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Wiki Szew Grundinvest (Seite 32)



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Antwort auf Beitrag Nr.: 62.259.083 von Szew am 01.01.20 19:46:13Herzlichen Glückwunsch zu dem TOP Ergebnis.
Wochenupdate Szew Grundinvest (03.01.2020)
In der vergangenen Woche verlor das Wiki (-0,3%) leicht, während der DAX (-0,9%) etwas stärker verlor.

Im Jahr 2020 liegt das Wiki (-1,1%) nach Gebühren erstmal hinter dem DAX (-0,2%).

In dieser Woche habe ich mit Heidelberg Pharma einen neuen Wert aufgenommen. Da es sich hier um einen kleineren Biotech Wert handelt, bleibt die Depotgröße vergleichsweise gering. Heidelberg Pharma konnte zuletzt mit einigen guten Nachrichten glänzen, die aber nicht dazu führten, dass die charttechnische Widerstandszone gebrochen werden konnte. Diesen Moment wollte ich vor meinem Einstieg noch abwarten, was dann am Freitag gelang.

Einen interessanten Kursverlauf gab es in dieser Woche bei der Global Fashion Group. Zunächst konnte der Wert am 02.01. seinen jüngsten Kursanstieg fortsetzen und kletterte bis auf 2,50€ am Vormittag. Danach begann ein massiver Verkaufsdruck auf die Aktie, der die zwei verbliebenden Tage auch nicht nachließ. Es scheint hier ein Verkäufer am Werk zu sein, der ohne Rücksicht auf Verluste in kürzester Zeit seine Position verkaufen will – jeder kleine Anstieg im Bid wurde direkt genutzt um weitere Stücke abzugeben. Bleibt die Frage, wer dieser Verkäufer sein mag – entweder ein Fonds, welcher sich zum Jahresanfang neu aufstellen will/muss oder einer der beiden Großaktionäre Kinnevik/Rocket Internet bei denen genau zeitlich passend die Lock Up Periode ausgelaufen ist. Beide hatten allerdings noch vor 6 Monaten beim Börsengang Aktien zum mehr als doppelten Preis von 4,50€ gekauft. Dieser Verkaufsdruck sorgte jedenfalls dafür, dass die GFG Aktie in den vergangenen zwei Tagen mit das höchste Handelsvolumen der letzten Monate erreichte. Am Ende dieser 1,5 Tage Verkaufsdruck steht der Kurs bei 2,01 rund 20% tiefer. Es bleibt spannend wie es weiter geht und wie viele Stücke der Verkäufer noch hat und wie tief er bereit ist zu gehen. Nur weil ein Verkäufer den Kurs stark drückt, verändert dies nichts an meinem Investmentcase, der für mehrere Monate/Jahre ausgerichtet ist. Daher habe ich die aktuellen Kursturbulenzen auch zum Aufstocken meiner Position genutzt.


Die größten Gewinner waren diese Woche:
SBM +4,9%
Angi +4,8%
Cegedim +2,2%



Die größten Verlierer waren diese Woche:
GFG -6,1%
Global Fashion Group
Hier mal eine Zusammenfassung meiner Gedanken zum Investmentcase bei der Global Fashion Group. Da ich in letzter Zeit relativ wenig ausführliche Begründungen geschrieben habe, möchte ich euch diesmal wieder etwas mehr daran teilhaben lassen :)


Was macht das Unternehmen?

Zu der GFG gehören heute vier “Märkte” wie es das Unternehmen nennt. Diese Märkte stellen je eine Website Fashion Website/App da, welche für eine bestimmte Marktregion erstellt wurde. Insgesamt hat die GFG rund 12 Millionen aktive Kunden.


„Märkte“

Zalora ist vor allem in HongKong, Indonsien, Malaysia, Singapur, Taiwan und Brunei aktiv. An diesen Märkten hält die GFG einen 100%igen Anteil an den jeweiligen Tochterunternehmen. Zusätzlich gibt es noch einen Zaloraableger in den Philippinen, hier ist die GFG aber nur mit 51% beteiligt.

The Iconic wird ebenfalls dem APAC (Asian Pacific) Bereich zugeordnet, konzentriert sich aber auf Australien und Neuseeland und gehört ebenfalls zu 100% der GFG.

Dafiti ist der Ableger im LATAM (Latein Amerika) Raum. Hier ist man vor allem in Brasilien, Argentinien, Chile und Kolumbien aktiv.

Lamoda ist der vierte Bereich und ist im CIS (Commonwealth of independent states) Raum aktiv. Hier handelt es sich vor allem um Russland, Kasachstan, Weißrussland und die Ukraine.

Die Marktplätze sind jeweils zweigeteilt, auf der einen Seite tritt man selbst als Händler auf, der die Waren real vor Ort in seinen Lagerhallen liegen hat, dem die Waren gehören und man sie selbst versendet. Und auf der anderen Seite bietet man seinen Marktplatz auch dritten an, welche die Seite nur als Verkaufsplattform nutzen ohne dass die GFG das Warenrisiko trägt.

Unterscheiden muss man daher auch zwischen dem Umsatz, welcher über die Seiten der GFG erwirtschaftet wird (NMV) und dem Umsatz welcher wirklich der GFG zuzuordnen ist. Wird ein Artikel direkt verkauft gehen entsprechend 100% des NMV in den Umsatz der GFG über. Wird ein Artikel von einem Dritthändler auf der Seite verkauft erhält die GFG nur 31% des Umsatzes, hat dafür aber auch deutlich weniger Kosten.

Momentan werden 78% des Marktplatzumsatzes noch direkt von den jeweiligen GFG Seiten verkauft und 22% über Dritthändler. Der Umsatz über Dritthändler wächst aber deutlich schneller, so dass sich diese 22% mit der Zeit weiter erhöhen sollten. Daher sollte der Umsatz der GFG weiter unterproportional zum NMV wachsen, aber höhere Margen ermöglichen.

Interessant ist auch, dass während 78% des NMV über die Seiten direkt verkauft werden, rund 50% der Artikel auf den Seiten von Drittanbietern sind. Hier lässt sich auch die Strategie der GFG erkenne, besonders beliebte Produkte selbst zu handeln und vor allem neuen Produkten/Marken den Zugang eher über den Marktplatz zu geben als selbst direkt ins Warenrisiko zu gehen.

Die Seiten der GFG haben inzwischen eigene Marken entwickelt, die sie vor allem mit Influencern in den jeweiligen Märkten bekannt machen, z.B. „AERE“ von Iconic. Der Vorteil eigener Marken liegt in der höheren Rohmarge, die hier rund 60% beträgt, während sie für die GFG insgesamt bei um die 40% liegt. Sollte es also gelingen noch mehr der Eigenmarken zu verkaufen, könnte dies auch die Gesamtmarge höher treiben.

Neben diesem Geschäftsmodell ermöglicht die GFG den Marken zusätzliche Services wie Digitales Marketing, Data Analytics und die Bestellabwicklung. Diesen Service nutzen mehr als 25 Marken, was einem mehr als 100%igen Wachstum im Vergleich zum letzten Jahr beträgt.

Alle Marktplätze nutzen inzwischen Apps welche auch für 50% der Verkäufe stehen. Eine kurze Recherche zu den Apps zeigt, dass Lamoda, Zalora und Dafiti im Google Playstore jeweils mehr als 10 Millionen mal installiert wurden und sowohl bei Google als auch bei Apple sehr gute Bewertungen aufweisen.

Eine Besonderheit ist, dass das Unternehmen über eine eigene Lieferflotte verfügt mit dem bereits über 30% der Bestellungen ausgeliefert werden.

Mit einem 80%igen Net Promoter Score steht man bei der Kundenzufriedenheit insgesamt sehr gut da.


Bisherige Unternehmensentwicklungen

Das Unternehmen hatte bis vor wenigen Jahren noch 6 anstatt 4 Märkte unter seinem Dach. Zusätzlich gehörten Namshi und Jabong zu der GFG.

Namshi war der Marktplatz für den mittleren Osten.

Namshi wurde in zwei Teilen verkauft, 2017 verkaufte man 51% der Anteile für $151 Millionen.

2019 erfolgte dann der Verkauf der restlichen 49% für $129,5 Millionen. Insgesamt gab es für Namshi also $280,5 Millionen. 2018 machte Namshi einen Umsatz von etwa $231 Millionen und wuchs dabei um 16%. Gezahlt wurde hier also insgesamt ein Umsatzmultiple von 1,2 bei 16% Wachstum.

Jabong war der andere Marktplatz, den die GFG unbedingt loswerden wollte und sehr aktiv auf Käufersuche gegangen ist. Jabong war vor allem in dem umkämpften indischen Markt aktiv. Der Verkauf fand schon 2016 statt und ging für $70 Millionen an Flipkart. Der Umsatz lag damals bei 126 Millionen Euro. Es wurde hier also ein Umsatzmultiple von rund 0,5 bezahlt. Der Grund dafür warum man Jabong schnell loswerden wollte, war, weil es der defizitärste Marktplatz war mit -56 Millionen im schon bereinigten EBITDA. Selbst auf dieser etwas schöngerechneten Kennzahl erreichte man eine Marge von -44%. Ein Umsatzmultiple von 0,5 ist zwar nicht schön, aber für einen Markt, den man vielleicht nie profitabel bekommen hätte, ist es immer noch ein guter Ausgang, denn man hat nicht nur die $70 bekommen, sondern auch noch einen Verlustbringer weniger.

Auch Zalora war schon mal größer aufgestellt und bediente auch Vietnam und Thailand, doch verkaufte diese Märkte. Jeder Markt soll rund $10 Millionen eingebracht haben. Ebenfalls hat man 49% am Philippinischen Markt verkauft.

Insgesamt kommentiert die GFG alle bisherigen Verkäufe so, dass die Verkäufe das Unternehmen näher an die Profitabilität bringen. Dies halte ich für einen wichtigen Punkt, denn die GFG ist finanziell nicht so stark ausgestattet viele Marktplätze in noch viel mehr Ländern bekannt zu machen. Die Kosten bis zum Break Even sind einfach zu hoch. Eine Konzentration auf gewisse Kernmärkte in denen man sich die besten Chancen ausrechnet könnte daher durchaus sinnvoll sein.


Bewertungsentwicklung

Die GFG hat schon eine ziemlich bewegte Bewertungsentwicklung hinter sich auch wenn es erst ein halbes Jahr an der Börse ist. Das Unternehmen benötigte in seiner Laufzeit eine Menge Kapital um dorthin zu wachsen wo es heute ist, denn es musste viel investieren… in die Logistik, den Warenbestand, die Lieferflotte und vor allem das Marketing. Das geld kam in der Regel von Kinnevik und Rocket Internet, welche einerseits direkt und andererseits über ihren Fonds beteiligt sind.

Im April 2015 konnte die GFG 32 Millionen Euro zu einer Bewertung von 2,8 Milliarden Euro einsammeln.

Im Juli 2015 wurde die GFG noch mit rund 3,1 Milliarden Euro bewertet und sammelte damals 150 Millionen Euro ein.

Im Jahr 2016 sammelte GFG 300 Millionen Euro zu einer Bewertung von nur noch 1 Milliarde Euro ein, Rocket schoss 100 Millionen dazu.

Im Jahr 2019 sollte dann der Börsengang zu einem Kurs von 6-8€ stattfinden, welche im Mittel eine Bewertung von rund 1,5 Milliarden Euro ergeben hätte.

Doch es kam anders und man konnte die Aktien nur zu 4,50€ verkaufen und das hauptsächlich und wie in den letzten Runden üblich an die Hauptgesellschafter Rocket Internet und Kinnevik. Die Bewertung sank auf unter 1 Milliarde Post Money.

Ein halbes Jahr später, steht der Kurs nur noch bei 2€ und einer Marktkapitalisierung von 433 Millionen trotz deutlich positivem Nettocash.


Finanzentwicklung

Als international aufgestelltes Unternehmen, was gerade auch in Ländern aktiv ist, in denen die Währung mal starker schwankt, ist die Umsatzentwicklung in Euro häufig trügerisch. Daher bedient sich die GFG dem Vergleich des Wachstums ohne Währungsveränderungen. Dieses Wachstum kann dann in Euro mal mehr oder mal weniger sein, ist aber für mich ein besserer Wachstumsindikator als ein Vergleich in Euro, da zwar die Umsätze in der Fremdwährung in Euro weniger wert sind, aber eben auch einen Großteil der Kosten in dieser Fremdwährung bezahlt wird, die dann ebenfalls vergleichsweise niedriger sind.

NMV Wachstum:

2017: 20,5%

2018: 22,5%

2019e: 20-23%


Umsatzwachstum:

2017: 20,1%

2018: 18,7%

Q3 2019: 18,7%

Das Umsatzwachstum ist wie erwähnt geringer als das NMV Wachstum aufgrund des stärkeren Wachstums über Dritthändler. Man hat inzwischen über 6.000 Dritthändler auf der Plattform und konnte den Umsatz über den Marktplatz zuletzt um rund 70% steigern.


NMV Wachstum der einzelnen Regionen in Q3 2019:

APAC +25,7% auf 148,3 Millionen

LaTam +16,9% auf 135,2 Millionen

CIS +30,8% auf 150,3 Millionen

Insgesamt +24,1% auf 433,8 Millionen

Damit lag man in Q3 über seinem Wachstumsziel von 20-23%, vor allem da der CIS Bereich wieder deutlich stärker anzieht als in 2018 (+13,9%).

Die Rohmarge stieg in Q3 deutlich von 36,2% auf 40,5% was wohl sowohl an dem Anstieg der Marktplatzumsätze als auch an den Eigenmarken gelegen haben dürfte. Den größten Sprung hat aber der russische Markt mit einem Rohmargenanstieg von 32,3% auf 42,2% gemacht. Dies halte ich für ein wirklich gutes Zeichen, denn nicht nur die Marge konnte deutlich anziehen, sondern der CIS Markt konnte auch das größte NMV Wachstum aufweisen – es scheint als ob sich dieser Markt wieder deutlich belebt ohne dass man größere Discounts geben muss. Dadurch kletterte der Rohertrag auch direkt um 37,5% auf 132 Millionen Euro. Dies schlug sich auch auf die weiteren Ergebniskennzahlen nieder, so dass sich die bereinigte EBITDA Marge von -5,8% auf -2,8% deutlich verbesserte.


Vergleich mit Peers

Hier mal ein paar Unternehmen, die in derselben Branche tätig sind, mit ihrer aktuellen Bewertung und dem aktuellen Wachstum. Ich verzichte hier auf detaillierte Vergleiche, da dies zu weit führen würde. Es soll nur einen groben Überblick geben – ob ein Bewertungsaufschlag in manchen Fällen gerechtfertigt ist oder nicht müsste in jedem Fall einzeln betrachtet werden.

Zalando:

Bewertung: 11,3 Mrd

Umsatz ~6,5 Mrd = KUV 1,7

Wachstum ~20%

Rohmarge 41%


Asos

Bewertung: 2,86 Mrd

Umsatz ~2,7 Mrd = KUV 1,1

Wachstum ~13%

Rohmarge 49%


Farfetch

Bewertung: 3,4 Mrd

Umsatz ~0,98 Mrd = KUV 3,5

Wachstum ~43%

Rohmarge 45%


GFG

Bewertung: 0,43 Mrd

Umsatz ~1,3 Mrd = KUV 0,33

Wachstum ~20%

Rohmarge 40%



Fazit

Mit Umsätzen von über 1,3 Milliarden Euro und einer Bewertung von nur 433 Millionen Euro wird die GFG aktuell nur zum 0,33 Fachen des Umsatzes bewertet. Rechnet man das Nettocash raus, wäre diese Bewertung noch deutlich niedriger. Das Wachstum mit stets über 20% und einer Rohmarge von rund 40% können sich im Peergroup Vergleich durchaus sehen lassen. Die GFG hat in der Vergangenheit zwar deutliche Verluste angehäuft aber nun auch viele richtige Maßnahmen ergriffen um den Break Even zu schaffen (besonders unprofitable Märkte verkauft, Marktplatz Model ausgeweitet, Eigenmarken kreiert) daher gelingt es in einem Teil der Märkte jetzt auch schon positiv zu wirtschaften. Den Bewertungsabschlag finde ich hier einfach zu hoch, da man noch genug Cash hat um das aktuelle Wachstum zu finanzieren und dem Break Even so nah wie nie ist, obwohl die Bewertung so niedrig wie nie ist.
Wochenupdate Szew Grundinvest (10.01.2020)
In der vergangenen Woche gewann das Wiki (+1,4%) hinzu, während der DAX (+2,0%) sogar etwas stärker stieg.

Im Jahr 2020 liegt das Wiki (+0,3%) nach Gebühren weiter hinter dem DAX (+1,8%).

Das Wiki hatte in der vergangenen Woche wie zuletzt häufiger über 20% Cash. Eine Situation die ich eigentlich nicht gerne habe, denn ich bin gern nahezu komplett investiert, da jede Investition für mich einen positiven Erwartungswert hinsichtlich der Rendite hat. Ich investiere allerdings nur dann, wenn ich für mich ein deutlich positives Chance Risiko Verhältnis der jeweiligen Investition sehe und diese Fälle zu finden ist bei den aktuellen Markterwartungen nicht so leicht, da vieles schon gut gelaufen ist oder mir zu viele Risiken hat.

Dennoch bin ich bei einem alten Bekannten fündig geworden: S&T.

S&T war vor Jahren ein fester Bestandteil des Wikis und konnte einen deutlichen Beitrag zur positiven Entwicklung des Wikis leisten. Damals hielt ich den Kurs für ausgereizt und bin deshalb erstmal ausgestiegen. Nun hat S&T in der Zwischenzeit geliefert was versprochen wurde und man ist weiter auf Kurs um seine langfristigen Ziele zu erreichen. Weiterhin mit dabei ist mit Hannes Niederhauser für mich ein sehr starker CEO, der den Fortschritt bei S&T massiv mit beeinflusst hat. Kursmäßig steht S&T allerdings in etwa da wo es auch vor zwei Jahren schon stand und ich denke in diesem Jahr könnte der Kurs wieder etwas an Boden gut machen und Richtung 30€ steuern.

Ein weiterer Wert ist ebenfalls gefunden, bei dem ich meinen Restcash investieren werde, diesen werde ich in der kommenden Woche kaufen und danach vorstellen.

Die größten Gewinner waren diese Woche:
IVU +8,7%
VW +5,0%
Heidelberg Pharma +3,5%
Angi +2,3%


Die größten Verlierer waren diese Woche:
GFG -6,0%
Wochenupdate Szew Grundinvest (17.01.2020)
In der vergangenen Woche gewann das Wiki (+1,2%) hinzu, während der DAX (+0,3%) nur leicht stieg.

Im Jahr 2020 liegt das Wiki (+1,4%) nach Gebühren weiter hinter dem DAX (+2,1%).


In dieser Woche gab es im Wiki nochmal einige Umstrukturierungen um das Risikoprofil zu verbessern. Generell ist für mich immer entscheidend wie gut das Chance Risiko Profil eines Invests ist bevor ich kaufe. Wenn dieses deutlich positiv ist, kommt ein Kauf in Frage. Dieses CRV kann aber sehr unterschiedlich gestaltet sein, z.B. wenn ich eine 10%ige Chance sehe und ein 5%iges Risiko ist das genauso ein positives CRV wie wenn ich einem Wert 100% Chance aber auch 50% Risiko gebe. Hier hatte ich zuletzt sehr chancenreiche aber auch riskantere Titel im Wiki, was ich mit der aktuellen Umstrukturierung wieder begradigt habe um nicht zu viel Risiko auf das Gesamtwiki zu haben.

Einer der Gründe für dieses ausschlagende CRV war die Aufnahme der Global Fashion Group, welche ich höher gewichtet habe und auch weiterhin höhergewichten will, denn ich sehe hier weiterhin gute Chancen auf eine Vervielfachung. Dennoch ist der Wert nicht ohne Risiko, da sie einerseits noch nicht profitabel sind und man anderseits nicht weiß, wie sich nun die Großaktionäre verhalten werden. Dass es bei dem Wert unter normalen Umständen wenig Handel gibt, hilft auch nicht gerade für einen ruhigen Kursverlauf, denn der aktuelle Großverkäufer hat scheinbar noch nicht fertig verkauft und drückt den Kurs weiter ohne Nachrichten. Wie stark sich dieser Verkaufsdruck auswirkt, konnte man am Donnerstag gut sehen, hier wurden mehr Aktien gehandelt als z.B. den kompletten Monat Oktober 2019. Dass so viele Aktien vom Markt aufgenommen werden obwohl der Wert ziemlich unter dem Radar fliegt, ist aber auch ein Zeichen, dass wir nun langsam ein Kursniveau erreicht haben unter das wir nicht mehr deutlich drunter fallen sollten. Als sich der Verkäufer am Freitag nicht mehr zeigte, konnte sich der Kurs auch erstmal wieder etwas erholen.

Aufgrund dieser Umstrukturierung und weil ich meinen GFG Anteil nicht reduzieren wollte, habe ich dann Heidelberg Pharma verkauft, da dieses CRV ähnlich ausgestaltet war, der Biotech Bereich aber ein nochmal höheres Risiko für mich ausweist.

Auch Angi habe ich nach gutem Kursverlauf verkauft. Der Kurs konnte seit der Aufnahme im November gut 50% zulegen und einen Teil der Unterbewertung abbauen. Aber auch hier ist man extrem abhängig von den kommenden Zahlen, sollten diese nicht positiv aufallen, können wir auch schnell die alten Tiefstkurse sehen, also auch hier war zwar viel Chance, wenn die Zahlen erreicht werden, aber auch ein erhöhtes Risiko, was ich nun rausnehme.


Dafür aufgenommen habe ich nun Werte, denen ich auf zwei Jahres Sicht zwar keine Vervielfachungschance gebe, aber dennoch solide 50% mit dafür deutlich geringerem Risiko.

Das sind auf der einen Seite die beiden Bauwerte Hochtief und Sto. Beide weisen ein ziemlich ähnliches Profil auf. Hochtief ist einer der größten internationalen Baukonzerne. Man kommt in diesem Jahr auf Umsätze von rund 25 Milliarden Euro und wächst pro Jahr um die 3-5%. Die Auftragspipeline hat gerade ein neues Hoch mit über 50 Milliarden erreicht. Die Bilanz ist gut, Hochtief hat eine Nettocashposition und könnte daher eher noch Zukaufen. Im aktuellen Jahr kommt Hochtief auf ein kgv von nur 11-12 und weißt eine Dividendenrendite von über 5% aus, bei einer Marktkapitalisierung von rund 8 Milliarden Euro.

Bei Sto ist es von den Werten her ähnlich. Sto ist ein Hersteller von verschiedenen Produkten, die vor allem für die Modernisierung von Gebäuden gebraucht werden, z.B. Wärmedämmung. Auch Sto wächst kontinuierlich bei den Umsätzen im Bereich um die 3% und kommt auf Umsätze von rund 1,4 Milliarden Euro. Auch die Bilanz von Sto ist sauber und man hat eine Nettocashposition um mögliche Zukäufe zu tätigen. Das kgv von Sto ist mit rund 11 für dieses Jahr noch minimal geringer, allerdings zahlt Sto mit rund 4% auch etwas weniger Dividende. Sto kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 700 Millionen Euro.


Der dritte Wert ist mit der ING Groep ein alter Bekannter. Ich hatte letztes Jahr nachdem die Bankaktien stark eingebrochen wurden, ja kurzfristig das halbe Wiki umgeschichtet und einige Bankwerte aufgenommen und dann alle wieder verkauft nachdem sich die Kurse erholt hatten. Die ING war auch da schon mein Favorit und seit dem damaligen Verkauf ist der Kurs eher seitwärts gelaufen und hat den Anstieg anderer Werte nicht mitgemacht.
Die ING ist mein Favorit, da sie nicht die ganzen Altlasten vieler traditioneller Banken mit sich rumschleppt, sie ist deutlich digitaler und vor allem schlanker aufgestellt, was ihnen einen deutlichen Kostenvorteil ggü anderen Banken einbringt. Das Niedrigzinsumfeld spielt ihnen natürlich auch nicht in die Karten, aber selbst unter diesen Bedingungen erwirtschaften sie seit Jahren sehr stabile Gewinne und kommen damit auf ein kgv von rund 8 une einer Dividendenrendite von 6,5%.


Mit Maisons du Monde gab es noch eine vierte Neuaufnahme. Die Gewichtung ist hier aber etwas geringer als bei den anderen, da die Risikokomponente aufgrund der Verschuldung höher ist als bei den anderen Werten. Maisons du Monde ist ein Händler für Deko und Inneneinrichtung. Das Unternehmen kommt ursprünglich aus Frankreich, expandiert aber seit ein paar Jahren, so dass es auch in Deutschland einige MdM geschäfte gibt, zusätzlich kann man bei MdM auch online bestellen.
Die Umsätze wachsen seit Jahren leicht zweistellig, auch für 2019 peilt man ein Umsatzwachstum von 10,5% an. Mit dem Q3 Bericht musste man seinen Ausblick auf die EBITDA Marge von 13% auf 12,5% zurücknehmen, da man erhöhte Kosten aufgrund der Expansion in die USA hatte. Dies gefiel der Börse gar nicht, der Kurs ist mit rund 11,50€ inzwischen sehr stark unter die Räder gekommen, denn vor 2 Jahren stand er noch bei gut 38€ obwohl die Entwicklung von MdM weiter gut lief. Man erwirtschaftet mit seinen Produkten eine Starke Rohmarge von 67% und wird nur noch mit einem kgv von rund 8 für das aktuelle Jahr bewertet. Eine Dividene zahlt MdM auch und die ist durch den Kursrückgang mit inzwischen 4% Rendite auch ordentlich.


Mit SBM habe ich in dieser Woche noch einen Wert verkauft der sehr lange im Wiki war. SBM hatte sich seit der Aufnahme ins Wiki gut entwickelt und ist nun wieder bei den 60€ angekommen, welche sie schon das letzte Mal nicht überwinden konnte. Hier habe ich lieber die Gewinne gesichert bevor der Kurs erneut von hier abprallt.
Wochenupdate Szew Grundinvest (24.01.2020)
In der vergangenen Woche gewann das Wiki (+0,7%) hinzu, während der DAX (+0,4%) etwas weniger stieg.

Im Jahr 2020 liegt das Wiki (+2,1%) nach Gebühren weiter hinter dem DAX (+2,5%).


In der vergangenen Woche gab es mit Hochtief und S&T zwei Verkäufe und mit IAG und Blue Prism zwei Neukäufe.


Hochtief und S&T haben beide in der vergangenen Woche Zahlen gemeldet und wurden daraufhin beide verkauft.


Bei S&T lag es eher an den positiven Zahlen, die für das vergangene Jahr im Rahmen der Erwartungen lagen. Positiv war aber der angehobene Ausblick, insbesondere der langfristige Ausblick. Die Kursreaktion von etwa +15% seitdem fande ich aber doch etwas zu viel und habe die Gewinne mitgenommen.

Bei Hochtief musste ein Tochterunternehmen eine Abschreibung auf eine Minderheitsbeteiligung vollziehen, welche das positive Jahresergebnis 2019 auffressen wird. Hochtief halte ich weiterhin für attraktiv bewertet, brauchte aber einen weiteren Wert zum Austausch um die Neukäufe zu finanzieren.


Neu dabei ist mit der IAG die Mutter von British Airways der größten Fluggesellschaft Großbrittaniens. British Airways gehört zu den profitabelsten Fluggesellschaften, da diese von ihrer Sonderstellung am Londoner Flughafen profitieren und damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben. Daher wird auch der absolute Großteil der Gewinne von IAG durch British Airways eingeflogen und das fast ausschließlich am Flughafen Heathrow. Die Bewertung ist dennoch ähnlich günstig wie andere Fluggesellschaften obwohl man deutlich stetiger wächst. Wer sich näher für diese Thematik interessiert: Swen Lorenz hat diese Situation in einem 108 Seitigen Bericht genaustens analysiert.


Neu dabei ist mit Blue Prism ein spannender Wachstumswert aus Großbritannien, der hierzulande noch ziemlich unbekannt ist, da er vor meinem Kauf in lediglich einem investierbaren Wiki vorhanden war.

Blue Prism gehört zu den Marktführern im Bereich RPA (Robotic Process Automation). Kurz gesagt Blue Prism programmiert „Software Roboter“, welche vor allem monotene Bürotätigkeiten, welche bisher von Menschen durchgeführt wurden, ersetzen. Wie bei maschinellen Robotern liegen die Vorteile auf der Hand: Der Softwareroboter arbeitet deutlich kostengünstiger, präziser und kann 24/7 arbeiten. Das Unternehmen wurde 2001 gegründet und gilt mit seiner RPA Plattform als einer der Pioniere für künstliche Intelligenz. Blue Prisms Vision sieht vor, dass in Zukunft ein drittel aller Sachbearbeiter Posten durch Softwareroboter ersetzt werden kann. Und der Erfolg gibt ihnen bislang Recht, denn nicht nur der RPA Markt ist einer der am stärksten wachsenden Softwaremärkte aktuell, sondern auch Blue Prism konnte seinen Jahresumsatz zuletzt um über 83% auf 101 Millionen Pfund steigern. Das Geschäft ist sehr gut planbar, da man über 96% wiederkehrende Umsätze verfügt, da man deren Plattform vor allem über die Cloud als SaaS anbietet. Man hatte zum Jahresende (Oktober 19) 1677 Kunden wobei Blue Prism einen klaren Fokus auf Großkunden hat. Ein Jahr zuvor waren es noch 971 – während des Jahres haben 1139 Kunden die ursprünglich geplanten Ausgaben für Blue Prism erhöht, was zeigt, dass die Kunden sehr zufrieden mit der Software sind. Zu den Kunden gehören die größten Unternehmen der Welt, in diesem Jahr ist z.B. Amazon, Audi, Bank of China oder L’oreal dazugekommen. Zu den bestehenden Kunden gehören beispielsweise Siemens, Deutsche Telekom, Paypal, Ebay, Snapchat, Coca Cola, Allianz, Procter & Gamble – Blue Prism ist also schon bei vielen sehr großen Konzernen über viele Branchen hinweg aktiv. Eine besondere Kennzahl ist die Expansion Rate von 143%, denn d.h. bestehende Kunden haben in diesem Jahr allein zu einem Umsatzanstieg von 43% geführt. Das ist ein extrem starker Wert, an den kaum ein Softwareanbieter aus den USA herankommt. Das Unternehmen hat im letzten Jahr noch deutliche Verluste gemacht, was so aber geplant war, man hatte extra zu Beginn des letzten Jahres eine Kapitalerhöhung gemacht, weil man in 2019 massiv investieren wollte um Kunden zu gewinnen, denn wie man sieht, ist es sehr wichtig erstmal schnell bei einem Unternehmen reinzukommen, denn wenn die Software erstmal getestet wurde, erhöhen sich die Umsätze dort schnell. Mit den Jahreszahlen, die letzte Woche verkündet wurden, hat man auch gesagt, dass der Cashburn im ersten Halbjahr deutlich zurückgehen wird und man im zweiten Halbjahr schon kein Geld mehr verbrennen will. Eine offizielle Guidance gibt es zwar nicht, Analysten rechnen in diesem Jahr aber mit einem erneuten Umsatzanstieg um etwa 70%.

Insgesamt ein Unternehmen absolut nach meinem Geschmack, stark wachsend in einem absoluten Zukunftsmarkt mit einer starken Marktstellung und hoher Skalierbarkeit. Solche Unternehmen sind nur aktuell nicht im WIkifolio zu finden, da diese Unternehmen normalerweise einfach schon sehr sehr teuer sind, daher freue ich mich nun mal wieder einen Wert gefunden zu haben, der noch nicht von der breiten Masse und den Nasdaq ETFs hochgekauft wurde, denn der Wert ist in London notiert.

Mal ein kleiner Vergleich zu den häufig als besten gehandelten SaaS Aktien und deren Bewertung:

Blue Prism
Umsatz 2020e: 170 Mio Pfund
Marketcap: 1,35 Mrd Pfund
KUV: 8
Umsatzwachstum 2020e: 70%
Expansion Rate: 143%


Alteryx
Umsatz 2020e: 520 Mio Dollar
Marketcap: 8,8 Mrd Dollar
KUV: 17
Umsatzwachstum 2020e: 33%
Expansion Rate: 132%


Mongo DB
Umsatz 2020e: 409 Mio Dollar
Marketcap: 8,6 Mrd Dollar
KUV: 21
Umsatzwachstum 2020e: 53%


The Trade Desk
Umsatz 2020e: 860 Mio Dollar
Marketcap: 12,6 Mrd Dollar
KUV: 15
Umsatzwachstum 2020e: 30%


Zoom Video
Umsatz 2020e: 867 Mio Dollar
Marketcap: 20,2 Mrd Dollar
KUV: 23
Umsatzwachstum 2020e: 42%
Expansion Rate: 130%


ZScaler
Umsatz 2020e: 411 Mio Dollar
Marketcap: 7,4 Mrd Dollar
KUV: 18
Umsatzwachstum 2020e: 36%


Unterm Strich… Blue Prism ist in einem der spannendsten und schnell wachsendsten Märkten unterwegs, wächst schneller als viele bekannte SaaS Unternehmen, hat eine höhere Expansion Rate und wäre selbst nach einer Verdreifachung im Gesamtpaket immer noch der günstigste der Vergleichswerte.



Die größten Gewinner waren diese Woche:
GFG +11,8%
IVU +4,1%
Cegedim +3,1%



Die größten Verlierer waren diese Woche:
VW -2,1%
ING -4,0%
Maisons du Monde -5,1%
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