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Der Weg in den Staatsbankrott - 500 Beiträge pro Seite


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Die Papiergeldkönige
Erst machen Notenbanken Schulden zu Geld. Dann kommt die Inflation


Von Catherine Hoffmann
Sueddeutsche Zeitung 03.01.2009 05:00 Uhr

Das Jubiläum ist ein Freudentag, aber was für einer, das ist in Vergessenheit geraten. Während wir heute bei Jubiläen an Geburtstage von Königen oder Kollegen denken, ist im Alten Testament etwas ganz anderes gemeint: der generelle Erlass aller Schulden und die Freilassung der Sklaven, im Rhythmus von 50 Jahren. "Erklärt dieses 50. Jahr für heilig, und ruft Freiheit für alle Bewohner des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr", heißt es im Buch Levitikus.

Solche Ideen mögen uns utopisch vorkommen. Wie kann eine Gesellschaft funktionieren, in der zwei Mal im Jahrhundert jegliche Schuld gestrichen wird? Doch die Geschichte zeigt, dass ein allgemeiner Schuldenerlass immer wieder vorkam. Dabei muss man gar nicht bis in biblische Zeiten zurückgehen, es reicht das vergangene Jahrhundert. So zog der US-Historiker Gerald Feldman Parallelen zwischen dem "Jubeljahr" und der Hyperinflation im Deutschland der 20er Jahre, die in eine Währungsreform mündete. Damit waren auf einen Schlag sämtliche Staatsanleihen - die Schulden der Regierung - wertlos. Wer sie besaß, hatte keinen Grund zu jubeln. Die Hyperinflation von 1923 vernichtete die Sparguthaben der kleinen Leute und unterhöhlte das Vertrauen in die Republik.

Flucht vor dem Krisenkraken

Heute gibt es wahrscheinlich nicht wenige Menschen, die sich ein biblisches "Jubeljahr" wünschen, damit die Schuldenexzesse der vergangenen Jahre ausgelöscht werden. Viele Finanzinstitute haben sich an faulen Schulden überfressen - und so die Kreditkrise verursacht, die Anleger so böse überraschte. Bankenpleiten, Rettungspakete, Konjunktureinbrüche, Kursabstürze an der Börse: Die meisten hätten sich das vor einem Jahr nicht vorstellen können. Um Verluste zu vermeiden, kauften die Ängstlichen deutsche Bundesanleihen und amerikanische Schatzwechsel, nur sicher sollte das Geld sein. Historisch niedrige, ja negative Renditen wurden hingenommen, um dem Krisenkraken zu entfliehen.

Aber was wäre, wenn sich ausgerechnet Staatspapiere als die gefährlichste Investition herausstellten, die man machen kann? Grund für diese bange Frage gibt es. Die Politiker werden immer kühner, wenn es darum geht, Banken, Unternehmen, ja ganze Länder vor der Pleite zu bewahren. Aus Furcht vor einer tiefen Depression lassen sie nichts unversucht, um der schwerkranken Konjunktur Leben einzuhauchen. Ein immer größer werdender Teil der Wirtschaft ist in der Hand von Regierungen. Und weil Familien und Firmen immer knauseriger werden, zeigt sich der Staat spendabel.

Um das nötige Kapital für ihre Wohltaten aufzubringen, verkauft die US-Regierung Staatsanleihen. Noch werden sie begeistert aufgenommen. Schließlich sind die staatlichen Schuldscheine durch das ungeheure Bruttoinlandsprodukt des Landes gedeckt. Was aber geschieht, wenn das Vertrauen schwindet, dass diese Anleihen leicht zurückgezahlt werden können - inklusive einer hübschen Verzinsung? Wollen die US-Bürger ihrem Staat kein Geld mehr leihen und verlieren ausländische Kapitalgeber den Appetit auf US-Zinspapiere, brechen ihre Kurse ein. Wenn die Regierung das nötige Kapital für ihre Konjunkturprogramme nicht mehr von den Anlegern bekommt, wird sie Geld drucken müssen - so wie in den 20er Jahren auch. Weil Politiker längst mit dem Rückgang der privaten Nachfrage nach amerikanischen Anleihen rechnen, sprechen sie heute schon davon, die Schatzbriefe direkt an die Notenbank zu verkaufen. Das wäre fatal, hieße es doch nichts anderes, als dass die Währungshüter die Schulden des Staates zu Geld machten, Dollar druckten und die Inflation beflügelten.

Unter normalen Umstände ist das für eine Notenbank tabu, denn damit bläht sie die Geldmenge auf - und untergräbt den Wert der Währung. Auch für das Papiergeld gelten die Regeln von Angebot und Nachfrage: Je mehr davon im Umlauf und je weniger es gefragt ist, desto tiefer fällt sein Wert. Den Staat als Schuldner freut das. Mit der Geldentwertung schwinden seine Lasten. Gerät die Inflation erst einmal ins Laufen, könnten sich Staatsanleihen als verlustreiches Investment erweisen.

So mancher Ökonom wird jetzt empört den Kopf schütteln. Aber vielleicht fehlt es den Volkswirten ja an Vorstellungskraft. Die Geschichte ist voller Beispiele, wie sich Schuldner ihrer Gläubiger entledigen. Erinnert sei an das traurige Schicksal der Tempelritter. Durch Kreuzzüge hatten sie enormes Kapital gesammelt und als bedeutende Geldgeber europäischer Könige gut gelebt. Philipp IV. war hoch verschuldet bei ihnen - zu hoch. Mit Hilfe des Papstes vernichtete er die Templer und beschlagnahmte ihre Güter. Schon war er seine Schulden los.

Nun werden verschuldete Regierungen heute eine andere Lösung wählen. Es wäre aber ein Fehler zu glauben, dass Staaten nicht mehr versuchten, sich von ihrer Schuldenlast zu befreien, zur Not mit unlauteren Mitteln. Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff und seine Kollegin Carmen Reinhart haben die Weltgeschichte der Finanzkrisen untersucht und dabei 800 Jahre und mehr als 60 Länder angesehen. Es stellt sich heraus: Bankenkrisen, Zahlungsausfälle und Staatspleiten waren historisch die Regel, nicht die Ausnahme.

Traumatisches Ende

Jetzt haben sich wieder einmal Banken verzockt und Staaten übernommen. Die amerikanische Notenbank hat Tausende Milliarden Dollar zweifelhafter Kredite in ihren Büchern stehen, bald werden vielleicht US-Staatsanleihen folgen. Will sie ihre Bilanz ins Lot bringen, müssen die Bürger zittern. Eine Zentralbank kann sich entweder durch Inflation aus dem Schlamassel ziehen oder abwarten, bis der Steuerzahler sie saniert. Beide Lösungen sind äußerst traumatisch.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.092 von Bre-X am 04.01.09 18:03:40Es war im Frühjahr 1933. Die USA befanden sich auf dem Höhepunkt der “Großen Depession” mit einer Arbeitslosenquote von über 30%. Der neu gewählte US-Präsident Franklin D. Roosevelt trat vor die Menschenmassen und rief: “Die ist vor allem die Zeit, um die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit, offen und kühn…Lasst mich meinen festen Glauben beteuern, dass das einzige, was wir zu fürchten haben, die Furcht selber ist.” Diese Rede im Frühjahr 1933 gab den Startpunkt zu einer ausgeprägten wirtschaftlichen Wachstumsphase. Die Menschen schöpften neuen Mut, sie waren es leid den Weltuntergangs-predigern zu lauschen und sie begriffen, dass der Wille jedes Einzelnen die eigene Situation verbessern zu wollen, in der Gesamtheit zu Wachstum und Wohlstand führt.

Das Jahr 2008 bedeutet eine Zäsur in der Geschichte des Kapitalismus. Der amerikanische Casino-Kapitalismus, der sich durch eine moralische Verantwortungslosigkeit seiner Akteure definiert, liegt in Scherben. Der Startschuss zu einer besseren Welt ist gefallen, in der die Banken wieder ihren ursprünglichen Aufgabe, der Finanzierung des Unternehmertums, nachkommen. Ich blicke mit Wut und Enttäuschung auf die gesamte Presselandschaft, die nichts anderes zu tun hat als mit Horrormeldungen und panischen Überschriften die Menschen zu verunsichern. In Deutschland gibt es Ende 2008 über 40 Millionen Erwerbstätige, so viel wie noch nie. Die Ausgangslage ist nicht vergleichbar mit der der Großen Depression, zu der leider viel zu oft Parallelen gezogen werden.

In der öffentlichen Wahrnehmung dreht sich alles um die Finanzkrise. Das eigentliche Problem wird nicht diskutiert. Die Politik- und Staatskrise. Die Unfähigkeit demokratischer Regierungen eine vernünftige Ausgabenpolitik zu lancieren, ist die eigentliche Krise, eine Krise der Demokratie, die schleunigst thematisiert werden sollte. Keinem der großen Industriestaaten gelang es auf dem Höhepunkt des weltweiten Aufschwungs in 2007 einen positiven Haushalt vorzulegen. Im Boom werden Schulden gemacht und im Abschwung werden noch viel mehr Schulden gemacht. Politiker wollen wieder gewählt werden und deshalb entsprechen sie den Wünschen zahlreicher Interessen-gruppen. Das ist die eigentliche Gefahr für unsere Gesellschaft, die Finanzkrise ist harmlos dagegen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.092 von Bre-X am 04.01.09 18:03:40Der Geldbedarf grosser Industrienationen ist schon so gross geworden, dass ohne die offensichtliche Versorgung über die Notenpresse, die Marktzinsen explodieren würden. Sie werden aber dadurch durchaus künstlich niedrig gehalten.
Abgesehen von Konjunkturprogrammen, die tatsächlich inflationär wirken dürften, sind die anderen "Hilfs-"Programme evtl. gar nicht inflationär. Die BankBETEILIGUNGEN werden hoch verzinst, decken sich quasi von selbst, und bei den Bürgschaften ist die Frage, wieviel nachher tatsächlich übrig bleibt.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.323 von Marchella am 04.01.09 18:55:03Keinem der großen Industriestaaten gelang es auf dem Höhepunkt des weltweiten Aufschwungs in 2007 einen positiven Haushalt vorzulegen. Im Boom werden Schulden gemacht und im Abschwung werden noch viel mehr Schulden gemacht.

Sehe ich genauso. In den vergangen 3-5 Jahre konnte die Konjunktur kaum besser laufen, es wurden aber keine Schulden zurückgezahlt sondern nur der Umfang der Neuverschuldung reduziert. Die fiskalpolitische Handlungsfähigkeit des Staates verringert sich dadurch immer mehr. Dabei steht Deutschland im internationalen Vergleich noch hervorragend da wie die CDS-Swaps für Staatsanleihen zeigen.
2009 wird ein Jahr der Kreditausfälle werden. Mehr und mehr Unternehmen und auch Staaten weden aufgrund der schlechten Konjunktur nicht mehr in der Lage sein ihre Schulden zu bedienen. Dies wird zu massiven Verlusten bei den Banken und letzlich durch die Staatshaftung zu Staatsbankrotten führen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.388 von Bre-X am 04.01.09 19:10:35Durch die Überschwemmung mit unbegrenzt geschaffenem Geld und dies wird in Zukunft auch so weitergehen, ist der Inflation das Tor geöffnet worden. Sie setzt im ersten Stadium langsam ein und entwickelt sich im Verlauf der Jahre immer schneller.

Da keinerlei Anstrengungen seitens der Zentralbanken unternommen werden, um die seit Jahren geschaffene überschüssige Geldmenge abzuschöpfen (dies ist nur durch kräftige Zinserhöhungen möglich), sondern ganz im Gegenteil noch weiteres billiges Geld in das System gepumpt wird, ist dies eine offensichtliche Kapitulation der Zentralbanken vor der Inflation.

Aber das ist doch alles kein Thema. Die Zinsen sind ja schon günstig und noch besser, sie werden noch weiter zurückgenommen, damit es noch günstiger wird sich zu verschulden.

Ich darf garnicht daran denken was unsren Kindern hier angetan wird!
Die heutige Politik ob nun von seitens der Wirtschaft,Banken und in besonderem Maße der Regierung egal welcher Partei sie auch angehören hat jedenfalls den Blick für eine gesunde und Hoffnungsvolle Zukunft aus den Augen verloren!
New Yorker Schuldenuhr gehen die Nullen aus
Nicht im Sinne des Erfinders: Die Schuldenuhr in New York kommt nicht mehr mit. Das Gerät, das eigentlich als Mahnung für die Politik gedacht ist, kann die aktuelle Rekordverschuldung der USA nicht mehr anzeigen - so wenig hat die Mahnung gewirkt.




New York - Die berühmte New Yorker Schuldenuhr kann die Staatsverschuldung der USA nicht mehr anzeigen: Sie hat nicht genug Nullen. Das Rettungspaket der Regierung für die amerikanischen Banken hat die Verschuldung des Landes auf mehr als 10 Billionen Dollar schnellen lassen. Dafür braucht eine Digitaluhr 14 Stellen. Weil die New Yorker Uhr nur auf 13 Stellen ausgelegt war, musste jetzt kurzfristig das Dollarzeichen zu einem Zahlenzeichen umfunktioniert werden, berichtete der US-Fernsehsender CNN am Donnerstag.

Die Betreiber der Uhr haben versprochen, im kommenden Jahr weitere Stellen hinzuzufügen. Die Digitaluhr war 1989 in Betrieb genommen worden. Das damalige Defizit betrug 2,7 Billionen Dollar. In der ersten Zeile werden die Staatsschulden angezeigt, in der zweiten Zeile die Pro-Kopf-Verschuldung. (ck/dpa)
Ein Käuferstreik bei US-Treasuries könnte nächste Woche schon Realität werden. Da wird das US-Schatzamt 8 Mrd US$ an 10 Yr-TIPS und einen noch nicht genannten Betrag an 3 Yr und 10 Yr Fixed Coupon Bonds versteigern. Sollte die Versteigerung nicht glatt über die Bühne gehen, gehen die Kurse in den Süden. Ich habe mir Freitag morgens ein ShortZertifikat auf US-Treasuries gekauft, welches bei Börsenschluß auch schon mit 40% im Gewinn war.
Der Bundeshaushalt - Eichels Bestätigung

"Anläßlich der Verleihung des Wolfram-Engel-Preises am 29.11.1999 an Philipp Schuller und Peer Ederer für ihre Bilanz der Deutschland AG stellten die beiden Autoren anhand ihrer Berechnungen die Aussage in den Mittelpunkt ihres Vortrags":

Deutschland wird im Jahr 2015 zahlungs- und politikunfähig, weil sich dann die Verschuldung auf knapp 10 Billionen DM erhöht hat.

Eine vernichtende Analyse, die so noch nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Und während so mancher im publikum nachdachte, ob die beiden jungen Wirtschaftler nicht überzogen hätten, bestätigte Bundesfinanzminister Hans Eichel in seiner Laudatio diese Zahlen. In einem Anflug von Ehrlichkeit meinte er: Die SPD sei so tief im Keller, daß sie es sich leisten könne, die Wahrheit zu sagen.
Ja, Deutschland werde politikunfähig, wenn wir so weitermachen, räumte Eichel ein...... Er sieht den drohenden Crash, und der kommt nicht erst in der Generation der Urenkel, sondern übermorgen, irgendwann zwischen 2010 und 2015."

Zitat aus Günter Ederer: "Die Sehrnsucht nach einer verlogenen Welt - Unsere Angst vor Freiheit, Markt und Eigenverantwortung", Verlag C. Bertelsmann 2000.

Da schau mal einer an so dumm scheint er ja dann doch nicht gewesen zu sei immerhin konnte er das Licht am Ende des Tunnels als entgegen fahrenden Zug noch erkennen!:D
DREI THESEN ZUR MODERNISIERUNG DER MARKTWIRTSCHAFT
Von der sozialen zur realen Marktwirtschaft mit gedecktem Geld




Die folgenden Thesen und ihre Begründung sind sehr knapp formuliert. Sie sollen lediglich eine gedankliche Linie erkennen lassen, wie unser Wirtschaftssystem verbessert werden könnte.
Die vorgetragenen Gedankenstützen sich weitgehend auf das Buch des Wirtschaftsratmitgliedes Prof.Wolfram Engels: „Der Kapitalismus und seine Krisen. Über Papiergeld und das Elend der Finanzmärkte" Verlag Wirtschaftswoche, SchäfferPöschl1996. Die Gedanken und auch den Vorschlag für ein neues Geldsystem finden Sie dort ausführlich dargestellt. Hier zunächst die drei Thesen, sowie das Fazit des Papiers.


These 1
Reale Marktwirtschaft erzeugt mehr Wohlstand und sozialen Frieden als soziale Marktwirtschaft.

These 2

Unser Geldsystem ist nicht marktwirtschaftlich organisiert.Dies ist eine der Hauptursachen für ständig steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende soziale Spannungen.

These 3

Zur Verbesserung der Marktwirtschaft muss auch das Geldsystem wieder marktwirtschaftlich organisiert werden. Geldmuss wieder eine enge Bindung zur realen Güterwelt erhalten, um so eine reale Marktwirtschaft zu ermöglichen.

Fazit
Soziale Marktwirtschaft mit ihrer derzeitigen Geldverfassung erzeugt Geldkapital durch Verschuldung. Sie bautauf fiktivem Reichtum auf. Reale Marktwirtschaft mit gedecktem Geld (Gold, Silber, Aktien, Immobilien) erzeugt Realkapital durch Arbeit. Der Euro sollte deshalb als realgedeckte Parallelwährung ohne Annahmezwang eingeführt werden.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.580 von Marchella am 04.01.09 19:52:12 These 1

Reale Marktwirtschaft ist besser als soziale Marktwirtschaft.


Im Folgenden soll aufgezeigt werden, was der wesentliche Unterschiedzwischen sozialer und realer Marktwirtschaft ist und warum reale Marktwirtschaft mehr wohlstand und sozialen Frieden produzieren kann.
Sozial und sozialistisch bedeutet immer Umverteilung von Einkommen durch Bürokraten. Dies ist mit Wohlstandseinbußen verbunden. Sozialistisch organisierte Gesellschaften sind immer relativ ärmer, als wenn sie marktwirtschaftlich organisiert wären, weil sie im Hinblick auf Wohlstandsgewinnung schlechter gesteuert werden. Marktwirtschaftlich steuern heißt nach Marktsignalen wie Preise, Zinsen, Löhne, Mieten, Pachten etc. in Richtung Realkapitalbildung zu steuern. Wenn man einem Unternehmer sagt, er solle nicht nur nach diesen Marktsignalen sondern auch sozial steuern, weiß er nicht was er machen soll und er wird wahrscheinlich schlechter steuern. Diese Behauptungen werden von der geschichtlichen Erfahrung klar belegt. Als Beweis können die extremen Beispiele in unserer Zeit dienen, wie z. B. Hongkong und Singapur als rein marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaften sowie Kuba und Nord-Korea als sozialistisch organisierte Gesellschaften. Aufgrund der geschichtlichen Erfahrung und der überwältigenden Erfolge marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften setzt sich weltweit zunehmend der marktwirtschaftliche Ansatz durch mit Deregulierung und Wettbewerb. Die gemischt organisierten Gesellschaften (Wohlfahrtsstaaten) tun sich schwer, den sozialen Anteil abzubauen zugunsten marktwirtschaftlicher Steuerungselemente. Diese Gesellschaften, auch die Bundesrepublik, verzichten in Höhe ihrer sozialen Komponente auf Wohlstandsgewinne. Die Umverteilung und Umlenkung von Einkommen für höhere Ziele durch Bürokraten oder andere Instanzen, die nicht dem Wettbewerb ausgesetzt sind, hat immer beträchtliche Wohlstandsverluste für die Gesamtgesellschaft zur Folge. Sie führt auch regelmäßig zu Korruption, Betrug und Vetternwirtschaft (kommunistische Systeme, Staatsbürokratien, Brüssel), nicht weil Bürokraten schlechtere Menschen sind, sondern weil dieses System solche Strukturen fördert und erzeugt. Bei Ludwig Erhards sozialer Marktwirtschaft ging es zunächst darum, die Gütermärkte von den Fesseln der Zentralverwaltungswirtschaft zu befreien und die stärksten Bastionen des Sozialismus zu beseitigen. Der damit erreichte Wohlstandsgewinn war immens. Heute versteckt sich der Sozialismus auch in sog. kapitalistischen Gesellschaften in vielen kleinen Nischen, führt ein zähes Leben und behindert nach wie vor die Wohlstandsentwicklung an vielen Stellen und in hohem Ausmaß (Subventionen für Kohle, Landwirtschaft, Forschung, Regionen etc.) mit den üblichen Begleiterscheinungen wie Bürokratie und Korruption. In Brüssel wird gerade eine neue Supernische für die Staatsbürokratie eingerichtet.

Die zentrale Begründung des sozialistischen (oder sozialen) Ansatzes besteht in der Behauptung, das freie Spiel der Marktkräfte könne viele Dinge nicht regeln, produziere Ungerechtigkeiten und deshalb müsse der Staat zur Durchsetzung höherer Ziele regulierend eingreifen, d.h. Einkommen und Vermögen konfiszieren und nach höheren Zielen umverteilen. Nebeneiner hohen Besteuerung ist das wichtigste Instrument dabei die Staatsverschuldung. Wirtschaftstheoretische Grundlage dafür ist die Keyns'sche Theorie des deficit spending. Allerdings wird diese Theorie inzwischen nurnochais Rechtfertigungslehre für unverantwortliches Handeln des Staates missbraucht. Deficit spending baut auf Verschuldung auf, und führt, wie weiter unten noch gezeigt wird, zur Umverteilung von unten nach oben, erzeugt zunehmend Arbeitslosigkeit und behindert die Bildung von Realkapital.

Der Ansatz der realen Marktwirtschaft geht dagegen davon aus, dass es auf die Bildung von Realkapital ankommt, dass nur die Bildung von Realkapital zusätzlichen Wohlstand und sozialen Frieden erzeugt. Konkret auf das aktuelle Thema der Sozialversicherungsreform übertragen, heißt das z.B., dass Rentenansprüche nicht als Schuldanspruch an künftige Generationen aufgebaut werden sollten, sondern in Form von Realkapital (Immobilien,Aktien, Sachwerte).
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.580 von Marchella am 04.01.09 19:52:12These 2

Unser Geldsystem ist sozialistisch organisiert und produziert zunehmend Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen.


Eines der bis heute weithin noch unentdeckten Verstecke des Sozialismus ist überraschenderweise das scheinbar kapitalistischste Attribut moderner Industriegesellschaften, nämlich die Geldverfassung. Die aktuelle Geldverfassung praktisch aller Industriestaaten hat sich nicht im Wettbewerb als das beste System entwickelt und durchgesetzt, sie verdankt ihre Entstehung vielmehr den Notwendigkeiten der Kriegsfinanzierung im 1. und 2.Weltkrieg. Diese Geldverfassung ist, schon von ihrer Entstehung her, notwendigerweise auf Täuschung und Betrug angelegt. Vielleicht sollte man allerdings besser von kollektiver Selbsttäuschung und Selbstbetrug reden, da ja die böse Absicht fehlte. Ihre Aufgabe war es, massiv Vermögen und Einkommen umzuverteilen zugunsten eines höheren Zieles eben der Kriegsführung was durch Steuern oder gar freiwillige Beitragsleistungen nicht zu schaffen war. Um dieses Ziel zu erreichen, erzeugte der Staat einfach Geld, eine Art legales Falschgeld. Dieses Grundmuster der Vermögenskonfiskation durch Gelderzeugung ist mit unserer Geldverfassung als Erbe der Kriegsfinanzierung bis heute erhalten geblieben. Allerdings ist dieses Grundmuster nur noch schwer zu erkennen, weit es in ein recht raffiniertes System verpackt ist.

Um in großem Umfang Geld aus dem Nichts erzeugen zu können, muss der Staat zunächst die Bindung des Geldes an die reale Güterwelt abschaffen. Dies geschah im ersten Weltkrieg mit der Aufhebung der Goldeinlösepflicht. Wie fast immer, so auch in diesem Fall, fand sich eine volkswirtschaftliche Theorie, um unverantwortliches Handeln des Staates zu rechtfertigen. In diesem Fall war es die „Staatliche Theorie des Geldes", die F.W. Knapp im Jahre 1905 veröffentlicht hatte und in der behauptet wird, nur was der Staat als Geld bestimmt, sei Geld. Vor der Jahrhundertwende noch hätte man so etwas für dummes Zeug gehalten, aber für die Zwecke der Kriegsfinanzierung war es genau die richtige Theorie und mit staatlichen Weihen versehen, ist es noch heute die theoretische Grundlage unserer Geldverfassung. Durch den Trick mit der staatlichen Theorie des Geldes wird gleichsam legal Falschgeld erzeugt. Allerdings ist das praktische Verfahren der Gelderzeugung aus dem Nichts bis heute sehr verfeinert worden, so dass das relativ simple Betrugsmuster nur noch schwer erkennbar ist. Der Staat geht nicht mehr einfach her und druckt Scheine, wie das im 1.Weltkrieg noch üblich war und wie das heute in manchen sozialistischen Staaten noch gepflegt wird. Schon die Nationalsozialisten hatten mit den sog. Mefo-Wechseln ein etwas eleganteres Verfahren entwickelt. Die Lieferanten wurden mit Wechseln bezahlt, die gleichsam auf die zukünftige volkswirtschaftliche Produktion gezogen waren. Damit war das Grundmuster für die Verschleierung gefunden, das sich auch heute noch bewährt.

Nach diesem Grundmuster erzeugen heute praktisch alle Staaten ungedecktes Geld und verteilen so Einkommen und Vermögen nach ihrem Ermessen um, im Interesse höherer Ziele natürlich. Über die Staatsverschuldung zieht der Staat praktisch Wechsel auf zukünftige Produktion, er bezahlt heute mit der noch zu erbringenden Leistung zukünftiger Generationen, ohne die Zustimmung der Betroffenen. Dies ist etwa so, als ob Sie auf Ihren Nachbarn Schecks schreiben und schön davon leben, ohne dass der Nachbar davon weiß.

Eine recht raffinierte zusätzliche Verschleierung der staatlichen Gelderzeugung besteht darin, in die Verfassung zu schreiben, dass der Staat sich nicht direkt über die Zentralbank Geld beschaffen darf und die Zentralbank gleichsam als unabhängige Institution die Druckmaschine bewacht. Dies erzeugt eine Illusion zusätzlicher Vertrauenswürdigkeit. Der Trick besteht darin, dass der Staat auch Geld erzeugt, wenn er sich mit Anleihen über den Markt finanziert. Das Geld, das er sich leiht, entsteht mit dem Akt der Verschuldung. Wenn man diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, nämlich das Geld nur durch Verschuldung entsteht, lässt sich das Systemrelativ leicht durchschauen. Dieser Sachverhalt ist zwar in der volkswirtschaftlichen Geldtheorie unbestritten, er wird aber vom Publikum am wenigsten verstanden, weshalb das System immer noch hervorragend funktioniert.

Es macht keinen Unterschied, ob der Staat Geld druckt oder Staatsanleihen. In beiden Fällen dient der Zettel lediglich dazu, ein Schuldverhältnis zu transportieren. Seit wir ein reines Schuldgeldsystem haben, kann praktisch jedes Schuldverhältnis zu Geld werden. Wir monetisieren Schuldverhältnisse statt Realvermögen. Dies wird in einschlägigen Lehrbüchern auch klar beschrieben, freilich meist in einer Sprache, die nur Eingeweihte verstehen. Wer weiß schon was „Seignorage" ist.

Allerdings besteht Hoffnung, dass sich dies jetzt ändert durch das Internet. Der Charme und Zauber des Internet besteht nämlich u.a. darin, das gleichsam wie weiland Luther, jeder in der Sprache des Volkes seine Thesen ins Internet nageln, und so der Selbstzensur des Systems entgehen kann. Es ist verblüffend zu sehen, welch spannende Diskussion um eine Reform des Geldsystems im Internet geführt wird. Da sind z.B. Sätze von Alan Greenspan, dem Chef der amerikanischen Zentralbank, zu lesen, dieer offiziell nicht sagen könnte, wie z. B. der folgende Satz: „Die Abschaffungdes Goldstandards ermöglichte es den Staatsbürokraten, das Banksystemfür eine unbegrenzte Kreditexpansion zu missbrauchen." ( http://www.gold-eagle.com )

In den Lehrbüchern wird der Prozess der Geldschöpfung aus dem Nichts meist nur unter der Überschrift Giralbankgeld besprochen. Es ist aber klar, dass dieser Prozess bei jeder Art der Verschuldung stattfindet. Das dieser Zusammenhang in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt blieb, hängt wohl wiederum damit zusammen, dass es das reine Schuldgeldsystem erst seit etwa 25 Jahren gibt und dies noch gar nicht so richtig bemerkt wurde. Erst seit etwa 25 Jahren, mit der endgültigen Abschaffung der Golddeckung durch die Amerikaner im Jahre 1971, entsteht Geld nur noch durch Verschuldung, haben wir ein reines Kredit oder Schuldgeldsystem, bei dem Geld nicht mehr durch irgendwelche Güter, sondern nur durch nicht definierte Zukunftsversprechen gedeckt ist. Das heißt, je mehr schulden, desto mehr Geld ist da. Statt von der Geldmenge kann man genauso gut von der Schuldmenge reden, beides ist identisch.

Ein solches System hat zwei fatale Konsequenzen:

Erstens handelt es sich um ein exponentielles Pyramidensystem (Ponzi-Schema), wie es in Albanien gerade zusammengebrochen ist, allerdings mit dem Unterschied, dass bei unserem internationalen Finanzsystem der Zinssatz sehr viel bescheidener und das Gebiet sehr viel größer ist, wodurch sich das System wesentlich länger halten kann. Bei einem Ponzi-Schema werden die Zinsen nicht erwirtschaftet, sondern aus neuen Einlagen (Neuverschuldung) bezahlt. Das Geheimnis hinter den magischen Maastrichtkriterien von 60% Gesamtverschuldung und 3% Neuverschuldung liegt hier begründet. Jenseits dieser Zahlen explodiert das Systemrelativ rasch.

Zum Zweiten führt dieses System zu immer mehr Arbeitslosigkeit, Firmenzusammenbrüchen, Umverteilung von unten nach oben und relativer Armut(30.000 Firmenzusammenbrüche pro Jahr in Deutschland, 18 Mio. Arbeitslose in der EU mit steigender Tendenz). Obwohl die Illusion von immensem Reichtum erzeugt wird, nimmt die Gesamtwohlfahrt ab. Die Illusion von Reichtum entsteht in Form rasch wachsender Geldvermögen. Die riesigen internationalen Geldvermögen saldieren sich, ex definitione, mit den vorhandenen Schulden immer zu null. Der Effekt der rasch wachsenden Arbeitslosigkeit und der Firmenzusammenbrüche entsteht dadurch, dass direkte Geldproduktion einfacher ist als Gewinnerzielung über Güterproduktion. Volkswagen hat seine 50% Gewinnsteigerung in 1996 nicht durch Autoverkäufe, sondern durch Devisengeschäfte verdient. Der Markt signalisiert, dass es sinnvoller ist, Geld in Staatsanleihen zu investieren als in Fabriken (SiemensSyndrom). Dieser Zusammenhang lässt sich an einem einfachen Beispiel erkennen. Ein neuer Arbeitsplatz in der Metallindustrie kostet etwa300.000, DM, der betriebliche pro Kopf Umsatz liegt ebenfalls bei etwa300.000, DM, bei einer für das Unternehmen zu erwartenden Umsatzrendite von etwa 2%. Der Markt signalisiert also klar, dass ich die 300.000, DM besser zu 6% in Staatsanleihen investiere. Und schließlich noch ein Beispiel aus einer anderen Branche. Statt Mietwohnungen zu bauen, ist es heute sinnvoller, Pfandbriefe zu kaufen, weil das höhere Renditen bei weniger Arger bringt. Der Markt gibt also falsche Signale, bzw. steuert die Aktivitäten in Richtung Geldkapitalbildung, weg von der Realkapitalbildung. Ursache ist die Staatsverschuldung. Der Staat kann und muss, um seine Finanzierung sicher zu stellen, hohe Zinsen bieten und treibt so den Realzins hoch. Investitionen, die sich früher gelohnt hätten, fallen unter die Rentabilitätsschwelle. Gleichzeitig muss der Staat die Schuldner (Steuerzahler)immer mehr ausquetschen, um die Gläubiger (Staatsanleihebesitzer) zu bedienen, was wieder zu rückläufiger Produktion führt ein Teufelskreis.

Staat und Banken erzeugen nach dem gleichen Grundprinzip ungedecktes Schuldgeld und greifen damit auf heutiges Sozialprodukt zu, mit dem Versprechen, es mit künftigem Sozialprodukt zu bezahlen. Gegen diese Vorwegnahme von Zukunft ist in einer dynamisch wachsenden Wirtschaft im Prinzip nichts einzuwenden, wenn sie von den Betroffenen freiwillig akzeptiert wird und wenn sie mit dem marktwirtschaftlichen Korrektiv der Konkursmöglichkeit verbunden ist. Der Gedanke dabei ist, dass die Vorleistung gleichsam durch die höhere Zukunftsproduktion überholt und zurückgegeben wird. Dies ist auch der Kern der Keynes'schen Theorie. Wenn man allerdings sowohl die Zustimmung der Betroffenen als auch den Zwang zur Rückzahlung abschafft, funktioniert das System nicht mehr, jedenfalls hat das mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun. Bankrott gehört zur Marktwirtschaft auch der Staatsbankrott, weil er Risiken und unerfüllbare Erwartungen und Versprechungen sichtbar macht. Von Freiwilligkeit der Betroffenen, die Risiken einzugehen, kann keine Rede sein, denn sie wissen es gar nicht, oder sind noch gar nicht geboren. Das Korrektiv Konkursmöglichkeit wurde für Staat und Banken (scheinbar) beseitigt, durch den Trick mit staatlichem Monopolgeld und dem „lender of last resort".

Wie das funktioniert sei ebenfalls an einem aktuellen Beispiel illustriert: Die japanische Zentralbank hat jetzt den Zins drastisch gesenkt, um die Banken zu retten, die Wirtschaft in Schwung zu bringen und das Land aus der Krise der „Blasenwirtschaft" zu führen. Der niedrige Zinssatz führt nun nicht etwa dazu, dass viele Unternehmer in Japan jetzt neue Unternehmungen beginnen, vielmehr leihen sich japanische Banken und Unternehmer, wie auch alle anderen Banken der Welt japanische Yen zu 2% tauschen sie in Dollar um und kaufen amerikanische Staatsanleihen zu 7%. Sowohl in Japan als auch in Amerika entsteht bei diesem Prozess zusätzliches Geld, ohne das real etwas entsteht. Das Geldvermögen in der Welt nimmt um einige 100Milliarden zu und in gleicher Höhe die Verschuldung, am Realvermögen in der Welt ändert sich nichts. Kritisch für den Dollar und das Finanzsystem wird dieser Prozess, wenn er zurückgespult werden sollte.

Lender of last resort bedeutet nichts anderes, als dass der Staat beliebig Papiergeld nachschieben kann und so ein Konkurs aus Geldmangel nicht mehr befürchtet werden muss. Die Rettung der amerikanischen Sparkassen, der italienischen, französischen und jetzt der japanischen Banken durch den Staat und die damit verbundenen Finanzskandale bis in höchste Kreise zeigen deutlich, dass die aktuelle Geldverfassung zu einer Art Mafiastruktur führt, wobei die beiden mächtigsten Gruppen Staatsapparat und Banken ein gemeinsames Interesse haben, ein schlecht funktionierendes System so lange wie möglich zu erhalten. Man muss dabei gar keine kriminellen Energien unterstellen das System bringt zwangsläufig solche Strukturen hervor.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.580 von Marchella am 04.01.09 19:52:12These 3

Geld muss wieder mit einem realen Schuldinhalt ausgestattet werden.


In dieser These soll zum Schluss gezeigt werden, wie ein verbessertes Geldsystem aussehen könnte, und es sollen einige Wege beschrieben werden, wie man zu einem solchen System gelangen kann.

Ungedecktes staatliches Monopolgeld mit Annahmezwang bildet, wie gezeigt, die letzte und stärkste Bastion des Staatsinterventionismus, die es zu schleifen gilt, bevor wirklich von Marktwirtschaft die Rede sein kann. Zitat:„Dieses Papiergeld verdankt seine Existenz der Kriegsfinanzierung. Es war ein deutlicher Rückschritt gegenüber den Goldwährungen, die bis zum ersten Weltkrieg existierten." Mit diesem letzten Satz wird bereits die Richtung angedeutet, in der ein besseres Geldsystem zu suchen ist. Der Satz stammt nicht von einem unverbesserlichen Goldguru, sondern von Wolfram Engels. In seinem Buch steht auch der folgende Satz: „Jede konvertible Währung sei sie in Gold, Silber, oder einem Rohstoffbündel definiert, ist besser als reines Papiergeld". Und um dem Gedanken noch etwas mehr Gewicht zu verleihen, sei hier nochmals Alan Greenspan zitiert, immerhin der z. Zt. mächtigste Währungsfachmann dieser Welt. Zitat: „Deficit spending ist einfach ein System für die versteckte Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess."

Dass der Goldstandard über viele Jahrhunderte ein weit besser funktionierendes Geldsystem war, als unser heutiges Schuldgeldsystem, ist weithin unbekannt. Der Goldstandard wurde abgeschafft, um ein Betrugssystem installieren zu können. Nichts anderes heißt der klare Satz von Alan Greenspan. Wie sollte man „versteckte Enteignung von Vermögen" mit einem klaren Wort anders benennen? Das weitverbreitete Vorurteil gegen den Goldstandard wird den Tatsachen nicht gerecht. Dies hängt mit einer langen Meinungsmanipulation zusammen, die heute nur schwer aufzubrechen ist, weshalb auch die Diskussion um den Euro auf falschen Bahnen läuft. Mit dem Euro in seiner jetzigen Form wird versucht, das Schuldgeldsystem noch einmal zu verlängern und zu stabilisieren, und staatliches Monopolgeld für einen europäischen Superstaat zu Schäften, das mit dem staatlichen Monopolgeld der anderen Superstaaten (Amerika, Japan) konkurrieren kann. Alle diese „Reservewährungen" sind reine Schuldwährungen nach dem gleichen Muster der Kriegsfinanzierung.

Eine gemeinsame Währung für Europa ist gewiss sinnvoll. Sie ist eigentlich eine pure Selbstverständlichkeit. Mit der Goldwährung hat es eine gemeinsame Währung in Europa über Jahrhunderte längst gegeben, und zwar ohne dass in einem Superstaat alles harmonisiert werden musste. Es ist eigentlich erstaunlich, dass man dem Publikum das nationalstaatliche Monopolgeld Euro auch noch als Fortschritt zur Überwindung von Staatsgrenzen verkaufen kann. Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Staatliches Papiergeld macht einen abgegrenzten Staat erforderlich, und genau diese Wirkung erhofft man ja vom Euro. Gold war seit Urzeiten schon immer Weltgeld. Erst mit den großen Weltkriegen entstand die Notwendigkeit, nationales Papiergeld einzuführen und Grenzen dicht zu machen. In einer freien Marktwirtschaft und ohne Kriege besteht keine Notwendigkeit mehr für ein solches System. Der Euro in seiner jetzigen Form ist wahrscheinlich eher konflikt als friedensfördernd. Er führt zum einen zu einer monetären nationalen Blockbildung, wie es die Mechanik der Kriegsführung bedingte, jetzt zwischen 3 Superblöcken. Zum anderen sind, wegen der oben beschriebenen Mechanik von Schuldgeldsystemen, massive wirtschaftliche Konflikte zwischen den Blöcken vorprogrammiert.

Der Euro sollte daher als gedeckte Parallelwährung ohne Annahmezwang eingeführt werden, wie das viele Sachverständige fordern. Dabei muss die Deckung nicht unbedingt in Gold vorgenommen werden, sie kann auch durch Aktien und andere Sachwerte erfolgen, wie das Engels z.B. vorschlägt. Aus praktischen und aus Zeitgründen wäre es aber wahrscheinlich sinnvoll, mit einer Golddeckung zu beginnen und die Deckung dann auf Aktien und andere Sachwerte auszudehnen. Entscheidend ist lediglich, dass Geld wieder mit einem konkreten und realen Schuldinhalt ausgestattet wird und so wieder ein festes Band zur Güterwelt entsteht. Es muss wieder eine reale Leistung in Gütern definiert werden, die mit einer Summe Geld geschuldet wird. Amerika kann und wird seine beachtliche Schuld von über1000 Milliarden Dollar, die es der Welt schuldet, durch Lieferung von Papierdollar erfüllen. Zu einer realen Leistung ist es, anders als zu Zeiten des Goldstandards, nicht mehr verpflichtet. Deshalb wird es sich auch, solange es geht, weiter verschulden.

Die Einführung des Euro wäre eine Riesenchance, wieder gedecktes Geld zu schaffen, und diese Chance besteht auch jetzt noch, obwohl es schon so aussieht, als wäre der Zug in Richtung Verlängerung des Schuldgeldsystems bereits abgefahren. Eine Golddeckung des Euro ist technisch möglich, aber politisch unerwünscht. Es käme jetzt darauf an, in der verbleibenden Zeit das politische Klima umzukehren. Es ist keine Frage, dass ein goldgedeckter Euro ohne Annahmezwang von der Bevölkerung aller europäischen Staaten sofort akzeptiert würde. Vielleicht ist es die einzige Chance, den Termin überhaupt zu retten. Ein weiterentwickeltes System, mit einer Deckung durch Realkapital (Aktien, Grundstücke etc.) wie es Engels vorschlägt, ist wahrscheinlich zu komplex, um es in so kurzer Zeit noch zu realisieren. Aber auch ein goldgedeckter Euro wäre bereits eine friedens und wohlstandsstiftende Großtat für Europa, die Helmut Kohl würdig wäre.

Die politischen Fronten verlaufen z.Zt. beim Thema Euro völlig verworren und eigentlich verkehrt. Die SPD setzt mit Lafontaine klar auf das Auslaufmodell des Schuldgeldes. Sie will die Maastrichtkriterien aufweichen und massiv deficit spending betreiben. Dies ist immerhin eine klare und konsequente Fortsetzung des sozialistischen Kurses des Staatsinterventionismus und es ist vom System her auch folgerichtig. Bei einem PonziSchema muss die Verschuldung immer schneller immer weiter getrieben werden. Es wäre eigentlich Aufgabe von CDU, CSU und F.D.P., hier eine klare Gegenposition einzunehmen in Richtung realer Marktwirtschaft. Statt dessen wird versucht, mit dem Stabilitätspakt eine Art gebremstes sozialistisches Schuldgeldmodell zu realisieren. Dabei wird verkannt, dass ein Schuldgeldsystem auf rasche Schuldzuwächse angewiesen ist. Man kann hier nicht nur ein bisschen schwanger sein. Wenn der Wachstumsprozess einmal läuft entfaltet er Eigendynamik. Ein Bremsen oder gar ein Schuldenabbau, durch konsequente Sparpolitik, ist in einem solchen System nicht möglich.
In diesem Punkt herrscht im konservativen Lager beträchtliche Konfusion, weshalb auch eine klare strategische Linie in der Schuldenstrategie nicht erkennbar ist. Eine kleine Episode beleuchtet sehr schön die Konfusion in höchsten Regierungskreisen. In einer heftigen Fernsehdebatte wies der britische Autor Forsyth darauf hin, dass Deutschland bei der Währungsunion die größte Last trage, weil es die Schulden der Anderen mit übernehmen müsse. Daraufhin erwiderte Peter Hintze, immerhin der Generalsekretär der CDU, das sei ausdrücklich im Vertrag ausgeschlossen worden. Dies zeigt, dass in einer so wichtigen Frage völlige Unklarheit herrscht. Natürlich werden die Schulden der Anderen automatisch in die gemeinsame Währung eingebracht. Das Geld, das in Euro umgewandelt wird, besteht in einem Schuldgeldsystem ja nur aus diesen Schulden.

Die konsequente Befürwortung eines goldgedeckten Euro könnte für die CDU wahlentscheidend sein! Die erste Gesellschaft, die ihre Geldverfassung in diesem Sinne ändert wird eine ähnliche Wohlstandsrevolution auslösen, wie es Erhard mit der Aufhebung der Zentralverwaltungswirtschaft gelungen ist. Alle anderen Gesellschaften werden diesem Beispiel sehr rasch folgen und ebenfalls wieder gedecktes Geld einführen, um in der Wohlstandserzeugung nicht zurückzufallen. Geld würde wieder zu einem einheitlichen Weltmaßstab, wie zu Zeiten der Goldwährung. Die Produktivkräfte würden wieder auf die Erzeugung von Realkapital, statt fiktivem Geldkapital gelenkt. Der Unsinn der flexiblen Wechselkurse, d.h. das internationale Metermaß aus Gummiband zu machen, würde wegfallen.

Für den Fall, dass die Chance mit dem Euro vertan wird, welche anderen Möglichkeiten sind noch denkbar, dass sich wieder ein Geld mit einem konkreten Schuldinhalt, also ein gedecktes Geld entwickelt? Zunächst kann es durchaus sein, dass ein anderer Staat außerhalb der drei Währungsblöcke den Gedanken aufgreift. Die Schweiz ist vielleicht zu klein, aber immerhin bezieht der Schweizer Franken seine Kraft aus seiner schwachen Golddeckung. Ein möglicher und sogar sehr wahrscheinlicher Kandidat ist Russland. Ein Goldrubel würde schlagartig alle anderen Reservewährungen ziemlich alt aussehen lassen. Auch China ist ein möglicher Kandidat, wobei China allerdings, wie auch Indien, über Jahrhunderte eine Silberdeckung bevorzugt hat. Am wahrscheinlichsten wird diese Entwicklung aber in Amerika stattfinden, allerdings erst dann, wenn die Verschuldung in Dollar nicht mehr funktioniert. Die Bewegung für eine gedeckte Währung ist in Amerika auch politisch bereits sehr stark, mit sehr prominenten Vertretern.

Eine überraschende neue Möglichkeit ergibt sich jetzt auch über das Internet, durch die Entstehung gedeckten Privatgeldes im Internet. Unter dem Namen egold gibt es bereits ein solches privates elektronisches Geld, das zu 100% durch Edelmetalle gedeckt ist und mit dem man bereits konkret im Internet bezahlen kann. (http://www.egold.com) Es erscheint zwar zunächst als ein etwas mühsamer Weg, ein solches System gleichsam ganz von unten auf privater Basis wieder aufzubauen, ganz so wie sich der Goldstandard über Jahrhunderte entwickelt hat. Aber er ermöglicht zumindest einen konkreten Anfang, bei dem sogar kleine Gruppen wie z. B. unser Arbeitskreis Initiativen ergreifen und Anstöße aeben können. Bei der Dynamik des Internet kann dieser Weg auch sehr rasch zum Erfolg führen und große Verbreitung finden. Vorausgesetzt der Ansatz wird nicht von den etablierten Kräften (Zentralbanken, Gesetzgeber) gleich verboten, mit dem Argument, er würde die Geldhoheit unterminieren. Es sieht im Moment in der Tat so aus, als ob man versuchen will, in Europa diesen Ansatz zu verbieten. Alan Greenspan hat sich dafür ausgesprochen, diese Experimente im Internet nicht zu verbieten, so wie er auch eine Golddeckung befürworten würde. Es könnte sein, dass die Hoffnung der Freiheit mal wieder in Amerika liegt.

Eine weitere, recht hoffnungsvolle Möglichkeit ergibt sich aus der internationalen Konkurrenz der Banken. Ein Prozess, den auch Engels in seinem Buch beschreibt. Der Übergang von reinem Schuldgeld zu real unterlegtem Geld wird in der Bankpraxis immer fließender. Dies begann mit sog. Geldmarktfonds und geht heute soweit, dass der Übergang vom Kontokorrentkonto zum Aktienfonds fließend wird. Wenn eine Bank nicht benötigtes Geld vom Kontokorrentkonto automatisch in einen Aktienfonds überführt und der Kunde über den Gesamtbestand wie über Giralgeld verfügen kann, wird der Übergang vom reinen Schuldgeld zum aktiengedeckten Geld fließend mit der Folge, dass keine Zentralbank mehr sagen kann, was eigentlich die Geldmenge (Schuldmenge) ist, die sie steuern soll. Es bestehen also durchaus Chancen, dass der Markt selbst einen Weg zum besseren Geld findet, sofern er von der Staatsbürokratie nicht daran gehindert wird.Der Weg von der sozialen zur realen Marktwirtschaft ist möglich, wenn wir es wollen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.543 von Bre-X am 04.01.09 19:45:44Ein Käuferstreik bei US-Treasuries könnte nächste Woche schon Realität werden.
die Treasuries werden doch schon seit Wochen nicht mehr gekauft.
Die werden von der Fed übernommen und zu den Banken geswapt.


so etwas wertloses kauft niemand mehr auf der ganzen Welt.
Zweimal Staatsbankrott in Deutschland

In Deutschland hatten wir ihn in diesem Jahrhundert schon zweimal, und jedesmal verbunden mit sozialen Katastrophen: Im Gefolge des Ersten Weltkriegs die Inflation von 1923, und nach dem Zweiten Weltkrieg der Zusammenbruch der Währung 1948. Beide Male hatte die Währung den an sie gestellten Anspruch - nämlich zu währen, d. h. ihre Kaufkraft zu bewahren - eingebüßt.


Auf dem Höhepunkt der Inflation 1923 konnte man für 1 Billion Mark gerade mal noch ein Brot kaufen, in so astronomische Höhen waren die Preise gestiegen. Bis im November 1923 eine Währungsreform stattfand und die alte Währung im Verhältnis 1 Billion : 1 in die neue »Rentenmark« umgerechnet und umgewechselt wurde. Von dieser Umrechnung waren alle Geldgrößen betroffen, Geldvermögen ebenso wie Schulden, auch Staatsschulden, die der Staat u. a. zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs aufgenommen hatte. Durch die große Inflation und anschließende Währungsreform hat sich demnach der Staat auf "elegante" Art, aber mit dramatischen Folgen, seiner gigantischen Staatsschulden entledigt, im wahren Sinne des Wortes »für'n Appel und 'n Ei« - denn mehr waren die Staatsschulden und ihre Rückzahlung nicht mehr wert.

Die Inflation hatte die Forderungen derjenigen, die dem Staat freiwillig oder per Zwangsanleihe Geld geliehen hatten, aufgefressen. Die Leidtragenden waren die Inhalber von Sparguthaben, von Lebensversicherungen und anderen Geldvermögen, deren Kaufkraft praktisch auf Null zusammengeschrumpft waren; und die Gewinner waren die Schuldner und die Eigentümer von Realvermögen (Boden, Mietshäuser, Fabriken oder andere Wertgegenstände), die all dies unbeschadet über die Inflation hinüberretten konnten. Und wer vor der Inflation über große Geldvermögen verfügte, war früh genug in Sachwerte umgestiegen, im Unterschied zu den kleinen Sparern und Lebensversicherten, denen derartige Möglichkeiten verbaut waren.

Der verdeckte Staatsbankrott, abgewickelt über die galoppierende Inflation, ging mit einer dramatischen Umverteilung einher, deren Opfer insbesondere das Kleinbürgertum war. Seine Existenzgrundlagen wurden in einer Welle von faktischen Enteignungen zerstört, während das große Kapital davon profitierte. Daß zunächst vor allem das Kleinbürgertum in der Weimarer Republik anfällig für faschistische Ideologie war, lag auch in dessen ökonomischem Absturz und in seiner dadurch verursachten Identitätskrise begründet.

Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde der sich erneut anbahnende Staatsbankrott auf andere Weise verschleiert. Die über Geldschöpfung »finanzierten« gigantischen Rüstungsprogramme trugen zunächst zu einer »Belebung der Wirtschaft« bei (welche Sprachverwirrung!). Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen wäre die Folge eines wachsenden Nachfrageüberhangs - nach Auslastung der Produktionskapazitäten - eine Inflation gewesen; und unter demokratischen Verhältnissen hätten die Gewerkschaften um einen Inflationsausgleich gekämpft. Beides fand unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus nicht statt: Die Gewerkschaften wurden zerschlagen, und der Wirtschaft wurde ein Lohn- und Preisstop aufgezwungen. Dadurch kam die Inflation nicht an die Oberfläche, sondern- blieb "zurückgestaut« und brach erst durch, nachdem die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zusammengebrochen war - nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hier erst wurde mit einiger Verzögerung offensichtlich, daß die Währung nichts mehr wert war. Die Konsequenz davon war die Währungsreform 1948, bei der eine Umstellung der alten Reichsmark auf die neue D-Mark in den drei westlichen Besatzungszonen im Verhältnis 10: 1 (zum Teil 6,5: 1) erfolgte. Und wiederum waren Geldvermögen und Schulden gleichermaßen entwertet, zum Nachteil der Inhaber von Geldvermögen und zum Vorteil der Schuldner. Der Staat hatte sich zum zweiten Mal durch Bankrott aus seinen Schulden herausgestohlen, hatte sich durch den Zusammenbruch der Währung entschuldet - aber mit keinem Wort bei den Geschädigten dafür entschuldigt, geschweige denn sie dafür entschädigt.

So ist es eben bei einem Bankrott: Der eine kommt seinen Verpflichtungen nicht mehr nach, und andere haben davon ihren Schaden und müssen auf die Einlösung ihrer Forderungen ganz oder teilweise verzichten. Und wenn es nicht ganz so schlimm kommt, können sie sich noch aus einem Teil der Konkursmasse bedienen. Aber was ist denn eigentlich die Konkursmasse des Staates, wenn er bankrott macht? Und wird der Laden danach wirklich dicht gemacht, wie beim Konkurs eine Privatunternehmens? Irgendwie scheint es doch Unterschiede zu geben zwischen dem Bankrott eines Privatunternehmens und einem Staatsbankrott. Aber worin liegen sie, und worin sind sie begründet? Und was zum Teufel hat die Staaten immer wieder in den Bankrott getrieben, und wird sie vielleicht auch künftig dahin treiben?

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/bankrott.html
Chefsache
Staatsbankrott




Gerade haben die Staaten die Banken vor dem Bankrott gerettet, da geht das Wort vom Staatsbankrott um. Island, naja, winzig, Pakistan klingt schon bedrohlicher, Ungarn sehr nah, und Russland gilt als echte Gefahr. Deutschland hat die größten und bittersten Erfahrungen damit, wie es ist, wenn die Staatsschulden die Fähigkeit übersteigen, diese noch zu tilgen oder die Zinsen zu bezahlen. 1923 war das Reich wegen Kriegsschulden und Reparationen bankrott und radierte mit seinen Schulden auch die gesamte Ersparnis seiner Bürger mittels einer Hyperinflation aus. Ende der Dreißigerjahre waren die Nazis in Berlin wieder zahlungsunfähig und begannen einen Krieg, der dies verschleiern half und Deutschland vorübergehend auf Kosten seiner überfallenen Nachbarn sanierte. Die Währungsreform 1948 war nicht nur der Beginn einer neuen Ära – sondern auch das Eingeständnis des Bankrotts und die Beseitigung der Altschulden mit einer neuen, unbelasteten Währung. 1989 warf sich schließlich die DDR dem reichen und bekämpften Westen an den Hals – in den letzten Beratungen des Staatsrats ist ganz offen die Rede vom bevorstehenden Staatsbankrott.

1998 erklärte Russland Staatsanleihen im Wert von 13,5 Milliarden Dollar für wertlos, 2002 mussten die Schuldner Argentiniens 75 Prozent ihres Geldes, das sie dem Staat geliehen hatten, in den Kamin schreiben. Heute zählt der Internationale Währungsfonds ein halbes Dutzend vom Bankrott bedrohte Staaten auf. Die meisten sind in Osteuropa, also direkt vor unserer Haustür, uns eng verbunden.

Ein Staatsbankrott hat unterschiedliche Ursachen. Die Wurzel für die heutige Krise liegt nicht bei ein paar gierigen Bankern, sondern im Doppeldefizit der USA. 2,6 Billionen Dollar Konsumentenschulden und ein Leistungsbilanzdefizit von über 700 Milliarden Dollar wurden durch den Verkauf von allerlei im Kern gar nicht raffinierten Schuldverschreibungen finanziert; auf der Käuferseite stehen die eigenen Banken und die der restlichen Welt. Jetzt können diese privaten Schulden nicht mehr bedient werden – und die Gläubiger-Banken kollabieren und reißen andere mit. Die chinesischen Sparer haben auf diese Weise umgerechnet rund 600 Milliarden Dollar verloren.

Andere haben es weniger geschickt angestellt. Pakistan kann seine Energie- und Nahrungsmittelimporte nicht mehr bezahlen, Island die aufgeblähten Schulden seiner bankrotten Banken nicht begleichen. Russland hat eine Wirtschaftspolitik betrieben, die der frühere Wirtschaftsberater Wladimir Putins, Andrej Illarionow, als „Venezualisierung“ des Landes gegeißelt hat: Alle leben vom Öl. Der Konsum des Staates, seiner Reichen wie der Armen basiert nicht auf wirtschaftlicher Leistung – sondern auf der Ausbeutung der Rohstoffe. So kommt es, dass allein schon der Rückgang der Erdöl- und Erdgaspreise auf ein moderates Niveau ausreicht, um eine gigantische Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben aufzureißen. Weltweit gilt: Alte Schulden können mit neuen getilgt werden, wenn die Wirtschaft und damit die Fähigkeit zur Schuldentilgung wächst. Die Illusion vom globalen Dauerwachstum aber ist geplatzt.

Und Deutschland? Die Staatsverschuldung von 1,5 Billionen Euro klingt im internationalen Vergleich nicht bedrohlich. Allerdings hat Deutschland viele künftige Verpflichtungen versteckt: Die Ausgaben für pensionierte Beamte werden sich von derzeit 25 Milliarden auf aber-witzige 140 Milliarden Euro im Jahr 2050 erhöhen. Weniger Junge sollen die Renten einer schnell wachsenden Zahl Älterer finanzieren. Die Zahl der Beschäftigten schrumpft, die versprochenen Sozialausgaben steigen, als ob nichts gewesen wäre.

Die Welt wollte auf Pump leben. Jetzt wird das Konsumniveau der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wieder angepasst. Das ist schmerzhaft.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.605 von Oakatzl am 04.01.09 19:57:25
online Ausgabe Sonntag, den 4 Januar 2009


Börsen-Zeitung: Rückkehr zur Normalität, Kommentar zum Devisenmarkt von Martin Hampel



Frankfurt (ots) - Die Aktien fallen, der Euro steigt. Manch ein Investor am Devisenmarkt dürfte sich am Donnerstag verwundert die Augen gerieben haben. Denn die Korrelation der Börse mit dem Kurs des Euro gegen den Dollar war urplötzlich außer Kraft gesetzt. Offenbar wird am Markt wieder stärker differenziert, wenn Konjunkturdaten veröffentlicht werden. Noch vor Wochen wären schwache US-Arbeitsmarktzahlen als Zeichen einer weltweiten Rezession gedeutet worden, die die Anleger zur Flucht aus Aktien und in US-Treasuries veranlasst hätte. Daraufhin wären die Aktienindizes gefallen und der Dollar gegen Euro gestiegen.

Nun hat sich das Bild gewandelt. Enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten werden als das gesehen, was sie sind: Indikatoren für den schwachen Zustand der US-Konjunktur; die Daten werden spezifisch für den Währungsraum gedeutet. So lässt sich die Erholung des Euro auch als Indiz für eine Rückkehr zur Normalität interpretieren: Es wird wieder genauer hingeschaut.

Der Euro-Anstieg hat freilich noch weitere Ursachen. Zum einen war die Dollar-Rally von 1,60 auf 1,23 Dollar pro Euro im Oktober übertrieben. Jetzt wurde sie zunächst auf 1,33 Dollar korrigiert. Der Euro war klar überverkauft, auch mit Blick auf den Chart und die Übertreibung des Marktes normalisiert sich die Lage also. Von einer echten Gegenbewegung kann mit Blick auf den Kursverlauf noch keine Rede sein, immerhin hat der Dollar gegen den Euro seit Mitte Juli stattliche 20% zugelegt. Doch der Bruch von technischen Marken hat Trendfolger auf den Plan gerufen, die auf den Euro setzen und den Anstieg noch beschleunigen. Sie könnten noch weiter profitieren. Denn derzeit haben noch deutlich mehr spekulative Investoren auf einen steigenden Dollar gesetzt als auf einen steigenden Euro. Sie stellen nun angesichts des nahenden Jahresultimos und des fallenden Dollar ihre Positionen glatt. Die Jahresendrally ist also auch einem Short Squeeze geschuldet. Ein Anstieg auf 1,35 Dollar oder darüber hinaus ist alles andere als unwahrscheinlich.

Dass der Euro über den Jahreswechsel hinaus haussiert, ist nicht anzunehmen. Dann dürften schwache Konjunktur- und Unternehmenszahlen den Euro wieder belasten, während US-Präsident Obama mit seinem Konjunkturprogramm das Sentiment wieder zugunsten des Dollar dreht.

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Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.648 von Marchella am 04.01.09 20:06:21Die Inflation hatte die Forderungen derjenigen, die dem Staat freiwillig oder per Zwangsanleihe Geld geliehen hatten, aufgefressen. Die Leidtragenden waren die Inhalber von Sparguthaben, von Lebensversicherungen und anderen Geldvermögen, deren Kaufkraft praktisch auf Null zusammengeschrumpft waren; und die Gewinner waren die Schuldner und die Eigentümer von Realvermögen (Boden, Mietshäuser, Fabriken oder andere Wertgegenstände), die all dies unbeschadet über die Inflation hinüberretten konnten.

Die Gewinner einer Inflation werden diesmal sehr warhscheinlich auch Verluste erleiden müssen. Da nach einer Geldentwertung/Währungsreform der Staat praktisch keinen Zugang mehr zum Kapitalmarkt hat, die Wirtschatsleistung bzw. Steuereinahmen drastisch reduziert sind, muß er sich irgendwie finanzieren. Das wird zu einer verstärkten Besteuerung von Realvermögen führen (bspw. Lastenausgleichsabgabe, Vermögensteuer, Zwangsanleihe u.ä.). Immobilen und Aktien sind beim Katasteramt bzw. bei den Banken für den Staat dann einsichtbar. Ungeschoren dürften lediglich Vermögensgegenstände davon kommen, die nicht in die o.g. Rubriken fallen. Kunsgegenstände, Gold, Silber etc. die vom Finanzsamt schwer zu erfassen sind. Bei Gold könnte es ein gesetzliches Ablieferungsgebot an den Staat geben, bei Silber ist das aufgrund der verbreiteten industriellen Anwendung schlecht umsetzbar.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.708 von Bre-X am 04.01.09 20:20:20Also was kann man tun?

Eigenheim ist klar
physisches Gold besitzen ist auch klar
paar Konserven im Keller schaden auch nicht

Aber was mit dem Rest des Geldes tun ?

Welche Aktien/Währungen würden solch eine Situation ohne Konkurs überstehen ?

Telekommunikation, weil Schulden durch Geldentwertung "weniger" werden, die bestehende Infrastruktur auch NACH einer solchen ökonomischen Katastrophe den Erhalt eines solchen Unternehmens sichern ?

Energieversorger ?

Rohstoff-/Minenaktien ?

In Schweizer Franken anlegen ? Macht das Sinn ?
Man muß sich einfach eine Art "Zeitplan" erstellen mit dem nach eigener Meinung wahrscheinlichsten Szenario, welches man dann immer gedanklich aktualisiert, ja nach dem, wie sich die Dinge entwickeln. Ohne so einen Plan stochert man nur im Nebel und gerät in die Gefahr, irgendwann die eigene Vorsicht über den Haufen zu werfen. Mit so einem Plan läßt sich dann auch sehr schnell entscheiden, wann man was wohin verschiebt, um nichts zu verlieren oder gar davon zu profitieren.

Ich gehe davon aus, daß Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen dafür prädestiniert sind, zuallererst in eine tiefe Deflation zu stürzen. Daraus ergeben sich schon mal einige wichtige Grundüberlegungen, z.B. daß zu Hause gehortetes Bargeld in dieser Phase die sicherste Vermögensaufbewahrungsmethode sein dürfte, da definitiv mit Bankenzusammenbrüchen zu rechnen ist. Ich denke da vor allem an die Deutsche Bank, da die vollständig mit der gesamten deutschen Wirtschaft verflochten ist. Aber bei den anderen Banken sieht`s vermutlich ähnlich aus. In einer Deflation fallen vor allen Dingen die Preise für alle Sachwerte, da die Nachfrage völlig zusammenbricht. Insbesondere Immobilien, die man nicht selbst bewohnt, wären zur Vermögenssicherung ungeeignet. Und das Geld in Industrieaktien zu parken ist auch nicht ratsam, da bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft mindestens 50% der Unternehmen pleite gehen werden (und zufällig genau deren Aktien hat man im Depot).

Also erst einmal Bargeld horten und den Tiefpunkt der Deflation abwarten. An diesem Tiefpunkt dürften die Preise für sämtliche Sachwerte am niedrigsten sein, insbesondere Immobilien wird es zu Schnäppchenpreisen geben, außerdem überflüssige Luxusartikel wie z.B. klassische Automobile, u.a.

Am Ende der Deflation wird die EZB aufgrund massiven politischen Drucks dazu gezwungen sein, die Währung abzuwerten, um wieder Geld in den Umlauf zu bringen, die Geldumlaufgeschwindigkeit zu erhöhen und vor allen Dingen die Altschulden zu entwerten. Damit schlägt die Deflation in eine Inflation um, da durch die vielen Firmenzusammenbrüche nur noch wenige Unternehmen Sachgüter produzieren, auf die sich alle stürzen werden, die Angst vor der Vermögensentwertung haben. Folglich werden die Preise rasant ansteigen.

Ab dem Zeitpunkt der Geldmengenerhöhung durch die EZB dürfte es auch keine Bankenzusammenbrüche mehr geben, so daß man theoretisch wieder sein Geld zur Bank tragen könnte. Wer allerdings schlau ist und sein Geld sicher durch die Deflationsphase hat bringen können, hat natürlich an ihrem Ende die Möglichkeit, alles in Sachwerte umzuschichten, um zum einen von den Schnäppchenpreisen und zum anderen von der aufkommenden Inflationspanik zu profitieren, also doppelten Reibach zu machen.

Wenn die Inflation ihren Höhepunkt erreicht, bietet es sich dann an, in Firmenanleihen zu investieren, da mit fallendem Zinsniveau die Bondkurse steigen. Aber das wäre erst frühestens in 6 Jahren der Fall. Es lohnt sich daher nicht, jetzt schon darüber im Detail nachzudenken.

Jetzt stellt sich noch die Frage, ob man in Gold investieren sollte. Während der Deflationsphase in Deutschland werden ja die Preise für Sachwerte fallen. Allerdings ist Gold das Kriseninvestment schlechthin, und aufgrund der Marktenge wird der Preis und damit auch die Nachfrage nach Gold eher steigen als fallen. Darüberhinaus schwebt mir persönlich das Szenario einer Hyperinflation in den USA vor, die wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt stattfinden wird, in der in Deutschland die Deflation kurz vor ihrem Höhepunkt steht. Damit wäre die Goldnachfrage global und unabhängig von der deutschen Deflation. Daher würde es sich also anbieten, neben dem oben erwähnten Bargeld bis zum Ende der Deflation auch physisches Gold zu besitzen, daß man dann am Höhepunkt der US-Hyperinflation zu Höchstpreisen abstößt, und den Erlös dann in nationale Sachwerte umschichtet.

Wer einen Hebeleffekt ausnutzen will, kann sich zusätzlich noch ein paar ausgewählte Goldminenaktien ins Depot legen, die natürlich auch zum richtigen Zeitpunkt abgestoßen werden müssen.

Das wäre grob zusammengefaßt das, was mir so im Kopf herumgeistert. Vielleicht hilft das dem einem oder anderen bei seinen Überlegungen weiter. Wichtig ist eigentlich nur, vorauszuahnen, was passieren wird, um sich frühzeitig zu positionieren und die Gewinne zu realisieren, wenn die Massenpanik am größten ist.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.756 von Marchella am 04.01.09 20:32:36Eigenheim ist klar
physisches Gold besitzen ist auch klar
paar Konserven im Keller schaden auch nicht


Für den Anfang schon garnicht schlecht. Wenn wir szenarisch unterstellen, daß Anleihen, Sparguthaben, Lebensversicherungen etc. ganz oder zumindest teilweise wertlos werden und absehbar ist daß dieses Ereignis eintritt, wird jeder versuchen sich entsprechend zu verhalten, d.h. Anleihen verkaufen und in Realwerte umschichten (Immobilien, Aktien, Edelmetalle etc.). Diese Preise werden dann stark ansteigen. Selbst bei einer unterstellten höheren Besteuerung, dürfte das Nettoergebenis danach immer noch positiv ausfallen. Die Kunst wird darin liegen, immer rechtzeitig von einer Wertanlage in die andere umzuschichten, je nach wirtschaftlicher, politischer sozialer Situation. Bargeld erfüllt diese Eigenschaft im Augenblick noch am besten.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.786 von Bre-X am 04.01.09 20:43:12#24 von Marchella ;)
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.818 von Bre-X am 04.01.09 20:51:06Nein soweit hat es damals nicht gereicht!

Das Alter,Lebenserfahrung gemixt mit viel lesen und mit offenen Augen durch die Welt gehen hat für diese Erkenntnise
gereicht!;)
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.782 von Marchella am 04.01.09 20:41:00@Marchella!
Sehr gut!!!
Nur die Wahlen retten dieses Jahr Deutschland...:D
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.686 von Marchella am 04.01.09 20:15:30online Ausgabe Sonntag, den 4 Januar 2009

glaubst du immer noch alles was dir vorgeflunkert wird :cry:

ich sag nur : der Aufschwung ist bei allen angekommen :keks:
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.897 von Oakatzl am 04.01.09 21:08:15glaubst du immer noch alles was dir vorgeflunkert wird

Ich glaube nur das was ich sehen anfassen oder auf meinem Konto liegt!;)

Aber Danke für den :keks: ;)
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.675 von Marchella am 04.01.09 20:11:17Heute zählt der Internationale Währungsfonds ein halbes Dutzend vom Bankrott bedrohte Staaten auf. Die meisten sind in Osteuropa

http://www.gkb.ch/internet/medien.nsf/img/Spezialreporte/
$FILE/Spezialreport_19_2008.pdf

genannt sind 4. kennst du oder jemand andere zwei?
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.986 von gurine am 04.01.09 21:34:08Lettland, Litauen, Estland,

Die erwähnten CDS-Spreads (Ausfallversicherungen für Anleihen) sind seit ca. 1/2 Jahr bei allen Ländern (darunter auch sogenantne sichere wie Deutschland, USA, Schweiz, Norwegen) drastisch angestiegen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.451 von Marchella am 04.01.09 19:25:33Ich darf garnicht daran denken was unsren Kindern hier angetan wird!

Auch die Kinder werden im Laufe des Lebens ihre blühenden Landschaften haben.Die eine Generation erlebt den Horror in der Kindheit die andere im Alter.Jede Generation trifft es einmal,wenn Sie Pech hat auch zweimal.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.982 von Marchella am 04.01.09 21:31:48Aber Danke für den :keks:

der Keks war für die Kanzlerin :keks:
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.482 von Marchella am 04.01.09 19:31:28zurück in die zukunft ???

-> und auf einmal steht zur stunde NULL der Zähler auf NULL !!!

(naja fast ... vielleicht steht er auch 40 ???)

mfg
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.302.047 von AHEO am 04.01.09 21:56:00Also wenn der Staatsbankrott bzw die Entschuldung des Staates durch Inflation und Währungsreform ein alsbald wahrscheinliches Szenario darstellt, brauchen sich unsere Kinder nicht sorgen, dass sie für die Exzesse ihrer Eltern aufkommen müssten. Von der Umwelt mal abgesehen...
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.543 von Bre-X am 04.01.09 19:45:44Die Kurse der US-Bonds beginnen zu fallen:


U.S. 30-Year Bonds Drop Amid Concern Debt Sales to Reach Record

By Dakin Campbell and Daniel Kruger

Jan. 5 (Bloomberg) --Treasury 30-year bonds fell the most in seven weeks amid concern government efforts to spur the economy will lead to a record amount of debt sales as the U.S. prepares to auction $54 billion of notes this week.

The yield on the so-called long bond exceeded 3 percent for the first time since Dec. 15, after plunging as low as 2.51 percent last month. Wall Street’s biggest bond firms say Treasuries will fall for the first time in a decade in 2009 as the flight to safety that generated the biggest returns since 1995 fades. Investors managing almost $1.2 trillion in bonds are the most negative toward U.S. debt on record.

“The long end of the curve is under a lot of pressure,” said Richard Bryant, a trader of 30-year bonds at Citigroup Global Markets Inc., one of the 17 primary government security traders that deal with the Federal Reserve. “Obviously, this move has caught a lot of people by surprise.”

The 30-year bond’s yield surged 21 basis points, or 0.21 percentage point, the most since Nov. 21, to 3.01 percent at 3:49 p.m. in New York, according to BGCantor Market Data. It touched 3.04 percent. The price of the 4.5 percent security due in May 2038 tumbled 5, or $50 per $1,000 face amount, to 128 26/32.

The yield on the 10-year note climbed 13 basis points to 2.47 percent. Five-year note yields rose four basis points to 1.69 percent.

Yields on 10-year notes were near their highest in three weeks relative to two-year notes as investors sold longer-term securities amid supply concerns. The spread between two- and 10- year note yields was 1.69 percentage points today, the widest since Dec. 15. It touched 1.25 percentage points, a six-month low, on Dec. 26.

Note Sales

The trend toward higher yields started in earnest on Dec. 31, said Martin Mitchell, head of government bond trading at the Baltimore unit of Stifel Nicolaus & Co. Ten-year note yields have gained 42 basis points since the start of trading that day.

The last time the 10-year note suffered a similar selloff, yields rose 43 basis points in the three-day trading period from Sept. 18 through Sept. 22. That followed the government’s decision to bail out insurer American International Group Inc.

Still, the run-up in 10-year yields probably makes them a “better buy” than before the yield gain, said Tom di Galoma, head of U.S. Treasury trading at Jefferies & Co., a brokerage for institutional investors in New York.

‘Worried About Supply’

The Treasury is scheduled to sell $8 billion of 10-year Treasury Inflation Protected Securities tomorrow and a record $30 billion of three-year notes on Jan. 7, $2 billion more than at the last sale of the security on Dec. 10. It will sell $16 billion of 10-year conventional notes on Jan. 8. That’s the same amount sold at the last auction, on Dec. 11, although it’s $4 billion more than forecast by Wrightson ICAP LLC, a research unit of the world’s largest inter-dealer broker in Jersey City, New Jersey.

“The Treasury market is worried about supply, especially the first week of the year,” di Galoma said.

Benchmark 10-year note yields will rise to 3 percent by the end of the year, while two-year note yields will increase to 1.20 percent, according to a Bloomberg News survey of the 17 primary government security dealers that trade with the Fed.

If the forecast is accurate, 10-year notes may lose 3.5 percent this year, the first loss since declining 8.3 percent in 1999. After last year’s rally, yields are so low that coupon payments can’t make up for any drop in bond prices, they said.

‘Pendulum Swings’

“We could start to see stability sooner than the market would otherwise expect,” said William O’Donnell, a U.S. government bond strategist at UBS Securities LLC in Stamford, Connecticut, in a Dec. 23 interview. UBS Securities is a primary dealer and a unit of Switzerland’s biggest bank. “As the pendulum swings from risk aversion to risk seeking, that will reduce Treasury demand.”

Treasuries returned 14 percent in 2008, according to Merrill Lynch & Co.’s U.S. Treasury Master Index.

Fund managers surveyed by Ried, Thunberg & Co. were the most pessimistic on record about Treasuries, based on a survey of expectations for the end of June. The sentiment index dropped to 35 for the seven days ended Jan. 2 from 36 the week before. The economic analysis firm in Jersey City, New Jersey, surveyed 22 fund managers controlling $1.18 trillion. A reading below 50 means investors expect prices to fall.

Treasuries earlier pared losses after the Federal Reserve Bank of New York began buying mortgage-backed securities as part of a $500 billion program to support the U.S. housing market.

Mortgage bonds issued by Fannie Mae outperformed Treasuries today after the Fed said it would buy the securities backed by home loans. The difference in yield between Fannie’s 30-year current coupon mortgage bonds and 10-year Treasuries fell to 1.58 percentage points, the smallest gap since Dec. 12.

‘A Little Cheaper’

“We’ve heard about the bubble in Treasuries and obviously we saw a lot of flight-to-quality bid in Treasuries,” said Thomas Roth, head of U.S. government bond trading in New York at Dresdner Kleinwort, another primary dealer. “Guys are probably looking to put some money to work in assets that look a little cheaper.”

Democrats are scheduled to start drafting the biggest economic-recovery package in U.S. history this week, which may grow to $1 trillion, as the spending plan gains support from central-bank officials.

San Francisco Fed President Janet Yellen said yesterday at an economics conference in San Francisco that “it’s worth pulling out all the stops” with an economic recovery package. Charles Evans, president of the Chicago Fed, told the same gathering he believes a “big stimulus is appropriate.”

The Treasury Department estimated it will auction as much as $2 trillion of debt this fiscal year, which began Oct. 1. U.S. marketable debt climbed to $5.82 trillion in November, the most ever, from $4.54 trillion a year earlier.

To contact the reporters on this story: Dakin Campbell in New York at dcampbell27@bloomberg.net; Daniel Kruger in New York at dkruger1@bloomberg.net.

Last Updated: January 5, 2009 15:56 EST
Spanien droht zu straucheln
Von Daniel Eckert 14. Januar 2009, 01:52 Uhr Welt Online

Staatsanleihen schwacher EU-Staaten verlieren stark gegenüber Bundesanleihen - Höchste Zinsaufschläge seit Gründung der Währungsunion

Berlin - Nicht genug der Hiobsbotschaften über Börsencrashs, Arbeitsplatzverluste und schwindende Firmengewinne. Jetzt beginnt es auch noch im Gebälk der Europäischen Währungsunion bedenklich zu knirschen. Auslöser sind Meldungen, wonach die Ratingagentur Standard & Poor's erwägt, die Bonitätseinstufung für einige Euro-Staaten, darunter das frühere EU-Musterland Spanien, herabzusetzen. Sollte es dazu kommen, wäre das mehr als ein Prestigeverlust für die Euro-Zone.

Eine Herabstufung würde die Finanzierung für die betroffenen Länder verteuern - und damit ökonomisch und politisch Rückwirkungen auf den Rest der Gemeinschaft haben. In Zeiten der Finanzkrise, in der die Regierungen der globalen Rezession mit groß angelegten kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen entgegenwirken, drohen ernste Folgen für die öffentlichen Haushalte. "Je nachdem, wie stark die möglichen Herabstufungen ausfallen, kann das gefährlich für die Währungsunion werden", sagt Erwin Grandinger, Politikanalyst und Partner bei der EPM Group Berlin.

Die Devisenmärkte haben bereits reagiert. Der Euro verlor am Dienstag auch aufgrund der Ratingspekulationen ein Prozent an Wert und notierte am späten Nachmittag bei rund 1,32 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit einem Monat.

Nach eigenen Angaben wird die Ratingagentur Standard & Poor's vermutlich noch diesen Monat entscheiden, ob sie die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes Spanien wegen der "beträchtlichen Probleme" im Immobilien- und Finanzsektor schlechter benotet. Bisher genießt das ehedem vor Dynamik strotzende Mittelmeerland die höchstmögliche Note AAA (gesprochen Dreifach-A oder englisch Triple-A). Vergangene Woche hatte Standard & Poor's bereits gewarnt, dass die Ratings von Griechenland und Irland heruntergesetzt werden könnten. Auch die Bonitätseinstufungen von Portugal und Italien gelten unter Experten als gefährdet.

"Ein niedrigeres Rating würde die Kreditaufnahme für diese Länder verteuern, signalisiert die verminderte Einschätzung doch dem Kapitalmarkt, dass die Gefahr eines Zahlungsausfalls rechnerisch zugenommen hat", erklärt Birgit Figge, Rentenexpertin bei der DZ Bank. Für dieses höhere Ausfallrisiko verlangen Investoren einen Zinsaufschlag, auch Spread genannt.

Dieser Risikoaufschlag gibt an, wie viel Zins ein Emittent mehr bieten muss, um Bond-Halter für die höhere Ausfallwahrscheinlichkeit zu entschädigen. In Europa dienen die Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland als Messlatte (fachsprachlich Benchmark), da sie das mit Abstand größte Marktvolumen aufweisen.

Aktuell liegt der Risikoaufschlag zehnjähriger spanischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit bei rund 100 Basispunkten, also einem Prozentpunkt. Nimmt das Königreich Spanien am Kapitalmarkt zehn Mrd. Euro an Kredit auf, muss es im Jahr also einen Prozentpunkt mehr für Zinsen aufwenden als Deutschland, nämlich 100 Mio. Euro. Über die gesamte Laufzeit betragen die Mehraufwendungen eine Mrd. Euro.

Damit driften die Länder der Euro-Zone finanziell wieder auseinander. "Seit Mitte der Neunzigerjahre waren die Zinsspreads Italiens, Spaniens und anderer Staaten als Vorgriff auf die Mitgliedschaft in der Währungsunion stark kontrahiert", sagt Grandinger, "nun könnte der Markt abrupt das Gegenteil einpreisen." Tatsächlich befinden sich Renditeunterschiede zwischen Bundesanleihen und den Bonds vieler anderer Staaten inzwischen auf Rekordniveau. Noch nie seit der Euro-Einführung 1999 mussten die Regierungen Portugals, Frankreichs, Belgiens, Griechenlands, Spaniens und Hollands Anlegern so viel Mehrzins bieten wie derzeit.

Händler erklären dies mit der Flucht der Akteure in die Sicherheit. "Die Investoren schichten ihr Geld in jene Papiere um, die am sichersten und am liquidesten erscheinen, und das sind in Europa eindeutig die der Bundesrepublik", sagt Figge. Verblüffend sei jedoch das Tempo, mit dem sich das Feld differenziere. Zehnjährige griechische Staatstitel müssen derzeit 2,41 Prozentpunkte (241 Basispunkte) mehr abwerfen als zehnjährige Bundesanleihen. Noch vor einem Jahr lag die Risikoprämie bei gerade einmal 36 Basispunkten. Im Falle Irlands hat sich der Spread auf 162 Basispunkte fast verneunfacht.

Bemerkenswert ist für Beobachter auch, dass für französische Staatsanleihen inzwischen eine Risikoprämie von 52 Basispunkten gezahlt werden muss. Schließlich ist Frankreich nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents und steht längst nicht in jeder Hinsicht schlechter da als der östliche Nachbar. So sehen Marktkenner die gesamte Entwicklung denn nicht unbedingt als Beweis deutscher Finanzkraft, sondern eher als Versinnbildlichung des Spruchs: "Unter den Blinden ist der Einäugige König." Manche Analytiker reden bereits von einer Staatsanleihen-Bubble, also einer eklatanten Überbewertung von Regierungstiteln, die angesichts des internationalen Verschuldungswettlaufs im Krach enden muss.
gefunden in einem Blog 26.12.08:


Dass man in Italien immer gerne mehr Geld ausgibt, als man einnimmt, das ist nichts Neues. Dass die Lage der Finanzen viel angespannter ist als in Deutschland, überrascht auch keinen. Dass aber jetzt der italienische Arbeits - und Finanzminister das Wort "Bankrott" in den Mund nehmen, lässt die Europäer aufhorchen. Zurecht. Einer muss ja den Anfang machen...

Die Aussagen von Italiens Arbeitsminister Maurizio Sacconi dürften die Alarmglocken im Turm der EZB noch etwas stärker zum Läuten bringen, als sie ohnehin schon tönen, nachdem italienische Staatsanleihen 2008 dem Anleger nur Ärger bzw. Verluste eingebracht haben.
Dabei hatte Ministerpräsident Berlusconi unlängst noch tief in die Kiste des Zweckoptimismus gegriffen, als er über die Lage der Nation redete. Jetzt aber fallen ihm Arbeits - und Finanzminister in den Rücken. Arbeitsminister Sacconi sagte, dass Italien in den Bankrott schlittern und dasselbe Schicksal wie Argentinien erleiden könnte. Die Rezession haben die Italiener schon. Nun auch noch einen Staatsbankrott? Ein harter Test für den Euro... Sacconi hält diese These für nicht wahrscheinlich, aber ausschließen kann er ihn aber nicht, berichtet der Standard.

Die Schläge für Investoren, die italienische Staatsanleihen besaßen, wurden im Verlauf des Jahres 2008 immer stärker. Die Aufschläge im Vergleich zu den deutschen Staatspapieren weiteten sich immer heftiger aus. Nun stellt sich heraus, dass neue itanienische Anleihen zum Teil nicht mehr verkäuflich sind, berichtet eine italienische Finanzzeitung:

Ben due aste Btp per specialisti su tre ieri sono andate deserte, mentre la terza ha visto una richiesta di solo poco più di un terzo dell'ammontare offerto. Un buco nell'acqua insomma per il Tesoro, che non è riuscito a collocare la 6° e 7° tranche da 150 milioni di euro di ...

Übersetzung

Gestern sind gleich zwei von drei Btp-Versteigerungen (Btp=Buoni del tesoro poliennali = Staatsschatzscheine mit mehrjähriger Laufzeit leer ausgegangen und die dritte Versteigerung sah nur eine Nachfrage von etwa 1/3 des Angebots. Für das Schatzministerium also ein Schlag ins Wasser, da die 6. und 7. Tranche zu je 150 Mio. Euro nicht placiert wurden ..."


2009 wird es eng - sehr eng

220 Milliarden Euro muss Italien im kommenden Jahr refinanzieren. Andere Zahlen (Bloomberg) gehen von 310 Mrd. Euro für 2009 und 164 Mrd EUR für 2010 aus. Zurückzahlen ist ohnehin nicht möglich, ähnlich wie in einem Schneeballsystem. Also braucht man Investoren, die sich das Risiko antun wollen. Dabei steht Italien gleichzeitig auch im Wettbewerb mit "besseren" Schuldnern (Staaten), die von Ratingagenturen weit besser bewertet werden, als der Stiefelstaat (A). Deshalb ist der Aufschlag für italienische Staatsanleihen gegenüber den Bunds (AAA) auf 133 Basispunkte gestiegen. (Griechenland +225 Bps gg. Bunds) Deutschland hat auf dem internationalen Schuldenmarkt die noch günstigeren Karten: Besseres Rating (AAA) und geringere Verschuldung (63% des BIP). Damit lassen sich die für 2009 benötigten 323 Mrd. Euro !!! noch einfacher hereinholen, als es die italienischen Freunde können.

Wirtschaftsminister Giulio Tremonti wies darauf hin, dass Italien das Land mit der drittgrößten Staatsverschuldung der Welt sei und dass die Gefahren für Italiens Staatsfinanzen weniger vom Haushalt als vom Finanzmarkt ausgingen. Weniger Sorgen bereite ihm die private Verschuldung, die hier unter dem EU-Schnitt liege.

"Sollte eine Emission kurzfristiger Staatsanleihen fehlschlagen, würde dies für den Staat ein Desaster bedeuten", heißt es im italienischen Wirtschaftsministerium. Italiens Schulden machen derzeit 104% des BIP aus, die drittgrößte Verschuldung der Welt, wie der Finanzminister betonte.

Italien hatte vor der Euro-Einführung den Vorteil, dass die Lira immer weiter abgewertet werden konnte. Diesen Vorteil hat das Land mit dem Euro verloren. Im Gegenteil - die Währung ist stärker geworden, während der Wettbewerbsvorteil verlorenging.

Wird Italien aus dem Euroverbund aussteigen? Einer muss ja anfangen. Aber dass es Italien sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Das Land hätte zwar die Größe für eine eigene Währung, doch hätten die Italiener ihre Lira wieder, wäre auch der Tag der Abrechnung für die aufgelaufenen Schulden in Billionenhöhe gekommen. Das ist schlicht unmöglich. Binnen weniger Tage käme wohl der Staatsbankrott. Italien kann sich den Ausstieg aus dem Euro überhaupt nicht leisten.

Doch ein paar Fragen sind offen: Wer besitzt diese Anleihen? Wo stecken Sie? In Altersvorsorgeprodukten? Weil Anleihen ja so sichere Häfen sind? Vermutlich.

Nachtrag

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat entschieden dementiert, dass Italien wegen der dramatischen Mischung aus Rezession und gewaltiger Verschuldung mit einem Staatsbankrott enden wird. "Wir werden nicht wie Argentinien enden", versicherte Tremonti und appellierte an die Italiener, Staatsanleihen zu kaufen, die derzeit "sicherste und solideste Anleihe überhaupt" seien.
Frankfurter Rundschau-online 16. Januar 2009
Von Christoph Albrecht-Heider


Kalifornien - Pleite im Sonnenstaat

Arnold Schwarzenegger tritt auf die Bremse: Der Gouverneur Kaliforniens will Hilfe aus Washington, denn die Schulden steigen rapide. Gibt es kein frisches Geld, ist im Februar der letzte Dollar ausgegeben.

Was der Autokonzern General Motors mit seinen Beschäftigten, macht Arnold Schwarzenegger mit den kalifornischen Landesbediensteten: Er schickt sie in den Zwangsurlaub. Ab Februar, so hat es der republikanische Gouverneur verfügt, muss jeder der 238 000 Angestellten zwei Tage pro Monat frei machen. Ohne Lohnausgleich. Die Regelung soll bis Sommer 2010 gelten.

Die Schulden Kaliforniens wachsen derzeit pro Sekunde um 470 Dollar oder 40 Millionen am Tag. Wenn wir nichts tun, sagt der 61 Jahre alte Schwarzenegger, haben wir im Februar kein Bargeld mehr. In der Beschreibung der finanziellen Verhältnisse fällt immer häufiger das Wort "Bankrott".

Schlechte Zahlungsmoral

Der Sonnenstaat finanziell am Ende? Wie Island? Die Heimat von Hollywood, des Hightech-Mekkas Silicon Valley, des Weinparadieses Napa Valley zahlungsunfähig? Der Vergleich mit Island hinkt in einem Punkt gewaltig: Kalifornien ist für sich gerechnet die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Seine 36 Millionen Einwohner erwirtschaften 13 Prozent des gesamten Bruttosozialprodukts der Vereinigten Staaten.

Die Immobilien- und Finanzkrise hat die Region am Pazifik besonders hart getroffen. Die beiden wichtigsten Einnahmequellen des US-Bundesstaats sind die Einkommens- und die Grundsteuer. Doch die Kapitalerträge der Reichen rauschen in den Keller, mithin auch die Abgaben darauf. Die Hauspreise fallen, aus denen sich die Grundsteuer errechnet.

Experten kalkulieren, dass das Haushaltsloch 2010 bei 40 Milliarden Dollar liegen wird. Im Frühherbst hatten sie mit "nur" 15 Milliarden gerechnet. Erschwerend kommt hinzu, dass Kalifornien mittlerweile als einer der schlechtesten Schuldner unter den 50 US-Bundesstaaten eingestuft wird, was die Geldbeschaffung verteuert.

Die Demokraten, die die Mehrheit in Parlament und Senat des bevölkerungsreichsten Bundesstaat stellen, lehnen Schwarzeneggers Beschluss ebenso entschieden ab wie die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes. Die unbezahlten freien Tage sind dabei nicht die einzige Grausamkeit des Gouverneurs. Er verlangt zudem, dass alle staatlichen Stellen zehn Prozent der Personalkosten einsparen müssen; Entlassungen wären damit wahrscheinlich.

Wie in Washington so klappt auch in Sacramento die Idee einer großen Koalition in der Not nicht. Schwarzenegger hat gegen die jüngsten Haushaltsvorschläge der Demokraten, die Steuererhöhungen auf der einen und Ausgabensenkungen auf der anderen Seite vorsehen, sein Veto eingelegt. Der Antrag der Demokraten hätte eine Reduzierung des Landesetats um 18 Milliarden Dollar bedeutet.

In der allergrößten Not könnte Kalifornien Washington anpumpen. Das hat seit Jahrzehnten kein Gouverneur mehr getan. Aber auch diese Möglichkeit schließt Schwarzenegger, der seit 2003 das Amt des Gouverneurs innehat, nicht mehr aus.
17.01.2009 Spiegel Online

Auszug:

Aussichten für die Bankenbranche verdüstern sich

Vor allem im Bankensektor verschärft sich die Krise. Nach SPIEGEL-Informationen drohen den Geldhäusern in Deutschland weitere Milliardenabschreibungen. Die Institute haben erst einen Bruchteil ihrer faulen Wertpapiere rund um amerikanische Hypothekendarlehen und Studentenkredite abgeschrieben. Das ergab eine Umfrage von Bundesbank und Bankenaufsichtsbehörde BaFin unter 20 großen Kreditinstituten, die für das Bundesfinanzministerium erstellt wurde. Befragt wurden alle Großbanken und Landesbanken.
Danach besitzen diese Institute "toxische Wertpapiere" im Volumen von knapp unter 300 Milliarden Euro, von denen erst rund ein Viertel abgeschrieben wurde. Der Rest steht noch immer zu mittlerweile illusorischen Werten in den Büchern. Das Finanzministerium selbst geht davon aus, dass der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führt.Angesichts des hohen Abschreibungsbedarfs hält es Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) für unverantwortlich, dass der Staat die Papiere in einer sogenannten Bad Bank übernimmt. "Das würde im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich die Bundesschuld mehr als verdoppelt", rechtfertigt ein Mitarbeiter Steinbrücks die Ablehnung gegenüber dem SPIEGEL. Derzeit hat der Bund Schulden von fast einer Billion Euro.

Bankenvertreter fordern schon seit längerem die Einrichtung einer Bad Bank, also einer Art staatlichen Mülldeponie für faule Kredite. Ohne die Maßnahme könne der Kreditfluss nicht wieder in Gang kommen, argumentieren sie.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.395.833 von Bre-X am 17.01.09 16:32:21Tatsache ist, daß Banken in jedem Quartal neue Abschreibungen in Milliardenhöhe tätigen. Das ist also nichts Neues, ja. Neu ist nur, daß es nicht aufhören will. Und solange es nicht aufhört, gibt es auch keine Hausse an den Märkten, sondern allenfalls seitwärts/abwärts. Z,B. steht der Bankenindex Stoxx 600 davor, ein neues Tief zu generieren, nachdem in der letzten Woche auch HSBC ein Verkaufssignal lieferte. Fazit: alle, die Bankaktien verkauften, hatten bislang recht, und alle, die meinten, so schlimm kann es doch nicht sein, hatten unrecht.

mfg
Marchella
Deutsche Bank beendet Eigenhandel :D

AP 17.01.2009


Hamburg – Der Vorstand der Deutschen Bank hat laut „Spiegel“ entschieden, nach hohen Verlusten von rund 1,5 Milliarden Euro ganz aus dem Eigenhandel mit Wertpapieren auszusteigen. „Die Risiken sind einfach nicht mehr vertretbar“, zitierte das Magazin einen mit der Situation vertrauten Manager. Noch in der zweiten Jahreshälfte 2008 hätten ein paar hundert Händler mit dem Kapital der Deutschen Bank einen zweistelligen Milliardenbetrag auf die künftige Entwicklung von Aktienkursen oder Kreditderivaten setzen dürfen. Dies werde in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Während die meisten Risiken im Eigenhandel mit Aktien bereits beseitigt seien, verzögere sich der Ausstieg bei Kreditderivaten, weil die Kontrakte teilweise erst in einigen Jahren abgewickelt werden könnten, schrieb der „Spiegel“.

Ein Sprecher der Deutschen Bank verwies auf AP-Anfrage auf eine Pressekonferenz von Vorstandschef Josef Ackermann am Mittwoch: Darin hatte Ackermann erklärt, der Eigenhandel mit festverzinslichen Papieren sei ganz eingestellt und der Eigenhandel mit Aktien um 80 Prozent heruntergefahren worden. (AP)
Banken kaputt, Messias kommt, Gold und Silber erst recht



Ausgerechnet am Freitag, als die USA eine nur noch minimale Inflationsrate von 0,1% meldeten, schossen die Edelmetallpreise mitsamt den zugehörigen Aktien in die Höhe. Wie reimt sich das zusammen? Die plausibelste Erklärung: aufgrund der Erwartungen der Marktteilnehmer, und zwar nicht nur im Hinblick auf die kommende Inflation, sondern auch bezüglich der Auswirkungen der Finanzkrise. Die abgelaufene Woche war nämlich geprägt von Horrorbotschaften aus Bankenkreisen in Europa wie auch in den USA, darüber hinaus von der nochmaligen Zinssenkung durch die EZB. Beide Ereignisse signalisieren: Das Bankensystem als solches ist kaputt, Abhilfe ist nicht in Sicht, und die Feuerwehr (in Gestalt von Regierungen und Notenbanken) löscht, so gut sie kann. Deshalb folgen hier erst einmal einige Hintergrundinformationen.

Der Januar ist traditionell der Monat der Empfänge und Weichenstellungen. Also habe ich wieder einmal die Gelegenheit wahrgenommen, um offizielle und inoffizielle Äußerungen aus berufenem Mund aufzuschnappen. Um das erschütternde Ergebnis als eine Art Schnittmenge vorwegzunehmen: Die Staatsschulden werden sich im Zuge der jetzigen internationalen Finanzkrise weltweit durchschnittlich etwa verdoppeln, die bisherigen sog. Geschäftsmodelle der Banken werden zu einer unbedeutenden Restgröße zusammenschrumpfen, sogar international renommierte Konzerne werden sich mangels preiswerter Kredite teuer finanzieren müssen, der Protektionismus wird in einem nicht geahnten Ausmaß zunehmen, und erst am Ende der ganzen unguten Entwicklung werden sich die G-20- oder noch mehr Staaten auf eine neue Finanzordnung einigen.

Die USA werden unter dem neuen Präsidenten Obama ihre weltweite Vormachtstellung zu verteidigen versuchen, wahrscheinlich mit Erfolg, aber ohne auf den Wert des Dollars allzu viel Rücksicht nehmen. Insoweit hat die Obamas Amtseinführung am 20. Januar eine Signalwirkung, die man nicht unterschätzen sollte. SGL Carbon-Chef Koehler, ein intimer Kenner der angelsächsischen Zustände, fand dazu bei der Veranstaltung "Topic of the Year 2009" in Frankfurt die folgenden Worte: "Fast alle Amerikaner haben nur noch Obama im Kopf. Er gilt für sie schon jetzt als eine Art Messias." Um gleich ein weiteres wichtiges Datum zu nennen: Vom 28. Januar bis 1. Februar findet in Davos wieder das Weltwirtschaftsforum statt. Insider behaupten zu Recht, dass es in diesem Jahr eher schon als Vorstufe zu einer neuen Weltwirtschafts- und Währungsordnung gelten kann. Verfolgen Sie in dieser Zeit die dazu gehörende Berichterstattung in den Medien besonders gründlich.

In der "Topic"-Diskussionsrunde imponierte mir ein Mal mehr FDP-Chef Westerwelle, weil er neben dem von ihm immer wieder favorisierten Steuer- auch das Bankenthema aufgriff. "Der Staat ist nicht der bessere Banker", war eine noch vergleichsweise milde Kritik, der er aber gleich die Prognose folgen ließ: "Das wird schief gehen."
Westerwelle ist mit seiner Meinung nicht allein. Sachverständigenrats-Mitglied Weder di Mauro behauptet sogar: "Das Landesbankenproblem wird noch größer." Dabei sind die von diesen - im Grunde überflüssigen - Banken letztlich auf Kosten der Steuerzahler verzockten Milliarden noch gar nicht richtig zusammengezählt. "Hier hat die Aufsicht versagt", behauptet Weder di Mauro. Das wiederum findet Oberaufseher Sanio von der Finanzaufsicht BaFin gar nicht lustig und sträubt sich gegen die Gründung einer sog. Bad Bank, die den ganzen Kreditmüll aufsammeln könnte. Dagegen plädiert Weder di Mauro gerade für ein solches Institut, dessen Aufgaben ihrer Meinung nach das erst kürzlich gegründete staatliche Auffangbecken SoFFin übernehmen sollte. Und EU-Kommissar Verheugen sieht die Sache pragmatisch von oben herab: "Was die Verstaatlichung von Banken betrifft, da wird noch mehr kommen."

Wozu Januar-Empfänge in solch illustren Kreisen doch gut sein können: Da schwirrt einem geradezu der Kopf, wenn man die Argumente gegeneinander gewichtet. Das Schlimme daran: So gut diese im Einzelnen auch sein mögen, sie ergeben längst keine Lösung des deutschen bzw. europäischen, geschweige denn des globalen Finanzproblems. Und da die Lösung bei solch einem Hickhack noch lange auf sich warten lassen wird, flüchten Groß- und Kleinanleger in alles, was sicher ist - womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären, dem für viele (nicht dagegen für Leser dieser Kolumne) überraschenden Preisanstieg von Gold und Silber am 16. Januar.

Deshalb noch einige eher psychologische Gedanken zu Gold und Silber. Aus Kreisen meiner Leser weiß ich, dass sie eine enge Beziehung zu den beiden Edelmetallen und den entsprechenden Aktien haben. Das heißt, sie besitzen sie - überwiegend seit längerer Zeit, sodass sie bereits durch ein Wechselbad der Gefühle gegangnen sind - und warten täglich auf den Preisausbruch nach oben. Dazu werden sie auch immer wieder von Goldgurus animiert. Eine solche Erwartungshaltung führt erfahrungsgemäß umso mehr zur Frustration, je länger Gold und Silber - scheinbar richtungslos - hin und her pendeln. Dem setze ich nun die These entgegen: Je länger die Pendelei anhält, desto kräftiger wird der nächste Ausbruch nach oben ausfallen, während nach unten nur wenig Spielraum vorhanden ist. Die jüngste Entwicklung der Edelmetallpreise erinnert mich an das Hin und Her der Aktienkurse Mitte der 90er Jahre. Was danach kam, dürfte den meisten von Ihnen im Gedächtnis haften geblieben sein: Eine bis März 2000 anhaltende Kursexplosion, die nur zwei Mal heftig unterbrochen wurde, 1997 (Asienkrise) und 1998 (Russlandkrise und Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM, dessen damals verlorene Milliarden aus heutiger Sicht wie Kleingeld wirken).

Was also ist zu tun, damit Sie nicht in die Psychofalle geraten und dann Ihre Bestände an Edelmetallen und Edelmetallaktien womöglich schon beim nächsten Sprung des Goldreises über 1000 Dollar verkaufen? Ganz einfach, üben Sie sich in Geduld. Diese Eigenschaft, von Börsenaltmeister Kostolany zu Recht immer wieder gepredigt, gehört zu den vier Gs; die drei anderen sind Geld (in unserem Fall verkörpert durch Edelmetalle), Gedanken und Glück. Die Geduldsübung dürfte Ihnen umso leichter fallen, je mehr Sie sich jenseits von Gold und Silber auch mit anderen interessanten Themen beschäftigen, statt penibel jede noch so unbedeutende Preisbewegung zu verfolgen. Die Gedanken können Sie abhaken, denn sie bilden ja schon längst die Grundlage für Ihre Edelmetallengagements: Papiergeld verliert an Wert und wird im Zuge der internationalen Finanzkrise noch viel mehr an Wert verlieren, sodass der Gedanke nahe liegt, die Entwertung z.B. durch Edelmetalle zu vermeiden. Und Glück lässt sich bekanntlich nicht erzwingen; es ist sozusagen das Sahnehäubchen, und davon wünsche ich Ihnen ganz, ganz viel!



Manfred Gburek, 16. Januar 2009
13.01.09, 19:23 MONEY-Börse Von FOCUS-MONEY-Redakteur Helmut Achatz

Finger weg von Staatsanleihen

Um Konjunkturprogramme zu finanzieren, geben Staaten immer mehr Anleihen aus. Es ist eine Frage der Zeit, wann auch diese Blase platzt.

Eine Dollar-Schwemme steht bevor.Der amerikanische Staat bekommt Geld fast zum Nulltarif – und trotzdem rennen ihm Anleger die Tür ein. Uncle Sam gilt entgegen jeder Vernunft immer noch als kreditwürdiger Schuldner. Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moodys, die seine Bonität prüfen, geben ihm nach wie vor Bestnoten.

US-Finanzminister Henry Paulson lacht sich ins Fäustchen, kann er doch die Gläubiger mit Micker-Zinsen abspeisen. Für US-Staatsanleihen (Bonds) mit zwei Jahren Laufzeit bekommen die Geldgeber gerade einmal 0,875 Prozent Zinsen. Bei einem Kurs von etwas über 100 Prozent errechnet sich eine Rendite von 0,738 Prozent. Bei Kurzläufern mit drei Monaten Restlaufzeit ließ die Nachfrage die Kurse so stark steigen, dass Anleger zwischenzeitlich sogar draufzahlten. Käufer von zehnjährigen Staatsanleihen müssen sich mit 3,75 Prozent Zins zufrieden geben, erhalten aber wegen der ebenfalls gestiegenen Kurse nur eine Rendite von 2,3 Prozent – das ist so wenig wie während des Zweiten Weltkriegs.

Der amerikanische Staat bekommt Geld fast zum Nulltarif – und trotzdem rennen ihm Anleger die Tür ein. Uncle Sam gilt entgegen jeder Vernunft immer noch als kreditwürdiger Schuldner. Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moodys, die seine Bonität prüfen, geben ihm nach wie vor Bestnoten.

US-Finanzminister Henry Paulson lacht sich ins Fäustchen, kann er doch die Gläubiger mit Micker-Zinsen abspeisen. Für US-Staatsanleihen (Bonds) mit zwei Jahren Laufzeit bekommen die Geldgeber gerade einmal 0,875 Prozent Zinsen. Bei einem Kurs von etwas über 100 Prozent errechnet sich eine Rendite von 0,738 Prozent. Bei Kurzläufern mit drei Monaten Restlaufzeit ließ die Nachfrage die Kurse so stark steigen, dass Anleger zwischenzeitlich sogar draufzahlten. Käufer von zehnjährigen Staatsanleihen müssen sich mit 3,75 Prozent Zins zufrieden geben, erhalten aber wegen der ebenfalls gestiegenen Kurse nur eine Rendite von 2,3 Prozent – das ist so wenig wie während des Zweiten Weltkriegs.

Andere Staaten machen sich diese Entwicklung zunutze und speisen ihre Gläubiger mit ähnlich niedrigen Zinsen ab. Als solide geltende Schuldner zahlen wenig mehr als die Amerikaner. Deutsche Anleihen bringen bezogen auf die Rendite knapp drei Prozent, britische 3,15, französische 3,48 und niederländische 3,58 Prozent. Trotzdem werden die Staaten ihre Anleihen noch problemlos los.

Wackelkandidaten hingegen müssen für Kredite tiefer in die Tasche greifen. So zahlt Ungarn beispielsweise für seine zehnjährige Staatsanleihen 6,75 Prozent Zinsen – bei einem Ausgabekurs von 86 Prozent ergibt das aus Investorensicht eine Rendite von 9,26 Prozent. Polnische Schuldenpapiere bringen 5,3 Prozent Rendite. Die Renditen sind so hoch, weil Investoren das Ausfallrisiko nach den Interventionen des IWF deutlich höher einschätzen als in den großen Industrienationen. Hochrisikoländer wie Argentinien und Venezuela werden schon gar nicht mehr ernst genommen. Die Republik Venezuela unter ihrem rabaukenhaften Präsidenten Hugo Chávez versucht Ausländer deshalb mit 13,625 Prozent Zins für seine zehnjährigen Staatsanleihen zu ködern, was bei einem Ausgabekurs von 71,26 Prozent eine sagenhafte Rendite von mehr 20,6 Prozent verspricht. Wenn, ja, wenn da nicht die Gefahr bestünde, dass fallende Wechselkurse den Ertrag mindern oder die Gläubiger ihr Geld nie mehr wieder sehen. Ganz so, wie es vor sieben Jahren in Argentinien der Fall war. Das südamerikanische Land stellte damals einfach die Rückzahlung von Staatsanleihen im Volumen von 95 Milliarden Dollar ein. Die Kreditmärkte ignorieren das Land seitdem.

Zweifel an der Kreditwürdigkeit wächst

So langsam kommen Anlegern trotz guter Bonitätsnoten auch Zweifel, ob ihr Geld bei Uncle Sam noch gut aufgehoben ist. Das ist ablesbar an den steigenden Kosten für Kreditausfallversicherungen auf US-Staatsanleihen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Ende April vergangenen Jahres reichten noch annähernd sechs Dollar, um eine fünfjährige US-Staatsanleihe über 10 000 Dollar ein Jahr lang gegen Zahlungsausfall abzusichern. Mittlerweile zahlen Anleger bereits mehr als 52 Dollar dafür. Die CDS-Absicherung deutscher Staatsanleihen ist günstiger: Die Kreditausfallversicherung ist für 45 Dollar haben. Zum Vergleich: CDS für polnische und griechische Staatsanleihen kosten 229 und 225 Dollar. Noch weniger trauen Anleger dem Staat Island. Die Kreditausfallversicherung für isländische Schuldentitel verschlingt derzeit 937 Dollar für 10 000 Dollar Nennwert – aber wer will Island schon Geld leihen?

Dass selbst aus den USA, einem der besten Schuldner der Welt, langsam ein Risikokandidat wird, liegt an den avisierten milliardenschweren Konjunkturprogrammen des designierten Präsidenten Barack Obama. Wie der alte finanziert sie auch der neue Mann im Weißen Haus ausschließlich auf Pump – obwohl die öffentliche Hand unter Vorgänger George W. Bush bereits mit mehr als zehn Billionen Dollar in die Miesen geriet. Doch Obama hat in der Krise keine andere Geldquelle. Auch er wird neue Staatsanleihen emittieren.

2000 Milliarden Dollar US-Anleihen in diesem Jahr

Allein in diesem Jahr wollen die USA sich annähernd zwei Billionen Dollar leihen. Noch greifen vor allem Länder wie China, Japan und die Saudis zu. Das kann auf Dauer nicht so bleiben: In der Wirtschaftskrise beginnen auch diese Länder zu diversifizieren. Sie schichten ihre Devisen um und setzen ihr Geld im eigenen Land ein – oder ihnen gehen schlichtweg die Mittel aus. China beispielsweise kündigte das größte Investitionsprogramm aller Zeiten an mit einem Volumen von 457 Milliarden Euro. Dieses Geld braucht Peking nun selbst. Obama muss sich in entsprechender Höhe neue Käufer für seine Anleihen suchen.

Tatsächlich kommt China in dem ganzen Spiel eine Schlüsselrolle zu: Bislang kaufte die Regierung in Peking die Dollar-Papiere auf, um so die eigene Währung Yuan zu drücken – und den Export zu fördern. Das ist derzeit nicht mehr im bisherigen Umfang nötig, da die chinesische Währung ohnehin gegenüber dem Greenback an Wert verliert.

Unterdessen lassen die fallenden Ölpreise die Einnahmen der Rohstoffländer der Opec, Russlands oder Angolas schrumpfen. Entsprechend schrumpft ihr Anlagebedarf, die Kapitalflüsse Richtung Amerika trocknen aus. Russland beispielsweise stützt mit Milliardensummen sein eigenes Banksystem – und verlor dadurch seit August mehr als ein Viertel seiner Devisenreserven von damals 600 Milliarden Dollar.

Die Fed druckt eifrig Geld

In der Not entwickelte der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, einen abenteuerlichen Plan: Wenn die bisherigen Kunden keine US-Staatsanleihen mehr kaufen oder – schlimmer noch – anfangen sollten, sie zu verkaufen, muss eben die US-Notenbank einspringen. Und so dachte der Fed-Chef öffentlich darüber nach, selbst US-Staatsanleihen aufzukaufen, „und die Kurse zu stützen“. Es gilt als sicher, dass Bernanke diesen Plan tatsächlich umsetzt: Er betont immer wieder, dass er eine Politik der „quantitativen Lockerung“ vertritt. Schon seit Monaten übernimmt die Fed hemmungslos Schuldenpapiere von Banken und Unternehmen und weitete so ihre Bilanzsumme von 900 Milliarden auf 2,2 Billionen Dollar aus.

Dafür druckt sie sprichwörtlich Geldscheine. Je schneller die Druckerpressen laufen, desto weniger sind die gedruckten Banknoten wert – und damit auch die auf Dollar ausgestellten Staatsanleihen. Das nennt man Inflation – und die beschleunigt den Rückzug der ausländischen Investoren. Ein Teufelskreis würde in Gang gesetzt. Die Notenbank würde noch mehr Geld drucken, wodurch sich die Inflation zur Hyperinflation auswachsen könnte. Das logische Ende wäre die Einstellung aller Zins- und Tilgungszahlungen. Der Staatsbankrott.

Die Bond-Blase platzt irgendwann

Bernanke kennt die Mechanismen. Es besteht Hoffnung, dass er es nicht so weit kommen lässt. Tatsache aber ist, dass sich die Bond-Blase bereits aufbläht. Auch sie wird irgendwann platzen, es ist nur eine Frage der Zeit. Wie die Erfahrungen aus der Vergangenheit mit der Finanzkrise lehren, würden die Schockwellen erneut die gesamte Finanzwelt erschüttern. Sie träfen Banken und Staatsfonds rund um den Globus, die ihr freies Kapital in Amerika deponierten. Darüber hinaus würde der Vertrauensverlust in staatliche Schuldenpapiere andere Länder mit sich reißen. Sobald sich die Gläubiger des Risikos einer Staatsanleihe bewusst werden, werden sie sich fragen, ob sie ihr Geld jemals wieder sehen – und ihr Kapital allerorten abziehen. Wenn die Herde einmal losrennt, ist sie kaum noch zu halten. Jeder versucht dann, seine Papiere loszuschlagen, egal zu welchem Preis.

Sie finden das übertrieben? El-Erian, Investmentchef der auf Anleihenfonds spezialisierten Allianz-Tochter Pimco, rät Anlegern bereits: „Kehrt Staatsanleihen den Rücken, sie sind (angesichts des Risikos) viel zu teuer!“ Andrew Bary vom US-Anlegermagazin „Barron’s“ formuliert es noch drastischer: „Steigt jetzt aus!“
Kurt Tucholsky (1930):

Wenn die Börsenkurse fallen,

regt sich Kummer fast bei allen,

aber manche blühen auf:

Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben

Dinge, die sie gar nicht haben,

treten selbst den Absturz los,

den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten

tun sie sich mit Derivaten:

Wenn Papier den Wert frisiert,

wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,

haben Sparer nichts zu lachen,

und die Hypothek aufs Haus

heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,

kommt die ganze Welt ins Wanken -

auch die Spekulantenbrut

zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?

Da muss eingeschritten werden:

Der Gewinn, der bleibt privat,

die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,

und das bringt erneut Profite,

hat man doch in jenem Land

die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen

hat der Kleine Mann zu blechen

und - das ist das Feine ja -

nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,

fängt von vorne an der Reigen -

ist halt Umverteilung pur,

stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen

das mal nimmer bieten lassen,

ist der Ausweg längst bedacht:

Dann wird bisschen Krieg gemacht.
ftd 20.01.09 von André Kühnlenz (Frankfurt) und Wolfgang Proissl (Brüssel)

Die Angst vorm Staatsbankrott

Notfallpläne für den Fall, dass Euro-Länder bankrottgehen, gibt es offiziell nicht. Doch Ökonomen rechnen bereits Krisenszenarien durch. Sie rechnen damit, dass Euro-Staaten aufgefangen würden.

Für einen Moment hielten die Händler an den Finanzmärkten den Atem an. Gerüchte, dass erstmals ein Land aus dem Euro-Raum den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten müsse, machten vergangene Woche die Runde. Am Ende stellte sich die Nachricht über Gespräche der irischen Regierung mit dem IWF zwar als Falschmeldung heraus. Doch Ökonomen spielen derzeit Szenarien durch, in denen nicht etwa ein Schwellenland wie Argentinien, Island oder Lettland in Schwierigkeiten gerät, seine Schulden zurückzuzahlen. Die Gefahr eines Staatsbankrotts in der Euro-Zone ist in den ersten Tagen dieses Jahres erheblich gestiegen.

Was für Experten lange als unvorstellbar galt, wurde durch Warnungen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ausgelöst. In den vergangenen zwei Wochen drohten die S&P-Experten gleich vier Ländern aus dem Währungsraum an, die Bonitätseinstufung zu senken. Griechenlands Staatsschulden wurden bereits vergangene Woche herabgestuft, am Montag folgte mit Spanien sogar einer der großen Staaten im Euro-Gebiet. Mit einer Note von "AA+" haben die Spanier zwar immer noch die zweitbeste Bonitätsbewertung bekommen. Doch genau wie in Portugal und Irland, denen ebenfalls die Herabstufung angedroht wurde, ist damit das Risiko eines Zahlungsausfalls kräftig gestiegen.

Am besten lassen sich die Gefahreneinschätzungen für die Länder an den Anleihemärkten ablesen. Dort gelten deutsche Staatspapiere als die sichersten. Andere Regierungen im Währungsverbund müssen den Käufern ihrer Bonds einen Risikoaufschlag auf die Rendite von Bundesanleihen zahlen. Diese Differenzen haben sich in den vergangenen Wochen heftig ausgeweitet. Bei spanischen Papieren lag sie am Montag bei 1,15 Prozentpunkten. Noch vor einem Jahr waren es 0,18 Prozentpunkte; selbst kurz nach der Lehman-Pleite lag der Aufschlag lediglich bei 0,50 Prozentpunkten. Ähnliche Anstiege mussten auch andere Staaten hinnehmen. Die höchsten Aufschläge im Euro-Raum gab es am Montag in Griechenland mit 2,54 und in Irland mit 2,06 Prozentpunkten. Auch bei italienischen und portugiesischen Papieren verlangten die Anleger deutlich mehr.

Der Anstieg der Risikoaufschläge lasse das Risiko von Staatsbankrotten steigen und stelle die Zukunft des Euro-Raums infrage, so Ralf Preusser, Analyst der Deutschen Bank in London. "Das größte Risiko liegt darin, dass es zu einem Käuferstreik kommt, der zu einer Finanzierungskrise in einem Euro-Staat führt."

Müssen die Käufer von europäischen Staatspapieren sich Sorgen machen, dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen? Nach Ansicht Preussers werden es vor allem die größeren Staaten nicht zulassen, dass ein schwächeres Land zahlungsunfähig wird. Zwar lasse der Vertrag von Maastricht keine direkte Rettung strauchelnder Staaten durch EZB oder EU zu. Doch sei es den Währungshütern im Notfall erlaubt, bereits gehandelte Staatspapiere aufzukaufen. Auch sei vorstellbar, dass sich IWF und EU zu einem Rettungspaket durchrängen.

In Brüssel halten sich die Beamten bedeckt, wenn es um mögliche Notfallpläne geht. EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia betonte am Montag, die Entwicklung der Risikoaufschläge sei nicht alarmierend. "Es ist normal, dass die Märkte die Risiken einschätzen."

Nur indirekt gab Almunia zu, dass die Risikoaufschläge auch ihn beunruhigen. Erst vergangene Woche hatte er wieder die Idee ins Spiel gebracht, dass eine gemeinsame Agentur Euro-Staatsanleihen begeben könnte. Am Montagsagte er, dass auch die Möglichkeit geprüft werde, dass einige Euro-Staaten gemeinsam Staatsanleihen auflegen oder "eine Art multilaterale Garantie bei der Ausgabe von Staatsanleihen" aussprechen. Großer Widerstand dagegen kommt aus Deutschland. Denn für die Bundesregierung dürften die Finanzierungskosten deutlich steigen, wenn eine Agentur für alle Staaten gemeinsam Anleihen ausgibt. Die Anleger würden dann nämlich das Risiko dieser Anleihen am Durchschnitt aller Staaten messen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.577.418 von Bre-X am 13.02.09 20:50:09link funktioniert nicht. hier der richtige:

http://www.youtube.com/watch?v=3DPfKxOQGHU
Thomas Straubhaar
Star-Ökonom rechnet mit Horror-Inflation
Die staatliche Verschuldungsorgie wird die Deutschen von 2010 an teuer zu stehen kommen, erwartet Ökonom Thomas Straubhaar. Geld dürfte so stark an Wert verlieren wie seit Jahrzehnten nicht.

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar erwartet schon in Kürze eine kräftige Geldentwertung in Deutschland. „Schon in einigen Monaten wird die Inflation deutlich nach oben schießen“, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) FOCUS.

Er rechne „mit einer Geldentwertung zwischen fünf und zehn Prozent pro Jahr für die Zeit nach 2010“. Bei etwa fünf Prozent lag die Inflationsrate in Deutschland zuletzt Anfang der 1990er Jahre. Straubhaar sagte weiter, die Energiepreise würden in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder anziehen. Eine Verdoppelung des Ölpreises auf bis zu 80 Dollar pro Fass sei „wahrscheinlich“. Auch Handwerksleistungen und Immobilien würden bald teurer.

Da scheint ja endlich mal einer den Durchblick zu bekommen!
Blödsinn, so bald gibt es keine Inflation; erst
einmal kommt die Deflation!


http://www.boeckler.de/32014_94343.html?cis_mode=print
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3781#more-3781

19. Februar 2009 um 9:29 Uhr

„Wir werden subtil belogen“
Verantwortlich: Albrecht Müller
Im Konstanzer „Südkurier“ erschien gestern wieder eine Kolumne von mir. Untertitel: „Finanzkrise: Kann man den Verantwortlichen noch trauen? Eher nein.“ Albrecht Müller

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass wir den politischen Führungspersonen überhaupt nicht mehr trauen können. Sie sagen uns nicht die Wahrheit zum Ausmaß der Krise, sie schweigen zum kriminellen Charakter der handelnden Personen der Finanzwirtschaft und verkleistern ihre eigene Verstrickung mit dieser. Viele Zeitgenossen/innen durchschauen das Spiel noch nicht. Leider.

Quelle 1: www.suedkurier.de
Quelle 2: Scan des Zeitungsartikels im “Südkurrier” [PDF - 1,5 MB]
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.619.436 von SCP am 20.02.09 12:45:28sag ich doch schon immer, weswegen ich auch keine zeitungen mehr lese oder tv gucke.

wenn politiker den mund aufmachen, lügen sie, haben sie ihn geschlosen, so haben sie gelogen.

dreckspack
22.02.2009 17:15
Steinbrück sieht Inflationsgefahr
wegen Konjunkturprogrammen
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sieht wegen der Milliarden-Programme zur Stützung der Konjunktur eine Inflationsgefahr. "Ich habe die Befürchtung, dass wir etwas machen, was wir als Fehler schon mal gemacht haben nach den Anschlägen vom September 2001", sagte Steinbrück am Sonntag in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Vor allem die USA pumpten viel Geld in den Markt. Sobald die Rezession und die Finanzmarktkrise überwunden seien, werde sich die Frage stellen, "ob wir die Kraft haben, diese Liquidität aus dem Markt wieder herauszuziehen. Und das wird sehr schwierig", sagte Steinbrück./as/DP/he

AXC0045 2009-02-22/17:15

na da schau an so blöde scheint er ja nun doch nicht zu sein :rolleyes:
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.629.773 von Marchella am 22.02.09 17:24:55macht man das nicht immer mit crashs?:keks:
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.629.773 von Marchella am 22.02.09 17:24:55Den Kernsatz und den Rest hat ihm einer vorher mehrfach erklärt!
Derjenige, der das Statement verfasst hat!

:laugh:
23.02.2009 11:58
Soros: Konjunkturkrise bricht freien Markt das Genick


New York (BoerseGo.de) - Der Milliardeninvestor George Soros sieht die Wurzel des derzeitigen Umbruchs in der Weltkonjunktur in der in den 80er-Jahren gestarteten Deregulierungswelle liegen. Das Modell des freien Marktes habe daher ausgedient. Die Liberalisierung der Finanzbranche habe in den USA ab der Regierung Reagan seinen Lauf genommen. Danach habe eine Serie von Krisen den Staat zu Eingriffen gezwungen. Die durch den Kollaps im US-Hausmarkt heraufbeschworene weltweite Rezession hätte das Finanzsystem von allein beschädigt. Die Aufsichtsbehörden würden an der Krise Mitschuld tragen, zumal diese ihre Pflichten zur Verantwortung außer Kraft setzten. Die Philosophie des Markt-Fundamentalismus sei nun sehr in Frage gestellt, da die Finanzmärkte einer unzureichenden Prüfung unterzogen worden sind, führte der Gründer des Hedgefonds Soros Fund Management LLC in der New Yorker Columbia University gegenüber Volkswirten und Bankern weiter aus.

(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Huber Christoph, Redakteur)
Experten warnen vor
Staatspleiten in der EU
Sorgen um Island und Irland sowie osteuropäische Staaten


Einigen EU-Staaten könnte die Pleite drohen - das meinen zumindest Wirtschaftsexperten. Der UNO-Ökonom Flassbeck etwa spricht von einer "sehr großen Gefahr". Italiens Regierungschef Berlusconi hingegen hält Staatsbankrotte für unwahrscheinlich.

Der italienische Ministerpräsident verwies darauf, dass die Europäische Union bis jetzt allen Staaten geholfen habe, die sich in Schwierigkeiten befunden hätte - wie beispielsweise dem Nicht-Euro-Mitglied Ungarn. "Es liegt in unserem Interesse, dass kein Staat bankrott geht", erklärte Berlusconi der "Bild"-Zeitung. Allerdings gehört Italien selbst mit einer Verschuldung von mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu den am höchsten verschuldeten Ländern in Europa.

Über die Verhältnisse gelebt
Viele Länder in der EU hätten in den vergangenen Jahren weit über ihre Verhältnisse gelebt und riesige Schulden aufgetürmt, sagte UNO-Experte Flassbeck im SWR. Er verwies unter anderem auf Staaten wie Irland, Griechenland oder Spanien und besonders auf Länder in Osteuropa außerhalb der Währungsunion.

Österreich drang deswegen am Montag auf Sicherheitsvorkehrungen gegen einen wirtschaftlichen Zusammenbruch östlicher Nachbarstaaten der EU. "Wichtig ist für uns, dass die Volkswirtschaften dort mit gewissen Garantien ausgestattet werden, damit es keine überraschenden Effekte gibt, an denen wir dann alle zu kniffeln haben", sagte der österreichische Außenminister Michael Spindelegger beim EU-Außenministertreffen in Brüssel.
Wirtschaftsinstitut warnt vor Panikmache
Vor einer allgemeinen Panikmache warnte derweil das Hamburger Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI). "Wir sind derzeit weit von einem Staatsbankrott entfernt", sagte HWWI-Konjunkturchef Michael Bräuninger mit Blick auf Deutschland. Auch Staaten wie Island oder Irland, die jetzt in großen Schwierigkeiten sind, hätten seriös gewirtschaftet und litten nun wegen ihres großen Bankensektors massiv unter den Folgen der Finanzkrise. Er sei jedoch zuversichtlich, dass im Euro-Raum alles unternommen werde, um die Pleite eines Staates zu verhindern.
Die Pläne für eine Gemeinschaftsanleihen in Euroland stießen bei den Experten auf ein geteiltes Echo. UNO-Experte Flassbeck sprach sich für die Herausgabe einer Euroanleihe aus. Damit könnte man verhindern, dass sich Spekulanten auf Kosten der Länder mit hohen Schulden eine goldene Nase verdienten. Dagegen äußerte sich HHWI-Experte Bräuninger skeptisch, der Euroland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sprach sich sogar klar dagegen aus. Stattdessen fordert Mayer bei der Online-Ausgabe der "Frankfurter Rundschau" einen Europäischen Währungsfonds.
EWF soll finanziellen Beistand gewähren
Damit es nicht zum Staatsbankrott innerhalb der Währungsunion komme, solle der Europäische Währungsfonds (EWF) "im Fall drohender Zahlungsunfähigkeit finanziellen Beistand gewähren". Die um Beistand bittenden Staaten müssten sich gegenüber den anderen Euroländern, die gemeinsam Teilhaber des EWF wären, zu Auflagen verpflichten, um ihre Haushaltsprobleme wieder in den Griff zu bekommen.
24.02.2009
HSH NORDBANK
Politiker warnen vor Staatsbankrott in Schleswig-Holstein



Die Fehlspekulationen der HSH Nordbank drohen Schleswig-Holstein in den Staatsbankrott zu treiben. Davor jedenfalls warnen Politiker des Landes vor der entscheidenden Sitzung, auf der eine drei Milliarden schwere Kapitalspritze beschlossen werden soll.

Berlin - Vor der Verabschiedung des Rettungspakets für die schwer angeschlagene HSH Nordbank haben schleswig-holsteinische Politiker vor einem Staatsbankrott ihres Landes gewarnt. Der stellvertretende CDU-Parteivorsitzende Rasmus Vöge sagte der "Bild"-Zeitung, Schleswig-Holstein sei wegen der HSH Nordbank "quasi bankrott". Jetzt müsse es darum gehen, weiteren Schaden vom schleswig-holsteinischen Steuerzahler abzuwenden.

HSH Nordbank in Hamburg: Länder entscheiden über Staatshilfe
Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, erklärte, mit den Milliardenhilfen für die HSH übernehme sich Schleswig-Holstein. "Dem Land droht die politische Handlungsunfähigkeit. Das käme einem politischen Bankrott wie in Island gleich", sagte Kubicki laut der Zeitung. Der FDP-Politiker erwartet dem Bericht zufolge, dass die HSH Ende 2009 bereits weiteres Eigenkapital von mindestens drei Milliarden Euro benötigt.

Über die Zukunft der HSH Nordbank entscheiden die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein am Dienstag in Kiel auf einer gemeinsamen Kabinettssitzung. Das Geldhaus hatte sich mit Wertpapieren verspekuliert, die in der Finanzkrise massiv an Wert verloren hatten. Für das Jahr 2008 hatte die Landesbank einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro ausgewiesen, sie will etwa ein Viertel aller Jobs streichen, aber dennoch rund 200 Millionen Euro an ihre Anteilseigner ausschütten. Anteile an der HSH Nordbank haben neben den beiden Ländern die Sparkassen sowie der US-Investor J. C. Flowers.


MEHR ÜBER...
HSH Nordbank Schleswig- Holstein Hamburg Soffin Staatsbankrott Wolfgang Peiner Peer Steinbrück Wolfgang Kubicki
zu SPIEGEL WISSEN Das geplante Rettungspaket für die HSH sieht eine direkte Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und Staatsgarantien über zehn Milliarden Euro vor. Die Landesbank hatte im November beim Bankenrettungsfonds Soffin Garantien im Umfang von 30 Milliarden Euro beantragt, zehn Milliarden davon wurden laut "Süddeutsche Zeitung" bereits bezogen. Kapital erhalte sie von dem Fonds aber nicht, dazu fehle der Landesbank ein Konzept.

Angesichts dieser Summen forderte Kubicki Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in einem Brief zu Bundeshilfen für die HSH auf, schreibt die Zeitung. "Steinbrück muss dringend eingreifen und Bundesmittel bereitstellen", wird Kubicki zitiert.

Der scheidende Aufsichtsratschef der HSH, Wolfgang Peiner, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass die Bank 2011 wieder profitabel sein wolle. In den Planungen für 2009 und 2010 sei ein "Bad-Case-Szenario" mit dem Drei- bis Vierfachen an Wertberichtigungen unterstellt. Es seien vorsichtshalber Wertberichtigungen im Kreditportfolio von jeweils rund 1,1 Milliarden Euro in die Planungen aufgenommen worden. Eine Fusion mit einer anderen Bank könne erst zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll sein. "Die Bank muss erst ihre Probleme lösen", sagte Peiner.
Vielleicht hilft es mal, sich eine der "heiligen Kühe" der diversen Debatten mal vorzunehmen und zu schauen, WAS da eigentlich gemeint ist und ob einen das überzeugt...

Mit etwas Zeit, angestelltem Lautsprecher und der Bereitschaft, auch mal neue Gedanken ehrlich zu prüfen, kann der folgende Link helfen:

http://doku.argudiss.de/sendfiles.php?job%5Bext%5D=mp3&job%5…
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.301.092 von Bre-X am 04.01.09 18:03:40WER ist eigentlich in der Krise?

kontroverser Text aus aktuellem Anlaß

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Die Krise des Kapitals


Schon wenn das Kapital nicht in der Krise ist, sondern sich nach allen Regeln der Kunst vergrößert, haben gewöhnliche Leute nichts zu lachen. Sie bezahlen den Erfolg der Geschäftemacherei mit ihrer Plackerei, mit Niedriglöhnen und fortwährender Existenzunsicherheit. Und jetzt gilt es auch noch, den Misserfolg der Geschäftemacherei auszulöffeln.

Nach Jahren des weltweiten Wachstums, immer tolleren Umsatz- und Gewinnrekorden seiner großen Unternehmen und gewaltigen Vermögenszunahmen bei Banken und Großinvestoren an den internationalen Kapitalmärkten steckt das kapitalistische System in seiner bisher tiefsten Krise. Obwohl diese Megakrise mit ihrer weltweiten Vernichtung von Reichtum aller Art in bisher ungeahnten Dimensionen kein besonders schlagkräftiges Argument für Funktionstüchtigkeit und Effizienz ist (an anderen Qualitätskriterien lässt sich dieses System sowieso nicht messen!), herrscht keine Wegschmeiß-Stimmung. Anders als beim einstigen Systemgegner aus dem Osten beweist dieser Fall von Nicht-Funktionieren den Meinungsführern der bürgerlichen Öffentlichkeit keineswegs die Untauglichkeit „unseres“ Systems. Dass das Kapital in der Krise steckt und alle Welt dafür büßen lässt, spricht nicht dafür, den Kapitalismus auf den Misthaufen der Geschichte zu werfen, sondern umso entschiedener für seine Rettung. Entweder wird so getan, als habe diese Krise eigentlich gar nichts mit dem System zu tun: Ganz sicher sind unnötige „Fehler“ gemacht worden, wurden die eigentlich guten und Erfolg versprechenden Geschäftsprinzipien mit Füßen getreten. Oder aber man geht sogar so weit, diese Krise als „ganz normale Korrektur von Fehlentwicklungen“ zu besprechen und von „Selbstreinigungskräften“ des Kapitalismus zu schwärmen.

Unsere Empfehlung: Man sollte diese Krise als ein weiteres Lehrstück nehmen, das über die Eigentümlichkeiten des kapitalistischen Systems Aufschluss gibt. Fürs Erste bieten sich einige Fragen an:

Welche Phänomene gelten überhaupt als Krise? Was steckt eigentlich jetzt in der Krise und hat demzufolge bislang gut funktioniert? Warum will der Staat die Banken unbedingt retten und auch anderen großen Unternehmen helfen? Welche Rolle ist für die Massen vorgesehen – bei der Rettung des Kapitalismus vor seiner Krise?


Im Folgenden ein paar Hinweise dazu. Ansonsten helfen vielleicht die anderen Artikel weiter, die wir auf dieser marxistischen Website nach und nach anbieten.




1. Was im kapitalistischen System alles keine Krise darstellt, sondern als Normalzustand durchgeht


Recht aufschlußreich ist, welche Trostlosigkeiten, die zum Kapitalismus dazu gehören, keine „Krise“ abgeben.


- Die Krise besteht nicht in Millionen Hungerleidern, die es bereits gab, als die Geschäftsleute dieser Welt mit sich noch zufrieden waren.
- Sie besteht nicht in den Kriegen und Konflikten konkurrierender Nationalstaaten um ökonomische und politische Einflusssphären.
- Sie besteht nicht in der Verwüstung der natürlichen Lebensgrundlagen, die die allgemein betränte, aber offenbar unvermeidliche Folge des Wachstums des Geldes der Besitzenden ist.
- Sie besteht nicht in der Ausbeutung der abhängig Beschäftigten rund um den Globus, die in Konkurrenz zueinander immer mehr Arbeit für immer weniger Geld abzuliefern haben.

Man kann hier viel lernen über die herrschenden Zwecke, also die in diesem System – jenseits der Ideologie – gültigen Erfolgskriterien … Die genannten Schädigungen sind keine zufälligen Ausrutscher, sondern gehören notwendig zu diesem System – als Mittel und Begleiterscheinung davon, dass Geschäftemacher und Staatsgewalten die Springquellen des Reichtums auf dem gesamten Globus für sich mobilisieren. Der globale Kapitalismus produziert haufenweise „Dauerkrisen“ für die Menschheit – doch damit ist die Krise, welche die Herrschenden dieser Welt jetzt ausrufen und an der sie so bitter leiden, nicht zu verwechseln.




2. Krise herrscht dann, wenn der Zweck des kapitalistischen Systems, aus Geld mehr Geld zu machen, nicht aufgeht



Die ganze Welt ist heute Mittel kapitalistischer Geschäftemacherei. Kein Mensch, keine Region dieser Erde kommt dem aus. Ob jemand an seinen Lebensunterhalt kommt oder nicht, was das dann für ein Leben ist und wie die dafür zu erbringende Leistung aussieht, all das hängt davon ab, ob irgendein Investor damit reich werden kann. Darüber scheiden sich die Menschen und Landstriche in arm und weniger arm. Und die Geschäftemacher und die davon mitprofitierenden Staaten in weniger reich und sehr reich. Fast schon regelmäßig wird auf diese Weise immer mal wieder so viel Reichtum erzeugt, dass er für eine weitere Reichtumsvermehrung nicht mehr verwendbar ist: Dann herrscht Krise und Reichtum wird vernichtet, Kapital in allen Formen entwertet (Waren, Produktionsanlagen, Geldvermögen). Ein absurder, aber typischer Widerspruch des kapitalistischen Systems. Diesmal ging die Überproduktion von Reichtum im finanzkapitalistischen Überbau los. Dort wurde so viel Geldvermögen aufgehäuft – in Form von Wertpapieren und Kreditversprechen aller Art –, dass sich die Spekulation auf immer mehr Wertschöpfung gegen sich selbst richtete: Milliardenwerte wurden „verbrannt“. Wenn die Finanzspekulationen der Banken und Börsen misslingen, steckt auch der Rest der Wirtschaft, der den Kredit der Banken für das eigene Geschäft braucht, in der Krise. Damit stockt ganz allgemein die Geschäftemacherei, weil der ökonomische Zweck nicht mehr aufgeht, für den überhaupt nur produziert und gearbeitet wird: Aus Geld mehr Geld zu machen. Dann liegt der ganze Laden lahm! Die Kapitalisten exekutieren die schlichte ökonomische Wahrheit: Die Welt ist nur soviel wert, wie sie zu ihrer Bereicherung taugt. Aller materielle Reichtum wird nur produziert, das ökonomische Leben von Gesellschaften nur insoweit aufrecht erhalten, wie Gewinne zustandekommen und Zinsen bezahlt werden können.





3. Der Staat hilft den Banken und anderen, um die Herrschaft des Geldes aufrecht zu erhalten



Im Herbst 2008 spitzt sich die Krise der Finanzkapitalisten aller Länder dramatisch zu. Bevor sie um Hilfe rufen können, bekommen sie sie. Rund um den Globus reagieren die Staaten. In Windeseile mobilisieren sie Gelder und Kredite in bisher nicht bekannten Größenordnungen, um das Finanzsystem und damit die gesamte Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu retten. Ohne die Geld- und Kreditzirkulation, die die Banken betreiben, solange sie damit Geld verdienen, geht im Kapitalismus nichts. Also tun die Regierungen alles ihnen Mögliche, um die Banken zu stützen, ihre faulen Kredite aufzukaufen, ihnen sonstige Finanzspritzen zu geben oder mit Staatsbürgschaften Kreditwürdigkeit zu verleihen, die sie sonst gar nicht mehr hätten. Ziel all dieser Hilfen ist es, ihnen genau die Geschäfte wieder zu ermöglichen, die die jetzige Krise erzeugt haben.
Dabei entsorgen die Macher einige Ideologien über das staatliche Handeln: Von wegen, der Staat müsse sich aus der Wirtschaft heraushalten! Von wegen, die staatlichen Kassen seien leer und weitere Verschuldung unmöglich! Der Staat stellt klar, wofür er bereit ist, seine eigene Kreditwürdigkeit bis zum Anschlag zu strapazieren: Zur Rettung des Finanzsystems, damit dieses seine Dienste für das Wachstum der nationalen Wirtschaft wieder erbringen kann. Weil es darum geht, die Herrschaft des Geldes über das ökonomische Leben der Gesellschaft aufrecht zu erhalten, steht für die Regierungen fest: Ihre Rettungsaktionen sind alternativlos. Sämtliche staatlichen Zwecke und Vorhaben haben sich unterzuordnen; die Lebensinteressen der abhängigen Menschheit sowieso.

Im Frühjahr 2009 geht der Aktivismus der Staatsmacher dann immer weiter. Weil alle Branchen, angefangen mit dem Automobilsektor, in den krisenhaften Absturz hineinverwickelt werden, muss jeder Staat Konjunkturpakete auflegen, mit denen per Staatsverschuldung Umsätze erzeugt werden, die den Absturz abbremsen sollen.





4. Die Massen dürfen für die Rettung des Kapitalismus vor seiner Katastrophe umso mehr die Daumen drücken, je mehr sie in der Krise die Härte des Systems zu spüren bekommen

Dass all diejenigen Opfer für die Überwindung der Krise zu bringen haben, die auch schon bei guter Konjunktur die Manövriermasse dieser Wirtschaftsweise sind, braucht nicht zu verwundern: Ob als Arbeitsplatzbesitzer oder Rentner, Arbeitsloser oder Sparer usw. – die lohnabhängige Klasse wird auf höhere Kosten, geringere Löhne und Renten, Arbeitslosigkeit und schrumpfende Ersparnisse eingestimmt.

Die daraus folgenden Sorgen hat der kleine Mann wie auch sonst immer ganz privat zu bewältigen: sich auf schlechtere Zeiten einstellen und sich einteilen. Das heißt nicht, dass deswegen bloß Schnauzehalten und Passivität angesagt sind. Gemeckert werden darf umso mehr – auf „profitgierige Manager“ ebenso wie auf die „Nieten in Nadelstreifen“. Den Anspruch auf ein gerechtes Beschwerdewesen haben sich die Opfer des Systems allemal verdient, wie ihnen täglich von BILD und anderen Medien versichert wird. Nicht nur, dass diese Art Kritik einen erfolgreichen Unternehmer umso ehrenwerter dastehen lässt. Vor allem ist diese untertänige Moserei eine ideale Steilvorlage für die wirklich Zuständigen, die Politiker. Für die ist das eine einzige Vertrauenserklärung: Alles in die Hände kluger Staatslenker, die auf die Kapitalisten dieser Welt derart aufpassen, dass diese auch wirklich nur noch erfolgreich wirtschaften und reicher werden! Alle Macht für Merkel und Co, damit sie die Krise in den Griff kriegen!

Gegen diese Einseiferei sollte man sich verwahren. Und sich Rechenschaft ablegen über das System, in dem wir leben müssen. Wer sich Klarheit verschafft darüber, wie Kapitalismus funktioniert – vor der Krise, in der Krise, nach der Krise –, der weiß übrigens auch die Alternative.

Konjunkturpaket II: Krisenhilfe als Wohltat und Kampfprogramm PDF Drucken E-Mail

„Seit 73 Jahren hat die 33. Grundschule in Berlin-Pankow keine Turnhalle. Doch das soll sich jetzt ändern. Denn der Bezirk will beim Senat drei Millionen Euro für die Halle in Französisch Buchholz aus Mitteln des Konjunkturprogramms II beantragen. Die Halle soll 2011 in Betrieb gehen.“ (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung)

Na, da dürfen sich die Kleinen in Pankow aber freuen, und das schon 2011! Was gleich drei politische Systeme in Deutschland nicht zustande gebracht haben, die Krise kriegt’s hin. Allein an dieser Ungereimtheit könnte man merken, dass da irgendwas nicht zusammenpasst. Die Krise ist die Krise, ein Konjunkturprogramm ist ein Konjunkturprogramm und eine Schule ist eine Schule. Und entweder sind halbwegs ausgestattete Schulen ein anerkannter und gültiger Zweck in einem Land oder sie sind keiner. Wenn nun aber, wie hier beispielhaft zitiert, dem Nachrichten lesenden und hörenden Mitmenschen das Maßnahmebündel des Konjunkturprogramms II wie ein großes Care-Paket für das Gute und Schöne dargeboten wird, dann stellt das eine gedankliche Zumutung eigener Art dar – den Mangel nicht als Kritik sondern als Chance für einen nationalen Aufbruch zu denken. Den freilich nur für’s Gute, versteht sich. Das beweisen ja schon die lieben Kleinen in Pankow und anderswo.

„In den Gemeinden, den Städten und Ländern gibt es insgesamt viel Sanierungsbedarf. Schlechte Ausstattung ... Reparatur- und Investitionsstau ...“ (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung)

Im ganzen Land sollen also tatsächlich demnächst in öffentlichen Gebäuden Dächer abgedichtet und der Schimmelpilz beseitigt werden. Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Unverfrorenheit die Regierung neuerdings selbst mit Zuständen für sich Reklame macht, die zwar schon immer Stoff für folgenlose Nörgeleien am Stammtisch oder im Lehrerzimmer waren, aber wirklich ernst genommen durchaus wuchtig sind:

– Die deutschen Schulen und Hochschulen, ein Haufen von Bruchbuden – man frage sich nur probehalber kurz, was Frau Schavan noch vor wenigen Monaten zu einer solchen These gesagt hätte.

– Der deutsche private Fahrzeugpark, ein Haufen von altersschwachen, schrottreifen Rostlauben? Das hätte vor der Erfindung der regierungsamtlichen Abwrackprämie zumindest als maßlose Übertreibung gegolten.

– Die Infrastruktur, die Straßen, der Nahverkehr: alles marode, verrottet und heruntergekommen. Das alles sagt heute die Regierung selbst und kein Systemkritiker. Das ist interessant.



Verlogene Selbstkritik von oben

Man könnte sich ja auch glatt fragen, welche Prinzipien, welches System und welche Typen denn eigentlich die letzten rund 60 Jahre hierzulande geherrscht haben – wenn denn die Kritik von oben wirklich so gemeint wäre. Schon der ganze Gestus ist verräterisch, wenn eine Selbstkritik als Kampfprogramm daherkommt. Da will nämlich niemand etwas anderes machen, sondern alle das Gleiche wie bisher, nur eben „noch“ besser und erfolgreicher.

Der Erfolg der Wirtschaftsnation Deutschland ist so sehr Zweck und Maß aller jetzt in die Wege geleiteten Staatsprogramme, dass es nicht oft genug betont und völlig begriffslos identisch gesetzt werden kann:

„So trägt die Konjunkturkrise dazu bei, einem der wichtigsten Ziele der Reformpolitik der letzten Jahre schnell näher zu kommen, der Bildungsrepublik. Schließlich ist das Wissen in den Köpfen der Bevölkerung unser wichtigster Rohstoff. ... Autokauf fördern – Technologieführerschaft sichern ...“ (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung)

So gesehen, hätte man die Krise glatt erfinden müssen, wenn es sie nicht schon gäbe. Aber auch wenn man solche Extrem-Verdrehungen der Berliner Propagandamaschine auf ideologisches Normalmaß herunterfiltert, bleibt übrig: Krise bestätigt Richtigkeit der gemachten Politik.



Der politische Wille zum kapitalistischen Erfolg

Es sei einmal dahingestellt, was Kindergärten und Grundschulen, Straßen, Jahreswagen, Katasterämter, historische Stadtarchive, Lärmschutzwände usw. im Einzelnen zur Bilanz einer kapitalistischen Nation beitragen. Das wissen die Regierenden auch nicht so genau, müssen sie auch nicht. Was sie aber „wissen“, ist ein knallharter Anspruch: Alles, was im Rahmen des Konjunkturpakets gefördert wird, ja alles auf der Welt überhaupt, hat erstens unbedingt zu diesem Erfolg beizutragen und zweitens seine Daseinsberechtigung allein darin. Bildung und Autokaufen zum Beispiel sind für deutsche „Technologieführerschaft“ da, sonst kennt der Staat keinen Grund dafür. Das ist zur Abwechslung mal wirklich eine ehrliche Auskunft.

Und von brutaler Logik ist sie auch. Wenn alles in diesem Land „der Konjunktur“ nützen muss, dann nützen eben alle Fördermaßnahmen automatisch diesem Zweck. Eine Turnhalle in Berlin? Hebt den Umsatz des Gebäudehandwerks. Mikro-Kredite für Hartz IV-Leute? Sorgt für Wachstum und entlastet das Sozialbudget. Eine Ortsumgehung in Sachsen-Anhalt? Hilft aus der Krise und ist gut für die Umwelt. Hier wird der politische Wille per Beschluss zur Produktivkraft gemacht – mit der gleichen Gesinnung kann man auch Staudämme und Autobahnen bauen lassen oder einfach irgendwo Löcher buddeln, wie es ein berühmter Wirtschaftswissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts mal ausgedrückt hat, ohne das als Kritik zu verstehen.

Daran, dass alle im Paket gebündelten Maßnahmen der Wirtschaft dienen sollen und nicht zur Volksbeglückung erdacht worden sind, gibt es also einerseits wenig zu enthüllen. Andererseits hindert dieser Umstand aber anscheinend auch niemanden daran, die permanente Beschwörung einer Art nationaler Kampf- und Schicksalsgemeinschaft in der Krise für normal und selbstverständlich zu halten. Nehmen wir zum Beispiel folgende Parole:


„Stärker aus der Krise hervorgehen!“

Wie ist denn das zu verstehen? Hat jemand die Krise bestellt, damit „wir“ Deutschen gestärkt aus diesem Stahlbad steigen? Worauf genau bezieht sich die Vergleichsform „stärker“ eigentlich? Stärker als vor der Krise? Im normalen Leben würde man jemanden, der erst (sagen wir:) eine Billion vernichtet, um dann besser/reicher/stärker zu sein, für nicht ganz bei Trost halten. Doch jedenfalls können sich nach dieser Lesart die, die Pleite gehen oder arbeitslos werden, zumindest einbilden, einen nationalen Dienst geleistet zu haben.

Stärker als andere? Da kommen wir der Sache schon näher. Interessanterweise sagen nämlich diesen (An-)Spruch, stärker werden zu wollen, im Moment unisono alle auf: Obama, Sarko, Merkel, Brown, Medwedjew, Hu ... Das scheint allen also besonders wichtig zu sein. Sie sehen die Krise als Gelegenheit, in der Staatenkonkurrenz die Oberhand zu gewinnen oder wenigstens wichtige Punkte zu machen.

Das ist eine eigentümliche Sichtweise, die voraussetzt, dass die Gleichung von Konkurrenzerfolg und Nutzen aufgeht. Für Nationen, ihre Politiker und Geschäftsleute trifft das in der Regel zu. Für den Rest der Menschheit gibt es eigentlich wenig Grund, sie mitzumachen. Leider ist dem aber nicht so. Denn die einzige Frage, die die Leute offenbar beim staatlichen Anti-Krisenprogramm beschäftigt, ist: Funktioniert es denn auch, hat es Erfolg?



Das Volksgemurmel: Sorgen ums Gelingen des Programms und eigene Sorgen ganz anderer Art

„Reichen 30, 50, 60 Mrd. denn überhaupt aus?“

Ernst gemeint, wäre das eine ziemlich blöde Frage, weil die Antwort ja schon vorher feststeht: Das muss man halt abwarten. Aber als Solidaritätsadresse an Merkel & Co. taugt der Gedanke schon: Hauptsache, „es” hat Erfolg. Wer? Was? Wozu? Alle denkbaren rationalen Überlegungen wie „Was nützt mir das, was habe ich davon?” sind in der Sorge ums Gelingen ausgelöscht.

„Andere Staaten geben viel mehr zur Krisenbekämpfung aus.“

Ja, und? Was gehen die Maßnahmen anderer Staaten den normalen Menschen an? Zum Erkenntnisgewinn der zitierten Sorge, siehe Frage 1. Sich aber jetzt auch noch zum Regierungsberater und Anwalt des Standorts D in der internationalen Staatenkonkurrenz aufzuschwingen, hat etwas doppelt Verrücktes.

„Strohfeuer, Einmaleffekte ...“

Ja, darüber lässt sich trefflich streiten. Aber auch das sollte man besser den Wirtschaftwissenschaftlern überlassen, die der Staat eigens dafür bezahlt.

„Welche Formulare muss ich für die Abwrackprämie ausfüllen?“

Jetzt sind wir, sozusagen nur eine Zeitungsseite weiter, in der Beratungsecke, wo BILD, WAZ usw. sachkundig bedienen. Es ist schon merkwürdig: Der gleiche Leser, der sich eben noch als krisen-konjunkturtechnischer Besserwisser und ideeller Gesamtkanzler fühlen durfte, steht nun als Bittsteller vorm Amt. Sicher, wann bekommt man schon einmal 2500 Euro geschenkt? Aber dafür gleich noch das Denken mit abstellen?


Quelle: http://www.vonmarxlernen.de/index.php/texte/97-edi torial-20.html
Die Kaufkraft oder sogar die Existenz des EURO und des US$ sind massiv gefährdet.

Die US-Notenbank FED und die europäische EZB pumpen seit 2006 astronomische Beträge in den Geldmarkt. Die Geldmenge M3 wuchs jährlich um 12 bis 15% - fliesst dieses Geld in den Handel (und das wird es), droht eine horrende Teuerung vieler Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Die Staatsschulden der USA belaufen sich auf 800 Mrd. US$, die Deutschlands auf 1500 Mrd. Euro. Die USA importieren täglich Waren, Rohstoffe und Güter im Wert von 2 Mrd. US$ finanziert durch ausländische Kredite. 30% der US-Kredite werden ins Ausland verkauft; 70% der Waren werden aus Asien importiert. George W. Bush hat mehr Schulden gemacht, als alle 42 Präsidenten vor ihm zusammen. Die Vorboten einer grossen Krise sind erkennbar: Sinkende Reallöhne bei steigenden Lebenshaltungskosten; eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich - Bildung und Nicht-Bildung - Chancen und Chancenlosigkeit; Steuersysteme welche Superreiche und Unternehmen grozügig begünstigen; Veralterung der westlichen Gesellschaft: mehr Leistungsempfänger als -sender; Zwang zur Aufnahme von Überlebenskrediten; explosive Märkte "dank" intransparente Finanzprodukte (kaum jemand versteht wohin sein investiertes Geld fliesst); Bankenkrise; Verlagerung vieler Produktionen in Billig-Lohnländer; Aushebelung der natürlichen Preisentwicklung durch Spekulanten; trotz Wachstum keine Schuldensenkung! Wie lange kann und wird ein solches System noch weiterlaufen, in dem ständig mehr ausgegeben wird als eingenommen? Wann wird der Schuldenberg untragbar? Lassen sich die Probleme des maroden Währungs- und Finanzsytems noch in den Griff bekommen? Kann eine Schuldenrückzahlung ins Endlose hinausgezögert werden? Kann und darf es sein, dass Steuern gesenkt und Defizite durch neue Schulden beglichen werden? Drohen Elend und Verarmung - Renten auf Sozialhilfeniveau? Klare poltische Massnahmen zur Eindämmung sind nicht erkennbar, stattdessen spricht Vater Staat der Wirtschaft und den Banken nach dem Munde. Quo vadis Deutschland? Wie lange können Ignoranz, Realitätsverweigerung, Aussitz-Taktiken und Schönrechnerei noch gut gehen?
Fakt ist: Nicht der Bürger oder die Politik steuern das Weltgeschehen, sondern die "privaten Anteilseigner" der Zentralbanken aus dem Hintergrund.
26.03.2009 21:16
Definitionen von Inflation

Liebe Leser,


im zweiten Teil möchte ich Ihnen für den Anfang eine leichte Grundlage vermitteln - und zwar mit Hilfe des Auszugs aus einem Text den ich bereits vor zwei Jahren zum ersten Mal veröffentlich hatte:

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich ein jedes Mitglied der Gesellschaft, ein jeder Bürger eines Staates regelmäßig seine Gedanken machen sollte, über die Politik seiner Regierungen und - was vielleicht noch wichtiger ist- die Politik seiner Notenbank.

Denn, was ist es schließlich, das uns als funktionierendes Gefüge voneinander abhängiger Individuen zusammenhält?! Es ist das Tauschgeschäft mittels bunter Papiere auf deren Wert wir" uns täglich aufs Neue einigen müssen und denen wir die auf ihren Besitzer übertragbare Macht im Sinne dieses Wertkonsens beimessen. Eine Macht, nach deren realem Ziel, der dahinter stehenden - möglicherweise vermeintlichen - Freiheit, auch noch der beste Philosoph schlussendlich strebt.

Genug der Einführung... Fiat Money !(lat. Es werde...engl. Geld )

Der Ausdruck Fiat Money bezeichnet genau das, was er besagt: Hier wird Geld gemacht. Grundsätzlich steht er für das System der Notenbanken seit 1971 die Golddeckung der Währung aufgehoben wurde. Das Geld ist damit von jeglichem Wertbezug befreit. Diese Befreiung weist allerdings gravierende Nachteile auf. Denn wenn sich Geld auf Nichts mehr beziehen muss, welchen Wert hat es dann noch?! Oder noch viel wichtiger, wer schützt den bestehenden Wert den wir ihm beimessen?! Wenn es nämlich die Zentralbank nicht tut, dann auch kein anderer....

Sie wissen schon worauf ich hinaus will...Grundsätzlich ist das Fiat Money System bestens dafür geeignet eine Inflation hervorzurufen. Der Begriff Inflation leitet sich übrigens vom lateinischen inflare" ab, was so viel bedeutet wie Aufblasen". Hier geschieht nicht anderes, als das was nach Aufhebung der Golddeckung zur einfachsten Sache der Welt für die Notenbanker geworden ist: Die Erhöhung der bestehenden Geldmenge, ohne zugrunde liegende Werterhöhung.

Inflationen und Definitionen

Eigentlich sind zumindest die Deutschen mit dem Wort Inflation ja bestens vertraut. Erinnern sich doch zumindest die Großeltern - und Urgroßelterngeneration gleich an zwei massive Hyperinflationen im 20. Jahrhundert. Die erste 1919 - 1923 und die zweite 1945. Zweimal in einem Jahrhundert ist der Durchschnittsbürger Besitzer von Millionen bis Milliarden, kann sich aber nichts davon kaufen, weil diese Zahlen fast keinem Wert mehr entsprechen. Es scheint als hätte die Bundesbank mit ihrer D- Mark zu ihren Zeiten, diese Szenarien noch im Hinterkopf gehabt. Denn sie gehörte immer zu den mäßigeren Inflationären.

Warenkorbdefinition

Packen Sie einen Einkaufskorb voll mit Waren, kaufen Sie die gleichen Güter im nächsten und im übernächsten Jahr. Sie bezahlen in jedem Jahr mehr. Berechnen Sie nun die prozentuale Steigerung und sie haben ihre Inflationsrate.

So einfach es ist, so einfach scheint es nicht zu sein. Benutzen doch die Regierungen, hier allen voran die US Regierung, aber in zunehmendem Maße auch die Europäer ganz bestimmte Mittel um die Teuerung der Warenkörbe zu optimieren, oder besser gesagt zu manipulieren.

Ein Mittel, welches beide anwenden ist die Hedonik. Hierbei werden im Warenkorb Qualitätsverbesserungen berücksichtigt. Dies entspricht aber nicht immer der Realität. Nehmen Sie zum Beispiel einen Computer. Sie alle wissen sicher, wie schnell dessen Wert verfällt, wo jedes halbe Jahr neuere und bessere Modelle auf den Markt kommen. Mit dieser Methode lassen sich durchaus geeignete Manipulationen an der Bewertung durchführen.

Noch bunter geht's in den Staaten einher, seit die Clinton Administration ihren Staatshaushalt saniert" übergeben wollte und ganz offiziell eine optimierte Inflationsrate ins Leben rief.

Da gibt es solch tolle Dinge wie den Surrogatansatz: Der geht passender Weise einfach davon aus, dass man ein Gut im nächsten Jahr auch durch ein anderes, billigeres ersetzen kann. Wenn Weizen also steigt, dann kaufen Sie eben Kartoffeln, die sind vielleicht billiger. Angeblich liegt die Begründung darin, dass die billigeren Waren, eben aufgrund ihres Preises ja eine höhere Nachfrage erzielen müssten. Dabei kann Ihnen jeder 14 jährige erzählen, dass die Nachfrage den Preis bestimmt und damit den Weizen erst teurer machte.

Die Klassik

Neben der Warenkorbdefinition gibt es eine klassische Definition, die in der österreichischen Volkswirtschaftslehre entwickelt wurde. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Inflation erst entsteht wenn das Wachstum der Geldmenge größer ist als das Wachstum der Gütermenge. Wenn man also das Wachstum der Gütermenge (Delta BIP) vom Wachstum der Geldmenge (Delta M) abzieht erhält man den Preisanstieg (Delta P), folglich die Inflationsrate.

Oder: Geldmengenwachstum - Wirtschaftswachstum = Inflation

Das faszinierende an dieser Formel ist, dass sie im Gegensatz zur Warenkorbdefinition, die nur die Preissteigerung angibt, auch die Ursachen für eben jenen Preisanstieg mit einbezieht.

Der Preisanstieg der sich daraus ergibt wirkt sich meist zunächst auf die Vermögenswerte aus. Das heißt als Erstes steigen zum Beispiel die Immobilienpreise oder die Renten.

Interessanterweise entspricht genau dieses Szenario aber der Realität. Denn die Erzeuger- und hernach die Konsumgüterpreise, die die Inflation schließlich jedem schmerzhaft bewusst werden lassen, steigen immer am Schluss.

So long liebe Leser...so viel einmal für den Anfang...am kommenden Montag geht es dann weiter an dieser Stelle mit weiteren Definitionen von Inflation, der Geschichte des CPI, den alternativen Berechnungsmethoden des John Williams und den europäischen Methoden....morgen gibt's hier wie gewohnt den Wochenrückblick...ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend und bis morgen...

Ihre Miriam Kraus
tschechischer eu-präsident:

Obama's Politik "Weg zur Hölle"

Obama's Kombination aus Stimuli und Protektionismus wiederholt die Fehler der 30er Jahre. Obama's Politik ist "der Weg zur Hölle" (oder besser übersetzt "road to the asshole").

http://motls.blogspot.com/2009/03/eu-presidency-obama-polici…
USA meldet Staatsbankrott
28. März 2009 10:39


Leere Staatskassen, Banken am Boden, Konsumenten bis über beide Ohren überschuldet, die Industrie praktisch bankrott......und die Schulden wachsen im 1,7 Mrd Dollar-Takt – PRO TAG!!!

Der einst größte Gläubiger ist heute zum größten Schuldner abgestiegen. Und täglich werden neue Negativrekorde bekannt.

• Welt-Negagiv-Rekord Nr. 1: Der 10 Billionen Dollar Schuldenberg
• Welt-Negativ-Rekord Nr. 2: Das 1,7 Milliarden Dollar Schuldenwachstum pro Tag
• Welt-Negativ-Rekord Nr. 3: Das 800 Milliarden Dollar Leistungsbilanzdefizit

Kein anderes Land kann oder konnte je eine solche Negativ-Leistung vorweisen. Aber auch kein anderes Land der Welt hat je eine solche Maßlosigkeit an den Tag gelegt. Und es wird immer klarer: Das Land der ehemals unbegrenzten Möglichkeiten hat über Jahre hinweg einfach nur geblufft. Aber dieser Bluff war tödlich.




Die USA ein Zombie?

Ja, denn seit Jahren wird der Staatsbankrott nur verschleiert. Über Jahre hinweg hat man jeden Dollar an Wirtschaftswachstum mit einer fast 5mal so hohen Neuverschuldung finanziert.

Jeden Unternehmer würde man wegen Insolvenzverschleppung anklagen. Denn verglichen mit einem Wirtschaftsunternehmen ist das so, als ob der Geschäftsführer für jeden Euro Gewinn 5 Euro Kredit bei der Bank aufnähme. So jemanden würde man spätestens wenn die Bank aussteigt und der Schwindel auffliegt vor Gericht zerren.



Aber es kommt noch böser

Wissen Sie, warum es auch in Europa immer mehr den Bach runtergeht? Die wissen insgeheim, dass es noch viel böser kommt. Und wie jede Mode und jede Modedroge wird auch die nächste Katastrophe über den großen Teich zu uns nach Europa rüberschwappen.

Denn die 10 Billionen Dollar Schulden sind nur die offiziellen, aktuell sichtbaren Schulden. In Wirklichkeit liegt die Summe um das 6-fache höher. Experten sprechen von der sage und schreibe unglaublichen Summe von 60 Billionen Dollar.

Denn auf geschätze 50 Billionen Dollar Schulden belaufen sich die demnächst fälligen Zahlungen für die Pensionen von Staatsbediensteten und Militärs. Und nicht zu vergessen, die Kosten aus dem staatlichen Gesundheitsprogramm. Denn in den nächsten Jahren rollt die Generationslawine der Babyboomer über das Land hinweg und in den Ruhestand hinein.



Doch auch ohne diesen Sargnagel ist die Lage extrem ernst:

• Nicht nur die Autoindustrie ist faktisch bankrott.
• Auch große Teile der Industrie stehen kurz davor.
• Die Finanzbranche ist handlungsunfähig.
• Die Airlines kleben fest am Boden.
• Und der Immobilienmarkt befindet sich am Grund eines 10.000 m tiefen Bohrloches.

Die Frage, die niemand auszusprechen wagt: Warum macht die USA weiter? Und wirft immer mehr Geld auf den Markt. Die Antwort ist, sie kann nich anders. Sie ist unsterblich, aber eben wie ein Zombie. Untote können bekanntlicherweise nicht sterben.

Und so heißt das Schicksal der USA: Deindustrialisierung, Rezession, Depression, Massenarbeitslosigkeit und Verarmung großer Bevölkerungsschichten. Und zwar in der Langfristperspektive. Und wir sprechen hier von Jahrzehnten.

Und noch etwas wird klar. Auch dieses Szenario wird sich wie einst die modernen Errungenschaften seinen Weg nach Europa bahnen. Die USA wird Europa und weite Teile der Welt noch viel tiefer in den Abgrund ziehen.
#70 und 74

Hallo Marchella,

hast Du eine Quelle für diese Texte?
So namenlos sind sie für mich irgendwie beliebig...

Danke und netten Gruß
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.871.079 von kevine1 am 28.03.09 11:56:46#70 kann ich im Moment leider nicht finden!
#71 http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2009-03/13475616…
#74 http://www.be24.at/blog/entry/621148

hoffe ich konnte dir helfen

mfg
Marchella
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.872.348 von Marchella am 28.03.09 18:44:53Danke, Marchella!
Cicero - Magazin für politische Kultur
EXTRA: Kolumne - Weimers Woche 03.04.2009, 12:00 Uhr
Weimers Woche: Brandbekämpfung mit Benzin

Die Staatschef der 20 größten Wirtschaftsnationen bekämpfen eine durch Überschuldungs bedingte Krise mit Schulden
Von Wolfram Weimer

Und noch eine Billion: Die Staatschefs der G20-Staaten wollen die weltweite Wirtschaftskrise wie Feuerwehrleute mit riesigen Finanzspritzen bekämpfen. Doch dieser Weg ist brandgefährlich. Das Ende der alten Krise könnte der Beginn einer neuen, noch viel größeren sein.

Der G20-Gipfel hat 1.000.000.000.000 Dollar locker gemacht. Die kommen zu den 5.000.000.000.000 Dollar obendrauf, die in den einzelnen Ländern schon als Konjunkturprogramme aufgelegt worden sind. Seit London wissen wir: Die Weltpolitik ist in die Sphäre der Fantastilliarden vorgedrungen.

Im Gestus breitbeiniger Feuerwehrleute will das Gipfelpersonal den lodernden Brand der Rezession löschen. Dabei werden gewaltige bis gigantische Geldschläuche gelegt und es steht zu befürchten, dass man wild umherspritzt. Das Schlimmste aber ist: In den Schläuchen befindet sich kein Löschwasser sondern Brennbares. Denn es wird versucht, den Schuldenbrand mit neuen Schulden zu bekämpfen.

Überschuldungsfiasko in den USA
Damit geraten nicht nur die öffentlichen Haushalte der westlichen Welt aus allen Fugen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wird hektisch zur Monsterkreditmaschine umgebaut. Nach dem Londoner Entscheid vergibt der Fonds seine - um mal eben 500.000.000.000 aufgestockten - Hilfen fortan ohne die bisher üblichen wirtschaftspolitischen Auflagen. Das ist wie Ostereierkriegen ohne Suchen. Als erstes Land hat Mexiko sich hasenschnell 47 Milliarden Dollar verschafft. Eine Kontrolle, ob das Geld klug investiert oder wild verschwendet wird, hat niemand mehr.

Am schlimmsten stehen die USA da. Sie haben staatlicherseits bereits 10,7 Billionen Dollar Schulden, dazu addieren sich knapp 24 Billionen Dollar Verbindlichkeiten des amerikanischen Privatsektors. Die aktuelle Weltwirtschaftkrise ist ein Kind genau dieses Überschuldungsfiaskos. Noch versucht die Politik, gierige Banker und kleine Steueroasen öffentlich als Sündenböcke zu brandmarken. Doch sind sie es selbst, die uns mit ihrer ungezügelten Schuldenpolitik in immer riskantere Konstellationen bringen.

Amerika hat viele Jahre lang vollkommen über seine Verhältnisse gelebt. Anstatt nun aber eine Vision solider Zukunftsentwicklung zu formulieren, macht Obama das Gleiche wie George Bush: neue Schulden und eine enthemmte Nullzinspolitik der Notenbank sollen akute politische Probleme bewältigen. Was bei Bush noch nach texanischer Wurstigkeit einer Finanzpolitik nach Gefahrenlage aussah, droht unter Obama zur Staatsdoktrin zu werden.

Wer soll die neuen Schulden zahlen?
Nun stellt sich die Frage, woher das viele Schuldengeld kommen soll? Wer gibt überschuldeten Halbbankrotteuren wie den USA frische Milliarden? Die Chinesen, die Araber, die Deutschen? An den internationalen Anleihemärkten haben es auch Staaten immer schwerer, sich zu refinanzieren.

Angesichts dieser Gefahr hat die US-Notenbank kurzerhand beschlossen, Staatsanleihen auch selber zu kaufen. Damit tritt das globale Schuldenspiel in eine neue Dimension. Wenn Regierungen sich überschulden und sich selber die Schulden auch noch abkaufen, dann betreiben sie finanzpolitisches Eigenblutdoping. Was die Finanzpolitik der USA anbetrifft, fühlt man sich ein wenig an die finalen Tage von Ludwig XIV. erinnert. Der Staatsbankrott droht, also drucken wir Geld.

Das Herzstück dieser Krisen-Politik ist also reines Inflationsmonopoly. Die Staatschefs spielen unter Obamas sanfter Führung das globale Vabanque einfach mit. Da die USA schon jetzt zwei Drittel der gesamten Weltsparleistung zur Finanzierung ihrer Schulden absorbieren, stellt sich die Frage nach dem Ausgang der Schulden-Spekulation. Wenn man die historisch übliche Lösung einer derartigen Konstellation – Krieg und Revolution – für unwahrscheinlich hält, dann bleibt eine massive Dollarabwertung die einzige Chance der Amerikaner, ihr Spiel noch zu gewinnen. Sie inflationieren ihre Dollar-Währung und entledigen sich so der dramatischen Schulden im Ausland.

So oder so steht eines nun fest: Der G20-Gipfel beendet die Crash-Phase dieser Krise und lässt die große Inflation beginnen.
Die Krise des Kapitals


Schon wenn das Kapital nicht in der Krise ist, sondern sich nach allen Regeln der Kunst vergrößert, haben gewöhnliche Leute nichts zu lachen. Sie bezahlen den Erfolg der Geschäftemacherei mit ihrer Plackerei, mit Niedriglöhnen und fortwährender Existenzunsicherheit. Und jetzt gilt es auch noch, den Misserfolg der Geschäftemacherei auszulöffeln.

Nach Jahren des weltweiten Wachstums, immer tolleren Umsatz- und Gewinnrekorden seiner großen Unternehmen und gewaltigen Vermögenszunahmen bei Banken und Großinvestoren an den internationalen Kapitalmärkten steckt das kapitalistische System in seiner bisher tiefsten Krise. Obwohl diese Megakrise mit ihrer weltweiten Vernichtung von Reichtum aller Art in bisher ungeahnten Dimensionen kein besonders schlagkräftiges Argument für Funktionstüchtigkeit und Effizienz ist (an anderen Qualitätskriterien lässt sich dieses System sowieso nicht messen!), herrscht keine Wegschmeiß-Stimmung. Anders als beim einstigen Systemgegner aus dem Osten beweist dieser Fall von Nicht-Funktionieren den Meinungsführern der bürgerlichen Öffentlichkeit keineswegs die Untauglichkeit „unseres“ Systems. Dass das Kapital in der Krise steckt und alle Welt dafür büßen lässt, spricht nicht dafür, den Kapitalismus auf den Misthaufen der Geschichte zu werfen, sondern umso entschiedener für seine Rettung. Entweder wird so getan, als habe diese Krise eigentlich gar nichts mit dem System zu tun: Ganz sicher sind unnötige „Fehler“ gemacht worden, wurden die eigentlich guten und Erfolg versprechenden Geschäftsprinzipien mit Füßen getreten. Oder aber man geht sogar so weit, diese Krise als „ganz normale Korrektur von Fehlentwicklungen“ zu besprechen und von „Selbstreinigungskräften“ des Kapitalismus zu schwärmen.

Unsere Empfehlung: Man sollte diese Krise als ein weiteres Lehrstück nehmen, das über die Eigentümlichkeiten des kapitalistischen Systems Aufschluss gibt. Fürs Erste bieten sich einige Fragen an:

Welche Phänomene gelten überhaupt als Krise? Was steckt eigentlich jetzt in der Krise und hat demzufolge bislang gut funktioniert? Warum will der Staat die Banken unbedingt retten und auch anderen großen Unternehmen helfen? Welche Rolle ist für die Massen vorgesehen – bei der Rettung des Kapitalismus vor seiner Krise?


Im Folgenden ein paar Hinweise dazu. Ansonsten helfen vielleicht die anderen Artikel weiter, die wir auf dieser marxistischen Website nach und nach anbieten.




1. Was im kapitalistischen System alles keine Krise darstellt, sondern als Normalzustand durchgeht


Recht aufschlußreich ist, welche Trostlosigkeiten, die zum Kapitalismus dazu gehören, keine „Krise“ abgeben.


- Die Krise besteht nicht in Millionen Hungerleidern, die es bereits gab, als die Geschäftsleute dieser Welt mit sich noch zufrieden waren.
- Sie besteht nicht in den Kriegen und Konflikten konkurrierender Nationalstaaten um ökonomische und politische Einflusssphären.
- Sie besteht nicht in der Verwüstung der natürlichen Lebensgrundlagen, die die allgemein betränte, aber offenbar unvermeidliche Folge des Wachstums des Geldes der Besitzenden ist.
- Sie besteht nicht in der Ausbeutung der abhängig Beschäftigten rund um den Globus, die in Konkurrenz zueinander immer mehr Arbeit für immer weniger Geld abzuliefern haben.

Man kann hier viel lernen über die herrschenden Zwecke, also die in diesem System – jenseits der Ideologie – gültigen Erfolgskriterien … Die genannten Schädigungen sind keine zufälligen Ausrutscher, sondern gehören notwendig zu diesem System – als Mittel und Begleiterscheinung davon, dass Geschäftemacher und Staatsgewalten die Springquellen des Reichtums auf dem gesamten Globus für sich mobilisieren. Der globale Kapitalismus produziert haufenweise „Dauerkrisen“ für die Menschheit – doch damit ist die Krise, welche die Herrschenden dieser Welt jetzt ausrufen und an der sie so bitter leiden, nicht zu verwechseln.




2. Krise herrscht dann, wenn der Zweck des kapitalistischen Systems, aus Geld mehr Geld zu machen, nicht aufgeht



Die ganze Welt ist heute Mittel kapitalistischer Geschäftemacherei. Kein Mensch, keine Region dieser Erde kommt dem aus. Ob jemand an seinen Lebensunterhalt kommt oder nicht, was das dann für ein Leben ist und wie die dafür zu erbringende Leistung aussieht, all das hängt davon ab, ob irgendein Investor damit reich werden kann. Darüber scheiden sich die Menschen und Landstriche in arm und weniger arm. Und die Geschäftemacher und die davon mitprofitierenden Staaten in weniger reich und sehr reich. Fast schon regelmäßig wird auf diese Weise immer mal wieder so viel Reichtum erzeugt, dass er für eine weitere Reichtumsvermehrung nicht mehr verwendbar ist: Dann herrscht Krise und Reichtum wird vernichtet, Kapital in allen Formen entwertet (Waren, Produktionsanlagen, Geldvermögen). Ein absurder, aber typischer Widerspruch des kapitalistischen Systems. Diesmal ging die Überproduktion von Reichtum im finanzkapitalistischen Überbau los. Dort wurde so viel Geldvermögen aufgehäuft – in Form von Wertpapieren und Kreditversprechen aller Art –, dass sich die Spekulation auf immer mehr Wertschöpfung gegen sich selbst richtete: Milliardenwerte wurden „verbrannt“. Wenn die Finanzspekulationen der Banken und Börsen misslingen, steckt auch der Rest der Wirtschaft, der den Kredit der Banken für das eigene Geschäft braucht, in der Krise. Damit stockt ganz allgemein die Geschäftemacherei, weil der ökonomische Zweck nicht mehr aufgeht, für den überhaupt nur produziert und gearbeitet wird: Aus Geld mehr Geld zu machen. Dann liegt der ganze Laden lahm! Die Kapitalisten exekutieren die schlichte ökonomische Wahrheit: Die Welt ist nur soviel wert, wie sie zu ihrer Bereicherung taugt. Aller materielle Reichtum wird nur produziert, das ökonomische Leben von Gesellschaften nur insoweit aufrecht erhalten, wie Gewinne zustandekommen und Zinsen bezahlt werden können.





3. Der Staat hilft den Banken und anderen, um die Herrschaft des Geldes aufrecht zu erhalten



Im Herbst 2008 spitzt sich die Krise der Finanzkapitalisten aller Länder dramatisch zu. Bevor sie um Hilfe rufen können, bekommen sie sie. Rund um den Globus reagieren die Staaten. In Windeseile mobilisieren sie Gelder und Kredite in bisher nicht bekannten Größenordnungen, um das Finanzsystem und damit die gesamte Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu retten. Ohne die Geld- und Kreditzirkulation, die die Banken betreiben, solange sie damit Geld verdienen, geht im Kapitalismus nichts. Also tun die Regierungen alles ihnen Mögliche, um die Banken zu stützen, ihre faulen Kredite aufzukaufen, ihnen sonstige Finanzspritzen zu geben oder mit Staatsbürgschaften Kreditwürdigkeit zu verleihen, die sie sonst gar nicht mehr hätten. Ziel all dieser Hilfen ist es, ihnen genau die Geschäfte wieder zu ermöglichen, die die jetzige Krise erzeugt haben.
Dabei entsorgen die Macher einige Ideologien über das staatliche Handeln: Von wegen, der Staat müsse sich aus der Wirtschaft heraushalten! Von wegen, die staatlichen Kassen seien leer und weitere Verschuldung unmöglich! Der Staat stellt klar, wofür er bereit ist, seine eigene Kreditwürdigkeit bis zum Anschlag zu strapazieren: Zur Rettung des Finanzsystems, damit dieses seine Dienste für das Wachstum der nationalen Wirtschaft wieder erbringen kann. Weil es darum geht, die Herrschaft des Geldes über das ökonomische Leben der Gesellschaft aufrecht zu erhalten, steht für die Regierungen fest: Ihre Rettungsaktionen sind alternativlos. Sämtliche staatlichen Zwecke und Vorhaben haben sich unterzuordnen; die Lebensinteressen der abhängigen Menschheit sowieso.

Im Frühjahr 2009 geht der Aktivismus der Staatsmacher dann immer weiter. Weil alle Branchen, angefangen mit dem Automobilsektor, in den krisenhaften Absturz hineinverwickelt werden, muss jeder Staat Konjunkturpakete auflegen, mit denen per Staatsverschuldung Umsätze erzeugt werden, die den Absturz abbremsen sollen.





4. Die Massen dürfen für die Rettung des Kapitalismus vor seiner Katastrophe umso mehr die Daumen drücken, je mehr sie in der Krise die Härte des Systems zu spüren bekommen

Dass all diejenigen Opfer für die Überwindung der Krise zu bringen haben, die auch schon bei guter Konjunktur die Manövriermasse dieser Wirtschaftsweise sind, braucht nicht zu verwundern: Ob als Arbeitsplatzbesitzer oder Rentner, Arbeitsloser oder Sparer usw. – die lohnabhängige Klasse wird auf höhere Kosten, geringere Löhne und Renten, Arbeitslosigkeit und schrumpfende Ersparnisse eingestimmt.

Die daraus folgenden Sorgen hat der kleine Mann wie auch sonst immer ganz privat zu bewältigen: sich auf schlechtere Zeiten einstellen und sich einteilen. Das heißt nicht, dass deswegen bloß Schnauzehalten und Passivität angesagt sind. Gemeckert werden darf umso mehr – auf „profitgierige Manager“ ebenso wie auf die „Nieten in Nadelstreifen“. Den Anspruch auf ein gerechtes Beschwerdewesen haben sich die Opfer des Systems allemal verdient, wie ihnen täglich von BILD und anderen Medien versichert wird. Nicht nur, dass diese Art Kritik einen erfolgreichen Unternehmer umso ehrenwerter dastehen lässt. Vor allem ist diese untertänige Moserei eine ideale Steilvorlage für die wirklich Zuständigen, die Politiker. Für die ist das eine einzige Vertrauenserklärung: Alles in die Hände kluger Staatslenker, die auf die Kapitalisten dieser Welt derart aufpassen, dass diese auch wirklich nur noch erfolgreich wirtschaften und reicher werden! Alle Macht für Merkel und Co, damit sie die Krise in den Griff kriegen!

Gegen diese Einseiferei sollte man sich verwahren. Und sich Rechenschaft ablegen über das System, in dem wir leben müssen. Wer sich Klarheit verschafft darüber, wie Kapitalismus funktioniert – vor der Krise, in der Krise, nach der Krise –, der weiß übrigens auch die Alternative.

http://www.vonmarxlernen.de/index.php/texte/97-editorial-20.html
30.04.2009, 07:05 Uhr
Bulle & Bär
Wiederholt sich die Geschichte?
von Udo Rettberg
Ist die aktuelle Wirtschaftskrise mit der Großen Depression der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts vergleichbar? Ökonomen verneinen dies mehrheitlich und geben Entwarnung. Jedoch gibt es ein Researchhaus, das sagt, die jetzige Lage sei sogar viel schlimmer als damals.

FRANKFURT. Die Fachleute von CIS Asset Management in Frankfurt haben akribisch Daten und Fakten aus Archiven und Bibliotheken in New York beschafft und die seinerzeitige Situation mit der heutigen verglichen. Das Urteil ihrer Recherchen: Die aktuelle Situation ist wesentlich dramatischer als die Zeit der Großen Depression. So könne heute von einer „Great Depression 2.0“ gesprochen werden.

Der in den USA durch Immobilien- und Aktienkrise erzwungene Konsumverzicht werde die Gesamtwirtschaft auf Jahre lähmen und die Unternehmensgewinne von 2007 bis 2010 um 90 Prozent einbrechen lassen. Und daher sei bei einigen Anlageklassen noch mit Wertverlusten von weiteren 50 Prozent zu rechnen.

Solche vergleichenden Analysen berücksichtigen jedoch zu wenig die Unterschiede zwischen damals und heute. Seinerzeit existierte im Sprachschatz der Menschen das Wort Globalisierung so gut wie nicht. Mit China, Indien und den ölreichen Staaten sind inzwischen ökonomische Supermächte entstanden, die nicht nur von der Wirtschaftskraft der USA abhängen. Zudem ist heute der Informationsaustausch zwischen einzelnen Wirtschaftsblöcken sowie die Bereitschaft zu konzertierten internationalen Aktionen größer.

Wie immer man auch zu den gigantischen Hilfspaketen der Regierungen und zur generösen Geldpolitik der Notenbanken steht – auch hier stellt sich die Situation im Vergleich zu den 30er-Jahren völlig anders dar. Noch werden die Aktienmärkte von der Hoffnung getrieben, dass diese mittelfristig auf Geldentwertung hinauslaufenden Maßnahmen greifen – und Regierungen und Notenbanken später auch eine sinnvolle Exit-Strategie finden werden.

Dies sind schwierige Zeiten für Börsen-Optimisten. Doch sie haben ein stichhaltigstes Argument: Anleger, die viel Geld in Geldmarktfonds geparkt haben, schauen nach interessanteren Investments – wie Aktien!

http://www.handelsblatt.com/finanzen/bulle-baer/wiederholt-s…
Es gibt ein neues Buch zur Finanzkrise - klingt etwas anders als die Mehrzahl der bisherigen...



http://www.amazon.de/Grund-Finanzkrise-unverantwortliche-Spe…

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»Unsere Arbeiter sind nicht weniger produktiv als vor der Krise. Unser Verstand ist nicht weniger erfinderisch, unsere Güter und Dienste werden nicht weniger gebraucht als letzte Woche, letzten Monat oder letztes Jahr. Unsere Kapazitäten sind unverändert.« (Barack Obama) Es könnte also alles so weitergehen wie bisher. Aber was ist dann der Grund für die Krise? »Zu wenig privater Konsum, um die verfügbare Produktionskapazität auszunutzen, ist in weiten Teilen der Welt ganz eindeutig zur Wohlstands­bremse Nummer eins geworden« (Paul Krugman) Eine absurde Krise. Offensichtlich gibt es von allem zu viel. Der Reichtum ist im Überfluss vorhanden, es gibt nicht zu wenig Produktionspotential, sondern Überkapazitäten. Wo soll man hin mit all den nützlichen Sachen, die produziert wurden. Arbeitnehmer werden entlassen und damit außer Lohn und Brot gesetzt, weil zu viel produziert wurde. Nützliche Gebrauchsgegenstände liegen auf Halde und funktionierende Produktionsstätten werden geschlossen wegen zu geringer Nachfrage bei gleichzeitiger Massenverelendung. Der physische Reichtum der Gesellschaft hat sich also nicht in Luft aufgelöst, er wird vom Standpunkt des Geschäfts nur nicht mehr gebraucht. Was ist das für ein komischer Reichtum, der – obwohl sich die materiellen Produktionsbedingungen gar nicht verändert haben, obwohl Lebensmittel, Unterkünfte und alle möglichen sonstigen Konsumartikel weiterhin vorhanden sind – plötzlich in einem zunehmenden Umfang für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung steht? Warum regiert das Geld die Welt?


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Argumente gegen einen anständigen Kapitalismus, 21. April 2009
Von Sumi Miller "Sumi" - Alle meine Rezensionen ansehen
Das Buch von Hermann Lueer unterscheidet sich wohltuend von den inzwischen zahlreich zur Finanzkrise erschienenen Büchern. Hier werden weder Anlageempfehlungen gegeben, noch wird für einen anständigen Kapitalismus geworden. Stattdessen wird anhand der Analyse der Gründe der Finanzkrise nachgewiesen, dass die mit dem Kampf gegen das internationale Finanzkapital verbreitete Solidarität zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und den politischen Vertretern der Marktwirtschaft nur eines sicherstellt: Die Finanzkrise wird nicht das Ende der Party sein, sondern der Neuanfang auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung.

Anstatt sich über die angeblichen Exzesse des raffenden Finanzkapitals aufzuregen, werden in dem vorliegenden Buch Argumente gegen ein Wirtschaftssystem geliefert, dessen Resultate schon lange vor der Finanzkrise Anlass für systemkritische Fragen boten. Weiterempfehlen!
Goldpreistreiber: Beispiellose US-Geldmenge wird - mit der Zeit - zu Inflation führen.
05.05.2009 | 11:15 Uhr | Rainer Hahn (EMFIS)

RTE Stuttgart - (www.rohstoffe-go.de) - Als das US-Finanzministerium die Entscheidung traf, der aktuelle Krise des Finanzsektors und der US-Wirtschaft insgesamt mit drastischen Leitzinssenkungen und enormen Infusionen von Kapital zu begegnen, um mit Milliarden von Dollar die Banken und große Unternehmen wie General Motors vor der Pleite zu retten, begannen viele Analysten und Experten zu warnen, dass dies zu einem starken Anstieg der Inflation führen werde.

Doch noch ist die US-Wirtschaft in einer deflationären Rezession. Das wird sich nach Ansicht der Analysten von Blanchard & Co. aber definitiv ändern. Die Frage sei nur - wann?

Die Inflation sei für die Wirtschaft heute und in Zukunft immer noch genauso gefährlich wie damals, als die Fed die Gelddruckmaschinen auf volle Kraft stellte. Eigentlich ist es unvorstellbar, dass diese riesige Menge an neuem Geld bisher nicht zu Inflation order Hyperinflation geführt hat.

Laut der Experten von Blanchard & Co. liegt das daran, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes so stark gefallen ist. Weil die Banken sich untereinander immer noch nicht trauen, wechselt das Geld nicht so von Hand zu Hand wie ursprünglich geplant, so die Analysten. In den vergangenen sechs Monaten sei die Geldmenge exponentiell angewachsen, doch die Wirtschaft bleibe in schlechter Verfassung, da nur wenige Institutionen bereit seien, Geld zu verleihen, zu leihen oder auszugeben. Ein "Teufelskreis", der sich fortsetzen werde, bis das Vertrauen in die Wirtschaft zurück kehrt, und Banken, Investoren und Konsumenten wieder mehr Geld ausgeben, wie es die Konjunkturprogramme vorsehen.

Schlussendlich, so Blanchard & Co., werde die Geldmenge eine "kritische Masse" erreichen, die die Inflation anheizen wird, und zwar bis auf ein Niveau, das möglicherweise sogar eine Hyperinflation auslösen könnte. Und bis das Geld wieder in normaler Geschwindigkeit durch die Wirtschaft fließt, rechnen die Experten auch mit keiner Erholung, sondern Finanzprobleme bei vielen Unternehmen, steigende Arbeitslosigkeit, steigende Insolvenzzahlen etc.

Das lasse der Fed keine Wahl: sie müsse noch mehr Geld drucken und damit die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs des Dollars erhöhen. Und genau deshalb seien Gold, Silber und andere, "konkrete" Anlageformen mit enormem Aufwärtspotenzial ausgestattet, da sie als sicherer Hafen in Inflationszeiten angesehen werden. Es sei keine Frage, ob dieses Szenario eintreten werde, sondern nur wann es da tut.
FTD, 22.05.2009, 22:06

Union befürchtet 500 Mrd. Schulden

Zum Auftakt der Steuerschätzung stimmen Haushaltsexperten der Union die Bürger auf eine gewaltige Neuverschuldung ein. Bis 2013 muss sich der Bund demnach bis zu 498 Mrd. Euro pumpen. FTD.de zeigt, wo die meisten Schulden entstehen sollen.

Der Bund steuert nach Einschätzung von Haushaltspolitikern der Union auf eine gigantische Neuverschuldung zu. In diesem und den kommenden vier Jahren dürfte sich die Neuverschuldung auf 483 Mrd. Euro summieren, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Fraktion, Steffen Kampeter, am Montag in Berlin. Eine neue Defizitlücke wird sich schon mit der Steuerschätzung auftun, über die ab Dienstag in Bad Kreuznach beraten wird. Finanzminister Peer Steinbrück rechnete aus, dass der Staat – also Bund, Länder und Kommunen – im Vergleich zu bisherigen Prognosen mit einem Einnahmeverlust von 300 bis 350 Mrd. Euro bis zum Jahr 2013 ausgehen muss. Dem Arbeitskreis Steuerschätzung liegen allerdings mehrere Vorhersagen vor. In Kampeters Rechnung sind nicht nur die Steuereinbußen als Folge der Rezession berücksichtigt, sondern auch Mehrausgaben zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wird noch im Mai einen zweiten Nachtragsetat für 2009 vorlegen. Laut einem Papier der AG Haushalt in der Union, das FTD.de vorliegt, wird die Nettokreditaufnahme des Bundes damit auf gut 58 Mrd. Euro klettern. Bisher waren fast 37 Mrd. Euro veranschlagt. Einschließlich des Investitions- und Tilgungsfonds für das zweite Konjunkturpaket steigt die Bundes-Neuverschuldung nach Berechnungen der Union in diesem Jahr auf fast 84 Mrd. Euro und 2010 auf fast 95 Mrd. Euro. Die Union bezieht zudem Ausfälle aus Garantien und anderen Hilfen des Banken-Rettungsfonds Soffin von 70 Mrd. Euro in diesem Jahr ein. Die Gesamt-Neuverschuldung läge 2009 damit bei fast 154 Mrd. Euro.

Verschuldung sinkt nur langsam

In den Folgejahren ist aus Sicht der Unionsexperten keine Entspannung für den Bundeshaushalt zu erwarten. So rechnen sie zwischen 2010 bis 2013 allein mit Liquiditätsdarlehen an die Bundesagentur für Arbeit (BA) von zusammen 56 Mrd. Euro. Hinzu kommen Mehrausgaben für Langzeitarbeitslose von insgesamt 39 Mrd. Euro. Für den Gesundheitsfonds könnte drei Mrd. Euro in diesem Jahr 2010 ein weiteres Bundesdarlehen von sechs Mrd. Euro nötig sein.

Die Nettokreditaufnahme des Bundes dürfte aus Sicht der Union bis 2013 nur langsam auf gut 57 Mrd. Euro sinken. Zwischen 2009 und 2013 ergäbe sich danach eine Gesamt-Nettokreditaufnahme von fast 383 Mrd. Euro. Einschließlich anderer möglicher Aufwendungen summiert sich die Neuverschuldung dann auf die von Kampeter genannten 483 Mrd. Euro.

Der Arbeitskreis Steuerschätzung besteht seit 1955. Experten von Bund und Ländern, kommunalen Verbänden, Forschungsinstituten, Bundesbank und Statistischem Bundesamt prognostizieren zweimal im Jahr die Steuereinnahmen für die öffentliche Hand. Ihre Vorhersagen bilden die Basis für die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen. Jeweils im Mai steht die "große Steuerschätzung" für den mittelfristigen Zeitraum an.
Antwort auf Beitrag Nr.: 41.950.335 von PolyMod am 14.08.11 22:32:39
Bemerkenswerter Thread aus 2009 jetzt nach über 2 Jahren erkennt man die
Qualität der Beiträge erst so richtig.

Der Bundestag sollte mal bei Anwesenheitspflicht eine Lesung durchführen !!!!

...und Steinbrück sollte während der ganzen Zeit im Röhnrad drehen.

Meienthalben kann er sich dann von seinen Amtsvorgängern immer mal
für ne Zigarettenpaus ablösen lassen.

Das wäre die höchste Einschaltquote aller Zeiten fürs Bundestagsfernsehen.

RTL übernehmen Sie !!!!


quando
Zitat von Quando: Bemerkenswerter Thread aus 2009 jetzt nach über 2 Jahren erkennt man die
Qualität der Beiträge erst so richtig.

Der Bundestag sollte mal bei Anwesenheitspflicht eine Lesung durchführen !!!!

...und Steinbrück sollte während der ganzen Zeit im Röhnrad drehen.

Meienthalben kann er sich dann von seinen Amtsvorgängern immer mal
für ne Zigarettenpaus ablösen lassen.

Das wäre die höchste Einschaltquote aller Zeiten fürs Bundestagsfernsehen.

RTL übernehmen Sie !!!!


quando


Hallo quando

Ja das ist ein richtig guter und sachlicher Thread den es sich zu lesen lohnt!

nur leider hat der User Bre-X seine (Mitgliedschaft durch User beendet)!!!

echt schade hätte mich gerne nochmal mit ihm über diesen Thread unterhalten!

MfG
Marchella
Die Eurozone zerbricht – so wie die Sowjetunion

sagt Stephen King, der Chefökonom der HSCB (Hongkong and Shanghai Banking Corporation)
Vor zwanzig Jahren wurde die Sowjet­union aufgelöst. Korrekt gesagt: Sie fiel auseinander. Ähnlich wie auf dem Balkan der Vielvölkerstaat Jugoslawien zerfiel, war auch dem Vielvölkerstaat der Sowjetunion das Ende beschieden, als Perestrojka zuvor das Signal zur Auflösung gegeben hatte. Die folgende GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) war nur ein Gebilde ohne grosses Eigenleben. Die Russen mussten sich mit dem geschrumpften Russland und einer Serie sich sehr eigenständig gebärdender Nachbarn arrangieren. Der Rest ist Geschichte …
Jetzt stellen sich bereits erste, besonnene Leute die Frage, ob der EU das gleiche Schicksal bevorstehe. «Die Eurozone zerbricht – so wie die Sowjet­union» ist das Fazit einer ausführlichen Studie von Stephen King, dem sehr angesehenen, wenn auch oftmals radikalen Chefökonomen der internationalen Grossbank HSCB (Hongkong and Shanghai Banking Corporation). Für ihn ist es klar: Der «Club Med» – gemeint sind Griechenland, Spanien, Portugal und Italien – sollte oder müsste den Euro aufgeben. So wie damals die sowjetische Gemeinschaftswährung Rubel 1993 nur noch den politisch und wirtschaftlich immer weiter auseinanderstrebenden Staatenbund GUS zusammenhielt, so ist es derzeit mit den «Club Med»-Ländern Griechenland, Spanien, Portugal und Italien …
Auch der «Club Med» nutzte die dank des Euro niedrigen Zinsen als gigantische Milliardensubvention. Aber leider nicht, um in die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu investieren, sondern um Konsum, Sozialleistungen und Baudenkmäler zu finanzieren, die man sich aus eigener Kraft niemals hätte leisten können! Die Frage ist nur: Wer zieht den Stecker? Wer traut sich, die Dauer-Schulden-Sünder aus dem Euro-Raum zu drängen? So wie einst Russ­land seine Satelliten-Staaten aus dem Rubel warf. Aber in Europa sind es die politischen Bande zwischen den – noch – wirtschaftlich starken Finanziers Deutschland/Frankreich und dem Rest der Währungsunion …
Aber jetzt zeigt die Front erste Risse: Frankreich beginnt zu schwächeln. Die internationalen Finanzmärkte zweifeln bereits an der Kreditwürdigkeit des Landes. Die ersten Fragen nach der französischen Euro-Mitgliedschaft werden gestellt. Die massiven Kurseinbrüche bei den französischen Banken sind mehr als nur ein erstes Zeichen: Der Wurm steckt drin! Optimist Nicolas Sarkozy wird es sich nicht mehr lange leisten können, die europäischen Dauerproblemkinder durchzufüttern …!
Es sind die Schwachen, die raus müssen, denn sonst gehen über kurz oder lang die Starken. Zwangsmässig wird auch in Frankreich die Bereitschaft zu einer Radikal-Lösung für den Euro wachsen. Bereits weisen erste Ökonomen darauf hin: Wenn die Schwachen nicht weichen wollen, müssen eben die Starken gehen. Das heisst nichts anderes als: Deutschland, Frankreich, Österreich, Finnland und die Benelux-Staaten schliessen sich zu einer neuen Währungspartnerschaft zusammen. Es ist aber noch zu früh, von einem echten «Nord-Euro» zu sprechen. Es könnte vorerst auch nur ein lockerer Währungsverbund sein …


Quelle: Vertraulicher Schweizer Brief, Nr. 1296 vom 24.8.201…


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