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Stehen wir vor einem Scheideweg? Demokratie und Menschenrechte oder Rassismus, Hetze, Hass und Unter (Seite 442)



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Antwort auf Beitrag Nr.: 62.101.076 von TimeTunnel am 06.12.19 21:52:37
Gemeinsinn vs. persönlichen Vorteil - "mehr" oder "direktere" Demokratie...
Zitat von TimeTunnel: Ich persönlich habe in dieser Frage grundsätzlich auch meine erheblichen Zweifel. Als Grundvoraussetzung für ein Mehr an Plebisziten müsste zunächst ein deutliches Plus an Politischer Bildung Einzug in das Denken nehmen. Gewisse politische Entscheidungen sind heute im Umfang von einer komplexen Vielschichtigkeit, dass man doch schon froh sein kann, dass sich dazu eigens Gremien aus Fachpolitikern in Fachausschüssen im Deutschen Bundestag zusammenfinden. Ein Einzelner, in Bezug auf die vorgenannte Struktur, kann das mit Einzelentscheid zu einer bestimmten Frage zw. jetzt u. gleich mit Sicherheit nicht leisten. Und selbst Fachausschüsse liegen nicht selten mit einer getroffenen Entscheidung falsch, was sich dann aber erst Jahre in der Nachfolge an den dann zu Tage tretenden Auswirkungen zeitigt.

Wer objektiv Entscheidungen treffen will, der braucht als unabdingbares Rüstzeug den zugehörigen Informationskatalog in der ganzen Bandbreite von A bis Z. Die Frage ist halt, wer sich dann als Bürger noch mit dieser Fülle an Stoff redlich auseinandersetzen möchte.

Wohl die Wenigsten.


Hi TimeTunnel und maxmaier,
danke für eure Beiträge zu einem Thema, dass ja auch dem Threadersteller wichtig ist.
Leider hat sich JoJo49 so schnell wieder von der AfD provozieren lassen,
dass dieser Diskussionsansatz gleich wieder verschüttet wurde. Ich nehme in nochmal auf:

Zunächst scheint klar, dass viel mehr politische Bildung sein muss, um eine direkte Demokratie überhaupt darstellen zu können. Selbst dann stellt sich die Frage "wie korrupt ist der Einzelne?"
Es ist z.B. ein Unterschied, ob man für Klimaschutz auf die Srtraße geht und hinterher vom üppigen Gehalt bei Porsche in die Kneipe - oder ob man abstimmt, dass man seinen Arbeitsplatz, sein Häusle und die Träume der Familie aufgibt.
Ist jetzt bewusst zugespitzt!

Geht auch 'ne Nummer kleiner, okay:
Mich nerven die Windräder vor meiner Nase bei Nacht mit ihrem ewigen Geblinke, (bei Tag stören sie mich weniger).
Ich habe nicht gegen sie protestiert, obwohl sie relativ sinnlos in einer windarmen Gegend 'rumstehen. Warum?
Weil ich viele Beispiele kenne, in denen aus egoistischen Motiven alles niedergestimmt wird, das Zielen gilt, die über den "Kirchturm" hinausgehen.

"Direkte Demokratie" ist aus von dir, TimeTunnel, dargelegten Gründen immer in der Gefahr,
nach dem St. Florians-Prinzip umgesetzt zu werden "Oh heiliger St. Florian, verschon' mein Haus, zünd' andere an".
Strommasten, Eisenbahtrasen, Windräder - ja, aber nicht bei mir!

Investitionen in Bahnstruktur braucht man in Deutschland gar nicht mehr zu beschließen.
Jahrzehntelange Einsprüche legen sie lahm.
Das führt zu Unsinn à la Stuttgart21. Hier wird die Bahn der Verdoppelung von Stuttgarts "City" geopfert. Bauhaie und Lokalpolitiker haben so lange gemauschelt, bis genügend Geld ausgegeben war, um den sparsamen Schwaben zu sagen
"wenn wir jetzt aufhören, ist das Geld weg". Es entsteht ein Bahnkrüppel, der keinen Herausforderungen des Mobilitätswandels gewachsen sein wird. Es wird, technisch gesehen, noch nicht mal ein Bahnhof, sondern nur ein "Haltepunkt", da die baurechtlichen Voraussetzungen für einen "Bahnhof" gar nicht gegeben sind.
Die Schnellfahrtrasse nach Ulm ist dagegen sinnvoll und dringend notwendig.
Die 150 Jahre alte Trasse durch das Filstal und über die Geislinger Steige hätte schon vor Jahrzehnten entlastet gehört.

Das Geld für Stuttgart21 fehlt der Bahn bei der Ertüchtigung des internationalen Güterverkehrs.
Die LKW-Branche dankt, und mit ihr ihre Arbeitnehmer in Mannheim, Wörth etc.
Hier schließt sich der Kreis. Da fürchten Zigtausende von Arbeitnehmern um ihr persönliches kleines Glück.
Wie in den Braunkohlerevieren.
Welche Bildung soll dagegen helfen, dass die Leute ihren materiellen Wohlstand verteidigen?

Die Heilige Greta kommt aus wohlhabendem Haus. Sie kann es sich leisten. Ich auch.
Aber was ist mit unserem deutschen Niedriglohnsektor, mit 11 Mio Teilnehmern und ihren Familien?
Schon Gorbatschow scheiterte u.a. daran (mindestens sagten mir das damals russische Bürger), dass sie nicht
"Solschenyzin lesen, sondern Kartoffeln im Laden finden wollten".

Insofern sind die "Vorturner" von "Mehr Demokratie e.v." und ihre wohlhabenden Anhänger Traumtänzer.
Ihnen, wie auch JoJo49, spreche ich ihre hehren Ziele nicht ab.
Bei den Anhängern wird's schon dünn:
"Die Politiker haben doch keine Ahnung"
"Was mischt sich der (Landes)Innenminister (in die Politik) ein?"
"Schweizer Radio wird am Oberrhein bewusst unterdrückt"

all diese und weitere abenteuerliche Thesen sind dort präsent und wollen nicht anderes,
als "die Politiker" abschaffen, weil "das Volk" es doch besser weiß. AfD pur eben.

Bisher reicht unsere politische Bildung nur bei Wenigen so weit, dass sie erkennen, welche Brut solche Vereine an ihrer Brust nähren, auch wenn man mal eine Pressenotiz 'rausgibt, mit der man sich distanziert. Das Dilemma der Demokratie zeigt die Aussage einer Führungskraft: "wir können uns unsere Mitglieder nicht aussuchen"...

Sorry, JoJo49, dass ich mit diesem Beitrag aus dem "bequemen Demokraten vs. AfD" -Schema ausbreche, ich halte es aber auch für das Threadthema für dringend geboten, die Perspektive zu erweitern. Auch und gerade um versehentliche "Vogelschisse" zu verhindern.

Wir haben es mit zunehmendem Gegenwind für Demokraten zu tun.
Von "rechts" bedrängen uns Rassisten, Nationalisten und Faschisten.
Von "links" beharkt uns eine kleine, diffuse aber militante "Antifa".
Von "oben?" bestehen Klimafaschisten auf der Abschaffung der Demokratie.
Also, die Leute, die Netflix gucken und Bitcoins kaufen, während sie Körperbehinderte zu Lastenradfahrern machen wollen, wo doch die "junge klimabewußte digitale Welt" das größte einzelne Klimaproblem unseres Planeten ist. Allein das Schürfen von Bitcoins braucht soviel Energie wie der Staat Dänemark! Vom "Teilen" halb gefressenen Fastfoods ganz abgesehen!
Da ist ein Inlandsflug geschenkt dagegen, aber eben gerade nicht "hip".

Liebe Grüßle an alle, die noch gerne mitdenken.
Dafür oder dagegen, Hauptsache denken!
Randfontein
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Antwort auf Beitrag Nr.: 62.118.140 von Randfontein am 10.12.19 02:37:26
Es ist meiner Meinung nach wenig hilfreich, sich mit philosophischen Diskussion, - …
… wie die Elite der alten griechischen Philosophen unter Platon das vor zweieinhalbtausend Jahren in einen recht sophistisch geführten Disput zwischen Sokrates mit einigen meist jungen Leuten, - über ein ideales und utopisches Gemeinwesen, über dem Verfall der polis von der gedachten besten Herrschaft durch die dafür Geeigneten, wie über die Timokratie, die Oligarchie, die Demokratie zur Tyrannis, - gemacht haben.

Wenig hilfreich vor allem, wenn man das auf „Heute“ übertragen möchte. Das führt sicher zu einer interessanten philosophischen Auseinandersetzung der griechischen Gesellschaft der Antike, weiß man doch, das nur eine männlich selbsternannte Elite demokratisch agieren konnte, -ansonsten haben diese Herrschaften der Ungleichheit der Menschen gefrönt, wie der für sie vorteilhaften Arbeitsteilung, so dass ein Landwirt, ein Häuserbauer, ein Kleidermacher, ein Schuster nur dem nachzugehen hatten, "das Seine", das, wofür er geeignet ist, und woran er nach deren Auffassung Freude hat, - dabei hat man wie selbstverständlich auch die Frauen und Sklaven ausgeschlossen, - so das man ungestört, und auf Kosten aller, sich ausschließlich seinen philosophischen Vorstellungen widmen konnte, - dass musste schiefgehen.

Kurz, - in meinem Verständnis waren diese sich selbsternannte demokratische Elite der Antike, die meinten nur sie könnten, - im Interesse Ihrer im Diskurs erarbeiteten Wahrheiten, - dass dumme ungebildete Volk führen, nur arrogante, machtgeile Arschlöcher, mit dem Ziel ihre Machtpositionen als gottgleiche Führer, mit allen sich selbst zugestandenen Privilegien, zu erhalten, und das könne man ja nur erreichen wenn man außerhalb ihrer Klasse alles dumm und unwissend hält.
Eine Vorgehensweise, die aus all den politischen wie religiösen Richtungen dröhnt, die sich im Besitz der allein seligen Wahrheit wähnen.

Eine Vorstellung, der Demokraten sich nicht nur entgegenstellen, sondern auch bei noch so gegensätzlichen Meinungen, nicht zum Vorbild nehmen sollten – oder?

Sicher ist das Folgende eine Kritik, der ich mich, sicher auch zu recht, immer wieder stellen muss, auch wenn es noch so schwerfällt; - Wie sagte Jesus dazu so treffend:„Wer ohne Sünde ist der werfe den ersten Stein“.

So zeugt es meiner Meinung nach auch von einer gewissen Arroganz, wenn man im Diskurs mit Sätzen wie „Die Heilige Greta kommt aus wohlhabendem Haus,“ und von den "Vorturner" von "Mehr Demokratie e.V." und ihre wohlhabenden Anhänger Traumtänzer“ fabuliert, weil man eine andere Meinung vertritt.

Das ist nicht nur nicht hilfreich, sondern kontraproduktiv, wenn man ansonsten keine nachvollziehbaren, eigenen Lösungen, wie man eine freiheitliche, demokratische Gesellschaft erhalten, verbessern, ergänzen oder sonst wie, vor deren Feinden zum Wohl aller, erhalten kann.

Mich erinnert solches Vorgehen an eine veritable Kulturrevolution, die sich quer durch die westliche Welt zieht unter dem Begriff: „Die Political Correctness gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!“
Eine menschlich politische, wie religiöse Schwäche, - wie das "heiliger St. Florians Prinzip“, - dem auch ich nicht immer widerstehen kann, die keinem, und auch mir, in keiner Weise hilft, kontraproduktiv ist, die Glaubwürdigkeit untergräbt und damit das Gegenteil bewirkt, was man erreichen möchte.

So werden die Grundfesten der freien Gesellschaft unterspült, weil Populisten und Agitatoren nur ein Ziel damit verfolgen, seine Gegner mundtot zu machen, - dass Gleichheitsprinzip im Namen der Gleichheit wird damit untergraben. Die Waffen sind gefälschte Fakten, Verdrehung, Diffamierung und Charaktermord, verpackt in Hass und Verachtung. Was Links kann, können die neuen Ultras allemal, bloß viel besser. Unübertroffen sind Zynismus und Gemeinheit; - was ich einem Demokraten, wie Dir Randfontein, natürlich nicht unterstellen will und kann, ist Solches doch das Markenzeichen der Demokratiefeinde.

Nur für mich ist es enttäuschend, wenn Demokraten, alles und jeden, - wie z.B. die Bewegungen, die sich aktiv mit dem menschen-gemachten Klimafolgen auseinandersetzt, weil sie ihm, wie auch immer, nicht passen, - nur mit Kritik zu überziehen, (so wie die AfD, Trump und Co. das betreiben) ohne eigene Lösungen dem entgegenzustellen.

So hilft es meiner Meinung nach auch Keinem, wenn man Organisationen und Vereine, wie „Mehr Demokratie e.V.“ - die seit Jahrzehnten mit wachsenden, evolutiveren Vorschlägen zum Erhalt der Demokratie, zusammen mit Experten, dass Ziel verfolgen, eine freie demokratische Gesellschaft, in der sich keiner mehr ausgegrenzt fühlen muss, zu bewahren, – mit Unterstellungen zu kritisieren, aber keine Gegenvorstellungen zum Diskurs stellt, dann ist das für mich das "heiliger St. Florians Prinzip“, und eine Kapitulation gegenüber den antidemokratischen Kräften.

Sorry Randfontein, - ich weiß, dass das zum Teil auch zugespitzt sein mag, und ich schließe in Bezug auf meine Meinung auch keine Irrtümer aus, nur den Kopf in den Sand zu stecken, nach dem Prinzip der griechischen Philosophen, dass ein Systemwechsel unvermeidbar ist,- ist keine Lösung, und schon gar nicht, wenn demokratischen Kräften Unvermögen, oder gar unlautere Motive unterstellt, ohne auch nur ansatzweise dem eigene Vorschläge entgegenzusetzen; - damit betreibt man ein annähernd vergleichbares Spiel wie es die Antidemokraten aus AfD und Co. betreiben, und unterstützt diese.

Da hätte man sich ja auch mal auf die Argumentationen von mir, die ich auf Grund der Postings von „TimeTunnel“ und „maxmaier“ gemacht habe, eingehen können, anstatt sie zu ignorieren.

So sind meiner Meinung nach Unterstellungen, so wie Du sie demokratische Organisationen und Vereinen sinngemäß vorwirfst: „Bisher reicht die politische Bildung der Wahlbürger nur bei Wenigen so weit, dass sie erkennen, welche Brut solche Vereine an ihrer Brust nähren, …“ ohne das konkret zu widerlegen, und, wie in diesen Fällen, mit eigenen Lösungsvorschlägen, - die uns aus der Klima- und Demokratiekrise helfen können, - zu widersprechen, solches ist mir zu einfach und zu bequem, und spiegelt nur das von Dir beschriebene „heilige St. Florian Prinzip“ wider.

Nicht umsonst habe ich dem Thread das Thema mit einer Frage gegeben: "Stehen wir vor einem Scheideweg, Demokratie und Menschenrechte oder Rassismus, Hetze, Hass und Unterdrückung?" - mit dem konkreten Wunsch Mitstreiter zu finden, die im Diskurs sich an der Offenlegung,- wer die Antidemokraten sind, und wie sie agieren, - beteiligen.

Natürlich ist dabei auch Gegenkritik erwünscht, wenn es um nachvollziehbare Vorschläge und deren Machbarkeit geht, nur allein mit Kritik, verbunden mit verbalen Unterstellungen, nützt das, jedenfalls meiner Meinung nach, nur den antidemokratischen Kräften und Klimaschutzkritikern.

So kann man sich meiner Meinung nach durchaus mit Platon und Sokrates auseinandersetzten, so wie das Christopher Wolf in …
Platon: Das Problem der Gerechtigkeit in der Politeia,
https://oparu.uni-ulm.de/xmlui/bitstream/handle/123456789/32…

…. gemacht hat, der, wie die griechischen Philosophen, über eine Gerechtigkeitsdefinition philosophiert, die sowohl dem einzelnen Menschen wie auch dem staatlichen Gemeinwesen gerecht werden soll, - nur in Bezug auf die unendlich vielen aktuellen Weltprobleme beziehe ich mich lieber auf die Experten, die sich darüber in den vergangenen Jahrzenten Gedanken gemacht haben, und wirke bei denen mit, die unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten Lösungen und Vorschläge erarbeiten, weil die zu dem Schluss gekommen sind, ein „so weiter“ darf es nicht gegeben, wenn wir den Menschen auf unserer so klein gewordenen Erde eine freiheitliche, demokratische Gesellschaft erhalten, bzw. den Menschen schmackhaft machen wollen, …

… und setze mich lieber mit deren Lösungsvorschlägen, Meinungen und Kommentare auseinander, so wie aktuell mit dem mdmagazin, Ausgabe 3.2019 von „Mehr Demokratie e.V.“
https://www.mehr-demokratie.de/ueber-uns/mdmagazin/

Wie sagte schon Budda ~ 500 v.Chr. so passend:
„Es nützt nichts, nur ein guter Mensch zu sein, wenn man nichts tut!“

Ins neuzeitliche übersetzt: „Sonntagsreden haben noch keine Probleme gelöst, wenn man nicht bereit ist an Problemlösungen mitzuwirken!“

Fortsetzung folgt …

… aber erst nach dem 9.Januar 2020
… bis dahin wünsche ich Dir, wie allen, geruhsame Feiertage, und einen guten Rutsch ins Jahr 2020 im Kreis Euren Lieben, - bleibt gesund!


1 Antwort?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
Antwort auf Beitrag Nr.: 62.126.213 von JoJo49 am 10.12.19 19:52:52Erst mal danke für die guten Wünsche, ich schließe mich diesen gerne an...

"Lupenreine Demokraten" waren die Athener vor 2700 Jahren in unserem Sinn natürlich nicht,
eher im Sinne von Gerhard Schröder oder, durch ihren Hang zur "direkten Demokratie", evtl. auch noch im Sinn derer, die unsere heutige "Montesqieu'sche" Bundesrepublik ablehnen, wie die AfD und mancher Verein.

Immerhin war es damals ein gesellschaftlicher Fortschritt, nicht nur den Adel, sondern auch Bürger und Bauern an der Entscheidung über die Politik und die Staatsführung zu beteiligen.
Solon, der Begründer der attischen "Demokratie" hatte diese eher aus Notwehr eingeführt, da die auf Binnenkonsum ausgelegte Bauernschaft notleidend wurde. Grund: die zunehmende Exportabhängigkeit, die "Kapitalisten", d.h. Großgrundbesitzer begünstigte und Kleinbauern in immer größere Abhängigkeit trieb.
(Heute ist sowas eher ein Grund für die Abschaffung der Demokratie, aber wir wissen ja alles besser als die Griechen,
schon aus Prinzip! :rolleyes: )


Grund für die Einführung der Demokratie war letztlich die Aufrechterhaltung der Wehrfähigkeit.
Also wurden alle potenziell Wehrfähigen eingebunden - Frauen, Sklaven und "Ausländer" nicht.
Das ist allerdings eher ein technisches Detail. Frauen galten in den damaligen europäischen und mediterranen Kulturen ungefähr soviel, wie Nichtweiße in der südafrikanischen Apartheid der "christlichen" Buren im 20. JH a.d. ....
Die ziemlich direkte Demokratie Athens litt unter der Anfälligkeit für Demagogie.

"Diäten" wurden übrigens (erst) unter dem berühmten Perikles eingeführt,
damit sich auch (unter Solon entschuldete) Bauern die Teilnahme am politischen Betrieb leisten konnten...

Die sokratischen bzw. platonischen Analysen politischer Systeme sind eine historische Betrachtung. War Solons "Demokratie" damals ja schon 200 Jahre alt, durch Peisistratos um Handwerker und (Lohn)Ruderer ergänzt, durch seine Nachfolger(wenn ich mich richtig erinnere) gestürzt, durch Perikles wiedererrichtet und danach wieder infrage gestellt.

Sokrates' Asebieprozess mit seinem Todesurteil war kein demokratischer Akt mehr,
was mit ein Grund für Plato war, über den ständigen Wechsel unbefriedigender Systeme nachzudenken.
Seine Conclusio war letzendlich keine andere als (in meinen Worten):
"der Einzelne ist korrupt, die Oligarchen kungeln unter sich, das Volk ist Demagogen hörig"
Und so kam er zum (theoretisch richtigen) Schluss:
"Philosophen müssen Könige sein und Könige Philosophen".
Er meinte damit nichts anderes, als dass nur der finanziell unabhängige,
nicht von eigenen Interessen geleitete Altruist den Staat lenken sollte.
Erfolg war im leider nicht beschieden...

Ein Bürgerrat, evtl. auch als Gremium "gesellschaftlich relevanter Gruppen" wie in den Rundfunkräten als eine "Zwischeninstanz" zwischen "direkter" ja/nein Demokratie und dem parlamentarischen Apparat könnte ein Lösungsansatz im 21. Jahrhundert sein.

Das Grundproblem,
"wer hat welches Recht in einer Demokratie"
bleibt ungelöst.
Das alte Athen zu verteufeln, weil es keine Frauen und Sklaven zuließ, klingt nach Realsatire in einer Zeit, in der gefordert wird, Mandate per 50/50 Quote zwischen Männern und Frauen aufzuteilen, während man gleichzeitig ein "drittes Geschlecht" einführt, das dann zwar eigene Toiletten bekommen soll, aber eine politische Teilhabe von offensichtlich Null.
Die "ersten beiden Geschlechter" haben ja schon 100%.
Also was denn nun? Müsste ja dann "jeweils ein Drittel" lauten, aber da hört man nichts.
(Die letzte Bemerkung ist völlig wertfrei gemeint und rein arithmetisch -
die Diskusion über Sinn und Unsinn der überbordenden Geschlechtervielfalt überlasse ich Löwen und Fruchtfliegen)


Grüßle
Randfontein


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Schweiz versus Griechenland
Eure Exkurse in der Geschichte der Demokratie erinnern mich daran, dass offenbar die Erfinder eines Systems nicht auch zwangsläufig die besten Anwender sein müssen. Ich würde anhand der Zahlen argumentieren, dass die Schweizer mit ihrer Demokratie heute deutlich erfolgreicher sind als die Griechen.
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Prof. Max Otte: Deutschland wird abgewickelt

Antwort auf Beitrag Nr.: 62.187.270 von Fundivest am 18.12.19 11:59:48
Die Populismus-Falle
Zitat von Fundivest: Eure Exkurse in der Geschichte der Demokratie erinnern mich daran, dass offenbar die Erfinder eines Systems nicht auch zwangsläufig die besten Anwender sein müssen. Ich würde anhand der Zahlen argumentieren, dass die Schweizer mit ihrer Demokratie heute deutlich erfolgreicher sind als die Griechen.


Hi Fundinvest,
ja, die Griechen haben selbst heute noch Defizite in angewandter Demokratie.
Vielleicht ja gerade weil sie, per Scherbengericht, zu direkt angelegt war.
Die Schweizer haben das lange vermieden.
Ihre Direktdemokratie-Elemente sind etwas über 100 Jahre alt
und sie haben sie ohne Zweifel besser genutzt als die alten Griechen.

Interessant jedoch, welche Sorgen sich die Schweizer machen:
bis vor einigen Jahren gab es relativ wenige (von wem auch immer, meist den Parteien selbst)
wohlvorbereitete Volksabstimmungen. Alles nicht, was "Mehr Demokratie e.V." oder die AfD will.

In den letzten Jahren sprang die Zahl der "Volksinitiativen" sprunghaft an.
Grund war und ist die rechtspopulistische SVP. Und das macht vielen Schweizern Sorge.
Das lange stabilisierende Element wendet sich nun zum Sorgenkind...
Als wenn die Schweizer beweisen wollten, dass Platos Sorgen auch heute noch gelten.

Vergleichbar sind die Schweiz und Deutschland ohnehin nicht.
Unsere Gesetze sähen anders aus, wenn wir uns nicht den "Fliegenschiss" geleistet hätten.
Sowas hat sich die Schweiz stets erspart.
Die defensive Strategie, niemandem zu drohen, stattdessen der Partner für alle kapitalstarken Schurken der Welt zu sein,
hat sich bewährt.
Das schützt vor Angriffen von allen Seiten. Clever!

Alle ehemaligen, bestehenden und zukünftigen Staaten der Welt stehen in "ihrer" Geschichte.
Die Einen wollen sie fortführen, die Anderen sie korrigieren.
Es macht sie alle schwer vergleichbar.

Kriege kosten Geld. Die Schweiz leistet sich solchen Schwachsinn nicht.
Gewonnene Kriege kosten selbst dann, wenn sie unblutig verlaufen.
Ist eben so, wenn man sich einen Acker mit 16 Mio Bürgern "kauft"...
Verlorene Kriege kosten sowieso, es sei denn, Mr. Marshall kommt auf die Idee,
ein Land hochzupäppeln, um "Systemüberlegenheit" zu demonstrieren.
Dieses Land sollte die externe Hilfe allerdings nicht als"eigene Leistung" verkaufen.

Dieser Beitrag fusst nur auf Beobachtungen.
Zu diesen gehört allerdings auch, dass wir uns gerade von gesunden Voraussetzungen für
"direkte Demokratie" in rasantem Tempo entfernen.

Ich schaue gerade "nebenher" auf CNN die Impeachement-Debatte um Donald T.
Ein Kongressabgeordneter verwies gerade auf (den großen britischen Philosophen) John Locke:
"wo das Gesetz aufhört, fängt die Tyrranei an".

Vielleicht ist es mein ständiger Fehler, zu komplex zu denken.
Nach Locke ist die AfD Totengräber der Demokratie. Da hat er einfach recht.
Smartphones ermöglichen mittlerweile eine 24/7 Lokalisierung nahezu der gesamten Bevölkerung:

https://www.zerohedge.com/geopolitical/alarming-nyt-op-ed-re…

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Konrad Adam war von 2013 bis Juli 2015 war er einer von drei Bundessprechern
und Bundesvorsitzenden der AfD. In einem aktuellen Interview kritisierte er die
Entwicklung der AfD von einer "Alternative" hin zu einer reinen Protestpartei.

Die AfD, sagt Adam, habe sich „festgebissen an der Rolle der Protestpartei“.
Nach der Euro- kam die Flüchtlingskrise, die man mit allerhand Hysterie maximal
auszuschlachten wusste. Spätestens als sie an Empörungspotenzial verlor, hätte sich
die Partei überlegen müssen, ansatzweise konstruktiv zu werden.
Stattdessen suchte sie sich mit dem Klima ein neues Thema, um Kontra-Politik zu betreiben.
Das pure Dagegensein ist ihre Masche.
Es ist kurios: Während die AfD von sich behauptet, regierungsfähig werden
zu wollen, passiert das glatte Gegenteil.
Nicht nur, weil sie sich zunehmend als extremistisch demaskiert.
Sondern weil die chronischen Trotzköpfe und Lösungsverweigerer in ihr das Sagen haben."

https://www.ovb-online.de/meinung/kommentare/kontra-politik-…
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Antwort auf Beitrag Nr.: 62.220.347 von Merrill am 23.12.19 12:43:18
Was Demokraten 2020 bewegt, im Gegensatz zu den sich selbsternannten Patrioten der …
… einzigen deutschen demokratischen Partei der Mitte, und Verteidiger des „Christlichen Abendlandes.“

Ein Grund warum der Gedanke, dass politische und individuelle Freiheit und damit die Grundprinzipien der Demokratie, ja das ganze Ideengebäude der Aufklärung letztlich auf christlichen Werten beruhen, seit ein paar Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten ist.
Manchem mag er gar als widersprüchlich erscheinen: Bedeutet Aufklärung nicht gerade die Trennung von Kirche und Staat und damit die Abwendung vom Diktat der Kirche im Alltagsleben?
Ja. Doch das ändert nichts daran, dass es wahrscheinlich kein Zufall ist, dass Aufklärung und Demokratie sich zunächst im christlichen Abendland entwickelt und entfaltet haben. Keine andere Religion betont so deutlich wie das Christentum, dass jeder Mensch einzigartig ist und dass dennoch gleichzeitig alle Menschen, unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Rang, vor Gott gleich sind.
Da ist es nur folgerichtig zu fordern, dass sie auch vor dem Gesetz gleich sein sollten.
Selbst das Prinzip der Trennung von Staat und Religion findet sich bereits im Evangelium: „Gebt denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22, 21). Die Aufklärung hat einen christlichen Kern -
im Gegensatz dazu gehen rechtsradikale Parteien und Organisationen, wie die AfD, die behauptet die einzige deutsche demokratische Partei der Mitte zu sein, in ihrem Verständnis zur freien Meinungsäußerung, gegen ihnen missliebigen Verein vor und wollen denen die Gemeinnützigkeit aberkennen.
Eine Partei in der Echokammer
Die Meinungsfreiheit der AfD ist keine
https://www.n-tv.de/politik/Die-Meinungsfreiheit-der-AfD-ist…
Stets führt die AfD die Meinungsfreiheit ins Feld der politischen Debatte. Dabei hat sie selbst das wohl fragwürdigste Verständnis von diesem Grundrecht.


„Darf ein gemeinnütziger Verein vor den Zielen einer politischen Partei warnen, weil diese aus seiner Sicht gegenläufig zu seinen gemeinnützigen Zielen und Werten stehen? Mit dieser Frage sieht sich die Kampagnen-Organisation Campact durch eine Anzeige einer AfD-Bundestagsabgeordneten beim Finanzamt konfrontiert. Die Abgeordnete fordert, dem Verein die Gemeinnützigkeit abzuerkennen.“
https://www.zivilgesellschaft-ist-gemeinnuetzig.de/afd-gegen…

Dazu einige Infos:

Gemeinsam mit Campact haben Sie 2019 Politik bewegt. 2,2 Millionen Menschen und Sie: Eine Bürgerbewegung, die für gesellschaftlichen Wandel streitet.

Und:


Im Oktober startet ein von Mehr Demokratie mitinitiiertes internationales Bündnis aus über 250 Organisationen eine selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA. Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD), Mitglied von Mehr Demokratie und ehemalige Bundesjustizministerin, erklärt, was die Freihandelsabkommen beinhalten und warum wir diese stoppen wollen.

In diesem Sinn wünsche ich allen friedliebenden Menschen weltweit ein gesegnetes, erfolgreiches 2020.

Fortsetzung folgt …
2 Antworten?Die Baumansicht ist in diesem Thread nicht möglich.
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