Wiki Szew Grundinvest (Seite 33)



Begriffe und/oder Benutzer

 

Wochenupdate Szew Grundinvest (28.02.2020)
In der vergangenen Woche erlitt das Wiki (-13,7%) seinen bisher höchsten Wochenverlust. Der DAX (-12,5%) hielt sich leicht besser.

Im Jahr 2020 liegt das Wiki (-11,3%) nach Gebühren nun wieder leicht hinter dem DAX (-10,3%).


In dieser Woche haben wir mal wieder einen starken Absturz gesehen. Das Wiki hat in seinen nun über 5 Jahre schon einige Korrekturen mitgemacht, es war zwar nie innerhalb von einer Woche so stark, aber das Ausmaß war doch mehrfach schon größer als aktuell mit rund -14% vom Allzeithoch. Dabei handelt es sich nicht um spezifische Unternehmensprobleme der Werte, die im Wiki vertreten sind, sondern um eine allgemeine Korrektur bei dem mehr oder weniger alle Werte stark betroffen sind. Hier regiert häufig die Angst und teilweise Panik, so dass alles verkauft wird ohne zu differenzieren wie attraktiv die Unternehmensbewertung ist oder wie stark das Unternehmen von der Virusausbreitung betroffen ist. Und auch wie in den vergangen Situationen versuche ich mir diesen Umstand zu Nutze zu machen, in dem ich Werte kaufe, die übermäßig hart abgestraft wurden, da diese häufig schneller wieder zurückkommen, wenn die Angst weicht und ich reduziere Werte, die sich zunächst stabil hielten, da diese häufig als nächstes abverkauft werden, weil hier der Schaden noch nicht so groß ist. Durch dieses Vorgehen, verspreche ich mir, wie in den letzten Schwächephasen, einen schnelleren und stärkere Rebound, wenn sich die Panik gelegt hat.


Aus diesem Grund habe ich auch Cargurus wieder verkauft, da die sich zunächst stark hielten und hatte dafür die Möglichkeit meine Langfristfavoriten IVU und Hypoport zu wieder deutlich reduzierten Kursen einkaufen zu können.


Zahlen gab es in dieser Woche von IAG, die positiv ausfielen, vor allem der Dividendenvorschlag überraschte Positiv. Doch aufgrund des Coronavirus traute man sich keine Gewinnprognose für das laufende Jahr zu, was die Aktie nochmal auf Talfahrt schickte.
Auch VW meldete am Freitag Zahlen, die besser ausfielen als erwartet und auch hier gibt es eine höhere Dividende. Auch für das laufende Jahr traute man sich eine starke Prognose trotz der aktuellen Unsicherheiten zu.


Vor zwei Wochen hatte ich Appen ins Wiki aufgenommen und ich bin noch die Vorstellung des Wertes schuldig:

Appen ist eins der bekanntesten Tech Unternehmen an der australischen Börse (ASX) und gehört zu den sogenannten WAAAX, welche das Pendent zu den FANG Aktien an der Nasdaq darstellen sollen.


Appen ist im Bereich der künstlichen Intelligenz tätig, aber anders als man bei einem KI Unternehmen vielleicht vermuten würde, denn Appen ist hauptsächlich Datenaufbereiter und Verarbeiter für andere Techkonzerne. Da die Vielzahl an Daten für die Maschinen zu schwer zu interpretieren ist, müssen die Daten durch menschliche Hilfe erstmal eingeordnet werden um den Maschinen daraufhin die Möglichkeit zu geben selbst zu lernen, sowohl was Sprache, als auch Bilder angeht. Um diese Daten vorzusortieren bedient sich Appen seiner über einer Million Crowdworker, die auf der ganzen Welt verteilt sind und daher auch unterschiedliche Erfahrungen vor allem was Sprache angeht haben und so die Daten auf vielfältige Weise vorselektieren können.


Mit dieser Crowd hat man sich einen gewissen Burggraben geschaffen, denn die großen Techkonzerne bedienen sich Appen anstatt diese Grundlagenarbeit selbst durchzuführen, die Organisation und der Aufbau dieser Crowd wäre für nur ein Unternehmen wohl zu aufwendig, so dass man lieber auf Appens Ressourcen zurückgreift. Da die Nachfrage nach diesen Arbeiten deutlich zunimmt, konnte sowohl der Appenumsatz als auch der Aktienkurs sich deutlich steigern, der Kurs stieg in den letzten 5 Jahren um knapp 4000%.


Durch dieses Geschäftsmodell ist Appen zwar im Bereich KI tätig, kann aber nicht wirklich als Techkonzern bezeichnet werden, da es sich eher um peoples business handelt und die Rohmargen daher auch nicht wie bei einem Techkonzern bei über 70% liegen, sondern nur bei unter 30%. Dafür hat man allerdings den Vorteil, dass man die Plattform ohne große weitere Kosten wie Marketing betreiben kann und so ein Großteil der Rohmarge ins EBITDA übergeht, die EBITDA Marge lag in 2019 bei knapp 19%. Da man keine großen Abschreibungen oder Zinsbelastungen hat, fallen hauptsächlich noch die Steuern an, so dass man nach Steuern aktuell immer noch eine Marge von über 12% ausweisen kann.


In 2019 konnte der Umsatz um 47% auf $536 gesteigert werden, das EBITDA lag dabei bei $101 Millionen. Für 2020 prognostiziert man ein EBITDA Wachstum von fast 30% auf $130 Millionen. Da Appen eigentlich sehr konservativ prognostiziert ist das schon eine Ansage, letztes Jahr erreichte man zwar ein EBITDA Zuwachs von 42%, die erste Prognose lag aber nur bei 23%. Eine gewisse Zuversicht kommt sicher auch daher, dass man mit einem großen Techkonzern seinen Vertrag gerade erst für fünf Jahre verlängern konnte. Auf diese starken Zahlen sprang der Kurs nur kurz an und ließ sich dann vom allgemeinen Markt wieder runterziehen.


Während sich das Geschäft von Appen bislang nur auf die alte Welt fokussierte, hat man nun auch angefangen in China tätig zu werden, die Geschäfte sollen gut laufen auch wenn man hier von einem noch sehr geringen Niveau ausgeht. Aus der Vergangenheit weiß man, dass vor allem die Großkunden die Umsatztreiber sind, sollte man also eines der großen China Tech Unternehmen als Kunden gewinnen, dürfte das Appens Geschäfte beflügeln. Ein weiterer Ergebnistreiber sind die Regierungen, die nun auch immer stärker in den KI Bereich gehen und Appen hier Aufträge bekommt. Den dritten Wachstumsmarkt, den man nun stärker angreift, ist das autonome Fahren, hier müssen auch viele Daten aufbereitet werden für die Appen der richtige Ansprechpartner ist.


Appen selbst möchte sich aber weiter zu einem Tech-Konzern wandeln und auch höhere Rohmargen erzielen. Dies war einer der Gründe warum man in 2019 FigureEight übernommen hat. Man hat bereits letztes Jahr angefangen Figureeight in die bestehende Unternehmensstruktur einzubauen, erwartet eine vollständige Integration aber erst Ende 2020. Mit FigureEight soll es teilweise möglich sein, diese Grundlagenarbeit weiter zu automatisieren, so dass für die Erfassung der Rohdaten weniger personal benötigt wird. Damit könnte Appen seine Arbeit deutlich effizienter durchführen und seine Rohmargen stark erhöhen.


Unterm Strich ist Appen nicht zu hoch bewertet, kgv für 2022 bei 19, wobei ich diese Schätzung für eher konervativ halte, man wächst stark, hat einen riesigen Markt, der noch jahrelanges starkes Wachstum verspricht, einen gewissen Burggraben und die Möglichkeit seine Margen deutlich auszuweiten.


Die größten Verlierer waren diese Woche:
GFG -9,4%
VW -10,5%
Blue Prism -12,4%
Cegedim -13,7%
Appen -18,0%
IAG -26,0%
Wochenupdate Szew Grundinvest (06.03.2020)
Die vergangene Woche war erneut sehr volatil und alles richtete sich nach der Entwicklung des Coronavirus. Am Ende der Woche verliert der DAX (-2,9%) erneut deutlich, während das Wiki (-1,3%) nur halb so stark fiel.


Im Jahr 2020 liegt das Wiki (-12,5%) nach Gebühren nun wieder minimal vor dem DAX (-12,9%).


In dieser Woche gab es mit IVU und Hypoport zwei Verkäufe von Werten, die ich erst letzte Woche für eine Gegenbewegung aufgenommen hatte. Beide waren in der Woche zuvor übermäßig stark gefallen und hatten daher meiner Meinung nach Aufholpotential. Dieses haben sie direkt zu Beginn der Woche genutzt in dem beide rund 10% zulegen konnten. Diese Gewinne habe ich dann auch schnell mitgenommen und in meine anderen Werte umverteilt.


Wieder mit dabei ist dafür Hochtief, die es aktuell auch im Corona Sonderangebot bei etwa 80€ gibt. Das drittgrößte internationale Bauunternehmen mit einem Rekord Auftragsbestand von rund 50 Mrd Euro und deutlich Nettocash wird nun zu einem kgv von rund 8 mit einer Dividendenrendite von über 7% gehandelt. Der Kurs hat sich von seinem hoch nun mehr als halbiert obwohl die Geschäfte seitdem weiter angezogen haben. Natürlich könnte es durch das Coronavirus auch hier zu Verzögerungen kommen, aber den Abschlag halte ich gerade hier für deutlich zu hoch.


In dieser Woche hat die Global Fashion Group nun seine langerwarteten Zahlen gemeldet. Nach den massiven Verkäufen in diesem Jahr, hatten viele vermutet, dass dies Zahlen schlecht ausfallen könnten, doch das Gegenteil war der Fall, es gab für mich keinerlei negative Überraschung. Man konnte sogar erstmals ein positives aEbitda ausweisen und auch die Prognose für die kommenden Jahre war positiv.

Der Kurs sprang auch zunächst kurz an, doch der Großverkäufer scheint noch nicht fertig zu sein und hat die höheren Kurse direkt genutzt um weitere Anteile loszuwerden. Dennoch konnte sich der Kurs in dieser Woche etwas von seinen Tiefstständen erholen und scheint immer mehr Käufer anzuziehen.

Die aktuelle Coronakorrektur beschert uns momentan sehr viele günstige Werte, was langfristig eine Chance sein kann. Ich beobachte den Markt weiter nach aktuellen Chancen, werde meine Positionierung im Wiki aber nicht groß ändern, da ich langfristig an die Werte glaube, die sich aktuell im Wiki befinden.


Die größten Gewinner waren diese Woche:
GFG +6,5%


Die größten Verlierer waren diese Woche:
Cegedim -2,1%
Blue Prism -4,8%
IAG -9,6%
Wochenupdate Szew Grundinvest (13.03.2020)
In dieser Woche erreichte die Panik um das Coronavirus ein neues Ausmaß, was an den Märkten für Rekordverlusttage sorgte.

Am Ende der Woche verliert der DAX (-20,0%) sehr deutlich, während sich das Wiki (-19,3%) nur minimal besser hielt.


Im Jahr 2020 liegt das Wiki (-29,4%) nach Gebühren weiter leicht vor dem DAX (-30,3%).


Das Wiki fiel in der Spitze von seinem Allzeithoch um rund 34%. Zu meinem Investmentstil gehören größere Drawdowns dazu und sind unvermeidbar, wenn man dauerhaft voll investiert ist. Erst vor gut einem Jahr im Dezember 2018 gab es mit über -36% den bislang größten Drawdown im Wiki - fünf Monate später gab es bereits wieder ein neues Allzeithoch. Wie lange es diesmal dauern wird, kann man nicht seriös abschätzen, wir werden sehen wie schnell sich die Wirtschaft erholt und wann die Nachrichtenlage dreht. Ich suche mir zu diesen Zeiten die für mich günstigsten Unternehmen raus, bei denen ich davon ausgehe, dass sie auch eine kritische Phase überstehen um danach deutliches Aufholpotential zu haben.


Aufgrund der derzeitigen Situation kann man gut erkennen, dass die Marktteilnehmer die Marktrisikoprämie erhöhen. Dies führt in den standardmäßig durchgeführten DCF Bewertungsmodellen vor allem für weiter in der Zukunft liegende Erträge zu einer höheren Abwertung. Daher konzentriere ich mich im Wiki aktuell auch eher auf Werte, die schon jetzt günstig sind und nicht auf Unternehmen, von denen man erwartet aufgrund einer tollen Entwicklung in vielen Jahren mal günstig zu sein.


Beispielsweise ist Hochtief aktuell meine größte Position.

Hochtief ist eins der größten Bauunternehmen der Welt mit einem Umsatz von rund 26 Mrd Euro. Die Marktkapitalisierung beträgt gerade mal noch 4,3 Mrd Euro wobei das Unternehmen noch 1,5 Mrd Euro an Nettocash hat. Es ergibt sich also ein EnterpriseValue von rund 2,8 Mrd Euro. Dabei erwartet man ein Ebit von rund 1,1 Mrd Euro, erhält also ein EV/Ebit von unter 3 oder ein kgv von 6 (cashbereinigt kgv rund 4), dazu gibt es eine Dividendenrendite von inzwischen über 9%. Da der Kurs so stark abgestürzt ist und das Unternehmen über genug Cash verfügt, hat man kurzfristig beschlossen bis zu 10% der Aktien zurückzukaufen, also auch hier versucht man zusätzliche Werte für die Aktionäre zu schaffen. Wie beeinflusst Corona nun das Geschäft? Das ist wie bei allen Unternehmen kaum zu sagen, man hat allerdings einen Rekordauftragsbestand von rund 50 Mrd Euro und um die Konjunktur anzukurbeln könnte es fiskalpolitische Maßnahmen im Baubereich geben, die Hochtief weitere Umsätze beschaffen. Dies ist für mich insgesamt eine gute Situation, da das Unternehmen bilanziell gut genug aufgestellt ist um die aktuelle Situation zu überstehen und langfristig von Konjunkturprogrammen und evtl dem Ausscheiden von Wettbewern profitieren könnte und gleichzeitig sehr günstig zu haben ist.



Ich habe also momentan fast ausschließlich Value Werte im Wiki und habe mich von den Wachstumsunternehmen in dieser Phase getrennt - mit Ausnahme von Blue Prism. Blue Prism gehört als verlustreiches Unternehmen, was zuletzt mit knapp 100% gewachsen ist zu den Wachstumsunternehmen schlechthin und sollte eigentlich besonders unter einer Erhöhung der Marktrisikoprämie leiden. Doch Blue Prisms Geschäftsmodell könnte durch den Virus nochmal befeuert werden. Das Unternehmen setzt darauf gewisse Arbeitsabläufe im Büro zu automatisieren und so diese Tätigkeit unabhängig vom Menschen 24/7 durchführen zu können. Durch die aktuelle Situation könnte einigen Unternehmen der Bedarf nach solchen Lösungen nochmal stärker vor Augen geführt werden, daher lasse ich den Wert momentan auch im Wiki.



Die größten Verlierer waren diese Woche:

VW -24,7%

Hochtief -24,2%

IAG -20,5%

Blue Prism -11,8%

Cegedim -8,6%
Wochenupdate Szew Grundinvest (20.03.2020)
In der vergangenen Woche war es schon etwas stabiler an den Märkten, der DAX (-1,9%) verlor nur noch moderat, während sich das Wiki (-7,6%) deutlicher abgeben musste.

Im Jahr 2020 liegt das Wiki (-35,7%) nach Gebühren nun wieder leicht hinter dem DAX (-32,6%).


Während man in guten Börsenzeiten oft den Spruch "Die Hausse nährt die Hausse" hört, ist es nun genau andersherum, denn wir befinden uns in einer schwierigen Abwärtsspirale.


Die Kurse fallen wegen der Erwartung niedriger Gewinne und dem Einpreisen einer höheren Marktrisikoprämie. Durch den wirtschaftlichen Stillstand kommen einige Unternehmer in finanzielle Schwierigkeiten und müssen schnell zu Liquidität kommen. Wenn sie Aktien halten, werden sie diese wohl trotz gesunkener Kurse auf den Markt werfen und den Kursverfall befeuern. Die Kursverluste erreichen eine neue Stufe, viele Fonds haben sich Regeln aufgelegt, nach denen Positionen verkauft werden müssen, wenn ein prozentualer Kursverlust eingetreten ist. Hinzu kommt, dass ängstliche Investoren nun ihre ETFs und Fonds verkaufen, welche zu zwangsverkäufen der dort enthaltenen Aktien führen. Ob sie wollen oder nicht, dann müssen auch diese ihre Anteile auf den Markt werfen und die Kursverluste erreichen die nächste Stufe. Zusätzlich kommt es nun zu Margin Calls: viele Investoren erhöhen ihren Einsatz über Kredite, welche eine gewisse Sicherheit in Form von Eigenkapital benötigen. Dieses Eigenkapital ist in der Regel ebenfalls in Aktien angelegt. Sinken die Aktienwerte, reicht dieses Eigenkapital nicht mehr aus um als Sicherheit für die erhaltenen Kredite zu fungieren. Wenn man kein Eigenkapital mehr nachlegen kann, ist man gezwungen seine Positionen zu verkaufen egal wie günstig die Aktie momentan auch erscheint und damit kommt es zum endgültigen Absturz an den Börsen. Wann diese Abwärtsspirale gestoppt wird und es wieder aufwärts geht kann niemand mit bestimmtheit sagen, die Effekte die zu diesen Kursverlusten führen, haben ab einem gewissen Punkt aber nichts mehr mit der fundamentalen Bewertung dieser Unternehmen zu tun und genau dann kann man als Investor die größten Schnäppchen finden.


Bei meiner Investmentstrategie versuche ich nie den Markt zu timen und so lange ich Werte finde, denen ich ein gutes Chance Risiko Verhältnis gebe, bleibe ich voll investiert, daher werde ich auch vorallem jetzt kein Cash aufbauen, sondern versuchen den Nutzen aus dieser Abwärtsspirale zu ziehen, denn irgendwann wird diese durchbrochen sein.


In meiner Handelsidee des Wikifolios hatte ich bei Eröffnung geschrieben: "Das Wikifolio, soll aus einer Mischung aus sicheren Dividendentiteln, fundamental unterbewerteten Aktien mit Chancen auf einen Turnaround und zu einem kleinen Teil auch aus Small Caps mit starkem Wachstumspotential bestehen."


Seit bestehen des Wikifolios kam dieser eigentliche Hauptpunkt von fundamental unterbewerteten Dividendenwerten mit Chance auf einen Turnaround sehr kurz, denn in der zuletzt wirtschaftlichen stabilen Lage, gab es nicht viele interessante Turnaroundwerte, denen ich ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis zugestanden hätte, als kleineren wachstumsstarken Unternehmen.

In den Jahren vor der Eröffnung des Wikis, war das allerdings immer mein Investmentschwerpunkt, daher auch so klar in der Beschreibung genannt. Durch die nun wirtschaftlich schwierige Zeit, hat sich vieles am Markt geändert und auch meiner Ansicht nach das Chance Risiko Verhältnis vieler Werte. In der jetzigen Zeit suche ich lieber die Sicherheit als das Risiko, ohne, dass ich mir große Chancen entgehen lassen will. Wähle also Unternehmen, die in dieser Zeit zu hart abgestraft wurden, Unternehmen, bei denen ich davon ausgehe, dass sie stark genug sind auch eine längere Flaute zu überstehen um am Ende durch die Insolvenz kleinerer Wettbewerber gestärkt aus der Situtation hervorzugehen. Daher habe ich mich auch dazu entschieden nun die kleineren, wachstumsstarken Unternehmen zunächst zu verkaufen, da diese häufig noch Verluste machen und erstmal beweisen müssen, dass sie diese Phase überleben können. Sollte der Sturm vorbei sein und die Wirtschaft wieder anziehen, so sind diese Werte sicher wieder Kandidaten für eine Aufnahme, das erhöhte Risiko möchte ich allerdings nicht länger tragen.

In dieser Woche habe ich eine zweite Maßnahme getroffen um das Risiko weiter zu verringern, denn niemand kann vorhersagen wie lange die aktuelle Situation noch andauern wird. Während ich zuletzt Werte im Wiki hatte, die von dem aktuellen Abschwung deutlich getroffen sein werden, aber meiner Einschätzung nach nicht so hart getroffen werden, wie der Kursverlust suggeriert, habe ich diese Woche sechs Werte aufgenommen, bei denen ich davon ausgehe, dass diese von der aktuellen Situation wenig betroffen sind, bzw noch profitieren könnten und dennoch deutliche Kursverluste hinnehmen mussten.


Zu den Unternehmen, welche die Flaute zwar treffen wird, ich aber denke, dass der Kursabschlag schon viel zu hoch ist gehören VW, Hochtief, Allianz und ING. VW und Hochtief gehören zu den besten Unternehmen ihrer Branche und sind mit einer ordentlichen Nettocashposition ausgestattet, die sie auch eine längere Durststrecke überstehen lassen sollten. Auch die ING und Allianz könnten als Finanzwerte deutlich unter der aktuellen Situation leiden. Aber auch diese beiden Werte gehören zu den Stärksten ihrer Branche und verfügen über eine gute Kapitalausstattung. Daher gehören diese Werte für mich zu den vier größten Turnaroundkandidaten sobald Licht am Ende des Tunnels ist.

Da kaum jemand abschätzen kann, wann denn nun dieses Licht wirklich zu sehen sein wird, habe ich mit Wirecard, Deutsche Börse, Facebook, Alphabet, RTL und Wallstreet Online sechs weitere Werte aufgenommen, die von dieser Zeit, in der man verstärkt zu Hause bleibt eher profitieren sollten. Wirecard als digitaler Bezahldienstleister dürfte von der erhöhten Nutzung digitaler Produkte und Bestellungen über das Internet profitieren. Die Deutsche Börse sollte durch die aktuellen Marktturbulenzen mehr verdienen, da mehr gehandelt wird. Facebook und Alphabet sollten durch das verstärkte Zuhause bleiben auch eine erhöhte Nutzung ihrer Produkte erfahren. Auch klassisches Fernsehen sollte mehr geschaut werden wovon RTL profitieren könnte. Wallstreet Online könnte gleich doppelt profitieren, denn durch das verstärkte zuhause sein, haben viele mehr Zeit sich über die Seiten des Unternehmens über die Börse zu informieren und durch die Marktturbulenzen besteht auch ein erhöhter Bedarf danach. Wichtig war mir auch hier eine starke Marktstellung vor allem eine solide Bilanz der Unternehmen, daher habe ich z.B. auch eine RTL gewählt und hätte nie eine Prosieben gekauft. Natürlich sind diese Werte keine reinen Profiteure, denn egal wie hoch die Nutzung ihrer Produkte ist, am Ende verdienen sie ihr Geld über Werbeeinnahmen und in einer Rezession sparen Unternehmen häufig gerade daran. Dennoch glaube ich nicht, dass der Einbruch so heftig sein wird wie z.B. 2008/2009, da dies eine ganz andere Situation ist und sich deutlich schneller entspannen könnte. Gerade, da sich der Aufenthalt der Menschen in nächster Zeit immer stärker auf die eigenen vier Wände beschränken dürfte, haben werbewillige Unternehmen nicht mehr so viele Möglichkeit die potentiellen Kunden zu erreichen und da bieten diese Unternehmen genau die Möglichkeit jetzt eine erhöhte Nutzerzahl anzusprechen. Wichtig war mir bei diesen Werten, dass sie zwar zu den Profiteuren gehören könnten, aber alle trotzdem mindestens 30% Kursverlust hingelegt haben, damit diese Werte ebenfalls Aufholpotential besitzen. Andere Werte, die gerade kursmäßig von der Situation sogar profitieren, sind für mich eher uninteressant, da diese eher fallen sollten, sobald die Lage besser wird und damit die Kursgewinne der anderen Werte aufheben.
Hallo,

ich hab mal eine mehr grundsätzliche Frage zu deinem Trading: wir berücksichtigst du Spreads?

Du hattest Aktien wie 'Blue Prism' und 'Appen', die beide auf LuS recht hohe Spreads hatten.

Also, mich würde interessieren ob die Spreads berücksichtigst, wenn du eine Position eröffnest. Oder lassen die sich nun mal nicht vermeiden.

Grüße
Antwort auf Beitrag Nr.: 63.080.794 von Szew am 20.03.20 18:33:04Bzgl. RTL (TV-Sender insgesamt) bewerte ich das Risiko viel höher, denn die ganzen Werbetreitebenden stornieren ihre Werbeschaltung - meine Ex arbeitet in einer Mediaagentur und die machen momentan nichts anders mehr. Die einen wollen keine Werbung mehr schalten, weil ihr Geschäfts geschlossen ist (Restaurants, Einzelhandel, Touristik), die anderen weil ihre Sendeformate nicht mehr stattfinden (Formel1, Bundesliga) oder weil sie keine Werbung mehr nötig haben, da ohnehin alle zu ihnen kommen und sie schon jetzt kaum hinterherkommen (EDEKA, ALDI, DM, Rossmann). Da die Stornofristen idR. zwei, drei Wochen betragen, läuft zZ noch viel Werbung, aber das wird sich in den nächsten Wochen rapide ändern. Dann werden die Sender die Lücken mit Eigenwerbung für Sendungen usw. füllen. Mehr Zuschauer bringen nicht mehr Einnahmen, sondern mehr Werbung zu höheren Preisen. Und da müssen die Sender jetzt eher mit hohen Rabatten winken, damit überhaupt noch jemand Werbung schaltet.
Antwort auf Beitrag Nr.: 63.086.899 von sirmike am 21.03.20 15:21:01Vielen Dank für Deine Einschätzung zur TV-Werbung.
Meinem Gefühl nach ist das nicht für alle „Branchen“ zutreffend. Sicher wird durch die Einstellung der Sport- und Freizeitevents kurzfristig viel wegfallen. Meiner Meinung nach wird jedoch einiges durch die Anbieter im Online-Handel aufgefangen.
Dieses Jahr wird jedoch sicher für fast alle schwer werden. Vier Wochen (vermutlich leider plus x) mit starken Einschränkungen wird deutliche Spuren hinterlassen. Je länger desto schwerer für immer mehr...
Antwort auf Beitrag Nr.: 63.086.605 von HighTechAlpha am 21.03.20 14:31:57
Zitat von HighTechAlpha: Hallo,

ich hab mal eine mehr grundsätzliche Frage zu deinem Trading: wir berücksichtigst du Spreads?

Du hattest Aktien wie 'Blue Prism' und 'Appen', die beide auf LuS recht hohe Spreads hatten.

Also, mich würde interessieren ob die Spreads berücksichtigst, wenn du eine Position eröffnest. Oder lassen die sich nun mal nicht vermeiden.

Grüße


Moin,
leider gibt es bei Wikifolio nicht die Möglichkeit sich ins Orderbuch zu legen, sondern man muss den Spread immer bezahlen. Ich versuche diesen möglichst gering zu halten in dem ich eine Weile beobachte, wie sich dieser zu unterschiedlichen Tageszeiten verhält um dann einen möglichst geringen Spread zu bezahlen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 63.086.899 von sirmike am 21.03.20 15:21:01Moin,

ich gehe hier von unterschiedlichen Entwicklungen aus. Wie erwähnt, gehe ich nicht davon aus, dass RTL zu den reinen Gewinnern gehören wird, aber eben auch nicht zu den reinen Verlierern, denn es gibt auch positive Entwicklungen. Für die einen Branchen ist es aktuell nicht sinnvoll zu werben, die werden ihre Plätze stornieren. Für andere ist es jetzt gerade sinnvoll zu werben sei es für Onlinehandel, Computerspiele, Heimfitnessprogramme und ähnliches… Für andere ist es wiederum halbwegs egal z.B. Produkte wie Nivea. Auf der anderen Seite hat RTL aber inzwischen auch ein größere digitales Angebot und ich erwarte z.B. einen deutlichen Anstieg der TVNOW Kunden in Deutschland und Videoland in den Niederlanden, welche per Abo bezahlen und man hier erstmal unabhängig von der Werbung verdient. Einige werden nach dieser Zeit sicher wieder abspringen, aber viele werden auch bleiben, so dass RTL hier dauerhaft profitieren könnte. Beide Streamingangebote sind im letzten Jahr deutlich gewachsen (Nutzerzahlen: TVNOW +45%, Videoland +29%; Umsatz +47%).
Neben diesen Bereichen hat RTL noch seine Produktionstochter, die für fast 30% der Umsätze steht. Hier erwarte ich keinen deutlichen Rückgang, da diese eben auch für andere Streamingplattformen wie Netflix oder Amazon Video produzieren und hier der Bedarf eher weiter steigen sollte (Organisches Wachstum in 2019 +10%).
Klar, das klassische Fernsehen wird immer mehr Tod geredet und ich denke auch, dass es immer weiter zurückgehen wird, aber dieser Rückgang geht nicht von heute auf morgen, sondern vollzieht sich sehr langsam (Werbeumsatz von RTL im TV Bereich im letzten Jahr: Deutschland +0,1%, Frankreich -0,2%, Niederlande -1,1%). Unterm Strich konnte RTL den Umsatz aber um 2,2% steigern aufgrund des Zuwachses der Produktionstochter und dem Wachstum im Streamingbereich. Für 2020 hat man ebenfalls ein Umsatzplus von 2-3% angesagt.

Unterm Strich wird mir RTL einfach zu pessimistisch bewertet. Wir haben hier ein nahezu schuldenfreies Unternehmen (384 Millionen = 0,27x EBITDA), was mit einem kgv von rund 6,5 bewertet wird, wovon 80% ausgeschüttet werden sollen (Rendite aktuell rund 13,5%). RTL schafft es das abflauende Geschäft der TV Werbung durch neue Geschäftsfelder zu überkompensieren und hat mit Bertelsmann einen strategischen Großaktionär (hält 75%), welcher die günstigen Kurse zuletzte schon für Zukäufe genutzt hat.
Antwort auf Beitrag Nr.: 63.087.034 von benhurr am 21.03.20 15:47:31
Zitat von benhurr: Vielen Dank für Deine Einschätzung zur TV-Werbung.
Meinem Gefühl nach ist das nicht für alle „Branchen“ zutreffend. Sicher wird durch die Einstellung der Sport- und Freizeitevents kurzfristig viel wegfallen. Meiner Meinung nach wird jedoch einiges durch die Anbieter im Online-Handel aufgefangen.
Dieses Jahr wird jedoch sicher für fast alle schwer werden. Vier Wochen (vermutlich leider plus x) mit starken Einschränkungen wird deutliche Spuren hinterlassen. Je länger desto schwerer für immer mehr...


Ja, Onlinehandel nimmt stark zu. Aber... schalten die deshalb auch mehr Werbung? Amazon (und andere) "rationieren" ja bereits Waren in ihren Lagerhäusern, um die relevanten Produkte schnell(er) anbieten zu können. Die suchen kurzfristig 100.000 zusätzliche Leute im bereich Logistik/Warenhaus/Zustellung, weil sie mit der Arbeit jetzt schon nicht mehr hinterher kommen. Warum sollte Amazon zusätzlich Werbung machen? Bei Google haben sie ihre Werbebuchungen bereits um zwei Drittel gestrichen, es ist einfach nicht nötig, zu werben, die Leute kommen ja auch so. Deshalb glaube ich nicht, dass Onlinehändler des Wegbrechen der "normalen" Werbeeinnahmen kompensieren werden. Und gerade die Tourismusbranche, die würde jetzt wie wild werben - aber Tui, Alltours booking.com, Expedia, AIDA, die sind doch alle Weg vom Fenster (angebots- und werbetechnisch).
 Durchsuchen


Beitrag zu dieser Diskussion schreiben