. Einige Versicherer, darunter Hartford und Lincoln National, kauften daraufhin Bausparkassen, um die Mittel in Anspruch nehmen zu können.

      Nicht alle Versicherer stecken in Schwierigkeiten: Massachusetts Mutual Life und New York Life gehören zu den Gesellschaften, die noch immer ein Top-Rating haben. Versicherer waren lange relativ gut durch die Krise gekommen, weil sie in vergleichsweise risikoarme Produkte investieren. Mittlerweile verzeichnen aber viele Verluste auf ihre Investitionen in Bonds und Immobilien.

      Außerdem haben etliche Versicherer Mindestrenditen garantiert – egal, wie sich die Aktienmärkte entwickeln. Daher trifft sie die weltweite Flaute an den Börsen. Einige haben deshalb damit begonnen, Barmittel zu horten anstatt Anleihen zu kaufen, was die Spannungen an den Märkten verstärkt hat.

      Einen möglichen Lichtblick gibt es immerhin: Steuerzahler könnten Staatshilfe für Versicherer wohlwollender betrachten als Unterstützung für Banken, weil die Policen wichtig für ihre langfristige finanzielle Sicherheit sind.

      Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:Gefahr-f%FCr-A…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 19:01:01
      Beitrag Nr. 3.094 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.849.463 von Maraho am 26.03.09 05:35:36Mal wieder eine Geiselnahme in Frankreich ...

      Militante Proteste
      Neue Geiselnahme in französischer Fabrik

      Aus Protest gegen die Schließung ihres Werkes haben Arbeiter des britischen Klebebandherstellers Scapa in Frankreich vier Manager gefangen genommen. Laut Gewerkschaft können sich die seit Dienstagabend festgesetzen Manager im Gebäude frei bewegen. Raus dürfen sie aber nicht.


      Lyon - Die Beschäftigten hielten drei Briten und einen Franzosen seit Dienstagabend in einer Fabrik in Bellegarde-sur-Valserine unweit der Schweizer Grenze fest, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Vor dem Hintergrund einer Welle von Entlassungen wegen der Wirtschaftskrise gibt es in Frankreich inzwischen eine ganze Reihe von Vorfällen, in denen Arbeiter ihre Manager gefangen genommen haben.

      Nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters wollen die rund 60 Beschäftigten der Fabrik mit der Aktion eine Verbesserung des Sozialplans erreichen. "Wir fordern gerechte Abfindungen", sagte ein Arbeitnehmervertreter am Mittwoch.

      Bei den nun gefangenen Briten handele es sich um den Europa-Chef von Scapa sowie die Personalchefin und den Finanzvorstand von Scapa France, teilte das Unternehmen mit. Der französische Manager ist demnach der Leiter der Frankreich-Tochter.

      Scapa hatte im Februar die Schließung der auf Klebebänder für die Autoindustrie spezialisierten Fabrik mit rund 60 Mitarbeitern bekannt gegeben. Grund ist demnach ein Nachfragerückgang um 50 Prozent in diesem Bereich. Die gefangenen Manager hatten am Dienstag mit den Beschäftigten über die geplanten Entlassungen verhandelt.

      Schon Mitte März hatten wütende Arbeiter wegen der Schließung eines Magnetband-Werkes den Frankreich-Chef des Elektronikkonzerns Sony sowie seinen Personalchef eine Nacht lang gefangen gehalten. Kurz darauf musste der Leiter eines Medizinprodukte-Werkes des US-Konzerns 3M eine Nacht in seiner Fabrik ausharren. Ende März folgten dann mehrere Manager des US-Baumaschinenherstellers Caterpillar in Grenoble. Schon Ende Januar hatten Beschäftigte einer Fabrik des Autobatterie-Herstellers Exide Technologies ihren Chef gewaltsam gezwungen, mit ihnen an einer Demonstration teilzunehmen.

      Wegen der Serie solcher Vorfälle hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Beschäftigten im Land vor weiteren Geiselnahmen gewarnt. Dies sei in einem Rechtsstaat nicht möglich, sagte er am Dienstag. In einer am selben Tag erschienen Umfrage für die Zeitung "Le Parisien" hatten 45 Prozent Prozent der Franzosen Verständnis für solche Aktionen gezeigt.

      manager-magazin.de mit Material von afp und dpa
      http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,618172,0…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 19:32:39
      Beitrag Nr. 3.095 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.871.146 von Maraho am 28.03.09 12:13:35In gewisser Weise in Bezug.
      Borgen und Schmausen endet mit Grausen.


      Privat verschuldet
      Die dunkle Seite des Geldes
      Von Beate Fleming

      Ein Kredit aufzunehmen ist heute scheinbar so normal, wie das Aufbewahren der Quittung nach dem Kauf. Es ist ja auch nicht schlimm - solange man den Kredit abbezahlen kann. Immer mehr, immer jüngere Deutsche schaffen das aber nicht.
      Eine Reise durch ein Land mit sieben Millionen Schuldnern.


      Die Haustüren, an denen der Mann mit Aktentasche und Beamtenmantel klingelt, sehen immer ganz harmlos aus. Wie in einem Horrorfilm beginnt das Grauen, sobald sie sich öffnen und Peter Zwegat seine Hand ausstreckt - "Sie haben mich gerufen". Das macht er immer mittwochs pünktlich um 21.15 Uhr auf RTL. Wo Zwegat hingeht, ist, auf Deutsch, die Kacke am Dampfen - manchmal so doll, dass sogar der unerschütterlichste Schuldnerberater Deutschlands zwischendurch rausmuss, um sich an einer Marlboro fest zuhalten. Millionen gruseln sich mit ihm, gebannt von einer Mischung aus Vor- und Schadenfreude. Und Angst.

      An diesem sonnigen Vormittag in Berlin- Charlottenburg sitzt er in der düstersten Ecke des Cafés. Mit Schulterblicken checkt er, ob sich vom Eingang her jemand mit überquellenden Ordnern nähert. In Wirklichkeit raucht er noch mehr als auf RTL und trinkt dazu einen Dreiviertelliter Kaffee. Wer ist schuld an den Schulden?

      Finanziell fatal

      Dazu fallen Zwegat ein Haufen Beispiele ein: Da sind die Azubis, "die das Wort Dispositionskredit nicht buchstabieren können, aber einen haben". Dann kennt er "junge Menschen, die ihre erste Wohnung beziehen, aber die muss gleich perfekt eingerichtet sein". Dann gibt es "Frauen, die keine Schulden hätten, wenn sie den 'Kerl' nicht hätte". Finanziell fatal findet Zwegat auch den "übermächtigen Wunsch vieler Paare nach einem Eigenheim, obwohl sie verdienstmäßig dafür nicht infrage kommen, die Finanzierung nicht von der Verbraucherberatung überprüfen lassen. Und drittens: Mindestens jede dritte Ehe wird geschieden", unkt Zwegat. Wirklich zur Verzweiflung aber treiben ihn jene, "die ihr Recht auf Dummheit missbrauchen". Kurz gesagt: Schuld ist, wer nicht so ist wie Zwegat. Der wohnt seit 1974 in derselben Wohnung - zur Miete. Seine erste Einrichtung bestand "aus Jaffa-Möbeln und einem alten Sessel von der Oma". Weil "jeder Wunsch sofort zwei Junge kriegt", hat er keinen Flachbildschirm, kein iPhone und keine Kredite. Waschkörbeweise bewerben sich die Menschen beim vernünftigen Herrn Zwegat, "weil ich vielleicht so was bin wie der gute Freund und Papa, den viele nicht mehr haben".

      Borgen und Schmausen endet mit Grausen. Den alten Spruch hatten die Deutschen fast vergessen. Doch jetzt überholt sie die Horrorwirklichkeit. In der Weltwirtschaft wie auch privat. Auftragsrückgang, Kurzarbeit, Insolvenzen, Entlassungswelle und eine Regierung, die den Schirm über Banker hält, während immer mehr Bürger im Regen stehen. Schon 2008, als die Krise nur in der Zeitung stand, war jeder zehnte Erwachsene überschuldet. Doch jetzt steht sie im Wohnzimmer. Was wird 2009? Viele hoffen, noch mehr unken, jedenfalls wird dieses Jahr sogar Berufspessimisten negativ über raschen. Eins war schon immer klar: Es kann jeden treffen.

      Hamburg-Harburg. Kaum ist er aus seinem Dacia Pick-up gestiegen und hat einem die weiche Pranke gereicht, schon liegt sein Leben da wie eine alte Hure mit gespreizten Beinen. Die Reling seines Hausboots ist brüchig, sein Bett ungemacht, die Küchenregale sind voll mit Diätfutter-Dosen, und in der Abfalltonne liegen ausgedrückte Tablettenblister. Dazwischen steht Gunter Gabriel, 66, baumgroß und dröhnt: "Ich hab Mundgeruch und Fußpilz!" Und außerdem hat er Schulden. "Ich kann im Moment nicht genau sagen, wie viele. Auf jeden Fall sechsstellig." Das nur, weil der Schlagerstar ("Hey Boss, ich brauch mehr Geld!") eigentlich sparen wollte: Steuern. Zu dem Zweck hatte er vor 20 Jahren 40 Eigentumswohnungen gekauft. Schrott-Immobilien. Habsucht ist die Wurzel allen Übels. Gabriel holt ein Fan-T-Shirt raus. Darauf prangt: "Steh auf! Mann." Dann kommt sein Band- Kumpel mit einem Schraubenschlüssel und einer schlechten Nachricht rein. "Deinen Trockner krieg ich nicht mehr hin." - "Große Scheiße", flucht Gabriel.

      Alle haben Schulden

      Eine zutreffende Einschätzung der aktuellen finanziellen Lage sowohl von Gunter Gabriel als auch von Deutschland. Schulden: Selbst die schrumpfende Minderheit der Bundesbürger, die denkt, sie hätte keine, hat welche. Und zwar 18.825 Euro. 2262 Euro zahlen wir Zinsen - pro Sekunde, für die Miesen von Bund, Ländern und Kommunen, also von uns.

      Die Regierenden, die soeben Rettungspakete im Wert von gut zwei Millionen Einfamilienhäusern beschlossen haben, wollen jetzt auf die Schuldenbremse treten. Jetzt? Äh, ab 2020. Es soll ja noch Bürger geben, die sich darüber aufregen können. Der große Rest schweigt und hofft, dass die Sache gut ausgeht. Machen wir doch genauso: Allein 200 Milliarden Euro haben die Deutschen zum Beispiel an Konsumentenkrediten laufen. Rund 25.000 Euro geben sie im Schnitt für ihren Neuwagen aus. Etwa 70 Prozent kaufen ihn auf Pump. Zusätzlich zu den Konsumschulden haben die Bürger laut Bundesbankstatistik Kredite in Höhe von 1094 Milliarden Euro für ihre Eigenheime aufgenommen. Schulden sind wie Mundgeruch - ein bisschen peinlich, aber man kann damit leben. Solange einen keiner darauf anspricht. Noch weniger gern als über Geld reden wir Deutschen nämlich über Geld, das wir noch nicht verdient haben. Über Schulden. Aber wenn es Nacht wird in unserer Minusgesellschaft, wälzt sich mancher schlaflos im Bett und betreibt Zinsrechnung: neues Haus, neue Küche, neuer Flachbildschirm und dann noch der neue A6 - kann man das alles in einem Leben abbezahlen?

      Vielleicht. Wenn wir uns fünf Jahre lang nur Margarine aufs Brot schmieren. Beten, dass nichts verrutscht. Vor allem nicht das Kondom. Bloß kein drittes Kind! Bloß gesund bleiben! Schaffe, schaffe, Häusle baue - von wegen. Sogar die Schwaben haben ihr Motto mittlerweile umgedreht: Häusle baue und dann: hoffen, hoffen - dass es mich nicht trifft. Manche verplanen sogar die Rente der 85-jährigen Oma für die nächsten 20 Tilgungsjahre. Wer weiß, bei guter Pflege

      Überschuldung

      Überschuldung bedeutet: Das Monatsgehalt reicht nicht, um Lebenshaltungskosten und Raten zu decken. Die Auslöser: 1. Arbeitslosigkeit, 2. Scheidung, 3. Krankheit. Aber wenn die Pleite, wie Schuldenberater Zwegat sagt, "das letzte Tabu" ist - warum ziehen die Leute sich dann bei RTL, manchmal wortwörtlich, bis auf die Unterhosen aus? Weil es in Deutschland zu wenig Beratungsstellen gibt, Wartezeit bis zu anderthalb Jahre.

      "Herr Zwegat ruiniert uns", sagt Frank Wiedenhaupt von der Schuldnerberatung "Neue Armut e.V." in Berlin-Neukölln. "Die Leute fragen, warum wir sie nicht auch zu Hause besuchen und Händchen halten." Donnerstagvormittag ist Sprechstunde in der Richardstraße 111. "Handy kaputt. SIM-Karte kaputt. Trotzdem jedäh Monat Brief. Soll zahle 35 Euro!" Herr F., Witwer aus Ex-Jugoslawien, hat noch eine Plastiktüte voller Rechnungen dabei: Fernsehgebühren, Strom für die vorherige Wohnung, Gas für die vorvorige, und das Sozialamt will auch noch Geld zurück. Er hat alle Forderungen in Klarsichthüllen gesteckt. Gezahlt hat er nichts.

      Jährlicher "Schuldneratlas"

      Jahr für Jahr erstellen Creditreform und Schufa, beides Zusammenschlüsse von Unternehmen, die Wert auf die Bonität ihrer Kunden legen, den "Schuldneratlas" beziehungsweise "Schuldenkompass" der Republik. Der ist an fast allen Stellen deckungsgleich mit dem Nord-Süd-Gefälle der Arbeitslosenstatistik: viele rote Flecken in Bremen, Berlin und weiten Teilen des Ruhrgebiets; Bayern und Baden-Württemberg dagegen: grün. In Wuppertal sind 18,82 Prozent der Bevölkerung überschuldet, in Eichstätt 4,01 Prozent. Bundesweit sind 6,9 Millionen über 18-Jährige betroffen, 1,17 Millionen davon wohnen im Osten. Auf Platz eins der aktuellen Hitliste: die Offenbacher. Fast jeder fünfte Erwachsene ist dort abgestürzt ins Schuldenloch.

      Die Ursachen liegen lange zurück, sind so schnell nicht zu beseitigen und finden sich in vielen anderen Pleitier-Kommunen. Offenbach war einmal eine Arbeiter- und Industriestadt. Doch die Industrie, die 70 Prozent der Arbeitsplätze stellte, ist weggebrochen. Die "dynamische Main-Region" bietet jetzt Jobs im "Backoffice-Bereich" von Banken und in der "Kreativ-Wirtschaft". Sitzen geblieben ist ein "Publikum, das es schwer hat", so Matthias Müller von der Stadt Offenbach. 30 Prozent der Offenbacher sind Nichtdeutsche, dazu kommen 15 Prozent Eingebürgerte mit Migrationshintergrund.

      Gemessen am Bevölkerungsanteil sind die Migranten in der Schuldnerberatung überrepräsentiert. Aber auch in Stuttgart, wo die Arbeitslosenquote nur 5,3 Prozent beträgt, hat - bei einem Ausländeranteil von 21 Prozent - jeder zweite Klient der Schuldnerberatung einen Migrationshintergrund. Der Schuldenatlas weist auch deutliche Überschneidungen mit den Pisa- Ergebnissen auf. Ob man seine Schulden im Griff hat, ist eine Frage der Bildung, sagt Martin Tertelmann, Präventionsbeauftragter der "Zentralen Schuldnerberatung" in Stuttgart. Besserer Schulabschluss, bessere Ausbildung, mehr Gehalt, mehr Möglichkeiten, die Schulden abzubezahlen.

      Bedeutung des gesellschaftlichen Lebens

      Wenn Tertelmann zum Hausbesuch kommt, steht er neben gigantischen Fernsehbildschirmen, und auch sonst ist der Haushalt multimedial bis an die Zähne bewaffnet. Seine jugendliche Kundschaft versucht, vier Handyverträge gleichzeitig zu bezahlen, alle abgeschlossen, um an das jeweils Neueste ranzukommen. Schon lange sucht er für ein Präventionsprojekt eine Schulklasse, die bereit ist, einen Monat aufs Handy zu verzichten. Natürlich ohne jeden Erfolg. Tertelmann wertet seine Beobachtungen als "Versuch der Unterschicht, über die Medien am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben" - du bist, was du dir runterlädst. Die Jugendlichen aus den Bildungshaushalten der Daimlerstadt hingegen turnen nachmittags im Kinderzirkus oder trainieren Leichtathletik- du bist, was du tust.

      Letzteres ist aber ganz schlecht, und zwar für Industrie, Handel und die Konjunktur, also für uns. Konsum ist ja nicht nur Ersatzreligion, sondern auch erste Bürgerpflicht. Findet auch die Bundesregierung: Die will ja auch, dass Menschen, die ein mindestens neun Jahre altes Auto fahren, also Menschen, bei denen meist kein Geld rumliegt, sich einen Neuwagen kaufen. Für die 2500 Euro Verschrottungsprämie vom Staat kriegt man aber leider nicht mal einen Dacia Sandero, geschweige denn einen durchschnittlich ausgestatteten Kleinwagen um die 11.000 Euro. 1000 Euro könnte man lockermachen. Null Problem: Die Verkäufer in den Autohäusern erklären gern alles wortreich und wolkig - außer dass sie einen Hunni Provision pro abgeschlossener "Finanzierung" für die fehlenden 7500 Euro bekommen. Das Geschäft mit den Schulden ist ein Riesengeschäft.

      Vielen Firmen ist einer, der kein Geld hat, sowieso lieber. Der zahlt nämlich mehr als einer, der Geld hat. Zum Beispiel kriegt der Sofort- Zahler beim Baur- Versand das Siemens- Notebook "Amilo Li 2727" für 599,90 Euro. Wer mit 36 Monatsraten à 20,14 Euro abstottert, berappt am Ende 725,16 Euro. Man kann das begehrte Objekt auch in 48 Monatsraten zu 16,03 Euro haben - und zahlt am Ende 769,79 Euro, ein Zuschlag von fast 30 Prozent.

      Das Kleinstgedruckte

      "Sagen Sie Ja zu Geld sofort supereinfach superflexibel", lockt die Hanseatic-Bank. Überhaupt nicht supereinfach lesen sich allerdings die zwei Seiten kleinstgedruckte "Allgemeine Geschäftsbedingungen", in denen die Bank unfreundliche Nebenwirkungen aufführt: von Einzugsermächtigung über Lohnpfändung bis hin zur Entbindung von der Schweigepflicht "über den Tod hinaus".

      Auch bei der Citibank kommt man schnell an sein "persönliches Kreditangebot". Das "persönlich" klingt kundennah, die bei der Citibank meinen das aber wörtlich. Bewirbt man sich auf dem Onlineformular als Beamter mit 2500 Euro Nettoverdienst um einen 12.000-Euro-Kredit, bekommt man den mit 9,9 Prozent effektivem Jahreszins und zahlt am Schluss 15.900 Euro zurück. Ein Arbeiter im Baugewerbe mit 1000 Euro Nettoverdienst kriegt das Geld für 12,65 Prozent. Am Ende zahlt er 17.000 Euro zurück. Also 1100 Euro mehr. Wer weniger hat, zahlt mehr dafür. Die Citibank stört sich nicht daran, dass die Laufzeit (sechs Jahre) länger ist als viele Arbeitsverträge. Ihre Angst, das Geborgte nie wiederzusehen, verschleiert sie mit: "Unser Tipp: Zu zweit beantragen! Vieles wird leichter, wenn man sich zusammentut." Vor allem für die Citibank. Für ihre Vertragspartner gilt: Wer bürgt, wird erwürgt.

      Manchmal endet das Geschäft mit den Schulden in einer Begegnung mit dem laut Eigenwerbung "schlagkräftigen" "Inkasso-Team Moskau" oder dem Besuch vom "Inkasso brutal": "Wir sagen Ihnen gleich, dass wir nicht kommen zu trinken Kaffee."

      Letzter Schritt: Inkasso

      Von solchen Methoden hält Marion Kremer von "Forte Inkasso" in Germering ganz wenig. "Hausbesuche sind viel zu teuer und bringen meistens nichts." In der Regel schreibt Kremer Briefe, telefoniert und recherchiert im Auftrag von Handwerkern, Ärzten oder Autohäusern. Die sind meist zu nett, findet Kremer, weil sie die Beziehung zum Kunden nicht gefährden wollen. Sie dichten kleine Verse oder beginnen noch ihre dritte Mahnung mit "In der heutigen hektischen Zeit geht so manches unter ". Frau Kremer macht gegen Gebühr laut Tabelle den "Bad Guy", das ist ihr Job, dafür nimmt sie in Kauf, dass neben ihr Firmenschild neulich jemand "Abzocker GmbH" schmierte. Mit manchen Schuldnern hat Kremer sogar Mitleid: "Die Leute können einfach nicht mit Geld umgehen."

      Hassobjekt unzähliger erwischter Schwarzfahrer der Republik ist die Kanzlei Rainer Haas & Kollegen aus Baden-Baden: Knapp 40 Juristen und 90 Sachbearbeiter beschicken die Nichtzahler republikweit mit täglich Hunderten computergenerierten Mahnungen und Vollstreckungsbescheiden. Haas' Gewinn: "Viele stecken den Kopf in den Sand", sagt Haas-Geschäftsführer Stefan Kiener. "Sie machen die Briefe nicht auf." So können aus einem "erhöhten Beförderungsentgelt" von ursprünglich 40 Euro am Ende 235 Euro werden. Das Dazwischen setzt sich aus "Gebühren" und "Auslagen" zusammen. Mit Tausenden Gerichtsverfahren jährlich beschäftigt die Megakanzlei Deutschlands Richter, an jedem Amtsgericht der Republik hat sie einen "unterbeauftragten Anwalt", der die Haas-Mandanten vertritt - das sind zum Beispiel die Deutsche Bahn, die Berliner Verkehrsbetriebe oder der Quelle Versand.

      "Leben Sie - wir kümmern uns um die Details": Schulden machen macht so viel Spaß, zum Beispiel wenn man das neue Schlafzimmer einweiht. Aber nur bis zum existenzvernichtenden Negativeintrag bei der Schufa. Raus aus den Schulden kommt man auf zwei Wegen. Entweder per Verbraucherinsolvenz (da ist man nach sechs Jahren "Wohlverhalten" schuldenfrei) oder: abzahlen. Beides ist total unlustig, und meistens ist man dabei komplett allein. Herrn Z., Ingenieur in Stuttgart, traf der Trennungswunsch seiner Frau unvermittelt. Nach der Scheidung zahlte er ihr monatlich 500 Euro Unterhalt und 800 Euro für die drei gemeinsamen Kinder. Außerdem stotterte er monatlich die Restschuld bei der Bank für das schon verkaufte Haus und Steuerschulden ab: 400 Euro. Zum Leben blieben Z. in den vergangenen sechs Jahren monatlich 400 Euro, davon gingen 350 Euro für seine eigene Miete drauf. Wenn die Kinder ihn am Wochenende besuchten, gab's Grießbrei oder Nudeln. "Manchmal habe ich mich gefragt: Wozu gehst du überhaupt arbeiten?" Mit dem Weihnachtsgeld und kleinen Gehaltserhöhungen stopfte Z. die Löcher, die in einer solchen Lebensschieflage zwangsläufig entstehen. Sein Schuldnerberater Uwe Hopf begreift bis heute nicht, warum Z. nicht Verbraucherinsolvenz angemeldet hat. Da hätte Z. ein ganz bisschen mehr zu beißen gehabt. Kam für Z. aus Gründen der Ehre nicht infrage.

      Hohe Ausfallquoten

      Die Deutschen sind jedenfalls nicht schuld daran, dass die Banken jetzt - in der Tragik liegt durchaus Komik - ausgerechnet bei ihnen um zehnstellige Beträge betteln: 97,5 Prozent der Privatkredite werden, unter teilweise hohem persönlichem Verzicht, brav beglichen. Gunter Gabriel zum Beispiel hat in der ersten schlimmen Zeit sogar mal "zwei Monate lang nicht geduscht". In den USA ist die Ausfallquote mit 6,35 Prozent mehr als doppelt so hoch. Wir hingegen schaffen es sogar, elf Prozent unseres Einkommens zu sparen. Auf ganz großem Fuß leben die Briten: Deren Miese übersteigen ihr Einkommen um 173 Prozent. Was das heißt? Dort verlieren 120 Familien pro Tag ihr Zuhause - weil ihre Banken die Zinsen für Hypothekenkredite drastisch erhöht haben.

      Trotzdem: Wirtschaftspsychologe Georg Sieber aus München rät seinen Freunden: "Wenn ihr schon Schulden macht, dann mindestens eine Million. Je mehr Schulden, desto größer ist das Mitleid. Bei 100.000 Euro wird man von der Polizei gejagt. Bei 2,5 Milliarden heißt es: Der hat sein Lebenswerk verwirkt." Baubetrüger Jürgen Schneider zum Beispiel, 74, der einst fünf Milliarden Mark verzockte und immer noch mit einer Milliarde Euro in den Roten ist, wurde neulich vom Wirtschaftsfachblatt "Die Bunte" als Spezialist zum Thema Finanzkrise befragt. Seine Erfahrung macht Hoffnung: "Die Pleite", sagt er, "hat meine Ehe gerettet."

      Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/finanzen-versicherung/finanze…
      333 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 19:57:56
      Beitrag Nr. 3.096 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.943.858 von Maraho am 08.04.09 18:49:08Noch etwas hierzu ...
      Eigentlich eine alte Kamelle, wurde nur nie richtig beachtet ...


      Versicherungen
      Die nächste Gefahr
      Von Heike Buchter

      In den Vereinigten Staaten wanken weitere Versicherungsunternehmen. Geht die Finanzkrise in eine neue Runde?


      Es klang nach einer garstigen, aber zuversichtlichen Prognose. »Blutende Wunden« klafften noch im Weltfinanzsystem, sagte Amerikas Präsident während des G20-Gipfels in London, doch der Patient sei auf dem Weg der Besserung. So wie Barack Obama sahen es etliche Politiker. Doch womöglich sind sie damit viel zu optimistisch. Vielleicht droht dem Weltfinanzmarkt ein neues Blutbad.

      Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, ist eine weitere wichtige Säule der Kapitalmärkte ins Wanken geraten: die Versicherer. Zugespitzt hat sich ihre Lage vor allem in den USA. Seit dem Herbst 2008 sorgt dort der Riesenkonzern AIG für Schlagzeilen. Er musste vom Staat gestützt werden, und für die letzten drei Monate des Jahres 2008 wies das Unternehmen einen Rekordverlust von 60 Milliarden Dollar aus. Finanzexperten beruhigten; das Unternehmen habe sich nur mit Derivaten verspekuliert. Doch AIG musste auch herbe Rückschläge im Versicherungsgeschäft hinnehmen – wie andere Unternehmen der Branche.

      Einige kleinere Versicherungsfirmen sind von staatlichen Regulierern bereits aufgefangen worden, Größen der Branche sind unter enormen Druck geraten. So erschreckte Prudential, die Nummer zwei der Lebensversicherer, die Wall Street Ende 2008 mit einem Verlust von 1,64 Milliarden Dollar. Hartford, an dem der Allianz-Konzern im vergangenen Oktober für 2,5 Milliarden Dollar eine Minderheitsbeteiligung erwarb, meldete ein Minus von 806 Millionen Dollar – nach 2,6 Milliarden Dollar Verlust im Quartal davor.

      Vergangene Woche senkten die Analysten der Rating-Agentur Moody’s die Kreditbewertung von Hartford, Anleihen dieser Firma werden jetzt nur noch eine Stufe besser als »Müll« eingeschätzt. An der Börse fliehen die Anleger aus Versicherungspapieren: Die Prudential-Aktie ist binnen Jahresfrist von 78 Dollar auf 24 Dollar gefallen, das Papier von Hartford verlor im gleichen Zeitraum fast 90 Prozent seines Wertes. Das Wall Street Journal berichtete von »Angst« in der Branche .

      Sollte die Angst in Panik umschlagen, träfe dies das Finanzsystem erneut ins Mark. Nach den Banken spielen Assekuranzunternehmen nämlich eine entscheidende Rolle in der Volkswirtschaft: Sie sammeln Prämien von ihren Kunden ein – und legen sie dann am Finanzmarkt an. In den USA etwa ist es üblich, dass Versicherer Kommunalobligationen erwerben. Damit zählen sie zu den wichtigsten Geldgebern von Städten und Gemeinden. Sie gehören auch zu den größten Finanziers von Unternehmen. Rund zwei Drittel ihrer Portfolios haben die Versicherungskonzerne in Anleihen angelegt. Ende 2007 war damit eine Riesensumme von 1,7 Billionen Dollar zusammengekommen.

      Was wäre die Folge, wenn nach den geschwächten Banken auch die Versicherer als Geldgeber ausfielen? Und welche Konsequenzen hätte ein Kollaps der Assekuranzunternehmen für das ohnehin schon angeschlagene Vertrauen in das Weltfinanz- und Weltwirtschaftssystem?

      Die Schockwellen könnten auch Europa oder Asien erreichen

      Prognosen dafür gibt es keine. Vorstellbar aber ist, dass eine Flut schlechter Nachrichten aus der Versicherungsbranche ähnliche Folgen hat, wie es bei den Banken der Fall war. Unter einer »Versichererpanik« würde nicht nur das Neugeschäft leiden. Kunden könnten ihre Verträge kündigen und bei manchen Produkten – etwa Lebensversicherungen – ihre bereits bezahlten Prämien abziehen. Sie könnten dann den ein oder anderen Versicherer in die Zahlungsunfähigkeit treiben, selbst dann, wenn er vor der Panik noch überlebensfähig war.

      Es gibt in der amerikanischen Versicherungsbranche kein Auffangnetz wie den Einlagensicherungsfonds der Banken, der bei Bedarf auf eine Garantie des Finanzministeriums zurückgreifen kann. Wird ein Versicherer insolvent, dann springt zunächst die Standesorganisation in dem Bundesstaat ein, in dem er beheimatet ist. Das Geld dafür sammelt diese von den Konkurrenten ein, was wiederum die noch stabilen Unternehmen belastet. »Wenn eine Reihe von Unternehmen kippt, dann wird das sicher auch den Rest der Branche treffen, weil diese die Garantiezahlungen aufbringen müsste«, sagte Thomas Hampton, der Leiter der Versicherungsaufsicht in Washington DC, kürzlich in einem Interview mit der Washington Post . »Was wir uns nicht leisten können, ist ein Dominoeffekt.«

      Es geht um Riesensummen. Allein bei den amerikanischen Lebensversicherern standen laut den jüngsten Zahlen ihres Verbandes Ende 2007 Policen für rund 19,5 Billionen Dollar in den Büchern – das ist knapp das Eineinhalbfache des Bruttoinlandsprodukts der USA. Versicherungsmakler berichten bereits von Anfragen besorgter Kunden, die wissen wollen, wie vertrauenswürdig ihr Versicherer noch ist. Würde sich die Krise verschärfen, bliebe dies – wie schon bei der Bankenkrise – am Ende kein rein amerikanisches Problem. »Sollte es eine der Branchengrößen der USA erwischen, würden die Schockwellen auch Europa und Asien erreichen«, warnt Douglas Elliott, Finanzmarktexperte beim Washingtoner Forschungsinstitut Brookings.

      Die Probleme der Versicherer haben ähnliche Ursachen wie die der Banken. Wegen der jahrelangen Niedrigzinspolitik der US-Notenbank warfen ihre traditionellen Investitionen kaum noch Geld ab. Also setzten sie auf neuartige Produkte. Manche Assekuranz griff zu den lukrativen – und nur vermeintlich hochsoliden – Hypothekenpapieren, die die Wall Street unters Volk brachte. Solche Investments haben bei den größten amerikanischen Versicherern seit Anfang 2007 bereits 139 Milliarden Dollar an Abschreibungen und unrealisierten Verlusten verursacht, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

      Verhängnisvoll könnte auch die Tatsache sein, dass die Versicherungen sehr viel Geld an amerikanische Unternehmen verliehen haben. Immer mehr US-Konzernen bricht das Geschäft weg, immer weniger bedienen ihre Schulden. Die Zahl der Konkurse amerikanischer Firmen ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 78 Prozent gestiegen. Auch Unternehmen, die nicht in die Pleite rutschen, haben zunehmend Schwierigkeiten, fällige Zahlungen zu leisten. Rating-Agenturen warnen bereits vor einer Flut von Zahlungsausfällen. Die könnten amerikanische Lebensversicherer am Ende mehr kosten als die Fehlspekulationen mit Hypothekenpapieren, warnte bereits im Februar Eric Berg, ein Analyst bei Barclays Capital.

      Die Versicherungsbranche selbst freilich will von einer tiefen Krise nichts wissen – und hat für diese Auffassung gute Argumente. MetLife etwa, mit einer Bilanzsumme von einer halben Billion Dollar einer der größten Lebensversicherer der USA, sieht sich nicht gefährdet, obwohl das Unternehmen schon im Dezember 2008 einen Einbruch von über 21 Milliarden Dollar bei seinen Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren melden musste. Dieser Wertverlust sei rein rechnerisch, erklärte der MetLife-Vorstand: Die Wertpapiere im Portfolio des Versicherers sind zwar am Finanzmarkt weniger wert als die entsprechenden Einträge in den Büchern von MetLife, aber weil das Unternehmen weiter davon ausgeht, dass die Schuldner am Ende zahlen, muss das Unternehmen die Buchverluste nicht vom Ergebnis abziehen.

      Das Risiko steigt, wenn sich die Talfahrt an den Börsen fortsetzt

      Dieses Verfahren bietet den Versicherern gegenüber den Banken einige Vorteile. Kreditinstitute müssen immer davon ausgehen, dass ihre Einlagen kurzfristig abgezogen werden – Versicherer in der Regel aber nicht: »Die Zahlungsverpflichtungen bei den Policen sind naturgemäß langfristig«, sagt der Brookings-Experte Elliott. »Das gibt den Versicherern einen längeren Atem in turbulenten Zeiten«, meint auch Bob Hartwig vom Brancheninformationsdienst Insurance Information Institute.

      Doch selbst wenn alles nur Rechenschieberei sein sollte: Konkrete Auswirkungen hat es doch. Die Rating-Agenturen, wegen ihrer zweifelhaften Rolle bei der Bewertung von Hypothekenpapieren schwer in der Kritik, wollen sich nicht dem Vorwurf aussetzen, neue Gefahren verschlafen zu haben. Sie haben ein scharfes Auge auf die Branche. Kreditanalysten von Standard & Poor’s etwa entwarfen einen »Stresstest« für Versicherer. Das Resultat: Ende Februar stuften sie zehn große US-Lebensversicherer, darunter MetLife, Prudential und Hartford, als weniger kreditwürdig herab. Hartford hat dieser Herabstufung scharf widersprochen.

      Richtig nervös macht Brancheninsider und Regulierer das Risiko für die Versicherer, falls sich die Talfahrt an den amerikanischen und weltweiten Aktienmärkten weiter fortsetzt. Amerikanische Lebensversicherer haben jahrelang ein Versicherungsprodukt verkauft, das sich erst zum Bestseller in Amerika entwickelte und später auch nach Japan, Korea und Großbritannien exportiert wurde: sogenannte variable annuities. Diese Policen bieten dem Kunden im Kern eine Renditegarantie. Der Verkauf des Produkts war ein gutes Geschäft, solange eine Hausse an den Börsen herrschte – doch jetzt fallen die Kurse, und das kann teuer werden. Schließlich ist der Versicherer verpflichtet, die vereinbarte Summe auszuzahlen. »Niemand hat mit solchen Turbulenzen an den Märkten gerechnet – das haben die Versicherungsvorstände teilweise eingestanden«, sagt Jukka Lipponen, Analyst bei der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods.

      Zudem zehrt die teurere Absicherung der Policen das Kapital auf. Wie schwierig deshalb die Lage der Versicherer ist, zeigt ihr Wunsch nach laxeren Regeln, mit denen sie sich Luft verschaffen wollen. Schon Ende des vergangenen Jahres wandte sich die Branche mit der Forderung an die für Versicherungen zuständige Regulierungsbehörde NAIC, die vorgeschriebenen Kapitalreserven für variable annuities zu verringern. Das NAIC lehnte ab. Erfolgreicher waren die Unternehmen in den einzelnen US-Bundesstaaten, die in solchen Fragen das letzte Wort haben. »Fast alle Staaten haben die Lockerung inzwischen eingeführt«, berichtet Joseph Belth, ein früherer Professor an der Indiana University, der die Branche seit Langem kritisiert. »Ausgerechnet jetzt, wo es brennt, werden die Regeln aufgeweicht.«

      Mit einem Federstrich erscheinen die Bilanzen der Versicherungsunternehmen also neuerdings solider. Freilich nur auf dem Papier.

      Auch um Staatsgeld haben sich Versicherer bereits beworben. Ein gutes Dutzend Assekuranzen wurde bereits in Washington vorstellig, um Geld aus dem staatlichen Rettungsfonds zu erhalten. Dessen Geld sollen allerdings allein die Banken bekommen. Doch die Not macht erfinderisch: Einige Versicherungen haben inzwischen eine kleine Bank oder Sparkasse übernommen.

      Quelle: http://www.zeit.de/2009/16/Versicherungen …
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 20:21:20
      Beitrag Nr. 3.097 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.941.372 von Maraho am 08.04.09 13:52:14Etwas recht aktuelles dazu ...
      Aber eigentlich auch keine neue Erkenntnis ...

      Autoabsatz
      Vollbremsung im nächsten Jahr
      Von M. Kuntz

      Fluch und Segen der Abwrackpämie: Viele Hersteller fürchten 2010 massive Einbrüche - mit neuen Modellen und billigeren Autos wollen sie der Krise entgehen.


      "Auf der nächsten Stufe automobiler Evolution wird Ihr Unternehmen eine Rolle spielen." So rief es Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch seinen Aktionären bei der Hauptversammlung im Congress-Centrum Berlin zu.

      Daimler hat zwar zur Zeit massive Absatzprobleme wie die meisten anderen Autohersteller, doch eines bleibt zumindest der Hauptmarke Mercedes erspart: Das Ende der Abwrackprämie wird bei dem Hersteller luxuriöser Autos keinen erneuten Einbruch bei den Verkäufen auslösen.

      Mercedes ist ebenso wie die Premiumhersteller BMW und Audi oder gar Porsche wenig von der Staatsprämie tangiert - im positiven wie im negativen Sinne.

      Erfreut in den Auftragsbüchern vermerkt

      Das ist anders bei den Produzenten von Fahrzeugen der Kompakt- und Mittelklasse. Hier haben der Marktführer Volkswagen aber auch seine Wettbewerber Opel und Ford bei den deutschen Herstellern ebenso wie die ausländischen Firmen aus Frankreich und Italien den Run auf die Abwrackprämie erfreut in ihren Auftragsbüchern vermerkt. Umgekehrt droht diesen sogenannten Massenherstellern ein neuerlicher Absturz nach dem Auslaufen der stattlichen staatlichen Förderung im kommenden Jahr.

      Denn wer sich jetzt gerade ein neues Auto gekauft hat, der erwirbt 2010 nicht schon wieder eines. Kaum ein Automanager erwartet, dass die Finanzkrise dann bereits vorüber ist.

      Die Konzerne, die jetzt bereits Kurzarbeit angemeldet haben, bekommen dann ein weiteres Problem. Bei Volkswagen hat man daher stets dafür plädiert, die Abwrackprämie über die 1,5 Milliarden Euro für nur 600.000 Altautos hinaus zu verlängern.

      Keine Dauerlösung

      Konzernchef Martin Winterkorn gab beim Genfer Salon Anfang März die Linie vor und ein ganzer Chor von VW-Managern nutzte danach jeden öffentlichen Auftritt, um für mehr staatliche Hilfe zu werben. Doch auch den Wolfsburger Führungskräften ist klar, dass dies keine Dauerlösung ist. Sie passt VW allerdings sehr gut in die Strategie.

      Denn für den inzwischen nach Toyota und General Motors drittgrößten Hersteller der Welt ist der aktuelle Golf nur eine Zwischenlösung. VW wird den nächsten Golf mit Hilfe eines neuen Baukastens herstellen, der erhebliche Kostenvorteile bringt. Ihn könnte VW als attraktives Modell zu wettbewerbsfähigen Preisen nach der Abwrackprämie präsentieren.

      Außerdem will VW mit einer Kleinwagen-Familie (Arbeitstitel "Up!") an den weltweiten Siegeszug des legendären Käfers anknüpfen. Das Auto soll zunächst in Bratislava gebaut und später in Versionen für die Ballungsräume angeboten werden, in den Industriestaaten aber auch für die in den aufstrebenden Schwellenländern.

      Trend zu umweltfreundlicheren Autos

      Attraktive und erschwingliche Autos sind nach Meinung von Branchenexperten das wirksamste Mittel gegen den Käuferstreik, der in Deutschland schon zweieinhalb Jahre dauert und der mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer begonnen hatte.

      Dabei geht der Trend nicht unbedingt zu kleineren, sehr wohl aber zu umweltfreundlicheren Autos. Zetsche formulierte das jetzt so: "Eine zunehmende Zahl von Premium-Kunden will heute mit grünem Gewissen S-Klasse fahren."

      Was wird aus Opel? Was aus General Motors? Wie lange dauert die Finanzkrise? Wo geht es zuerst wieder aufwärts? Das sind Fragen, auf die es vorerst keine Antworten gibt, die aber schon eine Rolle spielen für der Zeit nach der Abwrackprämie.

      Solche Staatshilfen gibt es ja auch anderswo, etwa in China und bald auch in den USA. Eine Stärke der deutschen Autoindustrie ist in jedem Fall ihre globale Ausrichtung - sowohl bei der Herstellung wie auch beim Verkauf.

      Nicht ausschließen mag man schließlich in den Chefetagen der deutschen Autokonzerne angesichts der politischen Unwägbarkeiten im Wahlkampf zum Bundestag eine Lösung wie in Italien. Dort wurde die Abwrackprämie bereits Mitte der neunziger Jahre eingeführt - und bis heute mehrfach verlängert.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/992/464591/text/ …
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      schrieb am 08.04.09 20:41:04
      Beitrag Nr. 3.098 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.778.615 von Groupier am 16.03.09 21:23:18In Bezug.

      Die Meldung gab es gestern. Aber Abwrackprämie, Kurzfrist-Gezocke, Osterferien und ähnliches sind halt interessanter ...
      Übrigens: Wenn ihr den untenstehenden Link anklickt, findet ihr dort interessante Abbildungen dazu.


      Antarktis: Wilkins-Schelf verliert den letzten Halt
      Wolfgang Pomrehn

      Die Energie- und Klimawochenschau: Während in der Antarktis die Eisberge splittern und im Norden die Schmelz-Saison beginnt, wird in Bonn zäh um den Klimaschutz gerungen

      Jüngste Nachrichten von den Polen bilden eine dramatische Untermalung der Gespräche, die noch bis Mittwoch auf Einladung der Klimaschutzrahmenkonvention UNFCCC in Bonn stattfinden. Im Norden hat das Meereis seine jährliche Maximalausdehnung überschritten, und startet in die Schmelzsaison so dünn wie nie zuvor seit Menschengedenken. Im Süden zeichnet sich unterdessen der Zusammenbruch einer weiteren Eisschelfs ab.

      Wie letzte Woche berichtet, droht am Rande der antarktischen Halbinsel der Verlust eines weiteren Eiskörpers, der die vom Land zum Meer drängenden Gletscher abbremst. Der bedrohte Wilkins-Schelf ist eine jener Gletscherzungen, die oft mehrere 100 Meter dick in den Buchten vor der Küste schwimmen, sich am Untergrund oder kleinen Felsinseln verhaken und so den Fluss der Gletscher ins Meer drosseln.

      Übers Wochenende ist nun auch die letzte Eisbrücke zersplittert, die die Eismasse noch an einer vorgelagerten Insel stabilisierte. Die Internetseite des US-Magazins National Geographic veröffentlichte eine Satellitenaufnahme der Europäischen Raumfahrtagentur ESA (siehe unten), auf der das Zerbrechen des Eises zu erkennen ist. Die ESA beobachtet die Region regelmäßig und stellt die Aufnahmen zeitnah ins Internet.

      Die Tatsache, dass die Eisbrücke in hunderte kleiner Eisberge zerborsten ist, demonstriert, unter welcher Spannung sie gestanden hat, und ist damit zugleich ein Hinweis auf die Kraft, mit der das Eis vom Land nachschiebt. Die dortigen Gletscher fließen übrigens allein schon aufgrund ihres Eigengewichts auseinander, da Eis sich nicht wie ein starrer Körper, sondern eher wie ein besonders zähes Gel verhält. Die Neigung des Geländes verstärkt gegebenenfalls den Abfluss noch.

      Die eigentliche Bedeutung des Verlustes liegt also darin, dass die auf dem Land liegenden Gletscher destabilisiert werden, was wiederum Auswirkungen auf den Meeresspiegel haben wird. Dabei spielt es keine Rolle, dass in der Antarktis die Lufttemperaturen auch im Sommer (anders als in der Arktis) meist unter dem Gefrierpunkt bleiben. Eis geht dennoch verloren, zum einen durch das so genannte Kalben, das heißt, das Abbrechen von Gletschern an den Rändern des Schelfeises, zum anderen durch Tauen an dessen Unterseite. Dort liegt nämlich die Temperatur des Wassers, das durch wärmere Meeresströmungen herangeführt und vom Eis gegen Auskühlung isoliert wird, oft über dem Gefrierpunkt.

      Dünner als je zuvor

      Ganz anders hingegen die Verhältnisse in der Arktis, wo der überwiegende Teil der Eisfläche aus gefrorenem Meereis besteht. Diese ist wesentlich dünner als das vom Land ins Meer gedrückte Schelfeis. Und es wächst durch das Gefrieren an der Unterseite und an den Rändern hauptsächlich im Herbst und Winter. Im Sommer taut es hingegen an der Oberfläche und an den Rändern. Auf den Meeresspiegel hat dieser Vorgang im Gegensatz zum Schicksal der grönländischen und antarktischen Gletscher keinen Einfluss, wohl aber auf das regionale und globale Klima.

      Zieht sich nämlich wie in den letzten Jahren der Eispanzer auf dem Nordpolarmeer während des Sommers immer weiter zurück, so passiert zweierlei: Zum einen vermindert sich die Rückstrahlung des Sonnenlichts, denn die Wasseroberfläche ist wesentlich dunkler als das Eis. Mehr Sonnenenergie dringt in das Klimasystem ein, anstatt direkt in den Weltraum reflektiert zu werden. Die Mengen, um die es dabei geht, sind durchaus beachtlich, denn nördlich des Polarkreises steht die Sonne zwar auch im Sommer nur tief, aber sie scheint rund um die Uhr.

      Zum anderen erwärmt sich durch diese drastisch veränderte Energiebilanz die ganze Region und damit auch die Böden Sibiriens und des arktischen Nordamerikas. Der so genannte Permafrost beginnt zu tauen. Das hat fatale Folgen für Gebäude und Infrastruktur, die bisher den dauerhaft gefrorenen Boden als Fundament nutzen. Gravierender sind aber noch die globalen Auswirkungen, denn in den Böden sind große Mengen organischen Materials konserviert, das nun zersetzt wird und in der Form der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan (vgl. Zeitbombe in der Arktis) in die Atmosphäre gelangt.

      Vor diesem Hintergrund sind die neuesten Nachrichten aus der Arktis nicht gerade beruhigend. Am Montag berichteten die US-Raumfahrtbehörde NASA und das ebenfalls US-amerikanische National Snow and Ice Data Centre NSIDC, dass das Eis auf dem Nordmeer gerade seinen Höhepunkt überschritten hat und so dünn wie nie zuvor ist. Das ist das Ergebnis von Abschätzungen des Eisalters aufgrund von Satellitenmessungen.

      Wie viel Eis letztendlich in diesem Sommer verschwindet, wird natürlich auch von den jeweiligen Wetterbedingung abhängen. Dabei spielen nicht nur die Temperaturen eine Rolle, sondern auch Stärke und Richtung der Winde. Sie können einerseits Eisschollen zusammen schieben und somit für die Akkumulation dickeren Eises beitragen, andererseits treiben sie aber auch dickes, mehrjähriges Eis durch die Grönlandstraße aus der Arktis hinaus in wärmere Gewässer. Auf jeden Fall gilt aber, dass, je jünger (dünner) das Eis, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es gänzlich auftaut oder zusammen geschoben wird. Rekordniedrige Eisbedeckungsraten im Spätsommer, so wie in den Vorjahren liegen damit auch 2009 im Bereich des Möglichen.

      Die Bedeutung dieser Vorgänge im hohen Norden ist übrigens völlig unabhängig davon, was gerade in der Antarktis passiert. Das dortige Meereis, das keinen eindeutigen Trend zeigt, könnte sich noch weit ausdehnen. Dennoch die arktische Tundra auftauen, wenn das dortige Eis im Sommer verschwindet. Deshalb macht es auch keinen Sinn, wenn Warnrufen angesichts der Entwicklung rund um den Nordpol mit Verweisen auf den weniger eindeutigen Trend in der globale Eisbedeckung (also den addierten Flächen von Arktis und Antarktis) begegnet wird, wie es gelegentlich vorkommt.

      Gespräche in Bonn

      Die Nachrichten aus Arktis und Antarktis bildeten in den letzten eineinhalb Wochen sozusagen den Rahmen für ein Treffen von Klima-Diplomaten, das in Bonn noch bis zum morgigen Mittwoch stattfindet. Dort hat das Sekretariat der UN-Klimaschutzrahmenkonvention (UNFCCC) seinen Sitz, das derzeit die Vorverhandlung für die nächste große Weltklimakonferenz organisiert. Nach der bisherigen Planung wird sich die Runde der Vertreter aus 175 Ländern im Juni wiedertreffen, aber derzeit sieht es danach aus, dass wegen der geringen Fortschritte zusätzliche Treffen abgehalten werden müssen.

      In Kopenhagen steht ein Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll auf der Tagesordnung, das unter anderem regelt, um wie viel die Industriestaaten ihre Emissionen mindern müssen. Ende 2012 läuft es aus - und angesichts der Langsamkeit des Verhandlungsprozesses ist es höchste Zeit, dass ein neues Abkommen oder eine Fortschreibung des alten (wie einige Staaten verlangen) unterschrieben wird.

      Vor eineinhalb Jahren war auf der vorletzten UN-Klimakonferenz auf Bali ein Fahrplan für die Verhandlungen verabschiedet worden. In dem hatte es – noch unverbindlich – geheißen, dass die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 25 bis 40 Prozent kürzen sollen. Inzwischen schießen sich die Entwicklungsländer auf eine Forderung von 40 Prozent ein.

      Für Deutschland, wo die Koalitionsregierung diese Zahl bereits als interne Zielmarke ausgegeben hat, dürfte das nicht allzu schwer zu erreichen sein. Andere Länder müssten sich hingegen reichlich anstrengen. Vor allem die USA bräuchte eine Revolution ihres Energiesektors, denn dort hat man auch nach 1990 trotz gegenteiliger Verpflichtung aus der Rahmenkonvention die Emissionen munter weiter wachsen lassen. Das Kyoto-Protokoll hatte man zwar nicht ratifiziert, wohl aber – noch zu Bill Clintons Zeiten – die Konvention, die vorsah, dass die Industriestaaten 2000 ihre Emissionen auf das Niveau von 1990 zurückgefahren haben sollten.

      Ein weiterer Streitpunkt ist, wie viel Geld die Industriestaaten an die Entwicklungsländer für die Anpassung an jenen Teil des Klimawandels zahlen, der nicht mehr zu verhindern ist. Nach Ansicht der internationalen Hilfsorganisation Oxfam sind dafür 100 Milliarden jährlich nötig, ein Bruchteil dessen also, was derzeit in den USA und Europa in das Finanzsystem gepumpt wird.

      Um Geld geht es auch bei der Frage des Technologietransfers. Schon 1992 wurde in der Rahmenkonvention vereinbart, dass die Industriestaaten den anderen Ländern helfen sollen, ihre Wirtschaft von vornherein mit der neuesten klimafreundlichen Technik aufzubauen. Geschehen ist bisher jedoch herzlich wenig, da es einen ewigen Streit über Form und Größe eines Fonds gibt, über dem der Transfer zu organisieren wäre. Das neue Abkommen soll endlich Abhilfe schaffen, doch Bewegung gibt es bisher wenig.

      Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30093/1.html
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 20:48:37
      Beitrag Nr. 3.099 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.944.697 von Maraho am 08.04.09 20:41:04Hierzu ein Text aus der "FTD" ...


      Auch die Arktis ist ein Asset
      von Thomas Klau

      Obwohl die Wirtschaft- und die Klimakrise dieselbe Ursache haben, trennt ein Umstand die beiden: Wenn statt Kapital das Eis schmilzt, schauen wir weg. Ein fataler Fehler.


      Wir müssen nicht lange darüber rätseln, mit welcher Megakrise unsere Generation in den nächsten Jahrzehnten zu kämpfen haben wird: Das erschreckend rapide Abtauen der arktischen Eismassen lässt der Fantasie leider keinen Raum.

      Der Klimawandel findet nicht mehr nur in der Luft und in den Debatten von Wissenschaft und Politik statt. Er hat die Erde erreicht - mit einer Wucht, die die schwärzesten Prognosen der Klimaforscher übertrifft.

      Man konnte noch trefflich darüber streiten, ob die Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan "Katrina" als Folge des Klimawandels zu sehen sei oder nicht. Und einige haben das in den USA von George W. Bush auch getan. Man konnte als nicht-skifahrender Flachlandbewohner kopfschüttelnd über das Abschmelzen der Alpengletscher lesen, ohne sich richtig betroffen zu fühlen.

      Aber die jüngste Prognose der Nasa, von den gewaltigen Eismassen der Arktis werde womöglich in dreißig Jahren nichts mehr übrig sein, hat eine andere Qualität. Das ewige Eis am Nordpol gehört in unsere Landschaft wie die Pyramiden zu Ägypten und die Wolkenkratzer zu New York: Man kennt sie, ohne je dort gewesen zu sein. So etwas verschwand bisher nur in Katastrophenfilmen, die man sich im Kino aufgeregt oder eher gelangweilt ansieht, um dann nach einem Bier auf dem Heimweg unter die Bettdecke zu kriechen.

      Leben mit der Katastrophe

      Angesichts des Ausmaßes des über uns hereinbrechenden Desasters ist es unfassbar, dass der Klimawandel in der Politik noch immer eher ein Thema für die Konferenz am Sonntag ist als der Fokus unseres öffentlichen Handelns.

      In London haben sich vergangene Woche die Führer der wichtigsten Länder der Welt getroffen, um über den Kampf gegen die Wirtschaftskrise zu sprechen. Auch das rituelle Bekenntnis zum Klimaschutz findet sich selbstverständlich im Schlusskommuniqué. Ende dieses Jahres soll dann die Weltgemeinschaft in Kopenhagen zusammentreffen, um aufbauend auf der jüngsten Klimaschutzkonferenz in Bonn ein Nachfolgeabkommen für den Kioto-Vertrag zu finden - diesen ersten gänzlich gescheiterten Versuch, die Erderwärmungskatastrophe substanziell abzumildern.

      Schon jetzt rechnen viele Insider nicht mehr damit, dass ein radikal ambitionierter Klimavertrag in diesem Jahr oder überhaupt jemals gelingt. Manche Energieexperten raten im Namen des Realismus bereits dazu, weniger den Kampf gegen den Klimawandel in den Mittelpunkt zu stellen und stattdessen über Notprogramme wie Deichbau und Umsiedlungen nachzudenken, um ein Leben mit der Klimakatastrophe vorzubereiten.

      Das Tempo des Wandels zeigt, dass uns ein schwerer Eingriff in unsere Lebensgewohnheiten bevorsteht, radikaler und umfassender, als die meisten sich das heute vorstellen wollen oder können. Denn wir bleiben in unserem öffentlichen wie privaten Verhalten atemberaubend schizophren - erst London (Mehr Wachstum bitte!), dann Kopenhagen (Ein anderes Wachstum bitte!). Wir diskutieren über ökonomisches Wachstum, als sei der damit verbundene Kohlendioxidausstoß ein Preis, der leider nun einmal gezahlt werden muss - und nicht die verantwortungslose Beschleunigung einer hereinbrechenden Katastrophe. Wir feiern Billigflüge weiter als gesellschaftliche und marktwirtschaftliche Errungenschaft, als seien sie nicht das Paradebeispiel für Verhaltensweisen, die ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Klimawandel verbieten sollte.

      Auch hier gilt das berühmte Motto Brechts: Erst kommt das (Wirtschafts-)Fressen und dann die (Klima-)Moral.

      Vor zehn Jahren war es vielleicht noch möglich, unserer Verantwortungsgeneration Kurzsichtigkeit vorzuwerfen. Doch dieses Wort passt im Jahr der wegtauenden Arktis nicht mehr - Realitätsverweigerung beschreibt es sehr viel treffender.

      Die Klimakrise, die über den Globus hereinbricht, ist eine Krise des entfesselten, nicht regulierten, falsch quantifizierten, falsch gewichteten und falsch geförderten Wachstums. Die Wirtschaftskrise, mit welcher die Menschheit zu kämpfen hat, ist eine Krise des deregulierten, also entfesselten Kapitalismus.

      Wachstum braucht Fesseln

      Das Wegschmelzen des Bankenkapitals und das Wegschmelzen des arktischen Eises haben im Kern dieselbe Ursache: unser kollektives Versagen vor der Herausforderung, der freien Wirtschaft dort Fesseln anzulegen, wo diese Freiheit in die Katastrophe führt oder führen kann. Es würde der Debatte helfen, diese gemeinsame Wurzel klarer zu benennen, um die Antwort auf beide in ein und demselben konzeptionellen und politischen Rahmen zu suchen.

      Die Bilder der wegschmelzenden Arktis reichen, dass Bewusstsein für das Thema zu schärfen. Aber sie reichen offenkundig nicht, Klimaschutz zum Leitmotiv der politischen Debatte und des gesetzgeberischen Handelns zu machen.

      Eine bessere Politik wird viel leichter durchzusetzen sein, wenn sie auf einer besseren Bewusstseinsbildung beruht. Die Medien und der Staat sollten zum Beispiel die Zahlen zum Kohlendioxidausstoß ebenso regelmäßig veröffentlichen wie solche zum Wirtschaftswachstum - und sie mit ähnlichem Ernst und Aufwand kommentieren. Die Statistiker sollten den Auftrag erhalten, Wachstumsindikatoren zu entwickeln, die stärker zwischen sauberem und schmutzigem Wachstum unterscheiden.

      Wir denken das Klimaproblem noch immer als gesonderte Herausforderung, deren Bewältigung möglich ist, ohne tief in unsere Lebensgewohnheiten, unsere Wirtschaftsstrukturen und unsere Vorstellung von Freiheit und den Grenzen staatlichen Handelns einzugreifen.

      Dabei hat die Finanzkrise der westlichen Welt binnen Monaten vor Augen geführt, was die Bewohner des ehemaligen Ostblocks sehr gut wissen: Jahrzehntealte politische und ökonomische Gewissheiten können über Nacht Makulatur werden, wenn eine Krise radikal neues Handeln erzwingt.

      Quelle: http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Thomas-Kl…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 21:03:27
      Beitrag Nr. 3.100 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.944.546 von Maraho am 08.04.09 20:21:20Wollte ich euch nicht vorenthalten ...

      Bärbel Höhn im Inteview
      "Wir schmeißen das Geld zum Fenster raus"

      Interview: Thorsten Denkler, Berlin

      Die Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn über falsche Anreize für die Autoindustrie - und warum jetzt nicht nur die Staatsschulden wachsen.

      Die Großzügigkeit der Bundesregierung in Sachen Abwrackprämie sorgt Monate vor der Bundestagswahl für heftige Debatten. Überhaupt nicht einverstanden zeigt sich Bärbel Höhn, 56, die Vizechefin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Zehn Jahe lang (1995 bis 2005) war die Diplom-Mathematikerin Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen.


      sueddeutsche.de: Frau Höhn, die Bundesregierung hat die Abwrackprämie um 3,5 Milliarden Euro aufgestockt. Ist Ihnen ein Fall vor der Wirtschaftskrise bekannt, in dem so schnell so viel Geld mobilisiert wurde?

      Bärbel Höhn: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass zuvor solche großen Summen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wie dieser bewegt worden sind. Vor allem nicht, wenn das Geld wie hier unsinnig zum Fenster herausgeschmissen wird.

      sueddeutsche.de: Die Bundesregierung spekuliert, dass mit der Prämie die Absatzflaute der Autoindustrie überwunden werden kann.

      Höhn: Sie tut dabei aber so, als wäre die Wirtschaftskrise schnell wieder vorbei. Selbst wenn das so ist, bewirkt die Abwrackprämie in jedem Fall einen Absatzeinbruch im kommenden Jahr. Die zwei Millionen Autos, die in diesem Jahr mit Prämie gekauft werden, werden im kommenden Jahr nicht gekauft. Von den Problemen der Käufer mal ganz abgesehen.

      sueddeutsche.de: Wie meinen Sie das?

      Höhn: Viele, die ein altes Auto fahren, gehören nicht unbedingt zu denen, die sich ein neues Auto so ohne weiteres leisten können. Da wird mancher jetzt in Kaufverträge gelockt, die ihm vielleicht bald schon leid tun werden. Ohne Abwrackprämie hätten sich viele wohl eher für einen Gebrauchtwagen entschieden. Weil sie das nicht tun, haben jetzt Gebrauchtwagenhändler große Probleme. Das sind viele Gründe, die eine Fortsetzung der Abwrackprämie immer unsinniger machen.

      sueddeutsche.de: Hat sich denn die Prämie bisher nicht gelohnt? Der befürchtete radikale Absatzeinbruch im Automarkt ist ja offenbar ausgeblieben.

      Höhn: Es ist ja nicht grundsätzlich falsch, den Automobilsektor zu stützen - aber nicht in Form einer Abwrackprämie. Es müssten umweltfreundliche Autos gefördert werden. Vor allem aber müsste die Entwicklung neuer Technologien wie Elektroantriebe oder Drei-Liter-Autos vorangetrieben werden. Dafür brauchen wir keine Prämien, sondern eine konsequente Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Emissionen mit einer spürbaren Entlastung spritsparender Fahrzeuge.

      sueddeutsche.de: Das hätte der Automobilindustrie akut nicht helfen können.

      Höhn: Was jetzt passiert, kann aber ganz schnell nach hinten losgehen. Es werden Millionen von Autos auf den Markt geschmissen, die technisch im Grunde schon überholt sind. Für die Autos der neuen Generation aber fehlen in den kommenden Jahren die Käufer. So wird die notwendige Neuausrichtung der Autoindustrie verhindert.

      sueddeutsche.de: Die Prämie wäre ohne Änderungen spätestens im Sommer ausgelaufen. Ist der nahende Wahltermin nur Zufall?

      Höhn: Sicher nicht. Das ist ein ganz durchsichtiges Wahlmanöver. Wobei ich mir nicht mal sicher bin, ob die Wähler das honorieren werden. Die Behörden sind jetzt schon mit der Flut der Anträge überfordert. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis die Käufer die Prämie auf dem Konto haben. Da werden viele verärgert sein. Hinzu kommt: Der Großteil der Steuerzahler profitiert nicht von der Prämie, muss aber die fünf Milliarden Euro zusätzlicher Schulden abtragen.

      sueddeutsche.de: Wenigstens ist jetzt klar: Ende 2009 ist mit der Abwrackprämie Schluss.

      Höhn: Da wäre ich mir nicht so sicher. Die Abwrackprämie kann zu einem Fass ohne Boden werden - vor allem dann, wenn sich abzeichnet, dass die Konjunktur doch nicht so schnell anspringt. Dann werden die Hersteller sagen, sie brauchen die Prämie weiter, sonst wird 2010 ein ganz furchtbares Jahr. Die Prämie war von Anfang an nicht mehr als ein Strohfeuer. Jetzt ist die Gefahr groß, dass wir alle auf den verkohlten Resten sitzenbleiben.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/908/464507/text/ …
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 21:20:41
      Beitrag Nr. 3.101 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.827.191 von Maraho am 23.03.09 16:58:11In Bezug.

      Finanzmarkt
      US-Notenbank stellt über eine Billion Dollar bereit

      Angesichts des Risikos einer immer tieferen Rezession hat die US-Notenbank bereits im März beschlossen, mehr als eine Billion Dollar in den Finanzmarkt zu schleusen. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Protokoll einer Sitzung hinter verschlossenen Türen hervorgeht, will die Fed so den Privatkonsum ankurbeln und zur Senkung der Kreditzinsen beitragen.

      Die Fed will 300 Milliarden Dollar ausgeben für den Ankauf langfristiger Staatsanleihen sowie 750 Milliarden Dollar für Papiere der angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Die Notenbank befürchtet nach dem Protokoll der Sitzung vom 17. und 18. März einen Teufelskreis aus steigender Arbeitslosigkeit, zunehmender Konsumzurückhaltung, Entlassungen und Produktionskürzungen.

      Trotzdem rechnet die US-Notenbank weiterhin bereits im nächsten Jahr mit einem Beginn der wirtschaftlichen Erholung. In der zweiten Hälfte 2009 werde der Abschwung voraussichtlich zum Stillstand kommen und sich im kommenden Jahr dann allmählich wieder Wachstum einstellen, hieß es im Sitzungsprotokoll der Federal Reserve.

      Allerdings gebe es unter den Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed unterschiedliche Auffassungen über „Zeitpunkt und Stärke“ der Erholung. Manche befürchteten, der Aufschwung werde auf sich wartenlassen und allenfalls schwach ausfallen.

      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3529168/US-Notenb…
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      schrieb am 08.04.09 21:30:10
      Beitrag Nr. 3.102 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.944.864 von Maraho am 08.04.09 21:03:27Ein Kommentar aus der "Welt" ...

      So wird die Marktwirtschaft abgewrackt
      Von Ulrich Clauß

      Die Abwrackprämie wird wider besseren Wissens aufgestockt. Die Bundesregierung ist zum Gefangenen ihrer eigenen Wohltaten geworden, lässt sich vom Volk und den Linkspopulisten treiben. Vor allem Wirtschaftsminister zu Guttenberg hätte mehr Widerstand leisten müssen gegen diesen Subventionsirrsinn.


      Man kann sich die guten Mienen im Kabinettsrund vorstellen. Einstimmig beschloss das Ministerkollegium der großen Koalition die Aufstockung der sogenannten Abwrackprämie und verlängerte die Antragsfrist bis zum Ende des Jahres, vorerst.

      Wer in der Runde hätte dem auch widersprechen können, ohne seine oder die Chancen seiner Partei im anstehenden Bundestagswahlkampf nachhaltig zu beschädigen? Die Bundesregierung ist zum Gefangenen ihrer eigenen Wohltaten geworden. Der Finanzminister mag innerlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, der Wirtschaftsminister mit allen seinen Göttern gerungen haben, der Umweltminister das Primat der Krisenintervention vor jedem Umweltschutzgedanken still und lese bedauern. Niemand aber war offenbar bereit, als sozialpolitischer Spielverderber im Wahljahr den Zorn der Massen zu riskieren.

      So sieht er aus, der Fluch der guten Tat – und er gebiert immer noch neue Taten, das ist absehbar. Denn die Begrenzung auf Endsumme und -Termin dieser Subvention ist ein Widerspruch in sich. Niemand kann derzeit garantieren, dass es bei der Summenbegrenzung bleibt, wenn bis zum 31. Dezember 2009 die Zahl der eingegangenen Anträge höher liegt, als es die jetzt genannte Begrenzung vorsieht. Und schon ein oder zwei abwicklungstechnische Probleme bei der Auszahlung dürften reichen, sich ggf. für eine Verlängerung über den 31. Dezember hinaus ins Zeug zu legen, wenn’s denn opportun erscheinen würde. Dafür wird sich schon jemand finden, wenn es so weit ist. Dafür findet sich immer jemand.

      Das blanke Unbehangen spricht denn auch aus den nachgeschobenen Ermahnungen von Wirtschaftsminister zu Guttenberg, jeder solle "sehr vernünftig prüfen, ob der Autokauf notwendig sei“. Was soll das denn heißen? Hat da jemand kalte Füße? Ist die Inanspruchnahme der Neuwagensubvention etwa nicht bedingungslos erwünscht? Wenigstens von einem Wirtschaftsminister, der nach dem Aufstehen und vor dem Zubettgehen offenbar zweimal täglich zum heiligen Erhard aufschaut, hätte man sich mehr Grundsatztreue gewünscht.

      Tatsächlich aber ist der Damm gebrochen, und der "Talkshow-Minister“, wie ihn viele schon nennen, hat nun endgültig seine Unschuld verloren. Sein Gegenentwurf zum Enteignungsgesetz der Bundesregierung in Sachen Hypo Real Estate war sang- und klanglos in der CDU/CSU-Fraktion untergegangen. Das war kurz nach seinem Amtsantritt. Nun gut. Jetzt aber hätte man von einem Vertreter marktwirtschaftlicher Grundsätze mehr erwarten können als fromme Sprüche.

      Die Bundesregierung insgesamt macht zunehmend den Eindruck, von der Krise und den selbst geweckten Erwartungen getrieben zu werden. Von der Wirtschaftswissenschaft und allen anderen guten Geistern verlassen, fährt sie nur noch auf Sicht und zittert auf die Bundestagswahl zu.

      Aber noch etwas viel Grundsätzlicheres ist besorgniserregend: So wie sich quer durch die große Koalition lang aufgestauter Subventionsfuror bahnzubrechen scheint, so befremdlich ist die Abstinenz mäßigender Instanzen außerhalb der politischen Klasse. So wie der Offenbarungseid der internationalen Ratingagenturen das blühende Finanzmarktgeschäft über Nacht als ein bodenloses erscheinen ließ, so alleingelassen sehen sich viele Politiker von den vielen klugen Ratgebern in den wirtschaftspolitischen Thinktanks.

      Gestern noch Gralshüter der reinen (Markt-)Lehre, ergehen sich viele von ihnen heute im Krisenvokabular gestern noch verfemter Linkspopulisten. Ist es da ein Wunder, dass viele Politiker sozusagen „frei nach Schnauze“ navigieren und erst einmal ans kurzfristige politische Überleben denken? Wo die Theoriefähigkeit wirtschaftlicher Prozesse vom Ablauf der Geschehnisse generell infrage gestellt wird, sinkt die Achtung vor der Expertise der Theorievertreter eben rapide.

      Hier wird zurzeit offenbar noch mehr abgewrackt als nur der überalterte Kleinwagenfuhrpark der Republik. Marktwirtschaftliche Auffanglinien werden allenthalben überschritten, viele Autoritäten gelten als diskreditiert. Und keine politische Autorität ist in Sicht, die letzte rote Linien markiert. Nirgends.

      Quelle: http://www.welt.de/motor/article3528647/So-wird-die-Mark…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 21:46:47
      Beitrag Nr. 3.103 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.842.753 von Maraho am 25.03.09 12:37:54In Bezug zu dem Beitrag vom 25.03.09
      Mal sehen, was darüber eines Tages geschrieben wird.


      Pläne für den Soffin
      Deutsche Bad Bank nimmt Form an
      von Rolf Lebert (Frankfurt)

      Eine staatlich gesteuerte Bad Bank für den deutschen Bankensektor rückt näher. Noch im laufenden zweiten Quartal soll nach FTD-Informationen eine solche Institution geschaffen werden, die unter der Leitung des staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) stehen soll.


      Ihre Aufgabe wäre es, Banken nicht handelbare Wertpapiere und faule Kredite abzukaufen und zu verwerten. Den Verantwortlichen schwebt eine Holding-Konstruktion vor mit dem Soffin als Dachgesellschaft. Darunter hingen einzelne Bad Banks, in denen die leistungsgestörten Wertpapiere und Forderungen der Banken verwaltet würden. Der Soffin soll die Kapitalausstattung und Liquiditätsversorgung der Banken steuern.

      Damit würde der Aufgabenkatalog des Soffin deutlich ausgeweitet. Bisher war der Fonds ausschließlich damit beschäftigt, das Finanzsystem mit Liquiditätsgarantien und Kapitalspritzen zu stabilisieren. In der nächsten Phase stünde dann im Zentrum, die Zukunftsfähigkeit wesentlicher Teile des deutschen Bankgewerbes zu sichern.

      Der Soffin sieht seine Aufgabe grundsätzlich nicht darin, "Todgeweihte künstlich am Leben zu halten", wie es in Finanzkreisen heißt. Bei seinen Eingriffen in den Finanzsektor sind drei Kriterien maßgeblich, nach denen sich eine Bank für Staatshilfen qualifizieren muss:

      Die Bank ist im Kern ausreichend kapitalisiert und lebensfähig, braucht aber sichere Refinanzierungsquellen, da sie unverschuldet aufgrund der Marktverwerfungen in Liquiditätsnöte geraten ist oder geraten kann.

      Eine Bank ist sanierungsbedürftig, weil nicht nur Störungen der Märkte für ihre Probleme verantwortlich sind, sondern ihr Geschäftsmodell oder Teile davon versagt haben. Hier muss der Soffin die Sanierung begleiten.

      Die dritte Kategorie sind die harten Restrukturierungsfälle, bei denen allenfalls Teile der Bank zukunftsfähig sind. Um das System nicht zu gefährden, soll vorrangig eine Insolvenz verhindert werden.

      Als Prototyp einer Bank der ersten Kategorie könnte die Aareal Bank gelten. Diese hat Soffin-Hilfen bekommen, obwohl sie während der Krise keine Verluste ausweisen musste. Hier ging es darum, ein in sich konsistentes und robustes Geschäftsmodell gegen Risiken abzusichern und wetterfest zu machen.

      Zur zweiten Kategorie gehören die meisten Landesbanken, die ohne drastische Korrekturen am Geschäftsmodell als nicht überlebensfähig gelten - und die nach Planspielen des Bundes grundlegend umstrukturiert werden sollen, bis hin zur Bündelung der gesunden Teile in einer einzigen "Good Bank". Zur zweiten Kategorie gehört bedingt aber auch die Commerzbank, die ebenfalls ihre Geschäfte überprüfen muss, aus Sicht des Soffin aber grundsätzlich als zukunftsfähig gilt.

      Zur dritten Kategorie zählen Institute wie die Hypo Real Estate, die nur durch die seit Mittwoch mögliche vollständige Verstaatlichung vor dem Untergang gerettet werden können.

      Die geplante Bad Bank ist vor allem für Banken der zweiten Kategorie gedacht. Ziel der Bad Bank ist es, eine "Initialzündung und einen starken Anstoß zur Restrukturierung des deutschen Finanzsektors auszulösen", heißt es in Finanzkreisen. Dabei geht es nicht nur um Kauf und Verwertung problematischer Wertpapiere, sondern auch um die aus dem Abschwung folgenden Belastungen der Branche, die Kredite von 6000 Mrd. bis 7000 Mrd. Euro vergeben hat.

      "Die Branche muss in die Lage versetzt werden, auf die zu erwartenden konjunkturbedingten Kreditausfälle angemessen zu reagieren", heißt es in Finanzkreisen. Da dafür ein erheblicher Kapitalbedarf zu erwarten sei, den nicht alle Banken bei Eigentümern oder am Markt decken könnten, komme auch hier der Soffin ins Spiel. Dessen Mittel von 480 Mrd. Euro sollen auch für die neuen Aufgaben ausreichen.

      Quelle: Aus der FTD vom 09.04.2009
      © 2009 Financial Times Deutschland
      http://www.ftd.de/latestnews/index.html
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 22:12:43
      Beitrag Nr. 3.104 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.944.963 von Maraho am 08.04.09 21:20:41Ergänzend.

      Zum Abschluß noch dies ...

      Protokoll der März-Sitzung
      Fed-Prognose noch düsterer

      Die US-Notenbank bleibt für die Konjunktur weiterhin extrem pessimistisch: Die ohnehin schon düsteren Wachstumsprognosen wurden nochmals gesenkt – insbesondere für das zweite Halbjahr 2009, heißt es im Protokoll der März-Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve. Der Zentralbankrat (FOMC) forderte, noch mehr Wertpapiere aufzukaufen.


      HB WASHINGTON. Zum Zeitpunkt der jüngsten Zinsentscheidung hätten sich alle Wirtschaftssektoren sehr schwach präsentiert, bei einer steigender Zahl von Arbeitslosen und anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten, heißt es im Protokoll der März-Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve, das am Mittwoch in Washington veröffentlicht wurde. Vor diesem Hintergrund habe sich der Zentralbankrat (FOMC), der über den Kurs der Fed entscheidet, für eine „substanzielle“ Intensivierung der Aufkäufe von Wertpapieren ausgesprochen. „Die Bedingungen im Kreditgeschäft blieben weiterhin frostig und die Finanzmärkte fragil. (..) Alles in allem äußerten die Teilnehmer (der FOMC-Sitzung) Sorge über die Risiken für die Konjunktur, bei einer ohnehin schon schwachen Prognose.“

      Die Fed hatte Mitte März den Ankauf von Staatsanleihen im Volumen von 300 Mrd. Dollar und die Ausweitung bereits bestehender Ankaufprogramme für Unternehmensanleihen und hypothekenbesicherte Papiere, die durch die Subprime-Krise kaum mehr verkäuflich geworden waren, beschlossen. Den seit Dezember bei praktisch Null liegenden Leitzins hatten die Notenbanker wie erwartet nicht angetastet.

      Da sich in den vergangenen Monaten eine rapide Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt gezeigt habe und die Industrieproduktion ebenfalls weiter zurückgehe, sei in nächster Zeit mit weiter sinkenden Investitionen der Unternehmen zu rechnen. Auch die Nachfrage nach neuen Häusern bleibe gering. Einzig der Konsum habe eine gewisse Stabilisierung gezeigt, so die Fed.

      Die niedrigeren Wachstumsaussichten dürften zu einer bis Anfang nächsten Jahres steigenden Arbeitslosigkeit führen. Die Inflation sollte allerdings durch niedrige Energie- und Rohstoffkosten und sinkende Importpreise gedämpft werden. Alle FOMC-Mitglieder gaben an, dass sich die Marktbedingungen im Vergleich zu ihren Erwartungen seit dem letzten Treffens verschlechtert hätten. Die steigende Arbeitslosigkeit und die sinkende Produktion dürften auf dem Konsum und den Investitionen lasten und da die schwächelnde Wirtschaft das Risiko von Verlusten bei Finanzinstituten erhöhe, dürften die Bedingungen auf den Kreditmärkten noch straffer werden.

      Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen besorgt: „Die Märkte geben nach, weil sie ihre Wachstumsprognosen nochmals gesenkt haben“, erklärte Dave Rovelli, Chef des Aktienbrokers Canaccard Adams in New York. „Das einzig Positive ist, dass auch die Prognose für die Inflation zurückgenommen wurde. Das ist zurzeit aber auch kein Thema, aber wenn die Wirtschaft anfängt sich zu erholen, dann wird es eines werden.“

      „In dem Protokoll wurde überraschend wenig zu den quantitativen Lockerungen wie dem Ankauf von Staatsanleihen gesagt“, monierte Analyst Omer Esiner von Ruesch International. Der beschlossene Ankauf von Staatsanleihen wurde von den FOMC-Mitgliedern als angemessene Maßnahme angesehen und sei eine nötige Stützung der Wirtschaft. „Es sieht so aus, als ob sie sich wirklich Sorgen um den schwachen Wirtschaftsausblick machen“, sagte ein weiterer Experte. Dem schloss sich auch Chefvolkswirt von Fact and Opinion Economics, Robert Brusca an. „Der Zustand der Wirtschaft ist sehr schlecht und über dieses große Problem macht sich die Fed viele Gedanken.“ Die Notenbank habe ihre Maßnahmen ergriffen – „es sieht derzeit aber nicht so aus, als ob noch viel mehr ansteht.“

      An den Märkten wurde das Protokoll verhalten aufgenommen. Die Kurse von US-Staatsanleihen legten ein wenig zu, der Aktienmarkt zeigte eine leicht negative Reaktion. Händler erwarten, dass der Dollar von den schwächeren Aussichten auf das Wirtschaftswachstum profitieren könnte. „Dadurch dürfte die Risikoaversion im Markt wieder steigen“, sagte ein Devisenexperte. Der Euro entfernte sich denn auch von seinem Tageshoch bei 1,3309 Dollar und kostete zuletzt 1,3234 Dollar.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachricht…
      Avatar
      schrieb am 08.04.09 22:17:30
      Beitrag Nr. 3.105 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.945.405 von Maraho am 08.04.09 22:12:43... und jetzt bedanke ich mich für eure Treue sowie das Interesse an diesem Mittwoch und wünsche euch allen hiermit eine gute Nacht! ;)

      Bis morgen.
      Maraho
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 05:11:39
      Beitrag Nr. 3.106 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.944.378 von Maraho am 08.04.09 19:57:56Guten Morgen zusammen,
      erst einmal sei euch ein guter Donnerstag gewünscht!

      Hier ein Dementi auf die Meldung von gestern nachmittag ...

      US-Finanzministerium
      USA planen keinen eigenen Rettungsschirm für Versicherer

      Einige US-Versicherer haben nach Angaben des Finanzministeriums die Anforderungen für Staatshilfen erfüllt. Ein eigener Rettungsschirm für US-Versicher, wie dies die Regierung nach einem Medienbericht plane, sei dagegen nicht vorgesehen.


      HB NEW YORK. Da mehrere Häuser den Status einer Bank-Holdinggesellschaft hätten, zählten sie zu en mehreren Hundert Institutionen, die für die Finanzspritzen aus dem Hilfsprogramm CPP in Betracht kämen, sagte ein Sprecher des US-Finanzministeriums am Mittwoch. Ein eigener Rettungsschirm für die Branche sei hingegen nicht geplant. In den vergangenen Monaten haben viele Versicherungskonzerne die Erlaubnis bekommen, Banken zu übernehmen, damit sie am sogenannten Capital Purchase Program (CPP) teilnehmen können.

      Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, die Regierung weite ihr 700 Mrd. schweres Finanzrettungspaket (Tarp) auf einige Lebensversicherer aus und werde dies in den kommenden Tagen verkünden. Die Meldung beflügelte die US-Börsen zum Handelsauftakt. Lebensversicherer wie Prudential Financial legten zweistellig zu. Nach der Erklärung des Finanzministeriums gaben der Dow Jones und der S&P 500 jedoch einen Teil ihrer Gewinne wieder ab.

      Nach offiziellen Angaben wurden bis Dienstag 198,5 Mrd. Dollar aus dem CPP ausgeschüttet. Damit stehen derzeit noch 19,5 Mrd. Dollar zur Verfügung. Insgesamt befinden sich im Tarp-Paket nach Schätzungen des Finanzministeriums noch Mittel über 134,5 Mrd. Dollar.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/usa-planen…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 05:35:00
      Beitrag Nr. 3.107 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.941.465 von Maraho am 08.04.09 14:03:58In Bezug und etwas ausführlicher ...

      Talfahrt der deutschen Industrie wird nur wenig langsamer
      Auftragseingang schrumpft im Februar um 3,5 Prozent - Export nimmt ab

      Börsen-Zeitung, 9.4.2009 ks Frankfurt - Die deutsche Industrie muss mit immer weniger Aufträgen zurechtkommen, auch wenn der nun schon über ein halbes Jahr dauernde steile Absturz des Bestelleingangs sich im Februar etwas verlangsamt hat. Laut den saisonbereinigten Zahlen der Bundesbank verringerte sich die Nachfrage gegenüber Januar um 3,5 %. Dieser hatte ein revidiertes Minus von 6,7 % gebracht.

      Der neuerliche Einbruch der Neuaufträge war, auch wenn er nur noch knapp halb so groß ausfiel wie im Januar, doch deutlich höher als von Volkswirten erwartet. Sie hatten im Konsens mit einer Abnahme um 2,6 % gerechnet. Diese Prognose fußte allerdings auf der ursprünglichen Bekanntgabe eines stärkeren Einbruchs der Neuorders im Januar um 8,0 %, der mit den (vorläufigen) Februar-Zahlen nun routinemäßig überprüft und korrigiert worden ist. Anders als im Januar rührte der neuerliche Einschnitt bei den Orders diesmal hauptsächlich aus dem Inland her. Denn die Binnennachfrage fiel im Februar innerhalb eines Monats um 5,7 % zurück, nach revidiert minus 1,8 (vorläufig minus 4,3) % im Januar. Die Abwrackprämie, die den Herstellern von Autos und Autoteilen im Inland ein Auftragsplus von 14,3 % einbrachte, konnte damit allenfalls einen noch größeren Einbruch verhindern. Die Exportabschlüsse der deutschen Gesamtindustrie unterschritten hingegen ihr Vormonatsniveau nur mehr um 1,3 %. Allerdings waren sie im Januar um revidiert minus 10,9 (11,4) % abgestürzt. Dabei hat sich im Berichtsmonat der Rückgang auf die Eurozone beschränkt. Hier sank die Nachfrage um 3,7 %. Die Aufträge aus den nicht zum Euroraum gehörenden Märkten nahmen im Vergleich zum Januar sogar um 0,5 % zu. Hier gilt allerdings zu bedenken, dass diese leichte Erholung auf einem sehr niedrigen Niveau erfolgte, denn im Januar waren die Bestellungen mit einem Minus von 17,2 % regelrecht implodiert. Die größten Auftragseinbußen mussten im Februar mit minus 8,7 % die Hersteller von Konsumgütern hinnehmen. Sehr schlecht entwickelten sich auch die Abschlüsse bei den Produzenten von Vorleistungsgütern. Ihr Auftragseingang verringerte sich um 6,5 %. Nachdem es im Januar bei Investitionsgütern noch ein Orderminus von 9,4 % gegeben hatte, konnte sich dieser Wirtschaftsbereich mit einem Nachfragerückgang um 0,5 % knapp behaupten. Der deutschen Industrie steht Experten zufolge angesichts der schwersten Rezession seit mindestens 60 Jahren ein drastischer Produktionseinbruch bevor. Es dürfte einen Rückgang um rund 16 % geben, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Quartalsumfrage unter Ökonomen hervorgeht. Eine Erholung sei frühestens kommendes Jahr in Sicht, allerdings dürfte das Plus mager ausfallen, hieß es.

      Das belastet auch die deutsche Gesamtkonjunktur, die angesichts ihrer starken Exportabhängigkeit zudem unter den wegbrechenden Ausfuhren leidet. Im Februar wurden kalender- und saisonbereinigt 0,7 % weniger exportiert als im Januar, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Die Einfuhren nahmen um 4,2 % ab. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres brachen die Ausfuhren im Februar nicht bereinigt um 23,1 % auf einen Wert von 64,8 Mrd. Euro ein und die Importe um 16,4 % auf 56,2 Mrd. Euro. In der regionalen Aufteilung zeigen sich die größten Exporteinbußen im Handel mit den nicht zur Eurozone gehörenden EU-Ländern, während bei den Drittstaaten außerhalb der EU die geringsten Verluste auftraten. Sie beliefen sich aber immer noch auf 20,6 %. Die gesamte Außenhandelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 8,7 Mrd. Euro ab, nach einem Aktivsaldo von 17,1 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Zusammen mit kleineren Verschiebungen in anderen Posten zeigte die deutsche Leistungsbilanz nur noch einen Überschuss von 5,6 Mrd. Euro. Im Februar 2008 war ein Überschuss von 16,5 Mrd. Euro ausgewiesen worden.

      Quelle: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=299&artid=2009069…
      10 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 05:54:15
      Beitrag Nr. 3.108 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.946.040 von Maraho am 09.04.09 05:35:00In der Presse ...

      Gesundheit
      Beschäftigte im Dauerstress

      In vier von fünf Betrieben arbeiten Beschäftigte dauerhaft unter hohem Druck. Psychische Belastungen haben in den vergangenen drei Jahren zugenommen, sagen Betriebsräte. Die Wirtschafts­krise dürfte die Situation noch verschärfen.


      Knappe Zeit, hoher Druck - für immer mehr Arbeitnehmer ist Stress ein Dauerzustand. In 84 Prozent der deutschen Betriebe gibt es Mitarbeiter, die ständig unter hohem Zeit- und Leistungsdruck arbeiten. Betroffen sind in diesen Unternehmen nicht nur einzelne Beschäftigte mit speziellen Aufgaben, sondern mit durchschnittlich 43 Prozent große Teile der Belegschaft. Das zeigen erste Auswertungen der aktuellen WSI-Betriebsrätebefragung. Zwischen September 2008 und Januar 2009 wurden 1.700 Arbeitnehmervertreter aus Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten befragt.
      Die psychischen Belastungen haben in den vergangenen drei Jahren zugenommen, sagten 79 Prozent der befragten Betriebsräte. Besonders stark unter Druck stehen demnach Beschäftigte in Dienstleistungsberufen sowie in den Branchen Verkehr, Nachrichten und Telekommunikation. Dort ist etwa jeder Zweite betroffen. "Durch neue Organisationsformen in den Unternehmen steuern zunehmend Kundenvorgaben und ­Ergebnisorientierung den Arbeitsrhythmus. Und das mit immer weniger Personal", sagt WSI-Gesundheitsexpertin Elke Ahlers.

      Mehr Eigenverantwortlichkeit kann ebenfalls zum Belastungsfaktor werden. So gaben 58 Prozent der befragten Betriebsräte an, dass Mitarbeiter regelmäßig mit Umsatz- und Renditezahlen konfrontiert und daran gemessen werden. "Für die Beschäftigten ist das ein zweischneidiges Schwert: Die neue Freiheit bezahlen viele mit Arbeitsverdichtung und Leistungsdruck", sagt Ahlers.

      Die aktuelle Auftragslage der Unternehmen hat offenbar wenig Einfluss auf den Zeit- und Leistungsdruck: Den Anteil der Beschäftigten unter Dauerstress schätzten Betriebsräte trotz beginnender Wirtschaftskrise ähnlich ein, egal ob sie in Unternehmen mit gut gefüllten Auftragsbüchern arbeiten oder in schlecht laufenden Betrieben. Für die Zukunft erwartet Ahlers allerdings durch die Wirtschaftskrise eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen: "Die Personaldecke in den Betrieben wird noch dünner, die Angst vor dem Jobverlust zunehmen. Dies dürfte sich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken."

      Quelle und Zusatzinformationen,
      Grafiken zum Text : http://www.boeckler.de/32014_94842.html
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 06:06:08
      Beitrag Nr. 3.109 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.944.697 von Maraho am 08.04.09 20:41:04In Bezug.

      Abschluss der UN-Klimaverhandlungen
      Vorwärts im Schneckentempo

      Bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn sorgt die neue US-Regierung zwar für Bewegung, doch auf konkrete Reduktionsziele können sich die Teilnehmer nicht einigen.

      VON NADINE MICHEL


      Auf eine spannende letzte Nacht hatten Klimaschützer bis zum Schluss gehofft, doch die Hoffnung war vergebens: Auch am letzten Tag, am Mittwoch, wurden bei den seit knapp zwei Wochen laufenden UN-Klimaverhandlungen in Bonn keine konkreten Zahlen auf den Tisch gelegt - zumindest aber konnte die neue US-Regierung für eine positive Dynamik sorgen. An den Vorverhandlungen für ein neues Klimaschutzabkommen nahmen rund 2.000 Teilnehmer aus fast 190 Ländern teil. Bis zu den entscheidenden Verhandlungen im Dezember in Kopenhagen sollen noch, so wurde jetzt beschlossen, drei weitere Treffen im Juni, August und November stattfinden. Das Abkommen soll das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase ersetzen.

      Die Bonner Verhandlungen hatten mit einer starken Auftaktrede des neuen Klimabeauftragten der USA, Todd Stern, begonnen. Und viele Beobachter sind sich einig: Die neue US-Regierung lasse erkennen, dass sie die Debatte ernsthaft voranbringen will. Auch das Klimaforum Ende April, zu dem US-Präsident Barack Obama die 16 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer eingeladen hat, wird begrüßt. "Wichtig ist aber, dass nicht über die Köpfe der besonders vom Klimawandel betroffenen Länder hinweg entschieden wird, die bei diesem Forum nicht mit am Tisch sitzen", sagt Sven Harmeling, Klimaexperte der Nord-Süd-Initiative Germanwatch. Zwar haben auch die USA noch keine konkreten Zahlen vorgelegt, wofür aber viele aufgrund der jungen Regierung Verständnis haben - noch. "In Zukunft müssen konkrete Positionen kommen", mahnt Harmeling. "Die USA haben noch nicht die Vorreiterrolle eingenommen, wie sie es eigentlich müssten."

      So gab es auch in den zentralen Punkten, Reduktionsziele und Finanzierung, kaum ein Vorankommen. Kathrin Gutmann von der Umweltstiftung WWF hat in Bonn eher eine Verhärtung der Fronten wahrgenommen. Während sich Japan in der Frage der Emissionsreduktion für 2020 im Vergleich zu 1990 noch gar nicht äußert und Australien 5 bis 15 Prozent nennt, fordert die Allianz der kleinen Inselstaaten von den Industriestaaten gar 45 Prozent. Die Europäische Union bietet derzeit 20 bis 30 Prozent. "Der Druck steigt enorm, sich auf eine Zahl zu einigen", sagt Gutmann.

      Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sieht das anders. "Wir haben gute Fortschritte erzielt", sagte de Boer zum Abschluss der Konferenz. Für Ergebnisse sei es zu früh. Auch das Bundesumweltministerium hat noch nicht mehr erwartet. "Konkrete Zahlen wird es erst in Kopenhagen geben", sagt Sprecher Tobias Dünow. Weiterhin offen sind auch die Fragen der Finanzierung des Klimaschutzes in Schwellen- und Entwicklungsländern. Laut Klimaexperte Harmeling zeichnet sich zumindest eine Tendenz in Richtung Verkauf von Emissionsrechten ab.

      Beschlossen wurde, dass eine Versicherung gegen Klimawandelschäden in den vorläufigen Verhandlungstext aufgenommen wird. Dazu gibt es Vorschläge der Munich Climate Insurance Initiative (MCII) von Versicherern, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlern. Die Versicherungen könnten eine Möglichkeit zum Risikomanagement und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels bieten, indem sie etwa Dürren, Überschwemmungen und tropische Wirbelstürme abdeckten. Nach der Vorstellung des MCII könnten entweder die Industrieländer direkt für die Wetterkatastrophen bezahlen oder die Gründung von Versicherungssystemen in den Entwicklungsländern mitfinanzieren.

      Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/vorwaerts-im-…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 06:11:42
      Beitrag Nr. 3.110 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.930.971 von Maraho am 07.04.09 08:52:02In Bezug.

      Nicht nur Katzen würden Whyskas kaufen

      Heute morgen las ich in der Zeitung, dass sich Hundefutter in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise einem florierenden Absatz erfreuen soll. Der Verdacht: Es liegt nicht an den Vierbeinern. Diese Meldung wäre noch kein Blogartikel wert gewesen, wenn ich nicht ein paar Stunden später im Einkaufszentrum hinter einer Dame in der Schlange gestanden hätte, die für 600 Franken die Gourmet-Variante von Whyskas aufs Band legte.

      Weder ihr Outfit noch die miteingekauften Lebensmittel wollten zum teuren Gourment-Katzen-Menue passen. Es war einer dieser Momente, in denen ich froh war, dass niemand meine Gedanken lesen konnte.

      Und meine Gedanken waren eine Folge meiner morgendlichen Zeitungslektüre. Plötzlich verändert sich die Wahrnehmung. Noch gestern hätte ich geglaubt, dass die Dame zugunsten ihres Schmusekaters auf eigene teure Häppchen verzichtet. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher...

      Nur, der Eindruck kann täuschen. Die Meldungen über baldige Gewinne einiger Banken hatte auch bei manchen Beobachtern zum Glauben geführt, dass es jetzt in der Finanzbranche wieder aufwärts gehen würde. Inzwischen wurde aber bekannt, dass die Buchhaltungsregeln geändert werden und die möglichen Gewinne auf fiktiven Preisen beruhen.

      Nicht beeindrucken liess sich der IWF. Laut einem Vorabbericht der Times geht der IWF davon aus, dass Banken und Versicherungen weltweit auf einem Bestand von Schrottpapieren im Nennwert von vier Billionen Dollar sitzen. Allein in den USA dürfte der Wert der Abschreibungen bei 3,1 Billionen Dollar liegen. Die Belastungen aus Europa und Asien schlagen dabei mit 900 Milliarden Dollar zu Buche. Bei seiner vorangegangenen Schätzung im Januar war der Fonds noch davon ausgegangen, dass die "vergifteten" Papiere die Finanzkonzerne bis Ende 2010 mit 2,2 Billionen Dollar belasten dürften.

      Wir haben es hier also fast mit einer Verdoppelung innert Monaten zu tun. Damit dürften die Ankurbelungsprogramme der G-20 von London bereits verfrühstückt sein, bevor sie überhaupt angelaufen sind. Doch die Anleger reagierten nur sehr zögerlich auf diese Meldung und die Gazetten hievten sie nicht einmal auf die Frontseite. Wie ist das möglich?

      Doping beim Sport, Botox bei der Schönheit, die Form triumphiert über den Inhalt. Wir haben es hier mit einem Zeitgeist zu tun, der wie die Radfahrerbranche zeigt, durchaus bei der breiten Masse auf Akzeptanz stossen kann. Das macht Prognosen äusserst schwierig, denn das Wissen um den morschen Inhalt muss noch keine Garantie für eine zeitlich richtige Einschätzung der Aktienkurse zur Folge haben. Was zählt, ist die Wahrnehmung der Masse und die lässt sich gerne manipulieren, öfters wider besseren Wissens.

      Ob Bankaktien nun ein Kauf sind, hängt von der Wahrnehmung der Investoren und nicht vom Inhalt der Banken ab. Das macht eine Prognose praktisch unmöglich. Ich lasse die Finger dennoch davon.

      P.S. Zurück zur Dame: Seit ich einmal in einer Bank einen Millionär angetroffen habe, dem ich auf der Strasse sofort aus Mitleid eine Münze zugeworfen hätte, weiss ich, öfters ist alles ganz anders als es scheint.

      Quelle: http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/nicht-nur-k…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 06:16:08
      Beitrag Nr. 3.111 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.946.055 von Maraho am 09.04.09 06:11:42Noch etwas ähnliches ...

      Die Welt in Unordnung

      Jetzt werden die Krisenfahnen eingeholt, während sich die wirtschaftliche Talfahrt weiter beschleunigt. Das ist aber alles halb so wild, denn darum kümmern sich Notenbanken und Regierungen. Ein paar Billionen hier, ein paar Milliarden dort, wer will sich darüber schon beunruhigen, hat man sich doch an diese Begrifflichkeiten längst gewöhnt. Eine Billiarde wäre eine Zahl für die nächste Runde von Schwierigkeiten. Simbabwe dauert aber noch etwas...


      Der IWF schätzt, dass die Summe der giftigen Wertpapiere in den Bilanzen von Banken und Versicherungen auf 4 Billionen USD ansteigen wird. Dabei war im Januar noch von 2,2 Billionen Dollar die Rede. Erschrecken Sie etwa bei der Summe? Ach was! Nach einer Phase der Gewöhnung sollten Sie jetzt endlich mal ganz hurtig zum Alltag übergehen. Um die giftigen 3,2 Billionen Dollar in Amerika würde ich mir auch keine Sorgen machen. Notfalls kümmert sich die Notenbank darum. Daher doch auch ihr Name...

      Die UBS wirbt übrigens nicht mehr mit dem Slogan You & Us – UBS. Die Kampagne wurde Mitte März "aufgrund der kommunizierten Kostensparmaxime vollständig gestoppt," bestätigt UBS-Sprecherin Rebeca Garcia. Vielleicht war der Slogan auch etwas altmodisch...?

      Der überaus erfolgreiche Weltfinanzgipfel hat eine Verdreifachung der Mittel für den IWF auf 750 Mrd. USD beschlossen. Kaum sind die Küsschen verteilt, zofft man sich schon wieder. Nicht dass das jetzt überraschend kommt, denn die Kameras sind ja jetzt weg, doch irgendwie haben immer ein paar Leute zu meckern. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark übt Kritik und warnt vor Inflationsgefahren. "Das ist reine Geldschöpfung. Das ist Helikopter-Geld für den Globus" sagte Stark dem Handelsblatt. Damit scheint er wieder mal richtig zu liegen, doch greift seine Kritik etwas zu kurz. Die ganze Welt ist voller Helikopter-Geld. Doch Jürgen Stark weiß das. Was kann er schon tun?

      Ottmar Issing, Starks Vorgänger als EZB-Chefökonom und nun in Diensten von Goldman Sachs, verteidigte die expansive Geldpolitik der Notenbanken. "Wenn die Krise da ist, müssen die Notenbanken die Schleusen öffnen", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". "Wenn man das Feuer löscht, muss man aufpassen, dass der Wasserschaden am Ende nicht größer ist als der Schaden, den der Brand angerichtet hat." Schaden ist Schaden. Doch wer hat das Feuer gelegt? Und wer bezahlt den Wasserschaden?

      Unser Finanzminister Steinbrück lehnt ein drittes Konjunkturpaket aus Kostengründen ab – wegen der so vielen und so schrecklichen Schulden für unsere armen armen Kinder und Kindeskinder und deren Enkel, auch wegen der Stabilität der Staatsfinanzen und so weiter. Und plötzlich fließt Geld. Zeitungen schreiben, dass der 60 Milliarden-Anteil, den Deutschland am beschlossenen Umschichtungspaket für den IWF zu stemmen hat, aus den Währungsreserven der Bundesbank bewältigt werden soll. Kostenpunkt: 60.000 Millionen Euro. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn man für diese Summe Lehrer einstellen würde. Die Leute würden vielleicht sogar schlauer. Nein, das kann nicht Sinn und Zweck von Ausgaben sein.

      In Japan macht man auch sofort Nägel mit Köpfen, indem man das Konjunkturprogramm ruckzuck auf 75 Mrd. Dollar verdoppelt. Das Geld bleibt mit Zinsen von 0,1 Prozent fast kostenlos. Die Bank of Japan will die Wirtschaft ankurbeln. Das will sie schon recht lange und war dabei auch überaus erfolglos. Sie hat nur diese Kurbel noch immer nicht gefunden. Und so pfuscht sie eben weiter. Doch es machen alle so. Früher suchte man den heiligen Gral. In unseren modernen Zeiten sucht man die heilige Kurbel.

      Doch zum Schluss etwas Heiteres aus der Welt des Alltags: Um sich nicht mit dem ganzen Finanzkram beschäftigen zu müssen, hat der Verbraucher jetzt ein neues Betätigungsfeld bekommen: Er darf am Wochenende nicht nur Ostereier suchen, sondern auch nach Taschenrechnern und nach Kenntnissen um den berühmten Dreisatz. Damit bewaffnet geht es auf zu einem besonderen Spaß in die Supermärkte. Unsere EU-Oberen haben in ihrer Genialität ein kleines Verpackungschaos angezettelt, indem sie die ach so kompliziert-einfachen Verpackungsvorschriften kassierten. Ab Samstag dürfen Hersteller ihre Dinge in beliebig großer oder kleiner Verpackung anbieten. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Packung Papiertaschentücher eines weniger in sich haben wird, oder nach dem dritten Toilettengang das Papier fehlt. Das ist eben europäischer Fortschritt. Na dann... fröhliches Preisvergleichen!

      Quelle: http://frank-meyer.eu/blog/?p=617&more=1&c=1&tb=1&pb=1#more6…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 06:59:57
      Beitrag Nr. 3.112 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.946.057 von Maraho am 09.04.09 06:16:08Japan pumpt noch mehr nach ...
      siehe auch #3004 von Maraho 06.04.09 19:00:43 Beitrag Nr.: 36.928.780 auf Seite 301

      116 Milliarden Euro
      Japan belebt Märkte mit Rekord-Konjunkturpaket


      Die japanische Regierung übt sich in Superlativen: Im Kampf gegen die Krise hat sie jetzt ein Rekord-Konjunkturpaket in Höhe von 116 Milliarden Euro beschlossen. Das ist deutlich mehr als zunächst geplant – und soll wohl auch ein Signal an Deutschland sein, endlich mehr gegen die Krise zu tun.

      Die japanische Regierung plant angesichts der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg ein neues Konjunkturpaket im Volumen von umgerechnet 116 Milliarden Euro (15,4 Billionen Yen). Einem am Donnerstag veröffentlichten Entwurf der Regierungspartei LDP zufolge soll mit dem Geld unter anderem der Kauf von sparsamen Autos und Haushaltsgeräten sowie Solaranlagen gefördert werden. Die Aktien der Hersteller entsprechender Produkte wie etwa Sharp, Panasonic, Toshiba und Hitachi legten daraufhin an der Tokioter Börse deutlich zu. Ministerpräsident Taro Aso wollte noch am Donnerstag eine wichtige Rede zur Wirtschaftspolitik halten. Das Konjunkturpaket sollte am Freitag verkündet werden.

      Das Paket entspräche 3,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Japans und fällt damit deutlich größer aus als zunächst erwartet. Möglicherweise droht dem Paket noch Widerstand im Parlament, wo die Opposition eine Kammer kontrolliert. Im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels in London hatte Japan Deutschland vorgeworfen, nicht genug für die Stimulierung der Wirtschaft zu tun.

      Gute Nachrichten gibt es indes vom japanischen Maschinenbau: Dort sind die Aufträge unerwartet gestiegen. Wie die Regierung bekanntgab, erhöhten sich die Aufträge im Februar um saisonbereinigt 1,4 Prozent zum Vormonat auf 728,1 Milliarden Yen. Das ist der erste Anstieg seit fünf Monaten. Analysten hatten im Durchschnitt der Prognosen mit einem erneuten Rückgang gerechnet. Die Regierung warnte jedoch vor zu großem Optimismus, da die Aufträge der Industrie und aus dem Ausland weiterhin auf Tiefstständen verharrten. Im Januar waren die Maschinenbauaufträge der zweitgrößten Volkswirtschaft angesichts der Exporteinbrüche auf den tiefsten Stand seit fast 22 Jahren gesunken.

      Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg bis zur Handelsmitte deutlich um 158,38 Punkte oder 1,84 Prozent auf den Zwischenstand von 8753,39 Punkten. Der breit gefasste TOPIX legte bis dahin um 12,61 Punkte oder 1,55 Prozent auf 827,87 Punkte zu. Japan will mit der größten Konjunkturspritze aller Zeiten gegen die schwerste Rezession der Nachkriegszeit ankämpfen.

      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3530129/Japan-beleb…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 07:10:18
      Beitrag Nr. 3.113 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.941.465 von Maraho am 08.04.09 14:03:58Hierzu noch das Ergebnis einer ...

      Umfrage: Deutscher Industrie steht Produktionseinbruch bevor

      Berlin (Reuters) - Der deutschen Industrie steht Experten zufolge angesichts der schwersten Rezession seit mindestens 60 Jahren ein drastischer Produktionseinbruch bevor.

      Es dürfte einen Rückgang um rund 16 Prozent geben, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Quartalsumfrage unter 21 Fachleuten hervorgeht. Eine Erholung sei frühestens kommendes Jahr in Sicht, allerdings dürfte das Plus mager ausfallen. Das belastet die deutsche Konjunktur: Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 4,4 Prozent schrumpfen und damit so stark wie nie seit Gründung der Bundesrepublik.

      Für 2010 erwarten die Ökonomen aus Banken und Forschungsinstituten lediglich einen leichten Anstieg von 0,4 Prozent. Exporte und Investitionen brächen weg, und die steigende Arbeitslosigkeit belaste den Konsum, sagte Gerd Haßel von der BHF-Bank. "Das führt dazu, dass sich die Krise noch länger hinzieht."

      Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich damit seit der Januar-Umfrage trotz der milliardenschweren Konjunkturpakete der Bundesregierung stark eingetrübt. Vor drei Monaten hatten die Experten lediglich ein Minus von 2,5 Prozent vorhergesagt und für das kommende Jahr ein Wachstum um 0,9 Prozent in Aussicht gestellt. Allerdings kamen seitdem vor allem vom Export und der Industrie immer neue Hiobsbotschaften. So sammelten die Industriefirmen im Februar trotz der Abwrackprämie für Altautos erneut weniger Aufträge ein, die Flaute hält seit mehr als einem Jahr an. Experten gehen deshalb davon aus, dass das gesamte Produzierende Gewerbe im Februar 3,1 Prozent weniger hergestellt hat als im Januar. "Derzeit sehen wir wenige Impulse, wo es schnell wieder aufwärtsgehen kann, alles in allem bleibt die Situation sehr schwierig", sagte Sal. Oppenheim-Expertin Ulrike Kastens.

      Zu schaffen macht den Unternehmen nach einhelliger Expertenmeinung der Einbruch des Auslandsgeschäfts. Die Exporte dürften im Gesamtjahr um 13,5 Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr lediglich um 1,1 Prozent zulegen; der Branchenverband BGA erwartet sogar ein Minus von bis zu 15 Prozent. Im Februar brachen die Ausfuhren verglichen mit dem Vorjahr um mehr als ein Fünftel ein, das ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der zweitstärkste Rückgang seit Einführung der Statistik 1950.

      Quelle: http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE5370DZ200…

      Bis später ...
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 07:31:50
      Beitrag Nr. 3.114 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.937.697 von Maraho am 07.04.09 22:11:02Gerade noch gefunden ...
      Typisch, wir können es uns ja leisten ...
      Oder mit anderen Worten: In Ruhe und Gemütlichkeit in die Sch.... !


      Kritik an bürokratischen Hürden
      Staatshilfe kommt nur tröpfelnd an
      von Sven Afhüppe und Klaus Stratmann

      Hoffnungen der Regierung auf einen schnellen Effekt der Konjunkturprogramme haben sich zerschlagen. Bisher ist von den milliardenschweren Kreditprogrammen der Bundesregierung zur Stützung der Wirtschaft bei den Unternehmen fast nichts angekommen. Die Wirtschaft kritisiert vor allem die bürokratischen Hürden bei der Mittelvergabe aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland.


      BERLIN. Bis Anfang April lagen der staatseigenen KfW-Bankengruppe erst 640 Kreditanträge mit einem Volumen von rund zwei Mrd. Euro vor, was einem Anteil von gerade einmal fünf Prozent des Gesamtvolumens von 40 Mrd. Euro entspricht. Beim Investitionsprogramm, dem Kernstück des zweiten Konjunkturpakets, fällt die Bilanz noch enttäuschender aus. Nach Angaben des Finanzministeriums ist erst ein Bruchteil der Milliardensummen abgeflossen.

      Zusätzlich zu den 115 Mrd. Euro aus den Kredit- und Bürgschaftsprogrammen der beiden Konjunkturpakete will die Regierung mehr als 80 Mrd. Euro für ein ganzes Bündel an stimulierenden Maßnahmen ausgeben. Doch anders als bei der Abwrackprämie, die wegen unerwartet hoher Nachfrage gerade erst von der Regierung verlängert wurde, laufen diese zentralen Rettungsprogramme nur schleppend. Im Umfeld von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnet man damit, dass die ersten Investitionsaufträge wahrscheinlich frühestens im Mai bei den Handwerksbetrieben ankommen.

      Bis gestern war aus dem sogenannten Zukunftsinvestitionsprogramm für die Kommunen "kein einziger Euro" abgeflossen, hieß es im Finanzministerium. Hintergrund ist, dass Bund und Länder erst Ende vergangener Woche die notwendige Verwaltungsvereinbarung für die Verteilung der knapp zwölf Mrd. Euro unterschrieben haben.

      Nicht besser sieht es beim Investitionspaket des Bundes aus: Von den vier Mrd. Euro sind erst Aufträge im Wert von 90 Mio. Euro vergeben worden, bestätigte das Finanzministerium. Allein das Gebäudesanierungsprogramm läuft nach Angaben aus Regierungskreisen besser als erwartet.

      Die Wirtschaft kritisiert vor allem die bürokratischen Entscheidungsprozesse bei der Mittelvergabe aus dem milliardenschweren Wirtschaftsfonds Deutschland. "Bei den Unternehmen herrscht nicht unendlich viel Zeit. Die Vergabe von Krediten macht im Moment nur Sinn, wenn sie rasch erfolgt", heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die Bundesregierung hatte der KfW Ende vergangenen Jahres mit dem Konjunkturpaket I ein Kreditvolumen von 15 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Die Kredite daraus sollen insbesondere dem Mittelstand zur Verfügung stehen. Mit dem Konjunkturpaket II erhöhte der Bund das Volumen um 25 Mrd. Euro, flankiert von einem Bürgschaftsrahmen von 75 Mrd. Euro. Die zusätzlichen KfW-Mittel sollen den Unternehmen helfen, die schwere Konjunkturkrise zu überwinden.

      Nach Beobachtung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages läuft die Bewilligung der KfW-Mittel häufig schleppend ab. "Die Entscheidungsprozesse ziehen sich mitunter lange hin. Da lässt sich noch viel verbessern", heißt es beim DIHK.

      In einer aktuellen DIHK-Umfrage unter den Finanzierungsexperten der Industrie- und Handelskammern, die seit Jahresbeginn 9 000 Unternehmen in Finanzierungsfragen beraten haben, wird außerdem moniert, bei den Hausbanken fehlten teilweise noch immer Informationen über die Möglichkeiten des KfW-Kreditprogramms. "Alle Beteiligten - KfW wie Hausbanken - sind aufgerufen, zügig zu agieren und den Unternehmen keine unnötigen bürokratischen Hürden in den Weg zu stellen", so das Fazit der DIHK-Umfrage. Sollte die Mittelvergabe weiterhin stocken, müssten nach Ansicht von Fachleuten die Kriterien ein weiteres Mal gelockert werden.

      Die Probleme bei der Unternehmensfinanzierung sind auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bekannt. Nach Informationen des Handelsblatts plant zu Guttenberg deshalb am 20. April ein Treffen mit Vertretern der Wirtschaft und der Finanzbranche.

      Angesichts des geringen Mittelabflusses bei den Staatshilfen warnt Steinbrück vor einer Debatte über ein drittes Konjunkturpaket. "Die beiden Konjunkturprogramme müssen erst einmal ihre Wirkung entfalten. Forderungen nach zusätzlichen Ausgaben sind zu dieser Zeit völlig absurd", hieß es im Finanzministerium.

      Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/staatshil…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 13:46:40
      Beitrag Nr. 3.115 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.935.957 von Maraho am 07.04.09 18:30:04Guten Tag zusammen,

      Mittagstisch! Und dabei einen guten Appetit!

      VEB "HRE" ...

      Bund bietet deutlich mehr
      Ralf Streck

      Für Aktien der Hypo Real Estate (HRE) bietet er 16 % über dem aktuellen Börsenwert

      Es ist mehr als absurd. Der Bund hat schon 102 Milliarden Euro in den maroden Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) gepumpt und macht nun den Aktionären ein Übernahme-Angebot. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) teilte am Donnerstag in Frankfurt mit, das Transaktionsvolumen betrage bis zu 290 Millionen Euro. Den Aktionären, deren Aktien ohne die Geldspritzen des Bundes längst keinen Cent mehr wert wären, soll pro Aktie ein Preis von 1,39 Euro bezahlt werden. Das Angebot liegt 16 % über dem Tageskurs der HRE, der gestern bei 1,23 Euro lag. Die Soffin räumt in ihrer Pressemitteilung ein, dass der Preis sogar noch 10 % über dem Durchschnittskurs von Anfang bis Mitte Februar liegt.

      Als Drohkulisse, das Angebot anzunehmen, hatte Bundespräsident Köhler am Dienstag das Banken-Übernahmegesetz unterzeichnet. Auf dieser Grundlage können die Aktionäre scheinbar enteignet werden, wenn die Verhandlungen über einen freiwilligen Verkauf scheitern sollten. Die SoFFin will die Kontrolle über die HRE "sehr zügig" übernehmen, da deren Insolvenz eine "kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte" habe, begründet die Soffin das Angebot. Man wolle den Finanzmarkt auf privatwirtschaftlichem Wege und unter Einhaltung der bestehenden Marktusancen stabilisieren.

      Der Bund hält nach offizieller Lesart bisher 8,7 % am Kapital der HRE, obwohl er schon ein Vielfaches des aktuellen Börsenwerts von knapp 257 Millionen Euro bezahlt hat. Nun will der Bund mindestens weitere 42,3 % der Aktien erwerben, um die "Kontrollmehrheit" zu erhalten, wie es die Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigte, weil es Finanzminister Peer Steinbrück irgendwann gedämmert war, dass man viel Geld in das Institut gepumpt hat, "ohne dass irgendein direkter Einfluss zur Umstrukturierung gegeben ist". Deshalb müssen erneut bis zu 290 Millionen vom Steuerzahler aufgebracht werden, um weitere Fehler der Regierung auszubügeln, die sich im Rahmen der HRE stapeln.

      Quelle und weiteres: http://www.heise.de/tp/blogs/8/135998
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 13:54:38
      Beitrag Nr. 3.116 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.936.093 von Maraho am 07.04.09 18:48:39Interessant im Nachhinein.

      Hans Werner Sinn im Oktober 2008! Auch er hat in gewisser Weise versagt!

      „Konjunkturstütze wäre nur Strohfeuer“
      INTERVIEW Ifo-Chef Hans-Werner Sinn gegen zusätzlichen Nachfrageschub
      Nordwestzeitung, 24.10.2008, S. 21

      Frage: Bayerische Landesbank, West LB, HSH-Nordbank, für den staatlichen Schutzschirm interessieren sich nur Staatsbanken – warum?

      Sinn: Die Staatsbanken hängen mehr drin als die anderen. Sie suchten krampfhaft nach Gewinnmöglichkeiten, nachdem ihr ursprüngliches Geschäftsmodell mit den Vorteilen der Gewährträgerhaftung des Staates von der EU aus Wettbewerbsgründen beendet wurde. Sie glaubten im Ankauf hoch risikobehafteter und hoch verzinslicher Papiere eine Strategie gefunden zu haben. Das ist schief gegangen.

      Frage: Wäre die Abschaffung der Landesbanken vernünftig?

      Sinn: Sie sollten nach der Lösung der jetzigen Probleme mit den Sparkassen fusioniert werden. Allein haben sie keine Basis mehr.

      Frage: Werden Privatbanken den Schutzschirm gar nicht nutzen?

      Sinn: Eine Bank, die nur geschwächt, aber nicht K.O. ist, wird das Geld nicht in Anspruch nehmen. Es ist mit Auflagen, vor allem für Managergehälter verbunden. Diejenigen, die über die Inanspruchnahme entscheiden, sind diese Manager. Man geht also von der Theorie aus, dass es hier eine Kaste gibt, die freiwillig um Bestrafung beim Staat nachsucht. Das wird nicht funktionieren. Nur der, dem das Wasser wirklich bis zum Hals steht, wird es in Anspruch nehmen. Das aber ist ein Problem, denn ohne neues Eigenkapital werden die Ausleihungen an die Firmen zurück gehen.

      Frage: Sind Konjunkturprogramme sinnvoll?

      Sinn: Nur wenn es wirklich schlimm um die Konjunktur steht, wenn der Auslastungsgrad der Produktion im Keller ist. Heute ist der Grad auf einem extrem hohen Niveau und die Arbeitslosigkeit auf einem Tiefstand. Ein zusätzlicher Nachfrageschub ist jetzt nicht nötig, er könnte zu Überhitzungen führen. Also: Warten, bis die Situation kritisch ist. Denn Nachfrageprogramme sind nur kurze Strohfeuer.

      Frage: Debattiert wird über gezielte Programme, um Auto- oder Bauindustrie zu stützen. Der richtige Ansatz?

      Sinn: Nein. Das ist grundsätzlich falsch, weil der Staat dadurch nicht nur konjunkturell eingreift, sondern auch lenkend. Die Ressorts haben immer unerfüllte Wünsche, und nun liefert die Konjunktur den Vorwand, sie zu erfüllen.

      http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-pol…
      Avatar
      schrieb am 09.04.09 14:03:39
      Beitrag Nr. 3.117 ()
      Antwort auf Beitrag Nr.: 36.899.923 von Maraho am 01.04.09 18:39:22In Zusammenhang ...

      Staatssekretär Jörg Asmussen
      Attacke auf den Banken-Retter

      Von Klaus Ott

      Enttäuschte Aktionäre der Krisenbank IKB nehmen Staatssekretär Asmussen ins Visier: Erstmals soll ein Staatsvertreter Anlegern Schadenersatz zahlen - es geht um Millionen.


      Jörg Asmussen ist es gewohnt, mit Milliardenbeträgen zu agieren. Der Diplom-Volkswirt, der mit 42 Jahren bereits zu den erfahrensten Strippenziehern im politischen Berlin zählt, kümmert sich als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium um die Rettung angeschlagener Banken wie die Hypo Real Estate (HRE). Für die HRE bürgt der Staat mit fast 100 Milliarden Euro, um eine Pleite abzuwehren. Bei einer anderen Krisenbank, der IKB in Düsseldorf, saß Asmussen im Aufsichtsrat.

      Auch dort waren Milliarden nötig, um den Zusammenbruch zu verhindern. Bei der IKB liegt nun eine neue Rechnung vor, dieses Mal über gut 5,5 Millionen Euro. Im Vergleich zu den anderen Fällen, mit denen Asmussen zu tun hat, ist das ein kleiner Betrag. Doch es gi